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Bertolt Brecht und die "Funktion des Rundfunks" - Was nützt eine alte Utopie im Digitalzeitalter? Ein Vergleich

Hausarbeit 2007 15 Seiten

Medien / Kommunikation - Massenmedien allgemein

Leseprobe

Inhalt:

1. Einleitung

2. Überblick: Die Entwicklung des Radios
2.1. Entwicklung bis in die 1930er Jahre
2.2. „Einmal Leitmedium und zurück“ - die weitere Entwicklung bis heute

3. Grundzüge der Radiotheorie Brechts
3.1. Publikationsüberblick
3.2. „Der Rundfunk als Kommunikationsapparat“
3.3. Versagen der Theorie?

4. User Generated Content im Online-Zeitaltereine Medienrevolution im Brechtschen Geiste?
4.1. Begriffsannäherung: Web
4.2. Utopie Internet vs. Utopie Radio

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Man hatte plötzlich die Möglichkeit, allen alles zu sagen, aber man hatte, wenn man es sich überlegte, nichts zu sagen. Und wer waren alle?“

– Bertolt Brecht: Der Rundfunk als Kommunikationsapparat1

Dass bereits wenige Jahre, nachdem Brecht die Forderung gestellt hatte, den Rundfunk von einem Distributions- in einen Kommunikationsapparat zu verwandeln2, ein Kapitel deutscher Geschichte beginnen sollte, das die Gefahren der einseitigen Informationsübermittlung mehr als deutlich macht, hat ihn möglicherweise selbst überrascht. Mit Scharfsinn hatte Brecht aber das Problem mangelnder politischer Partizipation des Einzelnen erkannt, welches aus der Hoheit einer Regierung über die Rundfunkberichterstattung resultiert. Dass jedoch eine Neuordnung der Kommunikationsstrukturen, wie sie ihm vorschwebte, utopisch sein musste, war Brecht gleichsam bewusst: Die bestehende „Gesellschaftsordnung“ würde die Durchführung der Rundfunkrevolution unmöglich machen, weshalb eine „andere Ordnung“ anzustreben sei1 – sowohl als strukturelle Grundlage, als auch als Resultat der multipolaren Ausdeutung und Verwendung des Rundfunksystems.

Jahrzehnte sind ins Land gegangen, und der Rundfunk spielt heute als Leitmedium keine Rolle mehr. Es besteht kein Zweifel daran, dass das Radio die Erwartungen von Brechts Utopie nicht erfüllen konnte. Überraschenderweise zeigt jedoch ein Blick auf die mediale Entwicklung der letzten fünf bis zehn Jahre Tendenzen, die der utopischen Rundfunk- kommunikation gar nicht so unähnlich sind: Im Zuge des gigantischen Wachstums des Internets tummelt sich unter dem Schlagwort „Web 2.0“ eine Vielzahl von Kommunikations- angeboten, die Millionen von Kleinstakteuren zur Beteiligung anregen. „Broadcast Yourself“ heißt es etwa in der Amateurvideodatenbank youtube.com, und damit scheint die alte Forderung, „allen alles zu sagen“ und damit jeden Einzelnen an der Ausstrahlung von Inhalten zu beteiligen, geradezu wörtlich ins 21. Jahrhundert übersetzt.

Doch ist das Zeitalter des „User Generated Content“ tatsächlich die Brechtsche Rundfunkrevolution im postmodernen Gewand? Taugt das Internet als politisches Medium für jedermann? Oder können jene Visionen ein für alle mal als gescheitert gelten, da man, „wenn man es sich überlegt“, noch immer „nichts zu sagen“ hat?

[...]


1 BRECHT1, Bertolt: Der Rundfunk als Kommunikationsapparat. Rede über die Funktion des Rundfunks. In: Pias, Claus/Vogl, Joseph/Engell, Lorenz/Fahle, Oliver/Neitzel, Britta (Hg.): Kursbuch Medienkultur. Die maßgeblichen Theorien von Brecht bis Baudrillard. Stuttgart: DVA 1999, S.259-263, 259.

2 Vgl. ebd., S.260.

3 Vgl. ebd., S.263.

Details

Seiten
15
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640092413
ISBN (Buch)
9783640677870
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v111148
Institution / Hochschule
Universität Siegen
Note
1,0
Schlagworte
Bertolt Brecht Funktion Rundfunks Utopie Digitalzeitalter Vergleich Radio Rundfunk Theorie Geschichte Praxis world wide web youtube web 2.0

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Titel: Bertolt Brecht und die "Funktion des Rundfunks"  -  Was nützt eine alte Utopie im Digitalzeitalter? Ein Vergleich