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Symbolwelten - Die Erkenntnis- und Symboltheorie Nelson Goodmans

Hausarbeit 2005 26 Seiten

Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Goodmans Erkenntnistheorie
2.1 Philosophiegeschichtliche Verortung Goodmans
2.2 Sichtweisen & Weltversionen
2.3 Richtigkeit

3 Goodmans Symbolbegriff im Vergleich

4 Bezugnahme und ihre Spielarten
4.1 Denotation
4.2 Exemplifikation
4.3 Ausdruck
4.4 Metapher

5 Allgemeine Symboltheorie
5.1 Aufbau eines Symbolsystems
5.2 Autographisch vs. allographisch
5.3 Syntaktische Eigenschaften von Notationssystemen
5.4 Semantische Eigenschaften von Notationssystemen
5.5 Drei Klassen von Symbolsystemen

6 Symptome des Ästhetischen

7 Resümee

8 Literatur

1 Einleitung

Die Symboltheorie Nelson Goodmans erlebt in den letzten Jahren auch in Deutschland eine zunehmende Rezeption, besonders auch im medienphilosophischen wie auch im sprachwissenschaftlichen Diskurs.

Diese Hausarbeit hat zum Ziel, einen Überblick über die erkenntnistheoretischen Voraussetzungen der Goodmanschen Theorie, über Goodmans Analyse verschiedener Symbolfunktionen und -systeme sowie über die „sie alle umfassende[] Organisation“[1] zu geben. Es handelt sich also eher um eine erläuternde und zusammenfassende als um eine kritische Betrachtung von Goodmans Werk. Auf Probleme in Goodmans Werk kann nur hingewiesen, tiefergehende Kritik oder gar Lösungsvorschläge können nicht gemacht werden.

Anfangs werde ich Goodmans Theorie in die philosophiegeschichtliche Tradition einordnen als eine Weiterentwicklung der Kantschen Transzendentalphilosophie und des linguistic turns, um darauf aufbauend seine Erkenntnistheorie, seinen Irrealismus, näher zu erläutern. Demnach gibt es Erkenntnis allein in Weltversionen, welche wiederum nur durch Symbolsysteme gegeben sind.

Diese Symbolsysteme gilt es näher zu betrachten. Allerdings erfolgt vorher eine historisch vergleichende Betrachtung des Goodmanschen Symbolbegriffs. Dann erst folgt eine Erläuterung der verschiedenen Arten der Symbolisierung oder Bezugnahme um sodann den Aufbau von Symbolsystemen, die allgemeine Symboltheorie, genauer zu betrachten.

Auf dieser Basis werden schließlich einige Symbolsysteme wie sprachliche, pikturale und notationale miteinander verglichen.

2 Goodmans Erkenntnistheorie

2.1 Philosophiegeschichtliche Verortung Goodmans

Der amerikanische Philosoph Nelson Goodman lebte von 1906 bis 1998. Erste Aufmerksamkeit erlangte er mit seinen Fragen zum Induktionsproblem, die er unter dem Etikett „new riddle of induction“ in dem Buch „Fact, Fiction, and Forecast“ (1. Auflage 1954) formulierte. Es handelte sich um einen Lösungsansatz des Induktionsproblems, der Goodman aber zu einem Paradox, eben dem „new riddle of induction“ führte. Diese spezifische Problematik kann in diesem Rahmen nicht genauer betrachtet werden, obwohl sie durchaus mit Goodmans Erkenntnis- und Symboltheorie verbunden ist.[2]

Eine breite Rezeption sowohl in Bereichen der Kunsttheorie, der Ästhetik wie auch der Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie, Zeichen- und Symboltheorie sollte Goodman dann mit seinem 1968 erstmals erschienenen Buch „Languages of Art“ erhalten. Dieses Buch entwickelt nicht weniger als einen Ansatz zu einer allgemeinen Symboltheorie.

Die Untersuchung führt dabei „über die Künste hinaus in Themenbereiche der Wissenschaften, der Technologie, der Wahrnehmung und der Praxis. Probleme aus dem Bereich der Künste sind eher Ausgangs- als Zielpunkte.“[3]

Goodmans Erkenntnistheorie, welche die Grundlage für seine Symboltheorie bildet, steht ganz in der Tradition der Kantschen Transzendentalphilosophie und des linguistic turns. So schreibt er in der Einleitung seines Buches „Weisen der Welterzeugung“, dieses gehöre „zur Hauptströmung der modernen Philosophie …, die damit begann, daß Kant die Struktur der Welt durch die Struktur des Geistes ersetzte, in deren Fortführung C.I. Lewis die Struktur der Begriffe an die Stelle der Struktur des Geistes treten ließ, und die nun schließlich dahin gekommen ist, die Struktur der Begriffe durch die Strukturen der verschiedenen Symbolsysteme der Wissenschaften, der Philosophie, der Künste, der Wahrnehmung und der alltäglichen Rede zu ersetzen.“[4]

Kant leitete mit seiner „Kritik der reinen Vernunft“ die „Kopernikanische Wende“ in der Philosophie ein und löste damit das ontologische Paradigma ab, indem er die Untersuchung der realen Welt oder der Ideen, der Dinge an sich, für unmöglich erklärte. Er beschränkte sich stattdessen darauf, mit den Anschauungsformen und den Kategorien des Verstandes die Bedingungen der Möglichkeit der Erkenntnis, also unseren Erkenntnisapparat, den Filter, der allem Erkannten seine Form gibt, zu analysieren.

Mit dem linguistic turn in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wiederum wurde dieses Kantische, nennen wir es das mentalistische, Paradigma abgelöst. An seine Stelle trat die logische Analyse und Optimierung der Sprache zum Verständnis bzw. zur Verbesserung unserer Erkenntnis der Welt. Es entstanden die Philosophie der idealen Sprache und die ordinary language philosophy.

Von Goodmans Philosophie kann man nun sagen, dass sie den Ansatz der sprachanalytischen Philosophie weiterentwickelt, weil sie alle symbolischen Prozesse als erkenntnisschaffend ansieht, um daraus folgend eine allgemeine Symboltheorie zu entwickeln. Goodman könnte demnach als ein Vertreter des medial turns verstanden werden.[5]

Selber umschreibt er seine erkenntnistheoretische Position „als radikaler Relativismus unter strengen Einschränkungen …, der auf eine Art Irrealismus hinausläuft.“[6] Was bedeutet das aber konkret für Goodmans Verständnis menschlicher Erkenntnis?

2.2 Sichtweisen & Weltversionen

Zur ersten Annäherung sei eine kurze Erläuterung seines Irrealismus durch Goodman selbst zitiert: „Irrealismus behauptet nicht, daß alles oder überhaupt etwas irreal ist, sondern sieht, daß die Welt sich in Versionen auflöst und Versionen Welten erzeugen, er findet, daß Ontologie im Verschwinden ist“.[7]

Irrealismus ist also nicht wörtlich zu verstehen. Goodman wählt diese Bezeichnung, weil seine Erkenntnistheorie „mit dem Rationalismus ebenso auf Kriegsfuß steht wie mit dem Empirismus, mit dem Materialismus ebenso wie mit dem Idealismus und dem Dualismus“[8].

Kommen wir noch einmal auf die Kantsche Tradition zurück, in der Goodman steht. „Zwar ist Begreifen ohne Wahrnehmung leer, aber Wahrnehmung ohne Begreifen blind[9]. Mit dieser Formulierung schließt Goodman unzweideutig an Kant an.[10] Nackte Erkenntnis, das unmittelbare Erfassen der Welt ist schon in der Wahrnehmung, also an „vorderster Front“ der Erkenntnis, nicht möglich: „Nichts wird entblößt gesehen oder bloß gesehen“[11], „das unschuldige Auge gibt es nicht“[12], vielmehr sehen wir immer etwas als etwas.

Dieses Etwas-als-etwas-Sehen bedeutet eine Weise, in der der Gegenstand ist, erschafft eine Weltversion. Es gibt keine andere Möglichkeit der Erkenntnis von Welt als in einer Weltversion. Wir haben Welt allein in Versionen, die sich zudem noch widersprechen können, die – mit Kuhn gesprochen – inkommensurabel sein können[13]. So können z.B. die beiden – logisch gesehen kontradiktorischen – Aussagen

(1) Die Sonne bewegt sich nie. und
(2) Die Sonne bewegt sich immer.

innerhalb zweier unterschiedlicher Bezugsrahmen, die Goodman als Beschreibungs systeme bezeichnet, wahr sein.[14] Je nachdem, ob wir das alltägliche Reden über Sonnenauf- und -untergang als Bezugsrahmen nehmen oder das eher wissenschaftliche heliozentrische Weltbild. Wichtig ist, dass wir über die Sonne nur etwas in irgendeinem Bezugssystem wissen können. Es kann sich auch um ein nicht-präpositionales Beschreibungssystem handeln, etwa um eine Abbildung der Sonne auf einem Bild van Goghs. Goodman sieht Produkte in sämtlichen Symbolsystemen, nicht allein in sprachlichen, als welterzeugend an.

Es ist zu betonen, dass die verschiedenen Beschreibungssysteme sich nicht in unterschiedlicher Weise auf die eine Welt beziehen, sondern es gilt: „Wenn konfligierende Aussagen wahr sind, sind sie in unterschiedlichen Welten wahr.“[15]

So heißt es: „Wir sind bei allem, was beschrieben wird, auf Beschreibungsweisen beschränkt. Unser Universum besteht sozusagen aus diesen Weisen und nicht aus einer Welt oder aus Welten.“[16] Hinter den unzähligen Weltversionen verschwindet gleichermaßen die eine Welt, die Welt an sich. Wenn der Gegenstand vor mir „ein Mann, ein Schwarm von Atomen, ein Zellkomplex, ein Fiedler, ein Verrückter und vieles mehr“[17] ist, was ist er dann wirklich ? Die Frage nach der wirklichen Welt erübrigt sich, und so ist, „wenn man auch die zugrunde liegende Welt jenseits dieser Versionen gegenüber denen, die daran hängen, nicht abzustreiten braucht, … diese Welt vielleicht doch eine ganz und gar verlorene.“[18]

Goodman bestreitet die Möglichkeit einer Reduktion auf eine Weltversion und hält dies auch nicht für wünschenswert.

Neue Weltversionen und somit neue Bezugssysteme entstehen immer aus alten Weltversionen vermittelst verschiedener Arten der Welterzeugung. Goodman unterscheidet fünf Arten der Welterzeugung, die weder vollständig noch klar definitorisch getrennt sind. Dieses sind Komposition und Dekomposition, Gewichtung, Ordnen, Tilgung und Ergänzung sowie Deformation.[19] So wird also eine Weltversion durch Bestimmung relevanter Arten, deren Klassifizierung, Ordnung und Gewichtung charakterisiert und neue Weltversionen entstehen aus der Veränderung alter Weltversionen, z.B. mittels Tilgung und Ergänzung. Diese Schaffung von Welten wird in der Kunst anschaulich in Variationen eines Werkes oder in der Wissenschaft Verlagerung von Beobachtungsschwerpunkten und Neuordnung oder Neudefinition des Gegenstandsbereichs.

Eine zugrunde liegende Welt kann nicht bewiesen und muss für eine Erkenntnistheorie nicht angenommen werden. Was Goodman glaubt finden oder vielmehr erschaffen zu können ist eine „sie alle umfassende[] Organisation“[20]. Er geht dabei den Weg „einer analytischen Erforschung von Typen und Funktionen von Symbolen und Symbolsystemen.“[21] Weltversionen sind uns nämlich in Symbolsystemen gegeben. Somit wird der Zusammenhang von Goodmans Erkenntnistheorie und seiner Symboltheorie klar.

Dieser allgemeinen Symboltheorie Goodmans werden wir uns zuwenden, nachdem die Kriterien für die Richtigkeit sowohl wissenschaftlicher als auch künstlerischer Weltversionen aufgezeigt wurden.

2.3 Richtigkeit

Wir haben gesehen, dass die Symbolsysteme der Wissenschaft wie der Kunst gleichermaßen dem Erkenntnisgewinn dienen können und dass wir Welt allein in unzähligen verschiedenen Weltversionen haben. Kann nun jede mögliche Weltversion als eine richtige Darstellung von Welt gelten? Dies ist nicht der Fall, denn wie erwähnt unterliegt Goodmans Relativismus Einschränkungen, die nun erläutert werden sollen.

Goodman unterscheidet zwischen richtigen und falschen Weltversionen. Er führt den Ausdruck ‚Richtigkeit’ ein, um den Begriff der Wahrheit durch eine Anwendung auf Kunstwerke oder Ähnliches nicht zu überdehnen. Wahrheit ist nunmehr ein Teil des umfassenderen Begriffs ‚Richtigkeit’, der auch auf pikturale Weltversionen und auf Produkte in anderen Symbolsystemen angewandt werden kann.

Da es keine reale Welt als Maßstab zur Beurteilung von Weltversionen gibt, muss Richtigkeit an andere Bedingungen gebunden sein. Dazu zählen Kriterien wie „Triftigkeit, Bündigkeit, Reichweite, Informationsgehalt und organisierende Kraft des gesamten Systems“[22].

Nur richtige Weltversionen schaffen eine Welt, falsche bleiben falsche Versionen. Wir haben also genauso genommen – und hier muss das im vorherigen Abschnitt Erwähnte eingeschränkt werden – Welt nur in richtigen Weltversionen.

Dies sind also die „strengen Einschränkungen“ des Goodmanschen Relativismus. Goodman schreibt:

Für Philosophen wie Rorty, Kuhn und Feyerabend führt der Verlust der Welt zu einem Skeptizismus, der an der Unterscheidung zwischen dem, was wahr, und dem, was falsch ist, verzweifelt und jedwede Wissenschaft oder andere Forschung auf eitles Geschwätz reduziert. Für uns führt die Zurückweisung unhaltbarer Vorstellungen von einer vorgefertigten Welt und der durch sie festgelegten Wahrheit dazu, daß die Bedeutung, zwischen richtigen und verkehrten Versionen zu unterscheiden, zunimmt.

Hier kommt Goodmans Symboltheorie ins Spiel. Seine Analyse verschiedener Symbolsysteme bildet die Grundlage für das Erkennen und Bilden richtiger Weltversionen, weil sie uns deren Strukturen verständlich macht. Seine Symboltheorie soll „eine Kritik der Welterzeugung und zugleich einen Fortschritt des Verstehens ermöglichen“[23].

3 Goodmans Symbolbegriff im Vergleich

Autoren wie Hegel, Humboldt und Saussure verwenden den Ausdruck ‚Symbol’ in Differenz zu ‚Zeichen’ und ‚Name/Wort’, wobei das Symbol ein Bezeichnendes ist, das selbst schon Bedeutung hat, ohne auf ein Bezeichnetes bezugnehmen zu müssen. Es ist selbstbedeutsam und gibt somit einen Rahmen vor, innerhalb dessen es für etwas stehen kann. Es legt der Intelligenz gewissermaßen Schranken im Gebrauch auf.

Hegel schreibt im dritten Teil seiner Enzyklopädie das Symbol sei „eine[] Anschauung, deren eigene Bestimmtheit ihrem Wesen und Begriffe nach mehr oder weniger der Inhalt ist, den sie als Symbol ausdrückt“.[24] Im Unterschied dazu sei die Intelligenz im Gebrauch von Zeichen und besonders im Gebrauch des Wortes frei, weil Wort und Zeichen nicht selbstbedeutsam sind.

Bei Humboldt verlangt das Symbol „eine vollständige, für sich bestehende Naturform“[25], ein für sich unabhängig vom Bezeichneten existentes Bezeichnendes, das für sich betrachtet werden kann und selbstbedeutsam ist. Somit ist auch hier der Gebrauch eines Symbols nicht willkürlich.

Auch Saussure betont die Eigenständigkeit, die Eigenbedeutsamkeit des Symbols und somit die eingeschränkte Willkür in seinem Gebrauch. In der Edition Critique des «Cours de linguistique generale» findet sich folgende Notiz: „Le symbole n’est jamais vide; il y a au moins un rudiment de lien entre l’ideé et ce qui lui sert de signe.“[26]

Als Beispiel für die hier kurz erläuterte Auffassung des Symbolbegriffs (immer in Abgrenzung zu Zeichen und oralem Wort) sei der Adler genannt, der demnach von Natur aus majestätisch, kämpferisch und siegreich sei und somit als Symbol für eben diese Eigenschaften benutzt wird. Die „für sich bestehenden Naturform“ Adler hat nach dieser Auffassung selbst Bedeutung inne und gibt deshalb den Rahmen der signifiés vor, für die es als signifiant verwendet werden kann. Somit schränkt das Symbol die Freiheit und Willkür seiner Verwendung ein im Gegensatz zum Zeichen oder Wort.

Nelson Goodmans Symbolbegriff unterscheidet sich sehr von dem hier knapp und vereinfacht vorgestellten traditionellen Symbolbegriff. Goodman sagt, ‚Symbol’ wird in seinen Werken „als ein sehr allgemeiner und farbloser Ausdruck gebraucht. Er umfasst Buchstaben, Wörter, Texte, Bilder, Diagramme, Karten, Modelle und mehr, aber er hat nichts Gewundenes oder Geheimnisvolles an sich.“[27]

Als Symbole gelten also auch jene Arten der Bezeichnung, zu denen die älteren Autoren den Symbolbegriff in Differenz gesetzt hatten, wie z.B. das Wort oder das Zeichen.

Die Frage, ob es auch bei Goodman eine Naturform gibt, die ihren Gebrauch als signifiant vorherbestimmt, wird später genauer betrachtet werden (vgl. Abschnitt 5). Hier sei nur soviel gesagt, dass Konventionen und symbolisierende Praxis bei Goodman eine starke Rolle bei der Bezugnahme und der Interpretation jeglicher Symbole (im weiten Sinne Goodmans) spielen.

Vorerst werden wir uns mit dem Grundbegriff in Goodmans Symboltheorie, der Bezugnahme, befassen. Die allen von Goodman betrachteten Symbolen gemeine Eigenschaft ist nämlich, dass sie auf irgendeine Weise bezugnehmen.[28]

4 Bezugnahme und ihre Spielarten

Was hat es nun mit dieser Bezugnahme, der Eigenschaft, die alles Symbolisierende besitzt, auf sich? Eine intensionale Defintion wird hier nicht gegeben werden, denn auch Goodman liefert diese nicht. Er sagt nur sehr allgemein, Bezugnahme sei „die Beziehung zwischen einem Symbol und dem, wofür es in irgendeiner Weise steht.“[29]

Anstatt diese Beziehung nun näher zu erläutern expliziert Goodman den Begriff der Bezugnahme durch die Erläuterung seiner verschiedenen Spielarten. Goodmans Ansatz ist also ein extensionaler.

Grundlegende Formen der Bezugnahme sind die Denotation und ihre inverse Relation, die Exemplifikation. Eine Unterart ist der Ausdruck als metaphorische Exemplifikation, dem Goodman als wichtigen Begriff in der Kunsttheorie größere Aufmerksamkeit schenkt.

4.1 Denotation

Der Ausdruck ‚Denotation’ wird von Goodman weiter als im üblichen logischen Gebrauch verwendet. So ist Denotation nicht nur eine Funktion von Wörtern, Sätzen oder Prädikaten, sondern von Etiketten im Allgemeinen. So können alle Etiketten – Bilder, Skulpturen, Diagramme etc. – denotieren.

Denotation ist folglich eine Eigenschaft der pikturalen wie der verbalen Repräsentation. „Ein Bild, das einen Gegenstand repräsentiert – ebenso wie eine Passage, die ihn beschreibt -, nimmt auf ihn Bezug und, genauer noch: denotiert ihn. Denotation ist der Kern der Repräsentation und unabhängig von Ähnlichkeit.“[30]

Hier löst Goodman en passant bei der Entwicklung seiner Symboltheorie ein Problem der Kunsttheorie auf überraschende Art und Weise. Bei der Suche nach einem Unterscheidungsmerkmal von pikturaler und verbaler Repräsentation verabschiedet er die Ähnlichkeit zwischen Bild und Sujet als Eigenschaft pikturaler Repräsentation[31] und stößt auf die Denotation als „Kern der Repräsentation“. Da diese nun aber sowohl Berichten wie Bildern eigen ist, nähert er diese einander an anstatt ein Unterscheidungsmerkmal zu finden. Diese Gemeinsamkeit von Abbildungen und Texten verwundert nicht, wo schon in der Goodmanschen Erkenntnistheorie Kunst und Wissenschaft als gleichermaßen erkenntniserzeugend angesehen werden (vgl. 2).

In Abbildung 1 wird die Bezugnahmerelation der Denotation vereinfacht dargestellt. Ein Etikett A nimmt bezug auf einen Gegenstand B.

Abb. 1:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Verstehen wir Denotation als die Bezugnahme eines Etiketts auf seine Einzelfälle, so haben wir verschiedene Typen der Denotation zu unterscheiden:

1. singuläre Denotation: A denotiert B, ein Bild des Papstes denotiert den Papst.
2. multiple Denotation: Ein Etikett denotiert die Elemente einer gegebenen Klasse einzeln. So denotiert z.B. ein Bild im Wörterbuch nicht einen bestimmten Adler oder die Klasse der Adler, sondern distributiv Adler im allgemeinen.[32]
3. Sonderfall Nulldenotation: Einige Etikette wie Namen fiktiver Personen oder Bilder von Fabelwesen denotieren gar nichts. Wie können solche Etikette, z.B. das Bild eines Einhorns zur Klasse der Denotationen gehören?

Goodman löst das Problem der Nulldenotation auf folgende Weise. Er unterscheidet zwischen Denotation als einem einstelligen und als einem zweistelligen Prädikat. So ist das Bild eines Einhorns eine „Einhorn-Repräsentation“, verstanden als ein einstelliges Prädikat.

Denotation als ein zweistelliges Prädikat liegt nur vor, wenn das Denotierte „wirklich“ existiert. Zur Klassifizierung von Etiketten müssen allerdings, unabhängig davon ob das Denotat exisitiert oder nicht, die Etiketten als einstellige Prädikate betrachtet werden:

Daher verbinden sich mit einem Bild wie mit irgendeinem anderen Etikett stets zwei Fragen: was es repräsentiert (oder beschreibt) und welche Art von Repräsentation (oder Beschreibung) es ist. Die erste Frage fragt, auf welche Gegenstände es, wenn überhaupt, als Etikett zutrifft; und die zweite fragt, welches von bestimmten Etiketten auf es zutrifft. Wenn es repräsentiert, wählt ein Bild eine Klasse von Gegenständen aus, und gleichzeitig gehört es zu einer bestimmten Klasse oder zu Klassen von Bildern.[33]

Goodman führt dazu den Ausdruck ‚Repräsentation-als’ [34] ein, um eben die Klassifizierung von Etiketten in ihrer Eigenschaft als einstellige Prädikate zu erleichtern. Das Denotat, ob vorhanden oder nicht vorhanden ist dabei irrelevant.

4.2 Exemplifikation

Die Exemplifikation ist eine Umkehrung der Denotation. Sie führt von einem symbolisierenden Gegenstand auf ein Etikett. Dabei ist es eine dem Symbol eigene Eigenschaft, die exemplifiziert wird.

„Exemplifikation ist Besitz plus Bezugnahme.“[35] Hat ein Gegenstand bestimmte Eigenschaften, so heißt das noch nicht, dass er diese auch exemplifiziert. Er muss auch auf diese bezugnehmen. So hat z.B. ein Teppichmuster bestimmte Eigenschaften wie Größe, Gewicht, Fabrikationsdatum, Stoffart, Dicke und Musterung, nimmt aber in der Regeln nur auf einige dieser Eigenschaften, nämlich auf Stoffart, Musterung oder auch Dicke nicht aber auf die Größe, bezug.

„Während alles denotiert werden kann, können nur Etiketten exemplifiziert werden.“[36] Es können also nur Eigenschaften exemplifiziert werden, die von einem Etikett denotiert werden. Es gilt: A exemplifiziert B und wird gleichzeitig von B denotiert. Zum Beispiel exemplifiziert ‚Mann’ ‚Wort’ während es gleichzeitig von ‚Wort’ denotiert wird.

Abb. 2:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Exemplifikation ist also nicht in der Weise willkürlich wie Denotation, weil sie Denotation voraussetzt. „Exemplifikation ist nur insofern eingeschränkt, als die Denotation des fraglichen Etiketts als vorgänig fixiert angesehen wird.“[37]

Verwirren kann hier die Rede von exemplifizierten Eigenschaften und Etiketten. Goodman selbst spricht sowohl von exemplifizierten Eigenschaften als auch von exemplifizierten Etiketten. Es handelt sich hierbei um zwei alternative Redeweisen: Goodman legt Wert darauf, dass seine Ausführungen jeweils „ohne weiteres durchgängig in einer der beiden Möglichkeiten formuliert werden“[38] können. Als Nominalist bevorzugt er jedoch die Rede vom Etikett: Eigenschaften der Symbole werden im strengen Sinne mithilfe von Etiketten – Prädikaten sowie nonverbalen Etiketten – exemplifiziert, welche wiederum die exemplifizierenden Symbole als Gegenstände denotieren. Beispielsweise exemplifiziert ein Bild insofern die Eigenschaft „Röte“, als es das Prädikat „rot“ exemplifiziert.[39]

4.3 Ausdruck

Ausdruck ist metaphorische Exemplifikation. Ein Bild oder ähnliches drückt also etwas aus, wenn es eine Eigenschaft besitzt, die metaphorisch von einem Etikett denotiert wird.

Zum Beispiel ein trauriges Bild: „Das Bild exemplifiziert ‚traurig’ metaphorisch, wenn das Bild auf ‚traurig’ Bezug nimmt und ‚traurig’ das Bild metaphorisch denotiert.“[40]

Abb. 3:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Um den Ausdruck als metaphorische Exemplifikation besser zu verstehen fehlt noch eine Erläuterung von Nelson Goodmans Begriff der Metapher in Abgrenzung zum „Buchstäblichen“, die im nächsten Abschnitt erfolgt.

4.4 Metapher

Nach Goodman ist eine Metapher der Transfer eines Etiketts von einer Sphäre[41] auf eine andere oder auf die Verlagerung oder Umkehrung eines Schemas innerhalb einer Sphäre.

So kann ein Etikett oder ein gesamtes Schema von der Sphäre seiner „Naturalisierung“, also der Sphäre, auf die es lange gewohnheitsmäßig angewendet wurde, auf eine neue Sphäre übertragen werden.

Die Benutzung der Metapher wird in Anwendung auf die neue Sphäre von ihrer vorherigen Benutzung gelenkt, ist also nicht vollkommen willkürlich. „Selbst dort, wo einer höchst merkwürdigen und fremdartigen Sphäre ein Schema aufgezwungen wird, dirigiert vorausgegangene Praxis die Anwendung von Etiketten.“[42]

Als Beispiel des Transfers eines Schemas sei hier die Übertragung von Etiketten von Personen auf Dinge angeführt, die so genannte Personifikation.

Außerdem kann ein Schema dieselbe Sphäre auf eine andere Weise neu ordnen, z.B. durch Umkehrung (Ironie) etc.

Goodman bekämpft die Jahrtausende währende Abneigung vieler Philosophen gegen die Metapher, indem er behauptet die Wahrheitsstandards für metaphorische wie buchstäbliche Ausdrücke, d.h. für übertragene wie nicht übertragene Schemata, seien „so ziemlich dieselben“.[43]

Die Unterscheidung zwischen metaphorisch und buchstäblich gerät dadurch ins Schwimmen, Metapher und buchstäblicher Aussage wird, was nicht überrascht, das gleiche Erkenntnisvermögen zugesprochen.

5 Allgemeine Symboltheorie

Die allgemeine Symboltheorie Nelson Goodmans ist sein Versuch Ordnung in die unterschiedlichen Weltversionen, die Symbolsysteme zu bringen, indem er eine „sie alle umfassende[] Organisation“[44] findet und systematisch darstellt.

Goodman führt hier auch Begriffe wie Schema, Etikett und Sphäre ein, die in den vorigen Abschnitten schon benutzt worden sind. Wie ist nun ein Symbolsystem organisiert?

5.1 Aufbau eines Symbolsystems

Wenn wir auf einen Gegenstand oder eine Eigenschaft bezugnehmen, wenden wir dafür ein Etikett an. Ein Etikett gehört zu einer „Familie von Alternativen“, einem Schema, und funktioniert nur in, nicht isoliert von einem solchen. „Wir kategorisieren durch Mengen von Alternativen.“[45] Hier klingt das sogenannte Prinzip der Differenz an, welches besagt, dass die Bedeutung eines Wortes durch die Wörter im es umgebenden Wortfeld bestimmt wird. Ein Etikett, das der Einordnung eines Gegenstands in eine Kategorie dient, hängt in seiner Bedeutung und seiner Extension von den anderen im jeweiligen Kontext anwendbaren Etiketten ab. „Was als rot gilt, variiert etwas, und zwar abhängig davon, ob Gegenstände als rot oder nicht rot oder als rot oder orange oder gelb oder grün oder blau oder violett klassifiziert werden.“[46]

Welches Schema wir anwenden, ob eines mit starkem „Auflösungsgrad“[47], d.h. einer großen Menge von unterscheidenden Etiketten oder ein grobkörniges, hängt von Gewohnheit und Kontext ab. So verwende ich ein gröberes Farbschema, wenn ich auf einen Menschen in einer Menge hinweisen will als wenn ich als Modedesigner eine neue Oberbekleidungs-Kollektion entwerfe. In dem einen Fall z.B. wenden wir auf eine Jacke das Etikett ‚blau’ an, während der Modedesigner vielleicht auf die gleiche Jacke das Etikett ‚indigo’ anwendete.

Der Ausdruck Symbolschema bezieht sich bei Goodman allein auf eine Familie von Etiketten als einer rein formalen Menge, die noch nicht zur Kategorisierung von Gegenständen angewendet wird. Es handelt sich also um eine rein syntaktische Betrachtung.

Kommt nun die Bezugnahme mit ins Spiel, so nennt sich der Bereich von Gegenständen, der durch ein Schema sortiert wird, auf den die Etiketten bezugnehmen, eine Sphäre.

Das auf eine Sphäre angewendete Symbolschema ist ein Symbolsystem. Der Begriff ‚Symbolsystem’ beinhaltet bei Goodman also immer einen semantischen Aspekt, eine Bezugnahme auf eine Sphäre.

Wie schon im Abschnitt zur Metapher erwähnt kann ein Schema auf verschiedene Sphären angewendet werden. Genauso kann eine Sphäre durch verschiedene Schemata sortiert werden. Das Verhältnis von einer Sphäre und dem sie ordnenden Schema kann aber nicht ein so einfaches sein, wie es hier geschildert wurde. Schließlich wurde ja schon erläutert, dass Gegenstände, ja die Welt, für uns nur in Symbolsystemen existieren. Also kann eine Sphäre von Gegenständen nicht vorgängig zu und unabhängig von ihrer Sortierung durch ein Symbolschema existieren. Die Gegenstände einer Sphäre werden gleichermaßen mit ihrer Organisation durch ein Symbolschema geschaffen. Das Erkennen und das Wiedererkennen von Einzeldingen sowie das Erkennen von Sphären von Gegenständen sind nur unter der Voraussetzung einer Ordnung mittels eines Symbolschemas möglich. „Identifikation beruht auf der Einteilung in Entitäten und Arten“[48] und „Wiederholung ist ebenso wie Identifikation relativ zu Organisation.“[49]

Den syntaktischen Aufbau eines Schemas hat Goodman auch genauer analysiert. Symbolschemata setzen sich zusammen aus Charakteren. Charaktere sind Klassen, Klassen von Inskriptionen. „[J]eder von ihnen ist eine Klasse aus einem oder mehreren einzelnen Symbolen, die innerhalb dieses Schemas untereinander austauschbar – äquivalent oder Charakter-indifferent – sind.“[50] Das heißt alle Inskriptionen eines Charakters sind syntaktisch äquivalent, sie sind „echte Kopien“ oder Replikas voneinander. Somit ist der Charakter eine Klasse charakter-indifferenter Inskriptionen.

Anschaulich wird das am geschriebenen Alphabet, einem Symbolschema, in dem jeder Buchstabe aus seinen vielen einzelnen Inskriptionen besteht. Zum Beispiel ist der Charakter des Alphabets, den wir ‚Buchstabe A’ nennen, eine Menge von Inskriptionen. Es gilt: ‚Buchstabe A’ {A, a, a, A …}

5.2 Autographisch vs. allographisch

Die Unterscheidung zwischen autographischen und allographischen Künsten ist eine grundlegende in Goodmans symboltheoretischem Hauptwerk „Sprachen der Kunst“. Sie führt Goodman auf die Suche nach Unterschieden zwischen Malerei und klassischer Musik und zur Entwicklung des Herzstücks dieses Buches: der Notationstheorie. Die Unterscheidung zwischen autographischen und allographischen Künsten selbst entsteht durch Goodmans Frage nach der Identität von Kunstwerken verschiedener Künste, beispielhaft der Malerei und der klassischen Musik.

Eine Darstellungsweise ist autographisch, wenn das Produkt der Darstellungsweise ein Original ist und es zwischen dem Original und beliebigen Kopien einen konstitutiven ästhetischen Unterschied gibt. Als Beispiel sei die Malerei genannt, z.B. das „Getreidefeld mit Raben“ von van Gogh.

Es gibt nur ein Original und, sei sie auch noch so gut, es unterscheidet sich – nach Goodman – jede Kopie ästhetisch vom Original.[51]

Eine Darstellung ist allographisch, wenn das Produkt der Darstellungsweise zwar ein Original ist, es zwischen dem Original und beliebigen Kopien aber keinen konstitutiven ästhetischen Unterschied gibt. Hier sei als Beispiel die klassische Musik genannt, aufgeführt nach einer Partitur im klassischen Notationssystem wie etwa Beethovens Neunte Symphonie.

Goodman macht den Unterschied zwischen autographischen und allographischen Künsten am Notationssystem fest. Es diene vorrangig der „definitiven Identifikation eines Werkes von Aufführung zu Aufführung“[52]. Goodman untersucht also genauer die notwendigen Eigenschaften eines Notationssystems. So ist es ihm zum einen möglich, den Grund für den konstitutiven Unterschied zwischen autographischen und allographischen Künsten genau aufzuzeigen und gleichzeitig die notwendigen Bedingungen eines Notationssystems zu finden.

Die Partitur stellt ein Extrem der Symbolsysteme dar, weil sie die Eigenschaft hat, dass in einer Kette von einer Partitur zur sie erfüllenden Aufführung, zu einer Partitur etc. alle Partituren dieselbe Klasse von Aufführungen definieren und alle Aufführungen zum selben Werk gehören:[53]

Eine Partitur muß nicht nur die Klasse von Aufführungen, die zu dem Werk gehören, eindeutig festlegen, sondern die Partitur selbst (als eine Klasse von Kopien oder Inskriptionen, die so das Werk definieren) muß eindeutig festgelegt sein, wenn eine Aufführung und das notationale System gegeben sind.[54]

In Abbildung 4 ist diese Eigenschaft einer Partitur dargestellt.[55]

Abb.4:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Als Beispiel für ein Symbolsystem, in dem in einer Kette von Inskription zu Erfüllungsgegenstand zu Inskription die Inksriptionen nicht einem Charakter angehören, sei die deutsche Sprache angeführt. (vgl. Abb.5)

Abb.5:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Goodman macht deutlich, dass ein Symbolsystem fünf Eigenschaften – zwei syntaktische und drei semantische – erfüllen muss, um als eine Notation zu gelten. Diese werden im Folgenden vorgestellt. Mit dem Etikett ‚Notation’ werden nur jene Symbolsysteme versehen, die alle fünf Eigenschaften erfüllen.

5.3 Syntaktische Eigenschaften von Notationssystemen

Welche syntaktischen Eigenschaften sind notwendig, damit die Funktion der Partitur erfüllt wird? Wir beantworten diese Frage nach den notwendigen formalen Bedingungen für ein Notationssystem durch die Betrachtung des Notations schemas ohne dessen Bezugnahme auf eine Sphäre.

Die erste syntaktische Forderung an ein Notationssystem ist die der syntaktischen Disjunktheit. Charaktere in notationalen Schemata sind disjunkt, d.h. keine zwei Charaktere haben irgendwelche Einzelfälle (Inskriptionen) gemeinsam. Die Charaktere sind also syntaktisch eindeutig voneinander getrennt, es gibt keine Schnittmengen zwischen den einzelnen Klassen charakterindifferenter Inskriptionen. Gäbe es diese, würde es keine voneinander zu unterscheidenden Charaktere geben, die Klassen würden vielmehr zusammenfallen. „In artifiziellen Schemata läßt sich Disjunktivität durch Vorschrift herstellen. In traditionellen Schemata wie dem Alphabet läßt sich Disjunktivität durch eine Praxis einführen, die sich weigert, eine Marke zum Beispiel als ein „a“ und als ein „d“ zu akzeptieren.“[56] So lassen sich in einem künstlichen Symbolsystem, wie z.B. dem Computerprogramm, eindeutig getrennte Charaktere definieren, zwei unter allen Umständen eindeutig voneinander unterscheidbare Zustände. Im Alphabet hingegen treten immer wieder Inskriptionen auf, die nicht eindeutig einem Charakter zuzuordnen sind. Die Disjunktivität ist aber dadurch gegeben, dass die symbolische Praxis eine Zuordnung zu zwei Charakteren nicht erlaubt, sondern nur zu genau einem Charakter.[57]

Charaktere in notationalen Schemata sind zusätzlich effektiv differenziert. „Zwei Charaktere K und K' sind effektiv differenziert dann und nur dann, wenn sich für jede Marke m, die nicht zu beiden gehört, festlegen läßt, daß m entweder nicht zu K oder daß m nicht zu K' gehört.“ Mit der effektiven Differenzierung wird also gefordert, dass jede Inskription syntaktisch eindeutig verwendet wird. In Zweifelsfällen darf eine Inskription nur genau einem Charakter zugeordnet werden, d.h. wir müssen die Zuordnung zu mindestens einem der beiden Charaktere ausschließen.

Wo Disjunktheit gegeben ist, besteht nicht automatisch effektive Differenziertheit. Goodman liefert das Beispiel eines Charakters, der so definiert ist, dass zu ihm alle Liniensegmente als Inskriptionen gehören, die länger sind als einen Meter. Außerdem gäbe es einen Charakter, dessen Inskriptionen Liniensegmente von genau einem Meter sind. Diese Bestimmung folgt der Forderung nach Disjunktivität, allerdings ist in der Praxis die effektive Differenziertheit nicht gewährleistet, weil es ein Liniensegment gibt, das so geringfügig länger ist als ein Meter, dass sich nicht entscheiden lässt zu welchem Charakter es gehört.

Dieses Beispiel deutet auch an, dass es in der Praxis von der Verfügbarkeit von Instrumenten, wie z.B. von Messgeräten, abhängen kann, ob die Forderung nach effektiver Differenziertheit erfüllt wird oder nicht. In anderen Fällen kann der Kontext die effektive Differenzierung gewährleisten, wenn z.B. eine Marke, die wie eine Inskription des Buchstabens ‚d’ aussieht als ‚a’ gelesen wird, weil die umgebenden eindeutigen Buchstabeninskriptionen einen Vokal an der Stelle nötig machen.

Die Forderung nach effektiver Differenziertheit wird überall dort nicht erfüllt, „wo es auch nur eine einzige Marke gibt, die nicht zu zwei Charakteren gehört und doch von der Art ist, daß die Bestimmung ihrer Nicht-Elementbeziehung zu wenigstens einem von ihnen theoretisch unmöglich ist.“[58] Eine Ausnahme in einem Schema genügt also, um die Forderung nicht zu erfüllen.

Sind je zwei Charaktere eines Schemas durchgängig differenziert, so wird es als ein digitales Schema bezeichnet. Auf der anderen Seite der Nichtdifferenziertheit bilden den Grenzfall sogenannte analoge Schemata. Für ein solches gilt, „daß es zwischen je zwei Charakteren in dem Schema einen Pfad aus Paaren nichtdifferenzierter Charaktere gibt.“[59]

Analoge Schemata beinhalten beliebig viele digitale Schemata, die sich durch Eliminierung herstellen lassen: „Im allgemeinen schließt ein analoges Schema viele digitale Schemata ein, und ein digitales Schema ist in vielen analogen Schemata eingeschlossen; aber offensichtlich schließt kein digitales Schema ein analoges Schema ein.“[60]

Zu den disjunkten und effektiv differenzierten, kurz digitalen, Schemata gehören: das Alphabet, die klassische Partitur, numerische, binäre und telegraphische Schemata.

5.4 Semantische Eigenschaften von Notationssystemen

Haben wir eine Sphäre, die durch ein Symbolschema sortiert wird, so besitzt eine Inskription mindestens eine Erfüllungsklasse. Die Erfüllungsklasse ist die Menge von Objekten, die die Inskription erfüllen und entspricht also der Extension einer Inksription. Jedes Element einer solchen Klasse ist ein Erfüllungsgegenstand der Inskription. So lässt sich die Erfüllungsklasse der Inskription „ehemaliger Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika“ vollständig aufzählen. Jedes Element dieser Aufzählung (z.B. Abraham Lincoln), ist ein Erfüllungsgegenstand der Inskription. Das gleiche gilt für eine niedergeschriebene Note ‚fis’ und den gesungenen oder auf irgendeinem Instrument gespielten fis-Tönen.[61]

Welche semantischen Eigenschaften muss ein Symbolsystem nun haben, um die Anforderungen an ein Notationssystem zu erfüllen? Welche Eigenschaften sind nötig, um sowohl eindeutige extensionale Zuordnung als auch eindeutige Festlegung der Notation durch seine Einzelfälle zu gewährleisten?

Um diese Anforderungen zu erfüllen, müssen Charaktere in einem Notationssystem erstens disjunkte Erfüllungsklassen besitzen. Das heißt, dass die Erfüllungsklassen zweier syntaktisch disjunkter Charaktere kein gemeinsames Element, d.h. keine Schnittmenge besitzen dürfen. Wird diese Forderung nicht erfüllt, ermöglicht dies eine Kette von Denotation und Exemplifikation, von Symbolebene zur Erfüllungsebene und zurück, derart, dass man von einem Erfüllungsgegenstand zu einem anderen übergehen kann. Natürliche Sprachen z.B., die zwar syntaktisch disjunkt sind, haben als Charakteristikum eine häufige Überschneidung von Erfüllungsklassen, sei es aufgrund von Art-Gattung-Relationen (Menge-Untermenge) oder aufgrund der Existenz verschiedener ordnender Symbolsysteme, die gleiche oder ähnliche Schemata verwenden. (vgl. Abb. 5) Diese Überschneidung der Erfüllungsklassen ermöglicht erst die Entwicklung der klassischen Logik, des Syllogismus.[62]

Charaktere in Notationssystemen besitzen also weder koextensive Ausdrücke[63], noch sich überschneidende Erfüllungsklassen.

Das zweite semantische Erfordernis an ein Notationssystem ist die Nichtambiguität. Kein Charakter darf mehrere verschiedene Erfüllungsgegenstände haben. Dies ist unmittelbar verständlich, weil die Inskription eines ambigen Charakters die Identität des Werkes nicht gewährleistet. Eine ambige Inskription besitzt schließlich zwei verschiedene Erfüllungsklassen und jede Partitur mit einer oder mehreren ambigen Inskriptionen definiert zwei verschiedene Werke.

Als dritte semantische und im Ganzen letzte notwendige Eigenschaft besitzen Notationssysteme semantische Differenziertheit. Analog zur Syntaktischen Differenziertheit, muss sich für jedes Objekt eindeutig entscheiden lassen, welchen Charakter es erfüllt, bzw.: „[F]ür jeweils zwei Charaktere K und K’, deren Erfüllungsklassen nicht identisch sein dürfen, und jedes Objekt h, das nicht beide erfüllt, muß die Festlegung, entweder dass h K nicht erfüllt oder dass h K’ nicht erfüllt, theoretisch möglich sein.“[64] Jedes Objekt, das durch ein Notationsschema erfasst wird, darf nur Erfüllungsgegenstand genau eines Charakters sein.

5.5 Drei Klassen von Symbolsystemen

Nach dieser Betrachtung der Goodmanschen Notationstheorie ergibt sich für verschiedene Symbolsysteme folgendes:

Sie bilden ein Notationssystem und erfüllen die fünf genannten Eigenschaften der syntaktischen Disjunktheit und Differenziertheit und der semantischen Disjunktheit, Differenziertheit und Nichtambiguität.

Oder die Symbolsysteme bilden zweitens eine natürliche Sprache, indem sie zwar die genannten syntaktischen Eigenschaften erfüllen, semantisch aber keine Disjunktivität und Differenziertheit aufweisen sowie Ambiguität haben.

Als letztes kann ein Symbolsystem syntaktisch und semantisch dicht sein. Das heißt es erfüllt keine der genannten Forderungen. Dies gilt z.B. für das Symbolsystem der Malerei.

6 Symptome des Ästhetischen

Es ist nunmehr deutlich geworden, dass Goodman nicht die Sprachen aller Künste gleichermaßen genau untersucht. Seine Notationstheorie ist stark ausgearbeitet. Die hörbare Musik selbst wie auch die Malerei oder anderer künstlerische Symbolsysteme werden nur ex negativo, in Abgrenzung zur Notation bestimmt, eine genauere Analyse ihrer Eigenschaften bleibt aber aus.

Goodman versucht „Symptome des Ästhetischen“ zu entwickeln, um gegen dieses Defizit etwas zu unternehmen und um das Erkennen und Kategorisieren von Kunst zu erleichtern.[65] Es handelt sich wohlgemerkt nur um Symptome, die einzeln fehlen können, wenn wir es doch mit etwas Ästhetischem zu tun haben und die da sein können, ohne dass es sich um ein ästhetisches Objekt handelt. Goodman ist sich nicht einmal sicher, ob sie einzelne oder mehrere notwendige oder hinreichende Bedingungen für ein Kunstwerk sind.

In „Sprachen der Kunst“ handelte es sich um vier Symptome, denen er später das fünfte hinzugesellte:[66]

1. syntaktische Dichte
2. semantische Dichte
3. relative Fülle
4. Exemplifikation
5. Multiple und komplexe Bezugnahme

Relative Fülle bedeutet, dass relativ viele Aspekte eines Symbols relevant sind. So ist bei einer Linie des Malers Hokusai, die den Umriss des Fudjiyama darstellt jede Veränderung der Dicke der Linie für das Kunstwerk relevant. Irrelevant ist die Dicke hingegen, wenn dieselbe Linie eine Börsennotation darstellt.

Multiple und komplexe Bezugnahme meint zum einen Mehrdeutigkeit der Denotation aber auch „Bezugnahme über eine oder mehrere gerade oder gewundene, mehrere Ebenen durchlaufende Ketten“[67]

7 Resümee

Nelson Goodman hat also eine umfassende Philosophie der Erkenntnis und Symboltheorie vorgelegt. Dieser umfassende Ansatz und seine Darstellung in mehreren Monographien machen die Wiedergabe der Goodmanschen Philosophie nicht leicht. So sind in dieser Arbeit die Antworten Goodmans auf kunsttheoretische Fragen nahezu unberücksichtigt geblieben, es wurde sich auf die Erkenntnis- und Symboltheorie konzentriert. Gleichwohl hat Goodmans Werk in den verschiedenen Bereichen der Kunsttheorie, der Erkenntnistheorie und der Symbol- und Notationstheorie Wellen geschlagen und sein Buch „Sprachen der Kunst“ gilt als „Klassiker der Ästhetik“[68]

Die bereits im letzten Abschnitt angeklungene Kritik bleibt jedoch zu wiederholen. Im Bereich der Notationstheorie hat Nelson Goodman hervorragende, umfassende und detaillierte Arbeit geleistet, während an der allgemeinen Symboltheorie in Bezug auf Kunstwerke und Musik selbst noch einiges zu tun ist.[69] Denn die Ästhetik lässt sich sicher nicht auf eine Theorie der Notation beschränken.

8 Literatur

Betzler, Monika Nelson Goodman in: Nida-Rümelin, Julian und Betzler, Monika (Hg.) Ästhetik und Kunstphilosophie – Von der Antike bis zur Gegenwart in Einzeldarstellungen, Stuttgart 1998, S.320-328

Goodman, Nelson Vom Denken und anderen Dingen. Übers. von Bernd Philippi. Frankfurt am Main 1987. [DD]

Ders. Weisen der Welterzeugung. Übers. von Max Looser. Frankfurt am Main 1990. [WW]

Ders. Sprachen der Kunst. Entwurf einer Symboltheorie. Übers. von Bernd Philippi. Frankfurt am Main 1997 [SK]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ders. & Elgin, Catherine Z. Revisionen. Philosophie und andere Künste und Wissenschaften. Übers. von Bernd Philippi. Frankfurt am Main 1993. [R]

Hegel, Georg Wilhelm Friedrich Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse (1830). Dritter Teil. Die Philosophie des Geistes. Mit mündlichen Zusätzen. Werke Bd. 10, Frankfurt: 1970

Humboldt, Wilhelm von Grundzüge des allgemeinen Sprachtypus. Hg. Von Christian Stetter, Berlin/Wien 2004

Kant, Immanuel Kritik der reinen Vernunft, nach der 1. und 2. Originalausgabe herausgegeben. von Jens Timmermann. Hamburg 1998

Keil, Geert Wie viele Eigenschaften hat ein Einzelding?, unveröffentlichtes Typoskript

Saussure, Ferdinand de Cours de linguistique generale. Edition Critique. Hg. Von Rudolf Engler, Wiesbaden 1967, Bd.2

Scholz, O.R. La nguages of Art in: Volpi, Franco (Hg.) Großes Werklexikon der Philosophie, Stuttgart 1999, Band 1, S.582f.

[...]


[1] Goodman, Nelson. Weisen der Welterzeugung. Übers. von Max Looser. Frankfurt am Main 1990. [im Folgenden abgekürzt mit WW], S.18

[2] vgl. hierzu WW, Kapitel VII, besonders S.153-157

[3] Goodman, Nelson Sprachen der Kunst. Entwurf einer Symboltheorie. Übers. von Bernd Philippi. Frankfurt am Main 1997 [im Folgenden abgekürzt durch SK], S.9

[4] WW, S.10

[5] Vgl. zum „medial turn“ Margreiter, Reinhard Realität und Medialität. Zur Philosophie des „Medial Turn“, in Medien Journal. Zeitschrift für Kommunikationskultur, Themenheft : Medial Turn. Die Medialisierung der Welt, Bd.23, H.1, 1999, S.9-18, der sich mit der Entstehung des medial turn und den Aufgaben einer Medienphilosophie auseinandersetzt.

[6] WW, S.10

[7] Goodman, Nelson Vom Denken und anderen Dingen. Übers. von Bernd Philippi. Frankfurt am Main 1987 [im folgenden Text abgekürzt mit DD], S.51

[8] WW, S.10

[9] WW, S.19

[10] vgl. Kant, Immanuel Kritik der reinen Vernunft, Nach der 1. und 2. Originalausgabe herausgegeben. von Jens Timmermann. Hamburg 1998, B 75; „Gedanken ohne Inhalt sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind.“

[11] SK, S.19

[12] ebd.

[13] Vgl. Kuhn, Thomas S: Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen. Frankfurt am Main 1976.

[14] vgl. WW, S. 14

[15] Goodman, Nelson & Elgin, Catherine Z. Revisionen. Philosophie und andere Künste und Wissenschaften. Übers. von Bernd Philippi. Frankfurt am Main 1993 [im Folgenden abgekürzt mit R], S.72

[16] WW, S.15

[17] SK, S.17f.

[18] WW, S.16

[19] vgl. WW, S.20-30

[20] WW, S.18

[21] ebd.

[22] WW, S.34

[23] Betzler, Monika Nelson Goodman in: Nida-Rümelin, Julian und Betzler, Monika (Hg.) Ästhetik und Kunstphilosophie – Von der Antike bis zur Gegenwart in Einzeldarstellungen, Stuttgart 1998, S.320-328, hier: S.325

[24] Hegel, Georg Wilhelm Friedrich Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse (1830). Dritter Teil. Die Philosophie des Geistes. Mit mündlichen Zusätzen. Werke Bd. 10, Frankfurt: 1970, S. 270

[25] Humboldt, Wilhelm von Grundzüge des allgemeinen Sprachtypus. Hg. Von Christian Stetter, Berlin/Wien 2004, S. 100

[26] Saussure, Ferdinand de Cours de linguistique generale. Edition Critique. Hg. Von Rudolf Engler, Wiesbaden 1967, Bd.2, S.155; Das Symbol ist niemals leer; es gibt wenigstens den Grundzug einer Verbindung zwischen der Idee und dem, was ihr als Zeichen dient. [Übersetzung von A.P.]

[27] SK, S.9

[28] Es ist zu erwähnen, dass Goodman durchaus auch nicht bezugnehmende Symbole zulässt, diese aber nicht weiter untersucht. Dazu zählen jene Symbole, die Peirce Indices genannt hat, d.h. jene, die aufgrund einer Kausalbeziehung etwas symbolisieren, z.B. Rauch, der für Feuer steht (vgl. SK, S.70) Hier handelt es sich aber nicht um von Menschen gemachte Symbole, die Goodman allein betrachtet, sondern um „natürliche“.

[29] R, S.165

[30] Sk, S.17

[31] vgl. Sk, S.15ff

[32] vgl. SK, S.31

[33] SK, S.40

[34] Besser wäre ‚Denotation-als’. Denn als Goodman den Ausdruck in SK, S.36ff einführt ist Repräsentation auf pikturale Repräsentation beschränkt. Erst später reserviert er ‚Repräsentation’ für einen „weniger strengen und flexibleren Gebrauch“ (R, S.162, Fußnote 1)

[35] SK, S.60

[36] SK, S.63

[37] SK, S.65

[38] DD, S.91 Fußnote 1

[39] vgl. SK, S.61ff.

[40] Quelle:?

[41] vgl. zu den Ausdrücken ‚Schema’, ‚Sphäre’, ‚Etikett’ Abschnitt 5

[42] SK, S.78

[43] SK, S.82

[44] WW, S.18

[45] SK, S.76

[46] ebd.

[47] Ich übernehme hier eine – wie mir scheint sehr treffende – Metapher aus dem Bereich der Optik, die Geert Keil in seinem Aufsatz „Wie viele Eigenschaften hat ein Einzelding?“ (unveröffentlichtes Typoskript) benutzt.

[48] WW, S.20

[49] WW, S.22

[50] R, S.166

[51] vgl. SK, S.104ff, wo Goodman erläutert, wie eine Kopie sich ästhetisch vom Original unterscheiden kann, selbst wenn der Betrachter keinen Unterschied zwischen beiden ausmachen kann.

[52] SK, S.125

[53] Es ist wichtig anzumerken, dass Goodman den Ausdruck ‚Partitur’ nicht nur für Charaktere im Notationssystem der klassischen Musik verwendet. Vielmehr verallgemeinert er ihn, so dass er „Charaktere der in irgendeinem Notationssystem beschriebenen Art und nicht nur Charaktere in Musiknotation umfasst.“ (SK, S.169)

[54] SK, S.127

[55] Goodman gebraucht „“erfüllt“ als austauschbar mit „wird denotiert von“, „hat als Erfüllung(sgegenstand)“ als austauschbar mit „denotiert“ und „Erfüllungsklasse“ als austauschbar mit „Extension““. (SK, S.140)

[56] R, S.166; Den Ausdruck ‚Marke’ ähnelt dem der Inskription. Allerdings zählen zu Marken auch Symbole, die nicht zu einem Charakter gehören. Inskriptionen sind folglich alle Marken, die zu einem Charakter gehören.

[57] Lässt sich das „Symbol“ zu gar keinem Charakter des gewählten Symbolschemas zuordnen, so handelt es sich nicht einmal um eine Inskription dieses Schemas, womöglich nicht einmal um ein Symbol.

[58] SK, S.134

[59] R, S.168

[60] R, S.171

[61] zu den Ausdrücken „Erfüllungsgegenstand“, „erfüllen“ etc. vgl Fußnote 54.

[62] Ohne sich in ihrer Extension überschneidende Ausdrücke wie ‚Mensch’ und ‚Sokrates’ hätte Aristoteles nicht die formale Logik entwickeln können.

[63] Dies ist die strenge Auffassung. Um die klassische Musikpartitur nicht aus der Reihe der Notationssysteme zu stoßen, erlaubt Goodman aber dennoch die Redundanz und damit koextensive Charaktere. (vgl. SK, S.147)

[64] SK, S.148, im Original kursiviert

[65] Hier bedarf es der wichtigen Anmerkung, dass Goodmans Begriff des Ästhetischen kein wertender ist. Etwas kann ästhetisch sein und sich dabei aber um gute oder schlechte Kunst handeln.

[66] Vgl. SK, S.232ff. sowie DD, S.192ff und WW, S.88ff

[67] DD, S.195

[68] vgl. Scholz, O.R. La nguages of Art in: Volpi, Franco (Hg.) Großes Werklexikon der Philosophie, Stuttgart 1999, Band 1, S.582f.

[69] Eine Weiterentwicklung der Goodmanschen Theorie im Hinblick auf die Musik versucht Simone Mahrenholz in Mahrenholz, Simone Musik und Erkenntnis. Eine Studie im Ausgang von Nelson Goodmans Symboltheorie, Stuttgart/Weimar 2000

Details

Seiten
26
Jahr
2005
Dateigröße
409 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v111111
Institution / Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen – Institut für Sprach- und Kommunikationswissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
Symboltheorie Erkenntnistheorie Nelson Goodman Notationstheorie Einführung

Autor

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