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Digitale Gräben oder Digitale Brücken? - Chancen und Risiken für Schwellenländer

von Etienne Ruedin (Autor) Thomas Hanimann (Autor)

Zwischenprüfungsarbeit 2007 66 Seiten

BWL - Informationswissenschaften, Informationsmanagement

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung (deutsch)

Abstract (english)

Résumé (français)

1. Einleitung

2. Von der Entstehung eines Grabens
2.1. Definitionen: Was ist der digitale Graben?
2.2. Statistiken
2.3. Messbarkeit des Digitalen Grabens
2.4. Das Bewusstsein des Digitalen Grabens
2.5. Gründe für die Entstehung des Digitalen Grabens
2.5.1. Desinteresse in Europa
2.5.2. Politische und gesellschaftliche Hürden
2.5.3. Bildungsdefizit
2.5.4. Kommerzielle Gründe

3. Modelle und Ansätze zur Überbrückung
3.1. Modelle von Entwicklungsprozessen
3.2. Zielerklärungen
3.3. Webseiten für den Süden
3.3.1. Projektbeschriebe und Koordination
3.3.2. Schulung
3.3.3. Freie Software
3.3.4. Freies Wissen
3.3.5. Handel
3.3.6. Würdigung
3.4. Entwicklungshilfeorganisationen

4. Beispiele einzelner Projekte
4.1. Hundert-Dollar-Laptop
4.2. Sprachprojekte
4.2.1. Linux und OpenOffice in Verkehrs- und Lokalsprachen, Beispiel Lingála
4.2.2. Foren im Internet
4.3. Zivilgesellschaft und Dezentralisierung
4.3.1. Informationsaustausch in ländlichen Gebieten: CyberCommunes in Mauretanien
4.3.2. Informationszentren für ländliche Bevölkerung, Beispiel Peru
4.3.3. Offentlichkeit als Mittel gegen Korruption, Beispiel Ecuador
4.3.4. Erfolg trotz Digitalem Graben, Beispiel Bangladesch
4.3.5. Projekt in der Pondicherry-Region, Indien
4.4. Fairer Handel und Medizin
4.4.1. Fairer Handel, Beispiel Kambodscha
4.4.2. Verbesserte medizinische Versorgung durch ICT, Beispiel Costa Rica
4.5. Negative Nebenwirkungen
4.5.1. Nigeria-Connection (419-fraud oder scam)
4.5.2. Produkte-Piraterie
4.5.3. Internet als Macht- und Propogandamittel

5. Modelle und Thesen
5.1. Digitaler Graben im Rahmen der Entwicklungspolitik
5.2. open source
5.3. Uberwindung des digital divide durch Creative Commons (Copyleft)
5.4. Bildung
5.5. Lokale Inhalte
5.6. Digitaler Graben als finanzielles Druckmittel
5.7. Verkrustete Strukturen verhindern Entwicklung
5.8. Rahmendbedingungen müssen stimmen
5.9. Schaden-Nutzungs-Abwägung

6. Schlusswort

7. Verzeichnisse
7.1. Quellenverzeichnis
7.1.1. Literatur
7.1.2. Periodika
7.1.3. Internet
7.1.4. Personen
7.2. Abkurzungsverzeichnis
7.3. Abbildungsverzeichnis

8. Anhang
8.1. Bibliographie
8.1.1. Geographischer Digitaler Graben (geographic Digital Divide)
8.1.2. Soziademographischer Digitaler Graben (social Digital Divide)
8.1.3. Technischer Digitaler Graben (upgrading Digital Divide)
8.1.4. Informationsethik
8.2. Statistiken
8.2.1 Festnetztelefonie in Afrika (1994–2004)
8.2.2. Festnetztelefonie in der Welt (1994–2004)
8.2.3.Internetbenutzer
8.2.4. Preise Internetcafé in Entwicklungsländern
8.2.5. Preise und Bandbreiten Internet in Entwicklungsländern 2002
8.2.6. Internet-Nutzung in afrikanischen Staaten (2003)
8.2.7. IDIA 1997–2000 (Auszug)
8.2. Empirische Erhebungen
8.3.1. Internetnutzung bei Entwicklungshilfsorganisationen
8.3.2. Nutzungsbedinnungen von Computern und Internet mit Schwerpunkt im afrikanischen Raum
8.4. Fehlendes Bewusstsein

Verfasser / auteurs / authors:

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Zusammenfassung (deutsch)

Der weit gefasste Begriff des Digitalen Grabens wird durch Hanimann und Ruedin genau untersucht und anhand der bestehenden Definitionen aufgezeigt, dass es sich im Wesentlichen um drei Gräben handelt. Sodann werden statistische Erhebungen eingehend untersucht und dabei festgestellt, dass der geographische Digitale Graben zwischen Nord und Süd keinen Zusammenhang mit den Informationstechnologien hat, sondern vielmehr ein weiterer Indikator der ungleichmässigen Entwicklung der Länder und Regionen auf der Welt ist. Dies wird anhand publizierter Fakten und eigener Erhebungen nachgewiesen.

Sodann werden wichtige Modelle zur Überbrückung des Digitalen Grabens zusammengetragen und kritisch gewürdigt. Dabei wird ausführlich auf die Chancen und Möglichkeiten eingegangen, ohne die negativen Seiten auszuklammern. Das Problem scheint komplex und es wäre illusorisch, eine einfache Lösung zu präsentieren. Die Autoren illustrieren dies mit Beispielen aus der Praxis. Die gängigen Thesen werden aus dem Blickwinkel der gewonnen Erkenntnisse gestützt oder in den nötigen Zusammenhang gestellt. Es wird aufgezeigt, dass rein technologische Ansätze höchstens kurzfristig erfolgreich sein können. Aus ökonomischer Sicht muss der Digitale Graben nicht isoliert, sondern im Zusammenhang einer nachhaltigen Entwicklung der entsprechenden Region überbrückt werden.

Abstract (english)

The broad term of the digital divide is carefully examined by Hanimann and Ruedin. On the basis of existing definitions, it is highlighted that the term essentially describes three distinctive divides: a geographical digital divide (between regions and countries), a social digital divide (between social classes), and an upgraded digital divide (between technology and humans). Existing statistical data are examined in detail, and it is argued that the geographical digital divide between the north and the south is not associated with information technologies, but rather an indicator of uneven development between countries and regions. Evidence is provided in the form of published studies as well as the authors’ own survey. Important models for overcoming the digital divide are reviewed and appreciated critically.

The analysis focuses on chances and possibilities, whilst negative aspects are not ignored. The problem is complex and it would be misleading to present a simple solution. The authors illustrate this with examples from South America, Africa and the Indian subcontinent. Following the findings, the usual theses are supported or put into the necessary context. It is pointed out that purely technological solutions can only be successful in the short term. From an economic point of view the geographical digital divide cannot be treated in isolation, but needs to be appreciated in the wider context of sustainable development of the respective region. The authors may be contacted by eletctronic mail, see page three for details.

Resume (francais)

Il existe plusieurs définitions du fossé numérique . On peut distinguer entre le fossé numérique géographique qui s'ouvre entre les pays et les régions, le fossé numérique. sociodémographique qui exprime de différents niveaux d'éducation et le fosssé numérique technique qui concerne les difficultés de l'homme de s'adopter rapidement au progrès de la technologie.

Après avoir examiné exactement les statistiques, les auteurs, Thomas Hanimann et Étienne Ruedin, constatent que le fossé numérique géographique qui se manifeste entre les pays du Nord et ceux du Sud n'a en réalité pas son origine dans le développement des technologies d'information. Il s'agit en effet une fois de plus d'un indicateur de développement inégale des pays et des régions à travers le monde. Les auteurs soutiennent cette thèse sur des publications scientifiques existantes et par leurs propres enquêtes.

Quelques modèles établis de la politique du développement donnent d'un côté l'explication du fossé numérique. De l'autre côté ils ouvrent déjà une perspective pour le surmonter. Les chances et les possibilités de l'implantation technologique sont présentées, ainsi que les risques et les aspects négatifs. Le problème semble complexe, il y a des facteurs d'influence multiples et il serait illusoire de vouloir présenter une simple solution. La thèse de l'approche multidimensionnelle est illustrée par des exemples pris dans la vie.

Les rechecherches aboutissent au constat qu'un investissement uniquement dans la technologie ne peut réussir qu'à court terme. Le fosse numérique ne peut pas être compris d'une manière isolée. Son contexte est celui d'un développement socioéconomique durable de la région. Les auteurs peuvent être contactés par courrier ou par courriel; voir détails à la page précedente.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.Einleitung

Ungerechtigkeit, bedingt durch ungleiche Verteilung und ungleichen Zugang zu den Gütern, hat es in der Menschheitsgeschichte schon von früh gegeben. Mitgespielt haben dabei oft auch Informations- probleme. In Ägypten zu Josefs Zeiten suchten die Bewohner Kanaans und anderer umliegenden Völkern während der grossen Hungersnot Nahrung zu kaufen,1 während auch viele Ägypter selber in Hunger fielen und sich dem Staat verpfänden mussten.2 Zwei Kluften, eine nationale und eine internationale zwischen reich und arm, zwischen Habenden und Hungernden tat sich da auf. Der ägyptische Staat profitierte vom Informationsvorsprung des Hebräers Josef.3 Der Volkstribun Tiberius Gracchus versuchte mit flammenden Worten den entwurzelten Bauern und Proletariern in Rom die Ursache der sozialen Misere aufzuzeigen und durch eine Neuverteilung des Besitzes ein Stücklein Land zurückzugeben.4 Die Not der rechtlosen Bauern, deren Unterdrückung durch Landesherren, führte im Anschluss an die Reformation zum grossen Bauernaufstand im 16. Jahrhundert.5 Die Versklavung von Millionen von Schwarzen durch Europäer und Araber schuf während Jahrhunderten – zum Teil bis heute andauernd – einen Graben zwischen Habenden und Besitzlosen. In Europa wurde das Problem des Sklavenhandels lange Zeit kaum zur Kenntnis genommen, war kaum einer Information wert. Während sich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts die westliche Welt Reichtum und Fortschritt anhäuft, geraten viele Länder in Afrika wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich ins Hintertreffen.6

Der Digitale Graben, die ungleiche Verteilung und der ungleiche Zugang zu digitalisiertem Wissen, der sich seit den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts auftut, ist also nur eine der zahlreichen Ungleich- heiten der Menschheitsgeschichte. Nichts Neues also? Oder doch? Der digitale Graben unterscheidet sich auffällig durch die unglaubliche Schnelligkeit, mit der er sich auftun oder schliessen kann. Ist die Digitalisierung der Welt ein Fluch für die Ärmsten der Menschen – oder umgekehrt sogar ein Segen? Ist der Kampf um Wissen und Information übers Internet reell und damit der Rückstand ein grosses Hemmnis für die Entwicklung in den ärmsten Ländern? Oder ist die ganze Debatte um Netzwerke und globale Kommunikation vor allem theoretisch und virtuell? Werden in der Welt von morgen die Chatter das Sagen haben oder wird sich die Macht weiterhin hinter den schweigenden Mauern von Palästen verstecken? Muss der Mensch in Zukunft die Sprache der Computer sprechen, um wenigstens ein Restchen Freiheit für sein eigenes Leben zu sichern? Oder wird umgekehrt der Computer schon bald die Sprache der Armen sprechen lernen und sie damit zur Teilnahme am globalen Marktplatz einladen?

Wir haben in der vorliegenden Arbeit einen kleinen Rundgang durch die Welt der Internet- und Kommunikationstechnologie gemacht und uns verschiedene Aspekte des digital divide angeschaut. Wir haben versucht, uns über einige Aspekte der gegenwärtigen Diskussion zu informieren. Wir haben Statistiken erfasst und Presseberichte zu den grossen Konferenzen zur Informationsgesellschaft, insbesondere die beiden Uno-Informationsgipfel in Genf und Tunis, studiert. Wir haben Menschen aus Afrika kontaktiert, um ihre Sicht des digitalen Grabens zu vernehmen.7 Wir haben Projekte betrachtet

und Verantwortliche von Schweizer Entwicklungshilfeorganisationen um ihre Meinung gebeten.8 Wir haben mit Modellen aus der Entwicklungspolitik versucht, die Entstehung der Informationsgesell- schaft zu beleuchten.

Wenn dies nun viele Fragen und Bereiche sind, so ist uns durchaus klar, dass es im Rahmen einer in wenigen Tagen erarbeiteten Arbeit nicht möglich ist, alles bis ins Detail zu verstehen und zu präsentieren. Wir sind uns auch im Klaren darüber, dass das Thema riesengross ist, dass praktisch an jedem Ort weiter geforscht werden könnte und vielleicht auch müsste. Wir haben uns durch Widersprüche und viele offene Fragen durchgekämpft und haben schliesslich einfach versucht, an einem Prinzip festzuhalten: Die Armut in der Welt braucht unsere Aufmerksamkeit. Es darf nicht sein, dass Menschen in immer grössere Not verfallen, während wir uns nun hier in der Schweiz bereits einen vierten Computer kaufen und ahnungs- oder achtlos an all den dringendsten Problemen unserer Nächsten vorübergehen.

Den folgenden Fragen gehen wir in dieser Arbeit nach: Gibt es einen Digitalen Graben – oder gar mehrere? Was macht ihn aus? Wie tief ist er? Was kann man dagegen tun; gibt es dazu Beispiele ermutigender oder aber auch missglückter Modelle? Kann man den Digitalen Graben überhaupt separat betrachten – oder in welch grösserem Zusammenhang muss er betrachtet werden?

2.Von der Entstehung eines Grabens

In den Jahren 1995 bis 1997 wurde sowohl von der US-amerikanischen Verwaltung wie auch von amerikanischen Journalisten wiederholt der Begriff des Digitalen Grabens (engl. digital divide ) verwendet,9 nachdem bereits in den 1970er-Jahren die «questions portant sur les inégalités en matière [TIC]»10 aufgeworfen und 1980 an einer UNESCO-Konferenz diskutiert wurde.11 In der Fachliteratur wird je nach Forschungsinteresse der eine oder andere Aspekt in den Vordergrund gerückt.12 Dies ist dem Verständnis alles andere als förderlich. Aus diesem Grund versuchen wir die Aspekte zu gruppieren.

2.1.Definitionen: Was ist der digitale Graben?

Die Gefahr, dass Teile der Bevölkerung vom technologischen Fortschritt ausgeschlossen werden, wird als Digitaler Graben bezeichnet.13 Das Phänomen taucht in verschiedenen Kontexten auf, je nachdem, wie weit man den Begriff Bevölkerung definiert oder wie weit man den beobachteten geographischen Rahmen absteckt. Zendel nennt einerseits das Recht auf Information für alle Mitglieder unserer Gesellschaft, wobei ein «social gap between those involved in technology»14 beschrieben werden kann15 – wir sprechen hier vom soziodemographischen Digitalen Graben 16 – und andererseits, dass die Entwicklungs- und Schwellenländer überhaupt Zugang zu den genannten Technologien17 und somit zu Information bekommen, respektive deren Teilhabe verbessert wird.18 Im Vordergrund steht hier der materielle Zugang zu online Medien. Wir nennen dies den geographischen Digitalen Graben .19

Entwicklung.» sowie: «Bewusstsein und Wissen über die neuen Technologien fehlen oder sind ungenügend.» siehe dazu Anhang 8.4. Ausserdem: «Und wenn irgendwo Mittel vorhanden sind, wollen Grundbedürfnisse wie Ernährung, Gesundheit und Bildung zuerst befriedigt sein.» alle Zitate: Schweizerische Kreditanstalt (2001).

Meyer, Zhao und Han20 weisen auf einen dritten Graben hin: jenen zwischen den Technikern, welche immer neue Funktionen entwickeln und dem Menschen, welcher der technischen Entwicklung hinterherhinkt – ein technischer Digitaler Graben 21 also.

In jedem Fall wird jedoch eine Kluft beschrieben. Der Begriff beruht auf der Wissensklufttheorie, welche bereits 1970 an der Universität von Minnesota beschrieben wurde,22 oder, um mit den Worten van de Pols zu sprechen, «der Graben zwischen denjenigen Bevölkerungsgruppen, Gesellschafts- schichten und Nationen, die Zugang zu den Informationen des World Wide Web haben und diesen Zugang auch effektiv zu nutzen und zu gebrauchen wissen, und denjenigen Bevölkerungsgruppen, Gesellschaftsschichten und Nationen, die aufgrund sozio-ökonomischer, kultureller, physischer oder psychischer Faktoren keinen oder einen erschwerten Zugang zur Online -Welt haben.»23 In englischer Sprache spricht man vom Digital Divide , auf französisch vom fossé numérique .

Soziodemographischer Digitaler Graben24 Social Digital Divide Fossé numérique socio- démographique Verschieden ausgebildete Gesellschaftsschichten.

Geographischer Digitaler Graben Geographic Digital Divide Fossé numérique géographique Verschieden entwickelte Länder (Nord-Süd-Gefälle).

Technischer Digitaler Graben Upgraded Digital Divide Fossé numérique technologique Anwender hinkt tech- nischem Fortschritt nach.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Fig. 1: Definitionsübersicht (Hanimann/Ruedin, 2007)

Einige Quellen glauben auch noch einen Gendergraben zu erkennen: Die Gender-Problematik betreffe auch die Entwicklung der ICT stark. Männer hätten in der Nutzung von Informationstechnologie ein deutliches Übergewicht. In der arabischen Welt sind vier von hundert Internet-Nutzern Frauen, in China sieben von hundert. Dem steht gegenüber, dass gerade moderne Technologien hundertausende von Arbeitsplätzen für Frauen in Schwellenländern geschaffen haben, wobei vor allem die «Women- owned businesses» hervorgehoben werden müssen, welche «generate a higher rate of female patronage than male-owned businesses.»25 Zudem erlaubt das Internet in Ländern, wo strikte kulturelle Normen und Traditionen Frauen isolieren, diesen erweiterten Zugang zu Information und Wissen.26 Vergleiche von Daten verschiedener Zeitpunkte lassen ausserdem ein massives Ansteigen von Frauen als Internetnutzern erkennen.27

2.2.Statistiken

Die Existenz der oben beschriebenen digitalen Gräben28 lässt sich durch manche Statistiken untermauern. Dabei zeigen die Statistiken oft nur das Resultat, die Ursachen bleiben unergründet. Viele Er- hebungen machen keine genauen Angaben zu den Quellen der verwendeten Daten oder wurden nur einmal erhoben, sodass ein Ver- gleich über mehrere Jahre unmöglich ist. Auch verfügen ver- schiedene Quellen, welche angeblich das gleiche zählen, über abweichende Daten.29

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Fig. 2: Ein «unerträglicher Graben» für Ishaq (2001).

Die Autoren dieser mit Zahlen aus dem Jahre 2001 operierenden Übersicht (Fig. 2) sehen einen «unerträglichen» Graben.30 Für Europa sei klar, dass es aufschliessen müsse, der Kontinent habe auch die Mittel dazu. Aber wie stehe es mit Afrika, dem mittleren Osten?

Beim Beizug von Zahlen der Internationalen Fernmelde- union UIT,31 welche seit dem 19. Jahrhundert Fernmel- dedaten erhebt und auswertet und deshalb auch Ver- gleiche über längere Zeiträume ermöglicht, zeigt sich deutlich, dass der geographische Digitale Graben direkt auf einen bereits vorher beobachteten Telefongraben folgte.32 In Anbetracht dessen, dass die Nutzung des Internets meistens über Telefonleitungen erfolgt,33 muss

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Fig. 3

davon ausgegangen werden, dass zwischen den beiden Gräben ein direkter Zusammenhang besteht. Ein Vergleich der Jahre 1994 bis 2004 zeigt eindrückliche Zahlen: Zwar hat sich etwa in Schwarz- afrika die Anzahl der Festnetztelefonanschlüsse im Verhältnis zur Einwohnerzahl verdoppelt, ist aber immer noch mehr als dreimal niedriger als in Gesamtafrika,34 wo Südafrika und der Maghreb deutlich bessere Werte aufweisen. Dieser ist aber immer noch viermal kleiner als der Durchschnitt sämtlicher Entwicklungsländer und sechsmal kleiner als der weltweite Mittelwert. In den entwickelten Ländern

standen im Verhältnis zu den Einwohnern auch 2004 noch 53mal mehr Festnetzanschlüsse als in Schwarzafrika zu Verfügung. Im Vergleich zu 1994, wo es noch fast 97mal mehr waren, zeigt sich, dass zumindest der Telefongraben langsam kleiner wird.35

Ähnliches zeigt sich beim eigentlichen geographischen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Fig. 4

Digitalen Graben. Auch der hat sich signifikant ver- kleinert von unglaublichen 73mal mehr Internetnutzern in entwickelten Ländern im Vergleich mit den Entwick- lungsländern im Jahre 1994 zu gerade noch achtmal mehr ein Jahrzehnt später.36 Aber auch hier bleiben die nackten Zahlen ernüchternd: 6.7 Prozent zu 53.8 Prozent Internetnutzer. Ausserdem sollten ausserhalb dieser sta- tistischen Zahlen die hier erfassten internet user genauer unter die Lupe genommen werden. Während in der Schweiz 55 Prozent der Bevölkerung Zugang zum Internet von zu Hause aus hat,37 ist dies Millionen von Leuten in Entwicklungsländern nur in Internet- cafés38 möglich, was die Internetnutzung zwei Einschränkungen unterwirft: dem Preis39 und vor allem der Verfügbarkeit.40

Durch die mangelnde Verfügbarkeit öffnet sich ein weiterer Digitaler Graben, der in den entwickelten Ländern als soziodemographischer Graben bekannt ist: Durch den erschwerten Zugang ergibt sich oft eine inadäquate Nutzung,41 was den Graben de facto wieder grösser werden lässt. Auch bleiben erfasste internet user weiterhin statistisch erfasst, selbst wenn das von ihnen genutzte Internetcafé von der Regierung geschlossen worden ist.42 In Folge des rasanten Wachstums der Bevölkerung etwa in Afrika können wir zwar richtigerweise sagen: Immer mehr Leute haben keinen Anschluss an digitale Informationen. Ebenso haben aber immer mehr Leute genau diesen Anschluss, reell und prozentual. Ausserdem wird die Lesefähigkeit von der UIT nicht erhoben, spielt aber bei der Internetnutzung eine wesentliche Rolle.43

Des Weiteren werden Daten aus unterschiedlichen oder nicht angegebenen Quellen wild gemischt.44

Oft werden veraltete Daten publiziert, die offensichtlich nicht mehr stimmen,45 oder es werden un- gewichtete Zahlen verbreitet, dass in der Relation verzerrte Aussagen entstehen.46 Ein Vergleich oder das Ableiten von Entwicklungen aus nicht vergleichbaren Momentaufnahmen wäre unseriös.

2.3.Messbarkeit des Digitalen Grabens

In einer Zeit, in welcher der Digitale Graben in jedermanns Munde ist, stellt sich überraschend selten die Frage, «comment mésurer effectivement le fossé numérique?»47 Wie bereits im vorherigen Kapitel aufgeworfen, sind die Situationen oft unterschiedlich und nicht vergleichbar.48 Baudrier stellte die Daten in einer Form dar, in der nicht nur die Ausbreitung, sondern auch deren Geschwindigkeit gemessen werden kann. Dazu standen ihm Daten aus 44 europäischen und zehn afrikanischen Staaten der Jahre 1990 bis 2001 zur Verfügung.49

In den frühern 1990er-Jahren haben nicht nur die Länder Westeuropas und Nordamerikas das Internet äusserst schnell adoptiert, sondern auch Länder wie Ungarn, Russland oder Malaysia, wo sich das in gleicher oder noch höherer Geschwindigkeit einige Jahre später wiederholte. Länder wie Indien oder Südafrika zeigen einen deutlich verspäteten Start. Dieser späte Start ist für die afrikanischen Länder ebenso typisch, wie eine hohe Verbreitungsgeschwindigkeit, wo dies technisch möglich war. In der zweiten Hälfte des Jahrzehnts haben sich die Distanzen der Länder innerhalb der Regionen verkleinert, während diese weiter auseinander drifteten. Ein messbarer Digitaler Graben entstand erst relativ spät durch die wachsende Zahl an Ländern, welche der Internetentwicklung der regionalen Referenzstaaten 50 hinterherhinken. Trotz extrem rascher Verbreitung in Ägypten, Kenya und Senegal 1990–1996, sowie relativ guter Performanz in Botswana, Senegal und Zimbabwe 1996

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Fig. 5: Innerafrikanischer Graben nach Conte. Siehe Fussnote 54 und Anhang 8.2.6. Restliche Länder zwischen 1 und 10.

bis 2001, erreichte Afrika nie die Penetration derjenigen Länder, welche das Internet früher adoptiert haben. In Anbe-tracht der Abhängigkeit des Internets von den bestehenden Kommunikationsnetzen, spielte die Verfügbarkeit und der Zustand eines solchen eine wesentliche Rolle, während «l'environnement socio- économique, les conditions réglementaires, les coûts et les tarifs [. . .] en tant que facteurs tantôt stimulants, tantôt limitants»51 vernachlässigbar seien. Chinn und Fairlie kamen im gleichen Zeitraum zu einem gegenteiligen Ergebnis, worauf noch einzugehen ist.52

Bereits vor Baudrier entwickelte Conte den Indicateur du Développement de l'Internet en Afrique (IDIA), welcher zwar nur den relativ kleinen Zeitraum von 1997 bis 2000 abdeckt. Im Gegensatz zu den Daten der UIT, welche die Anzahl der Internetnutzer, und Jensen,53 welcher die Anzahl der Internetabonnenten erhebt, versuchte Conte den afrikatypischen Begebenheiten mit Mehrfachnutzung von Internetanschlüssen gerecht zu werden. Dazu konstruierte er den IDIA, welcher auf fünf Variab- len beruht:54 Er verwendet (immer im Verhältnis zu Bevölkerungszahl): Internetbenutzer, Festnetz- anschlüsse, Internetanbieter, Bandbreite ins Ausland, ans Internet angeschlossene Computer.

Zwar lassen sich die bereits von UIT und Jensen gezeigten starken Pole Nord und Süd nicht von der Hand weisen. Mit dem IDIA sind jedoch feinere Aussagen möglich. So zeigt sich, dass 2000 die ersten fünf Länder alle im südlichen Afrika zu finden sind. Der Rückfall ins Mittelfeld des Maghrebs wird ebenso deutlich, wie die aufstrebenden Länder Westafrikas.55 Deutlich zeigt sich jedoch auch, dass es einen grossen afrikanischen Graben gibt, der sich noch vertieft. Betrug der Abstand 1997 bei 36 Staat- en noch knapp 100, so wuchs er innert vier Jahre auf über 200 (bei 51 Staaten, wobei der erste und der letzte bereits in der ersten Datenreihe enthalten sind).56

2.4.Das Bewusstsein des Digitalen Grabens

Doch ist der Digitale Graben so neu und wirklich von der Informatik abhängig? Chinn und Fairlie, welche anhand zahlreicher Datenreihen aus 161 Ländern für den Zeitraum 1999 bis 2004 «the role of a comprehensive set of economic, demographic, infrastructure, institutional and financial factors in contributing to the global digital divide» untersucht haben, kommen eindeutig zum Schluss, dass dies nicht der Fall ist. «We find evidence indicating that income, human capital, the youth dependency ratio, telephone density, legal quality and banking sector development are associated with technology penetration rates. Overall, the factors associated with computer and Internet penetration do not differ substantially between developed and developing countries.»57 Ein Blick auf Fig. 6 zeigt eindrücklich, dass die Verbreitung der ICT-Infrastruktur eng mit dem Stand der Entwicklung eines Landes zusammenhängt. Die Penetration aller fünf Indikatoren ist vom Pro-Kopf-Einkommen abhängig.58 Auch der Economist hielt 2005 fest, dass «the digital divide is not a problem itself, but a symptonn of deeper, more important divides: of income, development and literacy.»59 Diese vernetzte Sichtweise60 ist jedoch in weiten Bevölkerungsschichten nicht verbreitet. Im Gegenteil: Initiativen, welche Entwicklungsländer mit (gebrauchten) Computern ans Internet bringen wollen, insbesondere in Afrika, erfreuen sich grosser Beliebtheit.61 Auch Vertreter der Industrie sehen das Heil in der einfachen Technologisierung.62

Staaten nach Pro-Kopf- Einkommen Telefone 63 pro Tsd. Einwohner Natels 63 pro Tsd. Einwohner Computer 64 pro Tsd. Einwohner Internet 65 pro Tsd. Einwohner Breitband 63 pro Tsd. Einwohner weniger als 745 $

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Fig. 6: Ungleich verteilte ICT-Infrastruktur.66 Quelle: Birth of Broadband, UIT, September 2003.67

2.5.Gründe für die Entstehung des Digitalen Grabens

2.5.1.Desinteresse in Europa

In Europa hat sich die Informations- und Kommunikationstechnologie nach ein paar zögerlichen Jahren rasch verbreitet. Der Rückstand auf Nordamerika, der 2001 noch deutlich vorhanden war, wurde zu einem grossen Teil aufgeholt.68 Im Bereich des Mobiltelefons kam es in Europa sogar zu einem Vorsprung auf die USA.69 Die Frage stellt sich nun, weshalb die Lücke in Europa so rasch ge- schlossen werden konnte, dies aber in den Entwicklungsländern bedeutend schwieriger scheint. Der geographische Digitale Graben zwischen Europa und anderen Entwicklungsländern wurde in Europa durchaus wahrgenommen. Dennoch setzten entwicklungspolitische Konzepte kaum vordringlich auf die Schliessung dieses Grabens. Weit verbreitet war die Meinung, dass sich dieser im Rahmen der unaufhaltsamen Globalisierung von selbst schliessen werde.70 Die Probleme, mit denen besonders die armen Länder in dieser Frage zu kämpfen hatten, wurden unterschätzt. Zudem war Europa über mehrere Jahre hinweg mit der Schliessung eigener soziodemographischer Digitaler Gräben beschäftigt. In der rasanten Entwicklung der ICT mit beständig neuen Fragestellungen schien es unmöglich, sich der noch viel grösseren Kluft zu den Drittweltländern anzunehmen. Die Internetkrise, welche die westliche Welt um die Jahrtausendwende beherrschte,71 bremste die Bereitwilligkeit, etwas gegen den weltweiten Digitalen Graben zu tun, noch einmal erheblich. Unterschätzt wurden auch die sozialen und technischen Schwierigkeiten, welche die Etablierung der ICT in vielen Ländern bereitet.72 Das betrifft beispielsweise die Stromversorgung (⅔ der Menschheit leben ohne Strom)73 und den Aufbau eines flächendeckenden und kostengünstigen Telefonnetzes (über 3 Milliarden Menschen haben noch nie ein Telefongespräch geführt).74 Doch allein schon die Tatsache, dass es über Jahre praktisch unmöglich war, ein hochsensibles elektronisches Gerät in der staubigen Luft eines Sahel- Landes über einen genügend langen Zeitpunkt pannenfrei zu betreiben, ist bei uns wenig wahrgenommen worden.75

2.5.2.Politische und gesellschaftliche Hürden

Doch die technischen Hürden bilden möglicherweise den kleineren Teil der inzwischen anerkannten Schwierigkeiten, die ICT in Drittweltstaaten erfolgreich zu entwickeln. Viel komplexer sind die sozialen Umstände. Die politische Instabilität ist nach wie vor ein offensichtliches Hindernis für die ICT-Pläne mancher Länder.76 Achtundzwanzig Prozent der weltweit zwölf Millionen Flüchtlinge leben in Afrika.77 Fest steht auch, dass besonders viele Kinder, die nie zur Schule gingen, in Konfliktgebieten leben.78 Der Generalsekretär der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU), Salim Ahmed Salim (1989 bis 2001 im Amt) richtete sich da wohl zu Recht an seine afrikanischen Regierungskollegen, als er 1997 an einer Entwicklungskonferenz in Washington dazu aufforderte, Stammesfehden, ethnische Konflikte und Bürgerkriege zu Gunsten einer Entwicklung zu beenden.

[...]


1 Genesis, Altes Testament: Kapitel 42 ff. (=Die Bibel).

2 Genesis, Altes Testament: Kap. 47. (=Die Bibel).

3 Genesis, Altes Testament: Kapitel 41. (=Die Bibel).

4 Siehe auch: Bringmann (1985), Stockton (1979), Taeger (1928), Nicolet (1980).

5 Siehe auch: Waas, o.J., und Engelmann (1998). S. 71 - S. 99.

6 Was hier unter dem Sammelbegriff «Afrika» gesagt wird, betrifft alle Entwicklungs- und Schwellenländer in verschiedenem Masse. Wir legen den Schwerpunkt hier exemplarisch auf Schwarzafrika, wo sich gewisse Tendenzen vielleicht akzentuierter zeigen als andernorts. Wir weisen hiermit jedoch ausdrücklich darauf hin, dass die gleichen, resp. analoge Aussagen auch über den lateinamerikanischen, resp. den nah- und fernöstlichen Raum gemacht werden können.

7 Siehe auch Anhang 8.3.2.

8 Siehe auch Anhang 8.3.1. und Kapitel 3.4.

9 Willimas (2002). S. 1.

10 Georges (2004). S. 152. französisch TIC = englisch ICT.

11 UNESCO (1980).

12 van de Pol (2004). S. 7.

13 Definiert nach Oliver Zendel, Diplom-Informatiker und Mitautor des Linux-Tages in einem Interview mit Beatrice Lüttcher; zitiert in: Lehmann, Schetsche (2005).

14 Williams (2001), S. 2.

15 Auch die fehlende Barrierenfreiheit beim Zugang zu Information für Behinderte gehört dazu. Kuhlen (2004).

16 Die in der Fachliteratur synonym verwendeten Begriff Bildungskluft, soziokultureller, sozioökonomischer Graben , u.ä. lassen sich schlussendlich immer auf die Soziodemographie zurückführen. Siehe auch: Dürring, Epper (2007). S. 11. Gemäss Schweizerische Kreditanstalt (2001): je höher das Einkommen, desto mehr Internet; je jugendlicher, desto mehr Internet; je gebildeter, desto mehr Internet; je städtischer, desto mehr Internet; Männer benutzen das Internet mehr als Frauen.

17 «Die schlechte technische Infrastruktur (Telefon- und PC-Durchdringung) in den ärmeren Ländern bremst die

18 Lehmann, Schetsche (2005). S. 155.

19 Da sich dieser Graben im Nord-Südgefälle abzeichnet und geographisch abbilden lässt.

20 Meyer, Zhao, Han (2005).

21 Engl. Upgraded Digital Divide (nach Prof. Dr. Robert Meyer, Warton, Universität Phildaelphia).

22 Strauch (2004). S. 26.

23 van de Pol (2004). S. 6. [Kursivsetzung der englischen Ausdrücke durch uns.]

24 George (2004) teilt diesen in einen sozialen und einen kulturellen Graben, was er mit seinen Studien aus dem Jahre 2002 begründet. Heute spricht man eher von Informationskompetenz, denn einem kulturellen Digitalen Graben.

25 ILO (2001). S. 58.

26 Al-Qunaiber (2000). S. 139.

27 Erklärbar mit dem unterschiedlichen Kommunikationsverhalten der Geschlechter. Siehe: Buser, Ruedin (2006). S. 11–12.

28 Die Mehrzahl an Digitalen Gräben wurde bereits von George (2004) postuliert.

29 Zum Vergleich: Für die im folgenden Abschnitt zitierte Statistik nennt die UIT weltweit 8 internet user pro hundert Einwohner, also 1.2% mehr. Quelle: UIT-Datenbank, zitiert in: http://www.itu.int/ITU-D/ict/statistics/ict/graphs/internet.jpg. 30Ishaq (2001). S. 45.

31 Union Internationale de Télécommunication , ehemals Union Internationale Télégraphique , http://www.itu.int.

32 Baudrier (2005). S. 4ff. — Für fünfeinhalb Millionen US-Dollar will die kongolesische Post für die über 60 Millionen Kongolesen in einem Land so gross wie Europa den Telefongraben zuschütten: «Avec ce projet, l’OCPT mettra premièrement à la disposition de la population congolaise 20.000 (vingt mille) lignes de téléphone fixe, 1.000 (mille) de connexion Internet et 600 (six cent) de Fax.» 14. Dezember 2006 auf http://www.rdc-tic.cd/?q=node/40 (7. Mai 2007).

33 Prof. Dr. Bernard Bekavac in der Vorlesung «Basisdienste des Internet» an der Hochschule für Wirtschaft und Technik, Chur, in Zürich, 13. April 2007 (mündliche Mitteilung).

34 Vergleiche Fig. 3; grösser im Anhang 8.2.1.

35 Vergleiche auch Grafik im Anhang 8.2.2. Durchaus vorhandene Daten zur Nutzung der Mobiltelefonie haben wir beiseite gelassen, da sich die Mobiltelefonie zur Nutzung des Internets in Entwicklungsländern zur Zeit zwar entwickelt, uns jedoch mit einer Ausnahme (NZZ, 15. Januar 2006) diesbezüglich noch keine Quellen zur Verfügung standen und die Zeit für eigene Feldforschung nicht zur Verfügung stand. Zumindest Breitbandzugang erfolgt ausschliesslich über Kabel oder Satellit. (NZZ, 8./9. November 2005). Zur Nutzung von Satellitenverbindungen zum Internet siehe auch: http://www.itstelecomplus.net/presentation.htm (28. April 2006).

36 Vergleiche Fig. 4; grösser im Anhang 8.2.3.

37 «Au printemps 2006 les personnes qui surfent sur internet depuis leur domicile sont plus nombreuses que celles qui le font depuis leur lieu de travail. Ce phénomène est relativement récent, car jusqu'en 2000, l'internet était plus utilisé au bureau qu'à la maison. Cette pénétration d'internet dans la sphère privée indique que le ‹réseau des réseaux› devient de plus en plus un média du quotidien comme les autres.» Neuchâtel: OFS / Neuenburg: BfS http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/fr/index/themen/systemes_d_indicateurs/indicateurs_de_la/approche_globale.indicator.30 106.html?open=311#311 (30. April 2007).

38 Unter Internetcafé verstehen wir einen öffentlich zugänglichen Ort, wo Computer und Internet gegen Bezahlung eines Entgelts benutzt werden können. In Afrika unter dem Namen Cyber oder Cybercafé bekannt, bieten sie in Entwicklungsländern oft auch ankommende und abgehende Telefongespräche an. Anbieter sind neben privatwirtschaftlichen Betrieben oft auch Dorfgemeinschaften, NGO, Kirchen, etc.

39 Es sind uns keine systematischen Preiserhebungen bekannt. Einige selbst erhobene Preise im Anhang 8.2.4., 8.2.5. und 8.3.2. — Zumindest hält der World Employment Report 2001 (ILO, Genf) fest, dass «[t]he fewer the Internet users, the more expensive it is.» S. 63. Das ist eine Parallele zum Telefongraben, da «[p]er capita [tele]phone costs are higher in poorer coun- tries. a.a.O. S. 64.

40 In der zur Verfügung stehenden Zeit war es nicht möglich, entsprechende Daten auf wissenschaftlicher Grundlage zu erheben und vollständig auszuwerten (erste Tendenzen im Anhang 8.3.2.). Zwei exemplarische Beispiele mögen diese Aussage zumindest illustrieren: Die Antwort auf ein eMail dauerte mehr als sechs Monate, weil «j'étais [während der wirtschaftlichen Flaute] au village où nous avons l'eau au robinet, mais pas l'internet.» [Philomène Anon Aney aus Abobo in der Elfenbeinküste am 28. Oktober 2006 an den Autor]. Das village ist immerhin eine Kleinstadt mit 12000 Einwohnern (1993), Festnetztelefonie und einem Bahnhof an der internationalen Linie Treicheville–Wagadugu. Und Ibrahim Maiga aus Bamako, Mali, schreibt: «c'est parce qu'on a pas accés à l'ordinateur chaque fois qu'on le veux». [27. April 2007 an den Autor].

41 Siehe unter anderem Forum Étudiants auf http://thot.cursus.edu und Kapitel 3.3.

42 «Schanghai will 500 [von 1000] Internet-Bars schließen» in Shanghai Daily, zitiert in: http://www.tecchannel.de/news/themen/business/406398/ (28. April 2007).

43 Mehr dazu in Ruedin (2006).

44 Zum Beispiel: Kerkow (2000). Hier werden Daten von vier Quellen in vier Graphiken, zum Teil gemischt dargeboten.

45 Zum Beispiel: Neue Zürcher Zeitung, 15. Januar 2006: Telefonkosten von 2003.

46 Zum Beispiel: Internet World Stats führt Australien bei den top 20 auf Platz 18, wiewohl es prozentual gesehen mit über 70% Internet-Penetration vor den USA (Platz 1 mit 69%) liegt und China mit gerade 10% nur wegen der schieren Bevölkerungsmasse auf Platz 2 kommt. Siehe http://www.internetworldstats.com/top20.htm (30. April 2007).

47 Baudrier (2005). S. 1.

48 Lacroix (2003) vertrat sogar die Ansicht, «plus on mesure le phénomène et moins les écarts semblent se combler.» S. 10.

49 In der verfügbaren Zeit gelang es ihm nicht, Daten weiterer Entwicklungsländer zu bekommen.

50 Für Westeuropa und Nordamerika die Vereinigten Staaten; für Afrika Südafrika.

51 Ganzer Abschnitt nach: Baudrier (2005). Zitat S. 22.

52 Ausführlich im folgenden Kapitel.

53 Jensen (1998).

54 Conte (2001). S. 1ff.

55 Conte (2001). S. 3.

56 Eine graphische Übersicht mit den Ländern mit den 9 besten und 7 schlechtesten Werten im Anhang 8.2.6. (Fig. 5).

57 Basierend und zitiert nach Chin; Fairlie (2004).

58 Nach: Neue Zürcher Zeitung: Konturen der «digitalen Kluft». 8./9. November 2005.

59 The Economist, 12. März 2005. S. 11.

60 Weiterführend siehe auch: Gurumurthy (2005): Neue Informationstechnologien : Chance oder Risiko für den Süden?

61 Uganda: http://www.afrika-ans-netz.de, Ghana: http://www.unipublic.unizh.ch/campus/uni-news/2006/2008.html, Kongo, Kapverden: http://www.ada.gv.at/view.php3?f_id=176&LNG=de, Südafrika: http://www.vorortsupport.ch/fucore/fucore.html, Kamerun: https://mlists.in-berlin.de/pipermail/linux-l/msg55486.html (alle Seiten: 1. Mai 2007), u.v.a.m.

62 Etwas gar offensichtlich Michael Dell von Dell am 4. Mai 2006 in der Financial Times: «The digital sector can make poor nations prosper».

63 Abonnenten.

64 Benützte Einheiten.

65 Benützer.

66 Die erhobenen Daten beziehen sich in der Regel auf das Jahr 2002. Sofern die entsprechenden Zahlen nicht verfügbar waren, wurden von der UIT Vorjahreswerte berücksichtigt oder Schätzungen vorgenommen.

67 Zitiert nach obengenanntem Artikel der Neuen Zürcher Zeitung.

68 Mitteilung der Kommission der Europäischen Gemeinschaften an den Rat und das Europäische Parlament, Brüssel, 29.11.2001; Europäische Kommission, Pressemeldung vom 22. Februar 2007. Zitiert nach: PCWelt, 19.2.2001.

69 Eurostat: Telekommunikation in Europa, Statistik, Thema 4, 12/2003; Eurostat: Patentanmeldungen im Hochtechnologiebereich beim Europäischen Patentamt, 20/2007.

70 Insbesondere in den Vereinigten Staaten unter Reagan und im Vereinigten Königreich unter Thatcher, welche 1984, respektive 1985 aus der UNESCO austraten, worauf diese den von der McBride-Kommission vertretene Nouvel Ordre Mondial de l'Information (NOMIC), das Prinzip der «libre circulation de l'information» aufgegeben und den Privatsektor «largement favorisé» hat. George (2004). S. 152–165.

71 Meldung auf Heise Newsticker vom 19. Dezember 2000: http://www.heise.de/newsticker/meldung/13992 (10. Mai 2007).

72 Vgl. beispielsweise weiter unten die Aussage des Helvetas Geschäftsleiters: eigentliche ICT-Projekte dagegen für die Einbindung von Gruppen mit schlechtem Internet Zugang überleben dagegen in unserer Einschätzung die Projektdauer meist nur um wenige Monate, da die komplexen und teuren Technologien im Umfeld nicht ersetzt werden (können).

73 Gemäss Energieprognose der Internationalen Energie-Agentur (IEA), Zitiert nach: http://www.energieverbraucher.de/de/ Umwelt_und_Politik/Energie__und_Verbraucherpolitik/Weltweit/site__517/ (20. April 2007).

74 Afrika Info (Export-Beratung) vom 26.4.2007 (4/5 der Menschen in Ostafrika haben keinen Zugang zu Festnetz- oder Mobiltelefonie).

75 Meine eigenen Erfahrungen während fünf Jahren in N’Djaména haben diese Probleme deutlich aufgezeigt.

76 Klingebiel (2006).

77 Fastner, Sabine: Die entwicklungspolitische Bedeutung des Internet für die Volkswirtschaften in Subsahara Afrika.

78 Bericht über AYFs (2002).

Details

Seiten
66
Jahr
2007
Dateigröße
3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v110828
Note
6,0 (1)
Schlagworte
Digitale Gräben Brücken Chancen Risiken Schwellenländer

Autoren

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Titel: Digitale Gräben oder Digitale Brücken?  -  Chancen und Risiken für Schwellenländer