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Analyse des Drehbuchs „Adaptation“ von Charlie Kaufman unter besonderer Betrachtung des Wechselspiels fiktiver und metafiktiver Ebenen

Seminararbeit 2007 14 Seiten

Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Entstehungshintergrund

3. Inhalt des Drehbuchs

4. Handlungsschematischer Aufbau

5. Vertikaler Aufbau
5.1. Ebenen der Fiktion und Metafiktion
5.2. Ebenenbeziehungen anhand einiger Beispiele
5.3. Charlie und Donald

6. Abschließende kritische Würdigung des Drehbuchs

7. Literaturverzeichnis

KAUFMAN

Screenwriting seminars are bullshit.

DONALD

In theory I agree with you. Okay?

But this one is highly regarded within the industry.

KAUFMAN

Donald, don't say "industry."

Charlie Kaufman: Adaptation, Szene 31

1. Einleitung

Dass eine fiktive Person wie Donald Kaufman, die einem Drehbuch entspringt, das vom Schreiben eines Drehbuchs handelt, tatsächlich für den Oscar „Bestes adaptiertes Drehbuch“ nominiert werden kann, zeigt, welch eigenartige Späße die Unterhaltungsindustrie in Hollywood mit sich treiben lässt. Von den Schwierigkeiten einer Buchadaption frustriert, hat Charlie Kaufman in „Adaptation“ den Schreibprozess selbst zum Thema gemacht – mit zahlreichen Seitenhieben auf die Welt der Autoren und selbsternannten Drehbuchspezialisten. In der folgenden Analyse soll gezeigt werden, dass Kaufman es nicht bei plumper Kritik belässt, sondern auf fiktiver und metafiktiver Ebene mit den vermeintlichen Regeln des perfekten Drehbuchs zu spielen weiß. Der Inhalt des Werkes und der schematische Aufbau der Handlung sollen dabei nur überblicksartig zu Sprache kommen; größere Aufmerksamkeit wird dem „vertikalen“ Aufbau, also den unterschiedlichen Fiktionsebenen und ihrer gegenseitigen Bezugnahme gewidmet werden. Besondere Betrachtung verdient hierbei das fiktive Zwillingspaar Charlie und Donald Kaufman, anhand dessen sich einerseits jenes Wechselspiel, andererseits aber auch der Konflikt zwischen regeltreuer und freier Autorschaft besonders anschaulich darstellen lässt.

Abschließend wird mit einem Blick auf unterschiedliche Reaktionen auf das Drehbuch die Frage erörtert, wie viel Selbstironie ein metafiktives Werk verträgt und ob es sich noch um eine Adaption im eigentlichen Sinne handelt.

Die Seiten- und Szenennummerierung der Textauszüge bezieht sich – soweit es nicht anders gekennzeichnet ist – auf die frei im Internet erhältliche Version des Drehbuchs.[1] Sie ist mit dem im Handel erhältlichen „Final Shooting Script“ nicht völlig identisch, die Unterschiede sind jedoch, soweit es die vorliegende Analyse betrifft, vernachlässigbar.

2. Entstehungshintergrund

Der Roman „The Orchid Thief: A True Story of Beauty and Obsession“ der New Yorker Journalistin Susan Orlean wurde im Jahr 1999 veröffentlicht. Das Buch, das auf einer Reportage Orleans für das Magazin „The New Yorker“ basiert, handelt von einem Mann namens John Laroche, der in den USA inhaftiert wird, weil er in einem Sumpfgebiet in Florida seltene Orchideen gepflückt hat.[2] Noch im selben Jahr beauftragte man Charlie Kaufman mit der Adaption des Stoffes für einen Kinofilm, ein Unterfangen, das sich schon nach kurzer Zeit als äußerst schwierig herausstellen sollte. Zentrales Problem war das Thema „Orchideen“ und die Frage, wie einer Pflanze ein dramaturgisches Moment abzugewinnen ist. Schließlich beschreibt eine Orchidee keine Ausgangssituation, baut keine Spannung auf, hat keinen Höhepunkt und keine überraschende Wendung, allenfalls ein tragisches Ende.

Es ist also fraglich, ob eine Pflanze der richtige Ansatzpunkt zur Entwicklung einer Geschichte ist. Bereits Susan Orlean sah sich mit dem Problem konfrontiert, über etwas derart abstraktes wie die Leidenschaft für Orchideen zu schreiben.[3] Frustriert von der Sperrigkeit des Themas entschloss sich Charlie Kaufman, den Adaptionsprozess an sich zum Gegenstand des Drehbuchs zu machen – und die Widrigkeiten und Glücksmomente, die diesen Prozess offenbar begleiten.

Regisseur Spike Jonze, der während Kaufmans Arbeit an „Adaptation“ mit der Umsetzung von dessen vorangegangenem Drehbuch „Being John Malkovich“ beschäftigt war, übernahm auch die Regie bei „Adaptation“.[4] Der 114-minütige Film kam Ende 2002 zur Uraufführung in den USA. Kaufman wurde, gemeinsam mit seinem fiktiven Zwillingsbruder Donald, den er als Koautor von „Adaptation“ angibt, im Jahr 2003 für den Oscar „Bestes adaptiertes Drehbuch“ nominiert. Die „beiden“ gingen allerdings leer aus.

3. Inhalt des Drehbuchs

Der schüchterne Drehbuchautor Charlie Kaufman, dessen Drehbuch „Being John Malkovich“ gerade verfilmt wird, nimmt einen Auftrag zur Adaption des Romans „The Orchid Thief“ an. Die Autorin Susan Orlean erzählt hierin von einem Orchideenliebhaber, der für den Diebstahl einiger seltener Pflanzen verklagt wird. Für Kaufman steht von Anfang an fest, dass er dem außergewöhnlichen Stoff treu bleiben und kein hollywoodtypisches Drehbuch abliefern will.[5]

Die Adaption des Stoffes erweist sich jedoch als schwierig; Kaufman gelingt es nicht, das zentrale Thema des Buches für seine filmische Umsetzung anzupassen. Zeitgleich wagt sein lebhafter Bruder Donald Kaufman erste eigene Schritte in der Welt des Drehbuchschreibens. Dieser verlässt sich jedoch weniger auf seine Intuition als Autor, sondern auf die Ratschläge des populären Screenwriting-Gurus Robert McKee, der in teuren Seminaren den Weg zum „perfekten Drehbuch“ weisen will. Charlie Kaufman, der derartige Seminare grundsätzlich ablehnt, vollführt in der Verzweiflung über das langsame Voranschreiten seiner Arbeit eine Kehrtwende: Er macht sich selbst zum Thema des Drehbuchs und schreibt über den zermürbenden Prozess der Adaption. Sein Bruder Donald, der einen klischeehaften Thriller an eine Produktionsfirma verkaufen kann, überredet ihn, ebenfalls er an einer von McKees Veranstaltungen teilzunehmen. Kaufmans Einstellung ändert sich nun: Obwohl er sich nicht dazu durchringen kann, direkt mit der Autorin Orlean zu sprechen, beginnt er, sie mit Donalds Hilfe heimlich zu beobachten und zu verfolgen. Kaufman findet heraus, das Orlean und der Orchideenzüchter John Laroche, der die Grundlage ihrer Romanfigur ist, nicht nur ein geheimes intimes Verhältnis miteinander haben, sondern auch eine private Drogenzucht betreiben. Als Kaufman und Donald von Orlean und Laroche bemerkt werden, kommt es zu einer Verfolgungsjagd durch das floridanische Sumpfland, während der Donald bei einem Autounfall ums Leben kommt und Laroche von einem Aligator angefallen wird. Kaufman gelingt es nach kurzer Zeit, den Verlust seines Bruders zu überwinden, seine langjährige heimliche Liebe Amelia[6] für sich zu gewinnen und am Ende das Drehbuch doch noch fertig zu stellen.

[...]


[1] KAUFMAN, Charlie: Adaptation. Revised – Nov 21, 2000. URL http://www.script-o-rama.com/table.shtml – 21.02.2007

[2] FELD, Rob: Q&A. With Charlie Kaufman and Spike Jonze. In: Kaufman 2003, S. 115

[3] ORLEAN, Susan: Foreword. In: Kaufman 2003, S. vii

[4] Feld, S. 121

[5] Die Ähnlichkeiten zwischen Kapitel 2 und 3 sind unvermeidlich.

Details

Seiten
14
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640088997
Dateigröße
549 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v110738
Institution / Hochschule
University of Sheffield
Note
1,3
Schlagworte
Analyse Drehbuchs Charlie Kaufman Betrachtung Wechselspiels Ebenen Medientext Drehbuch

Autor

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Titel: Analyse des Drehbuchs „Adaptation“ von Charlie Kaufman unter besonderer Betrachtung des Wechselspiels fiktiver und metafiktiver Ebenen