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Die Leiden des jungen Werther

Facharbeit (Schule) 2006 20 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Inhalt:

-1- Personenkonstellation

-2- bis -11- Inhaltsbeschreibung des ersten Buches

-12- bis -20- Inhaltsbeschreibung des zweiten Buches

Personenkonstellation

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Inhaltsbeschreibung

1. Buch

Das Buch beginnt mit einer gefühlvollen Anrede an den Leser. Ein fiktiver Herausgeber sammelt die Briefe Werthers und veröffentlicht sie schließlich. Ein Großteil der Briefe ist für Wilhelm bestimmt.

Das erste Buch umfasst den Zeitraum vom 4. Mai 1771 bis zum 10. September 1771.

4. Mai 1771

Werther floh aufgrund einer unglücklichen Liebe und einer strittigen Erbschaftsangelegenheit aus der Stadt, er beteuert Wilhelm jedoch, dass er sich nun ganz mit der Gegenwart beschäftigen möchte und die Vergangenheit endgültig hinter sich lassen will. Werther zieht den einsamen Aufenthalt in dieser „paradiesischen Gegend“ (S.1; Z.10) dem unangenehmen Leben in der Stadt vor.

10. Mai

Dieser Brief ist die bewegende Darstellung eines Naturerlebnisses. Werther würde seine Gefühle und Erlebnisse gern auf Papier bringen, doch er ist dazu einfach nicht im Stande, da ihn die „Herrlichkeit dieser Entscheidungen […] erdrückt“ (S.2; Z.14) Ebenso wie im Brief vom 4. Mai beruft sich Werther auch in diesem Brief stark auf sein Herz und auf seine Seele.

12. Mai

Im Brief vom 12. Mai beschreibt Werther eine malerische Szene um einen Brunnen, an dem er täglich mindestens eine Stunde sitzt. An dieser von Mauern umgebenen Quelle beobachtet er einige Mädchen, wie sie Wasser aus dem Brunnen holen. Werther fühlt sich an diesem Ort der Ruhe und Geborgenheit an vergangene, patriarchliche Zeiten erinnert.

13. Mai

In diesem Brief schlägt Werther das Angebot von Wilhelm ab, ihm Bücher von zuhause zu schicken. Er begründet seine Entscheidung mit dem Entschluss nur noch Homer-Lektüre zu lesen, die ihn voll und ganz ausfüllt.

15. Mai

Im Mittelpunkt dieses Briefes steht die Beziehung von Werther mit dem ortsansässigen Volk. Er beschreibt, dass er von den Kindern und den „geringen Leuten“ (S.8; Z.12) geliebt werde. Werther bedauert, dass zwischen den einzelnen Ständen keine Verständigung mehr stattfindet, was zu Misstrauen und Missachtung führt. Als Beleg dafür führt er eine Begegnung zwischen ihm und einem jungen Dienstmädchen an, bei der er ihr unaufgefordert Hilfe anbot, welche sie verwundert aber dankend annahm.

17. Mai

Bedauernd stellt Werther fest, zwar genügend Bekanntschaft gemacht zu haben, aber trotzdem noch keinen richtigen Anschluss an die Gesellschaft gefunden zu haben. Ferner stellt er fest, dass der Mensch, egal wo er lebt, immer gleich sei. Die Menschen „ verarbeiten den größten Teil der Zeit, um zu leben, und das bisschen, das ihnen von Freiheit übrig bleibt, ängstigt sie so, dass sie alle Mittel aufsuchen, um es loszuwerden.“ (S.9; Z.5 ff.). Traurig behauptet er, dass „noch so viele andere Kräfte in mir ruhen“ (S.9; Z.15) und diese alle ungenutzt vermodern. In diesem Zusammenhang erinnert er sich an eine verstorbene Jugendfreundin, in deren Gegenwart er seine Kräfte hat voll entfalten können. Werther spricht in diesem Abschnitt Ideale an: Zielstrebigkeit und Toleranz.

Am Ende des Briefes äußert er sich über eine erfreuliche Begegnung mit einem fürstlichen Amtmann. In den nächsten Tagen will er ihn und seine Kinder besuchen.

22. Mai

Werther beklagt sich erneut über die Eintönigkeit und den Stumpfsinn des Alltags. Er verachtet all jene, „die ihren Lumpenbeschäftigungen oder wohl gar ihren Leidenschaften prächtige Titel geben und sie dem Menschengeschlecht als Riesenoperationen zu dessen Heil und Wohlfahrt anschreiben.“ (S.11; Z 5 ff.). Werther sieht nur einen Ausweg: Den Rückzug in sich selbst („Ich kehre in mich selbst zurück, und finde eine Welt“; S.11; Z.25) oder den erstmals erwähnten Selbstmord.

26. Mai

In diesem Brief erzählt Werther, dass er ein neues Lieblingsplätzchen in einer Stadt namens Wahlheim gefunden hat. Er sitzt dort vor den Toren der Kirche, auf dem von Ästen überdeckten Hofe eines kleinen Gasthauses, trinkt Kaffee und liest seinen Homer. Zu diesem malerischen Ambiente kommen noch zwei Kinder, die Werther mit Vergnügen zeichnet. Bei dieser Zeichnung habe er sich ganz an die Natur gehalten, er hat also nichts hinzugefügt oder weggelassen. Dieses Bild bestärkte ihn in dem Vorsatz, sich „künftig allein an die Natur zu halten.“ (S.12; Z.14). Das bedeutet auch, dass er ab sofort nur noch die Regeln der Natur befolgen möchte, denn diese haben noch nie Schlechtes angerichtet. Auf diese Aussage folgt ein Gleichnis: Nur der liebe wirklich, der sich mit seinem ganzen Herzen seiner Liebe hingebe. Hingegen ist es keine richtige Liebe, wenn sich man Mäßigungsgebote der bürgerlichen Gesellschaft halte. Auf sich bezieht er folglich ein zweites Gleichnis: Er würde es nie zu einem großen Künstler bringen, wenn er sich immer an Regeln und Einschränkungen halten würde.

27. Mai

Werther beschreibt in diesem Brief, wie die Begegnung zwischen ihm und der Mutter der beiden Kinder, die er gezeichnet hat, verlaufen ist. Diese Begegnung hatte eine beruhigende Wirkung auf ihn. Am Ende des Briefes schildert er, wie er die Kinder noch oft besucht und ihnen kleine Geschenke, wie Zucker oder Geld macht.

30. Mai

Im Brief vom 30. Mai beschreibt Werther, wie er von einer Begegnung mit einem einfachen Bauernburschen zum Dichten fasziniert wurde. Der Unterhaltung entnahm Werther, dass der Knecht in die Witwe bei der er arbeitete, verliebt war. Werther ist zutiefst beeindruckt von der einfachen, aber herzlichen Sprache des Bauers. Am Ende des Briefs vertraut Werther seinem Freund an, dass das Bild des Knechts in ihm ein leidenschaftliches Bedürfnis entzündet habe.

16. Junius

Werther hat Bekanntschaft mit Lotte gemacht. Diese Begegnung muss ihn so aus der Fassung gebracht haben, dass er seine Gedanken kaum noch zu Ende bringen kann. Er versucht sie zu beschreiben, aber der Versuch scheitert mit der Begründung, Lottes Charakter zu beschreiben sei unmöglich. Das Einzige was er über sie sagt, ist das sie vollkommen ist. Erst unwillig Wilhelm zu beschreiben, wie die Begegnung zwischen ihm und Charlotte verlaufen ist, entschließt er sich schließlich, ihm Schritt für Schritt zu erzählen, was an diesem Abend passiert sei.

Die Erzählung beginnt damit, dass Werther auf dem Weg zu einem Ball Charlotte, die Tochter des Amtmannes, abholen soll. Seine Begleiterinnen berichten ihm, dass Lotte eine äußerst liebenswerte Person sei, in die er sich aber nicht verlieben solle, weil sie schon vergeben ist. Als Werther durch die Tür trat „fiel [ihm] das reizendste Schauspiel auf, das [er] je gesehen hatte.“ (S.17; Z.9). Lotte verteilte inmitten ihrer kleineren Geschwister Brot. Begeistert von ihrem Auftreten und ihrer Freundlichkeit ließ sich Werther zu der Bemerkung hinreißen: „Meine ganze Seele ruhte auf ihrer Gestalt“ (S.9; Z. 27). Noch bei der Fahrt zum Ball entwickelte sich erste tiefgründige Gespräche zwischen ihm und Charlotte. Werthers Entzücken über Lotte steigert sich während des Balles noch. Als er mit Lotte einen Walzer tanzt hat er den absoluten Glückszustand erreicht. Doch dieser Augenblick höchsten Glücks dauert nicht lange an. Die Erwähnung Alberts als Lottes Verlobter bringt Werther vollkommen aus der Fassung. Das Tanzspektakel wird plötzlich von einem aufziehenden Gewitter überrascht. Als sich unter den Anwesenden langsam Panik breitmacht, beschließt Lotte die Stimmung durch ein erheiterndes Gesellschaftsspiel aufzulockern. Nachdem das Gewitter vorbei ist, treten Lotte und Werther an ein Fenster und beobachten, wie sich das Gewitter durch die Landschaft zieht. Lotte legt ihre Hand auf seine und sagt nur „Klopstock“. In Erinnerung schwelgend über diese herrliche Ode küsst Werther schließlich Lotte.

19. Junius

Dieser Brief handelt von der Heimfahrt mit Lotte und ihren Begleiterinnen nach dem Ball. Er verabschiedet sich von ihr mit der Bitte, sie noch an diesem Tag wieder sehen zu dürfen, welche sie ihm gewährte. Seitdem lebt Werther wie im Delirium: “Die ganze Welt verliert sich um mich her.“ (S.23; Z.12).

21. Junius

Werther äußert sich in diesem Brief nachdenklich über die „Begier im Menschen, sich auszubreiten, neue Entdeckungen zu machen, herumzuschweifen-, und dann wieder [...] sich der Einschränkung willig zu ergeben.“ (S.23; Z.26 ff.). Werther führt seine Überlegungen weiter und kommt zu dem Schluss, dass alle Menschen, die ein gesichertes Leben im Kreis der Familie führen, zu beneiden sind. Gerade weil er diese Rückzugsmöglichkeit nicht hat, versucht er sein Leben trotzdem vergnügsam zu gestalten, indem er sich in sein Wirtshaus setzt und seinen Homer liest. In diesen Momenten fühle er sich „wie die übermutigen Freier der Penelope Ochsen und Schweine schlachten, zerlegen und braten.“ (S.24; Z. 14).

29. Junius

Im Brief vom 29. Junius beklagt sich Werther über die Stellung der Kinder in der Gesellschaft. Er bedauert, dass viele Erwachsene, so zum Beispiel auch ein Medikus aus der Stadt, welcher ihm den Anstoß für diese Überlegungen gemacht habe, Kinder wie Untertanen behandeln. Für Werther, der sich bei der Begegnung mit dem Medikus selbst sehr kindisch verhalten hatte, sind Kinder „unverdorben“ und „ganz“ (S.25; Z.9). Leicht verärgert über das Verhalten der meisten Erwachsenen beendet Werther diesen Brief.

1. Julius

Der Brief vom 1. Julius handelt von dem Besuch von Lotte und Werther beim Pfarrer. Sie trafen ihn auf einem von hohen Nussbäumen überschatteten Platz an. Als der Pfarrer Lotte erblickte „ward er wie neu belebt“ (S.25; Z.32). Noch während sich Werther und der Geistliche unterhielten, kommen des Pfarrers Tochter mit ihrem Verlobten dazu, der sich als übellauniger und eifersüchtiger Mensch erweist. Beim anschließenden Abendessen lenkt Werther, gegen den sich die Eifersucht wendete, das Gespräch auf dieses Thema. Er ereifert sich darüber, dass sich „junge Leute in der Blüte des Lebens […] die paar guten Tage mit Fratzen verderben.“ (S.26; Z.39 ff.). Den Einwand des Bräutigams, der „böse Humor“ (S.28; Z. 3) sei kein Laster, erwidert Werther mit dem Einspruch „Wehe denen[…], die sich der Gewalt bedienen, die sie über ein Herz haben, um ihm die einfachen Freuden zu rauben, die aus ihm hervorkeimen“ (S28; Z.17 ff.). Außer sich vor Wut und Trauer verlässt er schließlich die Gesellschaft unter Tränen. Später ermahnte Lotte ihn für dieses Verhalten und das er zu „warmen Anteil an allem“ (S.29; Z.3) nehme.

6. Julius

Werther erzählt in diesem Brief von einem Spaziergang mit Lotte zu dem bereits vom 12. Mai erwähnten Brunnen. Lottes kleine Schwester, Malchen, holte Wasser aus der Quelle und verweigert einer Freundin Lottes das Wasser, damit Lotte zuerst trinken kann. Werther ist über diesen Umstand so erfreut, dass er Malchen küsst. In der Angst jetzt auch einen Bart zu bekommen, wäscht sich Malchen panisch an dem Brunnen ihr Gesicht. Werther kommentiert das Geschehen mit folgenden Worten: „Ich habe mit mehr Respekt nie einer Taufhandlung beigewohnt“ (S.29; Z.37). Später trifft Werther einen Mann, dem er seine Geschichte unbedingt erzählen will, wodurch er herausfindet dass der Mensch am glücklichsten sei, wenn er „in freundlichem Wahne [dahintaumelt].“ (S.30; Z.11).

8. Julius

Im Mittelpunkt dieses Briefes steht ein Gespräch, bei dem Lotte jedem Aufmerksamkeit widmet nur Werther nicht. Als sie bei der Abfahrt noch einmal einen Blick aus der Kutsche zurückwirft, hofft Werther dieser Blick könne ihm gegolten haben.

10. Julius

Im sehr kurzen Brief vom 10. Julius geht es um den Hass Werthers auf das Wort „Gefallen“. Für ihn ist dieses Wort so unausstehlich, da es keine echte innere Beteiligung zeigt.

11. Julius

Werther erzählt im Brief vom 11. Julius von einer sterbenskranken Freundin Lottes. Sie gesteht ihrem außergewöhnlich geizigen Mann, jahrelang Geld aus der Haushaltskasse genommen zu haben, da ihr Wochengeld, welches seit der Ehe nicht mehr erhöht wurde, nicht ausreiche. Für Werther ist dies Grund zu der Annahme, dass die „Verblendung des Menschensinns“ (S. 31; Z. 29) dazu führt, dass der Mensch nicht glauben will was er sieht.

13. Julius

Schwärmend berichtet Werther „Ja ich fühle, […] dass sie mich liebt“ (S.31; Z.35 ff.). Einzig der Gedanke an Albert macht ihn traurig. Er spricht davon, dass egal wie begeistert Lotte von ihm spricht, er habe keine Ansprüche auf sie zu stellen.

16. Julius

Werther schildert in diesem Brief seine Liebe zu Lotte. Er berichtet davon wie verzaubert er von ihr in den alltäglichsten Situationen ist und mit welcher Hingabe er zu ihr steht. Doch nicht nur die positiven Aspekte dieser bedingungslosen Liebe kommen in dieser Schilderung zu Buche. Er berichtet ebenso von den Momenten, in denen er sich „eine Kugel vor den Kopf schießen möchte!“ (S.32; Z.33), jedoch dann von Lotte mit Klavierspiel und Gesang wieder aufgemuntert wird.

18. Julius

Dieser Brief beginnt mit einer philosophischen Darstellung. Werther beschreibt, dass ebenso wie eine Lampe Räume erhelle und damit fantastische Bilder preisgebe, rufe die Liebe „Wundererscheinungen“ (S.33; Z.7) herauf. Als er einmal hat nicht mit Lotte zusammen sein können habe er einen Diener zu ihr geschickt, nur um einen Menschen um sich zu haben, der ihr an diesem Tage begegnet ist. Als dieser Diener schließlich zu ihm zurückkam, freute er sich so sehr er „hätte ihn gern beim Kopf genommen und geküsst, wenn [er] sich nicht geschämt hätte“ (S.33, Z.12). Diese Tatsache verleiten Werther zu der Frage: „sind das Phantome, wenn es uns wohl ist?“ (S.33; Z.23), welche das Illusionäre von Werthers Glückszustand widerspiegelt.

19. Julius

Werther beichtet in diesem Brief, dass sein Leben einzig und allein darauf ausgerichtet ist Lotte zu sehen und er sonst keine weiteren Wünsche habe.

20. Julius

Im Brief vom 20. Julius verteidigt Werther seine Art zu leben vor den Forderungen seiner Mutter und Wilhelms, er solle arbeiten gehen. Er ist der Ansicht, dass alle Arbeit auf eine Lumperei hinausläuft und er sich nicht nur „um andrer Willen“ (S.34; Z.2) abmühen möchte.

24. Julius

Werther gesteht in diesem Brief, dass er das Zeichnen in letzter Zeit zunehmend vernachlässigt habe. Er kann, obwohl er es durchaus will und auch schon mehrfach versucht hat, einfach keine Bilder von Lotte malen, da er zurzeit einfach „keinen Umriss packen kann“ (S.34; Z.14). Schließlich belässt er es bei einem einfachen Schattenriss von ihr.

26. Julius

Werther schreibt an diesem Tage 2 Briefe

Der erste Brief ist an Lotte gerichtet und Ausdruck seiner beinahe lächerlichen Liebestrunkenheit. Er bittet sie keinen Sand mehr zum Löschen der Tinte zu benutzen, da ihm, vermutlich vom Küssen des Briefes, Sand zwischen die Zähne geraten sei.

Der zweite Brief ist wie üblich für Wilhelm. Werther gesteht sich selbst ein, Lotte trotz aller guten Absichten zu oft zu besuchen. Er vergleicht sie hierbei mit einem märchenhaften Berg, der alle Schiffe durch Magnetkraft anzieht und dann versenkt.

30. Julius

Lottes Verlobter Albert ist angekommen. Werther ist darüber so bedrückt, dass er vorhat, die Stadt zu verlassen. Diesen anscheinend festen Vorsatz begründet er damit, dass es ihm unerträglich wäre, Lotte in Alberts „Besitz“ (S.35; Z.12) zu sehen. Werther schildert Albert als durchaus positiv, obwohl eine gewisse Geringschätzung mitschwingt. Gegen Ende des Briefes fasst Werther dann den Entschluss, doch in der Stadt zu bleiben.

8. August

Der Brief vom 8. August beginnt mit mehreren Sätzen, die darauf hindeuten, dass Wilhelm Werther aufgefordert hat endlich eine klare Entscheidung bezüglich Lotte zu treffen. Entweder er solle probieren sie zu erobern oder er solle es lassen und sich den anderen Dingen des Lebens widmen. An dieser Stelle findet Werther keine Lösung und meint zwar er müsse sich irgendwann zu einer Entscheidung durchringen, doch sei dies nicht der richtige Zeitpunkt dafür. Er vergleicht seine Situation mit der eines unheilbar Kranken: „Solle [man ihm] durch einen Dolchstoß der Qual auf einmal ein Ende machen?“ (S.36; Z.35). In einem Zusatz zum Brief fügt er schließlich hinzu, dass er sich wohlwissend in diese Situation begeben habe und es auch keine Aussicht auf „Besserung“ (S.37; Z.12) gibt.

10. August

Werther meint „[er] könne das beste, glücklichste Leben führen“ (S.37; Z.14) wenn ihn nicht die unglückliche Lage daran hindere. Lotte und ihre Familie lieben ihn, Albert kommt ihm mit „herzlicher Freundschaft“ (S.37; Z.21) entgegen und doch erfüllt ihn die Gesamtstimmung mit Melancholie. Für Werther steht spätestens jetzt fest, dass Albert bleiben wird, denn er hat eine Anstellung am Hofe erhalten und wird diese sicherlich zu bester Zufriedenheit erledigen.

12. August

Der Brief vom 12. August gibt ein Streitgespräch zwischen Albert und Werther wieder, welches zunächst gar nicht als solches beginnt. Werther will in die Berge wandern und leiht sich in dem Zusammenhang bei Albert eine Pistole. Dieser gesteht diese Pistole eigentlich nur als Schmuck zu tragen, da ein Dienstmädchen schon einmal unbeabsichtigt angeschossen wurde. Werther zeigt sich äußert gelangweilt von Alberts Geschichte und hält sich aus Langeweile die Pistole an den Kopf. Albert fragt ihn darauf entrüstet, „wie ein Mensch so töricht sein kann sich zu erschießen?“ (S.39; Z.2). Werther wendet sich gegen eine solche verallgemeinernde Bewertung. Seiner Meinung nach gibt es Selbstmorde, die durchaus gerechtfertigt sind und bei denen auch keine Charakterschwäche gezeigt wird. Albert hingegen meint Selbstmord sei eine Charakterschwäche, „denn freilich ist es leichter zu sterben, als ein qualvolles Leben standhaft zu ertragen.“ (S.40; Z. 4). Werther möchte das Gespräch zunächst einstellen, stellt dann aber einige Beispiele von Menschen auf, die in Notlagen besondere Kräfte mobilisieren und wenn diese Anstrengung Kraft sei, könne es ja gleichzeitig keine Schwäche sein. Werther fährt, unbeachtet von Alberts Kritik über seine Argumentation, fort und fügt hinzu, der Mensch könne nur bis zu einem bestimmten Punkt Schmerzen aushalten und alles darüber hinaus richte ihn zugrunde. Außerdem vergleicht Werther einen Selbstmord mit einem Fiebertod, was Albert sehr als abwegig empfindet. Und wie es eine Krankheit zum Tode gebe, so fährt Werther fort, so könne auch der Geist zu Tode erkranken. Um all dies zu verdeutlichen stellt Werther noch einige Gleichnisse auf die auch zu keinem Konsens führen. Mit einer leichten Kritik auf die Sturheit der Menschen gehen Werther und Albert auseinander.

15. August

Ganz im Gegensatz zum vorigen Brief steht der Brief vom 15. August. In ihm beschreibt Werther das harmonische Zusammenleben von Lotte und ihren Geschwistern, an welchem er sich ein Beispiel machen will.

18. August

Dieser Brief lässt unschwer erkennen, dass sich Werthers Wahrnehmung deutlich verändert hat. Anstatt nur die wundervolle und schöpferische Natur zu sehen, sieht Werther jetzt den Gegensatz von großartiger und zerstörerischer Natur. Er vergleicht diese neue Naturerfahrung mit Lotte. Sie sei sogleich „Quelle der Glückseligkeit und allen Elends“ (S. 43; Z.13).

21. August

Werther wird immer unglücklicher. Voller Liebeskummer beschreibt er, wie er sich nachts nach ihr sehnt und träumt, dass sie bei ihm schläft. Wenn er dann schließlich aufwacht und merkt, dass sie nicht bei ihm ist, wird ihm bewusst, dass sie für ihn unerreichbar ist.

22. August

Werther beklagt im Brief vom 21. August, er sei von einer „unruhen Lässigkeit“ (S.45; Z.12) befallen, die weder Muße noch Tatenkraft zulasse. Seine Vorstellungskraft ist versiegt, er ekle sich regelrecht vor Büchern und sogar die sonst so geliebte Natur erwecke keine richtigen Gefühle mehr in ihm.

28. August

Werthers Geburtstag verläuft für ihn auch nicht besser, als die restliche Woche. Er bekommt von Albert ein Geburtstagsgeschenk, das er mit guten Erinnerungen verbindet. Er schenkt ihm eine Homer-Ausgabe mit einer blassroten Schleife, die Lotte bei ihrer ersten Begegnung mit Werther getragen hat. An einem Gleichnis erkennt man, dass sich seine ganze Existenz nur noch auf Lotte fixiert. Er vergleicht diese Tage mit Blüten und fragt sich ob man diese einfach so verfaulen lassen kann.

30. August

Die Verzweiflung und Zerstreutheit in Werthers Geist schreitet zunehmend voran. Kann er sich nicht bei Lotte aufhalten, bei der er die einzigen glücklichen Stunden verbringt, treibt ihn eine „tobende, endlose Leidenschaft“ (S.46; Z.25). Hätte er diesen Rückzugspunkt nicht mehr würde er sogar den Tod vorziehen: „Ich sehe kein anderes Ende als das Grab“ (S. 47; Z.14).

3. September

Wilhelm hat Werther geholfen einen Entschluss zu fassen. Er wird Lotte und Albert verlassen. Es scheint er ist sich jetzt ganz sicher.

10. September

Dieser Brief handelt von dem letzten Zusammentreffen von Lotte, Albert und Werther, denen er seine Abreisepläne verschwiegen hat. Sein Entschluss zu gehen muss etwas in ihm verändert habe, denn er hat auf einmal wieder ein Gefühl für die Natur. Er trifft sich mit den beiden nachts in einem Garten, welchen er schon einmal mittags besuchte. Der nächtliche Besuch in diesem Garten weckt in ihm eine melancholische Stimmung. Schließlich treffen Lotte und Albert ein. Die drei genießen die himmlische Atmosphäre und das Mondlicht, welches Lotte dazu bewegt ein Gespräch über den Tod zu beginnen. Sie fragt sich, ob die Menschen sich nach dem Tode wieder sehen. Lotte kommt in diesem Zusammenhang auf ihre tote Mutter zu sprechen, die sie als Heilige bezeichnet. Werther, von diesen Aussagen total überwältigt, wirft sich vor sie und ruft aus, dass „der Segen Gottes über [ihr] und dem Geist ihrer Mutter“ (S.49; Z.28). Er glaubt in diesem Moment, er würde vergehen. Später ruft verabschiedet sich Werther mit den Worten: „Leb' wohl, Lotte! Leb' wohl, Albert! Wir sehn uns wieder“ (S.50; Z.23), ohne dass Lotte und Albert wissen, dass er für lange Zeit fortbleiben wird.

Inhaltsbeschreibung

2. Buch

Das zweite Buch umfasst den Zeitraum vom 20. Oktober 1771 bis zum 21. Dezember 1772.

20. Oktober

Sechs Wochen nachdem der Briefverkehr zwischen Werther und Albert unterbrochen wurde, fängt Werther wieder an Briefe zu schreiben. Der Grund für den erneuten Briefverkehr ist, dass er eine Anstellung als Gesandter gefunden hat. Der Brief beginnt mit einer Beschwerde über seinen derzeitigen Arbeitskollegen. Werther sieht seine „harten Prüfungen“ (S.51; Z.5) als Herausforderung, die er bewältigen muss. Obwohl er sich selbst nur als durchschnittlich betrachtet, probiert er sich selbst Mut zuzusprechen. Aber er sieht auch Vorteile in seiner neuen Arbeit: Er ist nun wieder in Gesellschaft und erkennt, ähnlich wie am Anfang des ersten Buches, dass er dann anderen gleichgestellt ist oder ihnen „gar vorläuft“ (S.51; Z.35).

26. November

Werther beginnt sich in die neuen Verhältnisse langsam einzuleben. Durch die Arbeit könne er über den Schmerz hinwegkommen. Er berichtet schließlich von einer Bekanntschaft mit einem Grafen, dessen offene und freundliche Art Werther sehr zuspricht.

24. Dezember

Im Brief vom 24. Dezember erzählt Werther etwas detaillierter von seinem Ärger mit dem Arbeitskollegen, den er für zu verbissen hält. Der Gesandte hat ständig Einwände gegen Werthers Art zu reden. So ist der Gesandte etwa gegen jede Änderung der gängigen Satzstruktur oder gegen jegliche Individualität bei der Verfassung von Dokumenten. Aufgrund einer Bemerkung über den Grafen, die eher weniger gut ankam, beschwert sich Werther über die ständig anherrschende Rangordnung unter den Menschen. Er gesteht zwar, dass der „Unterschied der Stände [nötig] ist“ (S.53; Z.42), doch treten die negativen Auswirkungen der Stände deutlicher hervor. In diesem Zusammenhang berichtet er von einer Bekanntschaft mit einem Fräulein. Nachdem er sie eines Tages bei ihrer Tante besuchte, stellte er fest, dass die Tante sich viel zu viel auf ihren Adelsstand einbildet.

8. Januar 1772

Empört beschwert sich Werther im Brief vom 8. Januar darüber, dass sich die Menschen, anstatt sich um wirklich wichtige Probleme der Menschen zu kümmern, nur um Rangfragen und Äußerlichkeiten den Kopf zerbrechen. Es sei viel wichtiger, den Menschen nach „der Ausführung seiner Pläne“ (S.54; Z.39) zu beurteilen.

20. Januar

Dieser Brief ist an Lotte gerichtet. Obwohl im Vordergrund seines Briefes eine Klage über die gesellschaftlichen Verhältnisse steht, will Werther in diesem Brief auf etwas anderes hinaus: Er meint sein Leben sei sinnlos und er träge. Der einzige Lichtblick ist Fräulein B.., welches er sogar mit Lotte vergleicht. „Sie hat viel Seele, die voll aus ihren blauen Augen hervorblickt“ (S.55; Z.36), so Werther. Außerdem wünscht sie sich aus tiefstem Herzen aus dem Adel heraus und meidet die Etikette.

8. Februar

Werther begrüßt das verregnete Wetter, da es in gewisser Weise seiner Grundstimmung entspreche. Er übt ein weiteres Mal Kritik am Wesen der Menschen aus und zwar dass sie sich oder anderen eh jeden Tag verderben, egal wie schön er auch ist.

17. Februar

Der Konflikt zwischen Werther und dem Gesandten wächst weiter an. Er hat ihn aufgrund einer Lappalie beim Minister verklagt, der ihm einen leichten Verweis ausspricht. Werther ist daraufhin entschlossen zu kündigen, entscheidet sich dann aber seinen Dienst nicht zu quittieren, als er einen privaten Brief von dem Minister erhält. Er bewundert seinen „hohen, edlen, weisen Sinn“ (S.56; Z.34) und nimmt sich vor auf seinen Rat einzugehen, seine Kräfte da einzusetzen, wo sie wirklich gebraucht werden. Gegen Ende des Briefes spricht Werther von seiner wiedergewonnenen Ruhe, gibt aber zu, dass diese zerbrechlich ist.

20. Februar

Dieser Brief ist an Lotte und Albert gerichtet, denen er damit zur Hochzeit gratulieren möchte. Er macht jedoch auch deutlich, dass er nicht nur die Hochzeit mit Widerwillen betrachtet, sondern ebenso noch nicht alle Hoffnungen auf Lotte aufgegeben hat. Er will, entgegen seiner ursprünglichen Absichten, Lottes Schattenriss nicht von der Wand nehmen, da er „den zweiten Platz“ (S.57; Z.20) in Lottes Herzen innehabe.

15. März

Werther berichtet in diesem Brief von einer schweren gesellschaftlichen Demütigung. Nach dem abendlichen Essen beim Grafen unterhielt man sich noch, bis schließlich die „noble Gesellschaft“ (S.57; Z.36) eintrifft. Werther, der sich bereits erhoben hatte um den Saal zu verlassen, erblickt beim Hinausgehen Fräulein B., mit der er eine Unterhaltung beginnt. Nach diesem sehr kurzen und verkrampften Gespräch bittet ihn der Graf beiseite um ihn höflich darauf hinzuweisen, die Gesellschaft zu verlassen. Um sich wieder zu beruhigen, begibt sich Werther auf einen nahe gelegenen Hügel und liest Homer. Er wird gleich ein zweites Mal enttäuscht, nämlich als er bemerkt, dass der peinliche Zwischenfall unter seinen Neidern Schadenfreude hervorgerufen hat. „Da möchte man sich ein Messer ins Herz bohren“ (S.59; Z.17), so Werther daraufhin.

16. März

Der Brief vom 16. März baut auf dem vorigen auf. Werther trifft Fräulein B., welche ihm bestätigt, dass seine Neider über ihn triumphieren und sogar noch hinzufügt, dass ihn die adlige Tante als unpassenden Umgang bezeichnet. Obwohl sich Fräulein B. für ihr Verhalten entschuldigte und es ihr auch sichtlich peinlich ist, ist Werther unglaublich wütend und enttäuscht von ihr. Am Ende des Briefes spielt Werther wieder mit dem Selbstmordgedanken: „Ich möchte mir eine Ader öffnen, die mir die ewige Freiheit schaffte“ (S.60; Z.23).

24. März

Werther hat seine Kündigung eingereicht, obwohl er sich im Klaren ist, dass seine Mutter sich nicht freuen wird, die Karriere ihres Sohnes abbrechen zu sehen. Er fügt hinzu, er wolle den Grafen auf seinen Höfen besuchen um dort den Frühling zu verbringen.

19. April

Wilhelm wird gleich zu Anfang des Briefes mitgeteilt, dass Werthers Kündigung angenommen wurde. Der Minister schrieb Wilhelm noch einen Brief, welcher ihn zu Tränen gerührt hat und vom Erbprinzen erhält Werther noch einen größeren Geldbetrag, weshalb er erstmal finanziell unabhängig bleibe.

5. Mai

Werther schreibt, dass er sich entschlossen hat, seinen Geburtsort zu besuchen. Er erhofft sich dadurch sich der „alten, glücklichen, verträumten Tage [zu] erinnern“ (S.61; Z.20).

9. Mai

Die Wallfahrt zu seinem Geburtsort hat ihn ihm einige „unerwartete Gefühle“ hervorgebracht. Da sind zum einen die zahlreichen Veränderungen, die ihm alle missfallen, zum anderen die Feststellung, dass während er sich früher kaum in der Stadt halten konnte, er heute gerne einen Ort hätte, wo er sich zurückziehen kann. Außerdem gibt es einen neuen Fürsten in der Stadt, mit dem sich Werther nicht sonderlich gut versteht, da er ein Mann des Verstandes und nicht des Gefühls ist.

25. Mai

Werther erinnert sich, dass er früher einmal vor hatte in den Krieg zu ziehen, wovon er dann aber schnell wieder abgekommen ist.

11. Junius

Im Brief vom 11. Junius schildert Werther, dass er das Schloss des Fürsten verlassen wird, da sie nichts gemeinsam haben. Er fügt hinzu, dass er das Kunst- und Naturverständnis des Fürsten, insofern er eine s besitzt, nicht verstehe. Hier wird ein weiteres Mal deutlich, wie sehr Werther Menschen missbilligt, die sich nur auf ihren Verstand verlassen, anstatt auf ihr Herz zu hören.

16. Junius

Werther benennt in diesem sehr kurzen Brief Wandern als ein der Hauptbestandteil seines Lebens.

18. Junius

Werther hat so starke Sehnsucht nach Lotte, dass er sich vornimmt zu ihr und damit in sein persönliches Idyll zurückzukehren, obwohl er „über sein eigenes Herz [lacht]“ (S.64; Z.9). Dies macht den Widerspruch in Werthers Denken ein weiteres Mal deutlich.

29. Julius

Werther ist wieder bei Lotte angelangt, an der er noch sehr hängt. Das drückt sich zum Beispiel dadurch aus, dass er findet, dass sie „mit [ihm] glücklicher geworden wäre als mit Albert“ (S.64; Z.21), was damit zusammenhängt, dass Werthers und Lottes Herz „in einem zusammenschlagen“(S.64; Z.25), während sich Albert nur für Bücher begeistern kann.

4. August

Werther ist der Schulmeisterstochter (S.65; Z.4) wieder begegnet und stellt fest, dass sich ihr anscheinend so beneidenswertes Leben grundlegend geändert hat: der jüngster Sohn ist gestorben und ihr Mann ist schwerkrank. Werther zieht von diesem Schicksal Parallelen zu seinem.

21. August

Werther stell resigniert fest, dass er nur noch wenige glückliche Augenblicke in seinem Leben hat, was er mehr oder weniger auf Albert schiebt. Er äußert in diesem Zusammenhang, wenn auch unter vorgehaltener Hand, den Wunsch, dass Albert stirbt. Immer deutlicher wird ihm bewusst, dass sich die glücklichen Tage seines Lebens nicht so schnell wiederholen werden.

3. September

Im Brief vom 3. September fragt sich Werther warum ein anderer Mensch Lotte so sehr lieben darf wie er, obwohl sein ganzes Leben auf sie fixiert ist.

4. September

Werther zieht in diesem Brief Parallelen zwischen seinem Schicksal und dem anderer Menschen: Der Bauernbursche, der in seine Herrin verliebt war, wurde aus dem Dienst verjagt, da er versucht hat ihrem Mann Gewalt anzutun, obwohl „seine [Absichten] immer redlich waren“. Werther sieht diese Liebestat als eine Bestätigung seiner Ansicht, dass Liebe über alles geht. Er bittet Wilhelm außerdem diese Geschichte mit Andacht zu lesen.

5. September

Lotte reagiert auf eine Liebeserklärung von Werther sehr verstört. Er hatte sich eingebildet, dass ein Brief, der an Albert gerichtet war, für ihn sein sollte.

6. September

Werther versucht, obwohl er es schon mal aufgegeben hatte, die alte Harmonie zwischen ihm und Lotte wiederherzustellen. Er hat den Anzug, den er beim ersten Tanzen mit Lotte getragen hat, abgelegt, fragt sich aber warum ein neu angefertigter Anzug nicht die gleiche Wirkung wie der erste entfacht.

12. September

Lotte hat ihren Geschwistern von einer Reise einen Kanarienvogel mitgebracht, der so dressiert ist, dass er Lotte küsst. Anschließend reicht sie Werther den Vogel mit der Aufforderung, ihn auch zu küssen, ohne zu wissen, wie sehr sie ihn durch ihre Bitte verunsichert. Infolge dessen fragt er sich ein weiteres Mal, ob er nicht vielleicht doch noch eine Chance hat.

15. September

Bedauernd erzählt Werther, dass die Pfarrerin, welche er für erzkonservativ hält, jene Nussbäume, von denen er bereits am 1. Julius berichtet, hat fällen lassen. Dies ist für ihn ein weiteres Indiz dafür, dass sein voriges Leben endgültig vorbei ist: Langsam aber sicher zerbricht sein ganzes Leben vor seinen Augen.

10. Oktober

Der Gedanke, dass Lotte mit ihm viel glücklicher wäre, überfällt ihn immer wieder, so auch in diesem Brief. Er ist so verzweifelt, dass es ihm regelrecht seine Sprache verschlägt, was man an den vielen Gedankenstrichen erkennt: „als er – hoffte – als ich – zu sein glaubte – wenn – Ich mache nicht gern Gedankenstriche“ (S.70; Z.23).

12. Oktober

Werther hat seinen Homer zu Gunsten von Ossian weggelegt, welcher mehr zu seiner derzeitigen Grundstimmung passt. In Ossians Büchern geht es um die graue und stürmische Natur des Nordens, von Zerstörung und man erinnert sich an glücklichere Zeiten. Doch der Barde um den es geht, wird nach großem Leiden selber sterben. Werther würde gerne den Sänger von seinem Leben „auf einmal befreien“ (S. 71; Z.16). Der Gedanke an den Selbstmord tritt offensichtlich immer stärker in den Vordergrund.

19. Oktober

Im Brief vom 19. Oktober geht es darum, dass wenn er Lotte nur ein einziges Mal an sich drücken könnte, sein Herz vollends geheilt wäre.

26. Oktober

Nachdem Werther ein etwas abwertendes Gespräch über die noch verbleibende Lebensdauer von Mitmenschen von Lotte und Albert belauscht hatte, überkommt ihn die Vermutung, dass wenn er sterben würde, wahrscheinlich keiner besonders lange traurig wäre. Die Gefühllosigkeit, die in seinen Mitmenschen steckt, bedauert Werther sehr.

27. Oktober

An diesem Tag schreibt Werther zwei Briefe

Im ersten Brief spricht Werther die unerwiderte Liebe zu Lotte an, die ihn fast wahnsinnig macht.

Der zweite Brief beschreibt, dass sich seine ganze Existenz auf nur noch auf Lotte ausrichtet und ohne die völlig leer wäre.

30. Oktober

Im Brief vom 30. Oktober bedauert Werther die Tatsache, dass er seine wahren Gefühle nicht zeigen darf. Er würde Lotte gerne um den Hals fallen, aber er darf es nicht, obwohl „zugreifen doch der natürlichste Trieb der Menschheit [ist]“ (S.72; Z.29)

3. November

Werthers Trübsinn nimmt immer mehr zu. Er beklagt in diesem Brief den Verlust seiner Phantasie und Empfindsamkeit, was an seinem „totem Herz“ (S.73; Z.14) liegt. Selbst die Schönheit der Natur kann er in diesem Zustand nicht mehr wahrnehmen.

8. November

Nachdem Lotte Werther übertriebenen Alkoholgenuss vorwirft, fordert sie er solle auch mal an sie denken. Als er ihr gesteht, er denke nur noch an sie, wechselt sie peinlich berührt das Thema. Doch selbst das stört ihn nicht mehr, sie kann ja schließlich „mit [ihm] machen, was sie will“ (S.74; Z.7).

15. November

Der Brief vom 15. November enthält zahlreiche Anspielung auf das Christentum und speziell auf die Bibel. Werther dankt Wilhelm für seine Anteilnahme, fügt aber hinzu, dass ihm die Religion keineswegs über seine Leiden hinweghelfe. Er ergänzt ein gewagtes Gleichnis: Er vergleicht sich mit Jesus, der seinen Kelch beinahe geleert hat.

21. November

Der Kelch wird wieder aufgegriffen. Er vergleicht Lottes Mitgefühl mit einem Gift, das ihn langsam tötet, nachdem er es aus seinem Kelch getrunken hat.

22. November

Werther benutzt viele Wortspiele um sich selbst wieder Mut zuzusprechen, da Lotte ihm diesen vollkommen genommen hat.

24. November

In diesem Brief wird zum ersten Mal deutlich, dass das gestörte Verhältnis zwischen Lotte und Werther auch Lotte stark mitnimmt. Sie flüchtet sich immer wieder vor ihr Klavier, wobei der Gesang und das Klavierspiel eine Einheit bilden. Am meisten beeindrucken ihn Lottes Lippen, welche in ihm einen Zwiespalt hervorrufen: Auf der einen Seite sind sie ihm so heilig, dass er sie niemals küssen könnte, auf der anderen Seite will er Lotte doch haben.

26. November

Werther bezeichnet erst sein Schicksal als einzigartig, nimmt diese Behauptung jedoch zurück, weil ihm Ossians Schicksal sehr ähnlich sei. Er sieht sich selbst als bemitleidenswertesten Mensch der zurzeit lebt.

30. November

Im Brief vom 30. November erzählt Werther von einer Begegnung, die ihn total aus der durcheinander bringt. Er trifft an einem verregneten Tag einen offenbar geistesgestörten Mann, der für seine Frau einige Blumen pflücken will. Nach einer kurzen Unterhaltung kommt seine Mutter hinzu und erklärt Werther ihr Sohn war nur glücklich, als er noch im Irrenhaus lebte. Werther jedoch empfindet kein Mitleid mit dem jungen Mann, eher im Gegenteil: Er beneidet ihn darum, dass man im Wahnsinn immer Hoffnung habe und er diese langsam aber sicher verliert. Er fährt fort und erklärt, dass man Menschen nicht nur aufgrund von Anzeichen des Wahnsinns für verrückt abschreiben darf, da jeder Mensch hin und wieder schlechte Phasen hat. Der Brief endet mit einem Anruf an Gott, der seinen Selbstmordentschluss immer deutlicher macht.

1. Dezember

Der geisteskranke Mann ist Schreiber bei Lottes Vater gewesen, erklärt Werther im Brief vom 1. Dezember. Er ist, nachdem er sich hoffnungslos in Lotte verliebt hat, aus dem Dienst entlassen worden. Damit wäre Werther nicht der einzige Mann, der durch Lotte regelrecht verrückt geworden ist.

4. Dezember

„ Ich bitte dich – Siehst du, mit mir ist’s aus, ich trag es nicht länger!“ (S.79; Z.6). So beginnt dieser Brief, der aufgrund von Lottes Klavierspiel geschrieben wurde, da es Werter zugleich an schöne Zeiten erinnert, aber auch Trauer und tiefen Schmerz hervorruft. Seine Trostlosigkeit nimmt immer mehr zu und ist auch nicht mehr aufzuhalten.

6. Dezember

Lotte verfolgt in zunehmend, sie „füllt die Sinne in seiner Stirn“ (S.79; Z.31). In diesem Zusammenhang klagt Werther darüber, dass sich der Mensch nie richtigen Freuden oder Leiden hingeben könne, da man immer von seinem Bewusstsein eingeholt wird.

12. Dezember

Werther scheint nicht mehr Herr seiner selbst zu sein. Er wandert nachts in den Straßen herum, wird von andauernden Tagträumen verfolgt und redet viel vom Tod. Es fällt auf, dass dieser Brief auffällig zusammenhangslos ist, Werther wechselt oft das Thema und widerspricht sich selbst.

14. Dezember

Dieser Brief ähnelt dem vorigen sehr. Werther ist verwirrt, selbstzerstörerisch und schwärmt trotzdem noch von Lotte. Man hat den Eindruck, er könnte sich direkt nach diesem Brief umbringen.

20. Dezember

Dies ist der letzte Brief von Werther an Wilhelm. In ihm zeigt er seine Selbstmordabsichten ganz klar: „Mir wäre besser, ich ginge“ (S.87; Z.3). Außerdem lässt er sich bei seiner Mutter für alle Unannehmlichkeiten entschuldigen, hofft, dass sie für ihn bete und verabschiedet sich für immer von Wilhelm.

21. Dezember

Dieser Brief ist an Lotte gerichtet und enthält Berichte über den Verlauf von Werthers letzten Tagen: Obwohl Lotte sich gegen Werthers Freitod richtet kann sie nichts dagegen unternehmen. Er besorgt sich eine Pistole von Albert und erschießt sich schließlich allein, ohne großes Aufsehen erregen zu wollen in seinem Zimmer. Vorher schreibt er noch einen Brief, in dem er Lotte als Heilige huldigt und sie um Vergebung bittet, dass es so weit kommen musste. Mit dem Tod Werthers endet das Buch.

Details

Seiten
20
Jahr
2006
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v110679
Note
1
Schlagworte
Leiden Werther Thema Die Leiden des jungen Werther

Autor

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Titel: Die Leiden des jungen Werther