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Rational Choice Theorie

Hausarbeit 2006 17 Seiten

Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft

Leseprobe

1. Die Colemansche Badewanne

2. Logik der Situation

3. Logik der Selektion
3.1. Das Bewusstsein
3.2. Der rationale Akteur
3.3. Eine vernünftige Wahl?
3.4. Die Zeit
3.5. Der Egoismus

4. Logik der Aggregation
4.1. Soziale Ordnung und Normen

5. Exkurs: Rationalität heute
5.1. Evolution der Rationalität

6. Literaturangabe

1. Die Colemansche Badewanne

In der Soziologie, die die Gesamtheit der Gesellschaft zu analysieren versucht, muss selbstverständlich auch das Zusammenwirken von Individuen (bzw. Grup­pen von Individuen), als Teile einer Gesellschaft, betrachtet werden. Hier gibt es nun zwei verschiedene Betrachtungsweisen. So kann man entweder das Zusam­menleben der Menschen auf der Mikroebene betrachten, also das Einzelindividuum und dessen Interessen in den Mittelpunkt der Betrachtungen setzen. Oder man konzentriert sich auf die Makroebene und analysiert die Struktur der Gesell­schaft und analysiert die Bedeutung gesellschaftlicher Positionen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

James S. COLEMAN hat versucht diese bei den Ebenen wie folgt miteinander zu verknüpfen. Nach seinem Modell, der so genannten "Colemanschen Badewanne", ist davon auszugehen, dass ein Akteur sich zu einem bestimmten Handlungszeit­punkt einer spezifischen sozialen Situation ausgesetzt sieht. Er ist darum bemüht die Logik der Situation bestmöglich zu erfassen, aufgrund derer er seine Hand­lungsentscheidung zu treffen hat. Diese subjektive Definition einer Handlungssituation ist auch als Makro-Mikro-Problem bekannt. Wenn nun der Akteur die Si­tuation seinem subjektiven Empfinden nach bewertet hat, kommt es zu einer Se­lektion möglicher Handlungsoptionen. Bei der Logik der Selektion versucht er, die möglichen Handlungsfolgen zu durchdenken und die ihm am sinnvollsten er­scheinende Alternative auszuwählen. Der Handelnde versucht die Situation zu erfassen und nach dem Prinzip der rationalen Wahl eine Handlung zu selektieren. Im Anschluss an die Einzelhandlungen werden diese nach COLEMAN aggregiert, was zu einer Veränderung der Ausgangssituation führt. Dabei geht er davon aus, dass mehrere Einzelhandlungen die Ausgangssituation beeinflussen und verän­dern. Bei der Logik der Aggregation geht es somit um die Auswirkungen, die die Individualebene auf die Makroebene hat, was auch als Mikro-Makro-Problem bezeichnet wird.

2. Logik der Situation

Das Makro-Mikro-Problem besteht in der Subjektivität der Wahrnehmung und Einschätzung sozialer Situationen. In jeder Situation wirken unzählbar viele Um­weltreize auf den Menschen ein, die dieser unmöglich alle aufnehmen kann. Des­halb muss es zu einer Reduktion dieser Reize kommen, welche wiederum in mehrere Dimensionen aufgeteilt werden kann.

Aufgrund natürlicher Gegebenheiten und allgemeiner menschlicher Fähigkeiten ist die Situation bereits gerahmt. "Bei aller Kulturfähigkeit und bei aller Ablösung des menschlichen Verhaltens von der biogenetischen Fixierung bleiben menschliche Akteure immer (auch) lebende Organismen, die im beständigen Austausch mit ihrer natürlichen Umwelt bleiben" (ESSER 1993; 219). Neben weiteren natür­lichen Beschränkungen sollen hier nur die räumliche Begrenzung, die Zeit, die verfügbaren Energiereserven, sowie die Belastbarkeit des Menschen und die Be­schränktheit menschlicher Fähigkeiten genannt werden.

Dieser natürliche Rahmen verengt sich durch persönliche, soziale und kulturelle Gegebenheiten. Diese können sich aber stets nur im erwähnten natürlichen Rah­men entfalten. "Wir wollen davon ausgehen, dass die sozialen Restriktionen sich zwar ganz beträchtlich von der materiellen Grundlage ablösen können, dass sie aber niemals von den natürlichen Restriktionen zu befreien sind" (ESSER 1993; 221). Sowohl innere individuelle Zwänge, wie persönliche Präferenzen und Ein­stellungen, als auch äußere kulturelle Zwänge, wie die Sozialisation von Normen und die soziale Rolle, bestimmen die Art der Wahrnehmung und Bewertung der "Wirklichkeit".

Zahlreiche soziale Faktoren beeinflussen also den Wahrnehmungsprozess jedes Menschen in jeder Situation. Dabei gibt es äußere kulturelle Faktoren, die durch das Umfeld an, den Menschen herangetragen werden. Aber auch innere persönli­che Faktoren die von Bedeutung sind. Letztere sind oftmals wieder rollenspezifisch bedingt, also auf keinen Fall gänzlich aus dem äußeren kulturellen Rahmen zu lösen.

Zu den situativen Faktoren zählen unter anderem die kulturelle Sozialisation und Normgebung, also die Frage danach was man tun darf bzw. wie man sich verhal­ten soll. Dabei variieren die äußeren Ansprüche nicht nur entsprechend des Kul­turraums, sondern auch innerhalb dessen. Je nachdem in welchem Interessenfeld gehandelt wird und welche Position der Handelnde innehat, hat er unterschiedli­che Rollenanforderungen zu erfüllen. Anders ausgedrückt orientiert sich der Ak­teur immer an der Zielsetzung seiner Mitspieler und Beobachter und ist bemüht, bei diesen einen positiven Eindruck zu hinterlassen.

Neben den situativen Faktoren sind noch weitere persönliche Faktoren zu nennen, allen voran die psychische und physische Verfassung des Handelnden. Dies fängt beim Selbstbild und den eigenen Erwartungen an, geht weiter mit den persönli­chen (physischen & psychischen) Fähigkeiten und endet nicht zuletzt bei den ak­tuellen emotionalen Befindlichkeiten. Bei den Fähigkeiten geht es sicher nicht nur darum was man leisten kann, sondern vielmehr darum was man sich selber zu­traut. Als letzten persönlichen Faktor möchte ich die Lebenserfahrung nennen, also die Kenntnis darüber was in vergangen, ähnlichen Situationen funktioniert hat oder eben nicht. Dabei muss es sich nicht zwangsläufig um eigenes vergange­nes Verhalten handeln. Es ist auch möglich zuvor beobachtete Verhaltensweisen zu reproduzieren. Es ist aber immer so, dass "Handlungen [die] früher gelernt worden sind [..] offensichtlich nicht leicht wieder verlernt werden können" (CO­LEMAN 1991; 20). Positiv erlerntes oder sozialisiertes Verhalten gilt als aner­kannte Handlungsalternative. Neue Handlungsideen, die aus angemessenen kogni­tiven Assoziationen entstehen können, müssen sich dagegen erst noch in der Pra­xis bewähren. Schließlich können sie dann aber als neue, alternative oder sogar bessere Handlungsmöglichkeit dienen.

"Die Handlungen eines Individuums sind nicht nur abhängig von Präferenzen und Werten, sondern auch von Möglichkeiten und Anreizen, die das soziale Umfeld bietet" (COLEMAN 1991; 16). Wie gerade beschrieben sind Handlungsentschei­dungen immer abhängig von den persönlichen Einstellungen und den kulturellen Werten, sowie, den Handlungsmöglichkeiten und den zusätzlichen Anreizen be­stimmte Optionen auszuführen.

Der Wahrnehmungs- und Handlungsprozess ist folglich äußeren und inneren, situativen und persönlichen Zwängen ausgesetzt, innerhalb derer Entscheidungen getroffen werden können. "Menschliches Han­deln als Wahl zwischen Alternativen unterliegt immer und unvermeidlich bestimmten Restriktionen. Und das Verhalten bzw. das Handeln besteht dann in ers­ter Linie darin, mit diesen Restriktionen möglichst geschickt und sparsam umzu­gehen" (ESSER 1993; 220).

Aber nach welchen Regeln entscheidet sich der Akteur letztendlich für eine dieser verbliebenen Handlungsmöglichkeiten?

3. Logik der Selektion

Eine beliebte Theorie, die den Entscheidungsprozess erklären kann, ist die Ratio­nal-Choice-Theorie. Diese Theorie, die auf der Annahme beruht, dass jeder sozia­le Akteur einer subjektiven Kalkulierung entsprechend handelt, gehört zur Theo­rierichtung des methodologischen Individualismus.

Die Theorie der rationalen Wahl lässt sich definieren als "ökonomische Hand­lungstheorie, in der jeder ein rationaler, eigennütziger Akteur ist, der darauf be­dacht ist seinen persönlichen Nutzen zu maximieren" (HOLLIS 1995; 157). Ent­scheidend für diese Theorie ist also die Eigennutzenmaximierung. Dazu geht man davon aus, dass bei jeder Handlungsmöglichkeit mehrere Handlungsfolgen er­wartbar sind, die vom Handelnden mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit gewichtet werden. Der Akteur wird sich dann immer für die Option entscheiden, die ihm zur Erfüllung seiner Ziele am ehesten Erfolg verspricht.

3.1. Das Bewusstsein

Viele menschliche Handlungen sind nicht durch reine Reiz-Reaktions-Modelle erklärbar. Ankommende Stimuli werden vielmehr durch zahlreiche kognitive Prozesse verarbeitet. "Die Aufnahme und Verarbeitung aller situativen Umweltreize ist nicht möglich, hätte sie doch eine kognitive Überforderung und Überlastung zur Folge" (HILL 2002; 35).

Eine Reduktion ist von Nöten, damit es nicht zu ei­ner Reizüberflutung kommt. Resultierend aus der Möglichkeit, Bedürfnisse zu unterdrücken bzw. ankommende Reize aufzunehmen und nicht unmittelbar eine Reaktion zu zeigen, besitzen Menschen die Fähigkeit rational, d.h. vernünftig und wohlüberlegt zu handeln. Genau in diesem Zeitraum, zwischen der Reizwahr­nehmung und der Handlung, der auch als Hiatus bezeichnet wird, ist denken mög­lich. Hier haben die Akteure Zeit abzuschätzen was ihnen am sinnvollsten erscheint. Ein Akteur weiß, in welcher Situation er sich befindet und überlegt daraufhin, wie er Handeln wird. Rationales Handeln ist also von affektivem, triebhaf­tem oder automatisiertem Handeln zu trennen. Des Weiteren ist es so, dass Den­ken nur in Begrifflichkeiten möglich ist, die zuvor kulturell internalisiert worden und somit zugänglich gemacht worden sind.

Dass sich Menschen ihrer Situation bewusst sind, ist die primäre Bedingung für Rationalität. Rationales Handeln muss immer bewusstes Handeln sein. Es geht darum, objektiv gerahmte Situationen subjektiv wahrzunehmen, sie ins Bewusst­sein aufzunehmen, zu bewerten und die aus eigener Sicht am sinnvollsten erschei­nende Handlung auszuwählen.

Es beginnt damit, dass sich ein Mensch seiner Situation bewusst werden kann ("Ich bin hier!"). Dabei ist er bemüht, alle ihm zugänglichen Umweltreize bzw. Informationen, die die Situation zu beeinflussen scheinen, wahrzunehmen. Da er seine Umwelt wahrnehmen kann und sich seiner Existenz bewusst ist, ist es nur logisch, diese Existenz auch (bewusst) einzusetzen. Der Akteur beginnt über die ihm als möglich erscheinenden Handlungen nachzudenken. Er stellt sich also die Frage, was er will (persönliche Präferenzen) unter der Berücksichtigung dessen, was er zu können glaubt (natürliche Fähigkeiten) und was er darf bzw. soll (sozia­le Anforderungen). Darauf aufbauend versucht er die Folgen der für ihn realisier­baren Handlungsoptionen einzuschätzen und zu bewerten.

Durch eine kulturspezifische Erziehung und Erfahrungen werden Normen und Werte sozialisiert ("Was soll ich tun?"). Des Weiteren gibt es verbindliche Zwän­ge und Verbote ("Was darf ich tun?"). Die Erwartungen und Anforderungen der Mitspieler an den Handelnden variieren dabei je nach sozialem Umfeld. Aus die­sem Grund schätzt jeder Akteur objektiv ähnliche oder gar gleiche Situationen anders ein und handelt entsprechend seiner individuellen Situationseinschätzung.

Das bekannte THOMAS-Theorem "If man defines situations as real they are real in their consequences" soll hier nicht unerwähnt bleiben.

Und noch einmal: Ein Akteur nimmt alle ihm zugänglichen Informationen auf, bewertet diese nach seinen Interessen und Präferenzen unter Berücksichtigung seiner sozialen Stellung und handelt seinen subjektiven Bewertungen entspre­chend. Es ist folglich so, dass „ sowohl die externen Bedingungen in der Umge­bung (über die Erwartungen) wie auch die internen Funktionserfordernisse des Organismus (über die Bewertungen) gleichzeitig berücksichtigt werden“ (ESSER 1993; 227).

3.2. Der rationale Akteur

Die Spieltheorie, die abstrakte, nicht real stattfindende Interaktionen zwischen mindestens zwei rationalen Akteuren untersucht und analysiert, geht immer von einem idealisierten, eigennützigen Akteur aus.

"Ihm werden drei Komponenten zugesprochen: vollständig geordnete Präferenzen, vollständige Information und ein vollkommener innerer Rechner. Rational handelt er insofern, als er sich für die Handlung entscheidet, die nach seinen richtigen Berechnungen am besten dazu dient, seine Präferenzen zu erfüllen" (HOLLIS 1995; 158).

Das ist selbstverständlich eine Utopie. Weder sind einem jemals alle Informatio­nen zugänglich, die die Situation ausmachen, noch sind die (oftmals rollenspezi­fisch geprägten) Präferenzen klar geordnet, sondern stehen sich oft heterogen ge­genüber, so dass man sie schwerlich vergleichen kann. Und zu guter letzt ist auch kein Gehirn ein fehlerloser Rechner. Es ist vielmehr ein immens komplexes Konstrukt, das viele Möglichkeiten hat, aber auch zahlreichen Beschränkungen unter­worfen ist.

Da ohnehin niemals alle Situationsinformationen erreichbar sind, brechen wir unsere Informationssuche an einem gewissen Zeitpunkt ab und bewerten die Situ­ation entsprechend der uns in diesem Moment zur Verfügung stehenden Informationen. Dieser Zeitpunkt ist erreicht, wenn jede weitere suche nach Informatio­nen zu zeitaufwendig oder kostspielig wird. Weiterhin bleibt festzuhalten, dass viele Handlungen völlig automatisiert ablaufen und oftmals eher aus dem Affekt oder der Routine heraus, als rational und wohlüberlegt ablaufen. Hier kommt es dann gar nicht erst zu einer erneuten Suche von Informationen.

Die künstlich hergestellten Situationen, die der Spieltheorie zugrunde liegen, sind folglich nur schwer übertragbar auf eine reale Welt, die viel komplexer ist als die­se fiktiven Simulationen. Trotzdem können sie als ein erster Anhaltspunkt zur Erfor­schung komplexer Interaktionsmuster gesehen werden.

3.3. Eine vernünftige Wahl?

Der handelnde Akteur ist bemüht, im Rahmen der natürlichen Gigebenheiten und mittels des von ihm internalisierten Gesellschaftsbildes, die seinen Wünschen und Möglichkeiten am ehesten entsprechende Handlung auszuführen. Statt um eine "Wahl" scheint es sich aber eher um eine bedingte Kalkulation praktisch mögli­cher und subjektiv wahrgenommener Alternativen, sowie die Abschätzung der jeweiligen Folgen zu handeln. Der Handelnde trifft seine "Wahl" nicht aufgrund freier Gedanken, sondern vielmehr aufgrund eines sozial erlernten Sachverstandes.

Er wird durch die Vernunft geleitet und seine Wahl fällt auf die ihm - im Moment der Handlungsentscheidung - am sinnvollsten erscheinende Alternative. Der Sinn ist hier durch das Zwischenziel gesetzt, welches wiederum durch die bereits er­wähnten Rahmenbedingungen bestimmt wird und den Handelnden seinem Fern­ziel ein Stück näher bringt.

"Den Akteuren geht es vor allem um physisches Wohlbefinden und soziale Wert­schätzung" (HILL 2002; 45). Als grundsätzliche menschliche Zielsetzungen gel­ten sowohl das Ziel der persönlichen Befriedigung, als auch das Streben nach so­zialer Anerkennung. Beide Richtungen lassen sich in vielfältiger Weise auslegen und sind normalerweise nur über Zwischenziele erreichbar. Die Antriebe die hier von Interesse sind, sind nicht etwa die natürlichen, wie man so schön sagt ´animalischen Triebe´, sondern das Streben nach persönlicher Zufriedenheit und sozialer Achtung. Dabei ist es sicher so, dass die Ziele von der Position und den Möglich­keiten der Akteure bestimmt werden. Je nach Rollenanforderungen und persönli­cher Wahrnehmung sind Akteure anderen Handlungsrestriktionen ausgesetzt und mit anderen Anforderungen konfrontiert. Die Handlungswahl ist also insoweit vernünftig, als dass sie einen praktischen Sinn für den vergangenen und zukünfti­gen Lebenslauf des Handelnden hat. Sowohl die vergangenen Erfahrungen als auch die zukünftige Zielsetzung bestimmen, was ein Akteur als sinnvoll erachtet.

Die Verschiedenheit der Betrachtungsweisen erkannte auch schon James S. COLEMAN: "Daß vieles üblicherweise als nicht rational oder irrational bezeichnet wird, liegt [...] einfach daran, weil die Betrachter nicht die Sichtweise des Ak­teurs entdeckt haben, von der aus die Handlung rational ist" (COLEMAN 1991; 22). Auch ohne von Interessenfeldern und Rollenbildern zu sprechen, machte er deutlich, dass die Sichtweise der Akteure variiert. Zu klären, woher die Zielset­zungen und Präferenzen der Individuen stammen könnten, würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Es sei nur angemerkt, dass hier vor allem über das Umfeld herangetragene Normen und Werte, aber auch Wissen und Fähigkeiten Einfluss nehmen.

Hier hagelte es zahlreiche Kritik an der Theorie der rationalen Wahl. Den Vertre­tern dieser Theorie wird vorgeworfen, sie würden von einer "objektiven Logik" ausgehen, die allen Situationen zueigen ist. Kritiker hingegen gehen davon aus, dass es keine allgemeingültige, also raum- und zeitlose Vernunft gibt, sondern vielmehr eine "praktische Vernunft". Diese praktische Vernunft variiert je nach Akteur und je nach Situation und scheint einer eigenen Logik zu folgen. Dabei ist zu beachten, dass jede vernünftige Handlung einen Sinn haben muss, der erst durch eine entsprechende Zielsetzung gegeben wird. Die Zielsetzung wiederum ist, um in den Worten Pierre BOURDIEUs zu sprechen, weitestgehend durch das "soziale Feld" bestimmt, in dem gerade agiert wird. Das Feld bestimmt die Regeln und das Ziel des Spiels. Durch das Ziel sind wiederum die Zwischenziele und Interessen der Spieler festgelegt. Aber es sei bemerkt, dass bereits ESSER wusste, „daß man von allgemeinen, biologisch verankerten, festen und wohlgeordneten Präferenzen menschlicher Akteure nicht (unmittelbar) ausgehen kann. Wohl aber: von institutionell definierten Interessen an den Zwischengütern, die als jeweils erstrebenswert gelten“ (ESSER 1993; 226).

Allgemeingültig sind demnach nicht die Präferenzen und Interessen, sondern die Art des Denkens. Der Denkprozess ist bei allen Menschen gleich, nur der Inhalt variiert. Die Möglichkeit zu denken ist durch die Funktionsweise des Gehirns ge­geben und auch durch dessen Leistungsfähigkeit bestimmt. Das führt dazu, dass alle Akteure dem gleichen Logikmuster folgen, aber Denken niemals über die Fähigkeiten des Systems "Gehirn" hinaus möglich ist.

Ein weiterer Kritikpunkt an der Theorie ist, dass menschliche Verhaltensweisen nicht zwangsläufig den Präferenzen entsprechen müssen.

Bewusste Eindrucksma­nipulation ist ein viel beachteter Themenkomplex in der Sozialpsychologie. Autoren wie GOFFMAN gehen davon aus, dass Akteure stets darum bemüht sind, einen positiven Eindruck zu vermitteln. Das dargestellte Sein entspricht nicht zwangsläufig dem Bewusstsein der Akteure. Vielmehr wird der eigentliche An­trieb oft nicht wahrheitsgemäß wiedergegeben, sondern falsche Motive geheu­chelt. Obwohl sicher eine Wechselbeziehung zwischen Einstellung und Verhalten besteht, müssen diese nicht zwangsläufig eine hohe Konsistenz aufweisen. Aber dieses trügerische Verhalten lässt sich dadurch erklären, dass es womöglich andere (unbewusste) Einstellungen und Ziele gibt, die das Verhalten bestimmen. Viel leicht ist die Vermittlung eines positiven Eindrucks dem Akteur wichtiger, als eine Orientierung an seinen persönlichen Vorlieben.

3.4. Die Zeit

Wie bereits gezeigt, ist das Verhalten der Menschen durch zahlreiche Rahmenbe­dingungen begrenzt. Der Mensch befindet sich in jeder Handlungssituation zahl­reichen Eindrücken ausgeliefert. Ein weiterer noch nicht erwähnter Faktor, ist die Zeit. Das heißt einerseits der Zeitraum, in welchen die Situation fällt und anderer­seits auch die Zeitspanne, die dem Handelnden zur Verfügung steht.

Zusätzlich zu den subjektiven Sinneseindrücken, ist jedem Menschen eine persönliche Lebens- ­und Erfahrungsgeschichte zueigen, die seine Persönlichkeit bestimmt.

Die sozialen Situationen sind deshalb nicht aus ihrem zeitlichen Kontext zu lösen. Das bedeutet, dass die Entwicklung der Erdgeschichte, der gesellschaftliche und kulturelle Entwicklungsstand und der persönliche Lebenslauf immer zu berück­sichtigen sind. Man sollte deshalb darauf achten, eine Handlungserklärung immer im situativen Kontext zu analysieren und die Situation niemals aus dem sie prä­genden Ganzen zu lösen. Es ist aber selbstverständlich unmöglich, sämtliche Rahmenbedingungen in jeder zu analysierenden Situation zu berücksichtigen.

Die Zeit spielt aber eine mehrfach zu berücksichtigende Rolle. Neben der kulturellen Gegebenheit und dem individuellen Entwicklungsstand, ist auch der eben erwähn­te Handlungszeitraum entscheidend. Gemeint ist die Zeit, die einem Akteur zur Verfügung steht, um eine Handlung zu vollziehen.

Ein Akteur dem nur wenig Zeit zur Verfügung steht oder dem eine erweiterte Informationssuche zu mühsam ist, hat auch weniger Faktoren zu kalkulieren. Entscheidend ist also der Zeitpunkt ab dem der Handelnde die Kosten, weitere Informationen zu sammeln, für zu hoch hält und seine Situationseinschätzung abschließt. "Die Suche nach vollständiger Information wäre oft geradezu eine lebensgefährliche Verschwendung von Res­sourcen für Wissen, das nicht benötigt wird, aber immer sehr teuer ist" (ESSER, 1993; 225).

Wenn man nun alles zusammen nimmt ist leicht ersichtlich, dass die Handlungs­möglichkeiten durch die unterschiedlichsten Faktoren so stark reduziert werden, so dass man nur schwerlich von einer "Wahl" sprechen kann. Auf die philosophi­sche Frage nach dem freien Willen wird hier aber nicht weiter eingegangen.

3.5. Der Egoismus

Jeder Mensch befindet sich regelmäßig in höchstindividuellen Lebenssituationen. Diese stellen sich so nur ihm dar und jeder Andere würde womöglich, in der einen oder anderen Situation, anders handeln. Handeln ist meistens darauf ausgelegt sich selber zufrieden zu stellen oder seine eigene Situation zu verbessern. Spätestens bei eigener Benachteiligung hört der Altruismus auf. Deshalb und weil jeder auf seine eigenen Ziele bedacht ist, scheint die Aussage "Jeder ist sich selbst der Nächste" hier passend. Sie entspricht der Vernunft eines egoistisch Handelnden rationalen Akteurs, der versucht seine eigenen Erfolge dauerhaft zu maximieren.

Die Aussage scheint auch insoweit treffend, als man nur sich selber zwangsweise ein ganzes Leben lang verpflichtet ist. Alle anderen Menschen begleiten uns mal länger, mal weniger lange und sind außerdem immer außen vor.

Die Lebenslage prägt ja bekanntlich die Einstellungen und diese bestimmen den Lebensstil (vgl. BOURDIEU). Deshalb verkehrt man oft mit Leuten, die einem ähnlich sind, die ähnlich denken und sich in einer ähnlichen Lebenslage befinden. Aber auch mit solchen Personen kommt es immer wieder zu Missverständnissen und Kommunikationsproblemen. Da wir unser eigenes Verhalten noch am ehesten verstehen und nachvollziehen können und (nur) mit uns selber ein Leben lang auskommen müssen, ist es wohl gut und gesund - vor allem für das psychische Wohlbefinden - sich selbst als Mittelpunkt der Welt zu sehen und sein Verhalten dementsprechend zu realisieren.

4. Logik der Aggregation

Das Mikro-Makro-Problem besteht nun in der Aggregation von Handlungen. Nach dem Modell von COLEMAN verändern sich soziale Situationen durch Handlungen und so muss die Veränderung auch durch Einzelhandlungen erklärbar sein.

Dabei soll das gesamtgesellschaftliche Erscheinungsbild durch das Zusammen­spiel der Teile, also der Einzelhandlungen, erklärt werden. Das menschliche Mit­einander bzw. das Zusammenspiel der Einzelakteure bestimmt die Gesamtheit, wobei soziale Phänomene oft aus individuellen Handlungen resultieren, die der Akteur nicht vorhersehen konnte bzw. zumindest nicht geplant hat. "Kollektive Folgen müssen als das in den allermeisten Fällen unintendierte, aggregierte Er­gebnis des an Nahzielen und unmittelbarer Problemlösung orientierten Handelns verstanden werden" (ESSER 1993; 229). Gemeint ist, dass viele Handlungen la­tente d.h. ungewollte Nebenfolgen auslösen können. So ist davon auszugehen, dass Menschen zwar ihre gesellschaftliche Entwicklung selbst produzieren, diese aber nicht planen können.

Das Ganze ist folglich nicht die bloße Summe ihrer Teile, sondern ein Komplex aus dem wechselseitigen Zusammenwirken dieser. Wenn man nun das Problem der unbeabsichtigten Handlungsfolgen hinzunimmt, ist es wohl unmöglich, eine Aggregation vollends nachzuzeichnen. Soziale Veränderungen scheinen nicht ausschließlich auf Einzelhandlungen zurückführbar zu sein - zumindest ist dieses mit den Analysemethoden der Sozialwissenschaften nicht erreichbar. Das soziale System scheint darüber hinaus eine eigene Dynamik und eigene Gesetze zu besit­zen, nach denen Veränderungen ablaufen.

4.1. Soziale Ordnung und Normen

Die Vertreter der Theorie rationaler Wahl sind davon überzeugt, dass trotz des Egoismus und der Beschränkung auf den Eigennutzen eine soziale Ordnung ent­stehen kann. Sie gehen davon aus, dass Ordnung nicht als Zweck sondern als Ne­beneffekt eigennützlicher Handlungen entstehen kann. Der Akteur vertraut dem­nach seinem Interaktionspartner nicht, er verlässt sich aber darauf, dass auch die Anderen nutzenmaximierend handeln.

Aufbauend auf der Eigennutzenmaximierung soll dann auch die Entstehung sozia­ler Normen oder Institutionen erklärt werden können. Durch das Zusammenspiel rationaler Akteure können Normen auf zwei Arten entstehen. Entweder durch Konventionen oder durch Zwangsvorgaben. Ersteres ist bei Interessengleichheit möglich, wenn eine Abmachung für keinen Akteur einen Nachteil bedeutet und eine Absprache möglich ist. Das Zusammenspiel egoistischer Akteure führt aber auch immer wieder zu Interessenkonflikten. Es treten also Situationen auf, die nicht in beiderseitigem Einverständnis geklärt werden können, da die Handlungswünsche gegensätzlich orientiert sind. Hier sind nun Zwangsvorgaben von Nöten. Zwänge wiederum sind eng mit dem Begriff der Macht verbunden. So kann bei­spielsweise eine Mutter gegenüber ihrem Kind jederzeit ihre Meinung durchset­zen. Es gibt folglich auch Normen, die nicht in allseitigem Einvernehmen entstehen, sondern von Machthabern eingeführt und von entsprechenden Interessengruppen Aufrechtgehalten werden. Die Kräfteverhältnisse sind jedoch nicht immer klar verteilt und der Einsatz von Macht stößt oft auf enormen Widerspruch. Zudem kann es selbst vermeintlich "schwächeren" Akteuren gelingen, den "stärkeren" Kontrahenten zu überrumpeln. Dies ist etwa durch einen Zusammenschluss mit anderen oder eine überraschend ausgeführte Aktion möglich.

Um diesem Kampf, in dem "jeder gegen jeden" um die Realisierung seiner Vor­lieben kämpft, entgegenzuwirken, braucht es eine regulierende Kraft, die alle im Zaume hält; den Leviathan (vgl. HOBBES). Gemeint ist ein Gesellschaftsvertrag, der einen Aus­weg aus dem Dilemma bietet. Dieser soll für eine soziale Ordnung sorgen, an die sich alle halten müssen, wollen sie nicht aus dem Gemeinschaftsvertrag ausge­schlossen werden und auf dessen zahlreiche Vorzüge verzichten.

Hier kommen nun die Institutionen ins Spiel. Diese dienen nämlich nicht nur dem Zweck der Entlastung. Indem sie eine bestimmte Handlungsoption erzwingen sorgen sie auch für Sicherheit und Ordnung. Sie fordern die Erfüllung bestimmter Verhaltensweisen und fördern damit oftmals auch kooperatives Verhalten. Institu­tionen geben Anreize (Belohnung) und stellen Forderungen (Zwang) um die Ak­teure zu beeinflussen. Diese normativen Handlungsregulierungen sind bindend und unumgänglich. Alle Akteure, die am entsprechenden Kollektivgut beteiligt sein wollen, haben sich an diese Richtlinien zu halten. Andernfalls droht der Aus­schluss aus der Gruppe und somit der Beteiligung am gemeinschaftlichen Wohlstand. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser (Zu diesem Abschnitt vgl. ROLLIS 1995; 175ff.).

5. Exkurs: Rationalität heute

In unserer heutigen, westlichen, modernen Gesellschaft ist Rationalität zu einer oft verwendeten Begrifflichkeit geworden. Eine Vielzahl von Organisationen sind entstanden, die ihr Ziel auf rationalem Kalkül beruhend zu erreichen suchen. Dabei sind Organisationen, die am Markt orientiert sind, wohl die auffälligsten, da diese rational kalkulieren müssen, um ihr Ziel der Profitmaximierung zu errei­chen. Aber auch das bürokratische Staatssystem wird über Rationalität legitimiert. Frühere Erklärungen göttlicher oder traditionaler Art werden in der Politik nicht mehr länger akzeptiert (vgl. WEBER). Nun ist es aber so, dass die Entstehung neuer, allgemeingültiger Regeln wohl nie auf allseitiges Verständnis stoßen wird. In grö­ßeren Gemeinschaften wird es vielmehr immer zu Widersprüchen kommen und Leute geben, die andere Entscheidungen bevorzugen würden. Die Diskussionen im politischen Feld zeigen dies sehr deutlich. Widersacher mit geringer Macht haben dabei oft nur einen geringen Einfluss und bleiben nahezu unberücksichtigt.

Hier wird nun deutlich, dass zwar nach einer rationalen Legitimierung verlangt wird, diese aber längst nicht allen"vernünftig" erscheint (siehe oben). Obwohl Organisationen planmäßig geschaffen werden, funktionieren sie dennoch nicht "optimal". Durch die zahlreichen, teils gegensätzlichen Interessenfelder und Zielsetzungen, sind eine absolute Übereinkunft und eine allgemeine Zufriedenheit wohl auch nicht reali­sierbar. So kommt es immer wieder dazu, dass Entscheidungsträger nicht zwangs­läufig von der vernünftigeren Wahl überzeugt, sondern oft von Personengruppen mit stärkerem Einfluss überredet werden (Lobbyismus). Machtpositionen werden eingesetzt und ausgenutzt, um die eigenen Interessen zu stärken.

Um zum individuellen Verhalten zurückzukommen, soll hier darauf hingewiesen werden, dass menschliche Vernunft sicher nicht zur Erklärung jeglicher Art von Verhalten ausreicht. Um erneut auf Max WEBER zurückzugreifen, sollte bemerkt werden, dass nicht alle Handlungen rational sind, sondern einige als eher affektive oder traditionale Handlungen automatisiert ablaufen. Die meisten Handlungen sind wohl nur aus einem Zusammenspiel all dieser Beweggründe erklärbar.

5.1. Evolution der Rationalität

Ein Faktor der uns dazu bringt, andere Menschen als "rationale Personen" zu be­zeichnen, ist die Nachvollziehbarkeit ihrer Handlungen. Wie aber in dieser Arbeit erläutert, ist dieses wohl eher auf Interessenähnlichkeit zurückzuführen, als auf eine allgemeingültige Verständlichkeit dieser Handlung. Dennoch kommt es scheinbar immer häufiger dazu, dass Menschen ihr Handeln rational erklären, um anderen ihre Wahl verständlich zu machen. Aussagen wie "Ja, ich verstehe was du meinst" oder "ich habe das getan, weil…" sind sehr häufig anzutreffen.

Rückführbar ist die zunehmende Rationalität womöglich auf die evolutionäre Entwicklung der Menschheit. Vom Tier abstammend hat sich das Gehirn des ho­mo sapiens enorm entwickelt. Die Fähigkeit rational zu denken und die Möglich­keit Triebe zu kontrollieren haben sich herausgebildet. So ist zu vermuten, dass durch diese Besonderheiten dem Menschen die Möglichkeiten geboten wurden, immer größere Denkleistungen zu erbringen. Da heutzutage die natürlichen Ur­triebe wie Essen, Trinken und Schlafen gesichert sind, ist eine stärkere Entfaltung des persönlichen Lebenswegs möglich. Man kann sich ganz speziellen Fragestel­lungen widmen und hat reichlich Zeit über konkrete Sachverhalte nachzudenken. Die Arbeitsteilung und der steigende Konkurrenzdruck führten schließlich zu ei­ner notwendigen Spezifizierung eigener Fähigkeiten und Ziele. Durch diese Indi­vidualisierung der Interessen und Stärkung persönlicher Freiheiten, war eine wei­tere Steigerung rationaler Leistungsfähigkeit möglich.

Die evolutionäre Entwicklung geht zwangsläufig weiter und wieso sollte es dann nicht möglich sein, dass die Entwicklung menschlicher Ratio sich ebenfalls wei­terentwickelt. Dass es dabei zu einer weiteren Steigerung rationaler Fähigkeiten kommt ist anzunehmen, da jeder Akteur sein gesamtes Leistungsvermögen ein­zelnen Interessenfeldern zugute kommen lassen kann - für die anderen Bereiche sorgen andere Menschen, mit denen er sich dann Austauschen kann. In den ent­sprechenden Bereichen entwickelt er dann womöglich neue Ideen und überschreitet bisher existierende Grenzen.

Abschließend soll noch angemerkt werden, dass der Autor sich darüber bewusst ist, dass sämtliche Aussagen im letzten Abschnitt bloße Spekulationen sind und nicht empirisch geprüft worden sind.

Auch über die Unvollständigkeit der Argumentation ist sich der Autor im Klaren. Es sollte lediglich ein kleiner Denkanstoß gegeben und versucht werden, dass gestiegene Interesse an Rationalität zu erklä­ren.

6. Literaturangabe

COLEMAN, James S.: "Grundlagen der Sozialtheorie: Band1 Handlungen und Handlungssysteme". München: R. Oldenbourg Verlag, 1991.

ESSER, Hartmut: "Soziologie -Allgemeine Grundlagen: Teil D Modelle des Menschen". Frankfurt/ New York: Campus Verlag, 1993.

HILL, Paul B.: "Rational-Choice-Theorie". Bielefeld: transcript Verlag, 2002.

HOLLIS, Martin: "Soziales Handeln: Eine Einführung in die Philosophie der So­zialwissenschaft". Berlin: Akademie Verlag, 1995.

Details

Seiten
17
Jahr
2006
Dateigröße
512 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v110668
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld
Schlagworte
Rational Choice Theorie Soziologische Theorien

Autor

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Titel: Rational Choice Theorie