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Karl Marx - Subjektwissenschaftliche Anregungen für gehaltvolle, theoriegeleitete, empirische Analysen metropolischer Gegenwartsgesellschaften.

Essay 2006 19 Seiten

Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen

Leseprobe

Karl Marx

Subjektwissenschaftliche Anregungen für gehaltvolle, theoriegeleitete,

empirische Analysen metropolischer Gegenwartsgesellschaften.

Richard Albrecht

I.

Denken und Werk von Karl Marx (1818-1883) stehen in zahlreichen komplexen Zusammenhängen und dialektischen Spannungsfeldern: auf der intellektuell-wissenschaftlichen Ebene zum Beispiel sind zentrale Problemfelder die philosophische Subjekt-Objekt-Problematik, die Wissenschaftsmethodologie von Besonderem und Allgemeinem, das richtungsweisende Verhältnis von gesellschaftlichem Gesetz und sozialer Tendenz und schließlich das widersprüchliche Verhältnis von Theorie und Empirie. Auf der publizistischen Ebene sind zum Beispiel Moral und Wissenschaft - hier vor allem Kritik der politischen Ökonomie und/als Schlüssel zum Verständnis der Analyse der Anatomie der ´bürgerlichen ´Gesellschaft´ (G.F.W. Hegel), ihrer Veränderung durch soziale Bewegungen, schließlich Studium und Beeinflussung dieser - zwei zentrale Interessensfelder.

Der moralische Ausgangspunkt und Impetus ist im Werk von Marx leicht erkennbar, zum Beispiel in seinem anonymen Artikel („Von einem Rheinländer“) über die Verhandlungen des sechsten rheinischen Landtags zum Holzdiebstahl in Form des „Holzdiebstahlsgesetz“ (1842). Marx verweist hier auf die – zeitgemäß ausgedrückt – gesellschaftliche Bedeutung und Wirksamkeit von Definitionsmacht: Wenn nämlich den Armen das bisher durch Gewohnheitsrecht garantierte Recht „der Armut in allen Ländern“, das „seiner Natur nach nur das Recht dieser untersten besitzlosen und elementarischen Masse sein kann“ (Marx-Engels-Werke, Berlin 1962 ff: [ =MEW]; hier MEW 1, 115) genommen wird – dann werden sie nicht nur entrechtet, sondern auch einer für ihr (Über-) Leben zentralen Handlungsmöglichkeit, nämlich (Feuer-) Holz zu schlagen, beraubt – mit allen Wirksamkeiten fürs wirkliche Leben (früh[er]es Sterben eingeschlossen...)

In einem weiteren „frühen“ Text - der damals so unvollendeten wie unveröffentlichten Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie (1844) - skizziert Marx (s)einen aus (s)einer Kritik der Religion entwickelten kategorischen Imperativ: Wenn der „Mensch das höchste Wesen für den Menschen“ ist, dann gilt es, so Marx, „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.“ (MEW 1, 385)

Diese emphatische moralische Sendung findet sich im, auch literarsprachlich bedeutsamen, „Manifest der Kommunistischen Partei“ (1848) von Karl Marx und Friedrich Engels (1820-1895): Nicht nur, daß eine dichte Beschreibung weltgeschichtlicher Entwicklung versucht wird mit der Bourgeoisie als geschichtlicher Vorreiterklasse, die „alle Nationen zwingt“, sich ihre, nämlich die kapitalistische, „Produktionsweise anzueignen, wenn sie nicht zugrunde gehen wollen“ und sich insofern „eine Welt nach ihrem eigenen Bilde schafft“ (MEW 4, 466), daß der „Weltmarkt“ nicht nur abstrakt gedacht, sondern konkret im Zusammenhang mit technischen Fortschritten und kommerzieller Internationalisierung als „fortwährende“ Revolutionierung „sämtlicher gesellschaftlicher Verhältnisse“ (MEW 4, 465) vorgestellt wird – Marx/Engels kritisieren nicht nur die damit einhergehenden neuen und erweiterten Ausbeutungsverhältnisse, sondern erkennen auch in der durch kapitalistische Produktions- und bürgerliche Herrschaftsverhältnisse geschaffenen neuen (Mehrheits-) Klasse, dem Proletariat (oder der Arbeiterklasse), die Möglichkeit der Abschaffung aller klassenbezogenen Herrschaft überhaupt (MEW 4, 472).

Der „reife“ Marx schließlich analysiert als Sozialwissenschaftler diese gesellschaftlichen „Verhältnisse“ genauer und entwickelt, wie zuerst an der Bedeutung des „Holzdiebstahl“ angedeutet, (s)einen Begriff von Gesellschaft als Ensemble, als Gesamtheit, schließlich als ´konkrete Totalität´ im übergreifend-allgemeinen Sinn, indem er die Hegel´sche dialektische Methode, „vom Abstrakten zum Konkreten aufzusteigen“, sich das Konkrete intellektuell anzueignen und „es als ein geistig Konkretes zu reproduzieren“ (MEW 13, 632), benützt: Aus dieser Sicht besteht Gesellschaft – so Marx 1857/58 in seinen Vorarbeiten zu seinem wissenschaftlichen Hauptwerk „Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie“ - „nicht aus Individuen, sondern drückt die Summe der Beziehungen, Verhältnisse aus, worin diese Individuen zueinander stehn.“ (Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie [Rohentwurf 1857/58], Berlin 1974, hier 176).

II.

Sein wissenschaftliches Plädoyer für etwas, das auch ´gesellschaftliche Vernunft´ genannt werden und durch aktives menschliches Handeln verwirklicht werden könnte, hat Karl Marx im Zusammenhang mit seinen Vorarbeiten zur Kritik der politischen Ökonomie so zusammengefaßt:

„Die Natur baut keine Maschinen, keine Lokomotiven, Eisenbahnen, electric telegraphs, , selfacting mules etc. Sie sind Produkte der menschlichen Industrie; natürliches Material, verwandelt in Organe des menschlichen Willens über die Natur oder seiner Betätigung in der Natur. Sie sind von der menschlichen Hand geschaffene Organe des menschlichen Hirns; vergegenständliche Wissenskraft. Die Entwicklung des capital fixe zeigt an, bis zu welchem Grade das allgemeine gesellschaftliche Wissen, knowledge, zur unmittelbaren Produktivkraft geworden ist und daher die Bedingungen des gesellschaftlichen Lebensprozesses selbst unter die Kontrolle des general intellect gekommen, und ihm gemäß umgeschaffen sind." ("Grundrisse", 594)

Sowohl Karl Marx als auch Friedrich Engels haben von ihren Früh- bis zu ihren Spätschriften immer wieder die bedeutende Rolle des humanen Intellekts und der kreativen Kraft intellektueller Antizipation betont: Wie es der „junge“ Marx war, der als rheinländischer Publizist den strukturanthropologischen Unterschied zwischen dem unter Tieren als „Baumeister“ geltenden Biber (ein tierischer „Baumeister mit einem Fell“) und einem Architekten (als menschlicher Baumeister eben kein „Biber ohne Fell“) ironisch betonte (MEW 1: 63), als Philosoph den „Menschen als bewußtes Gattungswesen“, das im Gegensatz zum Tier „universell produziert“ und dabei „auch nach den Gesetzen der Schönheit“ formiert (Ökonomisch-philosophische Manuskripte [1844]; MEW 40: 516-517) vorstellte, so war es der analytische Sozialwissenschaftler Marx als Kritiker der politischen Ökonomie, der als Kennzeichen des besonderen menschlichen Arbeitsprozesses die Antizipation des (später zur Ware formverwandelten) Arbeitsprodukts erkannte und betonte (MEW 23: 193):

„Was aber von vornherein den schlechtesten Baumeister vor der besten Biene auszeichnet, ist, daß er die Zelle in seinem Kopf gebaut hat, bevor er sie in Wachs baut. Am Ende des Arbeitsprozesses kommt ein Resultat heraus, das beim Beginn desselben schon in der Vorstellung des Arbeiters, also schon ideell vorhanden war.“

Friedrich Engels schließlich verallgemeinerte die universelle Sonderstellung des Menschen - humane Naturbeherrschung -, als er in einem Manuskriptfragment 1875/76 (zur Entwicklungsgeschichte der menschlichen Hand bei der „Menschwerdung des Affen“) betonte (MEW 20: 322/323):

„Auch Tiere im engem Sinne haben Werkzeuge, aber nur als Glieder ihres Leibes - die Ameise, die Biene, der Biber; auch Tiere produzieren, aber ihre produktive Einwirkung auf die umgebende Natur ist dieser gegenüber gleich Null. Nur der Mensch hat es fertiggebracht, der Natur seinen Stempel aufzudrücken, indem er nicht nur Pflanzen und Tiere versetzte, sondern auch den Aspekt, das Klima seines Wohnorts, ja die Pflanzen und Tiere selbst so veränderte, daß die Folgen seiner Tätigkeit nur mit dem allgemeinen Absterben des Erdballs verschwinden können.“

Hier liegt die anthropologische Begründung dessen, was Marx, wie zitiert, als „ general intellect “ bezeichnete und was als praktische gesellschaftliche Vernunft bis heute uneingelöst ist.

III.

Wenn es (wie hier) nicht um Einzelheiten, sondern um Grundlagen im Denken und Werk von Karl Marx geht und damit auch um Ausbeutung und um Möglichkeiten der Aufhebung sie begründender tatsächlicher Unterordnung („reelle Subsumption“) der lebendigen menschlichen Arbeit unter das Kapital, dann ist damit ein gesellschaftliches Grundverhältnis, das Herrschaft von Menschen über Menschen begründet (oder konstituiert), gemeint. Es geht um Ausbeutung lebendiger Menschen durch andere lebendige Menschen im allgemeinen und in der bürgerlich-kapitalistisch bestimmten Gesellschaft um die „Aussaugung der Arbeitskraft“ (Karl Marx) in Form der Aneignung fremder Arbeit (der Arbeiter [beiderlei Geschlechts]) – der sogenannten Mehrarbeit – durch andere, die über Arbeits- und Produktionsmittel in Form von Eigentum(stiteln) verfügen. Aus ökonomischem Mehrwert („surplus labour“, auch „surplus value“) entsteht gesellschaftliche Mehrproduktion („surplus produce“) und ein gesellschaftliches Mehrprodukt1. Und wie in kultur- und sozialwissenschaftlicher Hinsicht weniger das generelle kapitalistische „Gesetz“ der (fallenden) Profitrate 2 als vielmehr der allgemeine gesellschaftliche Prozeß der Pauperisierung der entscheidende, wenngleich nicht absolute, Faktor ist, so ist auch für das gesellschaftliche Ausbeutungs- oder Exploitationsverhältnis und darauf beruhender institutionalisierter Herrschaft minderheitlicher Menschengruppen über gesellschaftliche Mehrheiten nicht die eine oder andere Herrschaftsform von Interesse - etwa Produktion von absolutem und relativem Mehrwert entsprechend historischer Ausbildung von Unterordnung (Subsumption) lebendiger Arbeit unters Kapital als typischerweise zunächst formelle, dann reelle Subsumption, oder, entsprechend entwickelter gesellschaftlicher Arbeitsteilung, als zunächst industrieller, dann kommerzieller Profit. Entscheidend/er ist das jeweilige Verhältnis von lebendiger zu vergegenständlichter Arbeit in Form der die Kapitalakkumulation bestimmenden organischen Zusammensetzung des Kapitals.

IV.

Empirisch höchstaktuell sind Hinweise von Karl Marx zur „Produktion der relativen Übervölkerung“ (das Irrwort: Über be völkerung benützt Marx selbst selten. Es findet sich vor allem im von Engels bearbeiteten/veröffentlichten dritten „Kapital“-Band), ihrer verschiedenen Formen und ihrer inneren Gliederung („Intrastruktur“) einerseits und des sich daraus ergebenden allgemeinen gesellschaftlichen Gesetzes der Kapitalakkumulation andererseits (MEW 23, 670-677). Es handelt sich hier weder um irgendwelche Einzel- noch um erkennbare Besonderheiten ... sondern um (Marx selbst fügt überakzentuiert hinzu: „ das absolute ““) „ das allgemeine Gesetz der kapitalistischen Akkumulation “ und damit, entgegen allem oberflächenmarxistischen An- und Augenschein, eben nicht um die „Rückkehr der Reservearmee“3, sondern um die strukturelle Verortung (auch, aber nicht nur, dieser) in einem differenziertem, klassenbezogenen, Schichtungsmodell.

In diesem Zusammenhang geht es auch um die Schichtung/Dreigliederung von (i) industrieller Reservearmee als Übergreifend-Allgemeinem, (ii) Pauperismus als Besonderem und (iii) Lumpenproletariat (im engeren Sinn: „Verkommene, Verlumpte, Arbeitsunfähige“) als Einzelnem. Pauper(ismus) hingegen als besondere – auch empirisch bedeutsame - Kategorie bezielt weder Einzelheiten noch Allgemeines, sondern bildet als Ausdruck des allgemeinen gesellschaftlichen Prozesses der relativen Übervölkerungsproduktion „das Invalidenhaus der aktiven Arbeiterarmee und das tote Gewicht der industriellen Reservearmee“ (MEW 23, 673). Hier verweist Marx nicht nur auf die (auch ehemalige Angehörige des Industrieproletariats umfassende) pauperisierte und vom Lumpenproletariat zu unterscheidende „Lazarusschicht der Arbeiterklasse“ – sondern arbeitet, viel wesentlicher, auch „ das absolute, allgemeine Gesetz der kapitalistischen Akkumulation “ (MEW 23, 674) heraus:

„Der tiefste Niederschlag der relativen Übervölkerung endlich behaust die Sphäre des Pauperismus. Abgesehn von Vagabunden, Verbrechern, Prostituierten, kurz dem eigentlichen Lumpenproletariat, besteht diese Gesellschaftsschichte aus drei Kategorien. Erstens Arbeitsfähige. Man braucht die Statistik des englischen Pauperismus nur oberflächlich anzusehn, und man findet, daß seine Masse mit jeder Krise schwillt und mit jeder Wiederbelebung des Geschäfts abnimmt. Zweitens: Waisen- und Pauperkinder. Sie sind Kandidaten der industriellen Reservearmee und werden in Zeiten großen Aufschwungs [...] rasch und massenhaft in die aktive Arbeiterarmee einrolliert. Drittens: Verkommene, Verlumpte, Arbeitsunfähige. Es sind namentlich Individuen, die an ihrer durch die Teilung der Arbeit verursachten Unbeweglichkeit untergehn, solche, die über das Normalalter eines Arbeiters hinausleben, endlich die Opfer der Industrie, deren Zahl mit gefährlicher Maschinerie, Bergwerksbau, chemischen Fabriken etc. wächst, Verstümmelte, Verkrankte, Witwen etc. Der Pauperismus bildet das Invalidenhaus der aktiven Arbeiterarmee und das tote Gewicht der industriellen Reservearmee. Seine Produktion ist eingeschlossen in der Produktion der relativen Übervölkerung, seine Notwendigkeit in ihrer Notwendigkeit, mit ihr bildet er eine Existenzbedingung der kapitalistischen Produktion und Entwicklung des Reichtums. Er gehört zu den faux frais der kapitalistischen Produktion, die das Kapital jedoch großenteils von sich selbst ab auf die Schultern der Arbeiterklasse und der kleinen Mittelklasse zu wälzen weiß.

Je größer der gesellschaftliche Reichtum, das funktionierende Kapital, Umfang und Energie seines Wachstums, also auch die absolute Größe des Proletariatsund die Produktivkraft seiner Arbeit, desto größer die industrielle Reservearmee. Die disponible Arbeitskraft wird durch dieselben Ursachen entwickelt wie die Expansivkraft des Kapitals. Die verhältnismäßige Größe der industriellen Reservearmee wächst also mit den Potenzen des Reichtums. Je größer aber diese Reservearmee im Verhältnis zur aktiven Arbeiterarmee, desto massenhafter die konsolidierte Übervölkerung, deren Elend im umgekehrten Verhältnis zu ihrer Arbeitsqual steht. Je größer endlich die Lazarusschicht der Arbeiterklasse und die industrielle Reservearmee, desto größer der offizielle Pauperismus. Dies ist das absolute, allgemeine Gesetz der kapitalistischen Akkumulation . Es wird gleich allen andren Gesetzen in seiner Verwirklichung durch mannigfache Umstände modifiziert, deren Analyse nicht hierher gehört“ (MEW 23, 673/674).

Bei weiteren empirischen Analysen im allgemeinen und jeder Arbeit mit statistischen Daten und Materialien im besonderen ist wie bei allen soziologischen Realanalysen methodisch immer zu bedenken: So wenig wie Aussagen über soziale und Menschengruppen als Maßstab für Individuen taugen – so sehr darf nicht vergessen werden, daß Marx im Zusammenhang mit dem grundlegendem gesellschaftlichen Prozeß der relativen Übervölkerungsproduktion ein besonderes sozialwissenschaftliches Modell entwickelte, mit statistischen Daten veranschaulichte und selbstverständlich – so auch im dritten Band des „Kapital“ ausdrücklich betont – wußte, daß Theorie und Empirie niemals identisch sein können, sondern daß es sich vielmehr nur um ein asymptotisches Verhältnis der Annäherung handelt kann:

"In der Theorie wird vorausgesetzt, daß die Gesetze der kapitalistischen Produktionsweise sich rein entwickeln. In der Wirklichkeit besteht immer nur Annäherung; aber diese Annäherung ist umso größer, je mehr die kapitalistische Produktionsweise entwickelt und je mehr ihre Verunreinigung und Verquickung mit Resten früherer ökonomischer Zustände beseitigt ist“ (MEW 25, 184)

V.

Als der deutsche Wikipedia-Eintrag zu „Karl Marx“ noch jener von Karl Popper propagierten „offenen Gesellschaft“ entsprechen sollte, erhielt er auch einen Abschnitt mit Hinweisen auf Marx´sche Anregungen zur empirischen Analyse metropolischer Gegenwartsgesellschaften. Dabei ging es einmal um (i) Gesellschaft und (ii) Technologie als Schlüsselbegriffe marxistischer Sozialtheorie sowie um (iii) Pauperismus als empirische Leitkategorie gehaltvoller Sozial- und Klassenstrukturanalysen:

„(i) ausgehend vom Engels/Marxschen Hinweis, dass "nicht das Bewusstsein das Leben, sondern das Leben das Bewusstsein" bestimmt (Marx/Engels: Die deutsche Ideologie; Marx-Engels-Werke/MEW 3, 27: "It is in fact not the consciousness dominating life but the very life dominating consciousness") verwies der Autor mit Blick auf so absurde Thesen wie: "There is no such thing as society, only men and women and their families" (Margaret Thatcher, deutsch etwa: Gesellschaft ist ein Unding, so etwas wie Gesellschaft gibt es nicht. Es gibt nur Männer, Frauen, und deren Familien) gegen jede reduktionistische, individualistische und obscuristische Soziologie darauf, daß, so Karl Marx, Gesellschaft "nicht aus Individuen [besteht], sondern die Summe der Beziehungen, Verhältnisse aus[drückt], worin diese Individuen zueinander stehn" (Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie/Rohentwurf, 1857/58: "Any society does not consist of individuals but expresses the sum of relationships [and] conditions that the individual actor is forming")“;
„(ii) erinnerte der Autor an den von Karl Marx selbst nur beiläufig im ersten Band des "Kapital" in einer Fußnote erwähnten Begriff "Technologie" als Leitkategorie einer Sozialtheorie: "Die Technologie enthüllt das aktive Verhalten des Menschen zur Natur, den unmittelbaren Produktionsprozess eines Lebens, damit auch seiner gesellschaftlichen Lebensverhältnisse und der ihnen entquellenden geistigen Vorstellungen" (Das Kapital I, 1867, Kapitel 13, Anm. 89: "Maschinierie und große Industrie": "Technology discloses the active relation of man towards nature, as well as the direct process of production of his very life, and thereby the process of production of his basic societal relations, of his own mentality, and his images of society, too"). Der Autor unterschied diese umfassende Kategorie der Technologie von einem engeren Begriff von Technik im Rahmen einer subjektwissenschaftlich-handlungszentrierten Sozialpsychologie, welche Technik als spezielles gesellschaftliches Verhältnis versteht und im Anschluß an Ernst Bloch4 auch die Dimension möglicher Technik-Medien-Nutzung skizziert: "Technology Within Every-Day-Life: What People Could Do - What People Can Do - What People Do. Towards Another Psychology of Technology in 21th Century”5 ;
“(iii) hat Richard Albrecht Hinweise von Karl Marx (und Friedrich Engels) zur "relativen Übervölkerung" ernstgenommen und als einen zentralen Ansatz gehaltvoller empirischer Sozialanalyse in die aktuelle Armutsdiskussion ("poverty line", "working poor"6 ) in Deutschland einzubringen versucht.“7

Anmerkungen

Autor

Richard Albrecht ist als kulturanalytischer Sozialpsychologe (PhD.), historischer Politikforscher (Dr.rer.pol.habil.) und als free-lancer ein mit wissenschaftlichen Methoden arbeitender Autor, Essayist und Dramatiker. Er lebt in Bad Münstereifel und ist seit Herbst 2002 Editor von rechtskultur.de, dem unabhängigen online-Magazins für Bürger und Menschen(rechte) in Deutschland: http://de.geocities.com/earchiv21/rechtskulturaktuell.htm. - Als Autor schreibt Richard Albrecht fact, fiction & faction. Er veröffentlichte bisher 15 wissenschaftliche und Fachbücher sowie etwa 750 weitere Texte. Darüber hinaus erarbeitete er drei praxisbezogene Curricula und schrieb die ZeitStückeTrilogie BAS: Bewährung – Abrechnung – Stehcafé (1981-1996). - Richard Albrechts bisher wichtigster wissenschaftlicher Text erschien 1991 unter dem Titel „ The Utopian Paradigm – A Futurist Perspective“; gekürzte Netzfassung: http://www.grin.com/en/fulltext/phg/25119.html. Die aktuellen Buchveröffentlichungen des Autors sind das e-Buch StaatsRache. Texte gegen die Dummheit im deutschen Recht(ssystem) (München: GRIN Verlag für akademische Texte, 2005, iii/149 p.), das Vorwort ist kostenlos zugänglich: http://www.wissen24.de/vorschau/36391.html, Völkermord(en) und Armenozid als die ersten beiden Bände der Reihe Genozidpolitik im 20. Jahrhundert (Aachen: Shaker-Verlag, 2006 [= Allgemeine Rechtswissenschaft]; Bd. 1, iv/182 p.; Bd. 2, iv/114 p.); das gekürzte englische Postscript des ersten Bandes ist auch copyleft: http://de.geocities.com/earchiv21/murdering.people.htm. - Der Autor ist Mitglied der VG Wort und der FG Sozialpsychologie; e-Post bitte an / please, mail to dr.richard.albrecht@gmx.net

[...]


1 vgl. zusammenfassend „surplus value“ (Encyplopaedia Britannica, enlarged electronic edition: CD-Rom-version 2004²); sowie deutsch http://de.wikipedia.org/wiki/Mehrwert [251006]

2 vgl. den Beitrag von Dr. Rainer Roth („Das Kartenhaus“ [1999]) zum langfristigen Fall der Profitrate durch kapitalistische Investitionstätigkeit/en: http://www.gabnet.com/wirt/roth2-1.htm [251106]

3 Geoffrey Kay, The Economic Theory of the Working Class (The Macmillan Press, 1979, x/140 p.), pp. 120-131

4 http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Bloch [251106]

5 Richard Albrecht, Technology Within Every-Day Life: http://www.hausarbeiten.de/faecher/hausarbeit/soi/25189.html; deutsche Version: http://www.gabnet.com/psy/technology-dt-version.htm [251106]

6 http://en.wikipedia.org/wiki/Working_poor [251106]; http://en.wikipedia.org/wiki/Poverty [251106]

7 vgl. ausführlich/er Richard Albrecht, Pauper(ismus): http://www.hausarbeiten.de/faecher/hausarbeit/sok/24673.html [und] http://www.grin.de/grin/hausarbeit/sok/24673.html; gekürzte Buchversion in ders., Ekkehard Lieberam, Werner Seppmann u.a., Umbau der Klassengesellschaft. Beiträge zur Klassen@analyse Band 2. Essen: Neue Impulse, 2006, pp. 138-145

Details

Seiten
19
Jahr
2006
ISBN (Buch)
9783656532224
Dateigröße
632 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v110452
Note
Schlagworte
Karl Marx Subjektwissenschaftliche Anregungen Analysen Gegenwartsgesellschaften

Autor

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