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Analyse menschlicher Aspekte der Tierwesen bei Swift und Wells

Hausarbeit 2006 20 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Unterscheidung Tier und Mensch

3. Beschreibungen der Tier- und Menschwesen beider Texte
3.1 Houyhnhnms und Yahoos
3.2 H.G. Wells’ Tierwesen
3.3 Menschliche Aspekte der Tierdarstellungen

4. Überprüfung der These

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Sciencefiction-Thriller Die Insel des Dr. Moreau [1] von Herbert George Wells und die Erzählung Reisen in verschiedene ferne Länder der Welt von Lemuel Gulliver [2] von Jonathan Swift haben zahllose Differenzen, aber auch Affinitäten bezüglich der Tierdarstellungen. Mit diesen Affinitäten beschäftigt sich diese Arbeit. Beide Texte beinhalten Monster, beziehungsweise tier-ähnliche Geschöpfe, die menschliche Aspekte aufweisen.

Wells’ Protagonisten sind im Labor vom Menschen künstlich erschaffene Wesen, deren menschliche Seite zu den ersten Beobachtungen des Lesers gehört. Bei Swift treten zweierlei Arten von Tieren auf: die Yahoos und die Houyhnhnms. Beide Wesen sind auf unterschiedliche Weise mit dem Menschen vergleichbar. Die Yahoos ähneln in ihrer Physiognomie dem Menschen, wohingegen die Houynhnms ein sehr menschliches Verhalten an den Tag legen, jedoch aufgrund externer Merkmale eher Pferden gleichen.

Zu vermuten ist, dass die weniger menschlich wirkenden Wesen - im Roman von Wells sind dies die künstlich erschaffenen Monster - die eigentlichen Menschen sind. Auch bei Swift fällt eine Urteilsfindung, ob die aufgrund externer Merkmale klassifizierten Wesen eher Mensch oder Tier sind, schwer.

Ich stelle die These auf, dass beiden Texten gemein ist, dass die vermeintlichen Tierwesen oder Monstren die im Charakter menschlicheren Individuen sind. Um diese These untersuchen zu können, muss als erster Schritt analysiert und zusammengefasst werden, was den menschlichen Charakter und die Menschlichkeit grundsätzlich ausmacht, bzw. welche Faktoren eine Zuschreibung animalischer Eigenschaften bewirken. Als Untersuchungsansatz dient mir der Aufsatz Der Geist der Tiere [3] des Philosophen John R. Searle. Searle postuliert und belegt im Inhalt dieses Aufsatzes, dass Tieren bestimmte menschliche Eigenschaften und Attribute zugeschrieben werden können.

Im Anschluss an diese Untersuchung folgt eine Prüfung der menschlichen Aspekte der vermeintlichen Tiere beider Texte. Dabei beleuchte ich die Gemeinsamkeiten der Texte in einem separaten Abschnitt dieser Arbeit. Besonderes Augenmerk lege ich auf die anschließende Analyse der Tierwesen und deren humane Eigenschaften.

Am Ende folgt eine Untersuchung, ob die in der Einführung aufgestellte These durch meine Diagnosen gestützt wird oder ob keine klare Trennung zwischen Tier und Mensch getroffen werden kann und welche Gründe dies hat.

Die Hausarbeit hat einen komparatistischen Charakter. Ich vergleiche den Vierten Teil - Reise in das Land der Houyhnhnms[4] - aus Jonathan Swifts Reisen in verschiedene ferne Länder der Welt von Lemuel Gulliver mit dem Roman Die Insel des Dr. Moreau von Herbert Wells.

Zu entscheiden, was ein Tier zum Tier macht, gestaltet sich in diesem Zusammenhang schwierig, da aufgrund meiner These die Zuordnungen, Mensch und Tier, als variabel und uneindeutig angesehen werden müssen. Das vermeintliche Tier mag nach Auffassung unserer realen Welt vom rein Physiognomischen eindeutig als Tier identifiziert werden, nimmt aber in der fiktiven Welt der beiden Texte menschlichere Züge an, als zu vermuten. Diese Verdrehung erschwert eindeutige Bezeichnungen. Aus diesem Grund benutze ich für beide Organismen Begriffe wie „Tierwesen“, „Wesen“, „Lebewesen“ oder ähnliche Bezeichnungen, die eindeutige Zuordnungen vermeiden sollen.

2. Unterscheidung Tier und Mensch

Die dieser Arbeit zugrunde liegende These - umgekehrtes Rollenverhältnis von Tier und Mensch in den vorliegenden fiktiven Texten - muss an Maßstäben überprüfbar sein. Als Grundlage für die im Folgenden festzulegenden Maßstäbe dient der Aufsatz Der Geist der Tiere des Philosophen John R. Searle.

Searle behauptet „[v]iele Tierarten haben Bewusstsein, Intentionalität und Gedankenprozesse“.[5] Diese drei Eigenschaften verdeutlicht er anhand von Beispielen.

„Beispiele für bewusste Zustände sind etwa das Verspüren eines Schmerzes oder das Hören eines Geräusches. Beispiele für intentionale Zustände sind Dinge wie etwas essen wollen oder glauben, dass sich jemand nähert. Beispiele für Gedankenprozesse sind Dinge wie herausfinden, wie man eine Banane kriegt, die sich außer Reichweite befindet, oder das Verhalten einer Beute überwachen, die in Bewegung ist und flüchten will.“[6]

Der Mensch ist ebenfalls zu allen drei Eigenschaften fähig und weist die entsprechenden Indikatoren auf. Ich möchte an dieser Stelle nicht tierische Fähigkeiten exemplifizieren, sondern anhand der Festlegungen untersuchen, welche Fähigkeiten der in den Texten vorkommenden Tierwesen über diese hinausreichen und sie damit menschlich machen.

Searle postuliert, dass Tiere keine Sprache im Sinne einer menschlichen haben, aber sie unterscheiden und teilen einander mit, ob Wünsche und Verlangen befriedigt werden oder nicht. Dies tun sie ohne das Vorhandensein von Sprache.[7] Eine Gemeinsamkeit von Mensch und Tier ist, dass Beobachtungen Überzeugungen festlegen. Der Mensch unterscheidet sich in diesem Punkt insofern vom Tier, als dass Tiere Überzeugungen besitzen ohne „die Begriffe von Wahrheit, Falschheit, Befriedigung […] und Wünschen haben“.[8]

Ich fasse die für meine Untersuchung der Texte von Wells und Swift relevanten Punkte zusammen: Tiere benutzen unterschiedliche Formen von Sprache, die dem Menschen nicht verständlich sind. Sie verfügen über ein Bewusstsein und eine eingeschränkte Selbstreflexivität. Tiere besitzen Geist; in diesem Zusammenhang in einer nicht-religiösen Bedeutung. Mit menschlichem Empfinden vergleichbar ist das Gefühl des Verlangens. Tiere haben Bedürfnisse. Im Folgenden werde ich die Kennzeichen betonen, die über das Tierische hinausreichen, um anhand derer menschenähnliche Fähigkeiten zu untersuchen.

3. Beschreibungen der Tier- und Menschenwesen beider Texte

Die Menschen- und Tierwesen werden sowohl im Vierten Teil – Reise in das Land der Houyhnhnms – des englisch-irischen Satirikers Jonathan Swift[9], als auch im Roman des englischen Schriftstellers Herbert George Wells[10] ausführlich beschrieben. Im Folgenden werden die für meine Analyse wichtigsten Deskriptionen vorgestellt und anschließend in ihren Gemeinsamkeiten bezüglich der Tierdarstellungen miteinander verglichen. Dabei liegt die Betonung nicht auf physiognomischen Aspekten, sondern auf den in Punkt zwei exemplifizierten Merkmalen.

3.1 Houyhnhnms und Yahoos

Im Vierten Teil des Buches Reisen in verschiedene ferne Länder der Welt von Lemuel Gulliver wird der Protagonist Lemuel Gulliver auf einer Insel ausgesetzt, deren geographische Lage ihm völlig unbekannt ist. Zuvor war er Kapitän auf einem Schiff, allerdings verhinderte eine Meuterei den Status quo. Außer dem Protagonisten, der als Mensch vorgestellt und auch unzweideutig als menschliche Gestalt beschrieben wird, treten zwei andere Arten von Lebewesen auf. Zum einen erfährt man von den Yahoos als „einer seltsamen Art von Tieren“[11], zum anderen treten Wesen auf - die Houyhnhnms - die in ihrer Erscheinung der von Pferden gleichen.

Schon kurze Zeit nach Ankunft entdeckt Gulliver Wesen auf Bäumen, die als Tiere beschrieben werden. Es folgt eine ausführliche Deskription dieser Lebewesen. Die Darstellung der Tierwesen beginnt mit dem Aspekt des Körperbaus[12] und geht anschließend zu einer detaillierten Charakterisierung über. In dieser ersten Deskription wird der Leser nicht über Laute oder Verhalten informiert. Besonders augenfällig ist die umfangreiche Darstellung der Behaarung. Der Protagonist beendet diese erste Beschreibung mit einer Reflexion seiner persönlichen Gefühle. Er empfindet die Tierwesen als äußerst abstoßend und Ekel erregend.[13]

Bei der ersten Begegnung zwischen Protagonist und einem der Tierwesen verzieht das Wesen sein „Gesicht zu allerhand Grimassen“.[14] An dieser Stelle findet eine erste Assoziation zu menschlichem Verhalten statt. Wenige Tiere - ausgenommen dem Affen - sind in der Lage Grimassen zu ziehen. Die Beschreibung dessen assoziiert eine auffallend menschliche Mimik. Der Protagonist deutet eine Bewegung des Tierwesens als Angriff und verteidigt sich mit gezücktem Degen. Die Herde versucht den Protagonisten als Reaktion auf dessen Offensive mit Kot zu beschmutzen. Plötzlich taucht ein Pferd auf und die Herde entscheidet sich hastig zum Rückzug. Im Gegensatz zur Begegnung mit den ersten „Yahoos“[15] findet nun ein recht freundliches Zusammentreffen zwischen Protagonisten und Pferd statt.[16] Der Protagonist - davon ausgehend, dass es sich um ein Pferd handelt, wie er es kennt - verhält sich diesem gegenüber, wie ein Mensch sich in Gulliver’s Heimat gegenüber einem Huftier verhält. Er geht auf das Wesen zu, um ihm den Hals zu tätscheln. Diese Art der Zuwendung stößt auf Widerstand des Pferdes. Es wiehert, aber auf solche Weise, dass der Protagonist es als „eine ihm eigene, besondere Sprache“[17] deutet. Als ein zweites Pferd auftaucht beginnt der Protagonist das Verhalten der beiden Tiere mit menschlichem Verhalten zu vergleichen.[18] Gulliver begründet sein Erstaunen über das Verhalten der Pferde damit, dass es sich doch um „vernunftlose Tiere“[19] handelt. Das Erstaunen beruht auf Gegenseitigkeit. Auch die Pferde scheinen ein mit Gulliver vergleichbares Wesen bis dato nicht gesehen zu haben und beginnen mit einer genauen Untersuchung seiner Kleidung. Erwähnenswert ist, dass die Pferde bei dieser Untersuchung grob vorgehen, woraufhin Gulliver aufschreit und sie aus diesem Fehler zu lernen scheinen, denn ab sofort berühren sie ihn nur noch sehr sanft und vorsichtig. Bedeutsam ist dieser Vorfall deswegen, weil die Pferde den Schmerz zu verstehen scheinen, wenn nicht sogar nachempfinden können und empathisch reagieren. Nach dieser ersten Begegnung resümiert Gulliver: „Im ganzen benahmen sich diese Tiere so klug und verständig, dass ich sie für zwei Zauberer hielt […]“.[20] Aufgrund der Annahme, dass die Pferde Klugheit besäßen, redet Gulliver beide an. Er erhält zwar keine Antwort in einer ihm verständlichen Sprache, aber er erkennt, dass sie in der Lage sind, Gefühle durch „durch verschiedene Tonlagen ihres Wieherns“[21] auszudrücken. Die Pferde bezeichnen sich selbst als „Houyhnhnms“.[22] Die Gestik der beiden Houyhnhnms vergleicht der Protagonist mit menschlichen Verhaltensweisen: „Nachdem die Pferde noch ein bisschen miteinander getuschelt hatten […], verabschiedeten sie sich voneinander. Dabei berührte, ebenso formell und höflich wie bei der Begrüßung, das eine den Vorderfuß des andern“.[23]

Gulliver begibt sich in eine unterwürfige Position gegenüber dem Schimmel.[24] Die Textstelle zeigt, dass Gulliver den Schimmel als eine ihm übergeordnete Persönlichkeit anerkennt. An diesem Beispiel zeigt sich das erste Mal das umgekehrte Verhältnis von Tier und Mensch. Die im Regelfall übliche Dominanz des Menschen über das Tier wird unterbrochen und eine neue Hierarchie der auftretenden Lebewesen beginnt Swifts Erzählung zu prägen.

Im zweiten Kapitel wird Gulliver in das Haus des Schimmels geführt und auch hier wird dem Protagonisten und dem Leser eine Hierarchie bewusst. Es gibt Pferde, die als Hausangestellte anderer Pferde arbeiten und auf einer niedrigeren Hierarchiestufe rangieren.[25] Gullivers Empfang im Hause des Schimmels ist nicht besonders herzlich und sein Besuch scheint nicht willkommen zu sein. Dies kann der Protagonist anhand der menschenähnlichen Mimik und Gestik einer Stute deuten.[26] Von Gullivers aufrechter Gestalt auf zwei Beinen schlussfolgern die Houyhnhnms darauf, dass es sich um einen Yahoo handelt. Yahoos bilden in der Pferdegesellschaft die unterste Schicht. Sie werden als „grauenhafte Geschöpfe“ beschrieben, die sich von Wurzeln und vom Fleisch jeglicher Art von Tieren ernähren, welche durch Krankheit gestorben sind.[27] Zwei Pferde, darunter ein Herrenpferd, stellen einen physiognomischen Vergleich zwischen Gulliver und Yahoo an. Erst da erkennt Gulliver, dass die Yahoos Ähnlichkeiten mit der menschlichen Gestalt aufweisen. Nichts desto trotz stößt Gulliver das Aussehen und Verhalten der Yahoos ab: „Denn obwohl ich damals ein ausgesprochener Menschenfreund war, widerten mich jene Yahoos doch dermaßen an, dass ich sie, je länger ich dort blieb, von Tag zu Tag nur noch inniger hasste“.[28] Ein weiterer Hinweis, der bestätigt, dass Gulliver die Yahoos als Menschen identifiziert, findet sich in einem späteren Gespräch zwischen Herrenpferd und Gulliver: „Es wollte meinem Herrn nicht einleuchten, dass die Yahoos in meinem Lande Herrscher sein sollten“.[29]

3.2 H. G. Wells Tierwesen

Die Hauptfigur des Thrillers von Wells ist Mr. Prendick, der als Privatmann auf dem Schiff Lady Vain reist. Er wird aufgrund einer Kollision mit einem Wrack schiffbrüchig und erfährt Rettung durch die Besatzung eines Schoners. Auf diesem Schoner macht er Kontakt mit seinen Rettern Montgomery und Dr. Moreau. Die beiden Männer leben abgeschieden von der Zivilisation auf einer Insel und haben sich als Ziel gesetzt, mit Hilfe der Vivisektion aus Tieren Menschen zu machen. Mr. Prendicks erste Begegnung mit einem der vermenschlichten Tierwesen findet auf dem Schoner statt. Das Aussehen des Wesens weist eindeutig menschliche Charakteristika auf, denn der Protagonist weist ihm keine tierischen Attribute zu, sondern identifiziert das Wesen im ersten Moment der Begegnung als Mensch.[30] Der Motorik des Wesens wird eine Affinität zum Tier zugesprochen.[31] Der Leser erlebt die Unsicherheit des Protagonisten bezüglich der Zuordnung des Wesens unmittelbar mit. In der Beschreibung des Wesens fließen zwei Arten von Wörtern ein. Es werden teils Bezeichnungen eingeflochten, die einerseits animalische Komponenten[32], andererseits menschliche Aspekte[33] vermitteln. Anhand dieser ersten Beschreibung eines der Mischwesen lässt sich eine Bi-Existenz ausmachen. Die Physiognomie und Motorik weisen menschliche und tierische Merkmale auf.

Das Aussehen der Bootsleute wird durch „gnomenhafte Gesichter“[34] charakterisiert, wobei der Unterkiefer das Gesicht dominiert. Die Gestalten haben „glänzende Augen“[35], beziehungsweise Augen, die im Dunkeln leuchten[36] und ihre Körper sind ungewöhnlich groß.[37] Nach und nach treten weitere Wesen auf, von denen viele in ihren Beschreibungen dem Prototypen auf dem Schiff ähneln. Die Unsicherheit des Lesers bezüglich einer eindeutigen Identifizierung der Wesen verwandelt sich allmählich in eine Gewissheit, dass eindeutige Zuordnungen abwegig sind.

Montgomery räumt auf drängendes Fragen Mr. Prendicks ein, dass es sich bei einem der Mischwesen, das als Diener fungiert, um ein Wesen „mit halbem Verstand“[38] handelt. Bei einem Spaziergang entdeckt der Protagonist ein weiteres Wesen. Auch in der Beschreibung dieser Begegnung findet sich der oben angesprochene Dualismus in der Vokabelwahl[39] wieder. Das Wesen wird als Mensch identifiziert, „der wie ein Tier auf allen vieren ging“.[40] Es ist anzunehmen, dass die Identifikation als Mensch darauf beruht, dass das Wesen gekleidet ist. Dieser Widerspruch zwischen der Kleidung eines Menschen und dem Verhalten eines Tieres führt auf den folgenden Seiten zur Charakterisierung als „halbtierisches Geschöpf“.[41] Während der Fortsetzung seines Spaziergangs trifft Mr. Prendick auf drei weitere Wesen, die sich miteinander unterhalten und des Gebrauchs von Wörtern mächtig sind. Die drei Wesen beginnen zu singen und eine Art Tanz auszuführen.[42] Der Protagonist verwendet in seiner Beschreibung zwar eindeutig Beschreibungshilfen, die den Vokabeln entsprechen mit derer Menschen beschrieben werden, fühlt sich aber in Gegenwart der Wesen sehr unwohl und erkennt diese nicht ohne Zweifel als Mitglieder einer eigenen Art an. Dies bestätigt der folgende Abschnitt:

„Die drei mit diesem geheimnisvollen Ritus beschäftigten Geschöpfe besaßen zwar menschliche Gestalt, erinnerten jedoch auf die seltsamste Weise an Haustiere. All diese Geschöpfe trugen trotz ihrer menschlichen Form und trotz der Andeutung von Kleidung in sich, in ihren Bewegungen, im Ausdruck ihrer Gesichter, in ihrem ganzen Wesen das unverkennbare Zeichen eines Tiers: immer wieder musste ich bei ihrem Anblick an Schweine denken.“[43]

Edward Prendick wird von den zunehmend menschlicher werdenden Schreien des Pumas, der Opfer der Vivisektion wird, zur Flucht getrieben. Auf seiner Flucht vor den beiden einzigen Menschen (Montgomery und Dr. Moreau), die eindeutig als solche von Mr. Prendick identifiziert werden, begegnet er einem weiteren Tierwesen. Dieses Tierwesen „schwatzt“[44] und verwendet für Prendick verständliche Worte. Aufgrund der Fähigkeit zur verbalen Kommunikation meint er das Wesen in die Kategorie Mensch einordnen zu können.[45] Weiterhin kann das Wesen bis zur Zahl Fünf zählen.[46] Das schwatzende Wesen führt den Protagonisten zu einer Höhle, die zahlreichen weiteren Tierwesen als Behausung dient. Edward Prendick wird von den Tierwesen in der Höhle als Mensch identifiziert und eines der Wesen zeigt deutliche Fähigkeiten zur Selbstreflexion.[47] Damit dreht sich die Hierarchie um. Es ist nicht mehr nur der Protagonist, der an einer Einstufung der Wesen interessiert ist, sondern auch die Wesen scheinen für ihr eigenes Verständnis eine Zuordnung zu einer Gruppe von Lebewesen vornehmen zu wollen. Die Wesen folgen einem Gesetz, welches ihnen von Dr. Moreau oktroyiert wurde. Dieses Gesetz besteht aus Richtlinien, deren Befolgung eine Grenze zwischen Tier und Mensch zieht. Die Richtlinien beinhalten das Gebot des aufrechten Gangs, dass Wasser zu trinken und nicht zu schlürfen ist, die Einhaltung vegetarischer Ernährung, kein Rindenreißen von Bäumen und das Verbot der Jagd.[48] Diese Richtlinien werden als Gesetz aufgefasst. Eine Aufnahme in die Gemeinschaft der Tierwesen beinhaltet eine Unterweisung in die geltenden Regeln und Gesetze. Prendick wird auf diese Weise in die Gemeinschaft der Tierwesen eingeführt. Die Tierwesen vollziehen eine Art Ritual, welches sich durch Gesang und Tanz auszeichnet und schließlich zu einer „Art rhythmischer Ekstase“[49] führt.

3.3 Menschliche Aspekte der Tierdarstellungen

In diesem Abschnitt der Arbeit erwähne ich die Merkmale, die die in Punkt zwei genannten Tier-Merkmale (Bewusstsein, Intentionalität und Gedankenprozesse) überschreiten.

Die Tier-Mensch-Wesen der untersuchten Texte weisen alle die Fähigkeit zu verbaler Kommunikation auf. Houyhnhnms bedienen sich einer Sprache, die „dem Deutschen noch am nächsten“[50] ist. Auch die Tierwesen Wells’ sind einer verbalen Ausdrucksform mächtig, die ihnen durch Veränderung im Gehirn durch Dr. Moreau möglich ist.

Gemeinsam sind den Wesen Formen menschlicher Gestik und Motorik. Die Houyhnhnms bewegen sich auf allen vier Hufen, sind aber in der Lage die Vorderhufe zum Tasten und Gestikulieren zu nutzen[51] und sitzen „aufrecht auf ihren Hinterbacken“.[52] Ähnlich verhält es sich bei Wells’ Wesen. Sie nutzen den aufrechten Gang der Menschen, vollziehen aber im Laufe der Zeit eine Metamorphose zurück zum Tierischen und bevorzugen schließlich wieder den animalischen Gang auf vier Gliedmaßen. Im Zuge der Rückverwandlung beginnen sie wieder Fleisch zu fressen und zu töten. Auch die Yahoos fressen „das Fleisch von irgendwelchen Tieren“.[53] Houyhnhnms hingegen ernähren sich vegetarisch. Houyhnhnms bewohnen Hütten beziehungsweise Häusern vergleichbare Bauten. Die Yahoos werden als Untertanen der Pferdewesen gehalten, indem ihnen „festgeflochtene Weidenruten um den Hals gelegt und sie damit an dicke Balken gebunden“[54] werden. Die Tierwesen in Die Insel des Dr. Moreau leben als Gemeinschaft in Höhlen.[55]

Alle Tierwesen bei Swift und Wells folgen einer bestimmten Hierarchie. Sowohl bei den Houyhnhnms, als auch bei den wellsschen Tierwesen gibt es eine Rangordnung oder Anführer. Yahoos sind den Houyhnhnms untertan und auch innerhalb der Houyhnhnm-Gemeinschaft wird zwischen „Herrenpferden“[56] und Mägden unterschieden. Die Tierwesen haben ebenfalls einen Anführer, der als „Sprecher des Gesetzes“[57] fungiert.

Die Fähigkeit zu lügen spielt in beiden Texten eine besondere Rolle, wenn es um die Unterscheidung von Mensch und Tier geht. Die Houyhnhnms sind nicht zur Lüge fähig[58], so auch nicht die wellsschen Tierwesen[59]. Das Vermögen zu lügen wird letztlich zu einem wesentlichen Entscheidungs- und Beurteilungskriterium dessen was tierisch und was menschlich sei.

4. Überprüfung der These

Das Herrenpferd und Gulliver liefern sich einen Disput über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Yahoos und Gulliver. Innerhalb dieses Disputs äußert das Herrenpferd die Meinung, „auf die Dauer würde die Vernunft sich immer gegen die rohe Gewalt durchsetzen“.[60] „Vernunft“ kann in diesem Kontext mit den Pferden assoziiert werden und der Gebrauch von „roher Gewalt“ wird den Yahoos zugeschrieben. An dieser Stelle wird besonders deutlich, dass die Pferde innerhalb Swifts Geschichte die Stellung vernunftbegabter Wesen einnehmen. Dies sehe ich als ein Argument für meine These, dass in der Erzählung von Jonathan Swift umgekehrte Assoziationen gelten. Tieren, in diesem Fall Pferde, kommen Eigenschaften und Attribute zu, die wir normalerweise als menschliche Verhaltens-, Charakter- und Denkweisen deuten. Menschenähnliche Wesen - die Yahoos - nehmen animalische Eigenschaften an. Sie fressen Fleisch von Kadavern und sind gewalttätig. Eine Vertauschung der gewohnheitsgemäßen Zuordnungen kann festgestellt werden. Der Autor versucht den Blickwinkel des Lesers zu verschieben, Routinen zu durchbrechen und durch diese Umkehrung eine kritische Sicht auf die Menschlichkeit zu bewirken.

Meine These sehe ich auch durch einen weiteren Aspekt bestärkt. Dieser Gesichtspunkt bestätigt sich in der später aufgeführten Sekundärliteratur. Swifts Roman gilt als Satire auf das England seiner Zeit. Eine Satire versucht durch Metaphern und Allegorien auf Missstände hinzuweisen und Kritik zu üben. Die Form der Satire ermöglicht durch Metaphern und rhetorische Kunstgriffe klare und eindeutige Worte zu vermeiden. Der Autor umgeht eine Gefährdung seiner eigenen Person. Da in der Satire Fakten nicht als solche gewertet werden können, nehme ich dies als Indiz, dass in Swifts Text die edlen Houyhnhnms - Pferde - die Rolle des Menschen der realen Welt einnehmen. Die Yahoos, die zwar aufgrund ihrer Erscheinung Menschen entsprechen, bilden zugleich physiognomisch den Kontrast zum Tier. Die Houyhnhnms weisen menschliche Fähigkeiten auf und setzen sich durch humane Qualitäten (siehe Punkt 3.3) über das Tier hinweg. Der Autor schreibt den Pferdewesen menschliche Attribute zu, um auf Missstände der menschlichen Gesellschaft aufmerksam zu machen. Meine These, dass Tier- und Mensch-Zuweisungen vertauscht sind, erweist sich in dieser Deutlichkeit nicht als haltbar. Es finden sich teilweise Aspekte der Umkehrung.

Eine bedeutende Frage meiner Arbeit ist, ob in dem Sciencefiction-Roman von H. G. Wells durch Vivisektion tatsächlich aus Tieren unterschiedlichster Art Menschen gemacht werden? Die Antwort negiert der Text selbst. Die durch Experimente entstandenen Wesen weisen zeitlich begrenzt menschliche Züge auf, verwandeln sich aber langsam wieder zurück in Tiere. Es sind nur temporär begrenzt Fähigkeiten zu verzeichnen, die über tierisches Bewusstsein, Intentionalität und animalische Gedankenprozesse hinausreichen.

Der Text formuliert mittels des literarischen Werkzeugs der Kritik an der menschlichen Gesellschaft. Durch die Metamorphosen der Tiere wird der Blick des Lesers auf jene Menschen gelenkt, die diese Art der Verwandlung vorantreiben - Montgomery und Dr. Moreau. Er erkennt, dass das Bestialische im Menschen zu finden ist. Ich sehe mich in dieser Deutung durch den Autor Michael Coren bestätigt, der in seinem Buch The invisible man - The life and liberties of H. G. Wells schreibt: „The book was acclaimed, if misunderstood. Wells had written more than a consummate horror story; he had attacked the creational theories of the Church and proclaimed the bestial aspect within mankind”.[61] Coren deutet die vivisezierten Wesen als “semi-humans, grotesque and pathetic half-replicas known as Beast Folk [Hervorhebung von mir, as]”.[62] Der Autor Elmar Schenkel kommt zu einer ähnlichen Beschreibung und charakterisiert die Tierwesen folgendermaßen: „Die Grenzen zwischen den Arten und zwischen Tier und Mensch scheinen sich völlig aufgelöst zu haben. Die Wesen können sprechen, zumindest bestimmte Sätze und rituelle Formeln. Sie haben den aufrechten Gang. Einzig dass keins von ihnen alle fünf Finger hat, scheint sie vom Menschen zu unterscheiden“.[63] Diese nur auf der Feststellung der fehlenden Finger beruhende Begründung, dass es sich um keine Menschen handele, ist meiner Ansicht nach nicht hinlänglich. Weitere Beobachtungen dienen als Indizien dafür, dass den Tierwesen ein menschlicher Charakter abgesprochen werden muss. Dies unterstreiche ich mit den Argumenten, dass die Wesen bei Nacht gefährlich werden[64], im Hocken trinken[65] und einen Jagdinstinkt haben, der sie dazu treibt die Verfolgung aufzunehmen, wenn das Opfer zu flüchten beginnt.[66] Zwei weitere Gesichtspunkte contra der Zuschreibung menschlicher Eigenschaften ist das von Prendick gefundene getötete Kaninchen[67], dem der Kopf abgerissen wurde, als auch Prendicks Aussage: „Aber ich wusste jetzt, welche Hilfe ich von den Tiermenschen zu erwarten hatte“.[68] Der Begriff „Tiermenschen“ deutet daraufhin, dass der Protagonist sich Hilfe in seiner verzweifelten Lage erhoffte - Hilfe von Menschen, die durch die vermutete Fähigkeit zu Empathie, durch Mitleid motiviert, zu Beistand verpflichtet sind. Es stellt sich heraus, dass auf diese Hilfe nicht gesetzt werden kann. Prendick begreift, gerade wegen des Fehlens der oben genannten, dass es sich eher um Tiere, als um Menschen handelt. Die Erkenntnis, dass die durch Vivisektion veränderten Tiere keine Menschen geworden sind lässt sich auch an der weiter oben aufgeführten Textstelle festmachen, die die Unfähigkeit von Tieren zur Lüge behauptet.

Auch die meine These unterstützenden Argumente möchte ich an dieser Stelle ausführen. Die Tierwesen erinnern sich an körperliche Pein und teilen damit eine menschliche Eigenschaft. Dies zeigt beispielsweise ihre Angst davor, in das so genannte „Haus des Schmerzes“ zurückkehren zu müssen. Die Angst vor Schmerz wird verbunden mit dem Haus des Dr. Moreau. Es zeigen sich lediglich zwei Fähigkeiten, die über Bewusstsein, Intentionalität und Gedankenprozesse hinausreichen: 1. Die Tierwesen sind in der Lage Erinnerung (Vergangenheit) und Drohung (Präsens) zu koppeln. Dr. Moreau nutzt das Vorhandensein von Bewusstsein, Intentionalität und Erinnerungsvermögen und prägte den Tierwesen die Warnung „Wer das Gesetz bricht, geht zurück in das Haus des Schmerzes“[69] ein. Auch auf die Fähigkeit der Selbstreflexion kann hier geschlossen werden - „wenn ich einen Fehler begehe, werde ich bestraft“. Auf die Tierwesen wirkt dies und sie vermeiden es Fehler zu begehen, um nicht mit Sanktionen belegt zu werden. 2. Die Wesen sind sich ihres eigenen Aussehens bewusst und können vom Aussehen eines Gegenübers Vergleiche zu sich selbst ziehen.[70] Diese Fähigkeit ist eine menschliche Qualität. Swifts’ Pferdewesen weisen noch weitere Fertigkeiten dieser Art auf. Sie haben Vernunft und können Gegenstände benennen[71], außerdem sind sie in der Lage Begründungen zu verstehen und sich Vorstellungen von Sachverhalten an anderen Orten zu machen.[72]

Aufgrund der oben angeführten Argumente komme ich zu dem Resultat, dass Swift durch bewusste Vertauschung; Überlappung und Austauschbarkeit der Tier-Mensch-Rollen, Kritik an der englischen Gesellschaft seiner Zeit übt. Die anhand der Physiognomie eindeutig als Tiere zu verortende Wesen, handeln und verhalten sich wie Menschen. Das zeigt meine Analyse. Interessant ist das Auftreten der Yahoos: Das Aussehen weist eine Dualität von menschlichen und animalischen Elementen auf. Eine eindeutige Zuordnung ist nicht möglich und vom Autor wahrscheinlich nicht intendiert. Es findet sich eine bedeutsame Gemeinsamkeit mit dem Thriller von Wells. Auch seine Wesen vereinen menschliche und tierische Aspekte. Wells drückt, ebenso wie Swift es versucht, Kritik mittels seiner durch Fiktion erschaffenen Wesen aus. Er tadelt geltende wissenschaftliche Theorien, wie bei Coren zu lesen ist: „He based The Island of Dr Moreau on the theory of evolution, vividly portraying the agony of physical and spiritual development“.[73]

Aufgrund meiner Untersuchung ziehe ich folgende Bilanz: Swift nutzt das Mittel der Vertauschung in gleicher Weise, wie sich auch die Fabel tierischer Charaktere bedient. Tiere als Protagonisten mit menschlichen Zügen weisen im Schutze der Allegorie auf fehlerhaftes Verhalten hin. Swift kritisiert die englische Gesellschaft, indem er ihr Attribute des Tierischen zuschreibt.

Ähnlich verhält es sich bei Wells. Die in seinem Thriller auftretenden Menschen lassen aufgrund ihres Aussehens, der Motorik und der Sprache vermeintlich keinen Zweifel an ihren menschlichen Eigenschaften zu. Menschliche Eigenschaften sind aber nicht mit Humanität gleichzusetzen. Wells nutzt den Protagonisten, Mr. Prendick, in der Rolle des Beobachters, als Indikator einer persönlichen Kritik. Kritik, Missbilligung und schließlich Abqualifizierung des Handelns von Dr. Moreau und Montgomery wird durch ihn sichtbar. Die Wissenschaft der Vivisektion ist das tierisch-bestialische Gegenstück zu deren menschlichem Aussehen. Die Vivisektion beleuchtet das Tierische im Menschen und impliziert Zweifel an der Humanität des Menschen. Schenkel kommt zu einem ähnlichen Schluss. „Letztlich ist sein Projekt das der Zivilisation. Die Insel ist nur ein Vergrößerungsglas, oder besser ein Zeitraffer, und zeigt in brutaler Konzentration das, was die Menschheit über Jahrtausende in Zeitlupe vollbracht hat, indem sie den Menschen aus seiner Bestialität herausschälen wollte“.[74] Folgende Textstelle könnte Schenkel zu dieser Deutung verleitet haben: „Eine seltsame Gewissheit überkam mich, dass ich hier - wenn auch in groben Umrissen und bizarren Formen - im kleinen die ganze Bilanz des menschlichen Lebens vor mir hatte, das ganze Zusammenspiel von Instinkt, Vernunft und Schicksal in seiner einfachsten Form“.[75] Wells bringt seine Kritik an der menschlichen Gesellschaft zum Ausdruck. Aus seiner Sicht sind Tiere freier als Menschen, denn er spricht von den „Fesseln der Menschlichkeit“[76], die den vivisezierten Tierwesen unfreiwilligerweise auferlegt wurden. Die Tierwesen töten zum Schluss der Erzählung sowohl Dr. Moreau, als auch Montgomery. Entweder töteten die Tierwesen aus Rache - das wäre die menschliche Erklärung, denn Rachegelüste sind keine beobachtbare tierische Eigenschaft - oder aus Instinkt, denn ihr animalischer Charakter übernimmt im Laufe der Zeit wieder die Vorherrschaft über das Handeln.

Deutliche Differenz beider Texte ist die, dass Swifts’ Houyhnhnms Fähigkeiten aufweisen, die weit über tierische Eigenschaften mittels des Vorhandenseins von Bewusstsein, intentionalen Zuständen und Gedankenprozessen hinausreichen. Verglichen hiermit besitzen Wells’ Tierwesen diese Qualitäten und Attribute nur in deutlich geringerem Maß.

5. Zusammenfassung

In beiden Texten weisen die Protagonisten - unabhängig davon, als welche Art von Wesen sie identifiziert werden - eine bilaterale Natur auf. Jedes Wesen vereint in sich tierische und menschliche Merkmale. Meine oben aufgestellte These, dass der Mensch in den untersuchten fiktiven Texten, tierischer als das Tier und das Tier menschlicher als der Mensch sei, bestätigt sich nicht. Eine vertauschte Tier-Mensch-Zuordnung scheint sich oberflächlich betrachtet in Swifts Text zu bestätigen. Genauer betrachtet, muss man allerdings zu dem Resultat kommen, dass Houyhnhnms und Yahoos, ebenso wie die Wesen in Wells Thriller, oben aufgeführte duale Attribute des animalischen und menschlichen aufweisen. Ich stelle fest, dass das extern Sichtbare noch so menschlich sein mag, das intern Unsichtbare, welches sich in der Analyse erschließt, gibt jedoch Auskunft über den menschlichen oder den animalischen Charakter der Wesen. Die Wellsschen Tierwesen weisen nur in geringem Maße Fähigkeiten auf, die über die von Searle festgelegten tierischen (Bewusstsein, Intentionalität und Gedankenprozesse) hinausgehen. Die Houyhnhnms sind im Vergleich zu diesen kenntnisreichere und handlungskompetentere Vertreter menschlicher Fertigkeiten.

Beide Autoren der untersuchten Texte bedienen sich der Allegorie eines bilateralen Charakters der fiktiven Tier- und Menschwesen, um anhand derer eine persönliche Gesellschaftskritik zu formulieren.

6. Literaturverzeichnis

Primärliteratur

Swift, Jonathan: Reisen in verschiedene ferne Länder der Welt von Lemuel Gulliver – erst Schiffsarzt, dann Kapitän mehrerer Schiffe. München 1958.

Wells, Herbert George: Die Insel des Dr. Moreau. München 2003.

Sekundärliteratur

Coren, Michael: The invisible man. The life and liberties of H. G. Wells. London 1993.

Schenkel, Elmar: H. G. Wells. Der Prophet im Labyrinth. Wien 2001.

Searle, John R.: Der Geist der Tiere. In: Dominik Perler / Markus Wild (Hrsg.): Der Geist der Tiere. Philosophische Texte zu einer aktuellen Diskussion. Frankfurt am Main 2005. S. 132-152.

[...]


[1] Erstmals erschienen 1896.

[2] Erstmals erschienen 1726.

[3] John R. Searle, „Der Geist der Tiere“, Dominik Perler / Markus Wild (Hrsg.), Der Geist der Tiere -Philosophische Texte zu einer aktuellen Diskussion, Frankfurt am Main 2005, S. 132-152.

[4] S. 341-379.

[5] Searle: Geist der Tiere, S. 132.

[6] Ebd., S. 132.

[7] Vgl. S. 140.

[8] Ebd., S. 141.

[9] 1667-1745

[10] 1866-1946

[11] Jonathan Swift, Reisen in verschiedene ferne Länder der Welt von Lemuel Gulliver - erst Schiffsarzt, dann Kapitän mehrerer Schiffe, München, 1958, S. 341.

[12] „sehr seltsam gebaut und anscheinend ziemlich verwachsen“, ebd., S. 344.

[13] Vgl. S. 345.

[14] Ebd., S. 346.

[15] Ebd., S. 349.

[16] „es stellte sich mir in den Weg und sah mich dabei freundlich und ohne Arg an“, ebd., S. 347.

[17] Ebd., S. 347.

[18] „sie rieben die Vorderhufe aneinander, als gäben sie sich die Hand“, ebd., S. 347.

[19] Ebd., S. 347.

[20] Ebd., S. 348.

[21] Ebd., S. 349.

[22] Vgl. S. 350.

[23] Ebd., S. 350.

[24] „Ich hielt es für das beste, ihm zu gehorchen, bis ich vielleicht einen besseren Führer fände“, ebd., S. 350.

[25] Vgl. S. 353.

[26] „Als ich eintrat, stand die Stute auf, kam auf mich zu und warf mir, […], einen höchst verächtlichen Blick zu“, ebd., S. 354.

[27] Vgl. S. 355.

[28] Ebd. S. 356.

[29] Ebd., S. 371.

[30] Herbert George Wells, Die Insel des Dr. Moreau, München, 2003, S. 16.

[31] „Er drehte sich mit tierischer Behändigkeit um.“, ebd., S. 16.

[32] „Es war seltsam entstellt, sprang vor und erinnerte dunkel an eine Schnauze [Hervorhebung von mir, as]“, ebd., S. 16.

[33] „der große, halboffene Mund zeigte so stark weiße Zähne, wie ich sie noch nie in einem menschlichen Mund gesehen hatte [Hervorhebung von mir, as]“, ebd., S. 16.

[34] Ebd., S. 35.

[35] Ebd., S. 35.

[36] Vgl. S. 49.

[37] Vgl. S. 36.

[38] Ebd., S. 49.

[39] „Ich konnte das Schlürfen hören, als der Mensch trank [Hervorhebungen von mir, as]“, ebd., S. 53.

[40] Ebd., S. 53.

[41] Ebd., S. 54.

[42] „Da begannen die anderen im Chor einzufallen, während sie gleichfalls aufstanden, die Hände ausbreiteten und sich im Rhythmus ihres Singsangs hin und her wiegten.“, ebd., S. 56.

[43] Ebd., S. 56.

[44] Ebd., S. 74.

[45] „Also war er ein Mensch – wenigstens ebensosehr Mensch wie Montgomerys Diener –, denn er konnte reden.“, ebd., S. 74.

[46] Vgl. S. 74.

[47] „Ein Mensch, ein Mensch, ein lebendiger Mensch wie ich [Hervorhebung von mir, as].“, ebd., S. 78.

[48] Vgl. S. 79.

[49] Ebd., S. 80.

[50] Swift: Reisen in verschiedene ferne Länder , S. 362.

[51] Vgl. S. 348.

[52] Ebd., S. 353.

[53] Ebd., S. 355.

[54] Ebd., S. 355.

[55] Wells: Die Insel des Dr. Moreau , vgl. S. 106.

[56] Swift: Reisen in verschiedene ferne Länder, S. 356 f.

[57] Wells: Die Insel des Dr. Moreau , S. 81.

[58] „aber immer, wenn ich dabei von Lüge und Verstellung sprach, fehlte ihm, obwohl er sonst wirklich nicht auf den Kopf gefallen war, das Verständnis“, Swift: Reisen in verschiedene ferne Länder , S. 370.

[59] „Ein Tier kann wild und listig sein, aber um eine Lüge zu sagen, dazu gehört ein wirklicher Mensch“, Wells: Die Insel des Dr. Moreau , S. 167.

[60] Ebd., S. 376.

[61] Michael Coren, The invisible man – The life and liberties of H. G. Wells, London, 1993, S. 54.

[62] Ebd., S. 54.

[63] Elmar Schenkel, H.G. Wells – Der Prophet im Labyrinth, Wien, 2001, S. 161.

[64] „mit der Dämmerung entstünde ein Abenteuergeist in ihnen; sie wagten Dinge, von denen sie am Tage nie zu träumen schienen“, Wells: Die Insel des Dr. Moreau, S. 110.

[65] „Warum sollte ein Mensch auf allen vieren gehen und Wasser schlürfen?“, ebd., S. 54.

[66] „Da verlor ich vor Angst vollständig den Kopf und begann den Sand entlangzulaufen. Sofort hörte ich das schnelle Geräusch weicher folgender Füße“, ebd., S. 63.

[67] Vgl. S. 54.

[68] Ebd., S. 86.

[69] Ebd., S. 125.

[70] „Er ist ein Fünfmensch, ein Fünfmensch, ein Fünfmensch … wie ich“, Wells: Die Insel des Dr. Moreau, S. 81.

[71] Vgl. Swift: Gullivers Reisen, S. 361.

[72] Vgl. S. 370 ff.

[73] Coren: The invisible man , S. 57.

[74] Schenkel: H. G. Wells , S. 161.

[75] Wells: Die Insel des Dr. Moreau , S. 131.

[76] Ebd., S. 132.

Details

Seiten
20
Jahr
2006
Dateigröße
445 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v110387
Institution / Hochschule
Technische Universität Berlin
Note
unbenotet
Schlagworte
Analyse Aspekte Tierwesen Swift Wells Tier Mensch Literatur Jahrhunderts

Autor

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Titel: Analyse menschlicher Aspekte der Tierwesen bei Swift und Wells