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Auf der Suche nach Identität im Hip Hop

Hausarbeit 2005 40 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitende Worte

2. Definitionen – Hip Hop und Jugend(Kultur)
2.1 Definition: Hip Hop 2.2 Definition: Jugend
2.3 Definition: Kultur
2.4 Definition: Jugendkultur

3. Identitätssuche ist gleich „Jugendliche auf der Suche“?
3.1 Definition „Identität“
3.2 Identität nach Erikson
3.2.1 „Identität gegen Identitätsdiffusion“
3.2.2 „Intimität und Distanzierung gegen Selbstbezogenheit“
3.3. Heiner Keupp: Patchwork-Identität
3.4 Werner Helsper: „Nicht-Identität“
3.5 Judith Butler: Performativität von Identität

4. Hip Hop
4.1 Definition
4.2 Roots (Wurzeln / Ursprung)
4.3 New School / Mid School

5. Hip Hop in Deutschland

6. Hip Hop - Ausdrucksformen / Techniken
6.1 MCing / Rap
6.2 DJing
6.3 Breakdance 6.4 Graffiti

7. Hip Hop Identität
7.1 Das bietet Hip Hop an Identifikationsmöglichkeiten
7.2 Konzept „style“ als inneres Werkzeug der Identitätsbildung
7.3 Das Konzept „realness“ - Reflexivität
7.3.1 Selbstreflexion
7.3.2 Interne Differenziertheit
7.3.3 Realness und Authentizität
7.3.4 Fake
7.3.5 Underground – Kommerz
7.3.6 Performativität der kulturellen Identität Hip Hop
7.4 Kollektive Identität und Präsentation nach außen
7.4.1 Repräsentation als Identifikation
7.4.2 Repräsentationsstrategien
7.4.3 Hybridisierungen

8. Identifikation mit Hip Hop
8.1 Dazugehören
8.2 (Nicht)auffallen
8.3 Etwas schaffen
8.4 Gut-Sein
8.5 Zusammenschließen
8.6 Individuell
8.7 Herkunft
8.8 Therapieren?

9. Hip Hop und Soziale Arbeit

10. Fazit

Literatur

Internet-Quellen

1. Einleitende Worte

Nightwrita: HipHop

...war schon immer da.(für mich)

...ist zeitvertreib.

...ist Musik nicht nur hören sondern auch fühlen.

...ist leider oft nur Mittel zum Zweck.

...ist wichtig für mich.

...ist nicht alles.

...ist Musik und damit das Sprachrohr der Menschen.

...ist nicht nur Musik sondern eine Kultur.

...ist ein gutes Referatsthema.

...wird oft wegen seinen Vertretern verlacht.

...hat sich weit ausgebreitet.

...kann was bewegen.

...ist für mich unverzichtbar geworden.

ich könnte noch viel schreiben aber soviel erstmal zum Thema. Brainstorming“ [1]

„Hip Hop“, hinter diesen zwei Worten verbirgt sich vieles, was auf den ersten Blick nicht sichtbar ist - anders als die sogenannten Baggy Pants [2], die einige Hip Hoper[3] tragen. Ein offensichtliches Merkmal, woran sich eindeutig erkennen lässt, ob jemand Hip Hop hört oder nicht? Wenn es so einfach wäre, würde ich diese Hausarbeit nicht schreiben. Mir ist aufgefallen, dass es immer mehr Jugendliche gibt, die deutsche Rap-Musik hören, vornehmlich die, die in den Charts [4] läuft. Sind diese Kids Hip Hoper? Identifizieren sie sich mit den Texten und Botschaften, die ihre Stars ihnen vorrappen, die zunehmend sexistischer und gewaltverherrlichender werden? Hören sie überhaupt hin – oder hören sie einfach nur zu? Und ist das eigentlich alles, was Hip Hop ausmacht – oder ist da noch mehr?

Da ich, aus familiären Zusammenhängen und eigenem Interesse heraus weiß, dass da noch mehr ist, was diese Jugendkultur ausmacht, wollte ich der Frage auf den Grund gehen: Was fasziniert Jugendliche an dieser Szene? Womit identifizieren sie sich? Suchen und Finden sie darin einen Teil ihrer Identität, Orientierung, Halt? Und warum ist das so? Wieso ist Hip Hop als Identitätskonstruktion unter Jugendlichen so beliebt? Und: ergeben sich daraus Handlungsansätze für die Soziale Arbeit, speziell die Jugendarbeit? Ich nehme Jugendliche dieser Szene ernst – als sie selbst. Wie bereits der Titel der Arbeit deutlich macht, sehe ich sie nicht nur als Suchende, sondern als Akteure/Gestalter ihrer Jugend an, die nicht nur das Ziel „erwachsen sein“ „erwachsen werden“ verfolgen.

Zu Hip Hop und seinem Identitätskonzept findet sich zahlreiche Populärliteratur, ebenso kann man sich über Musiksender (Radio, TV), Internetseiten und Zeitschriften ein umfangreiches Bild machen. Diese ist jedoch sehr plakativ und spiegelt nur den kommerziellen Teil der Szene wieder. Auf meiner Suche nach wissenschaftlicher Literatur stieß ich auf das Buch „represent what... Performativität von Identitäten im Hip Hop“ von Stefanie Menrath, welches sich wissenschaftlich mit der Thematik auseinandersetzt. Ihre Untersuchung konzentriert sich auf die „Problematik“ der Identitätskonstruktion im Hip Hop. Sie versteht Jugendliche als kulturelle Akteure, Identität im Hip Hop als Produkt einer Aufführungspraxis. Zentrale Frage dabei ist, auf welche Weise Jugendliche sich der sozial-kulturellen Identitätskonstruktion bemächtigen und inwiefern sie diese einsetzen.

Auf dieses Buch werde ich mich in dieser Hausarbeit hauptsächlich stützen, ergänzend habe ich mich im Internet auf der wichtigsten deutschen Plattform für Hip Hop[5] informiert. Leider sind die wissenschaftlichen Forschungen auf diesem Gebiet sehr rar.

Ich definiere zunächst die Begriffe Jugend, Kultur, Jugendkultur sowie Subkultur. Danach benenne ich bestehende Identitätskonzepte, um sie darauf folgend mit dem Identitätsangebot von Hip Hop zu verbinden. Außerdem erkläre ich den Ursprung und die Kultur der Hip Hop Szene. Am Schluss sollen Antworten auf oben genannte Fragen sowie Handlungsansätze für die Soziale Arbeit gefunden werden.

2. Definitionen – Hip Hop und Jugend(Kultur)

2.1 Definition: Hip Hop siehe Kapitel 4

2.2 Definition:Jugend

Der Begriff „Jugend“ wird als biologische, entwicklungspsychologische und sozialkulturelle begründbare Lebensphase beschrieben[6]. Beginn und Ende dieser Lebensphase sind keine punktuellen Ereignisse, die für alle Jugendlichen identisch sind, vielmehr handelt es sich um eine Lebensphase, deren Länge durch verschiedene Kriterien gekennzeichnet wird. Aus biologischem und entwicklungspsychologischem Blickwinkel kann das Einsetzen der Geschlechtsreife bzw. der Pubertät als Beginn gesehen werden. Im sozialen Ansatz wird u.a. die Beendigung der allgemeinen Schulpflichtzeit (die 1. Stufe des deutschen Bildungssystems) genannt, die in der Regel im Alter von 15 bzw. 16 Jahren erreicht wird[7]. Zur Festlegung des Endes der Jugendphase wird außerdem die ökonomische Verselbständigung herangezogen. Dazu zählen der Eintritt in das Erwerbsleben, die Gründung eines eigenen Haushaltes oder einer eigenen Familie bzw. Heirat. Anhand dieser Kriterien wird, ausgehend von früheren jugendsoziologischen Ansätzen, das Ende des Jugendalters mit cirka 25 Jahren angegeben. Im soziologischen Ansatz ist die Bestimmung des Endes des Jugendalters stark von den gesellschaftlichen Entwicklungen und Veränderungen geprägt[8]. Ferchhoff weist dem Begriff der Jugend mangels fest definierbarer Altersgrenzen eine gewisse Relativität zu. Die neuere jugendsoziologische Forschung beschreibt den Übergang vom Jugendlichen zum Erwachsenen auch als Postadoleszenz[9]. Dennoch: fern jeder jugendsoziologischen Theorie wird heutzutage noch immer der 18. Geburtstag als Übergang vom Jugendlichen zum Erwachsenen gefeiert. Ich beziehe mich in dieser Hausarbeit vor allem auf Jugendliche im Alter von 12 bis 20 Jahren.

2.3 Definition:Kultur

Laut Schwendter ist Kultur „... der Inbegriff alles nicht Biologischen in der menschlichen Gesellschaft“. Dazu zählen alle „... Institutionen, Bräuche, Werkzeuge, Normen, Wertordnungssysteme, Präferenzen, Bedürfnisse usw. in einer konkreten Gesellschaft.“ [10] Diese Erklärung enthält keinen Hinweis über die Kultur der Jugend, sondern umschreibt einen möglichen soziologischen Erklärungsansatz, der für alle Mitglieder einer Gesellschaft geltend gemacht werden kann. Wie verhält es sich nun mit den Jugendlichen innerhalb einer solchen Gesellschaft?

2.4 Definition: Jugendkultur

„Jugendkulturen sind diejenigen Teile einer nationalen oder übernationalen jugendlichen Population, die für das Jugend-Selbstverständnis einer bestimmten Epoche oder eines ungefähr angebaren Zeitraums Leitbilder setzen und auch von den Erwachsenen und ‚Erziehungsberechtigten’ als diejenigen wahrgenommen werden, die aufgrund ihrer scharf konturierten Eigenarten mit oft herausforderndem Charakter für die ältere Generation in besonderer Weise Irritationen darstellen.“ [11]

Neben Dieter Baacke beschäftigen sich viele weitere namhafte Soziologen, wie z.B. Wilfried Ferchhoff mit jugendlichen Verhaltensweisen, die in der Fachliteratur mit drei Termini verwendet werden: Subkultur[12], Jugendkultur und jugendlicher Lebensstil. Sie umschreiben die Verhaltensweisen der Jugendlichen innerhalb der Gesellschaft. Diese Verhaltensweisen machen einen großen Teil der Identität und Identitätsbildung Jugendlicher aus. Hip Hop ist seit Mitte der 90er Jahre eine der dominierenden Jugendkulturen in Deutschland[13]. In den nachfolgenden Kapiteln werden statt dem Begriff „Subkultur“ die Begriffe Jugendkultur und jugendliche Lebensstile verwendet. Diese repräsentieren die Vielfalt und das Lebensgefühl Jugendlicher im 21. Jahrhundert. Beide Begriffe betonen die Eingeständigkeit kultureller Systeme. Die Betonung liegt sowohl bei der Jugendkultur als auch beim jugendlichen Lebensstil nicht ausschließlich auf dem Aspekt der Kultur, sondern auf dem jugendspezifischen Habitus, der eine notwendige Übergangserscheinung zum Erwachsenenstatus ist.

Rolf Schwendter schreibt in seinem Buch „Theorie der Subkultur“: „... Subkultur ist ein Teil einer konkreten Gesellschaft, der sich in seinen Institutionen, Bräuchen, Werkzeugen, Normen, Wertordnungssystemen, Präferenzen, Bedürfnissen usw. in einem wesentlichen Ausmaß von herrschenden Institutionen etc. der jeweiligen Gesamtgesellschaft unterscheidet.“ [14] Subkulturen seien „Gegenpole“ zum gesamtgesellschaftlichen Wertsystem und schützten vor der vollständigen Anpassung an dieses[15]. Sie seien, gerade im Hinblick auf die Jugend, jedoch nicht als Generationsrevolte zu verstehen, sondern als eine notwendige Übergangserscheinung zur Erwachsenwelt. Schwendter verbindet dennoch die Entstehung von Subkulturen primär mit einem politisch, gesellschaftskritischen Hintergrund. So führe eine materielle Unzufriedenheit zur Abgrenzung von der Gesellschaft und zur Neubildung einer Subkultur, die anhand bestimmter Kennzeichen (z.B. politische Gesinnung, Kleidung etc.) differenziert werden könne[16]. Laut Erikson ist diese Abgrenzung, manchmal Intoleranz, auch gegenüber Gleichaltrigen, sogar nötig als „...notwendige Abwehr gegen ein Gefühl der Identitätsdiffusion.“ [17]

3. Identitätssuche ist gleich „Jugendliche auf der Suche“?

3.1 Definition „Identität“

Identität meint, „ausgehend vom spätlateinischen Wort `identitas` a) vollkommene Gleichheit oder Übereinstimmung (in Bezug auf Ding und Personen); Wesensgleichheit b) die als `Selbst` erlebte innere Einheit einer Person (Psychologie)“ [18]

Was heute in den Sozialwissenschaften Identität heißt, wurde traditionell unter den Begriffen P ersona [19] oder Charakter [20] diskutiert. Damit sind zwei Zentralbegriffe tiefenpsychologischer Gründerväter (C. G. Jung und Alfred Adler) genannt. Als Ursprung des psychologischen und soziologischen Identitätsbegriffs wird die Problemstellung von William James (1905) genannt[21]. Dieser hatte, zurückgreifend auf die Reflexivitätsthematik des transzendentalen Idealismus' Kants, zwischen dem reinen Ich („pure ego“) und dem empirischen Ich („me“, „self“) unterschieden. Das Hauptinteresse der sozialwissenschaftlichen Identitätsforschung liegt auf dem „me“, dem „Selbst“, als welches der Mensch sich betrachtet und als das, was er gesehen werden möchte[22]. Nach G. H. Mead (1934) ist die Entwicklung eines Selbst, im heute üblichen Sprachgebrauch einer „Ich-Identität“, daran gebunden, dass der Mensch sich mit den Augen der anderen sehen lernt. Die neuzeitliche Subjekt-Objekt-Spaltung wird also innerlich konstitutionell als Ich-Spaltung reproduziert. Ich (Subjekt) bin, handle, empfinde... - Als wen, was, wie (Objekt) identifiziere ich mich, sehe ich mich, werde ich gesehen? Ich, der Mensch, erfahre mich in dieser Sicht, genau genommen, als einen anderen meiner selbst[23].

3.2 Identität nach Erikson

Nach Erikson lässt sich die Identitätsentwicklung eines Menschen in ein Stufenmodell einordnen. Folgende zwei Stufen seien benannt und erklärt, um sie in dieser Arbeit auf Hip Hoper zu beziehen:

3.2.1 Identität gegen Identitätsdiffusion

Diese Phase dient dem Jugendlichen ab cirka 12 Jahren zur Neubewertung und Umformung seiner bisher erlernten Sicht der Welt, des implizit und explizit Erlernten, der Interaktionen mit anderen Menschen etc. Dabei befindet er sich auf der Suche nach dem „Selbst“. Da er verunsichert ist, möchte er sich orientieren, beispielsweise an Vorbildern, an seinen Eltern und Gleichaltrigen. Der „peer-group“ kommt dabei eine sehr hohe Bedeutung zu. Wer sich in eine Gruppe einordnen kann, irgendwo dazugehört, der ist wer. Hier findet er (scheinbar) Antworten auf seine aktuellen Fragen und Probleme. Er muss lernen, „...wie er in den Augen anderer erscheint und wie er seine früher aufgebauten Rollen und Fertigkeiten mit den gerade modernen Idealen und Leitbildern verknüpfen kann...“ [24]

Diese Suche bietet jedoch auch viele Möglichkeiten: der Jugendliche kann probieren und abwägen, wo er sich zugehörig fühlt. Erwachsene bzw. Autoritäten (Familie, Schule etc.) kennen diese Zeit aus ihrer eigenen Erfahrung und sollten dem Jugendlichen möglichst mit Verständnis und Geduld zur Seite stehen, schließlich haben sie dieselbe Phase bereits in ihrer Jugend erlebt. Die Gefahr besteht allerdings in der „Identitätsdiffusion“, wie Erikson sie nennt. Der Jugendliche trifft in seiner Jugend auf vielfältigste Angebote für Identitätskonstruktionen – vor allem heute, wo man jede Identität quasi käuflich erwerben kann – verfügt er nicht über das nötige Selbstwertgefühl, läuft er Gefahr, sich mit einer Gruppe oder Masse über zu identifizieren. Um sich orientieren zu können, entwickeln Jugendliche dabei oft auch eine gewisse Intoleranz gegenüber anderen Jugendlichen oder -szenen. Diese sind als „notwendiges Übel“ anzunehmen, was nicht bedeutet, dass man sie billigen oder teilen muss[25].

3.2.2 Intimität und Distanzierung gegen Selbstbezogenheit

In dieser zweiten Phase der Jugend steht der Aspekt der Beziehung im Mittelpunkt. Der nun (hoffentlich) einigermaßen gefestigte Jugendliche geht eher intime Beziehungen ein: tiefe Freundschaften, Liebesbeziehungen. Er tauscht sich mit Freunden aus über Pläne, Wünsche und Hoffnungen. Im Idealfall kann er sich darauf einlassen. Zum anderen erfolgt nach Erikson eine Distanzierung von Gruppen, Personen, Anschauungen, Einflüssen, die für das „Selbst“ schädlich sein könnten. Herausgewachsen aus der bloßen Ablehnung durch Vorurteile, erfolgt eine reifere und wirksamere Ablehnung. Durch schöne und schmerzhafte Erfahrungen, lernt der junge Erwachsene, sich klarer abzugrenzen – ohne sich immer an Autoritäten und peers orientieren zu müssen. Gelingt ihm das nicht, zieht er sich entweder zurück, isoliert sich – oder ist nur zu stereotypen und formalen zwischenmenschlichen Beziehungen imstande.

Ziel aller Phasen ist die Entwicklung von einem sich aktiv mit der Umwelt auseinandersetzenden Ich, die ich-psychologische Ausrichtung sowie das Bedürfnis nach Symmetrie und Harmonie, das in der Konzeption einer universell vorgegebenen gegenseitigen Abstimmung von Individuum und Umwelt zum Ausdruck kommt. Der Jugendliche ist somit von seiner Umwelt eindeutig als er selbst erkennbar.

3.3. Heiner Keupp: Patchwork-Identität

Heiner Keupp kritisiert das Modell Eriksons, insofern, dass es heutzutage nicht mehr anwendbar sei, da die heutigen Jugendlichen nicht mehr in das Modell der bürgerlichen Sozialisation nach Erikson einordbar sind. Sie sind nicht einfach so in ein Schema zuzuordnen, da ihnen bestimmte Dinge fehlen, um erwachsen zu werden (z.B. berufliche Integration auf Grund mangelnder Ausbildungsstellen): „Sie basteln sich aus vorhandenen Lebensstilen und Sinnelementen ihre eigenen kleinen lebbaren Konstruktionen.“ [26] Keupp betont, dass diese individuellen Lebenscollagen eine Folge der sich verändernden gesellschaftlichen und ständig wechselnden Erwartungen sind. Trotz Zugewinns an daraus entstehenden kreativen Lebensmöglichkeiten, ist eine innere Kohärenz der Patchwork-Identität nicht abhanden gekommen. Das Individuum kann verschiedene Dinge unter einen Hut bringen, ohne sich dabei eindeutig zwischen „entweder/oder“ entscheiden zu müssen, beides ist möglich – allerdings nur in Wechselbeziehung mit anderen und Teilnahme am gesellschaftlichen Lebensprozess (sozial, ökonomisch etc.). Dieses Identitätskonzept lässt somit im Endeffekt jegliche Identität zu.

3.4 Werner Helsper: „Nicht-Identität“

Werner Helspers Idee von der „Nicht-Identität“ beschreibt das Dilemma der Jugend wie folgt: einerseits soll der Jugendliche den gesellschaftlichen Erwartungen gerecht werden und sich integrieren, andererseits soll er eine einmalige Besonderheit darstellen, innere Kohärenz erreichen, seine Subjektivität in die Identität einpassen. Dies bedeute auch, die gesellschaftsunfähigen und rebellierenden Teile des Subjekts auszugrenzen bzw. zu kontrollieren.[27] Eine klare Identität gibt es somit nicht. Die Jugendlichen versuchen, mit ihrer Zerrissenheit zu leben, ohne diese durch neue oder alternative Identitäten zu ersetzen. Diese nicht festgelegte Identität verweigert sich der gesellschaftlichen Forderung nach Eindeutigkeit – ohne dass diese Eindeutigkeit widerrum von der Gesellschaft angeboten wird. Subjektivität erhält einen hohen Stellenwert in der Orientierung, kann aber auch zu Verwirrung und endloser Suche werden oder ein hohes Maß an Freiheit des Einzelnen bedeuten. Jugendbewegungen und –kulturen versteht Helsper nicht im Sinne der Identitätskrise nach Erikson. Ist sein Konzept zu engstirnig? Den Jugendlichen und ihren Kulturen fehlt zwar die soziale Subjektivität, aber eine subjektive Identität ist zu erkennen – so auch im Hip Hop.

3.5 Judith Butler: Performativität von Identität

Judith Butler prägt seit mehreren Jahren ein „neues“ Verständnis von Identität, ausgehend von ihrem Buch „Das Unbehagen der Geschlechter“. Butler versteht Identität als etwas, das entsteht, wenn es von Subjekten, also Menschen, aufgeführt wird. Mit einer Bezeichnung für ein aufgeführtes Handeln und das Wiederholen dieses und Neukreieren entstehen die Subjekte im Prinzip erst, indem sie angenommen, diskutiert und verändert werden. Dieser Diskurs erzeugt eine als ursprüngliche und natürlich angenommene Identität, die einen „inneren Kern“ besitzt, der durch Handeln, durch Prozesse und Diskurs (immer wieder neu) entsteht. Butler meint, Subjekte erkennen sich im Gegensatz zu anderen, erkennen Oppositionen innerhalb ihrer Identität und integrieren diese durch Diskurs und (Nach-)Vollzug.[28]

„Identitätspositionen werden nur über ihre fortlaufende Wiederholung von einer Öffentlichkeit wahrgenommen.“ [29]

Um als Identität angenommen zu werden, bedarf es somit also einer Aufführung, die einen bzw. mehrere Effekte erzeugt, die von außen wahrgenommen werden. Identitäten sieht Butler nicht als in Subjekten verankerte unveränderbare feste Substanz, sondern als Prozesse an. Wichtigstes Merkmal von Identitäten sind Expressivität und Performativität. Identitäten entstehen aus sich individuell immer wieder re-kreierten Vorstellungen über Identitätspositionen, die sich auf Zitate von Stereotypen beziehen, in der Vergangenheit verankert sind und in der Gegenwart neu- bzw. umdefiniert werden. Subjekte sind an Normen gebunden, die ihnen vermittelt werden, übernehmen diese jedoch nicht nur kritiklos, sondern werden zitiert, wiederholt und umgedeutet. Performativität ist somit der Prozess der Identitätsbildung.[30] Jedoch meint Butler:

„Das individualistische, frei wählende, fast konsumistisch unterworfene Ich, das von außerhalb der Macht Widerstand leistet, ist ein Illusion, die wiederrum als Effekt der Macht zu verzeichnen ist.“ [31]

Der Diskurs, den ein Subjekt mit vorhandenen hegemonialen Normen, eingeht, führt zu Veränderungen und veränderten (Nicht-)Identifikationen mit diesen. Darin besteht auch die Möglichkeit des sozialen Handelns und des damit verbundenen Ausbrechens aus vorgegebenen Machtstrukturen. Handeln bedeutet auch immer Handeln in Interaktion mit anderen Subjekten.

4. Hip Hop

4.1 Definition

Die Bezeichnung „Hip Hop“ kann man mit „Hüftschwung“ übersetzen, was widerrum ein theatralisches Tanzen meint. Der Ursprung des Ausdrucks ist umstritten. Poschardt nennt folgende Möglichkeiten: Er könnte erstens auf die von DJ Hollywood′3 genutzte Art zurückzuführen sein, Platten mit Worten wie „To the hip-hop the hippy hippy hippy hop and you don’t stop.“ [32] zu kommentieren. Eine andere Version besagt, dass „... der Ausdruck ′hip-hop′ seit den Tagen von Malcolm X benutzt wurde, um die Tanzparties von Jugendlichen zu bezeichnen; erst DJ Africa Bambaata habe ihn redefiniert, um das Ganze der Hip-Hop-Kultur einzuschließen.“ [33]

Hip Hop ist kein rein musikalischer sondern ein soziokultureller Begriff, der auch das kulturelle Umfeld, also „... Stile, Mode, Breakdancing, Graffiti, Ideologien, Auftreten und Geisteshaltungen“ [34] mit einschließt, also auch die vier wichtigsten Ausdrucksformen Graffiti, Djing, MCing, Rap. Ein Hip Hoper zu sein bedeutet, zumindest in einer dieser Ausdrucksformen selbst aktiv zu sein.

4.2 Roots (Wurzeln/Ursprung)

Ihren Ursprung hat die Hip Hop Szene im Stadtteil Bronx im New York der 60er und 70er Jahre. Ihre Wurzeln liegen also in Amerika. Sie entstand als Kommunikationssystem der Schwarzen und anderer zahlreicher Einwanderer (Südamerikaner, Jamaikaner etc.). Diese organisierten sich in Gangs und Gruppen[35] und wuchsen zu einer eigenen Straßenbewegung heran. Hip Hop war ein öffentliches Ereignis auf den Straßen[36], nicht aber in den Medien. Er galt den dort aufwachsenden Jugendlichen in ihren „Ghettos“ als Alternative zu Bandenkriegen. Von 1973 bis cirka 1979 fand Hip Hop somit nur im underground [37] statt. Wegbereiter waren die verschiedensten Akteure der ersten Stunde, Kool DJ Herc, Grandmaster Flash, Afrika Bambaata sowie Kurtis Blow und Run-DMC[38]. Gemeinsam traf man sich, machte Musik, sang und tanzte. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen machten auf die Missstände und ihre Lebenssituation aufmerksam, machten sie zum Thema. Ab 1979 fanden sie auch in einer breiteren Öffentlichkeit Gehör, was zur Folge hatte, dass die Hip Hop Kultur sich schnell zu einer populären Jugendszene entwickelte und das Ende der von den Rappern selbst bezeichneten Oldschool [39] einleitete. Nun interessierten sich auch Weiße für die Musik und ihre Kultur – aber wohl eher aus reinem Freizeitvergnügen, da sie aus gutsituierten Lebensverhältnissen stammten. Jetzt fand Hip Hop in großen Clubs und Diskotheken statt.

4.3 New School/ Mid School

Der Beginn dieser Zeit war zwischen[40] 1983 und 1987. Da Hip Hop erst mal seine Möglichkeiten, auch auf technischem Gebiet, durch die Kommerzialisierung ausgeschöpft hatte, trat nach einer richtungslosen Phase eine neue Generation auf: Die Szene spaltete sich in Ost- und West-Küsten-Gangs. Im Westen entstand der Gangsta-Rap [41] , der nur bedingt auf die genannten sozialen Verhältnisse aufmerksam machte. Drogen und Kriminalität wurden verherrlicht, was vor allem beim weißen Publikum gut ankam. An der Ostküste wurde man politischer, prangerte die soziale Situation der schwarzen Bevölkerung an, stellte Forderungen. Aufgrund des starken Medieninteresses und zahlreichen Zensuraffären erfuhr dieser Hip Hop bald auch ein internationales Interesse. Da sich Rapper zunehmend in der Öffentlichkeit präsentieren mussten, entstanden Umgangsformen wie das posing und dissing, die dazu dienten, sich zu präsentieren und Konkurrenten in den Schatten zu stellen.[42]

5. Hip Hop in Deutschland

In den 80er Jahren fand Hip Hop seinen Weg auch nach Deutschland.[43] Zahlreiche Filme, wie „Wildstyle“ (1982) und „Beatstreet“ (1984) brachten den deutschen Kids die Breakdancewelle nahe und in deutsche Kinos.

„Dieser Trend war zwar relativ schnell wieder passe, hinterließ jedoch eine feste Szene, in der sich vor allem Migranten ’zu Hause’ fühlten.“ [44]

Als Grundsteinleger des deutschsprachigen Hip Hop gilt Torch bzw. die Gruppe „Advanced Chemistry“. Er ist nicht derjenige, der den deutschen Hip Hop populär machte, doch er war es, der ihn als erstes auf Deutsch zeigte und produzierte[45]. Die Stuttgarter Gruppe „Die Fantatischen Vier“ übernahm diese Aufgabe. Sie machten deutsche Texte populär, wenn sie auch szeneintern umstritten sind. Ihnen folgten zahlreiche andere. Von Beginn der 90er Jahre an schafften es immer mehr Hip Hop Acts ins Musikfernsehen, wodurch die Szene immer größeren Zuspruch von Jugendlichen erhielt, in der DDR geschah dies vor allem über persönliche Kontakte[46]. Es entstanden in unterschiedlichsten Städten eigene Szenen, unter anderem in Berlin, Magdeburg, Hamburg, Frankfurt und Dresden. Die Szene spaltete sich ebenfalls in Oldschool und Newschool. Die Anhänger der Oldschool wollten im Untergrund aktiv und unter sich bleiben, die alten Filme schauen, sich ausleben, ihr persönliches Lebensumfeld gestalten und verändern – ohne damit Geld zu machen. Die Akteure der Newschool verkauften ihre Platten in den Charts, vermarkteten sich und ihr Potential in den Massenmedien. So entstanden auch regionale Unterschiede in der Auffassung von Texten und Inhalten, die vermittelt werden sollen. Ein großes gemeinsames Potential war allerdings der Kampf gegen den nach der Wende erstarkenden Rassismus, der nun thematisiert wurde.[47]

„Heute gibt es einen breiten kommerziellen sichtbaren deutschsprachigen Mainstream... Die deutschsprachige Rapmusik hat sich seit Mitte der 90er Jahre mit der Musikindustrie >arrangiert<...“ [48]

Seit wenigen Jahren breitet sich ein neuer Trend aus: Texte und Ausdrucksformen (z.B. Videos) bekannter Rapper (z.B. SIDO[49], Azad, Kool Savas) werden immer sexistischer und plakativer. Dies spaltet eine dritte Gruppierung von der Szene ab: vor allem Jugendliche zwischen 12 und 18, die sogenannte Nachwendegeneration[50], hören diese Musik.

„Die Größe der Szene ist schwer zu bestimmen. Schätzungsweise gibt es weit über drei Millionen an Hip-Hop interessierte Jugendliche in Deutschland. Die Zahl der in einer der vier Sparten [51] aktiven Jugendlichen dürfte mit mehreren hunderttausend wesentlich geringer sein. Die große Zahl der reinen „Fans" erklärt sich nicht zuletzt durch den Boom den Hip-Hop in Deutschland seit Mitte der 90er Jahre erlebt. Viele Szenemitglieder sehen in den kommerziellen Erfolgen von Hip-Hop-Crews einen „sell-out", also einen Ausverkauf, von Szenewerten an die Musikindustrie und befürchten den Verlust der „wahren Werte“ des Hip-Hop als ’Underground-Kultur’... oder sogar mit Angst gesehen, was sich in vielen Songtexten widerspiegelt. In der Hip-Hop-Szene finden Mitglieder aus allen Gesellschaftsschichten zusammen... Die Altersspanne der Szenegänger liegt zwischen 14 und 34 Jahren. Der Altersdurchschnitt liegt bei 20 Jahren. Die Hip-Hop Szene ist wie fast alle Szenen stark männlich dominiert...“ [52]

Nach heutiger Identität im Hip Hop gefragt, antwortete mir der User S21.chrizzo des Forums auf http://www.hiphop.de:[53]

„ Deutsche Hiphopper sind Gewaltbereiter, die Musik ist inhaltlich härter geworden. Fäkalsprache ist inzwischen auch in Deutschland Pflicht (mal ehrlich, wer kauft US-Rap-CDs ohne PA-Zeichen?), die Szene steht nicht mehr auf Respekt sondern auf Respektlosigkeit, gerade gegenüber anderen Künstlern... Von Bedeutung für die Szene ist nicht, wie lange es etwas schon gibt und wie lange es der Künstler schon macht, solange es keiner kennt juckt es doch keinen. Solange der Hiphop-Nachwuchs und der Hiphop in den Medien dem entspricht, was die Heads denken und wollen, ist es für alle in Ordnung. In diesem Fall allerdings kann ich nicht mehr auf 'ne Jam gehen, ohne von Kiddies angepöbelt zu werden, die auf ein Aggro-Image von sido, Bushido oder meinetwegen auch Azad abfahren.“ [54]

Dieses Zitat stellt keine unverbreitete Meinung dar und macht deutlich, wie enttäuscht manche Hip Hoper von ihrer Szene und ihrem öffentlichen Bild sind. S21.chrizzo könnte man als Anhänger der Oldschool erkennen.

6. Hip Hop - Ausdrucksformen / Techniken

Die Begriffe Rap und Hip Hop werden oft in einem Atemzug genannt, meinen jedoch nicht dasselbe. Vielmehr ist Rap eines von vier

Grundtechniken der Präsentation der Identität der Hip Hoper, die im Folgenden näher beschrieben werden. Durch diese können sich die Anhänger dieser Jugendkultur künstlerisch gegenüber anderen Menschen äußern und sich selbst und ihre Ideen verwirklichen.

6.1 MCing / Rap

Rap kenne ich unter dem Pseudonym „rhythmischer Sprechgesang“[55]. Sogenannte MCs[56] stehen vor einem Publikum und singen ihre Texte zu Musik, die von Schallplatte (heute auch oft von CD) läuft. Dabei unterscheidet man zwischen dem Gesang, bei dem die MCs gereimte Texte zum Besten geben, die sie zu Hause bzw. im Musikstudio geschrieben und eingeübt haben – und dem „Freestyle“, bei dem sie vor Live-Publikum versuchen, aus ihren Gedanken sinnvolle, ebenfalls gereimte Sätze zu bilden, um sich zu präsentieren und das Publikum zu begeistern. Die zweite Form ist selbstverständlich die schwierigere von beiden, ist aber am Besten geeignet, um sich miteinander zu messen bzw. zu batteln [57], allerdings nur mit Worten. Der Sinn des Textes sollte bei „Rap“ im Vordergrund stehen, die Rapper wollen eine Message [58] vermitteln. Doch das gelingt nicht immer, ebenso wichtig sind gute Reime und ein Gefühl für die Stimmung des Publikums. Ihren Ursprung hat diese künstlerische Form unter anderem in der Gospelmusik (Gesangspredigt). Vorläufer des Raps war das Toasting [59] auf Jamaika. DJ Kool Herc brachte es 1972 von dort nach New York. Um zu rappen bedarf es minimal einer Mix-Kassette, einem Abspielgerät, also wenig Ressourcen.[60]

6.2 DJing

Die DJs[61] sind die Ursprungshelden des Hip Hop und Rap. Sie liefern die Basis: den Sound, die Beats. Bei den ersten Parties in der Bronx schafften sie Schallplattenspieler und Schallplatten ran, um spontan mit ein paar Freunden (Straßen)Parties zu feiern. Meist waren die Plattenspieler[62] und Lautsprecher notdürftig zusammen gebastelt, der Strom kam aus angezapften öffentlichen Straßenlampen. Sie kreierten ihren eigenen Sound aus Jazz, Blues, Afra und Latin und spielten somit „schwarze Musik“, die die Radiostationen boykottierten. So entstanden immer genialere neue Mischungen, indem sie zwei bzw. mehrere Platten ineinander mischten, die MCs darauf sangen. Die Anfänge eines eigenen Stils von Hip Hop. Eine Kunst, die Grandmaster Flash entwickelte, ist das Scratchen [63] . Diese Technik verleitete manche zu der Behauptung, Hip Hop habe die DJs zu Musikern gemacht, die den Plattenspieler als Perkussions-Instrument benutzen. Hip Hop trägt dazu bei, dass immer noch Schallplatten produziert werden. Ohne sie, könnte kein DJ scratchen – ein wichtiger Teil der Hip Hop Musik. Da der DJ einer der wichtigsten Akteure des Hip Hop ist, steht er heute mitten auf der Bühne. Er ist erkennbar an seinen großen Kopfhörern und der Plattenkiste. Er bestimmt mit seiner Musikauswahl, welche Bewegungen die Leute machen. Das Publikum tanzt nach seiner Nadel – wenn er ihre Stimmung trifft, ist es eine hohe Kunst![64]

6.3 Breakdance

„’B-Boys’ (in der Szene auch ’Breaker’ genannt) verbinden verschiedene Tanzstile und Bewegungen zu einem eigenen Tanz. Im Breakdance vereinen sich Rhythmusgefühl und Artistik in einer Tanzform, die die Energie der Musik und das Lebensgefühl widerspiegeln (soll).“ [65]

Zuschauer bilden einen Kreis um eine Breakdance-Gruppe, deren Akteure, die B-Boys (heute öfters auch B-Girls) wirbeln um ihre Körper als seien sie eine Kugel. Sie springen kopfüber auf eine Hand, biegen den Rücken nach hinten und sehen aus wie eine schwebende Banane oder ein Hubschrauber auf dem Kopf. Breakdance ist für Nichtszeneleute schnell erkennbar. Breakdance ist ein Mix aus afroamerikanischen Tänzen, brasilianischem Capoeira und asiatischen Kampfsportarten.[66] Breakdance hat sich mit den anderen Hip Hop Sparten Ende der 60er- / 70er-Jahre in der Bronx entwickelt. Junge Leute tanzten auf ausgebreiteten Kartons zu Sounds aus dem Kassettenrecorder, sangen und rappten, bemalten triste Wände. Auch hier wurden sogenannte battles ausgetragen. Besonders durch die weiter oben erwähnten Filme wurde er auch in Deutschland populär. Viele B-Boys und –Girls beginnen sehr jung, kaum zehn Jahre alt. Auch in Dresden und dem Umland gibt es Breakdance-Gruppen, in Meißen zum Beispiel die Burning Spinnerz [67] .

6.4 Graffiti

Graffiti spalten die Szene. Sie sind gesprühte große Bilder an Häuserwänden, Mauern etc., deren Lebenszeit ungewiss ist. Haben die Sprayer [68] offizielle Flächen zur Verfügung, besteht jederzeit die Gefahr, dass ein anderer Sprayer kommt und sein Bild drüber sprüht. Leider sind diese Flächen sehr rar. Die meisten machen deshalb Fotos von ihren Bildern. Es gibt, auch in Deutschland zahlreiche Magazine, die nur Graffiti abbilden.

Die ersten Graffiti in der heutigen Form tauchten Ende der 60er-Jahre auf. Es fing an mit Tags [69] . Mitte der 70er-Jahre wurden die Stile immer ausgefeilter – bis heute. Inzwischen gibt es unterschiedlichste (Text)Marker und Sprays, die haften bleiben und auch dem Regen trotzen. Manche Leute fühlen sich gestört von „den Schmierereien an den Wänden“. Dies spaltet auch die Szene: die einen wollen künstlerisch tätig werden und dafür Anerkennung bekommen, treffen sich in Cliquen und machen Workshops, andere wollen einfach nur irgendwohin mit Farbe sprühen, ohne einen Inhalt damit vermitteln zu wollen[70]. Erst kürzlich verabschiedete die deutsche Bundesregierung eine neue Maßnahme, um Graffiti-Sprayer besser verfolgen zu können, sogar per Hubschrauber soll nun gegen sie vorgegangen werden. Ob dies den erwünschten Effekt bringt, weniger Graffiti (vor allem in Großstädten) an öffentlichen und privaten Gebäuden, ist fraglich, ein Dialog wäre für beide Seiten gewinnversprechender – schon deshalb, weil die „echten Sprüher“ dazu beitragen könnten, dass differenziert wird zwischen Kunst und Schmiererei.

7. Hip Hop Identität

7.1 Das bietet Hip Hop an Identifikationsmöglichkeiten

Was macht Hip Hop so interessant für Jugendliche? Es ist gar nicht so einfach die einzelnen Faktoren getrennt voneinander zu beschreiben. Ich habe mich bei der Gliederung an Stefanie Menraths Buch gehalten. Ganz spontan fielen mir folgende Stichworte ein: Individualität, Gemeinsamkeit, Selbstinszenierung, Wettbewerb, Respekt, Anerkennung, „Family-Feeling“, positive Kritik, Schubladendenken, Rituale, Symbole, einen leichten Zugang zu den Techniken, Toleranz. Im Folgenden soll auf alle diese erwähnten Faktoren eingegangen werden. 7.2 Konzept „style“ als inneres Werkzeug der Identitätsbildung

Menrath benennt style [71] als ein Konzept der Identitätsbildung für Hip Hoper, wobei sich ein guter style an Innovativität und Individualität erkennen lässt. Den Anhängern dieser Jugendkultur ist es wichtig, einen eigenen Stil zu haben und sich dennoch untereinander als Mitglied ihrer Szene zu erkennen bzw. erkannt zu werden. Dies hat vor allem für die innere Identität der Szene eine Bedeutung, nicht nur in ihrer Wirkung nach außen. Gemeint ist, die praktische Schöpfung eines eigenen, vor allem ästhetischen Stils. Menrath beschreibt die Identitätsbildung der Hip Hop Szene intern als dennoch zugehörig zu den Expressive Identities nach Hetherington[72], also einer Identitätsbildung, die sich inszeniert, in der sich die Akteure selbst jeden Tag aufs neue inszenieren können. Identität wird zum politischen Akt, zu einer Äußerung nach außen, die stark verbunden ist mit Konsum und heute maßgeblich durch den Erwerb bestimmter Konsumgüter gesteuert wird, beispielsweise bestimmter CDs, Schallplatten, Baggy-Pants, Pullover, Basecaps etc.[73]

Hip Hoper selbst sind sich dieser Tatsache bewusst, einige akzeptieren sie bzw. sehen sie als Mittel zum Zweck, dazu zu gehören. Andere, vor allem die Anhänger der Oldschool sehen die heute übliche Kommerzialisierung des Hip Hop übers Fernsehen, große Festivals und andere Medien kritisch und benennen dies als „Ausverkauf“ ihrer Szene. Ich denke, man geht nicht zu weit, zu behaupten, sie sehen es sogar als Ausverkauf ihrer Identität. Einen Vorteil bietet diese Kommerzialisierung dennoch: einen relativ leichten Zugang zu dieser Identität, dem style. Wer breakdancen, sprühen, rappen oder auflegen will, braucht zunächst nicht viele (finanzielle) Mittel, um damit zu beginnen. Der Zugang ist somit niedrigschwellig und deshalb für viele Jugendliche so attraktiv.

Es bleibt genügend Raum für Eigeninitiative: einfach nur das Nachahmen eines Stils bringt noch keine Anerkennung. Hip Hoper ahmen nach und bringen dennoch ihre individuellen Ideen ein. Wer über das so genannte Handlungswissen (skills [74] ) verfügt, wie die einzelnen Techniken mit dem Körper auszuführen sind (also Breaken, DJing etc.), wird zu einem handelnden und somit sozialem Wesen[75].

7.3 Das Konzept „realness“ - Reflexivität

7.3.1 Selbstreflexion

Die Hip Hop Kultur und ihre Identität sind nach innen und außen offen bzw. durchlässig und grenzen sich dennoch durch ihre Konstruiertheit nach außen ab. Weder das eine noch das andere sind festgelegt, sondern sie stehen in Wechselwirkung zueinander. Die kulturelle Identitätsbildung befindet sich somit in einem ständigen reflexiven Prozess von Selbstthematisierung und -distanzierung. Dies nutzen ihre Anhänger um ihre Kultur mit wechselnden Inhalten zu füllen. Und dies bietet zunächst jedem, der kreativ sein möchte, eine Plattform und somit einen leichten Zugang an.

Das Zusammengehörigkeitsgefühl und die Gruppenidentität der Hip Hoper in Deutschland stützen sich nicht auf das Identitätskonzept black, wie das der Ursprungskultur der Schwarzen in der Bronx in den USA. Dennoch: das Thema Unterdrückung, wie es damals die Identität der Schwarzen prägte und wogegen sie mit ihrer Kultur, ihrem Hip Hop friedlich „kämpften“, wird auf der ganzen Welt verstanden und bedingt die Universalität des Hip Hop. Die Gemeinsamkeiten basieren auf ähnlichen Erfahrungshintergründen. Die beiden Kulturen, black und Hip Hop dienen Menschen dazu, sich aus einer fremdbestimmten Identität von außen zu befreien und in Selbstbestimmung umzuformulieren.

Meine Hypothese, ausgehend von Menraths Ausführungen, ist, dass diese Identität eine besondere Faszination/Anziehung für/auf Jugendliche auch in Deutschland ausübt, die sich ausgegrenzt fühlen. In meinem Praktikum in ambulanten flexiblen erzieherischen Hilfen in Dresden Neustadt während der Praxissemester ist mir beispielsweise aufgefallen, dass die Kinder und Jugendlichen, die dort betreut werden, vor allem den neuesten Stil des Hip Hop gut finden, der Unterdrückung in „derben“ Worten ausdrückt und sie andererseits als Ausweg aus der eigenen Unterdrückung widerrum anbietet. Sie fühlen sich selbst unterdrückt (z.B. in Cliquen, in der Schule, in der Familie) und sehen die Texte als Bestätigung an, etwas dagegen zu tun bzw. finden sich in diesem wieder und verstanden.

Trotz dieser internen Vielfalt an Stilen und ständiger Weiterentwicklung in verschiedene Richtungen, ist eines von sehr hoher Bedeutung für die Identität des Hip Hop: Realness [76]. Gewisse festgelegte Einstellungen und Wertevorstellungen sind vorhanden, um sich nach außen abzugrenzen, werden jedoch ständig reflektiert. Die eigene Identität wird durch Handeln, nicht durch theoretische Reflexion gebildet und aufrecht erhalten.

„Die Selbstreflexion, der Kampf um die Grenzen der Gruppengemeinschaft, wird sowohl nach außen ausgetragen, in der Abgrenzung zu anderen Jugendkulturen oder gar der Gesellschaft als Ganzem (vgl. Kap. 7), als auch nach innen, in den Ein- und Ausschließungsverfahren den einzelnen Mitgliedern gegenüber…“ [77]

Hip Hoper verstehen ihre Szene laut Menrath nicht als reine „Freizeitszene“, sondern erweitert im Sinne von Vollbrechts[78] Lebensstilmodell. Dieses betont die expressiven und interaktiven Verhaltensweisen der Anhänger und eine mehr oder weniger freie Wahl für einen Lebensstil unter vielen nebeneinander existierenden. Hip Hoper gehen noch einen Schritt weiter: Der Zusammenhalt ist ein kultureller und sozialer. Das Bewusstsein dieser kulturellen Identität wird auf so genannten jams [79] geschaffen. Betrachtet man diese Identität unter dem Gesichtspunkt der Community Studies so bildet Hip Hop eine Community [80] , eine Subkultur, die sich über gemeinsame Aktivitäten, Merkmale sowie räumliche Abgrenzungen als „soziale Welt“ bezeichnen lässt.[81]

7.3.2 Interne Differenziertheit

Die Hip Hop Kultur ist eine intern differenzierte - das macht ihren Selbstentwurf aus. Intrakulturelle Differenzen werden zugelassen, um die kulturelle Identität zu erhalten und ein eigenes Bild von Individualität zu entwerfen. Die gesamtgesellschaftlichen Individualisierungs- und Pluralisierungsprozesse[82] gehen auch an Subkulturen nicht vorbei, somit auch nicht an ihr.[83] In der Hip Hop Kultur sind diese Prozesse jedoch am ausgeprägtesten unter den Jugendkulturen. Diese Kultur lebt von diesen Prozessen. Die Uneinheitlichkeit des bzw. der Stile im Hip Hop, die sich aus unterschiedlichsten Elementen zusammensetzt, macht ihre Vielfalt aus. Bei jams werden Unterschiede vereint, damit jedoch auch eine gewisse Abhängigkeit vom Beieinandersein geschaffen.

„Im Hip Hop ist die Trennung zwischen dem Sozialen und der Musik aufgehoben. Diesen in einer gemeinsamen Praxis der Uneinheitlichkeit entstandenen Stil der HipHopper möchte ich als Stil der Performativität bezeichnen… das >ständig in Bewegung sein<…“ [84]

Hip Hop bietet den sozialen Zusammenhalt einer Familie, was sich auf die Stärke des Zusammenhaltes einer Gruppe bezieht. Hip Hop kann aber auch hierarchisch sein. Der sogenannte fame [85] geht über den Respekt hinaus und ist ein Anzeichen für die individualistischen Tendenzen der Kultur. Laut Kid Konya, einem in Menraths Buch zitierten Hip Hoper ist er folgendes:

„… fame ist Anerkennung zu kriegen von anderen. Respekt ist was, was du anderen gibst. Fame ist, was man kriegt.“[86]

Hip Hop ist also einerseits sehr individualistisch, andererseits bedeutet er Gemeinschaft. Der Zusammenhalt wird geschaffen durch das Zusammenführen der verschiedenen styles bzw. Differenzen zu einer Bewegung, beispielsweise auf den jams. Dies ergibt einen Stil der Performativität, wie Butler ihn benennt[87].

7.3.3 Realness und Authentizität

Seit Mitte der 90er Jahre ist der Slogan Keepin it real [88] zum Schlagwort im Hip Hop geworden. Zunehmend wird innerhalb der Szene darüber diskutiert, wer echt ist und wer nicht. Wer ist real, wer nicht? Und wer entscheidet darüber? Entstanden ist die Diskussion mit dem Auftreten des Genres Gangsta-Rapper. Nach wie vor singen viele (populäre) Rapper, ausgehend vom Ursprung der Bewegung, über die Lebensumstände in den Ghettos und kritisieren diese. Sie predigen in ihren Texten, sich dagegen, hauptsächlich friedlich, aufzulehnen. Damit ist Hip Hop politisch und benennt das reale Leben wie es ist. Auch im deutschen Rap, so singt beispielsweise Rapper Sido aus Berlin in seinem Song „Mein Block“ von den Zuständen in einem Berliner Ghetto, in dem er aufgewachsen ist. Die Texte sind umstritten, kommen aber bei Kids ab 10 Jahren extrem gut an, weil sich viele damit identifizieren können[89]. Mit solchen Texten erreicht man einen hohen Bekanntheitsgrad, taucht in den Charts und den Massenmedien auf[90]. Die einen finden die Texte obszön, die anderen finden sie gerade deshalb gut, weil sie ohne Umschweife die raue Realität tausender Kids in Deutschland in sogenannten Ghettos [91] beschreiben. Keepin it real dient als Zielrichtung der Hip Hop Kultur: egal was Du tust, bleib real und authentisch. Hier setzt ein internes Problem der Kultur ein: Werden Hip Hop Künstler durch Kommerzialisierung ihrer Kunst, ihrer Identität unecht? Da sind sich zumindest die Anhänger der Ursprungskultur, der Oldschool, einig: „Wer sich zu sehr den kommerziellen Aspekten des HipHop verschreibt, entfernt sich von der Szene oder dem Underground.“ [92] Die Szene befindet sich in ständigem inneren Diskurs über Echtsein und Unechtsein, über Underground oder Kommerz. Die Grenzen sind dabei jedoch fließend und werden von jedem Szenemitglied anders gesetzt.

7.3.4 Fake

Wie im Kapitel 7.2 benannt, ist Hip Hop eine Collagetechnik, basiert auf Nachahmung, verbunden mit Neukreationen in all ihren Techniken. Dies ermöglicht Kreativität, Anerkennung, Rituale und Gemeinschaftsgefühl – aber auch Individualität. Doch nicht jeder Hip Hoper will sich nur an der (rauen) Realität orientieren und darüber rappen, sprühen etc. Trotz realer Texte, Bilder etc. wollen viele Hip Hoper auch aus ihrer Realität ausbrechen. Eigentlich ein Widerspruch. Die Kunst besteht darin, das normale Alltagsleben und die Image-Welt des Hip Hop zu vereinen – in sich selbst und in der Kultur. Realness bedeutet, die verschiedenen Welten miteinander in Einklang zu bringen:

„Real ist, wer über die eigene Identität reflektiert und keine Stereotypen übernimmt.“ [93]

Hip Hoper eignen sich ihre Identität durch Reflexion an, nicht durch pures kopieren. Sie sind sich bewusst darüber, dass es verschiedene Lebenswelten gibt. Viele Hip Hoper kritisieren deswegen den kommerzialisierten Gansta-Rap, wie ihn Sido praktiziert. Die Identität muss eine glaubhafte sein, an äußeren (Lebens)umständen orientiert. Sidos Texte stehen, was das angeht, zum Beispiel im Gegensatz zu seiner Lebenswelt. Er wohnt in einem eigenen Haus, singt aber in seinen Texten in „Mein Block“ von einer ganz anderen Lebenssituation. Bei den Oldschool Hip Hopern bekommt er damit keine Anerkennung. Was glaubhaft ist und was nicht, hängt somit vom Publikum, von den Konsumenten ab. Bei den jüngeren Anhängern (der Newschool) kommt er an, weil er seine produzierte Identität auf der Bühnen glaubhaft präsentiert, sie ihm seine Identität „abkaufen“. Die besondere Leistung der Hip Hop Kultur besteht also im ständigen Abgleich und dem Nebeneinander-Stehen-lassen der verschiedenen Auffassungen von realness.

7.3.5 Underground – Kommerz

Die Identität der Hip Hop Kultur untersteht den Schwankungen zwischen der Suche nach Anerkennung von außen und ihrem Ausverkauf. Wie jede Jugendkultur hat sie ältere und jüngere Mitglieder. Dabei erheben vor allem die älteren, die sich als Gründungsmitglieder fühlen, einen hohen Anspruch auf Authentizität. Sie wollen ihren Identifikationsrahmen erhalten, ihn nach außen verteidigen. Sie bilden den Kern der Szene. Damit wollen sie sich gegenüber dem massenkulturellen Phänomen Hip Hop absetzen. Mit sogenanntem Mainstream[94] Hip Hop wollen sie nichts zu tun haben. Beides, Underground und Mainstream sind jedoch nicht klar trenn- und somit erkennbar – vor allem nicht für jüngere Anhänger der Szene. Die zunehmende Vermarktung von Jugendstilen und -kulturen bringt einerseits einen breiten Zulauf an Mitgliedern, verlangt aber andererseits eine hohe innerkulturelle Toleranz der Szene, um neue Stile zuzulassen und zu integrieren. 7.3.6 Performativität der kulturellen Identität Hip Hop

Der Identitätsentwurf der Hip Hoper ist konstitutiv auf das „Außen“ bzw. „Andere“ bezogen. Das heißt, dass sie sich als Subkultur nicht nur abgrenzt, sondern mit der Außenwelt verzahnt ist.

„Das reflexive Ideal wirkt als >Bewusstseins<-Erweiterung und bereitet auf den Umgang mit der Außenwelt vor. Man geht >mit sich< anders um, wenn man im Reflektieren geübt ist:...“ [95]

Diese Identität existiert in ihrer Bezogenheit auf andere Identitäten und ist somit nicht die einzig mögliche:

„Hip Hop ist ein Lebensgefühl und nicht einfach so mit Worten zu vermitteln – vielmehr ist es mit Taten zu verwirklichen. Aber wenn dieses Lebensgefühl zu einer konkreten Vorstellung einer separaten Kultur/festen Identität Hip Hop verkommt, wird es klischeehaft: ein abgedroschenes, verkäufliches Image auf dem Markt der Identitäten.“ [96]

7.4 Kollektive Identität und Präsentation nach außen

Sich nach außen zu präsentieren, bedeutet im Hip Hop auch, sich zu positionieren. Wie dies verstanden werden kann, wird im Folgenden erklärt.

7.4.1 Repräsentation als Identifikation

Wie bereits erwähnt, wird Identität im Hip Hop durch den Akt der Repräsentation erlangt. Die Aneignung von Kulturgütern wird als identitätspolitische Handlung verstanden. Den ersten Hip Hopern diente sie als einzige Jugendkultur, in der die Möglichkeit bestand, eine eigene Identität zu bilden und nicht einfach nur eine zu übernehmen. Sie wollten nicht aus bestehenden Identitäten wählen, sondern alternative Identifikationsmöglichkeiten etablieren. Es ging nicht darum, sich den bestehenden Identitäten entgegen zu stellen, sondern sich mit etwas anderem zu identifizieren, das man selbst kreiert.

7.4.2 Repräsentationsstrategien

Hip Hoper brechen die Logik der Identitäten (von Repräsentationen) auf, indem sie Identitätsaneignung als Handlung ansehen, nicht nur als Übernahme bestehender Repräsentationen. Neues, Unbekanntes wird möglich, indem sie sich mit ihrem Handeln in die Welt integrieren und sich dennoch abgrenzen.

7.4.3 Hybridisierungen

Mehrfachidentitäten werden von außen oft als „Half-Identität“[97] problematisiert. Worin die Hip Hoper selbst eine Chance und Bereicherung sehen, das wird von außen als Defizit erklärt. Die Gesellschaft kann mit uneindeutigen Identitäten nicht umgehen[98], weswegen Hip Hop sich immer erklären muss. Hierin besteht widerum die große Chance, sich auszutauschen, zu erklären, selbst zu reflektieren.

„Durch die Identifikation mit Hip Hop ist eine positive Identität möglich. Diese wird hier als >Identifikation im Widerspruch< verstanden, was aus der eigenen Lebenserfahrung heraus eine selbstverständliche Position ist.“ [99]

Der Vorteil dieser Identität besteht darin, dass sie Widersprüche von Anfang an nicht ausgeschlossen hat, sie geradezu erwartete und erwartet. Unabgeschlossenheit und die Notwendigkeit zur fortlaufenden Differenzierung und Identifizierung sind ebenso mitgedacht.

8. Identifikation mit Hip Hop

Was ist die Essenz dieser Theorie? Wieso ist das performative Identitätskonzept der Hip Hop Kultur so attraktiv für Jugendliche und junge Leute?

8.1 Dazugehören

Eine Frage, die immer wieder in der Szene für Diskussionen sorgt, ist die der Mitgliedschaft in der Hip Hop Szene. Wer gehört dazu? Nur diejenigen, die in einer der Disziplinen DJing, Breakdancen, Sprühen und Rappen aktiv sind? Was ist mit denen, die gerne die Musik hören, Breakern zuschauen, sich für Graffitis begeistern, sich in der Szene wohlfühlen, auf Jams gehen? Gehören sie nicht auch dazu? Darüber gibt es unterschiedliche Meinungen.

Die Frage danach ist wichtig, weil es im Hip Hop um Repräsentation geht. Jede gesellschaftliche Gruppe oder Institution legt Wert darauf, Kontrolle über ihr Erscheinungsbild nach außen zu haben (überzeugende Studien hat diesbezüglich E. Goffman geliefert). Wer öffentlich als Hip Hoper wirksam wird, ist Hip Hop, weil er handelt. Das bedeutet nicht, dass alle anderen Szenemitglieder dies respektieren müssen. Da so unterschiedliche Meinungen existieren, ist es einfach, sich als Hip Hoper zu bezeichnen, durch Anerkennung und Respekt durch andere bekommt man jedoch erst das nötige Zugehörigkeitsgefühl.

Brasic aus dem Hip Hop.de Forum meint dazu: „... ab jetzt zählen folgende Leute auch dazu HipHop zu sein:

Webmaster von HipHop Seiten / Community's

Moderatoren von HipHop Sendungen (z.B. Jam FM, WordCup)

Konsumenten, solange sie genug wissen haben (z.B. Dennis_Isiklar )

Veranstalter von Jam's...“ [100]

8.2 (Nicht)auffallen

Die öffentliche Meinung über Hip Hop geht auseinander. Hip Hop sei: * Musik für Kids aus der Vorpubertät

* Eine Szene von arbeitslosen Ausländern, die sich gerne wie in der Bronx fühlen

* Gewalt, Bande gegen Bande, Gangsta Rap

* Kriminelle Vandalen, die die Stadt verschmieren

* Nur eine Modeerscheinung

Außenstehende denken bei Hip Hop an die 14-jährigen „Mode-Hip-Höppler“, die Hip Hop nur aus dem Musikfernsehen kennen. Diese Kids prägen das Klischee von der Hip Hop Kleidung: aufgeblasene Jacken, weite Hosen etc., dem Gangsta- oder Ghettolook. Kleidung erzählt etwas über unsere Persönlichkeit. Zu einer Szene gehört nicht zwingend eine „Uniform“. Aktive Hip Hoper laufen nicht mit einer typischen Mode herum. Es sind in erster Linie die Konsumenten, die mit teuerer Marken-Kleidung anderen zeigen wollen, mit wem sie sich identifizieren, wie sie angesehen werden, sich selbst sehen.[101] Kleidung kann somit auch eine Barriere für diejenigen sein, die sich diese nicht leisten können. Wenn sie jedoch zu sich selbst stehen und auch ohne teure Kleidung auf sich aufmerksam machen (durch das benannte „Handlungswissen“), werden sie Anerkennung ernten. Keine leicht Aufgabe!

8.3 Etwas schaffen

„Wenn Du es wirklich willst, schaffst Du es“, ist eine im Hip Hop verbreitete Überzeugung und in verschiedener Form immer wieder auf Jams zu hören. Das liegt größtenteils daran, dass es in erster Linie kreative Leute sind, die in die Szene einsteigen – Leute, die ihrer Kreativität freien Lauf lassen möchten und hier ihren Raum suchen und finden. Die ehrgeizige Stimmung im Hip Hop gibt einen zusätzlichen Kick und bringt Anerkennung. So etwas wie „passive Mitgliedschaft“ gibt es nicht. Nur herum zu jammern und Forderungen zu stellen, ist verpönt. Um anerkannt und akzeptiert zu werden, muss man aktiv sein, Leistungsbereitschaft zeigen. Wichtig ist, dass man sich als Teil der Hip Hop Kultur sieht, ihre Regeln und Werte akzeptiert und an deren Weiterentwicklung arbeitet. Jugendliche lernen, dass sie mit ihrem Handeln etwas bewirken können.

8.4 Gut-Sein

Die Hip Hop Kultur lässt zu, dass man positiv von sich selbst sprechen kann/darf. Es wird sogar von einem erwartet. Man muss zu sich stehen. Die Werke, die man allein oder gemeinsam schafft, also Raps, Graffiti, Tänze oder Mixe auf Parties, sind öffentlich und damit ständig der Beurteilung anderer – ob Lob oder Tadel – ausgesetzt. Ein Rapper muss vor hunderten von Leuten auftreten können und die Gunst des Publikums gewinnen. Nicht einfach für einen Jugendlichen. Er riskiert dabei, „gedissed“ zu werden. Hip Hop ist ein ständiges Messen, jeder will Fame und Respect ernten. Diese Art von Wettbewerb soll anspornen, gut zu sein. Dabei ist es wichtig, den Ursprung der Kultur zu kennen und daran zu erinnern.

Das ständige Messen ist kein unproblematisches Element. Es fördert auch das Konkurrenzdenken, setzt unter Leistungsdruck und kann sogar Quelle für Streit und Gewalt sein. Bei jedem Wettbewerb gibt es Verlierer und nicht jeder hat für sich herausgefunden, „dass es eigentlich keinen Besten gibt, sondern nur sehr viele Gute und sehr viele verschiedene Stile.“ [102] Dazu braucht es Zeit, ein wenig Mut und gute „Lehrmeister“ bzw. Vorbilder. Es kommt also ganz darauf an, wen ein neues Mitglied der Szene am Anfang trifft bzw. wie die Szene in seinem Lebensumfeld sich definiert und ob sie offen für Neue(s) ist. Manche werde ich-bezogen und verlieren die Hip Hop Kultur als Ganzes aus dem Blick. Besonders Leute, die länger dabei sind, bemängeln das.

8.5 Zusammenschließen

Im Hip Hop steht man zusammen, stärkt sich gegenseitig. Dies geschieht durch gewisse Regeln und Normen, in denen sich die Mitglieder zu Hause fühlen können – wie in einer Familie eben. Ein Jam wird als gut empfunden, wenn man sich wie in einer Familie vorkommen konnte. Die Einheit mit Gleichgesinnten ist für viele ein berauschendes Gefühl. Als Ersatz-Familie kann man Hip Hop dennoch nicht bezeichnen. Es ist ganz normal, dass Menschen sich in Gruppen zusammenschließen wollen, um sich wohl zu fühlen, zu verwirklichen, denn sie sind soziale Wesen. Vor allem Jugendlichen bietet dieses Gefühl unter Gleichaltrigen einen großen Halt. Der Einfluss der peer-group auf die Entwicklung in der Pubertät ist unumstritten sehr hoch und im Hip Hop als sehr wertvoll einzuschätzen.

Der „Family-Gedanke“ steht allerdings im Gegensatz zum Wettbewerb. In der Hip Hop Kultur bewegt man sich zwischen Werten, die sich widersprechen können: Solidarität und Individualität. Der Kommerz verstärkt die Individualisierung bei manchen Leuten. Seitdem man mit Hip Hop Geld verdienen kann, gehen manche Leute bevorzugt ihre eigenen Wege, der Zusammenhalt wird schwächer. Dies ist jedoch von Stadt zu Stadt unterschiedlich.

8.6 Individuell

Im Hip Hop wird Solidarität genauso groß geschrieben wie Individualität. Es gibt niemanden, der einem etwas zu befehlen hat. Das bedeutet auch, dass jeder schauen muss, dass er selbst zurecht kommt, Eigeninitiative wird verlangt. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied. Für Einsteiger gibt es nur vereinzelt Einführungskurse. Darum müssen sie sich selber kümmern. Und jeder muss seinen eigenen Stil finden. Wer nur kopiert, wird nicht akzeptiert. Es wird deutlich: Das Zusammenleben von so vielen selbstbewussten Individualisten kann auch zu Problemen führen. Die einen meinen, Hip Hop brauche Schubladen, andere identifizieren sich mit ihm, weil er keine Schubladen vorgibt, sondern neue eröffnet[103].

8.7 Herkunft

Im Hip Hop werden Individuen nicht durch ihre Herkunft oder Schichtzugehörigkeit definiert. Hip Hop ist eine globale, transnationale Bewegung, in der nur die Identifikation mit der Hip Hop Kultur und ihren Werten ausschlaggebend für die Mitgliedschaft ist. Hip Hop Crews bestehen nicht selten aus genauso vielen Nationalitäten wie Mitgliedern. Hip Hopper sind sprachgewandt, viele wechseln mühelos von Mundart auf Französisch, Englisch und Italienisch. Nationalität ersetzen wir hier besser mit Selbst-Identifizierung. Hip Hop ist gleichzeitig global orientiert und lokal verankert. Hip Hoper vertreten auf auswärtigen Jams ihre Stadt. Raps erzählen von ihrem Alltag.

8.8 Therapie?

Das Leben in der Hip Hop Community verleiht ihren Mitgliedern einen hohen Wissens- und Erfahrungsschatz, der bedeutend größer ist als der von vielen anderen jungen Leuten – und außerdem noch reflektiert. Hip Hop ist für sie eine Lebenseinstellung, ihr „way of life“, ihre Art, sich auszudrücken, sich anderen mitzuteilen, Anerkennung zu ernten.

Man kann Hip Hop als eine Art Therapie zur Selbstentwicklung ansehen. Ob nun auf charakterlicher oder künstlerischer Ebene. Jeder arbeitet intensiv an sich, es braucht nicht nur Talent, sondern auch Fleiß – ein langer Weg. Im Hip Hop reflektiert man, was man macht. Man wird kritischer, schaut, was für einen gut ist. Das lernt man durch die Auseinandersetzung mit sich und den Lebenswelten anderer. Hip Hop ist wahrscheinlich die am buntesten vermischte Jugendkultur-Bewegung, die es gibt.[104]

In Raps hört man Geschichten vom Leben anderer Rapper auf der ganzen Welt, lernt ihre Städte, ihre Gedanken kennen, da viele von sich und ihrem Quartier und ihrer Stadt rappen. Hip Hop ist kreatives Schaffen, Unterhaltung und Bildung („Edutainment“) gleichzeitig. Viele Hip-Hop-Künstler wollen mit ihrer Arbeit unterhalten und zum Denken anregen (moralisieren ist verpönt!). Hip Hop kann sozialkritisch und politisch sein[105]. Das wird deutlich in Graffitis mit Messages[106] wie „Stop The Violence“, während Aktionen gegen Drogen und natürlich in Raptexten.

9. Hip Hop und Soziale Arbeit

Durch die Medien ist Hip Hop in Deutschland zu einem Massenphänomen geworden. Herkunftsmilieu und Bildungsniveau der Anhänger des HipHop sind ausgesprochen heterogen, sie stammen aus allen Schichten der Bevölkerung und haben verschiedene Bildungsabschlüsse[107]. Durch die mediale Vermittlung erlangte Hip Hop einen solchen Popularitätsgrad, dass man nicht mehr von einer ghettospezifischen Jugendkultur und den Anhängern bestimmte Stadtviertel und somit auch bestimmte Klassen und Ethnien zuordnen kann. Dies bedeutet, dass in der Hip Hop Kultur verschiedene soziale Klassen aufeinander treffen und sich miteinander arrangieren müssen.[108]

Immer mehr Jugendliche interessieren sich für diese Kultur. Es ist wichtig, ihnen Räume und Materialien bereit zu stellen, mit Hilfe derer sie ihren Neigungen legal nachkommen können, weil sie selbst oft nicht über die nötigen finanziellen Mittel verfügen. Viele Jugendhäuser und Anlaufstellen bieten inzwischen diverse Angebote rund um den Bereich Hip Hop an, beispielsweise das Jugendhaus EMMERS in Dresden-Pieschen oder das Jugendkulturzentrum Hafenstraße e.V. in Meißen. So haben auch sozial schwächere Jugendliche die Möglichkeit sich auszuprobieren. Wichtigester Aspekt ist jedoch zunächst überhaupt einen Anlaufpunkt für die Kids zu stellen, Raum zur Selbstentfaltung geben – auf freiwilliger Basis.

Hip Hop kann einen wichtigen Beitrag zur Gewaltprävention leisten. Ausgehend von der Tatsache, dass Jugendliche, insbesondere Jungen und junge Männer nach starken Reizen („Kicks“) und körperlicher Betätigung verlangen, sind die Formen des Hip Hop (Breakdancing, Graffiti, Rap) attraktive Angebote. Durch das Austesten der körperlichen Grenzen wird das Selbstwertgefühl gefördert und gestärkt. Besonders beim Breakdancing wird ein realistisches Körpergefühl vermittelt. Aber auch Rap-Gesang bietet die Möglichkeit, durch das Schreiben eigener Texte, Konflikte zu verarbeiten und zu reflektieren.

Auch das friedliche Kräftemessen zwischen Hip Hopern auf so genannten battles, sei es auf der Bühne zwischen zwei DJs oder MCs, an Wänden oder beim Breaken trägt dazu bei. Im Rahmen eines Hip Hop Jam können die Jugendlichen gemeinsam lernen, etwas vorzubereiten, zu organisieren und durchzuführen. Dabei erlernen sie Verantwortungsbewusstsein und das Kooperieren mit anderen. Zu beachten ist, dass sich die Angebote nach den Bedürfnissen der Jugendlichen richten. Die Jugendlichen lernen über Antragsangebote Bedürfnisse in Worte zu fassen, sich Mehrheiten zu suchen, um so ihre Wünsche durchzusetzen. Die dadurch erworbenen lebenspraktischen Fähigkeiten sollen Starthilfe und Rückhalt für die Zukunftsorientierung sein, um auf sich selbst zu vertrauen. Es geht also um das Angebot einer attraktiven Freizeitbetätigung und um die Erweiterung persönlich-sozialer Denk- und Handlungsspielräume. Des Weiteren ist es der präventiv angelegte Versuch, mit musikbezogener Beziehungsarbeit problematische Karrieren aufzufangen und sie mit neuem Verhaltensrepertoire und mit neuen Orientierungen auszustatten. So müssen Handlungskonzepte entworfen werden, die die Jugendlichen in ihrem Individualisierungsprozess unterstützend begleiten, statt nur Orientierungen zu vermitteln[109].

10. Fazit

Junge Leute stellen die Gesellschaft in Frage, wollen neues initiieren. Das Problem: Erwachsene und Jugendliche gehen oft nur von sich aus, betrachten ihre Ansichten als Maß aller Dinge. Erwachsene bestimmen, was richtig, was falsch, was gute Musik und gute Freizeitbeschäftigungen sind. Sie verurteilen Hip Hop und kriminalisieren Sprüher, ohne sich mit der Materie beschäftigt zu haben. Jugendliche distanzieren sich von der Erwachsenenwelt, gehen nicht auf Kompromissangebote ein: Erwachsenen, das haben sie oft erlebt, kann man nicht trauen. Jugendliche wollen akzeptiert werden, wenn sie sich mit Sachen beschäftigen, die für Erwachsene fremd sind.

Viele Jugendliche haben durch HipHop einen Freundeskreis gefunden, in dem sie erstmalig Respekt und Anerkennung vermittelt bekommen, die die Gesellschaft ansonsten vorenthält. Respekt und Anerkennung sind zwei wichtige Säulen für das Bestehen der Hip Hop Kultur. Viele lernen hier zum ersten Mal, was es heißt, anderen gegenüber Respekt zu erweisen und selbst auch Anerkennung zu bekommen.

,,Da der alltägliche Lebensraum von Jugendlichen meist eingeschränkt ist, suchen Jugendliche nach besonderen, Sinn stiftenden, riskanten Erfahrungen: nach dem Kick, der sie das Leben spüren lässt, nach Möglichkeiten, die eigenen Grenzen -und die der anderen- kennen zu lernen und den eigenen Körper zu erleben." [110]

Hip Hop ist ein nonverbales Mittel der Verständigung unter Jugendlichen, das auch ohne gemeinsame Sprache verstanden und weltweit gelebt und erlebt wird. Vorurteile, Berührungsängste oder Sprachhindernisse werden durch gemeinsames Handeln abgebaut, Aspekte anderer Kulturen gewaltfrei und spielerisch weitergetragen und neue gemeinsame Ziele geschaffen, völkerverbindende Gemeinsamkeiten entdeckt, gelebt und erlebt. Spannungen und Aggressionen werden durch bildnerisches Gestalten, Tanz und Musik abgebaut, statt Gewalt anzuwenden oder sich mit Drogen „zuzumachen“. Auch wenn HipHop kein „Allheilmittel“ ist. Durch die verschiedenartigen Bestandteile der Kultur bzw. ihren verschiedenen Techniken, bietet sie ein breites Handlungs- und Erprobungsfeld für Jugendliche an, bei dem auch noch Eigeninitiative gefragt ist. Sie fordert zum Nachdenken und Handeln heraus und bietet somit einen breiten Zugang.

Die für Jugendliche heute zu bewältigenden Aufgaben können auch als Identitätsfindung mit entsprechender Wahl der Lebensform umschrieben werden. Doch statt nur durch soziologisch gemeinsame Merkmale (z.B. Bildungs- und Alterszugehörigkeit) lassen sich Jugendkulturen in Deutschland heutzutage primär anhand eigener geschaffener Symbolsysteme identifizieren. Dazu zählen neben der Sprache, Kleidung und Gestik vor allem die Musik. Diese hat sich als ein wichtiges Identifikationsmerkmal herausgebildet. Musik kann als Abgrenzung gegenüber der Erwachsenenwelt dienen und in Kombination mit Kleidermoden, Formen der Körpersprache, Tanz und Interaktionsformen für die Herausprägung von Stilelementen verantwortlich sein[111]. Hip Hop bietet dabei unterschiedlichste Möglichkeiten und die Toleranz für Neues an.

Die Inhalte von Hip Hop Musik oder Graffiti thematisieren mehrheitlich die Problematiken Jugendlicher auf dem Weg zum Erwachsenenstatus im 21. Jahrhundert. Nur noch wenige Jugendliche nutzen die Möglichkeit, durch Hip Hop ihre Unzufriedenheit mit den gesellschaftlichen Bedingungen zum Ausdruck zu bringen. Stattdessen handeln die Inhalte von der Liebe, sexuellen Träumen, vom Marihuana-Konsum, dem Unmut über die Schule und dem Generationskonflikt zwischen den Eltern und Kindern. Musikmachen, Sprayen und Breaken werden als Abgrenzungsformen von der Erwachsenenwelt und gegenüber anderen jugendkulturellen Ausprägungen angesehen. Musik ist das Kommunikationsmittel, die Peer-Group (Bezugsgruppe) sowie auch die jugendkulturelle Szene sind die Sozialisationsinstanzen und letztere wird gleichzeitig zum Heimatort auf dem Weg des Jugendlichen zu seiner eigenen Identität[112].

In einer Vielzahl von Stilen, Trends und Strömungen können und müssen sich Jugendliche heute immer wieder neu orientieren. Jugendliche Musikkulturen repräsentieren dabei das Lebensgefühl einer Generation, d.h. in der jeweiligen Musik bündelt sich die Suche nach der eigenen Identität und oftmals auch die Suche nach einer Gemeinschaft von Gleichgesinnten. Die freie Auswahl einer Musikrichtung und die damit verbundene Lebensart gehen einher mit dem Zwang, nicht auf überlieferte Konzepte setzen zu können, sondern sich seine eigene Lebensbiographie gestalten zu müssen. Wachsende Denk- und Handlungsmöglichkeiten äußern sich im Kreativ- und Experimentierbedarf Jugendlicher, der sich positiv in Form aktiver gesellschaftlicher Mitgestaltung auswirken kann.

Die Fähigkeit zur Ausübung und Annahme von Kritik ist ein äußerst sensibler Punkt, besonders bei Jugendlichen, die jede Form von Kritik als einen persönlichen Angriff deuten. Meist aus jahrelanger Erfahrung kennen viele Jugendliche Kritik nur als Ausdruck der Ablehnung der eigenen Fähigkeiten. Das Erlernen des Unterschiedes zwischen persönlicher und sachbezogener Kritik hilft Jugendlichen im Alltag, Konfliktsituationen eher zu meistern. Vor allem müssen Jugendliche dabei lernen, gemeinsam oder allein innerhalb eines gewissen Handlungsspielraums zu agieren, ohne dabei die Rechte anderer zu verletzen. Die wohl wichtigste soziale Kompetenz ist die Übernahme von Verantwortung. Auf dem Weg vom Jugendlichen zum Erwachsenenstatus leben Jugendliche mit der Wahl und dem Zwang zur fortlaufenden Neuorientierung und Entscheidungsfindung zur Gestaltung der eigenen Biographie.

Hip Hop spiegelt für viele Szenegänger ein ganzheitliches Lebensgefühl wider. Man hört nicht auf Hip Hop zu sein, wenn man zur Schule oder zur Arbeit geht. Hip Hop gehört zur eigenen Identität und kann nicht einfach „abgeschaltet“ werden. Durch das Tragen von szenespezifischer Kleidung und szenespezifischen Symbolen geben sich Szenemitglieder als Hip Hop zu erkennen und grenzen sich von anderen Jugendlichen ab. In der Hip Hop Szene gibt es eine Vielzahl an ritualisierten Verhaltensweisen, die es ermöglichen, sich zu identifizieren und gegenüber anderen abzugrenzen.

Die „Neuen“ haben einen ganz anderen Background, sie lernten Hip Hop nicht auf der Strasse kennen, sondern im Wohnzimmer, vor dem Fernseher. Demzufolge ist auch im Hip Hop ein Generationenkonflikt entstanden.

Die Hip Hop Künstlerinnen und Künstler, die schon länger dabei sind, haben sich inzwischen qualitativ weiter verbessert, die jüngeren sind hauptsächlich durch die Kommerzialisierung hinzu gekommen. Identität entsteht für sie durch die Identifikation mit Konsumgütern[113].

Die Stärke dieser Jugendkultur liegt darin, Unterschiede zuzulassen, sie einzukalkulieren. Da es darum geht, Identität zu erlangen, in dem man handelt, vermittelt Hip Hop hohe Identifikationsmöglichkeiten, bei denen Jugendliche das Gefühl haben, sie könnten sie selbst gestalten und bekommen sie nicht „aufgedrückt“[114]. Durch dieses aneignen und repräsentieren werden neue, unbekannte, positive Identitäten möglich.

Die Hip Hop Identität ist eine veränderbare, sich in Bewegung befindende, durch körperlich-materielle Performanzen gestaltete, in Interaktion entstehende, durch das Verbinden von Handlungswissen und Normen sowie neuer Ideen ständig zum Diskurs stehende – so wie Butler Identitäten beschreibt. Dennoch, Hip Hop geht einen Schritt weiter:

„Subjektivität bedeutet hier Intersubjektivität und Handlungssubjektivität, auch Reflexions- und Distanzierungsfähigkeit im Sozialen (Fuchs 1999:165).“ [115]

In der Hip Hop Identität liegt die Betonung nicht auf dem Ergebnis des Identifikationsprozesses, sondern auf dessen Bedingungen und den wechselseitigen Effekt zwischen AkteurInnen und Umfeld, so wie Helsper und Keupp sie beschreiben.

Literatur

Baacke, Dieter (1999): Jugend und Jugendkulturen. Darstellung und Deutung. Weinheim und München: Juventa, 3. überarbeitete Auflage

Beck, Ulrich (1986): Risikogesellschaft - Auf dem Weg in eine andere Moderne. Frankfurt am Main: Suhrkamp

Buck, G.: Über die Identifizierung von Beispielen. Bemerkungen zur 'Theorie der Praxis'. In: Marquard/Stierle 1979

Erikson, E. H. (1995): Identität und Lebenszyklus. 15. Auflage. Frankfurt am Main: Suhrkamp

Farin, Klaus (2001). Generation kick.de. Jugendsubkulturen heute. München: C.H. Beck.

Ferchhoff, Wilfried (1999): Jugend an der Wende vom 20. zum 21.Jahrhundert. Opladen: Leske + Budrich

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http://www.wikipedia.de (Online-Lexikon)

http://www.burning-spinnerz.de

[...]


[1] Zitat von Nightwrita im Forum „Hip Hop Identität“ vom 06. – 08. April 2005 auf http://www.hiphop.de, siehe Anlage 2, Markierung im Originaltext

[2] aus dem Englischen „baggy pant“ (eine weite, ausgebeulte Hose mit großen Taschen, in Übergröße getragen)

[3] es existiert keine eindeutige Schreibweise: „Hip Hoper“ oder „Hip Hopper“ ist möglich

[4] aus dem Englischen „charts“ (die Tabellen): Eine Hitparade ist eine Bestenliste von „Hits“, also von erfolgreichen Musikstücken … der englische Ausdruck Charts (Tabellen) wird oft synonym zu Hitparade verwendet… Quelle: http://www.wikipedia.de

[5] http://www.hiphop.de

[6] Ferchhoff 1999, S. 67-68

[7] Friedl 2001, S. 11-12

[8] beispielsweise die seit den 60er Jahren verbesserte Möglichkeit, die 2. und 3. Stufe des Bildungssystems zu absolvieren, wirkte sich erheblich auf die Länge der Jugendphase aus, daher kann die Altersgrenze von cirka 25 Jahren um gut zehn Jahre überschritten werden

[9] Ferchhoff 1999, S. 68-71

[10] Schwendter 1993, S. 10

[11] Baacke 1999, S. 210

[12] der Begriff „Subkultur“ sollte im allgemeinen Zusammenhang vorsichtig verwendet werden, da Subkulturen nur dann entstehen, wenn soziale Benachteiligung vorliegt

[13] vgl. http://www.jugendszenen.com: Beitrag von Thomas Peters zu „Hip Hop“

[14] Schwendter 1993, S. 11

[15] ebenda, S. 23

[16] ebenda, S. 11

[17] vgl. Erikson 1995

[18] Fremdwörterbuch 1997

[19] Fuhrmann: Persona, ein römischer Rollenbegriff; in: Marquard / Stierle 1979, S.83-106

[20] Buck. in: Marquard / Stierle 1979, S.61-81

[21] Henrich: Identität - Begriffe, Probleme, Grenzen; in: Marquard / Stierle 1979, S.134-186

[22] Frey / Haußer (Hrsg.) 1987, S. 6

[23] Hahn / Kapp 1987, S. 9

[24] Erikson 1995

[25] ebenda

[26] Keupp 1988; in: Verhaltenstherapie und Psychosoziale Praxis 4/1988, S. 432

[27] vgl. Helsper 1983; in: Breyvogel, Wilfried 1983

[28] vgl. Menrath 2001, S. 22-23

[29] ebenda, S. 23

[30] vgl. ebenda, S. 25

[31] ebenda, S. 26

[32] Fernando 1994

[33] vgl. Fernando 1994; vgl. Anlage 1: Kassette, Lied 1

[34] ebenda, S. 154 f.

[35] vgl. Menrath 2001, S. 52; auch „crews“ genannt, aus dem Englischen (die Mannschaft, die Schar)

[36] ebenda, S. 52; man feierte sogenannte „block parties“, aus dem Englischen (die Block Parties)

[37] aus dem Englischen „underground“ (der Untergrund)

[38] vgl. Anlage 1: Kassette, Lied 2 und 3

[39] ebenda, S. 52; aus dem Englischen „oldschool“ (die alte Schule), Bezeichnung für den damaligen Musik- und Lebensstil

[40] aus dem Englischen „new school“ (die neue Schule)

[41] aus dem Englischen „gangster“, Jargon: „gansta“ (der Gangster, der Verbrecher)

[42] ebenda, S. 54-55; aus dem Englischen „dissing“ (das Dissen = jemanden anderes mit Worten niedermachen); aus dem Englischen „posing“ (das Posen, das Angeben)

[43] damals noch BRD und DDR

[44] vgl. http://www.jugendszenen.com, Beitrag von Thomas Peters zu „Hip Hop“

[45] vgl. http://www.wikipedia.de

[46] vgl. Menrath 2001, S. 57-59

[47] vgl. ebenda, S. 58

[48] vgl. ebenda, S. 59

[49] Sido = Abkürzung für „Superintelligentes Drogenopfer“, beim Berliner Plattenlabel „Aggro Berlin“

[50] das Wort „Nachwendegeneration“ ist mir nur aus umgangssprachlichem Gebrauch bekannt. Ich meine damit die derzeit 10- bis 16-Jährigen. Die genannte Erkenntnis nehme ich aus Beobachtungen im Kinder- und Jugendhaus EMMERS in Dresden Pieschen und in meinem Praktikum im Team Flexible Erzieherische Hilfen Dresden Neustadt der Outlaw gGmbH

[51] siehe Kapitel 6

[52] vgl. http://www.jugendszenen.com, Beitrag von Thomas Peters, Markierung im Originaltext

[53] Zitat von S21.chrizzo im Forum „Hip Hop Identität“ vom 06. – 08. April 2005 auf http://www.hiphop.de, siehe Anlage 2, ausführlich auf Seite 1

[54] zur Erklärung: „heads“ (die Köpfe) meint die Musikproduzenten und ihre Stars, „jam“ wird in Kapitel 6.1 erklärt, „Aggro“ meint das Berliner Label und Image der benannten Stars Sido, Bushido, Azad etc.

[55] in der wortwörtlichen Übersetzung aus dem Englischen bedeutet „Rap“ klopfen, schlagen oder pochen

[56] aus dem Englischen „master of ceremony“ (der Zeremonienmeister)

[57] aus dem Englischen „battle“ (die Schlacht)

[58] aus dem Englischen „message“ (die Nachricht)

[59] vgl. Menrath 2001, S. 60; beim „toasting“ rezitiert man improvisierte Reime über Reggae-Musik. 1972 rezitierte Kool Herc auf Instrumental-Schallplatten bekannter Hits – so wurden aus einfachen Anfeuerungsrufen wie „Throw your hands in the air“ Kurzgeschichten in Reimform, indem er sie immer wieder wiederholte

[60] vgl. http://www.jugendszenen.com, Beitrag von Thomas Peters zu „Hip Hop“

[61] vgl. Menrath 2001, S. 61-62, aus dem Englischen „diskjockey“ (der Schallplattenaufleger)

[62] in der Szene „turntables“ genannt, aus dem Englischen „turntable“ (der Schallplattenspieler)

[63] er spielte, ähnlich wie Kool DJ Herc, die selbe Platte auf zwei Plattenspielern und isolierte die Stelle, wo das Schlagzeug dominierte („the break“), diese wiederholte er ständig, indem er die eine Platte abspielte, während er die andere vorwärts und rückwärts rotieren ließ

[64] vgl. Anlage 6: Beitrag in der Sächsischen Zeitung vom 03.03.2000 in der Lokalsausgabe Großenhain

[65] http://www.jugendszenen.com, Beitrag von Thomas Peters zu „Hip Hop“, Markierung im Originaltext

[66] vgl. http://www.jugendszenen.com, Beitrag von Thomas Peters zu „Hip Hop“

[67] vgl. Anlage 5 und http://www.burning-spinnerz.de; vgl. Anlage 1: Lied 4, typisches Lied, zu dem gebreakt wird

[68] aus dem Englischen „sprayer“ (der Sprüher)

[69] aus dem Englischen „tag“ (das Etikett), das sind einfache Namenszüge, die junge Schwarze mit gewöhnlichen Filzstiften auf die Wände malten, diese Form ist heut oft für den schlechten Ruf der Sprayer verantwortlich, da zahlreiche „Mitläufer“ auf Wände und öffentliche Gegenstände (z.B. Straßenbahnscheiben) schmieren, ohne zu wissen, was sie da tun und dass sie damit der Hip Hop Szene Unrecht tun

[70] vgl. Anlage 6: Beitrag in der Sächsischen Zeitung vom 24.02.2000 und 02.05.2000 in der Lokalausgabe Großenhain

[71] aus dem Englischen „style“ (der Stil)

[72] vgl. Menrath 2001, S. 72

[73] ebenda, S. 72-73

[74] aus dem Englischen „skill“ (die Kunst, die Geschicklichkeit)

[75] vgl. Menrath 2001, S. 73-75

[76] aus dem Englischen „realness“ (die Echtheit, das Echt-Sein)

[77] Menrath 2001, S. 83-84

[78] ebenda, S. 86

[79] aus dem Englischen „jam“ (der Stau), meint hier Veranstaltungen bei denen wettbewerbsartig mit- und gegeneinander getanzt, gerappt, gesprüht und gebreakt wird

[80] aus dem Englischen „community“ (die Gemeinschaft)

[81] vgl. Menrath 2001, S. 86-88

[82] Im Laufe der letzten Jahrzehnte haben sich die gesellschaftlichen Bedingungen gravierend verändert - entsprechend verändern sich auch Normen, Wertordnungssysteme und die Bedürfnisse der Individuen und damit auch die Form der Abgrenzung. Die beiden Soziologen Heitmeyer und Beck sprechen von der Auflösung geltender Werte und Normen in der so genannten Risikogesellschaft. Diese Auflösungsprozesse führen zu Orientierungslosigkeit und zu Handlungsunsicherheiten. Laut Heitmeyer seien Jugendliche infolgedessen die „Verlierer der Modernisierungsprozesse“ (Heitmeyer 1993, S. 133 ff). Jugendliche leben in einer Gesellschaft mit der Wahl und dem Zwang zur fortlaufenden Neuorientierung und Entscheidungsfindung zur Gestaltung der eigenen Biographie. Beck bezeichnet diesen Prozess als Individualisierung.

[83] vgl. Menrath 2001, S. 89

[84] ebenda, S. 90

[85] aus dem Englischen „fame“ (die Berühmtheit)

[86] vgl. Menrath 2001, S. 91

[87] vgl. ebenda, S. 92

[88] aus dem Englischen „keepin it real“ (Bleib real / Bleib echt)

[89] vgl. Kapitel 7.3.1

[90] siehe Anlage 3: Spiegel-Beitrag vom 04. April 2005

[91] damit meine ich Stadtgebiete wie Dresden-Prohlis, Dresden-Gorbitz, Dresden-Pieschen, Berlin-Hohenschönhausen, Berlin-Lichtenberg, Berlin-Marzahn, in denen viele sogenannte „Multiproblemfamilien“ leben

[92] Menrath 2001, S. 97

[93] ebenda, S. 99

[94] aus dem Englischen „mainstream“ (der Hauptstrom), meint hier den kommerzialisierten Hip Hop

[95] Menrath 2001, S. 108

[96] ebenda, S. 109

[97] aus dem Englischen „half identity“ (die halbe / unvollständige Identität); vgl. Menrath 2001, S. 116

[98] vgl. Kapitel 3.4 und 7.3.2

[99] Menrath 2001, S. 118

[100] siehe Anlage 2, Zitate aus dem Forum „Hip Hop Identität“ vom 06. – 08. April 2005 auf http://www.hiphop.de

[101] vgl. http://www.geocities.com/iglu01/hiphop/index.html

[102] vgl. http://www.geocities.com/iglu01/hiphop/index.html, Zitat von Black Tiger

[103] vgl. Anlage 2, Zitate aus dem Forum „Hip Hop Identität“ vom 06. – 08. April 2005 auf http://www.hiphop.de

[104] vgl. http://www.geocities.com/iglu01/hiphop/index.html

[105] siehe Anlage 1, Kassette, Lied 3 von der Stuttgarter Band „Freundeskreis“

[106] aus dem Englischen „message“ (die Nachricht)

[107] vgl. Thiele / Taylor 1998, S.133

[108] vgl. Moser 2000, S.67

[109] Spatschek 1997, S. 177

[110] Schubarth 2000, S. 170

[111] vgl. Hartwig 1980, S. 72

[112] Baacke 1999, S. 248-250

[113] vgl. Menrath 2001, S. 112

[114] vgl. ebenda, S. 113

[115] vgl. ebenda, S. 37

Details

Seiten
40
Jahr
2005
ISBN (Buch)
9783640193479
Dateigröße
616 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v110301
Institution / Hochschule
Evangelische Hochschule für Soziale Arbeit Dresden (FH)
Note
1,3
Schlagworte
Suche Identität Hip Hop

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Titel: Auf der Suche nach Identität im Hip Hop