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Die Zehn Gebote

Seminararbeit 2005 20 Seiten

Theologie - Biblische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Dekalog- Die Zehn Gebote

3. Mose und der Bundesschluss

4. Die Einzelgebote
a) 1. Gebot
b) 2. Gebot
c) 3. Gebot
d) 4. Gebot
e) 5. Gebot
f) 6. Gebot
g) 7. Gebot
h) 8. Gebot
i) 9. Gebot
k) 10. Gebot

5. Kritik

6. Didaktik

7. Literaturverzeichnis

1) Einleitung

In dieser Hausarbeit befasse ich mich mit den Zehn Geboten. Ich möchte herausfinden, wo der Ursprung der Zehn Gebote zu finden ist, und wie dieser aussah. Wie ist der realhistorische Kontext oder ist er heute unklar? In welchem Zusammenhang stehen die Zehn Gebote in der Bibel? Ist der Kontext überhaupt wichtig, oder kann man die Zehn Gebote auch ohne diesen verstehen? Welche Rolle spielt Mose bei der Verkündigung? Ist er als Person von Bedeutung oder hätte es auch jeder andere X-beliebige sein können?

Ich möchte diesen Fragen nachgehen und außerdem natürlich die einzelnen Gebote näher betrachten. Gibt es wichtigere und unwichtigere Gebote? Hierbei möchte ich schauen welche Bedeutung die Einzelgebote in ihrer damaligen Zeit hatten. Denn heute wird ihnen manchmal eine ganz andere Intention nahegelegt, die sich in ihrem Ursprung nicht wiederfinden lässt.

Sind die Zehn Gebote heute überhaupt noch wichtig? Diese Frage lässt sich wahrscheinlich nicht generell beantworten. Aber vielleicht kann die Frage beantwortet werde, ob die Zehn Gebote für Kinder wichtig sind oder ob Kinder sie gar nicht mehr verstehen.

2) Der Dekalog- Die Zehn Gebote

Das Wort ,,Dekalog" steht für he dekálogos nomothesia und bedeutet übersetzt, das aus zehn Worten bestehende Gesetz. In der Bibel wird auch von dem Zehnwort gesprochen. Der Dekalog kommt an zwei Stellen in der Bibel vor. Die eine Fassung ist bei der Sianaiperikope in Ex 20, die andere Fassung bei Dtn 5 zu finden. Bei Ex 20 stehen die Zehn Gebote unmittelbar mit dem Bundesschluss zusammen, den Gott mit den Menschen schließt. Bei Dtn 5 wird an diesen Bund erinnert, es ist eine Nacherzählung des Geschehenen. Durch die doppelte Erwähnung ist eine Hervorhebung schon gewährleistet. Der Dekalog ist ein in sich abgeschlossenes Kapitel, dadurch kann er schnell und einfach zitiert werden. Die Zehn Gebote sind in zwei Tafeln geteilt. Die erste mosaische Tafel befasst sich mit der Beziehung zu Gott, die zweite geht ein auf zwischenmenschliche Beziehungen, es sind die Sozialgebote. Der einzelne Mensch wird in allen Geboten unmittelbar angesprochen. Den Anfang bilden die Jahwereden. Gott spricht von sich, aus der Ich- Perspektive. Ab Ex 20, 7 wird von Gott aus der dritten Perspektive gesprochen. Die zweite Tafel mit den Sozialgeboten ist in aller Kürze und Knappheit geschrieben, die Gebote sind aneinandergereiht meist mit dem Anfang: ‚Du sollst...’.

Die Zehn Gebote in der ethischen Diskussion werfen einige Kontroversen auf. Die eine Seite spricht davon, dass die Zehn Gebote längst überholt sind. Sie stammen aus einer vergangenen Zeit, in der noch eine Agrarkultur herrschte. Die Menschen fürchteten sich noch vor Gott, sie glaubten an einen wütenden Gott. Die Zehn Gebote sprechen in ihrer Urintention nur einen bestimmten Kreis von Menschen an. Sie sind an eine Männerkultur gerichtet. Es werden nur die rechtsfähigen, erwachsenen Israeliten angesprochen. Die Zehn Gebote sind patriarchalisch. Außerdem ist anzumerken, dass der Dekalog sehr allgemein gehalten wurde. Die Grenzen sind so sehr fließend. Wer erkennt, wer entscheidet, wann eine Grenze überschritten wurde? Zudem enthält sie keine Strafen, wenn gegen die Gebote gehandelt wurde, sie dienen also nicht zum Strafvollzug.

Dagegen einzuwenden wäre, dass die Zehn Gebote die zentralen Bereiche des menschlichen Lebens umfassen. Sie sollen allgemein gültig sein, nicht nur für bestimmte Situationen. Die Zehn Gebote sind das Fundament des jüdisch- christlichen Erbes unserer Kultur und Tradition. Sie gelten als Maß und Weisung, sind Anker unseres sittlichen Lebens. Sie zu befolgen ist Ausdruck unserer Liebe der Menschen untereinander und unserer Liebe zu Gott. Dadurch gelten sie für alle Menschen, für Männer und Frauen, für Kinder und Ältere.

Abschließend ist zu sagen, dass egal welche Position man in der Diskussion einnimmt, es wichtig ist, die Zehn Gebote aus ihrer Zeit heraus zu interpretieren. Dabei ist jedoch zu beachten, dass das Ursprüngliche noch erhalten bleibt. Eine völlige Neuinterpretation wäre fehl am Platz. Man muss die damalige Zeit kennen, um die Zehn Gebote zu verstehen. Wenn der Kontext in der Bibel verstanden wird und man die Zehn Gebote auf unsere heutige Situation übertragen kann, dann sind sie auch für uns heute von hoher Bedeutung.1

Die Zehn Gebote, sie sind ein Geschenk Gottes an sein auserwähltes Volk Israel, sie stehen für die Freiheit aus der Sklaverei Ägyptens. Die Menschen haben danach ihr Rechtssystem geordnet, doch die Zehn Gebote umfassen bei weitem nicht alles, was im Alten Testament über die Freiheit und Verantwortung des Menschen steht. Ihr Ursprung ist wahrscheinlich kürzer, knapper und härter. Er war ohne Zwischenbemerkungen, denn ihre Zusammensetzung besteht aus mehreren Einzelgeboten. Der ursprüngliche Dekalog wurde mündlich überliefert, dabei verfremdet und sekundär überarbeitet. Die Primärintention ist heute schwer zu erkennen. Außerdem wurde der Text überarbeitet, da er als Vorlage zu Vorträgen im Tempel diente.2 Die Zehn Gebote stammen ursprünglich nicht aus der Nomadenzeit, sondern aus der Zeit der Sesshaftigkeit, das heißt aus dem 8./7. Jahrhundert vor Christus. Somit stammt der Dekalog also nicht aus der Mosezeit, sein jetziger Kontext ist also literarisch sekundär.3

Zu beachten ist allerdings, dass viele der Gebote natürlich schon vor ihrer Aufstellung selbstverständlich waren, solche Regeln entstehen einfach, wenn Menschen in einer Gemeinschaft zusammenleben.

3) Mose und der Bundesschluss

Die Zehn Gebote sind die Gabe Gottes an das Volk Israel, sie sind Geschenk, doch zugleich Aufgabe. Sie sollen für Ruhe und Frieden innerhalb des Volkes sorgen. Sie sind Richtlinien für aus der Unterdrückung kommende Menschen, die nun ein freies Leben führen wollen.

Im Kontext der Zehn Gebote steht der Auszug des Volkes Israel aus Ägypten. Allerdings muss man realhistorisch einige Anmerkungen beifügen. Es waren nicht alle zwölf Stämme des Volkes Israel in Ägypten, sondern nur einzelne. Außerdem sind nicht alle gleichzeitig ausgezogen, sondern sie verließen das Land etappenweise. Der wirkliche Auszug war viel schneller, langweiliger und nüchterner.1 Bei Exodus stehen die Zehn Gebote im folgenden Kontext: Mose führt sein Volk aus der Sklaverei Ägyptens heraus. Loblieder auf Gott werden gesungen und die Wüstenwanderung bis zum Berg Sinai folgt. Am Berg Sinai wird Gesetz und Bundesschluss verkündet. Das Volk bricht den Bund (goldenes Kalb), doch Gott verzeiht und es folgt ein erneuter Bundesschluss.

Im Deuteronomium stehen die Zehn Gebote im Zusammenhang mit der Rede Mose am Rande des verheißenen Landes. Eine Urkunde des Bundes Jahwes mit Israel wird wiederholt und in die Erinnerung der Menschen gerufen. Der Text ist eine Nacherzählung des Geschehenen. Der Text weicht leicht von Ex ab, jedoch ist der Kern derselbe.

Mose steht als Mittler in beiden Texten, er wurde von Gott auserwählt als Bote. Das Leben des Mose ist wahrscheinlich in der 19. Dynastie, das heißt zwischen 1345-1200 v. Chr. einzuordnen. Leider gibt es jedoch kein außerbiblisches Dokument, welches sein Leben erwähnt. Dies ist verwunderlich, soll er doch solch große Wundertaten vollbracht haben. Gab es Mose wirklich? Bei den vielen Wundergeschichten ist es schwierig den Wahrheitsgehalt herauszufiltern. „Mose ist durch die Überlieferung zu einem so einzigartigen und unerreichbaren allround- man hochstilisiert worden, daß aufrichtige Bedenken entstanden sind, ob denn nun wirklich ein einziger Mann eine solche Vielseitigkeit und Funktionsbreite gehabt haben kann.“1

Ob und inwieweit der historische Mose mit den Wundertaten im Zusammenhang steht ist heute umstritten. Jedoch ist klar, dass er von Anfang an mit der Auszugsgeschichte Israels in Verbindung stand.

Gott schloss einen Bund mit seinem auserwählten Volk Israel. Er ist eine Art Liebesbeweis Gottes zu seinem Volk. Doch für dieses bedeutet es auch Last, denn sie müssen die Erwartungen Jahwes erfüllen, als Antwort ihrer Liebe. Doch warum geht Gott diesen Bund ein? Einen Bund schließen zwei Parteien, deren Verhältnis unklar oder irgendwie gespannt ist. Der Bund soll das Verhältnis klären und regeln. Doch in diesem Fall sind die Geschäftspartner nicht gleichrangig. Der eine ist ungleich mächtiger und größer. Warum lässt er sich auf einen Vertrag ein? Der Mächtigere hat es doch eigentlich nicht nötig. Wenn er trotzdem den Bund eingeht, dann hat er meist keine Gegenleistung zu erbringen. Doch Gott ist selbstlos. „Der Bund ist –von Jahwe her gesehen- ein Angebot der Treue, des Schutzes und der Sorge. Er bekundet nicht nur sein Interesse an dem schwächeren Bundespartner. Er geht selbst freiwillig Verpflichtung der Treue und der Fürsorge ein.“2 Oder ist der Bund nur als Verständnishilfe für die Menschen zu sehen, damit die Menschen erkennen, dass Gott immer für sie da ist? Denn ein Vertrag zwischen so ungleichen Partnern wäre undenkbarfür uns Menschen. Vielleicht können wir aus unserer heutigen Gesellschaft einen solch selbstlosen Vertrag nicht mehr nachvollziehen. Doch Gott alleine hat ihn ermöglicht.

Gott hält weiterhin seinen Vertrag. Wenn sich das Volk Israel an die Bundesordnung hält, besagt diese, dass sich das Volk so im Heil hält.

4) Die Einzelgebote

In diesem Kapitel gehe ich von dem Dtn Text aus, bei wichtigen Abweichungen wird der Ex. Text speziell berücksichtigt.

„Strukturell betrachtet ist die Abweichung des Dekalogs im Buch Exodus vom Dekalog im Buch Deuteronomium weniger auffällig, wenn auch bedeutsam, als die Übereinstimmung, so daß der Schluß unausweichlich ist, daß Dtn 5,6- 21 dem Verfasser von Ex 20,2- 17 schriftlich vorgelegen haben muß.“1 Der Dtn- Text ist der ältere und diente wahrscheinlich als Vorlage für den Ex. Text. Die Einzelgebote unterscheiden sich erheblich in ihrer Länge und Begründung.

Begonnen wird in beiden Texten mit einer Präambel. Gott stellt sich vor: ‚Ich bin Jahwe dein Gott’. Es folgt ein historischer Beleg ‚der dich aus Ägypten, dem Sklavenhaus, herausgeführt habe.’ (Dtn 5,6). Gott erinnert an seine befreiende Tat, bevor er seine Forderungen äußert.

Die erste Tafel- Beziehung zu Gott

a) ‚Du sollst keine anderen Götter neben mir haben’

Gott fordert von den Menschen eine Alleinverehrung. In der damaligen Zeit gab es keine monotheistischen Religionen. Der Glaube an zahlreiche Götter war Alltag. In Israel lebten viele Völker, die alle ihre eigene Religion mitbrachten. Im 6. Jh. v. Chr. erkannten die Israeliten ihren einen Gott. Seitdem gilt der Glaube an den einen Gott als Merkmal für die Religion der Israeliten. Bemerkenswert ist jedoch, dass durch dieses Gesetz nicht verneint wird, dass es andere Götter gibt. Eine polytheistische Welt wird nicht ausgeschlossen.

‚Du sollst dir kein Bild machen’

Gemeint ist kein allgemeines Bilderverbot, sondern die bildliche Darstellung Gottes. Die Menschen sollen kein Kultbild verehren, das im Tempel steht. Für andere Religionen wird durch ein Bild der Gottheit deren Gegenwart wirklich. Durch das Bilderverbot unterscheidet sich Israels Religion wiederum von anderen.

Es ist unsicher, ob dieses Gebot auch folgende Intentionen beinhaltet: Gott soll nicht dargestellt werden, da das einzige Ebenbild Gottes der Mensch ist. Der Mensch soll sich nicht durch ein Bild der Gottheit bemächtigen und so über sie verfügen. Der wichtigste Punkt ist jedoch, dass der Mensch sich Gott nicht vorstellen kann. Es gibt nichts Vergleichbares auf dieser Welt, dass Gott darstellen kann. Es besteht eine klare Unterscheidung zwischen Gott und Welt.

Gott gibt eine erneute Selbstbeschreibung in Dtn 5, 9 von sich ‚ich, Jahwe, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott’. Gott zeigt hier einen Blick in die Zukunft. Diejenigen, die sich nicht an sein Gebot halten, werden bestraft. Ihre Familien werden durch einen Vernichtungsschlag komplett ausgelöscht. Im Gegensatz dazu steht der liebende Gott. Die ihn lieben, denen wird er die Treue halten.

b)’Du sollst den Namen, Jahwes, deines Gottes, nicht missbrauchen, denn Jahwe lässt den nicht ungestraft, der seinen Namen missbraucht.’

Dieses Gebot soll den Namen des Herrn vor Missbrauch, Falsch- Eid, Fluch, Zauberei und Gotteslästerung schützen. Man soll niemanden im Namen Gottes verfluchen, noch soll man falschen Eid auf Gott ablegen. „Der Name des Gottes, den Mose verkündet hatte, lautet ‚Jahwe’. Um ihn nicht zu missbrauchen, bürgerte sich in Israel die Sitte ein, statt diesen Namen zu nennen, ‚unser Herr’ zu sagen.“1 Der Gottesname wird später im Judentum ganz vermieden.

c) ‚Halte den Sabbat, dass du ihn heiligst, wie Jahwe, dein Gott, dir befohlen hat.’

Dieses Gebot unterscheidet Israel klar von anderen Völkern, denn diese haben keine Siebentagewoche. Somit erhält die Einhaltung dieses Gesetztes in anderen Kulturkreisen Bekenntnischarakter. Der Sabbat wird als Ruhetag geheiligt. An diesem Tag darf niemand Arbeit verrichten. Dieses Gesetz wird unterschiedlich begründet. Bei Exodus wird das Sabbatgebot auf die Schöpfungsordnung zurückgeführt. Der Sabbat wurde dort erschaffen, er verdient Heiligung. Wir sind Ebenbilder Gottes, wir sollen am Sabbat wie er handeln und durch unser Nichtstun ihm huldigen und ihn ehren. Im Deuteronomium wird auf die soziale Verantwortung den Unterdrückten gegenüber hingewiesen, denn auch sie brauchen Ruhe. Gott erinnert die Israeliten abermals daran, dass auch sie in der Sklaverei gefangen waren. Alle sollen sich am Sabbat wie freie Menschen ausruhen dürfen. Gott hat sie befreit, jetzt sollen sie und ihre Sklaven den Sabbat halten. Bemerkenswert hierbei: die Frau wird in beiden Fassungen nicht explizit genannt! Jesus hat sich später gegen diese Gesetzte bewusst widersetzt, da das Gebot in seiner Zeit verschärft kontrolliert und bei Überschreitung bestraft wurde. Er sagte: „Der Sabbat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sabbat“ (Mk 2,27). Kaiser Konstantin hat im 4. Jahrhundert den Sonntag als Ruhetag festgelegt, bis heute gilt dieser, als Tag der Arbeitsruhe.

Die zweite Tafel- zwischenmenschliche Beziehungen

d) ‚Ehre deinen Vater und deine Mutter’

Dieses Gesetz hat eine herausragende Stellung. Es steht am Anfang der zweiten Tafel, somit ist die Wichtigkeit deutlich gemacht. Es steht sogar vor dem Tötungsverbot! Es ist im Gegensatz zu den folgenden Gesetzen positiv formuliert. Es besitzt einen Aufforderungscharakter. Dieses Gebot wendet sich nicht an kleine Kinder, angesprochen werden Erwachsene. Diese sollen sich um die alten Eltern kümmern, es geht also um eine Altersversorgung. Außerdem geht es um die Anerkennung der elterlichen Autorität, sie soll gewahrt werden. Eltern sollen geehrt werden und auch nach dem Tod soll diese Verehrung anhalten. Das heißt, die schon erwachsenen Kinder halten eine angemessene Trauerzeit ein, und kümmern sich um eine würdige Beerdigung. Dies ist das einzige Gebot, das eine Verheißung beinhaltet. Wenn du dich an dieses Gebot hältst, verspricht dir Jahwe ein langes und gutes Leben in seinem Land. Unterschied: Bei Ex 20, 12 wird den Israeliten ein langes Leben versprochen, doch bei Dtn wird diese Verheißung noch erweitert: „ damit deine Tage lang sind, und damit es dir gut geht in dem Land, das Jahwe, dein Gott, dir gibt.“ (Dtn 5, 16). Im Deuteronomium verspricht Jahwe also bei Einhaltung seines Gebotes nicht nur ein langes Leben, sondern auch ein gutes in seinem gepriesenen Land.

e) ‚Du sollst nicht töten’

Gemeint ist bei diesem Gebot das Morden eines wehrlosen Opfers, Tötung aus niedrigen Beweggründen, „das absichtliche oder fahrlässige Totschlagen eines freien Mannes durch einen freien Mann“.1 Die Gesellschaft und der Einzelne soll durch dieses Gesetz geschützt werden. Gott gab uns das Leben und nur er darf es auch nehmen. Allerdings richtet sich dieses Gebot seinem Ursprung nach nur an den Einzelnen, der nicht töten soll. „Abtreibung [ist] ursprünglich nicht gemeint, auch nicht Euthanasie, auch nicht die Hinrichtung eines Verbrechers, auch nicht die Tötung von Gefangenen, von Frauen und Sklaven. Ein freier Mann konnte jederzeit sein Eigentum- und Frauen oder Sklaven oder Kriegsgefangene gehörten ihm- aus der Welt schaffen. Er schadet damit ja höchstens sich selbst.“1 Erst in späterer Zeit wird das Gebot auch auf unfreie Menschen erweitert. Doch Krieg, Todesstrafe oder Tiertötung sind ursprünglich nicht gemeint. Heute wird viel darüber diskutiert, welche Aspekte der Tötung dieses Gebot beinhaltet.

f) ‚Du sollst nicht ehebrechen’

Die Ehe war zur damaligen Zeit nicht vergleichbar mit unserem heutigen Verständnis von Ehe. Die israelitische Ehe war eine Kaufehe, Brautgeld war üblich. Der Mann konnte auch in Polygamie leben, mehrere Frauen haben. Die Frau war Eigentum des Mannes. Der Mann, der eine verheiratete Frau verführte beging somit ein Eigentumsdelikt. Durch den sexuelle Kontakt mit ihr beging sie jedoch Ehebruch. Wenn ein verheirateter Mann mit einer unverheirateten Frau in Kontakt kam, dann war dies kein Ehebruch. Wenn eine Frau die Ehe brach, war das ihr Todesurteil, sie wurde gesteinigt. Bei den Männern war es kaum der Rede wert. Der Mann konnte sich auch, im Gegensatz zur Frau, scheiden lassen.

Doch warum ist Ehebruch verboten, warum kommt dieses Gebot in den Zehn Geboten vor? Wahrscheinlich wollte sich Israel damals bewusst von den anderen Kulturen abgrenzen. Es gab viele Fruchtbarkeitskulte und Prostitution. Außerdem wurden durch dieses Gebot die Gefühle der Menschen geschützt. Denn für jeden ist eine solche Erfahrung eine leidvolle. Beispiele zeigt das Alte Testament (z.B. Spr. 6,33). Dieses befürwortet auch die echte, wahre Liebe und diese ist beheimatet in der Ehe.

g) ‚Du sollst nicht stehlen’

Gemeint ist bei diesem Gebot wahrscheinlich der Raub eines freien Menschen, sowie der Diebstahl von Vieh oder Sachgegenständen. Beschützt werden sollen bei diesem Gebot der Mensch und sein gesamtes Eigentum. Zur damaligen Zeit wurde noch mit Menschen gehandelt, sie wurden versklavt. Kurz hinter den Zehn Geboten bei Ex. 21, 16 lässt sich finden „wer einen Menschen raubt, gleichgültig, ob er ihn verkauft hat oder ob man ihn noch in seiner Gewalt vorfindet, wird mit dem Tod bestraft.“

h) ‚Du sollst nicht gegen deinen Nächsten aussagen als nichtiger Zeuge’

Hierbei geht es nicht um die normale tägliche Lüge, nicht um das Lügen an sich, auch nicht um private Verleumdung. Das Gebot richtet sich an Zeugen bei einem Prozessverfahren, es ging also um die eidliche Zeugenaussage vor Gericht, wodurch ein Mitmensch in Gefahr geriet.1 Die Falschaussage vor Gericht konnte einen Mann in Lebensgefahr bringen. Deswegen und wegen der hohen Missbrauchsrate wurde eingeführt, dass bei Androhung der Todesstrafe mindestens zwei Zeugen von Nöten sind. Dies schloss allerdings den Missbrauch nicht aus.

i) ‚Du sollst nicht begehren die Frau (das Haus) deines Nächsten’

Der Besitz eines Mannes, sei es sein gesamtes Habe oder nur seine Frau, muss geschützt werden, denn er ist manchmal monatelang von zuhause fort.

Bei diesem Gebot ist ein eindeutiger Unterschied festzustellen. Ex. nennt als erstes das Haus, Dtn die Frau. Bei Ex. ist wahrscheinlich mit Haus der gesamte Besitz, die gesamte Habe des Hausherren gemeint, darunter würde dann auch die Frau fallen. Die Frau wird bei Ex. mit den anderen materiellen Besitztümern, wie Knecht und Rind genannt, sie wird in ihrer Wertschätzung runtergestuft. „Daß die Frau im Deuteronomium- Dekalog abgetrennt vom übrigen Besitz aufgeführt wird, hat man als Entwicklung in der Humanisierung bzw. Sonder- und Höherstellung der Frau in Israel im Vergleich zur orientalischen Umwelt verstehen wollen. Die Frau gelte nicht einfachhin wie ein Besitz.“ 1 Für den Mann hat die Frau bei Dtn eine besondere Position. Ihr ist das gesamte neunte Gebot alleine gewidmet.

k) ‚Und du sollst nicht begehren das Haus (die Frau) deines Nächsten, sein Feld und seinen Knecht und seine Magd, sein Rind und seinen Esel, und alles, was deinem Nächsten gehört.’

Umstritten ist, ob beim Begehren auch Neid und Missgunst gemeint ist, oder ob es nur um das wirkliche Ansichnehmen geht. Wird das Gebot schon gebrochen, wenn man an den Besitz des Nächsten denkt, sich etwas davon wünscht? Wahrscheinlich ja, denn das neunte und zehnte Gebot sind Erweiterungen des sechsten und siebten Gebotes. Schon dort werden die Frau und das Gut eines Mannes gesichert gegen bestimmte Handlungen. Doch bei dem neunten und zehnten Gebot gilt schon der Gedanke an den Besitz und an die danach folgenden falschen Handlungen als Sünde.

Obwohl es scheinbar so aussieht, als ob man das neunte und zehnte Gebot leicht zusammenfassen könnte, ist es doch wichtig näher hinzuschauen. Das Dtn zieht eine klare Linie zwischen dem Begehren nach der Frau und dem Begehren nach dem Besitz des Mannes. Bei einer Zusammenfassung, wäre die klare Hervorhebung der Frau nicht mehr gewährleistet. Bei Ex. hingegen fällt es schwer, eine Abgrenzung zwischen den Geboten zu erkennen. Das Haus steht hier an oberster Stelle, die Frau wird mit Knecht und Rind in einem Satz genannt. Eine Zusammenfassung wäre also in beiden Fällen nicht sinnvoll, da somit der ursprüngliche Sinn verfremdet werden würde.

Abschließend zu sagen ist, dass die Zehn Gebote den Menschen der damaligen Zeit Sicherheit und Halt bieten sollten. Sie sind zu sehen als Richtlinien, durch deren Befolgung ein erfülltes und freies Leben gesichert wurde. Auch heute noch sind die Zehn Gebote für alle Menschen von hoher Bedeutsamkeit, für Christen, für Juden aber auch für Gläubige anderer Religionen. Die Zehn Gebote sind fundamental für ein gelingendes Zusammenleben in jeder Gesellschaft. Das friedliche Leben wird durch sie gesichert. Sie sind Richtlinien im haltlosen Leben vieler herumirrender Menschen.

5) Kritik

Was meinen nun die Zehn Gebote? Was verlangen sie von mir? Sind sie auf „Universalität angelegt, auf Vollständigkeit oder allgemeine Gültigkeit.“ 1 ?

Meiner Meinung nach ist es schwierig, die Zehn Gebote und ihren ursprünglichen Sinn auf heute zu übertragen. Die Zehn Gebote richten sich an freie, besitzhabende, rechtsfähige Israeliten, sie sprechen Männer an. Sie schützen ihr Leben, ihre Freiheit und ihr Eigentum. Können solche Gesetze auf Kinder übertragen werden? Oder werden sie bei einer solchen Übertragung nicht total verfremdet?

Dass die Zehn Gebote im Laufe der Jahrhunderte ihre hohe Wertschätzung beibehalten haben, ist auf ihre Verkündigung im Interesse der Besitzenden zurückzuführen. Eine Sicherung der Macht, des Eigentums wird dadurch sichergestellt. Dies ist natürlich für die Kirche und die obere Schicht von Vorteil. Doch es fehlen viele Weisungen. Wie sollen die Abgaben verteilt werden, weitere soziale Fragen, der Umgang mit Fremden, Asylanten, Armen und Sozialfällen bleibt völlig außen vor. Die Zehn Gebote werden oft als DIE Gesetzte schlechthin dargestellt, dabei werden sie oft aus dem Kontext gerissen. So können sie wohl nicht mehr als Gottes Wille überhaupt dastehen. Jesus hat bei seiner Bergpredigt die Zehn Gebote erweitert und ihnen einen neuen Sinn gibt. Jesus erweitert außerdem die Zehn Gebote um ein Vielfaches in seinem Reden und Handeln. Man sollte also gar nicht mehr von den Zehn Geboten sprechen ohne darauf hinzuweisen, dass Jesus diese neu geschrieben hat. 2

Für mich stellen sich jedoch noch weitere offene Fragen: Sind die Zehn Gebote überhaupt noch umsetzbar in unserer modernen Welt? Was muss der einzelne beachten? Auf wen soll er überhaupt noch hören? Viele Menschen wollen ethische Regeln aufstellen, Regeln die ein gelingendes Zusammenleben sichern. Doch wer zeigt einem den richtigen Weg? Die Kirche, die Gesellschaft, die Politik, somit das Strafsystem? Oder sind es die Eltern, die Freunde, die Lehrer oder doch die Medien? Kann ich meinen eigenen Weg gehen? Junge Menschen fühlen sich durch die Fülle der angeblich richtigen Wege erschlagen. Doch obwohl ein scheinbarer Überfluss an Wegen herrscht, ist es bei näherer Betrachtung ein Mangel. Denn niemand kann allgemein gültige ethische Regeln aufzeigen, die der Gesellschaft und dem einzelnen Halt geben können. Sind es die Zehn Gebote, die diese Aufgabe erfüllen können? Sind sie nicht schon verjährt, da sie über 2000 Jahre alt sind? Oder sind sie gerade deswegen prädestiniert diese Aufgabe zu erfüllen, weil sie schon erprobt sind und sich diese lange Zeit über immer wieder bewiesen haben?

6) Didaktik

Die Zehn Gebote sind in jedem Lehrplan der Grundschule wiederzufinden. Sie stehen unter dem Thema ‚Verantwortung erkennen und übernehmen’. In Klasse 1+2 geht es dabei mehr um Regeln und Gebote als Wegweiser. Die Kinder sollen erkennen, dass das Einhalten bzw. Nichteinhalten bestimmter Regeln Auswirkungen für das eigene Leben und das Leben Anderer hat. In den Klassen 3+4 sollen Kinder lernen den Sinn der Regeln zu verstehen und ihm zu folgen. Die Kinder sollen Werte kennen lernen wie Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Diese Werte sollen nicht nur vermittelt, sondern den Kindern nahegebracht werden. Die Zehn Gebote werden explizit im Lehrplan genannt, sie dienen als konkreter Weg zur Freiheit und für ein Leben in Schutz und Würde. In der vierten Klasse werden die Zehn Gebote mit Aussagen der Bergpredigt in Zusammenhang gebracht.1 Die Zehn Gebote als Thema stellen an den Lehrer einige Herausforderungen, denn die Zehn Gebote lassen sich nicht leicht auf die heutige Zeit übertragen. Einige Kinder werden manche der Gebote nicht mehr nachvollziehen können und sie deswegen kategorisch ablehnen. Ihre Vermittlung ist trotzdem von hoher Bedeutung. Ein weiteres Problem ist für den Lehrer zu beachten. Fast alle Kinder im Grundschulalter haben noch keinen festen Bezug zu den Zehn Geboten, ihr tieferer Sinn ist noch nicht klar. Die Kinder in der 1+2 Klasse befinden sich noch in einer Stufe des moralischen Urteils, indem sie sich an Bestrafung und Gehorsam orientieren. Eine Handlung ist demnach richtig, wenn keine Bestrafung folgt. Der Wert einer Handlung oder dessen Bedeutung ist unwichtig. In der 3+4 Klasse befinden sich die Kinder in der in der ‚Gesetz und Ordnung’ Orientierung. Das Kind hält sich an Regeln und respektiert Autoritäten. Die herrschende soziale Ordnung wird um ihrer selbst willen gestützt, eine Hinterfragung des Systems und der Regeln kommt nicht vor.2 Es ist also schwierig bestimmte Seiten der Zehn Geboten zu vermitteln, denn die

Kinder werden die Zehn Gebote in erster Linie aus Angst vor Sanktionen befolgen. Trotz dieser Schwierigkeiten ist es äußert wichtig, dass der Lehrer Wege findet den Kindern aufzuzeigen, dass sich bei Befolgung Heil erfahren lässt. Dies ist eins der primären Ziele bei dem Thema Zehn Gebote.

Was muss der Lehrer bei seiner Vorbereitung noch beachten?

Die Kinder kennen meist nicht den geographischen Raum, in dem sich alles abspielt. Daher ist es sinnvoll eine Landschaft nachzubauen. So können Kinder leicht erkennen, wo sich die Geschichte gerade abspielt und unter welchen Umständen sich alles ereignete. Auch ein kleiner Exkurs in den geschichtlichen Hintergrund wäre gut, Nomadenleben, politische Hintergründe, Auszug aus Ägypten. Es ist allerdings zu beachten, dass durch das Hintergrundwissen nicht die Wundergeschichte an sich als realhistorisch aufgenommen werden, dies wäre hinderlich für spätere biblische Überlieferungen. Die Kinder sollen erkennen, dass die Zehn Gebote ein auf Frieden und Zukunft orientiertes Werk Gottes sind.

In diesem Zusammenhang lässt sich gut Elfriede Prskawetz Buch: ‚Julia entdeckt die 10 Gebote’ im Unterricht bearbeiten. In diesem Buch entdeckt die kleine Julia, dass die 10 Gebote, die sie gerade im Religionsunterricht durchnehmen, sehr viel mit ihrem eigenen Leben zu tun hat. Sie erkennt Parallelen und sieht den Sinn der Gebote. Das Buch ist in einzelne kurze Kapitel eingeteilt, die gut von verschiedenen Kindern am Anfang jeder Stunde gelesen werden können. Die einzelnen Gebote werden benannt und mit Situationen aus dem Alltag der Kinder verknüpft. Dieses Buch schildert sehr gut, dass auch Kinder die 10 Gebote verstehen und für sich nutzen können, sie sind also auch für den Alltag der Kinder von höchster Wichtigkeit.

Eine Zusammenarbeit zwischen Deutschunterricht und Religionsunterricht wäre hier sinnvoll.

7)Literaturverzeichnis

1) Zink, Jörg, Neue Zehn Gebote, Stuttgart 1995
2) Läpple, Alfred, Von der Exegese zur Katechese, Werkbuch zur Bibel, Band 1, Das Alte Testament ׀, München 1975
3) Renker, Alwin, Zentralthemen des Alte Testaments, im Religionsunterricht der Sekundarstufe 1 und 2, Paderborn 1984
4) Grundschule in NRW, Richtlinien und Lehrpläne zur Erprobung, Katholische Religionslehre
5) Dorlöchter, Heinz, Maciejewski, Gudrun, Stiller, Edwin, Phoenix, Der etwas andere Weg zur Pädagogik, Ein Arbeitsbuch Band 2, Paderborn 2000

[...]


1 Söding, Thomas, Thesenpapier

2 vgl. Läpple, Alfred, Von der Exegese zur Katechese, S. 140

3 vgl. Münch, Christian, Thesenpapier

1 vgl. Läpple, Alfred, Von der Exegese zur Katechese, S. 113

1 Läpple, Alfred, Von der Exegese zur Katechese, S. 128

2 Läpple, Alfred, Von der Exegese zur Katechese, S. 142

1 Renker, Alwin, Zentralthemen des Alte Testaments, S. 43

1 Zink, Jörg, Neue Zehn Gebote, S. 39

1 Zink, Jörg, Neue Zehn Gebote, S. 42

1 vgl. Zink, Jörg, Neue Zehn Gebote, S. 45

1 Renker, Alwin, Zentralthemen des Alte Testaments, S. 44

1 Zink, Jörg, Neue Zehn Gebote, S. 50

2 vgl. Zink, Jörg, Neue Zehn Gebote, S. 51

1 Grundschule in NRW, Richtlinien und Lehrpläne zur Erprobung, Katholische Religionslehre, S. 16

2 Dorlöchter, Heinz, Phoenix, S.45

Details

Seiten
20
Jahr
2005
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v110235
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
2,6
Schlagworte
Zehn Gebote

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