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Subkulturen im Gefängnis

von Stefanie Meyer (Autor) Stefanie Vosseler (Autor)

Seminararbeit 2001 26 Seiten

Soziologie - Recht, Kriminalität abw. Verhalten

Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Einführung in den Subkulturbegriff

3 Geschichte des Gefängnisses

4 Gefängnissituation in Deutschland
4.1 Aktuelle Zahlen
4.2 Tagesablauf
4.3 Die Zellensituation

5 Gefängnis als totale Institution

6 Theorien zu Gefängnissubkultur
6.1 Prozess der Prisonierung
6.2 Deprivationstheorie
6.3 Theorie der kulturellen Übertragung
6.4 Neuere Entwicklungen

7 Die Entstehung und Bildung von Gruppen
7.1 Die allgemeine Gruppenbildung
7.2 Die Gruppenbildung im Gefängnis

8 Die Führerpersönlichkeiten im Gefängnis

9 Das Verhältnis zwischen Wärtern und Gefangenen

10 Die Sprache im Gefängnis

11 Beispiele unterschiedlicher Subkulturausbildung
11.1 Frauen im Gefängnis
11.2 Jugendliche im Gefängnis

12 Exkurs: Vergleich zwischen Gefängnis und Big Brother

13 Schlussbemerkung

14 Literaturverzeichnis

15 Anhang: Tabelle1

1 Einleitung

Dostojewski hat es erlebt, ebenso Oscar Wilde und andere Menschen, die ihre Erfahrungen später autobiographisch festhielten – das Leben im Gefängnis. Verschwommen zwischen Mythos und Vorurteilen entwickelt jeder Mensch einen Eindruck von dem Leben hinter den Mauern, eine Vorstellung, die in den meisten Fällen nicht von der Realität in Form einer gerichtlichen Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe eingeholt wird.

Während der Gesetzgeber mit der Festlegung der Vollzugsziele durch den Vollzug der Freiheitsstrafe den Gefangenen dazu befähigen will, in Zukunft ein sozial verantwortliches Leben ohne Straftaten zu führen, gibt es zahlreiche Untersuchungen, die darauf hinführen, dass der Strafvollzug eine negative Auswirkung auf gesellschaftskonforme Orientierungen der Inhaftierten ausübt. Doch woher kommt diese Diskrepanz zwischen den Zielen des Freiheitsentzugs und der daraus resultierenden Realität?

Das Leben eines Menschen erfährt mit seiner Inhaftierung in ein Gefängnis eine einschneidende Veränderung. Die neue Situation stellt den Mensch vor die Aufgabe, mit seiner fremden, ungewohnten Umgebung umzugehen. Möglicherweise sind es diese Eindrücke oder vielleicht doch eher die Einflüsse aus der individuellen kulturellen Vergangenheit der Inhaftierten, welche das Leben im Gefängnis langfristig prägen?

Einig ist man sich darüber, dass das Leben im Gefängnis besondere Formen annimmt und sich bestimmte Lebensweisen ausbilden, welche in unterschiedlichen Subkulturen ihren Ausdruck finden.

Auch wenn es im Gefängnis die Subkultur der Wärter und die Gefangenensubkultur, wird es in dieser Arbeit hauptsächlich um die Gefangenensubkultur gehen.

Nach einer kurzen allgemeinen Einführung in die gängigen Subkulturkonzepte, die Geschichte des Gefängnisses und die Gefängnissituation in Deutschland wird in dieser Hausarbeit auf das Gefängnis als totale Institution eingegangen. Anschließend werden die grundlegenden Theorien zur Subkulturbildung im Gefängnis vorgestellt, bevor die Gruppenbildung und die Ausbildung von Führungspersönlichkeiten beleuchtet werden. Das Verhältnis zwischen Wärtern und Gefangenen, sowie die Sprache im Gefängnis werden betrachtet, ehe die Arbeit mit zwei Beispielen und einem Exkurs über einen Vergleich zwischen Big Brother und dem Gefängnis abgerundet wird.

2 Einführung in den Subkulturbegriff

Der Begriff „Subkultur“ setzt die Existenz einer dominanten Kultur voraus. Beiden ist gemeinsam, dass sie sich einerseits auf allgemein anerkannte Werte und Normen beziehen, das Subkulturen aber andererseits in Bezug auf bestimmte Werte und Normen als abweichend definiert werden.

In der sozialwissenschaftlichen Literatur unterscheidet man zwischen Subkulturen, die

1. von der dominanten Kultur abweichen, ohne mit ihr in Konflikt zu geraten,
2. im Konflikt mit ihr liegen
3. auf eine Veränderung der dominanten Kultur drängen.

Beispiele hierfür sind: Kriminelle, sexuelle, politische, jugendliche, schichtspezifische Subkulturen.[1]

Des Weiteren kann man eine Unterscheidung zwischen freiwilligen und unfreiwilligen Subkulturen vornehmen. Während die Mitgliedschaft in einer freiwilligen Subkultur gewählt werden kann, ist dies bei den unfreiwilligen Subkulturen in der Regel nicht der Fall. Unfreiwillige Subkulturen bilden sich zum

Beispiel in einer totalen Institution oder aufgrund der Zugehörigkeit zu einer ethnischen Minderheit. Ihre Mitgliedschaft im Gegensatz zur Mitgliedschaft in freiwilligen Subkulturen ist oft mit Unterprivilegiertheit und Stigmatisierung verbunden. Dabei sind die Grenzen zwischen beiden Subkulturarten nicht immer eindeutig zu ziehen, wie zum Beispiel im Falle der Drogensubkultur und der Subkulturen sexueller Minderheiten.

Unfreiwillige Subkulturen besitzen oftmals einen Doppelcharakter. Während sie einerseits einen Schutz gegen persönlichkeitsdestruierende Kontrollmechanismen von außen bieten können, entwickeln sie andererseits oft Rituale, welche zu rigiden Zwangssystemen mit Degradierung und Korruption führen können. Die in der Regel eine strenge hierarchische Rangordnung zur Folge haben. Die Ächtung durch Angehörige der Mehrheitskultur kann eine Minderheit erst zur Ausbildung einer subkulturellen Identität veranlassen.[2]

Die Herausbildung besonderer Norm- und Wertstrukturen sowie spezifischer kognitiver Bedeutungsmuster und Ausdrucksformen ist bei der Subkultur auf einen empfundenen Zwang zur Abschirmung, Abwehr oder sogar Opposition zurückzuführen. Durch bestimmte Umweltbedingungen wird das Entstehen besonders rigider Solidaritätsnormen gefördert, ferner dienen bestimmte Ausdrucksformen und Wertmuster der Gruppe dazu, ein eigenständiges Selbstverständnis sowie ein stabiles und vertrautes Gruppenleben zu sichern und Gefahren wie den von außen kommenden „Kulturdruck“ abzuwehren.

Subkulturkonzepte gehen davon aus, dass die Teilnehmer einer Subkultur einen Prozess sozialer Integration vollzogen haben, um subkulturellen Strukturen und Verhaltensanforderungen gemäß handeln zu können.[3]

3 Geschichte des Gefängnisses

Maßnahmen des Freiheitsentzugs hatten lange Zeit vorwiegend die Aufgabe, Täter für das kriminalrechtliche Verfahren und die Bestrafung verfügbar zu halten.

Somit galt nicht der Freiheitsentzug als Strafe, sondern die nach der Verurteilung verhängten Geldbußen oder Leibesstrafen. Der Übergang der

Inhaftierung zum Zwecke der Untersuchungs-, Sicherungs-, Exekutions- oder Beugehaft hin zum Freiheitsentzug als Mittel der Bestrafung vollzog sich erst im Laufe der Zeit.

Forscher sind sich weitgehend uneinig darüber, ab wann sich der systematische Einsatz von Gefängnissen als Mittel der Durchsetzung von Strafgesetzen etabliert hat.

Im Mittelalter wurden lediglich Geistliche und Adelige inhaftiert, da man ihnen nicht wie allen anderen Körperstrafen zumuten wollte.[4]

Foucault begründet den „Siegeszug“ der Gefängnisse als Mittel der Bestrafung mit den Idealen der Aufklärung. In dieser Zeit wurde der Freiheitsentzug als zivilisiertere Strafform angesehen als die Leibesstrafe. Da die Freiheit für jedes Individuum ein hohes Gut darstellte , galt der Freiheitsentzug als egalitärer im Vergleich zu Geldbußen.

Gefängnisstrafen erlaubten eine exakte Quantifizierung der Strafe und schien dadurch gerechter bemessenbar. Zudem übernahm das Gefängnis die Rolle Individuen umzuformen (Besserungsanstalt).[5]

Der Erziehungs- und Besserungsvollzug wird als maßgeblich für die Entstehung der „modernen“ Freiheitsstrafe angesehen.[6]

4 Die Gefängnissituation in Deutschland

4.1 Aktuelle Zahlen

Die Zahl der Strafgefangenen ist von 1997 bis 1999 von 51 642 auf 59 707 Strafgefangenen angestiegen, das entspricht einem Wachstum von ungefähr 12 Prozent. Interessant dabei ist, dass darunter nur 2467, also nur ca. 4% weibliche Strafgefangene sind. Während die meisten Strafgefangenen zwischen 21 und 50 Jahren alt sind, weisen Menschen über 60 von allen Altersgruppen[7]

die geringste Kriminalitätsbelastung auf. Durchschnittlich sitzen die meisten

Strafgefangenen zwischen 3 Monaten und 5 Jahren ein.

4.2 Tagesablauf im Gefängnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4.3 Die Zellensituation

Das Strafvollzugsgesetz (§18) legt fest, dass Gefangene in der Regel in Einzelzellen untergebracht sind. Ausnahmen dürfen nur gemacht werden, wenn ein Gefangener hilfsbedürftig ist oder eine Gefahr für sein Leben oder seine Gesundheit besteht[8].

Im offenen Vollzug können Gefangene darüber hinaus auch dann gemeinschaftlich untergebracht werden, wenn sie dem zustimmen und keine schädliche Beeinflussung zu befürchten ist.

[...]


[1] Bahrdt, Hans Paul 1997, S. 92ff

[2] Müller- Kohlenberg, Hildegard 1991, S. 591f

[3] Bahrdt, Hans Paul 1997, S. 92ff

[4] Walter, Michael 1999, S. 24ff

[5] Foucault, Michel 1998, S. 295ff

[6] Walter, Michael 1999, S.29

[7] vgl. Tabelle 1: Statistisches Bundesamt

[8] www.knast.net

Details

Seiten
26
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638172912
Dateigröße
562 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v11023
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg – FB Soziologie
Note
1,0
Schlagworte
Subkulturen Gefängnis Seminar Perspektiven

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