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Ernährungsverhaltensweisen Jugendlicher im Kontext ihrer Lebensstile

Referat (Ausarbeitung) 2005 13 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Soziologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. „Soziologie der Mahlzeit“

3. „Essen und Identität: Zur sozialen und kulturellen Dimension der Ernährung“

1. Einleitung

Die Ernährung nimmt in der heutigen Zeit einen immer höheren Stellenwert im Leben der Menschen und in der Medienlandschaft ein. Sie ist verknüpft mit dem individuellen Lebensstil und der Identität der Person. Das Sprichwort „Der Mensch ist, was er isst.“ (Feuerbach) bekommt eine völlig neue Bedeutung. Die verschiedenen Eßgewohnheiten reichen von „Fast Food“ geprägter Ernährung über gesundheitsbewusstes Essen bis hin zu vegetarischer oder veganer Lebensweise. Mit den verschiedenen Ernährungsstilen sind Stereotype verbunden, d.h. man assoziiert bestimmte Ernährungseinstellungen mit einem konkreten Typ Mensch. Die Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat den Zusammenhang des Ernährungsverhaltens Jugendlicher und ihrer individuellen Lebensstile sowie anderer Einflussfaktoren untersucht und konnte eine starke Beeinflussung des Ernährungsverhaltens durch diese aufzeigen.

Die Notwendigkeit von Essen und Trinken ist allen Menschen gemeinsam, dennoch gibt es gravierende Unterschiede in der Art und Weise der Nahrungsaufnahme, zum einem kulturbedingt und zum anderen beeinflusst durch die Sozialisation.

In der folgenden Arbeit möchte ich mich anhand des Textes von Georg Simmel „Die Soziologie der Mahlzeit“ und des Textes von Bettina Mann „Essen und Identität: Zur sozialen und kulturellen Dimension der Ernährung“ mit diesem Thema auseinander setzen, dabei nehme ich Bezug auf die oben genannte empirische Studie der BZgA „Das Ernährungsverhalten Jugendlicher im Kontext ihrer Lebensstile“.

2. „Soziologie der Mahlzeit“

Georg Simmel, einer der Mitbegründer der Soziologie in Deutschland, verdeutlicht in seiner Schrift „Soziologie der Mahlzeit“ die Bedeutung der sozialen Funktion der Essensaufnahme. Er weist auf die paradoxe Zwiespältigkeit des Essens hin, welches sich egoistisch und gesellschaftlich zugleich vollzieht. Es sei eine Gemeinsamkeit aller Menschen, dass sie essen und trinken müssen, doch nicht jeder Mensch könne unter Umständen das Gleiche essen. Es muss sich zwar jeder Mensch ernähren, doch es muss nicht zwingend in der Gemeinschaft geschehen. Dennoch ist das gemeinsame Essen und Trinken seit jeher ein fester Bestandteil im Leben der Menschen. Ein berühmtes Beispiel dafür ist das christliche Abendmahl, durch dieses werden die Menschen miteinander verbunden. Dabei ist einzigartig, dass jeder Teilnehmende genau dasselbe zu sich nimmt, eine Hostie, die mit dem Leibe Jesu identifiziert wird. Somit wird hier der egoistische, individuelle Aspekt einer jeden Mahlzeit überwunden. (Simmel, 1910)

Selbst Personen, die nichts außer dem gemeinsamen Interesse an Nahrung verbindet können sich zu einer Mahlzeit zusammen finden. Im arabischen Kulturkreis hat die gemeinsame Nahrungsaufnahme eine derart sozialisierende Kraft, dass es einen Feind zum Freund macht. (ebd.)

Simmel belegt seine These des großen sozialen Wertes gemeinsamer Mahlzeiten, anhand der Verbote in früheren Epochen. Dort war es nicht gestattet mit Menschen, die bestimmten religiösen oder kulturellen Gruppen angehörten, zu speisen. (ebd.)

Die gemeinsame Nahrungsaufnahme sei speziell im Mittelalter ein wichtiger Fixpunkt im Alltagsleben gewesen, welcher die Zusammengehörigkeit immer wieder neu bestätigte. (ebd.)

Ein weiterer Beweis für die soziale Funktion der Essensaufnahme, ist das Auftreten von Vorschriften bezüglich der Konsumierung des Essens. Mahlzeiten treten in einer gesonderten Regelmäßigkeit auf, d.h. es nimmt nicht jeder einzelne etwas zu sich, wenn er Hunger verspürt, sondern man trifft sich zu einem bestimmten Zeitpunkt, der Naturalismus des Essens wird hiermit überwunden. Besonders in höheren Ständen gibt es explizite Regelwerke, die bestimmen wie man sich während der Mahlzeiten zu verhalten habe. Die Individualität des Essens wird dadurch aufgehoben, insbesondere durch das Essen mit Besteck, welches eine Distanz zu der Nahrung aufbaut. Gegenläufig dazu wirkt hingegen das Einteilen von Essensportionen auf dem eigenen Teller, diese ist individuell für eine Person gedacht. Dieser Individualismus wird durch eine Gleichartigkeit des Geschirrs an einer Tafel wieder zu einer Gemeinschaftlichkeit. Die Ästhetik hat beim Essen also auch eine große Bedeutung. Sie bezieht sich sowohl auf die Farbgebung des Geschirrs und Bestecks als auch auf ein stilvolles Interieur im Essbereich. Durch die im vorherigen beschriebenen Beiwerke zur Nahrungsaufnahme, wird der eigentliche niedere Beweggrund zum Essen, nämlich die Bedürfnis- befriedigung, überspielt. (Simmel, 1910)

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Details

Seiten
13
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783640083756
ISBN (Buch)
9783640535378
Dateigröße
376 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v110199
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
unbenotet
Schlagworte
Ernährungsverhaltensweisen Jugendlicher Kontext Lebensstile Populäre Musikkultur Veganismus Jugendszenen

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Titel: Ernährungsverhaltensweisen Jugendlicher im Kontext ihrer Lebensstile