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Intergenerational influence and ontogenetic development in the emergence of spatial grammar in Nicaraguan Sign Language

Referat (Ausarbeitung) 2006 21 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Perioden der nikaraguanischen Gebärdensprachgeschichte
1.1. Vor-Kontakt Periode
1.2. Extensive Kontakt Periode
1.2.1. Horizontaler und vertikaler Kontakt

2. Die Auswahl einer linguistischen Kategorie für die Studie
2.1. Räumliche Modulation
2.2. Produktion der räumlichen Modulationen in der nikaraguanischen Gebärdensprache

3. Modell und Hypothesen

4. Methode
4.1. Teilnehmer
4.2. Materialien und Verfahren
4.3. Bewertung

5. Resultate

6. Interpretation

7. Literatur:

8. Anhang
8.1. Abbildung 1
8.2. Abbildung 2
8.3. Abbildung 3:

Einleitung

Das Hervortreten einer neuen Gebärdensprache unter tauben Kindern und Jugendlichen ist Gegenstand der Forschungsarbeit von Anne Senghas (2003).

Die vorliegende Untersuchung betrachtet das Hervortreten der räumlichen Modulationen in der nikaraguanischen Gebärdensprache (NSL), im Zeitraum von 1974 bis 1990. Erst durch die Entstehung von Sonderschulen (1977) und Verbänden für Taube, waren die Vorbedingungen geschaffen, die eine generationsübergreifenden Interaktion innerhalb der Gemeinschaft ermöglichte. Diese wiederum war eine Vorbedingung für die Entwicklung und Ausbreitung der Nikaraguanischen Gebärdensprache.

Senghas untersucht, wie grammatische Eigenschaften einer Sprache entstehen, wie sie sich ausbreiten und wie neue Sprachmilieus konstruiert werden.

Sie geht davon aus, dass das Wissen über grammatische Regeln von einer Generation zur nächsten weitergereicht werden muss, damit eine Sprache fortbestehen kann und von folgenden Komponenten abhängig ist:

1. der Charakteristika der ontogenetischen Entwicklung der Einzelnen Sprachbenutzer
2. den historische Veränderungen in den Interaktionsmustern der Benutzer

Die dargelegte Untersuchung möchte herauszufinden, wie diese sozio-kulturelle Entwicklung entlang einer historischen Zeitspanne, bei der Ausformung einer Grammatik dieser neuen Sprache, mit der individuellen ontogenetischen Entwicklung interagiert.

Nach einem kurzen Überblick der historischen Entwicklung der nikaraguanischen Gebärdensprache, wird das angewandte Versuchsmodell erläutert, an dem zwei Versuchsgruppen mit insgesamt 12 Teilnehmern, die während des Test im Alter von 12,5 bis 29;10 (Jahr; Monat) befanden, teilnahmen. In der gestellten Verständnisaufgabe wurde ihre Interpretationen von räumlich modulierte Verben untersucht. Das Eintrittsdatum in die NSL Gemeinschaft wurde als Ausgangsvariable mitberücksichtigt.

1. Perioden der nikaraguanischen Gebärdensprachgeschichte

1.1. Vor-Kontakt Periode

Vor den 70er Jahren hatten taube nikaraguanische Kinder und Erwachsene wenig Kontakt untereinander (Polich, 1998; Senghas, 1997, 2003). Weil Taubsein gesellschaftlich stigmatisiert war und sie außerhalb der Familie kaum Kontakte zu ihresgleichen hatten. In dieser Isolation entwickelt sie häufig ein (homesign) Hausgebärden-Systeme, das heißt, eine idiosynkratische und rudimentäre Gesten-Systeme, dass zur Kommunikation mit hörfähigen Familienmitgliedern benutzt wurde (Goldin-Meadow, 1982; Morford, 1996).

Das durch Nikaraguaner entwickelte homsign-System variiert vermutlich sehr stark von einer tauben Person zur anderen in seiner Form und Komplexität (Coppola, 2002).

Offenbar waren die Voraussetzungen der Vor-Kontakt-Periode nicht ausreichend, um die Entwicklung eine Gemeinschaft oder eine Sprache zu unterstützen. Während dieser Periode entstand keine Tauben-Gemeinschaft und es konnte keine „sign language“ (SL) entwickelt oder beibehalten werden.

1.2. Extensive Kontakt Periode

Der Gleichaltrigen-Kontakt unter tauben Kindern erhöhte sich drastisch gegen Ende der 70er Jahre. Signifikanterweise, wurde 1977 ein Sonder-Schul-Zentrum eröffnet, das Unterricht für Taube von der Vorschule bis zum 6. Klasse bot. Obwohl der Sprachunterricht auf „Lippen-Lesen“ und „Spanischen sprechen“ (mit minimalem Erfolg) ausgerichtet war, durften sich die Kinder in Bussen und Schulhöfen durch Gesten unterhalten und begannen gemeinsam eine neue SL zu entwickeln. Bald danach, 1980 wurde eine berufliche Schule für Jugendliche etabliert. D.h. zum ersten Mal existierte eine kontinuierliche Tauben-Gemeinschaft, von der Kindheit bis zum frühen Erwachsenenalter. 1986 formierte sich eine sozialer Verein für taube Jugendliche und Erwachsene. Bis 1990 entwickelte sich aus diesem Verein der „Nationale Verband tauber Nicaraguaner“ unter der Leitung von tauben Erwachsenen. Der Verband förderte aktiv den Gebrauch der SL und ermöglichte regelmäßige Kontakte zwischen tauben Erwachsenen, Jugendliche und Kindern. Dies beinhaltete soziale Versammlungen, taub-trainierte athletische Mannschaften und in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Erziehung, Kultur und Sport, die Beiordnung eines Tauben-Unterrichtsassistenten für die Elementarschulklassenzimmer.

1.2.1. Horizontaler und vertikaler Kontakt

Seit ihrem Begin in der Mitte der 70-iger Jahre bis zum heutigen Tag, zeichnete sich diese Extensive-Kontakt-Periode durch ihren umfangreichen horizontalen Kontakt aus, das heißt, Interaktion zwischen Peers aller Altersgruppen, besonders unter jungen Kindern.

Als sie die Mitte der 80iger Jahre erreichte, kam die erste Gruppe der Kinder, die miteinander in Berührung waren, allmählich in die Adoleszenz und das Erwachsenalter. Während sie reiften, kreierten sie Situationen, die den generationsübergreifenden Kontakt förderten, das heißt, Kontakt mit einer zweiten, jüngeren Gruppe von Kindern, die gerade in die Gemeinschaft hinzukam (vertikaler Kontakt).

Infolgedessen wird diese Periode, außer der konstanten horizontalen Beeinflussung der Peers jeder Altersgruppe, durch die stufenweise Einführung des vertikalen Einflusses von der einen Altersgruppe zur folgenden charakterisiert.

Alle Teilnehmer der vorliegende Untersuchung kamen in der frühen Kindheit mit NSL, zu irgendeinem Zeitpunk dieser extensiven Kontakt-Periode, in Berührung; Sie unterscheiden sich dahingehend, in welchem Jahr sie mit der Sprache zuerst in Berührung kamen, beginnend mit der Mitte den 70-iger Jahre bis zu den 90ern Einer der ältesten Teilnehmer war ein Mädchen, das 1977 in die Sonder-Elementarschule kam. Sie und ihre Peers waren Teilnehmer der ersten Versuchsgruppe die ihren Peer-Kontakt von der frühen Kindheit bis zum heutigen Tag fortsetzten.

Der jüngste Teilnehmer betrat die Sonder-Grundschule 1990. So waren er und seine Peers Mitglieder der zweiten Versuchsgrupe, die nicht nur ausgiebigen Kontakt zu Gleichaltrigen, sondern auch zu Jugendlichen und Erwachsenen hatten, die die Sprache während der vorhergehenden 16 Jahren entwickelt hatten (vertikaler Kontakt).

Die Einstufung (Rang) der Studienteilnehmer repräsentiert die Übergangsphase des sozialen Kontaktes im Verlauf der 80er Jahre, von einer ausschließlich horizontalen, zu einer Kombination von horizontalen und vertikalen Beeinflussung.

2. Die Auswahl einer linguistischen Kategorie für die Studie

Die vorliegende Untersuchung versuchte die Innovation einer grammatischen „Regel“ in NSL zu erfassen und ihre Erhaltungsmuster in der Sprachengemeinschaft überprüfen. Für diese Analyse wurde ein grammatisches Element ausgesucht, das Wörter in längere Äußerungen kombiniert, wie z.B. zu Sätzen und Darstellungen.

Dazu wurde eine grammatische Direktive ausgesucht, die in SL üblich ist, aber nicht in gesprochen Sprachen vorgefunden wird: die räumliche Modulation (Abwandlung).

2.1. Räumliche Modulation

Die meisten Gebärden können in einer unbestimmten Form in einem neutralen, zentralen Raum vor der Brust des SL-Sprechers produziert werden. Man kann die Gebärde auch räumlich zu modifizieren, indem man sie mit einer Bewegung in eine bestimmte Richtung (nicht-neutralen Position) oder von dieser weg produziert.

Diese Modifizierungen oder „räumliche Modulationen“ sind typische Direktiven in den Grammatiken der existierenden Gebärdensprechen und wurden in allen bisher untersuchten SL vorgefunden (Padden, 1983; Supalla, 1982, 1995).

Funktionell ähneln räumliche Modulationen den grammatischen Endungen, die an Wörter gesprochener Sprachen angefügt werden.

In den SL der Welt, sind räumliche Modulationen beobachtet worden, die verschiedenen grammatischen Funktionen dienen, einschließlich der Anzeige von Person und Anzahl, der Bestimmung von örtlicher und zeitlicher Informationen und der Kennzeichnung grammatischer Beziehungen, wie z.B. von Objekt und Subjekt des Verbs (Fischer, 1973; Klima u. Bellugi, 1979; Padden, 1983).

Obgleich taube Nicaraguaner in den siebziger Jahren niemals mit einer entwickelten Grammatik in Berührung kamen, sind auch Haus-Gebärdensprecher beobachtet worden, die Gebärden in bestimmten Positionen des SL-Raumes produzieren, um Relationen zwischen Personen, Objekten und Tätigkeiten auszudrücken (Coppola, 2002 darzustellen; Goldin-Meadow u. Mylander, 1990).

So waren räumliche Hilfsmittel vermutlich Rohmaterialien für taube Nikaraguaner bei der Entwicklung eines komplexeren Systems für die Repräsentation grammatischen Relationen.

2.2. Produktion der räumlichen Modulationen in der nikaraguanischen Gebärdensprache

Eine Studie, die das Hervortreten der Morphologie in NSL erforscht (Senghas et al., 1997), produzierte eine Anzahl einfacher Sätze, die räumlich modulierte Verben enthielten. Einige davon wurden als Ausgangsstimuli für die vorliegende Vergleichsstudie entwickelt.

An dieser Studie nahmen 8 nikaraguanische Gebärdensprachen-Benutzer teil, jeweils 4 pro Versuchsgruppe. Vier davon kamen zwischen 1977 und 1983 (gekennzeichnet als die 1. Versuchsgruppe der Gebärdensprachen-Benutzer) zuerst mit NSL in Berührung und vier erst später, nach 1983 (gekennzeichnet als die 2. Versuchsgruppe der Gebärdensprachen-Benutzer).

Jeder Teilnehmer sah 32 Videoclips mit einfachen (live-action-events) Alltagstätigkeiten, wie z.B. „Eine Frau die einen Mann antippt, oder einen Mann, der einer Frau eine Tasse gibt.“ Jeder Tätigkeit entsprach ein Satz in SL.

Jedes Sätze-Set enthielt für gewöhnlich ein Verb für jede animierte Darlegung. Oder zwei Verben für zwei Einzelaktionen, wie z.B. in MANN GEBEN FRAU NEHMEN.

Diese Nomen Verb Nomen-Verb Zuordnungen zeigen eindeutig die unterschiedlichen semantischen Rollen in einem Ereignis (event), wie z.B. Subjekt, Objekt, aktiv, passiv, an.

Dabei wird jede Rolle mit jeweils einem Verb in Verbindung gebracht (Eindeutige Zuweisung).

Die vorliegende Untersuchung geht davon aus, dass bestimmte semantische Rollen durch räumlichen Modulationen angezeigt werden und nicht durch die Wortfolge.

In der Gebärdensprache beider Vergleichsgruppen, wurden viele Verben nach rechts hin oder nach links hin vom Gebärdensprachen-Benutzer moduliert.

Die Untersuchung waren primär daran interessiert herauszufinden, ob es ein unverkennbares Muster bei der räumlichen Modulationen gab, die von jedem Gebärdensprachen-Benutzer produziert und in gleicher Weise interpretiert wurde.

Alle auf Video aufgezeichneten Stimuli zeigten einen Mann und zwei Frauen, die an einem Tisch sitzen und einfache Tätigkeiten verrichtend (wie z.B. Husten, Antippen und Geben eines Gegenstandes).

Ein Gebärdensprachen-Benutzer, der diese Tätigkeiten im Raum darstellt, kann dies durch zwei Varianten darstellen, „rotiert“ und „unrotiert“ (Fig 1).

Entweder als Betrachten eines Ereignisses, aus Sicht der Videokamera, dies entspricht der „unrotierten“ Repräsentation, oder aus der Position des Handelnden oder Erduldenden im Ereignis, dies entspricht der „rotierten“ Repräsentation.

Jedes Verb, das räumliche Modulationen mit einschloss, wurde dahingehend gekennzeichnet, ob diesem Standort eine „rotierte“ oder „unrotierten“ Darstellung entsprach.

Um festzustellen, ob räumliche Modulationen produktiv genutzt wurden und potentiell grammatisch, wurde untersucht, ob einzelne Gebärdensprachen-Benutzer und jede Versuchsgruppe als solche eine gleich bleibende räumliche Darstellung in ihrer räumlichen Modulationen bei ihren Antworten benutzte.

Wie in Fig. 2 zu sehen ist, benutzten die Gebärdensprachen-Benutzer der 1. Versuchsgruppe beide möglichen räumlichen Darstellungen und waren in ihrem Gebrauch nicht konstant. Sie verwendeten beide Darstellungen wechselweise.

Bei der Gruppe die zwischen 1974 bis 1984 mit SL in Berührung kam, bzw. in die Gebärdensprachengemeinschaft eintrat, ist unwahrscheinlich, dass sie räumliche Modulationen als Funktion zur Anzeige von semantischen Rollen produktiv anwenden wird.

Die 2. Versuchsgruppe der Gebärdensprachen-Benutzer demgegenüber verwendete konstant eine einzelne Darstellung zur Entwicklung von räumlichen Modulationen in ihren Sätzen. Außerdem, haben alle vier, als Gruppe, die gleichen „rotierten“ Repräsentationen angewendet. Dieses Muster wurde durchweg zwischen Sätzen und zwischen den Gebärdensprachen-Benutzern produziert, daraus kann abgeleitet werden, dass räumliche Modulationen als geteiltes grammatisches Element in dieser Altersgruppe verwendet werden.

3. Modell und Hypothesen

Die vorliegende Untersuchung vergleicht, wie früh mit SL in Berührung gekommene nicaraguanische Gebärdensprachen-Benutzer räumlich modulierte Verben interpretieren.

In der vorhergehenden Produktionsaufgabe sollten die Teilnehmern für bestimmte Ereignisse passende Sätze in Gebärdensprache produzieren und diese wurden auf Video aufgenommen.

In der folgenden Untersuchung wurden Ihnen diese Sätzen als Videoclips präsentiert und sie sollten die Anzahl der Interpretationen anzuzeigen, die für jeden Satz möglich sind.

Dabei wurden Abbildungen aus, die verschiedene Versionen des Ereignisses bildlich darstellten.

Es wurden Sätze ausgewählt die keine eindeutigen semantischen Rollen durch die Wortfolge signalisierten. Die Antwort-Abbildung stellten das Zielereignis bildlich dar, durch:.

- von links nach rechts verlaufenden umgekehrten Bilder des Zielereignisses (mit jedem Schauspieler in der gleichen semantischen Rolle)
- durch verwirrende Ereignisse, mit den gleichen Charakteren

Es wurde erwartet:

- Teilnehmer, denen die Bewegungsrichtung eines Verbs sinnvoll uns spezifisch erschien, den räumlichen Verben ausschließlich eine Tätigkeitsversion zuschreiben.
- Teilnehmer, die diesen Kontrast nicht linguistisch interpretieren, beide akzeptieren, bzw. das Original und das umgekehrte Bilder des Ereignisses als mögliche Interpretation eines Satzes annehmen.

4. Methode

4.1. Teilnehmer

An der vorliegende Untersuchung nahmen 12 taube nikaraguanische Gebärdensprachen-Benutzer teil. Alle hatten sich der Gebärdensprachengemeinschaft im Alter von 6 Jahren angeschlossen und dann begonnen die Gebärdensprache zu benutzen, das durchschnittliche Alter betrug 4 Jahre; 0 Monate. Ihr Eintrittsdatum reichte von 1974 bis 1990, mit einem durchschnittlichen Eintrittszeitpunkt von 1984.

Sechs der Teilnehmer traten der Gemeinschaft zwischen 1974 und 1983 bei; sie werden als die 1. Versuchsgruppe gekennzeichnet.

Die restlichen sechs Teilnehmer traten der Gemeinschaft zwischen 1985 und 1990 bei; sie werden als die 2. Versuchsgruppe gekennzeichnet.

Zum Zeitpunkt der Untersuchung reichte das Alter der Teilnehmer von 12;5 (Jahr; Monat) bis 29;10; mit einem Durchschnittsalter von 20;4.

Alle Teilnehmer hatten vorher an der Produktionsaufgabe teilgenommen, aus der das Anregungsmaterialien für dieses Experiment entnommen[1] wurden.

4.2. Materialien und Verfahren

Die Anregungen bestanden aus einem Set von 22 Gebärden-Sätzen, die von acht dieser Teilnehmer 2 Jahre zuvor produziert wurden (vier von jeder Gruppe).

Die Sätze wurden im Verlauf der Produktionsaufgabe als Beschreibungen einer einfachen Tätigkeit gesammelt, wie z.B.: eine Frau tippt einen Mann an, und ein Mann gibt einer Frau eine Tasse.

Jede Einheit bestand aus einem einzelnen Satz von ungefähr 2 Sekunden Dauer, angezeigt auf einem kleinen Videomonitor, der ungefähr einen Arm weit entfernt stand.

Vier Sätze dienten als Trainingseinheiten und beschriebenen Tätigkeiten an der eine einzelne Person beteiligt war, wie z.B. Schreien und Springen, diese waren ohne Richtungsanweisung am Verb produziert.

Acht Testsätze beschrieben Tätigkeiten, in die zwei Personen miteinbezogen waren, wie Geben und Antippen, außerdem waren sie mit räumlich modulierten Verben erzeugt worden.

Die Testsätze wurden ausbalanciert im Hinblick auf ihre Modulationen zur linken oder rechten Seite hin und auch im Hinblick auf ihre räumlichen Konzeption (unrotiert oder rotiert) relativ zur ursprünglichen Tätigkeit, die sie repräsentierten.

Das heißt, in der Hälfte der Sätze würde ein Mann der sich im ursprünglichen Ereignis links befand, vom Gebärdensprachen-Benutzer mit einer Bewegung nach links (unrotiert) angezeigt werden, und in der anderen Hälfte der Sätze würde der gleiche Mann mit einer Bewegung rechts angezeigt werden (rotiert).

Die restlichen Sätze waren Fülleinheiten, entweder ohne Richtungsanweisung hergestellt oder mit inkonsequenten Richtungsanweisungen an den zahlreichen Verben im Satz.

Die Sätze wurden in zwei gleiche Hälften geteilt, Set A und Set B, jedes enthielt vier dieser Testsätze. Die Reihenfolge der Sätze wurde innerhalb jeden Sets per Zufall festgelegt, mit der Einschränkung, dass der gleiche Gebärdensprachen-Benutzer eines Satzes nicht zweimal in der Reihe erscheint.

Eine Hälfte der Teilnehmer bekam zuerst Set A und dann Satz B; die andere Hälfte bekam zuerst Set B und dann Set A.

Die Teilnehmer beobachteten jeden Satz auf einem kleinen Videoschirm und zeigten dann ihre Interpretation der möglichen Satzbedeutung auf einem Auswertungsformular an.

Das Auswertungsformular bestand aus vier Abbildungen, die unterschiedliche Versionen der Tätigkeiten, die beschrieben wurden, bildlich darstellten. Diese Abbildungen entsprachen den Videoausschnitten, die verwendet wurden, um die Stimulus-Sätze während der Produktionsaufgabe zu bekommen.

In den Testeinheiten stellte zumindest eine der Abbildungen (das Ziel) das Ereignis dar, das vom Gebärdensprachen-Benutzer angesehen worden war, als er den Satz produzierte (wie z.B. einer Frau rechts im Bild, welche die Schulter eines Mannes zur linken antippt).

Eine andere Abbildung stellte das von links nach rechts verlaufende umgekehrte Bild dieses Ereignisses dar (in diesem Ereignis, tippt eine Frau links im Bild die Schulter eines Mannes zur rechten an).

Die verbleibenden beiden Abbildungen stellten entweder einen anderen Moment im Zielereignis dar, sein von links nach rechts umgekehrtes Foto, oder eine irritierende Abbildung, die einen anderes Ereignis darstellte.

Die Auswertungsformulare für Ausfüllfelder waren so entworfen, dass sie allen Teilnehmern vernünftige Angebote darboten, um 0, 1, 2 oder 3 Abbildungen auf der Seite zu akzeptieren. Zwei dieser Einheiten enthielten keine Beschreibung des Zielereignisses (das heißt, sie enthielten vier irritierende Abbildungen); zwei der Einheiten enthielten nur eine Abbildung des Zielereignisses (mit drei irritierenden Abbildungen), und die restlichen Ausfüllfelder, genau so wie die Testeinheiten, stellten das Ziel dar, sein von links nach rechts verlaufendes umgekehrtes Bild und zwei andere Abbildungen, die entweder einen anderen Moment im Zielereignis darstellten oder eine irritierende Abbildung.

Wichtig ist, dass die nicht-räumlichen Ausfüllfelder Möglichkeiten boten, in denen sowohl das ursprüngliche Bild als auch das umgekehrte Bild eines Ereignisses (wie eine Frau, die einen Tortilla zerstückelt) für alle Teilnehmer als akzeptable Interpretation erschien, unabhängig von ihre Interpretation der räumlich modulierten Gebärden.

Zum Beispiel, würde in einem typischen Versuch ein Teilnehmer einen Gebärdensprachen-Benutzer beobachten, wie er den Satz FRAU TIPPT MANN ANGETIPPT produziert, in diesem würde das erste Verb eine Bewegung nach rechts enthalten, und das zweite Verb eine Bewegung von links aus. Der Teilnehmer würde dann die vier Abbildungen auf dem entsprechenden Auswertungsformular betrachten, einschließlich zweier Abbildungen in denen eine Frau einen Mann antippt (eine mit dem Mann zur linken, und die andere mit dem Mann zur rechten), eine Abbildung, die einen Mann darstellt, der einer Frau ein Papier zeigt, und eine, auf der ein Mann eine Frau stößt. In der oberen linken Ecke jeder Abbildung, in einem weißen Kästchen, würde der Teilnehmer ein Häkchen setzen (das anzeigt, dass damit eine mögliche Interpretation des Satzes dargestellt ist) oder ein X (das anzeigt, dass dies keine mögliche Interpretation des Satzes darstellt).

Da die räumliche Modulation in diesem Beispiel nach rechts erfolgt, würde ein Häkchen auf der Abbildung mit dem Mann zur linken anzeigen, dass eine „rotierte“ Interpretation angenommen wurde, und ein Häkchen auf der Abbildung mit dem Mann zur rechten würde anzeigen, dass eine „unrotierte“ Interpretation angenommen wurde.

Nachdem sie das erste Testeinheitenset ausgefüllt hatten, wurden die Teilnehmer ausdrücklich, bezüglich der vor kurzem abgeschlossenen Einheit, befragt, ob es irgendeinen Unterschied ausgemacht habe in welche Richtung das Verb produziert worden war. Teilnehmer konnten dann mit dem zweiten Testeinheitenset fortfahren.

4.3. Bewertung

Für jeden Satz wurden die Abbildungen, die mit einem Häkchen auf dem Auswertungsformular versehen worden waren, als akzeptierte Interpretationen vermerkt. Jede Einheit wurde im Hinblick darauf bewertet ob rotiert und/oder unrotiert als Layout angenommen wurde. Wenn beide Interpretationen angenommen wurden, wurde die Einheit als reflektierende Interpretation bewertet, die in Bezug auf räumliche Anordnung uneingeschränkt war. (Ablenkenden Abbildungen wurden nie ausgewählt). Zusätzlich wurde die Antwort jedes Teilnehmers auf die Frage, ob die Richtung eines Verbs etwas ausmache, vermerkt.

5. Resultate

Wie man in Fig. 3 sehen kann, akzeptierten alle Teilnehmer der 1. Gruppe beide Formen, die „rotiert und die „unrotierte“ Darstellungen. Während die Teilnehmern der 2. Versuchsgruppe ausnahmslos eine „rotierte“ Darstellung bei der Interpretation der räumlich modulierten Verben bevorzugten. Ihre Akzeptanz der Ereignisabbildungen war dementsprechend eingeschränkt.

Die Vergleichstests, in denen beide Gruppen vergleichen werden, bestätigten, dass sie sich tatsächlich in ihren Interpretationen der räumlichen Modulationen unterscheiden.

Die Teilnehmer der 1. Versuchsgruppe indizierten bei deutlich mehr Sätzen eine uneingeschränkte Interpretation (M = 7.7 von 8) als die Teilnehmer der 2. Versuchsgruppe (M = 0), t (10) = 23, p < .0001.

Sie unterscheiden sich hauptsächlich hinsichtlich der Akzeptanz von „unrotierten“ Darstellungen.

Die zwei Gruppen unterschieden sich nicht in Bezug auf ihre Akzeptanz „rotierter“ Repräsentation, da jede sie normalerweise annahm (die erste Gruppe: M = 7.8; die zweite Gruppe: M = 7.7), t (10) = 0.62, p = n.s.

Aber sie unterschieden sich erheblich in ihrer Akzeptanz von „unrotierten“ Repräsentationen, die 1. Versuchsgruppe akzeptierte sie für gewöhnlich (M = 7.8) und die 2. Versuchsgruppe akzeptierte sie praktisch nie (M = 0.3), t (10) = 27.9, p< .0001.

Offenbar verwendete nur die 2. Versuchsgruppe der Gebärdensprachen-Benutzer räumliche Modulationen, um das Merkmal auf der einen Seite (und nicht der anderen) der passiven Rolle zuzuweisen.

Man kann sehr leicht nachweisen, dass das Eintrittsdatum eine kontinuierliche Variable darstellt.

In Fig. 3 ist zu sehen, dass während das Eintrittsdaten der Teilnehmer stufenweise von 1974 bis 1990 ansteigt, die Veränderung bezüglich der eingeschränkten Interpretation unerwartet mit dem Teilnehmer anfängt, der 1985 hinzukommt.

Wenn sie in der Mitte der Aufgabe befragt wurden, ob die Bewegungsrichtung in einem Verb einen Unterschied bezüglich ihrer Selektionen ergab, antwortete alle Teilnehmer der 1. Versuchsgruppe, dass ein Verb nach rechts oder links dargestellt werden könnte, ohne die Bedeutung des Satzes zu ändern. Demgegenüber antworteten alle Teilnehmer der 2. Versuchsgruppe, dass die Richtung, in der ein Verb produziert wurde, einen Unterschied ausmache.

Diese Relevant der räumlichen Zuordnung nahm zu, um so jünger die Teilnehmer wurden (Um so jünger, um so relevanter).

Der jüngste Teilnehmer (der 12 Jahre alt war) beharrte darauf, dass die Abbildung, die einer „rotierten“ Interpretation entsprach, die einzige akzeptable Wahl darstellte, und dass die „unrotierte“ Beschreibung niemals dem gegebenen Satz entsprechen könne.

Anscheinend fand die Änderung in der Interpretation der Verbmodulation in der letzten Hälfte der 80er Jahre statt, während des Spracherwerbs dieser 2. Versuchsgruppe.

Für die 1. Versuchsgruppe der Gebärdensprachen-Benutzer, spezifizierte die erscheinenden räumlichen Modulationen nicht die semantischen Rollen im Ereignis.

Die 2. Versuchsgruppe der Gebärdensprachen-Benutzer interpretierte zwar alle beobachteten Sätze als sinnvoll, benutzten aber ausnahmslos eine „rotierte“ Repräsentation.

Demnach suchten sie, bei der Hälfte der Einheiten, die von links nach rechts verlaufende Umkehrung des Ereignisses aus, auf die der ursprüngliche Gebärdensprachen-Benutzer wirklich verwies.

6. Interpretation

In der vorhergehende Arbeit, die die Verb Produktion in NSL (Senghas, 1995a; Senghas u. Coppola, 2001; Senghas et al., 1997) untersuchte, sind verschiedene Muster in der Entwicklung der räumlichen Modulationen beobachtet worden.

Zusammengefasst, zeigen die heutigen Muster der NSL-Produktion und des Verstehens auf, dass dieser grammatische Gebrauch von räumlichen Modulationen, durch aufeinander folgende Gruppen von Kinder-Lernern, im Verlauf der 80er Jahre etabliert wurde.

Die besondere Innovation in der Sprache war folglich nicht ein Akt des Gebärden-Sprechens im Raum; sondern die Einschränkung, wie Raum benutzt werden könnte.

Diese Innovation begrenzt nicht nur die Art und Weise, wie Gebärden produziert werden können; sie schränkt auch das ein, was die Gebärden bedeuten könnten, und auf diese Weise wird die Grammatik spezifischer in ihrem Bezug.

Wenn wir z.B. einen Satz betrachten, in dem „sehen“ und „bezahlen“ beide nach links produziert werden können, würden Gebärdensprachen-Benutzern, die die neue Struktur nicht in ihrer Sprache enthalten, der Satz so deuten, als ob eine Person gesehene wurde und eine andere gezahlt hat, oder als ob eine einzelne Person gesehen wurde und gezahlt hat.

Gebärdensprachen-Benutzer, die die Struktur besitzen, akzeptieren nur die zweite, eingeschränktere Interpretation. Für sie erscheint die erste Leseart nicht nur unwahrscheinlich, sondern auch ungrammatisch.

Solche spezifischen, gleich bleibenden Formfunktionszuordnung, die von einer Benutzergemeinschaft geteilt werden, bilden die Grammatik einer vorhandenen Sprache.

Bis Formen durchweg benutzt werden und mit anderen Mitgliedern der Sprachengemeinschaft geteilt werden, erfüllen sie keine grammatische Funktion und sind bedeutungslos.

Aus einer bereits bestehenden Sprache kreierten jungen nicaraguanischen Gebärdensprachen-Benutzern gleichbleibende Forminterpretationszuordnungen und schufen so eine neue Grammatik, die vorher nicht existierte.

Formen, die in freien Variationen existieren, oder mit irgendeiner anderer Funktion in der Sprache der ersten Gruppe existierten, standen der zweite Gruppe als Rohstoff zur Entwicklung der neuen Formfunktionszuordnungen zur Verfügung.

Es kann sein, dass ein konkretere Raumnutzung eine Wegbereiter für diesen abstrakteren Gebrauch von Raum bei der Anzeige von Relationen zwischen Gebärden war. Die Bewegungen, die benutzt werden, wenn sie die Relationen zwischen Personen und Tätigkeiten anzeigen, scheinen metaphorisch mit körperlichen räumlichen Relationen (Taub, 2001) verbunden zu sein. Z.B. weist die Bewegung in eine Richtung mit dem Verb GEBEN auf einen Empfänger der gebenden Tätigkeit hin.

Möglicherweise entwickelten Kinder, die NSL lernten, zuerst Konventionen für physische, örtliche Beschreibungen und verwendeten diese dann, um sie in Entwürfe für grammatische Relationen einzubinden.

Diese neue grammatische Eigenschaft verbreitete sich bald bei anderen, die auch jung waren. In jeder Peer-Interaktion war der Einfluss bi-direktional. Das heißt, jedes Kind beeinflusste und wurde beeinflusst von seinen gleichaltrigen Peers, mit dem Ergebnis einer horizontalen Übereinstimmung unter den Mitgliedern der Altersgruppe.

Jedoch, entlang der vertikalen Dimension stimmten die Gebärdensprachen-Benutzer nicht überein. Taube Jugendliche und Erwachsene, die die Gebärdensprache benutzten seit sie Kleinkinder waren, nahmen zu dieser Zeit die neue Eigenschaft trotz ihres konstanten Kontaktes mit jüngeren Gebärdensprachen-Benutzern nicht an. So verbreitete sich diese Eigenschaft nicht von der 2. Versuchsgruppe zur 1. Versuchsgruppe.

Während der Einführung dieser Veränderung unterschieden sich Kinder von Jugendlichen und von Erwachsenen, das Einflusmuster entlang der horizontalen Dimension war bi-direktional und zusammenpassend, dagegen das Einflusmuster entlang der vertikalen Dimension uni-direktional und nicht zusammenpassend.

Die stattfindende Veränderung, ab der Mitte der 80iger Jahre, war eine stufenweise aber wichtige: Die ersten Kinder, die sich im extensive Peer-Kontak engagiert hatten, reiften heran und betraten die Adoleszenz. Als Kinder hatten sie begonnen ein System zu erschaffen, das reicher war, als das, aus ihren familiären Milieus. Als Jugendliche reichen sie diese auftauchende Sprache zum ersten Mal nach unten, an eine neue hinzukommenden Gruppe von Kindern, weiter. Obgleich diese Sprache kein System der räumlichen Modulationen einbezog, enthielt sie offenbar die Baustoffe, die den Kindern, die mit ihr in Berührung kamen, ermöglichten, daraus gemeinsam ein solches System abzuleiten.

Die Wiedergabe und die Entwicklung dieser Sprache entstand ungefähr dann, als es die ersten Möglichkeiten für einen ausgiebigen generationsübergreifenden Kontakt gab. Logischerweise musste dieser Kontakt in beiden Richtungen entlang der vertikale Dimension gleichwertig sein. Erwachsene standen genauso sehr in Verbindung zu Kindern wie Kinder in Verbindung zu Erwachsenen stehen.

Der Unterschied im Bezug auf den uni-direktionalen, nicht-übereinstimmenden vertikalen Einflusses beruht auf den ontogenetischen Stadien der Anfänger. Kinder übertreffen Erwachsene im Sprachenerlernen, obwohl Erwachsene anderer komplizierte Informationen besser verarbeiten (Johnson u. Newport, 1989; Newport, 1990). Anscheinend ändert sich die Art und Weise in der Individuen Sprache erlernen, wenn sie älter werden, durch Sprachstabilisierung in der Adoleszenz und im Erwachsenenalter. Junge Kinder haben die Fähigkeit neue, spezifischere Formfunktionszuordnungen aus den allgemeinen angewandten Formen des Milieus zu entwickeln. Das Hervorkommen der Sprache und die Evolution erfordern diese Fähigkeit und brauchen folglich Kinder.

Zusätzlich zu den Lernfähigkeiten der Kinder ist das Hervortreten der Sprache gleichermaßen von den soziokulturellen Bedingungen abhängig, die sowohl Peer- und generationsübergreifenden Kontakt ermöglichen. Das heißt, Kinder müssen sowohl mit anderen Kindern und mit Erwachsenen in Kontakt sein.

Wenn der generationsübergreifende Kontakt einmal vorhanden ist und lernende Kinder zur Verfügung stehen, sind die Bedingungen für Sprachenentwicklung und Beibehaltung gegeben.

Wenn die benannten Bedingungen erfüllt sind, kann neuen Spracheigenschaft, in folgender Reihenfolge, hervortreten:

(1) Es entstehen bedeutungslose Variationen einer Form in einer Sprache; sie sind semantisch äquivalent und funktionell undifferenziert.
(2) Alle Kinder nehmen eine vorher bedeutungslose Variation einer Form auf und schreiben ihr eine kontrastierende Bedeutung oder Funktion zu.
(3) Die neue Formfunktionszuordnungen wird dann von Peers übernommen, die auch junge Kinder sind, aber nicht von Erwachsenen Zeitgenossen.
(4) Wenn die Kinder in die Adoleszenz kommen, verschiebt sich ihre Rolle von einer lernenden und sprachverändernden, zu einer Rolle des Modellierens der geänderten Sprache. Diese wird mit ihren neuen Formfunktionszuordnungen an eine darauf folgende Gruppe weitergegeben.

Das in der Sprache vorhandene Konstruktionsset jedes Einzelnen repräsentiert die Gesamtbeiträge der Alters-Gruppe dieser Person und seiner Vorgänger.

Infolgedessen werden die Konstruktionen unter den Gebärdensprachen-Benutzer heute wie Ringe auf einem Baum verbreitet.

Es kann genau erfasst erden, wann jede Konstruktion in die Sprache aufgenommen wurde, indem das Jahr notiert wird, in dem der Einzelne, der sie produziert und versteht, zuerst in die Gebärdensprachengemeinschaft als Kind hinzukam.

In den frühen Stadien der NSL hat dieser Prozess die Sprache, entlang eines zunehmenden komplizierteren Verlaufes, angetrieben. Die Gemeinschaft transformiert das Sprachmilieu entlang der historischen Zeitlinie. Dieses Umfeld regte die Gemeinschaft wiederum dazu an, die Sprache weiter umzuwandeln. Dieses Zeitlinie interagiert auf eine bedeutende Weise mit der ontogenetischen Zeitlinie der individuellen Entwicklung. Innerhalb jedes Individuums, werden die Sprachveränderung hauptsächlich in der Kindheit eingeleitet, und die Sprache wird in der Adoleszenz und im Erwachsenenalter an andere weitergegeben.

Der mögliche Beitrag einer Einzelperson, sowohl in den soziokulturellen und linguistischen Bereichen, ändert sich im Verlauf der ontogenetischen Entwicklung. Früh im Leben können Individuen ihre eigene Sprache am besten erlernen, transformieren und die Sprache der Peers beeinflussen. Später im Leben, können Individuen die Struktur ihrer sozialen Gemeinschaft am besten beeinflussen und die effektiven Bedingungen anbieten, unter denen ihre Sprache wachsen kann.

Ironischerweise ist soziale Kapazität (die sich später entwickelt) erforderlich, um eine Sprachkapazität (die früher vorhanden ist) zu säen und zu stimulieren. Aus diesem Grund kann keine einzelne Altersgruppe eine neue Sprache in einem einzelnen Durchlauf erschaffen.

Die Geburt der NSL musste eine Gemeinschaft aufeinander folgenden Altersgruppen abwarten, die jeweils die Interaktion kreierte, die den jüngeren Neuankömmlinge das Rohmaterial, Jahr für Jahr, anbot, damit diese in die Grammatik eingearbeitet werden.

7. Literatur:

Senghas, Ann (2003): Intergenerational influence and ontogenetic development in the emergence of spatial grammar in Nicaraguan Sign Languge. In: Cognitive Development 18, S. 511-531

8. Anhang

8.1. Abbildung 1

Videoausschnitt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Stimulus Ereignis

Eine Frau gibt einem Mann eine Tasse

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„unrotierte“ Repräsentation

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„rotierte“ Repräsentation

Fig. 1.

Stellt die Illustration der „unrotierten“ und „rotierten“ Repräsentationen einer gebenden Tätigkeit dar. Das Ereignis wird durch einen Ausschnitt, der vom Videostimulus entnommen wurde, angezeigt (im Experiment wurde dieses Ereignis durch ein live-action Video auf einem kleinen Monitor vorgeführt, der armweit vom Gebärdensprachen-Benutzer aufgestellt wurde); die Diagramme unter dem Foto des Ereignisses stellen den Gebärdensprachen-Benutzer und den Gebärdensprachbereich von oben betrachtet dar. Mit einem Halbkreis wird der Gebärdensprachraum vor dem Gebärdensprachen-Benutzer dargestellt. Die Bewegung des Verbs wird durch einen Pfeil und der implizierte Standort des Mannes mit einem X gekennzeichnet. Dieser Standort wird mit der Position des Mannes im Ereignis verglichen, um die Rotation der Repräsentation festzulegen.

8.2. Abbildung 2

Nach Eintrittsdatum sortierte Subjekte

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Fig. 2

Die Zuordnung der räumlichen Modulationen von Verben, relativ zum Layout in den präsentierten Stimuli, wie sie in den Sätzen, die von der 1. und 2. Versuchsgruppe der Gebärdensprachen-Benutzern produziert wurden. Während die Teilnehmer der 1. Versuchsgruppe der Gebärdensprachen-Benutzer (besonders Teilnehmer 3 und 4) Verben mit beiden, der „rotiert“ und „unrotiert“ Repräsentation produzierten, haben die Gebärdensprachen-Benutzer der 2. Versuchsgruppe durchweg nur eine räumlich „rotierte“ Repräsentation eingesetzt (von Senghas et al., 1997).

8.3. Abbildung 3:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.Versuchsgruppe: Jahr 1974 - 1984

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Versuchsgruppe Jahr 1984 – 1990

Fig. 3 Satzinterpretationen, die ein räumlich moduliertes Verb enthielten und von Teilnehmern der 1. und 2. Versuchsgruppe akzeptiert wurden, sortiert nach Eintrittsdatum jedes Teilnehmers in die Gemeinschaft. Das Chancen Level (vorhandene Störbilder wurden nicht ausgewählt) wird mit einer durchbrochenen Linie angezeigt. Während die Teilnehmer der 1. Versuchsgruppe, die vor 1984 in die Gemeinschaft eintraten, beide Interpretationen d.h. rotiert und unrotiert annahmen, akzeptierten die Teilnehmer der 2. Versuchsgruppe, die nach 1984 hereinkamen, überwiegend rotierte Interpretationen, und niemals eine uneingeschränkte Interpretation.

[...]


[1] Daten aus dieser Verständnisaufgabe werden z. Z. ausgewertet; die Ermittlungen aus der Entwicklung der ersten acht getesteten Subjekte wurden in Senghas et al. dargestellt. (1997).

Details

Seiten
21
Jahr
2006
Dateigröße
592 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v110196
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
2
Schlagworte
Intergenerational Nicaraguan Sign Language Neuhochdeutsch Entstehung Entwicklung

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Titel: Intergenerational influence and ontogenetic development in the emergence of spatial grammar in Nicaraguan Sign Language