Lade Inhalt...

Alltägliche Probleme während der Erschließung des Neulandes in der Sowjetunion 1954-1960

Seminararbeit 2005 21 Seiten

Kulturwissenschaften - Osteuropa

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Problem der Planung

3. Die Quellen des Enthusiasmus

4. Mobilisierung und Entsendung

5. Alltagsprobleme
5.1 Wohnverhältnisse
5.2 Das Versorgungsproblem
5.3 Der Aufstand in Timer-Tau
5.4 Das Ernährungsproblem
5.5 Mangelnde Arbeitsorganisation und Konflikte
5.6 Freizeiteinrichtungen

6. Resümee

7. Abbildungsverzeichnis

8. Literatur und Quellenverzeichnis
8.1 Quellenverzeichnis
8.2 Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die im Frühjahr 1954 in der UdSSR gestartete Kampagne zur Erschließung des Neulandes war ein Unternehmen zur Vergrößerung der landwirtschaftlich genutzten Flächen. Bis dahin ungenutzte Landstriche im Norden der Kasachischen SSR im Altai-Gebiet und in den Gebieten westlich der Wolga sollten nun für die Landwirtschaft erschlossen werden. Davon erhoffte sich die Führung des Landes (oder zumindest ein Teil von ihr) eine Ertragsteigerung im landwirtschaftlichen Sektor, was der Bevölkerung Brot und der Führung Popularität bringen sollte.

Große Menschenmengen wurden mobilisiert, um dieses Programm durchführen zu können. Die Regierung schaffte es, bei den Aktivisten eine Welle des Enthusiasmus hervorzurufen, mit dem die Neulandkampagne angegangen wurde. Die Durchführung lief jedoch nicht ohne Probleme ab.

Um diese Probleme soll es in der vorliegenden Arbeit gehen. Dabei wird bei der Analyse der Fokus auf Fragen, wie: „Was waren die Ursachen dieser Probleme?“ und „Welche Auswirkungen hatten diese Probleme auf das Alltagsleben der hiesigen Bevölkerung?“ gelegt, um am Ende die Frage nach der Beständigkeit des anfänglichen Enthusiasmus’ zu beantworten. Den zeitlichen Rahmen bilden hierbei die Jahre 1954, als der offizielle Anfang der Kampagne und das Jahr 1962, als das letzte Jahr, indem die Fläche der Neulandgebiete erhöht wurde.

Als Quellen für die Studie dienen verschiedene Tageszeitungsartikel aus der Zeit der Kampagne. Des weiteren waren die Memoiren Chruščevs aufschlussreich um die Planung und Mobilisierung seitens der Führung zu analysieren. In einzelnen Fällen habe ich Zeitzeugenberichte, die in den heutigen russischen Zeitungen erschienen sind als Grundlage herangezogen. Für die Behandlung der einzelnen Probleme standen mir ferner Artikel aus den Fachzeitschriften, die sich mit dem Neuland beschäftigt haben, wie z. B. „Народное хозяйство Казахстана“ (Die Volkswirtschaft Kasachstans) zur Verfügung.

2. Das Problem der Planung

Der Machtkampf um die Vorherrschaft innerhalb der kollektiven Führung nach dem Tod Stalins im Februar 1953 zwischen Chruščev einerseits und Malenkov, als seinen wichtigsten Widersacher innerhalb der KPdSU andererseits, erforderte schnelle Erfolge, d.h., Risikobereitschaft. Lange Planungszeiten hätten die Angreifbarkeit des Neulandprojekts und somit Chruščevs als dessen Initiator erhöht. Es musste schnell und unkompliziert gehen und die Erfolge sollten sofort sichtbar sein. Die Planung musste dabei auf der Strecke bleiben[1].

Deshalb veröffentlichte die Pravda am 13 September 1953 den Bericht Chruščevs über die weitere Entwicklung der Landwirtschaft[2], der die Bevölkerung des Landes mit seinem Plan vertraut machen sollte. Chruščev umging die langwierigen Entscheidungsfindungsprozesse in den Staatsgremien, indem er schon eher die Bevölkerung auf seine Seite gezogen hat. Das Programm musste nun nur noch offiziell abgesegnet, die letzten Widersacher überzeugt werden[3]. Der Nachteil dieser Strategie war, dass den zuständigen Organen gar keine Zeit zur Planung übrig blieb.

Die Kurzfristigkeit der Kampagne stellte die Regierung vor das Problem, was zuerst getan werden musste. Große Teile der zu Erschließenden Gebiete im Altai, Nord-Kasachstan und Sibirien verfügten über schlechte oder im Extremfall gar keine Infrastruktur. Die ausführenden Behörden stellten sich die Frage, ob zuerst Häuser und Straßen gebaut werden sollten, um die Kampagne besser durchführen zu können oder, ob die Arbeitstrupps sofort zu entsenden sind, um die Infrastruktur erst nach und nach aufzubauen. Chruščev schrieb in seinen Memoiren:

Конечно сначала следовало бы создать нормальные условия жизни, а потом переступать к переселению людей, создав им все необходимое. Но кто будет строить? Там же никого нет. Значит надо мобилизировать строительных рабочих. А зерно нужно немедленно. Мы попали в заколдованный круг[4].

Angesichts der andauernden Konkurrenz zwischen Malenkov und Chruščev um die richtige Strategie in der Landwirtschaftspolitik benötigte der Letztere den Erfolg jedoch so schnell, wie möglich. Daher verwundert es nicht, dass sich die letztere Variante durchgesetzt hat und die Arbeiter buchstäblich in Felder, teilweise ohne ein einziges Haus, geschickt wurden. Wohl auch deshalb fiel seine Wahl auf die Jugend, welche über die benötigten Kraftreserven verfügte und der das Leben bei mangelhafter Versorgung als Abenteuer verkauft wurde.

3. Die Quellen des Enthusiasmus

Am 22. 02.1954 fand im Großen Kremlsaal eine Feier anlässlich der Abreise des ersten Komsomol-Jugend-Trupps statt. Vertreter der Jugend und die Partei- und Regierungschefs waren dabei anwesend. Chruščev hielt vor dieser Versammlung eine Rede, welche von der Pravda gedruckt wurde[5]. Dabei unterstrich er die „große Rolle“ die der Jugend bei dieser Aufgabe zukommt[6]. Machte jedoch auch auf die zu erwartenden Schwierigkeiten aufmerksam[7].

Die anfängliche Abenteuerlust der Jugendlichen darf bei der Betrachtung dieses Komplexes jedoch auch nicht unterschlagen werden. Dadurch lässt sich das Ausmaß der Enthusiasmuswelle, mit dem sie an die Erfüllung Ihrer Arbeit ging, zumindest zum Teil erklären.

Für viele der jungen Menschen war es das erste Mal, dass sie so weit von ihrem zu Hause und ihren Eltern weg waren. Davon versprachen sie sich ein Leben nach ihren Vorstellungen, worauf ich im letzten Kapitell zurückkommen werde.

Der Ideologieanteil beim Enthusiasmus darf jedoch auch nicht unterschlagen werden. Der zweite Weltkrieg ging vor 9 Jahren zu Ende. Die jungen „Neulanderoberer“ haben ihn als Kinder miterlebt und überwiegend nicht aktiv an den Kampfhandlungen teilgenommen. Somit waren sie ihrer Elterngeneration gegenüber im Nachstand, den es nun zu verringern oder gar wettzumachen galt. Dazu trugen auch solche Begriffe und Ausdrücke wie подвиг[8] (‚Heldentat’) und эпопея[9] (‚Epopöe’) bei, die für die Beschreibung der Neulandkampagne nicht nur in den Propagandaorganen, sondern auch von den Teilnehmern selbst verwendet wurden.

Die Kampagne ist an kunstschaffenden Personen nicht spurlos vorübergegangen. In zahlreichen Werken haben sie das Leben auf dem Neuland verarbeitet. Auch wenn die meisten Erzählungen und Gedichte ideologisch nicht ganz wertfrei sind, eignen sie sich dennoch bis zu einem bestimmten Grad als geschichtliche Quellen, die einen Einblick in die damalige Gesellschaftsstimmung erlauben[10].

In einem Gedicht schreibt Gennadij Goc über die Erschließung des Neulandes: „Это – гордая песнь моего поколения“[11]. In einem weiteren Gedicht vergleicht er die Jugendlichen Arbeiter mit Soldaten: „Хочу, чтоб навсегда солдатами товарищи остались впредь“[12].

Einen offenen Vergleich der Neulanderschließung mit dem Krieg liefert Chruščev in seienen Memoiren: „Вспомним былые времена, когда люди вынуждены были жить не только в палатках, а и в окопах, жертвуя своей жизнью“[13]. Weitere Vergleiche lassen sich in der Pravda, feststellen:

Как в годы суровых военных испытаний, так и в годы мирного строительства наша молодёжь демонстрирует высокие образцы мужества, героизма, трудолюбия и неиссекаемой воли к победе[14].

Insofern darf der Enthusiasmus der Jugendlichen und jungen Erwachsenen auch als Ehrgeiz einer Generation verstanden werden, die in der Neulandkampagne ihre Chance gesehen hat, das Land aufzubauen und somit in die Geschichte einzugehen. Dass sie dadurch aus dem Schatten ihrer Elterngeneration, der die Verteidigung des Vaterlandes zugeschrieben wurde, heraustreten konnte, war eine logische Folge.

Dieser Ehrgeiz wurde weiterhin von materiellen Interessen verstärkt. Die Aussicht auf einen „verheißungsvollen“ Neuanfang machte den Menschen die Entscheidung, in die Neulandgebiete zu ziehen, leichter. „Там хорошо платили, были очень хорошие зароботки. Многие из моих знакомых возвращались оттуда, заработав много денег.“, sagte A. I. Aksenova, eine Zeitzeugin[15]. Eine Möglichkeit für die fernere Zukunft sah in der Kampagne N. Krasanova:

В колхозе не выдавали паспортов, и получить их после окончания школы можно было только имея на руках комсомольскую путёвку. А с паспортом с целины и в город можно было податься[16].

Auch wenn es verschiedene Beweggründe gab, in das Neuland zu fahren, den Wille der Menschen lässt sich nicht bestreiten. Ob vorrangig materielle Interessen ausschlaggebend waren, wie Aksjutin behauptet, mag dahingestellt sein[17]. Fest steht, dass die Bevölkerung, die für die Durchführung der Aktion gebraucht wurde, erfolgreich mobilisiert werden konnte.

Blieb der erwähnte Enthusiasmus bestehen? Oder gab es Faktoren, welche das Leben erschwerten oder gar die Arbeit behinderten? Diesen Fragen bilden den Hintergrund für den folgenden Teil dieser Arbeit.

4. Mobilisierung und Entsendung

Bei der Entsendung der Freiwilligen spielte der Komsomol als die zuständige Parteijugendorganisation eine entscheidende Rolle. Diese Instanz war für die Mobilisierung und die Entsendung der Arbeitskräfte zuständig. Bei seiner Entscheidung, der Jugend die tragende Rolle bei dieser Kampagne zu übertragen, setzte Chruščev auf das breite Netz der Komsomol-Einrichtungen: „На пленумах ЦК КПСС, обсуждавших вопросы сельского хозяйства, подчеркивалось, что комсомол в деревне – большая сила“[18].

Um die Menschen zu mobilisieren, verließen sich die Verantwortlichen auf die Mund-zu-Mund-Propaganda, doch auch die Propaganda in den Zeitungen wurde nicht außer Acht gelassen.

Die bereits erwähnte feierliche Sitzung im Kreml anlässlich der Abreise des ersten Komsomol-Jugend-Trupps fand am 22.02.1954 statt. Am 24.02.1954 – also noch vor dem offiziellen Beschluss des Zentralkomitees über die Erschließung des Neulandes am 02.03.1954[19] und seiner Veröffentlichung fünf Tage später in der Pravda – wurde in der selben Zeitung ein Artikel mit dem Titel: „Молодёж едит на освоение целинных земель“, veröffentlicht[20]. In der Folgezeit wurden in regelmäßigen Abständen Artikel mit ähnlichen Überschriften gedruckt, in denen berichtet wurde, dass wieder ein weiterer Trupp in die Neulandgebiete aufgebrochen ist[21].

Der Komsomol organisierte darüber hinaus Informationsveranstaltungen in den Betrieben, Kolchosen, (Hoch-)Schulen u.a., um menschliche Arbeitskräfte zur Durchführung der Kampagne zu gewinnen[22].

Diese Institution richtete ein System von Einweisungsfahrscheinen (путёвка) ein, welche an die reisewilligen Arbeiter ausgestellt wurden, dadurch ließ sich der Zustrom der Celinniki, wie die Menschen, die in die Neulandgebiete fuhren, genannt wurden, zielgerichtet leiten und kontrollieren und konnte bei Bedarf verändert werden. In den Jahren 1954-1956 reisten 350.000 Junge Menschen nach diesem System in die Neulandgebiete[23].

5. Alltagsprobleme

Es war den Freiwilligen nicht unbekannt, was auf sie in den zu erschließenden Gebieten zukommen würde. In den, in der Pravda abgedruckten Reden machten sowohl die Staats-, Partei-, und Komsomol-Funktionäre, als auch die (künftigen) Freiwilligen selbst auf die kommenden Schwierigkeiten aufmerksam. Das schon vorhin angesprochene Problem der fehlenden Infrastruktur überwiegt auch in diesen Warnungen[24].

Ferner wurde zu guter Arbeitsorganisation seitens der dortigen örtlichen Partei- und Landwirtschaftsfunktionäre aufgerufen[25].

5.1 Wohnverhältnisse

Als die ersten Arbeiter in den Steppengebieten Nordkasachstans ankamen, war es noch Winter und in der Steppe lag noch Schnee. Es fehlte an Unterkünften. Die Menschen wurden entweder in (Studenten-)Wohnheimen, Wagons oder in Zelten untergebracht, die von der Armee ausgeliehen wurden. Doch schützten diese natürlich nicht vor Kälte. Des öfteren waren sie defekt und ließen Regen durch. Gegen die späteren Staubstürme der Steppe waren sie wirkungslos. „У меня погиб брат на целине, замёрз“, gab A. V. Kukleva an[26]. Dieser besonders tragische Fall macht deutlich, dass die Wohnverhältnisse in den neuen Steppengebieten sehr schlecht waren, was manche Menschen veranlasste wieder zurückzukehren. „Многие не выдержав трудностей, быстро сматывались с целины“, schrieb ein weiterer Zeitzeuge[27].

In der Stadt Rudnyj in Nordkasachstan wurden die Neuankömmlinge wegen Wohnplatzmangel ebenfalls in Zelten untergebracht. Es entstanden ganze Zeltsiedlungen und –städte. Im Jahre 1956 waren dort etwa 3.500 Personen in 180 „Zelthäusern“ untergebracht. Aus Wohnplatzmangel oder dem Bedürfnis nach besseren Behausungen entstanden am Stadtrand Baracken[28].

Das Wohnungsproblem war ein wichtiges Thema der damaligen Zeit, weswegen es in Fachzeitschriften, wie z.B. „Народное хозяйство Казахстана“ (Die Volkswirtschaft Kasachstans) behandelt wurde.

Im Jahre 1960 standen bei einem Normwert von 7m² den Bewohnern der Neulandgebiete 2,5-2,7 m² Wohnfläche pro Person zu. Von 110 Sovchosen in Nord-Kasachstan benötigten 76 dringend zusätzliche Wohnflächen. Als Gründe wurden dafür der „Mangel an Bauarbeitern, schlechte Arbeitsorganisation und die fast völlig fehlende Technologisierung kraftaufwendiger Prozesse“ angeführt[29].

Ferner wurde bemängelt, dass der private Wohnungsbau nur den Arbeitern der technischen (Kfz-)Abteilungen ermöglicht wird, da die landwirtschaftlichen Arbeiter sich von April bis Oktober auf den Feldern befänden[30]. Als Verschulder wurden die lokalen Planungsbehörden ausgemacht, die sich schlecht um den Wohnungsbau gekümmert haben sollen. Deswegen sollte zur Lösung des Problems auch an dieser Stelle angesetzt werden, außerdem könnte die Nutzung lokaler Baustoffe die Planungszeit verkürzen und somit die Baumaßnahmen beschleunigen und ihre Kosten senken[31].

Die Folgen dieses Wohnflächenmangels war eine Abwanderung der Arbeitskräfte, sei es in benachbarte Sovchosen oder wieder in ihre Heimatbetriebe.

Nachdem die Menschen einige Zeit unter „abenteuerlichen Verhältnissen“ gelebt hatten, bestätigen die Bauabsichten und die Abwanderung aus materiell schlechter gestellten Gegenden, dass die Abenteuerlust und die anfängliche Aufbruchsstimmung passé waren und die Menschen sich nach mehreren Jahren einrichten wollten. Es stand für diese Personen mittlerweile fest, dass sie in diesen Gebieten wohnen bleiben möchten, zumal viele von ihnen dort auch schon Familien gegründet haben.

5.2 Das Versorgungsproblem

Das Wohnungsproblem war nicht die einzige Schwierigkeit, mit der die Menschen während der Neulanderschließung zu kämpfen hatten. In den Gebieten, die zum ersten Mal erschlossen wurden, fehlte es an Verkehrswegen, demgemäß schwierig gestaltete sich auch die Versorgung dieser Gebiete mit Waren und Dienstleistungen jeglicher Art.

Einrichtungen höchster Notwendigkeit fehlten in den Siedlungen: „Ведь тогда в рабочем посёлке не было ни магазинов, ни столовых, ни кинотеатров, ни больниц“[32].

Es mussten weitere Wege zurückgelegt werden, um einen Arzt aufzusuchen. „(...) случались, конечно, и трагедии. И времени на эвакуацию больного в город, в большую клинику, часто не было“[33].

Die Abgeschiedenheit, der Zustand der Straßen und der Fahrzeugmangel behinderten die Versorgung mit Lebensmitteln: „Тяжелой была зима 1955-1956 гг. Холод нескончаемые метели нарушали нормалное снабжение города продуктами, водой“[34].

Die Wasserversorgung war auch noch Im Jahr 1960 besonders in den Steppengebieten Nordkasachstans ein akutes Problem. Von den 564 Sovchosen war die Wasserversorgung in 370 nicht ausreichend. Das Wasser musste zusätzlich in Fässern herangefahren werden, wofür Strecken von bis zu 20 km zurückgelegt werden mussten. Das war sehr zeit- und kostenaufwendig, mehrere Sovchosen mussten dafür jährlich über 100.000 Rubel aufbringen. Es wurde bemängelt, dass an vielen Wasserquellen die notwendigen Schutz- und Sanitäreinrichtungen fehlten, sodass ein und dieselbe Wasserstelle als Viehtränke, zum Auto und Wäsche Waschen und Baden genutzt würde, und dass die Brunnen und Bäche nicht gereinigt und deshalb außer Betrieb fallen würden[35].

5.3 Der Aufstand in Timer-Tau

Das „rosa Wasser“ war auch ein Grund für einen Aufstand in der Siedlung Timer-Tau. Die heimkehrenden Feldarbeiter fanden in ihrer Siedlung nach dem Arbeitstag kein Wasser vor, worauf eine Gruppe sich zum Speisesaal aufmachte und ein Fass mit Kvas aufbrach. Diese Tat machte in der Zeltsiedlung schnell die Runde, worauf sich an dem Kvas-Fass eine größere Menschenmenge bildete. Als es umgeschmissen wurde und nicht alle etwas zu trinken bekommen haben, gab es Aufrufe den Speisesaal zu plündern, was auch geschah. Daraufhin, kam polizeiliche Verstärkung, weswegen die Plünderer zur Flucht getrieben wurden. Letzten Endes hat die Polizei zwei Arbeiter festgenommen, die an den Plünderungen beteiligt waren. Ihre Kollegen versuchten sie zu befreien. Es bildete sich wieder eine Menschengruppe, die das Polizeigebäude angriff, nachdem sie jedoch erfahren haben, dass die zwei Festgenommenen abtransportiert wurden, kehrten die Aufständischen wieder in ihre Zelte zurück.

Am 02.08.1959 besuchte eine Kommission die Zeltstadt, hörte sich die Probleme der Bewohner an und versprach für Besserung zu sorgen. Als Nachmittags eine Wasserzisterne in der Zeltsiedlung ankam und die Bewohner das Wasser benutzen wollte, merkten sie, dass das Wasser eine ungewöhnliche rosa Tönung gehabt hatte.

Die Arbeiter wurden wieder aggressiv, blockierten die Straßen und fuhren das Wasser zur Expertise in das örtliche Krankenhaus. Dazu ist es in dem Tumult, der unter den aufgebrachten Einwohnern geherrscht hatte, nie gekommen. Die Arbeiter zogen nun wieder zum Polizeigebäude, das mittlerweile von der Armee beschützt wurde. Ihnen gelang es trotzdem die Station anzugreifen und zu besetzen. Nun forderten sie die Freilassung der in der Nacht festgenommenen Kollegen. Wegen des großen Drucks musste die Polizei Zugeständnisse machen.

Die Menschenmenge begab sich auf den Weg zu der Zeltsiedlung. Die aggressive Stimmung blieb aber weiterhin bestehen. In der Nacht zum 03.08.1959 gelang es einigen Kriminellen die Menge zur Plünderung des Supermarktes anzustacheln, woraufhin es zu blutigen Auseinandersetzungen mit der (Freiwilligen-)Polizei und der Armee kam. Am Ende gab es unter den Aufständischen 11 Tote und 35 Verletzte (fünf starben an den Verletzungsfolgen), die Staatsorgane hatten 109 Verwundete zu beklagen[36]. Der Auslöser dieser Unruhen war also das „rosa Wasser“[37] - ein relativ geringer Grund, angesichts der Probleme die den Alltag der Arbeiter auf dem Neuland prägten.

5.4 Das Ernährungsproblem

Das Transportproblem wurde schon angesprochen, damit einher ging die Qualität der Lebensmittel. „Были случаи, когда рабочие обнаруживали в пище червей, тухлое мясо, испорченные продукты“[38]. Vitalij Dvorjakin, der aus Moskau in den Altai gekommen war, wunderte sich über „Щигрет“, eine ihm unbekannte Speise, im Menü; später erfuhr er, dass es ein Abkürzung für „Щи гретые“ – eine „aufgewärmte Kohlsuppe“ war[39]. E. Adamova beklagte sich über die Brotqualität: „обычно он [хлеб, А.М.] поступает в продажу непропеченный“[40].

Diese Lage wurde zusätzlich durch die schlechte Organisation der Essensausgabe verschlechtert. „В столовой не хватало мест, и рабочие были вынуждены по часу стоять в очереди. Не хватало вилок, ножей, ложек“[41].

Für viele Menschen war das reelle Leben in den Neulandgebieten härter, als sie es sich vorgestellt haben. Das war für sie ein Grund, ihre neuen Sovchosen zu verlassen. Die Arbeitskräftefluktuation war mancherorts sehr hoch. Schlecht geführte Sovchosen wurden von den Arbeitern verlassen[42]. Das ist wiederum ein Anzeichen dafür, dass es den Menschen um eine Arbeitsstelle mit passablen Lebensbedingungen ging.

5.5 Mangelnde Arbeitsorganisation und Konflikte

Ein weiterer Grund für die Abwanderung von Arbeitskräften aus den Neulandgebieten war die schlechte Organisation der Arbeit in manchen Sovchosen. Nach ihrer Ankunft hatten die Arbeiter wochenlang nichts zu tun, die lokale Leitung war mit der Planung überfordert.

В машинно-тракторных станциях района низка трудовая дисциплина, в бригадах не установлен распорядок дня, на работу механизаторы выходят кому как вздумается[43].

Auch die Fahrer der Smolensker MTS sahen darin ein Problem: „Но беда в том, что дела нам до сих пор не дали“[44].

Folgen der „Arbeitslosigkeit“ waren Trinkgelage und Massenschlägereien. Das Innenministerium erstattete über zwei solche Schlägereien, im Vorfeld der oben erwähnten Unruhen in Temir-Tau, dem Zentralkomitee der KPdSU Bericht[45].

Diese Atmosphäre machten sich Kriminelle zunutze. In manchen Zeltstädten gründeten entsandte Ex-Häftlinge kriminelle Banden und veranstalteten Raubzüge durch die Zeltstädte, gegen diese war die Polizei machtlos.

Eine Lehrerin, die ihre Schüler auf Saisonarbeit in die Neulandgebiete begleitete, schilderte in einem Brief an Chruščev, wie eine Gruppe Rowdys in das Mädchenzelt einbrach und diese belästigte[46]. Nachdem sie die örtlichen Polizei aufgesucht hatte, wurde ihr gesagt, dass diese nicht über genügend Personal verfüge, um die Rowdys zur Verantwortung zu ziehen. Es gäbe nur zwei ordentliche Beamte, welche unter 4.000 (jungen) Menschen für Ordnung sorgen müssten[47]. Zu diesem Schluss kommt auch V. Kozlov in seiner Studie über Massenunruhen in der UdSSR.

Weiterhin sind vom Neuland einige Fälle über gewalttätige Zusammenstöße von verschiedenen Gruppen bekannt, die Auslöser dieser Konflikte waren unterschiedlicher Natur. Sei es ein Streit unter jungen Männern um eine Frau, wie er sich 1958 mit einem tragischen Ende in der Sovchose Katmanovskij ereignete[48] oder eine ethnisch motivierte Auseinandersetzung, wie im Dorf Elizavetka im Akmola-Gebiet der Kasachischen SSR im Dezember 1954[49].

Die Gründe sind jedoch an anderer Stelle anzusetzen. Die vielen Menschen sind durch den Umzug in die Neulandgebiete aus ihrem sozialen Umfeld herausgerissen worden. Die erschwerten Lebensbedingungen und die schlechte Arbeitsorganisation machten alle Illusionen zunichte. Die fehlende soziale Kontrolle (z.B. durch die Eltern oder die Dorfgemeinschaft) brach die üblichen alten sozialen Regeln, Neue wurden jedoch nicht klar kodifiziert. Gruppenbildungen mit starker Hierarchie und Institutionen der Selbstorganisation waren die Folge. Dadurch war ihre Kontrolle durch die Staatsgewalt erschwert und erlaubte es solchen Gruppen, kriminelle Handlungen zu begehen, ohne dafür bestraft zu werden.

Der Personenmangel bei der Polizei und den Sicherheitsorganen des Innenministeriums tat sein Übriges. An der Spitze dieser Gruppierungen standen jedoch meist Personen, die ihre sozialen und moralischen Barrieren noch vor der Ankunft in den Neulandgebieten abgebaut haben und die Gruppen auf Grund ihrer kriminellen Erfahrung zu leiten vermochten. Junge Enthusiasten, die in staatlichen oder parteilichen Institutionen, wie z.B. dem Komsomol, organisiert waren, wurden von diesen Tendenzen nicht so stark beeinflusst[50]. Wohl auch deshalb war den Staatsorganen die Einrichtung von Kinos, Klubs, Sportstädten u.a. so wichtig.

Arbeiter, die an bestimmte Freizeitaktivitäten gebunden und nicht unbeschäftigt waren, stellten keine große Gefahr mehr da.

5.6 Freizeiteinrichtungen

Allerdings gab es auch bei der Organisation von Freizeiteinrichtungen Schwierigkeiten. Um der Bevölkerung in den Neulandgebieten ein kulturelles Leben bieten zu können, reisten Künstlerkollektive durch das Land und traten in Zelten auf. Die Staatsphilharmonie bereiste schon im Jahr 1954 die ländlichen Gebiete und gab Konzerte[51].

Die Bewohner der Neulandgebiete versuchten selbst kulturell tätig zu sein, sie bildeten Theatergruppen und traten in Baracken auf, weil keine anderen Gebäude zur Verfügung standen. Die Zuschauer mussten manchmal ihre eigenen Stühle mitbringen[52].

Um einen Kinobesuch in jeder Sovchose zu ermöglichen, wurde ein breites Programm zum Bau von Kinosälen gestartet. 1959 wurden in der Kasachischen SSR 43 Kinosäle mit insgesamt 13.400 Plätzen, davon waren 25 in ländlichen Gebieten. Außerdem gab es bis 1959 in den ländlichen Gebieten 676 Filmvorführmöglichkeiten. Trotzdem wurde die Situation immer noch als unbefriedigend erachtet. Einen beachtlichen teil der Kinoinstallationen bildeten die sogenannten кинопередвижки (‚bewegliche Kinos’). Die schlechten Straßen und der Fahrzeugmangel behinderten jedoch den Transport dieser Kinoeinrichtungen, so dass sie ab und an länger in einer Siedlung blieben, als es vorgesehen war[53]. Außerdem wurde bemängelt, dass in den abgelegenen Gebieten nicht immer aktuelle Zeitungen und Magazine erhältlich waren[54].

Eine weitere Möglichkeit die Bewohner in ihrer Freizeit zu beschäftigen, war Sport. Deshalb wurden Sportplätze und Stadien gebaut um den Bewohnern eine Möglichkeit zur sportlichen Betätigung zu geben[55]. Für die Finanzierung von Bällen und anderen Sportgeräten veranstalteten die Bürger selbst Lotterien[56].

Die mehr oder minder erfolgreichen Bemühungen der Partei- und Staatsorgane aber auch der Bürger selbst ein kulturelles Leben in den Neulandgebieten aufzubauen, deuten auf eine Tendenz zur Normalisierung des Lebens. Die Bewohner der Neulandgebiete versuchten, ihr Leben genauso zu gestalten, wie sie es aus ihren Heimatorten kannten.

Das lässt sich in die Evolution der Neulandkampagne folgendermaßen einreihen. Dem anfänglichen Enthusiasmus, dem „Abenteuererleben“ der ersten Saison, mit außer Kraft gesetzten sozialen Institutionen, folgte eine Neuordnung des sozialen Lebens in den Neulandgebieten, die nicht immer legal verlief und manchmal in kriminellen Handlungen ausartete. Schlechte Organisation der Arbeit und des Wohnens taten ihr Übriges. Die Einrichtung von Freizeitstätten markiert die Wendung vom kargen ungeregeltem „Abenteuer Neuland“ zum kulturell-zivilisierten Leben.

6. Resümee

Der Preis für ihre Unangreifbarkeit der Neulandkampagne war ihre Ungeplantheit und ihre „Spontaneität“ mit den daraus resultierenden Problemen. Trotzdem gelang es den Staatsorganen, die für die Durchführung notwendigen Aktivisten – meist junge Menschen – zu gewinnen. Diesen wurde die Erschließung des Neulandes als „romantische Heldentat“ verkauft; bis zu einem gewissen Grad wurde sie jedoch auch so verstanden.

Die Probleme waren sowohl den Organisatoren als auch den Teilnehmern schon im Vorfeld bekannt, bremsten aber die aktive Teilnahme am Projekt nicht. Nach der Ankunft kristallisierten sich schnell Problemzonen heraus. Deren Verschuldung wurde nicht der Kurzfristigkeit an sich, sondern eher der Unfähigkeit und dem Desinteresse der lokalen Behörden angelastet.

Die verschiedenen Probleme reichten von schlechter Ernährung und Wasserversorgung über dürftige Wohnverhältnisse, fehlende Infrastruktur bis hin zu organisierter Kriminalität und der Machtlosigkeit der Polizeiorgane. Es lassen sich Bedürfnisse der Menschen nach einem, möglichst komfortablen Leben in einem Haus mit fließendem Wasser und Strom erkennen, zumal viele von Ihnen sich im Laufe der Zeit in den Neulandgebieten heimisch fühlten und Familien gründeten.

Die üblichen sozialen Strukturen und Kontrollinstanzen wurden auf dem Neuland außer Kraft gesetzt, Neue konnten sich noch nicht bilden, was die Gruppenbildung (als Schutzinstanz) förderte. Dadurch entzogen sich die Bewohner des Neulandes den staatlichen und parteilichen Kontrollinstanzen, es sei denn, sie waren Komsomolmitglieder.

Mit den kulturellen Einrichtungen wurde versucht das Freizeitleben der Zeltstädtebewohner zu organisieren und sie von Nichtstun bzw. Alkoholismus und Kartenspiel abzuhalten. Die Initiativen seitens der Bevölkerung zur Errichtung von Kulturstätten bestätigen nochmals die Tendenz zu einem, alles andere als abenteuerlichen, komfortablen Leben.

Es lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, ob der Enthusiasmus der (jungen) Arbeiter schwand, er kompensierte jedoch nicht mehr die offensichtlichen Probleme. Die Menschen waren nicht mehr bereit ihr Leben auf dem Neuland als Abenteuer hinzunehmen und stellten Forderungen nach Lebensverhältnissen, welche sie aus ihren Heimatorten gewohnt waren.

7. Abbildungsverzeichnis

Abbildung auf dem Deckblatt: Seleznev, Vladimir Pavlovič, „Edemte s nami! Na novye zemli!“ (Fahrt mit uns! In die neuen Länder!“), 1954; einzusehen unter: http://www.plakaty.ru/posters?cid=1&part=%C5&full=1&page=2&id=54, [eingesehen am: 10.04.06].

8. Literatur und Quellenverzeichnis

8.1 Quellenverzeichnis

Altajskaja Pravda, 06.02.2004, einzusehen unter: http://www.ap.alteiregion.ru/031-04/0.html [05.03.05].

Altajskaja Pravda, 07.04.2004, einzusehen unter: http://www.ap.alteiregion.ru/096-04/2.html [05.03.05].

Altajskaja Pravda, 27.04.2002, einzusehen unter: http://www.ap.altairegion.ru/114-02/3.html [05.03.05].

Barkov, G., Čto snižaet tempy vvoda žil’ja, in: Narodnoje chozjajstvo Kazachstana, 1960/2.

Chardikov, P., Na celine stroit’ žil’e kruglogodično, in: Narodnoje chozjajstvo Kazachstana, 1960/4.

Chruščev, Nikita S., Vremja, Ljudi Vlast’. Vospominanija, (Bd. 4), Moskva 1999.

GA RF. F. R-8131. Op. 32. D. 5602. L. 47-48. Zitat nach: Kozlov, V. A., Massovye bezporjadki v SSSP pri Cruščeve i Brežneve (1953 – načalo 1980-ch gg.). Archiv novejšej istorii Rossii, serija „issledovanija“, (vypusk pervyj), Novosibirsk 1999. S. 38-42.

Il’ina, Ta’jana, Film pro altajskuju celinu byl! In: Altaiskaja Pravda, 06.04.04, einzusehen unter: http://www.ap.altairegion.ru/095-04/3.html [05.03.05].

Leninskij komsomol. Očerki po istrii VLKSM, pod red. Vasil’eva, I. Ja., Verčenko, Ju. N., Karpinskij L. V., Kovalenko, G. Ja., Serebrjannikov, P. M., Moskva 1969.

Kostelov. L, Problemy vodosnabženija celinnych savchozov, in: Narodnoe Chozjajstvo Kazachstana 1960/6.

Morozov, E., Gorod v stepi, in: Narodnoe Chozjajstvo Kazachstana 1960/10.

Postanovlenie Plenuma CK KPSS, 2 marta 1954 g.. O dal’nejšem uveličenii proizvodstva zerna v strane i ob osvoenii celinnych i zaležnych zemel’, in: Rešenija partii i pravitel’stva po chozjajstvennym voprosam. 1953-1961 g., sost., Černenko, K. U., Smirtjukov, M. S., (Bd.4), Moskva 1968.

Pravda, 23.02.1954.

Pravda, 24.02.1954.

Pravda, 10.03.1954.

Pravda, 17.03.1954.

Pravda, 24.03.1954.

Pravda, 04.05.1954.

Pravda, 06.05.1954

Pravda, 07.05.1954.

Pravda, 13.09.1954.

Vitalij Dvorjakin, Eršistyj stroitel’, in: Altajskaja Pravda, 17.03.2004, einzusehen unter: http:://www.ap.altairegion.ru/074-06/6.html [05.03.05].

8.2 Literaturverzeichnis

Aksjutin, Jurij, Chruščevskaja „ottepel’“ i obscestbennye nastroenija v SSSR v 1953-1964 gg., Moskva, ROSSPĖN, 2004.

Andrle, Vladimir, A social history of twentieth-century Russia, London (u.a.) 1994.

Danilevskij, I.N. / Kabanov, V.V. / Meduševskaja, O.M. / Rumjanceva M. F., Istočnikovedenie. Teorija istorija metod, istočniki Rossijskoj istorii, Moskva 1998.

Filtzer, Donald, Soviet workers and de-Stalinization, Cambridge 1992.

Kozlov, V. A., Massovye bezporjadki v SSSP pri Cruščeve i Brežneve (1953 – načalo 1980-ch gg.). Archiv novejšej istorii Rossii, serija „issledovanija“, (vypusk pervyj), Novosibirsk 1999.

Merl, Stefan, Entstalinisierung, Reformen und Wettlauf der Systeme, in: Hellmann, Manfred (Hg.), Handbuch der Geschichte Russlands, (Bd. 5.2), Stuttgart 2003.

Nove, Alec, Die Agrarwirtschaft, in: Markert, Werner, (in Zusammenarbeit mit zahlreichen anderen Fachgelehrten), Köln-Graz 1965.

Wädekin, Karl-Eugen, Sozialistische Agrarpolitik in Osteuropa. Von Marx bis zur Vollkollektivierung, (Bd. 1), Berlin 1974.

[...]


[1] Merl, Stephan, Entstalinisierung, Reformen, und Wettlauf der Systeme, in: Hellmann, Manfred (Hg.), Handbuch der Geschichte Russlands, (Bd. 5.2), Stuttgart 2003. S. 216.

[2] Informacionnoe soobšenie o Plenume Central’nogo Kommiteta Kommunističeskoj Partii Sovetskogo Sojuza. O merach dal’nejšego razvitija sel’skogo chozajstva SSSR. Postanovlenie Plenuma CK KPSS, prinjatoe 7 sentjabrja 1953 g. po dokladu tov. Chruščeva N.S., Pravda. 13.09.1954.

[3] Molotov äußerte bis zum Beginn der Kampagne seine Bedenken, vor allem wegen ihrer riesigen Ausmaße, vgl.: Aksjutin, Jurij, Chruščevskaja „ottepel’“ i obscestbennye nastroenija v SSSR v 1953-1964 gg., Moskva, ROSSPĖN, 2004. S. 68-69.

[4] „Natürlich, zuerst müssten akzeptable Lebensbedingungen geschaffen werden und erst dann, nachdem alles Notwendige eingerichtet wurde, könnte man zur Umsiedlung der Menschen schreiten. Aber wer wird denn dort bauen? Dort gibt es doch niemanden. Also müssen wir die Bauarbeiter mobilisieren. Aber das Getreide brauchen wir unverzüglich. Wir sind in einen Teufelskreis geraten“. Vgl., Chruščev, Nikita S., Vremja, Ljudi Vlast’. Vospominanija, (Bd. 4), Moskva 1999. S. 76.

[5] Diese rede wurde auch im sowjetischen Fernsehen übertragen.

[6] „Очень хорошо, [...] что вы молодые, задорные, первыми откликнулись на призыв партии.“ („Es ist sehr gut, […] dass ihr, jung und frohen Mutes, euch als erste auf den Ruf der Partei gemeldet habt.“), Pravda, 23.02.54.

[7] „Но трудности всё же будут, их надо преодолевать, идти вперёд, наперекор трудностям и побеждать их.“ (Aber Schwierigkeiten wird es geben, man muss sie überwinden, vorwärts schreiten, den Schwierigkeiten entgegen und man muss sie besiegen.“), Pravda, 23.02.54.

[8] http://www.nklibrary.freenet.kz/elib/collect/celina/step_glazami.htm [07.03.05]

[9] „Целинные земли – целая эпопея“, („Das Neuland ist eine wahre Epopöe“), vgl., Chruščev, Nikita S., Vremja, Ljudi Vlast’. Vospominanija, (Bd. 4), Moskva 1999. S. 71.

[10] Danilevskij, I.N. / Kabanov, V.V. / Meduševskaja, O.M. / Rumjanceva M. F., Istočnikovedenie. Teorija istorija metod, istočniki Rossijskoj istorii, Moskva 1998. S. 614-618.

[11] „Das ist das stolze Lied meiner Generation“, vgl., Gennadij Goc, Večen chleb, einzusehen unter: http://www.nklibrary.freenet.kz/elib/collect/celina/paren_iz_tselinograda.htm [07.03.05]

[12] „Ich will, dass nun für alle Zeiten, die Kameraden Soldaten bleiben“, vgl., Goc, Gennadij, Celina, einzusehen unter: http://www.nklibrary.freenet.kz/elib/collect/celina/paren_iz_tselinograda.htm [07.03.05]

[13] „Erinnern wir uns der vergangenen Tage, als die Menschen gezwungen waren, nicht nur in Zelten sondern auch in Schützengräben, ihr Leben opfernd, wohnen zu müssen“. Vgl., Chruščev, Nikita S., Vremja, Ljudi Vlast’. Vospominanija, (Bd. 4), Moskva 1999. S. 76.

[14] „Sowohl in den Jahren der harten kriegerischen Prüfungen als auch in den Jahren des friedlichen Aufbaus, demonstriert unsere Jugend große Beispiele des Mutes, der Heldenhaftigkeit, der Arbeitsamkeit und des unerschöpflichen Siegeswillens“. Vgl., Pravda, 24.03.1954.

[15] „ Dort wurde man gut bezahlt, das war ein sehr guter Verdienst. Viele von meinen Bekannten kehrten mit viel Geld zurück “. Zitat nach: Aksjutin, Jurij, Chruščevskaja „ottepel’“ i obscestbennye nastroenija v SSSR v 1953-1964 gg., Moskva, ROSSPĖN, 2004. S. 70.

[16] „ In den Kolchosen wurden keine Pässe ausgestellt, nach dem Schulabschluss konnte man sie nur kriegen, wenn man einen Einweisungsfahrschein vom Komsomol in den Händen hielt. Und mit einem Pass konnte man vom Neuland in die Stadt ziehen“. Zitat nach: Aksjutin, Jurij, Chruščevskaja „ottepel’“ i obscestbennye nastroenija v SSSR v 1953-1964 gg., Moskva, ROSSPĖN, 2004. S. 70.

[17] Aksjutin, Jurij, Chruščevskaja „ottepel’“ i obscestbennye nastroenija v SSSR v 1953-1964 gg., Moskva, ROSSPĖN, 2004. S. 69-70.

[18] „In den Plena des ZK KPdSU, in denen landwirtschaftliche Fragen behandelt wurden, wurde unterstrichen, dass der Komsomol in den Dörfern eine große Kraft darstellt“, vgl., Leninskij komsomol. Očerki po istrii VLKSM, pod red. Vasil’eva, I. Ja., Verčenko, Ju. N., Karpinskij L. V., Kovalenko, G. Ja., Serebrjannikov, P. M., Moskva 1969. S. 479. Auch: Chruščev, Nikita S., Vremja, Ljudi Vlast’. Vospominanija, (Bd. 4), Moskva 1999, S. 79.

[19] Postanovlenie Plenuma CK KPSS, 2 marta 1954 g.. O dal’nejšem uveličenii proizvodstva zerna v strane i ob osvoenii celinnych i zaležnych zemel’, in: Rešenija partii i pravitel’stva po chozjajstvennym voprosam. 1953-1961 g., sost., Černenko, K. U., Smirtjukov, M. S., (Bd.4), Moskva 1968. S. 89-119.

[20] „Die Jugend reist ab, um das Neuland zu erschließen“. Vgl., Pravda, 24.02.1954.

[21] Pravda, 10.03.1954. Und, Pravda, 17.03.1954.

[22] Leninskij komsomol. Očerki po istrii VLKSM, pod red. Vasil’eva, I. Ja., Verčenko, Ju. N., Karpinskij L. V., Kovalenko, G. Ja., Serebrjannikov, P. M., Moskva 1969. S. 483.

[23] ebd., Ich bin bei meinen Recherchen auf verschieden Zahlen gestoßen, in diesem Fall verwende ich die Kleinere.

[24] Pravda, 23.02.1954; Pravda, 24.02.1954.

[25] Pravda, 24.02.1954.

[26] „Auf dem Neuland ist mein Bruder gestorben, er ist erfroren“. Zitat nach: Aksjutin, Jurij, Chruščevskaja „ottepel’“ i obscestbennye nastroenija v SSSR v 1953-1964 gg., Moskva, ROSSPĖN, 2004. S. 72.

[27] „Viele hielten die Schwierigkeiten nicht aus und hauten schnell aus dem Neuland ab“. Vgl., Vitalij Dvorjakin, Eršistyj stroitel’, in: Altajskaja Pravda, 17.03.2004, einzusehen unter: http:://www.ap.altairegion.ru/074-06/6.html [05.03.05]

[28] Morozov, E., Gorod v stepi, in: Narodnoe Chozjajstvo Kazachstana 1960/10. S. 69.

[29] Barkov, G., Čto snižaet tempy vvoda žil’ja, in: Narodnoje chozjajstvo Kazachstana, 1960/2. S. 35.

[30] ebd.

[31] Chardikov, P., Na celine stroit’ žil’e kruglogodično, in: Narodnoje chozjajstvo Kazachstana, 1960/4. S. 56-57.

[32] „Damals gab es doch in der Arbeitersiedlung weder Geschäfte, noch Speisesäle, Kinos oder Krankenhäuser“, vgl., Morozov, E., Gorod v stepi, in: Narodnoe Chozjajstvo Kazachstana 1960/10. S 69.

[33] „(...) es ereigneten sich natürlich auch Tragödien. Und für die Evakuierung des Kranken in die Stadt, in die große Klinik, blieb oft keine Zeit“. Vgl.: Il’ina, Ta’jana, Film pro altajskuju celinu byl! In: Altaiskaja Pravda, 06.04.04, einzusehen unter: http://www.ap.altairegion.ru/095-04/3.html [05.03.05]

[34] „Hart war der Winter 1955-1956. Kälte, endlose Schneestürme unterbrachen eine normale Versorgung der Stadt mit Lebensmitteln und Wasser“. Vgl., Morozov, E., Gorod v stepi, in: Narodnoe Chozjajstvo Kazachstana 1960/10. S 68.

[35] Kostelov. L, Problemy vodosnabženija celinnych savchozov, in: Narodnoe Chozjajstvo Kazachstana 1960/6. S. 71.

[36] Kozlov, V. A., Massovye bezporjadki v SSSR pri Cruščeve i Brežneve (1953 – načalo 1980-ch gg.). Archiv novejšej istorii Rossii, serija „issledovanija“, (vypusk pervyj), Novosibirsk 1999. S. 42-59.

[37] Kozlov vermutet, dass Mangan in diesem Wasser aufgelöst war, um es zu desinfizieren, vgl., Kozlov, V. A., Massovye bezporjadki v SSSR pri Cruščeve i Brežneve (1953 – načalo 1980-ch gg.). Archiv novejšej istorii Rossii, serija „issledovanija“, (vypusk pervyj), Novosibirsk 1999. S. 49.

[38] „Es gab Fälle, da entdeckten die Arbeiter in ihrem Essen Würmer, verfaultes Fleisch (...)“. Vgl., Ebd. S. 43.

[39] Dvorjankin, Vitalij, Eršistyj stroitel’, in: Altajskaja Pravda, 17.03.2004, einzusehen unter: http:://www.ap.altairegion.ru/074-06/6.html [05.03.05]

[40] „Für gewöhnlich wird es [das Brot, A. M.] nicht durchgebacken geliefert“. Vgl., Altajskaja Pravda, 27.04.2002, einzusehen unter: http://www.ap.altairegion.ru/114-02/3.html [05.03.05]

[41] „In den Speisesälen mangelte es an Plätzen, die Arbeiter waren gezwungen bis zu einer Stunde in der Schlange zu stehen. Es mangelte an Gabeln, Messern, Löffeln“. Vgl., Kozlov, V. A., Massovye bezporjadki v SSSR pri Cruščeve i Brežneve (1953 – načalo 1980-ch gg.). Archiv novejšej istorii Rossii, serija „issledovanija“, (vypusk pervyj), Novosibirsk 1999. S. 43.

[42] Chardikov, P., Na celine stroit’ žil’e kruglogodično, in Narodnoe chozjajstvo Kazachstana, 1960/4, S. 56.

[43] „In den Maschinen-Traktoren-Stationen des Gebiets herrscht eine niedrige Arbeitsdisziplin, in den Arbeitsbrigaden ist der Tagesablauf nicht festgelegt. Die Mechanisatoren fangen an zu arbeiten, wann es ihnen in den Sinn kommt“. Vgl., Pravda, 06.05.1954.

[44] „Das Problem ist nur, dass uns bisher keine Aufgaben erteilt wurden“. Vgl., Altajskaja Pravda, 27.04.2002, einzusehen unter: http://www.ap.altairegion.ru/114-02/3.html [05.03.05]

[45] Kozlov, V. A., Massovye bezporjadki v SSSR pri Cruščeve i Brežneve (1953 – načalo 1980-ch gg.). Archiv novejšej istorii Rossii, serija „issledovanija“, (vypusk pervyj), Novosibirsk 1999. S. 43.

[46] GA RF. F. R-8131. Op. 32. D. 5602. L. 47-48. Zitat nach: Kozlov, V. A., Massovye bezporjadki v SSSR pri Cruščeve i Brežneve (1953 – načalo 1980-ch gg.). Archiv novejšej istorii Rossii, serija „issledovanija“, (vypusk pervyj), Novosibirsk 1999. S. 38-42.

[47] Ebd., S. 39.

[48] Kozlov, V. A., 1999. S. 41.

[49] Kozlov, V. A., 1999. S. 106.

[50] Kozlov, V. A., 1999. S. 31-32.

[51] Pravda, 04.05.1954.

[52] Morozov, E., Gorod v stepi, in: Narodnoe Chozjajstvo Kazachstana, 1960/10. S. 69.

[53] Gorškov, M., Uskorit’ sooruženie kinoteatrov, in: Narodnoe Chozjajstvo Kazachstana, 1960/9. S. 44-45.

[54] Pravda, 07.05.1954.

[55] Alteiskaja Pravda, 07.04.2004, einzusehen unter: http://www.ap.alteiregion.ru/096-04/2.html [05.03.05]

[56] Alteiskaja Pravda, 06.02.2004, einzusehen unter: http://www.ap.alteiregion.ru/031-04/0.html [05.03.05]

Details

Seiten
21
Jahr
2005
Dateigröße
543 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v110010
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,3
Schlagworte
Alltägliche Probleme Erschließung Neulandes Sowjetunion Sozialer Wandel Alltag

Autor

Zurück

Titel: Alltägliche Probleme während der Erschließung des Neulandes in der Sowjetunion 1954-1960