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Feste und Bräuche im Judentum

Referat / Aufsatz (Schule) 2005 16 Seiten

Ethik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Wallfahrtsfeste

2. Die Hohen Feiertage

3. Die Historischen Feste

4. Persönliche Ereignisse

5. Materialanhang

Die Wallfahrtsfeste

- Pessach (Pascha-Fest)

Pessach ist das erste der drei Wallfahrtsfesten, die zur Zeit der beiden Tempel mit einer Pilgerfahrt nach Jerusalem und Opfern im Tempel begangen wurden. Es wird Ende März/Anfang April zur Zeit der ersten Gerstenernte gefeiert. Pessach ist jedoch nicht nur ein Erntedankfest, vielmehr soll es die Juden an die Zeit des Exodus (der Auszug der Israeliten aus Ägypten) erinnern. Pessach ist also ein Fest der Freiheit und bedeutet wörtlich übersetzt “Überschreitung“.

Während der einwöchigen Feier darf weder etwas gesäuertes gegessen werden noch darf sich etwas im Haus befinden. Ungesäuertes Essen symbolisiert die Hast mit der die Israeliten Ägypten verließen, da sie nicht die Zeit hatten ihre Speisen würzen zu lassen. An den ersten beiden Abenden des Pessachfestes wird nach der Synagoge die Sederfeier begangen, eine Art Abendmahl. Auf einem weiß gedeckten Tisch stehen die bestimmten symbolischen Gegenstände:

- Die Haggada (=Erzählung), aus diesen Buch werden Geschichten des Judentums vorgelesen, um die Kinder mit der Geschichte ihres Volkes vertraut zu machen
- Ein Becher, der als Zeichen der vier Versprechen Gottes viermal mit Wein gefüllt wird
- Ein Weiterer mit Wein gefüllter Becher der den kommenden Messias symbolisiert
- Matzen (ungesäuerte Brotfladen), welche an die Flucht und an das Sklavenleben erinnern
- Ein gerösteter Lammknochen, der das ehemalige Opferlamm ersetzt
- Ein Ei, welches die Natur symbolisiert
- Bitterkräuter, welche die bittere Not in Ägypten veranschaulichen
- Eine Schüssel mit Charosset, einem Gemisch aus Äpfeln, Nüssen, Wein und Zimt, welchen den Lehm darstellt, den die Juden für den Pharao mischen mussten

Das Sederritual beginnt mit einem Segensspruch über den Wein, die Speisen werden dann in einer bestimmten Reihenfolge verzehrt, unterbrochen durch das Aufsagen verschiedener Gebete und das Erzählen der zweitausendjährigen Leidensgeschichte des Judentums.

“Ziel und Sinn des Pessachfestes ist es also, die jüdische Geschichte lebendig und anschaulich zu erhalten, damit sich auch nachfolgende Generationen mit der Vergangenheit ihres Volkes identifizieren können.

- Schawout (Wochenfest)

Schawout ist das zweite Wallfahrtsfest und wird Ende Mai/Anfang Juni zur Zeit der Weizenernte gefeiert. Schawout symbolisiert einen großen Tag der jüdischen Geschichte, den Tag der Übergabe der Zehn Gebote und der Offenbarung Gottes am Berg Sinai. Schawout wird am 50. Tag nach Pessach gefeiert, der Name Schawout kommt von den sieben Wochen die dazwischen liegen.

Schawout umfasst zwei Festtage. Es ist das Fest der “Toragebung“, und so ist es Sitte sich mit ihr zu befassen und sich erneut die Bedeutung der Zehn Gebote zu veranschaulichen und nach ihnen zu handeln. Alle Rituale die an den zwei Festtagen durchgeführt werden stehen in symbolischer Beziehung zu den Ereignissen am Berg Sinai. An Schawout werden hauptsächlich Milch- und Süßspeisen verzehrt ("Und ich bin herniedergefahren, dass ich sie errette aus der Ägypter Hand und sie herausführe aus diesem Lande in ein gutes und weites Land, in ein Land, darin Milch und Honig fließt“). Kuchen werden in Form der Gesetzestafeln gebacken oder andere Gebäcke kegelförmig, die den Berg darstellen sollen. Außerdem werden jüdische Kinder in den Cheder (jüdische Elementarschule) eingeschult.

- Sukkot (Laubhüttenfest)

Sukkot ist das dritte und letzte Wallfahrtsfest und wird Ende September/Anfang Oktober zum Abschluss der Erntesaison gefeiert. Sukkot ist wohl das älteste Fest der Juden und wurde bereits in der Tora genannt (3. Buch Mose 23, 34 ,, Sag zu den Israeliten: Am 15. Tag des 7. Monats ist 7 Tage hindurch das Laubhüttenfest zur Ehre des Herrn) – es war ursprünglich ein Erntedankfest, jedoch wurde es (wie fast alle Naturfeste) nach der babylonischen Gefangenschaft mehr historisiert und soll nun die Israeliten auch an den Auszug aus Ägypten erinnern, dass sie einst ein besitzloses Nomadenvolk ohne Ernteerträge waren und nur durch das Vertrauen in Gott und seine Hilfe in ein neues Land und eine neue Zukunft geführt wurden. Aufgrund dessen sollen sie auch für eine Woche in einer selbstgebauten Laubhütte (Sukka) wohnen, was das Vertrauen in Gott stärken soll.

Das Wichtigste bei einer solchen Laubhütte ist, dass das Dach aus Zweigen und Laub besteht, durch die der Himmel zu sehen sein muss. Außerdem darf sie nicht unter einer Bedachung oder einem Baum stehen, sonst wäre diese nicht koscher (also nicht nutzbar). Bei Krankheit oder extremer Kälte müssen wenigstens die Mahlzeiten in der Sukka eingenommen werden. Während der ersten sieben Festtage Sukkots sind die Seelen der Erzväter Abraham, Isaak, Josef, Mose, Aaron und David eingeladen. Jeder sitzt einmal als der Erste am Tisch als Symbol dafür dass die Juden nie wieder wandern müssen und heimatlos sind. Um diese “Gäste“ zu ehren lädt man Obdachlose, arme oder einsame Menschen ein, aber auch um das Gebot der Feudle, welches an Sukkot sehr wichtig ist, für alle Menschen zu erfüllen.

Der Lulaw (Feststrauss) ist das Zweitwichtigste Symbol Sukkots, mit ihm in der Hand wird an den Morgen der ersten sieben Tage gebetet. Er besteht aus:

- Einer Zitrusfrucht
- Einem Palmzweig
- Drei Myrthenzweigen
- Zwei Bachweidenzweigen

Diese “Vier Arten“ stellen zum einen die frühere Vegetation Israels dar, zur anderen symbolisieren sie das Volk Israels:

- Etrog, die Zitrusfrucht, das einen süsslichen Geschmack und duftet gut
- Die Früchte der Dattelpalme schmecken gut, haben jedoch keinen Duft
- Die Myrthe riecht gut, schmeckt aber nicht
- Die Bachweide hat weder Duft noch Geschmack

Und so verhält es sich auch mit dem Volk Israel:

- Manche Juden haben Torakenntnisse und sind wohltätig
- Andere haben zwar Torakenntnisse, sind aber nicht wohltätig
- Manche haben keine Torakenntnisse, sind aber wohltätig
- Und manche haben, wie die Bachweide, nichts von beidem

Der achte Festtag des Laubhüttenfestes wird “Schemini Azeret“ (Beschlussfest) genannt. An diesem Tag wird lediglich das Frühstück in der Sukka eingenommen, danach wird in einem Zusatzgottesdienst für Regen gebetet. Außerdem wird an diesem Tag den Toten gedacht, wobei die, deren Eltern noch leben den Raum verlassen um kein Unglück zu provozieren.

Die Tora ist in 54 Abschnitte aufgeteilt; jeden Sabbat wird ein bestimmter Abschnitt gelesen. An Simchat Tora (Torafreudenfest), dem neunte Festtag des Sukkots, liest man den letzten Abschnitt und fängt gleich wieder mit dem ersten an.

Die “Hohen Feiertage“

- Rosch ha-Haschana (Neujahrstag)

Rosch ha-Schana wird im Judentum Ende September/Anfang Oktober gefeiert. Mit dem Neujahrstag beginnen bei ihnen “die zehn Tage der Umkehr“, eine Zeit der Selbstbesinnung und Reue über die vergangenen Taten, die mit Jom Kippur (dem Versöhnungstag) endet. Im Gegensatz zu den anderen Festen im Judentum sind Rosch ha-Schana und Rom Kippur die einzigen Feiertage, die nicht auf historische Ereignisse zurückzuführen sind. Sie sind rein religiöse Feste, bei denen Gott gefeiert wird.

Das jüdische Neujahrsfest, welches in der Regel zwei Tage gefeiert wird, beginnt mit einem Abendgottesdienst in der Synagoge. Man prüft sein Gewissen und bittet Gott um Vergebung aller Sünden, um voller Zuversicht ins neue Jahr treten zu können. Nach dem Gottesdienst geht man nach Hause und feiert im familiären Kreis mit einem Festmahl, bei dem Honig nicht fehlen darf. Alle Speisen, die an diesem Tag zu sich genommen werden, müssen entweder Honig enthalten oder in Honig getaucht werden; damit will man sich das nächste Jahr “versüssen“. Der Morgengottesdienst am nächsten Morgen hat einen ungewöhnlichen Umfang – er kann bis zu fünf Stunden dauern. Der Höhepunkt dieser Zeremonie ist das Schofarblasen, das Blasen eines ausgehöhlten Widderhorns. “Das Widderhorn erinnert an die Fesselung Issaks auf dem Berg Moria, wo Gott Abraham auf die Probe stellt, indem er von ihm fordert seinen Sohn zu opfern. In letzter Minute hält ihn jedoch ein Engel davon ab und Abraham opfert stattdessen einen Widder, der sich im Gebüsch verfangen hat. Gott verheißt ihm, wegen seiner Bereitschaft sein Liebstes zu opfern, zahlreiche Nachkommen. Der Legende nach ringt Abraham dann auch Gott das Versprechen ab, die Menschen gnädig zu richten, im Gedenken an seine Bereitschaft seinen Sohn zu opfern. So bläst man an Neujahr das Widderhorn, um Gott an das Versprechen zu erinnern.“ Bei diesem Versprechen ist es allerdings Vorraussetzung, das sich die Menschen untereinander vergeben und versöhnen; deshalb werden an Rosch ha-Schana und den kommenden Tagen die “Beleidigten“ aufgesucht und um Verzeihung gebeten und den “Beleidigern“ wird verziehen. Außerdem werden alle Schulden beglichen. Als Zeichen der Reinheit wird in dieser Zeit hauptsächlich weiß getragen.

- Erew Jom Kippur (Der Tag vor Jom Kippur)

Erew Jom Kippur ist der Vortag des Versöhnungsfestes. Am diesem Tag ist es verboten zu fasten. Am Erew Jom Kippur bringt man ein Sühnopfer: Man schwingt sich ein Huhn drei Mal um den Kopf und danach wird es geschlachtet. Dieser Brauch, welcher kein Gebot ist, wird hauptsächlich von europäischen und amerikanischen Juden ausgeübt. Man will damit mit sich und der Welt ins Reine kommen. Man bemüht sich bewusst zu werden, wann man im vergangenen Jahr Unrecht getan hat und versucht dieses wieder gut zu machen. Falls derjenige, dem man Unrecht getan hat bereits tot ist, geht man mit Zeugen zu dessen Grab und entschuldigt sich.

- Jom Kippur (Versöhnungsfest)

Jom Kippur ist der heiligste Tag im jüdischen Jahr, er ist ein strenger Fast- und Bustag, an dem Arbeit verboten ist. Ebenso wie an Rosch ha-Schana wird weiß getragen und das Schofarhorn geblasen. Fünf mal nimmt man an Jom Kippur am Gottesdienst teil und bittet nach Vergebung. Männer, Frauen, Jungen ab zwölf, Mädchen ab elf Jahren (ausgenommen Schwerkranke und Wöchnerinnen) dürfen nicht/keine:

- Essen
- Trinken
- Lederschuhe oder Stiefel tragen
- Baden oder Waschen
- Elektrischen Geräte benutzen
- Sich sonst einen Genuss gönnen

Jom Kippur wird zum Großteil in der Synagoge gefeiert (der Gottesdienst geht an diesem Tag ohne Unterbrechung von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang). Er beginnt, wie alle jüdischen Feste, am Abend des Vortages und endet am nächsten. Am gleichen Abend, so ist es Gebot, wird noch mit dem Bau der Laubhütte für das wenige Tage später beginnende Laubhüttenfest angefangen.

Die historischen Feste

- Chanukka (Lichterfest/Einweihungsfest)

Chanukka wird Ende November/Anfang Dezember gefeiert. Es ist ein Halbfeiertag, ist also nicht auf biblische Gebote sondern auf historische Ereignisse zurückzuführen. An Chanukka feiert man den Sieg gegen die Griechische Herrschaft, die 37 v. Chr. den Juden sogar verbot ihre Religion auszuüben. Der Name kommt daher, dass ca. ein Jahr nach dem Sieg über die Griechen der Tempel von den Griechischen Götzen gereinigt und neu geweiht wurde. Damals war aber nur noch wenig geweihtes Öl da, das gerade gereicht hätte, den Tempel eine Nacht lang zu beleuchten. Wunderlicherweise hielt das Öl jedoch für ganze acht Tage.

Aus diesem Grund wird Chanukka auch acht Tage lang gefeiert. Zu diesem Anlass hat man auch einen Chanukka-leuchter, der acht Kerzenhalter beinhaltet, von dem an jedem Tag eine Kerze angezündet wird. Es ist jedoch untersagt den Chanukka-leuchter zu anderen Zwecken zu benutzen, er wäre dann nicht koscher. Jüdische Kinder erhalten außerdem an jedem dieser acht Feiertage Geschenke.

- Purim (Fest der Lose)

Purim wird Ende Februar/Anfang März gefeiert. Der Name bedeutet wörtlich übersetzt “Lose“, aufgrund der Lose, die im 5. Jhd. v. Chr. der Ratgeber des Königs von Persien, Haman, zog, um den Tag der Vernichtung der Juden zu bestimmen. Dies wollte er, weil ein jüdischer Beamter sich nicht seiner Anordnung fügte, sich vor ihm zu verbeugen. Dieses Vorhaben wurde durch die Königin Esther und deren Onkel jedoch verhindert, und der Ratgeber wurde geköpft. Da dieses Los auf den 13. Adar fiel, wurde Purim auf den 14. festgelegt.

Am Tag davor ist zum Gedenken daran ein Fasttag “Esthers Fasten“. An Purim steht das Lesen der Megilla, des Buches Esther, im Mittelpunkt. Man ist verpflichtet die Lesungen, welche in der Synagoge gehalten werden, anzuhören. An Purim ist es aufgrund der Fröhlichkeit des Festes Sitte sich zu verkleiden und Paraden zu feiern, obwohl das traditionell bei Juden nicht gerne gesehen wird. Außerdem werden Süßigkeiten, Geld und Speisen verschenkt.

- Tischa Be-Aw (Gedenktag des Tempels in Jerusalem)

Tischa Be-Aw ist der traurigste und tragischste Tag im jüdischen Jahr. Es erinnert an die Zerstörung der Tempel in Jerusalem 586 v. Chr. und 70 v. Chr. Tischa Be-Aw ist ein Tag des völligen Fastens: Essen und Trinken sind von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang verboten.

Es müssen folgende Trauervorschriften beachtet werden:

- Keine Lederschuhe
- Kein Waschen und Baden
- Kein Rasieren, keine Kosmetika
- Kein Geschlechtsverkehr
- Kein Thorastudium, denn Thorastudium macht fröhlich. Erlaubt sind biblische Bücher wie die Klagelieder oder Hiob
- Nicht arbeiten

Die drei Wochen vor Tischa Be-Aw sind Trauerzeit. Dort wurde die Stadtmauer Jerusalems von Angreifern durchbrochen. Während dieser drei Wochen dürfen keine Hochzeiten stattfinden, man feiert keine Feste und keine geselligen Zusammenkünfte, besonders mit Musik. Es ist üblich, sich während dieser Zeit nicht die Haare schneiden zu lassen und keine neuen Kleider zu tragen.

- Kleinere historische Feste
- Jom Haschoa (Holocaustgedenktag) Man gedenkt den jüdischen Opfern der Naziherrschaft. Alle jüdischen Vergnügungslokale sind an diesem Tag geschlossen.
- Jom Haazmaut (Israelischer Unabhängigkeitstag) Man feiert die israelische Unabhängigkeit vom 14. Mai 1948
- Jom Jeruschalajim (Jerusalemtag) Man feiert die Wiedervereinigung Jerusalems, die 1967 stattfand. Zum ersten Mal seit 70 n. Chr. standen Tempelberg und Westmauer wieder unter jüdischer Kontrolle.

Persönliche Ereignisse

- Tod & Begräbnis

Wenn ein Jude den Tod näher kommen sieht bereitet er sich auf ihn mit Gebeten und Bekenntnissen vor. Bei eintretendem Tod soll der Sterbende noch den Glauben an die Einzigkeit Gottes bekennen. Ist der Tod eingetreten, so wird der Tote auf die Erde gelegt und ein Licht wird angezündet. Er wird gewaschen und in ein Totenhemd gekleidet, welches die Frau dem Mann zur Hochzeit geschenkt hat. Zuvor wurde es nur an Rosch ha-Schana und Jom Kippur getragen. Bis zur Beerdigung, welche meist noch am Todestag stattfindet, wird der Tote nie allein gelassen, denn das würde als Mangel an Respekt angesehen.

Die Trauerfeier findet in einer Leichenhalle statt, erst hält ein Rabbiner eine Trauerrede, danach wird vom nähesten Angehörigen das Totengebet gesprochen. Danach wird der Tote zum Grab begleitet, was als religiöse Pflicht gilt. Am Grab angelangt, reißen sich die Angehörigen zum Zeichen ihrer Trauer die Kleider ein, heute oft durch das Abreißen einer Krawatte oder eines an der Kleidung festgemachten Bandes.

Juden lehnen die Totenverbrennung prinzipiell ab, da dies als Mittel gilt sich des Leichnams einer Person zu entledigen.

Viele Juden wollen in Jerusalem begraben sein, denn es gibt dir Vorstellung, dass die in Jerusalem begrabenen bei der Ankunft des Messias als erstes auferstehen. Außerdem soll die Erde des Heiligen Landes sündenerlassende Wirkung haben. Weil man aber nicht alle Juden in Jerusalem beerdigen kann, legt man vielen Toten ein Säckchen Erde aus Jerusalem in den Sarg. Bei Gräbern jüdischer Toten wird auf Blumenschmuck und prunkvolle Grabsteine verzichtet, es soll deutlich gemacht werden dass die Toten alle gleich sind. Stattdessen werden Steine auf die Gräber der Toten gelegt, das soll die Erinnerung an den Toten verlängern.

Nach der Beerdigung beginnt für die Trauernden Schiwa, die Trauerwoche. In der Trauerwoche darf man das Haus nicht verlassen; man verzichtet auf Baden, Rasieren, Schminken und Sex. Sogar das Lesen aus der Tora ist verboten, da es ein „“Quell der Freude“ ist. Nur Klagetexte wir Hiob oder Klagelieder dürfen gelesen werden. Nach Beendigung der Schiwa laufen die Trauernden einmal um den Block, womit sie die Rückkehr in die Gesellschaft symbolisieren. Danach beginnt die 30-tägige Trauerzeit Schloschim, in der gelockerte Trauervorschriften gelten. Handelt es sich bei dem Gestorbenen um Mutter oder Vater dauert Schloschim ein Jahr lang.

- Beschneidung

Die Beschneidung bei jüdischen Jungen muss am achten Tag nach der Geburt stattfinden. Sie soll ein von Gott über Abraham vermitteltes Gebot sein, welches Vorrang vor allen anderen Geboten hat. Falls das Kind krank ist wird die Beschneidung verschoben und am achten Tag nach der Genesung durchgeführt. Durch dieses Ritual wird das Kind in den Bund Gottes aufgenommen. Auch erwachsene Männer die zum Judentum wechseln müssen beschnitten werden.

Bei der Beschneidung wird die Vorhaut des Gliedes entfernt. Es müssen zehn jüdische Männer als Vertreter der Gemeinde anwesend sein, während der Geist des Propheten Elia auch anwesend ist um bei der Beschneidung beizustehen. Nachdem der Junge in die Synagoge getragen wurde, wird er erst von der Mutter zur Patin dann zum Vater und dann zum zweiten Paten gegeben bevor er vom Mohel, der Beschneidungsspezialist, auf den “Eliasstuhl“ gelegt wird. (Der Mann darf nämlich nicht das Kind direkt aus den Händen der Mutter nehmen, da diese noch von der Geburt her religiös unrein ist.) Um die Vorhaut zu entfernen verwendet der Mohel ein Beschneidungsmesser, einen Kamm zur Ablösung der Vorhaut und ein Schild um die Eichel nicht zu verletzen. Nach der Zeremonie wird der hebräische Name des Kindes verkündet und das Kind wird beschenkt.

- Bar Mizwa & Bath Mizwa

Mit 13 Jahren erhalten jüdische Jungen die religiöse Mündigkeit. Dass 13-jährige bereits religiös mündig sind, gibt es bei den Juden schon lange, bereits in der Tora wurden 13-jährige als “Erwachsene“ und “Söhne der Pflicht“ bezeichnet. Der Name Bar Mizwa kam jedoch erst gegen Ende des 13. Jahrhunderts aus, während die heute praktizierte Form sogar erst im 19. Jahrhundert unter Vorbild der evangelischen Konfirmation entstand.

Nach dem 13. Lebensjahr ist ein jüdischer Junge also ein vollwertiges Mitglied der Juden. Er darf aus der Tora lesen, darf den Teffilin (Gebetsriemen) und den Tallit (Gebetsmantel) tragen. Ebenso muss er ab diesen Tag aber auch die Gebote der Tora befolgen und sie in Ehre halten und ist selbst für sein Handeln verantwortlich. Am Sabbat nach dem 13. Geburtstag wird Bar Mizwa gefeiert. Der Jude nimmt im Gottesdienst erstmals den Platz des Lesers ein und darf aus der Tora vorlesen.

Bath Mizwa wird die Feier zur religiösen Mündigkeit bei jüdischen Mädchen genannt. Das ist bei Mädchen jedoch schon nach dem 12. Lebensjahr der Fall. Bath Mizwa wird jedoch nur bei reformierten Juden gefeiert (seit ca. 1922), bei orthodoxen Juden ist das eher unüblich.

- Hochzeit & Scheidung

Die Ehe ist im jüdischen Glauben heilig und ihr kommt eine sehr hohe Bedeutung zu. Die Ehe wird im Judentum als wesentliche Grundlage der Existenz gesehen. Das Heiraten zwischen Pessach und Schawout ist verboten. Auch wird zwischen Rosch ha-Schana und Jom Kippur nicht gerne geheiratet weil das Zeiten der Trauer und Besinnung sind.

Am Hochzeitstag ist es Tradition zu fasten (wie an Jom Kippur), und um Vergebung der begangenen Sünden zu bitten. Die Hochzeit, welche von einem Rabbiner geleitet wird, findet meistens im Freien statt um Gottes Segen zu erhalten. Sie findet unter einer Chuppa statt, Stoff auf vier Stangen gespannt. Im modernen Israel benutzt man auch häufig den Tallit als Chuppa, der auf vier Gewehren hochgehalten wird.

Unter seinem Anzug trägt der Bräutigam ein weißes Kleid, welches einerseits Reinheit zum Ausdruck bringen soll und andererseits an die Ehrlichkeit des neuen Lebensabschnittes erinnern soll. Die Braut dagegen verschleiert ihr Gesicht was das Vertrauen ihrem Mann gegenüber symbolisiert.

Die Zeremonie beginnt mit einem Segen, den der Rabbiner über einen Becher Wein spricht, aus dem zuvor Braut und Bräutigam trinken. Dann erfolgt unter Beisein der zwei Trauzeugen (die männlich sind) die eigentliche Trauung, der Mann streift der Frau den Ehering über den Zeigefinger der rechten Hand.

Mit dem Ehevertrag, der Ketuba, verpflichtet sich der Mann seine Frau zu ehren, zu kleiden, zu nähren und sexuell zu befriedigen. Außerdem stehen die Regelungen bei Tod oder Scheidung in der Ketuba. Falls der Mann stirbt erbt sie eine Ketubasumme, im Falle einer Scheidung seinerseits auch; wenn aber die Frau die Scheidung verursacht bekommt sie kein Geld. Die Pflichten der Frau werden im Ehevertrag nicht erwähnt.

Darauf spricht der Rabbiner sieben Segenssprüche. Am Ende der Zeremonie wird ein Glas bzw. eine Glühbirne zerbrochen, was an die Zerstörung des Tempels in Jerusalem erinnern soll.

Geschlechtsverkehr oder Ehen eines Mannes mit einer Frau folgender Kategorien bedeuten Inzucht, solche Ehen sind also ungültig:

- Mutter, Tochter, Schwester, Tante, Enkelin
- Frau eines Verwandten
- Frau, die nicht durch eine gültige jüdische Scheidung geschieden ist
- Tochter oder Enkelin einer ehemaligen Frau
- Schwester einer ehemaligen Frau wenn sie geschieden sind, nach deren Tod darf er die Schwester heiraten

Nur Kinder aus solchen Verbindungen sind nicht legitim, uneheliche schon.

Da die Juden in einer Ehe nur den Zweck sehen, eine Atmosphäre zu schaffen, in der Gottes Gebote eingehalten und die Kinder nach jüdischem Glauben zu erziehen, ist eine Heirat mit einem Nichtjuden religiös ungültig und keine bindende Kraft.

Scheiden lassen darf sich im Judentum nur der Mann, das darf er jedoch nur mit Zustimmung seiner Frau.

Ein jüdisches Gericht kann einen Ehemann aber dazu zwingen, sich von seiner Frau zu scheiden, wenn:

- der Mann sich weigert, mit seiner Frau Geschlechtsverkehr zu haben
- der Mann seiner Unterhaltspflicht nicht nachkommt
- der Mann seiner Frau untreu ist
- der Mann seine Frau gewohnheitsmäßig schlägt
- der Mann unter einer abstoßenden Krankheit leidet

Eine Scheidung ist im Judentum nur gültig wenn sie dem Religionsgesetz entspricht; sie muss vor drei Rabbinern, einem Schreiber und zwei Zeugen stattfinden. Frauen dürfen erst 92 Tage nach der Scheidung wieder heiraten, um Zweifel bezüglich der Vaterschaft ihrer Kinder zu verringern.

Materialanhang

Quellen:

judentum-projekt.de

payer.de/judlink.htm

wikipedia.de

hausarbeiten.de/faecher/hausarbeit/thz/15295.html

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Feste und Bräuche im Judentum

Die Wallfahrtsfeste:

- Pessach (Paschafest)
- Feier zur Gerstenernte
- Erinnert an die Befreiung der israelischen Sklaven aus Ägypten
- Schawout (Wochenfest)
- Feier zur Weizenernte
- Erinnert an die Übergabe der Zehn Gebote
- Sukkot (Laubhüttenfest)
- Erntedankfest
- Zur Erinnerung an den Auszug aus Ägypten wird eine Woche lang in einer selbstgebauten Laubhütte gewohnt
- Schemini Azeret (Beschlussfest) – am achten Tag Sukkots wird aus der Laubhütte ausgezogen und den Toten gedacht
- Simchat Tora (Torafreudenfest) – am neunten Tag Sukkots wird der letzte Abschnitt der in 54 Abschnitte aufgeteilten Tora gelesen und gleich wieder mit dem Ersten begonnen

Die “Hohen Feiertage“:

- Rosch ha-Schana (Neujahrstag)
- Vergebung aller Sünden durch Gott
- Beginn der “Zehn Tage der Umkehr“
- Jom Kippur (Versöhnungsfest)
- Heiligster Tag im Jahr (Beten von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang)
- Ende der “Zehn Tage der Umkehr“

Die historischen Feste:

- Chanukka (Lichterfest bzw. Einweihungsfest)
- Erinnert an den Sieg gegen die griechische Herrschaft 37 v. Chr.
- Purim (Fest der Lose)
- Die persische Königin Esther wird gefeiert, die im 5. Jdh. v. Chr. die Vernichtung aller persischen Juden verhinderte
- Tischa Be-Aw (Gedenktag des Tempels in Jerusalem)

Persönliche Ereignisse:

- Tod & Begräbnis
- Beschneidung
- Am achten Tag nach der Geburt wird jüdischen Jungen die Vorhaut entfernt
- Bar Mizwa
- Jüdische Jungen erhalten mit 13 Jahren ihre religiöse Mündigkeit
- Bath Mizwa
- Jüdische Mädchen erhalten mit 12 Jahren ihre religiöse Mündigkeit
- Beschneidung
- Hochzeit
- In der Ketuba, dem Ehevertrag, werden die Pflichten des Mannes festgehalten, z.B. der zu bezahlende Betrag im Falle einer Scheidung
- Nur Heirat unter Juden sind gültig
- Scheidung
- Nur Mann darf sich scheiden lassen

Details

Seiten
16
Jahr
2005
Dateigröße
462 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v109921
Note
12 punkte
Schlagworte
Feste Bräuche Judentum

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