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Bildinterpretation von Caspar David Friedrichs "Kreidefelsen auf Rügen"

Hausarbeit 2006 4 Seiten

Kunst - Malerei

Leseprobe

Caspar David Friedrich: "Kreidefelsen auf Rügen"

Das auf Leinwand gemaltes Ölgemälde mit dem Titel „Kreidefelsen auf Rügen“, malte Caspar David Friedrich im Jahre 1818. Die Originalgröße des Bildes beträgt 90,5 x 71 cm.

Auf den ersten Blick wirkt das Bild zwar nicht besonders interessant, aber doch recht schön, da Die Details gut zu erkennen sind und man eine gewisse Vorliebe des Malers für diese Gegend spürt.

Bereits im Namen des Bildes ist das wesentliche Thema zu erkennen. So ist im äußersten Hintergrund, hier im Mittelpunkt des Bildes das Meer zu erkennen. Das unendliche, bis zum Horizont reichende, Meer nimmt etwa 1/3 der Gesamtfläche des Bildes ein. An beiden Seiten des Bildes, sowie auch von unten, dort allerdings besonders zackig, wird das Meer von Kreidefelsen ,,eingerahmt". Die Kreidefelsen nehmen dabei von oben nach unten hin an Breite zu, so dass also die Sicht des Betrachters stark eingeschränkt ist.

Wiederum vor den Kreidefelsen befinden sich zwei Laubbäume. Jeweils ein Baumstamm befindet sich vor einem Kreidefelsen. Im Gegensatz zu den Kreidefelsen, die nach unten hin beide proportional zueinander breiter werde, ist genau der umgekehrte Fall bei den Bäumen zutreffend. Die beiden Baumkronen nehmen im obersten Drittel des Bildes die gesamte Fläche ein, und sind dort wie eine Hecke zu einer Einheit zusammengewachsen. Der über den Horizont liegende Himmel ist somit verdeckt. Durch die Bäume oben, sowie den Kreidefelsen an den Seiten ist das weite Meer somit total eingerahmt.

Noch vor den Bäumen, also im äußersten Vordergrund dieses Bildes befinden sich drei Personen. Am rechten Rand des Bildes, am Baumstamm anlehnend, steht, in dunkler Kleidung und mit einem Dreieckshut, die erste, männliche Person, was auch an der Körperhaltung zu erkennen ist. Ein weiterer Mann ist links vom ersten zu erkennen. Mit dem Gesicht nach unten am Boden liegend, sein Hut versetz von ihm, ist auch er sehr dunkel gekleidet. Am linken Baumstamm kniet eine Frau, wobei von ihr halbwegs Gesichtszüge zu erkennen sind. Gekleidet in ausschließlich roter Farbe, deutet sie mit ihren Arm auf einen Bruch in der Felswand hin. Von allen Personen ist jedoch die totale Anonymität durch die Wahrung deren Gesichter erhalten. Zusätzlich wirken sie völlig klein und bedeutungslos, vergleicht man sie nur im Größenverhältnis zum Meer, den Kreidefelsen oder den Bäumen. Dennoch bilden die Personen einen Bezugspunkt zwischen Betrachter und der Landschaft, da sie im äußersten Vordergrund stehen und füllen zusammen mit dem matt erscheinenden, dunkelgrünen Boden das letzte Drittel des Bildes. (vgl. Auszugsskizze „Aufteilung“).

Durch das gesamte Bild ist zieht sich praktisch eine vertikale Achse, die sich allerdings nicht ganz in der Mitte befindet, sondern dort, wo der Untergrund, auf dem sich die Personen befinden, eine Art „Zacke“ zeigt. Dabei ist es sogar möglich diese Linie ungefähr durch die zwei Segelschiffe zu zeichnen. Diese sind schon vertikal angeordnet und könnten eine Symmetrie verdeutlichen. Auf jeder Seite befindet sich jeweils ein Kreidefelsen, eine Hälfte vom Meer, sowie ein Baum, wobei der rechte Bereich stärker wirkt, da er etwas mehr Fläche vereinnahmt und auch der Baum beispielsweise größer und fester wirkt. Bei diesen Gegenständen muss jedoch auf ihre Natürlichkeit geachtet werden, da es sich um ein reales Landschaftsbild handelt. So können eben z.B. die Bäume nicht gleich aussehen. Trotzdem wirkt das Bild durch diese recht gleichmäßige Verteilung der Elemente in gewisser Weise symmetrisch. Auf die Positionen der menschlichen Figuren trifft diese Symmetrie nicht ganz so deutlich zu, da sich an einer Seite nur die Frau, auf der anderen Seite aber zwei Männer befinden. Dabei können die am Boden liegende Person und die Person ganz rechts den Kontrast zur Frau links darstellen, da Diese auffällig andere Farben trägt. (vgl. Auszugsskizze „Aufteilung“).

Die Kompositionsfiguren sind somit besonders von den Kreidefelsen bestimmt. Es handelt sich dabei um zwei Linien, die unten zusammentreffen und so ein unten geschlossenes, aber nach oben hin offenes Oval bilden, gut zu vergleichen währe diese Form mit einer Parabel. Geschlossen wird diese hier aber durch die quer liegende Baumäste, die somit eine fast horizontale Linie über der Horizontlinie des Meeres bilden. Durch die horizontale Linienführung des Meeres wirkt dieses fast gegensätzlich zu den Felsen. Zu den Bäumen aber ist ein anderer Gegensatz zu erkennen. Durch die verschiedenen Überschneidungen und Farben wirkt das Meer ,,fern des Betrachters", der von ziemlich weit oben auf das Geschehen blickt, die Bäume jedoch befinden sich im Vordergrund, ein Baumzweig verdeckt sogar ein Teil des Wassers, was diesen Kontrast noch weiter verstärkt. (vgl. Kompositionsskizze).

Der Unterschied zwischen Meer, Felsen, Bäume und Personen ist auch durch Farbkontraste hervorgehoben. Der größte Farbunterschied besteht zwischen Kreidefelsen, die sich im Mittelgrund befinden, und den Personen im absoluten Vordergrund. Besonders bei den beiden Männern besteht ein schwarz- weißer Farbkontrast. (vgl. Hell-Dunkel Skizze). Ausschließlich von den Farbtönen gesehen, bilden Menschen und Pflanzen eine Einheit. Dies zeigt sich z.B daran, dass die Baumstümpfe ebenfalls dunkel dargestellt sind und erst nach oben hin aufhellen. Außerdem ist auf der Hell-Dunkel Skizze zu erkennen, dass die dunklen Elemente des Bildes praktisch einen Bogen von links nach rechts oben machen, und den Rest des Bildes damit einrahmen, wobei eben auch der Vordergrund mit den Menschen dazugehört. Bereits durch die Linienführung wurde das Meer bereits ,,eingerahmt", dies wird nochmals durch die bläuliche Färbung hervorgehoben. Außerdem befindet sich zusätzlich der geometrische Bildmittelpunkt in dem umrahmten Meer. (vgl. Skizze „geometrischer Bildmittelpunkt“) Der mit grünen und braunen Pflanzen durchsetzte Küstenstreifen zeigt allerdings, dass das Meer zur Pflanzenwelt und zur Natur dazugehört. Besonders durch die rote Farbe tritt eine menschliche Figur hervor. Das rote Kleid der am linken Rand hockenden Frau passt überhaupt nicht in das Landschaftsbild hinein und deutet auf eine besondere Stellung der Person im Bild hin. Über die man aber nur spekulieren kann. Zusammenfassend kann über die Farbgebung gesagt werden, dass sie harmonisch, im Einklang mit der Wirklichkeit zusammengestellt wurde. Absolute Farben, also reine Farbtöne sind nicht verwendet worden, durch gezielte Farbmischung sind reine Gegenstands- und Erscheinungsfarben genutzt worden, das Bild ist als Naturbild perfektioniert.

Durch die verschiedenen Farbgebungen ist im Bild eine unterschiedliche Räumlichkeit gegeben. Die Darstellung der wesentlichen Fläche des Meeres ist sehr beschränkt, die Nähe der Kreidefelsen und der Bäume wirken durchaus erdrückend. Dies kommt hauptsächlich durch Überdeckungen und die verschiedenen Farben zustande. Die Lichtquelle ist nicht direkt zu sehen, es ist aber erkennbar, dass vom Meer aus Helligkeit zwischen die Felsen durchdringt und sich somit der Schatten hinter den Felsen ausbreitet. Genau in diesem Schatten befinden sich die bereits beschriebenen Personen, die sich dem Schatten durch ihre dunkle Kleidung anpassen. Hier liegt auch der Grund, warum die Bäume und Boden sehr dunkel dargestellt wurden. Die realistische Darstellung ist durch den Schatten nochmals verdeutlicht worden, Räumlichkeit ist gegeben.

Aufgrund der Farbgebungen, der Raumwirkung, der Komposition und der Ordnungsstrukturen kann man das Bild in vier unterschiedliche Teile deuten: Das Meer als einziger Teil der eine weite, offene Sicht bietet; die Kreidefelsen als erdrückende, spitze und unberechenbare Hindernisse für die Personen, die den dritten Teil bilden; und die Pflanzenwelt als äußerer Rahmen des Bildes. Werden die historischen Fakten zur Entstehungszeit sowie die eigenen Lebensauffassungen des Malers nicht berücksichtigt, so kann man diese vier Teile des Bildes als etwas Gegensätzliches deuten. Das Meer ist in diesem Bild wie der Lichtblick am Ende eines Tunnels. Die Helligkeit und Größe ist wie das Ziel der dargestellten Menschen. Um diese neue, farbenfrohe Welt zu entdecken oder sie auch nur genauer zu betrachten, müssen Hindernisse, hier die Kreidefelsen überwunden werden. Die Menschen in dem Bild haben jedoch den Anschein, als ob sie nicht jeder gleichviel dafür machen wollen. Während die ganz links sitzende Person auf den Weg zum Ziel, durch die Kreidefelsen weist, und die mittlere sich bis zum Abhang hervorarbeitet, schaut die rechte Person nur stumpf auf das Meer. Die Personen selber befinden sich in einer dunklen Welt, der sie den Rücken gekehrt haben. Die Pflanzenwelt, insbesondere die Bäume sind hier als zusätzliches Hindernis dargestellt, doch gleichzeitig ist sie auch auf der anderen Seite, also auf dem Meer als Algenkultur vertreten. Die Natur, obwohl sie, rational gesehen, ein Hindernis ist, gehört in die Welt des Menschen.

Wenn man nun etwas recherchiert, so stößt man auf den Hinweis, dass die Personen des Bildes nicht wahllos gemalt sind, sondern bestimmte Charaktere bilden. Dies ist natürlich vom Bild her nicht sofort erkennbar, macht aber Sinn, wenn man sich näher damit beschäftigt: Die Frau soll die –gerade erst geheiratete - Gattin Friedrichs darstellen, während er sich selbst in der Mitte des Bildes als der hockende Mann präsentiert. Der stehende Mann ganz rechts soll sein Bruder Christian sein.

Somit bilden praktisch die beiden Verheirateten eine eigene Einheit die in verschiedenen Dingen verdeutlicht wird: Zunächst scheinen beide, wie oben bereits erwähnt, ein ganz anderes Ziel zu haben als der Mann rechts. Der Bruder träumt noch von der Helligkeit und dem Verlassen der dunklen Gegenwart, während die beiden Anderen darauf zustreben. Schaut man sich dazu nun die Kompositionsskizze an so ist auch hier eine deutliche Unterscheidung erkennbar, die Bewegungen des Paares nämlich streben nach Vorne und dabei auch aufeinander zu während, der Bruder fest stehen bleibt und nur der Blick in die Ferne streift, als würde er nur davon träumen können. Ein weiteres Indiz dafür, dass die Frau geliebt wird ist das Merkmal, das sie ganz in Rot –oft verwendet als Farbe der Liebe- gekleidet ist.

Das Meer und damit die Hoffnung auf ein besseres Leben zu zweit wird aber eingerahmt durch die zackigen Felsen direkt vor dem Paar und einem Dickicht der Baumkronen, wodurch selbst der Himmel kaum mehr erkennbar ist. Damit könnten die Schwierigkeiten des gemeinsamen Weges verdeutlicht werden, und die Hindernisse die noch vor den Liebenden liegen. Am Meer angekommen hat man die die scheinbar unendliche Weite vor sich, in der man zunächst nicht sieht, dass es irgendwann zu Ende geht.

Der Horizont mit dem Sonnenuntergang schließlich kann den Tod bedeuten, was sich zunächst in diesen Zusammenhang verwunderlicht anhört, aber an Logik gewinnt, wenn man sich bewusst macht, dass der Weg dorthin für beide zusammen über das schöne offene Meer führt, heißt es doch bei der Eheschließung …bis dass der Tod euch scheidet, und bis zu diesem Tod fern am Horizont möchte Caspar david Friedrich mit deiner frau die helle Zukunft erkunden. Insgesamt kann dadurch dieses Bild, welches zunächst als einfaches Landschaftsbild erscheint, als Allegorie auf die Liebe Friedrichs zu seiner Frau verstanden werden.

Lysander Weiß

Details

Seiten
4
Jahr
2006
Dateigröße
368 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v109848
Note
2
Schlagworte
Bildinterpretation Caspar David Friedrichs Kreidefelsen Rügen Kunstkurs

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Titel: Bildinterpretation von Caspar David Friedrichs "Kreidefelsen auf Rügen"