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Das Zusammenspiel von Sprachwissen und Weltwissen beim Textverstehen

Hausarbeit 2002 6 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. „Horizont“
2.1 Das Witzverständnis

3. „Sprachbesitz“

4. „Situation“

5. „Kontext“

6. Modell des Zusammenspiels von Verstehensfaktoren

7. Fazit

8. Anhang („Das Frühstücksei“)

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Arbeit befasst sich mit dem Problem des sprachlichen Verstehens. Um das Zusammenspiel von Sprachwissen und Weltwissen beim Textverstehen zu erläutern, habe ich den Loriottext „Das Frühstücksei“ ausgewählt. Es handelt sich um einen Dialog, der der Textsorte Witz zuzuordnen ist. Es ist ein einfach strukturiertes Textbeispiel, das durch seine Kürze eine Analyse im vorgesehenen Umfang ermöglicht.

Beginnen werde ich mit den Analysebegriffen „Horizont“, „Sprachbesitz“, „Situation“ und „Kontext“, da diese beim Textverstehen eine Rolle spielen. Die Kategorie „Horizont“ ist noch einmal durch „das Witzverständnis“ untergruppiert, da man zwischen den Horizonten der Kommunikationspartner in dem Witz und den Horizonten von Emittent und Rezipient (des Witzes) differenzieren muss.

In dem nachfolgenden „Modell des Zusammenspiels von Verstehensfaktoren“ werden die Beziehungen der vier Faktoren erläutert.

Diese Arbeit basiert auf ihrem Buch „Sprache als Text“.

2. „Horizont“

Als „Horizont“ eines Menschen bezeichnet man den Weltausschnitt, den er sich in Leben und Sprache zu Eigen gemacht hat.[1]

Die „innere Ebene“ bezeichnet die kommunikative Beziehung der Kommunikationspartner, in dem Textbeispiel sind dies der Ehemann und seine Frau.

Der Horizont beinhaltet das Verhältnis der Kommunikationspartner zueinander, welches durch „ihre soziale Rolle, ihre Erfahrungen, Erinnerungen, Erwartungen, [...] ihr Vorwissen und alles woran sie denken“ bestimmt wird. Er ist ein komplexes Gebilde aus Normen, Konventionen, Handlungsmustern etc. Ebenso sind emotionale Einstellungen, alle Wertvorstellungen und ein Teil der „Konnotationen“ dazuzurechen, die die Kommunikationspartner in ihren Äußerungen beeinflussen.[2] Der Horizont ist ausschließlich durch innere Bewusstseinsbestände eines Kommunikationsteilnehmers gekennzeichnet.[3] Die Horizonte können durch Integration von „Neuem“ weiter werden oder durch Vergessen abnehmen.[4]

Bei einem Prozess der Kommunikation entsteht ein möglicher Austausch der Horizonte der Kommunikationspartner. Das latent Verfügbare der Partner wird in einen Text gefasst, d.h. Nicht- Textualisiertes, jedoch sprachlich Verfügbares, wird in einen Text oder eine Rede transformiert.

In dem Textbeispiel liegt eine Differenz der Horizonte der Kommunikationspartner vor. Es handelt sich um ein Missverständnis. Während der Mann einfach wissen möchte, wie lange das Frühstücksei gekocht hat, hinterfragt seine Frau seine Äußerung und kommt damit von der eigentlichen Beantwortung der Frage ab. Die banale Frage des Mannes: „Wie lange hat dieses Ei denn gekocht..? zu Beginn des Witzes, gipfelt in der Behauptung der Frau: „Gott, was sind Männer primitiv!“ und in der Rachelust des Mannes: „...morgen bringe ich sie um!“.

Die Gesprächspartner treffen zum einen wechselseitige Annahmen über ihre jeweiligen Horizonte, zum anderen macht „S auch Annahmen über die Annahmen, die A über den Horizont von S macht“.[5] Im Beispiel erwartet der Mann, dass seine Frau seine Frage wie lange hat das Ei denn gekocht habe, einfach beantworten kann. Diese kann der Erwartung aber nicht nachkommen, da er eine konkrete Zeitangabe erwartet, sie aber nur „nach Gefühl“ gekocht hat.

2.1 Das Witzverständnis

Die „äußere Ebene“ stellt die kommunikative Beziehung von Emittent und Rezipient des Witzes dar. Um den Witz verstehen zu können, muss der Rezipient auf der Basis der vom Emittenten angebotenen sprachlichen Äußerungen komplexe Zusammenhänge erstellen, die ihm eine Vorstellung der erzählten Situation ermöglichen.

Dadurch, dass sich der Rezipient über die Differenz der Horizonte des Mannes und der Frau bewusst wird, reagiert er mit einem verstehenden Lachen.

Der Witz dieses Textes liegt darin begründet, dass der Mann erwartet, dass seine Frau seine Frage wie lange hat das Ei denn gekocht habe, einfach beantworten kann. Diese kann der Erwartung aber nicht nachkommen, da er eine konkrete Zeitangabe erwartet, sie aber nur „nach Gefühl“ gekocht hat. Sie fühlt sich von ihrem Mann im Bezug auf ihre Qualitäten als Hausfrau angegriffen. Zuerst versucht sie der Frage auszuweichen („Zu viel Eier sind nicht gesund!“, „[...] ich bin kein Huhn“) und nach ihrem Hinweis, dass sie „nach Gefühl“ koche („[...] eine Hausfrau hat das im Gefühl“), beginnt sie dieses zu rechtfertigen („Es kann Dir doch ganz egal sein, ob das Ei ‚zufällig’ vier- einhalb Minuten kocht...Hauptsache es kocht vier- einhalb Minuten!“).

[...]


[1] Ebd., S. 169.

[2] Scherner, S. 61.

[3] Ebd., S. 64.

[4] Ebd., S. 85.

[5] Ebd., S. 89.

Details

Seiten
6
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783640079216
Dateigröße
380 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v109743
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
Schlagworte
Zusammenspiel Sprachwissen Weltwissen Textverstehen

Autor

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Titel: Das Zusammenspiel von Sprachwissen und Weltwissen beim Textverstehen