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Populäre Lesestoffe 19. Jahrhundert

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 25 Seiten

Literaturwissenschaft - Allgemeines

Leseprobe

1. Einleitung

Im Rahmen des Seminars „Mediengeschichte des 19. Jahrhunderts“ beschäftigt sich die vorliegende Hausarbeit mit den populären Lesestoffen des 19. Jahrhunderts.

Der Begriff „populär“ soll hier nicht literatur-ästhetisch eingesetzt werden sondern literatur-gesellschaftlich, also wertungsfrei. Das impliziert nach Rudolf Schenda die Bedeutung des Allgemeinen, also keine soziale Klasse betreffend, das Beliebte und Bekannte, somit eine Frage des Geschmacks, ein weite Verbreitung, die Frage des Preises als ökonomischen Aspekt, die Ausrichtung auf bestimmte Lesergruppen und schließlich die Verständlichkeit der Lesestoffe.[1]

Der zeitliche Rahmen umfasst das 19. Jahrhundert, die Strömungen des ausgehenden 18. Jahrhunderts einschließend. Dies war eine Zeit der Revolutionen, technischen Entwicklungen und geistigen Bewegungen, zum Beispiel der Aufklärung.

Beginnend soll die literarische Öffentlichkeit näher beleuchtet werden, um die Popularität bestimmter Lesestoffe, wenn möglich an einem Rezipientenkreis, zu konkretisieren. Anschließend wird der literarische Markt anhand von drei ausgewählten populären Bespielen auf die oben genannten Bedeutungen von Popularität untersucht, soweit es die Forschungslage erlaubt. Abschließend wird sich die Arbeit mit der zeitgenössischen Kritik an populären Lesestoffen beschäftigen insbesondere mit dem Vorwurf der Trivialität dieser Lesestoffe.

Die Arbeit gliedert sich dadurch in unterschiedliche Betrachtungsweisen von populären Lesestoffen, die sich auf die gesellschaftliche, stoffliche und sprachwissenschaftlichen Aspekte dieser beziehen.

Ziel der Arbeit ist es, herauszufinden warum bestimmte Lesestoffe populär waren, wer ihre Leser waren und wie sie verbreitet und rezipiert wurden.

2. Die literarische Öffentlichkeit

2.1 Die Lesefähigkeit der deutschen Bevölkerung

Die Alphabetisierung der deutschen Bevölkerung lag um 1800 bei 25%, stieg bis 1840 auf 40%, bis 1870 auf 75% und um 1900 galten 90% der deutschsprachigen Mitteleuropäer als potentielles Lesepublikum[2]. Dabei ist zu beachten, dass das Vorlesen in den unteren sozialen Schichten eine verbreitete literarische Form war.[3] Lesefähigkeit bedeutet demnach nicht unbedingt eine literarische Rezeption, was damit eine Teilnahme an der literarischen Kultur erlauben würde[4]. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts ist also die Mehrheit der Bevölkerung noch unfähig zu lesen und damit weitgehend von der schriftlich fixierten Literatur ausgeschlossen. Die Lesefähigkeit wurde unter anderem durch Geschlecht, gesellschaftliche Schicht und Region determiniert.[5] Die städtische Lesefähigkeit war gegenüber der der ländlichen Bevölkerung höher entwickelt[6]. Um 1870 stellte die Stadtbevölkerung 36% der Gesamtpopulation Deutschlands.[7]

Die Aufklärung als geistige Strömung vor allem im 18. Jahrhundert, wandte sich gegen die Bevormundung des Menschen, gegen Vorurteile und Autoritätsglauben; der Mensch sollte mit vernunftgeleiteten Erkenntnissen in die Selbstständigkeit geführt werden.[8]

Aber die allgemeine Alphabetisierung stand thematisch nicht im Mittelpunkt der Volksaufklärer[9], sondern „sie setzten Schriftlichkeit des sozialen Umfeldes (nicht des einzelnen gemeinen Mannes!) voraus und beschäftigten sich eingehend mit Lesemotivation, mit Distributionswegen für Lesestoffe, mit populärer Lesestoffgestaltung und dergleichen mehr.“ [10] Das gemeine Volk sollte in die Lage gebracht werden, das Leben vernunftgeleitet zu gestalten und produktiver zu werden, aber ohne die ständische Schranken zu durchbrechen[11].

Literatur stand somit im Zentrum des Bildungsideals der Aufklärung[12], vollzog sich aber auf zwei Ebenen: Einerseits gestaltete sie sich als eine „ geistig-idealistische Bewegung der literarischen Intelligenz“[13] und war andererseits eher praktisch orientiert, also den sozialen Unterschichten und Bauern auf dem Lande gewidmet.[14] Man kann hier eine Unterscheidung zwischen weiterführender geistiger Bildung einerseits und Belehrung im alltäglichen Leben andererseits treffen. Die Rezipienten bedienten sich an unterschiedlichen Bereichen der Literatur, wobei die Leseintention stark durch die eigene Lebenssituation bedingt war. Der Zugang zur Literatur war dabei entscheidend, denn er steckte den Rahmen ab, in wie weit eine literarische Erfahrung möglich war.[15]

2.2 Die schulische Ausbildung als Zugang zur Literatur

Die schulische Bildung strukturierte das Lesepublikum insoweit, dass Volks-, Bürger und Realschulen sowie Gymnasien unterschiedliche Zielsetzungen verfolgten. Sie waren weniger pädagogisch, sondern gesellschaftlich geprägt, wodurch Literatur unterschiedlich an die Schüler herangetragen wurde.[16] Die öffentlichen Elementarschulen vollzogen die Alphabetisierung und boten eine religiöse Erziehung, im Gegensatz zu den Gymnasien und Realschulen, die den Literaturunterricht vorsahen[17]. Bürgerschulen hingegen lehrten zwar mit größerer religiöser Unabhängigkeit, bevorzugten aber den Erwerb von Wissen für die spätere Praxis. Die Kinder des ländlichen Proletariats und der Industriearbeiter konnten die Volksschule oft nicht nutzen, da sie aus der Schule genommen wurden, um zu arbeiten.[18] In Zahlen ausgedrückt besuchten um 1850 50%-60% Schüler die Volksschule, 2%-3% die Realschule und etwa 0,5% das Gymnasium.[19] Der aufklärende Wert der Volksschulen bestand zudem nicht darin, die Massen in die Unabhängigkeit zu führen, also zu emanzipieren, sondern ihren Status als „ lenkbare Untertanen“ zu erhalten, etwa durch religiöse Erbauung und moralische Geschichten.[20] „Für die Masse der Bevölkerung wurde der Zugang zur Literatur durch die Restriktionen des Bildungssystems erschwert. () Emanzipation durch Literatur, wie sie das Bürgertum im achtzehnten Jahrhundert formuliert hatte, war nicht vorgesehen, im Gegenteil, der Literaturunterricht sollte dazu beitragen, derartige Tendenzen zu verhindern.“[21]

Die schulischen Bedingungen kategorisierten damit schon bestimmte Lesergruppen, die je nach Bildungsgrad und sozialem Stand auf die kanonisierte Literatur zugreifen konnten oder nur die Bibel lasen und Geschichten erzählten. Die private literarische Teilnahme konnte durch die Volksbibliotheken, Leihbüchereien und Lesegesellschaften geschehen, jedoch waren die Bestände am Publikum ausgerichtet und so konnte die Stadtbibliothek mit breitem Angebot an bildender und informierender Lektüre eine ganz andere Leserschaft bedienen, als die Volksbibliotheken, deren Bestände sich auf bestimmte Lesestoffe reduzierten, oder im Besitz des Pfarrers oder Lehrers waren.[22] Im Gesamten machte die belletristische Produktion ¾ der Bestände von Leihbibliotheken aus, die auf ihre aufklärende Funktion weitgehend verzichteten.[23] Neben der schulischen Bildung trug im städtischen Bürgertum auch das Reisen und die dazu gehörige Reiseliteratur zur Allgemeinbildung bei.[24] Die ökonomische Lage und kulturelle Versiertheit waren damit entscheidende Faktoren für Bildung und einer Teilnahme an der literarischen Öffentlichkeit.

2.3 Das literarische Publikum und der Leser

Um ein literarisches Publikum näher zu bestimmen, bieten sich verschiedene Herangehensweisen an, die zugleich auch methodische Probleme aufweisen, denn die Lesergeschichte scheint ein Stiefkind der Literaturwissenschaft zu sein, aufgrund mangelnder empirischer Daten und irrelevanten Ergebnissen der Leserforschung für die bloße literarische Interpretation.[25] Die vorliegende Arbeit wird sich mit der Erörterung eines literarischen Publikums befassen und betrachtet dafür zwei theoretische Ansätze, diskutiert von Peter Uwe Hohendahl[26]: der erste Ansatz geht davon aus, dass Klassen und soziale Gruppen als Basis für die Produktion und Rezeption von Literatur dienen. Die aufsteigende Klasse, etwa das bürgerliche Lesepublikum, habe neue kulturelle Bedürfnisse, die sich in der literarischen Produktion niederschlagen würden. Es bestünde also eine Korrelation zwischen dem Entstehen einer sozialen Klasse und veränderten Formen literarischer Rezeption. Ein bestimmtes Leseverhalten, determiniert u. a. durch Präferenzen und Lesemotivation, würde als bürgerlich angesehen und gegen ein feudales Leseverhalten abgegrenzt. Es käme dann zu einer Trennung zwischen einem elitären und einem allgemeinen Publikum. Aber im 19. Jahrhundert entstanden Verbindungen zwischen sozialen Klassen und Schichten einerseits und deren Lektüreverhalten andererseits. Die Problematik ist also, dass Lektüre gesellschaftlicher Gruppen divers und nicht auf bestimmte Gruppen festzulegen ist. Es kann auch zu unterschiedlichen Leseinteressen innerhalb einer Gruppe kommen.

Der zweite Ansatz geht nicht von sozialen Klassen aus, sondern die Institution Literatur bestimme, welche Textsorten zugelassen sind und welchen Rang sie haben. Diese definieren wiederum die Normen und Konventionen für die Rezeption und damit auch den Kreis der legitimen Rezipienten.

Dieses Modell würde dann von einem normierten und habituierten Leseverhalten zu erkennbaren sozialen Gruppen führen. Es bestünde ein literarisches Angebot, dass unterschiedlich genutzt und nicht für bestimmte soziale Klassen erstellt wird. Das Hervortreten neuer Gattungen und Formen, das Aufsteigen und Versinken von Schreibweisen reflektiere soziale Bedürfnisse, die im literarischen System artikuliert werden. Lesergruppen wären dann nicht identisch mit gesellschaftlichen Klassen, denn verschiedene Klassen können sich für eine Gattung interessieren, etwa den Kriminalroman, ein und dieselbe Klasse verschiedene Arten von Literatur rezipieren.

Die Praxis des Lesens wäre dann durch zwei gesellschaftliche Ebenen geprägt: Durch die allgemeinen literarischen Produktionsbedingungen und das Rezeptionsverhalten.[27] Gemeint ist damit, dass sich der Kolportageroman als Produkt zwar an die soziale Unterschicht wendet, aber inhaltlich, formal bloß in eine andere Form gepackt, dem Mittelstand als Familienzeitschrift angeboten wird. Es käme somit auf unterschiedlichen Wegen zu ähnlichen literarischen Erfahrungen, denn die Vorgehensweise in der Leserbindung und Textproduktion gleichen sich.

Um die Lektüreerfahrung generell zu differenzieren muss zwischen der intensiven Wiederholungslektüre (einen Lesestoff wiederholt lesen) und der extensiven Lektüre (neue Lesestoffe und Literaturformen lesen), die der Unterhaltung und Bildung dient, unterschieden werden. Schon im 18. Jahrhundert vollzieht sich ein Umbruch, als eine Periode, in der es zur Loslösung von religiösen Texten kommt.[28] Für das Leseverhalten ist das bedeutsam, weil die extensive Lektüre nach 1850 nicht nur in bürgerlichen Lesergruppen auftritt, sondern auch in bäuerlichen und proletarischen zur vorherrschenden Form wird.[29] Die Differenzierung der Lektüre ist für den Leser insofern wichtig, da die Umgestaltung von Information, also einer breiten Verteilung in Form von mehr Büchern, Zeitungen und Zeitschriften, die Fähigkeit des flüchtigen Lesens erzwingt.[30] Zudem ist die extensive Lektüre eine Vorraussetzung, um kommunikativ (aktiv) beteiligt, informiert und zeitgemäß zu sein.

Das literarische Publikum gliedert sich also nicht in soziale Schichten, die aus bestimmten Bereichen der Literatur rezipieren, sondern, trotz unterschiedlicher gesellschaftlicher Klassen, werden gemeinsame Bedürfnisse an die Literatur gestellt, die innerhalb der Lesergruppen divergieren können. Damit entstehen unterschiedliche literarische Öffentlichkeiten, determiniert durch divergierende, nicht schichtgebundene Lesebedürfnisse.

Zur Frage nach dem Leser selbst stellt Rudolf Schenda den Lesergeschmack, also seine Lesepräferenzen in den Vordergrund: Der Leser hat demnach nicht nur eine Präferenz, sondern mehrere, die seinen Selektionsprinzipien – persönliche psychische Struktur, ökonomische und soziale Umwelt - unterliegen, weil diese ihn „ prägen, befähigen, anstoßen, manipulieren, zwingen frustrieren, aushungern und lenken “.[31] Diese Präferenzen werden von Lesebedürfnisse (Exigenzen) gesteuert: „(...)Neugierden, Wünschen, Sehnsüchten, Hemmungen, Ängsten, Erwartungen, Spannungen, Träumen, Erregungen, Lüsten, Gereiztheiten, Aggressionen, Begierden, Trieben (..).[32] Man sucht zum Beispiel nach etwas Spannendem, Lustigem oder Tragischem. Diese Präferenzen sind nach Schenda zeitgebundene, schichtspezifische und sozialpsychologische Phänomene, wodurch eine soziale Affinität, also ähnliche Lebenssituationen, zu einer Affinität der Präferenzen führen würde, also gleichen Lesebedürfnissen.[33] Soziale Klassen und Schichten wären demnach wieder ausschlaggebend, um ein literarisches Publikum zu klassifizieren. Dennoch fasst Schenda die primären, individuellen Lesebedürfnisse des einfachen Lesers im 19. Jahrhunderts zusammen[34]: Der Leser verlange nach billigen Lesestoffen, denn der Großteil der Bevölkerung war finanziell leistungsschwach. Zweitens fordere er in erster Linie Bekanntes, in der zweiten Neues. Er möchte bestätigt werden durch einfache Sprache und Alltagsverbundenheit des Gelesenen. Drittens suche er primär nach Information, sekundär nach Unterhaltung. Er möchte soziale Konflikte und Interaktionen verstehen und Anregung zur eigenen Konfliktlösung erhalten. Der Leser suche viertens nach variierten und dosierbaren Lesestoffen, die kleine Kapitel haben, kurze Sätze, viele Bilder und ein Gemisch aus allem darstellen. Schließlich fordere er eine Ökonomie der Aussagen, in Form von Direktheit, Überschaubarkeit und Konkretheit, da es ihm an Geld und Zeit mangelt. Klischees, kurze Handlungen und verständliche Aussagen kämen dem schnellen Verständnis damit entgegen.

Die Inhalte der populären Lesestoffe lassen also auf die Lesebedürfnisse ihrer Rezipienten schließen.

3. Der Literarische Markt

Um die Entstehung des literarischen Marktes im 18. Jahrhundert kurz zu erläutern, stellt Werner Faulstich drei Thesen einander gegenüber[35]: Das multifaktorielle Konzept[36] nimmt eine Trennung im literarischen und gesellschaftlichen Feld vor, so dass einerseits die Emanzipationsbestrebungen des Bürgertums, sozusagen als Bildungshunger, ausschlaggebend sind und andererseits die Veränderungen im Buchhandel, zum Beispiel Billigproduktionen, sowie der Übergang von intensiver zu extensiver Lektüre, also mehr Lesestoffe vorhanden waren.

Der monokausale Ansatz[37] beruht auf einem marxistischen Standpunkt und verfolgt die These, dass die bürgerliche Emanzipation der Grund für den strukturellen Wandel im Literaturbetrieb ist. Die Änderungen in der materiellen Produktion führten dann zu Änderungen der gesellschaftlichen Kommunikation. Die Literatur sei käufliche Ware und künstlerische Arbeit zugleich, der Schriftsteller ein Aufklärer im Sinne der bürgerlichen Ideologie und dabei auch schlicht ein Warenproduzent. Der Leser würde damit zum Adressat aufgeklärter Literatur und gleichzeitig anonymer Käufer auf dem Markt.

Das letzte Konzept zur Entstehung des literarischen Marktes argumentiert mit dem Selbstentstehungsmodell[38] und bezieht sich, wie das zuerst genannte Konzept, auf die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts. Demnach führten gesellschaftliche Veränderungen zu funktionalen Differenzierungen. Es sei ein Sozialsystem Literatur entstanden - neben Politik, Wirtschaft usw. - als konstitutives Teilsystem der Gesellschaft mit den Handlungsrollen des Literaturproduzenten (Schriftsteller), des Literaturvermittlers (Drucker, Verleger, Sortimenter), des Literaturrezipienten (Leser) und des Literaturverarbeiters (Kritiker).

Die Entwicklung des literarischen Marktes kann man in zwei Phasen gliedern: Die ersten 50 Jahre des 19. Jahrhunderts dominierten Einblattdrucke, Heftchen und Kalender den literarischen Markt des „breiten“ Lesepublikums, vor allem unter dem Aspekt der Lesefähigkeit.[39] Der Buchmarkt weitete sich nach 1850 aus, weil er die technischen Neuerungen im Druckgewerbe nutzen konnte; die Schnellpresse und die Verbilligung des Papiers machten es möglich Massenauflagen billig herzustellen.[40] Zudem wurde im Klassikerjahr 1856 von der Bundesversammlung beschlossen, dass „sämtliche Werke aller vor dem 9. November 1837 verstorbenen Autoren frei von jeglicher urheber- oder verlagsrechtlicher Bindung (sind).“[41]

Dieser Thematik wird im Weiteren nicht nachgegangen, sondern der literarische Markt näher betrachtet. Es sollen im Folgenden drei populäre Lesestoffe vorgestellt werden, die unterschiedliche Bereiche in der Literatur abdecken.

3.1 Der Kalender

Der Kalender gehört zur Heftchenliteratur des 19. Jahrhunderts.[42] Er stellte einen Großteil der Lesestoffe der ländlichen Bevölkerung dar und war, neben Bibel und Gesangsbuch, teils einzige Erkenntnisquelle[43] und als Alltagsmedium etabliert,[44] diente aber vor allem als Gebrauchsgegenstand.[45] Vertrieben wurde der Kalender durch den Krämer und Kolporteur in Gassen und auf Märkten[46] und hatte eine durchschnittliche Auflage von 10.000 Stück.[47] Die traditionellen Kalender enthielten in der Regel ein chronologisches Kalendarium, astrologische und astronomische Tafeln, Ratschlägen für das alltägliche Leben, die Arbeit und den medizinischen Bereich.[48] Hinzu kommen Bauernweisheiten, Markt- und Messenverzeichnisse, Postgebühren, historische Berichte, Rezepte, Rätsel und schließlich unterhaltende Kalendergeschichten.[49] Kalendergeschichten konnten Kurzgeschichten, erbauliche Lesestücke, Anekdoten, Gedichte und Lieder, Mord- und Schauergeschichten, Sagen und Schwänke, sowie Sensationsberichte sein[50], die allesamt in einer vertrauten Sprache geschrieben, mit vielen Redewendungen, schematisch strukturierten Handlungen, Wiederholungen verfasst waren.[51] Als Beispiel bot der „Rheinländische Hausfreund“ des Jahrgangs 1808 neben vielen anderen auch das große Einmaleins und die Aderlaß- und Laxiertafel.[52] Der Kalender setzte sich also im Kern aus drei Teilen zusammen: dem Kalendarium, dem Prognosticon Astronomicum und der Chronik, die sich zum erzählerisch-unterhaltenden Teil des Kalenders entwickelte,[53] wodurch er eine Beratungs-, Bildungs- und Unterhaltungsfunktion einnahm. Die Volkspädagogen nutzen den Kalender schon im späten 18. Jahrhundert als Propagandamedium und so schrieb der Rektor Fischer 1783: „ Ich getraue mich aus einem Volke mit Hülfe der Kalender zu machen, was ich will. Soll es dumm oder klug, abergläubisch oder aufgeklärt, kühn oder feig, patriotisch oder unpatriotisch werden oder bleiben? Man gebe mir nur Gewalt über seine Kalender!“ [54]

Ende des 18. Jahrhunderts orientierte sich die Kalenderproduktion zunehmend an unterschiedlichen Bedürfnissen. Es entstanden zum Beispiel Schreibkalender, „Kalender für den Bürger und Landmann“, der „Vollständige Haushalts-, Garten- und Geschichtskalender“, der „Genealogische Kalender zur sittlichen und angenehmen Unterhaltung“.[55] Nach 1870 nutzen auch politische Organisationen der Arbeiterschaft den Kalender, um ein Klassenbewusstsein der Leser zu fördern.[56] An Popularität unübertroffen war der „Hinkende Bote“ östlich und westlich des Rheins[57], entstanden um 1640, der zunächst für das einfache Volk konzipiert wurde, sich aber zu Beginn des 18. Jahrhunderts auch an das Bürgertum wandte und bis ins 20. Jahrhundert populär war.[58] Der Volkskalender im 19. Jahrhundert „ (..) klebt hoffnungslos an einer idyllischen Vergangenheit und versucht höchstens durch häuslich-praktische Ratschläge die Gegenwart besser zu bewältigen. Der Volkskalender fördert den Status der nicht-informierten, falsch programmierten Gesellschaft.“[59]

Mit der Kalendergeschichte stand auch die Gattung der Dorfgeschichte in engem Zusammenhang. Dorfgeschichten entstanden um 1840 in Deutschland aus sozialen und ökonomischen Verhältnissen vor dem Hintergrund der Industrialisierung, der Bauernbefreiung und dem Bevölkerungswachstum[60], als eine literarische Reaktion auf veränderte Lebensbedingungen. Die Dorfgeschichte glich den Kalendergeschichten unter stofflich-motivlichen Aspekten und deren Verfasser waren oft die gleichen.[61] Der aufklärerische Einfluss machte sich auch in den Dorfgeschichten bemerkbar, denn die pädagogisch-volkserzieherische Bewegung sah die ländliche Bevölkerung als Erziehungs- und Aufklärungsobjekt.[62] Gleichzeitig wurde das städtische Publikum über die erstrebenswerte Landidylle belehrt, die mit dem romantischen Bestreben auf Besinnung der Einfachheit, Naivität, Poesie der Sprache des ländlichen einher ging.[63] Die sprachliche Form der Dorfgeschichte war einfach, mit vielen Sprichwörtern und Dialekt versehen. Inhaltlich beschreibt sie die „ zeitgenössische, tatsächliche, alltägliche, bäuerliche, dörfliche, kleine Welt[64], denn genau das wollte das Publikum: schöne ländlich-idyllische Geschichten, die nicht naturalistisch waren, sondern vom Elend und der Not der niederen Schichten handelten.[65] „Das Lesepublikum war eindeutig auf romantische Flucht nach rückwärts bedacht; progressiv-industrielles Denken war ihm fremd.[66] Im Unterschied zu den Kalendern, zählten die Bauern selbst nicht zu den Lesern der Dorfgeschichte, denn sie konnten sich die Bücher nicht leisten, hatten einen langen Arbeitstag oder waren Analphabeten.[67] Die Dorfgeschichte fand ihre Leser in den Schichten, die sich von den genannten Schwierigkeiten frei machen konnten. Dazu zählten der Adel und der Mittelstand, im Besonderen die Frauen.[68]

Mit der aufklärerischen Volksbelehrung Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Kalender instrumentalisiert, um statt den ungenauen Wetterprognosen und abergläubischen Geschichten Platz für Zinstabellen und praktisch-nützlichem zu machen,[69] doch nahm der erzählerisch-unterhaltende Teil des Kalenders immer größeren Anteil, was ihn zum literarischen Jahrbuch verkümmern lies.[70] Der Almanach[71] hingegen nahm die Stelle dieses Jahrbuchs ein. Die Almanach-Welt schloss als Taschenbuch zahlreiche literarische Neuerscheinungen jedweder Art ein.[72] „Die Gattung brillierte mehr durch Titelquantität und Layout-Neuheit als durch geistiges Niveau.“[73] Der Unterschied zum Kalender lag in der regelmäßigen jährlichen Erscheinung, der Art der aufgenommenen Textsorten und der Funktion als Publikationsorgan für noch nicht bekannte Schriftsteller.[74] Der wesentliche Unterschied lag aber im Distributionssystem, denn Almanache wurden durch den Buchhandel vertrieben und ihrer Ausstattung kam ein besonderer Wert zu. Prachtausgaben, in Seide oder Leder gebunden, ließen auf ein kaufkräftige Leserschaft schließen, das gebildete Bürgertum.[75]

Der Kalender ist also zunächst für jede Lesergruppe oder soziale Schicht brauchbar, es entwickeln sich aber unterschiedliche Nutzergruppen, an die sich der Gebrauchsgegenstand Kalender anpasst und weiter ausformt. Seine populäre Verbreitung gründete in seinen unterschiedlichen Funktionen, die jeder nutzen konnte.

3.2 Der Kolportageroman

Der frühe Kolportagehandel der 1810/20ger vertrieb hauptsächlich billige Kleinschriften und Bildmaterial. Dazu gehörten Gebet- und Kochbücher, Spiel- und Wahrsagekarten, Traktate und Traumbücher, Kalender, Ratgeber, Liederbücher, Volksschriften unterschiedlicher Thematik, Bilderbogen und Romanfortsetzungen.[76] Etwa zehn bis zwanzig Jahre später entstanden durch Änderungen im Verlagswesen neue Dimensionen des Buchhandels: Umfangreiche populärwissenschaftliche und belletristische Editionen wurden in wöchentlichen Abonnentenlieferungen herausgegeben.[77] Die Lieferungen waren Romanbibliotheken, Klassiker- und Familienbibliotheken und Groschenbibliotheken, auch „Volksbibliotheken“[78] genannt, die einen Umfang von 5-7 Bogen hatten, zu einem Preis von 2,5 – 7 Silbergroschen (1 Groschen = 12 Pfennige, 6 Cent).[79] Hinzu kamen die billigen und reichbebilderten Zeitschriften nach dem Prototyp des „Groschenmagazins“ von Jacob J. Weber um 1833.

Schließlich wurden auch zeitgenössische Unterhaltungsromane in einzelnen Lieferungen publiziert und vertrieben, um den traditionellen Kundenstamm der Lesebibliotheken, durch Kolportage auszuweiten.[80] Die Voraussetzungen dafür waren gegeben: Die Masse war weitgehend alphabetisiert, die Einkommens- und Freizeitverhältnisse waren verbessert, die technische und wirtschaftliche Modernisierung der Printmedienbranche konnte vorteilhaft genutzt werden und schließlich sorgte die Nachfrage der städtischen Unterschichten für eine neue Käuferschicht.[81]

Der Kolportageroman beinhaltete assoziativ-narrative Wiederholungs- und Komprimierungstechniken, war genretypologisch nicht festgelegt sowie geschlechts- und schichtübergreifend.[82] „Die Handlung der ersten fünf Manuskripte musste packend, ja atemberaubend sein, um die Leser für den Roman einzunehmen. Aus diesem Grund schrieben die Autoren möglichst viele spektakuläre Ereignisse in diese ersten Folgen hinein. Jedes Heft schloss mit einem Höhepunkt ab, es bot einen Spannungsbogen, der den Leser förmlich dazu zwang, die nächste Folge zu kaufen.“[83] Durch diese Schemata sprach der Kolportageroman ein großes Publikum an.[84] Seine Lieferungen wurden normiert auf 24 Seiten pro Auslieferung, als Einzellieferung zu 10 Pfennigen, mit einem Gesamtumfang von 80-110 Lieferungen.[85] Die Druckqualität war genauso minderwertig wie das zeichnerische Niveau, jedoch legte man auf die Gestaltung des Titelblattes großen Wert.[86] Damit der Leser, Angesichts der Masse an Romanen[87], die Romane schneller identifizieren konnte, bot man ihm einen visuellen Anreiz durch identische Graphiken einzelner Reihen oder unterschiedliche Umschlagsfarben.[88] Der Kolportageroman wurde hauptsächlich von den proletarischen Schichten gelesen.[89] Prämien und Geldverlosungen sollte die Leser binden und neue werben.[90] Der Kolportageroman erleichterte den städtischen und ländlichen Unterschichten den Zugang zu Lektüre, durch sein Zugehen auch mögliche Käufer.[91]

„Unverkennbar zeigt der Kolportageroman die Kennzeichen industrieller Kultur: massenhafte schematische Produktionen, genau kalkulierte Distribution, eine Schreibweise, die sich auf literarische Formeln und Konventionen verlässt, um die Leser zu erreichen.“[92]

Die Lieferungsromane kreisten hauptsächlich um folgende Themenbereiche: Geographische- und Reiseromane, Räubergeschichten, Sensationsromane, Sagen und Legenden, romantische und patriotische Themen sowie geschichtliche Ereignisse.[93] Unter den beliebtesten Autoren fanden sich Friedrich Gerstäcker, Balduin Möllnhausen oder Robert Kraft und nicht zu vergessen Karl May.[94] Zu den produktivsten Kolportageverlegern zählten Münchmeyer in Dresden und Grosse in Berlin.[95] Die Gesamtzahl der beschäftigten Personen in der Kolportage Ende des 19. Jahrhunderts wurden auf rund 26.000 geschätzt.[96]

Die Kritik lag wieder in der Verderblichkeit dieser Formen der Volksliteratur , weil derartige Schriften „in den unteren Klassen die Sittlichkeit und die Duldsamkeit gegenüber der bestehenden politischen und sozialen Ordnung gefährden können.“[97] Es bestand eine „apokalyptische“ Angst vor einer proletarischen Revolution, genauso die Angst vor dem Verlust der pädagogischen und kulturellen Kontrolle über die Unterschichten einhergehend mit der Gefährdung des damit verbundenen Wertesystems.[98]

Seinen Untergang fand der Kolportageroman um die Jahrhundertwende durch die Konkurrenz der Zeitungen und Zeitschriften.[99]

3.3 Die Familienzeitschrift „Gartenlaube“

Die Gartenlaube erschien erstmals im Januar 1853 in Leipzig als illustriertes Familienblatt, zum abonnieren.[100] Der verantwortliche Redakteur und Gründer der Zeitschrift Ernst Keil (1816-1878) gründete die Zeitschrift primär nicht als kommerzielles Unternehmen, sondern als liberales Aufklärungsblatt,[101] zur Unterhaltung und Belehrung in der heimischen Idylle.[102]

Ernst Keil wandte sich in seiner ersten Ausgabe 1853 im Vorwort an seine Leserschaft: „(...) Ein Blatt soll´s werden fürs Haus und für die Familie, ein Buch für Groß und Klein, für jeden, dem ein warmes Herz an den Rippen pocht, der noch Lust hat am Guten und Edlen! Fern von aller raisonnierenden Politik und allem Meinungsstreit in Religions- und anderen Sachen, wollen wir euch in wahrhaft guten Erzählungen einführen in die Geschichte des Menschenherzens und der Völker, in die Kämpfe menschlicher Leidenschaft und vergangener Zeiten. (...).[103]

Die Familienzeitschrift startete mit einer Auflage von 5000 Exemplaren, stieg zehn Jahre später auf 150 000 an und erreichte 1876 eine Auflage von 400 000 Exemplaren.[104] Die Zahl ihrer Leser wird 1876 auf etwa 5 Millionen geschätzt.[105]

Inhaltlich war die Gartenlaube vielseitig gestaltet: es fanden sich naturwissenschaftliche Abhandlungen, ein medizinischer Teil mit einer Aufklärungs- und Beratungsfunktion, Berichte über technische Entwicklungen, Kalender und Daten von Messen und Märkten sowie historische Portraits.[106] Die Gartenlaube enthielt im Laufe der Jahre mehrere Beilagen wie „Blätter und Blüten“ und brachte 1886 zu Jahresbeginn den „Gartenlaube-Kalender“ heraus.[107] Im unterhaltenden Teil der Gartenlaube konnte man Novellen, Anekdoten, Witze und Bilder finden, doch die „Gartenlaubenromantik“ erhielt sie durch ihre sentimentalen und kitschigen Fortsetzungsromane, wie die der Eugenie Marlitt.[108] Um ihren Verbreitungs- und damit auch Wirkungsgrad zu steigern, kostete die Gartenlaube zu Beginn 10 Groschen vierteljährlich, erhöhte sich dann preislich mit steigendem Umfang, überschritt aber nicht den Preis von 2 Talern jährlich.[109]

In den 1860ger Jahren erfuhr die Gartenlaube aber schon einen Profilwandel: „Die Verbindlichkeit der Beiträge, die von Freiheit, Volk, Gleichheit und Demokratie handeln, steigt parallel mit der Möglichkeit Keils, seine Interessen im Einvernehmen mit der bestehenden Macht durchzusetzen.(..). Der eine (kleinbürgerliche) Teil des Volkes kommt als Absatzreservoir infrage, der andere (proletarische) gefährdet die Ordnung und muss zum richtigen Geschmack erzogen werden.“ [110]

Eine vorerst aufklärende und sozialkritische Familienzeitschrift, beliebt durch ihre apolitische Qualität, wandelte sich zu einem immer staatshöriger werdenden Medium der Regierung, was ihrer Popularität zunächst nichts nahm.[111]

4. Kritik und Massenliteratur

4.1 Kritik an populärer Literatur

Im 18. Jahrhundert bildete sich im Zuge der Aufklärung neben weiteren Formen die Handlungsrolle des Kritikers neu heraus[112]. Er wurde zur professionellen Normierungs- und Geschmacksbildungsinstanz für unterschiedlich interessierte Publika und galt als Experte, Führer, Spezialist und Lehrer.[113] Dabei agierte er nicht als unabhängiger Beobachter, sondern rekrutierte aus der bürgerlichen Elite und „(...) war mit dem Verdikt schnell zur Hand, dass nicht prüfenswert sein könne, was so massenhaft verbreitet ist (...)“.[114] Damit kam er den Bedürfnissen der eigenen Klasse entgegen, weil die Kritik an der populären Literatur mit der Enttäuschung begründet sein könnte, nicht elitäre oder kontrollierbare Bedürfnisse, sondern in der Masse vereinte, durch alle Schichten greifende, zu decken. Seine kritische Auslegungen fanden sich in „gelehrten“ Zeitschriften und „kritischen Journalen“ wieder.[115] Die Moralischen Wochenschriften oder Sittenschriften boten somit Aktionsfeld für Kritiker und Aufklärer, indem sie dort pädagogische, ethische, moralische und didaktische Grundzüge auslegten.[116] Sie hatten sich das Ziel gesetzt, ihrem Publikum die spezifisch bürgerliche Tugendlehre und Bildung der Aufklärung in Abwendung vom höfisch-galanten Lebensideal zu vermitteln.[117] „Bevormundungen, Warnungen, Appelle gegenüber dem Publikum sollten dessen Geschmacksbildung und sittliche Vervollkommnung befördern, also tugendhaftes Handeln, aus dem wiederum Glückseligkeit entspringe“.[118] Am Beispiel des Kolporteurs lässt sich die Kritik näher betrachten: Die Ware des Kolporteurs[119] bestand aus den unterschiedlichsten Lesestoffen. Er handelte mit Einblattdrucken, Heftchen, Kalendern, Unterhaltungszeitschriften und Fortsetzungsromanen, die er in die Landgemeinden brachte oder im städtischen Hausierhandel vertrieb.[120] Die Kritik und darauffolgende Zensur an ihm begründete sich damit, dass das Volk oder die breite Lesemasse zum Beispiel vor abergläubischen Sagen und unzüchtigen Liedern geschützt werden sollte, obwohl es aber in erster Linie um die Kontrolle politischer und konfessioneller Inhalte ging.[121] Denn der Kolporteur war nicht nur Literaturlieferant, sondern auch mündlicher Nachrichtenüberbringer, Unterhaltungslieferant und Ideenträger.[122] Der konservative Kulturkritiker Johann Georg Heinzmann wetterte 1795 gegen die ansteigende Leselust an Unterhaltungsliteratur, im Besonderen der Jugend[123] und Frauen mit der Frage „ob man einem großen Theile von Menschen noch anrathen soll, lesen zu lernen“[124], denn die Hauptbefürchtungen lagen in der Schädlichkeit der Lektüre, die, etwa in Form von Romanen, die bürgerliche Gesellschaft von der Realität und ihren sanktionierten Werten entfremdet,[125] oder der ländlichen Masse die untertänige Haltung durch emanzipatorisches Gedankengut deutlich macht.

„Also galt es, die Lesewut zu hemmen, die Volksbüchlein als verderblich zu erklären, die populären Lesestoffe der Zensur zu unterwerfen, die Buchdrucker zu kontrollieren und die Hausierer wachsam im Auge zu behalten.“ [126]

Entgegen diesen Vorwürfen stellte Hans-Jörg Neuschäfer einige Argumente zusammen[127]: Massenliteratur wandte sich erstmals an ein breites Publikum, das auch die nicht gebildeten Schichten mit einschloss. Die Interessen und Bedürfnisse breiter Leseschichten wurden aufgenommen und Massenliteratur bot einen fiktiven Ausgleich zum realen Elend.

Betrachtet man in diesem Zusammenhang die Begriffe „Masse“ und „Volk“, so weist dies auf einige Schwierigkeiten hin. Unter den Begriff „Volk“ fallen zunächst alle sozialen Gruppen, wie die des Mittelstandes, des Bürgertums, die Großbauern, niedere Schichten, das Kleinbürgertum, die Landarbeiter, das Proletariat und weitere.[128] Das Volk kann sich je nach Zeit, Interessengruppen oder politischen Anschauungen unterschiedlich zusammensetzten. „Daher bedarf der Begriff ´volkstümlich´ jeweils einer konkreten, die gesellschaftlichen Hintergründe der Produktion und Rezeption von Literatur einschließenden Bestimmungen; Definitionen wie ´Einfachheit der Bildungsinhalte und Verständlichkeit der Darstellungsform´ oder den ´Bedürfnissen des einfachen Volkes, seiner Lebens- und Denkweise angemessen´ bleiben so lange leer, wie es nicht gelingt, den jeweils genannten Bedeutungsumfang von „Volk“ auszumachen.“[129]

Das Wesen des Volkes, was seine Volkstümlichkeit ausmacht, wird bestimmt durch sein Denken und Fühlen, seine Bedürfnisse und Interessen, seine Wünsche und Hoffnungen.[130] Die Autoren dieser volkstümlichen oder populären Literatur gehen genau auf diese Determinanten ein. Die Lebenswelt und Mentalität der Leserschaft konnte in der Literatur massenhaft abgedeckt werden. Volkstümliche Literatur ist also nicht auf eine soziale Gruppe begrenzt, solange der Autor nicht eine Gruppe oder Leserschaft gezielt anspricht oder kennzeichnet.

4.2 Trivialität in der Literatur

Der Begriff „trivial“ gelangte von der französischen Gesellschaftssprache im 17./18. Jahrhundert ins Deutsche. Sein Ursprung liegt in dem lateinischen Wort „trivialis“, dass einen Ort (Trivium) bezeichnete, an dem drei Wege zusammentrafen, etwa als öffentliche Strasse.[131] Der Begriff impliziert also das allgemein Bekannte und Gewöhnliche, Abgegriffenes, Einfaches und Unkompliziertes. Trivialliteratur findet sich auch unter den Bezeichnungen „populäre Lesestoffe“, „Massenliteratur“ und „Kitsch“ wieder.[132] Objektiv betrachtet ist triviale, wie auch populäre Literatur zunächst einfach verständlich und weit verbreitet.

Das literarische Zweiklassensystem stellt der anspruchsvollen Hochliteratur (Kunst) die minderwertige Massenliteratur (Kitsch) als unvollkommen und missglückt gegenüber.[133] Die Dichotomie in der Literatur gründet auf folgenden vorwurfsvollen Argumenten: Trivialliteratur verfolge zweckgerichtete Tendenzen, verzerre und verfälsche die Wirklichkeit, kumuliere Reizmomente und reproduziere lediglich Klischees.[134] Massenliteratur wird damit der Massenbetrug vorgeworfen und die Produkte orientierten sich nicht an Kriterien der Qualität, sondern an Konsumierbarkeit und Verkäuflichkeit.[135]

Betrachtet man dagegen die Produktions- und Rezeptionsbedingungen der trivialen Literatur, so entsteht ein ganz anderes Bild: Beginnend in der Mitte des 19. Jahrhunderts zeichnete sich ein Wandel im literarischen Leben ab. Die Buchproduktion stieg an, sowie das Lesevermögen und damit auch die Leselust, neue Formen und Verteilungen von Lektüre bildeten sich heraus, Änderungen im Verlagswesen und neue Schreibformen und Inhalte passten sich an das Leserbedürfnis an.[136] Die Entstehung eines literarischen Marktes und der Übergang vom intensiven zum extensiven Lesen war also die Basis für triviale Literatur.

Die Kommerzialisierung der Literatur im 19. Jahrhundert geschah durch eine Öffnung des Lesepublikums: Zur bereits lesenden, kaufkräftigen Oberschicht kam das Kleinbürgertum, später auch Angestellte und die Arbeiterschaft hinzu.[137] Für ein Massenpublikum wurden nun Massenerzeugnisse hergestellt[138] und die Vermarktung der Literatur führte zu ihrer Homogenisierung.[139] Die Gründe dafür lagen wieder in der sich weiter ausbreitenden Lesefähigkeit, an der Zunahme sozialer Mobilität, der Verkürzung des Arbeitstages, Verbilligung der Druckerzeugnisse, Leihbibliotheken und am Kolporteur.[140] Die Hersteller populärer Literatur passten sich sowohl dem politischen Druck durch die Zensur an, den Bedürfnissen der Leser und ihren finanziellen Interessen. Sie stellten sich dabei auf unterschiedliche Leserzielgruppen und verschiedene Anspruchsebenen ein und bedienten ein anonymes Massenpublikum.[141]

„Massenliteratur muss von einem kulturkonsumierenden Leser ausgehen, der von Literatur kein Einwirken auf den literarischen Erwartungshorizont erwartet, sondern Antworten auf ungelöste Fragen der Lebenspraxis bietet und nicht realisierbare Bedürfnisse kompensiert.“[142]

Populäre Literatur vereint damit divergierende Leserinteressen und Leserbedürfnisse.

5. Fazit

Die Untersuchung hat gezeigt, dass die ökonomische Lage und die schulische Ausbildung, wesentlich dazu beigetragen haben, ob der Leser in der Lage war am literarischen Leben teilzuhaben. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erweist sich Traditionelles, wie zum Beispiel der Kalender, noch als populärer Lesestoff, da die Masse als Leserschaft oder Öffentlichkeit noch nicht in Frage kommt. Dies gründet in den Bildungs- und ökonomischen Vorraussetzungen. Die lesende Masse tritt in der Jahrhundertmitte in Erscheinung, durch die ansteigende Lesefähigkeit und Kaufkraft. Dadurch ändern sich auch die Distributionsformen der Literatur, etwa durch ein Lektüreabonnement. Das Lesepublikum erweitert sich nicht nur um Masse, sondern auch um Leseinteressen. Lektüre wurde in diesem Sinne erst populär und übernahm damit auch eine kommunikative Funktion. Es entstand ein öffentlicher Raum, ein Medium, für Artikulation in Form von Literatur. Die Zusammensetzung eines literarischen Publikums ist nach wie vor nicht konkret zu fassen, ebenso wie die Dynamik in der Literatur im Bezug auf die Gesellschaft, und bleibt weiter zu analysieren.

Dennoch lässt sich zusammenfassen, dass die Interessen des Lesers aus seinen Bedürfnissen resultierten, determiniert durch seine Lebenswelt, etwa auf die Schicht, den Beruf, oder das Geschlecht bezogen. Das hat sich bis heute nicht geändert. Die Inhalte der beliebten Lesestoffe lassen somit auf die Bedürfnisse ihrer Leser schließen. Bestimmte literarische Formen sind aber nicht grundsätzlich einer sozialen Klasse zuzuordnen.

Der Kalender, der Kolportageroman und die Familienzeitschrift weisen folgende Attribute von Popularität auf: sie sind schicht- und geschlechtübergreifend und weit verbreitet, weil sie verständlich geschrieben und vor allem erschwinglich waren. Inhaltlich setzen sie Stoffe um, die aus dem Leben gegriffen sind. Sie greifen Problematiken auf, sprechen diese aus, bieten Abenteuer und geben Rat. Der Leser kann sich an ihnen moralisch orientieren, unterhalten und informieren. Die daraus entstehenden Bedürfnisdifferenzierungen wurden von Literaturproduzenten erkannt und vorteilhaft umgesetzt. Marktwirtschaftliches Vorgehen der Hersteller und literaturkonsumierendes Verhalten der Rezipienten bedingten sich gegenseitig. Die Demokratisierung der Lesestoffe, zum Beispiel durch niedrige Preise, machte die Literarisierung der Masse möglich und ging mit der Kommerzialisierung der Literatur einher. Trotz einer steigenden Kaufkraft und der damit verbundenen Wahlmöglichkeit, werden wieder die gleichen Themen beliebt, nur in einer anderen Form. Die Kalendergeschichte, der Kolportageroman oder die Novelle in der Familienzeitschrift transportieren gleiche Inhalte.

Die Bewegung der Aufklärung konnte die Popularität bestimmter Lesestoffe, etwa den Roman, für ihre Bildungs- und Erziehungszwecke nutzen, doch der Staatsgewalt und einigen Moralisten wurde die aktive Leserschaft wiederum zu gefährlich: Eine gebildete, aufgeklärte Masse individualisiert sich und bricht aus gesellschaftlichen Schranken aus. Die Zensur und Kritik an populären Lesestoffen sollte dies verhindern und führte einen Kampf um die Kontrolle dieser „mündigen“ Masse.

Der Vorwurf der Trivialität von populären Lesestoffen ist im abwertenden Sinne unbegründet, weil populäre Literatur sich an Massen wendet, die an schematisch aufgebauten Lesestoffen interessiert sind, weil sie ihr Lesebedürfnis befriedigen. Zudem sind sie materiell erschwinglich und transportieren alltäglich Inhalte, haben also einen Lesewert und können von ihren Rezipienten durchaus als ästhetisch empfunden werden. Diese Literatur war für die Massen geeignet und von den Massen geliebt.

Der Vorwurf der Trivialität populärer Lesestoffe ist einseitig, denn die Rezipienten selbst störten sich nicht an dem fehlenden Anspruch, ausgehend von einer minimalen Lesergruppe, sondern bevorzugten das einfach Verständliche, Lebensbereichernde und Unterhaltende in der Literatur. Die Gefahr der Popularität und Trivialität der Literatur, die Leser mehr zu verführen als zu bilden, kann abgeschwächt werden, weil gerade die triviale, populäre oder einfache Literatur das Volk an Literatur heranführt und einen Zugang bietet.

6. Literaturverzeichnis

Quellen

I. Die Gartenlaube. Illustrirtes Familienblatt, Leipzig 1853ff., Jahrgang 1853-1900, Hg. Ernst Keil

Literatur

I. Cwojdrak, Günther (Hg): Die Gartenlaube. Blätter und Blüten. 2. Auflage, Berlin 1982
II. Faulstich, Werner: Die bürgerliche Mediengesellschaft (1700-1830), Geschichte der Medien Band 4, Göttingen 2002
III. Foltin, Hans-Friedrich/Schirrmeister, Britta: Zeitweiser, Ratgeber, Geschichtenerzähler. Der Funktionswandel des Mediums Kalender in fünf Jahrhunderten. In: Petra Bohnsack und Hans-Friedrich Foltin (Hg.): Lesekultur. Populäre Lesestoffe von Gutenberg bis zum Internet, Marburg 1999
IV. Galle, Heinz J.: Populäre Lesestoffe. Groschenhefte, Dime Novels und Penny Dreadfuls aus den Jahren 1850 bis 1950.Ein Katalog zur Ausstellung, Köln 2002
V. Hohendahl, Peter Uwe: Literarische Kultur im Zeitalter des Liberalismus 1830-1870, München 1985
VI. Kim, Du Gyu: Volkstümlichkeit und Realismus. Untersuchungen zur Geschichte, Motiven und Typologien der Erzählgattung Dorfgeschichte, Bielefeld 1991
VII. Kosch, Günter/Nagel, Manfred: Der Kolportageroman. Bibliographie 1850 bis 1960, Stuttgart/Weimar 1993
VIII. Neuschäfer, Hans-Jörg: Populärromane im 19. Jahrhundert. Von Dumas bis Zola, München 1976
IX. Nusser, Peter: Trivialliteratur, Stuttgart 1991
X Rosenstrauch, Hazel E.: Zum Beispiel die Gartenlaube. In: Annamaria Rucktäschel/ Hans Dieter Zimmermann (Hg): Trivialliteratur. München 1976
XI. Schenda, Rudolf: Die Lesestoffe der kleinen Leute. Studien zur populären Literatur im 19. und 20. Jahrhundert, München 1976
XII. Schenda, Rudolf: Volk ohne Buch. Studien zur Sozialgeschichte der populären Lesestoffe 1770-1910, Frankfurt am Main 1977
XIII. Siegert, Reinhart: Zur Alphabetisierung in den deutschen Regionen am Ende des 18. Jahrhunderts. In: Hans Erich Bödeker/Ernst Hinrichs(Hg.): Alphabetisierung und Literarisierung in Deutschland in der frühen Neuzeit, Tübingen 1999
XIV. Wittmann, Reinhard: Geschichte des deutschen Buchhandels. Ein Überblick, München 1991
XV. Wittmann, Reinhard: Buchmarkt und Lektüre im 18. und 19. Jahrhundert. Beiträge zum literarischen Leben 1750-1880, Tübingen 1982
XVI. Zimmermann, Magdalene: Die Gartenlaube als Dokument ihrer Zeit, München 1967

[...]


[1] Rudolf Schenda: Volk ohne Buch. Studien zur Sozialgeschichte der populären Lesestoffe 1770-1910, Frankfurt am Main 1977, S. 34

[2] Reinhard Wittmann: Geschichte des deutschen Buchhandels. Ein Überblick, München 1991. S. 174. Dazu ergänzt Wittmann: „ Diesen gefälligen Zahlen liegen kaum empirische Daten zugrunde, von wenigen Einzelstatistiken abgesehen.“

[3] Werner Faulstich: Die bürgerliche Mediengesellschaft (1700-1830), Geschichte der Medien Band 4, Göttingen 2002. S. 26

[4] Peter Uwe Hohendahl: Literarische Kultur im Zeitalter des Liberalismus 1830-1870, München 1985, S. 308

[5] Reinhart Siegert: Zur Alphabetisierung in den deutschen Regionen am Ende des 18. Jahrhunderts. In: Hans Erich Bödeker/Ernst Hinrichs(Hg.): Alphabetisierung und Literarisierung in Deutschland in der frühen Neuzeit, Tübingen 1999, S.286

[6] Reinhard Wittmann: Geschichte des deutschen Buchhandels, S.174

[7] Rudolf Schenda: Die Lesestoffe der kleinen Leute. Studien zur populären Literatur im 19. und 20. Jahrhundert, München 1976, S. 80

[8] Literaturlexikon, Cornelsen, 4. Aufl. 2004

[9] Reinhart Siegert, S. 291. Der Begriff „Volksaufklärer“ wird bei Siegert definiert als: „Gebildete, die die Mentalität des gemeinen Mannes im Sinne der Aufklärung verändern, insbesondere ihn von der ungeprüften Übernahme von Tradiertem abbringen wollten“. S.291

[10] ebd., S.291

[11] Reinhard Wittmann: Geschichte des deutschen Buchhandels, S.177. Die zentralen Werte der Aufklärung beschreibt Werner Faulstich als intellektuelle Mobilität. Diese besteht aus selbstständigem Denken, mündigem Handeln, Gleichheit, Freiheit, Individualität und Toleranz. S.17

[12] Werner Faulstich, S.17

[13] ebd., S.17.

[14] ebd., S.18

[15] Peter Uwe Hohendahl, S. 308

[16] ebd., S. 309

[17] ebd., S.309. Hohendahl: „Der Besuch des Gymnasiums oder mindestens der Realschule war in Deutschland die Bedingung für die Teilnahme am literarischen Leben“

[18] ebd., S. 322 „In diesem Milieu galt der Grundsatz, dass das Lernen für den Lebenskampf keinen Wert habe“ S.323

[19] Peter Nusser: Trivialliteratur, Stuttgart 1991, S. 29

[20] Peter Uwe Hohendahl, S. 322. Dazu auch Peter Nusser, S. 17

[21] ebd., S. 322

[22] ebd., S. 317. Hohendahl unterscheidet drei Typen von Leihbibliotheken. Erstens die Institute, die sich an ein gebildetes Publikum wenden, welches sich literarisch informieren will, zweitens Bibliotheken, die durch spannende Literatur unterhalten wollen und letztlich die Unternehmen, die veraltete Sensationsliteratur wie Ritter- und Schauerromane bereit halten. Die Spezialisierung des Angebots ist gleichzeitig die Spezialisierung auf bestimmte Kundenschichten.

[23] ebd., S. 319

[24] Werner Faulstich, S.15

[25] Peter Uwe Hohendahl, S. 301

[26] ebd., S. 304 ff.

[27] Peter Uwe Hohendahl, S. 305

[28] Reinhard Wittmann: Geschichte des deutschen Buchhandels, S. 172

[29] ebd., S. 178

[30] Peter Uwe Hohendahl, S. 307

[31] Rudolf Schenda: Volk ohne Buch. Studien zur Sozialgeschichte der populären Lesestoffe 1770-1910, Frankfurt am Main 1977, S.470

[32] ebd., S.471

[33] ebd., S.471

[34] ebd., S.473-486

[35] ebd., S. 177-181

[36] nach Helmut Kiesel und Paul Münch

[37] nach Lutz Winckler

[38] nach Siegfried J. Schmidt

[39] Reinhard Wittmann: Buchmarkt und Lektüre, S.139

[40] ebd., S.112

[41] ebd., S. 130

[42] Peter Nusser, S. 47

[43] Rudolf Schenda: Volk ohne Buch, S. 282

[44] Werner Faulstich, S. 151

[45] Rudolf Schenda: Volk ohne Buch, S. 281

[46] Werner Faulstich, S. 153

[47] Rudolf Schenda: Volk ohne Buch, S. 285

[48] Foltin/Schirrmeister: Zeitweiser, Ratgeber, Geschichtenerzähler. Der Funktionswandel des Mediums Kalender in fünf Jahrhunderten. In: Petra Bohnsack und Hans-Friedrich Foltin (Hg.): Lesekultur. Populäre Lesestoffe von Gutenberg bis zum Internet, Marburg 1999, S 38. Am Beispiel des „Rheinländischen Hausfreundes“ werden die einzelnen Elemente besprochen.

[49] Werner Faulstich, S.153

[50] Rudolf Schenda: Volk ohne Buch, S. 285

[51] Peter Nusser, S. 50. Es wurde zusätzlich mit den Gegensätzen gut-böse, schön-häßlich, klug-dumm gearbeitet.

[52] Foltin/Schirrmeister, S 38

[53] Werner Faulstich, S.153

[54] Aus „Über das Kalenderwesen“, S.126 in Rudolf Schenda: Volk ohne Buch, S.282

[55] Foltin/Schirrmeister, S 36

[56] ebd., S 40. Die Kalender nannten sich zum Beispiel „Der arme Konrad“ oder der „Allgemeine Arbeiterkalender“.

[57] ebd., S 33. Der Name bezieht sich auf die Kriegsinvaliden des Dreißigjährigen Krieges, die Botengänge verrichteten und als Kolporteure Zeitungen und Kalender verbreiteten.

[58] ebd., S 34. Zum Beispiel der „Lahrer Hinkende Bote“ hatte im Jahr 1868 eine Auflage von 500.000 Stück.

[59] Rudolf Schenda: Volk ohne Buch, S. 287

[60] Du Gyu Kim: Volkstümlichkeit und Realismus. Untersuchungen zur Geschichte, Motiven und Typologien der Erzählgattung Dorfgeschichte, Bielefeld 1991, S. 16

[61] ebd., S. 65. Zum Beispiel der Kalendergeschichtenschreiber Ludwig Anzengruber entnahm Stoffe aus der bäuerlichen Welt für seine Kalendergeschichten. S. 67

[62] ebd., S. 12

[63] ebd., S. 12

[64] ebd., S. 85

[65] ebd., S. 26

[66] Rudolf Schenda: Volk ohne Buch, S. 210

[67] Du Gyu Kim, S. 28

[68] ebd., S. 28

[69] Werner Faulstich, S. 155

[70] ebd., S. 157

[71] Der Begriff Almanach hat seinen Ursprung in Arabischen und bedeutet Kalendertafel oder Jahrbuch. Werner Faulstich, S. 157. Im französischen hat der Begriff Almanach die Bedeutung Volkskalender. Der Kalender heißt im französischen „calendrier“. Rudolf Schenda: Volk ohne Buch, S.279

[72] Werner Faulstich, S. 159 Als bekanntestes Almanach ist das „Göttinger Musenalmanach“ zu nennen.

[73] Rudolf Schenda: Volk ohne Buch, S. 280

[74] Werner Faulstich, S. 161

[75] ebd., S. 163

[76] Günter Kosch/Manfred Nagel: Der Kolportageroman. Bibliographie 1850 bis 1960, Stuttgart/Weimar 1993, S.11

[77] ebd., S. 11

[78] Heinz J. Galle: Populäre Lesestoffe. Groschenhefte, Dime Novels und Penny Dreadfuls aus den Jahren 1850 bis 1950.Ein Katalog zur Ausstellung, Köln 2002, S. 22. Diese Broschüren waren die Groschenhefte im eigentlichen Sinne.

[79] Kosch/Nagel, S. 11/13

[80] Kosch/Nagel, S.13

[81] Peter Uwe Hohendahl, S. 400

[82] Kosch/Nagel, S. 40

[83] Heinz J. Galle, S. 41

[84] Hohendahl, S. 398. Die Expansion des Buchhandels überstieg den Zuwachs der Bevölkerung, so dass das literarische Distributionsnetz in den achtziger Jahren dichter war als je zuvor.

[85] Kosch/Nagel, S. 28

[86] Heinz J. Galle, S. 39

[87] Kosch/Nagel, S. 1. 1871- 1880 wurden 380 Roman produziert, 1881-1890 kamen noch 300 Titel dazu. Nach Heinz Galle erschienen im Zeitraum von 1860-1890 pro Jahr 350-480 Titel. S.39

[88] ebd., S. 31

[89] Reinhard Wittmann: Buchmarkt und Lektüre, S. 142

[90] ebd., S. 37. Dazu Heinz J. Galle: Die Prämien reichten vom Silberlöffel über ein Kaffeeservice bis zu einem Klavier, zur Wohnungseinrichtung, einem Landhaus oder einer Kutsche. S. 41

[91] Reinhard Wittmann, Buchmarkt und Lektüre, S. 141

[92] Hohendahl, S. 401

[93] Heinz J. Galle, S. 43. „Der rührselige Kolportageroman wurde von der weiblichen Bevölkerung bevorzugt, das Märchen vom edlen Räuber von der männlichen Lesergemeinde, aber beliebt bei beiden waren die geheimnisvollen Sensationsromane.“ S. 44

[94] ebd., S. 48

[95] Kosch/Nagel, S. 38

[96] ebd., S. 23

[97] ebd., S. 19

[98] ebd., S. 42

[99] Peter Uwe Hohendahl, S.401

[100] Günther Cwojdrak (Hg): Die Gartenlaube. Blätter und Blüten. 2. Auflage, Berlin 1982, S. 5

[101] Hazel E. Rosenstrauch: Zum Beispiel die Gartenlaube. In: Annamaria Rucktäschel/ Hans Dieter Zimmermann (Hg): Trivialliteratur. München 1976, S. 170. Dazu Günther Cwojdrak: „Die Gartenlaube zeigte, zu Lebzeiten Keils, gewisse sozialkritische und sozialreformatorische Tendenzen. Sie will die bestehende Gesellschaft nicht ändern, aber ein bisschen verbessern; das Blatt möchte, dass man netter zueinander ist.“ S. 6

[102] Günther Cwojdrak, S. 5 „Keils Zeitschrift wollte Schule sein und das Volk zu nationalem Selbstbewusstsein hinauferziehen (...)“

[103] Ernst Keil, Gartenlaube 1853

[104] Günther Cwojdrak, S.5. Die Gartenlaube wurde 1861 bereits von über 100 000 Abonnenten bezogen. Hazel E. Rosenstrauch, S. 175

[105] Hazel E. Rosenstrauch, S. 178

[106] ebd., S. 175

[107] Magdalene Zimmermann: Die Gartenlaube als Dokument ihrer Zeit, München 1967, S. 12

[108] ebd., S. 13. Dazu Rosenstrauch: „Die Gartenlaube hat die Entwicklung der Novelle und des Unterhaltungsromans stark beeinflusst; die Marlitt wird die Starautorin der Gartenlaube und ist nicht unerheblich an deren Auflagensteigerung beteiligt.“ S. 178

[109] Hazel E. Rosenstrauch, S. 174

[110] ebd., S. 176

[111] Reinhard Wittmann: Buchmarkt und Lektüre, S. 151

[112] ebd., S. 223. Dies bezieht sich auf den strukturellen Wandel im 18. Jahrhundert, der neben dem Kritiker die Rollen des Autors, Verlegers, Buchhändlers, Zensors, Bibliothekars und Lesers neu gestaltet.

[113] Werner Faulstich, S. 231. Seine Rolle wurde nur mit Hinblick auf die Literaturkritik erforscht, denn sein Feld umfasste den ganzen kulturellen Bereich von Musik und Kunst, bis Wissenschaft und Religion.

[114] Hans-Jörg Neuschäfer, S. 8

[115] Werner Faulstich, S.233

[116] ebd., S. 237 und 239. Die Schriften nannten sich oft „der Patriot“, „der Vernünftler“ oder „die Matrone“

[117] Reinhard Wittmann, S.180

[118] Werner Faulstich, S. 234

[119] Peter Nusser, S. 31. Der Begriff Kolporteur setzt sich aus dem französischen col (Hals) und porter (tragen) zusammen und verweist damit auf den, um den Hals gehangenen, Bauchladen.

[120] ebd., S. 31

[121] ebd., S. 32

[122] Rudolf Schenda: Volk ohne Buch, S. 267-269

[123] Zum Beispiel stand den jungen Lesern der Sinn nicht nur nach ermahnender, bildender und sittlicher Lektüre, sondern auch nach Abenteuer-, Reise-, und Märchenliteratur. Rudolf Schenda: Die Lesestoffe der kleinen Leute. Studien zur populären Literatur im 19. und 20. Jahrhundert, München 1976, S. 12

[124] Reinhard Wittmann, S. 189

[125] Reinhard Wittmann, S. 188. Dazu Rudolf Schenda, Die Lesestoffe der kleinen Leute: „Lesen zur Unterhaltung (...) galt aber damals als unnütze Zeitverschwendung, als Müßiggang und aller Laster Anfang, in pietistischen Kreisen gar als gotteslästerliche Sünde.“ S.12

[126] Rudolf Schenda: Die Lesestoffe der kleinen Leute, S. 13. Die Lesestoffe der Hausierer entsprachen nicht den geltenden Vorstellungen von einer lehrreichen und moralisch fördernden Literatur.

[127] es folgt eine Zsammenfassung

[128] Du Gyu Kim, S. 104

[129] ebd., S. 115

[130] ebd., S. 115

[131] Peter Nusser, S. 1

[132] ebd., S. 2. Kitsch gemeint als Opposition zur Kunst und Hochliteratur.

[133] Hans-Jörg Neuschäfer, S. 8 . Dazu Peter Nusser:

[134] Peter Nusser, S. 4

[135] Hans-Jörg Neuschäfer, S. 17

[136] Peter Nusser, S. 21

[137] ebd., S. 29

[138] Du Gyu Kim : „Zwischen den Konsumenten und Produzenten der massenhaft verbreiteten Literatur herrscht eine gleichsam prästabilierte Harmonie. Erfolgreiche Bücher sind das tönende Echo ihrer Leser, Ausdruck ihrer geheimsten Wünsche und Träume, Spiegel der tatsächlichen Kommunikationsstruktur. Ein Schriftsteller trifft den Geschmack einer Millionenleserschaft, wenn er diese nicht anspricht, sondern ausspricht...Er leistet damit eine sprachliche Vermittlung von Gefühlen und Träumen, Emotionen und Wünschen, Erlebnissen und Sehnsüchten.“ S. 118

[139] Peter Uwe Hohendahl: „Grenzen des Niveaus und des ästhetischen Anspruchs wurden aus ökonomischen Gründen abgeschliffen.“ S. 399

[140] ebd., S. 30

[141] Hans-Jörg Neuschäfer: „Populär kann nämlich auf Dauer kaum sein, was nur systemkonform und ganz im Dienste der herrschenden Verhältnisse steht – es sei denn, man setzt beim großen Publikum einen völlig denaturierten Verstand schon voraus und billigt nur den progressiven Intellektuellen die Fähigkeit zu, unbefangen und für Manipulation unerreichbar zu sein.“ S. 23

[142] ebd., S. 29

Details

Seiten
25
Jahr
2004
Dateigröße
416 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v109429
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
1-
Schlagworte
Populäre Lesestoffe Jahrhundert

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Titel: Populäre Lesestoffe 19. Jahrhundert