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Das "Königsgrab" von Arslantepe

Hausarbeit (Hauptseminar) 2003 9 Seiten

Archäologie

Leseprobe

Das "Königsgrab" von Arslantepe.

Arslantepe und das "Königsgrab": Allgemeine Informationeni

Arslantepe (auch „Aslantepe“ geschrieben) liegt in Ostanatolien, ca. 4 km vom Stadtzentrum des heutigen Malatya entfernt. Es handelt sich um einen Hügel, der auch als „Tell“ bezeichnet wird, eine typische nahöstliche Formation, die durch sich überlagernde Siedlungsreste verschiedener Zeitstufen entstanden ist. Wie sich aus den bisherigen Ausgrabungen ergibt – durch die bisher allerdings erst ein Teil der Schichten abgetragen wurde -, erstreckte sich die Besiedlung kontinuierlich vom Chalkolithikum über die Bronze- bis in die Endphase der Hethiterzeit. Im Jahre 712 v. Chr. wurde Arslantepe von den Assyrern unter Sargon II erobert und zerstört.

Die geographische Lage des Ortes – nicht weit entfernt vom Oberlauf des Euphrat am Rand des Taurus, mit Verbindungen zur anatolischen Hochebene und den kaukasischen Gebieten ebenso wie mit Mesopotamien – begünstigte sicherlich seine Entwicklung zu einem regionalen Zentrum. Die Landschaft damals ist auf keinen Fall mit der heutigen Kargheit zu vergleichen; noch vor rund 100 Jahren wurde die Gegend als waldreich und sehr fruchtbar beschrieben.

Die ersten Grabungen fanden zwischen 1932 und 1939 statt und wurden durch den Franzosen Louis Delaporte durchgeführt, der die neo-hethitische Epoche des Hügels ans Licht brachte. Der Name Arslantepe = Löwenhügel leitet sich wahrscheinlich von den beiden Löwenstatuen ab, die bei diesen Ausgrabungen entdeckt wurden. Sie stehen heute im Museum von Ankara. Delaportes Arbeit erschwert in einigen Fällen die heutigen Nachforschungen, da er mit Stichgräben teilweise Befunde aus früheren Schichten störte bzw. gar zerstörte.

1961 begannen die italienischen Grabungen, die seit 1990 von Marcella Frangipane geleitet werden, Professorin an der Universität von Rom „La Sapienza“. Einer der spektakulärsten Funde dieser Zeit ist das 1996 entdeckte sog. "Königsgrab". Als dieses Grab ungefähr um 3000 v. Chr. angelegt wurde (direkt zu Beginn der internen, auf Arslantepe bezogenen Periode VI B2/B1, der frühen Bronzezeit), erfolgte die Wahl seines Standortes offensichtlich im Hinblick auf den "Staatspalast", dem es vorgelagert ist. Auf den Überresten des "Staatspalastes", der in Flammen aufging, errichteten nomadische Hirten und Viehzüchter aus dem transkaukasischen Raum (von Frau Frangipane als "Pastoralisten" bezeichnet) ihre Hütten. Das "Königsgrab" wurde von ihnen nicht geplündert. Die „Pastoralisten“ respektierten diese Grabstätte, was darauf schließen lässt, dass der Begrabene einer der Ihren war.

Die Herkunft der "Pastoralisten"

Es scheint Archäologen im Allgemeinen nicht leicht zu fallen, eine eindeutige Aussage darüber zu machen, ob die Ausbreitung von bestimmten kulturellen Techniken und Gebräuchen auf Assimilation zurückzuführen ist, dass sie also sozusagen von Nachbarvolk zu Nachbarvolk weiter gereicht wurden, oder ob sie durch die Träger eben dieser kulturellen Techniken selbst verbreitet wurden.

Frau Frangipane benennt die Pastoralisten nicht weiter, sondern belässt es bei dem Hinweis, dass sie aus dem transkaukasischen Raum stammtenii. Sie zeigt aber ausführlich die verschiedenen kulturellen Einflüsse auf, die in Bezug auf das Grab und die Beigaben eine Rolle spielen und verweist darauf, dass auch andere Kistengräber mit - allerdings keineswegs so reichhaltigen - Metallbeigaben im von ihr so genannten "Halbmond der Ausdehnung der Pastoralisten" von Georgieniii über das Euphrat-Tal bis in syrisches Gebiet entdeckt wurdeniv. Besonders erwähnt sie dabei die georgische Kura-Araxes-Kultur, die Ähnlichkeiten nicht nur in Bezug auf die Metallbeigaben, sondern auch auf die Grabstruktur (dort wurden ebenfalls rechteckige Kistengräber verwendet) und die im Grab gefundene rot-schwarze Keramik selbst hat.

Professor Harvey Weiss von der Yale University sieht das Grab ebenfalls im Zusammenhang mit der Kura-Araxes-Kultur, spricht aber deutlicher als Frau Frangipane von einer mit dieser Kultur verbundenen Bevölkerungsbewegung in den Iran und nach Anatolien, die seiner Ansicht nach in der späten Uruk-Periode durch einen abrupten Klimawechsel verursacht wurde und die einheimische staatliche Entwicklung in Arslantepe unterbrach. Er geht davon aus, dass das Grab nicht ein Mitglied der alten Elite von Arslantepe enthält, sondern eine herausragende Persönlichkeit der neuen Herrschaftsschichtv .

Als „Staatspalast“ bezeichnet Frau Frangipane einen großen Gebäudekomplex, der zwei Tempel, Magazine, Aufbewahrungsorte für „administrative Materialien“ (gemeint sind im wesentlichen Siegel) und kleine Innenhöfe enthält, also verschiedene öffentliche Bereiche zusammenfasst. Es scheint keine privaten Wohnbereiche gegeben zu haben. Zeitlich ist der "Staatspalast" der internen, auf Arslantepe bezogenen Periode VI A, dem Zeitraum von 3300 bis 3000 v.Chr., zuzuordnen, dem Spät-Chalkolithikum. Dies entspricht, direkt auf Mesopotamien bezogen, der späten Uruk-Periode ("Late Uruk").

Die Zahl der in dem Gebäudekomplex, vor allem in dem sog. Archiv, gefunden Tonsiegel geht in die Tausende. Es gibt über 200 verschiedene Siegelmotive, wobei festgestellt werden konnte, dass es bezüglich der Türversiegelungen offensichtlich vier Oberbeamte gab, deren Siegel überall zu finden sind, während untergeordnete Beamte auch nur untergeordnete Bereiche öffnen konnten. Es gab also eine Beamten-Hierarchie.

Siegel wurden aber hauptsächlich als Empfangbestätigung für Schüsseln mit Nahrungsmitteln gegeben; solche lokal in Massen produzierten Schüsseln wurden z. B. bei den Ausgrabungen in den Überresten eines imposanten Gebäudes aus der Zeit zwischen 3600 - 3500 v.Chr. gefunden (Periode VII), einem Bauwerk, in das später das "Königsgrab" eingetieft wurde (s.u.). Sie lassen eine schon seit etwa Mitte des 4. vorchristlichen Jahrtausends praktizierte ritualisierte Art von Verteilung von Nahrungsmitteln vermuten. Es ist also davon auszugehen, dass sich hier eine der mesopotamischen ähnliche städtische Gesellschaft mit einer administrativen Organisationsform gebildet hatte, in der eine elitäre soziale Schicht ihre Stellung auf der Arbeitsleistung anderer Menschen aufbautevi. Die Herrschaft dieser Elite war religiös legitimiertvii, worauf die in den Gebäudekomplex integrierten Tempel schließen lassen.

Offensichtlich handelt es sich bei dem „Staatspalast“ um den ersten, man könnte sagen multifunktionalen Komplex im Nahen Osten. Dieses Bauwerk unterscheidet sich deutlich von denen im südlichen Mesopotamien, das nur Einzelbauten, etwa Tempel, aber keine funktional zusammengefassten Paläste kannte. Arslantepe stand zwar in Verbindung mit Mesopotamien, seine Entwicklung wurde aber nicht von dort kontrolliert, sondern erfolgte autonom und parallel zu den benachbarten mesopotamischen Zentrenviii. Auch sein Siegel-System stammte nicht von dort, sondern aus dem Norden - das erste Beispiel eines solches Systems lässt sich in Sabi Abyad in Nordsyrien, in der Nähe der heutigen Grenze zur Türkei findenix. Dort gruben holländische Archäologen etwa 300 Lehmsiegel aus, die um 6000 v. Chr. (kalibrierte Daten) hergestellt wurden und damit die ersten bekannten Siegel überhaupt sind. Ihr Gebrauch ebenso wie ihre Verteilung im Bereich der Ausgrabungsstätte von Sabi Abyad zeigen eine große Übereinstimmung mit Arslantepe; sie wurden an Körben, Gefäßen, Ledertaschen usw. angebracht, allerdings nicht wie in Arslantepe als Türsiegel verwendet.

Arslantepe wird seit einiger Zeit als ein Beispiel dafür gesehen, dass die Lehrmeinung, im südlichen Mesopotamien seien die ersten großen Städte mit ihren verschiedenartigen Ausprägungen entstanden, dahingehend revidiert werden sollte, dass sich stadtähnliche Strukturen zeitgleich an verschiedenen Orten finden lassenx. Auch die Schrift, die in der "Late Uruk"-Periode im südlichen Zweistromland entwickelt wurde, diente ursprünglich nur als Weiterführung einer Art von Buchhaltungxi, die ihren Ursprung unter anderem auch in dem Siegelsystem hatte, das in Sabi Abyad und Arslantepe angewandt wurde. Arslantepe hat also im Gesamtrahmen der zivilisatorischen Entwicklung im Nahen Osten ebenfalls einen wichtigen Beitrag geleistetxii.

Der Metallfund im „Staatspalast“

Die Ausgrabung des „Staatspalastes“ brachte neben anderen Metallgegenständen auch einen Hort ans Tageslicht, der vorwiegend aus Waffen bestand, die mit den im sog. "Königsgrab" gefundenen Waffen verglichen werden können. Dieser Hort enthielt 9 Schwerter und 12 Speerspitzen sowie eine Platte oder Tafelxiii, wobei die Schwerter die ersten dokumentierten Waffen dieser Art der Weltgeschichte sind. Die nächsten zeitlich einzuordnenden Schwerter stammen aus einem Grab in Alaca Höyük, das rund 600 Jahre jünger ist und etwa auf 2400 v.Chr. datiert wird. Zweifel an der Datierung der im „Staatspalast“ gefundenen Waffen weist Frau Frangipane zurück: Ihre Lage und die Stratigraphie der Ausgrabung lassen ihrer Ansicht nach keine andere zeitliche Einordnung als um die Wende vom 4. vorchristlichen Jahrtausend zum 3. Jahrtausend zu. Die Schwerter seien bewusst als solche hergestellt worden, ihr Gewichtsausgleich sei perfekt.

Hier sei jedoch angemerkt, dass diese Schwerter, die im Museum von Malatya ausgestellt sind, im Gegensatz zu den Speerspitzen kaum Kampftauglichkeit besitzen. Griff und Klinge sind aus einem Stück gegossen, die Handgriffe nicht rund, sondern abgeflacht und dadurch nicht für festes Zupacken geeignet, wie es für einen Kampf erforderlich wäre. Zudem besteht der Handschutz nur aus zwei kleinen Zacken, d.h. er bietet nur wenig Sicherheit gegen einen gegnerischen Hieb, der von der Klinge abrutscht. Offensichtlich gab es auch keine zusätzlichen Handgriffe, die auf die gegossenen Stücke aufgesetzt werden konnten, denn dann wäre die Silberdekoration auf drei der Schwertgriffe nicht zu sehen gewesen. Andererseits ist aber kaum zu bezweifeln, dass die Schwerter nach dem Vorbild von echten Waffen (wie sie sich im "Königsgrab" finden) hergestellt wurden.

Die genannte Silberdekoration besteht aus Intarsienxiv. Sie erscheint in unterschiedlicher Ausführung: Einer der Schwertgriffe ist reich verziert mit drei Reihen von Dreiecken, die beiden anderen zeigen nur jeweils ein einzelnes Dreieck. Interessant ist dabei, dass eine der im "Königsgrab" gefundenen Lanzenspitzen ebenfalls die gleiche Silberdekoration aufweist, ganz abgesehen davon, dass Maße und Formen der Lanzenspitzen hier wie dort praktisch identisch sind. Sie wurden also vermutlich in der gleichen Art und Weise hergestellt, wobei nicht sicher ist, ob die Produktion in Arslantepe geschah oder im Nordosten, in Transkaukasien, wo die "Pastoralisten" ja ihre Ausgangsbasis hattenxv. Ein Indiz lässt allerdings vermuten, dass die im "Staatspalast" gefundenen Waffen eher aus dem transkaukasischen Raum stammen: Die Schwerter und die Speerspitzen unterscheiden sich zwar durch ein abweichendes Verhältnis von Kupfer und Arsen - die Speerspitzen enthalten 2,5 - 3 % Arsen, die Schwerter 4,5 - 5 %, was darauf hindeutet, dass sie in zwei unterschiedlichen Arbeitsgängen gegossen wurden -, jedoch findet sich bei beiden kein Nickel. Die Minen im Kaukasus lieferten Kupfer, das zwar mit Arsen, aber eben nicht mit Nickel vermischt warxvi. Von den Funden her zeigt sich also eindeutig, dass transkaukasische Einflüsse in Arslantepe bereits vor der Zerstörung des „Staatspalastes“ bestanden. Daraus ergibt sich eine Kontinuität von Technik und Tradition zwischen der Epoche des „Staatspalastes“, der Periode VI A, und der nachfolgenden, der frühen Bronzezeit entsprechenden Periode VI B2/B1 des "Königsgrabs“, obwohl es sich im ersten Falle um die Dominanz einer eher städtisch organisierten Bevölkerung handelt, im anderen Falle jedoch um die Vorherrschaft einer nomadischen, die wohl nicht in die ansäßige Bürgerschaft aufging, sondern Seite an Seite mit ihr lebte.

Die „Metallfachleute“.

Verbunden mit den nomadischen Hirten und Viehzüchtern trat eine andere Gruppe in Erscheinung, die Erfahrung mit der Metallverarbeitung hatte. Von ihr stammen aller Wahrscheinlichkeit nach die gefundenen Metallgegenstände. Diese Metallfachleute waren Spezialisten in ihrem Beruf und stellten Gegenstände her, die sowohl innerhalb ihrer eigenen transkaukasischen Gemeinschaften wie auch der mesopotamischen bei den Eliten gefragt waren. Sie hatten die Technologie der Metallschmelze mit Kupfer als dem Ausgangsmaterial entwickelt, das experimentell mit anderen Stoffen vermischt wurde: Kupfer und Arsen; Kupfer, Arsen und Nickel; Kupfer und Blei und Kupfer und Silber. Die Zielrichtung war dabei unterschiedlich: Einerseits ging es um die Verfestigung des Kupfers, andererseits aber auch um die Herstellung von dekorativen Prestigeobjekten oder einfach von Metallgegenständen als Wert an sich, als Schatz. Zu letzterem zählen wohl die Schwerter des Hortfundes.

Wie genau die Beziehung der „Metallfachleute“ zu den Hirten war, ist unklar. Auf jeden Fall ist die transkaukasische Gesellschaft nicht einfach als eine Gesellschaft von Hirten zu sehen. Sie hatte sicherlich unterschiedliche Elemente bzw. Aufgaben, d.h. es gab unter der Bevölkerung auch sesshafte Bauern wie auch Spezialisten für die Metallverarbeitung, die ihre Fähigkeiten in der Bearbeitung der heimischen Kupfererze erworben hatten. Die Hirten sind also nur ein Teil der Gesamtgesellschaft. Mit ihnen in Verbindung steht das "Königsgrab", das so bezeichnet wird, weil es kein vergleichbares Grab in dem ihm entsprechenden Zeitrahmen gibt, weder was die Monumentalität noch den Reichtum - 64 Metallobjekte aus Kupfer, Silber und Silberlegierungen und auch aus Gold wurden in dem Grab gefunden - noch die menschlichen Opfer betrifft, die einzigartig sind. Selbst wenn der Begrabene kein König war, hatte er doch zumindest eine herausragende Stellung inne.

Die Lage des Grabes

Das Grab ist ein rechteckiges Kistengrab mit einer Breite von etwas mehr als 1 m und einer Seitenlänge von ca. 2 mxvii (eine Seite wird durch einen einzelnen bearbeiteten Steinblock gebildet!), eingetieft in eine annähernd kreisförmige Grube mit einem Durchmesser von ungefähr 5 m. Die Grube wiederum wurde in den Überresten eines imposanten Gebäudes angelegt, das etwa aus dem Zeitraum zwischen 3600 und 3500 v. Chr. stammt (Periode VII)xviii. Es ist nicht bekannt, wie tief die Grube ursprünglich war, da der obere Teil in späteren Zeiten entfernt bzw. durchbrochen wurde. Ebenso gibt es keine Hinweise darauf, dass die Erbauer des Grabes Kenntnis von dem Gebäude hatten, in dessen Bereich sie das Grab anlegten. Eine viel größere Rolle bei der Wahl des Begräbnisplatzes scheint, wie oben bereits gesagt, der sog. „Staatspalast“ gespielt zu haben, dem das Grab vorgelagert ist. Dieses selbst ist ja der frühen Bronzezeit zuzuordnen und etwa um 3000 v.Chr. entstanden. Ungeklärt ist, ob der „Staatspalast“zum Zeitpunkt der Anlegung des Grabes noch stand oder bereits einem Feuer zum Opfer gefallen war. In der Folge wurden die Kontakte von Arslantepe nach Mesopotamien nun unterbrochen, anscheinend für immer, die nach Nordosten (Transkaukasien) und Anatolien verstärkt.

Die Lage des Grabes erweckt also den Anschein, als solle dadurch der Herrschaftswechsel deutlich zum Ausdruck gebracht werden: An die Stelle einer zentralisierten städtischen Herrschaftsform - repräsentiert durch den "Staatspalast" - ist die Herrschaft der nomadischen Hirten und Viehzüchter aus Transkaukasien getreten, die sich in dem monumentalen Grabcharakter darstellt. Sie sind die Sieger, die an die Stelle der bisherigen Elite getreten sind. Wie dies genau geschah, ist unklar; vermutlich ergriffen sie gewaltsam die Macht, denn die neuen Herren hatten mit den alten Strukturen nichts zu tun - der "Staatspalast" wurde nach dem Brand nicht wieder aufgebaut, es gibt keine Siegel mehr und ihr "König" wurde schwer bewaffnet begraben. Auf dem Tell entsteht nun ein als eine Art von Acropolis oder "Zitadelle" bezeichnetes Bauwerk, dessen Ausgrabung jedoch erst am Anfang steht. Auf jeden Fall wird diese "Zitadelle" zeitlich der Anlegung des Grabes bzw. dem Zeitraum kurz danach zugeordnetxix.

Die Menschenopfer auf dem Grab

Die herausragende Stellung des Begrabenen ergibt sich auch aus der Tatsache, dass allem Anschein nach vier junge Menschen auf den Steinplatten geopfert wurden, die das Grab bedecken. Über die Gründe für ihren Tod können nur Spekulationen angestellt werden -vergleichbare Menschenopfer gab es in dem angegebenen Zeitrahmen nicht .

Die Skelette der 4 Geopferten im Alter zwischen 13 und 16-17 Jahren lagen auf dem Kistengrab in Positionen, die darauf schließen lassen, dass sie auf das Grab geworfen worden waren, keinesfalls sorgsam hingelegt wurden. Zwei der Opfer, wahrscheinlich ein Junge (nur die obere Hälfte des Skeletts ist erhalten) und ein Mädchen, lagen einander gegenüber direkt auf dem Deckel des Grabes, der aus zwei großen Steinplatten bestand. Beide trugen Schmuck: jeweils zwei Haarspiralen aus einer Kupfer-Silber-Legierung, zwei Kupfernadeln auf ihren Schultern und ein Diadem auf dem Kopf (ebenfalls aus einer Kupfer-Silber-Legierung), das eine eingeprägte, aus Punkten bestehende Verzierung aufweist. Diese Punktverzierung trägt auch das Diadem des "Königs", das im Grab selbst gefunden wurdexx. Die Diademe der beiden Opfer waren auf einen Schleier oder ein feines Tuch aufgesetzt, von dem ebenfalls Überreste gefunden wurden. Die ganze Aufmachung lässt darauf schließen, dass beide einen höheren sozialen Status hatten. Vermutungen, sie seien Verwandte des Begrabenen gewesen, konnten nicht überprüft werden, da DNA-Analysen wegen der Brüchigkeit der gefundenen Knochen scheiterten. Die zwei anderen Opfer waren Frauen, die neben den Abdeckplatten etwa über dem Fußbereich des Verstorbenen lagen. Diese Positionierung und die Tatsache, dass beide Frauen keinen Schmuck trugen, lässt die Vermutung zu, dass es sich um Dienerinnen handelte.

Eine paläopathologische Untersuchung der Skelettexxi führte zu der Entdeckung, dass alle weiblichen Opfer vor ihrem Tode erhebliche Verletzungen erlitten, die wahrscheinlich durch Misshandlungen bedingt waren und sich auf einen kürzeren oder längeren Zeitraum vor ihrem gewaltsamen Tod erstreckten. Die Lage des männlichen Skeletts lässt ebenfalls auf einen durch äußere Gewalteinwirkung verursachten Tod schließen, wobei Spuren von vorhergehender Misshandlung allerdings nicht zu erkennen sind. Es fehlt jedoch, wie bereits gesagt, ein Teil des Skeletts, sodass eine absolut gültige Aussage eigentlich. nicht gemacht werden kann.

Auf jeden Fall wurden die den Toten zustehenden Riten vollzogen, indem ihnen Grabbeigaben in Form von Gefäßen zuteil wurden. Dabei handelt es sich um zwei verschiedenartige Typen, die ebenso unterschiedlich angeordnet sind: Drei mit der Töpferscheibe hergestellte Krüge mit Halsansatzxxii, die in der kulturellen Tradition der Periode VI A von Arslantepe stehen, wurden neben den beiden mit Schmuck versehenen Jugendlichen auf den Grabdeckel gestellt. Vier handgemachte, rot-schwarz polierte Gefäße, einmal als anatolischer Typusxxiii und einmal als Kura-Araxes Typusxxiv bezeichnet, finden sich in zwei Paaren außerhalb des Bereichs des Kistengrabes entlang der nördlichen Seite der Grube, ein Paar davon neben dem Kopf einer der beiden ungeschmückten jungen Frauen. Ob dies allerdings als ein Indiz für den sozialen Unterschied zwischen den vier gewertet werden kannxxv, ist doch sehr zweifelhaft - diese Anordnung kann auch völlig zufällig erfolgt sein, da es sich um einfache Gebrauchsgegenstände handelte.

Die Funde im Grab

Innerhalb der Steinkiste lag ein ziemlich großer männlicher Erwachsener mit angezogenen Knien auf der rechten Seite. Vorwiegend im Fußbereich stand eine große Anzahl von Gefäßen; außerdem fanden sich 64 Metallbeigaben, im wesentlichen aufgestapelt hinter dem Rücken des Toten. Sieben von neun im Grab enthaltenen Speerspitzen waren um seinen Kopf herum entlang der Grabwände in den Boden getrieben worden. Eine dieser Speerspitzen zeigte am unteren Blattende ein mit Silber eingelegtes dreieckiges Motiv, das demjenigen entspricht, das auch drei bereits früher gefundene Schwerter im "Staatspalast" zierte (s.o.).

Die Anordnung der Speerspitzen ist keineswegs einmalig, sondern zeigt sich auch in Gräbern, die kürzlich in einem großen Begräbnisplatz in der Nähe des heutigen Birecik-Staudamms im anatolischen Euphrattal entdeckt wurdenxxvi. Sie stammen aus der frühen Bronzezeit I (EB I) und weisen auch insofern Ähnlichkeiten mit dem "Königsgrab" auf, als sie teilweise wie Steinkistengräber mit Kalksteinblöcken gebaut sind und Metallbeigaben, besonders Nadeln, enthalten, die entweder als Schmuck auf der Leiche selbst lagen oder als eine Art von Hort zusammengefasst waren. In einem Grab wurden ebenso wie in Arslantepe Holzteile freigelegt, die wahrscheinlich zu einer Totenbahre gehörten. Die in Arslantepe gefundenen hölzernen Überreste konnten - wenn auch mit Mühe - für eine C 14-Datierung verwendet werden; die kalibrierten Daten verwiesen auf etwa 3000 v.Chr.xxvii

Zu den Metallbeigaben gehörten außer den genannten Speerspitzen noch zwei Schwerter, zwei Dolche, vier Äxte, zwei Meißel, drei Hohlmeißel, ein Messer und zwei Gefäße, die alle aus Kupfer oder aus Arsenkupfer hergestellt waren. Dazu kamen sieben Gegenstände aus reinem Silber: zwei Nadeln, eine Haarspirale, drei große Perlen, die wahrscheinlich zu einem Halsband gehörten, und ein anderes Halsband mit 65 kleinen Perlen. Schließlich enthielt das Grab noch 28 aus einer sehr ungewöhnlichen Kupfer-Silber-Legierung angefertigte Objekte, nämlich ein Dolch, sieben Spiralen, vier Ringe und 15 Armreifen, dazu noch das Diadem. Aus reinem Gold bestanden drei Perlen und eine Haarspirale.

Die aus der Kupfer-Silber-Legierung bestehenden Sachen zeigten eine grünliche Kupferoxydation. Wenn sie jedoch geputzt werden, glänzen sie wie Silber, was bedeutet, dass sie Schau-Objekte waren, die mehr vortäuschten, als sie real hielten. Keiner der Zuschauer bei dem Begräbnis wird jedoch Gelegenheit gehabt haben, die Qualität der Schmuckgegenstände zu überprüfen. Das Begräbnis war offensichtlich inszeniert, um die Bedeutung des ins Grab gelegten "Königs" zu erhöhen, und auch die Schmuckgegenstände dienten dieser Absicht.

Es ist sehr fraglich, ob die übrigen Waffen und Werkzeuge teilweise oder ganz als Hort zu sehen sind. Die beiden Schwerter unterscheiden sich deutlich von denen, die im "Staatspalast" gefunden wurden - sie haben nämlich keinen gegossenen Handgriff, sondern stattdessen einen spitz zulaufenden Dorn, der beweist, dass hier ein wie auch immer gearteter Handgriff aus vergänglichem Material aufgesetzt wurde, der das Schwert damit griffsicher und kampfestauglich machte. Die Schwerter sind also Kampfschwerter. Leider gibt es keine Untersuchung darüber, ob bzw. in welchem Ausmaß sie Gebrauchsspuren aufweisen, ebenso wenig wie für die übrigen aus reinem Kupfer oder Arsenkupfer hergestellten Gegenstände. Die Äxte und besonders die Meißel sind ein Hinweis darauf, dass der Tote kein reiner Krieger war, sondern auch ganz normalen "zivilen" Aufgaben nachging. Waffen und Werkzeuge sind also höchstwahrscheinlich sein persönlicher Besitz; die Tatsache, dass sie aus Metall sind und Metallgegenstände damals nur innerhalb der Eliten Verwendung fanden, betont seine hohe Stellung. Zugleich zeigt diese Ausstattung, dass er nicht zu der lokalen städtischen Oberschicht gehörte - es hätten sich dann zumindest Siegel o.ä. in dem Grab finden müssen.

Ähnlichkeiten zu den Ziergegenständen der transkaukasischen Welt zeigen sich deutlich in den im Grab gefundenen Haarspiralen, Nadeln, Armreifen und Ringen. Das Diadem entspricht in seiner Art außerordentlich einer Anzahl von vergleichbaren transkaukasischen Beispielen, besonders einem Diadem von Kvatchelebi mit seinen linearen und Wellen-Motivenxxviii.

Die aus Keramik bestehenden Grabbeigaben sind bei weitem nicht so spektakulär wie die aus Metall. Es handelt sich einerseits um große, dem mesopotamischen Stil entsprechende , mit der Töpferscheibe hergestellte Gefäße, die teilweise in einer bestimmten Form verziert sind (“reserved slip“xxix ). Dazu fanden sich kleine handgemachte rot-schwarze Behältnisse aus Transkaukasien, die der Kura-Araxas-Kultur zugrechnet werden (s.o.), wobei der zeitliche Rahmen zwischen den Perioden VI A und VI B2/B1 liegt. Neue und alte typologische Merkmale existieren neben einander. Die Position der Gefäße im Grab ist im Wesentlichen bestimmt durch ihre Funktion. Sechs der großen, mit Halsansatz versehenen Krüge (drei davon mit der "reserved slip"-Dekoration) standen zu Füßen des Toten. Sie enthielten wahrscheinlich Lebensmittel für sein Leben im Jenseits, während einige kleine rot-schwarze Gefäße (u. a. drei Schüsseln und zwei kleine Krüge) sich im Kopfbereich befanden und wohl als Ess- und Trinkgefäße dientenxxx. Eine Bevorzugung der einen oder anderen Geschirrform aufgrund ihrer traditionellen Verbindung nach Mesopotamien bzw. nach Transkaukasien zu vermuten scheint etwas weit hergeholt, da ja beide offensichtlich auch unterschiedslos im täglichen Leben verwendet wurden - es sind simple Gebrauchsgegenstände wie auch die Gefäße auf dem Grabdeckel.

Abschließende Bemerkung: Die Bedeutung des "Königsgrabs" von Arslantepe

Das "Königsgrab" von Arslantepe ist nicht nur eine Beispiel für eine - wahrscheinlich feindliche - militärische Übernahme, sondern zugleich auch ein Beleg für eine fortschreitende Entfaltung kultureller Fähigkeiten (der Metallverarbeitung), selbst wenn die damit einhergehende Zerstörung anderer grundsätzlich zukunftsfähiger Strukturen (repräsentiert im multifunktionalen Staatspalast) scheinbar einen Rückschritt bedeutet. Aber diese Strukturen waren bereits in Mesopotamien aufgenommen worden und entgingen so der Vernichtung. Die militärische Machtübernahme in Arslantepe ist also nur eine Episode auf dem Weg der zivilisatorischen Weiterentwicklung des Menschen.

Literatur:

Barbagli, Debora: Arslantepe. Alle Origini Dello Stato, in: Archeologia Viva N.99, Maggio/Giugno 2003, Florenz 2003, S.20-36

Findeklee, Antje, Besiegelte Zivilisation, in: wissenschaft-online > Nachrichtenservice, www. wissenschaft-online.de, Suchbegriff: Arslantepe, 5.6.2002

Frangipane, Marcella: The Transition between Two Opposing Forms of Power at Arslantepe (Malatya) at the Beginning of the 3rd Millenium B.C., in: Tüba-AR, 4/2001, S.1-24

M. Frangipane/G.M. Di Nocera/A.Hauptmann/P.Morbidelli/A.Palmieri/L. Sadori/M.Schultz und T.Schmidt-Schultz: New Symbols of a New Power in a „Royal“ Tomb from 3000 B.C. Arslantepe, Malatya (Turkey), in: Paléorient, vol. 27/2, 2001, S.105-139 .

Hauptmann/Hess/Palmieri: Metal Production in the Eastern Mediterranean during the 4th / 3rd Millenium: Case Studies from Arslantepe, in: Der Anschnitt, Beiheft 13: Anatolian Metal I, Bochum 2000, S. 75-82

Kielt, Sarah, The Syro-Mesopotamian Origins of Arslantepe‘s Administrative System, http://www.brynmawr.edu/Acads/Arch/guesswho/kielt.html

Müller-Karpe, Andreas: Beiträge zum altanatolischen Metallhandwerk, Teil 1: Text, Kiel 1990.

Nissen, Hans J.: Geschichte Alt-Vorderasiens, München 1999

ders.: Grundzüge einer Geschichte der Frühzeit des Vorderen Orients, Darmstadt 1995

van Loon, Maurits N.: Korucutepe: Final Report on the Excavations of the Universities of Chicago, California (Los Angeles) and Amsterdam in the Keban Reservoir, Eastern Anatolia 1968-1970, Amsterdam 1975 ff

Verhoeven, Marc: An Archaeological Ethnography of the Burnt Village at Tell Sabi Abyad, Syria, im Internet: http://archweb.leidenuniv.nl/fa/onderzoek/projecten/sabi.html

Yakar, Jak: East Anatolian Metallurgy in the 4th and 3rd Millenia BC: Some Remarks, in: Der Anschnitt, Beiheft 15: Anatolian Metal II, Bochum 2001, S.15-25.

[...]


i Die Arbeit stützt sich außer den im Literaturverzeichnis angegebenen Schriften und der Internet-Recherche auf ein längeres Gespräch mit Frau Frangipane am 24.8.2003 sowie auf eine Ausgrabungsbesichtigung in Arslantepe am 25.8.2003. Für diese umfassenden Informationsmöglichkeiten sei Frau Frangipane noch einmal herzlich gedankt; sie möge dem Autor aber verzeihen, dass er in einigen Punkten weniger zurückhaltend Position bezieht und seine Interpretation in einigen wenigen Fällen von der ihrigen abweicht. Dies gilt besonders in Bezug auf die im "Staatspalast" und im Grab gefundenen Schwerter und die Schlussfolgerungen bezüglich der Stellung des Bestatteten und der Hirten zu der ansäßigen Bevölkerung.

ii Frangipane, Transition...S.4

iii Frangipane, ebd. S.122

iv vergl. dazu Yakar, S.17. Dort werden zwei Gräber mit Metallbeigaben in Korucutepe beschrieben, die ebenfalls aus dem späten Chalkolithikum stammen. Es handelt sich dabei nur um wenige Gegenstände, von denen allerdings der aus Eisenerz hergestellt Kopf einer Keule (im Text auf Englisch als "mace" bezeichnet) besonders hervorsticht. Er ist ein Beleg dafür, dass bei der normalen Kupferverarbeitung unter bestimmten Umständen auch Eisen gewonnen werden konnte. Nähere Ausführungen dazu sind im Internet (www -geology.ucdavis.edu/~GEL115/115CH5.html) unter der Überschrift: 'Chapter 5: The Age of Iron' zu finden. Dies ist ein Kapitel aus einer vom Department of Geology der Universität von Kalifornien in Davis ins Internet gestellten Schrift, die u.a. eben auch auf die frühe Eisenverhüttung eingeht.

v Kura-Araxes wird von Professor Weiss in einem Atemzug mit der palästinensischen Ausgrabungsstätte Khirbet Kerak genannt (siehe Cambridge Conference Correspondence, CCNet 71/2001 - 23 May 2001, im Internet unter http://abob.libs.uga.edu/bobk/ccc/cc052301.html), wo handgemachte rot-schwarze Gefäße entdeckt wurden, die offensichtlich denen von Kura-Araxes entsprechen. Der israelische Wissenschaftler Amihai Mazar stellte allerdings bereits 1992 fest, dass diese Gefäße zu der Periode EB III gehören und "...the pottery of this kind was produced by immigrants who left eastern Anatolia..." (siehe dazu www.bibleplaces.com/bolen/plagiarism.htm). Beide Wissenschaftler widersprechen sich also. Wenn Mazar Recht hat, ist unklar, was Weiss zur Gleichsetzung veranlasste, wenn er doch deutlich von einer "Bevölkerungsbewegung der letzten Jahrhunderte des vierten Jahrtausends" spricht, also sicherlich vor der bronzezeitlichen Periode EB III, und die "anatolischen Einwanderer" nicht mehr die ursprünglichen Kulturträger aus Transkaukasien sind. Muss man hier Weiss vorhalten, dass er ungenügend recherchiert hat?

vi Barbagli, S.23

vii Frangipane, Transition..., S.8

viii Barbagli, S.23

ix Vergleiche zu den folgenden Ausführungen den Internet-Artikel von Sarah Kilet vom Bryn Mawr College, USA - siehe Literaturverzeichnis.

x Findeklee, www. wissenschaft-online. de

xi vergl. dazu: H. Nissen, An Introduction to the Late Uruk Period, in: http://cdli.mpiwg-berlin.mpg.de/web/edu/lateuruk_intro.html, 2003

xii Die Bedeutung von Altanatolien im Allgemeinen und von Arslantepe im Besonderen für die Entwicklung der Zivilisation gibt inzwischen Anlass zu wissenschaftlichen Auseinandersetzungen. Nachdem Frau Frangipane Anfang des Jahres 2003 ein Seminar mit dem Titel "Anatolia and Birth of State" in der Türkischen Botschaft in Rom gehalten hatte, erschien ein nicht ganz unpolemischer Artikel mit der Überschrift "History Begins in Malatya" (in [ANE] NEWS, Oriental Institute, Chicago mit Datum vom 4.Juni 2003 abgedruckt) in der wissenschaftlichen Öffentlichkeit. Frau Frangipane sah sich dadurch genötigt, in einer Erwiderung auf die autonome Parallelität von Entwicklungen in Arslantepe bzw. Ostanatolien und in Mesopotamien hinzuweisen. Damit ist Mesopotamien aber nicht mehr die alleinige Wiege der zivilisatorischen Entwicklung.- Professor Fahri Isik von der Universität Antalya, 1944 in Malatya geboren und seit 1988 Leiter der Ausgrabung in Patara, vertritt in seinen Büchern und Artikeln, summarisch gesagt, bereits die weitergreifende These, die altanatolische Zivilisation habe zur Geburt der Agäischen Zivilisation geführt (Angabe im Museum von Antalya/Türkei).

xiii Yakar, S.19 beschreibt sie als "quadruple spiral plaque made also of arsenical copper" und vergleicht sie mit ähnlichen Tafeln, die in Ikiztepe-Bafra gefunden wurden. Diese wurden in die 2. Hälfte des 3. vorchristlichen Jahrtausends datiert, was Yakar veranlasst, Zweifel an der zeitlichen Einordnung des Tafelfundes in dem "Staatspalast" anzudeuten.

xiv Barbagli S.27: "una decorazione in agemina"

xv Barbagli S.27

xvi Frangipane, New Symbols S.132. Bedauerlicherweise lassen sich aus den dort gemachten ungenauen Angaben ("often combined with nickel", "similar composition") keine exakten Rückschlüsse darauf ziehen, wie denn nun die Legierung der im "Königsgrab" gefundenen Waffen im Vergleich zu den Waffenfunden im "Staatspalast" aussah. Im Übrigen sind die beiden Schwerter des "Königs" in der graphischen Darstellung auf S. 131 überhaupt nicht aufgeführt.

xvii Frangipane, Transition, S.17 zeigt ein Photo des Grabs mit einem Messstab, bei dem nicht ersichtlich ist, welches die Grundeinheit ist - Meter, Inches oder was auch immer; Angaben dazu fehlen. Das gleiche Problem tritt auch bei anderen Photos mit Messstab auf.

xviii Frangipane, Transition, S.2

xix Frangipane, Transition S.8. Nach Angaben von Frau Frangipane wird es bedauerlicherweise erforderlich sein, das Grab aufzuheben, um die Ausgrabung weiterführen zu können. Eine Rekonstruktion ist jedoch bereits im Museum von Malatya angefertigt und wird bei der Neueröffnung der Räumlichkeiten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, ebenso wie ein Stück einer Mauer des "Staatspalastes" mit Zeichnungen. Die Originalüberreste des "Staatspalastes" sollen konserviert und zur Besichtigung freigegeben werden; wie immer ist das jedoch auch eine Kostenfrage. Stand dieser Information August 2003.

xx Es ist nicht eindeutig, ob es sich bei dem Gegenstand um ein Diadem oder einen Gürtel gehandelt hat. Frangipane, New Symbols... S.111 bezeichnet ihn als "belt", also als Gürtel, im persönlichen Gespräch benannte sie ihn jedoch als "Diadem", weshalb dieser Begriff hier übernommen wurde.

xxi Frangipane, New Symbols..., S.123 ff

xxii Frangipane, ebd. S.112: "wheel-made necked jars"

xxiii Frangipane, ebd. S.112 und

xxiv Frangipane, ebd. S.119. Die unterschiedliche Benennung der rot-schwarz polierten Gefäße lässt sich wahrscheinlich dahingehend auflösen, dass damit der kulturelle Einfluss aufgezeigt werden soll, der nicht aus Mesopotamien, sondern aus dem nordöstlichen Raum herrührte, d.h. eben aus dem transkaukasischen Raum, und auf Anatolien ausstrahlte. Über die Bedeutung von Kura-Araxes siehe oben Seite 2.

xxv Fragipane, ebd. S.113

xxvi Frangipane, ebd. S.122/123

xxvii Frangipane, ebd. S. 135

xxviii Frangipane ebd. S.115

xxix Das Gefäß wurde in einen sehr flüssigen Überzug ("slip") getaucht, der vor dem Trocknen mit einem Schaber abgekratzt wurde, wobei der Überzug teilweise abging, in Streifen aber erhalten blieb.

xxx Frangipane ebd. S.109; die Beschreibung der Gefäße ist unübersichtlich und teilweise schwer nachzuvollziehen, ihre später folgenden Zeichnungen hervorragend.

Details

Seiten
9
Jahr
2003
ISBN (Buch)
9783640157198
Dateigröße
408 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v109407
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
Schlagworte
Königsgrab Arslantepe

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Titel: Das "Königsgrab" von Arslantepe