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Entwicklung des Schulwesens und die Lehrerbewegung in den Jahren der Weimarer Republik

Seminararbeit 2004 12 Seiten

Pädagogik - Geschichte der Päd.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ein kurzer geschichtlicher Abriss der Weimarer Republik

3. Der Weimarer Schulkompromiss von 1919

4. Reichsschulkonferenz von 1920

5. Erziehungsziele und Erziehungspraktiken

6. Schulorganisation

7. Elternvertretung

8. Lehrerbewegung und Lehrerbildung

9. Schlussgedanken

10. Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

Die Pädagogik ist in sehr viele Teilgebiete gegliedert und somit war es sehr schwierig ein passendes Thema für diese Arbeit zu finden. Es interessieren mich auf diesem Gebiet verschiedene Aspekte. Privat bin ich auch relativ oft mit diesen Themen konfrontiert. Meine kleinere Schwester geht noch zur Schule und somit ist zumindest die Schulpädagogik immer wieder Gesprächsthema. Vor allem zum jetzigen Zeitpunkt, wo es besonders um Veränderungen in den Lehrplänen geht, ziehe ich häufig Vergleiche zu meiner Schulzeit, die auch noch nicht so lang her ist.

Es ist auffällig, dass sich im Schulwesen immer wieder Änderungen ergeben und dadurch habe ich mich entschlossen einmal genauer die Entwicklung des Schulwesens zu betrachten. Um einen gewissen Rahmen hierfür zu finden, werde ich ein paar Aspekte der Entwicklung des Schulwesens in der Weimarer Republik zum Thema machen.

Bereits bei den ersten Recherchen ist mir aufgefallen, dass es in dieser Zeit sehr unterschiedliche Meinungen zur Schulbildung und deren Inhalte gegeben haben muss. Im Folgenden werde ich darauf genauer eingehen. Bevor ich mich diesem jedoch zuwende, werde ich die politische Lage in der Weimarer Republik einmal zusammenfassen.

Ich bin davon überzeugt, dass die aktuelle Situation einer Landespolitik und die jeweiligen Interessen immer einen gewissen Einfluss auf die Entwicklung des Schulwesens haben.

2. Ein kurzer geschichtlicher Abriss der Weimarer Republik

Die Weimarer Republik ist der Name für das deutsche Reich nach der von der Weimarer Nationalversammlung beschlossenen Verfassung von 1919-1933. Sie war eine parlamentarische und föderative Republik, die mit großen Schwierigkeiten auf politischer und wirtschaftlicher Ebene zu kämpfen hatte. Wobei sich die politischen Schwierigkeiten auf die Parteizersplitterung, die wachsende Opposition und die wiederholten Putschversuche beziehen und die wirtschaftlichen Probleme die harten Bedingungen des Versailler Vertrages und die Inflation betreffen. Reichspräsidenten dieser Zeit waren F. Ebert (1919-25) und P. von Hindenburg (1925-33). Die Weimarer Republik endete praktisch mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler und der Zustimmung der Reichstagsmehrheit zum sog. „Ermächtigungsgesetz“.[1]

Die politischen Schwierigkeiten in der Weimarer Republik beeinflussen ebenfalls das Schulwesen dieser Zeit. Mit dieser Problematik werde ich nun fortsetzen.

3. Der Weimarer Schulkompromiss von 1919

„Nach der Novemberrevolution von 1918/1919 bedurfte das Schulwesen in Deutschland dringend einer durchgreifenden Reform, und die zahlreichen Parteien und Lehrervereine erhoben in diesem Zusammenhang ihre schulpolitischen Forderungen.“[2] Bei all den Forderungen stand die Modernisierung der Schulen, aber unter einer Anpassung an die ökonomischen und politischen Verhältnisse in Deutschland zum Ziel. Die jeweiligen Parteien hatten jedoch recht unterschiedliche Vorstellungen:

Für die SDP war zum Beispiel auf Grund der parlamentarischen Mehrheitsverhältnisse eine Orientierung darauf, dass sie von den bürgerlichen Parteien in der Nationalversammlung Konzessionen erreichen können.

Die KPD stellte sich als Ziel eine sofortige, gründliche und radikale Umgestaltung des Ernährungs-, Wohnungs- und Erziehungswesen im Sinne einer „proletarischen Revolution“. Diese Ziele konnten jedoch nicht bis zum Ende verfolgt werden, da die KPD nicht an den Wahlen zur Nationalversammlung teilgenommen hatten und somit kein Mitsprachrecht hatten.

Die Zentrumspartei forderte eine Bekenntnis- bzw. Konfessionsschule, in der die Lehrkräfte der jeweiligen Konfession tätig sein sollten. Des weiteren sollten der Religionsunterricht und alle anderen Unterrichtsfächer im Geiste der entsprechenden Konfession erteilt werden.

Die DDP befürwortete eine Simultanschule. Es sollten alle Kinder aller Religionsbekenntnisse gemeinsam in einer Schule, sogar in einer Klasse unterrichtet werden.

Die zweite große Partei neben der Zentrumspartei, die SPD, forderte die weltliche Schule. In ihr sollte kein Religionsunterricht stattfinden.

Es ist also aus den verschiedenen Meinungen der Parteien ersichtlich, dass es ein für und wider im Bezug auf den Religionsunterricht in den Schulen gab.

Trotz der Unterschiede stand für jede Partei eines immer im Vordergrund: „Die Schulpolitik einer politischen Partei hat zwei Funktionen. Auf der einen Seite spiegelt sie die bildungspolitische Interessenlage der Mitglieder und Anhänger wider, auf der anderen Seite soll sie neue Wähler gewinnen helfen.“[3] Durch die verschiedenen Meinungen konnte es nur schwer zu einem Ergebnis kommen. Erst durch die geheimen Verhandlungen zwischen der SPD und der Zentrumspartei ließ sich ein Kompromiss finden, der sogenannte Weimarer Schulkompromiss aus dem Jahre 1919, dessen Ergebnis eine Vereinbarung war, in dem festgehalten wurde, dass „ die Differenzierung der Schulen nach den religiösen Bekenntnissen in den einzelnen deutschen Ländern beizubehalten“[4] ist. Diese Verhandlungen waren ursprünglich aufgrund des ultimativen Drängens der Entente-Mächte auf die Unterzeichnung des Versailler Friedensvertrages durch Deutschland und wegen der daraus resultierenden Regierungskrise innerhalb der ersten „Weimarer Koalition“ zustande gekommen. Zu einem Kompromiss zwischen der SPD und dem Zentrum konnte es nur kommen, wenn „die SPD dem Zentrum die Konfessionsschule und die Zentrumspartei der SPD die weltliche Schule zugestand.“[5]

Der Kompromiss wurde nach vielen Diskussionen durch die Parteien in den drei Lesungen der Reichsverfassung am 31. Juli 1919 angenommen. Es war also eine Simultanschule entstanden. Besonders in dem Grundschulbereich wurden Verträge zwischen dem Staat und der Kirche abgeschlossen, um den Einfluss der Kirche, besonders auf die Kindererziehung, nochmals zu verstärken. Die Lehrer standen unter völliger Aufsicht der Kirche, was bei vielen eine grenzenlose Gewissensnot auslöste. Durch den Kompromiss wurde die Bekenntnisschule zur Kirchenschule und somit war dem Staat die Schulhoheit genommen wurden. Hierbei erschwerte der Sperrparagraph 174 der Reichsverfassung von vornherein die Errichtung einer weltlichen Schule und bedeutete gleichzeitig für die meisten Länder „eine zusätzliche Sicherung der Bekenntnisschulen“.[6] Der Artikel 146,2 der Reichsverfassung fand seine Anwendung und lautete wie folgt: „Ob und wieweit die Volksschulen innerhalb der Gemeinden für alle Bekenntnisse gemeinsam oder nach Bekenntnissen getrennt oder bekenntnisfrei […] sein sollen, entscheidet der Wille der Erziehungsberechtigten, soweit dies mit einem geordneten Schulbetrieb zu vereinigen ist…“[7]

4. Reichsschulkonferenz von 1920

Die Reichsschulkonferenz von 1920 hatte sich eine Frage gestellt, hinter der die Probleme des Schulaufbaus und der allgemeinen Aufstiegssicherung stehen. Genau formuliert lautet diese Frage wie folgt: „Wie ist das Schulwesen einzurichten, damit jeder Jugendliche seine Kräfte gemäß seinen Anlagen zu seinem eigenen Wohl und zum Wohle der Gesamtheit entwickeln kann?“[8]

Die Reichsschulkonferenz trat am 11. Juni 1920 nach dem Kapp-Putsch im Reichstag zusammen und dauerte bis zum 19. Juni 1920 an. Ursprünglicher Gedanke einer solchen Konferenz bestand bereits im Frühjahr 1917 während des Ersten Weltkrieges, wurde zu dieser Zeit jedoch wieder abgelehnt. So wurde diese Idee 1919/1920 wieder aufgenommen und umgesetzt. Folgende Themen standen in dieser Konferenz zum Beispiel zur Debatte: Einheitsschulen, 4- oder 6 jährige Grundschule, technische Vereinheitlichung des Schulwesens, Lehrerbildung und Arbeitsunterricht.[9]

Es war ein sogenanntes Interessenparlament und kein Volkserziehungsparlament, das heißt es hat sich nicht um eine wissenschaftliche Fachtagung gehandelt. „Die Reichsschulkonferenz sollte – taktisch gesehen – in der Anfangsphase der Reichsschulpolitik die Funktion haben, in einer Generaldiskussion aller führenden deutschen Pädagogen Klarheit über die Weiterentwicklung des gesamten Bildungswesens zu gewinnen, oder, wie sich der preußische Kultusminister Haenisch ausdrückte, Ordnung ‚in das wild gärende Chaos der Reformpläne’ zu bringen.“[10]

Die Gegensätze zwischen den Volksschullehrern und den Oberlehrern bestimmten die Debatte und zeigten damit die vorhandene Uneinigkeit. Diese Zerrissenheit blieb auch in der Ausschussberatung über den Schulaufbau und der Lehrerausbildung hinaus erhalten. Es war kaum ein Weg zu sehen, wie man sich auf gemeinsame Ergebnisse hätte einigen können. Aus dieser Uneinigkeit her rührend, wurde sich für ein Plenum entschlossen, welches ein Ergebnis bringen sollte. Bereits die „Vorabstimmung ergab mit 203:256 Stimmen eine Niederlage für diejenigen, die ein deutliches Votum für die Einheitsschule und die Universitätsbildung der Volksschullehrer erreichen wollten.“[11]

In der folgenden Zeit zeigte sich dann, dass in den Jahren der Weimarer Republik die entscheidende Aufgabe der bürgerlichen, demokratischen Schulreform und die Herstellung eines einheitlichen nationalen Schulwesens nicht gelöst werden konnten.

5. Erziehungsziele und Erziehungspraktiken

Der bürgerliche Reformpädagoge Kerschensteiner forderte in den Jahren der Weimarer Republik, dass im Berufsschulwesen weiterhin auch die Erweiterung des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts an den höheren Schulen und in den Volksschulen die Entwicklung von Schulwerkstätten, Schulküchen und dem Schulgarten ausgebaut werden soll. Trotz all der Aufforderungen von unterschiedlichen Menschen zu Veränderungen geschah in der Erziehungsaufgabe der Volksschulen eine Zeit lang nur sehr wenig. Es wurde lediglich mit allen Mitteln versucht eine Erziehung zum Militarismus und Chauvinismus durchzusetzen.

Hierbei wurden speziell in den Schulbüchern der Weimarer Republik folgende Erziehungstendenzen angestrebt:

- Erziehung zu Klassenharmonien unter dem Zeichen des Antikommunismus
- Erziehung zum Revanchismus als typische Erziehungsform der imperialistischen und militaristischen Erziehung
- Erziehung zum Nationalismus und Chauvinismus als unmittelbare auf den neuen imperialistischen Krieg
- Erziehung zum Militarismus als direkte Vorbereitung und neuen Eroberungskrieg des deutschen Imperialismus und Militarismus
- Propaganda für Kolonialismus[12]

Es war also das Ziel die Jugend ganz im Sinne der Weimarer Republik zu erziehen. „Der Satz von der Erziehung als Gemeinschaftsaufgabe wurde abgeändert in ‚oberstes Erziehungsrecht der Volksgemeinschaft’.“[13]

Es kam durch diesen Veränderungen neben einer geistigen Unterdrückung der Kinder in den Volksschulen, welche die neuen Erziehungstendenzen der Schulbücher durchsetzten, auch zu einer unzureichenden Ernährung der Kinder, wie auch zu Kinderarbeit. Besonders betroffen davon waren die Menschen, die von der Landwirtschaft und der Heimindustrie lebten, also die Arbeiterklasse. Aus diesen Problemen her rührend, kam es zu weiteren Ansprüchen. So forderte zum Beispiel die Arbeiterklasse, dass Nahrungsmittel verbilligter zum Verkauf angeboten werden sollten. Ebenso wollten sie eine unentgeltliche Belieferung mit Schuhwerk und Kleidung, die Einrichtung von staatlichen und kommunistischen Kinderhorten; Jugendheimen, Kinderkrankenhäuser, usw. Es kam zu einer strikten Durchführung des Verbotes der Erwerbstätigkeit von schulpflichtigen Kindern.

Um dem Negativbild der Erziehung in der Schule entgegenzuwirken, wurde diesem das Erziehungsziel des Sozialismus entgegengestellt. Dies bezog sich auf die Mannheimer Leitsätze und beinhaltet die Aufhebung des Gegensatzes zwischen Kopf- und Handarbeit und soll zu einem „vollentwickelten Individuum“ führen.

6. Schulorganisation

Es wurde in der Weimarer Verfassung mit aufgenommen, dass für den Weg in verschiedene Schularten nicht die wirtschaftliche und gesellschaftliche Stellung der Eltern maßgebend sein dürfte. Es wurde festgelegt, dass Minderbemittelte in Form einer Erziehungsbeihilfe unterstützt werden sollten. In der Praxis wurde dies jedoch leider nicht umgesetzt.

In der Schulorganisation kam es 1920 zu einem kleinen Fortschritt. Es wurde die vier jährige gemeinsame Grundschule eingeführt. Einziger Nachteil daran war, dass der Klassencharakter des Schulwesens dadurch nicht überwunden wurde. Für den Bildungsweg im höheren Schulwesen bestand immer noch das Prinzip der Auslese nach ganz festen Kriterien.

In der Folgezeit wurde besonders an den neu gegründeten höheren Schulen der mathematisch-naturwissenschaftlichen Richtung Aufmerksamkeit geschenkt und somit auch intensiver behandelt. Es entstanden auf dem höheren Bildungsweg zwei neue Schulformen:

Das war zum einen die sogenannte Deutsche Oberschule. Diese wurde als Pflanzstätten des Nationalismus und des Chauvinismus angesehen. In ihr lag die Gefahr, dass dort die Ausbildung des Volksschullehrernachwuchses nicht ausblieb. Die zweite neue Schulform waren die Aufbauschulen. Auf diese konnte man nach der 7. Klasse wechseln und anschließend innerhalb von sechs Jahren das Abitur machen. In diesen Schulen sollte die Intelligenz aus den Kreisen der Arbeiter und Bauern aufgefangen und in der Ideologie der herrschenden Klassen unterrichtet und erzogen werden.

Es herrschte eine Tendenz das vollausgebaute Volksschulwesen noch leistungsfähiger zu gestalten.

Die KPD sah die Schule zum Beispiel als ein Werkzeug der Klassenherrschaft. Sie war der Meinung, dass die Wohlhabenden nur wenigen aus dem Arbeiterstand den Zugang zur höheren Schule verschaffen wollten. Dies sollte nur in einem Maße geschehen, welches auf Grund eines Mangels an Fachkräften aus der eigenen Klasse zur Aufrechterhaltung der kapitalistischen Wirtschaft nötig wäre. Der größte Teil der Kinder aus der Arbeiterklasse sollte aus Sicht der KPD nur das allernötigste Wissen besitzen, um sie auch weiterhin zu geduldigen Lohnsklaven erziehen zu können.

Neben der Schulorganisation in der Zeit bevor die Jugendlichen ihren Schulabschluss erhalten, musste auch ein System für die Berufsausbildung erstellt werden. Hierzu entstand in der Reichsfraktion ein von E. Thälmann, W. Ulbricht und E. Moerule unterzeichneter Antrag. Inhalt dieses Antrages war wie folgt:

- die vollständige Berufsausbildung sollte für alle Jugendlichen bis zum 18. Lebensjahr unentgeltlich sein
- die Berufsausbildung sollte in den Berufsschulen verwirklicht werden. Hierbei sollte die theoretische und praktische Schulung in enger Verbindung mit der Produktion erfolgen
- durch den Staat und die jeweiligen Kommunen sollten besondere Lehrwerkstätten für eine Reihe von Handwerks- und Kleinbetrieben geschaffen werden
- die Berufsschule sollte die Anerkennung zur Pflichtschule erhalten[14]

Die Umsetzung dieses Vertrages war jedoch zu dieser Zeit auf Grund der Weltwirtschaftskrise nicht gegeben. Es stand nur einem Teil der Jugendlichen der Weg in die Berufsschule offen. So wurde den Lehrlingswerkstätten der Großbetriebe immer noch größere Bedeutung zugeschrieben, wie den eigentlich mit geplanten Lehrwerkstätten der Handwerks- und Kleinbetriebe.

Die Berufsbildungseinrichtungen der Konzerne stellten sich als Ziel unternehmertreue Stammarbeiter zu erziehen und zu Betriebsspezialisten zu drillen. Dies war bis dahin ein noch nicht erreichtes Niveau der Facharbeiterqualifikation.

Das war noch einmal ein kurzer Blick auf das System der Berufsausbildung dieser Zeit. Nun werde ich mit der Rolle der Eltern in Bezug auf das Schulwesen fortsetzen.

7. Elternvertretung

Die Intensität der Elternvertretung war in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich. Es wurde zwar die Aufgabe zur Zusammenarbeit zwischen Schule und dem Elternhaus herzustellen, aufgestellt, aber es wurde nicht für die Eltern das Recht eingeräumt an der Schulleitung und der Schulverwaltung mitzuwirken. Die Arbeiterklasse war stets bemüht den Einfluss der Eltern auf die Schulerziehung auszudehnen.

Von politischer Seite schenkt die KPD den Elternbeiräten große Beachtung. Die KPD fordert, dass an allen Schulen proletarische Elternbeiräte geschaffen werden sollen. Diese Forderung bezeichnen die kommunistischen Lehrer in der Reichskonferenz von 1924 jedoch als falsche Schlussfolgerung. Sie waren der Meinung, dass die Aufstellung eigener Kandidaten zur Elternbeiratswahl eine nicht zu billigende Kraftverschwendung sei.

Das Thälmannsche Zentralkomitee, welches auch als „Proletarische Schulkampfgesmeinschaft“ oder als „Rote Elternräte“ bezeichnet wird, machte darauf aufmerksam, dass nicht nur die materiellen Forderungen im Mittelpunkt stehen. Sie kämpften energisch für die Einheitsschule und die Beseitigung aller Privatschulen. Weiterhin sahen sie den weiteren Aufbau des Volksschulwesens und der Fortfall des Religionsunterrichts als ein Ziel an. Wichtig sei auch die Demokratisierung der Schulverwaltung und Schulleitung.

8. Lehrerbewegung und Lehrerbildung

Hauptsächlich hat die Lehrerbewegung in zwei Gruppierungen stattgefunden, in den kirchlichen Lehrerverbänden und in dem Deutschen Philologenverein. Diese beiden Gruppen unterstützten die Restauration des klassengespaltenen und von der Kirche bevormundeten Schulwesens. Die fortschrittlichen Lehrer waren ständig Verfolgungen ausgesetzt und Junglehrer, die aus der Kirche ausgetreten waren, fanden keine Anstellung in ihrem Beruf. Es bestand für alle Lehrer das Verbot der KPD anzugehören oder sich zu ihren Zielen zu bekennen.

Auch im „Deutschen Lehrerverein“ standen die Erziehung aller Staatsbürger zur höchsten Leistungsfähigkeit und die Ausbildung aller Anlagen und Kräfte des Körpers und des Geistes mit zur Debatte. Der Lehrerverein kämpfte um ein einheitlich aufgebautes Schulwesen. Es sollten alle Zweige und Stufen in der Schulbildung eng miteinander verbunden sein. Die Vorrechte auf Grund von Herkunft und Stand in der Gesellschaft sollten beseitigt werden, ebenso das Privatschulwesen eingeschränkt werden. Wie zu Beginn auch in den späteren Jahren bestand eine ständige Diskussion zum Thema Trennung von Schule und Kirche. Hierbei war sich der „Deutsche Lehrerverein“ in all seinen neuen Zielen bewusst, dass die Verwirklichung nur mit der Hilfe der Arbeiterklasse erfolgen kann.

Der „Deutsche Lehrerverein“ orientierte sich jedoch auf die bürgerliche Demokratie und warnte in diesem Zusammenhang die Lehrer sich der sozialistischen Bewegung anzuschließen. Grund hierfür sei die Tatsache, dass es für den sozialistisch orientierten Lehrer keine Neutralität geben könne. Alle Lehrer waren aufgefordert ihren Platz an der Seite der Arbeiterklasse einzunehmen.

Eine weitere Gruppierung dieser Zeit war der „Verband sozialistischer Lehrer und Lehrerinnen“. Mitglieder hier waren unter anderem der Thüringer Oberlehrer Dr. T. Neubauer und der Mitbegründer der KPD Dr. H. Duncker. Diese sozialistische Lehrervereinigung war ein Ausdruck des wachsenden politischen Bewusstseins der deutschen Lehrerschaft. Das Wirken beschränkte sich nur auf eine kurze Zeit. Um das einheitlich schulpolitische Handeln zu verhindern, trug der Parteivorstand der SPD mit dazu bei diese Parteirichtung aufzuspalten.

Der „Bund entschiedener Schulreformer“ verlangt von seinen Mitgliedern ein entschiedenes Bekenntnis zur Idee des freien Volksstaates und zum Geiste einer sozialen menschheitsumfassenden Gemeinschaft. Sie lehnten die Vertretung von Berufs- und Standesinteressen ab und schlossen sich auch keiner kirchlichen oder parteipolitischen Gruppierung an. Im Gegenzug setzten sie sich für eine echte Erziehungsgemeinschaft, bestehend aus Schülern, Eltern und Lehrern, dem Mitwirken der Eltern bei der Schulerziehung, der kollegialen Schulleitung, sowie der Schülerselbstverwaltung ein.

Der „Bund entschiedener Schulreformer war ein Beispiel, wie innerhalb einer Schulreformbewegung sozialistische Lehrer und Erzieher gemeinsam mit demokratischen und liberalen Pädagogen für pädagogische Fortschritte kämpften.

Die kommunistische Partei unterstützte nicht nur alle berechtigten sozialen und materiellen Forderungen der Lehrerschaft, sondern verteidigte auch fortschrittliche Lehrer gegen Angriffe und Reaktionen, besonders von Seiten der Junglehrer.

1919 legte der „Deutsche Lehrerverein“ fest, dass die Lehrerbildung im Geiste und nach den Anforderungen der Einheitsschule einheitlich, aber den verschiedenartigen Anforderungen der einzelnen Bildungszweige und Bildungsstufen entsprechend im Einzelnen vielfältig und vielgestaltig werden sollte. Es sollte nicht eine gleiche, sondern vielmehr eine gleichwertige Ausbildung geboten werden.

Abschließende ist festzustellen, dass die Entwicklung der Lehrerbildung in den einzelnen Ländern sich sehr unterschiedlich entwickelt hatte. Am Ende der Weimarer Republik verfügte Deutschland zwar über ein vielfältiges, aber im Ganzen doch unzulängliches Ausbildungssystem für die Volksschullehrer.

9. Schlussgedanken

Ich hoffe es ist mir gelungen zu zeigen, dass die Geschichte der Weimarer Republik nicht die Geschichte einer den Interessen des Volkes dienenden Demokratie war. Ihre Geschichte und ihr Ende lehren, dass nur die KPD einen den Interessen der Nation entsprechenden Weg wies.

In der Entwicklung des Schulwesens gab es während der Weimarer Republik viele Hoch und Tiefs. Meiner Meinung nach wurde viel zu wenig auf die Meinung des Volkes geachtet und auch daraus resultierend entstanden häufig so viele Probleme.

10. Literaturverzeichnis

Bayer, Christian; Greil, Annette; Rabe, Ana; Schweitzer, Antje; u.a.: Neues großes Lexikon der Weltgeschichte. Daten, Fakten, Ereignisse, Personen. Genehmigte Sonderausgabe: München; Trautwein Lexikon-Edition; 2002

Gentsch, Dirk H.: Zur Geschichte der sozialdemokratischen Schulpolitik in der Zeit der Weimarer Republik. Eine historisch-pädagogische Analyse zur Schulpolitik der SPD in Deutschland in den Jahren von 1919 bis 1933. Eine Studie: Frankfurt/Main, Berlin, Bern, New York, Paris, Wien; Lang; 1994

Herrmann, Ulrich (Hrsg.): „Neue Erziehung“ – „Neue Menschen“. Ansätze zur Erziehungs- und Bildungsreform in Deutschland zwischen Kaiserreich und Diktatur: Weinheim, Basel; Beltz; 1987

Wittwer, Wolfgang W.: Die sozialdemokratische Schulpolitik in der Weimarer Republik. Ein Beitrag zur politischen Schulgeschichte im Reich und in Preußen: Berlin; Colloquium-Verlag; 1980

[...]


[1] vgl. Neues großes Lexikon der Weltgeschichte; 2002; Genehmigt Sonderausgabe; S. 430

[2] Dirk H. Gentsch: Zur Geschichte der sozialdemokratischen Schulpolitik in der Zeit der Weimarer Republik. Frankfurt/Main; 1994; S. 57

[3] Wolfgang W. Wittwer: Die sozialdemokratische Schulpolitik in der Weimarer Republik. Berlin; 1980; S. 21

[4] Dirk H. Gentsch: Zur Geschichte der sozialdemokratischen Schulpolitik in der Zeit der Weimarer Republik. Frankfurt/Main; 1994; S. 59

[5] Dirk H. Gentsch: Zur Geschichte der sozialdemokratischen Schulpolitik in der Zeit der Weimarer Republik. Frankfurt/Main; 1994; S. 60

[6] Ulrich Herrmann (Hrsg.): „Neue Erziehung“ – „Neue Menschen“. Weinheim, Basel; 1987; S.165

[7] Dirk H. Gentsch: Zur Geschichte der sozialdemokratischen Schulpolitik in der Zeit der Weimarer Republik. Frankfurt/Main; 1994; S. 60

[8] Wolfgang W. Wittwer: Die sozialdemokratische Schulpolitik in der Weimarer Republik. Berlin; 1980; S. 21

[9] vgl. Ulrich Herrmann (Hrsg.): „Neue Erziehung“ – „Neue Menschen“. Weinheim, Basel; 1987; S.172

[10] Ulrich Herrmann (Hrsg.): „Neue Erziehung“ – „Neue Menschen“. Weinheim, Basel; 1987; S.171

[11] Wolfgang W. Wittwer: Die sozialdemokratische Schulpolitik in der Weimarer Republik. Berlin; 1980; S. 216

[12] vgl. Wolfgang W. Wittwer: Die sozialdemokratische Schulpolitik in der Weimarer Republik. Berlin; 1980; S. 55 ff & 305 ff

[13] Wolfgang W. Wittwer: Die sozialdemokratische Schulpolitik in der Weimarer Republik. Berlin; 1980; S. 55

[14] Wolfgang W. Wittwer: Die sozialdemokratische Schulpolitik in der Weimarer Republik. Berlin; 1980; S. 251 f.

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Seiten
12
Jahr
2004
Dateigröße
363 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v109179
Institution / Hochschule
Berufsakademie Sachsen in Breitenbrunn
Note
1,3
Schlagworte
Entwicklung Schulwesens Lehrerbewegung Jahren Weimarer Republik Pädagogik

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