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Operation Rolling Thunder - Der strategische Luftkrieg gegen Nordvietnam 1965-68

Hausarbeit (Hauptseminar) 2002 25 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Verzeichnis der Namen und Abkürzungen

Karte

Einleitung

1. Die Vorgeschichte bis zum Februar 1965
1.1. Die Planungen zur Eskalation
1.2. Der Tonkin-Zwischenfall
1.3. Die Entscheidung zum Bombardement
1.4. Auf dem Weg in die Eskalation

2. Beginn von Rolling Thunder und allmähliche Steigerung von Februar 1965 bis Frühsommer 1966
2.1. Vereinzelte Donnerschläge
2.2. Chance für Verhandlungen – die erste Bombenpause
2.3. Der Verlauf von Rolling Thunder während des ersten Jahres
2.4. Der „Dolch in den Rücken“ – die Rules of Engagement

3. Zielwechsel und POL-Kampagne von 1966 bis Frühling 1967
3.1. Die Zerstörung der Ölvorräte
3.2. Vom Falken zur Taube – McNamaras Kehrtwende
3.3. SAMs und MiGs – die Nordvietnamesische Gegenwehr

4. Angriff auf die Industrie 1967 bis März 1968
4.1. Das Bombardement erreicht seinen Höhepunkt
4.2. Die Generäle wollen mehr
4.3. Die Wende – Tet -Offensive und Belagerung von Khe Sanh

5. Das schrittweise Ende März 1968 bis November 1968
5.1. Die Einsätze südlich der bomb line
5.2. Die Bilanz von Rolling Thunder

Fazit

Bibliografie

Verzeichnis der Namen und Abkürzungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Karte

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(aus: Chinnery, Phil: Air War in Vietnam. London 1987, S.95.)

Einleitung

Wenige Jahre nachdem sich die Franzosen nach ihrer Niederlage bei Dien Bien Phu 1954 aus ihrer ehemaligen Kolonie Indochina zurückgezogen hatten und eine Teilung des Landes in Nord- und Südvietnam vollzogen worden war, rückte Südostasien immer mehr ins Blickfeld US-amerikanischer Außenpolitik. In Nordvietnam setzte sich rasch ein kommunistisches Regime durch, das durch seine Unterstützung für die ebenfalls kommunistischen Viet Cong (VC) Rebellen im Süden, Südvietnam zunehmend in Bedrängnis brachte. Bereits unter dem Präsidenten John F. Kennedy wurde bis Anfang der sechziger Jahre das US-Engagement zunächst durch Militärberater verstärkt, wobei der maßgebliche Grund für das Eingreifen der Amerikaner die Angst vor einer Ausbreitung des Kommunismus in ganz Südostasien war, falls Südvietnam fiele.

Nach dem Sturz der Regierung Ngo Dinh Diem im Jahr 1963 verschlechterte sich die Situation in Südvietnam kontinuierlich, woraufhin die USA ab 1964 direkt in den Krieg gegen den Viet Cong und Nordvietnam eintraten.

Parallel zur massiven Stationierung von Bodentruppen und deren Einsatz in Südvietnam begannen US Air Force und US Navy auf Befehl des Präsidenten Lyndon B. Johnson im Februar 1965 mit der kontinuierlichen strategischen Bombardierung Nordvietnams. Diese Aktion sollte dreieinhalb Jahre andauern und wurde bekannt unter dem Namen Operation Rolling Thunder.

Beendet wurde sie schrittweise bis November 1968. Während dieser Zeit gelang es Präsident Johnson nicht, die wohl eigentlich nicht beabsichtigte Eskalation des Krieges zu stoppen. Auch sein Nachfolger Richard Nixon sollte erst Jahre später das Ziel erreichen, die amerikanischen Truppen vollständig aus Vietnam abzuziehen, was allerdings den Fall Südvietnams und die Vereinigung beider Landesteile zu einem kommunistischen Staat zur Folge hatte.

Vorliegende Arbeit wird sich der Operation Rolling Thunder, einem speziellem Teil der US-Intervention, widmen und den Verlauf der Operation darstellen. Dabei werden zwei Bereiche im Mittelpunkt stehen: Neben der Betrachtung des militärischen Verlaufs von Rolling Thunder, seiner Einsätze, Ziele, Auswirkungen und einer Einschätzung des Erfolgs wird parallel die politische Entwicklung, das Verhalten der verantwortlichen politischen und militärischen Entscheidungsträger, ihre Beweggründe, Argumente und Entscheidungen Gegenstand dieser Arbeit sein.

Dazu stehen neben der (ausschließlich englischsprachigen) Sekundärliteratur[1] auch Quellen zur Verfügung, insbesondere in Form der Pentagon Papers sowie einer Edition des Schriftverkehrs aller beteiligten Akteure[2].

1. Die Vorgeschichte bis zum Februar 1965

1.1. Die Planungen zur Eskalation

Um die ersten Planungen der USA von Aktionen gegen Nordvietnam zu erfassen, sollte man sinnvollerweise im Jahr 1963 ansetzen. Auf Grund der sich stetig verschlechternden Situation in Südvietnam hatte es seit 1961 verdeckte Operationen gegeben, die sich auf den Krieg bis dahin nicht auswirkten. Während in Washington nun einige Politiker und Militärs nach offenen Attacken gegen den Norden riefen, beauftragten die Vereinigten Stabschefs (JCS) den kommandierenden General des Pazifikkommandos (CINCPAC) mit der Ausarbeitung eines Planes für verstärkte verdeckte Operationen. Dieser Operations Plan 34-A (OPLAN 34-A) wurde von den JCS im September gebilligt und von Präsident Johnson am 2. Januar 1964 genehmigt. Er sah U-2 Aufklärungsflüge, den Abwurf von Flugblättern, die Verbreitung von Radiosendungen sowie 20 Zerstörungsunternehmen innerhalb von zwölf Monaten vor[3].

Im März berichtete Verteidigungsminister Robert McNamara während einer Reise nach Südvietnam über die Situation vor Ort, wobei er auch die Ergebnisse einer Arbeitsgruppe zur Erhöhung des Drucks auf Nordvietnam in seinen Report einfließen ließ. Präsident Johnson genehmigte diesen als National Security Action Memorandum (NASAM) 288[4], das unter anderem „eliminating North Vietnamese control and direction of the insurgency“[5] vorsah.

Für die JCS war dies der Startschuss für die Planungen einer Bombenoffensive gegen Nordvietnam. Bis April stellten sie eine Liste mit 94 herausragenden Zielen wie Brücken, Eisenbahnlinien, Kasernen, Depots, Flugplätzen und Kraftwerken zusammen, die in zwei bis drei Wochen zerstört werden sollten. Die Generäle setzten auf eine kurze, massive Aktion, die im Norden eine Schockwirkung auslösen und Verhandlungsbereitschaft erreichen sollte[6].

Zunächst wurden allerdings weiterhin nur die Unternehmen nach OPLAN 34-A weitergeführt, unter anderem auch von südvietnamesischen Schnellbooten gegen Marineeinrichtungen der Demokratischen Republik (Nord-)Vietnam (DRV). Einer dieser Angriffe wurde vermutlich zum Auslöser des Ereignisses, das die endgültige Wende hin zur Eskalation brachte.

1.2. Der Tonkin-Zwischenfall

Über die Geschehnisse in den Nächten vom 2. und 4. August 1964 gibt es unterschiedliche Darstellungen, so dass man sich für gesicherte Aussagen auf die übereinstimmenden Fakten beschränken muss. In den letzten Julitagen hatte die Südvietnamesische Marine im Rahmen von OPLAN 34-A zwei Inseln des Nordens angegriffen. Am 2. August lief der Zerstörer USS Maddox auf einer sogenannten DESOTO-Aufklärungspatrouille in den Golf von Tonkin, bei der DRV-Stellungen ausgemacht werden sollten. Als sich drei nordvietnamesische Schnellboote näherten, eröffnete die Maddox das Feuer. Ob die PT-Boote das US-Schiff nur aufklären oder in der Annahme, es handle sich um ein südvietnamesisches Boot, angreifen wollten, ist nicht eindeutig geklärt. Zusammen mit Luftunterstützung vom Flugzeugträger USS Ticonderoga konnten eines der Boote versenkt und die beiden anderen beschädigt werden. Die Maddox erhielt nur einen MG-Treffer. Zur Verstärkung wurde ein zweiter Zerstörer, die USS Turner Joy in den Golf beordert und zwei Nächte später glaubten die Kriegsschiffe während eines Gewitters erneut Ziel eines Angriffs zu sein. Die zur Unterstützung aufgestiegenen Piloten sagten später allerdings übereinstimmend aus, nichts gesehen zu haben, auch Schäden wurden nicht festgestellt[7].

Die Reaktion Johnsons erfolgte in doppelter Weise. Zum einen ließ er unter dem Codenamen Pierce Arrow bereits am folgenden Tag einen massiven Vergeltungsschlag gegen nordvietnamesische Häfen und Treibstofflager fliegen, was die erste offene Militäraktion in der DRV darstellte. In Washington legte er dem Kongress die sogenannte Tonkin Golf Resolution vor, welche das Parlament mit nur zwei Gegenstimmen billigte. Sie gestattete dem Präsidenten energische Maßnahmen zum Schutz der US-Truppen zu ergreifen und wurde von der US-Administration als de facto Kriegserklärung angesehen[8].

[...]


[1] Dabei ist zu berücksichtigen, dass diese zum Teil von Veteranen oder beteiligten Politikern stammt und dass die US-Geschichtsschreibung eine andere Sichtweise auf das Thema Krieg als Mittel der Politik hat.

[2] Gemeint sind die beiden Werke The Pentagon Papers. As published by the New York Times und Lyndon B. Johnson’s Vietnam Papers, siehe Bibliografie.

[3] Vgl.: Thompson, James C.: Rolling Thunder. Understanding Policy and Program Failure. Chapel Hill 1980, S. 15-17.

[4] Vgl.: Gallucci, Robert L.: Neither Peace nor Honor. The Politics of American Military Policy in Viet-Nam (Studies of International Affairs No. 24). Baltimore, London 1975, S. 37.

[5] Zit. nach: Clodfelter, Mark: The Limits of Air Power. The American Bombing of North Vietnam. New York, London 1989, S. 45.

[6] Vgl.: Smith, John T.: Rolling Thunder. The American Strategic Bombing Campaign Against North Vietnam 1964 – 68. Walton on Thames 1994, S. 30 und S. 34f.

[7] Zur Schilderung des Vorfalls, vgl.: SMITH (wie Anmerkung 6), S. 35-38. Sowie: Chinnery, Phil: Air War in Vietnam. London 1987, S. 52.

[8] Vgl.: Gelb, Leslie H. / Betts, Richard K.: The Irony of Vietnam. The System Worked. Washington, D.C. 1979, S. 100ff.

Details

Seiten
25
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638172172
ISBN (Buch)
9783638641647
Dateigröße
526 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v10915
Institution / Hochschule
Universität Stuttgart – Historisches Institut
Note
1,7
Schlagworte
Vietnamkrieg; Johnson; Luftkrieg

Autor

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Titel: Operation Rolling Thunder - Der strategische Luftkrieg gegen Nordvietnam 1965-68