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Die Oberflächengestalt der Erde in der Wahrnehmung von Kindern

Hausarbeit 2000 41 Seiten

Didaktik - Germanistik

Leseprobe

Inhaltsangabe:

I) Berge und Täler:
I.I.) Berge
I.1) Die Faltengebirge
I.1.1) Die Entstehung
I.1.2) Drei große Phasen der Entstehung
a) die Kaledonische Gebirgsbildung
b) die Variskische Gebirgsbildung
c) die Alpidische Gebirgsbildung
I.2) Die Bruchschollengebirge
I.3) Die Vulkane
I.4) Die Staukuppen
I.I.I) Die Verwitterung
I.I.I.1) Die physische Verwitterung
I.I.I.2) Die chemische Verwitterung
I.II) Täler
I.II.1) Geomorphologischer Zyklus
I.II.2) Talprofile

II) Zeugen des Bergbau: Die Geschichte des Siegerländer Erbergbaus
II.I) ... in der Zeit von 500 bis 100 v.Chr.: la-Tene-Periode
II.II) Siegerländer Erzbergbau in der Zeit von 1000 bis 1860
II.III) Die Bedeutung des Haubergs für den Erzbergbau und die Verhüttung
II.IV) Die Entwicklung des Siegerländer Erzbergbaus nach 1861
II.V) Die Entwicklung mit Beginn des Ersten Weltkrieges
II.VI) Die Situation heute
II.VII) Abschließende Unterteilung der Entwicklung des Erzbergbaus im
Siegerland

III) Gesteine und Erze im Siegerland:
III.I) Einführung
III.II) Erze mit wirtschaftlicher Bedeutung
III.III) Erze mit geringer wirtschaftlicher Bedeutung

IV) Eisenerz, dessen Verarbeitung und das Aufsuchen von Lagerstätten:
IV.I) Allgemeines zum Eisenerz
IV.II) Weiterverarbeitung des Eisenerzes
IV.III) Das Aufsuchen und Erkunden von Lagerstätten
IV.IV) Abschließende Ergänzungen zum Eisenerz

V) Die Auswirkungen der Klimaveränderung (Spuren der Kaltzeit):
V.I) Eiszeit oder lieber Kaltzeit ?!
V.II) Wie sah die Erde in der „Eiszeit“ aus ?!
V.III) Wie lange dauerte das Eiszeitalter ?!
V.IV) Die Ursachen der Eiszeit
V.V) Bis wohin lag Deutschland unter Eis ?!
V.VI) Die Klimaschwankungen der Kaltzeiten
V.VII) Wann herrschte in Süddeutschland subtropisches Klima ?!
V.IIX) Welche Bäume kehrten zuerst in die Heimat zurück ?!
V.IX) Was ist die Pollenanalyse ?!
V.X) Wozu dient die Radiokarbonmethode ?!
V.XI) Welche Tiere lebten in der Eiszeit bei uns ?!
V.XII) Wann ging die letzte Eiszeit zu Ende ?!
V.XIII) Die nächste Kaltzeit kommt bestimmt

VI) Das Inlandeis über Europa:
VI.I) Eine Aufzählung der letzten großen Kalt.,bzw. Warmzeiten

VII) Die Gletscher während der Kaltzeiten und heute:
VII.I.1) Bildung von Gletschern
VII.I.2) Aufbau und Gliederung eines Gletschers
VII.I.3) Die Bewegung des Gletschers
VII.I.4) Die Gletscher verändern ihr Aussehen
VII.II) Gletscher formen Landschaften
VII.III) Einige Zusätze zu den Gletschern
VII.III.1) Verschiedene Gletschertypen
VII.III.2) Allgemeines zu den Gletschern
VII.III.3) Das Beispiel „ Porta Westfalica “ in NRW

IIX) Quellen, Flüsse, Seen:
IIX.I) Quellen:
IIX.I.1) Unterscheidung von Quellen
IIX.I.1.1 ) Schüttungsrhytmus
IIX.I.1.2) Fließrichtung
IIX.I.1.3) Physikalische und chemische Eigenschaften
IIX.I.2) Nutzung von Quellen
IIX.II) Flüsse:
IIX.II.1) Zur Bildung eines Flusses
IIX.II.2) Flußsysteme
IIX.II.3) Flußtypen
IIX.II.4) Autochthone und allochthone Flüsse
IIX.II.5) Gewässersystemarten
IIX.II.6) Flußbettveränderung
IIX.III) Seen:
IIX.III.I) verschiedene Definitionen von See
IIX.III.2) Geomorphologische Grundbedingungen für die Seenbildung
IIX.III.3) Verschiedene Seenbildungsformen
IIX.III.4) Der Wasserhaushalt von Seen
IIX.III.5) Zusätzliche Information zu den Seen

IX) Zeugen der Vulkanzeit:
IX.I) Eine kurze Reise mit den Kontinenten
IX.II) Ein kurzer Blick in das Innere der Erde
IX.III) Geysire, Springende Quellen und heiße Fontänen
IX.IV) Hot Spots – Heiße Punkte der Erde
IX.V) Wie Vulkane funktionieren
IX.V.1) Die Entstehung
IX.V.2) Magma
IX.V.3) Der Vulkanaufbau
IX.V.4) Der Ausbruch
IX.V.5) Die Vulkanformen
IX.VI) Vulkanische Formen in der Eifel
IX.VII) Vom Nutzen der Vulkane
IX.VII.1) Fruchtbarkeit der Böden
IX.VII.2) Stromerzeugung
IX.VII.3) Kohlensäure
IX.IIX) Allgemeines zu den Vulkanen

X) Karstformen:
X.I) Definition von Karst
X.II) Korrosion
X.III) Karstformen
X.IV) Oberflächenformen der Karstgebiete (Exokarst)
X.V) Karsthydrographie (Endokarst)
X.VI) Karsthöhlen
X.VII) Sinter
X.IIX) Allgemeines

XI) Böden im Mittelgebirge / Bodenbildung:
XI.I) Definition des Begriffs „Boden“
XI.II) Zur Bodenbildung
XI.II.1) Die Verwitterung
XI.II.2) Bodenbildungsfaktoren
XI.III) Bodensystematik
XI.III.1) Systematik
XI.III.2) Textur / Bodenart
XI.III.3) Profil (Horizonte)
XI.IV) Böden Mitteleuropas
XI.V) Bodenverteilung in Deutschland

XII) Literatur

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

I.) Berge und Täler :

I.I) Berge :

Als Berg bezeichnet man in der Regel Erhebungen von mindestens 600m Höhe. Sie unterscheiden sich in Umfang, Höhe, Aufbau, Form und Flora. Je nach Alter, bzw. ihrem Zeitpunkt der Entstehung, und ihrer Geschichte ändert sich auch ihr Aussehen.

Die Entstehung der Gebirge, welche ca. ein Viertel unserer Erdoberfläche ausmachen, ist ein Prozeß der sich über viele Millionen Jahre erstreckte und bis heute andauert.

Man unterscheidet vier verschiedene Gebirgs- bzw. Bergtypen, die sich im Laufe der Erdgeschichte gebildet und geformt haben:

1.) Faltengebirge
2.) Bruchschollengebirge
3.) Vulkane
4.) Staukuppen

I.1.) Die Faltengebirge:

1.1) Zu der Entstehung der Faltengebirge gibt es zwei Möglichkeiten.

Diese seien hier im Folgenden kurz dargestellt:

a) Faltengebirge können entstehen durch das Zusammenstoßen zweier Kontinentalplatten, wobei das dazwischen liegende Gesteinsmaterial gefaltet und dabei langsam nach oben gedrückt wird, so geschehen z.B. bei den Alpen oder auch im Himalaja.

b) Faltengebirge können entstehen durch die sogenannte Orogenese.

In diesem Fall geht der Gebirgsbildung eine Sedimentationszeit voraus, also eine Zeit, in der sich die im Wasser enthaltenen Partikel auf dem Grund ablegen. Hier haben sich in Millionen Jahren Meeresablagerungen, hauptsächlich von Sanden und Tonen gebildet. Daraus entstehen die sogenannten Sedimenttröge (oder auch Geosynklinalen), in denen sich dann größere Mengen von Sedimentgesteinen ansammeln.

Die meist von einem Meer gelieferten Schuttmassen erlangen im Laufe der Zeit immer größere Mächtigkeit, so dass sie durch ihr Gewicht und damit durch ihren Druck zu einem Einsinken der Sedimenttröge beitragen.

Schließlich kommt es durch diesen enormen Sedimentationsdruck zu seitlichen tektonischen Bewegungen.

Wenn nun der Boden des Ozeans unter einen Kontinent gedrängt wird, so wird das in den Sedimenttrögen (oder auch Geosynklinalen) befindliche Gesteins- und Schuttmaterial zusammengestoßen und zu Faltenwülsten aufgetürmt, welche dann letztlich das Faltengebirge darstellen.

I.1.2) Drei große Phasen der Entstehung

In Europa lässt sich die Entstehung der Faltengebirge in 3 große Phasen einteilen:

a.) die Kaledonische Gebirgsbildung:

Sie beginnt im Kambrium, also vor ca. 550-600 Mio. Jahren und reicht bis ins Ordovizium, vor ca.400-500 Mio. Jahren. Die Hauptfaltung des kaledonischen Gebirges erfolgt gegen Ende des Ordoviziums und erreicht ihren Höhepunkt zum Ausgang des Silurs, also vor ca. 440 Mio. Jahren. Vom kaledonischen Gebirge sind heute noch die Faltengebirgsreste im nördlichen Europa erhalten, genauer: in Irland, Mittelengland, Schottland und in Skandinavien.

b.) die Variskische Gebirgsbildung:

Sie beginnt im Devon, also vor ca. 400 Mio. Jahren, und hatte ihre Hauptfaltung im Karbon, vor ca. 320 Mio. Jahren. Sie erreichte ihren Höhepunkt zu Beginn des Perm, vor ca. 260-270 Mio. Jahren. Die Faltengebirge der variskischen Gebirgsbildung (z.B. das Französische Zentralmassiv oder das Rheinische Schiefergebirge) treten heute noch als Rumpf- oder Bruchschollengebirge in Erscheinung.

c.) die Alpidische Gebirgsbildung:

Sie beginnt im Trias, vor ca. 220 Mio. Jahren und erreicht ihren Höhepunkt zwischen Oberkreide, vor ca. 100 Mio. Jahren und Jungtertiär, vor ca. 70 Mio. Jahren.

Die Pyrenäen, die Alpen, die Karpaten, der Balkan und einige andere Gebirge gehören dieser Gebirgsbildungsperiode an.

Zwischen allen Phasen, dies sei hier noch kurz erwähnt, hat es stets Phasen der Ruhe gegeben, in denen die Tätigkeit der Gebirgsbildung ruhte.

I.2.) Die Bruchschollengebirge:

Diese Gebirge entstehen durch die sogenannte Bruchtektonik.

Bruchtektonik, das bedeutet, dass tektonische Bewegungen, also Bewegungen der Erdplatten, an den konsolidierten, den festen Teilen der Erdkruste ansetzen und somit die Kruste dieser Erdteile in Schollen zerbrechen, bzw. sie versetzen. Die Schollen sind dabei durch Bruchlinien (bzw. Verwerfungslinien) voneinander getrennt.

Bevor jedoch solch ein Bruch entstehen kann, muss es zunächst zu einer Art Verbiegung in der Kruste kommen, der sogenannten Flexur.

Flexur, das ist die einfachste Art einer tektonischen Lagerungsstörung, bei der die Gesteinsschichten verbogen werden, wobei weder Faltungs- noch Bruchvorgänge auftreten. Es erfolgt lediglich eine Art Zerrung der Schichten, die dann jedoch, je nach Intensität der Zerrung, in „Brüche“ übergehen kann, wenn die Schichten der Belastung nicht mehr Stand halten können.

In der Regel dünnen die Gesteinsschichten im Bereich der Flexur etwas aus.

Flexuren sind, so lässt sich sagen, Vorstufen des Bruches.

Schollengebirge entstehen letztendlich, wenn die bereits zerbrochenen Erdschollen durch starke, seitliche Druckeinwirkung mehr oder weniger en bloc herausgehoben werden, bis sie die Größe von Gebirgen erreichen.

Dies ist z.B. beim Rheinischen Schiefergebirge oder beim Harz so geschehen.

I.3.) Die Vulkane:

Vulkane entstehen, wenn sich um eine sogenannte Erruptionsstelle herum, also der Stelle, an der die flüssige Lava aus dem Erdreich empor tritt, eben diese zusammen mit der Asche zu einem Kegel ansammeln.

I.4.) Die Staukuppen:

Staukuppen entstehen, wenn heißes, vulkanisches Material vom Erdinneren nach oben, aber nicht bis an die Erdoberfläche dringt, sondern von den obersten Gesteinsschichten gebremst wird. Diese Gesteinsschichten werden dabei kuppelartig nach oben gedrückt, wodurch an der Erdoberfläche eine Art Hügel entsteht.

I.I.I) Die Verwitterung:

Im Laufe der Erdgeschichte verändern die Gebirge ihre Form. Dabei spielt der Verwitterungsprozeß wohl eine der wichtigsten Rollen.

Man unterscheidet hier zwischen zwei Formen der Verwitterung:

1.) die physische Verwitterung und
2.) die chemische Verwitterung.

Beide Verwitterungsformen seien nachfolgend kurz dargestellt.

I.I.I.1) Die physische Verwitterung:

Bei der physischen Verwitterung wird das Gestein mechanisch zerkleinert.

Dabei gibt es drei typische Formen der physischen Frostverwitterung.

a) die Isolationsverwitterung:

Die Gesteinsoberfläche heizt sich durch Sonneneinstrahlung sehr stark auf.

Durch die Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht oder durch plötzlichen Niederschlag kommt es zur Absprengung von Teilen des Gesteins in unterschiedlich dicker, schalen- oder schuppenförmiger Weise.

b) die Frostverwitterung:

Wasser dringt in die Gesteinsporen ein, wo es sich zunächst sammelt. Durch das Gefrieren kommt es zu einer Vergrößerung des Volumens, wobei Druck auf das Gestein ausgeübt wird. Durch diesen Druck wird das Gestein in Blöcke zerlegt.

c) die Salzsprengung:

Ebenso wie bei der Frostsprengung, dringt auch hier Wasser in die Gesteinsporen ein, wo es sich sammelt. Bei der durch Wärme entstehenden Verdunstung kommt es zur Auskristallisation der gelösten Salze. Durch die dabei entstehende Volumenvergrößerung wird das Gestein zersprengt.

I.I.I.2) Die chemische Verwitterung:

Die chemische Verwitterung beruht im wesentlichen auf der Lösungsfähigkeit des Wassers. Hierbei werden die Minerale in ihrem Aufbau, ihrer Struktur verändert, wodurch dann letztlich das Gestein angegriffen und somit zersetzt und zerkleinert wird.

I.II) Täler:

Als Täler bezeichnet man langgestreckte Hohlformen in der Erdoberfläche, die von fließenden Gewässern durch die linienhaft einschneidende Kraft der Erosion gebildet werden, meist verbunden mit denudativer Hangabtragung (d.h. flächenhafte Abtragung des Bodens auf geneigten Flächen durch Massenbewegung verwitterten Materials).

I.II.1) Geomorphologischer Zyklus:

Bei reichlich Niederschlägen vermag nicht alles Wasser in den Boden einzudringen.

Statt dessen fließt vielmehr ein Teil dieses Wassers dem natürlichen Gefälle folgend oberirdisch ab. Bedingt durch die Schwerkraft schneidet sich das fließende Wasser in die Erdoberfläche ein, es erodiert.

Die Intensität, mit der dies geschieht, ist vom Gefälle (= Erosionsbasis) und von der Wassermenge abhängig.

I.II.2) Talprofile:

Es gibt unterschiedliche Talprofile:

a) Klamm:

Die Teilhänge sind sehr steil, schmal und tief. Die Tiefenerosion des Flusses ist

sehr kräftig und geschieht in einem verhältnismäßig kurzen Zeitraum.

Es gibt kaum Hangdenudation, was heißt, das die Seitenhänge zur linken und rechten des Flusses kaum an Material verlieren.

b) Schlucht:

Bei einer Schlucht handelt es sich um ein enges Tal mit leicht abgeschöpften Wänden. Die Tiefenerosion ist, ähnlich der Klamm sehr stark. Allerdings gibt es eine geringe Hangdenudation die in Form von Abbrüchen stattfindet.

c) Canyon:

Ein Canyon ist aufgebaut wie eine Schlucht. Der Unterschied zu ihr besteht allerdings darin, dass die Hänge in einer Art „Treppenform“ aufgebaut sind.

d) Kerbtal:

Bei einem Kerbtal handelt es sich um ein Erosionstal, welches sich durch einen V-förmigen Querschnitt auszeichnet. Dabei ist die Talsohle identisch mit dem Wasserbett des Flusses, dessen charakteristisches Hauptmerkmal widerrum eine starke Tiefenerosion ist.

Aufgrund von Seitenerosion gibt es, anders als bei den hier zuvor benannten Talformen eine relativ starke Hangabtragung.

e) Muldental:

Das Muldental ist die am weitesten verbreitete Talform in unseren Regionen. Sie zeichnet sich vor allem durch eine starke Hangdenudation mit großer Materialzulieferung aus, welches von dem das Tal durchfließende Fluß nicht gänzlich abtransportiert werden kann.

Bei einem Muldental gibt es kaum Seitenerosion.

f) Sohlenkerbtal:

Das Sohlenkerbtal ist prinzipiell identisch zum Kerbtal aufgebaut und hat die identischen Charakteristika, die jedoch von dem Charakteristikum der zusätzlichen Akkumulation, also der zusätzlichen Ablagerung von Gesteinsmaterial, ergänzt werden.

g) Sohlental:

Ein Sohlental entsteht durch Seitenerosion, die nach dem Aussetzen der Tiefenerosion auftritt. Ein wesentliches Merkmal des Sohlentales ist die starke Akkumulation, die große Mengen Material aufhäufen lässt.

Ein weiterer Wesenszug des Sohlental ist die Tatsache, das die Tiefe des Tales stets geringer ist, als seine Breite.

h) Kastental:

Das Kastental ist ein gesteinsbedingter Sonderfall aus Sohlental, also einem Tal mit starker Akkumulation, geringer Tiefe, großer Breite und Seitenerosion, und Schlucht, also einem engen Tal mit starker Tiefenerosion und leicht abgeschöpften Wänden.

Bei einem Kastental gibt es sowohl eine starke Tiefenerosion, als auch eine starke Seitenerosion. Zugleich kommt es häufig zur Sturzdenudation an den Seitenhängen.

i) Wannental:

Das Wannental ist eine Mischung aus Muldental und Sohlental, also aus einer Talform die sich durch starke Hangdenudation mit großer Materialzulieferung, kaum Seitenerosion und der Tatsache, dass der Fluß das Material nicht gänzlich abtransportieren kann auszeichnet und einer Talform, deren wesentliche charakteristischen Merkmale eine starke Akkumulation, starke Tiefenerosion und starke Hangabtragung sind.

Bei einem Wannental kommt es somit zu einer starken Hangdenudation mit großer Materialzufuhr, welches vom Fluß nicht vollständig abtransportiert werden kann, wodurch sich das Material im und am Flußbett akkumuliert.

Im Laufe des Tallängsprofiles treten in der Natur mehrere Talprofile auf.

II. Zeugen des Bergbau: Die Geschichte des Siegerländer Erzbergbaus

In den letzten fünf Jahrhunderten konnten Hunderte von vorgeschichtlichen und frühmittelalterlichen Verhüttungs- und Siedlungsplätze durch Spatenforschung freigelegt werden.

Siegen spielt hierbei eine große Rolle. Die Stadt wird bezeichnet als wichtigste Eisenlagerstätte Europas und „Wiege der deutschen Eisenverhüttung und Eisenverarbeitung“

II.I) ... in der Zeit von 500 bis 100 v.Chr.: La-Tene-Periode

Um 500 v.Chr. kamen die ersten Einwanderer (Kelten) in das Siegerland. Sie brachten bereits einige Vorerfahrung zur Eisenverhüttung aus dem Süden mit, wodurch sie auch Eisenhüttenmänner genannt werden. Im Siegerland fanden sie geradezu ideale Bedingungen zur Gewinnung und Verhüttung von Eisenerz vor.

Es gab Eisensteingänge, die an die Tagesoberfläche traten und ihnen manganhaltiges Eisen lieferten.

Die dichten Wälder ringsherum boten genügend Holz zur Holzkohlegewinnung und zahlreiche Bäche am Oberlauf der Sieg spendeten das notwendige Wasser zur Verhüttung .

Zu dieser Zeit siedelten die Kelten überwiegend an den Hängen der Berge, in der Nähe zu ihren Erzgängen und Rennöfen.

Sie waren zu dieser Zeit vor allem bemüht, bessere technische Erkenntnisse zur Eisenverhüttung zu gewinnen, um die Produktion von Eisen so stark zu vereinfachen und zu erleichtern, wie es eben möglich war.

Um ca. 200 v.Chr. schien die Verhüttung trotz inzwischen verbesserter Schmelzöfen vorübergehend aufgehört zu haben, vermutlich wohl wegen Holz, bzw. Holzkohlemangels.

In den Jahrhunderten bis ca. 900 v.Chr. wurden keine neuen Entdeckungen mehr gemacht, die die Produktion von Eisen erleichtert hätten, wodurch diese Zeit heute auch die „leeren Jahrhunderte“ genannt wird.

II.II) Siegerländer Erzbergbau in der Zeit von 1000 bis 1860:

Im Jahre 1298 wird der Siegerländer Erzbergbau zum erstmals urkundlich erwähnt (Grube „Ratzenscheid“ bei Wilnsdorf).

Das nach heutigen Erkenntnissen wohl älteste und zugleich auch berühmteste Eisensteinbergwerk ist nach urkundlichen Beweisen der „Müsener Stahlberg“

In der Zeit bis 1300 n.Chr. blüht der Eisenerzbergbau im Siegerland erneut auf. Diese Zeit ist geprägt vom Übergang des Pingen- zum Stollenbergbaus.

Von Bedeutung war auch die Nutzung der Technik des Wasserradantriebs für die Gebläse der Schmelzöfen, welche durch die Kreuzzüge bekannt wurde (ein Beispiel dafür ist die „Mashütte“ im Siegerland um 1311).

Diese Technik jedoch hatte zur Folge, dass die Hüttenleute gezwungen waren, ihre Werkstätten von den Hängen in die Täler, an Bach und Flußläufe zu legen, um die Kraft des fallenden Wassers nutzen zu können und somit die Blasebälge zu betreiben (diese wurden bisher mit Händen und Füßen der Arbeiter betrieben).

Nachteilig war allerdings, dass die Wasserkraft eine große Abhängigkeit verursachte. So waren im Winter die Bäche oft zugefroren und im Sommer oft ausgetrocknet, so dass ein Weiterarbeiten dadurch unmöglich wurde.

1468 konnten mit Hilfe des Rohrgusses erste Wasserleitungen erstellt werden.

Ende des 15. Jahrhunderts gab es die ersten Hochöfen.

1530 wurden die ersten Bergordnungen für das Fürstentum Siegen erlassen.

1818 wurde die erste Bergschule gegründet.

1852 wurden schließlich die ersten dampfbetriebenen Tiefbauanlagen in Betrieb

genommen. Damit konnte mit dem Bau von Schächten begonnen werden.

II.III) Die Bedeutung des Haubergs für den Erzbergbau und die Verhüttung:

Der Hauberg ist eine Forstwirtschaftsform, welche im Jahre 1447 erstmals erwähnt wird.

Er nimmt wegen des hohen Holzkohlebedarfs in der damaligen Zeit einen großen Anteil der gesamten Fläche des Siegerlandes ein. Der Hochwald entwickelt sich in dieser Zeit zu einem Niederwald.

Im Jahre 1861 nimmt die Deutz-Gießener Eisenbahn und die Ruhr-Sieg-Bahn ihren Dienst auf, wodurch der Hauberg an Bedeutung verliert, da die Ruhr-Sieg-Bahn Koks aus dem Ruhrgebiet in das Siegerland transportiert, teilweise sogar bis direkt vor die Werkstore. Zu dieser Zeit werden nur noch gut 5% des Stahls mit Hilfe der Holzkohle erzeugt.

(siehe Lück, 1959, S.37-39)

II.IV) Die Entwicklung des Siegerländer Erzbergbaus nach 1861:

Durch die vorangegangene Inbetriebnahme der Eisenbahnverbindungen in das Ruhrgebiet steigt der Transport von Erz zwischen 1860 und 1870 um das fünffache an.

Der Abtransport der Erze in das Ruhrgebiet ist inzwischen günstiger als das Heranschaffen von Kohle und Koks in das Siegerland.

Daher ist es nur logisch, dass die Verhüttung teilweise an der Ruhr und teilweise an der Sieg erfolgt.

Zugleich kann in dieser Zeit durch die Entwicklung neuer Produktionsverfahren und technischer Hilfsmittel (z.B. Grubenbahn) die Förderung der Erzmenge stark gesteigert werden.

Allerdings machen sich inzwischen auch erste Absatzschwierigkeiten bemerkbar.

Das Sterben des Siegerländer Erzbergbaus setzt langsam ein, teilweise begünstigt durch das Heranschaffen ausländischer Erze.

Auch ist die Erzgewinnung im Siegerland seit Jahren teurer geworden. Die technische Entwicklung kostet große Summen. Aus Rentabilitätsgründen gibt es daher die ersten Stillegungen.

II.V) Die Entwicklung mit Beginn des Ersten Weltkrieges:

Die Förderung der Siegerländer und Westerwälder Erzgruben erreicht zu dieser Zeit ihren Höhepunkt. Das Erz wird zur Waffenproduktion dringend benötigt.

Nach dem Ersten Weltkrieg stagniert das Wachstum und kehrt sich schließlich um. Es kommt wieder zu Stillegungen. Zu Zeiten der Weltwirtschaftskrise erreicht die Produktion ihren Tiefstpunkt. Am 31.03.1931 wird im „Müsener“ Stahlwerk die letzte Schicht gefahren.

1932 gibt es im Siegerland nur noch 2200 Beschäftigte im Bergbau.

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges bessert sich die Situation wieder. Das Siegerland wird als Erzlieferant wieder interessant, da zu dieser Zeit nicht auf ausländische Erze zurückgegriffen werden kann.

Somit werden das Siegerland und der Westerwald die größten Manganerz-Lieferanten für das Deutsche Reich.

Die Jahresfördermenge beträgt zu dieser Zeit zwischen 1,6 und 1,7 Millionen Tonnen. Die dafür zusätzlich eingesetzten Arbeitskräfte waren oft Ukrainer und russische Gefangene.

Die Gruben bleiben von der Zerstörung verschont, jedoch wird der Erzversand erheblich gestört und verzögert, da die Arbeiter an den Bahnhöfen Aufräumungsarbeiten leisten müssen.

Das Wirtschaftswunder der fünfziger Jahre geht an den Siegener Erzgruben spurlos vorüber. Auf das ausländische Erz kann wieder zurückgegriffen werden.

Hinzu kommt die Sorge um die Erschöpfung der hiesigen Erzgruben.

1953 wird die Erzbau Siegerland AG gegründet, die sich fortan um den Absatz des Erzes und um Kostenersparnis bemüht. Sie ist ein Zusammenschluß aus 3180 eigenständigen Grubenfeldern.

Jedoch kann auch sie die Situation nicht ändern. So bricht im Jahre 1954 der Erzabsatz ein.

Die hohen Selbstkosten (z.B. für die Versorgung mit Wasser) führen zu einer Reihe von Entlassungen.

Erschwerend kommt noch hinzu, dass ein großer Teil der geförderten Spatsorten von minderwertiger Qualität sind und sich somit nur schwerlich Käufer finden lassen.

Zwar war das hiesige Erz gold- und silberhaltig, jedoch war der Anteil (5 bis 10 Gramm Gold und ca. 30 Gramm Silber pro geförderter Tonne Erz) zu gering, als dass man eine parallele Industrie hätte aufbauen können um den Bestand der Erzgruben zu sichern.

1965 wird die letzte Erzgrube des Siegerlandes geschlossen.

II.VI) Die Situation heute:

Heute gibt es in Siegen und Umgebung keine Hochöfen im klassischen Sinne mehr, so wie sie z.B. im Ruhrgebiet anzufinden sind.

Auch ist das Rohmaterial welches nunmehr verarbeitet wird nicht mehr das Erz, sondern Alteisen. In Siegen wird überwiegend altes Material recycled.

Die dafür nötige Energie wird nicht mehr durch Koks oder Kohle geliefert, sondern sie kommt in Form von Strom aus den Braunkohlegebieten der weiteren Umgebung.

Die Öfen welche heute verwendet werden sind sogenannte UHP- Öfen (UltraHighPower).

Wurde früher mit einem enorm hohen Energieaufwand und mit hohen Emissionswerten Stahl erzeugt, wodurch die Luftqualität in und um Siegen oft sehr schlecht war, so wird heute der Stahl umweltverträglich hergestellt.

Das Konzept der klassischen Hochöfen ist den sogenannten Röstöfen gewichen, in denen das Erz, bzw. das sonstige Rohmaterial nicht mehr so stark erhitzt werden muss, wodurch sich viel Energie einsparen lässt und die Emissionswerte sinken.

War die Arbeit in den Hütten früher eine schwere Tätigkeit, die den Körper stark beanspruchte und schnell altern ließ, so wird heute die menschliche Arbeitskraft oftmals von Maschinen ersetzt.

Nachteilig für die Rolle des Siegerlandes als Stahlproduktions- und weiterverarbeitungs-standort ist die fehlende Anbindung an ein Wasserstrassennetz.

Heutzutage ist die Nähe zu Fluß oder Küste nahezu unabdingbar in der Stahlindustrie, da so ein schneller, unkomplizierter, umweltschonender, sicherer und vor allem kostenfreundlicher Weitertransport der oftmals extrem großen und schweren Produkte, bzw. das Heranschaffen großer Mengen Rohmaterial sichergestellt wird.

Daher hat Siegen stark an Bedeutung in der Stahlindustrie verloren. Große Produktionskapazitäten sind hier nicht möglich, zum einen aufgrund der zuvor genannten fehlenden Anbindung an das Wasserstrassennetz, zum anderen, da sich die Siegener Produktionsstätten zu einem großen Teil in Wohngebietsnähe befinden und erforderliche ausreichend große und ebene Ausweichflächen nicht zur Verfügung stehen. Wie das Ruhrgebiet, so ist auch das Siegerland im Umbruch begriffen. Weg von der Produktion hin zur Dienstleitung. Jedoch hat die Stahlproduktion deutliche Spuren hinterlassen, deren Beseitigung noch einige Zeit beanspruchen wird.

II.VII) Abschließende Unterteilung der Entwicklung des Erzbergbaus im Siegerland:

Die Entwicklung des Erzbergbaus im Siegerland lässt sich grob in vier bedeutende Abschnitte einteilen.

1.) La-Tene-Zeit: erste Fundstelle von Verhüttungsöfen. (in Hallstadt/Österreich und in La Tene/Schweiz)
2.) Ende des Römischen Reiches, es folgt die Zeit der Germanen

Ab dem vierten Jahrhundert folgen die „Leeren Jahrhunderte“. Diese dauern an bis in das neunte Jahrhundert.

3.) Die Bedeutung der Wasserkraft nimmt zu und somit Einfluss auf den Erzbergbau.
4.) Das Zeitalter der Industrialisierung / Einführung der Dampfmaschine 1851

III.) Gesteine und Erze im Siegerland:

III.I) Einführung:

Die Gesteinsschichten des Siegerlandes sind durch Ablagerungen von Sanden und Tonen im Devon entstanden.

Sie verfestigten sich im Laufe der Zeit. Dadurch entstanden u.a. Grauwacke und Tonschiefer.

Das Hauptgestein des Siegerlandes ist die Grauwacke. Es ist ein Schicht-, bzw. Sedimentgestein.

Sedimentgesteine entstehen, wenn sich Substanzen aus dem festen Stein durch die chemische Verwitterung lösen und abtransportiert werden. Die zurückbleibenden Ablagerungen werden dann zum Sedimentgestein.

Im Karbon wurden die Gesteinsschichten durch Auffaltung zu den Gebirgszügen, die wir heute das Rheinische Schiefergebirge nennen.

Es kam erneut zu Ablagerungsprozessen, die schließlich Sättel und Mulden bildeten.

Dabei entstanden auch die sogenannten Gangspalten, welche mit unterschiedlichen Arten des Eisengesteins gefüllt waren und eine unterschiedliche Qualität des Erzes vorwiesen.

Die Einwirkung von Wasser und Luft führte zugleich zur Bildung verschiedener Sekundärmineralien.

[...]

Details

Seiten
41
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638172110
Dateigröße
448 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v10908
Institution / Hochschule
Universität Siegen – FB Geographie
Note
1
Schlagworte
Oberflächengestalt Erde Wahrnehmung Kindern

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Titel: Die Oberflächengestalt der Erde in der Wahrnehmung von Kindern