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Vorgeschichte, Umfeld, Hintergründe, Ursachen der Varusschlacht

Seminararbeit 2004 18 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

2. Einleitung

3. Gegebenheiten:
3.1 Die Römische Lebenswelt
3.1.1 an sich
3.1.2 im Norden des Reiches / in Germanien
3.2 Die germanische Lebenswelt
3.2.2 an sich
3.2.2 in Kontakt mit dem römischen Reich
3.3 Berührungen, Konfliktfelder

4. Politische Situation zur Varusschlacht:
4.1 Die Person und Rolle des Varus
4.2 Die Person und Rolle des Arminus

5. Konsequenzen:
5.1 Die zeitgeschichtliche Bedeutung
5.2 Die weltgeschichtliche Bedeutung

6. Zusammenfassung

7. Literaturverzeichnis.

2. Einleitung

Diese Arbeit soll Hintergründe und Ursachen zur Varusschlacht, im Endeffekt also zum Scheitern der augusteischen Germanienpolitik erörtern. Um diesen auf die Spur zu kommen, möchte ich erst einmal die Konfliktparteien, Römer und Germanen, darstellen, ihre Interessen und Motive herausarbeiten und so ein möglichst authentisches Bild von der politischen Situation in Germanien zu Zeiten des Arminius und Varus zeichnen.

Die Fragestellung soll nicht sein, wo die Varusschlacht stattfand und wer im Einzelnen welche Erfolge dadurch erlangt hat/hätte, sondern vielmehr, warum es überhaupt zur Schlacht kam und warum die römischen Legionen mit Varus an der Spitze in so missliche Lage geraten waren, dass sie sie so vernichtend verloren. Außerdem ist gerade die Person des Varus, allgemein als Schuldiger hingenommen, nähere Betrachtung wert – in welcher Lage war er, was hat er denn nun getan, um in diese Lage zukommen, und was, um hinaus zu kommen? Hätte er überhaupt herauskommen können?

Diese Fragen verlangen die vorhandenen Quellen, die zum größten Teil mit beträchtlichem Abstand vom Ereignis entstanden sind, genauer in Augenschein zu nehmen.

Tacitus hat mit seiner Darstellung der Feldzüge des Germanicus das Bild der Varusschlacht für Historiker über Jahrhunderte bestimmt, während die dramatischen (oder dramatisierten?) Ereignisse um den Kampf des Arminius zu einem guten Teil die nationale, nationalistische und nationalsozialistische Selbstverständniserklärung der Deutschen mitbildete bzw. in deren Dienst gestellt wurde. Dass die Cherusker, Sueben, Markomannen und wie auch immer rein gar nichts mit „den Deutschen“ zu tun haben, ist von den Geschichtswissenschaften inzwischen herausgearbeitet worden; dass die Ereignisse und Entscheidungen der damaligen Zeit allerdings bis in die heutige nachwirken, ebenfalls.

3. Gegebenheiten:

3.1 Die Römische Lebenswelt

3.1.1 an sich

Das Römische Reich, zu Augustus’ Zeiten auf dem Höhepunkt seiner Macht, das Weltreich[1], fußte in seinem Funktionieren vor allem auf einer in hohem Maße effektiven Organisation, sowohl seines Militärs als auch seiner Verwaltung und Aristokratie[2]. Die Kunst der Römer als Eroberer, ein an sich fremdes Gebiet in eine lukrative Provinz zu verwandeln, machte den uns noch beeindruckend erscheinenden Lebensstandart so mancher aus, bis hin zum unfassbaren Luxus der Superreichen. So hatte der Eroberungsdrang der römischen Imperatoren neben vielen anderen Aspekten auch stets mit möglichen „ökonomischen Interessen“ zu tun. Die Durchorganisierung gewaltiger Landstriche und gewaltsame Befriedung des allergrößten Teils ihres Reiches bedingte das Anlegen einer alle Lebensräume betreffenden Infrastruktur, sei es hinsichtlich exekutiver Verwaltungs- und Ordnungsmächte, Gerichtsbarkeit, zeit- und räumlich weitblickender Ökonomie, „Kulturexport“ und nicht zuletzt das berühmte römische Verkehrsnetz. Diese Dinge brachten den Bewohnern der römischen Provinzen natürlich nicht nur Vorteile; zwar konnten sie in begrenztem Maße an römischer Kultur partizipieren, jedoch waren für die hohen römischen Aristokraten ihre Provinzen in erster Linie Objekte der Ausbeutung. Eine Eroberung bzw. das Anlegen einer Provinz war also weniger eine Queste zur höheren Ehre der Götter als eine sicherheitspolitische Herausforderung und ökonomische Chance.

Rom stellte ein schlicht ungeheures Machtpotential in den Händen einiger weniger dar – das Heer der Kaiserzeit mit ca. 300.000 Mann war die größte stehende Streitmacht bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts und die größte Berufsarmee aller Zeiten.[3]

3.1.2 im Norden des Reiches / in Germanien

Nachdem Caesar Gallien erobert, in hochlukrative Provinzen verwandelt hatte und sich dieses recht große Gebiet schon geographisch als für die Römer günstig herausgestellte[4], war klar, dass sich das römische Reich nicht nur auf den Mittelmeerraum ausbreitete. Mittel- und Nordeuropa rückten immer stärker in das Interesse der Römer aus vielerlei Gründen. Während Caesar Germanien noch als formloses Grenzgebiet beschreibt[5], gewinnt die römische Vorstellung von Germanien in augusteischer Zeit zunehmend an Gestalt – zu der allgemeinen Schreckensvision aus unendlichen Sümpfen und feuchten Wäldern voller barbarischer Aggressoren[6] gesellte sich eine fortschreitende Kenntnis geographischer Orientierungspunkte, so dass trotz aller (für den kultivierten mediterranen Beobachter sicherlich abschreckenden) Unwirtlichkeit sich nach und nach Perspektiven öffneten. Jedoch geht aus eigentlich allen in verschiedenster Literatur genannten Quellen hervor, dass Germanien einerseits sehr verkehrsfeindlich und somit von der römischen Organisation schwer zu durchdringen und andererseits nie, auch in späterer Zeit nicht, den römischen Feldherren wirklich bekannt war[7].

Wichtiger als geographische Erkundung und aufwendige Einschätzung jeweiliger wie allgemeiner strategischer Lage waren für die Römer verlässliche eingeborene Partner, Stämme bzw. deren Oberste, die die schwierigen Situationen einzuschätzen wussten und so durch ihre ihnen selbstverständlichen Kenntnisse den Römern zu Hilfe sein konnten. In ein davon wirklich unabhängiges Stadium der Eroberung kamen die römischen Imperatoren in Germanien nie.[8]

3.2 Die germanische Lebenswelt

3.2.2 an sich

Unser Bild der Germanen wie es seit 500 Jahren, seit der Wiederentdeckung und Rezeption der antiken Autoren, aufgebaut wurde, ist seit einigen Jahren fast völlig zerstört worden. Nach diesem alten Bild existiert nördlich der Alpen und östlich des Rheins ein riesiges, zwar in klaren Stammesverhältnissen geordnetes, jedoch ansonsten mehr oder weniger homogenes Volk. Inzwischen jedoch ist die Wissenschaft zu dem Schluss gekommen, dass das so nicht gewesen sein kann; im Gegenteil: Weder einheitliche Kultur und Sprache noch sonst irgendein Zusammengehörigkeitsgefühl konnten jene unterschiedlichen Völker ihr eigen nennen.[9]

Da eine detaillierte Darstellung dieses Problems bereits diverse Bücher füllt und hier völlig fehl am Platze ist, sei die Bezeichnung „Germanen“ einfach als Sammelbegriff für all jene Völkerscharen gebraucht, die damals im Raum „Germania magna“, also zwischen Rhein, Weichsel, Donau, Nord- und Ostsee, besiedelten. Dort lebten zahlreiche größere und kleinere Stämme, die untereinander in flexibeln Bündnissen standen, die Koalitionen des Arminius ist hierfür ein Beispiel.[10]

Die Germanen bildeten eine Gesellschaft der Bauern und Krieger, es gab Vieh- und Feldwirtschaft und durchaus hochentwickelte Handwerke, sie siedelten verstreut und bildeten maximal Dörfer aus. Ihr Zusammenleben kannte keine Städte, Verwaltung oder geschriebene Gesetze, vielmehr ein ungeschriebenes Gewohnheits- oder Sittenrecht, in dessen Zentrum Familie oder Sippe stand (die unmittelbare Umgebung also), innerhalb derer unbedingter Frieden herrschen musste. Das ethische Denken zentralisiert sich auf die Ehre des Einzelnen wie aus die der Sippe. Geht sie verloren, muss sie wieder hergestellt werden, und zwar durch Rache – am besten durch die Sippe des Opfers an der Sippe des Täters. Aus dieser Ehre resultiert weiterhin die unbedingte Treue gegenüber einem Gefolgsmann – diese Treue erweißt sich als ungeheuer tragkräftig auch in schweren Konflikten[11]. Des weiteren gab es das Heil, eine Gunst der Götter jenseits des Glücks – und neben Ernte- Fisch- Fahrwind- und Wetterheil halt auch das Siegesheil – dem Anführer, der es besaß, folgten sie, fiel er, so flohen sie, verlor er es, so wurde er abgesetzt. Tacitus beschreibt in seiner Germania die Sittenstrenge und selbstverständliche Organisation der Germanen bewundernd und übertrieben verklärt, wohl um einen Kontrast zum Sittenverfall der römischen Gesellschaft zu bilden, jedoch redet er auch von der Faulheit, Streit- Trunk- und Spielsucht der Germanen, die, im Zusammenspiel mit dem harten Verständnis der Blutrache, eine ständige Selbstzerfleischung innerhalb der Stämme und zwischen ihnen nach sich zog[12]. In der Ordnung der Stämme gab es wohl keine feste Geburtsmonarchie, jedoch einige sehr angesehene Familien, die beinahe traditionell Führungskräfte hervorbrachten, eine Art Geburtsadel. Die Stämme waren nur sich selbst verpflichtet, nicht dem Land, sie konnten sich auf einer ständigen Wanderschaft befinden, was eine genau geographische Einordnung der Macht- und Einflussbereiche zu einem bestimmten Zeitpunkt nahezu unmöglich macht. Wie sich die politische Willensbildung vollzog ist recht unklar – Tacitus beschreibt so etwas wie eine unmittelbare Demokratie, was aus verschiedenen Gründen nicht praktikabel ist; vielmehr ist eine recht direkte Willenbildung innerhalb der Sippe je nach Einfluss und Ansehen der Einzelnen denkbar, die dann über Nachbarschaften bis hin in die großen Stammesversammlungen weitergetragen wurde. Auch ist von Königen (Marbod) und Fürsten (Arminius oder Segest) die Rede, die wohl eine herausragende Stellung bei diesen Versammlungen innehatten und als Anführer, jedoch nicht als totale Herrscher anzusehen sind. So bleibt nur noch die Religion kurz zu erwähnen: Sie war ein Mittelding zwischen der den Römern bekannten theoretischen Konstruktion eines Pantheons mit familiären Beziehungen und Konflikten unter verschiedenen Götten und einer Naturreligion ohne feste Tempel und standardisierte Verehrung. Allerdings gab es Priester, die Traditionen wahrten etc. – allerdings spielt Religion im Varuskonflikt annährend keine Rolle.[13]

3.2.2 in Kontakt mit dem römischen Reich

Spätestens nachdem Kimbern und Teutonen in den Jahren 120 bis 100 v. Chr. auf ihren Wanderungen mit den Römern Krieg geführt hatten (s.u.), ist damit zu rechnen, dass Römer und Germanen Kenntnis voneinander hatten, die über wage Handelsbeziehungen hinausging. Es wird gar vermutet, dass wenigstens in gewissem Maße ein regelrechter Kulturaustausch stattfand – bzw. ein Kulturimport in den germanischen Raum.

Bei seiner Expansion trifft das Römische Reich mit Caesars Truppen in Ostgallien wieder auf germanische Verbände[14] und hier beginnt auch die literarische Auseinandersetzung der Römer mit den Germanen, die schließlich 150 Jahre später in Tacitus’ Germania ihren Höhepunkt findet[15]. Laut Caesars Schilderung weiß der germanische Protagonist in diesem Konflikt, Ariovist, erstaunlich genau über römischen Verhältnisse bescheid und bemüht sich gar, politischen Druck auszuüben – was ja entsprechendes Verständnis des römischen Staates und Caesars individueller Position beweist[16]. Caesar jedoch siegt und gibt in der Folge beispiellose Machtdemonstrationen zum Besten, die ihm zweischneidigen Respekt bei den Germanen verschaffen: sie bewundern und fürchten seine Feldherrenkunst und rücksichtslose Entschlossenheit, gleichzeitig hassen sie ihn für seine Hinterlist und in ihren Augen unehrenhaften Verhalten: Während Verhandlungen über germanische linksrheinische Landnahme lässt Caesar einen gesamten Stamm samt Frauen und Kindern auslöschen. Er wird zwar für sein Verhalten offiziell vom Senat getadelt, was an der germanischen, nun verhärteten Sicht der Sachlage nichts mehr änderte – dieser Vorfall ist einer der schwersten, die in der Folgezeit immer wieder auf germanischer Seite als Vorwurf aufgegriffen wird[17]. Die Folge der Grenzfestlegung in Form des Rheins durch Caesar jedoch war ein reichhaltiger Austausch zwischen Römern und Germanen an Handelsgütern, Kultur und sogar Menschen: Es ist davon auszugehen, dass große (Rheinnahe) Teile der germanischen Oberschicht ihren Nachwuchs in Rom ausbilden ließ, der Handel blühte und die linksrheinischen Stammesverbände ließen sich ohne größere Schwierigkeiten romanisieren. Umgekehrt begann mit Caesars Darstellung in De Bello Gallico eine regelrechte Mode unter römischen Literaten, sich mit der germanischen Lebens- und Glaubenswelt auseinander zu setzen, germanische Sitten und Werte wurden glorifiziert und den Römern als Lehrstück hingehalten.[18]

Militärisch zeigt sich das Funktionieren römisch-germanischer Beziehungen sowohl im Vertrauen auf die unbedingte Treue, als ausschließlich Germanen die Leibwache des Augustus bildeten, als auch in der Reiterei der Römer, die lange Zeit nur aus germanischen Hilfstruppen bestanden hatte[19]

3.3 Berührungen, Konfliktfelder

Der erste Kontakt germanischer Stämme mit dem Römischen Reich findet um 120 v. Chr. statt, als große Verbände der Kimbern und Teutonen sowie allerlei Volksscharen Europa durchzogen, bei Noria 113 v. Chr. zwei Legionen allein durch ihre gigantische Masse zerschlugen, dann allerdings nicht in Italien einfielen, sondern nach Gallien, wo gleich weitere römische Heere geschlagen wurden[20]. Nach Teilung, Verheerung Resteuropas und Wiedervereinigung zogen die Germanen auf Rom, konnten jedoch dank inzwischen getroffener radikaler Gegenmaßnahmen in den Jahren 102 und 101 v. Chr. nicht nur geschlagen sogar beinahe vernichtet werden. Seit dieser Zeit herrschte einerseits ein ungeheurer Druck der germanischen Stämme von Norden nach Westen, Süden und Osten, andererseits ein an Angst grenzender gehöriger Respekt der Römer gegenüber den Germanen, der sich anderseits nur auf deren Gefahr für Rom bezieht – sie waren auch für den außerordentlich germanenfreundlichen Tacitus lediglich Barbaren.[21]

Wie schon gesagt, gelingt es in der Folgezeit Caesar, die Germanen zur Anerkennung der Rheingrenze zu zwingen[22], woraufhin es einige Zeit ruhig wird, bis im Jahre 16 v. Chr. die Lage eskaliert und germanische Verbände den Rhein überschreiten, Gallien plündernd durchziehen und die 5. Legion vernichtend schlagen[23]. Daraufhin ändert Rom seine Politik radikal und beschließt, Germanien zur Provinz zu machen; Drusus und Tiberius werden von Augustus beauftragt dieses Mammutunternehmen zu beginnen. In den Jahren 16 bis 9 v. Chr. gelingt es vor allem dem überaus erfolgreichen Drusus, nachdem er fast unentwegt Siege eingefahren hat, Germanien quasi zu befrieden[24] – verhängnisvoller Weise findet er den Tod[25]. Tiberius führt das Werk Drusus’ mit Härte zuende, wonach man in Germanien, jedenfalls bis zur Elbe, von Frieden gesprochen werden kann[26].

Allerdings war dieser nicht von langer Dauer: es erheben sich plötzlich in rascher Folge gewaltige Scharen gegen die römische Vorherrschaft, so dass Augustus erneut Tiberius nach Germanien schicken muss. Diesem gelingt es 4 bis 6 n. Chr. alle relevanten Stämme der Germanen zu unterwerfen. Diesmal jedoch belässt Augustus es nicht bei einer Unterwerfung, er setzt den Verwalter und Statthalter von Syrien, Publius Quinctilius Varus, einen nahen Verwandten, in Germanien ein, um es in eine reguläre römische Provinz zu verwandeln.[27]

4. Politische Situation zur Varusschlacht:

Räumlich ging der Horizont römischer Beherrschung bzw. Einflussnahme in der Zeit des Varus also bis hin zur Elbe, weiter nicht. Drusus und Tiberius hatten in den vorhergehenden Kriegen die Elbe zwar überschritten, jedoch stellte sie strategisch eine gewisse Grenze der gewünschten reichsnahen Handlungsfähigkeit des Heeres dar, sodass Augustus weiteres Vordringen in das kaum erschlossene Hinterland untersagte[28]. Doch auf dem Balkan entbrannte der Batonische Krieg[29], in dessen Verlauf Rom fast zwei Drittel der Legionen einsetzen musste[30] – und so ließen sie römischen Strategen in Germanien ein ungelöstes Problem zurück, da sich große Verbände der Sueben sowie die Markomannen unter Marbod hinter die Elbe hatten retten können[31].

In den folgenden drei Jahren befand sich der inzwischen eingesetzte Statthalter P. Quinctilius Varus in der Situation, diese an sich unfertige Sache weiterzuführen, was er auch tat: Er begriff die Notwendigkeit der Stammesbeziehungen und verwaltete sie, mit dem Druck von drei Legionen und der besetzen Rheingrenze im Rücken. Allerdings erwähnen mehrere Quellen, wie unsicher diese Position eigentlich war[32].

Fassen wir zusammen: In der Darstellung der römischen und germanischen Welt bzw. Weltsicht wird deutlich, wie unterschiedlich die Herangehensweisen an beinahe beliebige Dinge waren. Bei den Römern blüht Kunst, Kultur, Literatur, sie stellen von ihrem Eigenorganisationsstandart eine beinahe moderne Gesellschaft dar, leben in einem Staat, haben Gesetzbücher und Gerichte, Heizungen und öffentliche Bäder, ihre Obersten leben in einem unglaublichen Luxus und ihre Armee bewältigt militärische, technische und logistische Meisterleistungen. Dagegen gibt es für die Germanen keine Staatlichkeit sondern die Sippe, diese ist untereinander und mit anderen Sippen durch verwandtschaftliche Beziehungen geprägt; in seinen kriegerischen Aktionen muss Rom so ziemlich jeden Germanen also mit der Zeit zu irgendeiner Blutrache gefordert haben. Dieses System wiederum ist völlig unvereinbar mit der römischen Gerichtsbarkeit, deren Errungenschaften sich an sich nur für römische Staatsbürger auszahlten. Germanische Edle allerdings besaßen römische Bildung, die sie teils zu glühenden Parteigängern Roms machte, teils zu kenntnisreichen Feinden römischer Vorherrschaft. Und dahinein schlagen die unumstößlichen Prinzipien germanischer Treue, Ehre und des Heils. Ehre und Treue zerreißen die Stämme durch unterschiedliche Ansichten ihrer Führer, während die Germanen auf der einen Seite aus Hass, durch die römischen Graultaten seit Caesar motiviert, schier zergehen, sehen sie auf der anderen Seite, inkarniert in Drusus und Tiberius, eine nicht abreißen wollende Kette Siegesheil.

So wie sich die Sache darstellt, sehe ich im Jahre 6 n. Ch. einen deutlichen Schnitt in der Entwicklungsgeschichte Germaniens, denn die möglichen Entwicklungsperspektiven gehen hier so weit auseinander wie nie zuvor: Es besteht die echte Chance, dass Germanien Provinz wird. Durchaus reich an Rohstoffen, Bevölkerungspotential und Fläche hätte es sicher eine herausragende Stellung unter den Provinzen erlangen können; die Rekrutierung der Armee geschieht in späterer Zeit ja sogar trotz des Ganges der Geschichte zu einem großen Teil durch germanische Kräfte. Drusus und Tiberius haben durch ihre äußerst erfolgreichen militärischen Operationen selbst Bewunderung bei ihren Feinden erlangt und waren trotzdem Politiker genug, um das hochkomplizierte germanische Bündnis- und Treusystem der germanischen Stämme und Sippen zu durchschauen und auch in römischem Interesse zu nutzen. Die Germanen dagegen waren jahrzehntelang von den Römern schwerst drangsaliert worden, der Hass auf toga und fasces ist verständlich, allein Caesars ungeheuerliche Bluttat musste die Wut jedes Nichtrömers hervorrufen. Auch mussten ihnen die Römer in höchstem Maße dekadent vorkommen – zwar nicht was den durchaus bewundernswerten Luxus und die Pracht ihrer Kultur anging, aber ihre für germanische Verhältnisse respektlose Weise, mit der sie mit Ehe, Familie und Verwandtschaft und Ehre, Eckpfeiler germanischen Zusammenlebens, umgingen, kann nur Antipathien hervorgerufen haben.

Und in diesen Hexenkessel, in dem alles offen war, wird aus einer Notlage heraus P. Quinctilius Varus gesetzt, ein Verwalter und dekadenter Römer reinsten Blutes, mit gerade einmal drei Legionen, während der mit Siegesheil versehene Tiberius Germanien mit den restlichen Truppen Richtung Pannonien verlässt, wo ein Aufstand in vollem Gange war, der Rom nötigte, seine Grenzen fast völlig zu entblößen und eine ungeheure zusätzliche Mobilmachung durchzuführen.

Varus saß mit weniger Legionen in einem wie noch nie spannungsgeladenen Germanien, seine Kriegsgegner unbesiegt an den Grenzen ausharrend, und sollte es zur regulären römischen Provinz umgestalten, während das römische Reich einen Krieg führte, der als der schwerste seit Hannibal[33] benannt wurde.

4.1 Die Person und Rolle des Varus

Publius Quinctilius Varus wird im Allgemeinen die Schuld für das Debakel der Varusschlacht gegeben, und da er einer der beiden Hauptprotagonisten jenes Konfliktes ist, kann diese These so falsch ja auch gar nicht sein.

Die römischen Autoren stellen ihn alles andere als schmeichelhaft dar. Während er in den frühesten Erwähnungen, Versen des Manilius (12 n. Chr.) und der Geographika des Strabon (17 n. Chr.), noch als Opfer der germanischen List präsentiert wird[34], ändert sich dies deutlich, wenn ihn zwanzig Jahre nach der Niederlage Velleius Paterculus offen als verweichlicht und goldgierig charakterisiert[35]. Dass diese negative Interpretation nahe liegt, stellt man bei der Lektüre des ganzen Textes schnell fest: Im Folgenden wirft Velleius ihm vor, er habe sich sorglos[36] verhalten, Germaniens Kriege mit dem forum verwechselt[37] und zeige Desinteresse[38]. Mit dem Vorwurf des forums zielt er auf die Art und Weise ab, wie Varus im Lager selbstherrlich römisches Recht über Germanen gesprochen und dabei seine Verpflichtung als Feldherr vernachlässigt haben soll.[39] Velleius ereifert sich um Varus’ Schlaffheit[40] und wirft ihm sogar Verstandesschwäche vor[41], greift aber auch wiederum den Gedanken des Vertragsbruchs auf germanischer Seite auf (s. Anm. 39). Die weitere Schilderung der Grausamkeiten um Varus’ Tod sind wenig wertend allenfalls mitleiderregend oder abstoßend.[42] Abschließend schließt Velleius mit versöhnlichen, aber eindeutig Varus die Niederlage anrechnenden Ton.[43]

Velleius bleibt für viele Jahre unser einziges schriftliches Zeugnis über die Ansicht zu Varus, bis Tacitus 116 n. Chr. in seiner Germania in ausführlicher Weise völlig andere Ereignisse beschreibt und dort in für ihn typischer Weise das Thema in einer Unterhaltung durch Segest aufbringen lässt, der Varus vorwirft, er habe Desinteresse gezeigt, als er, Segest, ihn hätte warnen wollen.[44] Tacitus als Autor verliert kein wertendes Wort über Varus und insgesamt nur sehr wenige über die eigentliche Varusschlacht bzw. den damit verbundenen Konflikt, sehr viele jedoch über die Feldzüge des Germanicus 14 - 16 n. Chr. und deren genauen Ablauf. So sind seine Werke eigentlich nur insofern für die Ursachenforschung der Varusschlacht zu gebrauchen, indem seine ausführliche Schilderung der germanischen Sitten und Bräuche auf Konfliktpunkte mit der römischen Herangehensweise abgeklopft wird, wie oben geschehen.

Etwa vier Jahre später, um 120 n. Chr. schreibt Sueton seine Kaiserbiographien, in denen die Niederlage des Varus als Schande und Schaden bezeichnet wird[45], Varus selbst habe sie durch Unbesonnenheit und Nachlässigkeit verursacht[46], von persönlichen Verunglimpfungen sieht der Autor aber ab.

Wiederum ein halbes Jahrzehnt später findet Florus drastischere Worte, beweist aber gleichzeitig durch das schiere Weglassen Tiberius’, dass ihm die Ereignisse nicht wirklich gewahr sind bzw. er es nicht für nötig hält, wenigstens eine halbwegs akkurate Darstellung zu liefern – seine Gesamtschilderung lässt den Germanen eine deutliche Helden- und Opferrolle angedeihen.[47] Im Folgenden lässt er sich über die ungeheuer überhebliche Weise aus, mit der Varus hartes Gericht über Germanen gehalten habe und nennt ihn wegen militärischer Versäumnisse unvorsichtig[48] und gutgläubig[49].

Nach einer wiederum folgenden Überlieferungspause schreibt Cassius Dio um das Jahr 200 n. Chr. seine Römische Geschichte, in der er wie selbstverständlich darlegt, Germanien habe sich in einem sicheren Romanisierungsprozess befunden, den Varus durch eine radikale Neuordnung des Landes nicht nur unterbrochen, sondern in den Aufstand verkehrt habe.[50] Er habe in gutgläubiger Weise sein Heer verstreut und sich so als unvorsichtiger und unfähiger Feldherr erwiesen.[51]

Schließlich nochmals 200 Jahre später, um 400 n. Chr., schreibt ein gewisser Paulus Orosius ein Geschichtswerk, in dem er Varus in seinem Verhalten wortwörtlich als „äußerst hochmütig und habsüchtig“[52] beschreibt.

Diese chronologische Darstellung der Rezeption des Varus macht deutlich, wie sehr sich die Sichtweise auf Varus verändert hat. Der Hauptpunkt, an dem Varus’ Versagen so deutlich werden soll, einer der Fürsten (Segest) habe ihn gar direkt gewarnt und die Verschwörung auffliegen lassen wollen, ist nur durch Tacitus’ maximal über Zeitzeugen belegte Aussage des Segest belegt, die dieser wiederum zu seinem ureigensten Vorteil Jahre später in dramatisierter Weise tätigt. Florus mag bei Tacitus abgeschrieben haben.

Auf die als belegt anzusehenden Tatsachen zurückgeführt ergibt sich ein eher verzweifeltes Bild der strategischen Lage des Varus (s.o.), in der er als erfahrener Verwalter und Statthalter schon zusätzlich ein militärisches und diplomatisches Genie hätte sein müssen, um zu überleben. Selbst von den großen Feldherren Drusus und Tiberius wird an verschiedener Stelle berichtet, in welche Grenzsituationen sie trotz größerer militärischer Machtbasis geraten sind. Der Fehler liegt also eher in der notdürftigen Einsetzung des Beamten und Aristokraten Varus durch Augustus.

4.2 Die Person und Rolle des Arminus

Die Geschichte des Arminius, dem anderen großen Protagonist in diesem Konflikt, ist eher unbekannt. Vellius, der mit nur 20 Jahren Abstand schreibt, erwähnt, dass er ein begabter junger Mann gewesen sei, Sohn des Fürsten Segimer und Auxiliartruppenführer, der für seine Verdienste mit dem römischen Bürgerrecht ausgezeichnet und in den Stand eines Ritters erhoben worden sei.[53] Tacitus übernimmt diese Angabe.[54]

Erwähnung findet Arminius vor Velleius bei Strabon, der noch zu Arminius’ Lebzeiten das tragische Schicksal seiner Familie beschreibt, die nach den erfolgreichen römischen Kriegszügen 17 n. Chr. in Rom bei einem Triumphzug vorgeführt werden und fortan als römische Geiseln leben.[55]

Als Frontinus 86 n. Chr. ein Werk über militärische Strategien verfasst, hebt er die Handlungsweise des Arminius als erfolgversprechend hervor, wertet ihn aber ansonsten nicht.[56]

Die hauptsächliche Bewertung des Arminius findet in Tacitus’ Annalen statt. Dort wird er als Aufwiegler[57] und Befreier Germaniens[58] genannt. Auch sei er unter den Germanen wegen seiner Taten angesehener als z.B. Segest[59] – jedoch beziehen sich all diese Angaben auf die Situation nach der Varusniederlage! Eine wahrscheinlich auch konstruierte Bewertung des Aufstands geschieht bei Tacitus durch den Markomannenkönig Marbod, der 17 n. Chr. Arminius verspottet.[60]

Und das ist schon alles, was die Geschichtsschreiber über Arminius Relevantes berichten, was die Varusschlacht anbelangt. Ihm ist es aber offensichtlich als junger und ebenso gebildeter wie kampferprobter Mann gelungen, die ineinander in ewige Blutfehden verstrickten germanischen Stämme für diese eine Tat zu einen, die keine zwangsweise gemeinsame Verteidigung war, sondern ein willentlicher Angriff. Das „ Wo “ spielt hierbei eigentlich eine untergeordnete Rolle, entscheidend ist, warum und mit welchen Auswirkungen.

5. Konsequenzen:

5.1 Die zeitgeschichtliche Bedeutung

Die zeitgeschichtliche Bedeutung kann man unterschiedlich bewerten, kommt aber nicht umher, ihr eine große Relevanz einzuräumen. Die Nachricht darüber erreichte angeblich Rom während der Siegesfeiern über den pannonisch-illyrischen Aufstand, was wenigstens eine innenpolitische Krise ausgelöst haben muss.[61] Augustus habe augenblicklich die Stadt und die Provinzen (also die damals bekannte WELT) in eine Art Ausnahmezustand[62] versetzt, um die Ordnung aufrecht zu erhalten, der drei Jahre später noch dramatisch literarischen Niederschlag findet[63]. Zwanzig Jahre später wird die Niederlage als die schlimmste seit Carrhae benannt, in der Rom sieben Legionen verlor.[64] Seneca, der ansonsten dies unrühmliche Kapitel römischer Geschichte unerwähnt lässt, stellt jedoch fest, dass „viele aus sehr berühmten Geschlechtern in den Dreck geschleudert“[65] wurden, es also erhebliche personale Konsequenzen gab. Dies wird auch für Augustus’ direkte Umgebung gegolten, denn er war mit Varus eng verwandt. Tacitus berichtet schließlich, dass die Kampfstätte, sechs Jahre später von Germaicus mit Legionen betreten, eine solch einschüchternde Wirkung gehabt habe, dass sie später im Gefecht die Flucht ergriffen.[66]

5.2 Die weltgeschichtliche Bedeutung

Über die totale Bedeutung der Schlacht zu urteilen ist relativ schwer. Einfacher ließe sich über die des Germanienkonfliktes reden, innerhalb dessen dieses Ereignis nur eines ist von vielen, wenn es auch ein Schlüsselrolle innehat. Es wird spekuliert, dass mit einer erfolgreichen Integrierung Germaniens das Imperium möglicherweise der Völkerwanderung hätte standhalten können und es so nicht in den Zerfall des beginnenden Mittelalters hineingerate wäre, was keine Entwicklung unterschiedlicher Nationalstaaten zur Folge gehabet hätte.[67] Mit Sicherheit aber lässt sich sagen, dass sich an Germanien der Gang der Geschichte entschied.

6. Zusammenfassung

Betrachtet man also die Varusschlacht in ihrem weiteren Umfeld, so ergibt sich das Bild zweier deutlich unterschiedlicher Positionen, der germanische Standpunkt war nicht ohne weiteres mit dem römischen zu verknüpfen.

Dass beide Seiten voneinander nur Schrecken und Krieg erwarteten, wird bei den Entscheidungen der jeweiligen Machthaber eine nicht unerhebliche Rolle gespielt haben.

Aus den Betrachtungen der politisch-strategischen Position des Varus lässt sich erkennen, wie schwierig seine Lage gewesen sein muss und wie angreifbar er war, ob es nun zu persönlichen Verfehlungen unbestimmbarer Schwere gekommen ist oder nicht. Diese Situation erklärt sich durch den Zusammenhang mit dem Pannonisch-Illyrischen Aufstand, der sowohl mit Varus als auch mit Arminius nichts zu tun hatte. Dass Augustus irgendwie handeln musste, dass er die germanischen Legionen und mit ihnen Tiberius brauchte, ist verständlich, ebenso, dass er einem verlässlichen Verwandten Germanien zur Obhut gab. Ob er einen entsprechend fähigen Feldherren anstatt dessen in Pannonien entbehren konnte, um Germanien nicht weiter zu romanisieren sondern schlicht ruhig zu halten, kann ich nicht beurteilen, jedenfalls ist die schwere Schuldzuweisung durch nachfolgende Geschichtsschreiber in meinen Augen übertrieben und einseitig.

Arminius hat mit seinem Aufstand vorerst nur erreicht, dass es weitere Kriege gab, bevor sich die Römer endgültig hinter den Rhein zurückzogen, aber er hat die Romanisierung Germaniens verhindert. Inwieweit dass eine großartige oder kurzsichtige Leistung war, steht mir nicht zu urteilen zu.

Fest dagegen steht, dass die Niederlage des Varus ein schwerer Schlag für die Außen- und Innenpolitik des Augustus gewesen ist, verschiedene Autoren beschreiben den Geist der Bedrohung von Norden.

7. Literatur:

Wiegels = Wiegels, R. (Hrsg.), Arminius und die Varusschlacht, Paderborn 2003

Behmann = Behmann, K., Arminius und die Deutschen, Essen 2002

Millhoff, M., Varusschlacht und Irminsul, Niebüll 2002

Rohdich, W., Arminius, Dessau 2002

Eck, W., [II 8] Quinctilius Varus, DNP 10 (2001), 702-704

Demandt = Demandt, A., Ungeschehene Geschichte, Göttingen 2001

Kramer = Kramer, H., 2000 Jahre Varusschlacht, 2001

Ohm, K. H., Duell der Giganten, Oldenburg 2000

Clunn, T., Auf der Suche nach den verlorenen Legionen, Bramsche 1998

Losemann, V., Arminius, DNP 2 (1997), 14-16

Strickling, L. S., Wo Varus seine berühmten Schlachten verlor, Paderborn 1997

Kestermann = Kestermann, D., Quellensammlung zur Varus-Niederlage und den germanisch-römischen Kriegen, Horn 1992

Junkelmann = Junkelmann, M., Die Legionen des Augustus, Mainz 1986

[...]


[1] Behmann, S. 11

[2] Behmann, S. 15f

[3] Junkelmann, S. 92f

[4] Timpe, D., Geographische Faktoren und politische Entscheidungen, in: Wiegels, S. 14

[5] vgl. Timpe, D., Geographische Faktoren und politische Entscheidungen, in: Wiegels, Anm. 10, S. 15

[6] Timpe, D., Geographische Faktoren und politische Entscheidungen, in: Wiegels, S. 18f

[7] sowohl in geographischer Hinsicht als auch was die verworrene Hierarchie der verschiedenen Stämme anging, vgl. Timpe, D., Geographische Faktoren und politische Entscheidungen, in: Wiegels, S. 16ff

[8] Timpe, D., Geographische Faktoren und politische Entscheidungen, in: Wiegels, S. 17f

[9] Behmann S. 21ff

[10] Behmann S. 27

[11] Kramer S. 21

[12] Tacitus, Germania, Kapitel 15, 22, 23 und 24

[13] Behmann S. 27-42

[14] Kramer S.19f. Die Triboker und Sueben und andere überschreiten 58 v. Chr. den Rhein und fallen in Gallien ein.

[15] „De Bello Gallico“ wird hier auf 52 v. Chr. datiert, Tacitus’ „Germania“ auf 98 n. Chr.

[16] Behmann S. 23f

[17] Behmann S. 48; Kramer S. 21f. Es ist die Rede von 400.000 Menschen, die bei diesem Blutbad in der Nähe von Nymwegen ums Leben gekommen sein sollen.

[18] Behmann S. 48f

[19] Behmann S. 39, allein hierzu hat Marcus Junkelmann drei interessante Bände („Die Reiter Roms“) verfasst, allerdings aus der Sicht des Militärhistorikeers und Archeologen.

[20] Kramer S. 25f

[21] Behmann S. 43-46

[22] Kramer S.20f

[23] Kramer S. 26f

[24] Kramer S. 37

[25] Florus 2,30,27: „Zuletzt war in Germanien ein solcher Friede, dass die Menschen verändert, die Erde eine andere und die Luft selbst milder und angenehmer als sonst erschien“, in: Kestermann, S. 15. Florus, der dies etwa 115 Jahre nach der Varusschlacht schrieb, will hier eigentlich nur deutlich machen, wie erfolgreich Drusus’ Handeln war, um einen dramatischen Kontrast zu Varus drei Sätze später zu ziehen – allerdings scheint es Drusus wirklich gelungen zu sein, eine gewisse Stabilität in die germanische Situation zu bringen.

[26] Kramer S. 39-47

[27] Behmann S. 53

[28] Strabon 7,1,4,1: „Bekannt wurden diese Völker durch ihre Kriege gegen die Römer, (...) und sie würden noch besser bekannt sein, wenn Augustus seinen Generälen gestattet hätte, die Elbe in Verfolgung der dorthin auswandernden zu überschreiten.“, in: Kestermann, S. 22. Strabon schreibt nur acht Jahre nach der Niederlage des Varus.

[29] oder auch Pannonischer Aufstand, 6 n. Chr.; Kramer S. 61ff. Er unterbrach die gigantische militärische Operation, durch die ursprünglich Marbods Reich zerschlagen werden sollte – was einen deutlichen Bruch der breit angelegten Kriegspolitik darstellte: „Die Furcht vor diesem Krieg war so groß, dass sie sogar den standhaften und durch Erfahrungen aus so großen Kriegen gefestigten Mut Kaisers Augustus zum Wanken brachte und aufs Tiefste erschreckte” (Velleius Paterculus II 110, 6.).

[30] siehe Behmann, S. 18. Durch die ausgehobenen Verbände aus den Provinzen, auch aus dem Germanienfeldzug, verstärkt brachte Rom 15 reguläre Legionen und 70 Kohorten Hilfstruppen auf – mit Tross ect. Also eine für damalige Verhältnisse unvorstellbare Menschenmasse an Militär.

[31] Timpe, D., Geographische Faktoren und politische Entscheidungen, in: Wiegels, S. 23.

[32] Cassius Dio 56,18,1: (berichtet über das Jahr 9 n. Chr.) „(...) Die Römer hatten einzelne Orte des Landes in ihrer Gewalt, nicht ein zusammenhängendes Gebiet, (...)“, in: Kestermann, S.4

[33] Kramer S. 66

[34] Manilius 1,896-899: „Gewiss verkünden Feuer sowohl Kriege und plötzliche Ausstände als auch, trotz geheimer List, das Erheben von Waffen wie eben, unter Bruch des Vertrages, bei entfernten Völkern als nämlich das wilde Germanien uns den Feldherrn Varus nahm“, in: Kestermann S. 20;

Strabon 7,1,4,5: „(...) Arminius, welcher beim Vertragsbruch mit Quintilius Varus Oberbefehlshaber (...) war und bis heute den Krieg weiterführt (...)“, in: Kestermann S. 23

[35] Velleius 2,117,2: „Varus (...)(war) ein Mann von milder Sinnesart, bedächtigem Charakter, an Körper und Geist etwas unbeweglich, mehr ruhiges Lagerleben als Kämpfe gewöhnt. Aber wie sehr er kein Verächter von Gold war, gab Syrien kund, das er verwaltet hatte, wie arm er ein reiches betreten, so reich verließ er ein armes.“, in: Kestermann S. 89

[36] Velleius 2,118,1c und 2,118,2c

[37] Velleius 2,118,1c

[38] Velleius 2,118,2c

[39] Velleius 2,117,3-4

[40] Velleius 2,119,2a: „Das von allen tapferste, in Disziplin, Kriegshandwerk erste unter den römischen Heeren wurde durch die Schlaffheit des Feldherrn, durch die Wortbrüchigkeit des Feindes und die Mißgunst des Schicksals hintergangen.“, in: Kestermann S. 93

[41] Velleius 2,118,4b

[42] Velleius 2,119,5

[43] Velleius 2,120,5: „Hiernach erscheint es, dass Varus, gewiss ein ernster und gutwilliger Mann, mehr aus Mangel an Feldherrenkunst als aus Mangel an Tapferkeit der Soldaten sich und das äußerst großartige Heer zugrunde gerichtet hat.“, in: Kestermann, S. 96

[44] Tacitus 1,58,2a - 3a

[45] Sueton 2 Augustus 23,1a

[46] Sueton 3 Tiberius 17,1

[47] Florus 2,30,31a-b: „Freilich waren die Germanen mehr besiegt als unterworfen, und unsere Denkart war ihnen verdächtiger als die Waffen unter dem Feldherrn Drusus. Nachdem jener gestorben war, begannen sie, Willkür und Hochmut des Varus Quintilius nicht weniger zu hassen als (seine) Härte (...)“, in: Kestermann S. 16

[48] Florus 2,30,34

[49] Florus 2,30,33

[50] Dio 56,18,2-4

[51] Dio 56,18,5 - 19,2

[52] Orosius 6,21,26, Übers. aus: Kestermann S. 21

[53] Velleius 2,118,2a-b

[54] Tacitus 2,10,3

[55] Strabon 7,1,4,5-6, Tacitus beschreibt dies (in Rom wahrscheinlich Bekannte) auch: Tacitus 1,57,4

[56] Frontinus 2,9,4

[57] Tacitus 1,55,2

[58] Tacitus 2,88

[59] Tacitus 1,57,1

[60] Tacitus 2,46,1b: „Arminius sei wahnsinnig und nehme unwissend fremden Ruhm in Anspruch, nachdem er drei nicht zum Kampf aufgestellte Legionen und den keine Täuschung ahnenden Feldherrn durch Treulosigkeit überlistet habe, zum großen Unglück für Germanien und zu seiner Schande, da seine Gattin und sein Sohn noch weiter Knechtschaft ertragen müssten“, in: Kestermann S. 87. Der Vorwurf der Treulosigkeit spricht Arminius seine Ehre und Legitimation als Führer ab.

[61] Velleius 2,117,1a; Kramer S. 66

[62] Sueton 2 Augustus 23,1a - 2c

[63] Manilius 1,896-902: „(...) da brannten über die ganze Welt verstreut drohende Feuer“, in: Kestermann S. 20

[64] Velleius 2,119,1: „Den Ablauf der äußerst schrecklichen Katastrophe, wie es keine schwere, nach der des Crassus gegen die Parther, durch fremde Völker gegen die Römer gegeben hat (...) Jetzt ist alles nur zu beweinen.“, in: Kestermann S. 92f. Crassus’ Niederlage wird aus 53 v. Chr. datiert.

[65] Seneca 5,47,10b, Übers. aus: Kestermann S. 22

[66] Tacitus 1,16,1 ff und Tacitus 1,64,5 - 1,65,3

[67] Demandt S. 98ff

Details

Seiten
18
Jahr
2004
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v109053
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
sehr gut
Schlagworte
Vorgeschichte Umfeld Hintergründe Ursachen Varusschlacht

Autor

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Titel: Vorgeschichte, Umfeld, Hintergründe, Ursachen der Varusschlacht