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Interkulturelles Management als persönliches Problem

Diplomarbeit 2002 82 Seiten

Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation und Wirtschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung - Entwicklung der Fragestellung

2. Das Untersuchungsdesign der Fallstudie
2.1 Theoretische Grundlagen empirischer Sozialforschung
2.2 Das problemzentrierte Interview nach Witzel (1982; 1985)
2.3 Instrumente des problemzentrierten Interviews
2.4 Zur Interviewsituation nach Lamnek (1989)
2.5 Methoden zur Auswertung des problemzentrierten Interviews nach Witzel (1985), Mayring (1991) und Volmerg, Senghaas-Knobloch & Leithäuser (1986)

3. Theoretische Erörterung zum Forschungsfeld der empirischen Untersuchung
3.1 Einführung und Begriffsdefinition des interkulturellen Managements nach Dülfer (1997)
3.2 Annäherung einer Begriffsdefinition von "Kultur" zur Differenzierung kultureller Unterschiede von Gesellschaften nach Hofstede (1993)
3.3 Ursachen bei der Entstehung kultureller Unterschiede nach Hofstede (1993)
3.4 Dimensionen von Kultur nach Hofstedes (1993) Erhebung: Die Machtdistanz als Ausdruck emotionaler Distanz zwischen Personen
3.4.1 Machtdistanz in der Familie
3.4.2 Machtdistanz in der Schule
3.4.3 Machtdistanz am Arbeitsplatz
3.5 Kulturschock und kulturelle Anpassung als Folge eines Wechsels in ein Gastland

4. Die Rahmenbedingungen der vorliegenden empirischen Untersuchung
4.1 Zur Kontaktaufnahme mit den Interviewpartnern in Mexiko
4.2 Zur Auswahl einer Stichprobe von Interviewpartnern in Mexiko
4.3 Entwicklung eines Frageleitfadens
4.4 Zur Durchführung der Interviews mit deutschen Führungskräften in Mexiko

5. Exemplarische Fallstudien – Darstellung von Befragungsergebnissen (thematisch)
5.1 Persönliche Vorbereitungsmaßnahmen von deutschen Führungskräften für die Auslandsentsendung nach Mexiko
5.2 Waren die Vorbereitungsmaßnahmen ausreichend?
5.3 Persönliche Erwartungen an Mexiko
5.4 Zum Erleben kultureller Besonderheiten in Mexiko
5.5 Problematische Situationen - Ein Beispiel für erlebte Fettnäpfchen
5.6 Erlebnisse eines Kulturschocks
5.7 Verhältnis von Mitarbeiter und Vorgesetzte – ein Vergleich zwischen Mexiko und Deutschland
5.8 Umgang mit Lob und Tadel der Befragten
5.9 Zum Zeitverständnis in Mexiko

6. Erkenntnisgewinn und Nutzbarkeit der Ergebnisse – Hinweise für deutsche Führungskräfte zur konstruktiven Bewältigung persönlicher Probleme beim Auslandseinsatz in Mexiko
6.1 Übergreifende Diskussion der Ergebnisse
6.1.1 Vorbereitungsmaßnahmen zur Auslandsentsendung nach Mexiko
6.1.2 Erlebnisse eines Kulturschocks
6.1.3 Kulturelle Unterschiede zwischen mexikanischen Mitarbeitern und deutschem Vorgesetzten in Mexiko
6.2 Handlungsempfehlung

7. Literatuverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Allgemeines Ablaufmodell qualitativer Inhaltsanalyse

(Mayring 2000, S. 54).

Abb. 2: Ablaufmodell zusammenfassender Inhaltsanalyse

(Mayring 2000, S. 60).

Abb. 3: Position von 50 Ländern und drei Regionen bezüglich der Dimensionen Machtdistanz und Individualismus-Kollektivismus

(Hofstede 1993, S. 72)

Abb. 4, Abkürzungen der Länderbezeichnungen (Hofstede 1993, S. 73).

Abb. 5, Kurve der kulturellen Anpassung (Hofstede 1993, S.236).

1. Einleitung - Entwicklung der Fragestellung

Für multinationale Unternehmen, die Tochtergesellschaften im Ausland betreiben, ist es üblich, dass sie Mitarbeiter ins Ausland entsenden. Bei der Auslandsentsendung durchleben Auslandsmitarbeiter bei ihrer Anpassung an das neue Gastland, einen Prozess der Umstellung. Dieser Anpassungsprozess bedarf seitens der Betroffenen, einer psychologischen Verarbeitung und kann in ihrem Verlauf mit Problemen behaftet sein. Wie sich solche Probleme bei Auslandsmitarbeitern ausdrücken können, möchte ich anhand meiner Diplomarbeit am Beispiel deutscher Führungskräfte in Mexiko herausarbeiten. Die Fragestellung zum Forschungsfeld der vorliegenden Arbeit lautet: Auf welche Problemfelder können deutsche Auslandsmitarbeiter bei ihrer Ausland-sentsendung nach Mexiko treffen und wie erleben sie diesen Prozess persönlich? Zur Beantwortung meiner Forschungsfrage möchte ich eine Fallstudie durchführen. Dafür werden von mir drei deutsche Führungskräfte in Mexiko interviewt. Im Interview sollen die Befragten aus ihrer subjektiven Sichtweise berichten.

Zur Entwicklung und Durchführung der Interviews soll in Kapitel 2. das Untersuchungsdesign der Fallstudie vorgestellt werden. Dieser Abschnitt stellt die methodologische Vorgehensweise in der Sozialforschung dar und soll im weiteren Verlauf die Begründung zur Auswahl der Erhebungsmethode erläutern.

Das folgende Kapitel 3. beschreibt die zur Erhebung erforderlichen theoretischen Hintergründe zum Forschungsfeld. Hier werden Alltagskontexte der Untersuchten anhand bestehender Literatur zu meinem Forschungsthema beschrieben. Die daraus folgenden Erkenntnisse ermöglichen die Entwicklung durchführbarer Interviews. Im Laufe der Auseinandersetzung mit dem Forschungsfeld ergaben sich für mich folgende Fragen:

- Welche Vorbereitungsmaßnahmen werden von deutschen Auslands-mitarbeitern für ihre Entsendung nach Mexiko getroffen?
- Welche Erwartungen haben die Befragten an ihr neues Gastland Mexiko?
- Welche kulturellen Besonderheiten gibt es in Mexiko?
- Können Auslandsmitarbeitern über Erlebnisse eines Kulturschocks berichten?
- Welche Unterschiede gibt es im Vergleich zu Deutschland bezogen auf das Mitarbeiterverhältnis?

In Kapitel 5. werden die Befragungsergebnisse aus der Untersuchung dargestellt, um sie im folgenden Kapitel 6.1 in einer ergebnisübergreifenden Diskussion mit den Erkenntnissen aus der theoretischen Erörterung zum Forschungsfeld miteinander vergleichen zu können.

Abschließend sollen in Kapitel 6.2 konkrete Handlungsempfehlungen für zukünftige deutsche Auslandsmitarbeiter möglich werden.

Mir ist dabei bewusst, dass die Ergebnisse meiner Fallstudie rein exemplarisch zu betrachten sind und jeglichen Anspruch auf Repräsentativität ausschließen.

An dieser Stelle möchte ich noch die Gelegenheit ergreifen und mich bei allen Personen bedanken, die mich bei der Ausarbeitung meiner Diplomarbeit tatkräftig unterstützt und begleitet haben. Ganz besonders möchte ich mich bei meiner Erstgutachterin Prof. Dr. Birgit Volmerg bedanken, die mir als Verantwortliche für das Projekt meines Hauptstudiums, das Fachwissen zum wissenschaftlichen Arbeiten vermittelte. Ebenso möchte ich mich bei meiner Zweitgutachterin Dr. Sylke Meyerhuber bedanken, die unter anderem auch als Leiterin des Diplomanten-Kolloquiums mit ihrer hervorragenden Betreuung und kompetenten Fachberatung sehr hilfreich war. In diesem Zusammenhang möchte ich mich bei allen Teilnehmern des Diplomanten-Kolloquiums bedanken.

Desweiteren möchte ich mich ganz besonders bei Herrn W[1]., der mir bei der Beschaffung meiner Interviewpartner sehr behilflich war, bedanken. Einen weiteren sehr großen Dank möchte ich meinen Interviewpartnern Herrn M., Herrn V. und Herrn Z. aussprechen. Ihre persönlichen Erfahrungen sind das Fundament dieser Arbeit. Vielen Dank.

In meiner Arbeit verwende ich bei Personen den nach der deutschen Rechtschreibung üblichen Genus, der selbstverständlich die weibliche als auch die männliche Bezeichnung der Personen meint.

2. Das Untersuchungsdesign der Fallstudie

Im folgenden Kapitel wird die Wahl der Erhebungsmethode dargestellt und begründet. Dabei soll zunächst ein allgemeiner Überblick zur thematischen Einordnung der Methode gegeben werden, um sie anschließend in aller Ausführlichkeit darstellen zu können.

2.1 Theoretische Grundlagen empirischer Sozialforschung

Flick et al. (1991, S. 33) führen aus, dass in der Psychologie, das heißt ein Verstehen der Welt unter Einbeziehung des Denkens, Fühlens und Handelns der einzelnen Menschen, nur dann möglich ist, wenn die Forschung auch den Weg zu den Subjekten findet. Eine solche subjektorientierte Wissenschaftskonzeption ist ein Grundzug qualitativer Sozialforschung, weil menschliches Denken, Fühlen und Handeln den Autoren zufolge immer situationsbezogen, das heisst an einen konkreten Kontext gebunden ist und sich nicht ohne Verzerrungen daraus herauslösen und beispielsweise im Labor analysieren lässt. Psychologische Forschung muss sich also demnach alltagsnah und kontextbezogen auszeichnen. Aus diesem Grund wird vorgeschlagen, auf qualitative Verfahrensweisen, wie sie in der Sozialforschung Anwendung finden, zurückzugreifen, weil sich diese besonders gut dafür anbieten würden (ebd.).

Eine ähnliche Sichtweise ist für mich Anlass gewesen, weshalb ich mich für eine empirische Erhebungsmethode aus dem Bereich der qualitativen Sozialforschung entschieden habe. Zum einen möchte ich mit meiner Diplomarbeit praxisbezogen und alltagsnah arbeiten und zum anderen interessieren mich personenbezogene und kontextabhängige Handlungsbegründungen von Menschen in einem psychologisch betrachteten Forschungsumfeld, das durch die Fragestellung[2] meiner Diplomarbeit beschrieben wird.

Die Sozialforschung beschäftigt sich unter anderem mit der Kognition, der Emotion und dem Verhalten von Menschen im sozialen Kontext. Insbesondere

stehen die Wahrnehmung, die gegenseitige Beeinflussung und die Beziehung zwischen Individuen und Gruppen im Vordergrund.

Nach Stangl[3] (1997, Online) geht es in der empirischen Sozialforschung im wesentlichen um Problembereiche, die drei Reflexionsebenen bilden und denen wissenschaftstheoretischen Überlegungen als Grundlage unterliegen. Es handelt sich dabei um den Entstehungs-, Begründungs- und Verwertungszusammenhang. Die Reflexionsebenen sollen ein strukturierendes Element bei einer konkreten empirischen Untersuchung darstellen und den Ablauf eines Forschungsprojektes markieren (ebd.). Der Entstehungsprozess soll nach Stangl (ebd.) helfen, ein Problem zu strukturieren und den Anlass einer empirischen Untersuchung erkennen zu lassen. Ein Anlass könnte demnach zum Beispiel die Untersuchung eines sozialen Problems sein, um dadurch soziale Veränderungen zu ermöglichen, wenn danach verlangt würde. Der Begründungszusammenhang soll laut Stangl (ebd.) helfen, jene Schritte verstehen zu können, mit denen das Problem untersucht werden soll. Es muss zuerst geprüft werden, ob und welche Untersuchungen zu einem bestimmten Problem vorliegen und ob es bereits Theorien und Hypothesen gibt, die herangezogen werden können (ebd.). Anschließend kann nach Stangl (ebd.) darüber entschieden werden, welche Teile eines Problems untersucht werden sollen. Aus den vorliegenden Theorien werden dann Hypothesen formuliert.

Ist eine geeignete Methode zur Datenerhebung und das dem Problem adäquate Forschungsdesign bestimmt, erfolgt nach Stangl (ebd.) die Operationalisierung der Variablen. Die Entscheidung über Probleme, Methoden und Forschungsdesign lässt eine Entscheidung über die Stichprobe und über die verwendbaren statistischen Modelle und Prüfverfahren zu. Anschließend folgt die Phase der Datenerhebung und Datenanalyse mit der Interpretation der Ergebnisse (ebd.). Mit dem Verwertungszusammenhang werden nach Stangl (ebd.) Effekte einer Untersuchung auf soziale Strukturen (Gruppen, Gesellschaften etc.) verstanden. In den Verwertungszusammenhang gehören unter anderem auch Überlegungen über die Form der Darstellung und der Ergebnisse, da sie unter Umständen auch über die Zugänglichkeit der Studie für Laien entscheidet (ebd.).

Der forschungslogische Ablauf einer empirischen Untersuchung bildet für Stangl (ebd.) eine Einheit der oben genannten Zusammenhänge. Wo der theoretische Teil der Studie nicht klar formuliert wird, ist auch kein kontrollierbares Konzept der Studie zu erwarten, so Stangl (ebd.) weiter. Die Konzeptualisierung einer Untersuchung steuert alle weiteren Entscheidungen über Methode, Stichprobe bis hin zur Auswertung und bedingt auch seine Verwertung (ebd.).

Laut Stangl (ebd.) ist die analytische Wissenschaftstheorie der Auffassung, dass die Fragestellung einer Untersuchung prinzipiell beliebig ist. Das heisst, sie wird vom Forscher frei gewählt und von außen an den Gegenstand herangebracht. Bei einer solchen Beliebigkeit der Fragestellung wird sie praktisch durch das Interesse des Forschers beziehungsweise seines Auftraggebers bestimmt (ebd.). Ein mögliches Interesse kann Stangl (ebd.) zufolge durch Lücken oder Fragwürdigkeiten bestehender Theorien oder durch wahrgenommene soziale Probleme geweckt werden.

Das bedeutet für meine empirische Erhebung, dass ich das Forschungsfeld frei beziehungsweise aus eigenem Interesse heraus wählen kann. Dabei müssen die oben genannten Kriterien, wie zum Beispiel die Untersuchung eines sozialen Problems, mit dessen Hilfe hinterher soziale Veränderungen ermöglicht werden sollen, mitberücksichtigt werden.

Nach Mayring[4] (2000, S. 16) lässt sich die empirische Sozialforschung in quantitative und qualitative Sozialforschung unterscheiden. "Sobald Zahlbegriffe und deren In-Beziehung-Setzen durch mathematische Operationen bei der Erhebung oder Auswertung verwendet werden, sei von quantitativer Analyse zu sprechen, in allen anderen Fällen von qualitativer Analyse," schreibt Mayring [2000, S. 16].

"Eines der Hauptschlagworte qualitativer Analyse ist, die volle Komplexität ihrer Gegenstände erfassen zu wollen, während quantitative Analyse ihren Gegenstand zerstückele, atomisiere, in einzelne Variablen zerteile und ihm auf diese Art seine eigentliche Bedeutung nehme. 'Qualitative Verfahren ... streben Erkenntnisse an, bei denen 'isolierte' Daten und Fakten gefunden werden, die möglichst frei von allen störenden Nebeneffekten, wie sie in der Alltagsrealität vorhanden sind, bestimmte Zusammenhänge, kausale Verknüpfungen usw. nachweisen. Dagegen berufen sich qualitative Verfahren auf die Erkenntnis der Sozialwissenschaften, dass menschlicher Wirklichkeit ... vielfältig und komplex konstituiert wird," schreibt Schön [1979, S. 20] in Mayring (2000, S. 18). Die qualitative Analyse orientiert sich dabei nach Mayring (2000, S. 21) bevorzugt an Einzelfälle. Einzelfallanalysen sind deswegen besonders gut geeignet, weil sie einer offenen, deskriptiven und interpretativen Methodik unterliegen und es nur kleiner Stichproben bedarf (ebd.).

Die Rahmenbedingungen meiner Untersuchung lassen nur eine kleine Stichprobe zu, so dass es für mich ein entscheidendes Kriterium bei der Auswahl meiner Erhebungsmethode war. Ich habe mich für eine Einzelfallanalyse aus dem Bereich der qualitativen Sozialforschung entschieden.

Ein wichtiger Aspekt bei der Durchführung einer Einzelfallanalyse liegt für Lamnek[5] (1988, S. 30) darin, möglichst nahe an der "natürlichen sozialen Welt unserer alltäglichen Erfahrung" zu bleiben. In Anlehnung an Blumer (vgl. Blumer 1954) spricht er in diesem Zusammenhang von einem "Blumerschen Prinzip." Dafür eignet sich vor allem eine Methode der Feldforschung, die so weit wie möglich in die Lebenswelt der Untersuchten einzutauchen versucht (ebd.).

Eine Erhebungsmethode, die das Eintauchen in die Lebenswelt der Untersuchten ermöglicht, ist die Methode des problenzentrierten Interviews nach Witzel (1982).

Im folgenden Abschnitt soll die Wahl der Methode ausführlich dargestellt und begründet werden.

2.2 Das problemzentrierte Interview nach Witzel (1982; 1985)

"Das problemzentrierte Interview soll individuelle und kollektive Handlungsstrukturen und Verarbeitungsmuster gesellschaftlicher Realität erfaßbar machen; also nicht psychologisierend, klinisch oder diagnostisch vorgehen, sondern an gesellschaftlich-strukturierten Problemen ansetzen. Dieses Vorgehen gibt dem Befragten Gelegenheit zur Selbst- und Verhältnisreflexion, nämlich durch thematisch interessiertes Fragen des Interviewers - und diesem die Möglichkeit, schrittweise ein adäquates Verständnis über die Problemansicht des Befragten zu entwickeln," schreibt Witzel [1982, S. 8].

Im problemzentrierten Interview werden laut Witzel[6] (1985, S. 228) Handlungsbegründungen und Situationsdeutungen, die Subjekte angesichts gesellschaftlicher Anforderungen formulieren, dargestellt. Das heißt, dass mit dieser empirischen Methode nicht die Ursachen der Handlungen von Subjekten beziehungsweise der Befragten, sondern die Begründungen ihrer Handlungen erhoben werden. Die Befragten gewähren somit Einblicke in ihre subjektive Betrachtungsweise der Wirklichkeit (ebd.). Es geht hier also nach Witzel (ebd.) um die Erhebung der subjektiven Sichtweisen beziehungsweise persönlichen Erfahrungen und Einstellungen der Interviewpartner, wobei die Befragten als Experten ihrer Handlungen zu begreifen sind.

Als Ausgangspunkt der Methode ist nach Witzel (1985, S.230) eine vom Forscher wahrgenommene gesellschaftliche Problemstellung zu sehen. Die Orientierung des Forschers an einer relevanten gesellschaftlichen Problemstellung hat zunächst die Offenlegung und Systematisierung seines Wissenshintergrundes zur Folge (ebd.). Dazu gehört neben der kritischen Verarbeitung einschlägiger Theorien und empirischer Untersuchungen zu dem Themenbereich sowie Erkundungen im Untersuchungsfeld, auch die Einbeziehung der Erfahrungen von Experten, wie Witzel (ebd.) weiter ausführt. Weiterhin sind die objektiven Rahmenbedingungen zu untersuchen, von denen die betroffenen Individuen abhängig sind, die sie in ihrem Handeln berücksichtigen und für ihre Absichten interpretieren müssen (ebd.). Dazu gehört auch die Dokumentation struktureller Merkmale des Alltagskontextes der Subjekte.

Witzel (1985, S. 230) führt weiter aus, dass eines der Merkmale beziehungsweise die Zielsetzung des problemzentrierten Interviews, in dem Bemühen liegt, eine

Gesprächsstruktur zu finden, die es ermöglicht, die tatsächlichen Probleme der Individuen systematisch zu ermitteln. Das Adjektiv "problemzentriert" zielt auf das zentrale Kriterium der Methode, das der Problemzentrierung (ebd.). Es wird dabei nach Witzel (1985, S. 228) von einem relativ offenen theoretischen Konzept ausgegangen, verbunden mit der Fragestellung der Untersuchung, das den Forschungsprozess auf die Problemsicht der Subjekte zentriert. Es gilt die Daten sprechen zu lassen, um sie möglichst unvoreingenommen zu analysieren (ebd.).

Ein weiteres Merkmal der Methode ist Witzel (1985, S. 232) zufolge die Gegenstandsorientierung. Sie richtet sich gegen die häufig geübte Praxis, entweder ausgefeilte Forschungsmethoden, unabhängig vom Gegenstand, zu entwickeln oder deren Eignung für den zu untersuchenden Gegenstand mit dem Hinweis auf ein gängiges Verfahren in einem ebenso gängigen Methodenlehrbuch stillschweigend vorauszusetzen. (ebd.).

Die Prozessorientierung ist nach Witzel (1985, S. 233) ebenfalls ein Merkmal der Methode. Es geht hierbei um die flexible Analyse des wissenschaftlichen Problemfeldes, das heißt einer schrittweise Gewinnung und Prüfung von Daten (ebd.). Bei der Prozessorientierung sollen Zusammenhang und Beschaffenheit der einzelnen Elemente, langsam und im ständigen reflexiven Bezug auf die dabei verwandten Methoden, "herausschälen" (ebd.). Es soll nach Witzel (1985, S.233) neben der Gesamtgestaltung des Forschungsablaufes und der Entwicklung des kommunikativen Austausches im Interview, eine kontrollierte Absicherung und Erweiterung der Interpretation im wissenschaftlichen Kontext ermöglichen.

Die Methode des problemzentrierten Interviews nach Witzel (1982; 1985) eignet sich für die Vorgehensweise meiner Untersuchung besonders gut. Es genügt eine kleine Stichprobe und die Wahl des Forschungsfeldes, kann aus Eigeninteresse heraus erfolgen. Desweiteren möchte ich möglichst praxisnahe am Forschungsfeld arbeiten und die persönlichen Sichtweisen beziehungsweise Einstellungen meiner Interviewpartner erforschen.

Es gibt bei der Methode des problemzentrierten Interviews nach Witzel (1985, S. 235) aber auch Grenzen beziehungsweise Störfaktoren, die negative Einflüsse bei der Auswertung haben können. Ein entscheidender Störfaktor besteht im Anspruch auf Vergleichbarkeit und Kontrollierbarkeit des Untersuchungs-materials (ebd.).

Der Interviewer sollte versuchen, die Interviewsituationen einheitlich zu gestalten, so dass eine gewisse Standardisierung bei jedem Interview erreicht werden kann (ebd.). Witzel (ebd.) führt weiter aus, dass ein anderes vielfach diskutiertes Problem, in den unkontrollierbaren Intervieweinflüssen besteht. Für dessen Lösung wurden Idealbilder von neutralen Situationen, wie sie in Laborbedingungen anzutreffen sind, entworfen. Dessen ebenso verzerrende Wirkung blieb dabei unbeachtet (ebd.). Witzel (ebd.) vertritt die Meinung, dass gerade diese Einflussformen als positive Bedingungen zur Klärung der subjektiven Sichtweisen der Untersuchten beitragen können. Negative Elemente, wie zum Beispiel suggestive Fragen, können in der Transkription analysiert werden, so dass Interpretationen inhaltlich relativiert oder eliminiert werden (ebd.). Als weiteres Problem können Missverständnisse als Folge mehrdeutiger Frageformulierungen auftreten. Desweiteren ist es möglich, dass die Befragten ein sozial erwünschtes Antwortverhalten zeigen oder dazu neigen, in ihren Antworten zu abstrahieren. Spärliche Antworten können sich später bei der Auswertung als problematisch erweisen (ebd.).

Die aufgeführten Störfaktoren werde ich bei der Durchführung meiner Interviews mitberücksichtigen, indem ich beispielsweise darauf achte, dass eine gewisse standardisierte Interviewsituation geschaffen wird. Desweiteren werde ich bei spärlich ausgefallenen Antworten nachfragen etc..

2.3 Instrumente des problemzentrierten Interviews

Die Instrumente des Interviewverfahrens bestehen nach Witzel (1982, S. 89) im wesentlichen aus einem Kurzfragebogen, einem Leitfaden, einer Tonband-aufzeichnung und einem Postscriptum.

Nach Witzel (1982, S. 89) soll der Kurzfragebogen vor der eigentlichen Interviewdurchführung erfolgen, um beispielsweise die Aufnahme biographischer Daten (Alter, Beruf der Eltern etc.) des Interviewpartners zu ermöglichen. Damit sollen beim Untersuchten dem Thema relevante Gedächtnisinhalte aktiviert werden und vorab beim Untersuchten zu einer Zentrierung des zu untersuchenden Problemgebietes führen (ebd.). Die schriftlichen Antworten können im späteren Interview als Einstiegsfragen verwendet werden(ebd.).

Der Leitfaden soll nach Witzel (1982, S. 90) das Hintergrundwissen des Forschers thematisch organisieren, um sich durch eine kontrollierte und vergleichbare Herangehensweise dem Forschungsgegenstand zu nähern. Der Leitfaden ist dabei ein Orientierungsrahmen beziehungsweise Gedächtnisstütze für den Interviewer und dient der Unterstützung und Ausdifferenzierung von den Erzählsequenzen des Interviewten (ebd.). Im Leitfaden ist der gesamte Problembereich des Forschungsfeldes formuliert. Die Fragen subsumieren sich inhaltlich in Form thematischer Felder (ebd.). Witzel (ebd.) führt weiter aus, dass die innere Logik des Leitfadens, bezogen auf die Themenfelder und deren Reihenfolge, als "leitender Faden" für die Fragerichtungen und Problemzentrierung im Interview dienen soll. Das ermöglicht dem Interviewer, sein Hintergrundwissen systematisch "abzuhaken" und bei stockendem Gesprächsverlauf, dem Interview-partner Anregungen zu geben (ebd.).

Ein weiteres Instrument des problemzentrierten Interviews nach Witzel (1982, S. 91) besteht in der Tonbandaufzeichnung des Interviews. Damit kann der gesamte Gesprächskontext und die Rolle, die der Interviewer im Gespräch hat, erfasst werden (ebd.). Der Interviewer hat mit Hilfe der Tonbandaufzeichnung die Möglichkeit, sich voll und ganz auf das Gespräch zu konzentrieren. Er kann gleichzeitig situative und nonverbale Elemente beobachten (ebd.).

Als abschließendes Instrument führt Witzel (1982, S. 91) das Anfertigen eines Postscriptums an. Das kann dem Interpreten in bestimmten Fällen wichtige Daten liefern, die dazu beitragen, einzelne Gesprächsaussagen besser verstehen zu können (ebd.).

In diesem Abschnitt zeigt sich, dass der Leitfaden für das Gelingen der Interviews eine wichtige Rolle spielt. Bei der Entwicklung des Leitfaden werde ich somit die theoretische Einordnung des Forschungsfeldes meiner Untersuchung mitberück-sichtigen und im Kapitel 4.3 ausführlich darstellen.

2.4 Zur Interviewsituation nach Lamnek (1989)

Als die zentralen Kommunikationsstrategien in der Interviewsituation des problemzentrierten Interviews beschreibt Lamnek (1989, S. 75) folgende vier Phasen: Gesprächseinstieg, allgemeine Sondierungen, spezifische Sondierungen und Ad-hoc-Fragen.

Für den Interviewer bedeutet das in der ersten Phase, dass er im Gesprächseinstieg den Interviewpartner nochmals auf das methodische Prinzip des Erzählens hinweist (ebd.). Als Einstieg soll dem Interviewten eine möglichst allgemeine Frage gestellt werden, die von ihm erzählerisch ausgestaltet werden kann, ohne dass der Interviewpartner bereits das Augenmerk auf einen bestimmten Aspekt der Problemstellung beschränkt (ebd.).

In der zweiten Phase, der allgemeinen Sondierung, soll der Interviewer den Befragten durch ein Erzählbeispiel, zu detaillierten Ausführungen stimulieren (ebd.). Das Erzählbeispiel soll Alltagselemente des Befragten in die Interviewsituation miteinbeziehen. Es sollen in dieser Phase gleichzeitig beim Befragten emotionale Vorbehalte gegenüber dem Interviewer abgebaut werden (ebd.).

Mit der spezifischen Sondierung versucht der Interviewer in der dritten Phase, verständnisgenerierend die Erzählsequenzen und Darstellungsvarianten des Befragten nachzuvollziehen (ebd.). Der Interviewer soll dabei die Ausführungen des Befragten zurückspiegeln und mit eigenen Worten die Aussagen des Befragten wiedergeben (ebd.). Damit wird dem Befragten ein Interpretationsangebot seiner Aussagen gegeben. Der Interviewer kann auf diesem Wege seine Deutungen überprüfen und gegebenenfalls modifizieren (ebd.). Desweiteren hat der Interviewer die Möglichkeit, Verständnisfragen zu stellen, um beispielsweise widersprüchliche Antworten zu thematisieren. Der Interviewer kann den Befragten vorsichtig mit Widersprüchen, Ungereimtheiten und Unerklärtem konfrontieren (ebd.).

In der vierten Phase sind Ad-hoc-Fragen möglich. Damit können vom Interviewer direkte Fragen zu Themenbereichen gestellt werden, die im Interview noch nicht angesprochen wurden (ebd.).

Wie sich die Interviewsituation in meiner empirischen Untersuchung verhielt, wird in Kapitel 4.4 dargestellt.

2.5 Methoden zur Auswertung des problemzentrierten Interviews nach Witzel (1985), Mayring (1991) und Volmerg, Senghaas-Knobloch & Leithäuser (1986)

Der folgende Abschnitt soll zeigen, nach welchen Auswertungsmethoden das problemzentruierte Interview Witzels (1985) analysiert werden kann. Zunächst wird Bezug auf die Auswertungsmethode nach Witzel (1985) genommen, im nächsten Schritt wird die Vorgehensweise nach Mayrings (1991) Inhaltsanalyse dargestellt und abschließend wird die Methode der Kernsatzfindung nach Volmerg, Senghaas-Knobloch & Leithäuser (1986) vorgestellt.

Nach Witzel (1985, S. 242) stellt der Forscher durch sein problemzentriertes Nachvollziehen und Sondieren der Explikationen seiner Interviewpartner den Interpretationsrahmen für die anschließende systematische Textinterpretation her. Damit die Tendenz, sich Belege für die vorgefasste Wissenschaftlermeinung im Text zu suchen, vermieden wird, soll laut Witzel (ebd.) ein Interpretationsrahmen entwickelt werden, welcher zunächst aus einer Satz-für-Satz-Analyse des vollständig transkripierten Textes der Einzelinterviews besteht. Das soll Aussagen über den Inhalt im Kontext gewährleisten (ebd.). Diese Vorgehensweise ist für Witzel (ebd.) wichtig, weil dadurch die Objektivität und Validität der Ergebnisse erhalten wird. Der Forscher hält sich somit bei seiner Interpretation und Beantwortung seiner Fragen konkret an die Interaktionstexte (ebd.). Das ermöglicht ihm laut Witzel (1985, S.243), die Plausibilität und Interpretation an den entsprechenden Belegstellen nachzuweisen oder widerlegen zu können. Witzel (1985, S. 244) führt weiter aus, dass eine abschließende Stufe der Datenaufbereitung in einer vergleichenden Systematisierung besteht. Dabei sollen möglichst vollständig alle relevanten Bedingungen und Aspekte erfasst werden, die zur Beantwortung der Forschungsfrage führen (ebd.).

Bevor ich ausführe, wie ich bei der Auswertung meiner Befragungsergebnisse vorgegangen bin, sollen zunächst die Ausführungen Mayrings (1991) folgen.

Das Ziel der Inhaltsanalyse nach Mayring (1991, S. 209) liegt ebenfalls in der systematischen Bearbeitung des transkriptierten Materials aus Kommunikationen. Dabei wird nicht nur auf den Inhalt des verbalen Materials abgezielt. Es werden auch die formalen Aspekte sowie latente Sinngehalte zu ihrem Gegenstand gemacht (ebd.).

Ein wichtiger Aspekt in der Systematik der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring (1991, S.210) liegt im Zerlegen des Analyseablaufes in einzelne Schritte. Diese können zu einem Ablaufmodell zusammengestellt werden und dabei das inhaltsanalytische Arbeiten anleiten (ebd.). In seiner allgemeinen Form sieht das Ablaufmodell der qualitativen Inhaltsanalyse wie folgt aus:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Allgemeines Ablaufmodell qualitativer Inhaltsanalyse (Mayring 2000, S. 54).

Nach Mayring (1991, S. 211) werden drei Grundformen qualitativer Inhaltsanalysen beschrieben: eine zusammenfassende, eine explizierende und eine strukturierende Inhaltsanalyse.

Für die Auswertung meiner empirischen Untersuchung habe ich mich für die zusammenfassende Inhaltsanalyse nach Mayring (ebd.) entschieden. Diese Methode eignet sich nach Mayring (1991, S. 212) besonders, wenn sich das Interesse auf die inhaltliche Ebene des Materials bezieht und eine Komprimierung des gesamten Interviewtextes zu einem überschaubaren Kurztext benötigt wird. Diese Eigenschaft soll mir bei der Auswertung meiner Interviews nützlich sein.

Bei der zusammenfassenden Inhaltsanalyse wird nach Mayring (1991, S. 211) versucht, das Material so zu reduzieren, dass die wesentlichen Inhalte erhalten bleiben und daraus trotzdem ein überschaubarer Text entsteht. Dazu kann auf die Psychologie der Textverarbeitung (vgl. van Dijk 1980; Ballstaedt et al. 1981) zurückgegriffen werden (ebd.). Das ermöglicht einzelne zusammenfassende Prozesse, wie zum Beispiel Auslassungen, Generalisation oder Bündelung etc. (ebd.). Daraus lässt sich ebenfalls nach Mayring (1991) ein Ablaufmodell zusammenstellen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Ablaufmodell zusammenfassender Inhaltsanalyse (Mayring 2000, S. 60).

Nachdem die Auswertungsmethode der qualitativen Inhaltsanalyse vorgestellt wurde, möchte ich im Folgenden darstellen, wie ich bei der Auswertung meiner Befragungsergebnisse vorgegangen bin.

Zunächst werden die Interviews wortwörtlich transkripiert. Im nächsten Schritt werden Analyseeinheiten der Interviews bestimmt, indem beim ersten Durchlesen der Interviewtexte, die ersichtlichen Antworten auf die entsprechenden Fragen des Leitfadens unterstrichen werden. Anschließend nehme ich eine Paraphrasierung der inhaltstragenden Textstellen vor. Damit sollen die Möglichkeiten zur Bestimmung des angestrebten Abstraktionsniveaus eröffnet werden, um eine Generalisierung der Paraphrasen zu ermöglichen. Gleichzeitig wird das Interview zerlegt und die Einzelinformationen können extrahiert werden. Im weiteren Vorgehen wird eine Reduktion durch Selektion vorgenommen, indem bedeutungsgleiche Paraphrasen gestrichen werden. Eine weiterführende Reduktion wird durch eine Bündelung, Konstruktion und Integration von Paraphrasen auf dem angestrebten Abstraktionsniveau erreicht. Im nächsten Schritt wird eine Zusammenstellung der neuen Aussagen als Kategoriensystem vorgenommen. Die Informationen werden dabei in ein vorher festgelegtes Codierschema verschiedener Themenkomplexe übertragen, um sowohl objektive als auch subjektive Dimensionen erfassen zu können. Zur Gewährleistung der Validität der Auswertungsergebnisse wird eine Rückprüfung des zusammenfassenden Kategoriensystems am Ausgangsmaterial durchgeführt. Die Auswertungsergebnisse werden zu einem Text formuliert, der den Prozess der Verarbeitung beziehungsweise der Verarbeitungslogik darstellt. Die inhaltlich interpretative Auswertung kann somit abgeschlossen werden.

Zur Vereinfachung bei der Zuordnung der paraphrasierten Aussagen, der oben erwähnten Themenkomplexe nach Mayring (ebd.), verwende ich das Prinzip der Kernsatzfindung nach Volmerg[7], Senghaas-Knobloch[8] & Leithäuser[9] (1986).

Ein Kernsatz ist nach Volmerg, Senghaas-Knobloch & Leithäuser (1986, S. 271) ein signifikanter Satz eines Textes, in dem sich zentrale Erfahrungen, Sichtweisen, Positionen und Handlungsmaximen zu einer markanten Begrifflichkeit verdichten. Diese Vorgehensweise trägt zusätzlich zur Reduzierung des Ausgangsmaterials bei. "Kernsätze sind (...) natürliche Verallgemeinerungen im Fluß der Diskussion. Sie faßen meist einen Diskussionsabschnitt zusammen," schreiben Volmerg, Senghaas-Knobloch & Leithäuser [1986, S. 271]. Die Kernsätze sollen mir bei der Darstellung der Befragungsergebnisse in Kapitel 5 als themenhinweisende Überschriften einzelner Themenfelder dienen.

3. Theoretische Erörterung zum Forschungsfeld der empirischen Untersuchung

Ein wichtiger Bestandteil des problemzentrierten Interviews nach Witzel (1982) ist vorab die theoretische Erörterung des Forschungsfeldes (vgl. Kapitel 2.2). Diese soll es ermöglichen, eine vom Forscher wahrgenommene gesellschaftliche Problemstellung darzustellen. Dazu gehört unter anderem die Verarbeitung einschlägiger Theorien sowie Erkundungen im Untersuchungsfeld, bevor die empirische Untersuchung durchgeführt werden kann. Desweiteren sind die objektiven Rahmenbedingungen der Interviewpartner zu untersuchen, mit denen eine Dokumentation struktureller Merkmale des Alltagskontextes möglich wird.

Zur Annäherung an die Frage, vor welchen psychologischen Bewältigungsproblemen sich deutsche Führungskräfte in Mexiko als Person gestellt sehen, wenn sie den Übergang von der deutschen in die mexikanischen Kultur erleben und zugleich ihrer Berufsrolle gerecht werden müssen, bedarf es zunächst einer Klärung grundlegender Begriffe, die in diesem Themenfeld bedeutsam sind.

3.1 Einführung und Begriffsdefinition des interkulturellen Managements nach Dülfer (1997)

In den Veröffentlichungen Dülfers[10] geht es unter anderem um die Führungsproblematik von Unternehmen, die Tochtergesellschaften in Gastländern betreiben.

Mit der Bezeichnung "interkulturelles Management" wird ein Begriff angesprochen, der Dülfer (1997, Vorwort) zufolge, im anglophonen Sprachbereich weltweit als Bezeichnung für Unternehmensführung gebraucht wird. Dülfer (ebd.) führt weiter aus, dass in den Gastländern, in denen internationale Unternehmen tätig sind, von deren Auslandsmanagern immer wieder enttäuschende Erfahrungen gemacht werden. Als möglichen Grund dafür sieht Dülfer (ebd.) die Andersartigkeit der Umwelt einer Unternehmung in den fremden Natur- und Kulturbereichen. Das zeigt sich nach Dülfer (1997, S. 5) zum Beispiel darin, dass Managementtätigkeiten nicht nur den Einsatz sachlicher Ressourcen, sondern auch die Koordination menschlicher Aktivitäten betreffen. Sie beinhaltet eine zielbezogene Kommunikation mit ausländischen Interaktionspartnern.

Dabei ist nach Weber et al. (1998, S. 29) zu berücksichtigen, dass die Menschen, die in international tätigen Unternehmen arbeiten, oftmals auch durch unterschiedliche Sozialisationserfahrungen in verschiedenartigen kulturellen Umfeldern geprägt sind.

Daraus kann sich nach Dülfer (1997, S. 450) beim einzelnen Auslandsmitarbeiter ein Spannungsverhältnis gegenüber seinem Gastland und seinen einheimischen Bewohnern beziehungsweise Mitarbeitern ergeben, was sich dann im Verhalten auswirken kann. Dülfer (1997, S. 263) weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Kenntnisse zur Landeskultur eines Gastlandes, dem Auslandsmitarbeiter im Vorfeld Auskunft über die Verhaltensweise von ausländischen Gesprächspartnern geben sollen, um Missverständnissen vorzubeugen. Es kann nach Dülfer (1997, S. 459) beispielsweise in der Beziehung zwischen anweisungsberechtigtem Auslandmitarbeiter und dem einheimischen Mitarbeiter des Gastlandes häufig eine "ethnozentrische" Denkweise des Auslandsmitarbeiters beobachtet werden. In dieser Situation betrachtetet der Auslandsmitarbeiter die Auslandsgeschäfte rein fachlich wie Inlandsgeschäfte, in denen die länderspezifischen Unterschiede vernachlässigt werden (ebd.). Die Berücksichtigung des fremden Umfeldes wird nach Dülfer (1991, S. 169) in der Literatur als ein Kernproblem des "interkulturellen Managements" gesehen.

Dieses Kernproblem möchte ich anhand meiner empirischen Untersuchung am Beispiel deutscher Führungskräfte in Mexiko ergründen und exemplarisch darstellen.

3.2 Annäherung einer Begriffsdefinition von "Kultur" zur Differenzierung kultureller Unterschiede von Gesellschaften nach Hofstede (1993)

Im folgenden Abschnitt werden länderspezifische Unterschiede anhand Hofstedes (1993) Erhebung zum Thema "kulturelle Unterschiede von Gesellschaften" herausgearbeitet.

Vorab ist an dieser Stelle zu sagen, dass die Betrachtung der Begriffsdefinition von "Kultur" nur eindimensional beziehungsweise nur nach Hofstede (1993) vorgenommen werden kann, da die Komplexität Themas und die unzähligen Betrachtungsweisen von "Kultur" den Rahmen dieser Arbeit übersteigen würde.

[...]


[1] Die Namen von Herrn W. und meinen Interviewpartnern Herrn M., Herrn V. und Herrn Z. sind anonymisiert.

[2] Auf welche Problemfelder können Auslandsmitarbeiter bei ihrer Auslandsentsendung nach Mexiko treffen und wie erleben sie diesen Prozess persönlich?

[3] Werner Stangl, Assistenzprofessor am Institut für Pädagogik und Psychologie der Johannes Kepler Universität, Linz

[4] Prof. Dr. Philipp Mayring, ist Wissenschaftlicher Beirat für Psychologie an der Universität Klagenfurt. Mit dem Forschungsschwerpunkten qualitative Forschungsmethoden, Entwicklungspsychologie und pädagogische Psychologie.

[5] Prof. Dr. Siegfried Lamnek lehrt an der katholischen Universitaet Eichstätt - Lehrstuhl für Soziologie II in den Disziplinen: Soziologie, Kriminologie, empirische Sozialforschung.

[6] Dr. Andreas Witzel, Sonderforschungsbereich 186 der Universität Bremen, Disziplinen: Sozialpsychologie, Soziologie.

[7] Prof. Dr.phil. Birgit Volmerg ist Professorin für Arbeits- und Technikpsychologie an der Universität Bremen; Sprecherin des Instituts für Psychologie und Sozialforschung (IPS) und Leiterin der Transferstelle für Management und Organisationsentwicklung (TIPS).

[8] Prof. Dr. Eva Senghaas-Knobloch, seit 1992 Professorin für Arbeitswissenschaft mit dem Schwerpunkt sozialwissenschaftliche Humanisierungsforschung.

[9] Prof. Dr. phil. Thomas Leithäuser, Professor im Studiengang Psychologie der Universität Bremen.

[10] Eberhard Dülfer, emeritierter Professor der Betriebswirtschaftslehre.

Details

Seiten
82
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638171915
Dateigröße
887 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v10886
Institution / Hochschule
Universität Bremen – Psychologie
Note
1
Schlagworte
Interkulturelles Management Problem

Autor

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Titel: Interkulturelles Management als persönliches Problem