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Kesey, Ken - Einer flog über das Kuckucksnest - Versuch einer Interpretation

Referat / Aufsatz (Schule) 2004 5 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Ken Kesey: „Einer flog über das Kuckucksnest

Bei dem vorliegenden Text „Einer flog über das Kuckucksnest“ von Ken Kesey handelt es sich um einen Roman. Hier geht es um den Halbindianer Bromden, der nun schon seit langer Zeit in einer Nervenklinik den tristen Alltag über sich ergehen lässt. Änderung ist nicht in Sicht bis plötzlich der seltsame Neuankömmling McMurphy kommt, der der “großen Schwester“ und der Genossenschaft das Leben schwer macht.

Im Roman „Einer flog über das Kuckucksnest“ gibt es drei Hauptpersonen sowie weitere wichtige Randfiguren die es zu nennen gibt. Die erste der drei Hauptpersonen ist der Halbindianer Bromden aus dessen Sicht die ganze Geschichte erzählt wird. Bromden ist der jenige, der am längsten in der Klinik ist. Er ist sehr groß, weshalb er von den schwarzen Helfern oft gehänselt wird. Außerdem gibt er vor taubstumm zu sein um sich besser von den anderen isolieren zu können. Damit geht er in gewisser Weise gebückt weil er sich kleiner macht wie er eigentlich ist. Auf der anderen Seite aber ist er gewieft genug die ganze Belegschaft zum Narren zu halten. Das ganze hat den Vorteil dass sich die anderen, inklusive der Angestellten, offen neben ihn unterhalten, da sie denken er könne sie nicht hören. Dadurch dass ihn die Angestellten z.B. den Raum fegen lassen während Sie in diesen über das weitere Vorgehen im Fall McMurphy diskutieren, kann er mithören. Nach der Ansicht Bromden’s ist nicht nur die „große Schwester“ Wurzel allen Übels, sondern die gesamte Genossenschaft – die große Schwester ist nur ein wichtiges Rädchen der Maschinerie. Der Neuankömmling McMurphy ist der erste der bemerkt das Bromden gar nicht taubstumm ist. Gen Ende des Buches gibt Bromden schließlich auf und redet auch mit den anderen Patienten. Eine weitere wirklich wichtige Person ist McMurphy. Um den letzten harten Strafarbeitswochen im Gefängnis zu entkommen tut er so als sei er verrückt. Was er nicht weiß ist, dass die Schwester entscheiden kann wie lange McMurphy in der Klinik bleibt. Er ist ein sehr starker Mann, hat rotes Harr und Narben im Gesicht. McMurphy ist geschockt, als er das erste Mal in die Klinik kommt und er den ganzen Tag nicht ein Lachen hört. Auf der anderen Seite aber ist er ein unberechenbarer Spieler, der den anderen Patienten beim Pokern und Siebzehnundvier das Geld aus der Tasche zieht. Er ist der erste der es wirklich schafft der großen Schwester die Stirn zu bieten, weshalb er schnell zum Held aller Patienten gekürt wird. Er setzt sich viel für die Patienten ein und kann nach einiger Zeit sogar durch demokratische Abstimmungen einige Regeln ändern lassen. McMurphy gibt den Patienten in gewisser Weise das Lachen zurück, dass sie, seitdem sie eingewiesen wurden verloren haben. Da er schnell merkt, dass man die große Schwester nicht etwa einfach mit Gewalt schlagen kann, versucht er sie mit ihren eigenen Waffen auszuschalten. Er provoziert sie, ohne ihr aber einen plausiblen Grund zu geben ihn auf die geschlossene Abteilung verlegen zu können. Er hat sogar Wetten darauf abgeschlossen das er es schafft die große Schwester bis zum Ende der Woche aus der Fassung zu bringen. Des Weiteren ist er der erste der bemerkt das Bromden gar nicht taubstumm ist und versucht diesen wieder zu seiner alten Stärke, bzw. zu dessen alten Selbstvertrauen zu führen. Die letzte, - aber nicht zu vergessene- Person die in diesem Roman eine zentrale Rolle spielt ist Mrs. Ratched, „die große Schwester“ wie sie von den Patienten genannt wird. Mrs. Ratched ist eher Konservativ gekleidet, ähnlich ihren Charakter. Doch versucht sie ihre große Oberweite zu verstecken, worüber sich die Patienten belustigen. Allerdings traut sich niemand so recht über dieses Verhalten zu lachen, da sie die Person ist, vor der sich alle Patienten fürchten – zumindest bis McMurphy kommt um ihr die Stirn zu bieten. Sie ist nur schwer aus der Fassung zu bringen und scheint wie auf Knopfdruck für jede Situation das passende Lächeln zu haben. Sie schafft es eine unheimliche Autorität auf alle Angestellten, ja sogar auf ihren Vorgesetzten, zu haben ohne jemals wirklich aus der Fassung zu kommen bzw. laut zu werden. Sie terrorisiert die Patienten und pumpt sie mit Medikamenten voll um sie manipulieren zu können, dass alles geschieht unter dem Deckmantel der Freundlichkeit so das keiner ihr etwas ansehen würde. Durch McMurphy bekommt sie es erstmals mit einer Gegenmacht zu tun. Es ist als würden zwei Politiker um die Stimmen der Wähler kämpfen, wobei McMurphy der Politiker ist der trotz seiner scheinbar aussichtslosen Ansichten bzw. Wahlversprechen derjenige ist, der überraschenderweise eine unglaubliche Audienz gefunden hat. Wer feige ist stimmt weiter für Mrs. Ratched und die Genossenschaft, wer mutig ist stimmt für McMurphy, für die Gleichberechtigung, die Freiheit und die Toleranz unter den Menschen. Nun ist es denke ich, auch noch notwendig, kurz über die ein oder andere Randfigur zu sprechen zu kommen. Zunächst einmal sollten wir kurz den Stab komplettieren.

Als erstes der Doktor der Station. Er ist wie gesagt nur eine kleine Randfigur, was aber wichtig ist, ist das er scheinbar in einem freundschaftlichen Verhältnis zu McMurphy steht und sich damit auch gegen Mrs. Ratched auflehnt. Er steht in den Sitzungen meist hinter McMurphy. Weitere Figuren des Stabs sind nicht wirklich wichtig – die schwarzen Helfer, und die kleine Schwester, allerhöchstens Mr. Turkle der ebenfalls ein recht freundschaftliches Verhältnis zu McMurphy pflegt. Er ist der Wärter auf der Station und spielt gegen Ende des Buches ebenfalls gegen Mrs. Ratched. Nun dann hätten wir den Stab schon mal komplett. Kommen wir nun zu den anderen Patienten, sie alle haben eins gemeinsam – für sie alle ist McMurphy ein Held, weil er das sagt das sie sich selbst nicht trauen. Doch je länger McMurphy auf der Station ist, desto größer wird ihr Mut. Sie alle lernen sich gegen die große Schwester aufzulehnen, ihre Meinung zu sagen. Da haben wir zunächst einmal Harding, einen intelligenten, aber etwas verklemmten Mann der Angst hat seine schönen Hände zu zeigen. Billy, einen stotternden jungen Mann der unter seiner ein wenig zu fürsorglichen Mutter zu leiden hat, die nebenbei noch eine gute Freundin von Mrs. Ratched ist. Er hat auch das Problem das er, trotz dass er etwa dreißig Jahre alt ist, aussieht wie ein Teenager. Billy schneidet sich im letzten Teil des Buches die Pulsadern auf weil Mrs. Ratched ihn sagte sie würde mit seiner Mutter über sein Verhalten reden, als sie ihn in flagranti mit einer Prostituierten erwischt hatte, die McMurphy organisiert hat. Gerade Billy sieht McMurphy als absolutes Vorbild. Dann haben wir noch Cheswig, einen übernervösen Mann der seit seiner Kindheit unter seiner geistigen Behinderung zu leiden hat. Er ertrinkt im 3 Teil des Buches weil die schwarzen Männer im Schwimmbecken nicht schnell genug reagierten. Dann noch Martini, einen eher stillen Mann, der eigentlich wenig auffällt und letztendlich noch Frederiksen und Seef, die beiden Epileptiker, die nebenbei noch die beiden besten Freunde sind. Die gerade genannten Patienten sind alle freiwillig in der Klinik, weil ihnen ihr Leben lang nachgesagt wurde sie seien Versager und unfähig sich an die Gesellschaft anzupassen. Am Ende verlassen sie fasst alle die Klinik.

Dem Autor Ken Kesey ging es in seinem Buch nicht vordergründig darum eine Enthüllung über die Zustände in einer Nervenklinik zu liefern, sondern vielmehr darum einen Kampf des Individuums gegen ein totalitäres System anzuzetteln. Es zeigt wie Menschen die anders sind, die gegen den Strom schwimmen, behandelt werden und dieses Buch fordert diese Menschen auf, nicht krampfhaft zu versuchen sich anzupassen sondern man selbst zu sein. Sich gemeinsam für seine Akzeptanz und die seiner Freunde einzusetzen. Die Krankenstation im Roman fungiert als Reparaturwerkstadt der Gesellschaft und so bizarr, wie grotesk sie von dem Halbindianer Bromden beschrieben , wird so wirksam scheint sie sich auch für die Gesellschaft zu erweisen. Menschen die anders sind machen uns oft Angst, weil sie sich scheinbar nicht den Normen der Gesellschaft anpassen wollen oder können. Der Autor zeigt uns auch wie weit die Definitionen von Verrückt oder Normal sein manchmal auseinander gehen können. Die Menschen die als Verrückt dargestellt werden wirken teilweise ziemlich normal auf den Leser – ich meine warum muss jemand der Beispielsweise etwas nervöser ist direkt weg- bzw. ausgeschlossen werden? Der Autor spricht nicht direkt darauf an das jemand der anders ist direkt in ein Irrenhaus kommt sondern wie dieser Mensch mit der Intoleranz der Menschen zu kämpfen hat. Die Art wie Bromden die Klinik mit einer Maschine vergleicht – genau das ist es das Kesey kritisieren will. Er umschreibt das ganze als eine Art Maschinerie die das tut was die Gesellschaft von ihr verlangt – zu heilen indem sie krampfhaft versucht die Menschen anzupassen. Und nicht nur der Klinik läuft wie eine Maschine sondern die ganze Gesellschaft und ist ein Rädchen kaputt muss dieses Rädchen repariert werden. Der Titel des Buches ist Teil eines alten Kinderreims – acht Gänse fliegen durch die Nacht… einer (Enterich) Ost, einer West, einer flog über das Kuckucksnest. Wenn sie mich fragen, hätte er nicht besser ausgesucht werden können. McMurphy ist die Ente die über das Kuckucksnest fliegt, und er versucht möglichst viele Enten mit sich zu nehmen…

Es ist wie ich es oben schon sagte: wer mutig ist geht mit McMurphy, hat Mut und kämpft für seine Rechte oder wie John Lennon sagte: „A working class hero is something to be … If you want to be a hero well just follow me” (Working Class Hero, Lyrics by John Lennon 1970) oder auch: You may say I'm a dreamer, But I'm not the only one, I hope someday you'll join us, And the world will be as one (Imagine, Lyrics by John Lennon 1971). Es gäbe 100 Hunderte Zitate, nicht nur von John Lennon, die man hier niederschreiben kann. Fakt ist: das Buch hat, auch fasst 50 Jahre nach seinen Erscheinen nichts an seiner Aktualität verloren. Was Lennon 10 Jahre später schrieb, war keine Rezension auf Kesey’s Meisterwerk, sondern einfach das was er fühlte. Nun hatte ein John Lennon schon einen gewissen Einfluss auf die Gesellschaft, ein McMurphy hingegen ist ein Nichts in der Gesellschaft und trotzdem ist er so groß und genau von dieser Art Menschen brauchen wir mehr.

Bei den vorliegenden Text “Einer flog über das Kuckucksnest” von Ken Kesey handelt es sich um einen Roman. Der Text ist aus der Sicht des Halbindianers Bromden geschrieben und somit kann man sich gut in den Text hereinversetzten. Was mir aufgefallen ist, ist das er sehr emotional beeinflusst spricht. Man hat das Gefühl man kann all die Wut, die Traurigkeit oder auch die Hoffnung, zur zweiten Hälfte des Buches, wirklich spüren. Der Text wurde in 4 Teile unterteilt und man hat das Gefühl das sich der Emotionszustand des Erzählers zu jeden Wechsel in ein neues Kapital ändert. Auch die Art wie er die Wirkung der Medikamente, eine medikamentös erzeugte Nebelwand, beschreibt wirkt so als könne man das Bild durch Bromdens Augen sehen. All seine Wahrnehmungen scheint man genau spüren zu können. Der Text ist in der Umgangssprache geschrieben deswegen kann ihn jeder verstehen. Teilweise wird sogar Fäkalsprache benutzt, z.B. Pisse oder Nigger. Es wir viel wörtliche Rede angewendet, um uns den Text auch einfach spannender zu machen, der Autor kommt aber auch oft ohne aus. Gerade in der wörtlichen Rede sind einige der wenigen Ellipsen vorhanden – sowie es im wirklichen Leben auch oft ist wenn man sich unterhält. Der Autor versteht es in den unterschiedlichsten Situationen die Dinge die Bromden sieht, aus dessen Sicht genaustes zu beschreiben. Teilweise kommen dabei auch sehr Ungewöhnliche, um nicht zu sagen seltsame Beschreibungen bei raus. Z.B. beschreibt er die Ärzte als Techniker. Was auch noch auffällig ist, ist das der Erzähler in einigen Passagen immer wieder etwas über seine Vergangenheit erzählt. Somit entwickelt sich in unseren Köpfen ein ganz eigenständiger Charakter, da man eine Menge über Bromden erfährt.

Ich persönlich bin wirklich begeistert von diesem Buch! Ich muss gestehen ich habe mir erst den Film angesehen bevor ich das Buch gelesen habe, weil ich ein großer Fan von Jack Nicholson bin. Weil mir der Film gefiel dachte ich mir das Buch zu lesen kann nicht schaden. Nachdem ich das Buch gelesen habe gefiel mir der Film ehrlich gesagt aber nicht mehr so gut.

Der Film schafft es einfach nicht die Emotionen des Buches einzufangen die das Buch wiedergab. Nun um wieder zum Buch zu kommen, ich finde es gut das die Geschichte nichts an ihrer Aktualität verloren hat und auch nicht verlieren wird. Die Art und Weise wie alles beschrieben wird gefällt mir einfach, da sie trotz das sie vulgär ist, doch sehr intelligent wirkt. Was in jedem Fall noch ein Punkt ist, ist das trotz der tragischen Geschichte der Humor nicht zu kurz kommt. Auch gut ist das man sich von jeden Charakter sein Bild bilden konnte und auch diese Einblendungen von der Vergangenheit des Indianers sind sehr gut und bildhaft dargestellt. Letztendlich kann ich sagen dass dieser Zeitlose, und bewegende Klassiker von Ken Kesey ein absoluter Buchtipp ist.

Details

Seiten
5
Jahr
2004
Dateigröße
402 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v108769
Note
Schlagworte
Kesey Einer Kuckucksnest Versuch Interpretation

Autor

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Titel: Kesey, Ken - Einer flog über das Kuckucksnest - Versuch einer Interpretation