Lade Inhalt...

Georges Bataille. Zur "Theorie der Verschwendung"

Hausarbeit 2003 16 Seiten

Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung
Biographisches

2. Theorie der Verschwendung
Produktion und Verschwendung
Der Potlatsch
Der Klassenkampf und der Potlatsch
Die Heterologie, die Revolution und die
Abwendung von der marxistischen Revolution

3. Allgemeine Ökonomie

4. Aussichten

III. Quellenangaben

EINLEITUNG

Diese Hausarbeit befasst sich mit dem Werk Georges Batailles. Über Biographisches, seinem Werk „Über die Theorie der Verschwendung“ und seiner Allgemeinen Ökonomie, komme ich zu den Aussichten.

Bei der Ausarbeitung von Georges Batailles Arbeit habe ich mich sehr an das Werk von Gerd Bergfleth „Theorie der Verschwendung“ gehalten.

BIOGRAPHISCHES

Am 10. September 1897 wurde Georges Bataille als Sohn wohlhabender Bauern in Billom geboren. Er absolvierte in der Zeit von 1917 bis 1922 eine Ausbildung an der École des Chartes zum Bibliothekar und Archivar. Mit diesem Beruf verdiente er sich seinen Lebensunterhalt an verschiedenen französischen und ausländischen Bibliotheken, darunter auch die berühmte Pariser Bibliothèque Nationale, in der er auch Bekanntschaft mit Walter Benjamin[1], der in den letzten Jahren seines Lebens dort arbeitete, machte. Bataille bewies Zivilcourage, als während des 2. Weltkrieges deutsche Truppen in Paris einmarschierten, indem er die Hauptmanuskripte von Benjamins Pariser Passagen vor den Deutschen in Gewahrsam nahm und in der Bibliothèque Nationale versteckte.

Bataille hielt sich in den zwanziger Jahren, neben seiner Tätigkeit als Bibliothekar, im Umkreis der avantgardistischen, künstlerischen, später auch politisch motivierten Bewegungen des Surrealismus um André Breton auf.[2] Mit dem Surrealismus verband sich gleichzeitig, durch die explizite, oft schockierende Thematisierung des Verfemten oder Ausgegrenzten, ein radikaler, subversiver und kritischer Impuls sowohl gegen jede Form einer Absolutsetzung von Vernunft und Rationalität als auch gegen die Reform der gesellschaftlichen Wirklichkeit. Bataille wurde durch Freunde, den Ethnologen und Schriftsteller Michael Leiris und den Maler André Masson, der auch einige von Batailles literarischen Werken illustrierte, in den surrealistischen Kreis um Breton eingeführt. Er stand jedoch dieser Bewegung mit einer gewissen Distanz gegenüber. „Batailles Beziehungen zum Surrealismus waren von Anfang an ambivalent. Zwar faszinierte ihn die Vorstellung von der Befreiung des Geistes aus den Zwängen von Vernunft und Logik, die der Bedeutung der emotionalen irrationalen Seite der menschlichen Existenz gerecht zu werden versucht, doch er wittert in den Manifeste du surréalisme formulierten Prinzipien der écriture automatique einen idealistischen Denkansatz, der seinen eigenen Bestreben zuwiderlief, die Totalität des menschlichen Seins zu erschaffen.“[3]

Es kam zu einer Spaltung der surrealistischen Bewegung als Breton eine radikale politische Wende der Surrealisten zum Kommunismus verlangte. Auch Bataille bekannte sich zum Marxismus und politischen Engagement, er schloss sich der links-intellektuellen, antifaschistischen Gruppe „Contre-Attaque“[4] an. Breton ordnete den Surrealismus den politischen Bestrebungen unter, dies erregt bei Bataille einen heftigen Widerwillen.

Bataille war Herausgeber verschiedener Zeitschriften, zum Beispiel die 1929 zusammen mit Michael Leiris und Carl Einstein gegründete und zwei Jahre später wieder eingestellte interdisziplinär angelegte Zeitschrift „Documents“ und die 1946 gegründete bis heute existierende Zeitschrift „Critique“, in denen er unbekannten Schriftstellern, Philosophen und Wissenschaftlern die Möglichkeit gab, sich zu äußern.

Bataille schrieb auch selber. In seinen Texten schrieb er über Themen, die kaum einer wirklich anrührte, er spürte Abweichungen oder Bizarrerien der Natur auf, untersuchte Undinge, was niemand anfasst, was die Kultur ausscheidet. Gerade aufgrund des abstoßenden Charakters erfüllen die von Bataille aufgespürten heterogenen Phänomene und die mit ihnen verbundenen Erfahrungen der Auflösung, der Entgrenzung und des Todes eine präzise Funktion innerhalb seines theoretischen Ansatzes. Nur durch die Zuwendung zu den niederen Phänomenen könne der Fehler der meisten materialistischen Ansätze, in letzter Konsequenz wiederum in idealistische Themen zurückzufallen, vermieden werden. „Mit Heterologie und niederem Materialismus schreitet Bataille somit auf konsequente, d.h. antiidealistische Weise den surrealistischen Erfahrungsraum aus, gleichzeitig geht er aber auch über die subversive „Praxis“ der Surrealisten hinaus, insofern er seine Konzeption einer Heterologie in der Schrift Die psychologische Struktur des Faschismus (1933) auch als theoretischen oder wissenschaftlichen Bezugsrahmen für eine sozialpsychologische Analyse des italienischen und deutschen Faschismus fruchtbar macht.“[5] Er ging auf die Faszination ein, die von der heterogenen Seite der Wirklichkeit ausging und die die unkontrollierbaren, unbewussten Schichten der menschlichen Persönlichkeit affizierte. Er meinte damit die Faszination, die von den Führerrollen, die zum Beispiel Hitler einnahm, ausgingen, ohne den Faschismus und den Totalitarismus verherrlichen zu wollen.

1937 gründete Georges Bataille gemeinsam mit Roger Caillois, Michael Leiris und anderen das „Collège de sociologie“. Sie wollten aus der Heterologie eine „Soziologie der Heiligen“ entwickeln „…, die die ambivalente Struktur des Heterogenen in den Zusammenhang des von Durkheim analysierten, sowohl anziehenden als auch abschreckenden Heiligen stellte und nach Ersatzformen und funktionalen Äquivalenten des Heiligen in modernen Gesellschaften suchte.“[6]

In den vierziger Jahren veröffentlichte Bataille philosophische Schriften, wie L’Expérience intérieure (1943), Le Coupable (1943) und Sur Nietzsche, unter dem Titel La Somme athéologique.

Seit den dreißiger Jahren arbeitete Bataille an seiner Allgemeinen Ökonomie. Er versuchte mit Hilfe verschiedener Untersuchungen, zum Beispiel von Marcel Mauss, Roger Caillois oder Max Weber, die Erfahrungen der Grenzüberschreitung zu einer allgemeinen, alle Lebensäußerungen und Gesellschaftsformationen beherrschenden Ökonomie der Verausgabung, des Verlustes und des Todes auszuweiten. An dieser Arbeit, die 1949 in einer ersten Schrift Der Verfemte Teil, die heute auch als sein Hauptwerk gilt und welches man wegen der langen Zeit, die er daran gearbeitet hat, auch als eine Art Gesamtdarstellung Bataille´schen Denkens nennen könnte, vorgelegt wird, sitz Bataille insgesamt zwanzig Jahre lang. Es sollte ein dreiteiliges Werk unter demselben Namen entstehen, welches neben der ökonomischen Grundlegung, einen Teil über Erotik und Sexualität und einen Teil über Souveränität und Freiheit enthalten sollte,. Zum Teil liegen die fehlenden Teile in seinen Büchern Die Erotik (1957) und Die Tränen des Eros (1957) und in einem Fragment, das zwischen 1949 und 1956 entstand und einem daraus herausgelösten Teil Die Souveränität, vor. Im kurzen Aufsatz Die Ökonomie im Rahmen des Universums (1946) und in der 1945 aufgegebenen Vorstufe von Der verfemte Teil entwickelte Bataille seine Allgemeine Ökonomie.

Mit den Erzählungen Die Geschichte des Auges (1928), Madame Edwarda (1941) und Der Tote (1967) und den Romanen Abbé C. und Das Blaue des Himmels, in denen eine radikalisierte, obszöne Form der Sexualität im Mittelpunkt steht, machte er sich auch literarisch bemerkbar.

Georges Bataille starb am 9. Juli 1962 einsam. Er war zu diesem Zeitpunkt relativ unbekannt.

Das Ausbleiben einer Rezeption Batailles hat eine in seinem Werk selbst liegende Ursache: „Eine Theorie, die sich konsequent zum Ziel setzt, das in der alltäglichen Lebenswelt (in der Regel mit Angst besetzte) Ausgeschlossene und Verfemte zu thematisieren, eine Theorie, die dem sinnlosen Verlust, der Verausgabung, der Zerstörung und dem Tod den Vorrang vor dem Wachstum, der Produktion und dem Leben gibt, eine Theorie, die auf eine Grenzerfahrung rekurriert, die mit sprachlichen Mitteln letztlich nicht mehr erfasst werden kann, stößt fast zwangsläufig auf Unverständnis und Ablehnung.“[7] Außerdem ist das Werk Batailles schwer verständlich und mit einer Struktur konfrontiert, die man als fundamentale Zweideutigkeit bezeichnen kann.

THEORIE DER VERSCHWENDUNG

PRODUKTION UND VERSCHWENDUNG

Der Begriff der Verausgabung , der im Jahre 1933 entstand, enthält die erste Gestalt der Verschwendungstheorie und ist nicht nur eine Vorstufe der Theorie, sondern hat eigenes Gewicht. Zwei Texte hat Bataille dazu geschrieben, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten fertig gestellt wurden und somit auch unterschiedlichen Epochen seines Schaffens angehören. Er bezieht sich in seinem zweiten Text nur noch sehr implizit auf den ersten.

Bataille ging in beiden Texten von einer unproduktiven Konsumtion aus, für die er den Terminus ´Verausgabung` (dépense) einführte, womit er Produktion und Verschwendung strikt unterschied. „Die menschliche Tätigkeit ist nicht vollständig zu reduzieren auf Prozesse der Produktion und Reproduktion, und die Konsumtion muss in zwei verschiedene Bereiche aufgeteilt werden. Der erste, der reduzierbar ist, umfasst den für die Individuen einer Gesellschaft notwendigen Minimalverbrauch zur Erhaltung des Lebens und zur Fortsetzung der produktiven Tätigkeit: Es handelt sich also einfach um die Grundvoraussetzung der letzteren. Der zweite Bereich umfasst die sogenannten unproduktiven Ausgaben: Luxus, Trauerzeremonien, Kriege, Kulte, die Errichtung von Prachtbauten, Spiele, Theater, Künste, die perverse (d.h. von Genialität losgelöste) Sexualität stellen ebenso viele Tätigkeiten da, die, zumindest ursprünglich, ihren Zweck in sich selbst haben. Also ist es nötig den Namen der Verausgabung diesen unproduktiven Formen vorzubehalten, unter Ausschluss aller Arten der Konsumtion, die der Produktion als Mittel dienen.“[8] Verausgabung soll man nach Bataille nicht mit dem produktiven Verbrauch, oder auch Konsum, die in den Bereich der Produktion fallen, verwechseln. Bataille sprach oft auch von ´unproduktiver Verausgabung` (dépense improductive). Damit ist die sinnlose Verschwendung von Ressourcen gemeint, wo das Ziel nicht der Gewinn, sondern der reine Verlust (perte) ist, die der Zweck-Mittel-Relation entzogen ist. In den Beispielen, die Bataille anführte, wie die Juwelen, die Kulte, die Wettspiele und auch die Kunstproduktion[9] geht es jedes Mal darum, etwas oder sich selbst dem Verlust auszusetzen. In Batailles Werk werden auch noch andere Begriffe, die alle für den Sinn von Verschwendung stehen, aufgezählt: Vergeudung, Verflüchtigung, Zerstreuung, Verschwendungssucht und Freigebigkeit. Diese Begriffe sind in Batailles Werk Zwischenformen, die zwischen den Extremen vermitteln sollen.

Die Konsumtion steht in Relation zu der Produktion, aber es kommt doch immer auf das Verhältnis an. Zum Beispiel werden Nahrungsmittel zum Erhalt des Lebens, für die Funktion des Körpers, hergestellt, was aber ist mit Alkohol, der den Alkoholkonsum beinhaltet? Auch hier wird die Produktion von Spirituosen angeregt, aber sie dient nicht wirklich zum Erhalt des Lebens, sondern berauscht den Menschen nur. Aber auch hier wird von Konsum und nicht von Verschwendung geredet. Es scheinen alle Mittel zur Differenzierung zu fehlen, man spricht von Sexkonsum, Kunstkonsum, usw.: „…aus der Verschwendung selbst wird tendenziell ein ´verschwenderischer Konsum`, weil man überall schon vom Vorrang der Produktion ausgeht, genauer: vom Vorrang der kapitalistischen Warenproduktion. Wo alles zur Ware geworden ist, hat die Verschwendung keine Stelle mehr, obwohl gerade die kapitalistische Warenproduktion zu einer ungeahnten Verschleuderung der Produkte führt.“[10] Die Verschwendung, welche als Begriff immer mehr verdrängt wird, wird in der modernen Welt bedingungslos dem Wachstum gleichgesetzt, der Wohlstand und Produktionswahn beinhaltet und an dem die Gesellschaften irgendwann zu Grunde gehen werden. Enorm verschwendet wird auch in der Raumfahrt, oder in der Rüstungsindustrie. Alle Überschüsse, die entstehen, werden in die Produktion gesteckt und die Verschwendung erscheint „als Überschussproduktion“[11]. Erst wenn die Illusion des Produktionswahnes zerstört wird, kann das Problem der Verschwendung wieder hervortreten.

DER POTLATSCH

Bataille stellte sich die Frage, wozu Produktion eigentlich da ist. Bei ihm betrifft das voranging die Überschüsse. Er ging hier auf den Potlatsch[12] ein. Er zeigte damit, dass es Gesellschaften gab, bzw. auch noch gibt, die ihre gesamten Überschüsse in festlicher Form wieder vergeuden. Sie produzieren also, um zu verschwenden. „Dass Produktion und Erwerb sekundär sind gegenüber der Verausgabung, tritt am klarsten bei den ökonomischen Einrichtungen der Primitiven zutage, weil der Tausch hier noch als kostspieliger Verlust der abgetretenen Gegenstände empfunden wird: er hat seine Grundlage in einem Verschwendungsprozess aus dem sich dann ein Erwerbsprozess entwickelt hat.“[13]

Bataille stützt sich hier auf den Text Essai sur le don von Marcel Mauss[14], der 1925 erschien und für Batailles Schaffen von grundlegender Bedeutung war. Mauss bewies, dass der primitive Tausch keine Form des Tauschhandels, sondern des wechselseitigen rituellen Schenkens ist, ein Austausch der im Falle des Potlatschs auf eine progressive Verschwendung von Reichtümern hinausläuft. Bataille wollte damit zeigen, dass eine Gesellschaft auch dann lebensfähig ist, wenn sie nicht auf Erwerb ausgerichtet ist, sondern Gefallen dran findet zu schenken, auszugeben, ihren Reichtum erst im Verlust zu sehen. Im Potlatsch geht es ums Schenken, mit dem Ziel einen Rivalen herauszufordern, zu demütigen und zu verpflichten. Unter verschiedenen Stämmen kam es zu Tauschritualen. Man machte dem einen Stamm ein Geschenk und dieser war dazu verpflichtet dem schenkenden Stamm ein noch größeres, wertvolleres Geschenk zu machen, um sein Gesicht zu bewahren. Ausgetauscht wurden Güter, Kostbarkeiten, wirtschaftlich und militärisch nützliche Dinge, Höflichkeiten, Frauen und Kinder. Es wurden Feste[15] gefeiert und Rituale zelebriert. Dadurch kam es zu einer ständig wechselnden Verteilung von Reichtümern und einer beständigen Umverteilung der Macht. Wer beim Schenken nicht mithalten konnte, wurde untergeordnet und verlor sein Ansehen und seine Souveränität. Innerhalb der Stämme kam es ebenfalls zu einer Differenzierung. Der Arme arbeitete und produzierte und der Reiche, oder das Stammesoberhaupt eignete sich dieses Produkt an. Macht kann man verspielen und verlieren, man hat sie nicht nötig. Im Potlatsch ist die Macht noch Verlustkraft, denn der Reichtum wird nicht gehortet, sondern wird immer wieder weitergereicht, oder eben als Geschenk zurück gewonnen, denn jeder Potlatsch zieht einen neuen nach sich. Es gab auch eine brutale Art des Potlatsch, wo der Austausch durch die Tötung der Stammesmitglieder oder Zerstörung von Gebäuden und Kunstbauten stattfand. Potlatsch stand immer im Prinzip der Rivalität und Antagonismus.

In solch einer Gesellschaft, wo man stets auf ein Fest zu arbeitete, wird die Arbeit eine freie Kraftäußerung und „…sie partizipiert damit an dem Erregungspotential, dass jeweils im Fest zum Ausdruck kommt,…“.[16] Man produzierte immer mehr, um das Fest immer größer gestalten zu können, um sich immer mehr ausleben zu können.

DER KLASSENKAMPF UND DERPOTLATSCH

Bataille gehörte den Cercle Communiste Démocratique, einer linksradikalen Organisation an. Der Aufsatz La notion de dépense wurde in der Zeitschrift Critique Sociale, die in diesem Kreis von Boris Souvarine herausgegeben wurde, abgedruckt.

Neben den Potlatsch trat in der frühen Schrift Batailles auch der Klassenkampf, was klar macht, dass dieser Text auch politische Dimensionen annimmt. „Was von den traditionellen Verausgabungsformen übriggeblieben ist, ist verkümmert, und der prächtige lebendige Tumult hat sich in die beispiellose Entfesselung des Klassenkampfs aufgelöst. Die Komponenten des Klassenkampfes sind im Prozeß der Verausgabung von der archaischen Periode an gegeben. Im Potlatsch verteilt der Reiche Produkte, die ihm die Armen liefern.“[17] Bataille meinte, dass Klassenkampf, der gegen eine Aneignung des Mehrprodukts geführt wurde, Verschwendung ist. Die ‚Verausgabung menschlicher Arbeitskraft’, die Marx an den Anfang der Produktion stellt, ist nicht mit der Verausgabung überschüssiger Energie, die Bataille initiiert, zu verwechseln. Bei Bataille ist es nicht die Arbeitskraft wie bei Marx was ins Blickfeld gerückt ist, sondern die freie überschüssige Kraft, die sich zwar in der Arbeit vergegenständlicht, aber darin nicht aufzugehen scheint. Bataille geht von Überfülle aus, die sich nur grundlos verschwenden kann, während Marx von Bedürftigkeit ausgeht, die auf Aneignung angewiesen ist. „Der Klassenkampf wird als Mittel benutzt, um gerechte Forderungen durchzusetzen: eine gerechte Verteilung des Sozialprodukts und à la limite die Abschaffung der Klassenherrschaft, er wird nicht als revolutionäre Entfesselung begriffen, die über die Zweckrationalität je schon hinaus ist.“[18] Man will den erarbeiteten Luxus nicht den Massen zukommen lassen, sondern er soll, da er dem Herrschaftsdenken der Vernunft widerspricht, ganz und gar verschwinden. So was wird ohne die Massen entschieden, die aus Kraftlosigkeit lange ruhig bleiben, aber es dann im Klassenkampf zur Vertreibung der Herren kommt. Bataille begriff den Klassenkampf als revolutionäres Ferment. Er machte durchaus klar, dass Klassenkampf und Potlatsch nicht auf einer Ebene liegen, man könnte den Klassenkampf als eine Art Gegen-Potlatsch von unten bezeichnen. „Herren und Ausbeuter , deren Funktion es ist, in verächtlicher Weise die menschliche Natur auszuschließen, so dass diese Natur an den Grenzen der Erde, d.h. des Schmutzes existiert – ein einfaches Gesetz der Umkehrung fordert, dass man sie dem Schrecken überliefert, an dem langen Abend, an dem ihre schönen Phrasen von den Todesschreien der Aufstände übertönt werden. Das ist die blutige Hoffnung, die sich täglich mit dem Dasein des Volkes verbindet und den widersetzlichen Charakter des Klassenkampfes resümiert. Der Klassenkampf hat nur ein mögliches Ziel: Das Verderben jener, die daran gearbeitet haben die menschliche Natur zu verderben.“[19]

Der Klassenkampf kann nicht als Widerspruch zwischen Arbeit und Kapital gesehen werden, denn Arbeit und Kapital sind mit Aneignung, Akkumulation und Produktion eng verbunden. Man versteht unter den abstrakten Begriff des Klassenkampfes, dass der Arbeiter arbeitet, um zu leben, selbst seine Freizeit ist darauf ausgerichtet. Erst das konkrete Denken Batailles verhilft uns auch hier zum Begriff: „In letzter Analyse ist es klar, dass der Arbeiter arbeitet, um sich die gewaltsame Befriedigung des Koitus zu verschaffen (d.h. dass er ansammelt, um zu verschwenden.) Im Gegensatz dazu ist die Auffassung, dass dieser Arbeiter koitieren muss, um den kommenden Arbeitsaufwand zu genügen, an die unbewusste Identifizierung des Arbeiters mit dem Sklaven gebunden.“[20] Die soziale Revolte, die aus dem Kampf „der Unreinen gegen die Reinen“[21] besteht, erweitert sie sich schließlich „zur kosmischen, der Aufstand der menschlichen Natur verbindet sich mit dem Aufstand der Natur selbst.“[22] Im frühen Werk Batailles, so um 1930, kommt die Heterologie[23] mit ins Spiel.

DIE HETEROLOGIE, DIE REVOLUTION UND DIE ABWENDUNG VON DER MARXISTISCHEN REVOLUTION

Das Heterogene gegenüber dem Homogenen ist nicht zu vergleichen, wie man zum Beispiel das Positive dem Negativen, oder die Nichtidentität der Identität gegenüberstellt, sondern es ist wie die Ausscheidung (excrétion) der Aneignung (appropriation). Diese Weise kann weder dialektisch noch anders vermittelt werden. Sie stellt die Theorie in Frage. „Wir können sagen, dass es sich um eine Theorie der Abweichung handelt, die die Abweichung von der Theorie betrifft,…“[24] Bei der Verschwendungstheorie von Bataille sieht es ähnlich aus. Wir bekommen durch die Heterologie ein besseres Verständnis, was das Verhältnis zur Aneignung betrifft. Bei Bataille ist die Verschwendung der bevorzugte Anwendungsgegenstand der Heterologie.

Die Heterologie ist auf das gerichtet, was in der Wissenschaft, wie auch der Philosophie erzeugt, aber verdrängt wird, Abfall, Bataille bezeichnet es auch als Exremente, ist. Für ihn hat das Geschenk eine ´exkrementelle` Bedeutung. „Das Geschenk muss als Verlust und damit als partielle Zerstörung angesehen werden, wobei die Zerstörungslust zum Teil auf den Beschenkten übertragen wird. In den unbewussten Formen, wie die Psychoanalyse sie beschreibt, symbolisiert es das Ausscheiden der Exremente, das seinerseits wieder an den Tod gebunden ist gemäß der grundlegenden Entsprechung von Analerotik und Sadismus.“[25] Je wertvoller die Gabe, desto mehr wird sie als Abfall empfunden. Wenn man die Verausgabung als Ausscheidung auffasst, kann man sie nicht mehr mit der Aneignung in Verbindung bringen.

Batailles Theorie orientiert kaum an der Vernunft, sondern eher an unverstellten Erfahrungen, sie muss also praktisch sein. Nun kommt die zweite Sache ans Licht, die Bataille die ´ soziale Verausgabung` nannte. „Die Heterologie impliziert die gewaltsame Satisfaktion eines solchen Verschwendungsbedürfnisses, d.h. die Revolte der Kräfte, die aus dem Sozialkörper ausgeschieden werden.“[26] Für Bataille war das in erster Linie das Proletariat, auch wenn er seine revolutionäre Theorie schon weit über das marxistische Interesse hinausdenkend formulierte. Er sprach, wie oben schon erwähnt vom historischen Kampf der Unedlen (ignobles) gegen die Edlen (nobles), oder auch der Unreinen gegen die Reinen, was im Gemeinsinn auch als asozial bezeichnet wird und bei Marx und im Marxismus keine Stelle gefunden hat. Bataille sah aber das Proletariat nicht als das Subjekt, das die Revolution anführte, an. Bataille kam es auf die Revolte an und diese kennt kein Subjekt oder Objekt, „sondern nur die kollektive Exaltation, die Pathologie[27] im Sinn einer Passion des Heillosen. … Es darf nicht übersehen werden, dass Bataille vom tragischen Charakter der Verausgabung ausgeht. In einem Entwurf, der zur Umarbeitung der ´Notion de dépense` schreibt er: ‚Es wäre überflüssig in der heutigen Situation das paradoxe Problem der Verausgabung zu untersuchen, wenn man dessen tragischen Charakter verschleiern würde. Die menschliche Welt ist weit davon entfernt so einfach zu sein, wie die naive Ökonomie sie darstellt: überall, wo es Menschen gibt, existiert ein dumpfes Bedürfnis nach Blutbädern. Die Bewahrung des Lebens zählt wenig, wenn die sich verströmende Kraft, die die Strahlung der Gestirne bestimmt, explosionsartig die Menschen überkommt.’“[28]

Die ´soziale Verausgabung` ist eine doppelte: sie führt erstens zur Aneignung zurück und zweitens mündet sie in die orgiastische Partizipation, die nur ein anderer Ausdruck für ´exzessive Selbstverschwendung` und damit asozial deklassiert das Sozialistischste was sich denken lässt, ist. Dies führt zu einer doppelten Revolution, die beides, das sozialistische Moment des Klassenkampfes und das orgiastische der Verschwendung zu verbinden sucht. Eine Revolution ist eigentlich immer total und gerade die totale Revolution ist es, die Bataille im Blickfeld hatte und die ihn veranlasste die Grenzen der sozialen Revolution zu überschreiten. Bataille kritisierte das marxistische Revolutionsmodell, „weil es die affektiven Impulse der Menschen vergisst.“[29] Es ist der kommunistische Mensch, der verschwendet hat. Bataille wollte in diesem Sinne einen Sozialismus, der orgiastisch geworden wäre. Bataille hatte diese Utopie aufgegeben, aber er hielt die Freisetzung des affektiven Bereichs und überhaupt der Natur im Menschen für entscheidend.

Im Jahr 1936 drehte Bataille der Politik den Rücken zu, mit dem Ziel die ‚antireligiöse und asoziale Organisation’[30] zu verwirklichen. Dies bedeutete eine entschiedene Absage an die marxistische Revolution. „Das marxistische Revolutionsverständnis, das letzten Endes bürgerlich bleibt – ein paar ökonomische Veränderungen, die die Produktion noch effektiver machen, nicht ausgenommen -, ist längst überfällig. Spätestens seit der Niederlage gegenüber dem Faschismus, die ein Versagen auf der ganzen Linie bedeutet: ein Versagen der Zusammenbruchstheorie, ein Versagen des Moskauer Dirigismus und der Komintern, und ein Versagen, das sie mit dem bürgerlichem teilt, nämlich eine technokratische Rationalität, die auf der Verdrängung des affektiven Bereichs aufgebaut ist – eine Verdrängung, die im Faschismus in technizistische Primitivität und nackte Gewalt umschlägt.“[31]

Die Verschwendung ist der Vernunft entzogen und so nicht zu rechtfertigen, sie ist verfemt, was Bataille bewusst in seinem Titel Part maudite[32] aufnimmt.

ALLGEMEINEÖKONOMIE

Im ´Verfemten Teil` beschreibt Bataille seine Theorie in einer Weise, dass diese auch auf die modernen Produktionsgesellschaften angewendet werden könnte, was in seinen frühen Schriften zwar schon enthalten war, aber noch nicht eigens benannt wurde. Die Produktion hat ihre Grenzen, sie kann nicht ununterbrochen wachsen. Diese These tritt erst in der späteren Schrift Batailles auf. Der Produktionsüberschuss ist nicht nur der Arbeit zu verdanken, sondern einem Energieüberschuss kosmischer Herkunft. So wird Batailles Ökonomie abhängig vom Kreislauf der Erde, der das Leben im Ganzen und so auch die menschliche Ökonomie ermöglicht. „Dieser Kreislauf ist kein Energiehaushalt, wie wir in bezeichnender ökonomischer Verkürzung sagen, sondern sein bestimmendes Moment ist der Überfluss, die Überfülle an Energie, und sein Ausgangspunkt ist die Sonne, die nichts als Verschwendung ist.“[33] Die Produktion der Menschen, der Sonderfall des Prozesses[34], beherrscht insgesamt die Natur, nur hat sich dieser Grenzfall zum Maßstab des Ganzen erhoben. Das Problem dieser Ökonomie ist das der Verschwendung, oder der Verbindung überschüssiger Energie und begrenzten Wachstums.

Bataille leitet daraus ein allgemeines Gesetz ab: Irgendwann kommt der Punkt, an dem überschüssige Energie nicht mehr zum Wachstum verbraucht werden kann, sie ist also unproduktiv und muss sinnlos vergeudet werden.

„Ich gehe von einer elementaren Tatsache aus: Der lebende Organismus erhält, dank des Kräftespiels der Energie auf der Erdoberfläche, grundsätzlich mehr Energie, als zur Erhaltung des Lebens notwendig ist. Die überschüssige Energie (der Reichtum) kann zum Wachsen eines Systems (zum Beispiel eines Organismus) verwendet werden. Wenn das System jedoch nicht mehr wachsen und der Energieüberschuss nicht gänzlich vom Wachstum absorbiert werden kann, muss er notwendig ohne Gewinn verloren gehen und verschwendet werden, willentlich oder nicht, in glorioser oder katastrophischer Form.“[35] Dieser Absatz, die Erklärung von Wachstum und Verschwendung anhand eines Organismus, beschreibt sozusagen die gesamte ökonomische Theorie Batailles. Das Zitat enthält drei Stadien: (1) der Energieüberschuss führt (2) zum Wachstum, er wird also vergrößert, wächst bis der gefährliche Übergang zur (3) Verschwendung kommt. Er bezeichnet, den Begriff Ökonomie als wichtige Kunst, die mit geringen Kräften große Wirkungen hervorbringen kann.[36]

In den modernen kapitalistischen Gesellschaften glaubt man, dass man sich ´der Ideologie des grenzenlosen Wachstums`[37] entziehen kann, aber man erkennt an den Krisen und Katastrophen, die sie im zunehmenden Maße herausfordern, dass sie einen Tribut zu zahlen haben.

Die allgemeine Ökonomie bezeichnet für Bataille den theoretischen Rahmen, in dem er Gesetzmäßigkeiten untersucht, die über die isolierten Interessen der Ökonomie hinausgehen.[38] Die allgemeine Ökonomie ist eine Ökonomie des Universums, sie ist der Ökonomie entgegengesetzt, die sich auf das alleinige Wachstum der Produktivkräfte konzentriert. Bataille vollzieht hier eine Entgrenzung, die sowohl die politische Ökonomie des Kapitalismus, als auch die marxistische Kritik[39] betrifft. Wenn es um die Produktion und die bedenkenlose Ausbeutung der Natur geht, sind sich Kapitalismus und Kommunismus einig. Beim Kommunismus geschieht das Ganze planmäßig, während beim Kapitalismus sich dies mit blinder Gewalt durchsetzt. Von einer Ausrichtung im Sinne der ´allgemeinen Ökonomie` sind beide Systeme weit davon entfernt. Bataille nahm 1949 den amerikanischen Kapitalismus, dessen Produktionsüberschüsse sich in einem dritten Weltkrieg und eigentlich auch heute noch zu entladen drohten.

Die ´allgemeine Ökonomie` Batailles ging aber nicht nur von den modernen Gesellschaften aus, sondern auch von den Verschwendungsgesellschaften, die ihnen vorausgingen. Gerade von diesem Standpunkt aus kann sie klarmachen, was der Umschlag des Produktionswahns unserer Zeit in einen ebenso großen Destruktionswahn bedeutet: „…eine Verausgabung überschüssiger Energie, die sich nicht mehr als Fest äußert, sondern als Katastrophe selbst. Die allgemeine Ökonomie geht also nicht nur von der Natur aus, sondern sie legt zugleich den Grund zu einer Geschichtsphilosophie, die eine Übereinstimmung mit dieser Natur, eine kosmische Ausrichtung des Menschen zum Thema hat“[40]

In der allgemeinen Ökonomie hat die Verschwendung Vorrang gegenüber der Produktion. Durch die Perspektive des Energieüberschusses, der von sich aus zur Verschwendung drängt, die auch zur allgemeinen Ökonomie gehört, wird dieser Vorrang, den wir auch beim Potlatsch festgestellt haben, noch verstärkt. In Bezug auf die Produktion lassen Energieüberschuss und Verschwendung sich als Einheit betrachten: „…die Verschwendung ist die Manifestation eines Überflusses, der zum Überfluss erst dadurch wird, dass er im purem Verlust verschwendet wird.“[41] Das bedeutet aber nicht, dass Produktion und Energieüberschuss als gleichwertig oder als entgegen gesetzte Pole zu betrachten sind. In der allgemeinen Ökonomie verhalten sie sich wie das Allgemeine, das als Ganzes gilt, das Produktion und Verschwendung umfasst, zum Partikularen. Anderseits ist es dem Partikularen so entgegen gesetzt, dass es jede Totalität zerstört.

Die allgemeine Ökonomie hat sich nicht nur mit der Verschwendung zu beschäftigen, sondern auch mit dem Wachstum der Produktion, diese soll in der allgemeinen Ökonomie als eine enthalten sein, die sich im allgemeinen der Verschwendung unterordnet und in ihr auflöst. Das Verhältnis, um welches es sich hier handelt, ist das eines Begrenzten zum Unbegrenzten, eines Messbaren zum Unmessbaren, “…ein Verhältnis, dass jede dialektische Vermittlung ausschließt.“[42] Es entsteht eine nicht-logische Differenz in Batailles Denken. Produktion und Verschwendung sind aufeinander bezogen. Eines stößt das andere aus. In der Moderne wird vor allem die Verschwendung, die keine Aneignung kennt, ausgeschieden. Die allgemeine Ökonomie und die Heterologie, die nichts anderes als die Theorie der nichtlogischen Differenz ist und so ihre innere Struktur ausmacht, schließen sich so zusammen.

Das Verhältnis von allgemeiner und beschränkter Ökonomie lässt sich so verdeutlichen. Die politische Ökonomie – die beschränkte, die von sich meint, sie sei schon die ganze – hat es mit isolierten, messbaren Größen zu tun, mit der isolierten Produktion und der isolierten Konsumtion, die sie, wenn es hochkommt in ihrer Interdependenz begreift. Der unproduktive, verfemte Teil dieser Konsumtion, der zum Beispiel die Ausgaben für die Rüstung umfasst, wird kurzerhand dem produktiven zugeschrieben, und es lässt sich in der Tat nicht bestreiten, dass diese Rüstung ein gigantisches Geschäft ist. Da sich in der Moderne alles um die Produktion dreht, entsteht aber der Irrtum, auch die Verschwendung selbst, unter der wir grundsätzlich nur aneignungsfreie Verhältnisse verstehen, sei in ihr beschlossen. Die produktive Konsumtion ihrerseits ist jedoch vollständig der Produktion zuzurechnen. Sie ist dialektisch auf die Produktion bezogen, während die Verschwendung außerhalb bleibt; und das ist das einzige Moment von Dialektik, was wir in Batailles Theorie der Ökonomie entdecken können. Der wirkliche Abgrund tut sich aber erst hier auf, an der Grenze der Dialektik von Produktion und Konsumtion. Darstellen lässt sich das Ganze so: Energieüberschuss -> (Produktion <-> Konsumtion) -> Verschwendung. Nicht messbar sind Energieüberschuss und Verschwendung. Man spricht erst von einem Energieüberschuss, der durch Überproduktion entsteht, wenn er verschwendet wird und von Verschwendung kann man nur in soweit reden, wie sie überflüssig und sinnlos ist.

AUSSICHTEN

„Der erste, der die Grenzen des Wachstums in der Moderne bestimmt hat, ist sicher Bataille gewesen. Bataille geht aber dabei nicht vom Mangel an Ressourcen aus, sondern von dem einfachen Faktum, dass jede Produktion Überschüsse erzeugt, die nicht absorbiert werden können, dass also jedes Wachstum jeweils seine Grenze hat.“[43]

Seine Antiökonomie wendet sich gegen den Produktionswahn, der die Ausbeutung der Natur zur Folge hat. Die Hauptaufgabe ist es, der Ökonomie so viele Naturbereiche, wozu als erstes die Wiederentdeckung der anarchischen Fülle der Natur zählt, wie nur irgendwie möglich ist, zu entreißen. Solange nicht das Prinzip der Ökonomie angegriffen wird, ist jeder Widerstand, beispielsweise gegen den Bau von Atomkraftwerken oder der Rüstungsindustrie aussichtslos. Nicht die Eindämmung der zerstörerischen Kräfte des Produktionswahns führen zu einer Besserung, sondern man muss sich um die Freisetzung der verschwenderischen Natur in uns zuerst kümmern, bevor man irgendetwas wirklich erreichen kann. Die Verschwendung wird in Zerstörung umschlagen und eines Tages die Produktion überwältigen und das System von innen heraus sprengen, denn die Naturkräfte, die der Mensch zu bändigen versucht, wachsen ihm am Ende über den Kopf.

QUELLENANGABEN

Georges Bataille: Der Bergriff der Verausgabung (1933), in ders.: Das theoretische Werk Bd.1: Die Aufhebung der Ökonomie, München (Roger & Bernhard) 1975

Gerd Bergfleth: Theorie der Verschwendung, Matthes & Seitz Verlag GmbH, München

Peter Wiechens: Bataille zur Einführung, Junius Verlag, Hamburg 1995

Lexikon-Institut-Bertelsmann: Die Große Bertelsmann Lexikothek, Bertelsmann Lexikothek Verlag GmbH, Gütersloh 1994

Niedenzu, Heinz-Jürgen: Materialistische Gesellschaftstheorie – Karl Marx, in: Bauer, Eva / Meleghy, Tamás / Morel, Julius / Niedenzu, Heinz-Jürgen / Preglau, Max / Staubmann, Helmut (Hrsg.): Soziologische Theorie – Abriß der Ansätze ihrer Hauptvertreter, München/Wien (R. Oldenbourg Verlag) 2001

[...]


[1] Walter Benjamin lebte von 1892 bis 1940, er studierte Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte in Freiburg, er war ein deutscher Schriftsteller.

[2] André Breton lebte von 1896-1966, war ein französischer Schriftsteller und gilt mit seinen „Manifesten des Surrealismus“ von 1924 als theoretischer Begründer dieser Kunstrichtung. Maßgeblich inspiriert durch die Entdeckung der Psychoanalyse Sigmund Freuds, der von 1856 bis 1939 lebte und als Nervenarzt fungierte, beabsichtigten die Surrealisten , zu einer erweiterten „sur-realen“ Auffassung der Wirklichkeit zu gelangen, die auch diejenigen Phänomene, zum Beispiel Traum und Wahnsinn, integrieren sollte, die meist aus der alltäglichen Lebenswelt ausgeschlossen oder verdrängt werden. Surrealismus war die Relativierung und Entwertung der herrschenden, als normal etikettierten Lebensweise im erweiterten Horizont der überhaupt vorfindlichen oder denkbaren menschlichen Erfahrungsformen und Praktiken. Das war die Rehabilitierung der tabuierten, indiskutablen Lebensdimensionen: Traum, Sexualität, Psychose. Vgl.: Die Große Bertelsmann Lexikothek, Bertelsmann Verlag, 1993

[3] Peter Wiechens: Bataille zur Einführung, Junius Verlag, Hamburg 1995, S.11

[4] Antifaschistische Kampfvereinigung revolutionärer Intellektueller

[5] Ebenda S.14f

[6] Ebenda S.16

[7] Ebenda S.23

[8] Georges Bataille: Der Begriff der Verausgabung (1933), in ders.: Das theoretische Werk Bd. 1: Die Aufhebung der Ökonomie, München (Rogner & Bernhard), 1975, S.12

[9] Er teilte die Kunstproduktion in zwei große Teil ein: Die Architektur, Musik und Tanz, die tatsächliche Ausgabenerfordern auf der einen Seite und auf der anderen Seite die symbolische Verausgabung. Auch Tanz, Architektur und Musik können leicht mit zusätzlichen Bedeutungen versehen werden. Die höchste Form der zweiten Kategorie ist für Bataille die Poesie: „Poesie heißt nämlich nichts anderes als Schöpfung durch Verlust.“ (Georges Bataille: Der Begriff der Verausgabung (1933), in ders.: Das theoretische Werk Bd. 1: Die Aufhebung der Ökonomie, München (Rogner & Bernhard), 1975, S.15)

[10] Gerd Bergfleth: Theorie der Verschwendung, Matthes & Seitz Verlag GmbH, München, 1985, S.10

[11] Ebenda S.11

[12] Potlatsch bedeutet: ernähren, verbrauchen. Von den indianischen Stämmen Nordwestamerikas entwickelt.

[13] Georges Bataille: Der Begriff der Verausgabung (1933), in ders.: Das theoretische Werk Bd. 1: Die Aufhebung der Ökonomie, München (Rogner & Bernhard), 1975, S.16

[14] Ins Deutsche übersetzt heißt sein Essay „Die Gabe“, Frankfurt 1968. Bataille lernte, durch den Schüler von Mauss Alfred Métraux, Mauss Theorie schon in den Zwanzigern kennen.

[15] Die Azteken zum Beispiel hatten das Jahr in zwölf Feste eingeteilt, und wenn eins aufhörte, begannen schon die Vorbereitungen für das Nächste. Bei den indianischen Stämmen Nordwestamerikas diente der Sommer dem Fischen, Jagen und Sammeln, während der Winter ein unaufhörliches Fest ist. (Gerd Bergfleth: Theorie der Verschwendung, Matthes & Seitz Verlag GmbH, München, 1985, S.15)

[16] Gerd Bergfleth: Theorie der Verschwendung, Matthes & Seitz Verlag GmbH, München, S.15

[17] Georges Bataille: Der Begriff der Verausgabung (1933), in ders.: Das theoretische Werk Bd. 1: Die Aufhebung der Ökonomie, München (Rogner & Bernhard), 1975, S.24

[18] Gerd Bergfleth: Theorie der Verschwendung, Matthes & Seitz Verlag GmbH, München, S.20f

[19] Georges Bataille: Der Begriff der Verausgabung (1933), in ders.: Das theoretische Werk Bd. 1: Die Aufhebung der Ökonomie, München (Rogner & Bernhard), 1975, S.29

[20] Gerd Bergfleth: Theorie der Verschwendung, Matthes & Seitz Verlag GmbH, München, S.22

[21] Ebenda S.28

[22] Gerd Bergfleth: Theorie der Verschwendung, Matthes & Seitz Verlag GmbH, München, S.23

[23] Die Heterologie hat die Fremdheit des Heterogenen zum Gegenstand: dasjenige, was anders ist, was derart ausgeschlossen ist aus der homogenen Gesellschaft

[24] Ebenda S.23

[25] Georges Bataille: Der Begriff der Verausgabung (1933), in ders.: Das theoretische Werk Bd. 1: Die Aufhebung der Ökonomie, München (Rogner & Bernhard), 1975, S.19

[26] Gerd Bergfleth: Theorie der Verschwendung, Matthes & Seitz Verlag GmbH, München, S.26

[27] Lehre von den krankhaften Lebensvorgängen und ihren Folgezuständen.

[28] Ebenda S.26f

[29] Ebenda S.29

[30] diese forderte er seit 1930

[31] Ebenda S.31

[32] Der verfemte Teil

[33] Ebenda S. 32f

[34] vgl.: ebenda S.32

[35] Georges Bataille: Der verfemte Teil,

[36] vgl.: Peter Wiechens: Bataille zur Einführung, Junius Verlag, Hamburg 1995, S. 31

[37] vgl.: Gerd Bergfleth: Theorie der Verschwendung, Matthes & Seitz Verlag GmbH, München, S. 34

[38] Ebenda S. 34

[39] Die marxistische Kritik sieht ihre Aufgabe ja vor allem darin, die Produktivkräfte vom dem Fesseln kapitalistischer Aneignung zu befreien und ihre hemmungslose Entfaltung planmäßig zu organisieren. (vgl.: Gerd Bergfleth: Theorie der Verschwendung, Matthes & Seitz Verlag GmbH, München, S. 35)

[40] Ebenda S. 35f

[41] Ebenda S. 36

[42] Ebenda S. 37

[43] Ebenda S. 76

Details

Seiten
16
Jahr
2003
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v108559
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
Schlagworte
Georges Bataille Theorie Verschwendung

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Georges Bataille. Zur "Theorie der Verschwendung"