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Celan, Paul - Fadensonnen - Gedichtsanalyse

Referat / Aufsatz (Schule) 2003 3 Seiten

Didaktik - Deutsch - Erörterungen und Aufsätze

Leseprobe

Gedichtsanalyse Paul Celan „Fadensonnen“

Das hermetische Gedicht „Fadensonnen“ wurde 1965 con Paul Celan, eigentlich Paul Ancel, veröffentlicht.

Auf eine sehr bildhaft-verschlüsselte Weise thematisiert es das Hoffen auf bessere Zeiten und den damit verbundenen Wunsch die Vergangenheit endlich hinter sich zu lassen.

Die begründet sich vor allem im historischen Kontext. Paul Celan musste durch den Tod seiner Eltern in einem Vernichtungslager und seine eigene Verschleppung in ein rumänisches Arbeitslager auf eine sehr schmerzhafte und bittere Art und Weise am eigenen Leib den Krieg erfahren. Nun, nach 20 Jahren, versucht er mit diesem Gedicht einen Schlussstrich unter dem Geschehenen zu ziehen und ein neues hoffnungsvolleres Leben ohne diese Schrecklichen Erinnerungen zu beginnen.

Dieses lyrische Werk besteht lediglich aus einer Strophe, die wiederum aus sieben Verszeilen aufgebaut ist. Auffällig ist dabei die Häufung der Enjambements in diesem doch recht kurzen Gedicht. Des Weiteren ist zu sagen, dass es über einen freien Rhythmus verfügt.

Das Gedicht beginnt mit dem Neologismus „Fadensonnen“ (V.1). Durch dieses einzelne Wort wird bereits ein erster Kontrast deutlich. Auf der einen Seite versinnbildlicht das Pluralwort „Sonnen“ eine Lichtfülle, die sich nach allen Seiten erstreckt. Die Metaphorik des Lichts steht meistens für einen Neuanfang und für gute, hoffnungsvolle Zeiten. Gleichzeitig ist die sonne, als Spender der lebenswichtigen Wärme, ein Symbol für das Leben und für Zuversicht. Diese positive Grundhaltung wird zusätzlich verstärkt durch die Schreibung in Großbuchstaben.

Durch die Voranstellung des Wortes „Faden“ an diese Lebensenergie wird ein starker Gegensatz spürbar. Denn das Licht kann sich nicht allseitig ausbreiten, statt hängt es an Fäden. Meiner Meinung nach wird dadurch eine innere Gefangenschaft und Zerrüttung des Lyrischen Ichs zum Ausdruck gebracht. Trotz dieser Aufgewühltheit gibt es auch einen kleinen Hoffnungsschimmer, durch die Verwendung des Wortes „Faden“. Fäden sind meist dünner natur, die leicht reißen können, die gilt besonders, wenn sie eine so gewaltige Energiequelle wie die Sonnen umgeben.

Dadurch wird gezeigt, dass das Licht, die Hoffnung, dabei ist, die alte negative Vergangenheit und die schlimmen Erlebnisse des zweiten Weltkrieges hinter sich zu lassen und in eine friedvolle Zukunft steuert.

Über ein Enjambement ist die erste Verszeile mit der zweiten verbunden. Aufgrund dessen werden erneute Kontraste aufgezeigt. Einerseits der Gegensatz zwischen „Sonnen“ und der „grauschwarzen Ödnis“ (V.2) und andererseits der Kontrast zwischen „oben“ und 2unten“. Durch diese Kontrastpunkte wird meiner Meinung nach auf die innere Gefangenschaft des Lyrischen Ichs hingewiesen. Es befindet sich in einer schlechten Lage, aus der es allerdings entrinnen möchte. Außerdem wird deutlich, dass sich das Lyrische ich außerhalb der gegenwärtigen zeitgeschichtlichen Situation befindet. Aus diesem Grund hat es einen klaren Blick auf das, was war (seine eigenen negativen Schicksalsschläge) und auf das, was kommen mag. Besonders deutlich wird dies, wenn man die nächsten drei Verszeilen betrachtet, welche wiederum durch Enjambements miteinander verbunden sind. In diesen Verszeilen erhebt sich „Ein baumhoher Gedanke“ (V. 3-4), der nach einem „Lichtton greift“ (V.5). Dadurch wird zum einen ein Bezug zur ersten Verszeile hergestellt, denn erneut wird die Metaphorik des Lichts aufgegriffen. Zum anderen wird ein erneuter Kontrastpunkt erkennbar. Trotz der „Ödnis“ gibt es noch „Licht“ und die damit verbundene Hoffnung auf Besserung. Dieses Licht ist mittlerweile zu einem Ton geworden, dadurch kommt es zu einer Verstärkung der positiven Stimmung. Denn Töne sind die Bausteine für Lieder und Lieder helfen den Menschen ihre Gefühle zu offenbaren und ihre Seelen zu öffnen. Somit stellen sie für den Menschen wichtige Hoffnungsträger dar. Eine weitere Verstärkung dieser positiven Stimmung wird durch die Trennung des Worts „Baumho[ch]) erreicht.

Dies kommt besonders in den letzten beiden Verszeilen zum tragen, denn „Es gibt noch Lieder zu singen“(V.5-6), wenn auch nur „jenseits der Menschen“. (V.6-7). Durch dir Trennung der Verszeilen fünf und sechs mit Hilfe eines Doppelpunktes wird gezeigt, dass dieser Gedanke noch am Anfang steht. Die Menschen sind noch nicht bereit ihren Gedanken Taten folgen zulassen und selbst nach dem Licht zugreifen, um ein neues Leben zu beginnen und die schatten der Vergangenheit endgültig hinter sich zu lassen.

Gleichzeitig ist zu sagen, dass es dem Autor gelungen ist einen erneuten Bezug zu dem Licht herzustellen. Dies geschah zum einen durch den Neologismus „Lichtton“, welcher eine Bezug zu den „Fadensonnen“ herstellt, und zum anderen durch die Verbindung „Ton“ und „Lieder“ und dadurch indirekt zum Licht, Ich denke, dass durch diese geschickten Wortspiele eine Verstärkung des Positiven erreicht werden soll. Denn „Lieder“ werden von fröhlichen, sich öffnenden Menschen gesungen, die sozusagen im „Licht“ stehen.

Trotz dieser hoffnungsvollen Grundstimmung vermittelen diese letzten beiden Verszeilen auch eine gewisse Bedrücktheit, die zum Nachdenken abregt. Gewiss gibt es noch „Lieder zu singen“, aber nicht in dem durch den Krieg zerstörten Deutschland, denn dort existiert kein Leben mehr. Denn bis die schreckliche Vergangenheit vollständig verarbeitet ist und die Spuren und Narben, die der Krieg in den Seelen und Herzen der Menschen hinterlassen hat, verheilt sind, wird noch einige Zeit vergehen müssen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Gedicht die Menschen zum Loslassen ermutigen soll. Sie sollen sich aufmachen und ihrer Zukunft eine Chance geben, die können sie aber nur, wenn sie die Vergangenheit endlich ruhen lassen und wieder hoffnungsvoll dem Leben entgentreten.

Details

Seiten
3
Jahr
2003
Dateigröße
358 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v108317
Note
15
Schlagworte
Celan Paul Fadensonnen Gedichtsanalyse

Autor

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Titel: Celan, Paul - Fadensonnen - Gedichtsanalyse