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Ein Plädoyer für die Willensfreiheit

Ausarbeitung 2003 18 Seiten

Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)

Leseprobe

Ein Plädoyer für die Willensfreiheit

In den vergangenen Jahren erschienen neben mehreren Büchern auch viele Interviews in Zeitungen und Zeitschriften, in denen führende deutsche Neurobiologen aufgrund ihrer Hirnforschungen den freien Willen auch für die breite Öffentlichkeit als Illusion verkündeten. Vom Neurobiologen Gerhard Roth etwa wurde diese Erkenntnis "als Entthronung des Menschen als frei denkendes Wesen" und als eine erneute Kopernikanische Wende bezeichnet1. Auf die SPIEGEL-Frage2: "Müssen Sie dann nicht das Prinzip von Schuld und Sühne über Bord werfen?" antwortete Wolf Singer, Direktor des Frankfurter Max-Planck-Instituts für Hirnforschung: "Ja, ich halte dieses Prinzip für verzichtbar." Die Neurobiologen fordern in ihren Veröffentlichungen eine Berücksichtigung ihrer Erkenntnisse in unserem Erziehungs- und Strafrechtssystem. Wolf Singer diskutierte dabei u.a. mit Verfassungsrichtern in Karlsruhe, doch die zeigten sich von seinen Argumenten zu einer Änderung unseres Schuld- und Strafrechtsverständnisses aufgrund der neurobiologischen Erkenntnisse unbeeindruckt3. Dabei räumt gerade Wolf Singer trotz seines großen öffentlichen Engagements für ein neues Menschenbild gewisse Zweifel ein, die sich nicht nur in der folgenden Stelle in einem ZEIT-Interview4 bemerkbar machen:

Unser gesamtes System von Verantwortung, Schuld und Strafe baut auf dem Gedanken der persönlichen Verantwortung auf. Diesem Konflikt kann sich auch ein Hirnforscher nicht entziehen. Obwohl er nicht an den freien Willen glaube, so gestand Wolf Singer unlängst in einem Gespräch mit der ZEIT (Nr. 50/00) ein, "gehe ich abends nach Hause und mache meine Kinder dafür verantwortlich, wenn sie irgendwelchen Blödsinn angestellt haben, weil ich natürlich davon ausgehe, dass sie auch anders hätten handeln können".

Praktische Bedenken gegen die Forderung der Neurobiologen

Der Grundgedanke bei der Anwendung der neurobiologischen Erkenntnisse auf unser Erziehungs- und Strafrechtssystem ist der, dass der Mensch für seine Taten nicht mehr verantwortlich gemacht werden kann, wenn sein Wille nicht frei, sondern vollkommen determiniert ist. Es erscheint logisch und einleuchtend, dass es bei vollständig determinierten Hirnprozessen keinen freien Willen und im Zuge dessen konsequenterweise auch keinen Schuldbegriff, keine Verantwortung und kein Gewissen mehr geben kann, bzw. dass diese Phänomene lediglich den Status einer nichtssagenden und hinsichtlich unserer Normen und Gesetze irrelevanten Illusion besitzen. Schuldig und verantwortlich kann nur jemand sein, der eine Tat aus freiem Willen getan hat, und der freie Wille beinhaltet dabei, dass er in der konkreten Situation auch anders hätte handeln können. Doch wenn es den freien Willen gar nicht gibt, konnte der Mensch nicht anders handeln, und daher kann kein Mensch mehr für sein Tun beschuldigt und für seine Taten verantwortlich gemacht werden. Das gilt dann natürlich nicht nur für kleinere Vergehen wie Diebstahl oder Bestechung, sondern auch für Kindesmissbrauch, Mord, Kriegsverbrechen usw.

Wenn das Verhalten des Menschen als determiniert wie bei einem Roboter angesehen wird, so gibt es kein gutes und böses Verhalten mehr, sondern nur noch passendes und unpassendes Verhalten. Es kann nach den geäußerten Vorstellungen der Neurobiologen dann nur versucht werden, das unpassende Verhalten durch geeignete Maßnahmen zu unterbinden, d.h. durch Therapien, Geldstrafen und notfalls auch Freiheitsentzug, ohne dabei jedoch dem Täter irgendeinen Vorwurf zu machen. Er soll lediglich zum Schutz der Gesellschaft daran gehindert werden, seine Taten zu wiederholen, genauso wie im Falle eines Menschen, der aufgrund einer psychischen Krankheit straffällig geworden ist. Im Grunde wird von den Neurobiologen die Schuldunfähigkeit der psychisch kranken Menschen nun auch auf die normalen und gesunden Menschen ausgedehnt. In den Augen der Neurobiologen gibt es in der Beurteilung keinen wesensmäßigen Unterschied mehr zwischen einer aufgrund einer psychischen Krankheit begangenen Tat und einer aufgrund einer berechnenden und verstandesmäßigen Überlegung begangenen Tat. In beiden Fällen ist das Verhalten der Täter determiniert, sie konnten daher nicht anders handeln als sie es taten, das ist für die Neurobiologen der entscheidende Punkt hinsichtlich ihrer Forderung der Änderung unseres Strafrechts.

Doch allein schon aus psychologischen Gründen kann das in der Praxis nicht funktionieren, da diese Auffassung im wahrsten Sinne des Wortes eine universelle Ent-Schuldigung für alle Vergehen darstellen und geradezu dazu einladen würde, jeglichen niederen Wünschen und Instinkten nachzugeben. Da jede Tat nicht mehr moralisch verwerflich wäre, würde das Begehen einer Straftat dann eher einem Lotteriespiel ähneln, bei dem man einen Einsatz wagt und entweder gewinnt (das Vergehen wird nicht entdeckt) oder verliert (indem man die wertneutralen Konsequenzen oder Kosten zur Verhinderung dieses Verhaltens tragen muss). In allen Fällen wäre es nach Ansicht der Neurobiologen eine determinierte Entscheidung, an der man nichts ändern könnte und bei der man sich selbst beim schlimmsten Vergehen daher keinerlei Vorwürfe zu machen bräuchte, auch wenn es bewusst und berechnend gewollt wurde.

Desweiteren kann es in der Praxis nicht funktionieren, weil sich die Determiniertheit eines psychisch kranken Menschen sehr wohl von der eines normalen Straftäters unterscheidet, denn beim normalen, verstandesmäßig und berechnend handelnden Menschen macht die moralische und auch die verstandesmäßige Bewertung eines Vergehens, egal ob sie wahr oder illusionär ist, einen Großteil der Determiniertheit aus, und es kommt zu Rückkopplungen. Die Komplexität des Geschehens etwa durch die Rückkopplungen wird von den Neurobiologen in ihrer direkten Übertragung von Erkenntnissen der neuronalen Ebene auf die geistige Ebene des Menschen vernachlässigt. Anschaulich werden diese Rückkopplungen im Fall der fernöstlichen, religiösen Karmalehre, die in einer ähnlichen Weise von der Determiniertheit oder Vorherbestimmtheit allen weltlichen Geschehens ausgeht, und deren extreme Anhänger etwa fortan nicht mehr nach rechts und links schauen, wenn sie eine vielbefahrenen Straße überqueren. Sie sagen sich, dass es sowieso schon determiniert und vorherbestimmt ist, ob sie überfahren werden oder nicht, ignorieren dabei jedoch völlig den Einfluss ihrer eigenen verstandesmäßigen Einstellung bei dieser Vorherbestimmtheit oder Determiniertheit, d.h. sie greifen durch diese Überzeugung in ihre Determiniertheit ein. Selbst wenn es also letztendlich und objektiv alles vorherbestimmt wäre, könnte der Mensch (subjektiv) nicht nach dieser Erkenntnis handeln, da er Teil des Systems und nicht eine unabhängige, übergeordnete Instanz ist. Der Mensch müsste beim Überqueren einer Straße subjektiv dann immer noch davon ausgehen, dass das Geschehen nicht vorherbestimmt ist, obwohl er vielleicht gleichzeitig wüsste, dass es objektiv vorherbestimmt ist. (Er bräuchte nur dann nicht zu schauen, wenn ihm in jedem Augenblick restlos alle Vorgänge in der Welt bekannt, bewusst und berechenbar wären).

In gleicher Weise bedeutet die neurobiologische Erkenntnis, dass alles Denken und Verhalten determiniert ist und insbesondere die Folgerung daraus, dass man für sein Verhalten daher nicht mehr verantwortlich sei und nichts dafür oder dagegen tun könne, einen erheblichen und fatalen Eingriff in die eigene Determiniertheit. Schon deshalb kann diese Überzeugung als konkrete Handlungsanweisung für den subjektiv handelnden Menschen nicht richtig sein. Der an diese Überzeugung konsequent glaubende Mensch würde sich bei einer künftigen Versuchung zu einem Vergehen gänzlich anders verhalten. Er würde dann immer noch determiniert handeln, aber seine Determiniertheit hätte sich durch diese neue Überzeugung grundlegend geändert, und zwar deshalb, weil er dann entsprechend seiner Überzeugung unter der Vorstellung oder der Idee der Determiniertheit handeln würde, statt unter der der Freiheit. Unter der Idee der Freiheit handeln heißt hierbei jetzt nicht, dass er frei handelt, sondern dass er durch die Idee der Freiheit zu einem bestimmten Verhalten determiniert wird.

Die Versuchung zu einem Vergehen würde immer noch da sein, da sich dahinter nichts anderes als emotionale und instinkthafte Einflüsse verbergen. Doch insbesondere die verstandesmäßigen und moralischen Aspekte, die gegen unser instinkthaft beeinflusstes Verhalten sprechen, die die Aufgabe haben, unser angeborenes, instinkthaftes Verhalten zu kultivieren (als Weltbilder, Überzeugungen oder Ideen), die würden wegfallen. Sie würden durch die verstandesmäßige Überzeugung ersetzt, dass gegen eine (emotionale) Versuchung (verstandesmäßig und bewusst) nichts gemacht werden kann, da, wenn die Versuchung einmal da ist und bewusst wird, es wegen der Determiniertheit dann auch so sein soll und man nichts dagegen machen kann, weil man ja in seinem Bewusstsein davon ausgeht, nicht frei zu sein.

Die neurobiologische Idee der vollkommenen Determiniertheit und Unfreiheit des menschlichen Seins und Verhaltens ist daher schon wegen der Rückkopplungen in moralischer Hinsicht ein folgenschwerer Eingriff in die Determiniertheit des Menschen, besonders wenn sie denn juristisch und pädagogisch ihren konsequenten Niederschlag finden würde. Es würde sich hinsichtlich unserer sozialen und moralischen Ordnung ähnlich fatal auswirken, wie die blinde Straßenüberquerung bei einem karmagläubigen Menschen. Wenn das Sein und Verhalten des Menschen vor dem Hintergrund seiner evolutionären Entwicklung und seines evolutionären Erbes gesehen wird und so zwischen instinkthaften, emotionalen und verstandesmäßigen, begrifflichen Einflüssen differenziert wird, so fällt sofort auf, wie fatal sich die Forderung der Neurobiologen insbesondere für das soziale und moralische Verhalten des Menschen auswirken muss. Unter der begrifflichen Vorstellung oder Idee der Determiniertheit handelt der Mensch anders als unter der begrifflichen Idee der Freiheit, der Verantwortung und des Schuldbewusstseins, gerade weil beide Vorstellungen ihn determinieren.

Die Frage, ob sich unser Rechtssystem jetzt durch die neurobiologischen Erkenntnisse als ein Unrechtssystem erweist, das seit Jahrhunderten unter der Annahme der Freiheit Menschen für etwas verurteilte und bestrafte, wozu sie gar nichts konnten, ist schon allein aus praktischen Erwägungen eindeutig mit nein zu beantworten. Dass und wieso darüber hinaus auch die Aussage der Neurobiologen, dass "wir" (als geistiges Wesen) keinen freien Willen (mit realer und normativer Relevanz) haben, nicht richtig ist, obwohl unser normales Verhalten in der strengen, naturwissenschaftlichen Objektivität der neuronalen Prozesse vollständig determiniert ist, soll nachfolgend begründet werden.

An den unmittelbaren neurobiologischen Forschungsergebnissen der Determiniertheit der Hirnprozesse ist nicht zu zweifeln, aber bei der Deutung und Übertragung dieser objektiven Erkenntnisse der neuronalen, körperlichen Ebene auf die geistige, kulturelle Ebene unseres Seins wird von den Neurobiologen etwas Entscheidendes übersehen. Das hinsichtlich der Willensfreiheit nachzuweisen soll hier mit naturwissenschaftlichen Argumenten versucht werden. Die naturwissenschaftlichen Argumente sind dabei letztlich nicht von den schon erwähnten psychologischen Gründen bzw. dem beschriebenen Effekt der Rückkopplung bei der praktischen Bedeutung der Idee der Willensfreiheit zu trennen, d.h. diese Gründe und Effekte haben ihre tieferen Ursachen im naturwissenschaftlich relevanten Bereich. Es soll so gezeigt werden, dass auch Kant in seinen Aussagen zur Willensfreiheit vollkommen richtig liegt. Gerhard Roth sagte dabei in diesem Zusammenhang über Kant:

Kant war sich dabei der Tatsache voll bewusst, dass eine solche Vorstellung dem neuzeitlichen Kausalitätsdenken radikal widerspricht: Willenshandlungen sind entsprechend für Kant nur der Idee nach, nicht aber empirisch frei. Daraus folgt für Kant, dass der Versuch, Willensfreiheit empirisch nachweisen zu wollen, absurd ist. Willensfreiheit gibt es, weil es sie aus sittlich/ethischen Gründen wie auch wegen unseres subjektiven Erlebens, in unseren Willensakten frei zu sein, geben muss."5

Der Gegensatz von Determiniertheit und Ich-Vorstellung bzw. Selbst-Sinn

Die Argumente der Befürworter der These, dass wir aufgrund der neurobiologischen Erkenntnisse keinen freien Willen haben, wird in der folgenden einfachen, logischen Aussage auf den Punkt gebracht: "Allein aus der Determiniertheit der im Gehirn ablaufenden Entscheidungsprozesse folgt unwiderlegbar, dass die Vorstellung einer 'Freiheit' dieser Entscheidungsprozesse unsinnig ist". Das Wort "Freiheit" lässt sich dann in der Übertragung dieser Erkenntnis auf unser Erziehungs- und Rechtssystem sinngemäß auch durch "Verantwortung" ersetzen. Doch lässt sich das komplexe, natürliche Geschehen allgemein mit einfachen, logischen Aussagen erfassen?

Nachfolgend werden zunächst einmal wie gesagt nicht die unmittelbaren neurobiologischen Erkenntnisse auf der neuronalen Ebene bestritten, d.h. alle unsere Gehirnprozesse sind in der Regel determiniert (eine wichtige Ausnahme soll als eine besondere Form der Willensfreiheit am Schluss zur Sprache kommen). Doch das Entscheidende, was hierbei übersehen wird, ist, dass in der oben genannten Aussage das Wort "Freiheit" genauso gut durch den Begriff des "Ichs" ersetzt werden kann. Die neurobiologische Erkenntnis lautet dann: "Allein aus der Determiniertheit der im Gehirn ablaufenden Entscheidungsprozesse folgt unwiderlegbar, dass die Vorstellung eines 'Ichs' dieser Entscheidungsprozesse unsinnig ist".

Determinierte Prozesse sind in ihrer Determiniertheit definitionsgemäß vorbestimmt und damit grundsätzlich vorhersagbar, und zwar deshalb, weil sie nicht durch einen freien oder zufälligen Willen verursacht sind, sondern durch unpersönliche (Natur)Gesetzmäßigkeiten wie im Fall der Gehirnprozesse durch die physikalisch-chemischen Gesetzmäßigkeiten der neuronalen Zellprozesse oder wie im Fall eines Computers durch elektronische Gesetzmäßigkeiten. Ich-Vorstellung und Freiheitsempfinden oder Freiheits-Vorstellung sind dabei untrennbar miteinander verbunden, d.h. genauso wie determinierte Prozesse definitionsgemäß eine freie Entscheidung aber auch die Ich-Vorstellung ausschließen und durch unpersönliche Gesetzmäßigkeiten bestimmt sind, ist die Ich-Vorstellung nicht ohne die Freiheits-Vorstellung möglich. Die Ich-Vorstellung als ein vollkommen determiniertes Geschehen ist paradox.

Sollen wir, nachdem uns die Neurobiologen gesagt haben, dass in unserem Gehirn auf der neuronalen Ebene nur determinierte Prozesse ablaufen, so auch auf unsere Ich-Vorstellung und unsere Personalität verzichten und uns nur noch als eine Anhäufung organischer Materie verstehen, die kausalen Naturgesetzmäßigkeiten unterliegt? Spätestens hier wird deutlich, dass die Sache komplexer ist, d.h. dass die Erkenntnisse der neuronalen Ebene nicht so ohne weiteres auf unser geistiges Sein übertragen werden können, und dass dabei auch die Entstehung der Ich-Vorstellung zu berücksichtigen ist.

Die Klärung der Ich-Vorstellung bzw. des Selbst-Sinns steht im Mittelpunkt der Arbeiten des amerikanischen Neurobiologen Antonio Damasio. Dieser teilt die Neurobiologie des Bewusstseins dabei zunächst in zwei Probleme auf. Das erste spiegelt sich im philosophischen Qualia-Problem wider, also den Empfindungen, die im Gehirn als einfache mentale Muster oder Vorstellungen aus den neuronalen Mustern der Sinnesorgane entstehen, wie etwa das Empfinden einer Farbe oder eines Klanges. Dieses Problem, nämlich wie aus etwas Materiell-Körperlichen etwas Geistiges wird (Damasio bezeichnet es als Entstehung des "Films-im-Gehirn"), skizziert Damasio in seinem Buch "Ich fühle, also bin ich" jedoch nur kurz. Er wendet sich dem zweiten Problem als dem eigentlichen Thema seines Buches zu, nämlich wie aus den entstandenen unpersönlichen mentalen Mustern oder Vorstellungen Selbst-Sinn oder Ich-Vorstellung entstehen. Der Frage um die Willensfreiheit enthält Damasio sich zwar in seinem Buch gänzlich (er sagte jedoch in einem ZEIT-Interview6, dass er die Willensfreiheit nicht für eine Illusion hält), doch indem er den Selbst-Sinn thematisiert und vor allem relativiert, bietet sich die Verbindung von Willensfreiheit und Selbst-Sinn in der Bewusstseinsfrage geradezu an. Für Damasio ist dieser Selbst-Sinn oder diese Ich-Vorstellung wie alle mentalen Muster konstruiert, d.h. der Selbst-Sinn ist nicht einmal in einem früheren Stadium der Repräsentation mentaler Muster im Gehirn existent. Das eigentliche Rätsel dabei ist, wie der persönliche Selbst-Sinn auf der Grundlage der unpersönlichen, determinierten Gehirnprozesse entsteht. Damasio äußert sich zu dem Phänomen des Selbst-Sinns folgendermaßen:

Die Lösung dieses zweiten Problems setzt voraus, dass wir verstehen, warum ich, während ich schreibe, mich selbst fühle, und dass Sie, während Sie jetzt lesen, sich selbst fühlen, und warum wir fühlen, dass das private Wissen, das wir in diesem Augenblick vor unserem geistigen Auge sehen, von einer bestimmten Perspektive geprägt ist -derjenigen des Individuums, in dem sie sich formt - und nicht von einer allgemeinen Allerweltsperspektive. Die Lösung setzt weiterhin voraus, dass wir verstehen, warum die Vorstellungen von einem Objekt und von der komplexen Matrix aus Beziehungen, Reaktionen und Plänen, in die es eingebunden ist, als die unverkennbaren geistigen Eigenschaften eines automatischen Eigentümers empfunden werden, der immer ein Beobachter, ein Wahrnehmender, ein Erkennender, ein Denkender und ein potentiell Handelnder ist. Besonders schwierig ist das zweite Problem, da der Vorschlag, der herkömmlicherweise zu seiner Lösung unterbreitet wird - ein Homunkulus, der für die Erkenntnis zuständig ist -, offenkundig falsch ist. Es gibt keinen Homunkulus, weder metaphysisch noch im Gehirn, der als Zuschauer im cartesianischen Theater sitzt und darauf wartet, dass die Objekte ins Licht treten. Mit anderen Worten, um das zweite Problem des Bewusstseins zu lösen, müssen wir die biologischen Grundlagen der merkwürdigen Fähigkeit entdecken, über die wir Menschen verfügen, der Fähigkeit, nicht nur die mentalen Muster eines Objekts zu konstruieren - die Vorstellungen von Personen, Orten, Melodien und von ihren Beziehungen, kurz, die zeitlich und räumlich integrierten Vorstellungen des Zu-Erkennenden -, sondern auch die geistigen Muster, die wir automatisch und natürlich erzeugen, den Selbst-Sinn im Akt des Erkennens. Bewusstsein im üblichen Sinn ist von der basalen bis zur kompliziertesten Ebene das vereinheitlichte mentale Muster, durch welches das Objekt und das Selbst zusammengeführt werden.

So sieht sich die Neurobiologie des Bewusstseins zumindest zwei Problemen gegenüber: der Frage, wie der Film-im-Gehirn erzeugt wird, und der Frage, wie das Gehirn das Gefühl erzeugt, dass es einen Eigentümer und Beobachter dieses Films gibt.7

Damasio geht es in erster Linie um die Frage, wie der Selbst-Sinn entsteht, warum die Vorstellung da ist, dass "wir" es sind, die denken und handeln und warum da nicht einfach nur Gedanken und Handlungen ohne das Bewusstsein eines denkenden und handelnden Ichs sind, wie es determinierten Prozessen entsprechen würde. Jedoch darf man dabei das von ihm skizzierte erste Problem nicht aus den Augen verlieren, das als das eigentliche Wunder der Natur angesehen werden kann, nämlich wie aus materiell-körperlichen Prozessen geistige Empfindungen entstehen. Hier gibt es eine Lücke, die bei der Übertragung der Erkenntnisse der neuronalen zu der geistigen Ebene unseres Seins nicht einfach übergangen und ignoriert werden kann (Eigentlich gibt es entsprechend der von Damasio thematisierten zwei Grundprobleme sogar zwei Lücken, nämlich nicht nur die beim Übergang von den körperlichen, neuronalen Mustern zu den einfachen, unpersönlichen mentalen Mustern, sondern auch noch die beim Übergang von den unpersönlichen mentalen Mustern zu dem persönlichen Selbst-Sinn, mit der Damasio sich in seinem Buch hauptsächlich beschäftigt). Damasio schreibt zu der (ersteren) Lücke Folgendes:

Rätsel und Erkenntnislücken bei der Entstehung von Vorstellungen

Bezüglich der Frage, woher Vorstellungen stammen, gibt es keine Rätsel. Vorstellungen erwachsen aus der Aktivität von Gehirnen, und diese Gehirne gehören zu lebenden Organismen, die mit einer physikalischen, biologischen oder sozialen Umwelt interagieren. Genauer, Vorstellungen entstehen aus neuronalen Mustern oder neuronalen Karten, die in Populationen von Nervenzellen oder Neuronen gebildet werden. Diese schließen sich zu Schaltkreisen oder neuronalen Netzen zusammen. Rätselhaft hingegen ist die Frage, wie Vorstellungen aus neuronalen Mustern entstehen. Wie ein neuronales Muster zu einer Vorstellung wird, ist eine Frage, die die Neurobiologie noch nicht beantwortet hat.

Viele Neurowissenschaftler haben ein gemeinsames Ziel und eine gemeinsame Hoffnung: Sie möchten irgendwann umfassend erklären können, wie aus jenen neuronalen Mustern, die wir gegenwärtig mit den Werkzeugen der Neurobiologie beschreiben - von der Ebene der Moleküle bis hin zu der der Systeme - die vieldimensionale, Raum und Zeit vereinigende Vorstellung wird, die wir in diesem Augenblick erleben. Vielleicht sind wir eines Tages in der Lage, alle Schritte, die vom neuronalen Muster zur Vorstellung führen, befriedigend zu erklären, doch dieser Tag ist noch nicht gekommen. Wenn ich sage, dass Vorstellungen von neuronalen Mustern oder neuronalen Karten abhängen oder aus ihnen entstehen, statt zu erklären, sie seien neuronale Muster oder Karten, dann falle ich nicht unwissentlich in den alten Dualismus zurück - hier neuronales Muster und dort immaterielles Cogitum. Ich sage lediglich, dass wir noch nicht in der Lage sind, alle biologischen Phänomene zu beschreiben, die stattfinden zwischen (a) unserer gegenwärtigen Beschreibung eines neuronalen Musters auf verschiedenen neuronalen Ebenen und (b) unserer Erfahrung einer Vorstellung, die aus der Aktivität in der neuronalen Karte erwächst. Es klafft eine Lücke zwischen unserer Kenntnis der neuronalen Ereignisse auf molekularer, zellulärer und systemischer Ebene einerseits und der Vorstellung, deren Entstehungsmechanismen wir gerne verstünden, andererseits. Diese Lücke gilt es mit noch nicht erkannten, aber wahrscheinlich erkennbaren physikalischen Phänomenen zu füllen. Die Größe der Lücke und das Ausmaß, in dem sie sich in Zukunft aller Voraussicht nach überbrücken lässt, ist natürlich strittig. Wie dem auch sei, ich möchte nur deutlich machen, dass ich neuronale Muster für Vorläufer jener biologischen Gegebenheiten halte, die ich Vorstellungen nenne.

Die eben beschriebene Lücke ist einer der Gründe, warum ich in diesem Buch überall zwei Beschreibungsebenen gewahrt habe, eine für den Geist und eine andere für das Gehirn. Diese säuberliche Trennung ist einfach eine Frage gedanklicher Hygiene und nicht, das sei noch einmal betont, das Ergebnis irgendeines Dualismus. Wenn ich die Beschreibungsebenen auseinander halte, will ich damit nicht andeuten, es gebe separate Substanzen, die eine geistiger und die andere biologischer Art. Ich trage einfach dem Umstand Rechnung, dass der Geist ein komplexer biologischer Prozess ist, der eine eigene Beschreibungsform braucht und verdient, weil er nur privat in Erscheinung tritt und weil sein Erscheinen die fundamentale Realität ist, die wir erklären möchten. Andererseits soll die Beschreibung von neuronalen Ereignissen mit einem eigenen Vokabular auch zum Ziel des vorliegenden Buches beitragen: zu verstehen, wie diese Ereignisse dazu beitragen, Geist zu erzeugen.8

Von den beiden Bewusstseinsproblemen, die Damasio beschreibt, bezeichnet er das erstere als eine fundamentale Lücke, die trotz aller Fortschritte der Neurobiologie weiterhin existiert. Das Problem ist nach den Worten von Gerhard Roth die "Neutralität des neuronalen Codes", d.h. die Paradoxie, dass im Gehirn keine Farben, Formen, Töne, keine Gedanken und Erinnerungen entdeckt werden, sondern ausschließlich Nervenzellen bzw. Verbände von Nervenzellen und ihre (kausalen) physikalisch-chemischen Aktivitäten. Die neuronalen Grundbausteine sind bei allen Lebewesen gleich und dasselbe gilt für die Grundstruktur des Gehirns bei den höher organisierten Lebewesen, d.h. auch ein Frosch hat einen Neocortex, einen Hippocampus usw. Nur durch die besondere Zusammenschaltung dieser Grundbausteine entstehen völlig neue Effekte, die wir subjektiv als Empfindung oder als Geist erfahren, letztlich auch dieses "wir", die Ich-Vorstellung. Es gibt dabei keine geistigen Neuronen und nicht einmal ein besonderes Zentrum, das als Sitz des Ichs oder des Geistes angese hen werden kann.

Deshalb dürfen die Abhängigkeiten zwischen den neuronalen Prozessen im Gehirn und den geistigen Empfindungen trotz aller Regel- und Gesetzmäßigkeiten nur als Korrelationen bezeichnet werden, und deswegen müssen die beiden Beschreibungsebenen gewahrt werden, also die objektive Dritte-Person-Perspektive, in der die neuronalen Aktivitäten existieren und die Erste-Person-Perpektive, in der wir einen Schmerz empfinden, eine Farbe sehen oder einen Gedanken haben. Das heißt aber auch gerade hinsichtlich der Frage um die Willensfreiheit, dass Erkenntnisse der neuronalen Ebene nicht ohne weiteres (über die "Lücken" hinweg) auf die geistige Ebene übertragen werden können. Die neuronalen Prozesse sind strikte kausale Prozesse und dennoch gibt es auf der geistigen Ebene zweifellos die Ich-Vorstellung und auch die Willensfreiheit (was als psychisches Phänomen natürlich auch die deutschen Neurobiologen nicht anzweifeln). Wie ist es zu erklären, dass aus kausalen materiell-körperlichen Prozessen Empfindungen und einfache mentale Vorstellungen oder Prozesse hervorgehen und wie ist es zu erklären, dass aus diesen determinierten mentalen Prozessen Phänomene wie Selbst-Sinn, Willensfreiheit und Geist entstehen? Auf jeden Fall sind die geistigen Phänomene, was die enge Korrelation mit den neuronalen Gehirnprozessen auch nahe legt, als rein natürliche Prozesse zu betrachten (in diesem Zusammenhang weist Damasio in dem ZEIT-Interview6 zu Recht darauf hin, dass auch die Frage noch nicht endgültig und zufriedenstellend geklärt ist, was Materie eigentlich ist).

Das Problem der Willensfreiheit kann nicht isoliert betrachtet und gelöst werden, sondern nur in einem größeren Zusammenhang. Dann wird auch deutlich, dass sich darin letztlich ein altes Problem der Natur- und Geisteswissenschaften nur in neuer Form zeigt, nämlich das Geist-Materie-Problem. Es geht im Grunde nicht um die Frage wie aus kausalen, organischen Prozessen (der Gehirnaktivitäten) ein freier Wille entstehen kann, sondern wie daraus Geist entstehen kann, wobei Geist definitionsgemäß immer mit dem Begriff der Freiheit verbunden ist. Die Vorstellung von Geist als ein rein determiniertes Geschehen von Naturgesetzlichkeiten ist genauso paradox wie im Fall von Willenfreiheit und Selbst-Sinn. Der Geist muss im wahrste Sinne des Wortes davon befreit werden bzw. sich davon selbst befreien können, sonst ist er kein Geist. Das Problem der Willensfreiheit kann nur in diesem größeren Zusammenhang gesehen werden.

Wie ist es möglich, dass in einer Welt mit einem materiellen Ausgangszustand sich in einer evolutionären Entwicklung geistige Wesen entwickelten? Wie ist es möglich, dass sich in der individuellen Entstehung des Menschen dieser sich aus einer genetischen Information, die jedoch lediglich aus einer bestimmten Aneinanderreihung von Eiweißbausteinen besteht, nur durch Zuführung weiterer organischer Bestandteile (als Nahrung) zu einem geistigen, personhaften Wesen entwickelt? (Diese Frage hat auch viel mit der Abtreibungsproblematik zu tun). Nun hat die moderne Naturwissenschaft in Form der Neurobiologie festgestellt, dass restlos alle geistigen Leistungen des Menschen, jeder einzelne Gedanke, immer mit einer bestimmten neuronalen Aktivität einhergehen. Das ist die eigentliche bemerkenswerte Entdeckung der Neurobiologie, die auf die Natürlichkeit des Geistes hinweist, denn ein Geist, der übernatürliche Ursachen hätte, könnte nicht gleichzeitig von natürlichen, körperlichen Prozessen wie den neuronalen Gehirnprozessen abhängig und in einer gesetzmäßigen Weise daran gebunden sein. Gerade durch die regel- und gesetzmäßige Abhängigkeit von den natürlichen Prozessen erweist sich der Geist ebenfalls als ein natürliches Phänomen. Doch wie genau nun Geist in seiner Freiheit aus den kausalen, neuronalen und körperlichen (Gehirn)Prozessen hervorgeht, ist und bleibt trotz aller Fortschritte der Neurobiologie ein Rätsel. Doch vielleicht erscheint es nur uns als Rätsel, vielleicht ist es in dieser "Lücke", dem "Sprung" oder der Unerklärlichkeit und Plötzlichkeit des Übergangs einfach ein vollkommen natürliches Phänomen.

Das natürliche Wunder der evolutionären, stammesgeschichtlichen Entstehung des Menschen wiederholt sich so nicht nur in dem individuellen Entstehen jedes einzelnen Menschen, sondern auch in jeder seiner geistigen Tätigkeiten im Gehirn, nämlich wie aus organischem Sein (der kausalen neurobiologischen Aktivitäten) Empfindungen und Geist (mit einer "Ich-Struktur" und einem freien Willen) hervorgehen bzw. damit einhergehen. Das heißt andererseits aber nicht, dass Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft als grundsätzlich getrennte und nicht zu vereinbarende Bereiche angesehen werden können. Beide Bereiche sind trotz der Widersprüche eng miteinander verknüpft, das zeigt ja gerade die Gehirnforschung, und die rasante Entwicklung der modernen Naturwissenschaft, insbesondere auch in der Gentechnologie, macht es dringend erforderlich, die Beziehungen zu klären und die Probleme zu lösen. Die Frage und die Problematik um die Willensfreiheit kann nicht isoliert betrachtet werden, sondern es kann nur versucht werden, sie in diesem größeren Zusammenhang zu lösen, und sie ist dabei vor allem nicht von dem Phänomenen der Ich-Vorstellung und der Geist-Entstehung zu trennen.

An dieser Stelle möchte ich nun einen Lösungsvorschlag aus einem anderen naturwissenschaftlichen Bereich einbringen, der sich mit der Problematik der natürlichen Entstehung des Geistes befasst hat, nämlich der Stammesgeschichtsforschung von Konrad Lorenz. Mit diesem Ansatz findet die Widersprüchlichkeit von determinierten Prozessen und den daraus entstehenden Phänomenen von Freiheit und Geist bzw. die "Lücke(n)" dabei eine natürliche Erklärung. Damit wird deutlich, dass es die Willensfreiheit trotz der widersprüchlichen Erkenntnisse der Determiniertheit auf der neuronalen Ebene sehr wohl geben kann, und dass wir als personale geistige Wesen in all unseren Handlungen (genau wie Kant es sagt) davon ausgehen müssen, dass wir einen freien Willen haben, obwohl das auf einer tieferen, objektiven Ebene unseres Seins nicht der Fall ist. Denn auf dieser tieferen, objektiven Ebene existieren auch wir nicht (im strengen, naturwissenschaftlichen Objektivitätsverständnis, in dem Geist ein rein privates, naturwissenschaftlich nicht nachweisbares, nicht erforschbares und daher subjektives Phänomen ist). Die Lücke von der Damasio spricht bzw. die beiden Lücken der zwei grundsätzlichen Bewusstseinsprobleme erhalten dadurch eine recht einfache, natürliche und disziplinübergreifende Erklärung, und es wird deutlich, wie sehr Geist, Selbst-Sinn und Willensfreiheit zusammengehören. Gerade der Widerspruch von Selbst-Sinn und Willensfreiheit zu der Determiniertheit der zugrundeliegenden Prozesse erhält durch diesen Ansatz eine Erklärung innerhalb eines größeren Zusammenhangs und einer umfassenderen, allgemeingültigen Gesetzmäßigkeit.

Die Geschichtetheit des Seins und die Eigengesetzlichkeit dieser Schichten

Das nähere Verständnis, dass und wie es trotz der neurobiologischen Forschungsergebnisse (der Determiniertheit aller Prozesse auf der Körperzell-Ebene) die Willensfreiheit für das geistige Sein des Menschen, d.h. subjektiv, gibt bzw. genauer gesagt, dass sie für das geistige Sein des Menschen nicht nur relevant, sondern unabdingbar ist, erschließt sich aus einem Zitat aus dem Buch "Die Rückseite des Spiegels" von Konrad Lorenz, in dem er auf eine Erkenntnis des Philosophen Nicolai Hartmann zurückgreift. Dabei sind Selbst-Sinn, Willensfreiheit und Geist als zusammengehörige Aspekte der Schicht oder des Systems anzusehen, in dem "wir" als geistige Wesen existieren. Die so aus der evolutionären Stammesgeschichtsforschung gewonnene Erkenntnis passt dabei nicht zufällig auf die Problematik der Gehirnforschung, denn das evolutionäre Werden hat sich natürlich in den Gehirnen der evolutionären Wesen niedergeschlagen bzw. spiegelt sich dort wider:

2 Nicolai Hartmanns Lehre von den Schichten des realen Seins

In der realen Welt, in der wir leben, sagt Nicolai Hartmann, finden wir Schichten vor, deren jede besondere Seinskategorien oder Gruppen von Seinskategorien hat, durch deren Besitz oder Nichtbesitz sie sich von anderen absetzt. »Es gibt gewisse Grundphänomene unüberbrückbarer Andersheit im Stufengange der Realgebilde«, und »eine phänomengerecht angelegte Kategorielehre muss diese Einschnitte ebenso sehr berücksichtigen wie die Seinszusammenhänge, die über sie hinweggreifen ... « Diese Seinszusammenhänge greifen nun immer in einseitiger Weise über die Einschnitte hinweg, durch die sich die vier großen Schichten des realen Seins - das Anorganische, das Organische, das Seelische und das Geistige -voneinander absetzen. Die Seinsprinzipien und Naturgesetze, die im Anorganischen gelten, obwalten uneingeschränkt auch in den höheren Schichten. Hartmann schreibt: »So erhebt sich die organische Natur über der anorganischen. Sie schwebt nicht frei für sich, sondern setzt die Verhältnisse und Gesetzlichkeiten des Materiellen voraus; sie ruht auf ihnen auf, wenn schon diese keineswegs ausreichen, das Lebendige auszumachen. Ebenso bedingt ist seelisches Sein und Bewusstsein durch den tragenden Organismus, an und mit dem allein es in der Welt auftritt. Und nicht anders bleiben die großen geschichtlichen Erscheinungen des Geisteslebens an das Seelenleben der Individuen gebunden, die seine jeweiligen Träger sind. Von Schicht zu Schicht, über jeden Einschnitt hinweg, finden wir dasselbe Verhältnis des Aufruhens, der Bedingtheit >von unten< her, und doch zugleich der Selbständigkeit des Aufruhenden in seiner Eigengeformtheit und Eigengesetzlichkeit.

Dieses Verhältnis ist die eigentliche Einheit der realen Welt. Die Welt entbehrt bei aller Mannigfaltigkeit und Heterogenität keineswegs der Einheitlichkeit. Sie hat die Einheit eines Systems, aber das System ist ein Schichtensystem. Der Aufbau der realen Welt ist ein Schichtenbau. Nicht auf die Unüberbrückbarkeit der Einschnitte kommt es hier an - denn es könnte sein, dass diese nur >für uns< besteht -, sondern auf das Einsetzen neuer Gesetzlichkeit und kategorialer Formung, zwar in Abhängigkeit von der niederen, aber doch in aufweisbarer Eigenart und Selbständigkeit gegen sie. «9

Das Auftauchen neuer Eigenschaften und Gesetzlichkeiten mit einer höheren, neuen Schicht ist dabei der entscheidende Vorgang, den Lorenz Fulguration nennt:

Die Entstehung neuer Systemeigenschaften

1 Die Unzulänglichkeit des Vokabulars

Wenn man versucht, den Vorgang des großen organischen Werdens zu schildern und dabei dessen Natur gerecht zu werden, so findet man sich immer wieder dadurch behindert, dass der Wortschatz der Kultursprache zu einer Zeit entstand, in der die Ontogenese, d. h. das individuelle Werden der Lebewesen, die einzige Art von Entwicklung war, die man kannte. Die Wörter Entwicklung, Development, Evolution usw. besagen ja etymologisch alle, dass sich etwas entfaltet, das schon vorher in eingewickeltem oder zusammengefaltetem Zustande vorhanden gewesen war, wie die Blume in der Knospe oder das Hühnchen im Ei. Auf diese ontogenetischen Vorgänge treffen die genannten Ausdrücke in befriedigender Weise zu. Sie versagen aber geradezu kläglich, wenn man versucht, dem Wesen des organischen Schöpfungsvorganges gerecht zu werden, das eben darin besteht, dass immer wieder etwas völlig Neues in Existenz tritt, etwas das vorher einfach nicht da war. Selbst das schöne deutsche Wort Schöpfung besagt etymologisch, dass etwas bereits Vorhandenes aus einem ebenfalls vorhandenen Reservoir herausgeschöpft werde. Einige Philosophen der Evolution, die der Unzulänglichkeit all dieser Wörter innegeworden waren, griffen nach dem noch schlimmeren Wort Emergenz, das sprachlogisch die Vorstellung erweckt, etwas Präformiertes tauche plötzlich auf, wie ein luftholender Wal an der Oberfläche des Meeres, das eben noch, bei buchstäblich oberflächlicher Betrachtung, leer zu sein schien.10

Wenn z.B. zwei voneinander unabhängige Systeme zusammengeschaltet werden, wie das nebenstehend abgebildete, dem Buche von Bernhard Hassenstein entnommene einfache elektrische Modell dies veranschaulicht [Kondensator-Spulen-Schaltung, die durch die Zusammenschaltung elektrische Schwingungen hervorruft], so entstehen damit schlagartig völlig neue Systemeigenschaften, die vorher nicht, und zwar auch nicht in Andeutungen, vorhanden gewesen waren. Genau dies ist der tiefe Wahrheitsgehalt des mystisch klingenden, aber durchaus richtigen Satzes der Gestaltpsychologen: »Das Ganze ist mehr als seine Teile.«11

Alles was moderne systemgerechte Stammesgeschichtsforschung über die Entstehung neuer Systemeigenschaften und über die einseitige Beziehung zwischen verschieden hohen Integrationsebenen ans Licht gebracht hat, lässt deutlich erkennen, dass eine den Systemeigenschaften eines lebenden Systems gerecht werdende Kausalanalyse zu Ergebnissen führt und an Methoden gebunden ist, die denen von Hartmanns phänomengerechter Kategorialanalyse nahe verwandt sind. Ja, man darf behaupten, dass die systemgerechte Kausalanalyse es erst verständlich macht, warum die von Hartmann gerügten Grenzüberschreitungen so böse in die Irre führen. Wir verstehen genau, warum es unmöglich ist, die Eigenschaften des höher integrierten Systems aus denen des niedrigeren zu deduzieren (s.S. 55), und ebenso, warum es blanker Unsinn ist, bei den einzelnen Untersystemen einer Ganzheit oder bei einfacheren Vorfahren höherer Lebewesen nach Eigenschaften und Leistungen zu fahnden - geschweige denn solche zu postulieren -, die erst mit dem schöpferischen Akt höherer Integration in Existenz getreten sind.12

Betrachtet man die Probleme der Gehirnforschung mit diesem Ansatz aus der Stammesgeschichtsforschung, so lässt sich eine zufriedenstellende Erklärung dafür finden, dass wir trotz des Wissens um die Determiniertheit der neuronalen Prozesse das reale Empfinden eines Ichs und eines freien Willens haben. Zunächst einmal kann das Sein des Menschen nicht als ein einziges System betrachtet werden, das über Bedingungen und Gesetzmäßigkeiten verfügt, die überall in diesem Sein des Menschen gleich gültig sind. Der Mensch ist vielmehr als geschichtetes System zu betrachten, in dem es infolge des Auftretens neuer Systemeigenschaften Einschnitte (oder Lücken) gibt, die die einzelnen Systeme oder Schichten des Gesamtsystems Mensch voneinander abgrenzen. "Nicht auf die Unüberbrückbarkeit der Einschnitte kommt es hier an - denn es könnte sein, dass diese nur >für uns< besteht -, sondern auf das Einsetzen neuer Gesetzlichkeit und kategorialer Formung, zwar in Abhängigkeit von der niederen, aber doch in aufweisbarer Eigenart und Selbständigkeit gegen sie." Ebenso wie das emotionale oder seelische (nach Hartmann) Sein bildet auch das geistige Sein des Menschen ein eigenes System mit unabhängigen und der niederen Schicht widersprechenden Systemeigenschaften oder Gesetzlichkeiten. Nun kann aber nicht in einer scheinbaren Logik argumentiert werden, dass es wegen dieses Widerspruchs das höhere System oder eine seiner Eigenschaften nicht geben kann. Vor dem geschichteten System versagt die einfache Logik.

Die Neurobiologie untersucht die Funktionen der körperlichen Nervenzellen, der organischen Ebene. Doch die Gesetzmäßigkeiten dieser Ebene, hier konkret die Determiniertheit ihrer Prozesse, "obwaltet uneingeschränkt auch in der höheren Schicht", nämlich der geistigen, d.h. das Verhalten des Menschen ist objektiv gesehen (in der Regel) determiniert. Aber trotz dieser "Bedingtheit >von unten< her" findet sich in der höheren Schicht "zugleich die Selbständigkeit des Aufruhenden in seiner Eigengeformtheit und Eigengesetzlichkeit". Die Eigengeformtheit ist die des Ichs, das es in rein determinierten Prozessen gar nicht geben dürfte, und die Eigengesetzlichkeit ist die Willensfreiheit, ohne die das geistige Ich als solches nicht existieren kann. Diese Willensfreiheit existiert zwar nicht objektiv (bis auf die einzige Ausnahme, die am Schluss zur Sprache kommen soll, die darin jedoch einen entscheidenden Einfluss auf die subjektive Willensfreiheit ausübt), aber sehr wohl subjektiv für das Ich und bildet darin als geistiges System und Selbstbewusstsein die höhere Schicht des menschlichen, geistigen Seins. Für das Ich ist die Willensfreiheit real, relevant und keine Illusion.

Die auftauchende Frage, warum es überhaupt ein höheres System mit den Phänomen von Geist, Ich und Willensfreiheit mit einer eigenständigen Gesetzmäßigkeit gibt und nicht nur die zugrundeliegenden determinierten Prozesse als determinierte Prozesse, kann nur in der besonderen Organisationsform (der determinierten Prozesse) liegen. Diese besondere Organisationsform mit den dabei auftauchenden geistigen Phänomen und ihrer Eigengesetzlichkeit muss sich einfach in der Evolution als sehr effektiv erwiesen haben.

Das Verhältnis und die Abhängigkeit der Gesetzmäßigkeiten der determinierten Prozesse mit den entgegengesetzten Gesetzmäßigkeiten der höheren, geistigen Schicht lässt sich gut mit dem Phänomen des Fliegens vergleichen. Unter normalen Umständen lässt sich analog der Aussage der deutschen Neurobiologen, dass es in determinierten Prozessen kein Ich-Bewusstsein und keine Willensfreiheit (als reales und normatives Element) geben kann, sagen, dass kein Körper, dessen spezifisches Gewicht größer ist als das der Luft, in der irdischen Atmosphäre fliegen kann. Das ist eine Naturgesetzlichkeit und darin eine einfache, logische und zweifellos richtige Aussage, und die deutschen Neurobiologen würden entsprechend sagen, dass das Fliegen daher unmöglich ist.

Doch wenn ein Körper, dessen spezifisches Gewicht größer ist als das der Luft, eine ganz bestimmte Struktur (insbesondere in der Flügelform) aufweist, dann ist es sehr wohl möglich, dass sogar tonnenschwere Metallgebilde sich entgegen der zugrundeliegenden Naturgesetzlichkeit in die Luft erheben und fliegen können. Das Fliegen bringt dabei eigene Gesetzmäßigkeiten hervor, die ein Flugzeug oder einen Vogel in die Lüfte steigen lassen, obwohl das zugrundeliegende Naturgesetz weiterhin eine uneingeschränkte Gültigkeit besitzt.

Dieser Vergleich lässt sich auch noch hinsichtlich der Erkenntnis und Forderung der Neurobiologen fortführen, dass wir aufgrund der zugrundeliegenden Gesetzmäßigkeiten der Determiniertheit keinen freien Willen haben können, dass wir daher für unsere Taten nicht verantwortlich zu machen sind und uns nun dementsprechend verhalten müssen. Es würde darin einem Flugzeuginsassen gleichen, der anfängt sein "fliegendes Sein" zu untersuchen, der dabei die zugrundeliegende Gesetzmäßigkeit feststellt, dass leichtere Stoffe besser fliegen, und der deshalb auf die Idee kommt, während des Fluges die Flügel abzumontieren, da sie ja gemäß der entdeckten Gesetzmäßigkeit nur nutzloser Ballast sind. Er würde dabei genauso die besondere Struktur und Bedeutung dieser Flügel für das Fliegen verkennen wie die Neurobiologen die Bedeutung der von dem Ich empfundenen Willensfreiheit für das Selbstbewusstsein, den Geist und über das Verantwortungsbewusstsein für die moralische und soziale Ordnung in der Gesellschaft verkennen. Ohne die Flügel existierten die Gesetzmäßigkeiten der höheren Schicht nicht mehr, denn diese waren nur durch die besondere Struktur der materiellen Form bedingt. Dann herrschte nur noch die zugrundeliegende Gesetzmäßigkeit der Schwerkraft und das Flugzeug würde am Boden zerschellen.

Mit diesem Ansatz der geschichteten Systeme mit ihren Eigengesetzlichkeiten wird auch deutlich, warum die Neurobiologen im Gehirn eines Menschen keinen Geist, keinen Homunkulus und auch keine Farbempfindungen oder ähnliches finden. Die Neurobiologen untersuchen Phänomene auf der organischen Ebene des Seins, der Ebene der Gehirnzellen, und hier existieren die Phänomene der höheren Ebenen "auch nicht in Ansätzen", bzw. wie Lorenz es weiter ausdrückt: "Wir verstehen genau, warum es unmöglich ist, die Eigenschaften des höher integrierten Systems aus denen des niedrigeren zu deduzieren, und ebenso, warum es blanker Unsinn ist, bei den einzelnen Untersystemen einer Ganzheit oder bei einfacheren Vorfahren höherer Lebewesen nach Eigenschaften und Leistungen zu fahnden - geschweige denn solche zu postulieren -, die erst mit dem schöpferischen Akt höherer Integration in Existenz getreten sind."

Das Fliegen ist nicht durch einen besonderen Stoff bedingt, sondern lediglich durch eine besondere Struktur eines im Grunde beliebigen Stoffes. Ebenso ist Geist und seine Eigengesetzlichkeit nur durch eine besondere Struktur oder ein besonderes Zusammenspiel der determinierten Prozesse bedingt, und in den determinierten (Gehirn)Prozessen als solche wird man daher das Geheimnis des Geistes nicht finden. Dort ist es auch nicht in Ansätzen vorhanden.

Die Phänomene der Ich-Vorstellung und der Willensfreiheit existieren erst durch eine besondere Struktur oder Eigenart der zugrundeliegenden determinierten Hirnprozesse, genauso wie auch alle unsere Empfindungen, etwa das Farbempfinden. Im strengen, naturwissenschaftlichen Objektivitätsverständnis (als Dritte-Person-Perspektive) sind alle diese Phänomene nicht vorhanden bzw. nicht nachweisbar. Sie existieren nur in der subjektiven Erste-Person-Perspektive, sind dort für "uns" aber sehr real, weil wir mit unserer Ich-Vorstellung und unserem Persönlichkeitsempfinden selbst zu diesen Phänomenen gehören.

Die subjektive Willensfreiheit

Um die Eigengesetzlichkeit und das persönliche Freiheitsempfinden gerade der (Schicht der) geistigen Ebene näher zu betrachten, muss das geistige Sein und Verhalten des Menschen konsequent vor dem Hintergrund seiner evolutionären Entwicklung betrachtet werden. Der Mensch hat sich aus dem Tier entwickelt, und das animalische Verhalten unterliegt grob gesagt einem starren Reiz-Reaktionsschema. Das Tier hat und zeigt bei seinem Verhalten Emotionen oder Empfindungen, die darin die ersten Phänomene nicht-materiell-körperlicher Art sind. Diese Phänomene sind mit objektiven Methoden nicht nachweisbar, d.h. wir können nur indirekt aufgrund der körperlichen Verhaltensweisen und bestimmter Körpersignale darauf schließen, dass in dem Tier etwas unserem Empfinden ähnliches, wie etwa Freude, Wut, Farb- oder Klangempfinden, vor sich geht. (Das gilt letztlich jedoch auch hinsichtlich der Empfindungen anderer Menschen, d.h. wir können nur aufgrund äußerer Verhaltensweisen und sprachlicher Mitteilungen davon ausgehen, dass ein anderer Mensch dieselben Empfindungen wie wir hat. Direkt erfahren können wir sie nicht). Diese Emotionen dienen beim Tier allein zur Ausführung und Steuerung seines Verhaltens und sollen sein Verhalten anderen Tieren signalisieren. Das Verhalten selbst ist in der genetischen Ausstattung des Tieres, genau wie seine Körperformen, festgelegt, es ist angeboren, und es kann auch nur auf der genetischen Ebene verändert und angepasst werden, d.h. auf stammesgeschichtliche Weise durch Mutation und Selektion. Dadurch ist das Tier in seinem Verhalten durch seine angeborenen Instinkte vollkommen determiniert. (Höhere Tiere sind zwar auch zur individuellen Verhaltensänderung und zum Lernen fähig, aber dieser fließende Übergang zum menschlichen Sein hin soll hier zur Verdeutlichung der grundsätzlichen Unterschiede der Verhaltenssteuerungen vernachlässigt werden).

Beim Menschen ist dieses starre, angeborene und instinkthafte Reiz-Reaktionsschema jedoch grundsätzlich aufgehoben bzw. gelockert (es ist nicht verschwunden). Das hängt vor allem damit zusammen, dass der Mensch das sinnhaft wahrgenommen Sein abstrahiert, er bildet Begriffe von allen in der Welt sinnhaft wahrgenommenen Vorgängen. In den Begriffen dieser Abstraktion, die im Grunde nur aus systematischen Verknüpfungen (von Sinneswahrnehmungen, Empfindungen, mentalen Mustern usw.) bestehen, kann er geschehene Vorgänge in der Welt als Erfahrung abspeichern und wieder abrufen, und er kann noch nicht geschehene Vorgänge in der Welt aufgrund seiner abgespeicherten Erfahrung nur in diesen Begriffen vorwegnehmen und in mehreren, verschiedenen Möglichkeiten einer späteren Verwirklichung planen.

Diese Denkprozesse und Reflexionen werden dabei auch selbst wieder reflektiert. Das Denken und Reflektieren nimmt sich so selbst wahr. Das kann aber nur dadurch geschehen, dass dem Denkprozess selbst ein Begriff zugeordnet wird, und zwar der Begriff eines "Ichs". Dadurch sind die Denkprozesse und Reflexionen nicht nur determinierte Prozesse, die einfach nur ablaufen, sondern dadurch erhalten die grundlegenden, determinierten Prozesse eine bewusstseinsfähige und kommunikationsfähige Struktur mit einer eigenen, den einfachen zugrundeliegenden determinierten Prozessen entgegengerichteten Gesetzmäßigkeit. Die Prozesse strukturieren sich auf dieser Ebene der mentalen Muster nicht in der Form eines "Es denkt", sondern eines "Ich denke". Die wichtigste und unabdingbare Eigenart dieser Ich-Vorstellung ist dabei das Selbstverständnis, dass das Denken von dem Ich selbst ursprünglich verursacht ist, d.h. frei verursacht ist und es sich gerade nicht nur als ein rein determiniertes Geschehen versteht. Das wäre paradox und würde diese Ich-Struktur nicht zulassen.

In der Reflexion seines immer auf sich selbst bezogenen Denkens und Handelns bildet sich ein dynamischer Begriff des Ichs (wobei es sich aufgrund der Flexibilität der Begriffsbildung und des Denkens auch in gewissen Grenzen in das Sein eines anderen Wesens hineindenken kann). Diese Begriffsbildung, ihre Speicherung und die daraus resultierende Vorstellung eines eigenen Ichs und einer eigenen Identität in Vergangenheit (durch die Speicherung des Erlebten) und vorweggenommener Zukunft (durch die Planung und das Herstellen von Entwürfen in den Begriffen) ist dann nichts anderes als das autobiographische Selbst bei Damasio. Er schreibt dazu:

Die Veränderungen, die sich während des individuellen Lebens im autobiografischen Selbst vollziehen, gehen nicht nur auf die bewusste und unbewusste Modifizierung der gelebten Vergangenheit zurück, sondern auch auf das Anlegen und Modifizieren der antizipierten Zukunft. Nach meiner Überzeugung ist ein Schlüsselaspekt der Selbst-Entwicklung das Gleichgewicht zweier Einflüsse: der gelebten Vergangenheit und der antizipierten Zukunft. Persönliche Reife bedeutet, dass die Erinnerungen an die Zukunft, die wir für die vor uns liegende Zeit antizipieren, in jedem Augenblick großes Gewicht für das autobiografische Selbst haben. Die Erinnerungen an die Szenarien, die wir als Hoffnungen, Wünsche, Ziele und Verpflichtungen speichern, wirken zu jedem Zeitpunkt nachdrücklich auf das Selbst ein. Zweifellos spielen sie auch eine Rolle bei der bewussten oder unbewussten Modifizierung der gelebten Vergangenheit und bei der fortlaufenden Erschaffung der Person, als die wir uns sehen.

Nicht zuletzt resultieren unsere Einstellungen und Entscheidungen aus den Eigenschaften der Personalität, die der Organismus in jedem flüchtigen Moment erschafft. Kein Wunder also, dass wir Launen und Wünschen nachgeben, Eitelkeit und Verrat erliegen, beeinflussbar und manipulierbar sind. So hat ein jeder das Potential, in seinem Inneren seinen eigenen Hamlet, Jago und Falstaff zu erschaffen. Unter geeigneten Umständen können Facetten dieser Charaktere bei uns allen auftreten, kurz und flüchtig, wie zu hoffen ist. In gewisser Hinsicht ist es fast erstaunlich, dass die meisten von uns nur einen Charakter haben, obwohl es, wie gesagt, gute Gründe für diese Einzigartigkeit gibt. Die Tendenz zu einheitlicher Kontrolle beherrscht unsere Entwicklungsgeschichte, wahrscheinlich weil ein einzelner Organismus verlangt, dass es nur ein einziges Selbst gibt. Nur so lässt sich die Aufgabe, das Leben zu erhalten, erfolgreich bewältigen - mehr als ein Selbst pro Organismus ist kein gutes Überlebensrezept. Die rege Vorstellungstätigkeit unseres Organismus fertigt »mehrere Entwürfe« für das Lebensskript unseres Organismus an - um einen Gedanken von Daniel Dennett aufzugreifen. Doch die Schatten des zutiefst biologischen Kernselbst und des autobiografischen Selbst, das sich unter seinem Einfluss ständig ausweitet, drängen auf die Auswahl von »Entwürfen«, die mit einem einzigen einheitlichen Selbst in Einklang stehen. Ferner misst der präzise arbeitende Selektionsmechanismus unserer Vorstellung die Wahrscheinlichkeit von Wahlentscheidungen an unserem gleich bleibenden, historische Kontinuität bewahrenden Selbst. Eine Woche lang können wir Hamlet sein, einen Abend lang Falstaff, doch dann kehren wir in der Regel zu uns selbst zurück. Wären wir ein Genie wie Shakespeare, könnten wir die inneren Kämpfe unseres Selbst dazu benutzen, das ganze Personal des abendländischen Theaters zu erschaffen - oder, wie Fernando Pessoa, vier verschiedene Dichter mit einer Feder schreiben zu lassen. Doch am Ende ist es derselbe Shakespeare, der sich ruhig nach Stratford zurückzieht, und derselbe Pessoa, der in einem Lissabonner Krankenhaus Vergessenheit im Alkohol sucht. Kurzum, dem einheitlichen, kontinuierlichen und einzelnen Selbst sind Grenzen gezogen, wie Whitehead in seinen Kommentaren zum Selbst-Bewusstsein in Prozess und Realität anmerkt. Menschliches Scheitern und das seltsame Leiden der multiplen Persönlichkeit zeugen vom Vorhandensein solcher Grenzen. Die Tendenz zu einem einzigen Selbst und seine Vorteile für den gesunden Geist sind nicht zu leugnen.13

Der interessante Aspekt hinsichtlich der Willensfreiheit liegt nun gerade in der Fähigkeit des Anlegens von mehreren Entwürfen oder Planungen des (zukünftigen) Verhaltens, was auch nur möglich ist, wenn das vergangene Verhalten und die vergangenen Erfahrungen protokolliert und gespeichert worden sind. Ich möchte diesen Aspekt anhand eines einfachen Beispiels darstellen.

Angenommen ein Mensch soll sich zwischen einer Tasse Kaffee oder einer Tasse Tee entscheiden. Seine körperliche Konstitution sei so bedingt, dass der Kaffee im Gegensatz zum Tee ein großes emotionales Wohlgefühl in ihm hervorruft. Er wird dann ohne Nachdenken den Kaffee wählen. Diese Entscheidung ist eindeutig durch seine Emotionen bedingt und determiniert, obwohl er auf der geistigen Ebene in der Abstraktion, Protokollierung und Bewertung dieser Handlung es so begründen würde, dass er diese Entscheidung gewollt oder zumindest zugelassen habe. Die Ich-Vorstellung besteht ja nicht nur als Begriff des Denkprozesses, sondern damit werden auch die körperliche Erscheinung des Menschen und seine instinktiven Verhaltensweisen abstrahiert und verknüpft.

Sein Arzt verbietet ihm nun aber den geliebten Kaffee aus gesundheitlichen Gründen. Dann würde er, wenn er ein charakterfester und vernünftiger Mensch wäre, nach einer kurzen Überlegung und Reflexion statt des Kaffees den Tee wählen. Diese Entscheidung wäre nicht emotional, sondern begrifflich und geistig bedingt, aber es wäre darin in der Logik der begrifflichen Gedanken ebenfalls ein determiniertes Verhalten, obwohl dieser Mensch sagen würde, dass es seine freie Entscheidung war. Begründen würde der Mensch das damit, weil er in seiner Überlegung nach Wahl des Getränks auch die Möglichkeit der Wahl des Kaffees hatte. Weil für ihn in der augenblicklichen Situation der Entscheidungsfindung die Gesundheit einen höheren Wert als der Genuss hatte, hat er sich für den Tee entschieden. Aber er wusste in diesen Überlegungen aufgrund früherer Erfahrungen auch, dass er sich in dieser speziellen Situation genauso gut hätte anders entscheiden können. Im Moment der Überlegung standen ihm darin verschiedene Handlungsmöglichkeiten offen, und er wusste aufgrund seiner gespeicherten Erfahrung, dass alle in die Tat umgesetzt werden konnten. Er hat sich nun recht schnell für die vernünftige Wahl des Tees entschieden, obwohl ihm dabei vielleicht auch bewusst war, dass er am Tag zuvor, als er unter Stress stand, sich für die unvernünftige Wahl des Kaffees entschieden hatte.

Ihm ist weiterhin bewusst, dass auch in der jetzigen, ruhigen Situation, in der er sich eindeutig und schnell für den Tee entschieden hat, genauso gut sich noch anders entscheiden kann. Er weiß darüber hinaus, dass er sich auch nur aus einer Laune heraus anders entscheiden kann, dass ihm immer die Möglichkeit offen steht, zu sagen: "Heute gönne ich mir einmal etwas und nehme den Kaffee". Das sind für ihn nicht nur fiktive Möglichkeiten, sondern das weiß er aus früheren Erfahrungen, die in seinem Gehirn abgespeichert sind und die für ihn als solche Erfahrungen und Wissen ebenso real sind wie der Rat des Arztes und das Wissen um seine Gesundheit, das ebenfalls alles in seinem Gehirn begrifflich abgespeichert ist. Die Neurobiologen werden nun allerdings sagen, dass das Ich nicht launenhaft und frei entscheiden kann, sondern dass auch diese Launenhaftigkeit determiniert ist.

Problematisch aber interessant wird es, wenn der Mensch sich aufgrund verschiedener und sich widersprechender emotionaler und begrifflicher Gründe nicht entscheiden kann. Er weiß dann um die emotionalen Vor- und Nachteile und die begrifflichen und logischen Argumente sowohl der einen als auch der anderen Entscheidung, die er auf der begrifflichen und geistigen Ebene seiner Überlegungen durchspielt. Beide oder mehrere Entscheidungen sind für ihn möglich und denkbar, und darin genauso real wie sein Denken und die Vorstellung von sich selbst, und allein mit diesen verschiedenen Entwürfen und dem Wissen um ihre Realisierbarkeit ist schon das Freiheitsempfinden verbunden, das gerade in den Situationen der Unentschiedenheit konkret erfahren wird. Je größer die Ungewissheit und Unentschiedenheit dieser Situationen, umso größer ist auch das Freiheitsempfinden. In einfachen determinierten Prozessen kann es dagegen diese "Stockungen" nicht geben, die laufen einfach gemäß ihren unpersönlichen (Natur)Gesetzlichkeiten ab. Dieses (subjektive) Freiheitsempfinden ergibt sich im Grunde allein schon aus der Ich-Vorstellung und dem Denken (verschiedener Handlungsmöglichkeiten oder Entwürfe) und gehört darin zu den Systembedingungen des neuen geistigen Systems des begrifflichen, ichbezogenen Denkens.

Irgendwann wird auch dieser schwer zu entscheidende Gedankenprozess zu einem Ende kommen und ein bestimmter Entwurf wird abgeschlossen und mit einer körperlichen Verhaltensweise vollzogen. Der gesamte Vorgang wird ebenfalls wieder in Begriffen abstrahiert, protokolliert und gespeichert. Dieser Vorgang existiert dann als gemachte Erfahrung und bildet darin einen Teil der Identität des Ichs. Das Ich erinnert sich an die Schwierigkeit der Entscheidung, es erinnert sich daran, dass verschiedene Möglichkeiten zur Wahl standen, die alle praktikabel waren und alle bestimmte Vor- und Nachteile aufwiesen. Dem Ich ist in dieser seiner Erinnerung bewusst, dass es sich auch anders hätte entscheiden können, und ihm ist in der späteren Reflexion oder Erinnerung (die vielleicht in ähnlichen Situationen wieder aktuell und abgerufen wird) bewusst, dass es "seine" Gedanken, Entwürfe und Entscheidungen waren. Die reflektierte und erinnerte Freiheit in der Auswahl eines Entwurfes ist für dieses Ich in seinem Denken eine Realität, die deswegen genauso real ist, wie die Ich-Vorstellung und das Denken selbst, weil die Ich-Vorstellung aus nichts anderem als dieser Reflexion und Erinnerung besteht.

Nun werden die Neurobiologen, die diesen schwierigen Entscheidungsprozeß vielleicht auf der neuronalen Ebene in den dortigen Aktivitäten verfolgt haben, sagen, dass derselbe Prozess, den das denkende und entscheidende Ich subjektiv als freie Wahl empfunden hat, auf der neuronalen Ebene ein rein determiniertes Geschehen gewesen ist. Sie werden sagen, dass sie daher bei Kenntnis aller maßgeblichen Zustände im Gehirn der beobachteten Person und aller maßgeblichen Einflüsse des Umfeldes auf diese Person die Entscheidung hätten voraussagen können. Angewendet auf das obige Beispiel einer Person, die sich nicht zwischen den angenehme Emotionen hervorrufenden Kaffee oder dem vernünftigen Tee entscheiden kann, mag der die Entscheidung schließlich herbeiführende Grund vielleicht eine gerade im Radio laufende Kaffeewerbung sein, die von der Person als sehr ansprechend empfunden wird, oder eine der Person gerade allein aus ihren inneren emotionalen Zuständen in den Sinn kommende angenehme Erinnerung an ein schönes Erlebnis im Zusammenhang mit einem Kaffeegenuss oder andererseits vielleicht auch die Erinnerung an die gesundheitlichen Konsequenzen. Die Neurobiologen werden also alle ablaufenden Denkvorgänge in ihrer Determiniertheit nachvollziehen können und letztlich den speziellen Aspekt bestimmen können, der schließlich die Entscheidung herbeigeführt hat. Auch die Person selbst wird in der Reflexion im Nachhinein vielleicht sogar erkennen, dass dieser oder jener Einfluss für die Entscheidung verantwortlich war.

Doch hat die betreffende Person damit auch die Gewissheit, dass sie keinerlei Freiheit in ihren Entscheidungen besitzt? Nein, wird sie sagen, denn sie weiß in ihrem Bewusstsein, dass sie sich grundsätzlich hätte trotzdem anders entscheiden können. Wenn so der Neurobiologe vielleicht zu ihr sagt, dass er ihre Entscheidung aufgrund der Kenntnis aller beteiligten Aspekte vorausgesehen hat, wird die Person daraufhin wohl erwidern, dass sie ihre Entscheidung ändert und etwa doch den Tee statt des Kaffees nimmt, um dem Neurobiologen zu zeigen, dass sie frei ist. Der Neurobiologe mag daraufhin vielleicht bemerken, dass er diese Änderung aufgrund der Zustände in ihrem Gehirn vorausgesehen hat. Das mag so weit gehen, dass ein (zukünftiger) Neurobiologe, der (aufgrund immenser Fortschritte der Neurobiologie) sämtliche neuronale Zustände im Gehirn eines Menschen in ihren Korrelationen zu unseren Empfindungen und geistigen Vorgängen erkennen und deuten kann. Wenn jede Empfindung und jeder Gedanke mit einer bestimmten neuronalen Aktivität einhergeht, müsste das zumindest theoretisch möglich sein, vielleicht mit Hilfe eines besonderen Gerätes, eines sogenannten Zerebroskops. Dieser Neurobiologe könnte dann immer exakt voraussagen, was die Person im nächsten Augenblick tun oder denken wird. Damit wäre es möglich, dieser Person anschaulich vorzuführen, dass sie objektiv gar keine Freiheit besitzt, sondern dass all ihr normales Verhalten determiniert und vorherbestimmbar ist.

Doch was wäre, wenn dieser zukünftige Neurobiologe das Zerebroskop nun auf sein eigenes Gehirn richten würde um die Determiniertheit seiner Gedanken direkt und umfassend zu erkennen? Er würde also bei jeder Erkenntnis immer wieder sofort erkennen, wodurch sie bedingt und determiniert gewesen ist. Darin würde er erkennen, dass alle Erkenntnisse determiniert sind, doch auch diese Erkenntnis würde aus nichts weiter als der Erkenntnis und Erfahrung der Determiniertheit bestehen. Alle auftauchenden Gedanken und alle Reflexionen würden in einem solchen umfassenden Bewusstsein nicht als solche bestehen, sondern wären nichts als eben determinierte Aktivitäten. In diesem umfassenden Bewusstsein würde es kein Freiheitsempfinden mehr geben - aber auch keine Ich-Vorstellung. Da wären nur noch unpersönliche, reflexhafte Prozesse, die aufgrund innerer oder äußere Einflüsse und Gesetzmäßigkeiten funktionierten und abliefen. Die Vorstellung "Ich bin diese Person mit der und der Identität" wäre in einem solchen Bewusstsein wie alle anderen Vorstellungen und Gedanken nichts als eine durch im Leben gemachte Erfahrungen bestimmte, determinierte Gehirnaktivität, und die Erkenntnis und konkrete Erfahrung, dass es nur eine determinierte Gehirnaktivität ist, wird wiederum nur als eine bestimmte Gehirnaktivität erkannt und erfahren und so fort. Das ist nichts anderes als die Erkenntnis des Kybernetikers H. v. Foerster, nach der keine Beobachtung sich selbst beobachten kann, es sei denn mit Hilfe einer neuen Beobachtung, für die dann wieder dasselbe gilt.

Ein umfassendes Bewusstsein, denn nichts anderes würde das imaginäre Gerät des Neurobiologen ermöglichen, kann es nicht geben, weil darin kein Bewusstsein, keine Personalität und keine Identität mehr Bestand hätte, da wären nur noch determinierte Prozesse mit niedriger oder höherer Abstraktion. Wenn das Ich-Bewusstsein versucht, die letzte Begründung und Ursache für sein Sein und seine Erkenntnis zu erkennen, sich also in einer vollkommenen Weise über sein Sein und seine Gedanken bewusst zu werden, dann kollabiert das geistige System der Ich-Vorstellung – gerade weil es diesen letzten Grund konkret und direkt in seiner Konsequenz erlebt, nämlich die ausschließliche Determiniertheit aller Gehirnprozesse. In dem Kollaps und dem Verschwinden der Ich-Vorstellung wären nur noch die determinierten Gedanken als determinierte Gedanken da, ohne bleibende Erkenntnis und ohne Ich-Vorstellung. Mit dieser einfachen Struktur wäre wohl weder eine Kommunikation mit anderen Wesen noch eine Bildung von sozialen Gruppen möglich. Das Geheimnis des Ichs besteht so in der Unvollkommenheit seines Bewusstseins und einer bestimmten Verzögerung der determinierten Prozesse, mit anderen Worten, in einer bestimmten Struktur der determinierten Prozesse.

"Wir" existieren nicht in einer absoluten Weise, sondern nur in einem bestimmten Bereich oder einem bestimmten System. Das geistige System, in dem "wir" existieren, besitzt dabei eine bestimmte Struktur und funktioniert nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten, die diese Struktur schaffen und aufrechterhalten. Diese Struktur ist eine "Ich-Struktur", d.h. die in diesem System existierende Person glaubt, dass sie es ist, die denkt, entscheidet und handelt, und zwar frei. Eine Ich-Struktur ist nur realisierbar, wenn dieses Ich sich als frei denkend, entscheidend und handelnd versteht und nicht als ein determiniertes Geschehen. Ein Ich kann sich definitionsgemäß nicht als ein ausschließlich determiniertes Geschehen verstehen oder erkennen.

Dieses geistige System mit seinen besonderen Phänomenen, Eigenschaften und Gesetzmäßigkeiten ruht auf einem anderen System bzw. wird von diesem hervorgebracht, das nach anderen Gesetzmäßigkeiten funktioniert, nämlich als rein deterministisches Geschehen. "Der Aufbau der realen Welt ist ein Schichtenbau. Nicht auf die Unüberbrückbarkeit der Einschnitte kommt es hier an - denn es könnte sein, dass diese nur >für uns< besteht -, sondern auf das Einsetzen neuer Gesetzlichkeit und kategorialer Formung, zwar in Abhängigkeit von der niederen, aber doch in aufweisbarer Eigenart und Selbständigkeit gegen sie." Die Neurobiologen haben einerseits recht, alle Gehirnvorgänge sind determiniert. Doch diese Determiniertheit weist Besonderheiten auf, sie ist in einer bestimmten Weise verzögert und bringt dabei eine besondere Struktur mit bestimmten Phänomenen wie das Ich und das Bewusstsein hervor. Es entsteht dadurch innerhalb oder oberhalb des zugrundeliegenden (determinierten) Systems ein eigenes System mit eigenen Gesetzmäßigkeiten. Das neue System ist so nur durch eine besondere Strukturierung bedingt und es existiert nur so lange, wie es auch in sich, in seinem Selbstverständnis und seinem Tun, diese Strukturierung und ihre Gesetzmäßigkeiten beibehält. Für das in diesem neuen System existierende Phänomen des Ich heißt das, dass diesem Ich in seinem Bewusstsein nicht alle Vorgänge, die zu seiner Entstehung führten, bewusst sein dürfen. Wenn dem Ich in diesem System alle Vorgänge in seinem Gehirn bewusst wären oder wenn es in das imaginäre Gerät des perfekten Neurobiologen schauen würde, so würde dieses geistige System mit seiner Ich-Struktur kollabieren und auf die niedrigere Ebene der determinierten Vorgänge zurückfallen, und zwar allein dadurch, weil das Ich sich in seiner vollkommenen Determiniertheit erfährt.

Dasselbe würde geschehen, wenn das Ich in seinem Verhalten ganz konsequent davon ausgehen würde, dass es keinen freien Willen hat, weil alle seine neuronalen Aktivitäten determinierte Prozesse sind. Wenn die Phänomene des höheren Systems nicht mehr die Gesetzmäßigkeiten dieses höheren Systems konsequent befolgen, sondern nur die des zugrundeliegenden Systems, so fallen sie ganz einfach in dieses System zurück, in dem "sie" als die Phänomene des höheren Systems allerdings dann nicht mehr existieren. Da sind dann nur noch die determinierten Aktivitäten und sonst nichts. Entsprechend kollabiert das soziale System, wenn in juristischer oder pädagogischer Hinsicht konsequent davon ausgegangen wird, dass der Mensch keinen freien Willen hat und für seine Vergehen nicht verantwortlich gemacht werden kann. Die psychologischen Gründe, anhand derer dieser Kollaps allein schon vorausgesagt werden kann, haben durchaus ihre tieferen Ursachen.

Der Mensch ist zwar objektiv in seinem normalen Verhalten vollkommen determiniert und er kann auch ein theoretisches Wissen darüber haben und das teilweise sogar nutzen, aber er kann das in einer konkreten Situation und schon gar nicht allgemein und in seinem Selbstverständnis nie vollständig nachvollziehen und berücksichtigen, weil darin die Grenzen des Systems überschritten werden, in dem er als Person und geistiges Wesen existiert. Die Erkenntnis, dass all sein Verhalten letztendlich determiniert ist, ist für ihn als Person genauso viel bzw. genauso wenig wert wie die Erkenntnis, dass er als Person nur in einer bestimmten Hinsicht existiert. Es wäre dasselbe als würde jemand einen Menschen ermorden und sich damit entschuldigen, dass es sich bei dem Menschen doch nur um eine Anhäufung von organischer Materie gehandelt habe (so wie es im Fall einer Abtreibung ja konkret geschieht). Diese Ansicht ist in dem strengen, naturwissenschaftlichen Objektivitätssinn genauso richtig wie die, dass alle Gehirnprozesse determiniert sind. Doch dabei werden die höheren Integrationsebenen missachtet, die ab einer gewissen körperlichen Entwicklung und Interaktion mit der Umwelt (in einem fließenden Übergang) bzw. durch eine bestimmte Struktur der determinierten Gehirnprozesse in Erscheinung treten, und die dem strengen, naturwissenschaftlichen Objektivitätsverständnis nicht zugänglich sind.

Um unser geistiges System aufrecht zu erhalten, in dem wir als Ich, Person und Gesellschaft existieren, müssen wir in diesem System stets davon ausgehen, dass wir als Person existieren und darin auch einen freien Willen haben. Diesen haben wir in der besonderen Struktur dieses geistigen Systems dabei tatsächlich, d.h. die Willensfreiheit, die wir in unserem Denken und Handeln empfinden, ist ebenso wenig eine Illusion wie unser Farbempfinden, sondern sie ist exakt genau so real wie unsere Ich-Vorstellung und unser Denken selbst. Sie ist Teil der Bedingungen und Gesetzmäßigkeiten des geistigen Systems. Unsere Freiheit ist an unsere Ich-Vorstellung gebunden, und daher können "wir" uns nur als frei verstehen – ansonsten sind "wir" nicht. Auch Kant sagt nicht, dass die Willensfreiheit etwas ist, das absolut und in jeder Hinsicht besteht und "an sich selbst frei ist". Er sagt vielmehr:

Ich sage nun: Ein jedes Wesen, das nicht anders als unter der Idee der Freiheit handeln kann, ist eben darum, in praktischer Rücksicht, wirklich frei, d.i. es gelten für dasselbe alle Gesetze, die mit der Freiheit unzertrennlich verbunden sind, eben so, als ob sein Wille auch an sich selbst, und in der theoretischen Philosophie gültig, für frei erklärt würde.

Der Mensch handelt nach der Idee von einer Freiheit, als ob er frei wäre, und eo ipso ist er frei.

Diese Willensfreiheit ist allerdings nur subjektiv, d.h. auf der neuronalen Ebene erkennt sie ein Neurobiologe nur als determinierten Prozess und bei Kenntnis aller Zustände und beteiligten Faktoren würde sich diese subjektive Willensfreiheit als determiniert und voraussagbar erweisen. Im strengen, naturwissenschaftlichen Objektivitätssinn ist sie ebenso wenig vorhanden wie eine Farbempfindung, wie unser Geist und unser Ich. Doch daneben gibt es auch noch eine objektive Willensfreiheit.

Die objektive Willensfreiheit

In dem zuvor angeführten Beispiel wurde ein längerer Zustand angenommen, in der sich die betreffende Person nicht entscheiden kann. Ein solcher Zustand ist in der Auseinandersetzung mit anderen Wesen und der Umwelt ein nachteiliges Verhalten, für das die Evolution mit Sicherheit Vorkehrung getroffen hat. Es ist daher sehr vorteilhaft, wenn der Mensch sich in solchen Situationen rein zufällig entscheiden kann. Zufall kann hierbei einfach als das Verhalten definiert werden, dass sich nicht aus den für eine bestimmte Situation vorgesehenen Verhaltensweisen innerhalb der Systematik des betreffenden Wesens ergibt. Es ist dabei egal, durch was dieses zufällige Verhalten letztlich bedingt wurde, es darf in dieser Bezeichnung nur nicht durch die (genetisch oder gelernt, unbewusst oder bewusst) als normal und richtig erkannten und gespeicherten systematischen Verhaltensreaktionen des Wesens bedingt sein. Zufall ist so das, was außerhalb der wirkenden Systematik, Logik oder Gesetzmäßigkeit (hier des betreffenden Wesens) liegt.

Diese Art von zufälligen Verhaltensweise kann so schon von der Definition her nicht zur Regel werden, denn damit würde jegliche Systematik der Lebenserhaltung aufgegeben werden und das Verhalten und Sein des Menschen im Chaos versinken. Bei genauerer Betrachtung steht hinter dieser Möglichkeit einer zufälligen und darin wirklich freien Entscheidung aber noch viel mehr. Es lassen sich nämlich sehr starke Parallelen zu einem anderen zufälligen Vorgang erkennen: Den der zufälligen Mutationen, ohne die es die Evolution der Lebewesen nicht gegeben hätte. Spielen die zufälligen Willensakte des Menschen auf der kulturellen Ebene dieselbe oder eine ähnliche Rolle wie die zufälligen Mutationen auf der genetischen Ebene seines _Seins? Die Ähnlichkeiten dabei sind jedenfalls frappierend.

Die Mutationen sind geringfügige Fehler in der Übertragung der genetischen Information zwischen den Generationen. Doch gerade diese die Perfektion der genetischen Übertragung störenden Fehler sind es, die die Evolution überhaupt erst ermöglicht haben. Da sie zufällig und chaotisch sind, dürfen sie ein bestimmtes, sehr geringes Maß nicht überschreiten. In wohl weit über 90% der Fälle sind diese Fehler zudem unbrauchbar und stören nur die Perfektion der Übertragung. Doch in einigen wenigen Fällen „passen“ sie (auf bestimmte oder neue Umweltsituationen), verbessern die genetische Information und Anpassung und ermöglichen dadurch eine Weiterentwicklung.

Ähnliches spielt sich nun auf der kulturellen und mentalen Ebene des menschlichen Seins ab. Manche Ideen und Wertvorstellungen des menschlichen Zusammenlebens haben sich als brauchbar erwiesen und werden als Normen des Verhaltens von einer Generation an die nächste in Lernvorgängen tradiert. Doch auch hierbei darf die Tradierung und Einhaltung der bewährten Normen nicht perfekt sein, weil sie sich sonst nicht weiterentwickeln und sich nicht an veränderte Umweltsituationen anpassen könnten. Es muss immer wieder etwas Neues ausprobiert werden. Andererseits dürfen diese (zufälligen) Abweichungen der Tradierung der bewährten Normen aber auch nicht zu groß sein.

Der Wert dieser Freiheit zu einem zufälligen, chaotischen und nicht durch die bisherigen gespeicherten, systematischen Eigenschaften bedingten Verhalten macht sich auch direkt in der Hervorbringung neuer Ideen bemerkbar, vor allem im schöpferischen Denken des Menschen. Nicht umsonst wurden viele Erfindungen zufällig gemacht, die Erfinder suchten eigentlich (in ihrer Determiniertheit und Zielgerichtetheit) nach etwas ganz anderem. Wir ähneln in diesem objektiven freien Willen dem ersten Menschen, der, gerade von den animalischen Instinktketten etwas befreit, etwa einen Stock nimmt und diesen in einer völlig chaotischen, zufälligen und sinnlosen Weise benutzt. Bis er auf einmal im wahrsten Sinne des Wortes (sich) merkt, dass in dieser Sinnlosigkeit auch einige sinnvolle und effektive Bewegungen enthalten sind, was dann den ersten Werkzeuggebrauch ergab. Die Entdeckung geschah rein zufällig, sie war weder durch die Instinkte noch durch ein kulturelles Vorwissen determiniert, und es spricht vieles dafür, dass die Möglichkeit zu einem zufälligen Handeln nicht erst irgendwann während der kulturellen Evolution dem Menschen offenstand, sondern dass diese Möglichkeit von Anfang an zur Verfügung stand und wahrscheinlich direkt etwas mit der Lockerung der animalischen Instinktketten zu tun hat. Beides ist wahrscheinlich sogar ein und derselbe Vorgang. Die Instinktketten lockerten sich etwas, was in diesem Freiraum allein zunächst nur ein chaotisches und zufälliges Verhalten ergab. Dieses wirkte sich entsprechend der Zufälligkeit in aller Regel negativ für das betreffende Wesen aus. Selbst wenn sich darin positive Effekte ergaben, nutzte es weder dem Wesen noch der Entwicklung etwas, weil dieses positive Verhalten nicht einmal in dem betreffenden individuellen Wesen (als Wissen) bewahrt werden konnte, denn der alte evolutionäre Mechanismus (von Mutation und Selektion) griff hier nicht.

Erst in Verbindung mit der begrifflichen Abstrahierung, Erkenntnis und Speicherung von individuellen Verhaltensweisen war die Erkenntnis und Speicherung eines erfolgreichen zufälligen Handelns möglich. Dadurch bildete sich neben dem alten System der evolutionären Entwicklung, das der Mutation und Selektion, ein völlig neues und anderes System heraus, das gegenüber dem alten eine ungemeine Effektivität aufwies. Damit ließen sich neue Verhaltensweisen und Anpassungen des Verhaltens viel schneller erwerben. Eine Verhaltensanpassung, zu der das alte System des stammesgeschichtlich über Genmutationen veränderten Verhaltens vielleicht einige Tausend oder gar Millionen von Jahren benötigte, war mit dem neuen System im Idealfall innerhalb von Sekunden zu verwirklichen. Konrad Lorenz schreibt darüber:

Während all der gewaltigen Epochen der Erdgeschichte, während deren aus einem tief unter den Bakterien stehenden Vor-Lebewesen unsere vormenschlichen Ahnen entstanden, waren es die Kettenmoleküle der Genome, denen die Leistung anvertraut war, Wissen zu bewahren und es, mit diesem Pfunde wuchernd, zu vermehren. Und nun tritt gegen Ende des Tertiärs urplötzlich ein völlig anders geartetes organisches System auf den Plan, das sich unterfängt, dasselbe zu leisten, nur schneller und besser.

...Es ist daher keine Übertreibung zu sagen, dass das geistige Leben des Menschen eine neue Art von Leben sei.14

Erst die Speicherung eines solchen abstrahierten und gelernten Wissens, die weitere Anwendung und die Tradierung durch Lehren und Lernen waren dann wieder determinierte Prozesse. Diese bewährten Verhaltensweisen waren einerseits, genau wie im Fall der genetischen Information, möglichst genau einzuhalten und weiter zu geben, doch andererseits wiederum durfte diese Einhaltung und Weitergabe auch nicht perfekt sein. Obwohl dann auch innerhalb (der Logik) dieser determinierten Lern- und Abstraktionsprozesse neue Lösungen gesucht werden konnten, spielt gerade auch dabei bis heute der Zufall weiterhin eine wichtige Rolle. Jede wirklich neue Idee entsteht so zumindest teilweise zufällig, chaotisch und frei. Sie wird in der Reflexion und im Denken einer ersten Auslese oder Prüfung unterzogen, bevor sie sich auch in der Praxis bewähren muss. Der „kulturelle Ausleseprozess“ beginnt so schon im Denken des Menschen.

Ohne diesen freien Willen, der in dieser Eigenschaft verrückt, chaotisch und zufällig und darin nicht mit dem „normalen“ Verhalten des Menschen vereinbar ist, könnte der Mensch sich auf seiner kulturell-geistigen Ebene nicht wirklich weiterentwickeln. Dieser freie Wille ist selbst bei Kenntnis aller Gehirnvorgänge und neuronalen Zustände nicht vorhersagbar, gerade weil er zufällig ist (bzw. außerhalb dieser Systematik liegt). Der zufällige Aspekt in der evolutionären Entwicklung besteht dann nicht nur in der Genmutation und der Lockerung der Instinktketten, sondern er pflanzt sich auch in einer gewissen "Lockerung" der kulturellen Verhaltensketten- oder normen fort. Daher muss sich eine gesunde Gesellschaft immer daran messen lassen, inwieweit sie unorthodoxen und nicht in das etablierte Gefüge der Empfindung und der Logik passenden Ideen und Initiativen Raum und Freiheit gibt, obwohl sie als störend empfunden werden, gerade weil sie nicht in das etablierte und funktionierende Gefüge passen und in den allermeisten Fällen auch keine sinnvolle Alternative darstellen. Aus diesem Grund kann eine demokratische und freie (den Zufälligkeiten einen gewissen Raum gebende) Gesellschaft viel flexibler auf Veränderungen reagieren als eine totalitäre.

Wahre, objektive Willensfreiheit gibt es in dieser Zufälligkeit nur ohne Ausrichtung und Bezug auf ein Wertesystem, nur dann ist der Wille wirklich frei und zufällig und nicht bedingt oder determiniert. Auch ein perfekter Neurobiologe könnte sie nicht voraussagen, da sie außerhalb der erkannten Systematik und der erkannten und gedeuteten Korrelationen liegt. Diese Willensfreiheit ist für den Menschen mit seinen geistigen Fähigkeiten auch nur oberhalb oder außerhalb eines Wertesystems möglich. Sie ist darin nicht mit der nur subjektiv empfundenen Freiheit zu verwechseln, die im Verhalten zwischen unseren großen beiden Wertesystemen auftritt, nämlich dem emotionalen, das darin noch unsere Instinkte und das archaische Recht des Stärkeren widerspiegelt und unserem auf Verstand und Vernunft beruhenden Wertesystem, auf dem unser heutiges Recht ruht. Unsere berechnenden und abwägenden Überlegungen, in einer bestimmten Situation einem emotionalen Wunsch nachzugeben und eine Ungesetzlichkeit zu begehen oder diese Regung, ob aus Angst vor Strafe oder aus vernünftiger Einsicht, zu unterdrücken, wird in dieser Logik der Überlegungen und Empfindungen nur subjektiv von uns als Freiheit empfunden. Jemanden, dem alle Zustände in unserem Gehirn bekannt sein würden, könnte hierbei unsere Entscheidung voraussagen, d.h. sie ist determiniert.

Die zufällige Entscheidung ist dagegen nicht voraussagbar und damit eine objektive Freiheit, die allerdings nur in einem sehr begrenzten und angemessenen Umfang möglich und sinnvoll ist, denn andernfalls würde diese wahre Willensfreiheit im wahrsten Sinne des Wortes zum Irrsinn führen. Zudem ist diese Willensfreiheit ihrer Zufälligkeit entsprechend immer mit einer Unsicherheit verbunden, weshalb wir sie in unserem normalen Verhalten, in dem wir immer bestimmte Ziele und Werte verfolgen, möglichst vermeiden. Die übermäßige Veränderung oder gar gänzliche Aufgabe sinnvoller und angepasster Normen zugunsten eines zufälligen und darin auch objektiv freien Verhaltens würde zur Zerstörung oder Aufgabe des menschlichen Seins führen (genauso wie ein übermäßiges Auftreten von Mutationen). Aber andererseits ist der freie und zufällige Wille genauso lebensnotwendig wie die zufälligen Mutationen, denn die Welt hat nun einmal die Eigenschaft, dass sie sich laufend verändert und weiterentwickelt, und dass das, was gestern noch richtig war, heute schon überholt und falsch sein kann. Der objektive freie Wille ist so mit einem tödlichen Gift vergleichbar, das in einer entsprechend geringen Dosierung eine gegenteilige, heilende Wirkung entfaltet.

Dabei stellt die Gewissheit, dass der Mensch grundsätzlich die Freiheit hat, völlig zufällig, launisch und chaotisch zu handeln, selbst einen Wert dar. Allein deshalb, weil der Mensch um diese Möglichkeit weiß, auch wenn er diese Freiheit nur sehr selten oder überhaupt nicht bzw. nur in spielerischen Situationen nutzt. Diese Gewissheit verleiht so auch dem subjektiv empfundenen freien Willen eine gewisse objektive Realität.

Anmerkungen:

[...]


1) SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT, Oktober 2000

2) DER SPIEGEL 1/2001

3) GEHIRN&GEIST 04/2002

4) DIE ZEIT, 38/2001

5) "Fühlen, Denken, Handeln", Gerhard Roth, Suhrkamp Verlag, Frankfurt 2001, S. 430

6) DIE ZEIT, 41/2000

7) "Ich fühle, also bin ich", Antonio R. Damasio, List-Taschenbuch, München 2002, S. 22-23

8) Damasio, Seite 387, 388

9) "Die Rückseite des Spiegels", Konrad Lorenz, dtv, München 1987, S. 57, 58

10) Lorenz, S. 47

11) Lorenz, S. 49

12) Lorenz, S. 60, 61

13) Damasio, S.271-272

14) Lorenz, S. 217

Details

Seiten
18
Jahr
2003
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v107902
Note
Schlagworte
Plädoyer Willensfreiheit

Autor

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Titel: Ein Plädoyer für die Willensfreiheit