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Goethe, Johann Wolfgang von - Leben und Werke

Referat / Aufsatz (Schule) 2000 29 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort/Bedeutung

1. Kapitel – Leben
1.1. Kindheit (1749 – 1765)
1.2. Studium (1765 – 1771)
1.3. Der Wechsel des Berufs (1771 –1775)
1.4. Weimar I (1775 – 1786)
1.5. Italienische Reise (1786 – 1788)
1.6. Weimar II (1788 –1832)

2. Kapitel – Werke
Eine kleine Auswahl
Faust
Entstehung (1765 – 1832)
Bedeutung, Handlung, Deutungsaspekte

3. Literaturverzeichnis

4. Anhang

Vorwort/Bedeutung

Goethe, der „Dichterfürst“. Er gilt unbestritten als eines der größten Genies, das die Literaturgeschichte je gesehen hat. Seine Werke, in denen er stets versuchte, die seelisch – geistigen Problemen der Menschen der Neuzeit poetisch zu durchdringen, haben in einem nicht zu hoch einzuschätzendem Maße auf die Kultur Europas gewirkt. Es gibt kaum bedeutende Literaten in der heutigen Zeit, die sich nicht von Goethes Werk haben inspirieren lassen oder sich wenigstens damit geistig auseinandergesetzt haben. Karl Marx und Friedrich Engels nannten ihn in einem Artikel der „Deutschen Brüsseler Zeitung“ „kolossal“, einen „genialen Dichter“ und „den größten Deutschen“ (vergleiche mit Literaturverzeichnis: Nr.10 – Seite 27).

Das riesige Werk Goethes, sowie sein Leben sind so vielschichtig, umfangreich und von einer solchen Spannweite und Größe, dass das Leben vieler Literaturwissenschaftler nicht ausreichte, um es vollends zu erforschen. Über Goethe gibt es mehr Sekundärliteratur, als über einen anderen Menschen (vergleiche mit Literaturverzeichnis: Nr. 10 – Seite 25). Er selber bezeichnete seine Arbeiten als das Werk eines Kollektivwesens, da er selber, so behauptete er jedenfalls, „nur“ alles was er sah, hörte und beobachtete, sammelte und verwertete. Doch gerade diese Beobachtungsgabe zeichnete ihn, unter anderem, aus.

In den deutschen Schulen kommen die Schüler ständig mit Goethes Lyrik in Berührung, denn man versucht ihnen seine Arbeiten nahe zu bringen. Es vergeht eigentlich kein Schuljahr, in dem nicht wenigstens eins seiner Gedichte interpretiert und/oder rezitiert wird (obwohl die Schüler durch die Auswendiglernerei seiner Gedichte bestimmt eher von ihm abgeschreckt werden, als das sie seine Qualitäten wirklich schätzen lernen).

Durch Goethes Werk wurde die deutsche Sprache wesentlich weiter entwickelt und ein riesiger Schatzt an Zitaten und Redewendungen geht heute auf ihn zurück.

Doch Goethe war nicht nur Dichter. Er hatte Interesse an fast allem, mit was er zu tun oder wovon er gelesen hatte (und er lass sehr viel!). So kam es, dass er eine Vielzahl an Berufen und Hobbys ausübte, was ihn zu einem vielbeschäftigten Mann machte. Es geschah auch nicht selten, dass er bei seinen „Nebenbeschäftigungen“ besser war als beim Schreiben. Neben seiner erfolgreichen Arbeit als Minister in Weimar, hatte er vor allem in der Wissenschaft ein glückliches Händchen. Größere Erfolge konnte er vor allem in den Gebieten der Anatomie, Geologie und der Botanik verbuchen. Der große Evolutionsforscher Charles Darwin persönlich zählte ihn später zu seinen Vorläufern.

Trotzdem war er in erster Linie Dichter und diesen „Beruf“ übte er wie kein ein Zweiter aus.

Diese Facharbeit kennzeichnet Goethes bewegtes Leben und stellt einige seiner Werke kurz vor, von denen seinem „Faust“ eine gesonderte Stellung zugewiesen wird, da es Goethes wichtigste und bekannteste Werk überhaupt ist und weil es so prägend für ihn und sein Leben ist, wie kaum ein Anderes seiner Schriften.

1. Kapitel Leben

1.1. Kindheit (1749 – 1765)

Johann Wolfgang Goethe wurde am Donnerstag, den 28. August 1749 im Haus am Großen Hirschgarben Nr. 23 in Frankfurt am Main geboren. Der Sohn des Kaiserlichen Rates Johann Caspar Goethe und seiner, damals erst 19 Jahre alten, Frau Catharina Elisabeth, geborene Textor (Portrait siehe Anhang – Seite 5, Abb. 12), kam mit einer Kreislaufstörung und Atemnot auf die Welt. Da im 18. Jahrhundert die Sterblichkeitsrate bei Geburten und Säuglingen sehr hoch war, wurde er auch gleich am nächsten Tag von Pastor Fresenius getauft. Er erhielt den Namen seines Paten, den Großvater Johann Wolfgang Textor.

Goethes Vorfahren waren im Laufe der letzten Generationen die soziale Leiter immer höher gestiegen und hatten es zu einem beachtlichen Ansehen und Privatvermögen gebracht. War Urgroßvater Goethe noch Hufschmiedemeister und Ratsdeputierter gewesen, so hatte Johann Caspar schon ein Vermögen von rund 90000 Gulden erlangt. Außerdem war er Doktor beider Rechte und hatte sich vom Kaiser Karl VII. gegen ein Entgeld den Titel eines Kaiserlichen Rates erworben. Die Textors waren schon immer eine erfolgreiche Juristenfamilie gewesen. Goethes Grovater mütterlicherseits war als Reichs-, Stadt-, und Gerichtsschultheiß ein hoch angesehener Mann in Frankfurt.

Johann Wolfgang Goethe hatte noch vier Geschwister. Allerdings verstarben alle, bis auf die anderthalb Jahre jüngere Schwester Cornelia, bereits im Kindesalter. Beim Tod seines jüngeren Bruders Jakob, vergoss der damals Zehnjährige keine Träne, trotz dass die Beiden immer gute Spielkameraden waren. Er ärgerte sich vielmehr darüber, dass er seinem Bruder nicht die Lektionen und Geschichten lehren konnte, die er schon ausgearbeitet hatte.

So kam es, dass Johann und Cornelia zusammen von ihrem Vater und einem Hauslehrer unterrichtet wurden. Die beiden profitierten von dem Vater, der sie nach bestmöglichsten Mitteln auszubilden versuchte. Schon sehr früh begann Goethes Ausbildung. 1752, im Alter von 3 Jahren, wurde er in eine Spielschule nahe seines Elternhauses geschickt. Hier lernte er lesen. Ab 1756 besuchte er die öffentliche Schule, wo Schreiben, Lesen, Rechnen und protestantische Glaubenslehre unterrichtet wurde. Jedoch kam er nicht immer mit den anderen Schülern zurecht. Einmal, als er von drei seiner Mitschüler die Beine ausgepeitscht bekam, rächte er sich an ihnen, indem er sich mit allen drei auf einmal prügelte. Als ihm hinterher von den Erwachsenen Strafe angedroht wurde, sagte er nur: „dass ich künftig bei der geringsten Beleidigung einem oder dem andern die Augen auskratzen, die Ohren abreißen, wo nicht gar ihn erdrosseln würde“ (Literaturverzeichnis: Nr. 6 – Seite 18).

Trotzdem lernte er sehr gut. Er las viel, kaufte sich immer kleine Heftchen mit Geschichten vom „Eulenspiegel“, „Die vier Haimohnskinder“ und so weiter. Er las sehr gerne die Bibel und auch das „Volksbuch vom Doktor Faust“ zählte zu seinen Lektüren. Alles was zum märchen- und bildhaften neigte wurde von ihm verschlungen. Bald verfasste er schon ein paar kleine Arbeiten. Zum Beispiel schrieb er mit seinem Vater Dialoge, kleine Geschichten und sogar Lehrbücher, mit denen er sich das Erlernen von Fremdsprachen erleichterte (er lernte schon als Kind Lateinisch, Englisch, Französisch, Italienisch, Griechisch). 1753 bekam er von seiner 86 – jährigen Großmutter Goethe zu Weihnachten ein Puppentheater geschenkt (es war das letzte Weihnachtsfest, das die alte Frau miterlebte). Er verfasste kleine Stücke, probte sie mit Freunden ein und spielte sie vor. Hier lernte er schon früh mit dem Publikum und Ensemble umzugehen. Daran erinnerte er sich noch 1777 in dem Roman „Wilhelm Meisters theatralische Sendung“ und 1809 in seiner Autobiografie „Dichtung und Wahrheit“. Dennoch kann man nicht von einem Wunderkind sprechen, wie vielleicht Mozart eines war, den Goethe am 25. August 1763 bei einem Konzert in Frankfurt besucht hatte. Vielmehr waren seine wenigen Arbeiten Fleißproben eines Frühreifen.

1756 begann der „Siebenjährige Krieg“ (bis 1763). Die Kurfürsten von Sachsen und Bayern kämpften um die Erbfolge des Thrones, den die 23 – jährige Habsburgerin Maria Theresia nach dem Tod ihres Vaters, Kaiser Karl VI., 1740 bestiegen hatte. Preußens König Friedrich II. nutzte diese Auseinandersetzung, um im selben Jahr Schlesien zu erobern, das zum Reich der Habsburger gehört hatte. Er siegte 1744/45. Jedoch weitete sich der dritte schlesische Krieg alsbald zum „Siebenjährigen Krieg“ aus.

Die Frankfurter bekamen von alledem allerdings nur wenig mit. Nur manchmal zogen, von den 7000 einquartierten französische Soldaten, Truppen durch die Stadt. Trotzdem waren die Bewohner geteilter Meinung, was die politische Richtung anging. Auch die Familien Goethe und Textor waren politisch unterschiedliche Meinungen, was zu einer Art Spaltung der Familie führte. Johann Caspar war eher „fritzisch“ gesinnt (Literaturverzeichnis: Nr. 9 – Seite 28), wobei der Schwiegervater Textor die Meinung der Habsburger war. Es gab oft Streit und einmal ging es sogar soweit, dass es beim Essen zu einer Auseinandersetzung kam, wo die Beiden mit Messer und Degen aufeinander losgingen.

Den jungen Goethe interessierte dieser politische Streit nicht. Er war mehr zu dem französischen Ensemble hingezogen, das 1759 zur Truppenbetreuung in die Stadt kam. Er besuchte oft deren Vorstellungen, wo er neben dem erlernen der Sprache auch erste Erfahrungen mit der französischen Dramenliteratur von Molière bis Racine machte. Der Vater durfte das nicht wissen. Die Mutter erlaubte es ihm allerdings. So kam es, dass er sich mit einem etwa gleichaltrigen Jungen aus dem Kreis der Schauspieler anfreundete. Der nahm ihn auch manchmal mit hinter die Bühne, wo sich die Schauspieler natürlich auch umzogen, was verwirrende Erfahrungen für den damals zehnjährigen Goethe waren.

Der „Siebenjährige Krieg“ wurde am 15. Februar 1763 durch den preußisch – österreichischen Frieden beendet. Schlesien gehörte nun endgültig zum Königreich Preußen. 1764 wurde Joseph II. in Frankfurt zum König gewählt und zum Kaiser gekrönt. Die ganze Stadt war in Aufregung, und für Goethe war diese Veranstaltung eine Erfahrung, die ihn bis zu seinem Lebensende beeindruckt hatte. Zu mindestens lässt sich das anhand seiner Autobiografien, in denen er seine Gedanken und Gefühle über jene Zeit doch recht umfangreich niedergeschrieben hat, erkennen. Allerdings hängt dieses Ereignis noch mit einem anderen, eher bitteren, aber auch sehr wichtigen Ereignis in Goethes Leben, zusammen.

Der zu der Zeit 15 – Jährige hatte sich einen Freundeskreis angeschlossen, der eigentlich außerhalb der, von den Eltern erlaubten, Grenzen lag. Darunter waren nämlich auch junge Leute, die häufig zu etwas gewagte Scherzen neigten. Diese Leute, hatten Goethes Talent fürs Reimen entdeckt, und baten ihn Liebesbriefe an zwei Personen zu schreiben, die sich, so dachten die Betroffenen dann jedenfalls, verehrten. Treffpunkt der Freunde war eine Schenke, wo Goethe eine junge Aushilfe kennen lernte, die er später in seinen Memoiren als Gretchen bezeichnete. Man weiß allerdings nicht genau, ob sie wirklich Gretchen hieß. Es könnte sein, dass er ihr nur diesen Namen beigelegt hat, weil sie vielleicht etwas mit seinen Erinnerungen an das Gretchen aus seinem „Faust“ zu tun hat. Er verliebte sich in sie, den es war„der erste bleibende Eindruck, den ein weibliches Wesen auf mich gemacht hatte“(Literaturverzeichnis: Nr. 9 – Seite 31). In der Nacht, vor der Wahl Joseph II., schliefen beide beieinander und am nächsten Tag besuchten sie zusammen die Feierlichkeiten. Dann, am darauffolgenden Tag, gab es eine böse Überraschung für Goethe. Seine Mutter teilte ihm mit, dass es herausgekommen war, in welcher Gesellschaft er sich herumtrieb, was eigentlich schon schlimm genug war. Doch bald darauf gab es auch noch eine Anzeige gegen ihn, wo von„nachgemachten Handschriften, falschen Testamenten, unterschobenen Schuldscheinen und ähnlichen Dingen“(Literaturverzeichnis: Nr. 9 – Seite 32) die Rede war. Diese Anzeige konnte zwar abgewendet werden, jedoch wagte sich Goethe von da an für eine Zeit aus lauter Scham nicht mehr aus dem Haus und er „sein“ Gretchen nie wieder sah.

1.2. Studium (1765 – 1771)

Der Vater entschloss sich daraufhin bald seinen 16 – jährigen Sohn zum Jurastudium nach Leipzig zu schicken und so brach Johann Wolfgang am 30. Oktober 1765 auf.

In Leipzig angekommen, stellte er fest, das es eine sehr schöne, wenngleich durch den „Siebenjährigen Krieg“ schwer getroffene Stadt war, die rund 10 Millionen Gulden Schulden hatte.

Goethe wohnte am Neumarkt 3 in der „Großen Feuerkugel“, in dem selben Zimmer, in dem schon sieben Jahre vorher Gotthold Ephraim Lessing gewohnt hatte.

Am Anfang seines Studiums war Goethe noch begeistert. Er mochte seine Professoren und die Atmosphäre des Campus. Er besuchte häufig Vorlesungen in Philosophie, Theologie, Poetik und Stilkunde. Schon bald jedoch begann er sich zu langweilen. Er fand, dass die Professoren nicht richtig im Stoff voran kamen und er eh alles besser wusste. Also begann er Autodidakt zu lernen, indem er sich durch Berge von juristischen Büchern durcharbeitete und Prüfungsfragen beantwortete. Nach einigen Monaten ging er immer seltener zu den Vorlesungen, was ihm Ärger mit dem Vater einbrachte. Dieser hatte ihm schon immer vorgehalten, dass, wen er die Begabung seines Sohnes gehabt hätte, er viel mehr gelernt und sich angestrengt hätte. Johann Wolfgang hatte aber nicht die gleiche Begeisterung wie sein Vater gezeigt, weil er Angst davor hatte, sein ganze Leben lang nur strikten Lernplänen zu folgen und dann eines Tages wie ein „normaler“ Mensch zu enden, der jeden Tag das Selbe macht. Er wollte viel lieber ein abenteuerliches Leben führen, viel entdecken und nur das lernen, was ihn wirklich interessierte (da er sich ja sowieso für alles interessierte, war das nicht wirklich von Nachteil).

Deswegen zog er sein eigentliches „Studienfach“ in Leipzig vor: das Leben. Er ging häufig ins Theater, wo viel Zeitgenössisches gespielt wurde, zum Beispiel Voltaire, Schlegel und Lessing. Außerdem besuchte er Kunstausstellungen mit seinem Freund, den zweitrangigen Künstler, Adam Oeser. Dabei entwickelte er seine lebenslange Begeisterung für die antike Kunst, wofür er Oeser später noch sehr dankbar war. Er unterrichtete sich also im Bereich der Kunst nahezu selbst, was ihm große Freude bereitete. Jedoch hatte er kaum Freunde oder Freundinnen in der Stadt. Das lag vielleicht daran, dass er sich dem Verhalten und dem Erscheinungsbild der Leipziger unbedingt anpassen wollte, dabei aber etwas über das Ziel hinausschoss und dadurch arrogant und lächerlich wirkte. Deswegen klappte es auch mit der Liebe zu Beginn nicht so richtig. Erst 1766 verliebte er sich in die drei Jahre ältere Anna Katharine Schönkopf, mit der er bis 1768 zusammen war. Nachdem es dann aus war, verhielt sich Goethe sehr eifersüchtig, was in einem, für ihn sehr peinlichen, Zwischenfall endete. Als er erfuhr, dass „S“ (so wurde Anna Katharina in Briefen immer genannt) bei einer Familie zu Besuch war, „bat“ er eine alte Bekannte einen ihr Brief zu schreiben, den er dann dort hinbringen würde und somit die „S“ besuchen könnte. Der Bekannten fiel aber nichts Besseres als„Er zwingt mich ihm etwas aufzutragen und wenn es auch nichts wäre“ein zu schreiben, und so wurde die „S“ noch böser auf ihn, als sie es ohnehin schon war (vergleiche mit Literaturverzeichnis: Nr. 9 – Seite 50).

Goethe dichtete auch. Jedoch gab man ihm zu verstehen, dass seine Arbeiten nicht sehr gehaltvoll waren, was ihn sehr enttäuschte. In einem Anflug von Verzweiflung zerstörte er viele seiner Werke, indem er sie verbrannte (dieses Verhalten wiederholte Goethe noch ein paar Mal in seinem Leben). Trotzdem wurde ein Gedicht von ihm veröffentlicht, allerdings ohne seine Zustimmung.

Bald darauf tat er sich mit Ernst Wolfgang Behrisch zusammen, der für ihn zu einem guten Freund wurde und der ihm auch gutgemeinte Kritiken entgegen brachte. Mit ihm traf er die Abmachung, erst einmal Nichts zu veröffentlichen. Stattdessen sammelte Behrisch seine Werke, bewertet sie für Goethe und sucht die Besten heraus. So entstand das Buch „Annette“, das neunzehn, zum Teil sehr authentische, Gedichte enthält und das 1767 veröffentlicht wurde.

1768 vollendete Goethe schließlich sein erstes Drama, das Schäferspiel „Die Laune des Verliebten“, was wiederum auf den Motiven eigener Erlebnissen aufbaute und eine Reaktion auf die verflossene Liebe war. Es wurde allerdings erst elf Jahre später uraufgeführt.

Goethes Geschick zu schreiben verbesserte sich immer mehr und der Schreibstil, den er in seinen Briefen anwandte, nahm langsam aber sicher die Form des Sturm und Drang – Stiles an – viele Ausrufungszeichen, kurze Sätze und eine Sprache, für die ihn seine Leser einmal lieben sollten.

Wenige Wochen vor dem Ende des Studiums in Leipzig ereilte Goethe ein schwerer Blutsturz, der ihn mehrere Tage zwischen Leben und Tod schwanken ließ. Er erholte sich jedoch wieder, sodass er an seinem neunzehnten Geburtstag die Stadt verlassen und heim nach Frankfurt fahren konnte.

Dort kurierte er sich erst noch richtig aus und ging dann seinen Familienmitgliedern auf die Nerven. Besonders mit seinem Vater lag er oft im Zwist, denn die Beiden hatten unterschiedliche Meinungen, was die Innenarchitektur des Hause anbelangte. Mit seiner Schwester dagegen verstand er sich wieder prima. Der Vater hatte sie während Johann Wolfgangs Abwesenheit ganz nach seinen Vorstellungen erziehen wollen, was Cornelia aber überhaupt nicht passte. Deswegen schloss sie sich sofort wieder ihrem Bruder an. Dieser wandte sich jetzt häufig religiösen Büchern zu und erprobte sich ein wenig in der Alchemie, was ihm dann später beim Schreiben von „Faust“ zugute kam. Er fand auch, nach einigem Zögern, den Mut sein einaktiges Lustspiel „Die Mitschuldige“ einem Verleger anzubieten. Er wurde jedoch abgelehnt, was ihn so schockte, dass er es bis zu seinem Tod nicht vergessen konnte.

1770 fühlte er sich wieder fit genug um weiter studieren zu können. Diesmal jedoch, auf Wunsch des Vaters, in Straßburg, wo er sich am 18. April in die Universitätsmatrikel eintrug. Er belegte noch Chirurgie, Anatomie und Chemie, da er merkte, dass auch hier in Straßburg nicht allzu viel im Jurastudium abverlangt wurde.

Goethe wohnte bei einem Kürschnermeister, wo er sich sehr schnell und endgültig von seinem restlichen Leiden erholte. Schon bald hatte er sich eingelebt und auch viele Leute kennen gelernt, sodass er einen sehr guten Eindruck von Straßburg bekam.

Zur selben Zeit besuchte, der damals 26 – jährige und schon anerkannte Autor, Johann Gottfried Herder die Stadt. Bei ihm lag der Grund für den Besuch allerdings bei einer schwerwiegenden Augenkrankheit, die operiert werden musste. Goethe traf ihn das erste Mal eher zufällig am 5. Oktober 1770 im Gasthof „Zum Geist“. Dieses Treffen war der Beginn einer nicht ganz astreinen Freundschaft. Goethe selbst beschrieb es als Dreiundsechzigjähriger als„das bedeutendste Ereignis, was die wichtigsten Folgen für mich haben sollte“(Literaturverzeichnis: Nr. 9 – Seite 78). Denn schon damals erkannte er, dass nur Herder es sein konnte, der ihn in seiner literarischen Entwicklung sehr weit voranbringen konnte. Seine Werke brachten und bringen noch immer Leute auf eigene, kreative Ideen. Und genau das war auch bei Goethe der Fall. Er „besuchte“ also ab sofort die „Herder Schule“, wo er viel von und über Shakespeare, Homer sowie altnordische und - keltische Literatur lernte, was ihn inspirierte. Außerdem beteiligte er sich an der Liedersammlung zu Herders „Stimmen der Völker in Liedern“. Herder war sehr angetan von dem Menschen Goethe und wie fleißig er arbeite. Diese Sympathie wurde von Goethe erwidert.

Am 25. und 27. September 1771 legte er sein Vorexamen erfolgreich ab.

Natürlich gab es auch wieder eine neue Liebe in Goethes Leben. Doch obwohl sie diesmal von der neunzehnjährigen Friederike Brion stark erwiderte wurde, war er unzufrieden und machte wieder Schluss, was Friederike sehr traf. Es war wohl eine etwas zu komplizierte Situation für den jungen Goethe, was man auch dem Gedicht „Willkommen und Abschied“ anmerkt, indem er seine Gefühle und Gedanken über diese Liebe verarbeitete (Goethe musste, wie im Gedicht das lyrische Ich, immer mit dem Pferd in das benachbarte, aber doch etwas weit entfernte Sesenheim reiten, um seine Geliebte zu sehen). Aus diesem Gefühlschaos heraus entstand auch die Liebesgedichtsammlung „Sesenheimer Gedichte“ (Lyrikbeispiel siehe Anhang – Seite 7, Abb. 17).

Im Sommer 1771 schloss Goethe seine (heute verschollene) Dissertation mit dem Titel „De legislatoribus“ ab. Obwohl sie vollkommen anerkannt wurde, war sie nicht unumstritten, denn sie schränkte den Absolutheitsanspruch der Kirche ein und fiel der verhärtet protestantischen Straßburger Universität wohl etwas zu progressiv aus (vergleiche mit Literaturverzeichnis: Nr. 9 – Seite 88).

Das alles interessierte den jungen Goethe nicht weiter, denn er hatte kein Lust mehr zu studieren und so trat er dann am 14. August 1771 die Heimreise an. Bald darauf reichte er in Frankfurt seinen Antrag ein, um als Advokat zugelassen zu werden und am 3. September 1771 wurde er vereidigt.

1.3. Der Wechsel des Berufs (1771 – 1775)

Goethe übte also ab sofort den Beruf eines Anwaltes aus, was ihm sehr gut lag und, zunächst jedenfalls, auch Spaß machte. Gleich seinen ersten Prozess gewann er mit Bravur und er führte seine Plädoyers mit solchem Sprachwitz, dass es einige Male vorkam, dass alle Anwesenden im Gerichtssaal in Gelächter ausbrachen und einer sehr unterhaltsamen „Darbietung“ beiwohnten. In seinen Prozessen verteidigte Goethe häufig Personen verschiedener Stände, wie zum Beispiel Händler, Bauern und oft Juden (was ihm großen Respekt in der Judengasse Frankfurts einbrachte). Diese Erfahrungen kam ihm dann später zugute, denn so war es ihm möglich für jeden der Charakter in seinen Werken die geeignete Sprache und Verhaltensweise zu finden.

Schon während dieser Zeit beteiligte sich Goethe an der theoretischen Entwicklung des Sturm und Drangs. Er schloss sich 1772 einer Gruppe Intellektueller an, die für die „Frankfurter Gelehrten Anzeige“ Buchbesprechungen durchführten und die Ergebnisse in Artikeln veröffentlichten. Das Besondere war, dass sie ihre Rezensionen im Kollektiv erarbeiteten, was damals sehr modern war. Dabei verrissen sie so manches Buch und kritisierten so manchen Autor, worauf es immer wieder zu heftigen Beschwerden kam. Ein Beispiel: „Und einen Gedichtband, dessen ganzer Witz offenbar darin besteht,‚auf blau Papier gedruckt’zu sein, empfiehlt er wegen der Sanftheit besagten Papiers sogar zweckzuentfremden.“ (Literaturverzeichnis: Nr. 9 – Seite 97)

Als im Laufe der Zeit die Proteste immer häufiger wurden, entschloss sich das Kollektiv nach einjähriger Zusammenarbeit aufzulösen.

In dieser Zeit entstand Goethes Freundschaft zu dem damals zweiunddreißigjährigen Johann Heinrich Merck aus Darmstadt. Mit ihm brachte er 1773 das Schauspiel „Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand“ heraus, was die Beiden selbst verlegten. Es war eine Art historischer Bilderbogen, über die Mythen und Legenden des Mittelalters. Zwar war dem Buch ein kommerzieller Misserfolg beschert, literarisch gesehen wurde es jedoch sofort als Meisterwerk gehandelt und hoch anerkannt. Viele Leser waren zwar angestoßen von der neuartigen, derben Sprache, aber den Meisten wurde klar, dass der „deutsche Shakespeare“ geboren war (Shakespeare war ganz besonders zu der damaligen Zeit einer der anerkanntesten Literaten aller Zeiten und seine Werke wurden euphorisch umjubelt). So kam es auch, dass das Stück schon nach einem Jahr inszeniert und aufgeführt wurde. Kommerzieller Misserfolg hin oder her; das Werk ebnete Goethe den Weg zum Autor.

Noch im gleichen Jahr schrieb er das Stück „Hanswursts Hochzeit“, das aus vier Seiten Dialog und noch mal drei Seiten Besetzungsliste bestand, die eine Reihe von schmutzigen Namen beinhaltete. Zum Beispiel: Matzfotz, Scheißmatz, Schnuckfötzchen oder Reckärschchen. Dieses fragwürdige Werk, was natürlich nicht veröffentlicht wurde, schrieb Goethe als Protest gegen moralische Brüche, denen er sich keinesfalls unterwerfen wollte.

Neben dem hymnischen und empfindsamen Ton, der in seinen ersten Werken Anwendung fand, kam nun auch noch eine satirisch angehauchte Sprache zum Vorschein. Diese erprobte er sogleich in der Satire „Götter, Helden und Wieland“, die Wielands Singspiel „Alceste“ auf den Arm nahm. Dieser reagierte jedoch sehr souverän auf die Kritik, und stellte in einer Stellungsnahme den Jungen Goethe wieder bloß, was der dann hinnehmen musste.

1774 war dann ein sehr produktives Jahr für Goethe. Er begann eine Fülle an neuen Werken, darunter zum Beispiel „Egmont“ und er verfasste sein erstes nicht anonym veröffentlichtes Drama „Clavigo, sowie den Roman „Die Leiden des jungen Werthers.“ (Auszug siehe Anhang – Seite 8, Abb. 18) Das Buch wurde ein Riesenerfolg und Goethe avancierte zum ersten internationalen Bestsellerautor in Europa. Neben begeisterten Kritiken war das Buch auch noch so beliebt bei den Lesern (vorrangig junge Leserinnen und Leser), dass es einen regelrechten Kult gab, die sog. „Werthermode“. Viele empfindsame junge Männer kleideten sich so wie Werther und in den Briefen der Leser, wurde das Werk euphorisch gefeiert.

Aber auch eine negative Erscheinung dieser Zeit ist allem Anschein nach auf den Roman zurückzuführen: Die Selbstmordrate aufgrund von Liebeskummer stieg an, denn anscheinend wollten es viele dem Werther gleichtun, der sich am tragischen Ende des Romans aus Liebesfrust selbst erschießt. Daraufhin wurde das Buch in verschiedenen Regionen als gefährlich eingestuft, und zum Beispiel in Leipzig verboten.

1775, kurz vor der geplanten Vollendung von „Egmont“, brach Goethe auf, um Weimar seinen ersten Besuch abzustatten.

1.4. Weimar I (1775 – 1786)

Dieser erste Besuch in Weimar dauerte immerhin rund elf Jahre (natürlich war er nicht die ganze Zeit dort; er machte viele Reisen, zum Beispiel dreimal in den Harz [1777, 1783, 1784] und in die Schweiz [1780]). Denn obwohl die Stadt damals noch relativ unterentwickelt war (was die Größe, die Kultur und den Lebensstandart anbelangte), entschied sich Goethe dafür dort wohnhaft zu werden. Er mochte Weimar, hatte dort viele Freunde kennen gelernt (Darunter auch Carl August, damals regierender Herzog von Sachsen – Weimar – Eisenach, der ihm 1776 ein Haus schenkte und mit dem er ein recht frivoles Leben führte. Von Sauftouren und makaberen Streichen ist die Rede [einmal sollen sie eine tote Katze in das Butterfass eines Bekannten gelegt haben, welches dieser dann aber an den Hof von Weimar geliefert hatte]) und es erschien ihm besser hier zu leben als daheim, wo er sich ja sowieso nur mit dem Vater streiten würde. Außerdem kam wieder eine Frau in sein Leben, diesmal die sieben Jahre ältere Charlotte von Stein (Schattenriss siehe Anhang – Seite 5, Abb. 11). Unter Verwehrung von körperlicher Erfüllung gegenüber Goethe, schaffte sie es ihn hinsichtlich des Lebens und des Verhaltens am Hof zu erziehen.

Am 11. Juni 1776 trat Goethe seinen Dienst als „Geheimer Rat“ (eine Art Minister) an, was einer von drei Räten des sogenannten „Geheimen Consiliums“ – das höchste Beratergremium des Herzogtums – ist. Durch sein Wirken erlebte Weimar einen kleinen Aufschwung. So schaffte er es zum Beispiel Schulden von rund 140000 Talern zu tilgen und den Bergbau in der Umgebung wieder anzukurbeln (der Stollen stürzte jedoch 1796 ein).

Er übte in der Folgezeit viele Berufe aus, die dem gemeinnützigen Zweck dienten und ihn so in Anspruch nahmen, dass er in diesen elf Jahren keine großen Werke veröffentlichte. Viel seiner Zeitgenossen fragten sich, warum er das tat. Goethe äußerte sich dazu in einem Brief an seine Mutter:„Merck und mehrere beurtheilen meinen Zustand ganz falsch, sie sehen das nur was ich aufopfre, und nicht was ich gewinne, und sie können nicht begreifen, dass ich täglich reicher werde, indem ich täglich soviel hingebe.“(Literaturverzeichnis: Nr. 9 – Seite 151)

In dieser Zeit begann er auch mit seiner Naturforschung, bei der er durch genaue Beobachtungen und der präzisen Wiedergabe des Gesehenen genauste Studien veranstaltete und dabei gut den wissenschaftlichen Standart seiner Zeit erlangte. Als Mineraloge hinterlies er eine Steinsammlung von rund 18000 Exemplaren, darunter auch Welche, die sehr selten und aus dem Ausland waren.

Am 8. Juni 1777 erfuhr Goethe von dem Tod seiner geliebten Schwester Cornelia. Sie war kurz nach der Geburt ihres zweiten Kindes gestorben. Bereits nachdem sie ihr erstes Kind zur Welt gebracht hatte, war sie so krank geworden, dass sie für rund zwei Jahre ans Krankenbett gefesselt war. Goethe war natürlich sehr traurig über diesen Vorfall. Seine Trauer äußerte sich bei ihm damals und auch zu späteren Zeitpunkten in einer etwas seltsamen Art und Weise: entgegen seiner Gewohnheit verlor er über den Verlust nur sehr wenige Zeilen in seinem Tagebuch (Erst in „Dichtung und Wahrheit“ schrieb er über sie; stellte sie aber als lebensunfähige Frau dar, was den früheren Zeugnissen seiner Aufzeichnungen widersprach).

1779, nachdem am 5. Juli 1778 der „Bayerische Erbfolgekrieg“ ausbrach, wurde ihm die Leitung der Kriegskommission übertragen, was ihm allerdings gar nicht passte, da es ihm als zu hektisch erschien. Also machte er das Beste daraus und nutzte die Kriegszeit um mal wieder mit einer großen Arbeit zu beginnen. Er schrieb die erste Fassung von „Iphigenie auf Tauris“. Am 13. Mai des darauffolgenden Jahres war wieder Frieden und man kehrte in den Normalzustand zurück.

Goethe begann dann wieder zu schreiben. Fürs erste waren es aber häufig nur konventionelle Arbeiten die für bestimmte Anlässe von ihm verfasst wurden. Meist waren es kleine Theaterstücke, die ein Thema behandelten, das vom Geldgeber gestellt wurde. Goethe erledigte sozusagen Auftragsarbeiten zum Festprogramm Anderer. Nur sein schon weiter oben genanntes Werk „Iphigenie“, dass am Ostersonntag 1779 uraufgeführt wurde (damals noch als erste Fassung in Prosa), ist für die Weltliteratur von Bedeutung.

Bald darauf verschanzte er sich in seinem kleinem Landhaus, das er von Carl August bekommen hatte, wo er eine ruhige und entspannte Atmosphäre zum Schreiben genoss. Er bearbeitete die Bete im Garten und erledigte Haus – und Handwerksarbeiten, wodurch er wieder neue Energie gewann. Er arbeitete in dieser Zeit unter anderem an „Egmont“, „Torquato Tasso“ und „Wilhelm Meisters theatralische Sendung“. Trotz dieser vielen Arbeiten, die heute alle zur Weltliteratur zählen, behauptete Goethe später noch selber, dass diese ersten Jahre in Weimar eine sehr schöpfungsarme Zeit seines Lebens war. Wahrscheinlich, weil keines davon fertig gestellt wurde oder aber es kam ihm nur so vor, weil er sich natürlich noch tatkräftig als Minister einsetzte (er schaffte es immerhin, dass die Strassen nach Jena und Erfurt fertig gebaut werden konnten) und er deswegen nichtnochmehr Werke verfassen konnte. Einige seiner berühmten Arbeiten aus der damaligen Zeit (zum Beispiel „Faust“ [Urfassung] und „Wilhelm Meisters theatralisch Sendung“) sind uns heutzutage jedoch nur noch erhalten, weil einige Frauen in Goethes Leben von den nichtveröffentlichten Fassungen so begeistert waren und sie sich daraufhin abschrieben, bevor Goethe diese Bücher dann später vernichtete.

Am 10. April im Jahre 1782, einige Wochen vor dem Tod seines Vaters, wurde Goethe von Kaiser Joseph II. in den erblichen Adelsstand erhoben, was ihn sicherlich ehrte, auch, wenn er es später im hohen Alter immer wieder herunter spielte.

Abseits der Arbeit widmete sich Goethe immer wieder seinen naturwissenschaftlichen Beobachtungen. Neben der Botanik, der Geologie und der Mineralogie begann er sich nun noch mit der Knochen – und Bänderlehre zu beschäftigen. Auch dabei lernte er sich schnell ein solides Grundwissen an, was ihm am 27. März 1784 zu einer recht ordentliche Entdeckung verhalf. Zu seiner größten Freude fand er beim Menschen den Zwischenkieferknochen, der vorher nur bei Tieren festgestellt wurden war. Zwar weiß man heutzutage, dass schon acht andere Forscher diesen Knochen vor ihm gefunden hatten, ohne, dass sie je dabei etwas voneinander wussten (auch Goethe nicht). Trotzdem wird ihm diese Entdeckung mit angerechnet, da er, wie der große Arzt Rudolf Virchow 1848 sagte, das Prinzip derBeobachtungin der Naturwissenschaft gerettet hatte. (vergleiche mit Literaturverzeichnis: Nr. 9 – Seite 180)

In diesem, für ihn recht erfolgreichen Jahr, bezog Goethe auch noch sein neues Haus am Frauenplan (Zeichnung von dem Haus siehe Anhang – Seite 2, Abb. 3), was Carl August ihm 1794 ganz schenkte. Es war ein sehr geräumiges und würdenvolles Haus und Goethe bewohnte es, von einigen kleinen Unterbrechungen abgesehen, bis zu seinem Tod.

In den letzten Jahren seines ersten Weimaraufenthalts schrieb Goethe immer weniger in sein Tagebuch und ab Juni 1782 ließ er es für vier Jahre ganz bleiben. Er hatte zu viel zu tun, denn inzwischen war er auch noch zum Mehrfachminister ernannt worden, so dass die Belastung für ihn immer größer wurde. Auch war er sich zu der Zeit noch nicht genau im Klaren, was er eigentlich wirklich machen wollte. Wollte er wirklich ein Dichter sein? Oder doch lieber Maler, Politiker, Naturwissenschaftler oder Anwalt?

Deswegen entschloss er sich erst einmal aus Weimar zu verschwinden und auf eine Reise zu gehen. Er hatte alle seine Geschäfte geregelt und so arrangiert, dass sie auch ohne ihn eine zeitlang gut gehen sollten.

Sein achtunddreißigster Geburtstag wurde noch in Weimar gefeiert und kurz darauf verließ er die Stadt und blieb ihr für 653 Tage fern.

1.5. Goethes Italienreise (1786 – 1788)

Goethes erste Reise nach Italien war die längste, ereignis – und folgenreichste Reise überhaupt in seinem Leben (vergleiche mit Literaturverzeichnis: Nr. 7 – Seite 40).

Er begann diese Reise in seinem Reisetagebuch, das er dann später (1816, 1817 u. 1829) als „Italienische Reise“ veröffentlichte, mit den Worten:„Früh drei Uhr stahl ich mich aus Karlsbad, weil man mich sonst nicht fortgelassen hätte.“(vergleiche mit Literaturverzeichnis: Nr. 9 – Seite 198) Schon seit Jahren hatte er den Wunsch gehabt dieses Land zu besuchen und jetzt hatte er es nicht mehr ausgehalten.

Nachdem er sich noch um das Nötigste gekümmert hatte, war er, nur mit der wichtigsten Garderobe, Geld, persönlichen Papieren und einigen Manuskripten (u.a. „Faust“ und „Tasso“) bepackt, aufgebrochen und hastete dann nach Italien hinunter, wobei er immer nur einen bis höchstens zwei Tage in einer Stadt verweilte und auch sonst alles was auf seinem Weg lag Links und Rechts von sich liegen ließ.

Selbst in Italien ließ er es nicht sehr viel langsamer angehen, denn er hatte immer nur ein Traumziel vor Augen, das er dann am 29. Oktober 1786 erreichte: Rom.

Einen Tag nach seiner Ankunft zog Goethe, der sich als Maler Johann Philip Möller (inkognito Spielchen gehörten schon lange zu einer Art Hobby von Goethe – manchmal versuchte er Leuten zu helfen, indem er sich verstellte und sich nicht zu erkennen gab), in das Haus des Malers Wilhelm Tischbein (den er schon von früher her kannte und der später das Tafelbild „Goethe in der Campagna“ anfertigte, das wahrscheinlich das berühmteste Goethe – Bildnis überhaupt ist) ein (Zeichnung von seiner Wohnung siehe Anhang – Seite 5, Abb. 14). In diesem Malermilieu wuchs seine Leidenschaft für die Malerei noch einmal beträchtlich und er versuchte dabei herauszufinden, was denn nun seine eigentliche Bestimmung war. Er fertigte rund achthundertfünfzig Zeichnungen und Aquarelle während seines Aufenthalts in Rom an und verfeinerte dabei seinen Zeichenstil zusehends. Aber er schaffte es zeitlebens nicht den menschlichen Körper anatomisch genau darzustellen und so wurde ihm dann endgültig klar, dass er doch zum Dichter geboren war.

Solche wichtigen politischen Ereignisse in diesen Jahren, wie die letzten Jahre der Französischen Revolution oder das in Kraft treten der Verfassung in der USA, interessierten Goethe recht wenig. Er konzentrierte sich beinahe nur noch auf seine Malerei und seine unvollendeten Werke. Er begann wieder zu schreiben, weil er die Kritik, er würde seine Arbeiten nicht vollenden können, nicht mehr hören wollte. Daraufhin schrieb er die endgültige Fassung von „Iphigenie auf Tauris“ fertig und lass sie seinen römischen Freunden vor. Es wurde ein Reinfall, da sie, genau wie Weimar auch, wohl eher etwas „Götz“mäßiges erwartet hatten. Diese Nichtanerkennung ärgerte Goethe sehr, denn niemand wollte verstehen, was für eine Arbeit es war so ein Stück umzuschreiben.

Daraufhin nahm er sich 1787 wieder den „Egmont“ vor, vollendete ihn im August und schickte das Manuskript des vor zwölf Jahren begonnenen Dramas nach Weimar. Auch „Tasso“ wurde um einiges überarbeitet.

Natürlich führte er auch seine wissenschaftlichen Beobachtungen weiter. Darum besuchte er zum Beispiel zur Pflanzenbetrachtung Sizilien und bestieg den Vesuv (während eines Ausbruchs!), um weitere Erkenntnisse über Gesteine zu erlangen und seine Sammlungen mit neuen Gesteinsproben zu ergänzen.

Goethe hatte in Italien nicht nur viele neue Freunde kennen gelernt, wie zum Beispiel den damals dreißigjährigen deutschen Schriftsteller Karl Philipp Moritz, sondern auch mal wieder eine Affäre begonnen. Angeblich hatte er die „Bekanntschaft“ mit einer jungen Römerin gemacht, mit der er, so vermutet man, seine ersten sexuellen Erfahrungen machen durfte. (Das lässt sich wohl an seinem Schreibstil erkennen.)

Nach diesem einen (von vielen) Höhepunkt(en) seines Italienaufenthalts, verließ er Rom am Donnerstag, den 24. April 1788 in aller frühe und fuhr heim nach Weimar. Es muss sehr schmerzlich für ihn gewesen sein, denn selbst als alter Mann hatte er dem Kanzler von Müller noch gestanden, dass er seit jenem Tag keinen wirklich glücklichen Tag mehr gehabt hatte.

Er hatte sich auf dieser Reise wirklich selbst kennen gelernt, war aufgeblüht und nun dem Leben viel mehr verbunden als vorher.

1.6. Weimar II (1788 – 1832)

Mit dieser neugewonnen Frische kehrte er also nach Weimar zurück und es kam dazu, dass er kurz darauf die Bekanntschaft mit der damals dreiundzwanzigjährigen Christiane Vulpius machte, die später sein Frau werden sollte. Zwar heirateten sie erst 1806, was ihnen etwas Kritik von Außenstehenden einbrachte (Christiane war sowieso zeitlebens eine wenig angesehen Frau in Weimar), der Beginn ihres Zusammenseins wurde aber von ihnen selbst mit dem 12. Juli 1788 datiert.

Privat also durchaus glücklich durfte er endlich auch beruflich etwas zurücktreten. Es wurden ihm einige Ämter abgenommen und er betreute von nun an einige kulturelle Institutionen, wie zum Beispiel das Hoftheater zu Weimar. Er war dabei sehr erfolgreich, denn die Spielpläne, die er zusammenstellte, sprachen vor allem die Theaterbesucher an, die sich gern unterhalten ließen – also die Mehrheit der Bürger Weimars und des Umkreises. Schwerverdaulichere Stücke wie die Seinigen oder später auch Schillers wurden nur selten dargeboten.

Am 5. September 1788 kam es zur ersten offiziellen Begegnung zwischen Goethe und Schiller, die von Bekannten der Beiden arrangiert wurde. Das Ergebnis war eher enttäuschend. Schiller glaubte kaum, dass sie jemals zusammen arbeiten könnten und tatsächlich entwickelte sich ihre Freundschaft erst einmal langsam bis gar nicht.

1790 trat Goethe seine zweite Italienreise an. Es war eine dienstliche Reise, die Goethe eigentlich wiederstrebte, da er lieber daheim bei seiner Christiane und seinem kurz vorher geborenem Sohn August geblieben wäre.

Im gleichen Jahr wurden auch seine „Römischen Elegien“ veröffentlicht, die er von 1788 – 90 geschrieben hatte. Sie erregten einen Skandal und mussten zensiert werden (nur Bekannte und Freunde Goethes erhielten die Originalfassung und erfreuten sich sehr daran), da sie allzu sehr mit sexuellen Freizügigkeiten umgingen.

Nachdem er 1791 ein häusliches Jahr bei seiner Familie verbrachte und anlässlich seiner Abhandlungen zur Farbphysik das Buch „Beiträge zur Optik“ verfasste, war es 1792 mit der Ruhe vorbei. Er musste nach Longwy und dort erlebte er den Schrecken des Krieges an vorderster Front mit. Die Französische Revolution war in vollem Gange und sie mussten viele Rückschläge hinnehmen. Es war für Goethe die schlimmste Zeit in seinem Leben.

Nachdem er sie überstanden hatte und heimkehren durfte gab es einen weiteren Rückschlag für ihn und seine Christiane. Ende 1793 starb sein zweites Kind, eine kleine Tochter, 2 Wochen nach ihrer Geburt.

In der Beziehung Goethe – Schiller hatte sich seit ihrem Treffen im Jahre 1788 wenig getan. Sie lebten zwar alle beide in Weimar, mieden sich jedoch gegenseitig, da keiner so richtig wusste, was er mit dem Anderen anfangen sollte. Erst als Schiller 1794 die Zeitschrift „Die Horen“ (welche die wichtigste Literaturzeitschrift der Klassik werden sollte) herausbringen wollte, entschloss er sich Goethe um sein Mitwirken zu bitten. Da dieser gerade eher Misserfolg zu verbuchen hatte und eine erneute Schaffenskrise durchlebte, kam ihm das Angebot gerade Recht und er willigte ein. So begann eine der berühmtesten Zusammenarbeiten zweier Dichter in der Literaturgeschichte (bei der sie lange nicht immer einer Meinung waren, aber so ist das nun mal und von Nachteil war es sicher auch nicht) und stellte gleichzeitig den Beginn der Weimarer Klassik dar. Goethe verfasste für „Die Horen“ unter anderem einen Novellenzyklus, der mit der Novelle „Der Prokurator“ seinen künstlerischen Höhepunkt erreichte. Dieses Buch markierte die endgültige Wende zur Klassik und es ist, nach „Faust II“, sein symbol – und anspielungsreichstes Werk überhaupt.

1796 wurde auch endlich sein Roman „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ fertig, denn er gewaltig umgekrempelt hatte und jetzt ein ganz anderes Buch als „Wilhelm Meisters theatralische Sendung“ war – anscheinend auch ein viel Besserer, den mit diesem Roman führte Goethe den deutschen Roman endgültig aus seinem trivialen Ansehen heraus zu einer anerkannten Kunstgattung (Literaturverzeichnis: Nr. 9 – Seite 293). Und er gilt heute als der wichtigster deutscher Bildungs – und Entwicklungsroman überhaupt.

Neben dem literarischen Wandel gab es für Goethe wieder viel Arbeit als Minister. Er verwaltete seit 1797 die Botanische Anstalt und die Sternenwarte in Jena, sowie die herzogliche Bücherei in Jena und Weimar und außerdem noch die Naturaliensammlung in Weimar.

Aufgrund dieser vielen Arbeit ging dann in diesen Jahren seine langjährige Freundschaft mit Herder in die Brüche, der ebensoviel zu tun hatte (worauf er immer unzufriedener und mürrischer wurde).

Aber er machte wieder neue Bekanntschaften mit anderen Schriftstellern. Darunter waren zum Beispiel auch Friedrich Hölderlin, Novalis und Friedrich Schlegel. Er lernte auch den Verleger Johann Friedrich Cotta kennen, der von 1802 an alle seine Werke bis und nach seinem Tod verlegte.

1797 konnte Goethe wieder einen Erfolg feiern, der dem vom „Werther“ nahe kam. Mit seinem Versepos „Herrmann und Dorothea“ stürmte er abermals die Spitze der internationale Verkaufsliste und strich dafür ein Honorar von umgerechnet 35000 DM ein.

Im selben Jahr musste Schiller „Die Horen“ aufgrund mangelnder Resonanz einstellen. Trotzdem ging die Zusammenarbeit Goethe – Schiller weiter und brachte beiderseits großartige Werke hervor.

Seit 1798 begann auch das Theater sich klassisch zu entwickeln. Goethe und Schiller arbeiteten am Theater zu Weimar erfolgreich (aber häufig uneinig) zusammen. Goethe übernahm dabei die Rolle des Theaterdirektors und Schauspielleiters und Schiller war Regisseur und Dramaturg.

Bald darauf erkrankte Goethe wieder lebensgefährlich an einer blasenbildenden Gesichtsrose, worauf er zur Kur nach Pyrmont reiste. Nachdem er sich wieder erholt hatte, überlegte er, ob er nicht vielleicht ein dritte Italienreise in Angriff nehmen wollte, ließ es dann aber bleiben.

Auch Schiller wurde immer kranker, aber bei ihm war die Aussicht auf Besserung weitaus geringer. Knapp einen Monat vor seinem Tod am 9. Mai 1805, hatte er seinen letzten öffentlichen Auftritt bei einem Theaterbesuch, wo er einen Schlaganfall erlitt. Sein Tod löste bei Goethe große Trauer aus und stürzte ihn in eine tiefe Krise. Er versuchte danach oft ein Werk als Andenken an Schiller zu schreiben, schaffte es allerdings erst 1826 – 21 Jahre nach Schillers Tod (zu der Zeit, wurde das Gewölbe, in dem Schiller begraben lag, von alten Särgen freigeräumt und deswegen bewarte Goethe Schillers Schädel eine Zeit lang bei sich auf, was ihn inspirierte).

Die nächsten Jahre sollten für Goethe unruhige Jahre werden. Er wurde immer älter und fühlte sich auch so (angeblich fühlte er sich sogar schon mit dreißig Jahren alt!). Von seinen Freunden wurde er allerdings als äußerst nett eingeschätzt und er galt als sehr beliebt. Dazu kam, dass er seine Freundschaft zu Charlotte von Stein wieder intensiver pflegte, nachdem sie schon seit einigen Jahren beinnahe stagnierte (der Briefwechsel der Beiden war sehr beschränkt und wurde für einige Zeit sogar ganz eingestellt).

Wirklich unruhig wurde es allerdings erst, als Napoleon mit seinen Heeren in Deutschland einmarschiert und nun bei Jena und Auerstedt (1806) kämpfte, was auch Weimar schmerzlich traf. So wurden zum Beispiel die Häuser von Charlotte von Stein und von Christianes Bruder Christian August Vulpius geplündert und Christiane selber musste sich von im eigenen Haus einquartierten Soldaten Beleidigungen anhören. Diese schwere Situation bewältigte sie jedoch sehr gut, was Goethe wahrscheinlich sehr imponierte. Jedenfalls entschloss er sich sie endlich zu Frau Goethe zu machen. Die Trauung fand am 19. Oktober 1806 in der St. Jakobskirche statt.

Das Hoftheater zu Weimar war glücklicherweise ganz geblieben, sodass Goethe im Jahre 1808 seinen „Torquato Tasso“ , der bis dahin als unaufführbar galt, auf die Bühne bringen konnte. Dieses Stück wurde sehr gelobt und erhielt große Annerkennung.

Anlässlich der Fürstentage zu Erfurt konnte Goethe, der mit zu Carl Augusts Gefolge gehörte, Napoleon, der da gerade auf dem Höhepunkt seiner Macht war, persönlich begegnen, was eines der wichtigsten Ereignisse überhaupt in seinem Leben war. Am 2. Oktober kam es zu dem Treffen und Goethe erhielt bei der Gelegenheit gleich noch das Kreuz der Ehrenreligion von Napoleon. Goethe war von dem Mann anfangs sehr beeindruckt, im Laufe der folgenden Jahre jedoch schockierte ihn die Zerstörungswut des Eroberers immer mehr, sodass er schließlich sein Ehernkreuz seinem Sohn schenkte und Napoleon abschwur.

In den folgenden Jahren machte Goethe wieder viele neue Bekanntschaften, so zum Beispiel mit der damals einundzwanzigjährigen Bettina Brentano, der er viel aus seiner Kindheit erzählte und die dann nach seinem Tod ein Buch verfasste, das den Namen „Goethes Briefwechsel mit einem Kinde“ trug, in dem sie ihre Gefühle und Gedanken über ihn verarbeitete. Oder auch der junge Kunstforscher und – sammler Sulpiz Boisserée war ein wichtiger Freund für ihn, da er ihn zu vielen Ideen anregte. Außerdem hatte Goethe auch einige Liebschaften (!), die ihn unter anderem zu seinen Werk „Die Wahlverwandtschaften“ inspirierten, das viele autobiografische Züge trägt.

1810 veröffentlichte er „Zur Farbenlehre“, was seinen Beitrag zur Optik darstellte. Hinsichtlich der Physikwissenschaftlichen Seite war es eher ein Reinfall, da es eine Art Gegenstück zu Newtons Gesetzten (vom weißen Licht, was alle Farben beinhaltet) bildete (in Goethes Version ist von „Sehstrahlen“, die aus dem Auge kommen die Rede) und somit als falsch galt (und immer noch gilt). Der Bereich des Buches jedoch, der sich mit der psychologischen Wirkung von Farben auf den Menschen beschäftigte, wurde, wenn auch erst nach Goethes Tod, als richtig und wichtig eingestuft. Zu Goethes Lebzeiten wurde das Buch aber abgelehnt (es war übrigens sein umfangreichstes Werk überhaupt), was ihn sehr bedrückte.

Etwas später veröffentlichte er seine Autobiografie „Dichtung und Wahrheit“ (mehr dazu auf den Seiten )

Im Jahr 1812 macht er noch zwei wichtige Begegnungen. Da wäre zum einen die, mit Carl Maria von Weber (damals fünfundzwanzig Jahre) und mit Beethoven (damals zweiundvierzig Jahre), dessen aufbrausende und griesgrämige Art Goethe allerdings eher abschreckte. Er fand, dass er damit weder sich noch den Leuten, mit denen er zu tun hatte, das Leben vergnüglicher machte. Trotzdem mochte er seine Musik. Allerdings nur bis zu dem Tag, als er sich die „Schicksalssinfonie“ anhörte. Er war davon so geschockt, dass er sich von da an nichts mehr von Beethoven anhören wollte und das auch nicht tat. Neben diesen zwei Musikern machte Goethe später auch noch die Bekanntschaft mit Felix Mendelssohn Bartholdy und dem Geigervirtuosen Paganini.

Nachdem ab dem 30. März 1814 wieder Frieden in Europa war, entschloss sich Goethe nach siebzehnjähriger Abwesenheit wieder sein Heimatland Wiesbaden zu besuchen. Er wollte eine Kur machen. Auf dieser Reise blühten seine dichterischen Fähigkeiten noch einmal auf und er schrieb eine Fülle von Gedichten (1814 waren es 140, 1815 sogar 170 Gedichte), die er 1819 als „West – östlicher Divan“ veröffentlichte. Das vom orientalischen Stil inspirierte Werk, erhielt eher negativ Kritiken und konnte auch nur schlechte Verkaufszahlen verbuchen. Erst im letzten Jahrhundert erkannten viele Dichter – zum Beispiel Hermann Hesse – seine Qualitäten und nutzten es als Inspirationsquelle für ihre eigenen Werke.

1816 wurde Goethe im Zuge der Modernisierung der Verwaltung des Herzogtums Sachsen, die Oberaufsicht über alle kultur – wissenschaftlichen Institutionen übertragen, eine Arbeit, die wie auf ihn zugeschnitten war. Deswegen übte er sie auch bis zu seinem Tod aus. Außerdem gründete er in diesem Jahr noch die Zeitschrift „Über Kunst und Altertum in den Rhein – und Maingegenden“, die sich mit dem im Titel genannten Thema beschäftigte und bis 1832 publiziert wurde (ab 1818 allerdings aufgrund von Allgemeingültigkeit, nur noch unter dem Namen „Über Kunst und Altertum).

Nachdem sie bereits 1815 einen Schlaganfall erlitt und 1816 an einer Harnvergiftung erkrankte, starb Goethes Frau Christiane unter größten Qualen im Beisein ihres Gatten am 6. Juni 1816. Goethe war darüber so traurig, dass er bei ihrem Begräbnis am 8 Juni fehlte.

1817, gab Goethe die Leitung des Weimarer Hoftheaters ab und übernahm stattdessen die Neuordnung der Bibliotheken in Weimar und Jena, was ihm sehr gefiel. Bisweilen lebte er sogar in Jena.

Aber er wurde immer älter und kränkelt auch mehr und mehr. So hatte er zum Beispiel Nierenkoliken, häufig Schwindelanfälle und Atemnot.

Trotzdem arbeitete er weiter an neuen Werken. So setzte er ab 1821 mit „Wilhelm Meisters Wanderjahre“ seinen Bildungsroman von 1796 fort, den er, ähnlich wie

„Faust II“, bis zu seinem Tod überarbeitete. Dieser Roman wird heute allerdings nur ungern gelesen, da er sehr schwierig ist.

1823 ereilte ihn wieder eine schwere Krankheit, die er bei einer Kur in Böhmen auskurierte, wo er sich in die damals neunzehnjährige Ulrike von Levetzow verliebte und ihr sogar einen Heiratsantrag machte. Sie lehnte jedoch ab, was mit Sicherheit an dem Altersunterschied von beinahe sechzig Jahren gelegen hat.

Bald darauf begann er mit der Arbeit zur vollständigen Veröffentlichung seiner Werke. Er erhielt dafür ein Honorar von 60000 Talern und der Verleger Cotta brachte von 1827 – 1832 vierzig Bände und von 1832 – 1852 noch einmal zwanzig Bände heraus.

Nachdem Goethe in den letzten Jahren schon einige seiner Freunde verloren hatte, starb 1827 Charlotte von Stein im Alter von vierundsiebzig Jahren und 1828 Carl August als Siebzigjähriger. Zwei Menschen also, mit denen er beinahe sein ganzes Leben lang befreundet war. Seine Trauer war dementsprechend groß und von da an hatte er schwere Depressionen. In den letzten Jahren hatte er oft mit ansehen müssen, wie viel seiner Freunde sterbe mussten (sicherlich eine schmerzliche Erfahrung für einen alten Mann) und er sah die folgenden Jahre seines Leben nur noch als Geschenk an, denn eigentlich, so dachte er, müsste er auch schon lange Tod sein (Aber er hatte ja noch eine Aufgabe zu erfüllen ...).

Als am 10. November 1830 auch noch sein Sohn August starb, kam es dann, wie es kommen musste. Bis jetzt hatte Goethe all die schmerzlichen Erlebnisse noch ohne weitere gesundheitliche Schäden weggesteckt, doch diesmal nicht. Circa zwei Wochen nach Augusts Tod platzte Goethe eine Ader in der Speiseröhre und ein Blutsturz ereilte ihn. Er führte dies selbst auf die schlimmen Ereignisse der letzten Zeit und der angestrengten Arbeit am „Faust II“ zurück.

Am 22. März verstarb er schließlich in der Mittagsstunde im Beisein einiger seiner Verwanden und angeblich mit den Worten„Mehr Licht!“.

Am 26. März wurde er in der Fürstengruft des Weimarer Friedhofes beerdigt.

2. Kapitel Werke

2.1. Eine kleine Auswahl

„Die Leiden des jungen Werther“

Gattung:

monologischer Briefroman

Erstveröffentlichung:

Die erste Fassung mit dem Titel „Die Leiden des jungen Werthers“ wurde 1774 in Leipzig veröffentlicht; eine zweite, leicht veränderte Fassung, „Die Leiden des jungen Werther“, erschien 1787 ebenda.

Handlung:

Goethes erster großer Erfolg aus der Sturm und Drang Zeit ist ein Briefroman, in dem, wie der Titel es schon anzeigt, die Leiden des jungen intellektuellen Werthers – der symbolisch für den Gedanken des Sturm und Drangs steht und die spießige Gesellschaft verachtet – dargestellt werden. Dabei schreibt dieser immer wieder Briefe an einen Freund, worin er seine Erlebnisse, Gedanken und Gefühle preisgibt. Die jeweiligen Antworten werden nicht wiedergegeben. Das Ganze spielt in dem Zeitraum von Mai 1771 bis Dezember 1772.

Nachdem Werther als eine Art Aussteiger in eine neue ländliche Umgebung kommt, macht er dort die Bekanntschaft mit Lotte, in die er sich sofort hoffnungslos verliebt, denn sie ist bereits mit Albert verlobt und wird ihn auch heiraten. Werther, der deswegen ganz verzweifelt ist, entfernt sich daraufhin von Lotte um am Hof zu arbeiten, in der Hoffnung, dass sich seine Gefühle wieder normalisieren könnten. Doch es hat keinen Zweck und so sucht er wieder die Nähe von Lotte, die inzwischen verheiratet ist. Nun ist Werther ganz am Boden zerstört und sieht als letzte Möglichkeit nur noch den Selbstmord, den er kurz vor Weihnachten begeht. Er wird durch den fiktiven Herausgeber beschrieben, genauso wie die letzten Tage in Werthers Leben. Dieser letzte Teil des Romans ist mit „Der Herausgeber an den Leser“ überschrieben.

Der Roman wird aus der Perspektive des lyrischen Ichs verfolgt, was damals eine neue Erzählform im deutschsprachigen Roman war und somit im Gegensatz zur Aufklärung steht, was Werthers Standpunkt zur Gesellschaft noch mehr unterstützt.

(vergleiche mit Literaturverzeichnis: Nr. 8 – Goethe, Leiden Werthers)

(Auszug siehe Anhang – Seite 8, Abb. 18)

Info:

(Reaktionen auf den Roman siehe Seite 10)

Goethes Roman, bzw. dessen Motive wurden sehr häufig bearbeitet. Zu nennen wären zum Beispiel die Oper „Werther“ von Jules Émile Frédéric Massenet, die 1892 uraufgeführt wurde, sowie der Roman „Die neuen Leiden des jungen W.“ von Ulrich Plenzdorf, der 1972/73 in der DDR erschien (darin wurden die Konflikte aus Goethes Roman auf die gesellschaftlichen Umstände der DDR übertragen). Außerdem sind bereits mehrere Verfilmungen des Romans erschienen.

„Herrmann und Dorothea“

Gattung:

Versepos

Erstveröffentlichung:

1797 in Berlin

Handlung:

„Herrmann und Dorothea“ ist Goethes Kommentar zur Französischen Revolution, deren Ideale er bewunderte, die Art und Weise, mit der vorgegangen wurde um diese umzusetzen, er jedoch ablehnte. Er stellt hier eben jener Revolution das Bild einer Familienidylle gegenüber und es geht wieder um eine Liebesgeschichte, die diesmal allerdings glücklich endet.

Die bürgerliche Familie eines Wirts lebt in einer kleinen Stadt rechts vom Rhein. Es ist eine sehr glückliche und zufrieden Familie und wie schon genannt herrscht eine ausgeprägte Idylle in ihrem Leben. Diese Idylle gerät jedoch durch die Französische Revolution in Gefahr und stößt die Menschen aus ihrem gewohnten Alltag. Am Ostrand der Stadt leben Flüchtlinge aus Frankreich in armen Verhältnissen, was zur Folge hat, dass einige Familien für sie Spenden. Als der Sohn Herrmann der besagten Familie die Spenden abliefern will, lernt er das französische Flüchtlingsmädchen Dorothea kennen, von der er sofort angetan ist und die er, wie er seiner Mutter gesteht, zur Frau nehmen will. Das allerdings sieht der Vater nicht gern, da er seinen Sohn lieber reich verheiratet wissen will. Herrmann versucht ihn daraufhin davon zu überzeugen, dass das Mädchen gut für ihn ist und so werden Erkundungen durch den Apotheker angestellt. Dieser kann Herrmanns Aussage bestätigen. Er beschreibt das Mädchen außerdem als Musterbild von menschlicher Tugend, da sie hilft wo sie nur kann, was den Vater schließlich überzeugt. Herrmann begibt sich also in das Lager um Dorothea die freudige Nachricht zu überbringen und sie zu seiner Frau zu nehmen. Daraufhin kommt es noch zu einer Verwechslung, denn Herrmann drückt sich ihr gegenüber ungeschickt aus und sie denkt deswegen sie wird als Dienstmagd angestellt. Letztendlich wird das Missverständnis aufgeklärt und die Beiden werden verlobt. Am Ende geht ein Gewitter auf das Land herunter, wodurch gekennzeichnet wird, dass zwar draußen der Sturm, der hier mit der Französischen Revolution gleichgesetzt wird, tobt, aber letztendlich vorbeiziehen und damit zuende gehen wird. Die Liebe von Herrmann und Dorothea jedoch bleibt und symbolisiert denn Frieden.

(vergleiche mit Literaturverzeichnis: Nr. 8 – Goethe, Herrmann und Dorothea)

Info:

Goethe schrieb dieses Versepos nach Motiven, von denen er wusste, dass sie das Publikum ansprechen würden, was mit einem Kommentar, den er am 3. Januar 1798 an Schiller schrieb, belegt wird:„In Herrmann und Dorothea habe ich, was das Material betrifft, den Deutschen einmal ihren Willen gethan und nun sind sie äußerst zufrieden.“(Literaturverzeichnis: Nr. 9 – Seite 300) Tatsächlich konnte das Werk einen enormen Erfolg für sich verbuchen (allein zu Goethes Lebzeiten erfuhr es zahllose Auflagen) und Goethe erlangte dadurch eine ähnliche internationale Annerkennung und Ruhm, wie nach der Veröffentlichung von „Die Leiden des jungen Werther“. Es wurde in viele europäische Sprachen übersetzt, darunter sogar ins Griechische und Lateinische.

„Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit“

Gattung:

Autobiographie

Erstveröffentlichung:

Tübingen 1811 –1813 (Teil 1 – 3), Stuttgart 1833 (Teil 4)

Inhalt:

Man kann dieses Werk Goethes eigentlich nicht direkt als eine Autobiographie bezeichnen, denn es ist „nur“ eine Ansammlung von Erlebnissen, die Goethe wiedergibt, weil er sie als wichtig für seine persönliche Entwicklung empfand. Dabei erhält man zwar ein genaues Bild der Goethe Zeit in der Mitte des 18. Jahrhunderts, über sein Seelenleben erfährt man jedoch so gut wie nichts, was daran liegt, das er seine Entwicklung an äußeren Faktoren festmacht und dargestellt wird, wie er auf seine Umwelt einwirkte.

Goethe schrieb diese Werk bereits zwanzig Jahre vor seinem Tod und es sind auch nur die Jahre von seiner Geburt bis 1775 enthalten. Das Werk ist in vier Teile gegliedert, die wiederum auf insgesamt zwanzig Bücher verteilt wurden.

Der erste Teil behandelt sein Kindheit, einer der prägendsten Abschnitte in Goethes Leben. Hier erzählt er zum Beispiel von seinem Elternhaus und welche Erfahrungen er damit verbindet. Außerdem werden solche wichtigen Ereignisse wie das Erdbeben von Lissabon und die Ereignisse des „Siebenjährige Krieg“ mit der Besetzung der Stadt durch die französischen Truppen wiedergegeben, sowie die Kaiserkrönung in Frankfurt von Joseph II. im Jahre 1764.

Auch seine wachsende Begeisterung für das Theater wird dargestellt und er beschreibt, wie er damals das erste mal mit den Volksbüchern des Doktor Faustus in Berührung kam.

Im zweiten Teil wird von seiner Studienzeit in den Jahren 1768 bis 1770/71 erzählt. Goethe gibt zu verstehen, dass zwar seine Erfahrungen aus Leipzig eher enttäuschend waren, weil sie nicht seine Jugenderwartungen erfüllt hatten, er seine Zeit in Straßburg jedoch als sehr wichtig für ihn empfand, was zum größten Teil an seiner Begegnung mit Herder lag.

Im dritten Teil wird über die Jahre 1771 bis 1774 berichte, also jene Jahre, als Goethe seiner ersten Anstellung als Jurist nachging und er sich auch den jungen Literraten des Sturm und Drang anschloss. Außerdem erwähnt er erstmals seine Werke, wie zum Beispiel den „Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand“

Der vierte Teil wurde erst viel später verfasst und auf Wunsch Goethes erst nach seinem Tod veröffentlicht. Darin wird 1775 beschrieben, also zum Beispiel die Reise in die Schweiz und seine Liebe zu der Frankfurterin Lili Schönemann. Der letzte Teil endet mit Goethes Fortgang nach Weimar.

(vergleiche mit Literaturverzeichnis: Nr. 8 – Goethe, Dichtung und Wahrheit)

Info:

Aufgrund der einfachen Erzählweise, die Goethe angewandt hat, um seine Erlebnisse wiederzugeben, ist es eines seiner schönsten, beliebtesten und angenehm zu lesendsten Werke überhaupt geworden.

2.2. Faust

2.2.1. Entstehung (1765 – 1832)

„Es ist keine Kleinigkeit, das was man im zwanzigsten Jahre concipirt hat, im 82. außer sich darzustellen und ein solches inneres lebendiges Knochengeripp mit Sehnen, Fleisch und Oberhaut zu bekleiden, auch wohl dem fertig Hingestellten noch einige Mantel – falten umzuschlagen, damit alles zusammen ein offenbares Räthsel bleibe, die Menschen fort und fort ergetze und ihnen zu schaffen mache.“(Literaturverzeichnis: Nr. 9 – Seite 417)

Dies schrieb Goethe am 1. Juni 1831 an Zelter.

Schon in seiner Kindheit kam er mit dem Stoff des Deutschen Doktor Faustus in Berührung.

Dieser Mann, der schon zu Lebzeiten eine Art Legende war, wurde um 1480 in Württemberg geboren und man ermordete ihn vermutlich um 1540 im Breisgau. Er war eine Art Hochstapler, der sich sämtliche Titel der Medizin, Astronomie und Zauberei selbst verliehen hatte um damit ahnungslose Bauern ebenso wie Angehörige des Hochadels reinzulegen. Deswegen war er natürlich sehr unbeliebt und musste oft eine Stadt eilig verlassen, um in der nächsten wieder Unterschlupf zu finden.

Dieser Mann, bzw. die Legende, beschäftigte seit seinem Tod viele Schriftsteller, sodass bis heute eine regelrechte „Faustliteratur“ zustande gekommen ist.

Schon 1587 erschien die berühmte „Historie von D. Johann Faust“ als Volksbuch auf dem Markt. Im darauffolgendem Jahr schrieb Christopher Marlowe seine dramatische Version vom „Doktor Faustus“. Lessing schuf als letzter großer Schriftsteller vor Goethe ein Werk über Faust, was allerdings unvollendet blieb. Nach Goethe folgten noch einige weitere nennenswerte Schriften des Fauststoffes. So zum Beispiel „Don Juan und Faust“ (1829) von Christian Dietrich Grabbe und der Roman „Doktor Faustus“ von Thomas Mann.

Als Goethe 1753 zu seinem viertem Weihnachtfest das legendärgewordene Puppentheater von seiner Großmutter bekam, lernte er damit das damals sehr populäre Puppenspiel vom „Doctor Faustus“ kennen. Daneben kaufte er sich immer kleine Jahrmarktsheftchen mit deutschen Sagen und Motiven aus Volksbüchern. Auch dadurch wurde er mit der Faustthematik in Verbindung gebracht.

Wahrscheinlich schrieb er in den Jahren 1772 bis 1775 die ersten Szenen aus

„Faust I“ nieder, denn einige seiner Freunde berichteten schon davon und bescheinigten sogar einen recht großes Vorankommen im Schreiben Goethes. Man glaubt aber heute eher, dass Goethe nur einen kleinen Teil seiner „Tragödie“ geschrieben hatte und denn Rest bei den Vorlesungen aus dem Stehgreif hinzu dichtete.

Jedenfalls soll die „Gretchentragödie“ schon am Beginn der Arbeit gestanden haben, was auch erklärbar erscheint. Denn als zweiundzwanzigjähriger Dichter und Anwalt war er mit einem Fall von Kindestötung in Kontakt gekommen. Die fünfundzwanzigjährige Susanna Margaretha Brand wurde in Frankfurt eben jenes Deliktes beschuldigt, angeklagt und zur Hinrichtung verurteilt. In dem Prozess gab sie mehrfach zu Protokoll, dass der Teufel sie bei ihrem Handeln gelenkt haben müsse. Goethe verfolgte den Fall aufmerksam und ließ sich höchstwahrscheinlich davon „inspirieren“. Das heißt, das er diese Szene nach dem reellen Vorbild gestaltete, weil es so bewegend und erschütternd für ihn war (Schnief!).

Doch schon bald danach kam die Arbeit sehr ins Stocken und wurde fürs erste gänzlich eingestellt.

1777/78 schrieb die Weimarer Hofdame Luise von Göchhausen den bis dahin entstandenen Text von Goethes Faust ab, der uns heute als sogenannter „Urfaust“ bekannt ist. Inwieweit sie ihn vollständig und korrekt notierte, ist heute nicht mehr nachzuweisen.

Erst 1786 versuchte Goethe erstmals, anlässlich der ersten autorisierten Veröffentlichung seiner Werke, den „Faust“ abzuschließen. Vergebens.

Auch auf seiner fundamentalen Italienreise in den Jahren 1786 – 1788 arbeitete er an dem Manuskript und es entstanden die Szenen „Hexenküche“ und „Wald und Höhle“.

Doch auch damals brachte er es nicht zustande das Werk abzuschließen. Daran kann man schon erkennen, was es Goethe bedeutete und wie schwierig und anstrengend es für ihn war daran zu schreiben. Denn schließlich vollendete er in Italien einige seiner wichtigsten Werke überhaupt („Egmont“, „Iphigenie“).

Aber Goethe hütete sich etwas in seinem Werk zu streichen und „eine Zeile niederzuschreiben, die nicht gut war und die nicht bestehen konnte.“ (Goethe an Eckermann; Literaturverzeichnis: Nr. 9 – Seite 417)

Im Revolutionsjahr 1789 legt er die Arbeit abermals nieder. Erst nachdem er sich ausführlich mit der Französischen Revolution beschäftigt und sein Freund Friedrich Schiller ihn zur Fortsetzung gedrängt hatte (er war ganz begeistert, von dem was er bis dahin gelesen hatte und wollte es deswegen so weit wie nur irgendwie möglich mit verfolgen), begann Goethe 1797 wieder intensiver am „Faust“ zu arbeiten. Die drei prologartigen Szenen „Zueignung“, Vorspiel auf dem Theater“ und der „Prolog im Himmel“ entstanden.

Das Werk gedieh unter anstrengender Arbeit weiter und am 4. April 1800 wurden Goethe 4000 Gulden als Honorar von seinem Verleger Cotta geboten (das waren 850 Gulden mehr als ein Jahresgehalt, was Goethe als Minister bezog).

In diesem Jahr fasste Goethe auch den Plan der zweiteiligen Faustdichtung und begann schon einige Akte des zweiten Teils zu verfassen.

1806 vollendete er schließlich „Der Tragödie erster Teil“, veröffentlichte sie allerdings – bedingt durch die napoleonischen Kriege – erst 1808 in dem achtem Band der Goetheschen Werke. Daraufhin avancierte er zu einer Art Popstar, der sich kaum noch irgendwo ungesehen blicken lassen konnte und dessen Haus von Fans beinahe umlagert wurde.

Es war gewiss kontrovers. Schon der Druck war mit großen Textverlusten verbunden und als es auf die Bühne gebracht werden sollte (die erste Aufführung fand am 19. Januar 1829 in Braunschweig statt), wurden noch mehr politisch und moralisch anstößige Stellen entschärft (mit Goethes Erlaubnis!), um nicht einen allzu großen Skandal zu provozieren. Das blieb auch noch ein Weile so; so wurde zum Beispiel in Dresden erst 1907(!) „Faust“ im Originaltext aufgeführt.

Nachdem er sich sofort nach der Veröffentlichung des ersten Teils von Faust mit seinem Sekretär Riemer über den zweiten Teil unterhalten hatte, vernachlässigte er die Arbeit alsbald wieder zugunsten von anderen Spätwerken („Wahlverwandtschaften“ [1809], „Zur Farbenlehre“ [1810] und seine Autobiografie ab 1811). So kam es, dass er die Passagen, die er schon lange geschrieben hatte, mit in seine „Dichtung und Wahrheit“ aufnehmen wollte, da er nicht mehr so richtig daran glaubte, dass er den zweiten Teil noch zustande bringe würde.

Erst 1825 begann Goethe wieder an „Faust II“ zu schreiben. Er hatte sich wieder mehr für den Stoff interessiert und wollte nun aus den Bruchstücken noch ein Ganzes formen.

Von da an schrieb er mit großem Eifer, beinahe jeden Tag an dem Stück. Trotz der Tode vieler seiner Freunde, war er, literarisch gesehen, noch einmal so richtig aufgeblüht und arbeitete mit der Energie eines jungen Manns.

Dennoch machte sich das Alter dann auch bei ihm bemerkbar. In der Nacht vom 25. zum 26. November 1830 hatte Goethe ein Blutsturz, wobei er beinahe 2 Liter (!) Blut verlor.

Nachdem er sich davon wieder erholt hatte, arbeitete er kontinuierlich am

„Faust II“ weiter, denn er hatte sich vorgenommen das Drama vor seinem 83. Geburtstag zu beenden – was er diesmal auch schaffte. Am 20. Juli 1831 schrieb er einen Brief an seinem Freund Meyer, mit dem er ihm die freudige Nachricht überbrachte.

Am 22. März 1832 starb Goethe und zur Ostermesse im darauffolgendem Jahr, lag „Der Tragödie zweyter Theil in fünf Acten“ als Band 1 der hinterlassenen Werke der neugierigen Leserschaft vor; dreiundvierzig Jahre nachdem ihr der sich ständig vervollkommnen wollende Doktor Faust im ersten veröffentlichten „Faust“ – Fragment vorgestellt wurden war.

2.2.2. Bedeutung, Handlung, Deutungsaspekte

Bedeutung:

Das Lebenswerk von Goethe ist gleichzeitig sein wichtigstes und bedeutendstes Werk überhaupt. Aufgrund seiner Entstehungszeit und dem Zeitraum (Mitte 1770er bis 1832), in dem es zustand gekommen ist, gilt es als wirkungsreichstes Werk in der Epoche der Klassik. Denn in diesem Werk wurde eben dieser Zeitraum, der für die Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft so wichtige war, perfekt beobachtet und zu Papier gebracht, was uns das damalige Leben in Deutschland sehr gut veranschaulicht.

Goethes „Faust“ ist ebenso einer der meistinterpretiertesten Texte der Literaturgeschichte, was womöglich daran liegt, dass er so vielschichtig, symbol – und anspielungsreich ist und einen nahezu unerschöpflichen Reichtum an Einfällen besitzt.

Schon oft inspirierte der Text Regisseure zu spektakulären Inszenierungen, wie zum Beispiel die einundzwanzigstündige Aufführung beider Teile von Peter Stein, anlässlich der EXPO 2000 in Hannover. Außerdem fasziniert der Stoff und wie Goethe ihn in den verschiedenen, komplexen Arbeitsphasen umgesetzt hat.

Handlung:

„Faust I“ beginnt mit den drei prologartigen Szenen „Zueignung“, „Vorspiel auf dem Theater“ und dem „Prolog im Himmel“. Sie stellen eine Art Übersicht über die Szenenfolge dar. Danach beginnt das Drama mit der Szene „Nacht“, in der dem Leser, bzw. dem Zuschauer, Fausts Problem vorgeführt wird. Der Gelehrte, der „Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie“ (Literaturverzeichnis: Nr. 5 – Seite 15) studiert hat, will die inneren Zusammenhänge der Welt erfassen können, hat aber mitbekommen, dass er dieses Ziel nicht durch wissenschaftliche Betrachtungen erreichen wird. Er entschließt sich darauf, sich selbst zu töten, woran er allerdings wegen den Gesängen der Osternacht gehindert wird, was eigentlich eine hoffnungsvolle Erfahrung für ihn sein sollte, es allerdings nicht ist. Daraufhin erscheint ihm Mephistopheles, der Faust anbietet sein Diener zu werden und ihm bei der Bewerkstelligung seines Problems behilflich sein will. Er will ihm das Leben zeigen, mit all seinen positiven wie auch negativen Seiten. Faust jedoch wettet dagegen und behauptet, das dieses Vorhaben nicht möglich sei. Also zieht Mephistopheles mit Faust durch die Welt und zeigt sie ihm. So zum Beispiel besuchen sie ein Saufgelage von Studenten in einem Leipziger Keller, was Faust jedoch aufgrund der Plattheit abstoßend findet. Daraufhin wird er in eine Hexenküche gebracht, wo er verjüngt wird und sich in das Bild einer unbekannten Frau verliebt.

Kurz darauf verliebt sich Faust in das bürgerliche Mädchen Margarethe, was den Beginn der berühmten Gretchentragödie darstellt. Aufgrund Fausts fanatischem Streben nach Besitz und Erkenntnis endet die Liebesbeziehung in einer Katastrophe. Margarethes Familie wird vollkommen ausgelöscht und sie selbst zum Tod wegen Kindesmord verurteilt. Als Faust sie am Schluss des ersten Teils aus der Zelle befreien will, lehnt sie dessen Hilfe ab. Kurz davor in dem Stück wird dieser Tragödie mit der „Walpurgisnacht“ – in der eine Art Orgie von teuflischen Geschöpfen gefeiert wird – ein Bild gegenübergestellt, was zwar eine Umkehrung der bürgerlichen Moralvorstellung, nicht aber deren Gegenbild ist. (vergleiche mit Literaturverzeichnis: Nr. 8 – Goethe, Faust)

Den zweiten Teil des Dramas bestimmt ein anderer Stoff: weltgeschichtliche und explizit politische Dimensionen, mythologische und historische Anspielungen, philosophische und ästhetische Reflexionen, eine Fülle der Figuren, Schauplätzen und Zeitebenen, wenn das Drama etwa an mittelalterlichen Schauplätzen, im antiken Griechenland und in Phantasieszenarien spielt. Anders als im ersten Teil mit seiner eher einheitlichen, eingeschränkten Perspektivierung wird eine Vielfalt entworfen, an der sich dennoch zeigt, wie wenig Faust diese Ganzheit als ungebrochene erfassen kann: Gerade indem er versucht sich ihrer zu ermächtigen, entfernt er sich von seinem Ziel.

(Literaturverzeichnis Nr. 8 – Goethe, Faust)

Faust verliebt sich diesmal in Helena, die für ihn das Ideale, das absolut Schöne darstellt. Sie bestimmt auch die eigentliche Handlung des zweiten Teils. Der gesamte Dritte von den fünf Akten ist der sogenannte „Helena Akt“. Sie und Faust haben darin eine Sohn, Euphorion, der symbolisch für das Glück und die Verbindung der Beiden steht. Als er stirbt verliert Faust auch Helena und von da an geht es für ihn abwärts. Nach einigem Geplänkel, das vom zerstörerischen Verhalten Fausts geprägt ist, stirbt er am Schluss in der Illusion eine Allgemeinheit erreicht zu haben.

(vergleiche mit Literaturverzeichnis: Nr. 8 – Goethe, Faust)

Deutungsaspekte:

Einer der wichtigsten Aspekte, der bei der Interpretation des Dramas zu beachten ist, ist die Tatsache, dass Goethe den Text über sein gesamtes „Schriftstellerleben“ verfasst hat. Nicht nur, dass er sich persönlich entwickelt hatte, bzw. das Leben um ihn herum. Er durchlief dabei auch zwei Literaturepochen, nämlich die des Sturm und Drangs und die der Weimarer Klassik, deren Merkmale es zu beachten gilt. Auch die Schriften der Mystiker und Alchemisten Paracelsus und Emanuel Swedenburg, von denen sich Goethe bei der Gestaltung des Textes inspirieren ließ, sind mit hinzuzunehmen.

Wichtig sind sicherlich auch die vielen Anspielungen, Motive, die Vielfalt der metrische Formen und der einzelnen Gattungen innerhalb des Stücks, sowie der ironische Umgang mit dem bürgerlichen Individuum. (vergleiche mit Literaturverzeichnis: Nr. 8 – Goethe, Faust)

3. Literaturverzeichnis

Anmerkung:

Im Text steht hinter einem Zitat oder einer Textstelle, die so oder ähnlich aus einer Fachliteratur entnommen wurde, in Klammern erst der Verweis auf das Literaturverzeichnis, dann die Nummer, mit der die entsprechende Literatur im Literaturverzeichnis gekennzeichnet ist und dahinter die jeweilige Seitenzahl, von der etwas übernommen wurde.

1. Autorenkollegium (Leiterin: Müller – Hegemann, Anneliese): Meyers Jugendlexikon:

a – z. 3. neubearbeitete Aufl. Leipzig: VEB Bibliografisches Institut, 1973

2. Autorenkollegium (Leiter: Mohr, Ulrich): Neues Lexikon von A – Z. 1. neubearbeitete Aufl. Hamburg: Merit – Verlag, 1992

3. Bode, Wilhelm: Goethe in vertraulichen Briefen seiner Zeitgenossen: Band 1.

1. Aufl. Berlin: Aufbau – Verlag Berlin und Weimar, 1979

4. Dreßler, Roland: Faust: Der Tragödie erster Teil. Prospekt, herausgegeben vom

Mittelsächsischen Theater als Beigabe zum Theaterbesuch, 1999

5. Goethe, Johann Wolfgang von: Faust: Der Tragödie erster Teil. 1. Aufl. Husum:

Hamburger Lesehefte Verlag – Husum/Nordsee, Jahr nicht angegeben

6. Goethe, Johann Wolfgang: Stängelblätter: Selbstzeugnisse und Ansichten.

1. Aufl. Berlin: Der Kinderbuchverlag Berlin – DDR 1981, 1981

7. Klauß, Jochen: Goethe unterwegs: Eine kulturgeschichtliche Betrachtung. 1. Aufl.

Weimar: Nationale Forschungs – und Gedenkstätten der klassischen deutschen Literatur in Weimar, 1989

8. MultiMüller GmbH: Das große Lexikon 2001. 1. Aufl. Düsseldorf: Data Becker, 2000

9. Seehafer, Klaus: Mein Leben ein einzig Abenteuer: Johann Wolfgang Goethe – Biografie. 1. Aufl. Berlin: Aufbau – Verlag, 1998

10. Victor, Walther: Goethe: gestern und morgen. 1. Aufl. Berlin: Aufbau – Verlag Berlin und Weimar, 1965

4. Anhang

Johann Wolfgang von Goethe – Zeittafel

- am 28. August 1749 in Frankfurt am Main geboren
- Vater: Johann Caspar Goethe; Mutter: Catharina Elisabeth Textor; Schwester: Cornelia
- wohlhabende Familie
- wurde durch Vater und Hauslehrer unterrichtet
- 1765: Beginn des Jurastudiums in Leipzig
- erster literarischer Erfolg mit dem Gedichtband „Annette“ (schon erste Anzeichen des Sturm und Drang – Stiles)
- ab 1770 Studium in Straßburg (Chemie, Anatomie, Chirurgie)
- lernt Herder kennen, der ihm die Literatur Homers und Shakespeares näher bringt und ihn damit inspiriert
- Sommer 1771: Abschluss des Studiums
- Goethe wird Anwalt in Frankfurt; ist dabei sehr erfolgreich
- 1772: theoretische Entwicklung des Sturm und Drang im Kreis von anderen Intellektuellen
- 1773: erster literarischer Erfolg mit „Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand“ >> Beginn der Autorenkarriere
- 1774: sensationeller Erfolg mit dem Briefroman „Die Leiden des jungen Werthers“
- 1775: Wechsel nach Weimar
- wird Minister
- beginnt dort mit Naturforschung
- 8. Juni 1777: Tod von Schwester Cornelia
- ca. 1777/78: Urfaust
- 1784: Goethe entdeckt den Zwischenkieferknochen beim Menschen
- 1786 – 1788: erste Italienreise; wichtigste Reise in Goethes Leben (Beginn des Wandels zur Klassik)
- 1788: Goethe beginnt Verlobung mit Christiane Vulpius
- 5. September 1788: erstes Treffen mit Schiller
- 1789: Geburt des Sohnes August
- 1792: Goethe an der Kriegsfront der Französischen Revolution
- 1794: Schiller gründet die Zeitschrift „Die Horen“ (wichtigste Literaturzeitschrift der Klassik) >> Beginn der Zusammenarbeit Goethe – Schiller
- endgültiger Wandel zur Weimarer Klassik
- 1797: erneut sensationeller Erfolg mit dem Versepos „Herrmann und Dorothea“
- 9. Mai 1805: Tod Schillers >> schwere Krise für Goethe
- 1806: Heirat mit Christiane Vulpius und Beendigung vom „Faust I“
- 1808: Goethe hat eine Audienz bei Napoleon und erhält das Kreuz der Ehrenreligion
- ebenfalls 1808: Veröffentlichung von „Faust I“
- 1816: Goethe erhält Oberaufsicht über alle Landesanstalten für Kunst und Wissenschaft im Herzogtum Sachsen >> erledigt diese Arbeit bis zu seinem Tod
- ebenfalls 1816: Ehefrau stirbt
- 1823: Bekanntschaft mit Ulrike von Levetzow >> Heiratsantrag von Goethe >> abgelehnt
- bis 1831 angestrengte Arbeit für die vollständige Veröffentlichung von Goethes Werken und 1831 Beendigung von „Faust II“
- 1830: Tod von Sohn August
- 22. März 1832: Johann Wolfgang von Goethe stirbt

Bildverzeichnis

Anmerkung:

Genauere Quellenangaben entnehmen sie bitte dem Literaturverzeichnis auf Seite 26 des Hauptteils.

Titelbild:

Goethe. Lithografie von Henri Grévédon nach der verschollenen Zeichnung von Ernst Adamowitsch Kiprenskij (1823). Sie ist dem Buch „Goethe – gestern und morgen“ von Walther Victor entnommen.

Details

Seiten
29
Jahr
2000
Dateigröße
589 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v107881
Note
Präsentat
Schlagworte
Goethe Johann Wolfgang Leben Werke

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Titel: Goethe, Johann Wolfgang von - Leben und Werke