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Christliche Religionsgemeinschaften in Zittau 1933-1945

Facharbeit (Schule) 2003 33 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg

Leseprobe

Gliederung

Einleitung

A Forschungsergebnisse
1 Evangelisch-lutherische Kirche
1.1 Evangelische Kirche im Dritten Reich
1.2 Sächsische Landeskirche im Dritten Reich
1.3 Vorbemerkung zur Kirchgemeinde Zittau
1.4 Zittauer Kirchgemeinde im Dritten Reich
1.5 “Nichtarische Christen” in der Zittauer Kirchgemeinde
1.6 Entnazifizierung der Zittauer Kirchgemeinde
2 Römisch-katholische Kirche
2.1 Katholische Kirche im Dritten Reich
2.2 Vorbemerkung zur katholischen Kirchgemeinde Zittau
2.3 Gemeindeleben und Jugendarbeit
2.4 Katholische Kirche und Schule
2.5 Verfolgung
3 Zeugen Jehovas
3.1 Zeugen Jehovas im Dritten Reich
3.2 Vorbemerkung zu Zeugen Jehovas in Zittau
3.3 “Prozess gegen Ernst S. und 19 andere Bibelforscher”
3.4 Richard und Willfried Leubner
3.5 Weitere Fälle
4 Weitere christliche Religionsgemeinschaften
4.1 Vorbemerkung zu den weiteren christlichen Religionsgemeinschaften
4.2 Neuapostolische Gemeinde
4.3 Gemeinschaft der Siebten-Tags-Adventisten
4.4 Christlich-Wissenschaftliche Vereinigung (Christian Science Society)
4.5 (Kirchenfreie) Christliche Gemeinschaft
4.6 Evangelische Gemeinschaft, Katholisch-apostolische Gemeinde, Reformiert-apostolische Gemeinde
5 Kirchliche und kirchenunabhängige christliche Vereine
5.1 Römisch-katholische Vereine
5.2 Evangelisch-lutherische Vereine
5.3 Weitere Vereine

B Forschungsprozess
1 Archive
2 Religionsgemeinschaften und Vereine
3 Institutionen, Gedenkstätten, Bibliotheken, Wissenschaftler
4 Zeitzeugen
5 Weitere Quellen

C Auswertung
1 Zusammenfassung der Forschungsergebnisse
2 Auswertung des Forschungsprozesses

Quellenverzeichnis

Einleitung

1963 löste die Uraufführung des Dramas “Der Stellvertreter” einen Skandal nicht nur in der Theaterwelt aus: In dem “umstrittensten Schauspiel des 20. Jahrhunderts” (Hilde Spiel) beschuldigte der Schriftsteller Rolf Hochhuth Papst Pius XII., zum Holocaust geschwiegen zu haben und so mitschuldig an der Judenvernichtung zu sein. Hochhuths radikale Schuldzuweisung an den Papst hat bis heute an Brisanz nicht verloren. Noch 1986 entschuldigte sich der deutsche Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl “im Namen des deutschen Volkes” bei Papst Johannes Paul II., dass dessen “frommen Vorgänger [...] durch einen Schriftsteller deutscher Zunge Unrecht widerfahren” sei.[1] Nun, fast vierzig Jahre nach Uraufführung des Stückes, veröffentlicht der US-Politologe Daniel Jonah Goldhagen, Autor des umstrittenen Werkes “Hitlers willige Vollstrecker”, das heftig kritisierte Buch “Die katholische Kirche und der Holocaust. Eine Untersuchung über Schuld und Sühne”. Goldhagen versucht nicht nur die Mitschuld der katholischen Kirche am Holocaust zu beweisen, sondern behauptet auch, dass heute eine “gelassene und freimütige Diskussion über die Haltungen der Kirche und ihrer Geistlichen gegenüber Juden vor allem in der NS-Zeit” nicht möglich sei.[2]

Beide Veröffentlichungen und der Umgang mit ihnen zeigen die Problematik des Themas. Das Verhalten der Kirchen in der NS-Zeit ist der vielleicht umstrittenste Gegenstand bei der Beschäftigung mit der Geschichte des Nationalsozialismus. Die Frage nach Schuld und Verantwortung spielt hier eine besondere Rolle, galten und gelten doch die Kirchen vor allem im 20. Jahrhundert als bedeutende Institution zur Wahrung moralischer Grundsätze. Die Haltung der Kirchen in einer Zeit, in der diese Grundsätze - vor allem das alttestamentarische Tötungsverbot und die Aufforderung Jesu zur Nächstenliebe - in der durch die geschickte NS-Propaganda benebelten Gesellschaft eine immer geringere Rolle spielten, ist deshalb schwer zu beurteilen.

In der letzten Zeit nehmen auch die Forschungen zum Verhalten der kleineren christlichen Religionsgemeinschaften im Nationalsozialismus, die vorher stark vernachlässigt wurden, zu. Vor allem die Geschichte der Zeugen Jehovas im Dritten Reich wurde in den letzten Jahren durch von der Wachtturm-Organisation und von unabhängigen Historikern erarbeiteten Videos und Ausstellungen der Öffentlichkeit näher gebracht, die ein durchweg positives Bild der Religionsgemeinschaft zeichnen. Gleichzeitig wächst die Kritik am Verhalten der Wachtturm-Organisation gegenüber dem Nationalsozialismus - man spricht von anfänglicher Anbiederung und Anpassung -, was zeigt, dass nicht nur die Rolle der Kirchen, sondern auch die der kleinen Religionsgemeinschaften eine Streitfrage darstellt.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich sowohl mit den beiden großen Kirchen als auch mit den kleineren christlichen Religionsgemeinschaften in Zittau in der NS-Zeit. Im ersten Teil der Arbeit sollen die Ergebnisse der Forschungen zu den Kirchen und kleinen Gemeinschaften, die zwischen 1933 und 1945 in Zittau existierten, dargestellt werden, der zweite Teil fasst die Quellen - also Archive, Zeitzeugen u.a. - zusammen. Im abschließenden dritten Teil wird der Forschungsprozess ausgewertet, und die Ergebnisse werden kurz zusammengefasst. Auf eine (moralische) Wertung der Ergebnisse muss trotz oder gerade wegen der Brisanz des Themas verzichtet werden: Die Gefahr, vor allem aufgrund der noch lückenhaften Darstellung voreilige und ungerechtfertigte Schlüsse zu ziehen, wäre zu groß. Das Verhalten einer Religion in einem System wie dem Nationalsozialismus, also einer gegenüber anderen Anschauungen und den Religionen absolut intoleranten Ideologie, die von Anfang an Andersdenkende und Kritiker unerbittlich verfolgt hat, kann im Rahmen einer solchen Arbeit nur schwer bewertet werden. Des Weiteren würden dadurch erforderlich werdende Ausführungen über die Ursachen des kirchlichen Verhaltens in der NS-Zeit - also vor allem die Betrachtung der historischen Entwicklung der Kirchen in Deutschland und notwendigerweise auch eine theologische Diskussion - zu weit gehen.

Die Arbeit erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit: Als eine umfassende Darstellung lokaler kirchlicher Ereignisse im Zeitraum von 1933 bis 1945, wie sie für viele andere Orte und Regionen bereits erschienen ist, darf sie auf keinen Fall verstanden werden: So beschränkt sich diese Arbeit größtenteils auf die Haltung der Religionsgemeinschaften gegenüber dem NS-Regime. Das Vorgehen der Nationalsozialisten gegen die christliche Religion im Zittauer Alltag muss später, vor allem durch eine systematische Aufarbeitung der damaligen Tageszeitungen und nationalsozialistischen Propagandazeitschriften, untersucht werden.

Die Arbeit soll stattdessen als Zusammenfassung der Forschungsergebnisse einen Ansatz für eventuelle zukünftige Projekte darstellen, in denen die Rolle der Kirchen und der kleinen christlichen Gemeinschaften in Zittau nicht nur umrissen, sondern ausführlich und unter Einbeziehung aller zur Verfügung stehenden Quellen erforscht und dargestellt werden könnte. Zu zeigen, ob solche Forschungen überhaupt notwendig oder lohnend wären, soll Ziel der vorliegenden Arbeit sein.

Teil A- Forschungsergebnisse

1 Evangelisch-lutherische Kirche

1.1 Evangelische Kirche im Dritten Reich

Die evangelische Kirche stellte in Deutschland keine Einheit dar, da sie in 28 unabhängig voneinander existierende Landeskirchen gespalten war. Verunsichert durch die kirchenfeindliche Politik der Weimarer Republik,[3] begrüßte die evangelische Kirche die Machtübernahme der Nationalsozialisten. Geschlossenen Widerstand gegen die NS-Bewegung vor 1933, wie er bei der katholischen Kirche zu beobachten war, gab es nicht.[4] Mit den “Deutschen Christen” bildete sich 1927 sogar eine Kirchenbewegung, die den Nationalsozialismus als “göttliche Offenbarung” verstand: Die Deutschen Christen wollten eine “Synthese von Deutschtum und Christentum auf dem Hintergrund des aufsteigenden deutschen Faschismus” auf Grundlage eines “völkisch-nationalistisch orientieren geschichtstheologischen Ansatzes”[5] erreichen.

Das Ziel Hitlers war es, im Rahmen der Gleichschaltung die einzelnen Landeskirchen zu einer von einem ihm ergebenen Mann geführten Reichskirche zusammenzufassen. Der erste Schritt dahin war die Wahl Friedrich von Bodelschwinghs zum Reichsbischof am 27. Mai 1933. Bodelschwingh trat jedoch schon einen Monat später wegen der “deutschchristlichen Umtriebe” innerhalb der evangelischen Kirche zurück. Die von Hitler ausgerufene Kirchenwahl am 23. Juli 1933 ergab eine große Mehrheit für die Deutschen Christen, die somit auch die Wittenberger Nationalsynode im September 1933 dominierten. Die Synode beschloss die Gründung einer “Deutschen Evangelischen Kirche” (DEK) und wählte den deutschchristlichen Militärpfarrer Ludwig Müller als neuen Reichsbischof. 1934 wurden die einzelnen Landeskirchen nach und nach in eine “Reichskirche” eingegliedert, die Gleichschaltung schien somit gelungen.[6]

Bereits am 11. September 1933 hatte sich nach Einführung des Arierparagraphen für kirchliche Amtsträger in der preußischen Landeskirche der Pfarrernotbund unter Leitung des Berliner Pfarrers Martin Niemöller gegründet. Der Notbund stand in Opposition zu den Deutschen Christen.[7] Die Auseinandersetzung zwischen den beiden Gruppen in den folgenden wird mit dem Begriff “Kirchenkampf” bezeichnet. Beim Kirchenkampf handelte es sich allerdings nur um einen kirchlichen Konflikt, bei dem sich der Pfarrernotbund gegen extreme Verfremdungen der christlichen Lehre (beispielsweise gegen die Ansicht, Hitler sei von Gott gesandt) und gegen staatliche Eingriffe Hitlers in kirchliche Angelegenheiten protestierte. Um eine politische Auseinandersetzung handelte es sich dabei nicht, da die meisten evangelischen Geistlichen hinter dem nationalsozialistischen System standen.[8]

Während der Sportpalastskandal[9] die Deutschen Christen Ende 1933 in eine schwere Krise stürzte, wuchs die Mitgliederzahl des Pfarrernotbunds, der sich 1934 mit den entsprechenden Laienbewegungen zur “Bekennenden Kirche” zusammenschloss. In ihrer 2. Reichsbekenntnissynode in Berlin-Dahlem im Oktober 1934 beschloss die Bekennende Kirche das “kirchliche Notrecht”: Alle Gemeinden wurden aufgefordert, den deutschchristlichen Kirchenleitungen den Gehorsam zu verweigern und nur Anweisungen der Bekennenden Kirche zu akzeptieren. Durch diese Forderung wurde der “Kirchenkampf” selbst in den einzelnen Gemeinden spürbar.[10]

Angesichts des unerwarteten Widerstandes setzte Hitler die Eingliederungsgesetzgebung im November 1934 außer Kraft, indem er die Reichskirche auflöste. Die Gleichschaltung war somit gescheitert. Zur “Wiederherstellung geordneter Zustände” innerhalb der Kirche ernannte Hitler im Juli 1935 Hanns Kerrl zum “Reichsminister für kirchliche Angelegenheiten”. Kerrl, der an die Vereinbarkeit von Kirche und Nationalsozialismus glaubte und ein Ende des Kirchenkampfes erreichen wollte, setzte einen Reichskirchenausschuss ein, der aus den verschiedenen kirchenpolitischen Gruppierungen bestand und zur Lösung der Konflikte führen sollte. Analog dazu wurden in den Ländern Landeskirchenausschüsse berufen. Die Ausschusspolitik Kerrls führte zu einer Spaltung der Bekennenden Kirche in den “Rat der Evangelischen-lutherischen Kirche Deutschlands”, der eine Zusammenarbeit mit den Deutschen Christen für möglich hielt, und die “2. Vorläufige Leitung der BK”, die die Bekennende Kirche als einzig wahre Kirche bezeichnete.[11]

Letztendlich scheiterte auch die Ausschusspolitik Kerrls, der Reichskirchenausschuss trat im Juli 1936 zurück.[12] Mit Kriegsbeginn verschob Hitler die “Lösung des Kirchenproblems” auf die Zeit nach dem Krieg. Wie diese “Lösung” aussehen sollte, verdeutlicht ein Zitat Hitlers von 1941: “Der schwerste Schlag, der die Menschheit getroffen hat, ist das Christentum. [...] Die letzte große Aufgabe ist darin zu sehen, das Kirchenproblem noch zu klären. Erst dann wird die deutsche Nation ganz gesichert sein.”[13] Nach Ansicht des Kirchenhistorikers Klaus Scholder war Hitlers Endziel die Vernichtung der beiden Kirchen.[14]

1.2 Sächsische Landeskirche im Dritten Reich

Nach dem Tod des sächsischen Landesbischofs Ihmels am 7. Juni 1933 erließ das Innenministerium Sachsens eine “Verordnung zur Behebung des Notstandes im kirchlichen Leben der evangelisch-lutherischen Landeskirche Sachsens”. Friedrich Coch, Leiter der Arbeitsgemeinschaft nationalsozialistischer Pfarrer, wurde zum Kirchenleiter mit diktatorischen Vollmachten ernannt. Er löste alle gewählten kirchlichen Vertretungen auf und besetzte das Landeskonsistorium mit ihm passenden Personen. Bei den im Juli 1933 stattfindenden Kirchenwahlen erlangten die Deutschen Christen die Mehrheit der Stimmen und dominierten somit die Landessynode. Diese wählte am 11. August 1933 Coch zum Landesbischof. Im September 1933 gründete sich auch in Sachsen der Pfarrernotbund unter Leitung des Dresdner Superintendenten Hugo Hahn.[15] Bis Dezember wurden etwa 300 Pfarrer und 15 der 31 sächsischen Superintendenten Mitglieder des Notbundes, der sich April 1934 mit der entsprechenden Laienbewegung zur sächsischen Bekenntnisgemeinschaft zusammenschloss. Im Herbst 1935 setzte Reichskirchenminister Kerrl analog zum Reichskirchenausschuss einen Landeskirchenausschuss als Leitung der sächsischen Landeskirche ein, der aus Mitgliedern der Deutschen Christen, der Bekenntnisgemeinschaft und der so genannten neutralen “Mitte” bestand und unter der Leitung des Bekenntnispfarrers Johannes Ficker zur Lösung des kirchenpolitischen Konflikts beitragen sollte. Der größte Teil der sächsischen Deutschen Christen trat jedoch in Opposition zum Ausschuss. Am 9. August 1937 vertrieb der deutschchristliche Oberkirchenrat Johannes Klotsche den Landeskirchenausschuss mit Hilfe der Polizei aus dessen Arbeitsgebäude. Einen Tag später wurden die Ausschussmitglieder vom Reichskirchenminister offiziell abberufen. Klotsche und sein Kirchenregiment blieben bis Kriegsende an der Spitze der sächsischen Landeskirche.[16]

1.3 Vorbemerkung zur Kirchgemeinde Zittau

Die evangelisch-lutherische Kirche, damals und heute größte christliche Religionsgemeinschaft in Zittau, hatte in der Zeit des Dritten Reiches sechs Pfarrstellen: Der I. Pfarrer predigte in der Johanniskirche, der II. Pfarrer war Hospitalprediger am St. Jakob Hospital, der III. Pfarrer war am Bethaus in der Böhmischen Vorstadt tätig, der IV. Pfarrer in der Petri-Pauli-Kirche (Klosterkirche) und der V. Pfarrer in der Dreifaltigkeitskirche (Weberkirche). Der VI. Pfarrer von Zittau war zugleich Pfarrer von Kleinschönau.[17]

1.4 Zittauer Kirchgemeinde im Dritten Reich

1933 war Oberkirchenrat Paul Schulze[18] Superintendent und I. Pfarrer in Zittau.[19] Schulze war Mitglied des Pfarrernotbundes.[20] Über sein Wirken und über die Zittauer Kirchgemeinde zu dieser Zeit ist nichts bekannt, da keine Akten über Superintendent Schulze vorhanden sind. Konflikte mit der Kirchgemeindevertretung wird es sicherlich gegeben haben, da die Kirchgemeindewahl am 28. Juli 1933 von den Deutschen Christen gewonnen wurde (es wurde nur ein Wahlvorschlag, die Liste “Deutsche Christen” eingereicht, der somit als gewählt galt).[21]

Schulze wurde Anfang 1934 emeritiert. Sein Nachfolger als Superintendent und Inhaber der I. Pfarrstelle Zittaus war der Seifhennersdorfer Pfarrer Paul Willy Vetter,[22] der am 16. Januar 1934 vom Landesbischof zum Vorsitzenden der Zittauer Pfarrkonferenz berufen wurde. In einem Schreiben an die Zittauer Pfarrer vom 9. Februar 1934, in dem er diese um ihre “treue Mitarbeit” bat, heißt es: “Meine eindeutige Stellung zu den Grundsätzen der volksmissionarischen Bewegung (Deutsche Christen) ist bekannt.”[23]

Die Zittauer Kirchgemeinde stand damit unter deutschchristlicher Führung. Gleichzeitig traten die ersten Zittauer Pfarrer dem Pfarrernotbund bei. Friedrich Winter[24], Inhaber der IV. Pfarrstelle, erhielt bereits Ende 1933 mehrere Informationsschreiben des Notbundpfarrers Arndt von Kirchbach[25], in denen er von der Arbeit des sächsischen Notbundes um den Dresdner Superintendenten Hahn unterrichtet wurde. Am 11. Januar 1934 antwortete Winter erstmals. In seinem Brief an von Kirchbach heißt es: “Mein beharrliches Schweigen auf Ihre mir mehrfach zugesandten Zuschriften über den Notbund wollen Sie bitte nicht als Ablehnung deuten. Im Gegenteil bin ich schon immer innerlich dem Notbund zugetan gewesen, solange ich von ihm gehört habe.” Winter bat in seinem Schreiben um die Aufnahme in den Pfarrernotbund (als Anlass dafür gab er die Veröffentlichung der 28 Thesen durch den Theologen Walter Grundmann an[26] ). Am 12. Januar 1934 wurde Winter in den Notbund aufgenommen.

Zu diesem Zeitpunkt war bereits der Inhaber der III. Pfarrstelle, Pfarrer Gerhard Fuchs[27], Mitglied des Notbundes.[28] Wann er ihm beitrat, ist nicht dokumentiert.

Winter gab seine Zugehörigkeit zum Pfarrernotbund am 14. Januar bekannt, in dem er eine entsprechende Erklärung von der Kanzel verlas. Aus diesem Grund wurde er zusammen mit seinem Amtskollegen Fuchs am 13. Februar nach Dresden zitiert, um zu diesem Vorgang Stellung zu nehmen.[29] Am 19. Februar wurde gegen Winter das “förmliche Dienststrafverfahren mit dem Ziele der Entfernung aus dem Amte” eingeleitet, da “der Inhalt dieser Erklärung kirchenpolitischer Art [war] und geeignet, die Autorität des Kirchenregiments, insbesondere des Reichsbischofs zu erschüttern. Die Verlesung der Erklärung stellt somit einen Mißbrauch des Gottesdienstes zum Zwecke kirchenpolitischer Auseinandersetzungen und einen öffentlichen Angriff aus das Kirchenregiment und dessen Maßnahmen dar.” Winter wurde unter Kürzung seines Diensteinkommens vorläufig seines Amtes enthoben. Mit der Untersuchung wurde Oberkirchenrat Dr. Agricola[30] beauftragt.[31]

Am 7. März 1934 wurde Winter durch Dr. Agricola vernommen. Ein ihm vorgelegtes Revers unterschrieb er nicht. Hierin hieß es: “Ich gelobe wie bisher dem Führer Adolf Hitler unbedingte Gefolgschaft und bekräftige meine Treue zum Dritten Reich. [...] Ich erkenne die verfassungsmäßige Autorität des Reichsbischofs und des Landesbischofs an und bin gewillt, sie zu festigen und zu stärken, insbesondere ihre Maßnahmen und Verordnungen in dem von ihnen gewünschten Sinne durchzuführen. [...] Ich bedaure, gegen die Verordnung des Reichsbischofs vom 4. Januar[32] verstoßen zu haben, erkläre aber, aus innerer Überzeugung gehandelt zu haben.”[33]

Mehrfach versuchte man, Winter zur Unterzeichnung des Revers zu bewegen. So schrieb Dr. Agricola am 8. März an Winter, dass das Landeskirchenamt durchaus bereit sei, ihm bei den von Winter geäußerten Bedenken zu einigen Stellen des Reverstextes entgegenzukommen.[34] Winter weigerte sich trotzdem und schrieb stattdessen eine persönliche Erklärung: “Ich bin vom dem heißen Wunsch erfüllt, daß in unsere Kirche der heute bitter nötige Friede wieder einkehrt und daß ich persönlich mit allen Mitteln bemüht sein werde, daß Friede und Ordnung in der Kirche wieder ersteht. Ich bedauere den Gegensatz in der Kirche und versichere, weiterhin mit der gleichen Freudigkeit wie bisher in meinem Amt der Kirche im Dritten Reich zu dienen.”[35] Am 16. März 1934 teilte man dem Zittauer Kirchenvorstand mit, dass der Landesbischof das Disziplinarverfahren gegen Winter mit sofortiger Wirkung eingestellt habe.[36]

Winter erfuhr in der Zeit des Verfahrens gegen ihn von Seiten der Kirchgemeinde starken Zuspruch. Mehrere Schreiben von Gemeindegliedern erreichten ihn, und Gabriele Winter, eine Tochter Winters, erinnert sich daran, dass Gemeindeglieder mitunter Brot und Margarine an die kinderreiche Familie abgaben, die durch die Halbierung von Winters Gehalt zu leiden hatte.[37] Winters Helferinnen sammelten an zwei Tagen 2500 Unterschriften für die Wiedereinsetzung des Pfarrers.[38] Auch der Kirchenvorstand unter Leitung des deutschchristlichen Superintendenten Vetter setzte sich für Pfarrer Winter in einer Eingabe an das Landeskirchenamt vom 8. März 1934 ein, in der es heißt: “Der Evang.-luth. Kirchenvorstand Zittau beehrt sich, dem Landeskirchenamt die Bitte vorzutragen, es wolle Herrn Pfarrer Winter, der das Vertrauen des Kirchenvorstandes besitzt und die vollste Liebe seiner Kirchgemeinde genießt, seinem bisherigen Wirkungskreis erhalten.”[39]

Pfarrer Fuchs wurde laut einer Übersicht des Notbundes über Maßregelungen von Geistlichen vom 13. bis 19. April 1934 suspendiert.[40] Zu diesem Vorgang ist jedoch nichts bekannt.

Am ersten Osterfeiertag 1934 hielt der II. Pfarrer Georg Neefe seine Abschiedspredigt,[41] er übernahm ein Pfarramt in Leipzig.[42] Der bisherige V. Pfarrer Rudolf Ranft[43], Deutscher Christ und Mitglied des NS-Pfarrerbundes, wurde am 20. Juni in Neefes Stelle gewählt.[44] Somit war die V. Pfarrstelle frei. Hinzu kam, dass der VI. Pfarrer Max Schäfer[45] zum 1. November in den Ruhestand versetzt wurde. Eine Bitte des Zittauer Kirchenvorstands, Schäfer aufgrund der dadurch entstehenden Personalprobleme nicht zu versetzen, wurde vom Landeskirchenamt abgelehnt.[46]

Bereits am 4. Juli 1934 ordnete das Landeskirchenamt an, den Dresdner Bekenntnispfarrer Karl Fischer[47] in Schäfers Pfarrstelle zwangszuversetzen, diese Entscheidung wurde jedoch am 29. August durch das Kirchengericht nicht bestätigt.[48] Für die V. Pfarrstelle bewarb sich als einziger Kandidat der Bertsdorfer Pfarrer Wienecke[49], Kreisobmann der Deutschen Christen und Mitglied der NSDAP. Er wurde am 23. September 1934 von der Kirchgemeindevertretung als V. Pfarrer gewählt. Zum Amtsantritt kam es jedoch nicht, da Wienecke die Wahl nicht annahm. Grund hierfür war ein Streit um die zukünftige Amtswohnung Wieneckes: Ihm stand als V. Pfarrer die Pfarrwohnung am Töpferberg zu, in der jedoch der ehemalige V. Pfarrer Ranft wohnen blieb. Wienecke wäre deshalb in die Wohnung Neefes gezogen, die aber Pfarrer Winter zugesprochen wurde, da dessen bisherige Wohnung zu klein für die kinderreiche Pfarrerfamilie geworden war. Winters Wohnung wurde von Wienecke abgelehnt, da sie sich in einem baulich äußerst schlechten Zustand befand. Er forderte vom Vorstand deshalb einen Zuschuss für eine Mietwohnung, der jedoch abgelehnt wurde. Aus diesem Grunde teilte Wienecke dem Vorstand am 21. Oktober mit, dass er die Wahl nicht annehme. Vorher hatte bereits die Kirchgemeindevertretung erklärt, eine Zusammenarbeit mit Wienecke sei ihr nicht möglich.[50]

Interessant an diesem Vorgang ist die Tatsache, dass sowohl die deutschchristliche Kirchgemeindevertretung als auch Superintendent Vetter in dieser Angelegenheit den Bekenntnispfarrer Winter unterstützten und sich gegen den deutschchristlichen Pfarrer Wienecke stellten.

Am 27. Oktober 1934 erklärten Pfarrer Fuchs und Pfarrer Winter in einem Schreiben an Superintendent Vetter, dass sie sich hinter die Kundgebung der Dahlemer Synode vom 20. Oktober stellten, aber weiterhin mit Kirchenvorstand und Kirchgemeindevertretung zusammenarbeiten würden.[51] Mit dem von der Dahlemer Synode beschlossenen “kirchlichen Notrecht”, also der Ablehnung der Zusammenarbeit mit deutschchristlichen Kirchenleitungen, war zumindest Pfarrer Winter nicht einverstanden. So schrieb Winter am 6. November an einen Amtsbruder: “Wir haben hier eine geschlossene, hinter Vetter stehende DC-Vertretung [Anm.: DC = Deutsche Christen]. Als Gemeindepfarrer, der 8 Jahre hier tätig war, habe ich das starke Bedürfnis, nicht einfach wegzubleiben u. sie zu ignorieren, sondern mindestens hinzugehen und eine ganz eingehende Begründung meiner Stellung und Erklärung anzugeben.”[52] Auch Vetter war bemüht, die in der Gemeinde stattfindende kirchenpolitische Auseinandersetzung friedlich zu lösen. So schrieb er am 12. November an Winter: “Die Evang.-luth. Superintendentur bittet Sie aus amtsbrüderlicher Gesinnung heraus, Ihre bisherige Haltung ernstlich vor Gottes Angesicht nochmals zu prüfen.”[53]

Am 15. November 1934 kam es schließlich während einer Kirchgemeindeversammlung zu einer Aussprache über die kirchliche Lage: Winter und Vetter legten ihre Standpunkte dar und man einigte sich auf eine friedliche Zusammenarbeit, um das Gemeindeleben nicht zu stören.[54]

Vor allem Winter war in der Folgezeit bemüht, Konflikten mit der Kirchgemeindevertretung und dem Kirchenvorstand aus dem Weg zu gehen. So fragte er zum Beispiel in einem Schreiben vom 4. Dezember 1934 bei der Leitung der sächsischen Bekenntnisgemeinschaft in Dresden an, ob er die größere Wohnung, die ihm der Kirchenvorstand angeboten hatte, annehmen könne: “Es ist mir nun peinlich und drückend, grade jetzt aus den Händen des Kirchenvorstands diese Wohnung als Zeichen freundlicher Gesinnung hinzunehmen [...] Ich habe mit unserm Pfarramtsleiter Sup. Vetter gesprochen, der zugab, dass im K.V. [Anm.: Kirchenvorstand] eine gewisse Spannung gegen die NB.-Pfarrer [Anm.: Notbund-Pfarrer] herrsche. Aber er wollte mit einigen der Mitglieder sprechen. Ich nehme an, dass diese nichts dagegen haben werden, wenn ich einziehe. Aber es wurde mir immerhin bedeutet und wird u.U. weiterhin bedeutet werden, dass wir NB.-Pfarrer nicht ohne die KGVertretung [Anm.: Kirchgemeindevertretung] leben und wirken können. Es wird wahrscheinlich nicht ausbleiben, dass man darauf hinweist, dass wir Freundlichkeiten uns gefallen lassen, aber im übrigen meutern.”[55] Obwohl die Dresdner Leitung der Bekenntnisgemeinschaft Winter antwortete, er könne ruhigen Gewissens die Wohnung annehmen, da er dem Kirchenvorstand gegenüber zu nichts verpflichtet sei,[56] teilte Winter am 22. Januar 1935 Superintendent Vetter mit, dass er beabsichtige, in seiner alten Wohnung zu bleiben (als Gründe gab er an, die neue Wohnung sei schlecht heizbar, habe keinen Garten und die Umzugskosten seien zu hoch).[57]

Im November 1934 wurde der Reibersdorfer Pfarrer Johannes Wernicke[58], NSDAP-Mitglied und Deutscher Christ, zum V. Pfarrer von Zittau gewählt. Ende Dezember einigte man sich darauf, Wernicke, der seine Arbeit im April 1935 beginnen sollte, die VI. Pfarrstelle zuzuweisen.[59] Für die V. Pfarrstelle wurde vom Landeskirchenamt Pfarrer Alfred Sundermann[60], der aus der Thüringer Landeskirche in die sächsische übernommen wurde, vorgeschlagen. Sundermann war Mitglied in der NSDAP, bei den Deutschen Christen und im NS-Pfarrerbund. Am 24. Februar 1935 hielt er seine Gastpredigt und wurde, obwohl seine Predigt von vielen Kirchgemeindevertretern als ungenügend empfunden wurde, mit überwältigender Mehrheit gewählt.[61] Am 28. April 1935 übernahm Pfarrer Wernicke, am 5. Mai Pfarrer Sundermann sein Amt.[62]

Im Februar 1937 nahm Pfarrer Fuchs eine Pfarrstelle in Schönfels (Ephorie Werdau) an,[63] Pfarrer Winter wurde im April 1937 vom Landeskirchenausschuss als Superintendent in die von der Bekennenden Kirche dominierte Ephorie Marienberg berufen.[64] Für Pfarrer Fuchs wurde Pfarrer Wernicke am 28. Juni von der VI. in die III. Pfarrstelle versetzt[65], für die IV. Pfarrstelle wurden vom Landeskirchenamt drei Kandidaten benannt[66], von denen jedoch zwei kurze Zeit darauf in anderen Gemeinden gewählt wurden, sodass als einziger Kandidat Pfarrer Gottfried Fuß[67] zur Wahl gestellt wurde. Nach seiner Gastpredigt am 8. August 1937 wurde er am 12. August von der Kirchgemeindevertretung mit überwiegender Mehrheit gewählt, obwohl er Mitglied der Bekennenden Kirche war. Das Landeskirchenamt beschloss jedoch am 2. Dezember 1937, Fuß aus politischen Gründen nicht für die IV. Pfarrstelle zu bestätigen. Dagegen legte Fuß Beschwerde ein: Er stellte klar, “daß ich mich seit der nationalsozialistischen Erhebung bei jeder Gelegenheit, so gut ich es an meinem Teil konnte, für den nationalsozialistischen Staat einzusetzen versucht habe. [...] Ich stelle fest, daß der Entscheid des Landeskirchenamtes in sich selbst nicht schlüssig ist, da ich bereits Pfarrer einer Gemeinde in der sächsischen Landeskirche bin und ich nicht einsehen kann, warum ich für eine Gemeinde politisch nicht tragbar sein soll, während ich doch für die andere Gemeinde, in der ich jetzt amtiere, offenbar für tragbar gehalten werde.” Der Einspruch Fuß’ wurde vom Landeskirchenamt abgewiesen, es wurden drei neue Kandidaten vorgeschlagen: Am 8. Mai 1938 hielt der Pulsnitzer Pastor Rudolf Wagner seine Gastpredigt, am 15. Mai Pfarrer Martin Leuner aus Zwickau und am 22. Mai Pfarrer Paul Gersdorf aus Tebsen. Die Wahl am 24. Mai 1938 fiel zugunsten von Rudolf Wagner aus, der am 10. Juni bestätigt und am 19. Juni in sein Amt eingewiesen wurde.[68]

Über die Geschehnisse in der Kirchgemeinde Zittau während des Zweiten Weltkrieges ist nahezu nichts bekannt. Inwieweit in dieser Zeit kirchenpolitische Konflikte in der Zittauer Gemeinde bestanden, lässt sich nicht feststellen. Allerdings änderte sich nach dem Weggang der Bekenntnispfarrer Fuchs und Winter die Einstellung einiger Zittauer Geistlicher: Pfarrer Wernicke trat 1935 aus den Deutschen Christen aus.[69] Pfarrer Sundermanns NSDAP-Mitgliedschaft ruhte ab 1937 auf Parteibefehl hin, er war schon 1936 sowohl aus den Deutschen Christen als auch aus dem NS-Pfarrerbund ausgetreten. Aufgrund eines persönlichen Schicksalsschlages änderte sich 1938 Sundermanns Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus seinen eigenen Angaben zufolge völlig: Am 1. November dieses Jahres nahm sich sein ältester Sohn das Leben, “nachdem der feine innerliche Junge in der Klasse und in der HJ-Gefolgschaft seelisch zertreten worden war”.[70] Nach Kriegsende 1945 schrieb er in einem Bericht, er habe sich seit diesem Ereignis gegen den Nationalsozialismus gewandt: “Das ist seit Jahren in meiner Verkündigung so eindeutig zum Ausdruck gekommen, daß zu meinen regelmäßigen und treuesten Gottesdienstbesuchern emeritierte Amtsbrüder von der Bekennenden Kirche gehörten. Von ihnen hat mich dann einer gebeten, ich möchte doch die Leitung der Bekenntnisgemeinde in Zittau übernehmen, während ich von Freunden gewarnt worden bin: `Sie predigen sich noch einmal ins Konzentrationslager!´, wenn ich aus Gewissensgründen zu dem antichristlichen Wesen des Nationalsozialismus nicht schweigen zu dürfen meinte, weil ich darin die Wurzel allen Übels und eine furchtbare Gefahr für das ganze Volk sah.” Mitglied des Pfarrernotbunds bzw. der Bekennenden Kirche wurde Sundermann nicht, erst nach Kriegsende schloss er sich dem Pfarrernotbund an.[71]

Am schwersten fällt die Beurteilung der kirchenpolitischen Einstellung von Superintendent Vetter nach dem Weggang der Notbundpfarrer Fuchs und Winter. Über sein Wirken liegen keine Akten vor. Allerdings kann anhand einiger Dokumente angenommen werden, dass Vetter sich von den Deutschen Christen löste und deren Kirchenpolitik nun kritisch gegenüber stand: Am 11. Oktober 1937 unterzeichneten 22 sächsische Superintendenten bzw. deren Stellvertreter ein Protestschreiben gegen die Neubesetzung des Kirchengerichts nach der Absetzung des Landeskirchenausschusses und der Machtübernahme Klotsches. Unter den Unterzeichneten, von denen fast alle der Bekennenden Kirche angehörten, befand sich auch Superintendent Vetter.[72] Ebenso unterschrieb Vetter eine Eingabe an den Reichsminister für kirchliche Angelegenheiten Hanns Kerrl vom 5. April 1938, in dem es u.a. heißt: “Die gegenwärtige sächsische Kirchenleitung hat in siebenmonatlicher Tätigkeit bewiesen, daß sie einen völlig eindeutigen nationalkirchlichen DC-Kurs steuert. [...] Wir können keiner kirchlichen Führung folgen, die die Grundlage unserer Kirche verlassen hat und dadurch, daß sie für ihre kirchlichen Anschauungen den Totalitätsanspruch innerhalb der Kirche erhebt, sie zerstört.” Der Text wurde von insgesamt 737 Pfarrern unterzeichnet, darunter von 24 Geistlichen aus dem Bezirk Zittau. Diese gehörten fast alle der Bekennenden Kirche an. Unter diesen 24 Unterschriften finden sich auch die von Superintendent Vetter, Pfarrer Wernicke und Pfarrer Sundermann.[73] Am 16. November 1937 berichtete der Gendarmerieposten Zittau-Grenzstelle, dass in der Woche vom 7. zum 13.11.1937 bei Superintendent Vetter eine Sitzung mit fast allen Bekenntnispfarrern der näheren Umgebung stattgefunden habe, bei der unter anderem die der Beschlagnahme unterliegende Broschüre “Drei Randbemerkungen zu einem Kapitel Rosenbergs”[74] verteilt worden seien.[75] Bei der Aussprache über die Wahl Wagners zum IV. Pfarrer am 24. Mai 1938 bat ein Kirchgemeindemitglied darum, einen Geistlichen zu wählen, “der nicht auf eine Richtung festgelegt ist, wie es bereits bei drei Zittauer Geistlichen der Fall sei”. Im Protokoll wurde vermerkt, dass Superintendent Vetter, Pfarrer Sundermann und Pfarrer Wernicke daraufhin abstritten “für die Bekenntnisfront zu arbeiten”.[76] Die Entnazifizierungskommission, die nach dem Krieg über Vetter beriet, stellte fest, dass dieser “lange Jahre hindurch politisch in starkem Gegensatz zum Nationalsozialismus gestanden und durch die NSDAP viel erlitten hat.”[77] Einzelheiten darüber konnten nicht in Erfahrung gebracht werden.

Über Pfarrer Wagners kirchenpolitische Einstellung ist nichts bekannt. Allerdings ist anzunehmen, dass er dem Nationalsozialismus gegenüber positiv eingestellt war: Bei einer Darstellung seines Lebenslaufes im Anschluss an seine Gastpredigt vom 8. Mai 1938 gab Wagner an, er habe nach Ablegung seines ersten Examens an einem “NS-Schulungskursus in Augustusburg unter Leitung von Landesbischof Coch” teilgenommen.[78] Des Weiteren liegt ein Schreiben Vetters vom 7. Juni 1940 an Pfarrer Wagner vor, in dem Vetter Wagner aufforderte, dieser solle seine “Schreiben mit den unterschiedlichen Anwürfen und Taktlosigkeiten gegen mich und andere” einstellen: “Ich bedaure aufrichtig, daß Sie sich der irrtümlichen Auffassung hingeben, daß ich gewillt sein könnte, mir eine derartige Behandlung länger bieten zu lassen. Sie sind bestimmt nicht dazu berufen oder geeignet, mir und meiner Amtsführung Zensuren zu erteilen.”[79] Über den genauen Inhalt der Schreiben Wagners an Vetter ist nichts bekannt, da diese nicht vorliegen.[80]

1.5 “Nichtarische Christen” in der Zittauer Kirchgemeinde

Über das Verhalten der Zittauer Kirchen in der NS-Zeit gegenüber der jüdischen Bevölkerung, insbesondere gegenüber den Christen jüdischer Abstammung, in der NS-Terminologie “nichtarische Christen” oder “Judenchristen”, ist, obwohl das jüdische Leben in Zittau und in der Oberlausitz weitgehend erforscht wurde[81], nichts bekannt.[82] Es lässt sich lediglich ein Fall rekonstruieren, der in den bisherigen Veröffentlichungen über Juden in Zittau nicht erwähnt wird, bei dem der “nichtarische”, evangelisch getaufte Kapellmeister Bernhard Seidmann von der eigenen Kirchgemeinde in seiner musikalischen Tätigkeit behindert wurde.[83]

Der Vorstand des Zittauer Volkschores bat am 19. März 1934 den Kirchenvorstand Zittau um die Überlassung der Klosterkirche für eine Aufführung der e-Moll-Messe von Anton Bruckner am 17. Oktober. Da keine Antwort erfolgte, wurde einen Monat später ein erneutes Schreiben an den Kirchenvorstand gerichtet, in dem die Anfrage wiederholt wurde und außerdem um die Überlassung des Lutherhaus für Hauskonzerte gebeten wurde. Am 27. April 1934 genehmigte der Kirchenvorstand die Nutzung des Lutherhauses, teilte aber gleichzeitig mit, dass die Anfrage die Klosterkirche betreffend an die Kirchgemeindevertretung zur Entschließung überwiesen worden sei. Am 4. Juni informierte Superintendent Vetter als Kirchenvorstandsvorsitzender den Volkschor darüber, “daß der Evang.-luth. Kirchenvorstand nicht in der Lage ist, Ihrem Gesuch um Überlassung der Petri-Pauli-Kirche zu einem Kirchenkonzert zu entsprechen.” Gründe dafür wurden nicht angegeben. Seidmann nahm dazu in einem Schreiben vom 14. Juni Stellung, in dem es heißt: “Seit 1926 ist es das erste Mal, daß dem Zittauer Volkschor der Kirchenraum verweigert wird. [...] Ich kann mir keinen Grund denken, der die Ablehnung veranlassen könnte. Ich gehöre der evangelisch-lutherischen Kirche und dem Evangelischen Bund an und nach den 28 Thesen[84] ist auch den nicht-arischen Christen eine Gastmöglichkeit in der Kirche gegeben. Da die Bruckneraufführung mit einem direkten Kirchenvorgang oder Kirchenamt nichts zu tun hat, so sehe ich auch in meiner Abstammung keinen Grund zur Ablehnung.”

Seidmann bat am 8. August 1934, nachdem er bereits an den sächsischen Landesbischof geschrieben hatte, der jedoch “nicht in der Lage sei, den Beschluss zu korrigieren”, den Reichsbischof Dr. Ludwig Müller um Vermittlung. In seinem Schreiben wies er auch auf seine Schweizer Staatsbürgerschaft hin: “Ich würde es aufrichtig bedauern, wenn ich sonst gezwungen wäre, zur Wahrung meiner Rechte meine Heimatbehörde, die Schweizerische Gesandtschaft, anzurufen.” Unter dem Schreiben findet sich der handschriftliche Vermerk “ist Nichtarier”. Am 22. Oktober 1934 informierte die Reichsmusikkammer das Sekretariat des Reichsbischofs auf deren Anfrage hin, dass Seidmann Mitglied der RMK sei, jedoch “die Eltern Seidmanns mosaisch sind und er dementsprechend als Nichtarier anzusehen ist, obgleich er formell die evangelische Konfession angenommen hat.”

Bereits im August 1934 hatte Seidmann in der Sache das Schweizer Konsulat in Leipzig informiert, das daraufhin ein Schreiben an den Kirchenvorstand Zittau richtete. Der Kirchenvorstand gab das Schreiben an das Landeskirchenamt Sachsens weiter mit dem Hinweis: “Bei aller Hochachtung vor den schweizerischen Staatsangehörigen und dem schweizerischen Konsulat bittet der Kirchenvorstand, die Angelegenheit als eine innere Angelegenheit der Kirchgemeinde Zittau selbst beurteilen und regeln zu dürfen. Bei der Ablehnung handelt es sich um deutsch-christliche Grundsätze, die um des Gewissens willen auch im Falle Seidmann nicht aufgegeben werden können.” Gleichzeitig gab das Sekretariat des Reichsbischofs die Beschwerde Seidmanns an das Landeskirchenamt zur letzten Entscheidung weiter, betonte jedoch, dass der Beschluss über die Nutzung von Kirchenräumen der Kirchgemeinde obliegen sollte: “Ob die Wirksamkeit des Seidmann bei der Gemeinde oder der Bevölkerung wegen dessen jüdischer Herkunft Anstoß erregt, vermag allein die örtliche Körperschaft zu entscheiden.” Das Landeskirchenamt gab daraufhin dem Zittauer Kirchenvorstand in seiner Entscheidung Recht.

Inwieweit der Fall Seidmann exemplarisch für das Verhalten der Zittauer Kirchgemeinde gegenüber den “nichtarischen Christen” ist oder ob er nur einen Einzelfall darstellt, lässt sich aufgrund des fehlenden Materials nicht sagen. Anzumerken ist jedoch, dass nicht nur Informationen über weitere Fälle judenfeindlichen Verhaltens der evangelischen Kirchgemeinde fehlen, sondern auch keine Vorkommnisse bekannt sind, bei denen die Kirche ihre “nichtarischen” Mitglieder in irgendeiner Art unterstützt hat. Beispielsweise liegen keine Informationen vor, die darauf hinweisen, dass die Kirche gegen das Vorgehen gegen den “nichtarischen” Arzt Prof. Dr. Karl Klieneberger protestiert hat, der, obwohl evangelischer Konfession, 1933 als Direktor des Zittauer Stadtkrankenhauses “in den Ruhestand versetzt” wurde und 1938, nachdem ihm seine Praxis genommen wurde, in den Freitod ging.[85]

1.6 Entnazifizierung der Zittauer Kirchgemeinde

Nach Kriegsende wurde im August 1945 ein geistlicher Vertrauenskreis des Zittauer Kirchenkreises gebildet, der über die von den deutschchristlichen Geistlichen abzugebenden Stellungnahmen entscheiden sollte. Er hatte zu beschließen, ob die Stellungnahmen der DC-Pfarrer zufrieden stellten, andernfalls wurde das Landeskirchenamt informiert. Dem Vertrauenskreis gehörte, neben fünf weiteren Pfarrern aus dem Zittauer Umland, Superintendent Vetter an.[86] Dieser wurde jedoch am 30. April 1946 von seinem Ephoralamt entbunden.[87]

Pfarrer Ranft wurde bereits am 16. November 1945 seines Amtes enthoben. Der Feststellungsausschuss A beschloss am 12. Juni 1946, dass Ranfts Wiedereinstellung in einer anderen Gemeinde zu befürworten sei: “Die Tatsache, dass Pf. Ranft als bibelgläubiger Theologe DC wurde und sich in den Ordnungen [...] ihnen anglich, ist der Grund dafür, dass er von Zittau weichen muss. Dass er aber nicht im Inhalt seiner Verkündigung die biblische Linie verliess, lässt es dem Feststellungsausschuss als tragbar erscheinen, ihn in einem anderen Pfarramt zu verwenden. [...] Sein Wirken zerstörte das Gemeindeleben nicht”. Die Entnazifizierungskommission der sächsischen Landeskirche schloss sich der Ansicht des Feststellungsausschusses an.[88]

Der geistliche Vertrauenskreis in Zittau, der nunmehr aus vier Pfarrern aus der Zittauer Umgebung bestand, stellte am 11. März 1947 fest, dass Pfarrer Sundermann “sich innerlich unter den starken persönlichen Belastungen vom NS-Geist völlig gelöst” hat.[89] Der Kreis sprach sich ebenfalls für eine Weiterbeschäftigung von Pfarrer Wernicke aus. Die Entnazifizierungskommission bestätigte diese Empfehlung am 24. September 1947.[90]

Von den Angestellten und Beamten der kirchlichen Verwaltung wurden in Zittau bis zum Dezember 1945 zwei Bedienstete wegen ihrer Parteimitgliedschaft entlassen, zwei weitere durften aus dem gleichen Grund kein Amt in politischer Leitung erhalten.[91]

Tragisch ist das Schicksal des ehemaligen Superintendenten Vetter. Bereits unmittelbar nach Kriegsende wurde er verhaftet und zum Straßenbau in Hirschfelde eingesetzt.[92] Nach seiner Suspendierung vom 30. April 1946 wurde sein Fall im Juni 1946 vor dem Feststellungsausschuss B behandelt. Vetter war der einzige der vom Amt entbundenen Superintendenten, der kein neues Ephoralamt erbat. Der Feststellungsausschuss bescheinigte Vetter, “daß keine Tatbestände im Spiel seien, die ihn in seiner persönlichen und seiner Amtsehre berührten.” Seine Versetzung in ein anderes Pfarramt wurde befürwortet.[93] Der heute emeritierte Pfarrer Max-Heinz Farke, damals Pfarrer in Seifhennersdorf, berichtet, Vetter sei nach seiner Amtsenthebung “ein gebrochener Mann, vom Schicksal schwer getroffen und von Amtswegen gedemütigt und gemaßregelt. [...] Er hat damals viele Tränen vergossen. Ich ließ ihn zum Mißfallen mancher Amtsbrüder auf die Kanzel und predigen. Er hatte beide Söhne und Schwiegersöhne und hinterher noch sein Amt verloren. Er hat mehr als genug gebüßt. Leider hat es Monate gedauert, bis er halbwegs rehabilitiert wurde.”[94] Vetter bekam die Diaspora-Gemeinde Schirgiswalde zugewiesen. Er starb am 24. Oktober 1948.[95]

2 Römisch-Katholische Kirche

2.1 Katholische Kirche im Dritten Reich

Die Katholische Bischofskonferenz nahm ihre früheren Warnungen vor dem Nationalsozialismus bereits am 28. März 1933 wieder zurück.[96] Am 20. Juli 1933 wurde das Reichskonkordat zwischen Deutschland und dem Vatikan unterzeichnet. Es gewährte der katholischen Kirche freie Glaubensausübung, erteilte der Kirche jedoch Auflagen: So wurden christliche Gewerkschaften und die Zentrumspartei aufgelöst, Bischöfe mussten einen Treueeid auf Hitler ausüben und Priester durften nicht politisch tätig sein.[97] Die folgenden Jahre waren geprägt von der Auseinandersetzung zwischen Kirche und Staat[98]: Bis 1939 wurden nahezu alle katholischen Vereine aufgelöst und unzählige Priester wurden wegen “politischer Betätigung” und Regimekritik verhaftet.[99] Die Kirche protestierte dagegen erfolglos in mehreren Hirtenbriefen, auch eine päpstliche Enzyklika “Mit brennender Sorge” brachte keine Besserung der Lage.[100] Die Bischöfe der katholischen Kirche protestierten mehrfach gegen Euthanasie und Judenverfolgung.[101] Die Rolle von Papst Pius XII. im Hinblick auf den Holocaust ist jedoch umstritten.[102]

2.2 Vorbemerkung zur katholischen Kirchgemeinde Zittau

Zur katholischen Kirchgemeinde Zittau ist, im Vergleich zur evangelisch-lutherischen Kirche, sehr wenig Material vorhanden, da zum einen die Katholiken in Zittau in der Diaspora lebten bzw. leben, zum anderen in den letzten Kriegsjahren wegen der beginnenden Verfolgung der Kirchen das meiste Material vernichtet wurde.[103]

2.3 Gemeindeleben und Jugendarbeit

Trotz der zunehmenden Unterdrückung der katholischen Kirche im Nationalsozialismus blühte das Gemeindeleben in der Zeit ab 1933 auf. Das Wirken von Karl Schindler (1879-1960), der von 1926 bis 1949 Pfarrer der Zittauer Kirchgemeinde war, brachte einen “nie wieder erreichten Höhepunkt”:[104] So nahmen am 31. Oktober 1937 etwa 1000 Gläubige an der Christ-Königsfeier in Zittau teil, am 29. September 1939 wurde das 50-jährige Kirchjubiläum gefeiert und am 26. September 1943 beging die Gemeinde Pfarrer Schindlers 40-jähriges Priesterjubiläum.[105]

Die Jugendarbeit konnte relativ ungestört stattfinden. Allerdings wurde das Landheim der katholischen Jungen in Großhennersdorf von den Nazis abgerissen. In den Kriegsjahren bestand die Pfarrjugend hauptsächlich aus Mädchen, da die älteren Jungen zum Wehrdienst einberufen wurden.[106]

2.4 Katholische Kirche und Schule

In Zittau existierte bis 1938 eine achtstufige katholische Volksschule: Die Marienschule unter der Leitung von Rektor Alfred Büttner befand sich auf dem Grundstück der katholischen Kirchgemeinde in der Lessingstraße.[107] Am 07. März 1938 beantragte das Bezirksschulamt beim Zittauer Oberbürgermeister, die katholische Schule in Zittau zum 31.03.1938 aufzulösen. Als Begründung wurde angegeben, dass “wegen der ständig sinkenden Schülerzahl [...] gleichwertige unterrichtliche Leistungen im Verhältnis zu denen der anderen Zittauer Volksschulen schwerlich zu erreichen sein werden.” Einen Tag später ordnete Oberbürgermeister Zwingenberger die Schließung der Schule an. Dieser Beschluss wurde am 22. März zunächst zurückgenommen, da der Leiter des sächsischen Ministeriums für Voksbildung das Bezirksschulamt über die Anordnung des Stellvertreters des Führers informierte, dass “bis 30. April 1938 jegliches Eingreifen in kirchliche und konfessionelle schulische Angelegenheiten zu unterbleiben hat.” Am 30. April wurde die Schließung der Marienschule für den 7. Mai endgültig beschlossen.[108]

Die Schüler der Marienschule wurden auf die anderen Zittauer Volksschulen verteilt.[109] Dort bekamen die Kinder aufgrund ihrer Konfession Schwierigkeiten sowohl mit den Lehrern als auch mit ihren Mitschülern. “Zum Anfang haben uns die Mitschüler nur gehänselt”, erinnert sich der damalige Schüler der Schliebenschule Werner Wittig,[110] und Eva H. berichtet, dass der Direktor ihrer damaligen Schule besonders “katholikenfeindlich” gewesen sei.[111]

Nach der Schließung der Marienschule fand an den Volksschulen ein lehrplanmäßiger katholischer Religionsunterricht statt. Dieser wurde ab Ostern 1939 in mehreren sächsischen Bezirken, u.a. auch in Zittau, nicht mehr erteilt. Stattdessen fand ein undogmatischer und überkonfessioneller Religionsunterricht statt, der sowohl für Kinder aller Konfessionen als auch für die atheistischen Schüler verbindlich war.[112] Nur in wenigen Bezirken, so auch in Zittau, wurden Abmeldungen katholischer Schüler von diesem Unterricht akzeptiert. Der katholische Unterricht wurde nun außerschulisch von der Kirche erteilt.[113]

Ein weiteres Konfliktfeld war die Befreiung katholischer Kinder an kirchlichen Feiertagen: So ließ zum Beispiel 1939 der Rektor der städtischen Mädchenberufsschule das Fernbleiben eines Kindes am Feiertag Peter und Paul nicht gelten, obwohl die 1934 vom sächsischen Minister für Volksbildung erlassene Verordnung, dass katholischen Kindern an kirchlichen Feiertagen freizugeben sei, nach wie vor galt.[114]

2.5 Verfolgung

Am 30. Mai 1936 teilte das Bezirksschulamt mit, dass Kaplan Maier “mit sofortiger Wirkung keinen zusätzlichen Religionsunterricht an der Marienschule” erteilen dürfe. Auf Nachfrage des Pfarramts wurde am 9. Juli 1936 mitgeteilt, “dass nach einem Bericht der Kreisleitung der NSDAP festgestellt worden ist, dass Kaplan Maier nicht die Gewähr dafür bietet, jederzeit rückhaltlos für den nationalsozialistischen Staat einzutreten”.[115]

Nach Aussagen von Frau Eva H. war der größte Teil der katholischen Kirchgemeinde gegen den Nationalsozialismus. Frau H. erinnert sich daran, dass der Handelsvertreter Franz M., der “ganz gegen die Nazis” gewesen sein soll, 1938 oder 1939 “abgeholt” worden und später nicht wieder aufgetaucht sei.[116] Werner Wittig erwähnt in seinen Erinnerungen, dass 1938 unmittelbar nach der “Reichskristallnacht” ein “nichtarischer” katholischer Schüler der Marienschule “auf einmal verschwunden” war: “Ich habe ihn nie wieder gesehen”.[117] Diese beiden Vorfälle sind nicht belegbar. Andere Fälle von Verfolgung von Kirchengliedern sind nicht bekannt.

3 Zeugen Jehovas

3.1 Zeugen Jehovas im Dritten Reich

Eine Aufarbeitung der Geschichte der Religionsgemeinschaft “Zeugen Jehovas” im Nationalsozialismus fand sowohl in der BRD bis 1989 als auch in der DDR, wo die Zeugen schon wenige Jahre nach Ende des Dritten Reiches wieder verfolgt wurden, nicht statt.[118] Erst 1989 wurde duch die Disseration des Historikers Detlef Garbe (“Zwischen Widerstand und Martyrium: Die Zeugen Jehovas im Dritten Reich”) zum ersten Mal das Schicksal der Religionsgemeinschaft im Nationalsozialismus dargestellt. Die Wachtturm-Organisation, organisatorische Zentrale der Zeugen Jehovas, sorgte ebenfalls mit der Produktion mehrerer Dokumentarfilme (unter anderem “Standhaft durch Verfolgung”) und durch verschiedene Ausstellungen für ein Bekanntwerden der Verfolgung zwischen 1933 und 1945.

Die Zeugen Jehovas lehnten als unpolitische Christen, die ihren Glauben strikt nach der Bibel ausrichten, den Hitlergruß, den Fahneneid, die Beteiligung an staatlichen Organisationen wie der DAF und der HJ, und die Ausübung des Kriegsdienstes ab[119]. Sie weigerten sich außerdem, Hitler als Heiland und Führer anzuerkennen, da nach ihren Ansichten “einem Menschen nicht zustehen konnte, was nur ihrem Gott Jehova und seinem Sohn Jesus Christus gebührte”.[120] Hitler sah deshalb in der Religionsgemeinschaft, deren weltweite Zentrale sich in Brooklyn befand, eine bolschewistische Organisation des amerikanischen “Finanzjudentums”.[121] Dies rechtfertigte für ihn die Verfolgung der Zeugen Jehovas, die bereits 1933 begann: So wurde die Vereinigung in den einzelnen Ländern kurz nach der Machtübernahme Hitlers verboten (am 18. April 1933 in Sachsen), am 1. April 1934 erfolgte das reichsweite Verbot.[122] Von den rund 25.000 Mitgliedern wurden von 1933 bis 1945 rund 6.000 verhaftet, davon kamen etwa 2000 in Konzentrationslager. 1.200 Zeugen starben, davon 250 durch Hinrichtung.[123]

3.2 Vorbemerkung zu Zeugen Jehovas in Zittau

Über die Aktivitäten der Zeugen Jehovas in Zittau gibt es, da die Versammlungen der Religionsgemeinschaft nach dem sächsischen Verbot vom 18.04.1933 im Geheimen abgehalten werden mussten, verständlicherweise keine Aufzeichnungen. Quellen zur Tätigkeit der Zeugen sind Gerichtsakten und Erinnerungsberichte von Mitgliedern der Vereinigung. Aus ihnen lässt sich ansatzweise rekonstruieren, wie oft bzw. bei wem illegale Bibelstudien und Andachten gehalten wurden. Unklar ist, wie viele Zeugen Jehovas es zwischen 1933 und 1945 in Zittau gab, da anzunehmen ist, dass es sich bei den im Folgenden erwähnten Zeugen nicht um alle Angehörigen dieser Glaubensgemeinschaft gehandelt hat.

3.3 “Prozess gegen Ernst S. und 19 andere Bibelforscher”

In einer reichsweiten Aktion wurden am 12. Dezember 1936 in verschiedenen Städten rund 100.000 Exemplare einer Protestresolution der Zeugen Jehovas, der so genannten “Luzerner Resolution”, verteilt, die auch an Adolf Hitler und an den Papst verschickt wurde. Sie “spricht die IBV-Verfolgung[124] an und stellt Hitler als Agent oder Marionette von Vatikan und Jesuiten dar”.[125] So wurden auch in Zittau[126] zwischen 17 und 18 Uhr etwa 50 farbige Umschläge mit den Resolutionen in Briefkästen verteilt, auf Treppenstufen gelegt und in Vorgärten geworfen. Die Aktion wurde durch den regen Betrieb aufgrund der Weihnachtseinkäufe und durch die in der Adventszeit häufigen Wurfsendungen verschiedener Firmen und Geschäfte begünstigt. Bereits unmittelbar nach den ersten Meldungen über die Verteilung der Resolution wurde mit Polizeiwagen in dem betreffenden Gebiet nach den Tätern gefahndet, am Tag darauf wurde “unter Hinzuziehung einer größeren Anzahl SA-Leute ein umfangreicher Streifendienst in der Stadt durchgeführt”. Beide Suchaktionen verliefen jedoch ergebnislos und die Täter wurden vorerst nicht gefasst, trotz des Hinweises eines Anwohners auf einen Mann “vom Aussehen böhmischer Herkunft”, der ein “Hausgrundstück betreten bezw. wieder verlassen habe. Nur dieser und kein anderer habe den Brief in den Kasten, der vorher geleert gewesen sei, geworfen.” Diese Aussage deckte sich mit der Vermutung der Polizei, dass “zweifelsohne [...] die fraglichen Druckschriften aus der Tschechoslowakei eingeschleppt und auch von Personen jenseits der Grenze hierorts verteilt worden” seien. Die Polizei stellte in ihrem Bericht weiterhin fest, dass drei bekannte Bibelforscher, die in der Gegend wohnten, zur Tatzeit zu Hause gewesen waren.

Der Polizeibericht schließt mit der Bemerkung, “daß von sämtlichen Empfängern derartiger Schriften, die später an Amtsstelle erschienen und diese hier abgaben, ausnahmslos erklärt wurde, daß sie die Briefsendungen sofort als eine solche religiösen Wahnsinns erkannt und angesehen hätten.”

Aufgrund der Verbreitung der Luzerner Bibelforscher-Resolution wurde am 22. Dezember 1936 eine reichsweite Aktion gegen die Zeugen Jehovas verordnet. So kam es auch in Zittau und Umgebung zu mehreren Verhaftungen, die schließlich zum “Prozess gegen den Malermeister Ernst S. und 19 andere Bibelforscher”[127] führten.

Bereits vor Verteilung der Resolution waren mehrere Zeugen Jehovas verhaftet worden: Am 29. Oktober 1936 wurde der Zittauer Maschinentechniker Paul Erdmann Sch. (geb. 1888) festgenommen, ebenso wie das Ehepaar Oskar Gustav M. (geb. 1895) und Anna Auguste M.. Sch. gab bei seiner Vernehmung an, bis kurz vor seiner Verhaftung mit den Geschwistern Hä. und Ch. “religiöse Andachten” gehalten zu haben. Diese Aussage führte zur Verhaftung von Walter Ernst Ch. aus Kleinschönau, seiner Schwester Herta Hä. aus Zittau und deren Mann Ewald Hä.. Einige Tage später, am 10. November 1936, wurden Walter Ch.s Schwester Elsa D. (geb. 1912) aus Großporitsch und deren Bruder Alfred Ch. (geb. 1903) sowie dessen Frau Erna (geb. 1904) aus Zittau festgenommen, ebenso Ewald Hä.s Schwester Elsbeth Cz. aus Zittau. Zwei Tage später inhaftierte man den Olbersdorfer Arbeiter Paul Ha. (geb. 1912) und seine Frau Hedwig (geb. 1902), sowie die Weberin Hedwig W. (geb. 1879). Am 20. November schließlich wurden der Maler Ernst S. (geb. 1894) aus Großschönau und dessen Schwestern Lina S. (geb. 1889) und Ida Luise R. (geb. 1891) in Haft genommen.

Nach der Verteilung der Luzerner Resolution kam es zu vier weiteren Festnahmen: Frieda F. (geb. 1881) aus Kemnitz, die Tante von Paul Ha., wurde am 22. Dezember festgenommen, Dora B. aus Großschönau und Elise C. aus Jonsdorf am 8. Januar 1937 und die Näherin Hedwig Dn. (geb. 1876) aus Großschönau am 18 Januar. Dora B., Elise C. und Hedwig Dn. wurden von der Polizei verdächtigt, am 12. Dezember an der Verteilung der Resolution beteiligt gewesen zu sein.

Bereits kurz nach ihrer Verhaftung machten die Festgenommenen der Polizei gegenüber unterschiedliche Angaben über ihre “Mitgliedschaft” bei den verbotenen Zeugen Jehovas: So gab Alfred Ch. zu Protokoll: “Ich bin mir keiner strafbaren Handlung bewusst, weil ich niemandem und nichts etwas zu leide tue. Wir kamen nur unter Verwandten zusammen.” Sein Bruder Walter Ch. meinte: “Der IBV habe ich nie angehört. Wenn ich in ihren Schriften lese, so tue ich das, um zu sehen, ob es auch wahr ist, was sie schreiben.” Hingegen gaben u.a. Paul Sch., Lina S., Ida R. und Hedwig W. an, “Mitglied der IBV zu sein.” Elsa D. gab zu Protokoll: “Dass die Bibelforscher verboten sind, wusste ich. Ich habe mich aber trotzdem weiter an sie gehalten, weil ich der Meinung bin, dass das richtig ist, was sie sagen. Ich weiss, dass der Präsident der Bibelforscher Rutherford in Amerika ist. Auch wenn es wahr wäre, dass Rutherford Jude ist, würde ich an der Lehre der Bibelforscher festhalten, denn Gott hat nur Menschen geschaffen, keine Nationen.”

Gegen die 20 Inhaftierten erhob der “Oberstaatsanwalt als Leiter der Anklagebehörde bei dem Sondergericht für das Land Sachsen in Freiberg” am 22. Juli 1937 Anklage unter der Begründung, die betreffenden Personen hätten “in Zittau oder Umgebung, Walter Ch. auch in Fehrbellin, bis etwa Ende Oktober 1936, die B. und die C. bis zum 12.12.1936, dem auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat vom 28.02.33 [...] erlassenen Verbote der Internationalen Vereinigung Ernster Bibelforscher zuwidergehandelt”. Da die meisten der Inhaftierten geständig waren, bestand für die Staatsanwaltschaft keine Schwierigkeit mehr, die geheimen Zusammenkünfte der Zeugen Jehovas sowie den Vertrieb von Schriften der Wachtturm-Organisation nachzuweisen: So hielten laut Anklageschrift die Geschwister S. zusammen mit Hedwig Dn. und Dora B. von Ende 1934 bis Oktober 1936 monatlich mehrmals Andachtsstunden ab. Des Weiteren trafen sich die Geschwister Ch. zusammen mit Karl S., den Ehepaaren Ha. und M., Hedwig W. und Elise Czerny zwischen Ende 1935 und Oktober 1936. An diesen Versammlungen nahmen auch die “Bibelforscherfamilien P. und Ro.” teil, die jedoch nicht mit angeklagt wurden. Hedwig W. und Paul Ha. missionierten der Staatsanwaltschaft zufolge gelegentlich mit ihren Bibeln. Der bereits verurteilte Karl S. lieferte laut Anklageschrift Zeitschriften der Wachtturm-Organisation an Paul Ha., der diese an die anderen Zeugen weiterleitete. Außerdem habe Walter Ch. bereits 1937 in Fehrbellin Schriften erhalten, die er an seinen dort lebenden Bruder Herbert Ch.[128] weitergeleitet habe. Der Staatsanwalt beschuldigte außerdem Dora B., von der Hainewalder Bibelforscherin N. 15 Resolutionen erhalten zu haben und diese zwischen 18 und 18.30 Uhr in Zittau verteilt zu haben. Etwa 20 Exemplare wurden laut Staatsanwaltschaft von Elise C. zwischen 16 Uhr und 17.30 Uhr verteilt, sie soll diese von Familie Flamminger aus Niederoderwitz bekommen haben.

Obwohl einige der Verhafteten schon während ihrer polizeilichen Vernehmungen zugegeben hatten, Mitglieder der IBV zu sein, bleibt die Rolle mancher Inhaftierter unklar. Bei ihnen ist trotz der deutlichen Beschuldigungen durch die Staatsanwaltschaft unklar, ob sie wirklich als Mitglieder der Zeugen Jehovas bezeichnet werden konnten oder nur aus Interesse den Zusammenkünften beiwohnten. So schrieb Elsbeth Cz.s Ehemann Walter in einem Brief vom 28.04.1937 an den Reichsjustizminister Franz Gürtner: “Ich habe davon keine Ahnung gehabt und erst später gelegentlich eines Besuches meiner Ehefrau im Untersuchungsgefängnis Dresden von dem zuständigen Beamten erfahren, daß meine Ehefrau wohl einmal [!] einer Versammlung beigewohnt hat. [...] Meine Ehefrau hat mir [...] unter Tränen gestanden, dass sie eigentlich gar nicht wisse, worum es sich bei der ganzen Sache handele und sie lediglich durch ihren Bruder Ewald Hä. in die Angelegenheit verwickelt worden sei. [...] Wie mir vor einiger Zeit meine Nachbarin [...] erzählte [...], hat meine Frau, wohl im Sommer vorigen Jahres, noch unter dem Eindruck einer soeben gehörten Führerrede stehend, im Anschluß an diese [...] geäußert, daß an ihm - unseren Führer, nicht zu zweifeln sei und sie auf ihn vertraue.”

Die Verhandlung gegen die 20 Angeklagten wurde am 14. Mai 1937 vor der 2. Kammer des Sondergerichts Freiberg im Gebäude des Landgerichts Dresden unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Dr. M. eröffnet. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wurde die Öffentlichkeit wegen “Gefährdung der öffentlichen Ordnung und insbesondere der Staatssicherheit” ausgeschlossen. Die Angeklagten wurden von drei Pflichtverteidigern vertreten. Die Staatsanwaltschaft verlangte in ihrem Plädoyer Haftstrafen zwischen 4 und 21 Monaten, und das Gericht folgte diesen Forderungen weitestgehend. So wurden am 15. Mai 1937 durch das Gericht folgende Gefängnisstrafen verhängt: Paul Ha. erhielt 21 Monate Haft, Walter Ch., Dora B. und Elise C. 15 Monate, Hedwig W. 12 Monate, Lina S., Ida R., Hedwig Dn., Ewald Hä., Herta Hä. und Alfred Ch. 10 Monate, Erna Ch., Ernst S. und Paul Sch. 8 Monate, Elsa D., Elsbeth Cz. und Hedwig Ha. 6 Monate, Oskar M. 5 Monate, Anna F. und Anna M. 4 Monate. Bei einigen der Verurteilten wurde ein Teil der Untersuchungshaft angerechnet, sodass die höchste Haftstrafe bei 15 Monaten (Paul Ha.) lag. Das Gericht stellte außerdem fest, dass Dora B. und Elise C. für die Verteilung der Resolution verantwortlich gewesen seien.

Das Geheime Staats- und Polizeiamt Berlin erließ am 22.04.1937 die Verordnung, dass “sämtliche Anhänger der IBV, die nach Beendigung der Strafhaft aus den Gefängnissen entlassen werden, [...] unverzüglich in Schutzhaft zu nehmen” seien, ihre Überführung in ein Konzentrationslager sei zu beantragen.[129] Aus diesem Grund blieb es auch bei den am 15. Mai 1937 verurteilten 20 Bibelforschern nicht bei den Haftstrafen, zu denen sie verurteilt worden waren:

Dora B. wurde 1938 in das Konzentrationslager Lichtenburg gebracht. Ab 1940 war sie im KZ Ravensbrück inhaftiert, ab 1942 in Radom und ab Juli 1942 in Ausschwitz-Birkenau. Anschließend war sie bis zu ihrer Befreiung am 22. Juni 1945 in den Lagern Neuengamme, Bergen-Belsen, Dora-Mittelbau und Sangershausen in Haft. Nach 1945 bekam sie in der DDR zunächst eine Rente als “Opfer des Faschismus”, die ihr jedoch später wieder aberkannt wurde. Sie starb 1966.[130]

Lina S. wurde in das Frauenlager Moringen überstellt, kurze Zeit später wurde sie nach Lichtenburg verlegt. Ab 1943 war sie in Ravensbrück inhaftiert, und bis Mai 1945 mit mehreren Unterbrechungen durch Hafturlaub in Hartzwalde. Sie starb 1992.[131] Der bereits vor den 20 Bibelforschern verurteilte Karl S. war bis Mai 1937 in Königsstein untergebracht und wurde dann nach Sachsenhausen verlegt. Bis 1939 war er in Buchenwald inhaftiert. In der DDR wurde er erneut verurteilt.[132] S.’ Schwester Ida R. wurde im KZ Lichtenburg, später in Ravensbrück inhaftiert.[133]

Ewald Hä. kam in das Konzentrationslager Lichtenburg, er erlangte jedoch im Gegensatz zu den anderen Zeugen Jehovas zusammen mit seiner Frau 1937 die Freiheit.[134] Elsbeth Cz. und Elsa D. blieben bis zum Dezember 1937 im KZ Moringen und kamen danach ins KZ Lichtenburg.[135] Walter Ch. überlebte den Todesmarsch aus Buchenwald, wo er bis 1945 inhaftiert war.[136]

Paul Ha. bekam nach Verbüßung seiner Haftstrafe zur Täuschung einen Entlassungsschein und eine Fahrkarte nach Zittau. Der Zug brachte ihn jedoch in das Konzentrationslager Buchenwald.[137] 1945 wurde das Lager geräumt, die Häftlinge sollten zur Vergasung nach Dachau gebracht werden. Auf dem Weg dorthin wurde Ha. ins Lazarett Cham eingeliefert, wo er wahrscheinlich verstorben ist.[138]

Seine Frau wurde im Konzentrationslager Moringen inhaftiert, dort ließ sie sich von Glaubensschwestern taufen.[139] Am 16. Mai 1938 wurde ihr das Sorgerecht für ihre Kinder entzogen.[140] Von 1938 bis 1939 war sie in Lichtenburg, danach verlegte man sie nach Ravensbrück. Hier gehörte sie zu den Häftlingen, die sich weigerten, Patronentaschen für die deutschen Soldaten zu nähen und die dafür unmenschliche Behandlung ertragen mussten.[141] 1943 kam sie ins Lager Deutenhofen, wo sich ihre Haftbedingungen als Haushälterin des Lagerkommandanten besserten.[142] Hedwig Ha. wurde, wie auch Dora B., 1950 die Rente als Opfer des Faschismus aberkannt, da “sie die Unterschrift zur Ächtung der Atombombe nicht gegeben hat, durch diese Handlungsweise die politische Bedeutung aller VdN herabsetzte, und dadurch neofaschistischen Bestrebungen Vorschub leistete.”[143]

3.4 Richard und Willfried Leubner

Richard Leubner (geb. 1888) war Fleischermeister und Wirt der Reichenauer Gaststätte “Zum Hirsch”, die im Volksmund Bibelschenke genannt wurde: Leubner, seit 1920 Bibelforscher, war dafür bekannt, dass er “darauf achtete, dass in seiner Gaststätte nicht über den Durst getrunken wurde.”[144] Des Weiteren wurden in seiner Gaststätte “biblische Diskussionen geführt” und Versammlungen der Bibelforscher abgehalten.[145]

1933 versuchte die SA, Leubner gewaltsam zur Wahl zu zwingen. Leubner jedoch “blieb Jehova Gott und seinem Sohn und König Christus Jesus treu”.[146] 1936 wurde gegen ihn ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, da in seiner Schenke mehrere Gäste mit Bibeln aufgegriffen wurden. Das Verfahren wurde jedoch eingestellt.[147] Kurze Zeit danach, am Heiligabend 1936, wurde Leubner verhaftet und 1937 vom im Zittau tagenden Sondergericht Freiberg zu einem Jahr Haft verurteilt. Durch eine Generalamnestie wurde er aus der Haft entlassen und blieb einige Tage in Freiheit. Da er jedoch den Hitlergruß ablehnte, wurde er von der Gestapo festgenommen und in das Konzentrationslager Buchenwald gebracht:[148] “Das was man gesehen und erlebt hat, sträubt sich der Feder es niederzuschreiben”, schrieb Leubner 1946 in seinem Lebensbericht. “Die Schikanen sollten dazu führen, uns mürbe zu machen und zur Unterschrift[149] zu verleiten. Wer dieses Regiment kennengelernt hat, zog lieber den Tod vor, als mit ihnen eine Kompromisstellung einzugehen. Wir wurden oft gefragt, ob wir Jehova unserm Gott noch treu sind, dieses wurde mit einem kräftigen Ja beantwortet.”[150]

1944 wurde Leubner ins Lager Mittelbau-Dora verlegt, 1945 kam er bis zur Befreiung durch die Alliierten ins KZ Bergen-Belsen.[151]

Sein Sohn Willfried Leubner musste in der Schule die Demütigungen seiner Lehrer und Mitschüler über sich ergehen lassen: “Psychisch hatte ich einiges zu ertragen. Zum Beispiel: Man zeigte mir ein Stück Seife und sagte zu mir: Das ist Seife von toten KZ’lern.”[152] Kurz vor Kriegsende erhielt Willfried Leubner einen Gestellungstermin. Um dem Kriegsdienst, den er aus Glaubensgründen nicht leisten konnte, zu entgehen, ging er als Zivilist freiwillig in amerikanische Kriegsgefangenschaft.[153]

In der DDR wurden beide erneut verhaftet: 1950 verurteilte das Landgericht Bautzen Richard Leubner zu einer Zuchthausstrafe von 10 Jahren, weil er sich bei einem Vortrag geäußert hatte, dass “alle irdischen Regierungen, auch die der DDR, [...] jetzt verschwinden [müssen], weil nunmehr die Zeit gekommen ist, wo Gott Jehova sein Königreich aufrichtet.”[154] 1952 starb Richard Leubner in der Strafvollzugsanstalt Waldheim. Das Urteil gegen ihn wurde 1992 durch das Bezirksgericht Dresden aufgehoben.[155]

Sein Sohn Willfried Leubner wurde ebenfalls 1950 verurteilt, er bekam eine Zuchthausstrafe von fünf Jahren. 1956 ging er nach seiner Entlassung nach Westdeutschland, wo sein Urteil 1957 aufgehoben wurde.[156] Er lebt heute in Hamburg.

3.5 Weitere Fälle

Zu weiteren Verhaftungen und Verurteilungen von Zeugen Jehovas in Zittau und Umgebung gibt es nur einige wenige Informationen, zusammengetragen vom Geschichtsarchiv der Zeugen Jehovas in Selters:[157] So wurde Frieda Z. (geb. 1883) aus Zittau bis 1938 im KZ Lichtenburg inhaftiert, danach wurde sie ins KZ Ravensbrück überstellt. Hermann Jakob G. aus Grimma wurde 1934 in Zittau festgenommen, weil er biblische Literatur aus der Tschechoslowakei eingeschmuggelt hatte. Ende Juli 1936 wurde er erneut verhaftet und durch das Sondergericht Halle am 9. Juli 1937 “aufgrund der §§ 1 und 4 der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat” (Reichtstagsbrandverordnung) zu einer Gefängnisstrafe von 5 Jahren verurteilt. Er starb am 12. Februar 1940.[158] Erwin M. (geb. 1906) aus Seifhennersdorf wurde vom Sondergericht Freiberg am 6. Januar 1938 zu eineinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. 1943 verurteilte ihn das Reichskriegsgericht Berlin zum Tode, er wurde am 3. September 1943 im Zuchthaus Brandenburg enthauptet. Der 38-jährige Zeuge Jehovas Josef Wilhelm K. aus Seitendorf bei Zittau verstarb im Januar 1940 im KZ Sachsenhausen. Der 1906 geborene Hubert Kügler aus Zittau wurde 1939 verhaftet und im “Gelben Elend” Bautzen inhaftiert. Von 1940 bis Mai 1945 war er Häftling im KZ Sachsenhausen und nahm kurz vor Kriegsende am “Todesmarsch” teil, den er im Gegensatz zu den meisten Häftlingen überlebte. 1950 wurde Kügler in der DDR erneut verhaftet und 1951 vom Landgericht Magdeburg zusammen mit anderen Zeugen Jehovas zu einer langjährigen Zuchthausstrafe mit anschließenden “Sühnemaßnahmen” von 20 Jahre bis Lebenszeit verurteilt.[159]

4 Weitere christliche Religionsgemeinschaften

4.1 Vorbemerkung zu den weiteren christlichen Religionsgemeinschaften

Material zu den kleineren christlichen Religionsgemeinschaften ist fast nicht vorhanden. Meist ist nur durch Einträge in den Zittauer Adressbüchern von 1933, 1935 und 1938 die Existenz dieser Gemeinschaften bekannt. Einige Informationen stammen aus dem wenigen Material der überregionalen Organisationen der Gemeinschaften und aus kurzen Erwähnungen in polizeilichen Berichten. Die Zittauer Gemeinden besitzen keine Dokumente mehr aus der damaligen Zeit.

4.2 Neuapostolische Gemeinde

Die Zittauer Neuapostolische Gemeinde existiert seit 1912.[160] Bis 1934 bestand sie aus etwa 60 Mitgliedern,[161] die sich zweimal wöchentlich zu Gottesdiensten im Gemeindelokal in der Brüderstr. 13 trafen.[162] Als 1934 der Vorsteher R. Müller aus der Neuapostolischen Kirche austrat, folgten ihm viele Gemeindemitglieder, sodass nur noch 8 Personen übrig blieben.[163] Diese “Gemeinde” traf sich in der Mandaustr. 2a,[164] ab 1940 wurden die wenigen Mitglieder in ihren Wohnstuben von Görlitz aus betreut.[165] Die Neuapostolische Kirche erlitt wegen ihrer öffentlich erklärten Loyalität zum NS-Regime keine Verfolgung.[166]

4.3 Gemeinschaft der Siebten-Tags-Adventisten

Die Siebten-Tags-Adventisten waren seit 1914 in die Gemeinschaft und die Reformbewegung der Siebten-Tags-Adventisten gespalten. Während die Reformgemeinden aufgrund ihrer dogmatischen Glaubensausübung (Kriegsdienstverweigerung, Ablehnung von Arbeit am Samstag, Verweigerung des Hitlergrußes) in Deutschland verfolgt wurden, blieb die “Gemeinschaft der Siebten-Tags-Adventisten” ungestört[167], so auch in Zittau: Die 1909 gegründete Zittauer Adventgemeinde wurde von Kurt Dreßler geleitet, ihr Prediger war Fritz Jurke. Der Versammlungsraum der Adventisten befand sich ab 1937 in der Neuen Straße 4. Wie viele Mitglieder die Gemeinde im Zeitraum von 1933 bis 1945 hatte, lässt sich aufgrund fehlender Aufzeichnungen aus dieser Zeit nicht sagen. 1946 bestand die Zittauer Gemeinde aus 108 Gliedern und 35 Kindern.[168]

4.4 Christlich-Wissenschaftliche Vereinigung (Christian Science Society)

Die Christlich-Wissenschaftliche Vereinigung Zittau (Augustusallee 14)[169] wird von Dezember 1933 bis Oktober 1941 im monatlich erscheinenden “Christian Science Herold” erwähnt.[170] 1941 wurde die Vereinigung in Deutschland “zum Schutz von Volk und Staat” verboten.[171]

4.5 (Kirchenfreie) Christliche Gemeinschaft

Die Christliche Gemeinschaft wird in den Zittauer Adressbüchern von 1933, 1935 und 1938 erwähnt, 1938 mit dem Zusatz “kirchenfrei”. Ihr Gemeinschaftslokal befand sich im Hintergebäude der Bahnhofstr. 6, sie wurde von R. Dannert geleitet.[172] In einer Notiz des Polizeiamtes Zittau vom 19.04.1937 wird die Existenz der Christlichen Gemeinschaft erwähnt; laut einem anderen Dokument des Polizeiamts aus dem gleichen Jahr bestand die Gemeinschaft zu dieser Zeit aus acht Frauen.[173] Über ein Verbot der Christlichen Gemeinschaft, die “über der evangelischen Kirche und Landeskirchlichen Gemeinschaft steht und [...] das Wort Gottes gleichfalls so aus[legt], wie es in der Bibel steht”[174], ist nichts bekannt, da kein weiteres Material vorhanden ist.

4.6 Evangelische Gemeinschaft

Katholisch-apostolische Gemeinde

Reformiert-apostolische Gemeinde

Über die Evangelische Gemeinschaft Zittau ist nur bekannt, dass sich ihr Versammlungsort in der Inneren Oybiner Str. 6 befand.[175] Sie wurde von Prediger Ernst Dieck (1887-1957) geleitet.[176] Die Reformiert-apostolische Gemeinde wird in den Zittauer Adressbüchern mit ihrem Prediger Paul Midlisch erwähnt, ihr Gemeindelokal befand sich in der Wettinerstr. 23.[177] Die Katholisch-apostolische Gemeinde nutzte die Kapelle Marschnerstr. 10, ihr Vorsteher war Otto Fanthänel.[178] Über das Verhalten dieser drei Gemeinschaften sowohl prinzipiell im Nationalsozialismus als auch speziell in Zittau ist nichts bekannt.

5 Kirchliche und kirchenunabhängige christliche Vereine

5.1 Evangelisch-lutherische Vereine

Die Evangelisch-lutherische Gemeinde Zittau betreute unzählige Vereine, so den Gustav-Adolf-Zweigverein, den Gustav-Adolf-Frauen-und-Jungfrauen-Verein, das Evang.-luth. Einigungswerk, den Kreisverband für Älterenwerk der weiblichen Jugend, den Evangelischen Bund, den Bezirksverein und den Stadtverein für Innere Mission, den Bezirksverein für Äußere Mission, die Landeskirchliche Gemeinschaft und andere.[179]

Der Christliche Verein Junger Männer stand unter dem Vorsitz von Rudolf Ranft.[180] Inwieweit sich die Tatsache, dass Ranft Deutscher Christ war, auf die Vereinsarbeit ausgewirkt hat, ist nicht bekannt. Der CVJM organisierte Bibelstunden, Sport- und Unterhaltungsveranstaltungen und Ausflüge.[181] Im Juni 1939 wurde der CVJM in ganz Sachsen verboten.[182]

Die Landeskirchliche Gemeinschaft unter Leitung von Albert Bönisch[183] organisierte Sonntagsschule, Wanderungen und verschiedene Veranstaltungen.[184] Johannes W., damals Mitglied der Landeskirchlichen Gemeinschaft, erinnert sich daran, dass man gezwungen worden sei, im Gebäude der Landeskirchlichen Gemeinschaft über dem Wimpel der Gemeinschaft einen Hakenkreuzwimpel aufzuhängen. Laut Herrn W. entschied sich die Landeskirchliche Gemeinschaft, statt beider Wimpel keinen Wimpel aufzuhängen.[185]

5.2 Römisch-Katholische Vereine

Die katholischen Vereine wurden von Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft an verfolgt, da sie Hitlers Ziel der “Gleichschaltung” im Wege standen.[186] Aus diesem Grunde gibt es so gut wie keine Aufzeichnungen über die Arbeit der Zittauer Vereine aus dieser Zeit.

In Zittau existierten der katholische Männerverein “Kasino”, die Kolping-Familie, die Marianische Jungfrauenkongregation, der Elisabeth-Frauenverein, der Vinzenz- und Caritasverein, der Gesangsverein Cäcilia, der Volksverein für das katholische Deutschland und die Deutsche Jugendkraft.[187]

Der Volksverein für das katholische Deutschland löste sich 1934 reichsweit auf. Die Zittauer Ortsgruppe des Sportvereins “Deutsche Jugendkraft” wurde 1934 verboten.[188] Andere katholische Vereine mussten, da man nach Vorwänden suchte, die ein Verbot dieser Vereine rechtfertigen, unter größter Vorsicht arbeiten. So existierte zum Beispiel eine Chronik der Zittauer Kolping-Familie, in der auch Namen von Mitgliedern genannt wurden. Sie wurde zum Schutz der Mitglieder vernichtet.[189]

5.3 Kirchenunabhängige Vereine

Über die Tätigkeit kirchenfreier Vereine ist kein Material vorhanden. Bekannt sind die Existenz des Jugendverbandes für Entschiedenes Christentum (unter Vorsitz von Johannes Höfer)[190] und des Kreuzbrudervereines (Wohlfahrtsverein) e.V. (geleitet von Friedrich Winter[191], später von M. Schmidt).[192]

Teil B- Forschungsprozess

1 Archive

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bundesarchiv Berlin

Der Bestand R 5101 des Bundesarchivs beinhaltet die Akten des Reichsministeriums für kirchliche Angelegenheiten. In den Akten finden sich zwar auch lokale Geschehnisse, Zittau wird jedoch nur selten erwähnt. Informationen befinden sich in den Akten 23139 (Deutsche Glaubensbewegung), 23418 (Neuapostolische Religionsgemeinschaft), 23420 (Glaubensbewegungen und Sekten), 23766 (ohne Titel) und 23771 (Pfarrer-Personalien). Keine Informationen zu Zittau befinden sich in den Akten 23849 (Glaubensbewegungen und Sekten), 23134 (Evangelische Gemeinschaft), 19 (Statistiken), 23018 (Pfarr-Vereine), 23387 u. 23388 (Siebten-Tags-Adventisten), 24019 (Verhältnis des Staats zur katholischen Kirche in Sachsen), 23855 (Bistum der evang.-kath. apostolischen Gemeinden in Deutschland), 23433 Gustav-Adolf-Stiftungen, und den Akten der sächs. Landeskirche (23388, 23765, 23767, 23768, 24297, 24258).

Sächsisches Hauptstaatsarchiv Dresden

Im Hauptstaatsarchiv befinden sich die Prozessakten gegen Ernst S. und andere Bibelforscher sowie die Polizeiprotokolle zur Verteilung der Resolution (siehe 3.3). Des Weiteren ist eine Akte zu Richard Leubner (siehe 3.4) vorhanden.

Sächsisches Staatsfilialarchiv Bautzen

Im Staatsfilialarchiv Bautzen befinden sich die Akten des Amtsgerichts Zittau, darunter die amtlichen Dokumente des Zittauer Bezirksvereins für Innere Mission, des Stadtvereins für Innere Mission und des Christlichen Vereins Junger Männer Zittau. Allerdings handelt es sich hier nur um amtlich zu dokumentierende Vorgänge (Vorstandswahlen, Satzungsänderungen u.a.).

In den Akten zu kirchenpolitischen Maßnahmen (Bd. 1-5, entspr. Akte 4839-4843) finden sich nur Informationen zu Vorgängen in den kleineren Ortschaften der Amtshauptmannschaft Zittau. Einzig in Band 5 findet sich ein kurzer Hinweis zur Existenz der Zittauer Christlichen Gemeinschaft (siehe 4.5). In Akte 1845 “Verbot von kirchlichen Druckschriften” befindet sich ein Protokoll über das Treffen Superintendent Lic. Vetters mit den Bekenntnispfarrern (siehe 1.4). Die Akten zu den kirchlichen Angelegenheiten in der Amthauptmannschaft Zittau beinhalten keine Informationen zur Stadt Zittau.

Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt Merseburg

An das Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Abteilung Merseburg, wurde eine Anfrage zum Strafprozess vor dem Sondergericht Halle gegen den in Zittau inhaftierten Hermann Jakob G. (siehe 3.5) gerichtet. Die Prozessakten sind jedoch nicht überliefert (“durch Feindeinwirkung vernichtet”). Informationen zum Prozess konnten nur dem Register entnommen werden.[193]

Stadtarchiv Zittau

Im Bestand “Kirchen” des Stadtarchivs befinden sich keine Informationen zur NS-Zeit, mit Ausnahme einiger Dokumente zu Verwaltungsangelegenheiten des evangelischen Friedhofs (Frauenfriedhof). Der Bestand “Schulen” enthält eine Akte über die Auflösung der katholischen Marienschule.

Evangelisches Zentralarchiv Berlin

Die Akte 1/C3/131 “Nichtarische Musiker” enthält Dokumente zum Fall Bernhard Seidmann (siehe 1.5). In der Akte 1/A4/271 “Kirchenpolitische Vorgänge Sachsen” befinden sich Informationen zur Ablehnung der Bewerbung von Dr. Helmut Liebster durch das sächsische Landeskirchenamt (siehe 1.4) sowie kurze Bemerkungen zu unwesentlichen Vorgängen in Zittau.

Evangelisch-lutherisches Landeskirchenarchiv Sachsen in Dresden

Die Bestände des Landeskirchenarchivs sind beim Bombenangriff auf Dresden im Februar 1945 größtenteils vernichtet worden.[194] Trotzdem stellte das Archiv die größte Informationsquelle des Forschungsprojektes dar.

Die Akten 1.4.12 und 1.4.13 (Bestand 36) beinhalten Dokumente des Zittauer Pfarrernotbunds und der Bekenntnisgemeinschaft. Die Akte 385 (Bestand 5) dokumentiert Vorgänge in Reichenau, enthält jedoch auch Dokumente der Zittauer Bekenntnisgemeinschaft. Weitere Informationen zum Zittauer Notbund finden sich in den Akten 3.26 (Bestand 36) und 392 (Bestand 5).

Im Bestand 2 befinden sich nach 1945 angelegte Personalakten von Pfarrer Ranft (Akte 354), Pfarrer Winter (Akte 832), Pfarrer Fuchs (Akte 352), Pfarrer Sundermann (Akte 341), Pfarrer Wernicke (Akte 342) und Pfarrer Gottfried Fuß (Akte 353). Der Einblick in die Personalakte von Pfarrer Schäfer war aus Verwaltungsgründen nicht möglich.

Die Akte 212 (Bestand 2) dokumentiert Finanzangelegenheiten des Zittauer Pfarramts.

Informationen zur Tätigkeit Friedrich Winters als Superintendent in Marienberg befinden sich in den Akten 107, 309 und 394/3 (alle Bestand 5), in den Dauerleihgaben des Pfarramts Marienberg (Marienberg I, Marienberg II) und in der bereits erwähnten Personalakte Winters.

Die Entnazifizierung der Landeskirche wird dokumentiert in den Akten 151 (Bestand 2, Feststellungsausschuss A zu Pfarrer Ranft) und 152 (Bestand 2, Feststellungsausschuss B zu Superintendent Vetter).

Keine Informationen enthalten die Akten 273 (Juden), 227 (Nichtarische Notbundmitglieder), 158 (Behandlung der DC-Pfarrer 1945-54), LBR 211I (Strafen und Verhaftungen), 3.25 (Maßregelungen von Laien), 3.1 (Arierfrage) und 3.10 (Euthanasie), die zwar neben gesetzlichen Verordnungen auch Einzelfälle, aber keine Vorgänge in Zittau beinhalten.

Pfarramtsarchiv Zittau

Aus dem Pfarramtsarchiv wurden sechs Akten zur Verfügung gestellt: Die Akte 406 (Geistliches Amt) dokumentiert einige organisatorische Vorgänge, die Akten 403 und 404 beinhalten Informationen zur IV. und V. Pfarrstelle, die Akte 411 enthält Dokumente über Kanzleiangestellte (so auch über deren Entnazifizierung, siehe 1.6). In Akte 412, in denen sich Personal- und Gehaltsangelegenheiten befinden, gibt es keine für die Forschungsarbeit relevanten Dokumente. Die Einsichtnahme in weitere Akten war nicht möglich.

Diözesanarchiv des Bistums Dresden-Meißen in Bautzen

In den Akten des Diözesanarchivs befinden sich einige wenige Informationen zur katholischen Kirchgemeinde Zittau. Die Akten 500.02 und 503.00 beinhalten Dokumente zu schulischen Angelegenheiten (katholische Volksschule, Marienschule). Die in den Akten 700.00 (Verwaltungsangelegenheiten im Zusammenhang mit dem politischen Zeitgeschehen) und 660.00 (Jugendarbeit) gefundenen Informationen zur Zittauer Kirchgemeinde sind für die Forschungsarbeit nicht verwendet worden, da die hier dokumentierten Geschehnisse unwesentlich sind.

Geschichtsarchiv der Zeugen Jehovas Selters (Taunus)

Das Geschichtsarchiv der Zeugen Jehovas sandte auf Anfrage Kopien von Material zu Familie Christoph aus Zittau (siehe 3.3) und Richard Leubner aus Reichenau (siehe 3.4) zu. Außerdem erstellte das Geschichtsarchiv aus vorhandenem Material eine Schrift “Zur Verfolgung der Zeugen Jehovas im NS-Regime” mit Zittauer Fällen zusammen. Desweiteren sandte das Archiv Material zur Verfolgung der Glaubensgemeinschaft im Dritten Reich (Bücher, Zeitschriftenartikel u.a.) zu.

2 Religionsgemeinschaften und Vereine

Evangelisch-lutherische Kirche

(siehe auch: Evangelisches Zentralarchiv Berlin, Sächsisches Landeskirchenarchiv Dresden, Pfarramtsarchiv Zittau). Die Superintendentur Marienberg informierte auf Anfrage über Friedrich Winters Tätigkeit als Superintendent und vermittelte die Adresse von Gabriele Winter.[195] Die Evangelische Kirchgemeinde Ledde (Tecklenburg) sandte Informationen über Pfarrer Sundermanns Arbeit in Ledde zu.[196]

Römisch-Katholische Kirche

(siehe auch: Diözesanarchiv des Bistums Dresden-Meißen in Bautzen). Im Katholischen Pfarramt Zittau sind einige Broschüren über die Geschichte der Gemeinde sowie eine kurze Chronik des Pfarramts vorhanden.[197] Der Leiter der Zittauer Kolpingfamilie, Klaus K., besitzt ein Adressbuch über die Mitglieder der Kolpingfamilie von 1934 sowie eine historische Fotografie der Familie.[198]

Evangelisch-methodistische Kirche

1968 vereinigte sich die Evangelische Gemeinschaft mit der Bischöflichen Methodistenkirche zur “Evangelisch-methodistischen Kirche” (EmK).[199] Die EmK verwaltet somit die Aktenbestände der Evangelischen Gemeinschaft. Sowohl bei der Zittauer Gemeinde[200] als auch in der Superintendentur des Dresdner Distrikts[201] und im Zentralarchiv der EmK Reutlingen[202] befinden sich keine Informationen zur Evangelischen Gemeinschaft Zittau in der NS-Zeit.

Jehovas Zeugen

(siehe auch Geschichtsarchiv der Zeugen Jehovas in Selters). Material über die Glaubensgemeinschaft und über das Schicksal der Zeugen Jehovas im Dritten Reich sandte das Informationsbüro von Jehovas Zeugen (Selters) zu. Manfred und Rosmarie T. (Olbersdorf) berichteten über Zeugen Jehovas in Zittau und stellten Material zur Verfügung.

Gemeinschaft der Siebten-Tags-Adventisten

Im “Historischen Archiv der Siebten-Tags-Adventisten in Europa” Friedensau ist kein Material zur Zittauer Adventgemeinde in der NS-Zeit vorhanden.[203] Der Adventgemeinde Zittau liegen ebenfalls keine Unterlagen aus der Zeit von 1933-1945 vor, abgesehen von einem Mietvertrag über den Versammlungsort der Gemeinschaft aus dem Jahr 1937. Von den aus der damaligen Zeit noch verbliebenen Mitgliedern ist nach Auskunft des Gemeindevorstehers Thorsten B. keiner bereit über die Zeit zu sprechen.

Neuapostolische Kirche

Einige wenige Informationen zur Neuapostolischen Gemeinde in Zittau konnten bei der Neuapostolischen Kirche Sachsen/Thüringen und bei der Zittauer Gemeinde in Erfahrung gebracht werden.

Katholisch-apostolische Gemeinschaft

Der Gemeindeleiter der Katholisch-apostolischen Gemeinde Zittau, Joachim H., erklärte auf Anfrage telefonisch, dass Material zur Gemeinde aus der NS-Zeit vorhanden sei, dieses aber, da es sich um “gemeindeinterne Angelegenheiten” handle, für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sei.[204] Eine E-Mail-Anfrage an “united-apostolic.org” wurde nicht beantwortet.

Christian Science (Christliche Wissenschaft)

Dem Christian Science Komitee für Veröffentlichungen liegen keine Berichte über die Zittauer Vereinigung vor.[205] Das Hauptbüro der Christian Science in Boston ermittelte die Anzeigen der Zittauer Vereinigung in den Ausgaben des Christian Science Herold von 1933 bis 1941.[206]

Christlicher Verein Junger Menschen (CVJM)

Dem Christlichen Verein Junger Menschen (ehem. CVJ Männer) in Zittau liegen keine Informationen zum Verein in der NS-Zeit vor.[207] Auch der sächsische Landesverband des CVJM besitzt kein Material aus und über diesen Zeitraum.[208]

Evangelischer Bund

In der Bibliothek des Evangelischen Bund Sachsen ist kein Material über den Zittauer Verein von 1933-1945 vorhanden.[209]

Landeskirchliche Gemeinschaft / Entschiedenes Christentum

Die Landeskirchliche Gemeinschaft und der Jugendverband Entschiedenes Christentum in Zittau (mit gemeinsamen Archiv) stimmten einem Akteneinblick zunächst zu. Ein Mitarbeiter der Landeskirchlichen Gemeinschaft versprach, nach Akten aus der NS-Zeit im Archiv zu suchen. Trotz mehrerer erinnernder Telefonanrufe hat er dies bis jetzt nicht getan.

Gustav-Adolf-Werk

Eine Anfrage an das Gustav-Adolf-Werk nach Informationen zum Zittauer Gustav-Adolf-Zweigverein und zum Gustav-Adolf-Frauen-und-Jungfrauenverein wurde nicht beantwortet.

3 Institutionen, Bibliotheken, Gedenkstätten, Wissenschaftler

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Gedenkstätte Deutscher Widerstand Berlin

Der Gedenkstätte Deutscher Widerstand liegen keine Informationen zu christlichen Religionsgemeinschaften in Zittau von 1933-1945 vor.[210]

Evangelische Arbeitsgemeinschaft für kirchliche Zeitgeschichte München

Der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für kirchliche Zeitgeschichte liegen keine Informationen zu christlichen Religionsgemeinschaften in Zittau von 1933-1945 vor.[211]

Institut für Zeitgeschichte München

Dem Institut für Zeitgeschichte liegen keine Informationen zu christlichen Religionsgemeinschaften in Zittau von 1933-1945 vor.[212]

Katholische Akademie Berlin, Arbeitsgemeinschaft Zeitgeschichte

Eine Anfrage an die Arbeitsgemeinschaft Zeitgeschichte der Katholischen Akademie Berlin wurde nicht beantwortet.

Altbestand der Christian-Weise-Bibliothek Zittau

Im Altbestand der Christian-Weise-Bibliothek Zittau befinden sich die Ausgaben der “Zittauer Morgen-Zeitung” und der “Zittauer Nachrichten und Anzeiger”. Diese konnten aus Zeitgründen nicht systematisch nach Informationen durchsucht werden. Einzelne Ausgaben wurden zur Unterstützung bereits gefundenen Materials nach Artikeln durchgesehen. Der Altbestand ist außerdem im Besitz der Zittauer Adressbücher von 1933, 1935 und 1938 (nach 1938 erschienen keine Adressbücher mehr), deren allgemeine Informationen zu den Kirchen, den kleinen christlichen Religionsgemeinschaften und den christlichen Vereinen (Namen, Adressen u.a.) Ausgangspunkt der Forschungsarbeit waren.

Joseph-Wulf-Mediothek im Haus der Wannsee-Konferenz Berlin

In der Joseph-Wulf-Mediothek befindet sich eine Sammlung von Literatur zu den Kirchen und den weiteren Religionsgemeinschaften in der NS-Zeit, die zur Forschung genutzt wurde.

Gedenkstätten in ehemaligen Konzentrationslagern

Keine Informationen zu Zittauer Häftlingen liegen in den KZ-Gedenkstätten Buchenwald[213], Moringen[214] und Neuengamme[215] vor. Die Gedenkstätte Ravensbrück konnte Angaben zu einer Zeugin Jehovas aus Zittau ermitteln.[216] Eine Anfrage an die KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen wurde nicht beantwortet.

Manfred Gebhard, Berlin

Manfred Gebhard befasst sich mit Lehre und Geschichte der Zeugen Jehovas. Informationen zu den Zittauer Zeugen Jehovas im Dritten Reich liegen ihm nicht vor.[217]

Johannes Hartlapp, Friedensau

Johannes Hartlapp (Theologische Hochschule Friedensau) untersuchte die Geschichte der sächsischen Adventisten in der NS-Zeit. Fälle aus Zittau sind ihm nicht bekannt.[218]

Hermann Laube, Taubenheim

Hermann Laube erforschte die Geschichte der Zeugen Jehovas in der südlichen Oberlausitz. Er besitzt keine Informationen zu den Zittauer Zeugen Jehovas im Dritten Reich.[219]

Dietrich Mendt, Dresden

Dietrich Mendt war Superintendent in Zittau und hat 1988 im Rahmen einer Gedenkwoche an die Kristallnacht versucht, etwas über die Zittauer Kirchgemeinde im Dritten Reich herauszufinden. Er berichtete in einem Brief über Superintendent Vetter.[220]

Prof. Dr. Ulrich von Hehl, Leipzig

Prof. Dr. Ulrich von Hehl (Historisches Seminar der Universität Leipzig) ist Herausgeber des Buches “Priester unter Hitlers Terror”, in dem das Unterrichtsverbot für Kaplan Johannes Maier (siehe Kapitel 2) erwähnt wird. Auf eine Anfrage nach weiteren Informationen schickte er die Kopie eines Schreibens des Diözesanarchivs, das Informationen zu diesem Fall enthält.[221]

Dr. Stefan Samerski, Leipzig

PD Dr. Stefan Samerski (Geisteswissenschaftliches Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas Leipzig) befasst sich mit der Kirchengeschichte Ostdeutschlands. Ihm liegen keine Informationen zu den Zittauer Kirchen in der NS-Zeit vor.[222]

Jürgen Harder, Göttingen

Eine Anfrage an Jürgen Harder (Geschichtswerkstatt Göttingen), der sich mit der Verfolgung der Zeugen Jehovas im Dritten Reich beschäftigt, wurde nicht beantwortet.

4 Zeitzeugen

Evangelisch-lutherische Kirchgemeindeglieder

Max-Heinz Farke (Hameln), ab 1938 Pfarrer in Seifhennersdorf, schilderte seine Erinnerungen an den damaligen Superintendenten Lic. Vetter.[223] Gabriele Winter (Chemnitz), jüngste Tochter des IV. Pfarrers Friedrich Winter, berichtete über die Zeit ihres Vaters in Zittau.[224] Christa L. (Dinslaken), ehemaliges Zittauer Gemeindeglied, schrieb ihre Erinnerungen zu den kirchlichen Geschehnissen in der NS-Zeit.[225] Werner B. (Zittau)[226] und Rudolf H. (Zittau)[227] gaben einige wenige Informationen zum CVJM in Zittau. Johannes W. (Zittau) berichtete über seine Erinnerungen an die Landeskirchliche Gemeinschaft.[228] Eine kurze Darstellung des Forschungsprojekts vor dem Seniorenkreis der Evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde Zittau, verbunden mit der Anfrage nach Zeitzeugen, verlief ergebnislos. Eine Anfrage an Christliebe Sundermann (Zürich), Tochter von Pfarrer Alfred Sundermann, wurde noch nicht beantwortet.

Römisch-katholische Kirchgemeindeglieder

Eva und Maria H. (Zittau) berichteten über ihre Schulzeit an der katholischen Marienschule.[229] Beide versuchten, weitere Zeitzeugen in der katholischen Gemeinde zu finden, was jedoch nicht gelang.

Weitere Zeitzeugen

Willfried Leubner (Hamburg, Jehovas Zeugen) schilderte seine Erinnerungen an seinen Vater Richard Leubner und seine Erfahrungen im NS-Staat und stellte Material zur Verfügung.[230]

Über Annoncen in der Sächsischen Zeitung sowie im Oberlausitzer Kurier wurde nach Zeitzeugen gesucht, es gab jedoch keine Rückmeldungen.

5 Weitere Quellen

Um Informationen über den Verbleib von Pfarrer Rudolf Wagner nach dem Krieg zu erhalten, wurden Suchanfragen an den Suchdienst des Deutschen Roten Kreuz München (Ermittlung von Verschollenen des II. Weltkriegs) und an die Deutsche Dienststelle Berlin (Verwaltung von Akten über Soldaten, die den Krieg überlebt haben oder deren Tod im Krieg amtlich beurkundet wurde) gerichtet. Die Anfrage an das Rote Kreuz wurde negativ beantwortet[231], die Deutsche Dienststelle hat Pfarrer Wagner 1944 zuletzt vermerkt. Ob er im Krieg gefallen ist, ist nicht bekannt.[232]

Teil C- Auswertung

1 Zusammenfassung der Forschungsergebnisse

Evangelische Kirchgemeinde

1. Sowohl der Pfarrernotbund (später die Bekennende Kirche) als auch die Deutschen Christen existierten in Zittau. Daraus ergaben sich Konflikte innerhalb der Kirchgemeinde.
2. Die Konflikte in der Kirchgemeinde führten nicht, wie in vielen deutschen Gemeinden, zu einer Einschränkung oder gar einem Erliegen des kirchlichen Lebens. Beide Seiten, sowohl Bekenntnisgemeinschaft als auch Deutsche Christen, waren kompromissbereit und lehnten, um die Gemeindeglieder durch den Kirchenkampf nicht im kirchlichen Leben zu stören, die Zusammenarbeit nicht ab.[233]
3. Einige der anfangs deutschchristlich gesinnten Pfarrer traten nach einiger Zeit bei den Deutschen Christen aus und sympathisierten mit der Bekennenden Kirche.
4. Aufgrund der Mitgliedschaft im Pfarrernotbund hatte mindestens ein Pfarrer (Friedrich Winter) persönlich zu leiden.
5. Nicht nur Bekenntnispfarrer hatten unter dem NS-Regime zu leiden: So wurde das persönliche Schicksal mindestens eines Pfarrers durch die kirchenfeindliche Atmosphäre in der Bevölkerung bestimmt (Freitod des Sohnes Pfarrer Sundermanns aufgrund des Drucks seiner Mitschüler).
6. Aus kirchenpolitischen Zugehörigkeiten können keine Schlussfolgerungen auf politische Ansichten geschlossen werden.[234] So sind beispielsweise von den Bekenntnispfarrern Fuchs und Winter, obwohl mehrere persönliche Briefe Winters vorliegen, keine staatsfeindlichen Äußerungen bekannt. Das Verhalten der Bekenntnispfarrer kann nicht als Widerstand bezeichnet werden; der Notbund und die Bekenntnisgemeinschaft richteten sich zwar gegen einzelne (die Kirchenpolitik Hitlers betreffende) Punkte der NS-Ideologie, jedoch nicht gegen den Nationalsozialismus an sich.
7. Das Verhalten der Kirche zu den “nichtarischen” Kirchengliedern lässt sich aufgrund fehlender Quellen nicht charakterisieren. Dennoch ist ein Fall bekannt, bei dem sich die Kirchgemeinde gegen einen “Nichtarier” stellte (Bernhard Seidmann), wohingegen Fälle von kirchlicher Unterstützung “nichtarischer” Protestanten nicht bekannt sind.
8. Eine Entnazifizierung der Evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde fand statt. Jedoch ist mindestens eine Entscheidung des Feststellungsausschusses fragwürdig.[235]

Römisch-Katholische Kirchgemeinde

1. Die Katholische Kirchgemeinde Zittau musste als Diasporagemeinde und als Gemeinde einer sich gegen den NS-Staat auflehnenden Kirche[236] willkürliche Einschränkungen (Schulschließung, Vereinsverbote u.a.) erdulden.
2. Es gab Fälle von Verfolgung katholischer Geistlicher und Gemeindeglieder aufgrund von Äußerungen gegen den NS-Staat (Kaplan Johannes Maier, Franz M.).

Zeugen Jehovas

1. Trotz des reichsweiten Verbotes fanden in Zittau Versammlungen der Zeugen Jehovas statt.
2. Nicht alle der von Polizei und Sondergericht als Anhänger der Zeugen Jehovas bezeichneten Inhaftierten waren Mitglieder der Religionsgemeinschaft: Einige von ihnen nahmen nur aus Interesse an den Versammlungen teil und bestritten, Zeugen Jehovas zu sein. Bei ihnen ist teilweise eine nationalsozialistische Gesinnung erkennbar.[237]
3. Unabhängig davon, ob sie Anhänger der Zeugen Jehovas waren, wurden alle, die an den Treffen teilnahmen und deswegen festgenommen wurden, zu Haftstrafen verurteilt. Viele der Verurteilten wurden nach ihrer offiziellen “Haftentlassung” in Konzentrationslager überwiesen. Mindestens ein Zeuge Jehovas aus der Zittauer Umgebung (Erwin M. aus Seifhennersdorf) wurde zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Weitere christliche Religionsgemeinschaften

1. Mit Ausnahme der Christlich-Wissenschaftlichen Vereinigung wurde keine der in Zittau bestehenden christlichen Religionsgemeinschaften verboten.
2. Weder über Verfolgung und Widerstand noch über Anpassung oder Befürwortung des NS-Regiments ist etwas bekannt.

Christliche Vereine

1. Mit Ausnahme des Christlichen Vereins Junger Männer, der in Zittau unter Obhut der evangelischen Kirche stand, wurde kein Verein der Evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde verboten.

2. Die Vereins- und Jugendarbeit der Katholischen Kirchgemeinde wurde stark eingeschränkt (u.a. durch Verbote).

2 Auswertung des Forschungsprozesses

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, soll diese Arbeit keine umfangreiche Darstellung, sondern ein Ansatz für eine umfangreiche, sämtliche vorhandenen Quellen einbeziehende Erforschung des Verhaltens der Zittauer Kirchen und kleinen christlichen Religionsgemeinschaften in der NS-Zeit sein.

In dieser Auswertung des in Teil B dargestellten Forschungsprozess sollen kurz mögliche Quellen genannt werden, die in der einjährigen Forschungsarbeit aus zeitlichen und anderen Gründen nicht verwendet wurden:

1. Mit Datenschutz belegte bzw. nicht aufgearbeitete Akten

- Im Evangelisch-lutherischen Landeskirchenamt Dresden befindet sich die Personalakte des Zittauer Pfarrers Max Schäfer (siehe A 1.4), die nicht eingesehen werden konnte, da sie noch nicht aufgearbeitet wurde.
- Die das Unterrichtsverbot für Kaplan Johannes Maier (siehe A 2.5) betreffende Akte des Diözesanarchivs Bautzen ist bis 2014 aus Datenschutzgründen gesperrt. Informationen zu diesem Vorfall wurden einem Schreiben des Archivs an Prof. Dr. von Hehl (Leipzig) entnommen, das als Kopie vorliegt.

2. Nicht einsehbare Akten

- Im Evangelisch-lutherischen Pfarramtsarchiv Zittau befinden sich sicherlich noch mehr Akten aus der NS-Zeit: So könnte beispielsweise eine möglicherweise vorhandene Akte zur I. Pfarrstelle Auskunft über die politische und kirchenpolitische Einstellung Superintendent Vetters (siehe A 1.4) geben.
- Die Katholisch-apostolische Gemeinde Zittau besitzt Material zur NS-Zeit, ist aber nicht bereit, es zur Verfügung zu stellen.
- Die Landeskirchliche Gemeinschaft und der Jugendverband Entschiedenes Christentum haben ein gemeinsames Archiv in Zittau. Trotz mehrfacher Zusage eines Mitarbeiters, nach Material zur NS-Zeit zu suchen, konnten keine Akten eingesehen werden (siehe B 2). Da die Einsicht in Akten aber prinzipiell möglich ist und diese offenbar nur aus Zeitgründen nicht herausgesucht wurden, wäre dies ein erfolgversprechender Ansatzpunkt für weitere Forschungen.

Im Rahmen einer professionellen Forschungsarbeit ließe sich die Einsicht in diese Akten eventuell leichter ermöglichen als bei einer Schülerarbeit.

3. Archivakten zum allgemeinen Zeitgeschehen können nach Erwähnungen Zittau betreffend durchgesehen werden.

4. Die Ausgaben der “Zittauer Nachrichten und Anzeiger” und der “Zittauer Morgenzeitung”, die sich im Altbestand der Christian-Weise-Bibliothek Zittau befinden, müssen systematisch nach Meldungen die Kirchen und kleinen christlichen Religionsgemeinschaften betreffend durchge-sehen werden.

5. Es müssen weitere Versuche zur Ermittlung von Zeitzeugen unternommen werden.

Quellenverzeichnis

1. Schriftliche Veröffentlichungen

- AUGSTEIN, Rudolf: “Das ist eine Schande”. Über Papst Pius XII. und den Holocaust. In: DER SPIEGEL Nr. 43 vom 20.10.1997
- BECKER, Winfried: Neueste Zeit. In: Christ, Günter u.a.: Die Kirchen in der deutschen Geschichte. Von der Christianisierung der Germanen bis zur Gegenwart. Alfred Kröner Verlag Stuttgart, 1996
- BEDNAREK, Andreas; FLÖTER, Jonas; SAMERSKI, Stefan: Die Oberlausitz vom Ende des Ersten Weltkriegs bis zur Gegenwart. In: Bahlcke, Joachim: Geschichte der Oberlausitz. Herrschaft, Gesellschaft und Kultur vom Mittelalter bis zum Ende des 20. Jahrhunderts. Leipziger Universitätsverlag GmbH Leipzig, 2001
- BENZ, Wolfgang; PEHLE, Walter H. (Hrsg.): Lexikon des deutschen Widerstandes. Fischer Taschenbuch Verlag Frankfurt am Main, 1999
- BERLINER ENSEMBLE (Hrsg.): Rolf Hochhuth: Der Stellvertreter. Ein christliches Trauerspiel. Berliner Ensemble, 2001
- BESIER, Gerhard: Ansätze zum politischen Widerstand in der Bekennenden Kirche - Zur Gegenwärtigen Forschungslage. In: Schmädeke, Jürgen; Steinbach, Peter: Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Die deutsche Gesellschaft und der Widerstand gegen Hitler. Verlag R. Piper München, 1986
- BESIER, Gerhard: Die Kirchen und das Dritte Reich. Band 3: Spaltungen und Abwehrkämpfe 1934-1937. Econ Ullstein List Verlag Berlin und München, 2001
- BESIER, Gerhard; LUDWIG, Harmut; THIERFELDER, Jörg (Hrsg.): Der Kompromiß von Treysa. Die Entstehung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) 1945. Eine Dokumentation. Deutscher Studienverlag Weinheim, 1995
- BETHGE, Eberhard: Dietrich Bonhoeffer. Theologie, Christ, Zeitgenosse. Evangelische Verlagsanstalt. Berlin, 1986
- BISMARCK, Klaus von; DIRKS, Walter (Hrsg.): Christlicher Glaube und Ideologie. Verlagsgemeinschaft Kreuz Verlag Stuttgart Berlin und Matthias Grünewald Verlag Mainz, 1964
- BOBERACH, Heinz (Bearb.): Berichte des SD und der Gestapo über Kirchen und Kirchenvolk in Deutschland 1934-1944. Matthias Grünewald Verlag Mainz, 1971
- BONHOEFFER, Dietrich: Christus für uns heute. Eine Bonhoeffer-Auswahl. Evangelische Verlagsanstalt Berlin, 1971
- BÖNISCH, Georg; SCHWARZ, Ulrich: Absurde Idee. Ins einem neuen Buch wirft der Bestseller-Autor Daniel Jonah Goldhagen der katholischen Kirche Antisemitismus vor - und rennt weit offene Türen ein. In: DER SPIEGEL Nr. 41 vom 07.10.2002
- DENZLER, Georg; ANDRESEN, Carl: Wörterbuch Kirchengeschichte. Deutscher Taschenbuch Verlag München, 19975
- DIEHN, Otto: Bibliographie zur Geschichte des Kirchenkampfes 1933-1945. Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen, 1958
- DIRKSEN, Hans-Hermann: “Keine Gnade den Feinden unserer Republik”. Die Verfolgung der Zeugen Jehovas in der SBZ / DDR 1945-1990. Duncker & Humblot Verlag Berlin, 2001; zgl.: Diss. Univ. Greifswald, 1999
- DLUHOSCH, Peter (Hrsg.): 125 Jahre Katholische Pfarrei Mariä Heimsuchung Zittau. Katholisches Pfarramt Zittau, 1998
- DLUHOSCH, Peter; ROST, Ursula (Hrsg.): Katholische Pfarrkirche Mariä Heimsuchung in Zittau. Katholisches Pfarramt Zittau, 1990
- ECKERT, Dirk: Ende einer Legende. Die Rolle des Evangelischen Pressedienstes im Dritten Reich. In: Neues Deutschland vom 09.07.2002, S. 11
- FEURICH, Walter: Barmer Theologische Erklärung. In: Jenssen, Hans-Hinrich; Trebs, Herbert (Hrsg.): Theologisches Lexikon. Union Verlag Berlin, 1981
- FEURICH, Walter: Darmstädter Wort. In: Jenssen, Hans-Hinrich; Trebs, Herbert (Hrsg.): Theologisches Lexikon. Union Verlag Berlin, 1981
- FEURICH, Walter: Stuttgarter Erklärung. In: Jenssen, Hans-Hinrich; Trebs, Herbert (Hrsg.): Theologisches Lexikon. Union Verlag Berlin, 1981
- FISCHER, Fritz: Katholische Kirche und NS-Staat. In: Studt, Christoph (Hrsg.): Das Dritte Reich. Ein Lesebuch zur deutschen Geschichte 1933-1945. Verlag C.H. Beck München, 1998
- FISCHER, Gerhard: Antifaschistischer Widerstand von Christen. In: Jenssen, Hans-Hinrich; Trebs, Herbert (Hrsg.): Theologisches Lexikon. Union Verlag Berlin, 1981
- FISCHER, Joachim: Die sächsische Landeskirche im Kirchenkampf 1933-1937. Max Niemeyer Verlag Halle (Saale), 1972
- FRIEDMAN, PHILIP: Das andere Deutschland. Die Kirchen. arani Verlags-GmbH Berlin, 1960
- GARBE, Detlef: Zwischen Widerstand und Martyrium. Die Zeugen Jehovas im “Dritten Reich”. Oldenbourg Verlag München, 19973; zgl.: Diss. Univ. Hamburg, 1989
- GERLACH, Wolfgang: Als die Zeugen schwiegen. Bekennende Kirche und die Juden. Institut Kirche und Judentum Berlin, 19932; zgl.: Diss. Univ. Hamburg, 1970
- GRAML, Hermann: Widerstand. In: Benz, Wolfgang u.a.: Enzyklopädie des Nationalsozialismus. Deutscher Taschenbuch Verlag, 1997
- GRIEBEL, Katrin: Spuren jüdischen Lebens in Zittau. In: Hartstock, Erhard u.a.: Juden in der Oberlausitz. Lusatia Verlag Stübner & Co. KG Bautzen, 1998
- GRIEBEL, Katrin: Probleme der Regionalforschung zur Geschichte der Juden in kleineren Orten. In: Forschungen zur jüdischen Geschichte in Sachsen. Tagungsdokumentation. Friedrich Ebert Stiftung Dresden, 1999
- GÜNTHER, Fritz: 100 Jahre Katholisches Pfarramt. Katholisches Pfarramt Zittau, 1973
- HEHL, Ulrich von (Bearb.): Priester unter Hitlers Terror. Eine biographische und statistische Erhebung. Matthias Grünewald Verlag Mainz, 19852
- HEIM, Manfred: Einführung in die Kirchengeschichte. Verlag C. H. Beck München, 2000
- HESSE, Hans (Hrsg.): “Am mutigsten waren immer wieder die Zeugen Jehovas”. Verfolgung und Widerstand der Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus”. Edition Temmen Bremen, 1998
- HOCHHUTH, Rolf: Der Stellvertreter. Ein christliches Trauerspiel. Mit einem Vorwort von Erwin Piscator und einem Essay von Werner Mittenzwei. Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig, 1975
- HUNGER, Rudolf: Oberschule für Jungen (Realgymnasium) mit Höherer Handelsschule in Zittau. Bericht über das Schuljahr Ostern 1938 bis Ostern 1939. Zittau, 1939
- HÜRTEN, Heinz: Geschichte des deutschen Katholizismus 1800-1960. Matthias-Grünewald-Verlag Mainz, 1986
- HÜRTEN, Heinz: Selbstbehauptung und Widerstand der katholischen Kirche. In: Schmädeke, Jürgen; Steinbach, Peter: Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Die deutsche Gesellschaft und der Widerstand gegen Hitler. Verlag R. Piper München, 1986
- JOFFROY, Pierre: Der Spion Gottes. Kurt Gerstein - ein SS-Offizier im Widerstand? OT: L’Espion de Dieu (Editions Robert Caffout S.A. Paris, 1992). Aufbau Taschenbuch Verlag Berlin, 1995
- KAISER, Eva Maria; RAUSCH, Ulrich: Die Zeugen Jehovas. Ein Sektenreport. Pattloch Verlag Augsburg, 1996
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- KING, Christine E.: Building a healthy nation: The seventh day adventists. In: The Nazi State and the New Religions. Five Case Studies in Non-Conformity. The Edwin Mellen Press, New York / Toronto, 1983
- KLEMM, Hermann: Im Dienst der Bekennenden Kirche. Das Leben des sächsischen Pfarrers Karl Fischer 1896-1941. Vandenhoeck & Ruprecht Verlag Göttingen, 1986
- KLÖNNE, Arno: Kirchliche Jugend abseits der NS. In: ders.: Jugend im Dritten Reich. Die Hitler-Jugend und ihre Gegner. Piper Verlag München, 1995
- KÜNG, Hans: Kleine Geschichte der katholischen Kirche. OT: The Catholic Church. A Short History. Berliner Taschenbuch Verlag, Berlin 2002
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- MEIER, Kurt: Der evangelische Kirchenkampf. Erster Band: Der Kampf um die “Reichskirche”. Zweiter Band: Gescheiterte Neuordnungsversuche im Zeichen staatlicher “Rechtshilfe”. Dritter Band: Im Zeichen des zweiten Weltkrieges. Max Niemeyer Verlag Halle (Saale), 1976 (Bände 1 und 2) und 1984 (Band 3)
- MEIER, Kurt: Deutsche Christen. In: Jenssen, Hans-Hinrich; Trebs, Herbert (Hrsg.): Theologisches Lexikon. Union Verlag Berlin, 1981
- MEIER, Kurt: Kirchenkampf. In: Jenssen, Hans-Hinrich; Trebs, Herbert (Hrsg.): Theologisches Lexikon. Union Verlag Berlin, 1981
- MEIER, Kurt: Kreuz und Hakenkreuz. Die evangelische Kirche im Dritten Reich. Deutscher Taschenbuch Verlag München, 2001
- MINNINGER, Monika: Eine bekennende “Kirche”. Zur Verfolgung der Zeugen Jehovas in Ostwestfalen und Lippe 1933-1945. Stadtarchiv und Landesgeschichtliche Bibliothek Bielefeld, 2001
- MITZSCHERLICH, Birgit: Das Bistum Meißen in der NS-Zeit. In: Vollnhals, Clemens (Hrsg.): Sachsen in der NS-Zeit. Gustav Kiepenheuer Verlag Leipzig, 2002
- NIEMÖLLER, Martin: Was würde Jesus dazu sagen? Reden, Predigten, Aufsätze 1937 bis 1980. Union Verlag Berlin, 1980
- NORDEN, Günther van: Zwischen Kooperation und Teilwiderstand: Die Rolle der Kirchen und Konfessionen - Ein Überblick über Forschungspositionen. In: Schmädeke, Jürgen; Steinbach, Peter: Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Die deutsche Gesellschaft und der Widerstand gegen Hitler. Verlag R. Piper München, 1986
- NOWAK, Kurt: Kirchen und Religion. In: Benz, Wolfgang u.a.: Enzyklopädie des Nationalsozialismus. Deutscher Taschenbuch Verlag, 1997
- OEHME, Werner: Märtyrer der evangelischen Christenheit 1933-1945. Neunundzwanzig Lebensbilder. Evangelische Verlagsanstalt Berlin, 1979
- PAPE, Günther: Die Zeugen Jehovas - Ich klage an. Bilanz einer Tyrannei. Pattloch Verlag Augsburg, 1999
- PAPE, Klaus Dieter: Die Zeugen Jehovas - Eine Einführung. In: Richter, Diana u.a. (Hrsg.): Über die Brücke zum Wachtturm. Sekten und Psychokulte im Überblick. Referat Sekten und Psychokulte des Studentenrates der TU Dresden, 1998
- PARMEGGIANI, Aldo: Üble Spekulationen. Papst Pius XII. in neuem Licht. In: Dolomiten Zeitung Nr. 172 vom 26.07.2002
- PRATER, Georg (Hrsg.): Kämpfer wider Willen. Erinnerungen des Landesbischofs von Sachsen D. Hugo Hahn aus dem Kirchenkampf 1933-1945, bearbeitet und herausgegeben von Georg Prater. Brunnquell Verlag Metzingen, 1969
- PROLINGHEUER, Hans: Kleine politische Kirchengeschichte. 50 Jahre evangelischer Kirchenkampf von 1919 bis 1969. Pahl-Rugenstein Verlag Köln, 1985
- ROON, Ger van: Widerstand im Dritten Reich. Ein Überblick. Verlag C.H.Beck München, 19977
- SCHELLENBERGER, Barbara: Katholischer Jugendwiderstand. In: Schmädeke, Jürgen; Steinbach, Peter: Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Die deutsche Gesellschaft und der Widerstand gegen Hitler. Verlag R. Piper München, 1986
- SCHOLDER, Klaus: Die Kirchen zwischen Republik und Gewaltherrschaft. Gesammelte Aufsätze. Herausgegeben von Karl Otmar von Aretin und Gerhard Besier. Ullstein Verlag Frankfurt am Main und Berlin, 1991
- SCHOLDER, Klaus: Die Kirchen und das Dritte Reich. Band 1: Vorgeschichte und Zeit der Illusion 1918-1934. Band 2: Das Jahr der Ernüchterung 1934 - Barmen und Rom. Econ Ullstein List Verlag München, 2000
- SCHREIBER, Matthias: Martin Niemöller. Rowohlt Taschenbuch Verlag Reinbek, 1997
- SCHÜTZE, Steffen: Sondergerichtsbarkeit in Deutschland am Beispiel des Sondergerichtes für das Land Sachsen mit Sitz in Freiberg. Magisterarbeit, Universität Leipzig, 1995
- STEINBACH, Peter; TUCHEL, Johannes (Hrsg.): Lexikon des Widerstandes 1933-1945. Verlag C.H. Beck München, 1994
- STROHM, Christoph: Der Widerstandskreis um Dietrich Bonhoeffer und Hans von Dohnanyi - Seine Voraussetzungen zur Zeit der Machtergreifung. In: Schmädeke, Jürgen; Steinbach, Peter: Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Die deutsche Gesellschaft und der Widerstand gegen Hitler. Verlag R. Piper München, 1986
- STURSBERG, Walter: Glauben Wagen Handeln. Eine Geschichte der CVJM-Bewegung in Deutschland. CVJM-Gesamtverband in Deutschland e.V. Kassel, 1987
- ULBRICHT, Gunda (Hrsg.): Das erste Gebot. Sächsische Christen unter der Herrschaft des Nationalsozialismus. Unveröffentlichtes Manuskript, 2002
- VOLK, Ludwig (Bearb.): Akten deutscher Bischöfe über die Lage der Kirche 1933-1945. 4 Bände. Matthias-Grünewald-Verlag Mainz, 1981
- WACHTTURM BIBEL- UND TRAKTAT-GESELLSCHAFT, Deutscher Zweig, e.V. (Hrsg.): Lila Winkel. Die “vergessenen Opfer” des NS-Regimes. Die Geschichte eines bemerkenswerten Widerstandes. Begleitheft zur Ausstellung. Wachtturm-Gesellschaft Selters/Taunus, 1999
- WILHELM, Georg: Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Sachsens im “Dritten Reich”. In: Vollnhals, Clemens (Hrsg.): Sachsen in der NS-Zeit. Gustav Kiepenheuer Verlag Leipzig, 2002
- WITTIG, Werner H: Hands up. Das Leben des Werner X im Dritten Reich und danach. Erinnerungen. Werner H. Wittig Köln, 1996
- YONAN, Gabriele: Jehovas Zeugen. Opfer unter zwei deutschen Diktaturen. 1933-1945. 1949-1989. numinos Verlag Berlin, 1999

2. Archive und Privatbestände

Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde (BArch)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Sächsisches Hauptstaatsarchiv Dresden (HStAD)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Staatsfilialarchiv Bautzen (StFAB)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Stadtarchiv Zittau (StArZ)

- VI-II-2-35 (690/2) Gebäude der katholischen Schule

Evangelisches Zentralarchiv Berlin (EZA)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Evangelisch-lutherisches Landeskirchenarchiv Sachsen Dresden (ELKS)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Pfarramtsarchiv Zittau (PfAZ)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diözesanarchiv des Bistum Dresden-Meißen Bautzen (DArDM)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Geschichtsarchiv der Zeugen Jehovas Selters (GArZJS)

- unveröffentlichtes Manuskript “Zur Verfolgung der Zeugen Jehovas im NS-Regime (Zittau)”
- Dokumente Richard Leubner
- Dokumente Fam. Ch. / Hä. / Cz. / D.

Privatbestände

- Privatbestand Klaus K., Zittau
- Privatbestand Willfried Leubner, Hamburg
- Privatbestand Manfred und Rosmarie T., Olbersdorf

3. Zeitungen

Zittauer Nachrichten und Anzeiger

03.02.1933, 06.02.1933, 07.02.1933, 09.02.1933, 10.02.1933, 15.02.1933, 17.02.1933, 20.02.1933, 21.02.1933, 22.02.1933, 23.02.1933, 24.02.1933, 25.02.1933, 28.02.1933, 28.02.1934, 01.03.1934, 17.04.1934, 23.06.1934, 25.10.1934

Zittauer Morgen-Zeitung. Organ für Volksinteressen

20.07.1933, 21.07.1933, 22.07.1933, 23.02.1934, 24.02.1934, 27.02.1934, 01.03.1934, 20.03.1934, 26.09.1934, 24.10.1934, 07.03.1935, 08.06.1937, 03.11.1938, 14.02.1939, 30.09.1939, 25.11.1939, 09.12.1939, 13.01.1940, 27.01.1940

4. Vorträge

- KNOBLOCH, Mathias: Glaube und Anpassung. Die evangelische Kirche in und um Kamenz während der Zeit des Nationalsozialismus. Vortrag vom 26.09.2002, Kirchgemeindehaus Kamenz
- LAUBE, Hermann: Geschichte der Zeugen Jehovas in der südöstlichen Oberlausitz. Videoaufnahme des Vortrags vom 07.06.1993, Königreichssaal Zittau. Privatbesitz Familie Tamme

5. Videofilme

- KRUG, Stefanie / POPPENBERG, Fritz: Fürchtet euch nicht. Verfolgung und Widerstand der Zeugen Jehovas unter dem Nazi-Regime. Dokumentarfilm, 1997
- RICKERT, Annette: “... du musst dich damit auseinandersetzen... Sophienkirche Berlin-Mitte 9. November”. Dokumentarfilm, 1997
- WATCH TOWER BIBLE AND TRACT SOCIETY OF PENNSYLVANIA: Standhaft trotz Verfolgung. Jehovas Zeugen unter dem NS-Regime. Dokumentarfilm, 1998

[...]


[1] BERLINER ENSEMBLE (2001)

[2] BÖNISCH / SCHWARZ (2002), S. 206-207

[3] SCHOLDER (2000 Band 1), S. 13-59

[4] FRIEDMAN (1960), S. 15-22

[5] MEIER (1981) “Deutsche Christen”, S. 126-127

[6] FRIEDMAN (1960), S. 15-22

[7] ebd.

[8] vgl. BESIER (1986); ROON (1997)

[9] Sportpalastskandal: Am 13.11.1933 forderte Dr. Reinhold Krause, Gauobmann der Berliner Deutschen Christen, während einer Versammlung im Berliner Sportpalast unter anderem die “Befreiung vom Alten Testament mit seiner jüdischen Lohnmoral, von diesen Viehhändler- und Zuhältergeschichten, [sowie] auf die ganze Sündenbock- und Minderwertigkeitstheologie des Rabbiners Paulus zu verzichten. [...] Wenn wir aus den Evangelien das herausnehmen, was zu unseren deutschen Herzen spricht, dann tritt das Wesentliche der Jesuslehre klar und leuchtend zutage, das sich [...] restlos deckt mit den Forderungen des Nationalsozialismus”. (SCHOLDER 2000 Band 1, S. 785)

[10] FRIEDMAN (1960), S. 15-22

[11] ebd.

[12] ebd.

[13] SCHOLDER (1991), S. 258

[14] ebd.

[15] zur Biografie Hahns vgl. PRATER (1969)

[16] WILHELM (2002), S. 133-142

[17] Adressbücher Zittau 1933, 1935, 1938 (Altbestand der Christian-Weise-Bibliothek Zittau)

[18] OKR Paul Schulze: geb. 14.12.1866 Zittau, gest. 19.02.1945 Dresden, ab 1893 Pf. Schwarzenbach, ab 1900 Pf. Olbersdorf, ab 1931 Pf. u. Sup. Zittau. Nach seiner Emeritierung 1934 führte Schulze bis in den Krieg hinein eine Kasse zur Unterstützung suspendierter Notbundbrüder. (PRATER 1969, S. 276; KLEMM 1986, S. 306)

[19] Adressbuch 1933 (Altbestand der Christian-Weise-Bibliothek Zittau)

[20] PRATER (1969), S. 67

[21] Zittauer Morgenzeitung u. Zittauer Nachrichten vom 20.07.1933-22.07.1933

[22] Lic. theol. Paul Willy Vetter: geb. 14.08.1892 Bautzen, ab 1919 Pf. Seifhennersdorf, ab 1934 Pf. u. Sup. Zittau (PRATER 1969, S. 298)

[23] PfAZ Akte 403

[24] Friedrich August Julius Winter: geb. 26.01.1885 Meißen, gest. 23.02.1979, ab 1919 Pf. Ponickau, ab 1927 Pf. Zittau (ELKS Akte 832)

[25] Arndt Friedrich Hans von Kirchbach: geb. 30.01.1885 Dresden, gest. 28.03.1963 Goslar, ab 1924 Pf. Dresden, ab 1927 Domprediger Dresden, ab 1936 Sup. Freiberg, 1953 em. Gehörte zu den Gründern des sächs. Pfarrernotbundes und war eines der bedeutendsten Mitglieder der sächs. Bekenntnisgemeinschaft. (PRATER 1969, S. 249)

[26] 28 Thesen: Von Oberkirchenrat Dr. Walter Grundmann erarbeitete Thesen, die von der “Braunen Synode” am 11.8.1933 einstimmig angenommen wurden. Die Thesen stellen die Glaubensauffassung der Deutschen Christen als Grundlage für die gesamte Kirche dar und enthalten überwiegend antisemitisches u. rassistisches Gedankengut (z.B. Bekenntnis zu “Blut und Rasse”, Abwertung des Alten Testaments). (PRATER 1969, S. 41-42)

[27] Johannes Gerhard Fuchs: geb. 16.02.1877 Großerkmannsdorf (b. Radeberg), gest. 27.08.1965, ab 1921 Pf. Großwaltersdorf (Erzg.), ab 1926 Pf. Zittau (ELKS Akte 352)

[28] ELKS Akte 1.4.12

[29] ELKS Akte 392/2

[30] Dr. Werner Agricola, OKR Dresden. Agricola wurde später “die unbedingte politische Zuverlässigkeit nicht zuerkannt (...). Der Genannte ist zwar national eingestellt, dagegen ist aber eine nationalsozialistische Haltung bei ihm zu vermissen. (...) Ihm wird außerdem vorgeworfen, dass er die Bekenntnisfront unterstützt.” (KLEMM 1986, S. 427; BArch R 5101 Akte 23766)

[31] PfAZ Akte 403

[32] Die “Verordnung betreffend die Wiederherstellung geordneter Zustände in der Deutschen Evangelischen Kirche” (“Maulkorberlass”), am 04.01.1934 von Reichsbischof Müller erlassen, untersagte den Geistlichen jegliche Kritik am Kirchenregiment. (Scholder 2000 Band 2, S. 38)

[33] ELKS Akte 1.4.12

[34] ebd.

[35] Zittauer Nachrichten u. Zittauer Morgenzeitung vom 22.03.1934

[36] PfAZ Akte 403

[37] telef. Gespräch mit Gabriele Winter (Chemnitz) vom 15.02.2002

[38] ELKS Akte 392

[39] PfAZ Akte 403

[40] ELKS Akte 3.26

[41] PfAZ Akte 403

[42] Zittauer Nachrichten vom 17.04.1934

[43] Rudolf Ranft: geb. 11.09.1889 Chemnitz, gest. 07.01.1971, ab 1916 Pf. Wildenfels (Erzg.), ab 1927 Pf. Zittau, hier zeitweise Vors. des NS-Pfarrerbunds (ELKS Akte 354)

[44] PfAZ Akte 404

[45] Ernst Bruno Max Schäfer: geb. 30.09.1867 Waldeck, gest. 24.01.1957 Radeberg, ab 1895 Pf. Waldheim, ab 1900 Missionar in Ostafrika, ab 1904 Pf. Staucha, ab 1911 Pf. Kleinschönau, ab 1931 Zittau/Kleinschönau (KLEMM 1986, S. 466)

[46] ebd.

[47] Karl Wilhelm Fischer: geb. 22.03.1896 Chemnitz, gest. 15.09.1941 Dresden, ab 1922 Pf. Lauenstein, ab 1922 Pf. Dresden-Trinitatis. Gehörte zu den Gründern des sächs. Pfarrernotbunds und war der bedeutendste Theologe der sächs. Bekenntnisgemeinschaft, v.a. durch die Schrift “Warum können wir nicht DC sein?”. (PRATER 1969, S. 250; vgl. KLEMM 1986)

[48] KLEMM (1986), S. 230-231

[49] Erwin Eugen Hellmut Wiene>

[50] PfAZ Akten 403 u. 404

[51] ELKS Akte 1.4.12

[52] ebd.

[53] ebd.

[54] PfAZ Akte 403

[55] ELKS Akte 1.4.12

[56] ebd.

[57] PfAZ Akte 403

[58] Johannes Martin Friedrich Werni>

[59] PfAZ 404

[60] Gottlieb Alfred Sundermann: geb. 08.04.1893 Dahana (Insel Nias, Niederl.-Indien), ab 1930 Pf. Großenlupnitz, ab 1935 Pf. Zittau

[61] PfAZ Akte 404

[62] Zittauer Nachrichten vom 09.04.1935

[63] ELKS Akte 1.4.13

[64] ELKS Akte 1.4.13, PfAZ Akte 403. Winter wurde am 04.06.1938 aufgrund “fortgesetzter Versuche, die ordnungsmäßige Verwaltung der Landeskirche zu stören” durch das Landeskirchamt vom Superintendentenamt beurlaubt und erst am 18.02.1941 wieder eingesetzt. Bis zu seiner Versetzung in den Ruhestand blieb Winter Superintendent von Marienberg. (ELKS Akten 392/2, 832, 211/I)

[65] PfAZ Akte 403

[66] Für die IV. Pfarrstelle hatte sich beim sächs. Landeskirchenamt auch Dr. Helmut Liebster aus Leipzig beworben, der seine theol. Prüfung in der bayrischen Landeskirche abgelegt hatte. Seine Bewerbung wurde nicht anerkannt, da seine Prüfung nicht “vor der Prüfungskommission des [sächs.] Landeskirchenamtes abgelegt” wurde. Der eigentliche Grund für die Ablehnung seiner Bewerbung war jedoch seine Mitgliedschaft in der Bekennenden Kirche, zumal in anderen Fällen in der sächs. Landeskirche auch die Prüfungen anderer Landeskirchen anerkannt wurden, wie z.B. bei Pf. Sundermann, der von der thüring. Landeskirche übernommen wurde. (EZA 1/A4/271)

[67] Gottfried Wilhelm Otto Fuß: geb. 28.01.1906 Frankenstein (Kr. Flöha), gest. 11.09.1981 Holzminden, ab 1934 Pf. Cavertitz u. Olganitz, ab 1948 Pf. Zionskirchengem. Dresden, ab 1957 OKR im sächs. Landeskirchenamt. Vor 1933 Mitglied SPD, Sozialist. Stundenbund, Leuchtenburgkreis. Mitglied Pfarrernotbund / Bekennende Kirche (ELKS Akte 353)

[68] PfAZ Akte 403

[69] ELKS Akte 342

[70] vgl. dazu: HUNGER (1939), S. 19; Zittauer Morgenzeitung vom 03.11.1938; PfAZ Akte 404

[71] ELKS Akte 341

[72] BArch R 5101 Akte 23766

[73] BArch Akte 23771

[74] Alfred Rosenbergs “Der Mythus des 20. Jahrhunderts”, eine Zusammenstellung der religiös-völkischen Weltanschauung des Nationalsozialismus, richtete sich in aggressiver Weise gegen Kirche und Christentum. Das Buch war nach Hitlers “Mein Kampf” das am weitesten verbreitete programmatische Werk des Nationalsozialismus. (SCHOLDER 2000 Band 1, S. 274)

[75] StFAB Akte 4845

[76] PfAZ Akte 403

[77] ELKS Akte 152

[78] PfAZ Akte 403

[79] ebd.

[80] Wagner wurde zum 24.01.1942 zum Wehrdienst einberufen. Über seinen Verbleib nach dem Krieg ist nichts bekannt. Nach Auskunft der Deutschen Dienststelle Berlin wurde Wagner letztmalig 1944 als Angehöriger des Grenadier-Ersatz-Bataillons 465 Weißenfels erfasst. Spätere Meldungen u. eine Nachkriegsanschrift liegen nicht vor. (PfAZ Akte 403; Schreiben der Deutschen Dienststelle Berlin vom 17.10.2002; Schreiben des Deutschen Roten Kreuz - Suchdienst München vom 24.09.2002)

[81] vgl. das Buch “Juden in der Oberlausitz (Hartstock u.a., 1998) u. die Ausstellung “Menschen unter uns? Zur Geschichte der Juden in der Oberlausitz” (Städt. Museen Zittau, 1998)

[82] GRIEBEL (1999), S. 6

[83] Informationen zu Bernhard Seidmann in: EZA 1/C3/131. Der Fall wird auch erwähnt in: GERLACH (1993)

[84] vgl. Anmerkung 11

[85] GRIEBEL (1998), S. 186-189

[86] PfAZ Akte 406

[87] ELKS Akte 152

[88] ELKS Akte 151. Ranft war von 1949 bis 1960 II. Pfarrer in Riesa, bevor er in die Bundesrepublik nach Aschaffenburg zog. (ebd.)

[89] ELKS Akte 341. Sundermann trat 1947 in den Dienst der westfälischen Landeskirche über und war bis zu seiner Versetzung in den Ruhestand im Jahr 1958 Pfarrer in Ledde (ebd., Schreiben der Ev. Kirchgemeinde Ledde vom 08.11.2002)

[90] ELKS Akte 342. Wernicke trat auf eigenen Wunsch am 1.10.1949 in den Ruhestand und starb am 6.10.1968 (ebd.)

[91] PfAz Akte 406

[92] Schreiben v. Max-Heinz Farke, Hameln (08.12.2002)

[93] ELKS Akte 152

[94] Schreiben v. Max-Heinz Farke, Hameln (08.12.2002)

[95] PRATER (1969), S. 298

[96] SCHOLDER (2000 Band 1), S. 361-362

[97] F. FISCHER (1998), S. 102-103

[98] ebd.

[99] vgl. VON HEHL (1985)

[100] SCHOLDER (1991), S. 147-148

[101] ebd., S. 153-154

[102] vgl. dazu: HOCHHUTH (1975), JOFFROY (1995), PARMEGGIANI (2002), AUGSTEIN (1997)

[103] Gespräch mit Herrn B. (26.11.2001)

[104] GÜNTHER (1973)

[105] unbetitelte und undatierte handschriftliche Chronik des Pfarramts Zittau

[106] I. Walde: Unsere Pfarrjugend - Erinnerung an frühere Zeiten. In: DLUHOSCH (1998)

[107] Adressbücher Zittau 1933, 1935, 1938 (Altbestand der Christian-Weise-Bibliothek Zittau)

[108] StArZ VI-II-2-35 (690/2)

[109] ebd.

[110] WITTIG (1996), S. 22

[111] Gespräch mit Eva und Maria H. (09.08.2002)

[112] VOLK (1981), S. 629

[113] ebd., S. 652

[114] DArDM Akte 500-2 I

[115] HEHL (1985), S. 662; Brief des DArDM an Prof. Dr. v. Hehl v. 19.11.2002 (Kopie des Briefes zur Verfügung gestellt von Prof. Dr. v. Hehl). Maier wurde im Sommer 1937 nach Dresden versetzt, wo ihm 1938 erneut die Unterrichtserlaubnis entzogen wurde, da er “eine andere geistige Grundhaltung zutrage treten lassen [hat], als dies dem Charakter der Schule entspräche.”

[116] Gespräch mit Eva und Maria H. (09.08.2002)

[117] WITTIG (1996), S. 22

[118] HESSE (1998), Klappentext

[119] J. Harder / H. Hesse: Zeittafel zur Entwicklung und Verfolgung der Zeugen Jehovas. In: HESSE (1998), S. 426

[120] Video “Standhaft trotz Verfolgung” (1998)

[121] ebd.

[122] J. Harder / H. Hesse: Zeittafel zur Entwicklung und Verfolgung der Zeugen Jehovas. In: HESSE (1998), S. 426

[123] W. Slupina: Verfolgt und fast vergessen. In: HESSE (1998), S. 334

[124] IBV = Internationale Bibelforschervereinigung. Bis 1931 offizielle Bezeichnung für die Zeugen Jehovas; im Dritten Reich von staatlicher Seite weiterhin verwendeter Begriff. (DENZLER/ANDRESEN 1997, S. 636)

[125] MINNINGER (2001), S. 16

[126] Informationen zur Zittauer Aktion in: HStAD 2Js / SG 1978 / 36. Der Vorfall wird auch erwähnt in: SCHÜTZE (1995), S. 145

[127] Informationen zum Prozess in: HStAD KmS / SG 165 / 37 (2 Bde.)

[128] Herbert C. (geb. 1909 in Zittau) wurde 1936 verhaftet und vom Landgericht Berlin verurteilt. 1942 wurde er zum Wehrdienst einberufen, den er verweigerte. Nachdem seine Frau, die keine Bibelforscherin war, ihn umgestimmt hatte, diente er für etwa eine Woche, danach verweigerte er erneut den Kriegsdienst. Er wurde am 22.12.1942 von einem Feldgericht zum Tode verurteilt und am 22.01.1943 standrechtlich erschossen. (“Eine Familie aus Zittau”, unveröff. Manuskript des GArZJS, 2002; Dokumente Herbert C., GArZJS)

[129] J. Harder / H. Hesse: Zeittafel zur Entwicklung u. Verfolgung der Zeugen Jehovas. In: HESSE (1998), S. 426

[130] “Zur Verfolgung der Zeugen Jehovas (Zittau). Unveröff. Zusammenstellung des GArZJS (2002)

[131] ebd.

[132] ebd.

[133] ebd.

[134] “Eine Familie aus Zittau”. Unveröff. Manuskript des GArZJS (2002)

[135] ebd.

[136] ebd.

[137] Lebensbericht von Ursula K. geb. Ha. (1999), Privatbesitz Fam. T. (Olbersdorf)

[138] “Zur Verfolgung der Zeugen Jehovas (Zittau)”. Unveröff. Zusammenstellung des GArZJS (2002)

[139] Lebensbericht von Ursula K. geb. Ha. (1999), Privatbesitz Fam. T. (Olbersdorf)

[140] Beschluss vom 16.05.1938, Privatbesitz Fam. T.

[141] Lebensbericht von Ursula K. geb. Ha. (1999), Privatbesitz Fam. T. (Olbersdorf). Informationen über den Vorfall im KZ Ravensbrück findet man in der Literatur, u.a. bei HESSE (1998).

[142] ebd.

[143] Mitteilung des Ministeriums für Arbeit und Aufbau des Landes Sachsen vom 22.12.1950. Privatbesitz Fam. T. (Olbersdorf)

[144] “Richard Leubner” (Unveröffentlichtes Manuskript). GArZJS

[145] Schreiben v. Willfried Leubner, Hamburg (16.05.2002)

[146] Lebenslauf von R. Leubner (1946). Privatbesitz W. Leubner, Hamburg

[147] HStAD 2Js / SG 1570 / 36

[148] “Richard Leubner” (Unveröffentlichtes Manuskript). GArZJS

[149] Die in den Konzentrationslagern inhaftierten Zeugen Jehovas hatten die Möglichkeit, durch Unterschrift eines Revers entlassen zu werden. In dem Revers heißt es u.a.: “Ich habe erkannt, dass die Internationale Bibelforschervereinigung eine Irrlehre verbreitet [...]. Ich habe mich voll und ganz von dieser Organisation freigemacht.” Die meisten Zeugen Jehovas lehnten die Unterschrift ab. (YONAN 1999, S. 74)

[150] Lebenslauf von R. Leubner (1946). Privatbesitz W. Leubner, Hamburg

[151] “Richard Leubner” (Unveröffentlichtes Manuskript). GArZJS

[152] Schreiben v. Willfried Leubner, Hamburg (16.05.2002)

[153] ebd.

[154] Verfahrensakten von 1950, GArZJS

[155] Verfahrensakten von 1992, GArZJS

[156] LEUBNER (2002), S. 317

[157] “Zur Verfolgung der Zeugen Jehovas (Zittau)”. Unveröff. Zusammenstellung des GArZJS (2002)

[158] Schreiben des Landeshauptarchivs Sachsen-Anhalt, Abteilung Merseburg vom 04.11.2002

[159] DIRKSEN (2001), S. 493

[160] E-Mail v. Neuapostolische Kirche Sachsen / Thüringen (06.03.2002)

[161] Gespräch in der Neuapostolischen Gemeinde Zittau (04.09.2002)

[162] Adressbuch der Neuapostolischen Kirche 1934 (S. 210). In: BArch R 5101 Akte 23418

[163] Gespräch in der Neuapostolischen Gemeinde Zittau (04.09.2002)

[164] Adressbücher Zittau 1935, 1938 (Altbestand der Christian-Weise-Bibliothek Zittau)

[165] E-Mail v. Neuapostolische Kirche Sachsen / Thüringen (12.08.2002)

[166] KING (1979), S. 231. Bereits im März 1933 erklärte der Stammapostel der Neuapostolischen Kirche öffentlich, Adolf Hitler sei von Gott gesandt.

[167] J. Hartlapp: Adventisten aus Sachsen im Widerstand gegen den nationalsozialisten Staat. In: ULBRICHT (2002 unv.)

[168] Aufzeichnungen der Zittauer Adventgemeinde

[169] Adressbücher Zittau 1933, 1935, 1938 (Altbestand der Christian-Weise-Bibliothek Zittau)

[170] E-Mail v. Christian Science Komitee (11.04.2002)

[171] KING (1979), S. 221-225. King weist darauf hin, dass bis 1941 keine ernsthafte Verfolgung der Christian Science Society stattfand, da die Vereinigung den Kriegsdienst nicht ablehnte und auch sonst dem Nationalsozialismus nicht feindlich gegenüberstand. Offiziell wurden die Christlich-Wissenschaftlichen Vereinigungen in Deutschland verboten, weil sie für die in ihren Versammlungen ausgeübten spiritistischen “Heilungen” keine medizinische Praktizierungslizenz hatten.

[172] Adressbücher Zittau 1933, 1935, 1938 (Altbestand der Christian-Weise-Bibliothek Zittau)

[173] StFArB Akte 4843, Dok. 354 u. 355

[174] ebd.

[175] Adressbücher Zittau 1933, 1935, 1938 (Altbestand der Christian-Weise-Bibliothek Zittau)

[176] J. Falk: Zum Gedenken an Prediger Ernst Dieck. In: Evangelischer Botschafter 1957, S. 119. Archiv der evangelisch-methodistischen Kirche Deutschland, Reutlingen.

[177] Adressbücher Zittau 1933, 1935, 1938 (Altbestand der Christian-Weise-Bibliothek Zittau)

[178] ebd.

[179] Adressbücher Zittau 1933, 1935, 1938 (Altbestand der Christian-Weise-Bibliothek Zittau)

[180] Adressbücher Zittau 1935, 1938 (Altbestand der Christian-Weise-Bibliothek Zittau)

[181] telefon. Gespräch mit Rudolf H. (Zittau) vom 09.02.2002

[182] STURSBERG (1987), S. 352

[183] Adressbücher Zittau 1933, 1935, 1938 (Altbestand der Christian-Weise-Bibliothek Zittau)

[184] telefon. Gespräch mit Johannes W. (Zittau) vom 21.10.2002

[185] ebd.

[186] HÜRTEN (Mainz 1986), S. 209-242

[187] GÜNTHER (1973), DLUHOSCH / ROST (1990)

[188] ebd.

[189] Gespräch mit Klaus K. (02.10.2002)

[190] Adressbücher Zittau 1933, 1935, 1938 (Altbestand der Christian-Weise-Bibliothek Zittau); Schreiben des Deutschen EC-Verbandes Kassel vom 22.08.2002)

[191] nicht identisch mit Pfarrer Friedrich Winter

[192] Zittauer Morgenzeitung vom 18.02.1935, 06.03.1935, 22.02.1939, 23.02.1939

[193] Schreiben vom 04.11.2002

[194] Schreiben vom 28.11.2001

[195] Schreiben vom 19.03.2002

[196] Schreiben vom 08.11.2002

[197] Gespräch mit Herrn B. am 07.12.2001

[198] Gespräch mit Klaus K. am 02.01.2002

[199] DENZLER / ANDRESEN (1997), S. 398

[200] Gespräch mit Pastor Bernt Förster am 19.12.2001

[201] Schreiben vom 08.01.2002

[202] E-Mail vom 14.01.2002

[203] telefon. Gespräch mit Dr. Daniel Heinz am 28.02.2002

[204] telefon. Gespräch mit Joachim H. am 23.10.2002

[205] E-Mail vom 10.04.2002

[206] E-Mail vom 11.04.2002

[207] Gespräch mit Elke L. (CVJM Zittau) am 07.02.2002

[208] Schreiben vom 04.02.2002

[209] E-Mail vom 21.08.2002

[210] Schreiben vom 07.02.2002

[211] E-Mail vom 21.04.2002

[212] E-Mail vom 13.03.2002

[213] E-Mail vom 07.03.2002

[214] E-Mail vom 20.03.2002

[215] E-Mail vom 28.05.2002

[216] E-Mail vom 17.05.2002

[217] E-Mail vom 01.03.2002

[218] E-Mail vom 02.08.2002

[219] Schreiben vom 09.06.2002

[220] Schreiben vom 08.03.2002

[221] Schreiben vom 21.11.2002

[222] E-Mail vom 05.03.2002

[223] Schreiben vom 17.04.2002 und 08.12.2002

[224] telefon. Gespräch am 15.04.2002

[225] Schreiben vom 22.06.2002

[226] telefon. Gespräch am 13.04.2002

[227] telefon. Gespräch am 09.02.2002

[228] telefon. Gespräch am 21.10.2002

[229] Gespräch am 09.08.2002

[230] Schreiben vom 16.02.2002

[231] Schreiben vom 24.09.2002

[232] Schreiben vom 17.10.2002

[233] Aufgrund des von der Dahlemer Synode 1934 beschlossenen “kirchlichen Notrechts” (siehe Teil A 1.1) verweigerten viele Bekenntnispfarrer in Deutschland die Zusammenarbeit mit den deutschchristlichen Kirchenvorständen, wodurch das Gemeindeleben stark eingeschränkt wurde. (vgl. FRIEDMAN 1960, S. 15-22)

[234] Matthias Knobloch verweist diesbetreffend in seinem Vortrag (KNOBLOCH, Kamenz 2002) auf den Gersdorfer Pfarrer Karl Talatzko, der unmittelbar vor Kriegsende auf dem Kirchturm des Ortes eine weiße Fahne gehisst hatte und deshalb hingerichtet wurde, und auf Carl Goerdeler, der für seine Beteiligung am gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 hingerichtet wurde. Beide waren laut Knobloch Deutsche Christen. (vgl. hierzu OEHME 1979, S. 232-235 zu Talazko u. S. 216-227 zu Goerdeler)

[235] Gemeint ist die Entbindung Superintendent Vetters vom Ephoralamt aufgrund seiner anfänglichen DC-Mitgliedschaft. Gleichzeitig wurden die ebenfalls zunächst deutschchristlichen Pfarrer Sundermann und Wernicke nicht suspendiert.

[236] Gemeint sind hiermit die Proteste der Bischofskonferenz gegen Euthanasie und Judenmord; die Rolle des Papstes bleibt umstritten (vgl. Einleitung sowie Teil A 2.1).

[237] vgl. hierzu den Brief Walter Cz. an den Reichsjustizminister

Details

Seiten
33
Jahr
2003
Dateigröße
608 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v107839
Note
15
Schlagworte
Christliche Religionsgemeinschaften Zittau

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Titel: Christliche Religionsgemeinschaften in Zittau 1933-1945