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Brecht, Bertolt - "Leben des Galilei" - Vergleich mit Dürrenmatts "Die Physiker"

Referat / Aufsatz (Schule) 2003 8 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Inhalt und Thematik

2. Hauptfiguren

3. Theaterauffassungen

Wortzahl: 2365

1. Inhalt und Thematik

Um die beiden Dramen inhaltlich und thematisch vergleichen zu können, ist es zunächst notwendig, deren Inhalte zusammenzufassen.

Im „Leben des Galilei“ baut dieser ein holländisches Fernrohr nach und übergibt es der Republik Venedig. Mit dem Fernrohr kann Galilei seine wissenschaftlichen Ergebnisse beweisen. Als die Venezianer den Betrug bemerken, geht Galilei an den Hof von Florenz, wo sich jedoch die Gelehrten des Großherzogs weigern durch das Fernrohr zu schauen. Obwohl seine Lehren vom päpstlichen Astronom bestätigt werden, indiziert die Kirche die kopernikanischen Lehren. Als Galilei Jahre später seine Arbeit trotzdem wieder aufnimmt, wird sie auch beim Volk populär. Der Großherzog liefert ihn jedoch an die Inquisition aus, woraufhin er aus Angst vor Folter seine Lehren widerruft, was seine Schüler sehr enttäuscht. Galilei wird in ein Haus auf dem Lande verbannt, schreibt aber noch die „Discorsi“ zu Ende, welche dann sein ehemaliger Schüler Andrea ins Ausland schmuggelt.

Das Stück „Die Physiker“ jedoch handelt von drei Physikern, die in der psychiatrischen Anstalt „Les Cerisiers“ leben. Einer hält sich für Einstein, einer für Newton, während der Dritte, Möbius, angibt, ihm erscheine König Salomo. Nachdem jeder der drei eine Krankenschwester getötet hat, stellt sich heraus, dass sie gar nicht verrückt sind. Im Gegenteil: Möbius hat das System aller möglichen Erfindungen entdeckt, welches Newton und Einstein, in Wirklichkeit Kilton bzw. Eisler, im Auftrag zweier konkurrierender Geheimdienste in ihren Besitz bringen möchten. Es gelingt Möbius allerdings, die Agenten zu überzeugen, dass seine Forschungsergebnisse todbringende Folgen für die Menschheit hätten und deshalb nicht veröffentlicht werden dürften, woraufhin alle drei beschließen, freiwillig den Rest ihres Lebens in der Anstalt zu verbringen um die Welt zu retten. Eine überraschende Wendung tritt jedoch ein, als die Anstaltsleiterin Fräulein Dr. von Zahnd, die das Inkognito der drei seit langem durchschaut und Möbius’ Unterlagen kopiert hat, preisgibt, dass sie bereits ein Unternehmen zur Ausbeutung seiner Entdeckungen aufgebaut habe.

Auf den ersten Blick scheint es kaum inhaltliche Gemeinsamkeiten zu geben, liegt doch die Zeit der Handlung beider Stücke gut 300 Jahre auseinander: Während „Leben des Galilei“ von 1609 bis 1637 spielt - im Drama vergehen also 28 Jahre -, handelt „Die Physiker“ im 20. Jahrhundert - und im Stück wird auch nur ein Tagesablauf behandelt. Weiterhin sind die Handlungsorte verschieden. Brechts Drama spielt an verschiedenen Orten in ganz Italien, während Dürrenmatt sich auf den Salon der Irrenanstalt beschränkt.

Gemeinsam haben beide Stücke jedoch, dass die Hauptfiguren, also Galilei bzw. Möbius, Physiker sind, deren Forschungen tiefgreifende Veränderungen in der Gesellschaft zur Folge haben: zum Einen den Machtverlust der Kirche durch die Entdeckung Galileis, dass die Erde nicht der Mittelpunkt des Universums ist; zum Anderen die mögliche Zerstörung der Menschheit durch Möbius’ Entdeckung der Weltformel. Man könnte sogar sagen, dass je ein einzelner Mensch für das Schicksal der gesamten Menschheit verantwortlich ist. Weiterhin leben beide Physiker nicht in Freiheit, Galilei als Gefangener der Inquisition und Möbius anfangs noch freiwillig, später aber gezwungenermaßen in der Irrenanstalt. Ebenfalls setzen beide ihre Forschungen während ihrer Gefangenschaft heimlich fort und ihre Ergebnisse bleiben nicht geheim - mit dem Unterschied, dass Galilei sie absichtlich freigibt, während sie Möbius gestohlen werden und furchtbare Konsequenzen nach sich ziehen.

Auch thematisch unterscheiden sich beide Dramen nicht. Brecht und Dürrenmatt kritisieren beide vor dem Hintergrund der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki am 6. bzw. 9. August 1945 die Verantwortungslosigkeit der Wissenschaftler. In beiden Stücken wird, zwar durch unterschiedliche Wege und mit unterschiedlichem Ausgang, aufgezeigt, dass Wissenschaft und Forschung nicht zwingend auch Fortschritte mit sich bringen müssen, der Fortschrittsoptimismus und die Wertefreiheit der Wissenschaft werden bezweifelt.

2. Hauptfiguren

Hinsichtlich der Hauptfiguren der beiden Dramen sind erhebliche Unterschiede festzustellen, was hauptsächlich auf die völlig konträren Theaterauffassungen Brechts und Dürrenmatts, welche später noch erläutert werden, zurückzuführen ist.

Beiden gemeinsam sind lediglich die unter 1. bereits erwähnten „äußerlichen“ Merkmale wie ihr Beruf und dessen Auswirkungen. Viel tragender sind ihre Unterschiede:

Galileo Galilei ist Physiker aus Berufung, er hat Spaß an seiner Arbeit und forscht leidenschaftlich gern. So lässt er sicht nicht einmal von der Pest zurückschrecken. Außerdem lehrt er mit Eifer seinem Schüler Andrea das kopernikanische Weltbild, so dass er dann auch sehr erfreut ist über Andreas Absicht, auch einmal Physiker werden zu wollen. Weiterhin ist Galilei humorvoll und sprachgewandt, so veröffentlicht er seine Lehren in Latein, der Sprache der Obrigkeit, und Italienisch, der Sprache des Volkes. Er ist aber auch genuss- und selbstsüchtig. Letzteres zeigt sich darin, dass er seine Lehren vor der Inquisition nur aus Angst vor körperlichen Qualen, nicht aus edlen Motiven, widerruft. Schließlich glaubt er noch an die Vernunft des Menschen im Gegensatz zu Johann Wolfgang Möbius, welcher von der Unvernunft und dem Willen der Menschen zur negativen Ausnutzung der Wissenschaften überzeugt ist. Er bereut es auch mittlerweile trotz seiner Genialität, Physiker geworden zu sein, was ihn auch dementsprechend dazu veranlasst, seinem Sohn Jörg-Lukas ausreden zu wollen, Physiker zu werden.

Gegensätzlich zu Galilei, der sich später selbst als Verräter bezeichnet, da er nicht die nötige Verantwortung für das Wohl der Menschen übernommen habe, ist Möbius sehr verantwortungsvoll. Er hat nämlich die Auswirkungen seiner weltverändernden Forschungen studiert und ist zu dem Schluss gelangt, dass die Menschheit für sein Wissen noch nicht bereit sei und dieses daher zurückgehalten werden müsse, da es sonst als Machtmittel mit verheerenden Folgen missbraucht würde. Dieses Risiko will Möbius nicht eingehen und hat zugunsten der Menschheit sein ganzes Handeln dem Ziel untergeordnet, unentdeckt zu bleiben und sein Wissen für sich zu behalten. Aus Verantwortungsgefühl hat er Karriere, Reichtum und Familie aufgegeben und sich für verrückt erklären lassen, indem er behauptet hat, ihm erscheine der König Salomo. Es gelingt ihm schließlich sogar, seine beiden Physiker-Kollegen Kilton und Eisler davon zu überzeugen, dass die Freiheit der Forschung nur noch fernab der Wirklichkeit, in der Paradoxie einer Irrenanstalt, gewährleistet sei. Daher kann er durchaus als Held bezeichnet werden, obwohl sein Rückzug letztendlich aufgrund der „zufälligen“ Ergreifung der Macht durch die Irrenärztin sinnlos war. Dieser Einfluss des Zufalls ist ein typisches Element der Theaterauffassung Dürrenmatts, worauf ich jedoch später noch näher eingehen werde. Wie sich durch die folgende Darstellung von Galileis Positionen herausstellen wird, kann Möbius auch als eine Art „Anti-Galilei“ gesehen werden.

Da Galilei, wie bereits erwähnt, „an die sanfte Gewalt der Vernunft über die Menschen“ glaubt, ist er auch bemüht sein Wissen zu verbreiten und unter das Volk zu bringen, damit dieses schneller die neuen Gedanken akzeptiert. Denn nach seiner Auffassung kann die Vernunft nicht aufgehalten werden, sie wird früher oder später sowieso alles ans Licht bringen. Das bedeutet jedoch nicht, dass er aufgrund dessen die Verantwortung der Wissenschaftler ablehnt. Im Gegenteil, er ist sich der Auswirkungen bewusst und plädiert für einen „hippokratischen Eid der Wissenschaft“, nach welchem das Wissen nur zum Wohle der Menschen genutzt werden solle. Später verurteilt er sich jedoch im Exil selbst als sozialer Verräter, da er durch den Widerruf die Chance für einen solchen Eid vergeben habe. Eben dies wäre zur damaligen Zeit noch möglich gewesen, als Galilei „ebenso stark wie die Obrigkeit“ war.

Bei der Darstellung der beiden Figuren ist zu beachten, dass sie gemäß der Dramentheorien Brechts und Dürrenmatts nicht als eigenständige Charaktere an sich, sondern als verfremdete Typen dargestellt sind.

Möbius und Galilei sind also, wie sich herausgestellt hat, völlig verschieden, vertreten völlig verschiedene Auffassungen. Genauso, wie Möbius’ mutiges, heldenhaftes Verhalten als feige und unklug gedeutet werden könnte, da nur er allein versucht hat die Welt zu retten, könnte auch Galileis Widerruf als positiv und taktisch klug gewertet werden, da immer noch die Hoffnung bestand, dass seine „Discorsi“ über den Weg ins Ausland das Volk erreichen und die Wissenschaften positiv verändern. Davon ging Brecht schließlich auch in seiner ersten Fassung von 1938/39 aus. Negativ wurde Galileis Widerruf erst mit der zweiten Fassung als Reaktion auf den Atombombenabwurf.

3. Theaterauffassungen

Die Theaterauffassungen Brechts und Dürrenmatts könnten verschiedener gar nicht sein. Obwohl beide, wie bereits festgestellt, dasselbe Ziel, die Stärkung der Verantwortung von Wissenschaftlern, verfolgen, setzen sie dies auf unterschiedlichste Weise um.

Dabei benutzt Brecht sein selbst geschaffenes episches Theater, dessen Hintergrund seine marxistische Ideologie darstellt. Er geht dabei von einem optimistischen Weltbild aus, glaubt, dass die ungerechte Welt veränderlich, verbesserbar ist. Demzufolge versteht er sein Theater auch als marxistisches Lehrtheater. Der sich verändernden Welt müssen sich - so Brechts Meinung - auch die künstlerischen Verhältnisse anpassen, so dass das altgediente aristotelische Theater nicht mehr ausreicht um aktuelle Probleme hinreichend darzustellen. In seinem epischen Theater benutzt er daher hauptsächlich den Effekt der Verfremdung (auch: V-Effekt). So verfremdet er in „Leben des Galilei“ die Wirklichkeit, indem er die Probleme der Gegenwart in einem Geschichtsdrama abhandelt. Außerdem wird Galilei verfremdet, als er sich am Ende des Stückes selbst als Verbrecher verurteilt, obwohl man das ganze Drama lang mit ihm zittert. Dieser V-Effekt soll eine gewisse Distanz zum Zuschauer bewahren, welcher sich nämlich so nicht mehr in das Stück hineinversetzen kann, sich nicht mit dem „Helden“ identifizieren kann. Er wird gewissermaßen gezwungen, selbst über das Stück zu sinnieren.

Weitere typische epische Elemente sind eingelegte Songs, Zwischentexte und ein knappes Bühnenbild, die auch in „Leben des Galilei“ gefunden werden können: So gibt es Titel und kurze Epigramme zu Beginn jedes Bildes, die vorgetragen, gesungen oder projiziert werden können. Weiterhin wird realisiert, dass das Bühnenbild nur Andeutungen hinsichtlich der Gesellschaft und Epoche, in der Galilei lebte, macht. Ein in „Leben des Galilei“ sehr auffälliges Merkmal des Theaters Brechts ist die Nichteinhaltung der Einheit von Raum, Zeit und Handlung. So spielt das Drama über 28 Jahre, und der Zuschauer wird gewissermaßen durch ganz Italien geführt, von Venedig nach Florenz über Rom zu Galileis Haus auf dem Lande. Ebenfalls typisch für das epische Theater sind Schauspieler, die als solche für den Zuschauer noch erkennbar bleiben und sich sogar direkt ans Publikum wenden können. Wie das Wort „episch“ schon impliziert, kann die Handlung auch durch einen Erzähler, nicht nur durch die Schauspieler, unterbrochen werden. Hierbei wird deutlich, dass „Leben des Galilei“ nicht zum typischen epischen Theater gehört, da eben das zuletzt angesprochene Element fehlt, die Handlung also in sich geschlossen bleibt. Auch die von Brecht eigentlich geforderten locker aneinandergereihten Szenen, die keinen echten Höhepunkt, keine Spannungskurve, zulassen, werden in „Leben des Galilei“ nicht verwirklicht. Die Szenen liefern chronologisch den Verlauf von Galileis Kampf um die Wahrheit, so dass der Eindruck einer abgeschlossenen Handlung mit einer Spannungskurve wie im traditionellen Theater entsteht. Lediglich durch einige Bilder, in denen theoretische Gespräche geführt werden und die somit eine reflektierende Funktion haben, wird der Gang der Handlung durch diese Kommentare unterbrochen. In Galileis Selbstverurteilung spricht Brecht gar direkt mit den Worten der Hauptfigur zu den Zuschauern.

Hierin besteht eine Gemeinsamkeit mit Dürrenmatts „Die Physiker“, in dessen letzter Szene die Hauptfigur ebenfalls über das Geschehene reflektierend Dürrenmatts Kommentar wiedergibt. Doch zunächst zu seiner Theaterauffassung.

Ganz im Gegensatz zu Brecht ist Dürrenmatt politisch-ideologisch neutral, was auch in seinem Werk zum Ausdruck kommt, z. B. weil beide Ideologien, Kiltons und Eislers, für Möbius nur Gefängnisse bieten. Er glaubt auch nicht an die Möglichkeit, dass die Menschen selbst die Welt verändern können, er sieht sie als Chaos, beherrscht einzig durch den Zufall. Das unlösbare Rätsel, die Geschichte, könne durch einzelne Menschen nicht beeinflusst werden, da der Zufall die Geschichte schreibe. So sieht Dürrenmatt im Gegensatz zu Brecht auch keine persönliche Verantwortung oder Schuld, was auch in den Punkten 16 bis 18 aus „21 Punkte zu den Physikern“ deutlich wird. Demnach gehen „die Auswirkungen [der Physik] alle Menschen“ an und „[w]as alle angeht, können nur alle lösen.“ Daher muss „[j]eder Versuch eines Einzelnen, für sich zu lösen, was alle angeht, [...] scheitern“. Dadurch gibt es für Dürrenmatt auch kein Heldentum. Dies wird in „Die Physiker“ deutlich: Trotz des eigentlich heldenhaften Verhaltens Möbius’, sich freiwillig der Gesellschaft zu entziehen, alles aufzugeben um die Welt zu retten, ist es letztendlich der Zufall, die Machtergreifung durch eine wirklich Irre, der sein Tun sinnlos macht.

Dürrenmatt setzt also dem Geschichtsoptimismus Brechts die so genannte „schlimmstmögliche Wendung“ entgegen. Denn eine „Geschichte ist dann zu Ende gedacht, wenn sie ihre schlimmst-mögliche Wendung genommen hat“, welche „nicht voraussehbar“ ist und „durch Zufall“ eintritt (Punkte 3, 4 von „21 Punkte zu den Physikern“). Friedrich Dürrenmatt ist auch nicht der Auffassung, die Welt verändern und seine Zuschauer belehren zu können. Er glaubt, sein Publikum sei unbeherrschbar, er könne es nur überlisten und es dazu bringen, über Dinge nachzudenken, über die es das sonst nicht tun würde. Die beste und einzig mögliche Darstellungsform dafür sieht er in der Komödie, da durch das Nichtvorhandensein des Heldentums die Voraussetzung für eine Tragödie fehlt. Außerdem sieht er die Welt, in der Vernunft dem Zufall unterlegen ist, als paradox. Um diese Paradoxie darzustellen, benutzt er die Komödie, da diese eine paradoxe Handlung voraussetzt. Auch Dürrenmatt bedient sich der Verfremdung; er verfremdet jedoch die Gegenwart, indem er die aktuellen Probleme in einer Groteske zu Ende denkt. Wie bei Brecht werden auch seine Figuren verfremdet, ihre Eigenschaften übertrieben und ironisiert.

Weitere epische Elemente finden kaum in „Die Physiker“ Verwendung, es gibt weder einen Erzähler noch Zwischentexte, und auch die Handlung weist einen klaren Spannungsverlauf auf. So ist ein erster Wendepunkt erreicht, als Möbius die Krankenschwester tötet, dann kommt es zur Scheinlösung, als sich die drei Physiker für immer in die Irrenanstalt zurückziehen, und schließlich kommt es zur schlimmstmöglichen Wendung durch die Machtergreifung der Ärztin. Auch hält sich Dürrenmatt hier streng an die Einheit von Raum, Zeit und Handlung. Die Dauer der Dramenaufführung entspricht genau dem Zeitraum, in dem das Stück spielt, und der einzige Handlungsort ist die Irrenanstalt. Er sieht diese Einheit jedoch eher als Ausnahme, die manchmal vorkomme.

Außer dem Effekt der Verfremdung und dem oben erwähnten Autorenkommentar durch den Mund der Hauptfigur haben also die beiden Dramen „Leben des Galilei“ und „Die Physiker“ hinsichtlich der Theaterauffassungen ihrer Autoren nichts gemeinsam. Hier zeigt sich am deutlichsten, dass Dürrenmatts Werk als eine Zurücknahme des „Leben des Galilei“ verstanden werden kann.

Es stellt sich nun aber die Frage, welcher Autor der Wirklichkeit am nächsten kommt. Ist es Brecht mit seinem marxistischen Verständnis, dass die Welt irgendwann sein Optimum, die Gerechtigkeit, erreicht, oder ist es Dürrenmatt, der die Welt ins Chaos abgleiten sieht? Die bisherige Entwicklung angesichts der Bevölkerungsexplosion, Umweltverschmutzung, Terrorismus oder Massenvernich-tungswaffen scheint es zu zeigen: Die Welt ist bereits ins Chaos gestürzt. Naturkatastrophen und Zerstörungen scheinen unberechenbar und erst recht unbeeinflussbar zu sein. Von Geschichts-optimismus kann keine Rede sein, zumal die Geschichte schon mehrmals gezeigt hat, dass immer noch der Zufall den größten Einfluss hat und wohl auch in Zukunft haben wird.

Quellen:

Brecht, Bertolt: Leben des Galilei

Verlag Philipp Reclam jun.

Leipzig, 1974

Dürrenmatt, Friedrich: Die Physiker

Diogenes Verlag

Zürich, 1985

Hrsg. Geißler, Rolf: Zur Interpretation des modernen Dramas, Brecht - Dürrenmatt - Frisch

Verlag Moritz Diesterweg

Frankfurt am Main / Berlin / Bonn, ohne Jahr

Mennemeier, Franz Norbert: Modernes Deutsches Drama - Kritiken und Charakteristiken

Band 2: 1933 bis zur Gegenwart

Verlag Wilhelm Fink

München, ohne Jahr

Müller, Rolf: Komödie im Atomzeitalter - Gestaltung und Funktion des Komischen bei Friedrich Dürrenmatt

Verlag Peter Lang GmbH

Frankfurt am Main, 1988

Deutschhefter Kl. 12 und Kl. 13

Internet

Details

Seiten
8
Jahr
2003
Dateigröße
439 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v107617
Note
Schlagworte
Brecht Bertolt Leben Galilei Vergleich Dürrenmatts Physiker

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