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Die Entwicklung der Bundesdeutschen Kreditwirtschaft unter Betrachtung des Privatkundengeschäfts

Seminararbeit 2001 29 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Gliederung

I. Einleitung

II. Das deutsche Bankensystem
II.1 Struktur des deutschen Bankensystems
II.1.a Allgemeiner Aufbau
II.1.b Die Bankinstitute
II.2 Historischer Kontext und politische Entscheidungen

III. Das Privatkundengeschäft
III.1 Betrieblicher und rechtlicher Aufbau der untersuchten Institute
III.2 Das Privatkundengeschäft im Vergleich
III.2.a Private Sparguthaben und Neukundengewinnung
III.2.b Girokonto und Datenverwaltung
III.2.c Kleinkredit/ Kundenkredit/ Kaufkredit
III.2.d Bausparen
III.2.e Das Wertpapiergeschäft
III.2.f Allfinanzangebote
III.2.g Das Filialnetz

IV. Zusammenfassung

V. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Der Aufstieg der Bundesrepublik Deutschland zur drittgrößten Industrienation der Welt war nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges und den Problemen der Nach-kriegszeit1 keine Selbstverständlichkeit. Der rasche Wiederaufbau des Landes und der Wirtschaft und der sich bald einstellende und stetig steigende Volkswohlstand wurden bereits zahlreich beschrieben und illustriert.

Mit der wirtschaftlichen Entwicklung eng verbunden war der Wiederaufbau des deut-schen Bankensystems. Durch den Krieg und die Währungsreform fast aller Rücklagen beraubt, im Falle der Großbanken durch die Allierten zerschlagen, großer Geschäfts-bereiche durch Enteignung verlustig gegangen, traten die Institute ein in das neue Sys-tem der sozialen Marktwirtschaft. Ob dieses Experiment seinen eigenen Ansprüchen ge-nügen könne, war zu diesem Zeitpunkt ungewiss, versprach es doch nicht weniger als „Wohlstand für alle“, ein Slogan der Wiederaufbauphase.

Dem in den nächsten Jahren und Jahrzehnten folgenden stetigen Anwachsen des Brutto-inlandsproduktes und der damit verbundenen Einkommensverbesserung breiter Bevöl-kerungsschichten folgte alsbald das Anwachsen großer Kapitalbestände in den Händen dieser Gruppe. Es stellt sich die Frage, wie die Banken auf die Erhöhung des Einkom-mens und die Zunahme der Spartätigkeit breiter Bevölkerungsgruppen und damit ein- hergehend steigendem Bedarf an Dienstleistungen im Bankbereich reagierten und wie sie den großen Kreditbedarf der Wiederaufbauphase realisieren konnten?

Diese Arbeit wird sich mit den Veränderungen im Bankensektor beschäftigen2, die den Umgang mit breiten Kundengruppen, das sogenannte Privatkundengeschäft, betreffen. Die Bedeutung dieses Geschäftsbereiches für die Banken rechtfertigt die Beschrän-kung.3 Analysiert werden die Teilbereiche nach ihrer Entstehung und der Bedeutung für das Bankgeschäft und die Volkswirtschaft. Untersuchungsobjekte sind die drei in die-sem Bereich führenden Bankengruppen, die Großbanken4, Sparkassen und Girozentra-len und die Genossenschaftsbanken. Die Beschränkung auf diese Gruppe erfolgt aus fol-genden Gründen: 1. deren überregionale Präsenz,

2. die kontinuierliche Geschäftsentwicklung,

3. die dominierende Stellung im Privatkundengeschäft5.

Die anderen Kreditinstitute werden von der Untersuchung ausgeklammert, da ihre Ent-wicklung zwar ähnlich verläuft, doch meist regional begrenzt ist und immer wieder durch Fusionen und Aufkäufe unterbrochen und verändert wird.6 Auch die Entwicklung des Bankensystems in der DDR bleibt auf Grund der Andersartigkeit der Entwicklung ausgeklammert.7

Die wirtschaftshistorische Forschung setzt sich seit den 80er Jahren vermehrt mit der Entstehung und Entwicklung des deutschen Bankensystems und interdisziplinären Zu-sammenhängen, etwa mit der Volkswirtschaft oder der Soziologie, auseinander. Die Darstellung der Entwicklung der deutschen Kreditwirtschaft8 und der deutschen Ban-kengeschichte nach 19459 geben einen allgemeinen Überblick über Themenbereich und Forschung. Insbesondere die umfangreiche Forschung zur Sparkassengeschichte10 und die Darstellung der Geschichte der Deutschen Bank gewähren Einblick in Arbeitsbe-reiche und veränderte Entwicklungstendenzen einzelner Institute. Untersuchungen zu einzelnen Themenbereichen der Bankengeschichte finden sich in der Zeitschrift „Bank-historisches Archiv“. Zur betriebswirtschaftlichen Analyse der Entwicklung des Privatkundengeschäfts gibt es eine Reihe von Arbeiten, die die Strategien der Banken11, den Filialbetrieb12 und die allgemeinen Entwicklungstendenzen13 untersuchen und dabei auch auf das Kundenverhalten eingehen..

II. Das deutsche Bankensystem

II.1 Gliederung des deutschen Bankensystems

II.1.a Allgemeiner Aufbau

„Als eine der wichtigsten gesamtwirtschaftlichen Aufgaben eines Bankensystems kann die optimale Versorgung der Wirtschaft mit den erforderlichen Finanzierungsmitteln an-gesehen werden (...)“14 Somit kommen ihnen im Wirtschaftskreislauf zwei Funktionen zu: Zum einen eine Vermittlerfunktion zwischen Kapitalanbietern und -nachfragern, zum anderen eine Transformationsfunktion, dass heißt über Anlagedauer und Zins-gestaltung einen Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage herbeizuführen.15

Der in der Bundesrepublik dominierende Banktyp ist die Universalbank. Sie ist in vie-len Geschäftsfeldern tätig, verbindet mithin das Einlagen- und Kreditgeschäft mit sämt-lichen Arten des Effektengeschäfts. „Eine weite Begriffsbestimmung kennzeichnet so ein Kreditinstitut dann als Universalbank, wenn für die Geschäftstätigkeit des Instituts keine Beschränkungen für die Auswahl der Leistungsarten, der Kundengruppen und des Standortes bestehen.“16 Diese Universalbanken waren nicht von Anfang an als solche ausgelegt. Die Tätigkeitsbereiche haben sich erst durch die wirtschafts- und sozialpoli-tischen Veränderungen in Deutschland und die Umgestaltung der jeweiligen Kunden-kreise miteinander verknüpft.

Das Universalbankensystem, welches neben Deutschland auch in weiten Teilen Konti-nentaleuropas verbreitet ist, stand und steht in direktem Gegensatz zum anglo-amerika-nischen Spezialbankensystem17. Die Spezialbanken betreiben entweder das Kredit- und Depositengeschäft oder das Effektengeschäft, kombinieren diese jedoch nicht mitein-ander.

II.1.b Die Bankinstitute

Der deutsche Bankensektor unterteilt sich in die folgenden Bereiche:

- Zentralbank (Bundesbank)
- Großbanken
- Sparkassen, Girozentralen und Landesbanken
- Genossenschaftsbanken
- Private Bankhäuser
- Kreditinstitute mit Sonderaufgaben und Spezialbanken
- Sonstige (Regionalbanken, ausländische Banken, etc.)

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs und den Verheerungen der Nachkriegszeit18 war die Zentralbankfrage nach amerikanischem Vorbild, dem Federal-Reserve- System, gelöst worden. Nach dem Aufbau der unabhängigen Landesbanken (Winter 1946/47) wurde im März 1948 die Bank deutscher Länder in Frankfurt gegründet.19 Ihr kam das alleinige Recht zu Teil, Banknoten auszugeben. Weitere Aufgaben waren:

-Garantie der Währungsstabilität
-Regulierung des Geldumlaufes
-Sicherstellung der Kreditversorgung für die Wirtschaft.20

Die Aufgaben der Bundesbank liegen heute bei der Europäischen Zentralbank. Die Gruppe der Großbanken beinhaltete die drei größten der „Berliner“ Banken21, die Deutsche Bank, die Dresdner Bank22 und die Commerzbank. Nach ihrer Zerschlagung 1947 und in Teilschritten vollzogenen Wiedervereinigung23 gelang ihnen der rasche Aufbau neuer Strukturen und die Ausweitung der Geschäftsbereiche, z.B. in das Privat-kundengeschäft. 1996 betrugt ihr Marktanteil, gemessen am Geschäftsvolumen 10% al-ler Bankengruppen und 26% des Kreditbankensektors.24

Die Sparkassen unterscheiden sich von den anderen Universalbanken durch „die sich aus der öffentlichen Zweckbestimmung der Sparkassen ergebene Aufgabenbezogenheit, die aus ihrem Förderauftrag und der zu Grunde liegenden Besitzstruktur resultiert“25. Sie sind regional strukturiert, ihr Filialnetz unabhängig voneinander aufgebaut. Sie sind zumindest teilweise im Besitz der öffentlichen Hand26. Die Sparkassen und Girozentra-len hatten 1996 einen Marktanteil von etwa 38% am gesamten Geschäftsvolumen.27

Unter dem Begriff ‚genossenschaftlicher Bankenverbund’ werden eine Vielzahl recht-lich und wirtschaftlich unabhängiger unterschiedlicher Banken, Institute, Betriebe und Verbände zusammengefasst. Ihre Arbeit ist mitgliederorientiert. Durch relativ enge Zu-sammenarbeit stellen sie die Fähigkeit der einzelnen Kreditgenossenschaft her, als Uni-versalbank sämtliche Bank- und zusätzlich Allfinanz-Leistungen zu erbringen.28 1996 erreichte diese Gruppe einen Marktanteil von 19,1%.29

Die Gruppe der Privatbanken und Privatbankiers umfasst alle Institute, die in der Rechtsform eines Einzelkaufmanns, einer Personenhandelsgesellschaft30 oder einer Kommanditgesellschaft auf Aktien (KgaA) geführt werden. 1957 gab es in der Bundes-republik noch 245, 1975 lediglich 128, 1981 nur 83 und 1995 nur noch 65 Institute.31 Steigender Kostendruck und erhöhter Wettbewerb waren und sind eine Ursache für diesen Rückgang32. Zahlreiche Insolvenzen33 und Aufkäufe durch größere Banken kamen hinzu. Die größten privaten Bankhäuser in Deutschland sind Sal. Oppenheim jun. & Cie., Trinkhaus & Burkhardt und Merck, Finck & Co., wobei ein Teil der Banken in ausländischen Besitz übergegangen ist.

Zur Gruppe der Regionalbanken und sonstigen Banken werden alle Kreditbanken mit Ausnahme der Großbanken gezählt, die in der Rechtsform einer AG oder einer GmbH geführt werden.34 Hauptunterscheidungsmerkmal ist die regionale Abgrenzung ihres Tätigkeitsbereiches. Zusammen mit den als KgaA geführten Privatbanken hatten sie 1996 einen Marktanteil von 13%.35

Die Zahl der Zweigniederlassungen ausländischer Banken belief sich 1996 auf 160. Sie sind überwiegend in Frankfurt am Main angesiedelt. Ihr Marktanteil betrug 1996 4%.36

Die Kreditinstitute mit Sonderaufgaben waren hauptsächlich zur Förderung von Investi-tionen und zur Absicherung langfristiger Kredite eingerichtet worden. Bedeutendstes In-stitut ist die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die 1948 gegründet wurde, um mit-tel- und langfristige Kredite zu vermitteln und die Gelder des Marshall-Planes zu verwalten.37 Insbesondere bei der Wiedervereinigung 1990 trat die KfW wieder als Investitionsförderer in Erscheinung. Weitere Institute sind die als Lastenausgleichsbank für Vertriebene und Kriegsgeschädigte eingerichtete Deutsche Ausgleichsbank, die Deutsche Siedlungs- und Landesrentenbank und die Liquiditäts-Konsortialbank GmbH, die in Zahlungsschwierigkeiten geratenen Banken schnelle Liquiditätshilfen verschafft.

Die bedeutendsten Spezialbanken sind die privaten Hypothekenbanken und die öffentlich-rechtlichen Grundkreditanstalten. Ihre Aufgabe ist die Finanzierung des Wohnungsbaus, wobei öffentlich-rechtliche Institute besonders im sozialen Wohnungs-bau tätig sind. Weiterhin finanzieren diese Anstalten Industrie- ansiedlungen und andere Immobiliengeschäfte. Die privaten Hypothekenbanken sind seit den 70er Jahren von den Großbanken teilweise aufgekauft und integriert worden.38

II.2 Historischer Kontext und politische Entscheidungen

Die Phase des Wiederaufbaus Deutschlands erstreckte sich vom Ende des Krieges bis 1958. Wichtige Maßnahmen der Aliierten waren zum einen 1948 die Schaffung eines einheitlichen Wirtschaftsgebietes mit eigener Währung, zum anderen 1947/48 die Zer-schlagung der Großbanken39. Diese wurde schon am 29. März 1952 durch das Nieder-lassungsgesetz relativiert, die bisherige Aufspaltung der Großbanken durch die „Dreier-Lösung“ ersetzt40 und mit dem am 24. Dezember 1956 verabschiedeten „Großbanken-gesetz“ wurde den Großbanken der Wiederzusammenschluss ermöglicht. Für die Sparer relevant war das Altsparergesetz vom 14. Juli 1953, das die Verluste aus der Währungs- reform milderte.41 Die stabile neue Währung und die Gelder des Marshall-Plans sorgten erstmals seit langer Zeit in der Bevölkerung für Vertrauen in die Zukunft.42

1958 setzte eine Phase der Liberalisierung des Bankenmarktes der Bundesrepublik Deutschland ein. „Mit der Aufhebung der Bedürfnisprüfung für Zweigstellen der Kre-ditinstitute fielen in diesem Jahr wichtige Beschränkungen für die räumliche Expan-sion.“43 Die Banken konnten nun an ihnen genehmen Orten und ihnen genehmer Anzahl Filialen eröffnen und zunehmend miteinander in Konkurrenz um den Kunden treten. Folgende politische Entscheidungen erhöhten den freien Wettbewerb und förderten die volle Reintegration der Kreditwirtschaft in den Markt zusätzlich:

-Aufhebung der Zinsverordnung (1. April 1967), welche bis dahin die preisdispositiven Spielräume der Bankleitungen eingeschränkt hatte,
-Außerkraftsetzung des Wettbewerbsabkommens (1. Dezember 1967)44,
-Preisauszeichnungspflicht für Bankdienstleistungen im Jahr 1973.

Im gesamten Zeitraum kam es zu Veränderungen in der Einkommensstruktur der Be-völkerung (s. III.2.a). Die Erhöhung des Einkommensanteils breiter Bevölkerungsgrup-pen war und ist Absicht, mithin staatlich gefördert, um die soziale Basis des Landes zu festigen. Die politischen Veränderungen folgten meist den wirtschaftlichen Begeben-heiten und Bedürfnissen.45 Seit den späten 70er Jahren ermöglichten und förderten Libe-ralisierungsbestrebungen im Wirtschaftssystem Europas eine Internationalisierung des Bankgeschäfts und eine Ausdehnung der Geschäftsbereiche nach Westeuropa, bei gleichzeitiger Technisierung und Automatisierung, die das Erscheinungsbild sowohl des Staates und der Gesellschaft, als auch damit verbunden, des Bankensektors mit sich brachten. Mit der Wiedervereinigung 1990 wurde das Bankensystem der ehemaligen DDR in das bundesdeutsche übernommen und integriert. Dies war lediglich eine Aus-weitung des Marktes, brachte für die Strukturen kaum Veränderungen mit sich.

III. Das Privatkundengeschäft

Der Begriff Privatkundengeschäft war bis 1959 unbekannt.46 „Anfangs verwendete Be-griffe wie Massen- oder Breitengeschäft wurden erst allmählich von den Bezeichnungen Mengen- oder Privatkundengeschäft abgelöst.“47 Die drei „klassischen“ Angebote die-ses Bereiches waren und sind Spargeschäft, persönliche Kredite und Lohn- und Gehalts-kontenführung, die durch weitere Dienstleistungsangbote erweitert wurden und werden. Dieser Markt für Kredite an Unselbstständige und Spareilagen von Privatpersonen unterscheidet sich grundlegend vom klassischen Bankgeschäft mit einem überschauba-rem Kreis von Firmenkunden und Selbstständigen.48

Dank des raschen Anstiegs der Masseneinkommen49 nahm alsbald auch die Spartätig-keit breiter Bevölkerungskreise zu. Mit erhöhtem Privatvermögen stiegen auch Bank-dienstleistungs- und Beratungsbedarf. 1989 verfügten 97% aller Deutschen über eine Verbindung zu einem oder mehreren Kreditinstituten und besaßen im Durchschnitt fast 100.000 DM Geldvermögen.50

Die Geschäftsbereiche im Privatkundengeschäft wurden, auch dank des seit 1958 freier werdenden Wettbewerbs, ständig erweitert. Hinzu kamen Wertpapierhandel, Bausparen, Investmentsparen und über das eigentliche Bankgeschäft hinausgehende Betätigungs-felder wie der Handel mit Immobilien oder der Vertrieb von Versicherungen.51 Mit der Auweitung der Geschäftsbereiche ging eine Segmentierung der Kundengruppen einher. Demographischer Wandel und Veränderungen der Sozialstruktur52 der Bevölkerung veränderten die Ansprüche an die Banken und deren Ansprüche an die Kunden. Da „nicht jeder Kunde alles brauche“53, wurden bestimmte Angebote auf bestimmte Grup-pen beschränkt. Diese Segmentierung vertikal, nach Alter und „Stellung“ in der Gesell-schaft54, zum anderen horizontal, dem Einkommen nach.55 brachte Veränderungen in Anspruch und Angebot mit sich, die im Folgenden zu untersuchen sind.

III.1 Betrieblicher und rechtlicher Aufbau der untersuchten Institute

Die Sparkassenorganisation ist regional strukturiert und dreistufig aufgebaut. Die erste Ebene bilden die an die Gemeinde gebundenen Kommunalsparkassen. Die Gemeinden sind Gewährträger, gleichzeitig sind die Sparkassen die Finanzinstitute der Kommunen und erfüllen zusätzlich einen öffentlichen Auftrag.56 Sie sind in der örtlichen Dimension durch das Regionalprinzip voneinander abgegrenzt.57 Die zweite Ebene bilden die Lan- desbanken/ Girozentralen, die gemeinschaftlich von den kommunalen Gewährträgern und den Sparkassen getragen werden. Sie wickeln den Giralverkehr der ihnen unterge-ordneten Einheiten ab und sind außerdem im Devisen-, Wertpapier- und Auslands-geschäft tätig.58 Auf dieser Ebene sind auch zahlreiche regionale Verbundunternehmen (Landesbausparkassen, Versicherungen, etc.) angesiedelt. Das zentrale Spitzeninstitut ist die Deutsche Girozentrale - Deutsche Kommunalbank (DGZ) mit den später gegrün-deten zentralen Verbundunternehmen Deutsche Kapitalanlagegesellschaft (DEKA) und Deutsche-Sparkassen-Immobilien-Anlage-Gesellschaft (DESPA). Träger sind die Re-gionalverbände und die Girozentralen.59

Der Aufbau der Kreditgenossenschaften folgt einem ähnlichen Prinzip. Jeder übergeord-neten Ebene sind genau die Aufgaben zugeordnet, die die darunter liegende allein nicht erbringen kann. Untere Ebene sind die unabhängigen Kreditgenossenschaften. Sie arbei-ten mitgliederorientiert und vertreiben sowohl ihre eigenen Produkte als auch die Ver-bundprodukte, um so alle Angebote Universalbank anbieten zu können. Die zweite Stufe bilden die regionalen Zentralinstitute der Volks- und Raiffeisenbanken. Sie sind Geldausgleichsstellen und Refinanzierungsquellen und wickeln den bargeldlosen Zah-lungsverkehr ab. „Ihre traditionelle Aufgabe besteht im Ausgleich struktureller Un-gleichgewichte einzelner Kreditgenossenschaften, die überwiegend anlage- oder kredit-bedürftig sind.“60 Spitzeninstitut der genossenschaftlichen Bankengruppe ist seit 1975 die Deutsche Genossenschaftsbank (DG Bank)61. Ihr Grundkapital liegt zu 99% bei ge- nossenschaftlichen Anteilseignern. „Sie hat den gesetzlichen Auftrag, das deutsche Ge-nossenschaftswesen zu fördern und betreibt als universell arbeitende Geschäftsbank mit Emissionsrecht Bankgeschäfte aller Art (...).“62

Das Privatkundengeschäft der Großbanken ist deutschlandweit einheitlich gegliedert und untersteht direkt dem jeweiligen Vorstand. Der Giralverkehr und die Verwaltung werden zentral abgewickelt. Regionale Strukturierungen dienen nur der Vereinfachung der Verwaltung. Wie die als Aktiengesellschaften geführten Stammhäuser arbeitet auch dieser Geschäftsbereich gewinnorientiert. In den Filialen wird die gesamte Produktpa-lette des Mutterkonzerns angeboten. Die Kundenstruktur unterscheidet sich von den Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Sie ist durchschnittlich vermögender und an mehr und intensiverer Beratung zur Vermögensverwaltung interessiert. Die funktionelle Sichtweise aus der bankbetrieblichen Perspektive ist dabei auf eine Erhöhung der Ren-tabilität durch innovative Produktentwicklung und durch verstärkte Nutzung von Syner-gieeffekten bei den Vertriebskanälen ausgerichtet. Die einzelnen Banken, Deutsche Bank63, Dredner Bank64 und Commerzbank65 sind, nach anfänglicher Orientierung auf Wachstum, seit den 80er Jahren daran interessiert, durch Umstrukturierungen, Ausglie-derungen und Zusammenlegung von Geschäftsfeldern höhere Rentabilität zu erzielen. Dies führte und führt zu häufigen Veränderungen der Geschäftsstruktur und der Bewer-tung der Bedeutung des Privatkundengeschäfts.

III.2 Das Privatkundengeschäft im Vergleich

III.2.a Private Sparguthaben und Neukundengewinnung

„Jede Bank benötigt zur Ermöglichung eines eigenen Aktivgeschäftes bestimmte Kon-tingente an Passivgeldern zur Refinanzierung...“66. Passivgelder sind Einlagen (z.B. Sparguthaben), die den Banken gegen Vergütung zur Verfügung gestellt werden.

Private Sparguthaben, insbesondere für Kleinkunden, waren traditionell das Geschäfts-feld der Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Der so entstandene Passivgeld-Be-stand versetzte die Insitute erst in die Lage, selbst das Aktiv-Geschäft (z.B. Kreditverga-be) zu betreiben. Doch die teilweise Sperrung von RM-Einlagen und die Reduktion des Spareinlagenbestandes67 sowie der Nachholbedarf im Konsumbereich schufen nach En-de des Krieges und der Währungsreform ein „psychologisch schlechtes Sparklima“.68

Um den Wiederaufbau finanzieren und einen leistungsfähigen Kapitalmarkt wiederauf-bauen zu können, benötigte man Spareilagen dringend. Der „’kleine Mann’, der nun bank- und sparfähig“69 wurde, musste mit seinen Ersparnissen in die Kreditwirtschaft mit einbezogen werden. Die Banken nahmen Zinszahlungen als Sparanreiz auf und der Staat förderte das Sparverhalten durch Steuerbegünstigung von Spareinlagen von 1948 bis 1958 und ab 1959 durch das Sparprämiengesetz, welches langfristig einen Beitrag zur Eigentumsbildung breiter Bevölkerungsschichten leistete und gleichzeitig zu länger-fristigem Sparen anregte.

Typische Sparformen in den 50er Jahren waren vor allem das Sparbuch und das Spar-konto. Hinzu kam, vor allem beim wichtigsten Anbieter, den Sparkassen, eine Diversi-fizierung der Sparangebote, um speziellen Kundensegmenten das Sparen attraktiver zu machen. Besonders erfolgreich war das 1952 eingeführte PS-Prämien-sparen70. Sowohl Sparkassen als auch Kreditgenossenschaften fördern das Vereins-, Schul- und Betriebs-sparen. Hierbei standen sparpädagogische Argumente im Vordergrund. Der Spareinla- genbestand stieg von 1949 bis 1959 von ca. 3 Mrd. DM auf 55 Mrd. DM. Die Sparkas-sen hatten in diesem Zeitraum einen Marktanteil von über 60%.71

Für die Großbanken hingegen war die Öffnung zum Privatkundengeschäft, zu in die Bankreife hineinwachsenden Bevölkerungsschichten, zunächst insofern nur Mittel zum Zweck, als über die Erfassung der Spareinlagen der Neukunden die längerfristige Finan-zierung der Groß- und Industriekundschaft sichergestellt werden sollte. Da die Institute bisher in diesem Markt nicht vertreten waren, ging ihr Marktauftritt mit „verstärkter Marketing- sowie Ziel oder Kundengruppenorientierung“72 einher. Daraus resultierte eine Veränderung von Geschäftspolitik und Geschäftsstruktur. Es setzte sich die Führung der Unternehmen nach Marketing-Gesichtspunkten durch73, eine „systemati-sche Führung einer Bank vom Markte her“74.

Ausdruck dieses Ringens um den Kunden war in den 60er Jahren ein Anwachsen der Zweigstellen um ca. 50%, die vor allem dadurch bedingte Erhöhung der Mitarbeiter-zahlen (bei den Sparkassen um mehr als 75%) und daraus resultierend jährliche Wachs-tumsraten von durchschnittlich 20% der Geschäftsvolumina.75

Auch das Spareinlagengeschäft war von kräftiger Expansion gekennzeichnet. 1965 be-liefen sich die Spareinlagen insgesamt auf rund 110 Mrd. DM und stiegen bis 1969 auf 186 Mrd. DM. Die Marktanteile verschoben sich zu Gunsten der Kreditgenossenschaf-ten und Großbanken, während der Anteil der Sparkassen erstmals unter 60% sank.76 Ge-tragen wurde diese Entwicklung von einem dauerhaften Wirtschaftswachstum und dem damit verbundenen Reallohnverbesserungen der Arbeitnehmer und von den tariflich ge-regelten Maßnahmen zur Vermögensbildung, den vermögenswirksamen Leistungen..

Die Zinsliberalisierung 1967 führte zur „Intensivierung des Zins- und Produktwettbe-werbs“77. Dieser wurde „eher volumens- als ertragsorientiert“78 geführt. Der Erfolg war abzulesen: Von 1950 bis 1972 stieg der Anteil der privaten Haushalte an der Brutto-Er-sparnisbildung von 20% auf 59%, während der Anteil der Unternehmen von 46% auf 12% und der Anteil der öffentlichen Haushalte von 34% auf 29% sank.79

Ab den 70er Jahren zeichneten sich zwei Entwicklungslinien ab: Erstens stieg die Spar-leistung, durch staatliche Förderung bis 1981 unterstützt80, weiter an. Zweitens diversi-fizierte sich das Sparverhalten immer mehr. „Die zunehmend zinsbewußten Sparer rea-gierten teilweise abrupt auf Zinsänderungen...“81 und passten ihr Anlageverhalten an. Das klassische Konten- oder Sparbuchsparen wurde von Anlagen in Wertpapiere oder Lebensversicherungen abgelöst, da diese höhere Renditen versprachen.82 Durch den Ausbau der Angebotspalette konnten die Kreditgenossenschaften ihren Marktanteil im Spareinlagenbereich bis 1979 auf 25% und im Folgenden bis 1999 auf 30% erhöhen, während die Sparkassen sich bei 52% stabilisierten. Die gesamte Sparleistung stieg bis 1979 auf 482,9 und bis 1999 auf 1225,5 Mrd. DM.83 Seit den 80er Jahren ging der prozentuale Anteil der Spareinlagen am Gesamtvolumen des Privatkundengeschäfts zurück. Von 1986 bis 1992 fiel dieser von 18,15% auf 12,59%.84

Das starke Wachstum der Sparleistung von 1949 bis 1999 von 3 Mrd. DM auf 1225,5 Mrd. DM verdeutlicht den Anstieg des Volkswohlstandes. Gleichzeitig boten diese Geldbestände den Banken erst die Möglichkeit, Kredite ausreichend refinanziert zur Verfügung zu stellen, ohne die geforderte Eigenkapitalquote zu unterschreiten.

III.2.b Girokonto und Datenverarbeitung

„Das Bankkonto ist der Schlüssel zu einer breiten Palette von Bankdienstleistungen, insbesondere zählen hierzu die vielfältigen Möglichkeiten des bargeldlosen Zahlungsverkehrs (...) und die mit dem eurocheque-System verbundenen Serviceangebote (...). Auch die formlose Kreditinanspruchnahme im Rahmen eines eingeräumten Überziehungslimits setzt die Führung eines Bankkontos voraus.“85

Dieser aktuellen Beschreibung der Funktionsweise ging ein über 40jähriger Entwick-lungsprozess voraus. Zunächst war das Girokonto lediglich Lohn- und Gehaltskonto und gewann erst nach Einführung der bargeldlosen Lohn- und Gehaltsüberweisung 1957 zunehmend an Bedeutung. Die Kreditinstitute mussten schnell auf diese „stossarti-ge Entwicklung“86 reagieren, denn schnell wurde das Konto zur „wichtigen Drehscheibe für die Inanspruchnahme weiterer Bankdienstleistungen“87. Mit zunehmender Akzep-tanz und Verbreitung von Lohn- und Gehaltskonten nahm das Bedürfnis nach bargeld-losen Zahlungen bei Privatpersonen zu. Die in den 50er Jahren üblich gewordene Scheckzahlung wurde Ende der 60er Jahre von der komfortableren Kreditkarte abgelöst. Erfahrungen der US-amerikanischen Banken mit diesem neuen Zahlungssystem88 veranlassten die Banken und Sparkassen auf deutschem und europäischen Gebiet zur Zusammenarbeit. Es entstand ab 1968 das euro- cheque-System. Diese ermöglichte „(...) auf dem so kostenintensiven Gebiet der Zahlungssysteme (...), erhebliche Kosten für die Banken selbst wie für die Kunden und den Handel zu vermeiden.“89 Zusätzlich bindet diese Dienstleistung den privaten Kunden weiter an das Bankhaus.

Der Charakter des ursprünglichen Lohn- und Gehaltskontos veränderte sich durch er-weiterten Service und neue Angebote. Es war der „Einstieg des Kunden in das Bankge-schäft“90. Die Filiale und die Angebote zur Kontenführung wurden zur Marketingstrate-gie. Das Konto war und ist die Basis für weitere Finanzgeschäfte, wie z.B. Überwei-sungen, Dispo-Kredite, Kreditkarten und ab 1981 Geldausgabeautomaten91. Diesen Er-rungenschaften gingen Innovationen einer Bank voraus, die sich daraus werbewirksame Wettbewerbsvorteile erhoffte. Sie wurden bei Erfolg von anderen Instituten schnell ko-piert und angeboten. Die Bedeutung des Kontos für die Kundengewinnung und -treue und somit den Vertrieb weiterer Leistungen war bei allen Bankinstituten unbestritten.

Die Kontenführung blieb bis in die 70er Jahre kostenlos, steigender Verwaltungsauf-wand und kostenorientierte Betriebsführung veranlassten nacheinander alle Banken Ge-bühren einzuführen.

Die rasche Zunahme der Kunden und deren Konten führten ab Ende der 50er Jahre zu höherem Verwaltungsaufwand und gestiegenem Personalbedarf. Daraus resultierten En-de der 60er Jahre Personalengpässe und stark erhöhte Personalkosten. Außerdem fielen bei der Verarbeitung der Datenmengen Massen von Belegen an, da die Zahl der Konto-bewegungen erheblich zunahm. Erleichterung verschaffte hier die Einführung arbeits-sparender maschineller Datenverarbeitung (EDV). Der technische Fortschritt brachte schnell immer neue Einsatzbereiche mit sich. Mussten anfangs vor Ort (offline) ermit-telte Daten (Lochkarten, Magnetbänder) noch zu den Rechenzentren transportiert wer-den, gelingt heute fast die gesamte Kontenverwaltung online. Das heißt, jede Filiale ist mit einen zentralen Rechensystem verbunden und eingegebene Daten können sofort ver-arbeitet werden. Zur Kostenreduktion trugen auch das Aufstellen von Kontoauszugs-druckern und Geldautomaten bei, die rund um die Uhr für den Kunden erreichbar sind.

Die Einführung der Bildschirmtext-Technologie (BTX) verlagerte die Abwicklung einfacher Vorgänge (Überweisung, Kontostandabfrage, etc., die zusammen etwa 80% des Privatkundengeschäfts ausmachen) erstmals auf den Kunden. Diese Tendenz setzte sich seit Mitte der 90er Jahre durch die Verbreitung des Internet und den Bankzugang von zu Hause fort. Dadurch wurden filialarme Banken, sowie „Non- und Near-banks“92 in die Lage versetzt, in Kontakt zu Privatkunden zu treten und ihnen kostengünstigere Kontenführung zu offerieren93 und dann weiterführend andere Produkte zu vertreiben. Die „etablierten“ Banken waren veranlasst, um ihre angestammten Vertriebswege zu schützen, eigene online-banking-Angebote anzubieten, um auf die neue Konkurrenz und den Kostendruck zu reagieren. Die Angebotspalette wurde und wird auf die Ansprüche des Kunden und seine Solvenz zugeschnitten.

Die Veränderungen im Kommunikations- und Datenverarbeitungsbereich werden das Erscheinungsbild der Banken weiter verändern, doch das zentrale Konto wird als „Drehscheibe für weitere Leistungen“ erhalten bleiben.

III.2.c Kleinkredit/ Kundenkredit/ Kaufkredit

„Am 2. Mai 1959 registrierten die Niederlassungen der Deutschen Bank ein ungewöhnlich lebhaftes Kundeninteresse. Was war die Ursache? Die Deutsche Bank hatte vor aller Öffentlichkeit ihre Bereitschaft erklärt, Kleinkredite an jedermann bis zu 2000 DM zu geben. Mit anderen Worten: Es ging um die Einführung des ‚Persönlichen Klein-Kredits (PKK)’ (...)“.94

Die Ausgabe eines Kredites an Kleinkunden95 durch eine Großbank bedeutete zweierlei. Zum einen traten nun die Großbanken endgültig in das Mengengeschäft ein um sich die Spareinlagen der Privatkunden zur eigenen Kreditrefinanzierung zu sichern. Zum anderen verdeutlichte dieser Schritt eine Strukturveränderung in der Kundschaft - die wirtschaftlichen Verhältnisse hatten sich in der Wiederaufbauphase entscheidend ver-bessert. „Die steigenden Masseneinkommen hatten die Kreditfähigkeit der Kreditneh-mer erhöht (...)“96 Das Gewicht verlagerte sich von der „Kreditgewährung“, vom „de- fensiven Sicherheits- und Satzungsdenken“97 zur aktiven Kreditinvestition in die erwar-tete Einkommens- und Ertragskraft der privaten, öffentlichen und Unternehmer-haushalte. Neben der Ausweitung der Bankgeschäfte brachte die vereinfachte Kredit-vergabe volkswirtschaftliche Vorteile: Langfristige oder große Investitionen der Haus-halte, auch gering verdienender, werden erleichtert. Der daraus resultierende „Konsum-schub“ trug zum Wirtschaftswachstum der 60er und 70er Jahre entscheidend bei.

Die folgenden Jahre sind durch eine Reihe von Kreditangeboten zu verschieden Konditionen gekennzeichnet, mit den die Banken im gegenseitigen Wettbewerb um den Kunden um Marktanteile rangen. Von 1959 bis 1988 stieg das Konsumentenkreditvolu-men nominal pro Kopf von 100 auf 3341 DM an98 und glich sich nach 1990 auch in der ehemaligen DDR schnell an.

Allerdings ist seit den 80er Jahren besonders das Kreditgeschäft für Non- und Nearbanks interessant geworden. Versicherungen und Bausparkassen weiteten ihre Angebotspalette in Richtung Kreditfinanzierung aus. Außerdem gab und gibt es Unter-nehmen die Möglichkeit, durch attraktive Finanzierungsangebote den Absatz der eige-nen Produkte zu verbessern. Der erleichterte Zugang zu Krediten von verschiedenen Anbietern brachte auf der anderen Seite zunehmende Überschuldung insbesondere ge-ringverdienender Haushalte mit sich, da die Kreditvergabe ohne Kontrolle und Beratung erfolgt.

III.2.d Bausparen

Das Bausparen war von großer Attraktivität für die Bankinstitute. Zum einen verblieben die angelegten Gelder über einen festen Zeitraum in der Verfügungsgewalt der Kassen und gaben die Möglichkeit zur Refinanzierung der Aktivgeschäfte. Zum anderen ist das Bausparen als eines der „Einstiegsgeschäfte“99 von Kleinkunden anzusehen. Für den Sparer lag und liegt die Attraktivität des Bausparens neben der Verzinsung in der Gewährung staatlicher Prämien und der Einbeziehung tariflich gewährter Zusatz-leistungen. Der Staat fördert durch Bausparen die Kapital-100 und Eigentumsbildung breiter Bevölkerungskreise sowie die Bauwirtschaft. Insbesondere der soziale Aspekt ist hier hervorzuheben, gilt Eigentum doch als „Verankerung in der Gesellschaft“ und Sicherheit im Alter, was wichtig für den sozialen Frieden ist.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und in der Wiederaufbauphase gewann die Wohnungs-bauförderung an Bedeutung. Um den schnellen Wiederaufbau finanzieren zu können, wurden erhebliche Kapitalmengen benötigt, die der Staat allein nich erbringen konnte. Private Investitionen waren in großem Maße erforderlich. Das Konzept der sozialen Marktwirtschaft sah als wichtige Stabilitätsgrundlage eines funktionierenden Gemeinwesens die Eigentumsbildung auch bei Geringverdienen an. Diese Intention wurde mit staatlichen Unerstützungen, z.B. Steuervorteilen und Prämien, gefördert. Da die Kapitalbasis der Banken nach der Währungsreform dünn und die Großbanken durch die Zerschlagung zusätzlich in ihrer Arbeitskraft eingeschränkt waren, konzentrierte sich das Geschäft der Kreditvergabe an Bauvorhaben und des privaten Wohnungsbaus zunächst auf die Sparkassen und die wiederbelebten privaten und öffentlich-rechtlichen Bausparkassen, die auf öffentliche Unterstützung vertrauen können.101

Die Sparleistung der Bevölkerung stieg stetig.102 Nach Einschränkung der staatlichen Förderung und bei gleichzeitig zunehmender Attraktivität des Wertpapiergeschäfts und der Lebensversicherungen mit höheren Renditen nimmt der Anteil des Bausparens ab Mitte der 80er Jahre an der Gesamtsparleistung ab. Für alle Universalbanken ist dieser Geschäftsbereich interessant wegen der akkumulierten Passivgelder und der lang-fristigen Kundenbindung über die Laufzeit des Vertrages. Deshalb bieten die Institute eigene Bausparverträge103 oder zumindest Produkte der privaten Bausparkassen104. Die öffentlichen Bausparkassen erreichen einen Marktanteil von ca. 30%.

III.2.e Das Wertpapiergeschäft

Anders als im anglo-amerikanisschen Bankgeschäft war der Wertpapierhandel im Privatkundenbreich in Deutschland lange Zeit unterrepräsentiert. Dies lag zum einen an der unterschiedlichen Finanzierungsstruktur der Industrie, die sich in den USA eher über Aktien finanzierte, während insbesondere der Mittelstand in Deutschland über Kredite der Banken zu Liquidität gelangte. Zum anderen ist der vorsichtigeren deut-schen Finanzaufsicht in den 50er Jahren an einer „Stärkung der Passivbestände der Ban-ken“105 gelegen und die aliierten Vorbehalte und Maßnahmen zur Einschränkung des Bankverkehrs hemmten den Handel zusätzlich. Erst allmählich, durch den Einstieg der im Effektengeschäft bereits lange tätigen Großbanken ins Privatkundengeschäft stieg die Bedeutung des Wertpapiergeschäfts. Nach der Privatisierung einiger Staatsbetrie-be106 und steigenden Renditen107 bei festverzinslichen Wertpapieren wuchs auch das In-teresse der Privatkunden und Kleinanleger an Aktien.108 Die größte Steigerung im Anla-gevolumen seit 1970 erfuhren die festverzinslichen Wertpapiere.109 Der Aktienboom in der 80er und 90er Jahren und daraus resultierend steigende Nachfrage nach Wertpapie-ren bescherten den Banken in diesem Bereich große Wachstumsraten und Gewinne.

Um auch Kleinanlegern die Investition in Wertpapiere anzudienen, richteten die Insti-tute schon früh Investmentfonds ein. Hierbei erwirbt der Kunde Anteile am Fonds. Mit dem investierten Geld versuchen dann Spezialisten der Bankhäuser das Geld möglichst renditeträchtig zu arbeiten. Dieser Umweg im Investment hat drei entscheidene Vorteile: Der Kunde übergibt sein Geld Fachleuten, die auch auf kurzfristige Verände-rungen am Markt reagieren können. Außerdem wird das Investitionsrisiko gestreut, da im Fonds je nach Ausrichtung eine breite Masse von Zertifikaten versammelt ist, die ein Kleininvestor selbst nicht erreichen könnte. Für die Banken ist diese Anlageform von Vorteil, da sie langfristig arbeitet und somit die Kunden langfristig an das Haus bindet.

III.2.f Allfinanzangebote

Der Begriff Allfinanz bezeichnet das Zusammenwachsen traditionell getrennter Bran-chen der Finanzdienstleistungsindustrie und damit die Überwindung bisher bestehender Grenzen. Das Angebot von Allfinanz-Leistungen, wie z.B. Immobilienhandel oder Ver-sicherungsvertrieb110, gewann ab den 70er Jahren an Attraktivität für die Banken. Insbe-sondere die Produktivität und Rentabilität der Bankfilialen konnten und können durch Distribution weiterer Angebote erhöht werden. Dahinter verbirgt sich bis heute der Ver-such, „alles aus einer Hand“111 anzubieten, allen Kundenwünschen zu entsprechen und möglichst große Synergieeffekte aus dem vielseitigen Gebrauch des „Vertriebsweges Bankfiliale“ zu erzielen. Zum Beispiel können Sicherheiten in Form von Immobilien an aus verfallen Krediten anfallen, die vertrieben werden müssen. In Kombination mit Bausparangeboten ent-stehen Möglichkeiten zur Kombination. Außerdem zeigen viele Kunden Interesse an weiteren Anlagemöglichkeiten wie Immobilien und Lebensver-sicherungen.112 Ziel der Banken war und ist es, der eigenen Gesellschaft das Versiche-rungs- und Immobiliengeschäft anzugliedern, auch für Versicherungen sind Banken interessant, um deren Filialen zur Distribution der eigenen Produkte zu nutzen.113

III.2.f Das Filialnetz

Wichtigstes Kriterium des Privatkundengeschäftes war und ist die Nähe zum Kunden. Der Ort, an dem der Kunde auf die Bank trifft und Beratung erhält - die Filiale. Ihre Be-deutung beschrieb der Manfred von Hauenstein (ehem. Vorstand Deutsche Bank) schon 1957 wie folgt: „Die Dienstleistungen der Bank bilden ein Bukett. Das Angebot auf der Passiv- und Aktivseite muss reichhaltig gestaltet und gesammelt angeboten werden. (...) Die Aufgabe der Zweigstellen ist es, als Saugnäpfe für das kreditorische und debito-rische Mengengeschäft zu fungieren.“114 Diese Einschätung verdeutlicht die Bedeutung der Bankfilialen für die Außenwirkung und den Vertrieb der Bankdienstleistungen.

Die Zahl der rechtlich-selbstständigen Kreditinstitute nahm zwar von 13359 (1957) auf 5052 im Jahre 1981 ab, im selben Zeitraum stieg hingegen die Anzahl der Zweigstellen von 12974 auf 39821.115 Der bisher geschilderte Ausbau der Angebotspalette und die Integration breiter Kundenkreise in die Bankwirtschaft liessen bei der Kundschaft das Bedürfnis nach bankwirtschaftlicher Beratung und persönlicher Betreung im Alltag steigen. Dieses Bedürfnis erforderte Kundennähe und somit den Ausbau des Filialsystems. Nachdem der Markt der bis dato noch „banklosen Bevölkerungskreise“ in den 60er Jahren aufgeteilt und die ursprünglichen Gewinnerwartungen nicht erfüllt waren, rückten ab den 70er Jahren Kosten- und Ertragsmotive wieder in den Vordergrund. „Inzwischen hat man längst gelernt, dass es unter Vertriebs- und Kostenaspekten notwendig ist, die Produktpalette zu straffen“116 und das Filialnetz unter bedürfnis-117 und kapazitätsrelevanten118 Gesichtspunkten neu zu ordnen. Nach starkem Zuwachs in den 50er und 60er Jahren verlangsamt sich die Ausdehnung des Filialnetzes bis 1986 erstmals rückläufige Tendenzen auftreten. Nach der Wiedervereinigung 1990 traten alle Kreditinstitute schnell auf den neuen Markt und bauten dort ebenfalls ihr Zweigstellennetz aus. Seit Mitte der 90er Jahre gab es auch auf diesem Markt Konzentrationstendenzen und die Anzahl der Filialen ist rückläufig.119

Das Privatkundengeschäft war insbesondere für die Großbanken seit den 80er Jahren mit steigenden Kosten bei geringer werdenden Gewinnmargen verbunden. Immer wieder gab es Versuche, das Filialgeschäft auszugliedern oder mit anderen Bereichen zu verbinden.120 Sparkassen und Kreditgenossenschaften profitierten und profitieren weiter von der hohen Filialdichte. Doch kam und kommt es auch bei ihnen zur Straffung des Filialnetzes und zur ertragsorientierten Geschäftsumgestaltung.121

IV. Zusammenfassung

Die Entwicklung des Privatkundengeschäfts der Banken war getragen von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland. Während der Wiederaufbauphase wurde die Bevölkerung durch gestiegenes Einkommen „bank- und sparfähig“. Nach Einführung der bargeldlosen Lohn- und Gehaltszahlung 1957 tätigten erstmals auch die Bezieher kleiner Einkommen Bankgeschäfte. Die Banken reagierten auf diese Entwicklung mit dem schnellen Auf- und Ausbau des Filialnetzes und der In-tegration breiter Bevölkerungskreise, sozusagen eine „Demokratisierung“ des Bank-geschäfts. Den Vorteil der Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die schon länger im Privatkundengeschäft tätig waren, konnten die Großbanken trotz erfolgreicher Expansions- und Marketingstrategien nicht aufholen. Unterschiede blieben und bleiben sowohl bei Filialendichte als auch bei Kundenstruktur bestehen.

Der Ausbau der Geschäftsstellen fand bei allen untersuchten Instituten Mitte der 80er Jahre sein vorläufiges, durch die Wiedervereinigung unterbrochenes Ende. Unrentable Filialen werden geschlossen und die Angebotspalette durch Allfinanzangebote erweitert. Dank des gestiegenen Privatvermögens nehmen Beratungs- und Gesprächsbedarf der Kunden zu. Gleichförmige Dienstleistungen, wie Kontoführung, werden durch technische Innovationen, z.B. Internetbanking, ausgelagert. Die Kunden zeigen zunehmende finazielle Mobilität, reagieren schnell auf Kosten- oder Nutzenveränderungen.

Der Ausbau des Kreditgeschäfts zur Investitions-, Konsumgüter und die Wohnungsbaufinanzierung verdeutlichen die volkswirtschaftliche Relevanz der Banken. Die unkomplizierte Gewährung von Kleinkrediten und die Unterstützung des Wohnungsbaus waren wichtige Elemente der Wirtschaftsentwicklung in den 60er und 70er Jahren und bei der Finanzierung der Deutschen Einheit und der schnell Angleichung der sozialen und materiellen Standarts.

Das Privatkundengeschäft hat sich zum wichtigsten Geschäftsbereich der Banken entwickelt. Es bietet auch in Zukunft große Wachstumschancen, z.B. durch Vergrößerung der Angebotspalette. Die Konkurrenz durch filialalarme Banken und Non- und Nearbanks wird die Struktur des Geschäftes verändern. Doch wie beim Markteintritt der Großbanken ins Privatkundengeschäft Ende der 50er Jahre wird auch diese Konkurrenz das Geschäft im Dienste des Kunden beleben.

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[...]


1 Unter anderem war die Reichsmark durch die Kriegsfinanzierung, die durch „zurückgestaute“ Inflation betrieben wurde, stark entwertet. Die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln konnte anfangs nicht ausreichend geleistet werden. Außerdem sorgten die Demontage von Industrieanlagen und andere Reparationsforderungen der Siegermächte, insbesondere der Sowjetunion und Frankreichs, für eine vorrübergehende Schwächung der Wirtschaft.

2 Viele dieser Entwicklungen sind noch nicht abgeschlossen und wirken bis über den heutigen Tag hinaus fort. Deshalb ist bei der Darstellung einiger Entwicklungen und der Definition von noch immer bestehenden Sachverhalten die Verwendung des Präsens von Nöten.

3 Verschiedene Schätzungen setzen den Anteil des Privatkundengeschäfts am Gesamtumsatz aller Banken zwischen 45 und 60% an.

4 Als Großbanken werden in dieser Arbeit die in den Statistischen Jahrbüchern als solche bezeichneten Institute gwertet: Deutsche Bank, Dresdner Bank, Commerzbank. Die Hypo-Vereinsbank wird erst ab 1998 als Großbank mit überregionaler Ausbreitung bezeichnet, ist also im vorgegebenen Untersuchungszeitraum nicht von Interesse.

5 Legt man die Marktanteile dieser drei Gruppen zusammen, sind ca. 85% des „Privatkundenmarktes“ erfasst.

6 Manfred Pohl, Konzentration im deutschen Bankwesen (1848-1980), Frankfurt am Main 1982.

7 Genaue Darstellung in: Detlev Hummel, Das Kreditwesen der Deutschen Demokratischen Republik, in: Hans Pohl (Hrsg.), Geschichte der deutschen Kreditwirtschaft seit 1945, Frankfurt am Main 1998, S. 355-430.

8 H. Pohl (Hrsg.), Kreditwirtschaft.

9 Deutsche Bankengeschichte Band 3, Frankfurt am Main 1983.

10 Zu nennen sind hier zahlreiche Veröffentlichungen der „Wissenschaftsförderung der Sparkassenorganisation e.V., Bonn“, die in der Reihe „Sparkassen in der Geschichte“ erschienen sind.

11 Andreas Küspert, Bildung und Bewertung strategischer Geschäftsfelder im Privatkundengeschäft einer Universalbank, München 1991. Auch: Dirk Fissler, Kleinkundenmanagement von Universalbanken. Realisierung eines holistischen Ansatzes, Bamberg 1995.

12 Susanne Schmidtmeier, Möglichkeiten zur Standartisierung der Anlageberatung unter Berücksichtigung aktueller Entwicklungen im Bankensektor, Paderborn 1994.

13 Klaus Eber, Ursachen, Erscheinungsformen und gesamtwirtschaftliche Wirkungen der Diversifizierungstendenzen im deutschen Kreditgewerbe, Kulmbauch 1995.

14 Hans E. Büschgen, Deutsches und anglo-amerikanisches Bankensystem. Einige grundsätzliche und aktuelle Aspekte, S. 275, in: Beiträge zu Wirtschafts- und Währungsfragen und zur Bankengeschichte Nr.1 bis Nr.20, Mainz 1984, S. 275-290.

15 Bernhard R. Müller, Bedürfnisorientierte Unternehmenspolitik am Beispiel von Universalbanken in Deutschland, Lohmar und Köln 1997., S. 169ff.

16 Hans E. Büschgen, Zeitgeschichtliche Problemfelder des Bankwesens der Bundesrepublik Deutschland, S. 352, in: Bankengeschichte 3, S. 349-405. Die zur Begriffsfindung herangezogenen Handlungsspielräume müssen allerdings nicht unbedingt genutzt werden.

17 Ausführlicher in: Büschgen, Deutsches und anglo-amerikanisches Bankensystem, S. 276ff.. 5

18 Köllner, Chronik der deutschen Währungspolitik, S. 91.

19 1957 wurde sie per Gesetz in die Deutsche Bundesbank umgewandelt.

20 Die Aufgaben der Zentralbank und ihre Verwirklichung in Deutschland ausführlicher in: Herbert Wolf, Von der Währungsreform bis zum Großbankengesetz, S. 60ff, und Ders., Vom Großbankengesetz bis zur „Normalisierung“, S. 112ff, in: H. Pohl (Hrsg.), Kreditwirtschaft, S. 59-148.

21 Zu diesen drei Banken kommt erst 1998 eine vierte hinzu: die fusionierte Hypo-Vereinsbank.

22 Die Dresdner Bank wurde 2001 von der Allianz übernommen.

23 Ausführlicher in: Manfred Pohl, Die Entwicklung des privaten Bankwesens nach 1945, S. 231ff, in:Bankengeschichte 3, S. 207-277.

24 Eckhard Wandel, Banken und Versicherungen im 19. und 20. Jahrhundert (Enzyklopädie Deutscher Geschichte Band 45, München 1998, S. 41.

25 Claus Oellerking, Manfred Holzgrabe, Sparkassen und Genossenschaftsbanken im Spannungsverhältnis zwischen Moral und Ökonomie: Strukturelemente, Organisationsgrundsätze und Gesellschaftspolitik (Europäische Hochschulschriften), Frankfurt am Main 1990, S. 25.

26 Allgemeiner Aufbau, Geschichte und Struktur in: Jürgen Mura, Entwicklungslinien der deutschen Sparkassengeschichte Band 2, 2. Aufl., Suttgart 1994.

27 Wandel, Banken, S. 47.

28 Oellerking, Holzgrabe, Sparkassen, S. 93.

29 Wandel, Banken, S. 49.

30 „Unternehmer des privaten Bankgewerbes, der unter Einsatz eigenen Kapitals, unbeschränkter Gesamtvermögenshaftung und mit Entscheidungsbefugnis ohne übergeordnete Organe Bankgeschäfte betreibt.“ In: Gabler Wirtschaftslexikon, 13. Aufl., S. 2647.

31 Wandel, Banken, S. 43.

32 Viele vormals jüdische Banken wurden während des Dritten Reiches geschlossen oder „arisiert“. Verdeutlicht wird dieses Schicksal z.B. in dem Buch: Ron Chernov, Die Warburgs. Odyssee einer Familie, Berlin 1994.

33 Fehlgeschlagene Devisenspekulationen führten 1973/74 zur Schließungung mehrerer Bankhäuser, unter anderem der I. D. Herstatt-Bank in Köln.

34 Darin enthalten sind auch die Postbank und die ehemals gewerkschaftseigene Bank für Gemein- wirtschaft (BfG). Deren eigenständige Geschichte endete nach großen finaziellen Schwierigkeiten und Skandalen 1993 durch Übernahme durch die Credit Lyonnaise. Der Aufstieg zur zeitweise viertgrößten Bank Deutschlands in: Michael Schneider, Walter Hesselbach, Bankier und Unternehmer, Bonn 1995.

35 Wandel, Banken, S. 45.

36 Ebenda.

37 Über Entstehung, Arbeitsweise und Arbeitsbereiche näheres in: Kreditanstalt für Wiederaufbau 1948- 1988. Vierzig Jahre KfW, Frankfurt am Main 1988.

38 Genauer in: W. Goedecke, V. Kerl, Die Hypothekenbanken, 3. Aufl., Frankfurt am Main 1990.

39 Die ehemaligen Großbanken wurden auf aliierte Anordnung in 9 bis 11 regionale Einheiten aufgelöst. Auflistung der Regionalgesellschaften: H. Pohl (Hrsg.), Kreditwirtschaft, S. 22.

40 Die Regionalgesellschaften werden in jeweils drei Nachfolgeinstitute zusammengelegt.

41 Wolf, Großbankengesetz, S. 119, in: H. Pohl (Hrsg.), Kreditwirtschaft, S. 111-148.

42 Wolf, Währungsreform, S. 60ff und Ders., Großbankengesetz, S. 112ff.

43 Joachim Süchting, Bankmanagement, S. 136, in: Banken, S. 135 - 150. Im sogennanten „Apothekenurteil“ erkannte das BVG das Recht auf freie Berufswahl als wichtiger als die bisher übliche Bedarfsprüfung an.

44 Das Wettbewerbsabkommen regelte bis dahin die Außenwirkung der Banken. Die bis dato als standesgemäßempfundene Zurückhaltung in der Selbstdarstellung wich nach 1967 einer aktiven Kommunikation mit dem Kunden und der Marktgegenseite und führte somit zu verstärktem Wettbewerb um die Gunst des Kunden. Das Kreditwesengesetz (KWG) erhielt in dieser Zeit seine entscheidenden Änderungen.

45 In der Wiederaufbauphase wurden enorme Kreditlinien benötigt, die bei zurückgehender Sparleistung der Unternehmen und öffentlichen Haushalte eine Steigerung der Sparleistung der Privathaushalte erforderten. Darauf sind unter anderem staatliche und kreditwirtschaftliche Sparanreize und das Zugehen auf den Kleinkunden in den 50er und 60er Jahren zurückzuführen (s. III.2.a).

46 Günter Ashauer, Betrachtung des „Privatkunden“ in der Zeit vor 1958, S. 11, in: Bankhistorisches Archiv, Beiheft 16, S. 11-21, Frankfurt am Main 1990.

47 Bernhard Schramm, Der Wettbewerb um den privaten Kunden, S. 124, in: Banken. Erfahrungen und Lehren aus einem Vierteljahrhundert 1958 - 1983, Frankfurt am Main 1983, S. 123 - 134.

48 Diese Kreise verfügen über hohe Geldbeträge und sind an anspruchsvoller Beratung interessiert, ganz im Gegensatz zum durchschnittlichen Kleinkunden dess Hauptanforderungen in der Anlage kleiner Geldbeträge und der Kontenverwaltung lagen.

49 Gerold Ambrosius, Intensives Wachstum, S. 149ff, in: H. Pohl (Hrsg.), Kreditwirtschaft S. 149-202. Von 1950 bis 1960 verdreifachte sich das Volkseinkommen.

50 Ulrich Weiss, Betrachtung des „Privatkunden“ nach 1959, S. 22, in: Bankhistorisches Archiv, Beiheft 16, S. 22-31, Frankfurt am Main 1990.

51 Dirk Fissler, Kleinkundenmangement von Universalbanken. Realisierung eines holistischen Ansatzes, Bamberg 1995, S. 16ff. Nach einer McKinsey-Schätzung bezogen auf das Jahr 1984 beträgt der Beitrag aus dem Privatkundengeschäft zum Gesamtergebnis der Banken 45-55%. Laut dieser Schätzung macht er bei den Großbanken 30-40%, bei den Sparkassen 70-80% und bei den Kreditgenossen-schaften 60-70% aus. Vgl. Schmidtmeier, Möglichkeiten zu Standartisierung, S. 33.

52 Das Älterwerden der Menschen verändert den Anlagehorizont - Auszahlungen im Rentenalter gewinnen an Attraktivität. Der Trend hin zu Einzelhaushalt verändert die Ausgabenstruktur - langfristige Investitionen müssen eher vorfinanziert werden. Dazu kommt das gestiegene Bildungsniveau in der Gesellschaft, das höhere Beratungsqualifikation bei den Banken erforderlich macht. Die Ansprüche der Kunden steigen und sie sind eher bereit, verschiedene Leistungen von verschiedenen Anbietern zu beziehen.

53 Hans E. Büschgen, Die Deutsche Bank von 1957 bis zur Gegenwart. Aufstieg zum internationalen Finanzdienstleistungskonzern, S. 774, in: Die Deutsche Bank 1870-1995, S. 672-880.

54 Küspert, Privatkundengeschäft, S. 199. Die Segmentierung ist hierbei sowohl alters-, als auch „stellungs-“orientiert. Hauptgruppen sind: Selbstständige, Vermögende, Jugendliche, Senioren, kinderlose Doppelverdiener, Singles und Familien in verschiedenen Stadien der Entwicklung.

55 Fissler, Kleinkundenmanagement, S. 309. Unterschieden werden Standartkunden, Beratungskunden und Spezialkunden. Die Trennungslinien verlaufen bei 5000 und 10000 DM monatlichem Haushaltsnettoeinkommen.

56 Theo Meinz, Der öffentliche Auftrag der öffentlichen Banken von 1945 bis zur Gegenwart, S. 56ff., in: Bankhistorisches Archiv, Beiheft 28, S. 56-70, Frankfurt am Main 1996.

57 Oellerking, Holzgrabe, Sparkassen, S. 26.

58 Mura, Entwicklungslinien 2, S. 38.

59 Günter Ashauer, Entwicklung der Sparkassenorganisation ab 1924, S. 300ff., in: Bankengeschichte 3, S. 278-349 und Oellerking, Holzgrabe, Sparkassen, S. 28ff.

60 Oellerking, Holzgrabe, Sparkassen, S. 95.

61 Aufbau, Entstehung und Zusammensetzung der verschiedenen Genossenschaftsbanken in: Arndt Holger Kluge, Geschichte der deutschen Bankgenossenschaften, Frankfurt am Main 1991.

62 Entnommen dem Geschäftsbericht der DG Bank von 1988, S. 1.

63 Zum Privatkundengeschäfts der Deutschen Bank in: Büschgen, Die Deutsche Bank, S. 770ff.

64 Näheres zur Struktur der Dresdner Bank in: Hans G. Meyen, 120 Jahre Dresdner Bank. Unternehmenschronik von 1872 bis 1992, S. 230ff.

65 Dierk Hartwig, Das Geschäft mit privaten Kunden, S. 132ff., in: Die Bankdienstleister im Wandel. 125 Jahre Commerzbank, Frankfurt 1995, S. 132-145.

66 Hans E. Büschgen, Bankbetriebslehre, 2. Aufl., Stuttgart 1989, S. 242.

67 Allein bei den Sparkassen sank dieser von rund 48 Mrd. Reichsmark auf etwa 2,2 Mrd. Deutsche Mark. In: Mura, Entwicklungslinien 2, S. 35.

68 Wandel, Banken, S. 45. So zahlten die Sparkassen 1948 etwa 560 Millionen DM mehr aus, als an Sparguthaben eingegangen war. Dieses Missverhältnis konnte nur durch vorhandene Giroguthaben ausgeglichen werden. Ab 1949 konsolidierte sich der Sparwille der Bevölkerung und es konnten wieder Rücklagen gebildet werden. In: Mura, Entwicklungslinien 2, S. 36.

69 Schramm, Wettbewerb, S. 127.

70 Mura, Entwicklungslinien 2, S. 38.

71 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1960, Stuttgart und Mainz, S. 380.

72 Büschgen, Aufstieg, S. 772.

73 Wolfgang Gerke, Werbung und Image der Banken im Wandel der Zeit, S. 13ff., in: Bankhistorisches Archiv, Beiheft 31, S. 13-39, Frankfurt am Main 1997.

74 Süchting, Bankmanagement, S. 137.

75 Ebenda.

76 Statistisches Jahrbuch 1970, S. 336/37.

77 Mura, Entwicklungslinien 2, S. 43.

78 Ulrich Weiss, Betrachtung des „Privatkunden“ nach 1959, S. 26, in: Bankhistorisches Archiv, Beiheft 16, S. 22-31, Frankfurt am Main 1990, im Folgenden zitiert: Weiss, Privatkunden nach 1959.

79 Eckart van Hooven, Wandlungen im Bankgeschäft mit der privaten Wirtschaft, in: Beiträge zu Wirtschafts- und Währungsfragen und zur Bankengeschichte, Mainz 1984, S. 311, im Folgenden zitiert: Hooven, Wandlungen.

80 Ab 1981 wurden auf Veranlassung der Bundesregierung private Sparleistungen nicht mehr durch Prämien gefördert. Die staatliche Sparförderung durch Prämien beschränkte sich nun auf langfristige Anlageformen, die, an vermögenswirksame Leistungen gekoppelt, Eigentumsbildung und Alterssicherung fördern sollten. Dies ist eine der Ursachen für zurückgehendes Sparaufkommen im „klassischen“ Sparbereich und das Ausweichen auf renditeträchtigere Anlageformen seit den 80er Jahren.

81 Mura, Entwicklungslinien 2, S. 48.

82 Susanne Schmidtmeier, Möglichkeiten zur Standartisierung der Anlageberatung, S. 40ff.

83 Statistisches Jahrbuch 1980/ 2000, S. 295/ S. 332.

84 Schmidtmeier, Standartisierung, S. 59. In diesen Zahlen ist allerdings auch die Verschiebung der unterschiedlichen Spargewohnheiten in der ehemaligen DDR enthalten.

85 Das Konto für Privatkunden, Köln 1995, S.3.

86 Mura, Enwicklungslinien, S. 218.

87 Hooven, Wandlungen, S. 314.

88 1973 waren in den USA etwa eine halbe Milliarde Kreditkarten im Umlauf. Große Unternehmen, z.B. Warenhausketten, Öl- undFluggesellschaften, Hotels, gaben diese aus, um am lukrativen Finanzgeschäft teilzunehmen und die Kunden an sich zu binden. 92,8% des Kartenumsatzes gingen an den Banken vorbei. In: Weiss, Privatkunden nach 1959, S. 27.

89 Ebenda.

90 Schramm, Wettbewerb, S. 131.

91 Mura, Entwicklungslinien, S. 229.

92 Büschgen, Bankbetriebslehre, S. 56ff.

93 Schramm, Wettbewerb, S. 133.

94 Hooven, Wandlungen, S. 311.

95 Vorausgegangen war eine Anhebung des geltenden Höchstbetrages für Einzelkredite durch die Bankaufsichtsbehörden vom 22. Dezember 1958.

96 Mura, Entwicklungslinien, S. 182.

97 Süchting, Bankmanagement, S. 136.

98 Im gleichen Zeitraum stieg allerdings das Sparguthaben pro Kopf von 800 auf 11579 DM, in: Büschgen, Aufstieg, S. 777

99 Einstiegsgeschäfte sind die Bankbereiche, die den Kunden zum ersten Kontakt mit der Bank veranlassen. Neben dem Bausparvertrag sind dies vor allem das Lohn- und Gehaltskonto oder die erste Sparanlage. Heute sind Einstiegsgeschäfte für Banken weniger interessant, da fast jeder über eine Bankverbindung verfügt.

100 Jürgen Schmid, Die Bausparkassen in Deutschland, Frankfurt 1979, S. 23ff. 20

101 Sparkassen, Girozentralen und öffentliche Bausparkassen hatten bereits 1949 fast 400 Mio. DM an Wohnungsbaufinanzierung ausgeschüttet. Vgl. Mura, Entwicklungslinien 2, S. 172.

102 Vgl.: Wandel, Banken, S. 52. 1950 sind gerade 270.000 Verträge abgeschlossen oder zugeteilt. Bis 1999 nahm deren Anzahl auf 33,4 Mio. Stück mit einem Gesamtanlagevolumen von 1300 Mrd. DM zu. Die oben beschriebenen Tendenzen werden von den Zahlen illustriert. Insgesamt großes Wachstum, das in den 80er und späten 90er Jahren deutlich abschwächt. Statistisches Jahrbuch 1956/2000, S. 353/ 335.

103 Z.B. LBS-Produkte bei den Sparkassen und Schwäbisch-Hall bei den Genossenschaftsbanken. Auch die Deutsche Bank gründet 1981 eine eigene Bauspargesellschaft, um auf diesem Markt aktiv zu sein.

104 Insbesondere die Wüstenrot und die BHW bieten ein breites Spektrum von Angeboten an und gehören seit langem zu den Marktführern in Deutschland. Speziell bei den Bausparkassen kommt neben dem Vertrieb am Bankschalter auch das Heimgeschäft der „Vertreter“ hinzu, von dem besonders die privaten Bausparkassen profitieren. Vgl.: Schmid, Bausparkassen, S. 164ff.

105 Wolf, Währungsreform, S. 66ff. Ausschlaggebend sind die Erfahrungen mit der Bankenkrise 1931. Dies zu verhindern setzten sich die Gründungsväter der bundesdeutschen Finanzwirtschaft zum Ziel.

106 An der Privatisierung von u.a. Volkswagen, Preussag, VIAG, etc. waren auch die Sparkassen und Kreditgenossenschaften beteiligt, um die Aktien möglichst breit zu streuen.

107 Die klassische Spareinlage verlor für die Banken an Attraktivität. Diese Einlagen mussten jederzeit für den Kunden abrufbereit sein. Zur Tätigung langfrisiger Aktivgeschäfte benötigen die Banken jedoch gewisse Rücklagensicherheit. Deshalb gingen sie dazu

108 Die Sparkassenorganisation hatte die eigene Investmentgesellschaft DEKA bereits 1956 gegründet. Die Kreditgenossenschaften zogen durch den Aufbau der Union-Investment nach.

109 Von 1970 bis 1991 steigen die absoluten Bestände bei festverzinslichen Wertpapieren um 1163%, bei Versicherungen um 803%, bei Spareinlagen um 471% und bei Bausparkassen um 316%. Vgl.: Schmidtmeier, Standartisierung, S. 41.

110 In anglo-amerikanischen Analysen zählt auch das Wertpapiergeschäft zum Allfinanz-Angebot wegen der Trennung zwischen Commercial- und Merchant Bank.

111 Büschgen, Deutsche Bank von 1957 bis zur Gegenwart, S. 773.

112 Praxmarer, Allfinanzstrategien, S. 69ff.

113 So ist die Provinzial-Versicherung den Sparkassen und die R+V Versicherungen den Genossenschaftsbanken angegliedert. Die Deutsche Bank verkaufte ihr Versicherungsgeschäft (Deutsche Leben, Deutscher Herold) an die Zürich Financial Services (ZFS) und vereinbarte weitgehende Kooperation. Der Aufkauf der Dresdner Bank durch die Allianz stellt die umgekehrte Entwicklung dar. Auch der Commerzbank wird die Kooperation mit einer Versicherung zur Erweiterung der Angebotspalette nicht erspart bleiben. Die Strategien in: Markus Schneider, innovation von Dienstleistungen. Organisation von Innovationsprozessen in Universalbanken, Wiesbaden 1999, S. 127ff.

114 Deutsche Bank-Vorstand Manfred von Hauenschild 1957 über Aufgaben und Bedeutung der Bankfilialen. Zitiert in: Büschgen, Die Deutsche Bank von 1957 bis zur Gegenwart, S. 772.

115 Schramm, Wettbewerb, S. 129.

116 Weiss, Privatkunden nach 1959, S. 24.

117 Darstellung der bedürfnisorientierten Bankführung unter Marketinggesichtspunkten und Kundenpotentialen in: Müller, Bedürfnisorientierte Unternehmenspolitik, S. 185ff.

118 Relevant sind z.B. die Nachfrageoptionen am Markt, das Mitarbeiterverhalten und die Aus-gestaltung der Rahmenbedingungen. In: Oliver Lederle, Kapazitätsmanagement in Bankfilia-len, Bamberg 1997.

119 Die Neustrukturierungen der Geschäftsabläufe in der Filiale nach verschiedenen Vorgehensweisen in: Schneider, Innovation, S. 189ff.

120 Ausdruck dessen sind die Fusionversuche von Deutscher und Dresdner und Dresdner und Commerzbank Ende der 90er Jahre. 2001 übernahm dann die Allianz die Dresdner Bank, um Synergien im Filialgeschäft zu erzielen und zum Allfinanz-Anbieter zu werden.

121 So reduzierte sich die Anzahl der Sparkassen von 857 in 1955 auf 578 in 1999. Ursachen waren die in der Gebietsreform in den 60er Jahren erfolgten Zusammenlegungen bisher unabhängiger Gewährträger und eine steigende Mindestgröße des Einzelinstituts zur Rentabilitätsfähigkeit. Vgl.: Statisatisches Jahrbuch 1955, S. 348; Statistisches Jahrbuch 2000, S. 331.

Details

Seiten
29
Jahr
2001
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v107315
Institution / Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Note
1,7
Schlagworte
Entwicklung Bundesdeutschen Kreditwirtschaft Betrachtung Privatkundengeschäfts

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Titel: Die Entwicklung der Bundesdeutschen Kreditwirtschaft unter Betrachtung des Privatkundengeschäfts