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Friedrich de la Motte Fouqué - Undine - Das Verhältnis von Elementargeist und Mensch

Seminararbeit 2002 20 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Der Autor: Friedrich de la Motte Fouqué

Was sind Elementargeister?

Das Verhältnis zwischen Elementargeist und Mensch im Märchen
Undine als Wassergeist
Die beseelte Undine

Die Unvereinbarkeit der Gesetze

Ursprüngliche Elementargeister

Schlusswort

Literaturverzeichnis

Der Autor: Friedrich Baron de la Motte Fouqué

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Friedrich de la Motte Fouqué[1]

Fouqué wurde am 12.02.1777 in Brandenburg/ Havel geboren und stammte aus einer altadeligen französischen Hugenottenfamilie. Seine Kindheit verbrachte er von 1781 bis 1788 in Sacrow bei Potsdam, danach lebte er auf dem Rittergut Lenzke bei Fehrbellin. Im Alter von 17 Jahren nahm er als preußischer Kornett am ersten Koalitionskrieg gegen Frankreich teil. Am 09.01.1803 heiratete er die bereits geschiedene Erzählerin Karoline von Briest, geschiedene Rochow. Noch im selben Jahr wurde Fouqués erste Tochter Marie Luise Caroline geboren, deren Taufpate Wilhelm Schlegel war, welcher Fouqué als Schriftsteller förderte. Seitdem widmete er sich intensiv seiner „vielfältigen literarischen Tätigkeit. Er publizierte Gedichte, Erzählungen, Romane, Lesedramen und Übersetzungen“[2] Er war Mitglied des Nordsternbundes und seit 1811 der Christlich – Deutschen – Tischgesellschaft. Fouqué, der sich ohnehin schon eines steigenden literarischen Ruhms erfreut hatte, wurde 1811 durch die“ Veröffentlichung der „Undine und zahlreiche[r] in rascher Folge erscheinende[r] Werke für das folgende Jahrzehnt zum beliebtesten Dichter der Romantik“[3]. 1813 nahm er aktiv an den Befreiungskriegen teil, musste schließlich aber wegen einer schweren Krankheit den Dienst beim Militär endgültig quittieren. Ab 1831 hielt er in Halle Privatvorlesungen über die Geschichte der Zeit und Poesie. Nach dem Tode von Karoline 1831 heiratete er 1832 Albertine Tode, ebenfalls eine Erzählerin. 1840 rief ihn Friedrich Wilhelm IV. nach Berlin und gab dort mit L. von Alvensleben die „Zeitung für den deutschen Adel“ (1840-1842) heraus. Am 23.01.1843 starb Fouqué im Alter von 65 Jahren in Berlin.[4]

Was sind Elementargeister?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Elementargeister sind Wesen die in den vier Grundelementen Feuer, Wasser, Luft und Erde ihren Wohnsitz haben, wobei in jedem Element eine andere Art zu Hause ist. So gehören zu den Erdgeistern die Gnome, Zwerge, Pygmäen, Heinzel- und Wichtelmännchen, zu den Luftgeistern die Sylphen und Elfen, zu den Feuergeistern die Vulkani und Salamander und zu den Wassergeistern gehören neben den Undinen auch noch die Nixen, Nymphen, Melusinen, Nereiden und Najaden.

Die Vorstellung von ihnen wurde aus dem Bedürfnis der Menschen heraus entwickelt, sich ein fassliches Bild von der Natur zu machen um sich über sie und sogar mit ihr zu verständigen.[5] Bei dieser Vorstellung überwog zunächst die Angst vor den Urgewalten, so dass man im frühen Mittelalter zunächst davon ausging, dass es sich bei den Naturgeistern um Dämonen – also um teuflische Wesen handelt. Mit der Herausbildung von neuen naturphilosophischen Vorstellungen[6] unter anderem gefördert durch die Humanisten, nahm man dann jedoch an, dass abtrünnige Engel beim Sturz aus dem Himmel nicht immer zur Hölle fielen, einige seien unterwegs in den Elementen hängen geblieben und so zu den elementischen Wesen geworden,[7] so dass im Laufe der Zeit der teuflisch - dämonische Charakter abgestreift wurde.

Eine neue Vorstellung der Elementargeister entwickelte Theophrastus Bombastus von Hohenheim, besser bekannt als Paracelsus ( 1493-1541), für den Elementargeister nicht länger gefallene Engel oder Dämonen waren, sondern übernatürliche Wesen, die von Gott geschaffen wurden um die Naturbereiche zu hüten.

Die Verkörperung der Natur in der eigenen, das heißt menschlichen Gestalt, erleichterte die Vorstellung und Verständigung mit diesen Wesen um ein Vielfaches. Der einzige, aber entscheidende, Unterschied zwischen Elementargeist und Mensch ist die Tatsache, dass den Naturgeistern eine Seele fehlt und ihr Charakter und ihre Fähigkeiten dem Temperament ihrer elementaren Grundlage entspricht.

Nach Jakob Böhme (1575-1624) ergeben sich daraus vier unterschiedliche Charaktere: Die Feuergeister sind die Cholerischen, die Luftgeister sind lebhaft, im Melancholischen spiegeln sich die Erdgeister wieder und dem Phlegmatischen entsprechen die Wassergeister.[8]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aus dem Nichtvorhandensein einer Seele ergibt sich, dass Elementargeister nicht wie Menschen sterben können, denn sie gehen durch Metamorphose vollständig in den Kreislauf von Natur und Kosmos über, ohne dass eine unsterbliche Seele bestehen bleibt. Aus diesem Grund seien sie, so Paracelsus, bestrebt mit den Menschen in den Stand der Ehe zu treten, denn dies sei die einzige Möglichkeit für sie eine Seele zu erhalten und somit am Bündnis zwischen Gott und den Menschen teilzuhaben.

Diese Beseelung erfolgt jedoch nicht durch das heilige Sakrament der Ehe[9], sonder dieses Phänomen geht einher mit der zu dieser Zeit allgemein verbreiteten Vorstellung der Frau als seelenloses Wesen, welche – wie ein Elementargeist – eine Seele erst nach der körperlichen Vereinigung mit einem Mann erhält. „Sie gewinnen eine Seele, wenn sie geliebt werden.“[10] Sobald jedoch das Selbstbewusstsein und die Fähigkeit zu menschlichen Gefühlen erwacht ist, beginnt eine Entfremdung von der Natur und damit ihre Beherrschung. Aus diesem Grund leben die Menschen entfremdet von der Natur, wohingegen die Naturgeister – ohne Seele – in Einklang mit ihr leben.

Nach dieser Betrachtung des grundsätzlichen Verständnisses von Elementargeistern fällt auf, dass es im Großen und Ganzen auf Spekulationen von Naturphilosophen und Dichtern[11] beruht. Im Volksmund sind Namen wie Undinen, Sylphen, Nymphen usw. kaum bekannt und werden dem entsprechen auch nicht – oder nur selten - als Inhalt für Volksmärchen gewählt; zumal deren Helden fast durchweg menschlich und nicht übernatürlich sind. Daraus ergibt sich, dass nur in den romantischen Kunstmärchen, nicht aber in den Volksmärchen die Elementargeister ihre häufige Verwendung finden. So auch in Fouqués Undine, der von diesen Vorstellungen stark beeinflusst war und im Nachwort zu seinen ausgewählten Werken Paracelsus als seine unmittelbare Quelle angibt. Auch das Thema der Geschichte ist – entsprechend Fouqués Vorliebe für alte Fabeln - ein Rückgriff auf die Stauffenberger – Sage[12].[13]

Das Verhältnis von Elementargeist und Mensch im Märchen

Undine als Wassergeist

Bei Undine in Fouqués gleichnamigen Märchen handelt es sich um einen Wassergeist, dessen Charakter entsprechend seinem Element wild, unfügsam, ungeregelt und unbeständig ist. „Ihre Unarten unterscheiden sich“ unübersehbar „von denen anderer junger Mädchen, denn sie ist nicht nur zu keiner andauernden Ernsthaftigkeit zu bringen, sondern das neckisch – ironische Verhalten ist geradezu ihr Markenzeichen. Von Zeit zu Zeit

‚da mag es mit ihren Schäkereien ganz was Artiges sein. Aber sie den ganzen Tag lang auf dem Halse zu haben und kein kluges Wort hören, und statt bei wachsendem Alter Hilfe im Haushalte zu finden, immer nur dafür sorgen zu müssen, dass uns ihre Torheiten nicht vollends zugrunde richten – da ist es gar ein andres, und die heilige Geduld selbst würd’ es am Ende satt.’[14][15]

Als Elementargeist ist Undine nicht in der Lage eine tiefere Beziehung zu den sie umgebenden Menschen aufzubauen. Ihr fehlen Eigenschaften wie Mitleid und Rücksicht[16], sie besitzt „eine naturwüchsige Unmittelbarkeit des Wollens und Empfindens“[17] und lebt ihre Emotionen unbesorgt, spontan und ungezügelt aus. So basiert das Verhältnis zu ihren Pflegeeltern auch nur auf großzügiger Toleranz und

[...]


[1] Bild aus http://gutenberg.aol.de/autoren/fouqué.htm

[2] Reclam, Philipp; Friedrich de la Motte Fouqué Undine; Stuttgart 1983; S. 95

[3] Reclam, Philipp; Friedrich de la Motte Fouqué Undine; Stuttgart 1983; S. 95

[4] Vgl.: http://www.germanistik.reth-aachen.de/Kleist/Seminar/gruppe03/1809-1811/fouquebio.html

[5] Vgl.: Klotz, Volker; „das europäische Kunstmärchen – 25 Kapitel seiner Geschichte von der Renaissance bis zur Moderne“, Stuttgart 1985; S. 162

[6] welche im ausgehenden 18. Jahrhundert auch zur Einführung der Elementargeister in die deutsche Dichtung und Musik führte. So z.B. in Goethes Faust, Erlkönig, Schillers Lied von der Glocke usw.

[7] Vgl.: Ranke, Kurt; „Enzyklopädie des Märchens“, Berlin, NY 1981; Band 3; Stichwort „Elementargeister“; S. 1320

[8] Vgl.: Ranke, Kurt; „Enzyklopädie des Märchens“, Berlin, NY 1981; Band 3; Stichwort „Elementargeister“; S.1320

[9] Dass das Sakrament der Ehe keinen Einfluss hat wird auch in Fouqués Märchen deutlich, denn nach der Trauung wird beschrieben, wie „die wunderlichen Grillen, welche in ihr hausten, um so dreister und kecklicher auf der Oberfläche hervor[schäumten ]“ Reclam, Philipp; Friedrich de la Motte Fouqué; Undine; Stuttgart 1983; S. 37

[10] Ranke, Kurt; „Enzyklopädie des Märchens“, Berlin, NY 1981; Band 3; Stichwort „Elementargeister“; S.1321

[11] darunter z.B. Heinrich Heine, in dessen Schrift Elementargeister er vollständig die Meinung des Paracelsus unterstützt.

[12] Die Historie von der Nymphe im Stauffenberg

[13] Vgl.: Reclam, Philipp; Friedrich de la Motte Fouqué; Undine; Stuttgart 1983; S. 96

[14] Reclam, Philipp; Friedrich de la Motte Fouqué; Undine; Stuttgart 1983; S. 9

[15] Adam, Wolfgang „Euphorion: Zeitschrift für Literaturgeschichte“, 91.Band, Heidelberg 1997, Andreas Solbach „Immanente Erzählpoetik in Fouqués Undine“ S. 81

[16] Reclam, Philipp; Friedrich de la Motte Fouqué; Undine; Stuttgart 1983; S. 31: Undine: «[…] Denn jeder ist sich selbst der Nächste, und was gehen einen die anderen Leute an.» [...]

[17] Adam, Wolfgang „Euphorion: Zeitschrift für Literaturgeschichte“, 91.Band, Heidelberg 1997, Andreas Solbach „Immanente Erzählpoetik in Fouqués Undine“, S. 81

Details

Seiten
20
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638170567
Dateigröße
901 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v10699
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg – FB Germanistik
Note
2,0
Schlagworte
Friedrich Motte Fouqué Undine Verhältnis Elementargeist Mensch Seminar Romantische Märchen

Autor

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Titel: Friedrich de la Motte Fouqué - Undine - Das Verhältnis von Elementargeist und Mensch