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Qualität von Schule

Hausarbeit (Hauptseminar) 2002 20 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung: Thema der Hausarbeit

2. Die Qualitätsfrage bei Helmut Fend:
Eine mehrebenenanalytische Betrachtungsweise
2.1 Der Weg zur Schulqualitätsforschung
2.2 Was ist eine mehrebenenanalytische Betrachtungsweise?
2.3 Zusammenfassung der Ergebnisse Fends

3. Weiterentwicklung der Untersuchungen Fends: Die empirischen Befragungen van Dicks u.a. von 2000
3.1 Die Methode
3.2 Die Ergebnisse

4. Die Gliederung von Merkmalen guter und schlech- ter Schulen in Qualitätsbereiche

5. Zusammenfassung und Fazit: Eine neue Sicht auf Unterrichtsqualität nach der PISA-Studie?

Literaturangaben

1. Einleitung: Thema der Hausarbeit

Im Hauptseminar "Qualität von Schule" wurden zahlreiche Studien, Berichte und Beiträge zum Thema Schulwirksamkeit vorgestellt. Es wurde über Kriterien von guten oder schlechten Schule diskutiert, Porträts effektiver Schulen erstellt und über empirische Erkundungen berichtet.

Dabei wurde Literatur aus der Zeitspanne 1981-1999 herangezogen.

Mit den Überlegungen, welches Thema diese Seminararbeit behandeln soll, fiel die Lektüre der Zeitschrift "Schulmanagement", Ausgabe 04/01 zusammen. Darin beschäftigt sich der Beitrag von Rolf van Dick mit den Untersuchungen Helmut Fends zu guten und schlechten Schulen in den 70er und 80er Jahren und versucht, dessen Ergebnisse mit den Resultaten neuester Studien zu vergleichen bzw. weiterzuentwickeln.

Über die Ergebnisse soll hier berichtet und sich mit den Konsequenzen auseinandergesetzt werden.

Beschäftigt man sich ernsthaft mit dem Thema "Qualität von Schule" ist es ratsam, sich auch über verschiedene Meinungen zu Merkmalen guter bzw. effektiver Schulen zu informieren.

Die Gliederung Günter Haiders[1] (Universität Salzburg) in 5 Qualitätsbereiche wird vorgestellt und soll helfen, diese Merkmale zu strukturieren.

Dabei muss auf die verschiedenen Bezugsgruppen geachtet werden – Schüler, Eltern, Lehrer, Schulleitung ... bis hin zur Gesellschaft als Ganzes.

Insgesamt soll der Versuch unternommen werden, die Frage, was eigentlich unter Qualität im schulischen Bereich verstanden werden soll, anhand neuester Literatur zu klären.

Der Bereich der Systemqualität sowie der bildungspolitischen Positionen soll in dieser Hausarbeit nur eine untergeordnete Rolle spielen.

2. Die Qualitätsfrage bei Helmut Fend: Eine mehrebenenanalytische Betrachtungsweise

2.1 Der Weg zur Schulqualitätsforschung

Im Jahr 1998 fasste Helmut Fend seine Untersuchungen, Studien und theoretischen Ansätze zum Thema "Qualität im Bildungswesen" zusammen. In der Einleitung seines Buches mit eben diesem Titel spricht er von "...einer neuen Phase der Entwicklung des Bildungswesens" seit Beginn der 90er Jahre (Fend, 1998 S. 13) Bis zu diesem Zeitpunkt hat eine ständige Weiterentwicklung in diesem Bereich stattgefunden.

Noch bis zum Ende der 60er Jahre wurde in geisteswissenschaftlicher Manier behauptet, vor allem die Lehrerinnen und Lehrer wären für die Qualität von Schulen verantwortlich. Musste sich doch das Bildungswesen, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts erst von den Händen der Kirche in die des Staates gelangte, ganz allmählich entfalten und ausdifferenzieren. Fend spricht vom damaligen Ziel, "...eine flächendeckende schulische Versorgung für die gesamte Bevölkerungg sicherzustellen" (Fend 1998, S. 13). Doch durch den bildungsreformerischen Aufbruch der 70er Jahre erfuhr diese Einstellung eine gründliche Revision. Damals stand die große Frage der strukturellen Umgestaltung des Schulsystems im Mittelpunkt, d.h. die Veränderung herkömmlicher Schulformen. In der Gesamtschul-Diskussion ging es um die Umkehrung der Ausdifferenzierung, Chancengleichheit für alle Schüler wurde gefordert, ein "...effizientes und sozial gerechtes Bildungswesen" sollte entstehen (Fend 1998, S. 14). Die Qualität von Schulen wurde nach der damalig herrschenden Meinung also hauptsächlich von den Strukturen bestimmt. Ende der 70er Jahre stagnierte die Bildung von Gesamtschulen bereits wieder, es kam ein Gegenwind auf, der die Reformbewegung bremste. Schulsystemvergleiche erschienen plötzlich uneffektiv, da sie den Lehrerinnen und Lehrern letztlich keine Handlungsorientierung gaben. Es fand eine Art Rückbesinnung auf die rein pädagogischen Ziele statt, von einer überspitzten gesellschaftspoliischen Betrachtungsweise wollte man zurücktreten. "Mit Beginn der 90er Jahre treten Qualitätsfragen in den Vordergrund" (Fend 1998, S. 13), die Konjunktur der Schulqualitätsforschung begann. Ein Grund für diese Entwicklung wird in der Vielfalt der modernen Informationsgesellschaft und ihrer Medien gesehen, der kein starres, veraltetes Bildungswesen gegenüberstehen darf. Der Begriff "Qualität" ist zu einem der leitenden Begriffe innerhalb des allgemeinen Bildungsdiskurses geworden und ist längst nicht mehr auf den schulischen Bereich beschränkt.

Ein aktuelles Beispiel: Die Freie Universität Berlin begann in diesem Monat im Rahmen des Projektes "Nationale Qualitäts-initiatve im System der Tageseinrichtungen für Kinder" mit der Entwicklung von Kriterien, mit deren Hilfe sich Qualität im Kindergarten messen lässt. Experten fordern schon seit geraumer Zeit, dass die vorschulische Bildung in Deutschlan verbessert werden muss. Kindergärten sollen im modernen pädagogischen Verständnis Bildungseinrichtungen für Zwei- bis Fünfjährige sein[2].

Hier wird klar ersichtlich, dass es sich bei der Frage nach Qualität von Bildung nicht nur um eine wissenschaftliche, sondern immer stärker um eine öffentliche Diskussion handelt. Die Hintergründe müssen als multifaktorielles Bedingungsgefüge gesehen werden. Es handelt sich um wirtschaftsinterne Faktoren, vor allem sind das betriebswirtschaftliche Aspekte. Ökonomische Denkmodelle bekommen bei immer enger werdendem Finanzrahmen eine wachsende Bedeutung. Finanziell kann nur unterstützt werden, was nachgewiesene Wirkungen erzielt. Wirtschaftsexterne Faktoren sind beispielsweise aus Sicht der Schülerinnen und Schüler, der Eltern und der Öffentlichkeit in Betracht zu ziehen. Das können z.B. sein: schlechte Ergebnisse, eine allgemeine Unzufriedenheit oder auch ein unbefriedigender Vergleich mit anderen Schülern, Schulen oder gar Schulsystemen. Jedes Mitglied der Gesellschaft kann und sollte sich also in die Diskussion um Qualität einbringen.

2.2 Was ist eine mehrebenenanalytische Betrachtungsweise?

Eine klassische und zu ihrer Zeit bahnbrechende Studie zum Thema "Schulqualitätsforschung" ist "Fünfzehntausend Stunden" von Michael Rutter u.a. (1979 in England, 1980 in Deutschland erschienen). Darin argumentieren die englischen Schulforscher, dass folgende Merkmale mit Schulqualität zusammenhängen:

- eine deutliche und in der Schule für jeden spürbare Wertschätzung des Lernens und guter schulischer Leistungen,
- klar strukturierter Unterricht, in dem wenig Zeit für sachfremde Tätigkeiten aufgewendet wird,
- eine schülerzentrierte Athmosphäre, in der eher Lob als Tadel Verwendung findet und in der die Schüler sich als Personen akzeptiert fühlen,
- Möglichkeiten der Mitsprache und der Übernahme von Verantwortung für die Schülerinnen und Schüler,
- geringe Fluktuation sowohl im Kollegium als auch in der Zusammensetzung der Lerngruppen,
- enge Zusammenarbeit und Wertkonsens im Kollegium.

Eines der zentralen Anliegen der im angelsächsischen Raum hoch entwickelten sog. "Schul effektivitäts forschung" (vgl. im deutschen Sprachraum "Schul qualitäts forschung") war die Beantwortung von Fragen wie: Worin unterscheiden sich gute Schulen von weniger guten? An welchen Merkmalen kann man gute Schulen erkennen? Gesucht wurden "harte" Kriterien, die relativ einfach erfassbar sein sollten, beispielsweise Lehrer-Schüler-Relation, Klassengröße, Ressourcen. Die Ergebnisse dieses Forschungsberichtes waren für die Wissenschaftler im gewissen Sinne enttäuschend; statt harter, politisch beeinflussbarer Kriterien wurden fast durchweg "weiche" Qualitätsmerkmale gefunden, d.h. Kriterien von eher athmosphärischem Charakter, die wesentlich vom Klima an der Schule geprägt werden.

Doch bereits in diesen frühen Studien ist ersichtlich, dass es verschiedene Gestaltungsebenen im schulischen Lernfeld gibt und dass zwischen diesen ein Zusammenhang besteht. Dabei findet jedoch noch die Beschränkung auf jeweils eine einzelne Schule, ihre Lehrer- und Schülerschaft und das dortige Klima und Unterrichten statt.

Fend geht in seinen Ausführungen einen Schritt weiter und bringt die einzelne Schule in ein größeres Beziehungsgeflecht. Er nennt dies einen "...ganzheitlichen systematischen Zusammenhang" (Fend 1998, S. 14). Rechtliche und administrative Rahmenbedingungen gehören zur bildungspolitischen Ebene, hinzu kommen die strukturelle Ebene der Schule sowie die vor allem pädagogisch bedeutsame Ebene des Unterrichts in einer bestimmten Schulklasse, die stark vom Lehrer abhängig ist. Der Begriff Makroebene umschreibt die organisatorisch-rechtlichen Rahmenbedingungen, während Mikroebene den Unterricht und die Bedingungen in der Schulklasse meint. Dazwischen existiert eine Mesoebene, die von der Verantwortung der Lehrer-, Schüler- und Elternschaft abhängig ist.

Die Kriterien, die 1979 von Rutter u.a. entwickelt wurden, beziehen sich vor allem auf die Mikro- und die Mesoebene. Fend dagegen gliedert sein Buch nach den Erkenntnissen seines Drei-Ebenen-Modells: Er versucht zuerst, von der konkreten Einzelschule auszugehen. Danach will er Qualitätsunterschiede auf Schulebene erklären, wobei er die Makro- und Mesoebene einbezieht und rechtlich-administrative Rahmenbedingungen als wichtige Ursachen für die Verhältnisse in der Schule vor Ort betrachtet. Dies wird nun auf die Qualität von Schulsystemen ausgedehnt, so dass die Makroebene stärker ins Blickfeld gerät. Schließlich wendet er sich der Mikroebene zu und untersucht den Bereich der Lehrer-Schüler-Interaktion und die Bedeutung des Lehrers insgesamt. Im letzten Teil geht es dann um den Versuch einer Antwort auf die Frage, "... wie die verschiedenen Ebenen der Qualitätsaspekte im Bildungswesen zusammenhängen" (Fend 1998, S. 16). Das Bildungssystem kann also als komplexes System mit verschiedenen Ebenen und Relationen zwischen ihnen verstanden werden.

[...]


[1] Quelle: "Die 5 Qualitätsbereiche", http://www.qis.at BMUK: Wien 1999

[2] Quelle: "Der Tagesspiegel" Nr. 17683 vom 20.02.2002, Seite 27

Details

Seiten
20
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638170505
Dateigröße
634 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v10692
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Institut für Schulpädagogik
Note
ohne
Schlagworte
Qualität Schule

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