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Umwelterziehung im Geographieunterricht

Hausarbeit 2001 31 Seiten

Didaktik - Geowissenschaften / Geographie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die UNESCO-Konferenzen als Anstoß der Umwelterziehung

3. Notwendigkeit von Umwelterziehung
3.1. Umweltproblematik
3.2. Psychologischer Hintergrund

4. Das Konzept der Umwelterziehung
4.1. Aufgaben und Ziele der Umwelterziehung
4.2. Grundsätze der Umwelterziehung
4.3. Umweltbewusstsein
4.4. Wirkungen von Umwelterziehung

5. Umsetzung schulischer Umwelterziehung
5.1. Umweltdidaktische Modelle
5.2. Methoden

6. Möglichkeiten schulischer Umwelterziehung im Fach Geographie..
6.1. Geographie als Schlüsselfach
6.2. Entwicklung der Umwelterziehung im Fach Geographie
6.3. Heutige Situation im Fach Geographie

7. Beiträge zur Umwelterziehung im Fach Geographie
7.1. Landschaftsökologie im Geographieunterricht
7.2. Nachhaltige Entwicklung im Geographieunterricht

8. Grenzen und Anregungen schulischer Umwelterziehung
8.1. Probleme bei der Umsetzung schulischer Umwelterziehung
8.2 Konsequenzen für die Schulpraxis

9. Fazit

10. Literatur

1. Einleitung

In Anbetracht der in der heutigen Zeit herrschenden Umweltprobleme ist die Notwendigkeit von Umwelterziehung eine nicht mehr zu bestreitende Tatsache. Begriffe wie Ozonloch, Treibhauseffekt, Smog, Saurer Regen, Luft- und Wasserverschmutzung, um nur einige wichtige aktuelle Stich- worte zur Umweltsituation zu nennen, sind heute in aller Munde. Trotzdem tragen aber immer noch die meisten Menschen dazu bei, die Umwelt in irgendeiner Weise zu belasten. Die Menschheit muss aber handeln, um die Umweltprobleme in den Griff zu bekommen. Dabei kommt der Schule, insbesondere dem Fach Geographie, eine wichtige Aufgabe zu. Die Schüler müssen zum umweltbewussten Verhalten erzogen werden. Das Konzept der Umwelterziehung stellt meiner Meinung nach eine gute Möglichkeit dar, dieses Ziel zu erreichen. Leider beschränkt sich Umwelterziehung heute immer noch zum größten Teil auf die reine Wissensvermittlung (Meyer 1997, S. 146-147). Untersuchungen haben aber gezeigt, dass reine Wissensvermittlung nicht unbedingt auch zu einem umweltbewussten Ver- halten führt (Meyer 1995, S. 178). Wenn Umwelterziehung Erfolg haben soll, dann muss sie mehr als nur reine Wissensvermittlung sein, aber wie ist dieses Ziel am besten zu erreichen? Außerdem stellt sich die Frage, ob eine Umwelterziehung, die mehr als nur reine Wissensvermittlung sein soll, an- gesichts der schulischen Rahmenbedingungen überhaupt durchführbar ist. Um diese Fragestellungen zu klären, möchte ich im folgenden näher auf das Konzept der Umwelterziehung eingehen.

Im ersten Teil meiner Hausarbeit wird eine theoretische Grundlage geschaffen und ein Überblick zur Umwelterziehung erstellt. Was ist Umwelterziehung? Welche Ziele hat sie? Wie können diese Ziele am besten erreicht werden? Diese Fragen sollen im ersten Teil beantwortet werden. Die hier geschaffene Grundlage dient dem weiteren Verständnis dieser Arbeit.

Der zweite Teil meiner Hausarbeit beschäftigt sich im wesentlichen mit der Umwelterziehung im Fach Geographie. Warum eignet sich der Geographieunterricht besonders für das Konzept der Umwelterziehung? Welche Möglichkeiten gibt es Umwelterziehung im Geographieunterricht

durchzuführen? Ist Umwelterziehung in der Schule überhaupt durchführbar? Mit diesen Fragen werde ich mich ausführlich in diesem Teil beschäftigen. In einem abschließenden Fazit nehme ich persönlich Stellung zu der erörterten Thematik.

2. Die UNESCO-Konferenzen als Anstoß der Umwelterziehung

Die UNESCO-Konferenzen, Tagungen und Kongresse zählen zu den entscheidenden Impulsgebern der Entwicklung der Umwelterziehung. Deshalb scheint es sinnvoll diese kurz anzusprechen, denn durch sie konnte erreicht werden, dass Umwelterziehung als grundsätzliche Aufgabe ak- zeptiert worden ist.

Die erste Konferenz der Vereinten Nationen fand 1972 in Stockholm unter dem Titel „Die Umwelt des Menschen“ statt. Diese Thematik wurde hier zum ersten Mal zum zentralen Verhandlungsgegenstand erhoben, da sich im Bereich der Umweltprobleme die Lage drastisch verschlechtert hatte. Diese Problematik sollte jetzt mit dem Ziel der Verbesserung der Umwelt in das Bildungswesen integriert werden. Hieraus ergaben sich einige Anregungen in Richtung der Verwirklichung dieses Ziels (Lob 1997, S. 8).

Nach der Stockholmer Konferenz fanden weitere Tagungen statt. Die wichtigste war die Konferenz in Belgrad im Jahr 1975. Hier wurde die Belgrad-Charta verabschiedet, eine Grundsatzerklärung zur Zielsetzung der Umwelterziehung (Lob 1997, S. 8).

Vom 16. bis zum 27. Oktober 1977 fand eine der wichtigsten Konferenzen im Rahmen der Umwelterziehung in Tiflis statt. Diese wurde von der UNESCO und der UNEP gemeinsam durchgeführt. Erwähnenswert sind hier die 41 Erklärungen zur Zielsetzung der Umwelterziehung (Lob 1997, S. 9).

1987, zehn Jahre nach der Konferenz in Tiflis, fand ein Treffen in Moskau statt mit dem Ziel, eine Bilanz nach zehn Jahren Umwelterziehung zu ziehen (Lob 1997, S. 13-14).

In Rio de Janeiro fand vom 3. bis zum 14. Juni 1992 die UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung statt. Die Hauptthemen dieser Konferenz waren Klimaveränderungen, biologische Vielfalt und Waldschutz. Ergebnisse dieses Umweltgipfels waren internationale Konventionen zur biologischen Artenvielfalt und zum Klima, die Walderklärung und die Agenda 21, ein Aktionsprogramm, das die Verwirklichung dieser Grundsätze sicherstellen sollte (Wimmers 1994, S. 360-367). Das Thema Umwelterziehung hatte bei dieser Konferenz nur eine geringe Bedeutung (Lob 1997, S. 15).

Die Konferenz in Toronto, die im Oktober 1992 stattfand, war die letzte große UNESCO-Konferenz zu Themen der Umwelterziehung. Zum ersten Mal waren Vertreter aus der Wirtschaft beteiligt (Lob 1997, S. 16-17).

3. Notwendigkeit von Umwelterziehung

Die Bedrohung der Umwelt durch den Menschen ist zwar heute eine nicht mehr zu leugnende Tatsache, aber trotzdem scheint es sinnvoll zu sein, die Notwendigkeit von Umwelterziehung nochmals zu verdeutlichen. Neben der Umweltproblematik soll auch der psychologische Hintergrund ange- sprochen werden, denn die Zerstörung der Umwelt hat Auswirkungen auf die Psyche des Menschen.

3.1. Umweltproblematik

Seit Jahrhunderten beutet der Mensch die Natur aus und zerstört sie damit. Erst seit kurzer Zeit werden die sich daraus ergebenden Probleme sichtbar. Diese werden uns tagtäglich durch die Medien vor Augen geführt (Aepkers 1999, S. 194). Bäche, Flüsse und die Luft sind verschmutzt, Allergien und

schlimme Krankheiten nehmen zu (Härle; Habrich; Kyburz-Gräber 1991, S. 129). Hinzu kommt, dass etwa jede Stunde eine Tierart ausstirbt (Jütting 1995, S. 316). Außerdem wächst die Weltbevölkerung immer noch explosionsartig weiter, so dass die Erde bald an den Grenzen ihrer Tragfähigkeit angelangt sein wird und die Ressourcen verknappen. Die Menschheit ist an einem Punkt angelangt, an dem sie handeln muss, denn nie zuvor war sie einer größeren globalen Bedrohung ausgesetzt als gegenwärtig. Durch die Zerstörung der Natur ist auch das Bestehen der Menschheit bedroht, da die Natur die Lebensgrundlage der Menschheit darstellt. Obwohl die meisten Menschen über die Umweltprobleme in- formiert sind, leisten nur die wenigsten einen Beitrag zur Schonung der Umwelt. Um die drohende Katastrophe noch verhindern zu können, muss sich das Verhalten der Menschen ändern. Sie müssen Verantwortung über- nehmen für das, was sie tun, und umweltbewusster mit der Natur umgehen (Meincke; Richter 1995, S. 420-422).

3.2. Psychologischer Hintergrund

Empirische Studien haben gezeigt, dass Kinder Orte bevorzugen, an denen sie ungestört und unkontrolliert sind. Dabei muss es sich aber nicht um Natur handeln. Eine Straße ist demnach genauso attraktiv wie ein Wald oder eine Wiese. Das wichtigste ist nur, dass sich die Kinder frei bewegen können (Hart 1979 zitiert nach Gebhard 1994, S. 93-94). Besonders die Natur kann den Kindern aber diesen Freiraum geben. Kinder haben so die Möglichkeit, Naturerfahrungen zu machen, und können die Natur als etwas Bedeutsames und Wichtiges erleben (Gebhard 1994, S. 97). Das ist sehr wichtig, denn „nur wenn Kinder eine Beziehung zur Natur entwickeln, können sie ihre Zerstörung wahrnehmen“ (Gebhard 1994, S. 93).

Kinder und Jugendliche sind besonders verunsichert in Anbetracht der herrschenden Umweltprobleme. Sie schauen pessimistisch in die Zukunft. Täglich erfahren sie die Katastrophenmeldungen aus den Medien. Daraus resultieren Zukunftsängste, die je nach Alter unterschiedlich sind. Kinder zwischen 6 und 14 Jahren haben keine direkten persönlichen

Umweltängste. Sie sorgen sich eher um die Tiere, die Natur und um andere Menschen.

Jugendliche bis 18 Jahre hingegen haben persönliche Umweltängste. Neben den Umweltproblemen beziehen sie alle anderen aktuellen Probleme auch auf die eigene Person. In der Sekundarstufe II werden die Probleme in noch stärkerer Weise auf sich selbst bezogen. Im Vordergrund steht die Furcht vor Tod, Einsamkeit und Resignation. Gegenüber diesen Ängsten spielen Umweltängste nur eine geringe Rolle.

Erwachsene dagegen neigen eher dazu, Umweltprobleme und Umweltängste zu verdrängen (Münchener Institut für Jugendforschung 1994; Studie der Universität Bielefeld zum Umweltbewusstsein 1993; Schärli-Conradi 1992; Senat für Bildung und Wissenschaft (Hrsg.) 1993 zitiert nach Schmidt-Wulffen 1996, S. 7). Deshalb dürfen die Kinder und Jugendlichen nicht mit ihren Ängsten alleingelassen werden (Schmidt- Wulffen 1996, S. 8).

4. Das Konzept der Umwelterziehung

Im folgenden soll das Konzept der Umwelterziehung ausführlich erläutert werden. Das ist sinnvoll, da dieses Konzept auf alle Fächer angewendet werden kann und soll. Zunächst werden die Aufgaben und Ziele vorgestellt. Anschließend sollen didaktische Leitlinien vorgestellt werden, die es ermöglichen sollen, Ziele der Umwelterziehung zu erreichen. Bevor dann die Wirkungen der Umwelterziehung geschildert werden, soll kurz auf das Umweltbewusstsein eingegangen werden.

4.1. Aufgaben und Ziele der Umwelterziehung

Umwelterziehung soll einen Beitrag zur Lösung der Umweltprobleme leisten. Im KMK-Beschluß vom 17. Oktober 1980 (KMK zitiert nach Meyer 1997, S. 146) heißt es: „Für den einzelnen und für die Menschheit insgesamt sind die Beziehungen zur Umwelt zu einer Existenzfrage geworden. Es

gehört daher auch zu den Aufgaben der Schule, bei jungen Menschen Bewusstsein für Umweltfragen zu erzeugen, die Bereitschaft für den verantwortlichen Umgang mit der Natur zu fördern und zu einem umweltbewussten Verhalten zu erziehen, das über die Schulzeit hinaus wirksam bleibt. Hierzu ist die Schule umso mehr verpflichtet, als die Belastungen der Umwelt in den letzten Jahrzehnten bedrohlich zuge- nommen haben. Die Schule kann und muss aufgrund ihres Bildungs- und Erziehungsauftrages ihren Beitrag zur Lösung dieses dringlichen Problems leisten.“ Abbildung 1 soll die Aufgaben der Umwelterziehung verdeut- lichen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Aufgaben der Umwelterziehung Quelle: Obermann 1995, S. 7

Schulische Umwelterziehung soll dazu beitragen, dass sich Schüler umweltbewusst verhalten und dass ihr Umweltbewusstsein gesteigert wird. Neben der Veränderung des Umweltbewusstseins und der Aneignung von Fachwissen sollen die Schüler auch lernen, in Zusammenhängen zu denken. Schüler sollen eine Einsicht in komplexe Systeme bekommen. Dabei soll auch die Fähigkeit zum Problemlösen in komplexen Systemen gesteigert werden. Außerdem sollen Schüler lernen, sich mit den Umweltproblemen auseinanderzusetzen. Einstellungen und Werthaltungen sollen verändert werden. Das Hauptziel der Umwelterziehung ist die ökologische Handlungskompetenz. Darunter versteht man die Fähigkeit und Bereitschaft zum Handeln, wobei ökologische Gesetzmäßigkeiten berücksichtigt werden (Obermann 1995, S. 5-7). Um dieses alles zu erreichen, muss Umwelterziehung fächerübergreifend, problem-, situations-, handlungs- und systemorientiert sein (Bolscho; Eulefeld; Seybold 1980, S. 21-30).

Details

Seiten
31
Jahr
2001
Dateigröße
597 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v106866
Institution / Hochschule
Universität Bremen
Note
Schlagworte
Umwelterziehung Geographieunterricht

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