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Die Rolle Finnlands bei der Europäischen Integration

Seminararbeit 2002 16 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neueste Geschichte, Europäische Einigung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 . Einleitung

2 . Situation nach dem II. Weltkrieg

3. Finnlands Weg aus der Isolation

4. Finnlands Beitrag zur europäischen Integration

5. Schlussfolgerungen

Literaturangaben

1. Einleitung

Eine analytische Betrachtung der Rolle Finnlands im Prozess der weiteren europäischen Integration und der aktuellen Globalisierungsprozesse muss von der historischen Entwicklung, den geographischen, wirtschaftlichen, kulturellen Bedingungen des Landes, der aktuellen finnischen sowie internationalen Situation ausgehen. Die Analyse des Landes muss die Positionen der Europäischen Union berücksichtigen.

Die Finnen haben es in der historischen Entwicklung mit ihrer Politik unter komplizierten innen- und außenpolitischen Situationen immer wieder verstanden, ihrem Volk die territoriale Selbständigkeit, eine Staatsgründung und den Frieden zu sichern. Seit der finnischen Unabhängigkeit 1917 und vor allem am Ende des II. Weltkrieges, haben die finnischen Regierungen mit ihrer Außenpolitik wichtige Beiträge zur europäischen Friedenssicherung sowie der Zusammenarbeit von Staaten unterschiedlichster Weltanschauungen geleistet. Diese umfangreichen, außenpolitischen Erfahrungen hat Finnland 1995 mit dem Beitritt in die EU eingebracht. Sie könnten für einen aktuellen europäischen Beitrag zur Sicherung des Weltfriedens, zu einer neuen Form der Zusammenarbeit der europäischen Gemeinschaft im weiteren Globalisierungsprozess beitragen.

Die Geschichte Finnlands wurde mit durch die geographische Lage und die unmittelbaren Nachbarn Schweden und Russland geprägt. Sechshundert Jahre lang war Finnland eine schwedische Provinz. Durch Spannungen in den schwedischen – russischen Beziehungen wurde Finnland 1809 durch den Frieden von Hamina/Fredrikshamn russische Provinz.[1] Allmählich entwickelte sich aus dem Großfürstentum ein eigenständiger Staat mit weiteren Privilegien. Es kam am 6. Dezember 1917 zur Souveränitätserklärung Finnlands. Am 17 Juni 1919 trat die Verfassung in Kraft, die in ihren Grundzügen bis heute gültig ist.

Die Republik Finnland ist damit eines der jüngsten unabhängigen Länder Europas, aber eines der ältesten und beständigsten parlamentarischen Demokratien überhaupt, die sich in Krisenzeiten immer behauptet hat.[2]

Die geographische, kulturelle und wirtschaftliche Situation des Landes wurde in ihrer Entwicklung und in aktuellen Positionen umfassend bei Militz[3], und durch die Europäische Kommission (EUROSTAT) dargestellt.[4]

Flächenmäßig ist Finnland mit seinen 337.000 km2 eines der größten Länder Europas. Mit einer Bevölkerungsdichte von 15 Einwohnern pro km2 und etwa 5 Millionen Einwohnern ist es eines der am dünnsten besiedelten Gebiete Europas überhaupt.[5]

Die folgenden Ausführungen sollen belegen, dass Finnland über reiche außenpolitische Erfahrungen für die weitere europäische Integration, für den Globalisierungsprozess, für die Bewältigung der aktuellen außenpolitischen Probleme der europäischen Gemeinschaft verfügt. Man kann von der These ausgehen, dass die finnische Außenpolitik einen wichtigen Beitrag zur Lösung der aktuellen internationalen Konflikte leisten könnte.

2. Situation nach dem II. Weltkrieg

Finnland kämpfte an der Seite Deutschlands nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion von 1941 – 1944.[6]

Nach der deutschen Niederlage wurde Finnland als einziges Land nicht durch die Sowjetunion erobert und besetzt. Die Gründe für diese sowjetische Reaktion waren vielschichtig.[7]

Die innen- und außenpolitische Situation Finnlands nach dem II. Weltkrieg war für die weitere Entwicklung des Staates prägend. Finnland war das einzige Land, in dem die Beschlüsse der Jalta - Konferenz vom Februar 1945 eingehalten wurden. Sie beinhalteten die Festlegung der Unabhängigkeit des Staates und nach freien Wahlen die Etablierung einer demokratischen Regierung.

Im Friedensvertrag von Paris verlor Finnland 1947 beträchtliche Gebiete[8] an die kommunistische Weltmacht Sowjetunion.[9] Finnland wurde zusätzlich verpflichtet, Reparationszahlungen im Warenwert von 500 Mio. US – Dollar abzuleisten.[10]

Die Erfüllung der Reparationsforderungen machte neue Wirtschaftsstrukturen notwendig. Das Land baute in kürzester Zeit eine moderne, metallverarbeitende Industrie auf, die die bis dahin überwiegende Land- und Forstwirtschaft ergänzte. Die Metallverarbeitung nahm bald unter dem Reparationszwang die wirtschaftliche Spitzenposition ein. Militz bezeichnet diesen Aufbau als „ein Wagnis und eine Meisterleistung“.[11] Finnland konnte bis 1952 aus eigener Kraft die Reparationen erbringen, die bis zu 15% des Nationalproduktes betrugen.[12] Aus der Position außenpolitischer Rücksichtnahme auf die Sowjetunion wurde auf mögliche amerikanische Unterstützungen (Marshall-Plan) verzichtet.

Noch vor dem Ende des II. Weltkrieges fanden im März 1945 die ersten freien Wahlen im Nachkriegseuropa statt. Die finnischen Kommunisten erreichten unter sowjetischen Einfluss einen hohen Stimmenanteil. Sie erhielten 23,5 % und 49 von 200 Parlamentssitzen. Die Kommunisten stellten den Innenminister, während die Koalition aus Sozialdemokraten und Agrarpartei die Regierung bildeten[13] Viele Finnen und die westliche Welt analysierten mit Sorge und Misstrauen dieses Wahlergebnis mit dem starken kommunistischen Einfluss.

Die ersten Staatspräsidenten Marschall Mannerheim und seit 1950 Juko Kusti Paaskivi verstanden es, die nationalen Interessen Finnlands mit den strategischen Interessen sowie dem Prestigedenken der sowjetischen Führung zu vereinen. Stalin entwickelte 1948 eine Initiative zu einem finnisch – russischen Beistandsabkommen gegen eine deutsche Aggression. Finnland wäre nach diesem Vorschlag automatisch an Russland gebunden worden. Außenpolitisch war für Finnland dieser Zustand inakzeptabel. Nach zähen Verhandlungen schafften sie es, den Vertrag nach ihren Vorstellungen abzuändern. Somit war die finnische Neutralität und Unabhängigkeit gewahrt und die russischen Sicherheitsbestrebungen befriedigt.[14]

Eine weitere Position in den bilateralen Beziehungen stellte das Handelsabkommen mit der Sowjetunion aus dem Jahre 1950 dar. Nach diesen Verträgen wurde Finnland von den Westmächten endgültig abgeschrieben, da sie sich damit von der westlichen Gemeinschaft, vor allem von den USA isolierten.

[...]


[1] Anmerkung: Zar Alexander I ernannte Finnland zu einem autonomen Großfürstentum unter seiner Regentschaft. Es gelang Finnland schrittweise eine eigene Identität und ein Staatswesen zu entwickeln. 1816 bekam Finnland einen Senat, der sich immer mehr zu einer nationalen Regierung entwickelte. Der Zar gewährte weitere Privilegien, wie eine eigene Zollgrenze gegenüber Russland sowie 1863 die Anerkennung der Amtssprache Finnisch.

[2] So überstand sie auch die von Russland ideell und materiell unterstützte rote Revolution 1918. Unter Führung Marschall Mannerheims und mit der Unterstützung eines deutschen Freikorps siegten die Weißen in diesem blutigen Bürgerkrieg. Der Höhepunkt der russisch – finnischen Feindseligkeiten wurde 1939 durch die russischen Forderungen nach Teilen der karelischen Landenge provoziert. Auf die finnische Absage hin marschierten russische Truppen im Winterkrieg 1939/40 in Finnland ein. Sie besetzten vor Leningrad Teile Kareliens. Finnland versucht mit deutscher Unterstützung im Fortsetzungskrieg die alten Grenzen wieder herzustellen. Dieser Versuch misslang.

[3] Militz, Ekkehard: „Schnittstelle zwischen den Mächten am Rande Europas“ , Gotha 2002.

[4] Europäische Kommission: „Portrait der Regionen Bd. 4“ , Luxemburg 1996.

[5] Europäische Kommission: „Portrait der Regionen Bd. 4“ , Luxemburg 1996, 59

[6] Am 19.9.1944 wurde in Moskau ein Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet. Jakobson, Max: „Finnland im neuen Europa“ , Berlin 1999. S 42.

[7] Vgl. Jacobsen sieht sie: Um die Rote Armee konzentrierter den Angriff ohne weitere Verluste auf Berlin führen zu lassen, die Alliierten mit dieser Maßnahme zu verwirren sowie in den historischen Beziehungen zwischen beiden Staaten, so u. a. im ersten Treffen Stalins mit Lenin in Finnland , möglicherweise auch aus sowjetischen Erfahrungen nach den militärischen Problemen im Winterkrieg 1939 – 40. Außenminister Molotov : „Die Menschen dort in Finnland sind sehr störrisch, sehr störrisch. Es war klug, dass wir Finnland nicht annektiert haben. Es wäre eine schwärende Wunde geworden“ Jakobson, Max: „Finnland im neuen Europa“ , Berlin 1999. S. 61.

[8] 1/10 der Landesfläche Finnlands

[9] Teile Kareliens, 436000 Karelen siedelten freiwillig um

[10] Militz, Ekkehard: „Schnittstelle zwischen den Mächten am Rande Europas“ , Gotha 2002.

[11] Militz, Ekkehard: „Schnittstelle zwischen den Mächten am Rande Europas“ , Gotha 2002. S 32.

[12] Militz, Ekkehard: „Schnittstelle zwischen den Mächten am Rande Europas“ , Gotha 2002. S.32.

[13] Jakobson, Max: „Finnland im neuen Europa“ , Berlin 1999. S. 52.

[14] Jakobson, Max: „Finnland im neuen Europa“ , Berlin 1999. S. 56.

Details

Seiten
16
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638170390
Dateigröße
508 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v10675
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Institut für Geschichte
Note
2,5
Schlagworte
Finnland Europa EU

Autor

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