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Das Quechua und der linguistische Kontakt zum Spanischen

Hausarbeit 2000 11 Seiten

Romanistik - Lateinamerikanische Sprachen, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geographische Situation

3. Historische Entwicklung

4. Allgemeines zum Quechua - Dialektale Unterschiede und Sprecherzahlen

5. Der Sprachkontakt Quechua-Spanisch Im Nordwesten Argentiniens

6. Schlußbetrachtung

7. Literatur

1. Einleitung

Das Quechua ist die indigene Sprache Lateinamerikas, die am weitesten verbreitet ist und die auch die größte Sprechergemeinde hat.

Das Quechua hat seine Wurzeln im Inkareich, dessen Amts-und Verwaltungssprache es war. Während der blutigen Eroberung durch die Spanier wurde das Quechua durch die Missionare mißbraucht, die so die indigene Bevölkerung "evangelisieren" wollten. 1870 wurde das Quechua von den Spaniern verboten. Doch das konnte das Quechua nicht zurückdrängen, es ist immer noch die weitverbreiteteste indigene Sprache Lateinamerikas. Sie wird in Peru, in Teilen von Ecuador, Bolivien, Südkolumbien und im Nordwesten Argentiniens gesprochen (dialektale Unterschiede). In Peru ist das Quechua nach dem Gesetz theoretisch seit 1975 dem Spanisch gleichgestellt und Pflichtfach in allen Schulen. Allgemein ist die Situation so, daß die meisten Quechuasprecher durch die Notwendigkeit des alltäglichen Lebens gezwungen sind, Spanisch zu sprechen, und somit die Sprechergemeinschaft des Quechua größtenteils bilingual ist. "Todos hablan - además del castellano - quichua santiagueño, aunque los niños están perdiendo esta lengua por la desvalorización que se hace de la misma".1

Somit ist die Anzahl der monolingualen und der bilingualen Quechuasprecher sinkend.

2. Geographische Situation

Das "Quechua santiagueño" ist eine von zwei dialektalen Varianten, die im Nordwesten Argentiniens (NOA=Noroeste Argentino) gesprochen werden. Es deckt die Zone der Provinz von Santiago del Estero mit einer Verlängerung nördlich, dem Río Salado folgend, ab. Die Provinz Santiago del Estero, mit den angrenzenden Provinzen Jujuy, Salta, Tucumán, Catamarca und La Rioja, erstreckt sich über eine Gesamtfläche von 136.531 km2. Ihre Ursprünge im Quechua haben auch inzwischen ausgestorbene Sprachen der Randgebiete der Provinzen des NOA.

Die Provinz Santiago del Estero unterteilt sich in 27 departamentos. Von diesen 27 departamentos befinden sich 8 komplett in quechuasprachiger Zone, 6 departamentos

befinden sich zum Teil in der quechuasprachigen Zone und 6 weitere departamentos liegen in der äußeren Peripherie der Quechua-Zone. Die departamentos, in denen flächendeckend Quechua gesprochen wird, sind Figueroa, Sarmiento, San Martín, Silípica, Loreto, Avellaneda, Salavina und Atamisqui. Die 6 departamentos, die zum Teil in der quechuasprachigen Zone liegen, sind Robles, Rivadavia, Taboada, Moreno, Ibarra und Capital. Historisch gesehen, wird im Volksmund von diesen 14 departamentos gesprochen, wenn es um die geographische Bestimmung der quechuasprachigen Gebiete geht. Der bekannte quechuasprachige Folklorist Sixto Palavecino, der es als wichtigen Teil seiner Arbeit begreift, das Quechua zu verbreiten, bezieht sich in einem seiner Liede, "Quichua rimaqkuna", auf diese 14 departamentos:

Quichua rimaqkuna

Llaqta quichua rimaqkuna

chunka taaniyoqmi kanku

atuchaqniysh kikisitun

idyoma quichuap rimanku.

Yuyakuyta qallarini

kunan na sapa sapata

Atamishqui, Salavina,

Robles Avellanedata.

San Martinpas Loretopas,

Rivadavia Taboadapas,

Silípica Morenoan,

Sarmientopas Matarapas.

Suyachkaychis manaraqchu

wakenqa inam chusachkan,

kaypi yaykun Captitalpas

Figueroa na chayachkan.

Nisusniykish puchukani

tukuypa sutinkunata,

chay departamentos kanku

quichuapi rimaqkunaka.

Der Verweis auf das departamento Rivadavia, am äußeren Südosten der Provinz gelegen, ist ein von mehreren Historikern vertretener Hinweis darauf, daß die Gebiete, wo Quechua gesprochen wurde, vor einem halben Jahrhundert wesentlich weiter nach Süden reichten, sogar bis zu den Ríos Dulce y Salado. Dies hat sich aber durch den sozio-ökonomischen Druck der Notwendigkeit, Spanisch zu sprechen, und durch die Vertreibung der indigenen Bevölkerung geändert, so daß der quechuasprachige Raum Richtung Norden kleiner wurde. So sank die Bevölkerungsanzahl der 4 departamentos Belgrano, Aguirre, Mitre und Rivadavia von 24.000 Einwohnern (1947) auf 18.000 Einwohner (1991).

Unterstrichen wird diese Tendenz dadurch, daß in genau den Gebieten, wo es am meisten wirtschaftliches Wachstum gibt, das Quechua dem Spanischen weicht: so z. B. in den departamentos Capital, La Banda und Robles. Dies führt zu einer verstärkten Marginalisierung der Quechuasprecher, die, in die Armut getrieben, oftmals keine andere Möglichkeit sehen, als in die großen Städte zu ziehen. Dort sind sie folglich gezwungen, nur noch Spanisch zu sprechen und so ihre Herkunft und ihre Bilingualität zu negieren.

3. Historische Situation

Die historische Entwicklung des Quechua läßt sich nach Carranza Romero in 4 verschiedene Perioden einteilen, auch wenn es unter Historikern und Sprachwissenschaftlern unterschiedliche Ansichten hinsichtlich der Eingrenzung dieser Epochen gibt. Die präinkaische Epoche reichte nach Luis Guillermo Lumbreras und Hernán Amat Olazábal von 1.200 v. Chr. bis 1200 n. Chr.2 Und umfaßte mehrere Kulturen, die als Vorläufer des späteren Inkareiches gesehen werden können (Chavíns, Chinchas, Paracas). Das Quechua, was zu dieser Zeit gesprochen wurde, bezeichnet Carranza Romero als „Protoquechua“, die geographische Ausdehnung reichte von den heutigen departamentos Lima und Ancash bis den Anden (Huánuco, Junín und Pasco), Nazca und Chincha im Süden, sowie bis Huamachuca und Cajamarca im Norden.

Die inkaische Epoche begann 1.200 und ging bis 1.532, ausgehend vorerst von der Stadt Cuzco. Unter Huaina Cápac erreichte es die größte Ausdehnung. Die eroberten und quechuaisierten Gebiete erstreckten sich vom von der Nordgrenze des heutigen Ecuadors bis zum Río Maule (im heutigen Chile), über Tucumán (NOA), im Westen bis zum Pazifik und im Osten bis zu den westlichen Anden.

Während dieser Zeit war das Quechua die offizielle Sprache des Inkareiches und die Inkas verfolgten eine Sprachpolitik der Unterwerfung, d. h. daß die eroberten Gebiete quechuaisiert wurden, um Kommunikationsprobleme zu umgehen und um möglichen Aufständen vorzubeugen. Sie beließen die Herrscher jedoch in ihren Positionen und ordneten sie in ihr eigenes Verwaltungssystem ein. Die Sitten und Bräuche der Besiegten blieben unangetastet. Zur Verbreitung der Sprache trugen mitimaes aus den eroberten Gebieten bei (mitmaq = forastero), die nach Cuzco geschickt wurden, um dort Kenntnisse über die Sprache und Kultur der Inkas zu erwerben, die sie dann in ihren besetzten Heimatsgebieten zu unterrichten hatten.

Ab 1532 begann die Epoche der spanischen Conquista und der spanischen Kolonisierung. Die Erfahrungen aus der Eroberung Mexikos 1519-1547, sowie die Spaltung des Inkareiches, in dem ein Bürgerkrieg um die Nachfolge des 1527 gestorbenen Inkas Huayna Capac tobte, führte zu einer schnellen Eroberung des Inkareiches, dessen Ende mit der Ermordung Atahualpas 1533 faktisch besiegelt war.

Schon kurz nach ihrem Eintreffen wurde den Spaniern die Wichtigkeit des Quechua bewußt und die Missionare erlernten es, um die Inkas zu evangelisieren. So wurde das Quechua auch in Gebiete getragen, die außerhalb des Inkareiches lagen. Der erste Inka, der Übersetzer wurde, war Phelipe Yndio de Pohechos, 1527 von Bartolomé Ruiz gefangengenommen. Er wurde von seinem Volk als Verräter angesehen.

Die ersten Sprachkontakte, bei denen unter anderem auch Lehnwörter aus dem Quechua in das Spanische übernommen wurden, gingen auch auf die Missonierungsexpeditionen zurück: oftmals von Quechuas begleitet, übernahmen die Spanier grundlegende Begriffe aus dem Quechua, hauptsächlich aus den Bereichen der Kleidung, Ernährung und Landwirtschaft. Am 07.05.1550 wurde auf Initiative von Carlos V das erste Gesetz zum Spanischunterricht verabschiedet.

Am 19.09.1580 befahl Philipe II aus Badajoz, allgemeine Indígena-Sprachen in den Universitäten zu unterrichten (in Lima das Quechua, sowie in Mexiko das Nahuatl). Das 16. Jahrhundert wurde als edad de oro de las lenguas indígenas gehandelt: es wurden die ersten Grammatiken, Wörterbücher und Katechismen veröffentlicht. Begleitet wurde dies mit einer einsetzenden Konkurenz der Missionierung zwischen den Dominikanern, Franziskanern und Jesuiten.

Für das 17. Jahrhundert war eine Unterstützung der Evangelisierung charakteristisch. Am 25.06.1690 wurde den Indígenas das Recht zugesprochen, allgemeine Ämter zu bekleiden. Voraussetzung dafür waren allerdings ausreichend gute Sprachkenntnisse (Fähigkeit des Lesens, Sprechens und Schreibens).

Das 18. Jahrhundert stand noch stärker in der Tradition der Evangelisierung, es wurde von kontinuierlichen Versuchen, die Sprache der Indígenas zu eliminieren, begleitet.

1780 fand der erste Túpac Amaru-Aufstand statt, die jedoch 1781 blutig beendet wurde, Túpac Amaru wurde gevierteilt.

1781 entstand ein Gesetz, welches die Quechua-Kultur und die wichtigsten, inzwischen erschienen Werke, verbot.

Die Epoche der Unabhängigkeit und der Republik in Peru begann am 28.07.1821. Es wurde mit dem spanischen Kolonialismus gebrochen, was jedoch nicht zu einer wirklichen Demokratisierung im sozialen und politischen Sinn führte, da die Indígenas weiterhin Tribute zahlen mußten, während die Spanier und die Kriolen weiterhin davon profitierten.

Es gab im 19. Jahrhundert weitere Aufstände von Seite der Indígenas, die aber alle schnell und brutal niedergeschlagen wurden, so z. B. auch der zweite Túpac Amaru-Aufstand 1885. Im 20. Jahrhundert wurden mehrere Alphabetisierungskampagnen gestartet, die die quechuasprachigen Bevöklerungsteile ansprechen sollte. Dabei wurde die Kultur der Quechuasprecher jedoch nicht miteinbezogen und somit scheiterten diese Kampagnen größtenteils.

Am 20.05.1975 wurde unter General Juan Velasco Alvarado das Decreto Leyy 21156 de la Oficialización del Quechua verabschiedet, welches das Quechua offiziell mit dem Spanischen gleichstellte.

4. Allgemeines zum Quechua - Dialektale Unterschiede und Sprecherzahlen

Die folgende Unterscheidung der zwei Dialekte des Quechua basiert auf Untersuchungen Alfredo Toreros3. So gibt nach Torero den Dialekt Waywash oder Quechua I und den Dialekt Wampuy oder Quechua II.

Der Dialekt Waywash wird in 5 Subdialekte unterteilt (Huaylas-Conchucos, PativilcaMarañón-Huallaga, Yaru, Jauja-Huanca und Huangáscar-Topará), bei dem Dialekt Wampuy oder Quechua II werden 2 Subgruppen unterschieden: Yúngay und Chinchay.

Vor allem die Variante des Chinchay wird in großen, aber nicht unbedingt geographisch angrenzenden Gebieten gesprochen: mehrere departamentos in Peru, sowie in Teilen Ecuadors, Kolumbiens, Bolivien Argentiniens, Chiles und Brasiliens.

In der folgenden Darstellung wird die Anzahl der Quechuasprecher im jeweiligen Land dargestellt4.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diese Zahlen sind sicherlich nicht mehr aktuell, da sie aus Untersuchungen stammen, die 1993 veröffentlicht wurden, möglicherweise aber noch älter sind. Außerdem ist die Anzahl der Quechuasprecher inzwischen weiter gesunken. Ein anderer Faktor für die Ungenauigkeit solcher Untersuchungen ist die Schwierigkeit, alle Quechuasprecher im zu untersuchenden Gebiet ausfindig zu machen und eine Befragung aller zu gewährleisten. Auch kann davon ausgegangen werden, daß ein nicht geringer Teil der Quechuasprecher aus Prestigegründen oder aus dem Gefühl sozialen Drucks negiert, als Muttersprache Quechua zu sprechen.

5. Der Sprachkontakt Quechua-Spanisch im Nordwesten Argentiniens

Die linguistische Nivellierung hängt mit dem politischen und kulturellen Zentralismus Argentiniens zusammen: was von Buenos Aires ausgeht, hat Einfluß auf alle Teile des Landes.

Dies war nicht immer so, der Nordwesten Argentinines hatte in der Kolonialzeit enge ökonomische, kulturelle, politische und soziale Verbindungen mit dem heutigen Peru und Bolivien.

Ökonomisch war z. B. die Stadt Salta von großer Bedeutung, da sie ein wichtiger Knotenpunkt des Maultierverkehrs zwischen Tucumán und den Silberminen von Potosí war. Der Nordwesten Argentiniens, Peru und Bolivien wurden als á rea central de la Sudam é rica hisp á nica bezeichnet. Dies änderte sich auch 1776 mit der Gründung des Vizekönigreiches des Río de la Plata nicht, sondern hatte lediglich vorerst nur Einfluß darauf, daß die Verwaltungsbeziehungen zwischen dem Nordwesten Argentiniens und Buenos Aires intensiviert wurden. Langsam entwickelte sich seit der Unabhängigkeit Argentiniens eine weitergehende Zentralisierung, die sich nach der Schlacht von Pavón und der generación del 80 intensivierte. Der eigentliche Abbruch der ökonomischen, kulturellen, sozialen und politischen Beziehungen zwischen dem Nordwesten Argentiniens und dem heutigen Bolivien und Peru vollzog sich erst 1890 mit der Anbindung der Eisenbahnverbindung Buenos Aires- Salta.

Parallel zur Ausdehnung des Einflusses der Hauptstadt vergrößerte sich das soziale Gefälle Land-Hauptstadt, Buenos Aires wurde reicher und die Provinzen ärmer.

Als Beispiel für den linguistischen Einfluß aus Buenos Aires sei im Bereich der Phonetik der yeísmo genannt, der sich in der Hauptstadt Saltas bereits durchgesetzt hat, während er in der ländlicher Umgebung noch nicht so vertreten ist.

Trotz dieser Entwicklung sind durch die drei Jahrhunderte intensiven Kontaktes die Einflüsse des Quechuas im Nordwesten Argentiniens unmittelbar. Als Beispiele seien hier auf lexikalischer Ebene drei Lehnwörter vorgestellt5, die ihren Ursprung im Quechua haben und in das Spanische übernommen wurden. Ihr Gebrauch ist tendenziell abnehmend, aber immer noch weitverbreitet im Nordwesten Argentiniens.

chuya: aus dem Quechua chulla `alleine, ohne Begleitung`. Dieses Wort wird hauptsächlich von älteren Menschen der unteren und der oberen Schicht verwendet. Die jüngeren Generationen haben eine passive Kenntnis der Vokabel, wenden sie jedoch nicht an.

chupo: aus dem Quechua chupu `Abszeß`. Dieses Lehnwort wird nur von der unteren und der traditionell oberen Schicht benutzt, die mittlere Schicht kennt dieses Wort nicht. Aus der oberen Schicht sind es eher Menschen höheren Alters, die das Wort anwenden, die jüngere Generation der unteren Schicht kennt das Wort, benutzt es jedoch nicht.

ñaño: aus dem Quechua ñaña `Schwester`. Im Quechua existiert „nur“ die feminine Form ñaña, hier würde für den Bruder tura verwendet, `der Bruder der Frau`. Im Spanischen hat ñaña eine semantische Veränderung hinter sich: es existiert auch ñaño, als maskulines Equivalent zu ñaña, wie es auch im Spanischen auftritt: hermano - hermana. Das Wort wird von allen Bevölkerungsschichten verstanden.

Zu diesen drei Beispielen aus dem Aufsatz von Ana María Fernández Lávaque sei noch anzumerken, daß die Kriterien der Unterteilung der Sprecher in untere, mittlere und obere Schicht nicht klar definiert sind und deshalb m. E. als Tendenz verstanden werden müssen.

6. Schlußbetrachtung

Es ist zu dieser Arbeit noch anzumerken, daß zum Teil nur einzelne Aspekte angesprochen wurden (z. B. in Kapitel 5 - der Sprachkontakt Quechua-Spanisch im Nordwesten Argentiniens), die keinen Anspruch auf Vollständigkeit haben. So war es hier nicht möglich, eine fundierte, komplette linguistische Analyse des Sprachkontaktes durchzuführen. Es blieb auf die Darstellung der Hintergründe und Entwicklungen, sowie das Aufzeigen einiger Beispiele (hier anhand von Lehnwörtern) beschränkt.

Die Anzahl der Quechua-Sprecher geht kontinuierlich zurück, dieses Phänomen betrifft genauso andere indigene Sprachen in anderen Ländern Lateinamerikas, viele sind bereits ausgestorben oder es gibt nur noch wenige hundert Menschen, die sie noch sprechen. Das trifft auf das Quechua sicherlich so nicht zu, da es die am meist gesprochene indigene Sprache Lateinamerikas ist (neben anderen größeren indigenen Sprachen wie das Nahuatl in Mexiko oder das Guaraní in Paraguay) und von mehreren Millionen Menschen gesprochen wird. Trotzdem ist auch hier die Tendenz bezüglich der Sprecherzahlen sinkend: die monolingualen Quechua-Sprecher erkennen die soziale Notwendigkeit, Spanisch zu sprechen und erlernen es, um so eventuell in den größeren Städten Arbeit zu finden. Das erlernte Spanisch wird den eigenen Kindern vor dem Quechua beigebracht, damit diese überhaupt eine Chance haben, in der Gesellschaft Arbeit zu finden und überleben zu können. So gesehen ist durch den sozialen Druck der Vorherrschaft des Spanischen und der Notwendigkeit im alltäglichen Leben, es gut zu sprechen, dem Quechua eine dementsprechend untergestellte Rolle zugeteilt. Selbst Gesetze, die indigene Sprachen dem Spanisch als offizielle Sprache gleichgestellt werden (wie z. B. das Quechua in Peru ab 1975), können und werden daran nichts ändern, solange der allgemeine Wille großer Teile der Bevölkerung sowie der öffentlichen Vertreter ökonomischer und politischer Interessen und Inhaber wichtiger Machtinstanzen nicht vorhanden ist. Daß Fabrikbesitzer beispielsweise kein Interesse an der Förderung bilingualer Arbeitskonditionen haben, begründet sich mit der Tatsache, daß die durch den Neoliberalismus hervorgerufenen zunehmenden Freihandelsabkommen in Lateinamerika dazu führen, daß möglichst viel und möglichst schnell zwischen den Ländern gehandelt wird - dazu wird dann Spanisch gebraucht, andere Sprachen wären hemmender Natur. Projekte, die Bilingualismus fördern, und dies nicht nur tun, damit Quechua-Sprecher irgendwann gut Spanisch sprechen, sondern damit evtl. monolinguale Spanisch-Sprecher Quechua lernen können, sind zu begrüßen.

Dabei darf nicht die vergessen werden, daß es wichtig ist, dies auf eine Art und Weise umzusetzen, die nicht nur Sprache an sich vermittelt, sondern auch ein gegenseitiges Kennenlernen und Respektieren der anderen Kultur als gleichwertig.

7. Literatur

1. Carranza Romero, Francisco: Resultados ling üí sticos del contacto quechua y español. Editorial Liberad E.I.R.L. Trujillo, 1993.
2. Gnärig, Burkhard: Zwischen Quechua und Spanisch: Sprachwahl und -verwendung als Momente kultureller Konkurrenz. Zwei Beispiele aus Peru. R.G. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 1981.
3. Fernández Lávaque, Ana Maria: Notas sobre un proceso de restricción en marcha. Léxico de porcedencia quechua en el habla de Salta. Aus: Signo y Seña, Nummer 6, Juni 1996.

[...]


1 Maria Cristina Biaggi (1992:35). Anmerkung: Maria Cristina Biaggi ist Koordinatorin des "Proyecto Mujer 3

2 Vgl. Carranza Romero, 1993. S. 23.

3 Abgedrucktes Interview in der Revista Semanal Variedades der Tageszeitung „La crónica“. Lima, 01.06.1975, S.2.

4 Vgl. Carranza Romero 1993, S. 39.

5 Vgl. Fernández Lávaque in: signo y se ñ a, Nummer 6, Juni 1996. 8

Details

Seiten
11
Jahr
2000
ISBN (Buch)
9783640159420
Dateigröße
456 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v106687
Institution / Hochschule
Universität Bremen
Note
Schlagworte
Quechua Kontakt Spanischen

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