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Analyse von Arbeitsunfällen unter Berücksichtigung psychosozialer Faktoren mittels eines neuen Erhebungsinstrumentes

Wissenschaftliche Studie 2001 77 Seiten

Ingenieurwissenschaften - Sicherheitstechnik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0 Zusammenfassung

1 Einleitung
1.1 Gegenstand und Ziel der Arbeit
1.2 Grundlagen der Untersuchung
1.3 Datenschutzrechtliche Aspekte

2 Arbeitswissenschaftliche Grundlagen, Kurzdarstellung
2.1 Belastung und Beanspruchung
2.1.1 Definitionen
2.2 Belastungsgrößen und -faktoren
2.2.1 Psychische Belastung
2.3 Beanspruchung, Psychische Beanspruchung und Stressentstehung
2.3.1 Definitionen
2.3.2 Stressoren und ihre Mitwirkung bei Arbeitsunfällen

3 Der Erhebungsbogen
3.1 Übersicht
3.1.1 Allgemeiner Teil
3.1.2 Unfallanalyse
3.1.3 Die Beurteilung
3.2 Vorstellung des Erhebungsbogens
3.3 Bemerkungen zu den Fragestellungen des Interviewer-Leitfadens
3.3.1 Teil 1 - Allgemeines
3.3.2 Teil 2 - Unfallanalyse
3.3.3 Teil 3 - Die Beurteilung
3.4 Größen des Erhebungsbogens zur quantitativen Auswertung
3.4.1 Definition der Kategorien der statistischen Bewertung
3.5 Definition der standardisierten Faktoren
3.5.1 Technische Ursachen
3.5.2 Störfall
3.5.3 Ungewohnte Arbeitssituation
3.5.4 Wissensmangel
3.5.5 Zeitdruck
3.5.6 Risiko eingegangen
3.5.7 Unaufmerksamkeit
3.5.8 Physische Belastung
3.5.9 Schlechte Stimmung
3.5.10 Stress
3.5.11 Fehlende Motivation
3.5.12 Fehlendes Sicherheitsbewusstsein
3.5.13 Alkohol

4 Aspekte im Verlauf der Untersuchung
4.1 Fragestellung bei der Patientenbefragung
4.2 Analyse
4.2.1 Voreingenommenheit
4.2.2 Fehlerhafte Selbsteinschätzung
4.2.3 Zeitfaktor zwischen Unfall und Befragung
4.2.4 Unfallfolgen
4.3 Die „Schuldfragen“

5 Ergebnisse der Untersuchung
5.1 Definition Risikomaßzahl (RMZ)
5.2 Struktur der Befragtengruppe
5.2.1 Altersstruktur
5.2.2 Struktur der Tätigkeiten
5.2.3 Struktur der Betriebsgrößen
5.2.4 Struktur der Arbeitsgruppen
5.2.5 Unfallzeitpunkt
5.2.6 Arbeitserfahrung im Tätigkeitsbereich
5.2.7 Arbeitsausfall
5.3 Weitere interessante Relationen
5.3.1 Zusammenhang zwischen Tätigkeitsbereich und erlernter bzw. nicht erlernter Tätigkeit
5.4 Auswertung der standardisierten Faktoren
5.4.1 Kategoriale Darstellung der Befragungsergebnisse
5.4.2 Mittelwerte für Unfallursache-Kategorien für Frauen und Männer getrennt (RMZ-Bewertung)
5.5 Befragungsergebnisse hinsichtlich der standardisierten Faktoren im Zusammenhang mit den persönlichen Lebensumständen
5.5.1 Technische Ursachen (RMZ=1,08)
5.5.2 Störfall (RMZ=0,18)
5.5.3 Ungewohnte Arbeitssituation (RMZ=0,26)
5.5.4 Wissensmangel (RMZ=0,16)
5.5.5 Zeitdruck (RMZ=0,67)
5.5.6 Risiko eingegangen (RMZ=0,85)
5.5.7 Unaufmerksamkeit (RMZ= 1,39)
5.5.8 Physische Belastung (RMZ=0,55)
5.5.9 Schlechte Stimmung (RMZ=0,19)
5.5.10 Stress (RMZ=0,7)
5.5.11 Fehlende Motivation (RMZ=0,22)
5.5.12 Fehlendes Sicherheitsbewusstsein (RMZ=0,2)
5.5.13 Alkohol (RMZ=0,01)
5.6 Übersicht über die Befragungsergebnisse bezüglich der standardisierten Faktoren
5.6.1 Tabellenübersicht mit RMZ-Werten
5.6.2 Tabelle mit ± 5% / ± 30% -Wertabstufungen
5.7 Zusammenfassung der Auswertung
5.7.1 Allgemeines
5.7.2 Weitere bemerkenswerte Relationen

6 Praktikabilität des Erhebungsbogens – Kritik und Verbesserungsvorschläge
6.1 Teil 1: Allgemeines
6.2 Teil 2: Unfallanalyse
6.2.1 Unfallbeschreibung
6.2.2 Abgrenzung Stress - Zeitdruck
6.3 Teil 3: Beurteilung
6.3.1 Kategoriezuordnung
6.3.2 Eingrenzung der Faktoren im Erhebungsbogen, 3. Teil

7 Anhang
7.1 Abkürzungsverzeichnis
7.2 Literaturverzeichnis
7.3 Begriffsbestimmungen (aus /1/)
7.4 Index wichtiger Begriffe

Abbildungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

0 Zusammenfassung

Die vorliegende Untersuchung zeigt in der Ursachenforschung von Arbeitsunfällen einige neue Richtungen auf. Während sie keinesfalls den Anspruch erhebt, in irgendeiner Weise repräsentativ zu sein, soll sie sich doch als Teil einer ganzen Untersuchungsreihe mit ihren teils erwarteten, teils aber auch überraschenden Ergebnissen als fundierte wissenschaftliche Arbeit etablieren. Die von C. Schönberger (/1/) geschaffene Voraussetzung für die Untersuchung psychosozialer und anderer Faktoren als Unfallursachefaktoren lieferte nicht nur ein Instrument zu einer fundierten wissenschaftlichen Befragung, sondern bot auch Anlass, die zu hinterfragenden Faktoren grundlegend zu definieren und die vorgegebene Beurteilungsmatrix in ein bewertbares System zu überführen, welches einen schnellen und übersichtlichen Vergleich der gewonnenen Daten einer weiteren Auswertung zugänglich macht.

Die meisten Unfälle, die Eingang in die Befragung fanden, passierten in „sonstigen Betrieben“, welche auch Dienstleistungsbetriebe aller Art einschlossen. Dies zeigt, dass im Gegensatz zur Industrie hier noch ein Bedarf an Sicherheitsoptimierung vorliegen könnte, während die Industrie und die althergebrachten Handwerksbetriebe ihre „Hausaufgaben“ weitgehend gemacht zu haben scheinen.

Die am häufigsten genannten Faktoren waren „Unaufmerksamkeit“ und „Technische Ursachen“, gefolgt von dem bewusst „eingegangenen Risiko“. Interessanterweise spielen bei der Entstehung von Arbeitsunfällen vermutete Einflussfaktoren wie „Ungewohnte Arbeitssituation“, „Fehlende Motivation“, „Fehlendes Sicherheitsbewusstsein“ nur untergeordnete Rollen. Die Tatsache, dass in der Befragung „Störfälle“ nur in vernachlässigbarer Größenordnung auftraten, ist wohl eher den hohen deutschen Sicherheitsstandards zuzuschreiben, während der Faktor „Alkohol“ als Unfallursache nicht erfragbar war. In diesem Punkt wird auch die zukünftige Sicherheitstechnik auf die Nachweisbarkeit durch andersartige Untersuchungen setzen müssen.

Das noch immer starke Auftreten technischer Ursachen kann nicht zu dem Schluss führen, dass primär die Technik im Vordergrund des Zusammenspiels aller Ursachen liegt. Vielmehr zeigen die weiteren Ergebnisse dieser Arbeit, dass in der Untersuchung psychosozialer Einflussfaktoren verstärkt auf das Vorhandensein menschlicher Fehlhandlungen eingegangen werden muss. Dies schüfe die Konformität mit der Aussage von C. Schönberger und der allgemeinen sicherheitstechnischen Literatur, wonach bei allen Arbeitsunfällen letztlich menschliche Fehlhandlungen die wahre Ursache sind, deren Einfluss auf verschiedenen Ebenen der grundsätzlichen menschlichen Verantwortung für eine Handlung zu suchen sind. In der vorliegenden Untersuchung wurde die Frage nach dieser Verantwortung der einzelnen Handlung bzw. Fehlhandlung nicht gestellt. Dieses hätte den Rahmen dieser Studienarbeit gesprengt. Jedoch könnte genau dieser Aspekt die Grundlage für weitere Untersuchungen in dieser Richtung bilden.

1 Einleitung

Die Zahl der meldepflichtigen Arbeitsunfälle ist seit Jahren rückläufig. Die Gründe hierfür sind u.a. (/1/) in der Industrie die zunehmende Technisierung, die den Menschen durch überwiegende Überwachungstätigkeiten von der Gefährdung fernhält, des weiteren aber auch ein erhöhtes Sicherheitsbewusstsein in Betrieben. Weiterhin wird durch Maßnahmen des Arbeitsschutzes die Schnittstelle Mensch-Arbeit für Gefährdungen undurchlässiger. Auch Qualitätsmanagementsysteme im Vorfeld sicherheitsrelevanter Ereignisse tragen zu einer wesentlichen Senkung von Unfallzahlen bei.

Mit sinkender Relevanz technischer Ursachen gewinnt der Einfluss des psychosozialen Umfeldes am Arbeitsplatz auf den Menschen eine immer größere Bedeutung. Fragestellungen haben sich in den letzten Jahren dahingehend verändert, dass sie nun nicht mehr ausschließlich das technische Umfeld als solches beleuchten, sondern den psychosozialen Hintergrund des einzelnen Vorfalls intensiver hinterfragen. Die menschlichen Fehlhandlungen mit all ihren Ursachen treten immer stärker hervor. Diese Einflussfaktoren, welche viel umfangreicher sind als vergleichbare Fragestellungen zu technischen Ursachen mit messbaren physikalischen Größen, machen eine Analyse äußerst diffizil. Dies wurde schon im Vorfeld der Erstellung dieser Arbeit deutlich und bestätigte sich im weiteren Verlauf.

Als allgemeines Ziel ist die Ursachenerforschung bei Arbeitsunfällen ein probates Mittel, um zukünftig Unfällen entgegen wirken zu können. Die Untersuchung des psychosozialen Umfeldes eines Arbeitsunfalls ist ein aufgrund seiner Komplexität und seiner erst in jüngerer Zeit entstandenen größeren Bedeutung ein weitgehend unbekanntes Feld in der Ursachenforschung. Doch da die menschliche Fehlhandlung immer mehr in den Vordergrund tritt, ist genau hier die Ursachenforschung zum Schwerpunkt geworden. Die Ursachen menschlicher Fehlhandlungen sind zumeist vor dem psychosozialen Hintergrund zu sehen (/1/). Deshalb konzentriert sich die vorliegende Arbeit im Rahmen einer Forschungsreihe an der Bergischen Universität – Gesamthochschule Wuppertal auf dieses Themengebiet.

1.1 Gegenstand und Ziel der Arbeit

In dieser Arbeit sollten neben den in gängigen Erfassungsbögen berücksichtigten Ursachen für Arbeitsunfälle insbesondere die psychosozialen Größen untersucht werden, die möglicherweise zur Entstehung von Arbeitsunfällen beitragen. Die untersuchten Größen sind:

- Technische Ursachen
- Störfälle
- Ungewohnte Arbeitssituation
- Wissensmangel
- Zeitdruck
- Risiko eingegangen
- Unaufmerksamkeit
- Physische Belastung
- Schlechte Stimmung
- Stress
- Fehlende Motivation
- Fehlendes Sicherheitsbewusstsein
- Alkohol.

Sie umfassen die Gründe, die zur Entstehung eines Arbeitsunfalls beitragen können, in einer faktorisierten, bewertbaren Form.

Ziel dieser Arbeit war einerseits eine unter definierten Voraussetzungen gewonnene Übersicht über die Einflussnahme psychosozialer Faktoren bei Arbeitsunfällen; andererseits sollen die gewonnenen Daten auch eine Analyse darüber erlauben, inwiefern die Erhebung der fraglichen Daten überhaupt möglich ist. Damit ermöglicht meine Arbeit auch die Einsicht in die Praktikabilität dieses Erhebungsinstrumentes. Dazu war es zusätzlich notwendig, eine Bewertungsmatrix zu schaffen, die eine direkte Vergleichbarkeit der einzelnen Daten auch über die Eintragungen einer Nominalskala hinaus ermöglichten.

Eine weiterführende Analyse bezüglich zu treffender Präventionsmaßnahmen wird durch diese Arbeit nicht abgehandelt. Eine kurze Diskussion der Ergebnisse und ein Hinweis auf geeignete Präventivmaßnahmen soll als Anknüpfmöglichkeit für weitere Untersuchungen verstanden werden.

1.2 Grundlagen der Untersuchung

Für die Erhebung der notwendigen Daten mittels einer Befragung wurde ein neues Erfassungsinstrument eingesetzt. Es handelt sich dabei um den in 3.1 vorgestellten Fragebogen, der als Leitfaden zur Patientenbefragung dient. Dieser Fragebogen wurde an der Universität Wuppertal entwickelt. (/1/) In der vorliegenden Arbeit sind 100 Personen befragt worden, die einen Arbeitsunfall erlitten haben. Darunter befinden sich etwa 50 Patienten eines Ostbrandenburger Klinikums, die sich infolge dessen in stationärer bzw. ambulanter Behandlung in diesem Klinikum befanden. Des weiteren wurden aus ausgewählten Handwerks- und Industriebetrieben und aus weiteren Krankenhäusern Personen zu kürzlich erlittenen Arbeitsunfällen befragt.

Bevorzugt sind Personen befragt worden, deren Arbeitsunfall erst kurze Zeit zurückliegt.

Das Mittel der Befragung anhand eines standardisierten Interview-Leitfadens ist gängiges Forschungsinstrument in der Wissenschaft. Hierbei werden anhand der Fragen Daten gesammelt, die sich nicht nur quantitativ auswerten lassen, sondern auch für eine umfassende qualitative Analyse zur Verfügung stehen.

1.3 Datenschutzrechtliche Aspekte

Die Befragung wurde unter Wahrung datenschutzrechtlicher Aspekte anonym durchgeführt. In der Befragung wurde besonders auf die Anonymisierung der Daten hingewiesen. Zum Einen besteht die gesetzliche Verpflichtung zur Einhaltung des Datenschutzgesetzes, zum Anderen lassen sich aus der Beantwortung der Fragen wesentlich originärere Informationen gewinnen, wenn dem Befragten die Anonymitätswahrung seiner Aussagen deutlich gemacht worden ist.

2 Arbeitswissenschaftliche Grundlagen, Kurzdarstellung

Die folgenden arbeitswissenschaftlichen Grundlagen sind als Kurzzusammenfassung dargestellt und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Der Leser sei auf die im Text indizierte weiterführende Literatur verwiesen.

2.1 Belastung und Beanspruchung

2.1.1 Definitionen

Bei der Belastung unterscheiden viele Autoren (z.B. Hammer) zwischen der physischen und der psychischen Belastung und ebenso zwischen physischer und psychischer Beanspruchung. Nach Hammer (/4/) ist die physische (synonym: körperliche oder energetische Belastung) bzw. psychische Belastung die Gesamtheit der erfassbaren Einflüsse, die von außen auf den Menschen zukommen und auf ihn physisch bzw. psychisch einwirken (/4/, S. 55). Mit dem unten aufgeführten Modell aus der Mechanik verdeutlicht Schmidtke(/2/) den Belastungs-Beanspruchungs-Begriff.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Belastungs- und Beanspruchungsmodell von Schmittke

2.2 Belastungsgrößen und -faktoren

Schmidtke (/2/) unterscheidet weiterhin zwischen Belastungsgrößen und Belastungsfaktoren. Belastungsgrößen sind alle Einwirkungen, die mittels naturwissenschaftlich-technischer Methoden einer quantitativen Analyse zugänglich gemacht werden können, d.h. messbar sind. Belastungsgrößen können z.B. die Staub- oder Lärmbelastung am Arbeitsplatz sein.

Belastungsfaktoren hingegen sind im naturwissenschaftlich-technischen Sinn nicht messbare und damit nicht streng quantifizierbare Größen, wie sie unter anderem aus der sozialen Arbeitsumwelt resultieren können. Hier finden sich unter anderem das Arbeitsklima im Betrieb und im Team, das Verhältnis in den Hierarchiezweigen sowie außerhalb des Arbeitsplatzes einwirkende und während der Arbeitszeit nachwirkende Faktoren. Belastungsgrößen und Belastungsfaktoren führen zu einer Belastung , deren Höhe im Wesentlichen von den Belastungsgrößen, den Belastungsfaktoren und der Belastungsdauer abhängt (/2/).

In dieser Arbeit wird des Öfteren von Faktoren gesprochen. Für den Fall, dass nicht ausdrücklich auf die Definition in diesem Kapitel 2.2 hingewiesen wird, handelt es sich dabei um die standardisierten Faktoren aus dem Erhebungsbogen. Siehe hierzu Punkt 3.3.3 bzw. 3.5ff.

2.2.1 Psychische Belastung

Zur Einschätzung der psychischen Belastung am Arbeitsplatz im Zusammenhang mit der Entstehung von Arbeitsunfällen stellt der Bundesverband der Unfallkassen in einer von ihm herausgegebenen Schrift (/7/) fest: „Psychische Belastungen durch die Arbeit... werden oft als Tabu-Thema behandelt. Andererseits ist nicht zu übersehen, dass Arbeitsunfälle, Erkrankungen ... oder Störungen im betrieblichen Ablauf vielfach auf psychische Fehlbeanspruchung durch z.B. Stress, Monotonie oder auf Arbeitsunzufriedenheit zurückzuführen sind.“

2.3 Beanspruchung, Psychische Beanspruchung und Stressentstehung

2.3.1 Definitionen

Psychische Beanspruchung ist die individuelle Auswirkung der psychischen Belastung im Menschen in Abhängigkeit von seinen individuellen Voraussetzungen und seinem Zustand, einschließlich seines individuellen Stils zur Bewältigung der Beanspruchung.(/1/).

Stressoren sind hypothetische Faktoren, die mit erhöhter Wahrscheinlichkeit zu Stress bzw. Stressempfinden führen. Stressoren sind also Belastungsgrößen bzw. -faktoren, die insbesondere vor dem individuellen psychischem Hintergrund zu psychischer Beanspruchung führen.

Stress ist ein in der Sprache nicht eindeutig definierter Begriff. Er wird unterschiedlich und oft nicht eindeutig verwendet und ist deshalb vom allgemeinen Beanspruchungsbegriff schwierig abgrenzbar. (/1/) Zur Präzisierung des Stressbegriffes gilt vor allem für den Rahmen der vorliegenden Untersuchung folgende Definition:

Stress ist ein vom Individuum intensiv empfundener Spannungszustand, der aus der Befürchtung entsteht, dass eine stark aversive, subjektiv zeitlich nahe (oder bereits eingetretene) und subjektiv lang andauernde Situation eintritt, die sehr wahrscheinlich nicht vollständig kontrollierbar ist, deren Vermeidung aber subjektiv wichtig erscheint. (/1/)

Ulich (/5/) macht die Entstehung von Stress entscheidend davon abhängig, ob eine Person tatsächlich oder vermeintlich in der Lage ist, einen potentiellen Stressor zu bewältigen. Er nennt als Beispiel Zeitdruck oder Unberechenbarkeit eines Vorgesetzten (/5/, S. 430).

2.3.2 Stressoren und ihre Mitwirkung bei Arbeitsunfällen

Im Rahmen dieser Untersuchung werden unter Anderem Stressoren mit ihren stressauslösenden Eigenschaften im Hinblick auf ihre Einflussnahme bei der Entstehung von Arbeitsunfällen untersucht. Die mutmaßlichen Stressoren sind die im Folgenden als „standardisierte Unfallfaktoren“ bzw. „standardisierte Faktoren“ bezeichneten Größen.

3 Der Erhebungsbogen

Grundlage für diese Arbeit ist der von Schönberger (/1/) entwickelte Erhebungsbogen, der im Folgenden vorgestellt wird.

3.1 Übersicht

Der Erhebungsbogen geht auf einzelne Aspekte, die zu einem Arbeitsunfall führen können, ein. Er gliedert sich in drei elementare Teile:

3.1.1 Allgemeiner Teil

Hier werden Eckdaten zur Person des Arbeitnehmers erfragt. Angaben zu Geschlecht, Alter, Berufserfahrung und die Größe des Betriebes bzw. der Arbeitsgruppe lassen ein erstes Bild der betroffenen Person und seiner Arbeitsumgebung deutlich werden.

3.1.2 Unfallanalyse

Die in dem Bogen gestellten Fragen werden im Normalfall von der Fachkraft für Arbeitssicherheit direkt an die jeweiligen Betroffenen gestellt. Der Betroffene soll den Unfallhergang beschreiben. Alsdann wird er mit gezielter Fragestellung weg von technischen Ursachen, die vorneweg erfragt werden, hingelenkt zu den vermuteten psychosozialen Einflüssen, die an der Entstehung des Arbeitsunfalls mitgewirkt haben könnten. Über die Fragen zu technischen Ursachen kommt der Erhebungsbogen in seinem didaktischen Aufbau über vorhandenes Wissen, persönliche Risikoeinschätzung, die Hinterfragung von Stressoren zu Fragen der Motivation und des eigenen Erlebens seines Unfalles.

3.1.3 Die Beurteilung

Dieser Teil des Fragebogens wird dem Probanden nicht zugänglich gemacht, sondern wird vom Fragesteller nach Abschluss der Befragung ausgefüllt. Er enthält die Fragestellungen in Tabellenform mit der Möglichkeit einer anschließenden quantitativen Auswertung. Die zu erfassenden psychosozialen Größen sind in Punkt 3.4 definiert. Eine Auswertung der Befragung speziell im Hinblick auf diese Größen findet sich in Punkt 5.

3.2 Vorstellung des Erhebungsbogens

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Erhebungsbogen

3.3 Bemerkungen zu den Fragestellungen des Interviewer-Leitfadens

Die vom Befragenden zu stellenden Fragen des Fragebogens werden im Folgenden analysiert. Es werden Möglichkeiten zum praktischen Umgang mit dem Erhebungsbogen aufgezeigt.

3.3.1 Teil 1 - Allgemeines

Unter dem Stichpunkt „Berufsbezeichnung“ ist die allgemein übliche Bezeichnung für die Tätigkeit zu notieren, in deren Folge sich der Arbeitsunfall ereignet hat. Die Frage nach den Jahren an Berufserfahrung im Arbeitsbereich bezieht sich auf diese Tätigkeit.

Der Tätigkeitsbereich ist durch Ankreuzen festzulegen in den Sparten Industrie, Handwerk, Landwirtschaft, Verwaltung oder Sonstiges. Unter „Sonstiges“ werden beispielsweise auch Dienstleistungsbetriebe erfasst, die keiner der anderen Sparten zurechenbar sind. Eventuell sind mehrere Tätigkeitsbereiche möglich; es soll möglicherweise der Tätigkeitsbereich angekreuzt werden, in dem der Arbeitsunfall stattgefunden hat. Ein Handwerksbetrieb, der auf dem Gelände eines großen Industriebetriebes tätig war, ist ein solches Beispiel für die fakultative Nennung von Tätigkeitsbereichen.

Des weiteren ist die Größe des Betriebes anzugeben; diese Zahl soll alle in dem Betrieb beschäftigten Personen erfassen. Zwischen Voll- und Teilzeitkräften wird insofern kein Unterschied gemacht, da von einem Befragten nicht erwartet werden kann, hier verlässliche Angaben zu machen, insbesondere, wenn es sich um einen größeren Betrieb handelt.

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Details

Seiten
77
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638170307
Dateigröße
903 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v10666
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal – Arbeitsmedizinischer Bereich des Fachbereichs Sicherheitstechnik
Note
2,7
Schlagworte
Analyse Arbeitsunfällen Berücksichtigung Faktoren Erhebungsinstrumentes

Autor

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