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Über das Scheitern Hauke Haiens in Theodor Storms Schimmelreiter

Hausarbeit (Hauptseminar) 2000 11 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Massenbewußtsein vs. Individualität

2. Dorfschaft vs. Hauke Haien

3. Literaturverzeichnis

1. Massenbewußtsein vs. Individualität

Die menschliche Geschichte des geistigen Fortschritts kennt eine Unmenge zu ihrer Zeit gescheiterten Geistesgrößen, die aufgrund ihrer system-skeptischen Erkenntnisse von der gesichtslosen bornierten Allgemeinheit ignoriert, denunziert, ja sogar eliminiert wurden. Einige der bekanntesten Beispiele wären Galileo Galilei, der seine wissenschaftlich belegten Thesen revidieren mußte oder aber Sokrates, der zum Gifttod verurteilt wurde.

Diese mental beschränkte Kraft, die nur in der Masse ihre höchste Blüte und größten Einfluß findet, hat den geistig ethischen und somit auch technischen Fortschritt enorm blockiert. Bei der Auseinandersetzung mit diesem Problem stellt sich immer wieder die Frage nach den Faktoren, die dazu beitragen, daß das primitive Volksbewußtsein solch hemmende Kräfte nicht überwindet.

Ursachen liegen möglicherweise in dem angeborenen selbstgesteuerten Verhalten des Menschen, insbesondere im territorialen Bewußtsein.

Harro Segeberg schreibt in seinem Aufsatz „Kritischer Regionalismus“, in Bezug auf Ina-Maria Greverus: „(...) das Bewußtsein in verläßlich gegliederten Sozial-Räumen zu leben, werde zwar immer anders und neu gebildet, habe aber stets die Aufgabe, einen Verhaltenswunsch nach identitätssichernden kollektiven Raum-Orientierungen zu erfüllen.“1 Es gilt, „(...) elementare(r) Sozialkategorien zur Strukturierung von Dingwelt und menschlicher Umgebungsgesellschaft(...)“2 zu erlernen. Instinktiv entwickelt er abgrenzenden Besitzanspruch, welcher immer mit Definitionen von Welt zusammenhängt, die rigoros verteidigt werden. Verhaltensänderungen und somit auch strukturielle Veränderungen manifestieren sich besonders durch neue Technologien, die zunächst als traumatisch eingreifend in den gesicherten bereits definierten Sozial-Raum erlebt werden und somit aufgrund der möglicherweise in Frage gestellten allgemeingültigen Realität von der „Umgebungsgesellschaft“ abgelehnt werden.

Mit anderen Worten: Signale, die mit den gesellschaftlich determinierten Interpretationen von Welt nicht vereinbar sind, werden unterdrückt, ignoriert und so lange mit Projektionen und Verdrehungen überdeckt, bis sie „vergessen“, ausgemerzt werden oder sich eine gesellschaftliche Anpassung vollzieht. Oft wurden und werden den Initiatoren einer fortschrittlichen Neuerung „Sündenbock-Rollen“ zugewiesen, die sie praktischer Weise zu Verantwortlichen für Probleme und Schwierigkeiten machten.

In der Literatur wurden immer wieder solche Einzelschicksale im Kampf gegen rückständiges, neophobes Volksbewußtsein thematisiert.

In diesen Kontext werde ich den „Schimmelreiter“ von Theodor Storm betrachten, der seine letzte große Erzählung von Mitte 1886 mit einer großen Unterbrechung durch seine tödliche Krankheit bis Anfang 1888 schrieb. Die Erstveröffentlichung in der „Deutschen Rundschau“ bekam er noch zu Gesicht, starb dann aber kurze Zeit später.

Die Rahmennovelle nimmt in dem Gesamtschaffen Storms eine besondere Stellung ein. Sie besitzt nicht nur einen krönenden Abschluß, sondern zeigt auch das gesellschaftliche Bewußtsein des Dichters, seine Eindrücke und Erfahrungen. Storm formulierte die Aufgabe vor der er stand, wie folgt: „Es gilt, eine Deichgespenstsage auf die vier Beine einer Novelle zu stellen, ohne den Charakter des Unheimlichen zu verwischen.“3

Es waren viele Studien über die Deicharbeit von Nöten, um die Geschichte realistisch zu gestalten. Am 20. Oktober 1887 schreibt er an Heyse: „Mein vielgenannter „Schimmelreiter“ ist bis Seite 92 der Reinschrift gediehen, und Sonntag will ich nach Heide, um mit meinem deichsachverständigen Freunde, Bauinspektor Eckermann ein Nöthiges weiter zu besprechen.“4 Auf dieser Basis wird die Binnenerzählung, ein Lebensbericht des Protagonisten Hauke Haiens, konstruiert, der im Kampf für seine fortschrittlichen Ziele aufgrund der starrsinnigen Borniertheit in seinem dörflichen Umfeld scheitert.

2. Dorfschaft vs. Hauke Haien

Bereits in der Kindheit des Helden zeichnet sich sein überdurchschnittlicher Verstand ab. Hauke entdeckt auf dem Dachboden des Vaters ein Buch von Euklid in Holländisch und übersetzt dies mit Hilfe eines Grammatikbuches. In seiner Phantasie erstellt er Verbesserungsmöglichkeiten und neue Modelle der Deiche, vernachlässigt somit seine landwirtschaftlichen Pflichten und bestimmt mit der väterlichen Unterstützung seinen eigenen individuellen Weg, der ihm aufgrund seiner Herkunft nicht vorbestimmt war. Er erlangt eine Anstellung bei dem Deichgrafen, in dessen Hause er mit seinen Qualitäten von Intelligenz überzeugt und außerdem zum Feindbild des unzulänglichen, übertroffenen Ole Peters wird.

Im Laufe der Handlung wird Hauke selbst Deichgraf durch eine Heirat mit der Deichgrafentochter Elke, die es ihm ermöglicht seine Innovationen zu verwirklichen. Seine Feinde, angeführt von dem neidischen Ole Peters, verspotten ihn. Doch den Worten, er sei Deichgraf nur „(...)seines Weibes wegen.(...)“5, begegnet er mit einem großen, neuartigen Deichprojekt, welches er aus innigster Überzeugung gegen alle Widerstände durchsetzt. Die Öffentlichkeit entwickelt Skepsis gegenüber einer Restaurierung des Deiches und beginnt eine in der christlichen Tradition gründende Definition des Abnormalen auf Hauke zu projizieren.

Haukes aufgeklärter Geist wendet sich gegen die überholte Ursachenerklärung und somit auch gegen die Tradition des Einmauerns eines lebenden Wesens, damit ein neuer Deich stabil bleibt und birgt einen kleinen Hund. Am Ende verliert er und seine Familie das Leben an dem Deich, wo er zuvor ein Leben rettete und bestätigt wider seiner Intention den alten Volksglauben.

In der „Schimmelkauf-Szene“ ersteht der Protagonist ein abgemagertes, verwahrlostes Pferd, das erstaunlicher Weise zu einem prächtigen Schimmel gedeiht. Der Verkäufer trägt dämonische Züge, „(...) und lachte wie ein Teufel (...)“6 Hier wird es dem Leser erschwert zwischen der Realität und der Mystik klar zu differenzieren. Das Unheimliche und Mysteriöse wird verstärkt, da nur eine Seite zuvor von einem geisterhaften Schimmel berichtet wird, den der Knecht des Deichgrafen sichtet: „(...), da geht ein Pferd - ein Schimmel - das muß der Teufel reiten - (...)? (...); wenn’s nur ein richtiges Pferd ist! (...), das Pferdegerippe, das sonst dabeilag, Wo ist es?“7 An dieser Stelle durchbricht Storm das Handlungsprinzip, in dem er Hauke als Handlungsträger in den Hintergrund treten läßt und konstruiert somit die Gespenstergeschichte vom Schimmelreiter. Doch auch diese Szene wird mit dem folgenden Pferdekauf wieder in Bezug zu Hauke gesetzt.

Der Autor bezieht das Sagenhafte mit in die Handlung ein, in dem die Bevölkerung den seltsamen Kauf des Deichgrafen mit dem geheimnisvollen Schimmelspuk auf Jeverssand verbindet. Es hält sich in den Köpfen der Menschen der Glaube, das Gerippe eines Pferdes würde in manchen Nächten wieder lebendig und liefe umher. Unter dem Volk, „(...), die gegen den Deichgrafen einen Groll im Herzen oder die an derart Dingen ihr Gefallen hatten.“8, entsteht das Gerücht, nur der Teufel und der Deichgraf könnten den Schimmel reiten. Der Knecht des Grafen behauptet „(...), das Pferdsgeripp auf Jeverssand! (...) Es ist gar nicht mehr da; weder Tages noch bei Mondschein; (...) Es steht in unserem Stall; da steht’s, seit es nicht mehr auf der Hallig ist.“9 Der Knecht läßt sich bei Peters einstellen und dort „(...) fand er andächtige Zuhörer für seine Geschichte von dem Teufelspferd des Deichgrafen; (...)“10

Mit Beschreibungen einer nebligen Deichlandschaft unterstreicht Storm „(...) die Begier, Unheimliches zu schauen, (...)“11, die in der einfachen Bevölkerung tief verwurzelt ist. Immer wieder erklingt die abergläubische Stimme der bäuerlichen Dorfschaft: „(...) „das gibt ein Unglück!“ (...) - „mit des Deichgrafs Schimmel ist’s am Ende auch richtig!“ (...) Nicht bloß Fliegen und Geschmeiß, auch Blut ist wie Regen vom Himmel gefallen; (...)“12 Hauke, der nun selbst Gegenstand des Gespenstischen und Unheimlichen geworden war, ignoriert dies und wird vollends sozial isoliert. Dieser Umstand behindert sein Deichprojekt und begünstigt im hohen Ausmaß sein Scheitern. Fritz Böttgers behauptet: „Sein Schicksal zeigt, daß eine Loslösung vom Volk am Ende zum Untergang führt.“13 Wobei anzumerken ist, daß eine Isolation vom Volk in totaler Vereinsamung zum Untergang führt.

Die unheilvollen Vorzeichen mehren sich in der zweiten Hälfte der Novelle und betreffen nun auch seine Frau und Kind, so daß er die Probleme kaum noch hätte ignorieren können. Storm verleiht seinen weiblichen Figuren die Fähigkeit zu Vorahnungen und suggeriert damit, daß er zwischen primitiven Volksaberglauben und intuitiven Wahrnehmungen, die der Irrationalität zugeschrieben werden, Unterschiede macht - im Gegensatz zu Hauke, der die Ängste seiner Frau und dem Kinde nicht ernst nimmt, obwohl ihn beide mehrmals im Laufe der Handlung warnen: „(...) „Wasser! Das Wasser!“ wimmerte die Kranke. „Halt mich!“ schrie sie; „Halt mich Hauke!“ (...) „In See, ins Haff hinaus? O lieber Gott, ich seh ihn nimmer wieder!““14

Übereinstimmend mit der Mutter sind die Ahnungen der Tochter, die sich immer wieder bei dem Vater vergewissert, ob er stärker als das Wasser sei und es ihr auch gewiss nichts anhaben könne: „ „Hat es Beine?“ frug sie wieder; „kann es über den Deich kommen?“15 Somit entgeht ihm auch der wertvolle Tip der alten Frau Trin‘ Jans, deren Kater er zu Beginn der Geschichte tötet. Auf die Frage, wie es ihren Enten gehe, antwortet die Alte: „Nichts, nichts, Hauke; da sind zu viele Ratten in euren Gräben; Gott tröst mich; man muß sich anders nähren!“16 Am Ende bricht der Deich, aufgrund der Unterminierung von Ratten und Mäusen. Hauke wird von der neophoben Feindseligkeit des gemeinen Volkes, insbesondere von dem neidischen Widersacher Ole Peters, in die völlige Vereinsamung getrieben. Aufgrund des psychischen Drucks wird er nachlässig, selbst engstirnig und verliert immer mehr seine Kraft und Selbstüberzeugung, was zu dem fatalen Ende erheblich beiträgt.

Seine Mitmenschen erklären den Deichgrafen zum Schuldigen, der sich gegen eine solch geballte Kraft von Ignoranz der eigenen Schwächen, des eigenen Bewußtsein nicht erwehren kann. „(...) „Eure Schuld Deichgraf!“ schrie eine Stimme aus dem Haufen: (...)“17 Storm selber schreibt am 7. April 1888 an Heyse: „Wenn die Katastrophe aus der Niederlage des Deichgrafen im Kampfe der Meinungen stärker hervorgehoben würde, so würde seine Schuld wohl zu sehr zurücktreten. Bei mir ist er körperlich geschwächt, des ewigen Kampfes müde und so lässt er einmal gehen, wofür er sonst stets im Kampf gestanden; es kommt hinzu, dass seine zweite Besichtigung bei heller Sonne die Sache weniger bedenklich erscheinen lässt. Da aber, während Zweifel und Gewissensangst ihn umtreiben, kommt das Verderben. Er trägt seine Schuld, aber eine menschliche verzeihliche.“18

Die Tragödie des denunzierten Einzelkämpfers findet ihren Höhepunkt in dem selbst erwählten Freitod, nachdem Haukes Frau und Kind in den Fluten des ungebändigten Wassers ertrinken. Fritz Böttger schreibt in diesem Sinne: „Er erleidet sozusagen die Tragik des „genialen“ Menschen, der, notwendig einsam, von den Zeitgenossen nicht verstanden wird.“19 Am Ende der Novelle gibt der Schulmeister, der die Geschichte Haukes erzählt, eine Deutung und Bewertung des Geschehen. Er stellt einen Bezug des Schicksal Haiens zu Sokrates her, welcher aufgrund seiner neuen ethischen Prinzipien, die der Norm der Polis widersprachen, den Giftbecher trinken musste. Fünf Jahre nach dem Peloponnesischen Krieg war die Lage in Athen immer noch gespannt und die Gier einen Schuldigen zu finden, war weit verbreitet. Da bot sich Sokrates mit seiner ,staatsinfragestellenden‘ Mäeutik als Sündenbock geradezu an.

In diesem Zusammenhang erwähnt der Schulmeister auch Jesus, der aufgrund seiner progressiven Wahrheiten ans Kreuz geschlagen wurde.

„Das geht in der letzten Zeit nicht mehr so leicht; aber - einen Gewaltmenschen oder einen bösen stiernackigen Pfaffen zum Heiligen, oder einen tüchtigen Kerl, nur weil er uns um Kopfeslänge überwachsen war, zum Spuk und Nachtgespenst zu machen - das geht noch alle Tage.“20

Etliche solcher Wegbereiter des geistigen Fortschritts waren bereit ihre Erkenntnislehren zu revidieren oder gingen in den Märtyrertod.

Ich stimme David A. Jackson in seiner Auffassung zu: „Der Schulmeister (...) deutet dann an, daß sich in den neuen Zeiten das Verschweigen, Verzerren oder Verleumden kritischoppositioneller Gestalten als alternatives, aber ebenso wirksames Unterdrückungsmittel erwiesen hat als die barbarisch-brutalen Maßnahmen früherer Zeiten.“21

Das in Fragestellen der bis dahin gültigen Realität oder Gegebenheit erzwingt das Eingeständnis von Fehlern, wogegen sich oft aufgrund von Eitelkeit und Selbstüberschätzung gewehrt wird. Somit ist die Vehemenz des gemeinen Volkes eine Blockierung der Fähigkeit neue Signale zu empfangen, zu integrieren und weiterzuleiten, weil in der Masse kritischer Fortschritt prozentual überstimmt und das primitive Volksbewußtsein bestätigt wird. Allerdings darf man nicht vergessen zu erwähnen, daß viele Freidenker denunziert wurden, weil sie der Macht staatlicher Gewalt gefährlich wurden, wobei auch im „Schimmelreiter“ der ,Machtaspekt‘ eine Rolle spielt, da Ole Peters einen Machtkampf gegen Hauke führt.

Jackson schreibt weiterhin: „Paradoxerweise werden gerade die Wohltäter der Menschheit von ihren Mitmenschen zu Teufel und Spuk gemacht. Gegen den Stumpfsinn und Borniertheit kommt die Lehrtätigkeit (...) anscheinend kaum an.“22 Wobei man hier anmerken muß, daß Hauke nicht aus hohen Idealen der Wohltat heraus gehandelt hat. Viel mehr ging es um die Umsetzung seiner eigenen Ideen, nicht um die Weiterentwicklung der Menschheit, sondern um seine Selbstverwirklichung.

Die Novelle, im Kontext der Zeit verstanden, legt nahe, daß Hauke die Isolation einzelner aufklärerischer Persönlichkeiten im 18. Jahrhundert verkörpert, die mitten in den politischen Problemen Deutschlands, eine Aufklärung im größeren Maße nicht auslösen konnten. Theodor Storm lebte in einer Zeit der technischen Neuerungen, in welcher mit größeren Ausmaße als in früheren Zeiten viele determinierte Grundbegriffe und Normen ins Wanken gerieten. Die Menschen wurden mit ständig neuen Erfindungen und Entdeckungen konfrontiert, die das gesellschaftliche und wirtschaftliche Gefüge in Frage stellten. Diese Instabilität förderte wiederum Angst, die der Industrialisierung oft hinderlich war.

In einem Brief an den Literaturhistoriker Emil Kuh schreibt Storm 1870: „Was mich hauptsächlich beherrscht - und das verschlingt alles andre - , ist der Ekel, einer Gesellschaft anzugehören, die außer den übrigen ihnen von der Natur auferlegten Funktionen des Futtersuchens, der Fortpflanzung usw. auch die mit elementarer Stumpfheit verfolgt, sich von Zeit zu Zeit gegenseitig zu vertilgen. Das Bestehen der Welt beruht darauf, daß alles sich gegenseitig frißt, oder vielmehr, daß Mächtigere immer das Schwächere, den Menschen als den Mächtigsten vermag keins zu fassen; also frißt er sich selbst, und zwar im Urzustande buchstäblich. Dies ist die eigentliche Ursache der Kriege, die anderen sogenannten Ursachen sind nur die Veranlassungen. Keine Zivilisation wird, ja darf das je überwinden. Aber niederdrückend ist der Gedanke; es ist so einer, über den man verrückt werden könnte.“23 Beachtenswert erscheint mir der Kommentar von Jackson: „Solange in Staat und Gesellschaft rückständige Institutionen und menschenfeindlich-entfremdende Ideologien vorherrschen, kann es kein wahrhaft erfülltes gemeinschaftliches Leben geben, vor allem nicht für diejenigen Einzelnen, die eine Überwindung dieser Verhältnisse anstreben.“24

Der in jüngeren Zeiten handelnde mittlere Rahmen vermittelt dem Leser, daß Hauke sich in seinem Werk, die technische Vervollkommnung eines Deiches, verewigte. Auch in diesem Zusammenhang läßt Storm den aufklärerischen Schulmeister, der von den Gemeindemitgliedern etwas belächelt wird, sprechen: „Soviel ist sicher: Hauke Haien mit Weib und Kind ging unter in dieser Flut; (...). Aber der Hauke-Haien-Deich steht noch jetzt nach hundert Jahren, (...)“25 Und auch wenn Hauke im übertragenem Sinne seiner Zeit voraus war, bzw. um Anerkennung vergeblich kämpfte, war sein Leben und Kampf letztendlich nicht umsonst. Wobei dies ein geringer Trost ist, wenn man bedenkt, daß dem Leser das Anliegen suggeriert wird, als wäre Hauke in erster Linie an dem Vertrauen in sein Können interessiert.

Theodor Storm beendete sein bekanntestes Werk in seinem letzten Lebensjahr und so verwundert die Todesthematik nicht. Hauke geht in den Freitod, doch allegorisch wird sein Geist in manchen Sturmnächten noch immer gesehen. Sein Tod ist nicht endgültig, da seine Hinterlassenschaft immer präsent sein wird, wie Storms literarische Leistung.

6. Literaturverzeichnis

Primärliteratur:

- Storm, Theodor: Novellen, Gedichte. Trautwein Klassiker-Edition 1996. 432 S.

Sekundärliteratur:

- Böttger, Fritz: Theodor Storm in seiner Zeit. Verlag der Nation 1958.

- Jackson, David A.: Storms Stellung zum Christentum und zur Kirche. In: Schriften der Theodor-Storm-Gesellschaft. Hrsg. K. E. Laage und V. Hand. Heide: Westholsteinische Verlagsanstalt Boyens & Co. 1975.
- Meyer, Heinrich: Theodor Storm und Ferdinand Tönnies. In: Monathefte für den deutschen Unterricht. 32.1940. S.377.
- Segeberg, Harro: Kritischer Regionalismus. In: Schriften der Theodor-Storm-Gesellschaft. Hrsg. K. E. Laage und V. Hand. Heide: Westholsteinische Verlagsanstalt Boyens & Co. 1975.
- Theodor Storm - Paul Heyse. Briefwechsel. 3.Bd.: 1882-1888. Hrsg. Clifford Albrecht Bernd. Erich Schmidt Verlag Berlin 1974. 415S.

[...]


1 Ina-Maria Greverus: Der territoriale Mensch. Frankfurt/M. 1972. zit. n.: H. Segeberg: Kritischer Regionalismus. S.121

2 Ebd.

3 zitiert nach: Fritz Böttger: Theodor Storm in seiner Zeit. S. 352.

4 Theodor Storm - Paul Heyse. Briefwechsel. Bd.3. S.161.

5 Schimmelreiter. S.311.

6 Ebd. S.322.

7 Ebd. S.317.

8 Schimmelreiter. S.324.

9 Ebd. S.323.

10 Ebd. S.324.

11 Ebd. S.323.

12 Ebd. S.351.

13 Fritz Böttgers: Theodor Storm in seiner Zeit. S.356.

14 Schimmelreiter. S.330.

15 Schimmelreiter. S.342.

16 Ebd. S.296.

17 Ebd. S.356.

18 Meyer, H.: Theodor Storm und Ferdinand Tönnies. S.377.

19 Fritz Böttger: Theodor Storm in seiner Zeit: S.356.

20 Schimmelreiter. S.359.

21 David A. Jackson: Storms Stellung zum Christentum und zur Kirche. S. 97.

22 Ebd. S.89.

23 Briefwechsel mit Emil Kuh.

24 David A. Jackson: S.95.

25 Schimmelreiter. S.359.

Details

Seiten
11
Jahr
2000
Dateigröße
409 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v106227
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
Schlagworte
Scheitern Hauke Haiens Theodor Storms Schimmelreiter

Autor

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