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Musik als therapeutisches Medium

Seminararbeit 2001 13 Seiten

Musik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Allgemeine Informationen zu musikalischen Therapieformen
1.1 Geschichte/ 4 Paradigmen
1.2 Grundlegende Therapieformen
1.2.1 Aktive Therapie
1.2.2 Rezeptive Therapie

2 Musiktherapie in der Praxis
2.1 Musiktherapie bei Suchterkrankungen
2.2 Musiktherapie in der Schule
2.3 Musikalische Behandlung von autistischen Menschen

3. Die „Musikalische Hausapotheke“ Ist die Verwendung von „Do-it-yourself-Artikeln“ therapeutisch konstruktiv???
3.1.1 Entspannungs-CDs
3.1.2 Wirkung von klassischer Musik am Beispiel eines Auszuges der 6. Symphonie Beethovens

Zusammenfassung

Fußnoten

Literaturverzeichnis

Eigenständigkeitserklärung

Anhang

Einleitung

Diese Arbeit soll vordergründig dazu dienen, über das Thema Musiktherapie zu informieren, da diese Heilmethode von psychischen und psychosomatischen Krankheiten bis jetzt nicht sehr weit verbreitet und daher noch relativ unbekannt ist. Darüber hinaus will ich in diesem Beitrag sog. „Entspannungs-CDs“ untersuchen und bewerten, da ausgebildete Musiktherapeuten dieser Art „Selbsttherapie ohne jegliche Unterstützung“ kritisch gegenüberstehen. Hier muss hinzugefügt werden, dass eine objektive Darstellung der Wirkung von Musik nicht möglich ist und ich sie deshalb nur mit meinen subjektiven Eindrücken darstellen kann.

Hinzu kommt mein persönliches Interesse an dieser Therapieform, da ich darüber nachdenke, selbst Musiktherapie zu studieren.

Leider ist es im vorgegebenen Rahmen nicht möglich die verschiedenen Therapiearten hinreichend ausführlich darzulegen, aus welchem Grund der Bericht eher allgemein formuliert ist.

1 Allgemeine Informationen zu musikalischen Therapieformen

Geschichte/ 4 Paradigmen

Die musiktherapeutische Vorgehensweise kann in vier verschiedene Rubriken getrennt werden. Diese Gattungen werden auch „musiktherapeutische Paradigmen“ genannt.

- „Magisches Paradigma“

Dieses Schema bezieht sich auf die Theorie, dass Musikstücke eine Art „Zauberformel“ enthalten. Zu Zeiten, in denen die Menschen an Götter und übernatürliche Kräfte glaubten, wiesen sie der Musik einen mystischen Grundgedanken zu. Demnach konnte man unter der Verwendung von musikalischen Mitteln Götter besänftigen, die beispielsweise Krankheiten ausgelöst hatten. Somit konnte auch der Erkrankte wieder genesen.

Heute werden - in abgeänderter Form - Rituale der Schamanen zur Behandlung eingesetzt. Hierbei jedoch spielen hauptsächlich psychologische Faktoren eine Rolle:

„wenn ein Schamane musiziert und mit einer Gottheit kommuniziert, initiiert er (...) psychologische Prozesse.“1

- „Mathematisches“ Paradigma

Diese Theorie implizierrt zum Beispiel „Frequenzverhälnisse verschiedener Intervalle“ (ebd.)- Oktave 1:2, Quinte 2:3- deren Zahlenverhältnisse auch beim Menschen und in der Natur zu finden sind.

Die Frequenzverhältnisse von Quinte und Oktave klängen aufgrund ihrer Einfachheit so wohlklingend und seien in den gleichen Verhältnissen bei den Geschwindigkeiten von Planeten und bei den menschlichen Proportionen zu beobachten2 (Berendt, 1986). Es wird daher angenommen, dass eine Form von Verständnis besteht zwischen musikalischen Intervallen und dem menschlichen Körper.

Leider ist es zur Zeit noch nicht möglich diese Theorien mit naturwissenschaftlichen Ergebnissen zu beweisen.

- „Medizinisches“ Paradigma

Diese Form beinhaltet die langjährige Tradition (erstmals 1958 von Teirich erklärt), physische oder psychische Krankheiten unter Verwendung von musikalischen Mitteln zu heilen. Das Hören von bestimmter „Musik wurde verschrieben wie eine Pille“2 ; sie sollte einen heilenden Einfluss auf den menschlichen Körper haben, deren Wirkung aber immer durch die individuelle Einstellung zur Musik eingeschränkt ist.

Bereits in der Antike gab es Vermutungen über das Zusammenspiel von “musikalischen Parametern“ und dem menschlichen Körper.

- „Psychologisches“ Paradigma

Dieses Beispiel versucht Musiktherapie mit psychotherapeutischem Wissen zu erklären. Es beinhaltet die „heilpädagogische Förderung von Behinderten“ und die Beschäftigung mit emotional labilen Menschen.

„Musiktherapie als eigenständiges Berufsbild entstand in diesem Jahrhundert Ende der fünfziger Jahre. Dabei kam, als wichtiges Element zur Musik, das Gespräch bzw. die Reflexion über die Gefühle hinzu, die die Musik auslöst. Damit wurde einerseits die Qualität der Beziehung zwischen Therapeut und Patient wichtig und andererseits die Besonderheit und Kraft des Mediums Musik genutzt.“3

Grundlegende Therapieformen

- Aktive Musiktherapie (aM)

Die aM „ist ein Sammelbegriff für alle Arten von Musiktherapie, bei denen der Patient (und der Therapeut) selbst mit Instrument oder Stimme handelnd beteiligt“4 sind.

Bei dieser Therapieform werden meistens Percussion-Insturmente verwendet, aber auch Gitarren und Klavier und Blasinstrumente.

Sie wird sowohl bei Einzel- als auch Gruppentherapie angewandt und besteht hauptsächlich aus Improvisationen, aber auch aus der Verwendung von bereits bekannten Stücken oder Spielmustern.

Diesem Element folgt ein Gesprächs-Teil, in welchem Therapeut und Klient(en) über ihre Erfahrungen sprechen.

Im 20.Jhd. wurden einige „Sonderformen“ ausgearbeitet, zum Beispiel die „GruppenSingtherapie“. Man geht davon aus, dass gemeinsames Singen zu einer starken Verbindung innerhalb der Patienten führt.

Die aM wird oft mit anderen therapeutischen Tätigkeiten verknüpft:

- Poesie- und Schauspieltherapie
- Bewegungs- und Tanztherapie
- Kunsttherapie

- Rezeptive Musiktherapie(rM)

„Bei der rM steht das Hören von Musik im Mittelpunkt“5 (rezeptiv = aufnehmend/ empfangend ).

Diese Form wird bereits in der Bibel beschrieben:

„wenn nun der Geist Gottes über Saul kam, so nahm David seine Harfe und spielte mit seiner Hand; so erquickte sich Saul, und es ward besser mit ihm, und der böse Geist wich von ihm.“6

Hierbei wird dem Klienten Musik vorgespielt um ihn an bestimmte Situationen, Personen oder Stimmungen zu erinnern. Danach werden in einem Gespräch die Erfahrungen und Eindrücke diskutiert.

„Die Anwendungsfelder (...) (dieser Art von) Psychotherapie reichen von neurotischen Störungen über Psychosomatische Beschwerden bis hin zu (...) (psychosomatischen) Krankheiten.“7

Zur Gruppe der rM gehört auch die „Klangtherapie“. Sie beschäftigt sich mit dem Einfluß von Gongs, Klangschalen, Monochord und auch Obertonreihen auf die menschliche Psyche.

Als wichtige Unterformen der rezeptiven Aufnahme gelten unter anderem die Verwendung

a) von funktioneller Musik

- in Arztpraxen
- im Supermarkt
- in Telefonwarteschleifen

b) von therapeutischen Klängen

- in der Krankengymnastik „zur Rhythmisierung von Übungen“
- bei Rhythmustherapien „für Patienten mit (...)Sprechstörungen“
- zur heilpädagogischen Betreuung von geistig behinderten Menschen
- bei Frühgeburten (dem Säugling werden die Stimmen des Vaters und der Mutter auf Tonband vorgespielt um die emotionale Entfernung zu überwinden)
- in der Geriatrie ( alte Menschen hören Musik , die sie aus ihrer Jugendzeit kennen; dadurch kehrt in vielen Fällen das Gedächtnis zurück)
- bei der Sterbebegleitung ( überwiegend zur Entspannung)

2 Musiktherapie in der Praxis

Musiktherapie bei Suchterkrankungen

Obwohl Musiktherapie in diesem Bereich selten angewandt wird, scheinen die Ergebnisse bei „Usern“ von Cannabis, LSD und Meskalin durchaus positiv zu sein, wenn die Sucht noch nicht zu weit fortgeschritten ist. Durch die Verwendung beider Komponenten Musik und Meditation sei es relativ einfach für die Patienten auf die Droge zu verzichten.

Aktive Musiktherapie ist in diesen Fällen insofern sinnvoll, dass sich der Patient nach dem anfänglich unbefangenen Spiel oft dazu entscheidet selbst ein Musikinstrument zu erlernen und somit einen Ausweg findet aus der Abhängigkeit von der Droge.

Der Griff zu Drogen lässt sich meistens auf ungelöste Konflikte, verdrängte Situationen oder negative Eindrücke zurückführen, welche mit Hilfe von Musik und Gesprächen verarbeitet werden können. Sowohl bei Gruppen- als auch Einzelsettings wird Musik mit Gestaltungs- und „Emotionaltherapie“ verbunden. Hierbei intensiviert eine Person ihre unterdrückten Gefühle mit Schreien, wobei sie vokal oder instrumental von der Gruppe begleitet wird. Die Musik spielt hier deshalb eine so wichtige Rolle, da durch sie eine Art Gruppenbewusstsein entsteht, was sogar zu meditativen Erfahrungen führen kann.

Man sagt, dass auch das wirkliche „Zuhören“ zu Musik Drogenabhängigen helfen soll. Sie sind meist nicht mehr imstande etwas anderes als das Rauschmittel zu genießen und können sich deshalb auch nicht vollkommen auf Musik konzentrieren und dabei entspannen. Lutz schlägt eine „Kleine Schule des Genießens“ vor; sich einmal ausschließlich der Musik widmen und „dabei das internalisierte Verbot des genußvollen Müßiggangs bewusst für sich aufheben“8

Darüber hinaus hat sich das Praktizieren von Rockmusik bewährt; es trägt zu sozialer Verantwortung bei und fördert die persönliche Initiative; es wird sowohl in Kinderheimen, Jugendhäusern, als auch in Justiz-Vollzugs-Anstalten angewandt.

„Das(...) Ausagieren intensiver aggressiver und lebensbejahender Gefühle in Lautstärke und Rhythmus, die erfahrene Wertschätzung in der Gruppe und von Seiten des Publikums und die Genugtuung darüber, (...) emotionale Bedürfnisse autonom zu befriedigen (...), entfalten offensichtlich die Perspektive, dass es lohnend erscheint, suchtmittelfrei(...) zu leben.“9

Nicht nur drogenabhängige Menschen machen von einem ambulanten Hilfsangebot Gebrauch, sondern auch deren Familien, da nicht nur der Patient selbst durch seine Problematik meist an Depressionen leidet, sondern auch seine Angehörigen, die mit einer solch schwierigen Situation nicht umgehen können.

Bei der stationären Suchttherapie stehen, wie bei der ambulanten Behandlung, Musik hören, gemeinsames Singen, Musizieren und Improvisation im Vordergrund. Hinzu kommen bei einem stationären Aufenthalt Rollenspiel und Musiktheater.

Aufgrund der längerfristigen und aktiven Auseinandersetzung mit Musik wird für die meisten Jugendlichen auch eine längerfristige Planung ihrer Ziele möglich.

Während der Behandlungszeit wird die private Aufnahme von Musik eingeschränkt. Beispielsweise dürfen die Patienten in manchen Kliniken- ausserhalb des therapeutischen Umfeldes- nur in den Aufenthaltsräumen Musik hören, die darüber hinaus meistens von den Mitarbeitern ausgewählt wird.

Schwabe empfiehlt zusätzlich zur Gruppen-Singtherapie eine wöchentlich stattfindende Bewegungsimprovisation zu klassischer Musik als „musiktherapeutische Intensiv- Therapie.“

Musiktherapie mit Jugendlichen

In unserem Zeitalter haben psychische Auffälligkeiten von Kindern und Jugendlichen drastisch zugenommen. Man nimmt an, dass diese Gegebenheit auf das Zusammenspiel vom modernen Familienbild- beide Elternteile arbeiten; Kind ist auf sich allein gestellt- und dem Bedürfnis nach Modernität (Computer, Internet, „Markenklamotten“) zurückzuführen ist.

Es gibt viele Gründe, warum Kinder und Jugendliche besonders in der Schule emotional auffällig werden. Dies liegt zum Einen an der Erwartungshaltung der Institution Schule und der Familie gegenüber ihrem Kind, gute Leistungen zu erzielen, und zum Anderen an dem Bedürfnis des Schülers/der Schülerin von den Kameraden akzeptiert und gemocht zu werden.

Mit dieser schwierigen Situation können sie aber meist nur dann nicht umgehen, wenn sie vorher bereits durch Kindheitsereignisse wie Missbrauch jeglicher Form, Hospitalisierung oder anderen schlimmen Erfahrungen geprägt wurden. Manchmal ist der Grund auch ein negatives Klima innerhalb der Klasse oder des Freundeskreises, was „Schulangst, unkontrollierte Impulshandlungen, (...) Langsamkeit, Überangepasstheit, Mutismus“10 zur Folge haben kann.

Schüler sollen in einer schulinternen musiktherapeutischen Betreuung die Möglichkeit haben, über ihre Gedanken und Ängste ohne jegliche Bewertung sprechen zu können. Doch um diese Ziele verwirklichen zu können, benötigen die Therapeuten bzw. Lehrer eine ausgeprägte soziale Kompetenz, Verständnis emotionaler Verfassungen von anderen Menschen und auch kreatives und inspiratives Vermögen.

Musikalische Behandlung von autistischen Menschen

Autistiche Kinder vermeiden Blickkontakt und jegliche Berührung zu Anderen. Sie leiden häufig unter Sprachstörungen (Mutismus, Echolalie) und haben Angst vor Veränderungen, was sich überwiegend beim Spielen zeigt(„gleichförmiges Hantieren von Gegenständen“).11 Diese Symptome lassen sich wahrscheinlich auf eine pränatale Störung zurückführen.

Mithilfe einer Therapie mit musikalischen Mitteln soll den Patienten ermöglicht werden eine Art Selbstgefühl zu entdecken und einen Weg zu anderen Menschen zu finden. Man versucht, dem Kind durch „musikalisch-körperliche Interventionen“(ebd.) seinen derzeitigen Zustand zu verdeutlichen: seine Bewegungen und Handlungen werden auf eine musikalische Form übertragen.

Der Therapeut setzt sich mit den stimmlichen Äußerungen des Kindes auseinander, indem er sie (vokal oder instrumental) wiederholt, imitiert und begleitet, was dem Kind sein eigenes Handeln bewusst machen soll. Durch dieses „Wiedererkennen“ und Imitieren lernt es sein eigenes Bewusstsein zu erfassen und baut ausserdem ein Verhältnis zu anderen Menschen auf, wobei der Therapeut jedoch immer darauf achten muss, eine gewisse Distanz zu wahren, da das Kind sonst erneut zu Abwehrreaktionen neigen wird. Um zu verhindern, dass sich auch bei der Verwendung von Instrumenten beim Patienten eine Art Schema entwickelt, ist es nötig, immer wieder neue (melodische) Tonfolgen zu improvisieren, da somit auch das Echolalieren des Kindes weniger wird.

„Erst die Erfahrung einer durch das musikalisch-körperliche Spiel erlebten und mit dem Therapeuten geteilten Emotion wird im autistischen Kind die Motivation wecken, sich selbst vokal und instrumental (...) zu äußern.“(ebd.)

3 Die „Musikalische Hausapotheke“ Ist die Verwendung von „do-it-yourself-Artikeln“ therapeutisch konstruktiv?

„Die in letzter Zeit zunehmenden „do-it-yourself“-Angebote auf dem CD-(...)Markt fallen dagegen nicht unter die Kategorie „Musiktherapie“. (...) Ernstzunehmende TherapeutInnen, seien sie medizinisch oder psychotherapeutisch ausgebildet, haben längst von der Vorstellung einfacher Ursache-Wirkungsverhältnisse Abschied genommen. Dazu kommt, dass unterschiedliche Musik bei unterschiedlichen Menschen höchst unterschiedlich wirken kann.“12

Entspannungs-CDs

Die Entspannungs-CD „Ocean-Surf“ beinhaltet eine musikalische Zusammenstellung aus Meeresrauschen, Vogelzwitschern und Syntheziserklängen.

Die Musik beginnt mit leisen Wellen, die an Felsen oder den Strand branden, deren Kraft und Lautstärke stetig ansteigt. Dieses gleichmäßige Geräusch, was sehr beruhigend wirkt, wird allmählich von panflötenähnlichen Synthesizerklängen abgelöst, wobei das Meeresrauschen als Hintergrundmotiv erhalten bleibt. Das Panflötenmotiv spielt sich größtenteils in sehr hohen Tonlagen ab und verfolgt keine definierbare Melodie, was beides teilweise sogar als unangenehm empfunden werden kann.

Zu diesen Tönen „gesellt“ sich Vogelzwitschern und allmählich kann man eine leise glockenspielähnlich klingende Melodie hören, die sich alle vier Takte wiederholt und konstant von Dur- zu Molltonarten wechselt. Diese Harmonie zwischen Natur und Melodie wird leider durch die Panflöte zerstört. Im Hintergrund hört man Streicher und Wassertropfen, die jedoch keinem bestimmten Rhythmus folgen. Die langsame Musik wirkt sich meditativ auf den Körper aus, wird aber kurz darauf wieder destruiert, da zusätzlich zu den bereits vorhandenen Tönen ein „Syn-Klavier“ gespielt wird und später noch eine andere Art Glockenspiel, welches mit einer gleichförmigen Melodie zwischen piano und mezzoforte wechselt. Doch die vielen verschiedenen „Instrumente“ verwirren, da sie alle um die gleiche Tonhöhe „herumspielen“, was ein Durcheinander von gleichförmigen Tönen hervorruft. Dies alles wird auf einmal von einem plötzlichen Tonartwechsel unterbrochen, was den Zuhörer zusätzlich irritiert. Nun muß er einem neuen „Syn-Klang“ lauschen, der jedoch nicht bestimmbar ist und eher beunruhigend als sanft klingt. Hinzu kommt ein starker Wechsel zwischen piano und forte, was sogar Herzklopfen bewirkt. Einem ereuten Tonartwechsel folgt eine Art E-Gitarre, was wiederum unpassend klingt. Im Verlauf wechseln sich weiterhin eine Oboe und eine Orgel mit dem Glockenspiel mit der „Hauptrolle“ ab, was jedoch keine festgelegte Ordnung verfolgt. Das ganze wird schließlich von Meeresrauschen beendet.

Eine andere CD mit Namen „Forest Piano“ setzt sich lediglich aus den Komponenten Wasser ( Bachplätschern, Regen), Vögel und Klavier zusammen. Diese drei Elemente wirken in ihren Klangdifferenzen und ihrer Einfachheit entspannend. Das Piano spielt lediglich einfache Melodien (mit langsamer Begleitung), die sich oft wiederholen und somit ebenfalls zur Entspannung beitragen.

Beethoven: Symphonie Nr. 6 (Pastorale)

Schon in jungen Jahren hatte Beethoven die „Idee der Verbrüderung“ aller Menschen, was er auch immer wieder in seinen Symphonien zum Ausdruck brachte. Das Thema seiner 6.Symphonie besteht aus Gemeinschaft vermittelnden und natursymbolisierenden Motiven. Eine prägnante Rolle spielt hierbei auch die Dynamik: Alle Instrumente spielen generell beinahe in der gleichen Lautstärke, wobei mal das eine und mal das andere Instrument ein wenig mehr im Vordergrund steht. Die Symphonie wird „von den Violinen über einer in Bratschen und Celli ausgehaltenen Bourdonquinte angestimmt“13, was insgesamt vier Takte beinhaltet und sehr ruhig und ausgeglichen klingt (piano, allegro ma non troppo). Gleich darauf wird die recht einfache Melodie von der ersten und zweiten Violine fortgeführt und von Bratschen- und Celloklängen untermalt. Hier bringt Beethoven seine (oben bereits genannten) Vorstellungen von Verbrüderung zum Ausdruck: Jeder Mensch soll die Möglichkeit haben, sich selbst darzustellen und sich aktiv in die Gruppe einzubringen. Dies drückt sich zunächst nur in der Verschiedenheit der ersten und zweiten Violine aus; die erste Violine mit ihrem fröhlichen, hohen „Gesang“ und die zweite mit ihrer etwas tieferen „Stimme“ erinnert an einen Kanon: der Einklang verschiedener Teile eines Ganzen. Violinen offenbaren oft Seelenregungen und den Ausdruck von Gefühlen, die ab Takt 9 von Bratsche und Cello mit ihrer Gegensätzlichkeit untermalt und somit näher beschrieben werden: die Bratsche verbreitet einen Hauch von Melancholie, während das Cello eher etwas von Mitgefühl und Wärme zu murmeln scheint. Das Motiv (s. Takt 1- 4) erweckt den Anschein, in der Nähe eines plätschernden Baches zu sein, was ein starkes Naturempfinden hervorruft. Auch sie besteht und lebt nur durch ihre Harmonie. In Takt 13 kommen Hörner hinzu, die gleichermaßen die Natur symbolisieren, aber vorerst nur unterschwellig zu hören sind. Die bisher vorhandenen Instrumente gehen nun von einem forte direkt ins piano über, um dann bis zu Takt 20 anzuschwellen, wo das Fagott „auf die Bühne tritt“.

Obwohl es nicht einmal zwei Takte - und auch dort eigentlich kaum - zu hören ist, beeinflusst es die übrigen Instrumente, die sofort zu einem diminuendo wechseln. Es erweckt den Anschein, das Fagott habe sich über die Übrigen „ mit vorgehaltener Hand“ amüsiert oder sie gar verspottet, womit es jedoch genug Raum schafft für die Oboe, die in Takt 28 einsetzt, vorher jedoch von der Klarinette angekündigt wird (Takt 27), und in den anschließenden fünf Takten die Hauptrolle spielt. Sie klingt an dieser Stelle sowohl aufreizend als auch naiv und das Orchester scheint erstmals aufzuhorchen, bevor in Takt 33 ein Tutti einsetzt. Hier wird das Motiv abermals wiederholt, allerdings von Klarinette und Fagott, welche erneut die Natur aber auch Volkstümlichkeit ausdrücken.

Wenn in Takt 37 die Flöte anfängt zu spielen erhält das „Innere Bild“ noch etwas mehr an Natur und Helligkeit. Vögel beginnen in Takt 42 zu zwitschern, wenn das Flötenmotiv mit 1/8 und 1/16-Noten in ausgelassene Triller (???) übergeht. Nun wird jedes negative Gefühl verdrängt und durch Lebensfreude ersetzt.

In dem Buch „Die musikalische Hausapotheke“ wird das oben dargestellte Werk bei Unausgeglichenheit empfohlen. Dies halte ich persönlich jedoch für ungeeignet, da einen spannungsgeladenen Zuhörer die verschiedenen Instrumente eher irritieren, als ihn zu beruhigen.

Zusammenfassung

Abschließend lässt sich feststellen, dass eine ohne ausgebildete Therapeuten stattfindende Behandlung mit Musik nicht zu empfehlen ist, da jede Musikrichtung von jedem Menschen unterschiedlich bewertet wird und deshalb allgemeine Darstellungen von musikalischen Wirkungen nicht möglich sind. (s.o.)

Ich gehe daher davon aus, dass der Verkauf von derartigen Tonträgern nur mit dem momentanen „Trend“ ( Muskelentspannung am Arbeitsplatz, Zen-Meditationen etc.) zusammenhängt und infolgedessen nur zu „Marketing-Zwecken“ stattfindet.

Literaturverzeichnis

- Decker-Voigt, H. / Knill, P. / Weymann, E. (Hg.), Lexikon Musiktherapie, Hogrfe bei Göttingen, 1996

- Rauhe, H. / Flender, R. Schlüssel zur Musik, Düsseldorf 1986

- Rueger, C. Die musikalische Hausapotheke, Genf 1992

- Mahns, W. Musiktherapeutische Umschau , www.musiktherapie.de, 12.02.2002 20:00

Eigenständigkeitserklärung

„Ich erkläre, dass ich die Facharbeit ohne fremde Hilfe angefertigt und nur die im Literaturverzeichnis angeführten Quellen und Hilfsmittel benutzt habe.“

[...]


1 Henk Smeijsters (1996) s.109

2 Berendt und Hamel (1986) s.109

3 www.musiktherapie.de

4 Johannes Th. Eschen (1996) s.5

5 Eva Maria Franck-Bleckwedel (1996) s.326

6 1.Samuel 16,23

7 Hans-Helmut Decker-Voigt (1996) s.238

8 Lutz (unb.) s.11

9 Hartmut Kapteina (1996) s.11

10 Wolfgang Mahns (1996) s.249

11 Karin Schumacher (1994) s.42

12 Eva Maria Franck-Bleckwedel (1996) s. 328/329

13 Hermann Rauhe/Reinhard Flender (1986) s. 170

Details

Seiten
13
Jahr
2001
Dateigröße
391 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v106015
Note
Schlagworte
Musik Medium

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Titel: Musik als therapeutisches Medium