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Die Entstehung zweier deutscher Staaten (1945-1949) / Die Teilung Deutschlands

Referat / Aufsatz (Schule) 2000 14 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die historische Entwicklung zwischen 1945 und 1948
1.1 Die Situation international sowie die Situation in Deutschland im Jahre 1945
1.2 Die Entwicklung in den westlichen Besatzungszonen und in der sowjetischen Besatzungszone
1.3 Die internationale Entwicklung in Deutschland in den Jahren 1947/48

2. Die Gründung der beiden deutschen Teilstaaten
2.1 Die Abläufe der Gründung der beiden deutschen Teilstaten
2.2 Die Position der westlichen Alliierten
2.3 Die östliche Position
2.4 Vergleich der östlichen Position mit der westlichen

3. Erörterung der Frage, ob es nach 1945 eine realistische Chance zur Wiedervereinigung gab sowie die Folgen der beiden Staatsgründungen

4. Anhang: Quellenverzeichnis

1. Die historische Entwicklung zwischen 1945 und 1948

1.1 Die Situation international sowie die Situation in Deutschland im Jahre 1945

Am 8. Mai 1945 endete mit der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht der Krieg in Europa. In Asien ging der für Japan längst aussichtslose Krieg weiter, bis es die Atombomben der USA auf Hiroshima und Nagasaki am 6. und 9. August ebenfalls zur bedingungslosen Kapitulation zwangen. Damit endete der Zweite Weltkrieg, der nicht nur enorme Kosten von etwa 1500 Milliarden US-Dollar verursacht, sondern auch über 55 Millionen Tote und 35 Millionen Verwundete gefordert sowie verheerende Zerstörungen gebracht hatte.

Mit der Berliner Deklaration vom 5. Juni 1945 übernahmen die vier Siegermächte in Person ihrer Oberbefehlshaber General Dwight D. für die USA, Georgi K. Schukow für die Sowjetunion, Feldmarschall Bernard L. Montgomery für Großbritannien und General Jean de Lattre de Tassigny, die oberste Regierungsgewalt im besiegten Deutschland. Schon während des Krieges trafen sich die ,,Großen Drei" der Anti- Hitler-Koalition, Roosevelt, Stalin, und Churchill auf mehreren Konferenzen um über das Weiterbestehen Deutschlands zu beraten. Zu den wichtigsten Absprachen gehörte die Aufteilung Deutschlands in Besatzungszonen, wobei Frankreich als vierter Siegermacht erst auf der Jalta Konferenz vom 4. bis 11. Februar 1945 eine eigene Zone zugestanden wurde. Auf der Potsdamer Konferenz vom 17. Juli bis 2. August 1945 einigten sich die Siegermächte auf weitere Grundsätze für ihre gemeinsame Besatzungspolitik. Die grundlegenden Ziele der Vier Mächte wurden im Potsdamer Abkommen, einem Protokoll, das nach Abschluss der Beratungen von Stalin, Truman, anstelle des verstorbenen Roosevelt und Attlee, der aufgrund des Labour-Wahlsiegs Churchill ersetzte, unterzeichnet und festgehalten. Diese lassen sich in zwei Kategorien einteilen:

a) die territorialen und bevölkerungspolitischen Bestimmungen:

Deutschland wurde in vier Besatzungszonen und Berlin in vier Sektoren eingeteilt. Als oberste Machtinstanz wurde der, von den vier Oberbefehlshabern gebildeter, Alliierte Kontrollrat mit Sitz in Berlin, eingerichtet. Dieser sollte Entscheidungen treffen, die sich auf Deutschland als Ganzes bezogen und deswegen einstimmig sein mussten. Die Sowjetunion annektierte Königsberg und den nördlichen Teil Ostpreußens, wobei die Flüsse Oder und Neiße die Grenze zur sowjetischen Besatzungszone bildeten. Die deutschen Gebiete östlich von Oder und Lausitzer Neiße wurden unter polnische und sowjetische Verwaltung gestellt und die dortige deutsche Bevölkerung ebenso wie die Deutschen aus Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei umgesiedelt.

b) die politischen und wirtschaftlichen Bestimmungen, die man auch als die fünf D´s bezeichnete:

Demilitarisierung : Die Siegermächte verständigten sich darauf, dass der "deutsche Militarismus und Nazismus" ausgerottet werden musste, damit Deutschland nie wieder "die Erhaltung des Friedens in der Welt" bedrohen konnte. Alle militärischen Einrichtungen und Verbände wurden aufgelöst, die Rüstungsindustrie beseitigt, alle Waffen sowie jede Art von Munition eingezogen, alle Denkmäler, Statuen und Straßenschilder, "die darauf abzielten, die deutsche militärische Tradition zu bewahren und lebendig zu erhalten", verboten. Die alliierten Vorbehalte gegen das deutsche Militär waren so tief, dass beim Neuaufbau der deutschen Polizei auf Dienst- und Rangabzeichen, Orden, militärische Grußformen und zunächst auch auf Bewaffnung verzichtet wurde.

Denazifizierung : Die NSDAP und alle ihre Unterorganisationen wurden verboten, alle NSGesetze aufgehoben, und jegliche Erinnerungen an das "Dritte Reich" wie zum Beispiel Straßenschilder, Bücher, Uniformen und Orden mussten aus der Öffentlichkeit verschwinden. Gegen die Spitzen des NS-Regimes wird seit dem 20. November 1945 vor dem Internationalen Militärtribunal in Nürnberg verhandelt .

Demontage : Als Wiedergutmachung für die erlittenen Kriegsschäden demontierten die Besatzungsmächte Industrieanlagen um diese in ihre Länder zu überführen. Dekartellisierung : Alle Siegermächte waren davon überzeugt, dass der Aufstieg Hitlers nur mit Unterstützung der Großindustrie möglich gewesen sei. Die Dekartellisierung wurde angewendet um der übermäßigen Konzentration der Wirtschaftsmacht entgegenzuwirken. Demokratisierung : Das politische Leben sollte auf demokratischer Grundlage wieder ermöglicht werden.

Die deutsche Bevölkerung beschäftigte in der Nachkriegszeit vor allem die Sorge um die eigene Existenz, in den Trümmern der Städte kämpften die Menschen ums Überleben. Wohnungen waren kaum vorhanden und die täglichen Lebensmittelrationen lagen unter denen der Kriegszeit. Während des Krieges hatte sich der Geldumlauf von 9 Milliarden RM auf 75 Milliarden RM erhöht, gleichzeitig ist aber die Produktionsrate zurückgegangen, es kam zur Inflation. Der Schwarzmarkt blühte, Devisen, Schmuck und andere Wertgegenstände wurden gegen Nahrungs- und Genussmittel eingetauscht, als wichtigstes Zahlungsmittel wurden amerikanische Zigaretten zu einer Art Ersatzwährung für die wertlos gewordene Reichsmark.

1.2 Die Entwicklung in den westlichen Besatzungszonen und in der sowjetischen Besatzungszone

Da die auf der Potsdamer Konferenz beschlossenen Ziele unpräzise formuliert wurden, kam es zur unterschiedlichen Auslegungen und Umsetzungen dieser. Die erforderlichen einstimmigen Beschlüsse des Kontrollrats waren unmöglich und somit konnte es auch in der alltäglichen Praxis zu keiner gemeinsamen Politik der vier Siegermächte kommen. Dadurch dass keine gesamtdeutschen Verwaltungsstellen eingerichtet worden waren, handelte jeder der vier Militärgouverneure nach eigenem Ermessen. Die Auseinandersetzungen um die Grundsätze und Zielvorgaben der Besatzungspolitik führten schrittweise zur Auseinanderentwicklung der drei westlichen und der sowjetischen Besatzungszone. Von entscheidender Bedeutung für diese Auseinanderentwicklung waren die, durch zunehmende Spannungen gekennzeichneten, Beziehungen zwischen den Westalliierten und der UdSSR.

Die Westalliierten begannen die Probleme der Nachkriegsjahre mit deutscher Hilfe zu lösen, es wurden Verwaltungsstellen mit Personen, die frei von dem Verdacht des Nationalsozialismus waren, besetzt. Nachdem die westlichen alliierten Militärregierungen unter ihrer Aufsicht die Parteiengründungen von SPD, CDU, CSU und FDP offiziell zugelassen hatten, wurden bald Kreis- und Landesverbände der Parteien gebildet Am 17.10.1945 bildete General Clay aus ernannten Ministerpräsidenten einen Länderrat in der amerikanischen Zone zur Koordinierung von Gesetzgebung, Verkehrs- und Postverbindungen sowie der Wirtschaftsentwicklung auf überregionaler Ebene. Die ersten Wahlen für die Gemeindeparlame nte fanden in der amerikanischen Zone im Januar 1946, in der britischen und französischen Zone im September 1946 statt. Ab Juni 1946 erarbeiteten Versammlungen der Länder Verfassungen, die durch Volksabstimmungen parallel zu den Wahlen bestätigt wurden.

Die UdSSR hingegen versuchte ab 1945 verstärkt ihre Machtposition in Südost- und Osteuropa zu festigen, indem sie anstelle der Einhaltung von demokratischen Grundsätzen in den einzelnen Staaten, in Bulgarien, Polen, Ungarn aber auch in der sowjetischen Besatzungszone in Deutschland kommunistischen oder zumindest kommunistisch beeinflussten Regierungen die Machtbefugnis erteilte. Man kann davon ausgehen, dass die Einbeziehung Ostdeutschlands in den sowjetischen Herrschaftsbereich durch die sowjetischen Besatzungsbehörden seit 1945 systematisch verfolgt wurde. Während des Krieges wurden deutsche Exil-Kommunisten in Moskau auf ihren Einsatz nach Kriegsende in Deutschland vorbereitet. Die Boden- und Industriereform von 1945/46 legte in der sowjetischen Besatzungszone den Grundstein für den Aufbau einer sozialistischen Zentralplanwirtschaft nach sowjetischem Muster, weil sie zunächst viele kleinbäuerliche Betriebe schuf, die dann in den 50er Jahren zum Zusammenschluss zu Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften gezwungen wurden.

Die Machtübernahme vollzog sich über den Zwangszusammenschluss am 21./22. April 1946 von KPD und SPD zur SED. Die SED wurde staatstragende Partei und entschied über Politik, Gesellschaftsordnung, Wirtschaft und Militär. Bis 1947 wurden über 500.000 Personen aus ihren Stellungen entfernt und durch Kommunisten ersetzt. Diese Ausrichtung der Sowjetunion auf eine kommunistische Gesellschaftsordnung mit Verstaatlichung, Planwirtschaft und Einheitsparteienherrschaft war ein unübersehbares Signal für die Entschlossenheit zur Durchsetzung der eigenen Vorstellungen zumindest in einem Teil Deutschlands um sie dann später nach Westen auszuweiten. Dieses Vorgehen erweckte immer mehr das Misstrauen der Westmächte. Bereits am 5.März 1946 sprach der frühere britische Premierminister Churchill von einem "Eisernen Vorhang" der von Stalin in Europa errichtet worden sei und der Expansionspolitik der UdSSR.

Im Mai 1946 ist es zu einem besonders schweren Konflikt zwischen den Westalliierten und der UdSSR gekommen. Da die Sowjetunion im Krieg die größten Verluste zu tragen gehabt hatte, war auf der Potsdamer Konferenz beschlossen worden, dass die UdSSR neben den Reparationen aus ihrer Zone auch Kriegsentschädigungen aus den Westzonen erhalten sollte. Als jedoch Anfang 1946 besonders seitens der USA die Bemühungen um eine gemeinsame Wirtschaftspolitik keine Fortschritte brachten, stoppte Clay die Lieferungen und übte damit großen Druck auf die UdSSR aus.

Die deutschlandpolitischen Gegensätze wurden auch auf der Pariser Konferenz vom 25. April bis 12. Juli 1946 spürbar. Während die Westalliierten ihr Bestreben nach einem föderalistischen Staatsaufbau äußerten, lehnte die UdSSR dies ab und sprach sich für einen zentralistischen Einheitsstaat aus. Die Sowjetunion hatte insbesondere, wie schon zuvor deutlich wurde, kein Verständnis für die Deutschlandpolitik der Amerikaner und sah sich durch das Atomwaffenmonopol der USA bedroht. Das gegenseitige Misstrauen, die Unfähigkeit zu einer einheitliche n Umsetzung des Potsdamer Abkommens und die unterschiedlichen gesellschaftspolitischen Ziele führten zwangsläufig zu einem gewaltigen Krisen in der Viermächte Regierung über Deutschland und zum so genannten Kalten Krieg.

1.3 Die internationale Entwicklung sowie die Entwicklung in Deutschland in den Jahren 1947/48

Nachdem die USA im Juli 1946 im Alliierten Kontrollrat die wirtschaftliche Vereinigung aller Zonen vorgeschlagen hatten und dies von der Sowjetunion sowie Frankreich abgelehnt worden ist, schlossen sich die amerikanische und die britische Zone, um dem Kommunismus entgegenzuwirken und den Wiederaufbau besser zu koordinieren, am 1. Januar 1947 zur Bi- Zone zusammen. Das Gebiet wurde unter deutsche parlamentarische Kontrolle und unter die Aufsicht des, aus den Mitgliedern der Länderparlamente besetzten, Wirtschaftsrats mit Sitz in Frankfurt am Main gestellt.

Am 12.März 1947 verkündete der der US-Präsident Truman vor dem amerikanischen Kongress, dass die USA alle freien Staaten militärisch und finanziell gegen die Gefahr eines Umsturzes von innen oder von außen unterstützen werden. Als erste Konsequenz daraus bewilligte der Kongress 800 Millionen Dollar für Griechenland und die Türkei, damit sie dem sowjetischen Druck standhalten konnten. So begann die so genannte Truman-Doktrin, die politischen Maßnahmen zur Eindämmung des Kommunismus.

Am 5. Juni 1947 legte US-Außenminister George C. Marshall das umfangreiche europäische Wiederaufbauprogramm ERP (European-Recovery-Program) den so genannten Marshall- Plan, der auch als Konsequenz der Truman Doktrin zu sehen ist, vor. Dieser Plan, der auch für die Staaten Osteuropas und der sowjetischen Besatzungszone offen stand und Verteilung von Hilfsleistungen, sowie Sachlieferungen insbesondere von Lebensmitteln und Rohstoffen, als auch Vergabe von Krediten und investierbare Fonds zur Anregung von eigenen wirtschaftlichen Aktivitäten vorsah, wurde auf Duck Moskaus von sämtlichen sowjetisch beeinflussten Staaten sowie der SED-Regierung in der sowjetischen Besatzungszone abgelehnt. Moskau befürchtete durch die Annahme der Hilfeleistung neben dem ökonomischen auch den politischen Einfluss in diesen Staaten zu verlieren. Diese Politik führte in der Folge zu einer zunehmenden Konfrontation mit der Sowjetunion. Im Juni entstand durch den Zusammenschluss aus der Bi-Zone und der französischen Besatzungszone die Tri-Zone .

Die Ministerpräsidentenkonferenz aller Länder scheiterte jedoch, weil sich die Besatzungsmächte in keinem der zur Diskussion stehenden Punkte, unter anderem Reparationen und die Frage nach der Deutschen Einheit, einigen konnten.

Die Sowjetunion widersprach immer noch einem Zusammenschluss und am 20. März 1948 verließ der sowjetische Vertreter offiziell den Alliierten Kontrollrat. Damit war die Vier- Mächte-Herrschaft endgültig beendet und die Teilung zwischen Ost und West vertiefte sich immer mehr.

Zur Bekämpfung der Inflation und des Schwarzmarktes sowie zur Wiederbelebung der deutschen Wirtschaft führten die Westalliierten am 20. Juni 1948 in den westlichen Zonen eine Währungsreform durch. Die wertlos gewordene Reichsmark wurde durch die Deutsche Mark ersetzt. Über Nacht füllten sich die Geschäfte mit Waren, die vorher nur auf dem Schwarzmarkt erhältlich waren.

In der sowjetischen Besatzungszone wurde als Reaktion auf die Entwicklung im westlichen Teil Deutschlands am 23. Juni 1948 die Ostmark eingeführt. Eine weitere Reaktion stellte die Berliner Blockade vom 24. Juni 1948 bis zum 12. Mai 1949 dar. Die sowjetischen Besatzungsmächte sperrten alle Land- und Wasserwege zwischen den Westzonen und den Westsektoren Berlins, stoppten die Versorgung mit Wasser und Elektrizität und verboten jeglichen Güteraustausch zwischen dem sowjetischen und den westlichen Sektoren. Ihr Ziel war die Aushungerung der Bevölkerung und Ab zug der Westmächte zu bewirken und somit Westberlin zurück zu gewinnen. Um die 2, 1 Millionen Westberliner zu versorgen organisierte Militärgouverneur Clay eine Luftbrücke. Lebensmittel, Kohlen, aber auch Geräte und Maschinen wurden als Luftfracht nach Berlin transportiert. Die Blockade war nicht nur der erste Höhepunkt des Kalten Krieges, sondern zeigte auch die veränderte Beziehung zwischen den Westmächten und den Deutschen, aus den Besatzungsmächten sind Schutzmächte geworden. Auf Anordnung der Sowjetischen Mächte zog sich die SED nach Ost-Berlin zurück und wählte dort ihre eigene Verwaltung. Damit wurde Berlin offiziell in einen Ost- und einen Westteil mit jeweils eigener Verwaltung gespalten. Das Ansehen der Sowjetunion verringerte sich zunehmend und immer mehr westeuropäische Staaten schlossen sich den USA an. Im Rahmen der Vereinten Nationen kam es im Mai 1949 zum New Yorker Abkommen der Vier Mächte. Durch diesen Vertrag wurde die Blockade elf Monate nach ihrem Beginn, beendet. Die westdeutschen Politiker sahen es als notwendig an, ein Gegengewicht zu den kommunistischen Ländern zu bilden, selbst wenn dies eine Teilung Deutschlands mit sich brachte.

2. Die Gründung der beiden deutschen Teilstaaten

2.1 Die Abläufe der Gründung der beiden deutschen Teilstaaten

Die Gründung der Bundesrepublik Deutschland:

Bereits auf der Londoner Sechsmächtekonferenz im Juni 1948 einigten sich die Westmächte und die Benelux-Länder auf die Gründung eines westdeutschen Staates. Die drei Militärgouverneure erteilten am 1. Juli 1948 den elf deutschen Ministerpräsidenten mit den Frankfurter Dokumenten den Auftrag zur Einberufung einer verfassungsgebenden Versammlung, die eine freiheitlich-demokratische Staatsordnung auf der Basis von Grundrechtsgarantie und Bundesstaatlichkeit erarbeiten sollte und forderten sie auf zum Besatzungsstatut Stellung zu nehmen . Um der Teilung Deutschlands keine Endgültigkeit zu verleihen und die Vorläufigkeit des Vorgehens zu betonen, beschlossen die Ministerpräsidenten die Einberufung der verfassungsgebenden Versammlung als Parlamentarischen Rat und die Erarbeitung eines Grundgesetzes anstatt einer Verfassung. In langen, von den Kontrollmächten beeinflussten Verhandlungen, erarbeitete der Parlamentarische Rat das Grundgesetz, das am 8. Mai 1949 mit 53 zu 12 Stimmen angenommen, am 12. Mai von den Militärgouverneuren genehmigt und am 23. Mai in der bis 1990 gültigen Hauptstadt Bonn verkündet worden ist. An allen öffentlichen Gebäuden wird die schwarz-rot-goldene Fahne aufgezogen. Die ersten Bundestagswahlen fanden am 14. August 1949 statt. CDU/CSU und FDP bildeten eine Koalition. Theodor Heuss wurde zum Bundespräsidenten, Konrad Adenauer zum Bundeskanzler gewählt. Am 21. September 1949 tritt das Besatzungsstatut in Kraft, das den drei Westmächten zahlreiche Befugnisse vorbehielt. Nach diesem hatten die Militärgouverneure ohne deutsche Zustimmung das Recht in Bereich wie Außenpolitik, Reparationen und Devisenwirtschaft eingreifen und sogar die Ausübung der vollen Gewalt ga nz oder teilweise aufzunehmen wenn sie dies für die Sicherheit und Aufrechterhaltung der demokratischen Ordnung in Deutschland erachteten. Eine Revision dieser Vorbehaltsrechte wurde von der deutschen Bundesregierung mit dem Petersburger Abkommen vom 22. November 1949 erreicht. Mit dem Inkrafttreten der Pariser Verträge im Jahre 1955 wurde das Besatzungsstatut vollständig aufgehoben.

Die Gründung der DDR:

Aus der im Dezember 1947 in der sowjetischen Besatzungszone entstandenen "Volkskongressbewegung für Einheit und gerechten Frieden" ging der zweite Volkskongress hervor. Dieser berief wiederum im März 1948 den ersten Deutschen Volksrat, der unter der Leitung von Otto Grotewohl (SED) die Verfassung einer Deutschen Demokratischen Republik ausarbeitete und am 19. März 1949 formell beschloss. Die Wahlen zum dritten Volkskongress erfolgten durch Einheitslisten, d.h. die zu wählenden Kandidaten, die von den Blockparteien und Massenorganisationen aufgestellt wurden, konnten insgesamt abgelehnt oder akzeptiert werden. Die 1400 Delegierten des 3. Deutschen Volkskongresses nahmen den Verfassungsentwurf der SED am 30. Mai 1949 an und wählten den zweiten Deutschen Volksrat, der am 7. Oktober 1949 zusammentrat, sich zur Volkskammer der DDR erklärte und Grotewohl mit der Regierungsbildung beauftragte. Zum ersten Präsidenten wurde Wilhelm Pieck gewählt.

2.2 Die Position der westlichen Alliierten

Sowohl das Memorandum von Captain Louis über die Grundsätze für die Zulassung von politischen Parteien vom 22. September 1945 als auch der Auszug aus den "Frankfurter Dokumenten" vom 1. Juli 1948 geben Aufschluss über die Position der westlichen Alliierten. Aus diesen Quellen geht hervor, dass sie bestrebt waren eine demokratische Regierungsform zu schaffen, die als Grundsätze Föderalismus und Menschenrechte beinhaltete. Damit wollten sie die zum damaligen Zeitpunkt zerrissene deutsche Einheit wieder herstellen, die Rechte aller beteiligten Länder schützen, sowie eine angemessene Zentralinstanz schaffen und sämtliche individuellen Rechte und Freiheiten des Menschen sichern. Ein Schritt in diese Richtung war die Zulassung demokratischer Parteien auf regionaler Ebene, wobei sich die Alliierten bei dieser Entscheidung auf das "Potsdamer Abkommen" bezogen, wonach alle demokratischen Parteien gefördert werden sollten und ihnen das Recht Versammlungen und öffentliche Aussprachen zugestanden wurde.

Außerdem beauftragten die Militärgouverneure die Ministerpräsidenten in Deutschland eine verfassungsgebende Versammlung bis zum 1. September 1948 einzuberufen, die eine, nach den von ihnen festgelegten Grundsätzen, Verfassung erarbeiten sollte. Die Verfassung, wie auch jede künftige Änderung jener sollte wenn sie nicht in Widerspruch mit den Grundsätzen stand, von zwei Dritteln der Länder legitimiert werden. Um die Sicherheit und Aufrechterhaltung der demokratischen Regierung nicht zu gefährden, aus Angst vor Zuständen, die während der Zeit des Nationalsozialismus herrschten, d.h. aus Angst vor der Wandlung der bestehenden Regierungsform zur Diktatur, behielten sich die westlichen Alliierten allerdings das Recht der Kontrolle nicht nur im Bezug auf die Verfassung selbst, vor. Um die gleichberechtigte Vertretung aller Länder zu garantieren legten sie die Gesamtzahl der Abgeordneten, sowie die Anzahl der Abgeordneten jedes Landes zur verfassungsgebenden Versammlung fest.

Sie waren auch befähigt die Bildung von Parteien, sowie deren Parteiprogramm, Veröffentlichung von Parteischriften, Versammlungen und öffentliche Aussprachen nach bestimmten Vorschriften wie Antragstellung mit Zeitpunkt, Ort, Zweck der Versammlung sowie Name und Anschrift der Redner zu kontrollieren und zu genehmigen bzw. bei Missachtung der Regelungen, wie z.B. Verwenden und Anlegen von Parteiuniformen, Abzeichen oder Armbinden, zu verbieten.

2.3 Die östliche Position

Der Befehl Nr.2 der Sowjetischen Militärverwaltung in Deutschland vom 10 Juni 1945 und der Text zur Entschließung der 5. Tagung des Deutschen Volksrates vom 22. Oktober 1948 verdeutlichen, dass die sowjetischen Besatzungsmächte durch ihre Erlaubnis zur Bildung antifaschistischer Parteien nicht nur die endgültige Ausrottung der Überreste des Faschismus , sondern auch auf der Basis von demokratischen Grundlagen bürgerliche Freiheiten anstrebten und die Initiative sowie Selbstbetätigung der Bevölkerung im Bezug auf ihre Ziele förderten.

Der Volksrat bezeichnete sich als die einzig legitime Repräsentation des deutschen Volkes und übte heftige Kritik an den westlichen Beatzungsmächten, am Parlamentarischen Rat wie auch an der von ihm ausgearbeiteten Verfassung. Er warf den westlichen Besatzungsmächten eine gegen die Verpflichtungen von Jalta und Potsdam widerrechtlichte Machtergreifung und betitelte das westdeutsche Staatswesen als Vasallenstaat unter der Willkür fremder Mächte. Außerdem vertrat er die Meinung, dass die Verhandlungen des Parlamentarischen Rates undemokratisch waren und die Deutschen Einheit ablehnten. Nach seiner Auffassung konnte das von den Westmächten festgelegte Besatzungsstatut die Freiheit Deutschlands und seiner Bevölkerung nicht herstellen sondern nur den Zustand der Besatzung verewigen. Der deutsche Volksrat forderte das Selbstbestimmungsrecht des deutschen Volkes und rief dieses zur Willensbildung, in Form einer öffentlichen Diskussion über den von ihm ausgearbeiteten Verfassungsentwurf für die Deutsche Demokratische Republik, auf. Als Grund dafür gab der Volksrat an, dass eine dem deutschen Volk entsprechende Verfassung nicht aus Befehlsgewalt von Besatzungsmächten ausgearbeitet werden kann, sondern vom Volk mitbestimmt werden muss.

2.4 Vergleich der östlichen Position mit der westlichen

Im Vergleich der östlichen Position mit der Position der westdeutschen Minister und der Präambel de Grundgesetze wird deutlich, dass sowohl die Bundesrepublik als auch die DDR sich den Alleinvertretungsanspruch nahmen. Die BRD, die sich das Recht vorbehielt als einzige die Interessen des gesamten deutschen Volkes wahrzunehmen und somit auch immer im Namen der DDR-Bürger zu sprechen, begründete ihren Anspruch damit, dass nur in der Bundesrepublik eine frei gewählte Regierung im Amt sei, während in der DDR eine SED- Diktatur bestehe. Die Vertreter der DDR waren wiederum davon überzeugt, dass der deutsche Volksrat die einzige legitime Repräsentation des Volkes sei, weil sie die BRD als einen durch widerrechtliche Machtergreifung der Westmächte undemokratischen Staat und die ausgearbeiteten Grundgesetze als unvereinbar mit den tatsächlichen Interessen der deutschen Bevölkerung ansahen.

Mithilfe dieses Vergleichs erkennt man aber auch, dass die Kritik und Vorwürfe des Volksrates an den Westmächten, dem Parlamentarischen Rat und den Grundgesetzen, wie in 2.3 beschrieben, unberechtigt waren. Sowohl die Präambel des Grundgesetzes als auch die Stellungnahme westdeutschen Ministerpräsidenten bestätigen, dass die Besatzungsmächte bemüht waren eine, sowohl den Rechten der Länder als auch den Rechten des gesamten Gebietes als Ganzes gerecht werdende Verwaltung, einzurichten. Außerdem wurde betont, dass durch die zum damaligen Zeitpunkt bestehende Uneinigkeit der vier Besatzungsmächte alle Maßnahmen vermieden werden sollten, die zu einer Vertiefung der bereits bestehenden Spaltung zwischen Ost und West führen würden. Dennoch waren die westlichen Besatzungsmächte und westdeutschen Ministerpräsidenten überzeugt, dass dem staatlichen Leben durch die Grundgesetze für eine Übergangszeit eine notwenige Ordnung gegeben werden muss. Sie bezeichneten ihr Verfahren als provisorische, organisatorische Maßnahmen, bis das gesamte deutsche Volk sich in freier Selbstbestimmung neu konstituieren und über das Grundgesetz durch einen Volksentscheid als endgültige Verfassung entscheiden könne.

3. Erörterung der Frage, ob es nach 1945 eine realistische Chance zur Wiedervereinigung gab sowie die Folgen der beiden Staatsgründungen

Bei näherer Betrachtung der geschichtlichen Abläufe von 1945 bis 1949 wird man feststellen, dass alle vier Siegermächte zu Beginn der Besatzungszeit, trotz der Einteilung Deutschlands in Besatzungszonen, durch die Einrichtung des Alliierten Kontrollrates, der Entscheidungen treffen sollte, die Deutschland als Ganzes betrafen, das Land als Einheit ansahen. Jedoch kam es aufgrund der unterschiedlichen Auslegung und Umsetzung der auf der Potsdamer Konferenz beschlossenen Maßnahmen in jeder Zone zu Konflikten unter den Besatzungsmächten. Diese Auseinandersetzungen um die Grundsätze und Zielvorgaben der Besatzungspolitik führten zu einer immer stärkeren, durch Spannungen gekennzeichneten Auseinanderentwicklung, der drei Westzonen und der sowjetischen Zone. Besonders deutlich wurden die gegensätzlichen Ziele der westlichen und der sowjetischen Besatzungsmächten durch die gescheiterte Pariser Konferenz vom 25. April bis 2. Juli 1946 und die Ablehnung der wirtschaftlichen Vereinigung aller Zonen als auch des Marshall-Plans durch die UdSSR.

Gemäß der Aussage Byrnes ,,Lieber ein freies Teildeutschland als ein totalitäres Gesamtdeutschland strebten die Mächte der Westzonen trotz der Ablehnung seitens der Sowjetunion eine Demokratisierung an und trafen durch die Annahme des Marshallplans und die Währungsreform die Entscheidung für den Kapitalismus und somit die Soziale Markwirtschaft.

Die sowjetischen Mächte betrachteten ihre Zone eher als "Sprungbrett für die Bolschewisierung Westeuropas". Sie richteten ihre Reformen und Entscheidungen auf den Sozialismus mit Einparteienherrschaft der SED und Planwirtschaft aus. Die, aufgrund ihrer Gegensätzlichkeit unvereinbaren, Positionen und angestrebten Ziele zum Staatsaufbau wie auch die Einstellung zur Ausrichtung der Wirtschaft der Westmächte und der Sowjetunion waren der Grund dafür, dass es nach 1945 keine realistische Chance zur Wiedervereinigung gab.

Nach der Gründung der beiden Teilstaaten, fand aufgrund der Weiterverfolgung ihrer bisherigen gegensätzlichen Ziele eine Integration in unterschiedliche Blöcke statt. Durch die Aufnahme in die NATO und Mitgliedschaft in der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft sprach man von einer Westintegration der BRD. Die diplomatischen Beziehungen zu der UdSSR sowie die Aufnahme in den Warschauer Pakt führten zu einer Ostintegration der DDR.

Die Teilung Deutschlands wurde durch den Bau der Berliner Mauer so stark manifestiert und zementiert, dass sogar heute noch, rund 40 Jahre später, die Folgen spürbar sind.

Einerseits die wirtschaftlichen und sozialen Folgen, die auf die unterschiedliche Entwicklung der Wirtschaft in den beiden Teilstatten zurück zu führen sind. Unter dem Aspekt der Wirtschaftskraft verglichen, stellt man fest, dass die Produktivität in Westdeutschland stärker ausgeprägt, das Bruttoinlandsprodukt in Ostdeutschland wesentlich geringer ist. Aufgrund der höheren Arbeitslosenquote in Ostdeutschland und dem häufig vorkommenden unterdurchschnittlichen Einkommen der Erwerbstätigen fallen auch die Wohnverhältnisse bescheidener aus. Während in Westdeutschland ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Mietern und Eigentümern besteht, lebt in Ostdeutschland drei Viertel der Bevölkerung zur Miete. Die schlechtere ökonomische Lage in den neuen Bundesländern führt zum Gefühl der Benachteiligung bei den Ostdeutschen, während die Westdeutschen diese Situation nur auf Faulheit zurückführen. Aus diesen Gefühlen und Einstellungen entstehen Vorurteile, die das deutsche Volk erneut spalten. Trotz des Falls der Berliner Mauer und der Wiedervereinigung, ist aufgrund der durch die Teilung Deutschlands hervorgerufenen sozialen Ungleichheit zwischen Ost und West, die Mauer in den Köpfen der Menschen erhalten geblieben.

4. Anhang

Quellenverze ichnis

-"Geschichte in der Gegenwart" Peter Schade und Hans-Joachim Stark
-"Deutsche Geschichte von 1945 bis zur Gegenwart" Horst Pötsch
-"Geschichtskurs- Deutschland seit 1945" Harald Schneider
-"Geschichtsbuch Oberstufe" Band 2 Cornelsen Verlag
-"Von der Französischen Revolution bis zur Gegenwart" dtv- Atlas Weltgeschichte Band 2
-"Weltgeschichte im Überblick" Buch und Zeit
-"Deutschland 1945-1949 Besatzungszeit und Staatengründung" Informationen zur politischen Bildung
-"Encarta 1999"
-Internet: www.wissen.de und www.dhm.de
-Unterlagen aus dem Sozialkundeunterricht 11/

Details

Seiten
14
Jahr
2000
Dateigröße
356 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v105969
Note
sehr gut
Schlagworte
Entstehung Staaten Teilung Deutschlands

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