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Dürrenmatt, Friedrich - Justiz

Referat / Aufsatz (Schule) 2001 8 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Literaturarbeit zu Friedrich Dürrenmatts Justiz

Überblicksinformationen

Autor: Friedrich Dürrenmatt Titel: Justiz

Textart: Kriminalroman

Thema: Aufklärung eines Mordes Epoche: Moderne

Stoff, Inhalt, Aufbau

Stoff: Der Stoff des Buches ist, wie der Titel schon sagt, die Justiz und ihre Irrtümer.

Inhaltswiedergabe:

Zu Beginn des Buches wird beschrieben, wie unsere handelnde Person, Felix Spät, am Flughafen aus einem Auto springt mit entsichertem Revolver. Sein Ziel ist den Kantonsrat Dr. h.c. Isaak Kohler zu erschiessen. Doch der Kantonsrat sitzt schon im nächsten Flugzeug nach Australien. Nun beginnt Spät die Vorgeschichte für seinen versuchten Mord zu erzählen. Die ganze Erzählung ist ein Bericht, den Spät fortlau- fend verfasst. Spät ist im Restaurant “ Du Théatre“ einige Jahre zuvor zum ersten Mal auf den Kantonsrat Dr. h.c. Isaak Kohler getroffen. Dieser war in Begleitung von Dr. Benno und Professor Winter. Spät hatte gerade sein Anwaltspatent erhalten und arbeitet für den Staranwalt Stüssi- Leupin als besserer Laufbursche. Er muss seinem Chef einen Bericht ins “Du Théatre“ bringen. Dort kommt er mit Kohler ins Gespräch. Dieses Treffen bezeichnet Spät im nachhinein als Beginn seines Unglücks.

Spät entdeckt sofort die Leidenschaft des Kantonsrats: Billard spielen. Kohler zeigt Professor Winter, wie er Dr. Benno beim Billard besiegen sicher besiegen kann, nämlich à la bande.

Drei Jahre später erschiesst Kohler den Professor Winter im “Du Théatre“. Sein Motiv wird nie aufgeklärt. Auch die Tatwaffe wird nie gefunden. Der Kantonsrat wird zu 20 Jahren Haft verurteilt. Seine Verhaftung wie seine Verurteilung nimmt Kohler mit Ge- lassenheit auf.

Im Gefängnis lässt er den jungen Anwalt Spät zu sich kommen. Er gibt ihm den Auftrag, den Fall zu untersuchen unter der Annahme ein anderer sei der Mörder. Spät wittert zwar eine Falle, doch da er sich vor kurzer Zeit selbstständig gemacht hat, ist er auf den Auftrag angewiesen. Dies weiss Kohler genau. Auf Späts Frage warum er sich an ihn gewandt habe, antwortet der Kantonsrat gelassen “Weil Sie nichts von Billard verstehen“ ( Dürrenmatt S. 56 ). Mit Hilfe des Privatdetektiv Fredi Lienhard stösst Spät schnell auf Dr. Benno und seine Geliebte Daphne Müller, die sich als die Multimillionärin Monika Steiermann ausgibt.

Die wenigsten Leute wissen, dass Daphne für Monika Steiermann arbeitet. Die ech- te Monika Steiermann hat aufgrund einer körperlichen Behinderung die Grösse einer Vierjährigen. Sie lässt Daphne das Leben führen, das sie selbst nicht führen kann. Dr. Benno ist mit der echten Monika Steiermann verlobt. Er hat 20 Millionen ihres Vermögens verspielt. Professor Winter weiss, was Benno getan hat, erzählt es der echten Monika Steiermann. So hätte Dr. Benno ein Motiv Winter zu erschiessen. Als dies öffentlich bekannt wird, sind alle von Bennos Schuld überzeugt. Das ganze führ- te zu einem Revisionsprozess. Spät ist weiterhin von der Unschuld Bennos über- zeugt und erkennt nun in welche Falle er getreten ist. Er verkauft seine Unterlagen an Stüssi - Leupin, welcher Kohler im Revisionsprozess vertritt. Spät möchte nun Dr. Benno vor Gericht verteidigen. Doch dieser erhängt sich noch vor dem Prozess in Späts Büro, was von Stüssi - Leupin als Schuldbekenntnis interpretiert wird. Stüssi - Leupin schafft es, dass Kohler freigesprochen wird. Spät will, um die Gerechtigkeit wieder herzustellen, Kohler ermorden und darauf Selbstmord begehen, doch es ge- lingt ihm nicht. Er endet als Dorfrichter im Stüssi Tal. Durch Nachforschungen eines Schriftstellers, der die Geschichte in einem Buch festhalten will, wird das wahre Motiv des Mordes aufgeklärt. Hélène, die Tochter Kohlers, wurde von Winter, Benno und Daphne auf Veranlassung der Steiermann vergewaltigt. Kohler rächt sich, indem er alle direkt oder indirekt umbringen lässt. Daphne ist schon während Kohlers Haft auf unerklärliche Weise umgebracht worden, Monika Steiermann ist erst Jahre später getötet worden. Seine persönlichen Interessen spielten ebenso eine wichtige Rolle wie die Vergewaltigung Hélènes.

Verknüpfungen:

Die Verknüpfungen in dem Werk Justiz basieren auf dem Prinzip der Leitmotivik. Durch die Hauptperson Felix Spät und den Mord Kohlers, sowie dessen Aufklärung durch Spät, wird die Handlung und die Personen zu einem einheitlichem Ganzen verknüpft. Zur Aufklärung des Mordes gehört auch Kohlers Auftrag, welcher deutliche Beispiele liefert.

Beispiel:

Durch den Auftrag, den Kohler Spät erteilt kommen neue Personen wie Fredi Lienhard, seine Agenten, Daphne, Monika Steiermann und eine Reihe weniger bedeutender Charaktere in die Erzählung hinein. Der Auftrag führt auch zu Bennos Tod und Kohlers Freispruch.. Hier erkenne ich klare Verknüpfungen.

Erzähler und Erzählstrategie

Erzählform:

Die ersten zwei Akte werden in der Ich - Form des Rechtsanwaltes Spät beschrieben. Den dritten Akt erzählt ein Schriftsteller aus Neuchâtel (wahrscheinlich Dürrenmatt selbst) auch wieder in der Ich - Form. Spät und der Schriftsteller sind fiktive Erzähler, die Dürrenmatt in dem Werk einsetzt.

Erzählperspektive

Standort Späts:

Spät wird als junger Rechtsanwalt durch den Auftrag Kohlers in die Geschichte ver- wickelt. Durch seine Nachforschungen untersucht er das Geschehene. Er wird auf diese Weise mit den handelnden Personen konfrontiert. Er erzählt die Geschichte aus der Aussenperspektive, denn er berichtet fast nur äusserlich Wahrnehmbares, wie zum Beispiel das Auftreten oder Das Aussehen der Personen. Ohne Kohlers Auftrag wäre er mit vielen Personen nie in Kontakt gekommen.

Haltung Späts:

Durch den Auftrag Kohlers kann Spät seinen Ruf und seine Anwaltskanzlei aufbessern. Er nimmt den Auftrag, obwohl er ihn von Anfang an sinnlos findet und eine Falle wittert, nur wegen seiner finanziell schlechten Lage an. Ihm ist gar nicht bewusst, auf was er sich einlässt. Als Spät aber bemerkt, was er mit dem Auftrag bewirkt, will er damit nichts mehr zu tun haben und Benno vor Gericht verteidigen. Er stellt sich selbst auch die Frage nach der Schuld an Bennos Suizid.

Formen des Erzählverhaltens:

“Justiz “ wird in der Ich - Erzählung erzählt. Sie beinhaltet auch das auktoriale Erzählverhalten, denn die Erzählung Späts ist in Form von Berichten, die er distanziert zum Geschehen schreibt. Zum Teil kommt es zu Unterbrechungen, indem er kurz von der Zukunft erzählt oder etwas aus dem Bericht kommentiert.

Darbietungsformen:

Das Buch Justiz beinhaltet sowohl den Erzählerbericht als auch die Personenrede. Wie schon erwähnt wird die Handlung der ersten zwei Akte in Späts Berichten wie- dergegeben. In seinen Berichten schildert er die Handlungen nicht im chronologi- schen Ablauf, sondern in der Reihenfolge, wie im das Geschehene wieder einfällt. Die Formen der Personenrede im Buch bestehen meistens aus der direkten Rede. Diese werden von Spät in seinen Berichten eins zu eins nacherzählt, als würden sie gleich stattfinden. Die direkten Reden werden im Bericht Späts lediglich durch Rede- ankündigungen erweitert.

Figuren

Figuren: Spät, Dr. h. c. Isaak Kohler, Hélène Kohler, Lucky, Henry Zuppey auch der Marquis genannt, Giselle, Jämmerlin, Lienhard, Daphne Müller, Monika Steiermann, Professor Winter, Dr. Benno, Kommandant, Fanter, Schönbächler, Feuchting, Stüssi

- Leupin, Mock, Minister B, Leutnant Herren, Untersuchungsrichter Hornusser, Stu- ber von der Sittenpolizei, Oberrichter Jegerlehner, Wärter Möser, Wärter Brunner, Herr und Frau Knulpe, Architekt Friedli, Nachfolger Jämmerlins: Joachim Feuser, Kohlers Privatsekretär, Präsident Professor Eugen Leupinger, Vizepräsident Stoss, Hoteldirektor Pwseoli, Cuxhafen, Lüdewitz, Nationalrat Äschisburger, Ilse Freude, Orchideen - Noldi, Noldis Rechtsanwalt Wicherten, Sektenprediger Simon Berger, Schriftsteller aus Neuchâtel

Felix Spät:

Spät ist ein junger Rechtsanwalt, der gerade sein Anwaltsdiplom erhalten hat. Er hat früher für den Staranwalt Stüssi - Leupin gearbeitet und hat sich gerade selbststän- dig gemacht, aber er bekommt keine Aufträge. Spät besitzt eine sehr idealistische Vorstellung von Recht und Gerechtigkeit. Er wird im Verlauf des Buches einer Wand- lung unterzogen; seine Einstellung gegenüber Gerechtigkeit und Justiz als die rechtssprechende Gewalt ändern sich. Seine frühere Einstellung wird deutlich in Äusserungen wie: “ Ich wollte damals noch sauber durch die Welt kommen, sehnte mich nach wirklichen Prozessen, nach Möglichkeiten, den Menschen zu helfen“ (Dür- renmatt S. 57). Seine späteren Aussagen beinhalten oft Kritik an der Justiz. Das aus- lösende Moment für seine ideologische Wandlung ist der Auftrag Dr. h.c. Isaak Koh- lers. Er, als unerfahrener und jüngster Anwalt der Stadt, wird für diesen Auftrag von Kohler ausgewählt. “ Weil er nichts von Billard versteht “. Obwohl Spät eine Falle wit- terte, sagte wegen seiner finanziell schlechten Lage zu. Als er erkennt, was er mit seinem Auftrag bewirkt, ist es wie sein Name schon sagt, zu spät. Er lenkte vom schuldigen Kohler auf den unschuldigen Benno ab. Spät verkauft seine Recherchen an Stüssi - Leupin, “lebt vom Alkohol und verkehrt im Prostituierten - Milieu“. Als Kohler schliesslich noch frei gesprochen wird, erkennt Spät, dass Gerechtigkeit und Justiz sich nicht entsprechen. So steht auch zu Beginn in seinem Bericht: “Ich will noch einmal die Chancen ausloten, die der Justiz noch bleiben“ (Dürrenmatt S. 9). Er sieht die einzige Chance die Gerechtigkeit wiederherzustellen, Kohler zu ermorden und darauf Selbstmord zu begehen. Dies gelingt ihm aber nicht und er endet als Dorfanwalt im Stüssi - Tal, wo er nach etlichen Jahren stirbt.

Erst am Schluss des Buches wird durch die Aufklärung Hélènes viele Jahre später klar, dass Spät es nicht schaffte den Kantonsrat zu erschiessen. In seinen Berichten schreibt er von einen erfolgreichen Mord an Kohler.

Obwohl Spät weiss, dass die Wahrheit von der erzählenden Person subjektiv geprägt ist “ Jeder Zeuge neigt dazu, dem Erlebten unbewusst Erfundenes beizumischen“ (Dürrenmatt S. 141), “Was ist die Wahrheit hinter der Wahrheit?“ (Dürrenmatt S. 124), erzählt er keine objektive sondern seine Wahrheit.

Dr. h. c. Isaak Kohler

Dr. h. c. Isaak Kohler ist ein sehr reicher und mächtiger Mann. Er ist einer der Kan- tonsräte der Stadt Zürich. ( “ Der Kantonsrat ist das Parlament des Schweizer Kan- tons Zürich und besteht aus 180 vom Volk auf vier Jahre gewählten Mitgliedern “).1 Das heisst er ist auch politisch aktiv. Sein Verhalten wird oft als gelassen beschrie- ben. ’ Weil sie nichts von Billard verstehen ’ “antwortete er gelassen“ (Dürrenmatt S. ). Sogar beim Mord wird seine Gelassenheit deutlich: “ Kohler zog einen Revolver hervor und schoss das Mitglied des PEN - Clubs nieder, nicht ohne vorher freundlich gegrüsst zu haben ( überhaupt spielte sich alles aufs würdigste ab) ging dann gelas- sen [ ... ] hinaus[ ... ] ( Dürrenmatt S. 17). Auch seine Strafe akzeptiert er; ja er ist sogar glücklich im Gefängnis. Dies weckt den Verdacht, dass er etwas sehr wohl- überlegtes und geplantes tut, denn ein Mann seiner Position sitzt sicherlich nicht aus purem Vergnügen im Gefängnis. Auch dass er kein Motiv für den Mord angibt, ist äusserst merkwürdig. Erschafft es dem zuerst sinnlos scheinenden Auftrag Späts aus dem Gefängnis zu kommen und die Schuld Dr. Benno zu zuweisen. Dies führt zum Selbstmord Bennos. Dass alles von vorne herein geplant war wird durch folgen- de Aussage deutlich. “ Hätte ich [ Spät ] ihm [ ... ] die Recherchen abgeliefert statt an Stüssi - Leupin verkauft, so hätte Benno auch ohne Prozess am Lüster gebaumelt [ ... ] “ (Dürrenmatt S. 178). Über Kohlers Mord bestehen zwei Theorien; eine von Spät und eine von Stüssi - Leupin. Spät ist der Ansicht, dass Kohler gemordet hat um zu beobachten, um Gott zu spielen. Kohler würde die Gesellschaft mit einer Bil- lardpartie vergleichen: Er ist der Spieler der sowohl mit den Kugeln als auch mit den Menschen spielt. Stüssi - Leupin ist da anderer Meinung. Er meint, dass Kohler Win- ter erschossen hat, um Benno zu erledigen. Kohler sagte ja, dass man den Benno â la bande schlagen muss. Benno hätte im Gegensatz zu Kohler ein Motiv. Späts Auf- trag würde dies belegen und Benno wäre plötzlich der Schuldige. Stüssi - Leupin meint, dass Kohler dies getan habe, weil Benno eine Gefahr für die Geschäfte der Steiermann, die Kohler kontrollieren würde, wäre. Doch zum Schluss stellte sich her- aus, dass er nur seine Tochter rächte, welche von Winter, Benno, Daphne und der Steiermann vergewaltigt wurde. Seine persönlichen Interessen spielten eine nicht unbedeutende Rolle.

Stüssi - Leupin

Er ist der Staradvokat der Stadt sowie der ehemalige Arbeitgeber von Spät. Er ist bekannt dafür Leute aus den Klauen Jämmerlins zu retten. Er erzählt Spät, dass er früher ein Bauernanwalt im Stüssi- Dorf war. Er tat dies “ nicht um die Justiz in dieses einzuführen sondern um sie von ihm fernzuhalten “ ( Dürrenmatt S. 165 ). Er ist der Ansicht, dass ’ ein Bauer [ ... ] oder eine Bäuerin [ ... ] nützen auf ihren Höfen mehr als im Gefängnis. Leere Gefängnisse kosteten den Staat weniger als volle.’ ( Dür- renmatt S. 165 ). Stüssi - Leupin hängt vor Gericht Benno den Mord an Winter an. Er weiss zwar, dass seine These nicht der Wahrheit entspricht aber, dass diese These der Justiz einleuchten wird und realistischer als die Wahrheit ist. ’ Ihre These wird kein Mensch abnehmen, sagte ich [ Spät ]. Die Wahrheit wird kein Mensch abneh- men, antwortete er. Kein Richter, kein Geschworener, nicht einmal Jämmerlin. Sie [ Wahrheit ] spielt sich in Etagen ab, die für die Justiz unerreichbar sind. Die einzige These die der Justiz einleuchten wird [ ... ] ist die, dass Benno der Mörder ist ’ ( Dür- renmatt S. 171 ). Als Spät zu ihm sagt, dass Benno unschuldig ist meint Stüssi - Leupin nur: ’ Stört sie das ’ ( Dürrenmatt S. 171 ) Er behauptet, dass Bennos Un- schuld auch nur eine These ist und Benno der einzige ist, der den Revolver hätte verschwinden lassen können. Stüssi - Leupin sagt noch zu Spät er solle den Revisi- onsprozess führen, doch Spät verkauft ihm seine Unterlagen.

Vor Gericht schiebt Stüssi - Leupin Benno die Schuld zu und holt Kohler aus dem Gefängnis. Er kümmert sich mehr um seine eigenen Ruhm als um die Gerechtigkeit.

Raumgestaltung

Position des Erzählers

Dadurch dass Spät der Erzähler der Geschichte in der Ich - Form ist und er jeden Raum aus seinem Blickwinkel vor Ort beschreibt bekommt jeder Raum, wenn er ihn überhaupt beschreibt eine subjektive Beschreibung durch Spät. Spät ist also direkt in den Räumen drin, die er beschreibt.

Raummotive

Gärten: Im Buch werden zwei Gärten beschrieben. Beide sind als “ Zugang zu einer geheimnisvollen Welt “ zu verstehen. Doch ist der Garten von Kohler genau gegen- sätzlich zum Garten der Steiermann beschrieben. Kohlers Garten ist im alten Stil an- gelegt, gepflegt, strukturiert und gejätet. Seine Hecken sind kunstvoll zugeschnitten. In seinem Garten befinden sich Statuen nackter Götter und ein gravitätsiches Pfau- enpaar. Der Garten befindet sich mitten in der Stadt. Hingegen jener der Steiermann wird als verwilderter Park am Stadtrand beschrieben. “ Ihr Park war ungepflegt, die Wege ungejätet, die Springbrunnen vermoost, dazwischen urwäldliche Partien, alles besetztmit Gartenzwergen“ ( Dürrenmatt S. 127 ). Das Erscheinungsbild des Gartens wiederspiegelt das Verhalten und die Handlungen der Personen: Kohlers Erschei- nungsbild ist wie das seines Gartens, äusserst gepflegt, seine Handlungen bestens durchdacht und seine Denkweise sehr strukturiert. Die Götterstatuen symbolisieren, was Spät an Kohler schon beobachtete, dass er sich mit Gott gleichsetzt.

Der Park der Steiermann ist ungepflegt, wie die Vergewaltigung Hélènes, die sie angeordnet hat. Die vielen Gartenzwerge entsprechen ihrer Welt, in welche sie sich zurückzieht. Sie symbolisieren nicht nur ihre körperliche Grösse sondern vielleicht auch die Reife ihres Verhaltens.

Sehr merkwürdig ist, dass Spät und der Schriftsteller den Garten Kohlers genau gleich wahrnehmen, dasselbe spüren und ihn sogar mit den gleichen Worten be- schreiben.

Zeitgestaltung

Im Buch die Justiz ist der Leser einem ständigen Wechsel des Verhältnis von Erzähl- zeit und erzählter Zeit ausgesetzt. Dies geschieht vor allem durch den Wechsel von genauen Beschreibungen auf eine direkte Rede. Die genauen Beschreibungen sind oft Dehnungen, welche dazu führen, dass die Erzählzeit grösser ist als die erzählte Zeit.

Beispiel eines Solchen Wechsels:

“ Der Alte lachte. ’ sie werden noch ihre Wunder erleben. [ ... ] - ’ Spielen sie Billard?’ Ich verneinte. ’ Ein Fehler ’ sagte er, betrachtete mich auf neue nachdenklich, die grauen Augen voller Verwunderung, doch ohne Spott, wie es schien, humorlos und hart [ ... ] “ ( Dürrenmatt S. 14 )

Es kommt auch vor, dass die Erzählzeit kleiner ist als die erzählte Zeit. Das treffendste Beispiel ist hier wie Spät nach der ersten Begegnung mit Kohler gleich “ drei Jahre später “ ( Dürrenmatt S. 15 ) den Mord beschreibt.

Rückwendungen

Im Prinzip wäre das ganze Buch eine Rückwendung, denn Spät beschriebt in seinen Berichten von seinem Standort aus die Vergangenheit. Trotzdem lassen sich auch in seinen Berichten Rückwendungen finden:

Beispiel einer eingeschobenen Rückwendung

’ Verwandt mit Oberst Spät ? ’ [ ... ] ’ Kaum’ antwortete ich. ( um diesen Punkt ein für allemal zu erledigen: Ich bin 1930 geboren. Meine Mutter, Anna Spät, habe ich nicht gekannt, mein Vater ist unbekannt ’ ( Dürrenmatt S. 13 ) ein aufbauende Rückwendung habe ich gefunden, als Spät die ganze Familienchro- nik der Steiermann erzählt. Es wird klar, woher der Reichtum der Steiermann kommt.

Vorausdeutungen

Währen Spät die Berichte verfasst, stellt er immer wieder Zukunftsvisionen auf. Er glaube, dass er Kohler erfolgreich getötet habe und in der Leichenkammer neben ihm liege. In seiner ersten Ansprache an den Staatsanwalt schreibt Spät: “ Eben haben Sie [ Staatsanwalt Feuser ] mich ordnungshalber in der Leichenhalle besichtigt, [ ...] der Sebstmord ist sauber durchgeführt, das müssen Sie zugeben, aber auch bei Kohler habe ich kunstgerechte Arbeit geleistet, es sieht sehr feierlich aus, wir beide so nebeneinander “ ( Dürrenmatt S. 74 )

Bis der Leser das Buch zu Ende gelesen hat weiss er nicht, ob diese und ähnliche Vorausdeutungen Späts wirklich eintreffen. Als der Kommandant einige Jahre später das Misslingen von Späts versuchtem Mord erzählt, wird dem Leser bewusst, dass es sch hier um zukunftsungewisse Vorausdeutungen handelt.

Sprache und Stil

Wortwahl

Ein Schlüsselwort, dass sehr oft von Spät gebraucht wird, ist die “ Wahrheit “. Dieses Wort erhellt ein weiteres Thema des Buches, denn die Wahrheit interessiert nieman- den, nicht einmal die Justiz ( Siehe Zitat Stüssi - Leupin ). Obwohl Kohler Winter vor vielen Zeugen erschossen hatte, wird er im Revisionsprozess freigesprochen.

Das Wort Billard taucht auch sehr oft auf. Dies zeigt Kohlers Spiel mit der Justiz. Er ist der Spieler, die Kugeln sind die Gesellschaft, der Tisch ist die Welt. Genau so wie er im “ Du Théatre “ Dr. Benno besiegte, schlug er ihn auch in Wirklichkeit, à la ban- de. Genau so wie er die vier Morde auf dem Billardtisch plante, so führte er sie aus. Spät hatte also völlig recht, dass Billard für Kohler ein Modell der Realität ist.

Details

Seiten
8
Jahr
2001
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v105870
Note
Schlagworte
Dürrenmatt Friedrich Justiz

Autor

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Titel: Dürrenmatt, Friedrich - Justiz