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Methoden der Innenpolitik eines totalitären Systems Vergleich Hitler - Stalin

Referat / Aufsatz (Schule) 2000 39 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Vorwort

2 Methoden der Innenpolitik Deutschlands unter Hitler
2.1 Vom Weimarer System zum Führerstaat
2.1.1 Kombination von Gesetz und Terror
2.1.2 Politische und rassische Säuberungen
2.1.3 Aufhebung des Rechtsstaat
2.2 Konsolidierung des Führerstaates
2.2.1 Führerprinzip und Dualismus Staat - Partei
2.2.2 Terror und SS
2.2.3 Bekämpfung des „inneren Feindes“
2.2.4 Mobilisierung und Verführung
2.3 Krieg und Untergang

3 Methoden der Innenpolitik der UdSSR unter Stalin
3.1 Von der kollektiven Herrschaft zum Totalitarismus
3.1.1 Bürokratie und Verwaltung
3.1.2 Ausschaltung der Oppositionen
3.2 „Sozialismus in einem Lande“
3.2.1 Kollektivierung und Industrialisierung
3.2.2 Schauprozesse und Säuberungen
3.2.3 Propaganda und Personenkult
3.3 „Großer Vaterländische Krieg“ und Spätstalinismus

4 Vergleich
4.1 Ausgangssituation
4.1.1 Position der Partei im Staat
4.1.2 Position Hitlers bzw. Stalins in der Partei
4.1.3 Ideologie
4.2 Erlangen der Monopolstellung
4.2.1 Ausschaltung der Rivalen
4.2.2 Scheinlegalität und Scheinlegitimierung
4.3 Totalitarismus
4.3.1 Herrschaft
4.3.2 Unterdrückung
4.3.3 Organisation
4.3.4 Manipulation
4.3.5 Ideologische Aspekte
4.4 Der „totale Staat“ im „totalen Krieg“
4.5 Zusammenfassung

5 Schlussbemerkung

6 Anmerkungen

7 Literaturverzeichnis

1 Vorwort

Man kann den Begriff des totalitären Systems nicht als Schablone verwenden, in der jede Kleinigkeit genau analysiert und vorgeschrieben ist, und somit keine perfekte Charakteristik über ein solches System erstellen.

Genauso wie es bei dem Begriff der Demokratie eine Vielzahl von unterschiedlichen Ausrichtungen, wie etwa eine Präsidialdemokratie oder eine Parlamentarische Demokratie, mit bestimmten grundlegenden Gemeinsamkeiten und außerordentlichen Unterschieden gibt, so ist es bei totalitären Systemen.

Bestimmte Grundzüge sind natürlich bei solchen Systemen vorhanden, doch schon die Anwendung bestimmter Methoden oder die Anzahl solcher Anwendungen weisen gewisse Unterschiede innerhalb der Systeme vor. Exemplarisch lassen sich die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der totalitären Systeme am deutlichsten in der Innenpolitik solcher Systeme aufzeigen. Durch den starken innenpolitischen Bezug der Ideologien wird mehr Eingriff auf das Leben der eigenen Bevölkerung ausgeübt als auf das Leben anderer, wenn man vom Kriegsfall absieht.

Ebenso kann man die grundlegenden Ausrichtungen totalitärer Systeme an einem Ver- gleich der scheinbar gegensätzlichen Systeme des nationalsozialistischen Deutschlands und der Sowjetunion zur Zeit Stalins belegen. Trotz völlig unterschiedlicher Ideologie und andersartigem Systemaufbau lässt sich vorgreifend sagen, dass weiterhin Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede in den Methoden der Machtausübung bestehen. In dieser Arbeit soll nun eine solche Auswertung der innenpolitischen Methoden der Machtausübung beider Systeme erfolgen und dadurch Gemeinsamkeiten und Unter- schiede von totalitären Systemen aufgedeckt werden, um entweder ein einheitliches Profil der Methoden zu erstellen oder jeder Ausrichtung ihre eigenen Methoden zuzu- ordnen.

Ich habe bei der Darlegung der Methoden der einzelnen Systeme eine Gliederung der Methoden nach ihrer Anwendung im chronologischem Sinne benützt, um dadurch die Unterschiede innerhalb des jeweiligen Systems deutlicher beschreiben zu können.

2 Methoden der Innenpolitik Deutschlands unter Hitler

2.1 Vom Weimarer System zum Führerstaat

Das totalitäre System der Nationalsozialisten baute sich langsam ab dem 30. Januar 1933, dem Tag der „Machtergreifung“ auf. Es war keineswegs ein Unterfangen, das von heute auf morgen abgeschlossen wurde.

2.1.1 Kombination von Gesetz und Terror

„Während der nächsten eineinhalb Jahre gelang es der Hitlerbewegung sowohl durch (schein-)legale wie durch offen gewalttätige Aktionen, ihre Widersacher auszuschalten und die politische Verfassung des Deutschen Reiches umzustürzen.“ (1 ) In der Zeit der totalen Machteroberung, die mit der Übertragung des Amtes des Reichspräsidenten auf Hitler endete, gewann die „Mischung von pseudolegalen Verordnungsakten der Regie- rung mit revolutionärer Drohung und terroristischem Druck“ (2 ) eine herausragende Be- deutung. Letzteres zeigte sich in den Wahlkämpfen vor der „Machtergreifung“ und besonders in dem Wahlkampf zur Reichtagswahl am 5. März 1933. Durch die Besetzung der Innenministerien von Reich und dem Land Preußen mit Nationalsozialisten konnte Hitler legal auf die Polizei, die mit SA- und SS-Truppen verstärkt wurde, zurückgreifen und mit dem sog. „Schießbefehl“ Görings „kam der nationalsozialistische Terror (...) zu voller Entfaltung“. (3 ) Diese Bindung der Polizei, als Teil der Exekutive, an den Willen der Reichsregierung ist der Anfang des, für die Nationalsozialisten charakteristischen, „Aufbau außernormativer, verfassungsmäßig nicht umgrenzter, nur der Willkürherrschaft der politischen Führung dienender Exe- kutivorgane.“ (4 )

Die Legalisierung dieses Terrors gegen Regimegegner bzw. politische Gegner, hier vor allem Kommunisten, wurde mit Hilfe der „Reichstagsbrandnotverordnung“, die auf ver- fassungsmäßigem, legalem Wege zustande kam, besiegelt. Mit dieser formal legalen Verordnung ist „die Basis für den permanenten Ausnahmezustand [gegeben worden] und [sie] wurde gnadenlos zur Terrorisierung der Bevölkerung und zur Bekämpfung der Regimegegner (...) benutzt“. (5 ) Neben dieser Verordnung sicherten noch weitere legale Gesetze bzw. Verordnungen den Machtausbau der Nationalsozialisten. Mit dem „Ermächtigungsgesetz“, dem Verbot der SPD, dem „Gesetz gegen die Neubildung von Parteien“ und der Übertragung des Amtes des Reichspräsidenten auf die Person Hitler, wurde der Einparteienstaat der NSDAP errichtet. Auch die „Gleichschaltung“ der Län- der wurde „in zwei rasch aufeinanderfolgenden legislativen Akten (...) besiegelt“. (6 )

Bei Widerstand der Landesregierungen übten die Nationalsozialisten mit „Mobilisie- rung der SA, Ultimaten an die bestehenden Regierungen, Terror und Erpressung“ (7 ) Druck aus.

Ein weiterer Aspekt der Kombination von scheinlegalen Regierungsmaßnahmen und Terror ist die Täuschung der konservativen Parteien und der Gewerkschaften. Jene wur- den durch die pompöse Inszenierung des „Tags von Potsdam“ und diese von der per- fekten propagandistischen Ausarbeitung des „Tages der nationalen Arbeit“ am 1. Mai 1933 geblendet. Diese Irreführung der konservativen Parteien brachte sie dazu, sich der Stimme zur Verabschiedung des „Ermächtigungsgesetzes“ zu enthalten oder dafür zu stimmen, und dadurch den Nationalsozialisten einen weiteren Schritt zum totalen Staat zu verschaffen. Bei den Gewerkschaften „wandten die neuen Machthaber erneut ihre bewährte Doppelstrategie von ‚Zuckerbrot und Peitsche‘ an“. (8 ) Am Tag nach der Feier besetzten SA- und SS-Truppen Gewerkschaftshäuser, beschlagnahmten Gelder und ließen die Gewerkschaftsführer verhaften.

2.1.2 Politische und rassische Säuberungen

Ebenso wichtig für die Kontrolle über den Staat war neben der Ausschaltung der po- litischen Rivalen und Konkurrenten der absolute Zugriff auf Polizei und Bürokratie. Die „Gleichschaltung“ der Polizei begann schon mit den Ernennungen Görings zum Innen- minister von Preußen und Fricks zum Innenminister des Reiches. Parallel zur „Gleich- schaltung“ der Länder wurde die Polizeigewalt der Länder zumeist „in die Hände von SA-Führern als Polizeikommandeuren“ (9 ) gelegt. Die politische Polizei, die spätere Gestapo, wurde von Himmlersßübernommen. Vergleichbar ging man bei der Büro- kratie vor. „Die durch das ‚Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums‘ vom 7. April 1933 legalisierten politischen und rassischen ‚Säuberungen‘ trugen dazu bei, aus der Staatsbürokratie ein gefügiges Instrument der neuen Machthaber zu machen.“ (10 ) Jene Säuberungen verliefen unblutig, wie jede, welche die Nationalsozialisten im Zuge ihres Machtausbaus bzw. Machterhalts durchführten, mit Ausnahme des sog. „Röhm-Putsches“. Hier beseitigte Hitler einen innerparteilichen Rivalen, der seinen absoluten Machtanspruch durch die starke Stellung der SA bedrohte. Doch durch die Ermordung von Röhm und seinen Anhängern entledigte sich Hitler nicht nur von einem unliebsamen Konkurrenten, sondern band auch das Militär näher an ihn. Zusätzlich erhielten die Nationalsozialisten mehr Sympathie aus der Bevölkerung, da die SA wegen ihrem Terror nicht sonderlich beliebt war. Gerechtfertigt wurde diese Mordaktion durch das „Gesetz über Maßnahmen der Staatsnotwehr“. „Darin wurden die begangenen Verbrechen schlicht als Staatsnotwehr für rechtens erklärt.“ (11 ) Weiterhin ernannte sich Hitler zum Obersten Gerichtsherrn. „Die Willkür des Diktators wurde damit zum Gesetz erhoben, Rechtsgleichheit und Rechtssicherheit in Deutschland, ohnehin durch Sondergerichte und Terrormaßnahmen auf der Notverordnungsbasis bereits erheblich eingeschränkt, waren endgültig beseitigt.“ (12 )

2.1.3 Aufhebung des Rechtsstaats

Mit diesem Gesetz endete die langsame Zerstückelung des geltenden Rechts und der Rechtsstaatlichkeit des Deutschen Reiches. Begonnen hatte sie mit der „Reichstags- brandnotverordnung“, in der eventuelle Widerstandshandlungen, wie Sabotage, Brand- stiftung u.ä., mit „drakonische[n] Strafandrohungen und Strafverschärfungen gegenüber dem bisher geltenden Recht“ (13 ) belegt wurden. Darüber hinaus wurde zeitgleich mit dem „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ eine Säuberung der Rechtsanwaltschaft durch das „Gesetz über die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft“ durchgeführt. „Der Euphemismus der Titel ist charakteristisch für viele nationalsoziali- stische Gesetze, deren ‚positive‘ Überschrift selten die furchtbaren Maßnahmen erken- nen ließ, die sie ermöglichten.“ (14 )

Hitlers Machteroberung und seine „Legale Revolution“ endeten mit dem „Gesetz über das Oberhaupt des Deutschen Reiches“, „das die Ämter des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers vom Zeitpunkt [des Todes Hindenburgs] vereinigte“. (15 ) Dadurch wurde ermöglicht, dass sich die Reichswehr, ein weiteres Exekutivorgan neben Polizei und Bürokratie, auf Hitler persönlich vereidigte und ihm somit den absoluten Herr- schaftsanspruch über das deutsche Volk in die Hand gab. Hiermit war die Umwandlung des „Weimarer Systems“ über einen „Maßnahmenstaat“ bis hin zum „Führerstaat“ vollzogen. Hitler selbst erklärte nun die Revolution für beendet, die durch die herausragende Methode der Scheinlegalität, des staatlich gelenkten und willkürlichen Terrors der SA und des ungeheuren Propagandaapparates Goebbels‘ angetrieben worden war.

2.2 Konsolidierung des Führerstaates

Nach Erringung totaler Herrschaft begann nun die Konsolidierungsphase des „Dritten Reiches.“

„Unter dem Gesichtspunkt der Innenpolitik wird man am ehesten die Jahre zwischen 1935 und 1938 als Periode konsolidierter nationalsozialistischer Herrschaft bezeichnen können. Im Grunde waren es nur diese vier Jahre, in denen das Regime seine inneren Gestaltungsansprüche in relativer Ungebundenheit entfalten konnte. Davor zwangen koalitionspolitische, danach kriegspolitische Faktoren zu mannigfaltigen Kompromis- sen.“ (16 )

2.2.1 Führerprinzip und Dualismus Staat - Partei

In diesem Sinne fällt nun das Augenmerk auf die Methoden der Ausübung eben jener erlangten Herrschaft, um sie grundsätzlich zu schützen und zu bewahren. Betrachtet man zunächst die Herrschaftsorganisation, könnte man meinen, dass dieses System ge- nerell nicht effizient genug wäre, um die ideologischen Ziele der Nationalsozialisten zu erfüllen. Denn es war keineswegs totalitär gegliedert. Hitler stand als Führer im Sinne des Führerprinzips an der Spitze sowohl von Staat wie Partei. Er bestimmte wer welchen Posten und welche Aufgaben erhielt. Dadurch trat ein „Dualismus von Staat und Partei“ auf, da keine konkreten Maßstäbe gesetzt wurden, ob nun das jeweilige zuständige Staatsamt oder Parteiamt die Kompetenzen zur Durchführung erhielt bzw. besaß. Aber selbst dieser „Doppelstaat“ besaß seine Vorteile im Hinblick zur Sicherung der absoluten Macht Hitlers. Durch diesen „sozialdarwinistischen anmutenden Führungsstil“ erreichte die Bewegung nach einer, aus der Partei hervorgegangen Denkschrift von 1942 eben diese Dynamik und Leistung, für die die Nationalsozialisten bekannt waren. (17 ) Der Dualismus zeigte sich besonders in der Errichtung von Parallelämtern und dem Einsetzen von Sonderbeauftragten. In diesen nichtstaatlichen Organisationen, wie das „Außenpolitische Amt der NSDAP“ oder der „Organisation Todt“, die mehr Kompetenzen erhielten als die staatliche Pendants, konnten dann auch treue Parteigänger ausgiebig entlohnt werden. Selbst auf den unteren Parteiebenen konnte durch Ämterverteilung Einsatzfreude und freiwillige Hingabe der Bevölkerung trotz der vielen Repressalien gefördert werden.

„Der Nationalsozialismus bezog seine kriminellen und zerstörerischen Energien mit daraus, daß er den Ehrgeiz seiner politisch entmündigten Bürger und Befehlsempfänger durch Ämter, Orden, Uniformen, Sterne und Litzen anstachelte, zumal wenn sich damit ein Sprung auf der Karriereleiter und sozialer Aufsteig verbanden. Dies schuf Loyalität und mobilisierte Leistungsbereitschaft.“ (18 )

Jener Loyalitätsgewinn durch Ämtervergabe zeigte sich nach B. Wendt, S.135, in dem Anstieg der Parteiposten von 700.000 im Jahre 1937 auf zwei Millionen während des Krieges. Doch je mehr Ämter es gab, desto größer war das Gerangel um Kompetenzen. In dieser Situation trat dann der Führer Hitler unangetastet als Schiedsrichter auf und erhielt dadurch seine Legitimation. „Hitlers Machtstellung (...) war außerstaatlich legiti- miert, verfassungsrechtlich nicht definiert, vom Regierungssystem losgelöst und theore- tisch grenzenlos.“ (19 ) Mögliche Kritik an und Widerspruch zu dem Führerprinzip sollten beseitigt werden. „Anstelle der Konflikte und Kompromisse sollte es nur noch den absoluten Feind geben, auf den hin die Einheit nach innen und außen fixiert war.“ (20 ) Und dieser Feind war geprägt durch die nationalsozialistische Ideologie: Das jüdische Volk.

2.2.2 Terror und SS

Zusammen mit diesem künstlichen Feindbild ermöglichte die Zusammenlegung der Ämter von SS-Kommandeur und Polizeipräsident in der Person von Heinrich Himmler die erschreckenste Nebenorganisation der NSDAP, den sog. „SS-Staat“. „Terror und Verfolgung waren Eckpfeiler der nationalsozialistischen Herrschaft. (...) Der ‚improvisierte‘ Terror der ‚Machtergreifungs‘-Phase wurde (...) zur systematischen Bekämpfung tatsächlicher und ideologisch definierter Gegner gesteigert.“ (21 ) Das durchführende Organ wurde die SS. Im Gegensatz zu allen anderen Organisationen stellte dießein gigantisches Monopol in ihrem Einsatzgebiet, der „inneren Sicher- heit“, dar. Durch die gleichgeschaltete und zentralisierte Polizei, wobei die Kriminal- polizei in die Gestapo eingegliedert wurde, und die Zusammenführung von staatlicher Polizei und nationalsozialistischerßkonnte, basierend auf den Ausnahmezustand der „Reichstagsbrandnotverordnung“, „das zuverlässige Instrument für die nationalsoziali- stischen Terror- und Unterdrückungsmaßnahmen und für die ‚Endlösung‘ “ (22 ) entste- hen. Primäre Maßnahmen waren, neben der „Schutzhaft“ und dem Lagersystem der KZ, die totale Überwachung der Bevölkerung durch Gestapo und SD, die Instrumentalisie- rung der Justiz durch Sondergerichte und die Förderung des Denunziantentums durch „Blockwarte“ und meldungspflichtige Beamte. „‚Schutzhaft‘ (...) wurde zur euphe- mistischen Umschreibung für eine illegale Freiheitsberaubung und eine zeitlich unbe- grenzte Inhaftierung ohne richterlichen Haftbefehl und die Möglichkeit von Rechtsbe- helfen für die Verhafteten.“ (23 ) Diese Methode konnte die Gestapo ohne erkenntlichen Verdacht verhängen. Bei „Wiederholungstätern“ drohte die Einlieferung ins KZ. Zunächst wurde „Schutzhaft“ nur gegen Regimegegner verwandt, doch „mit dem Fort- gang der Gleichschaltung wurde der Kreis der Verhafteten auf die übrigen Parteien und Gruppen, auf Gewerkschaften und vor allem auf Juden ausgedehnt. Eine wachsende Zahl von KZ wurde als staatliche Einrichtungen organisiert und finanziert, als ‚proviso- rische‘ Übergangslösung bis zur Errichtung endgültiger Lager, in denen die Häftlinge zu produktiven Arbeitseinsatz gebracht werden sollten“. (24 )

Dies alles spielte sich in einem außerrechtlichen Rahmen ab. Einerseits war die Justiz durch die Errichtung des NS-Systems schon ausreichend politisiert worden und zum Instrument der Herrscher geworden und anderseits durch das Einsetzen von Sondergerichten und speziell des „Volksgerichtshofes“, in denen statt Strafrecht ideologische Aspekte herrschten, entmachtet worden und fast überflüssig geworden.

2.2.3 Bekämpfung des „inneren Feindes“

Nachdem sich das NS-Regime etabliert hatte und die Kontrolle über den gesamten Staatsapparat innehatte, wurde zunehmender der Kampf gegen den „inneren Feind“ ge- führt. Das, durch die nationalsozialistische Ideologie diffamierte, jüdische Volk sollte mit allen Mitteln, die bis zum Massenmord reichten, „entfernt“ werden. Doch „standen die ersten Jahre der Judenverfolgung eher [noch] im Zeichen einer unsystematischen Abfolge an Maßnahmen, bei denen sich gelenkte Pogrome mit schrittweise erfolgender Entrechtung, Ausplünderung und Verdrängung auf dem Verordnungs- und Gesetzge- bungsweg verbanden“. (25 ) Kurz nach der „Machtergreifung“ war die einzige staatliche Methode die Diffamierung, die sich in einem organisierten Boykott aller jüdischen Geschäfte entfaltete. Jetzt steigerte sich die Ausgrenzung über administrative Maßnahmen zu Berufsverboten, welche durch den sog. „Arier-Paragraphen“ in den „Aprilgesetzen“ ermöglicht wurden. Mit den „Nürnberger Gesetzen“ verloren die Juden sämtliche politischen Rechte. Diesen Gesetzen folgten weitere diskriminierende Verordnungen. Durch die „Reichspogromnacht“ erhielt die Judenverfolgung eine neue Dimension. „Die Organisation dieser Pogrome verfolgte einen dreifachen Zweck: Anheizung der psychologischen Kampfstimmung, Ausschaltung der Juden auch aus der Wirtschaft , dem letzten Bereich beschränkter Tätigkeit, und Bereicherung der durch die Kriegsvorbereitungen strapazierten Staatskassen.“ (26 ) Doch noch sahen die Machthaber in der Auswanderung der Juden, nach Beschlagnahme ihres Vermögens, eine Al- ternative zur „Endlösung“. Aber mit Beginn des Krieges fielen alle Schranken und die Weichen auf dem Weg zum Massenmord waren gestellt. Nicht nur die Juden, als „Volkschädlinge“, waren von dem Rassenwahn der Nationalsozialisten bedroht. Unter den zynisch verwandten Begriffen „Rassenhygiene“ und „Euthanasie“ wurde die Tö- tung „lebensunwerten Lebens“, also psychisch Kranke und geistig Behinderte, betrie- ben. „Ihre Verfolgung resultierte aus dem hochideologisierten ‚sozialhygienischen‘ An- spruch, die ‚Volksgemeinschaft‘ von ‚minderwertigen‘, ‚rassenfremder‘ oder ‚erbkran- ker‘ Elemente zu ‚säubern‘.“ (27 )

2.2.4 Mobilisierung und Verführung

Um diese Vorgänge zu verheimlichen oder sogar akzeptabel zu machen, bedarf es einer gewaltigen Umerziehung und ideologischen Ausrichtung der gesamten Bevölkerung. Durch Propaganda und Mobilisierung der Gesellschaft durch eine Vielzahl an NS- Organisationen war es möglich, „die Allgegenwart der Partei zu demonstrieren und ihren totalitären Anspruch zu untermauern“. (28 ) „Der auf totale Herrschaft abzielende Staat (...) verlangt von jedem zu jeder Zeit Gefolgschaft und aktive Mitarbeit im Sinne der Doktrin. (...) Um diesen Anspruch durchsetzen zu können, muß der totalitäre Staat über das Volk ein Organisationsnetz auswerfen, das die Kontrolle jedes einzelnen zu jedem Zeitpunkt gewährleistet.“ (29 ) Nebenßund SA gab es noch weitere Gliederungen: Hitlerjugend, NS-Kraftfahrerkorps, NS-Frauenschaft u.v.m. „Alle diese Gliederungen und Verbände erhoben für ihr jeweiliges Tätigkeitsfeld monopolistische Ansprüche (...). Sie alle waren nach dem Führerprinzip organisiert (...). Zu ihren wichtigsten Aufgaben gehörte die weltanschaulich-politische Schulung.“ (30 ) Diese Mobilisierung ist als „Gleichschaltung der Gesellschaft“ bekannt geworden.

Der erste Schritt war die Aushebelung der Vereinigungsfreiheit und der Tarifautonomie, die Zerschlagung der Gewerkschaften und der Arbeitgeberverbände und die Verei- nigung beider Interessengruppen in der Deutschen Arbeitsfront (DAF). „Die DAF verlor weitere Kompetenzen bei der Arbeitnehmermitbestimmung; sie entwic??kelte sich zu einem ‚wirtschaftsfriedlichen Harmonieverband‘, dem neben der kulturellen und sozialen Betreuung seiner Mitglieder deren politische Mobilisierung, weltanschauliche Beeinflussung und gesellschaftliche Kontrolle oblag.“ (31 ) Um den Freiheits- und Mit- spracheverlust zu überdecken, ahmten die Nationalsozialisten die italienischen Faschi- sten nach und errichteten den Verband „Kraft durch Freude“, welcher dazu diente, die Arbeiterschaft bei Laune zu halten.

Auf der anderen Seite hingegen kam es zu keinen Enteignungen bei den Großindustri- ellen, wie es noch 1920 im Parteiprogramm der NSDAP festgehalten wurde. Hitler be- nötigte die Wirtschaft, um seine außenpolitischen Pläne durchzuführen. Deswegen kam es nur zu einschränkenden Gesetzen und Vorschriften, um das „Autarkieprogramm“ zu erfüllen. „Der Begriff ‚staatliche Kommandowirtschaft‘ auf privatkapitalistischer Grundlage“ (32 ) charakterisiert deutlich Hitlers unsystematische Wirtschaftspolitik. Um die Unternehmer für seine Pläne zu gewinnen, bedarf er der DAF, um „die Unternehmer (...) mit der Zusicherung, daß soziale Verteilungskämpfe künftig von Staats wegen unterbunden werden würden“ (33 ) ködern zu können.

Die gesamte innenpolitische Ausrichtung des nationalsozialistischen totalitären Systems war auf Krieg abgestimmt. Ebenso wie die Wirtschaft ihren Teil in Form der Auf- rüstung zu geben hatte, musste auch die Jugend, als zukünftige Soldatengeneration, und dadurch auch die Erziehung ihren Beitrag leisten. Dafür muss die Jugend, den anderen Altersgruppen entsprechend, organisiert und dann ideologisch-politisch geschult werden. „Die Jugendorganisation der NSDAP, seit 1926 als ‚Hitlerjugend‘ (HJ) geläu- fig, sollte eines der ‚wesentlichen Mittel zur Herrschaftssicherung des NS-Regimes‘ sein (so der Soziologe Arno Klönne).“ (34 ) Schwerpunkt dieser prämilitaristischen Organisation war die körperliche Ertüchtigung und Aneignung von Disziplin und abso- lutem Gehorsam. Nach dem Schlagwort „Jugend führt Jugend“ war die HJ nach dem Führerprinzip gegliedert und auch das sozialdarwinistische Element kam dort zur Gel- tung. Allgemeinbildung und sonstiges Wissen, das nicht obligatorisch für die NS-Ideo- logie war, wurde vernachlässigt. Durch die Teilnahmepflicht der Jugendlichen in der HJ trat sie als Konkurrentin der allgemeinen Schulen auf. Typisch für die Nationalso- zialisten war auch hier das Kompetenzwirrwarr in Erziehungsfragen. Ebenso typisch war das Uniformierende und Politisierende, das jeglichen Pluralismus untergrub, im Sinne der „Volksgemeinschaft“. Auch der stark psychologische Aspekt einer solchen Organisation erwies seinen Dienst am System. „Während Drill und Gehorsam für die Mehrheit der Jugendlichen wohl die zentrale HJ-Erfahrung darstellten, hielt die ausge- dehnte Organisation doch auch eine Vielzahl von Posten und Pöstchen bereit und damit Chancen individueller Selbstbestätigung.“ (35 ) Im weiteren Sinne der Erziehung der Nation nimmt auch der Arbeitsdienst einen zentralen Charakter ein. Grundsätzlich do- minieren hier zwei Motive: Erstens die Reduzierung der Arbeitslosigkeit bei den Ju- gendlichen und zweitens die Erziehungsfunktion. „Der Arbeitsdienst sollte durch seine Betonung von Wert und Ehre körperlicher Arbeit Standesvorurteile abbauen helfen. Im Jargon der Zeit waren ‚Arbeiter der Stirn und der Faust‘ gleichwertig.“ (36 ) Als Ab- schluss der Erziehung diente nach dem halbjährigen Arbeitsdienst die Wehrmacht. Die Phase der „Wehrertüchtigung“ und Militarisierung der männlichen Jugend ist komplett.

Es bedarf einen gewaltigen Manipulationsakt, bei dem jede Kritik oder abweichende Meinung nicht erwünscht ist und beseitigt werden muss, um diese Organisationsstruktur mit Leben zu erfüllen. Dass Propaganda generell eine Stütze von diktatorischen Herrschaftssystemen ist, bewies die herausragende Stellung der Propaganda im „Dritten Reich“. Schon vor der „Machtergreifung“ war Goebbels mit seiner Propagandamaschi- nerie einer der führenden Personen der NSDAP. Nach der Herrschaftsübernahme bekam er sogar ein Ministeramt und die Propaganda wurde verbürokratisiert. Den „weit- gehenden Konsens [der Zustimmung] zu erhalten und den Gleichklang von ‚Führer‘ und Geführten stets von neuem unter Beweis zu stellen, war die zentrale Aufgabe der natio- nalsozialistischen Propaganda und ihres Konzeptes von ‚Lockung und Zwang‘ “. (37 ) „Mit sicherem Gespür erkannte das Regime, daß im modernen Staat neben dem Ge- waltmonopol das Monopol über Nachrichten und Informationen zur Indoktrination und Mobilisierung der Bevölkerung eine unabdingbare Voraussetzung für die Eroberung der Macht ist.“ (38 ) Im Anbetracht dessen wurde mit der „Reichskulturkammer“ mit Vorsitz Goebbels eine Kontroll- und Zensuranstalt, die alle Bereiche von Kunst, Kultur und Information in sich einschloss, errichtet. Nicht dem Regime konforme Künstler und Journalisten wurde die Mitgliedschaft verweigert und ihnen damit ein informelles Be- rufsverbot ausgesprochen. Zentralisierung des Pressewesens und des Rundfunks und „Arisierungsmaßnahmen“ beim Film folgten. Doch nicht nur ideologisch-politische Nachrichten, sondern auch Unterhaltungsprogramme zur Stärkung der Moral an der „Heimatfront“ waren Bestandteil der Goebbelschen Propaganda. „Zu den unbezweifel- baren Erfolgen der Propaganda in der Vorkriegszeit zählt die Stilisierung Hitlers zu ei- ner den Grabenkämpfen und oftmals brutalen Realitäten seines Regimes entrückten Führergestalt, die dank einer ebenso risikofreudigen wie erfolgreichen (Außen-)Politik eine beispiellose Popularität in der Bevölkerung genoß.“ (39 ) Neben dem „Führermy- thos“ sollte auch ein Parteikult, um die NSDAP, durch einen nationalsozialistischen Feiertagszyklus, in dem u.a. der „Tag der Machtergreifung“ am 30.1 und der „Tag der Bewegung“ am 9.11. gefeiert wurden, erzeugt werden. Aktionen, die der offiziellen Propaganda zuwiderliefen, wie Hören von „Feindsendern“ oder Verbreitung von illegalen Schriften, wurden mit KZ oder dem Tod bestraft.

2.3 Krieg und Untergang

1938/39 endete die Konsolidierungsphase mit den expansionistischen Vorläufern des Zweiten Weltkrieges. „Die kriegerische Ausdehnung der Herrschaft hat die innere Um- bildung des Dritten Reiches, den Ausbau des totalitären Systems beschleunigt.“ (40 ) Die Propagandamaßnahmen wurden verschärft, Überwachung und Unterdrüc??kung wurden ausgeweitet. Durch jene war es möglich, den „totalen Krieg“ auszurufen, ohne Pro- teststürme der Bevölkerung zu erwarten.

„Mit Hilfe der Propaganda und der brutalen Verfolgung aller ‚Defätisten‘ gab es bis in die letzten Kriegsmonate hinein weder Streiks noch Meuterei. (...) Weder bei den Ak- tionen der Geschwister Scholl in München im Februar 1943 noch nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 zeigte sich Resonanz bei der Bevölkerung. Es war dem Regime ge- lungen, die Masse des Volkes zu ‚erfassen‘ und im Sinne der Staatsführung zu lenken.“ (41 )

Doch im Großen und Ganzen zeigten die Tatsachen, welche auch Motive der Atten- tatsversuche waren, eine Radikalisierung der Terrorherrschaft. Die Zahl der KZ stieg, Vernichtungslager wurden errichtet, das Vorgehen gegen Regimegegner, die immer zahlreicher wurden, wurde härter, „die Endlösung“, der Genozid am jüdischen Volk be- gann unter strengster Geheimhaltung und „die Verurteilungsmaschine des Volksge- richtshofes (...) lief auf hohen Touren“. (42 ) Durch die hohen menschlichen Verluste wurden als letztes Aufgebot Kinder und Senioren im Volkssturm dazu verwendet die Gegner aufzuhalten. Ideologisch-propagandistisch geblendet sind sie zum Großteil für ein untergehendes Regime „verheizt“ worden. Doch erst der Druck und die militäri- schen Mittel der Anti-Hitler-Koalition brachten die Nationalsozialisten zum Fallen. Ein Aufruhr, ein Aufbäumen oder eine Revolution der eigenen Bevölkerung war trotz aller Repressalien, Leid und Schmerzen nicht in Sicht.

3 Methoden der Innenpolitik der UdSSR unter Stalin

3.1 Von der kollektiven Herrschaft zum Totalitarismus

Eine Revolution brachte den Sowjetkommunismus an die Macht. Doch die Errichtung der Diktatur des Proletariats war Lenins Werk, nicht Stalins. Stalin war zwar ein führendes Parteimitglied, immerhin innerhalb des Politbüros, aber noch nicht der „Führer“. Nichtsdestotrotz hatte sein Aufstieg begonnen.

3.1.1 Bürokratie und Verwaltung

„Eines der wichtigsten Ämter, das am meisten zum Aufstieg Stalins und zur Machtkonzentration in seinen Händen beigetragen hat, bekam er im März 1918: Das ‚Kommissariat für staatliche Kontrolle‘, das später in ‚Arbeiter- und Bauerninspektion‘ umgetauft wurde. (...) Durch diese Kontrollkommission bekam Stalin eine fast uneingeschränkte Macht über den Funktionärsapparat in Partei und Staat.“ (43 )

Die anderen Politbüromitglieder überließen Stalin gerne die Organisation und Büro- kratie der Partei, für sie war das nicht „intelligent“ genug. Im Laufe der Zeit wurde das Amt eines Generalsekretärs geschaffen, das Stalin übernahm.

Damit „konnte Stalin seine Herrschaft (...) perfekt ausbauen, weil er (...) dafür sorgte, daß die Basis der Parteimitglieder (...) nach 1922 erheblich erweitert und damit we- sentlich verändert wurde. (...) Mit dieser wesentlichen Veränderung der Parteibasis, die natürlich auch eine Veränderung des Apparats der Funktionäre bedeutete, erreichte Stalin eine weitgehende Abhängigkeit der Partei von seinen Vertrauensleuten und von seiner Führung.“ (44 )

„Niemand ahnte zunächst, daß Stalin im Begriff war, sich aus dem subalternen Funktio- när des inneren Parteidienst durch Beharrlichkeit, Intrige und Brutalität zum eigentli- chen Nachfolger Lenins aufzuschwingen.“ (45 ) Die schleichende und schrittweise von- statten gehende Machtanhäufung Stalins ging noch weiter. Am 12. Parteitag 1923 wurde die Zentrale Kontrollkommission, die Politbüro und Organisationsbüro unab- hängig überwachen sollte, mit der Arbeiter- und Bauerninspektion zusammengelegt. Der Leiter dieses neuen Gremiums wurde ein treuer Anhänger Stalins. Darüber hinaus wurde die Anzahl der Mitglieder von 7 auf 50 erhöht. „Damit war eine Entwicklung eingeleitet, die die Kommission nach und nach in eine gefährliche Nähe zur GPU [ der Innengeheimdienst (d. Verf.)] rückte, um schließlich zu einer Art Sonderabteilung der Staatssicherheit zu werden.“ (46 )

3.1.2 Ausschaltung der Oppositionen

Auf demselben Parteitag begann auch die Ausschaltung der innerparteilichen Opposi- tionen von Stalin. Indem Trotzki die Verbürokratisierung der Partei und den Verlust von demokratischen Elementen anprangerte, gab er Stalin die Möglichkeit ihn zu isolieren. Durch Stalins Stellung ermöglicht, wurden Trotzkis Anhänger auf Posten im Ausland versetzt und durch Stalins Kritik am „parteischädigenden“ Vorgehen Trotzkis, verlor Trotzki immer mehr an Basis. Noch mehr Ansehen verlor er, als er bei der Beisetzung Lenins nicht anwesend war, da Stalin ihm, nach seinen eigenen Angaben, einen falschen Termin gesagt habe. Dadurch konnte Stalin seine Machtbasis ausbauen, indem er bei der Gedächtnisfeier eine Rede hielt, „durch die er sich geschickt als den legalen Sachverwalter und authentischen Interpreten von Lenins geistigem Erbe vorzustellen wußte“. (47 ) Trotzki trat 1925 vom Posten des Kriegskommissars zurück und ver- schwand im Hintergrund der Partei.

Weiterhin bedeutend in der Phase des Aufstieg Stalins ist die These des „Sozialismus in einem Lande“. Sie forderte die gleichwertige Integration von Bauern und Arbeitern ins System, mit Kollektivierung der Landwirtschaft und Industrialisierung der UdSSR. Das stand im Einklang mit der marxistischen Lehre, die dazu verwendeten Mittel nicht. „Sie bestanden vor allem in einem denkbar perfektionierten staatlichen Apparat, in einem starken totalitärem Staatssystem, [und] im terroristischen Zwang.“ (48 ) „Eines der wich- tigsten Instrumente der Diktatur, das frühzeitig in die Hand Stalins kam, war die Staats- polizei. (...) 1926 gelang es Stalin, die Leitung der GPU mit seinen Vertrauenslauten zu besetzen und sie zum Organ seiner persönlichen Herrschaft zu machen.“ (49 ) In der Zwi- schenzeit verstärkte sich Stalins Position im Politbüro durch Berufung eigener Anhän- ger.

Es gelang ihm, sein Wirtschaftsprogramm im Sinne seiner These zu verabschieden. Die Linie der „linken“ Opposition, Kamenjew und Sinowjew, wurde abgelehnt. In der an- schließenden Verbrüderung der beiden mit Trotzki und der andauernden Kritik an Sta- lins Kurs, sah der von Stalin dominierte Staats- und Parteiapparat den Anlass die Stel- lungen der drei zu untergraben. Schritt für Schritt wurden sie ihren Ämtern enthoben, aus allen Kommissionen ausgeschlossen und am 15. Parteikongress 1927 aus der Partei gestoßen. Da Trotzki sich weigerte, wurde er nach Kasachstan deportiert. Nun stand Stalins Alleinherrschaft nur noch die „rechte“ Opposition, in Gestalt von Bucharin, Ry- kow und Tomski, im Wege. Sie waren nützliche Werkzeuge im Kampf gegen die „Lin- ken“ gewesen, doch nun überflüssig. Der Streit entbrannte wegen Stalins Maßnahmen im wirtschaftlichen Gebiet. Als die Rechtsopposition 1929, nachdem ein Antrag von ihr im stalinbeherrschten Zentralkomitee abgelehnt wurde, um Kritik zu äußern, zurücktrat, wurde ihr Vorgehen als Sabotage angesehen. Ihren Ämtern entsetzt, widerriefen die drei ihre „Irrtümer“ und entgingen dadurch ihrer Verurteilung. Stalin hatte es geschafft, aus Lenins Idee der kollektiven Herrschaft, eine absolute Alleinherrschaft zu machen.

„Gleichzeitig [dazu] beginnt Stalin mit den großen Säuberungen. Von Ende 1929 bis 1931 werden mehr als 250.000 Kommunisten aus der Partei ausgeschlossen. Stalins persönliches Machtinstrument, die politische Geheimpolizei OGPU [ = GPU (d.Verf)], beginnt ihr Terrorwerk mit sich häufenden Drohungen und Einschüchterungen gegen selbst die geringste Kritik am Generalsekretär.“ (50 )

3.2 „Sozialismus in einem Lande“

3.2.1 Kollektivierung und Industrialisierung

Nun konnte Stalin ungestört seine Wirtschaftspolitik im Sinne seines Aufbaus des „So- zialismus in einem Lande“ betreiben. Auf Marx basierend, mussten die Bauern, durch Kollektivierung in Kolchosen, zu Arbeitern umgewandelt werden. Ebenfalls wichtig war die Industrialisierung. Im ersten Fünfjahresplan wurden utopische Ziele gesetzt, nur um die Überlegenheit des Sozialismus gegenüber dem Kapitalismus zu beweisen. Das galt auch bei der Kollektivierung.

„Nicht ökonomische, sondern ideologische Gründe und der Machtwille Stalins waren entscheidend. So wurde die ‚Kollektivierung‘ im gesamten Gebiet der Sowjetunion mit Gewalt und in kürzester Frist erzwungen. (...) Ein wichtiges Motiv Stalins für die Kol- lektivierung war sicher auch die Überlegung, daß man die Bauern in den Großbetrieben besser überwachen und lenken konnte. Alle Sowjetbürger sollten in kürzester Zeit unter die totale Kontrolle des Parteistaates gezwungen werden, um Leistungen zu erpressen, die der Welt als Leistungen des stalinistischen Sozialismus präsentiert werden konnten.“ (51 )

Anlass für die stärkere Kollektivierung waren Versorgungsschwierigkeiten 1928/29, für die nach Meinung der Parteiführung der „Kulak“, also der Großbauer, verantwortlich war. Mit prohibitiven Zwangsmaßnahmen sollten die Bauern dazu gebracht werden, das angeblich versteckte Getreide herauszurücken. Als Reaktion vernichteten oder verfüt- terten es die Bauern. „Der offene Krieg war zwischen Bauernschaft und Staat ausgebro- chen.“ (52 ) Für Stalin wurden immer mehr die „Kulaken“ zu Feinden des Sozialismus. Er sah in ihnen die letzte Bastion des Kapitalismus in der UdSSR. Bald darauf verkün- dete Stalin vor dem Zentralkomitee die „Liquidierung des Kulakentums als Klasse“, und um die „Entkulakisierung“ zu erleichtern, definierte er durch einige Charakteristiken, wie Betreibung von Handel oder Vermietertätigkeiten, den typischen „Kulak“. (53 ) „Die Gewalt bereitete sich ein Festmahl. Es traf die Fleißigsten, Fähigsten, Sparsamsten und Ideenreichsten. Selbstverständlich befanden sich unter ihnen auch einige, die der neuen Macht reserviert gegenüberstanden. Aber Stalin und seine Helfer machten sie alle zu Feinden des Sozialismus, die ‚unschädlich‘ gemacht werden mußten.“ (54 ) Die Schätzungen über die Zahl der Opfer variieren von fünf Millionen bis zu neun Millionen, von denen ein Großteil bei der Deportation oder Umsiedlung gestorben sein soll. Für Wolkogonow waren sechs bis acht Prozent der Bauernhöfe bei der „Entkulakisierung“ involviert. „Stalin [sah] die Kollektivierung nicht als wirt- schaftliche, sondern als eine politisch-administrative Maßnahme (...), deren Hauptziel die Sicherung der Getreideerfassung war, und die OGPU war der geeignetste Verbün- dete.“ (55 )

Parallel dazu verlief die Industrialisierung laut der Losung: „Fünfjahresplan in vier Jah- ren“. Gigantische Mengen an Investitionskapital flossen bereits im ersten Jahr des Pla- nes. Stalin setzte sich auch hier schon über alle anderen hinweg. Er lenkte das Tempo der Industrialisierung und in einer Rede vor Industriearbeitern verneinte er jegliche Möglichkeit das Tempo zu verlangsamen, weil die Sowjetunion nur so die kapitalisti- schen Länder übertreffen könne. Widerspruch oder Mitbestimmung gab es nicht. „Sta- lins Industrialisierung der dreißiger Jahre setzte die vorhergehende Zerschlagung aller innerparteilicher politischen Gruppierungen der Arbeiter voraus. Von den Gewerk- schaften war nicht mehr der geringste Einspruch zu befürchten; sie hatten längst aufge- hört Sachverwalter der Arbeitnehmer zu sein. Stalins Industrialisierung trug ebenso terroristischen Charakter wie seine Kollektivierung.“ (56 ) Denn um diese Höchstleistun- gen einzufordern, bedarf es unbeschränkter Kontrolle und Überwachung. „Neue Ge- setze und Strafbestimmungen auch im Wirtschaftsbereich sorgten dafür, daß Straf- und Arbeitslager in großer Zahl entstanden, in denen die Strafgefangenen bis zur völligen Erschöpfung arbeiten mußten.“ (57 )

Doch Kritik hegte sich trotzdem bei Wirtschaftsfachleuten und Gewerkschaftsvertre- tern. Als Reaktion ließ Stalin jene Kritiker in einem Schauprozess in Moskau, den sog. „Schachty-Prozess“, wegen angeblicher Sabotageakte, verurteilen. Eine Reihe weiterer Schauprozesse folgten. Durch die Propaganda, die die ökonomischen Triumphe des Sozialismus in gewaltigen Maße feierte, wurden technische Pannen meist als Sabota- geakte „bürgerlicher Spezialisten“ verkauft, und diese Straftaten mussten bestraft wer- den. „Um die Mär von der Sabotage glaubhaft zu machen, ließ Stalin durch die Geheim- polizei erste Schauprozesse mit unter Folter erpreßten Geständnisse inszenieren.“ (58 ) So konnte Stalin Fehlentscheidungen und Inkompetenz auf andere abwälzen. Darüber hinaus zeigte sich hier der mangelnde Zugriff auf die Arbeiterschaft. Doch „dem Wunsch, die Betriebe stärker unter politischer Kontrolle zu bringen, stand der offen- kundige Mangel an geeigneten ‚roten‘ Fachleuten entgegen“. (59 ) Fortan wurden Ar- beiter zum Eintritt in die Hochschulen mobilisiert und neue stalintreue Kader entstan- den.

In diesem Stadium der Verfolgung blühte das Denunziantentum. Unliebsame Nachbarn oder Konkurrenten konnten schnell zu Kulaken oder Saboteuren werden. Diese Stütze brauchte Stalin. Denn wegen der radikalen Kollektivierung, die die Verweigerungs- haltung gefördert und jede Selbstinitiative der Bauern erstickt hatte, trat eine Hungers- not ein. Vor allem in den Gebieten, in denen die Kollektivierung am härtesten gewütet hatte, in der Ukraine und im Wolgagebiet, starben viele Menschen an Hunger. Unruhe trat auf. Selbst Parteifunktionäre, die Stalin geholfen hatten, seine Rivalen auszuschal- ten, protestierten in Druckschriften. „Sie waren bald verhaftet, des Hochverrats ange- klagt und zu Gefängnisstrafen verurteilt. Dabei hatten sie an sich an keinen Umsturz gedacht, sondern nur an eine Neubesetzung des Parteiamtes, das Stalin innehatte.“ (60 ) Auch in der Ukraine wuchs die Kritik und mit ihr Rufe nach Autonomie oder sogar Un- abhängigkeit. Stalin schickte einen Vertrauensmann, der den Staats- und Parteiapparat der Ukraine „säubern“ sollte. Er bekam den Titel „Henker der Ukraine“. „Der stalini- sche Terror stieß [auch] bei Verantwortlichen [innerhalb der Partei] auf Kritik - also verschärfte der Diktator die ‚Säuberungen‘. Schon 1933 wurden 450.000 Kommunisten aus der damals 3,5 Millionen Mitglieder und Anwärter zählenden Partei ausgeschlos- sen.“ (61 )

Die Tatsache jedoch, dass es mit der Landwirtschaft Monat für Monat immer mehr bergab ging, zwang Stalin zum Handeln. Auf dem 17. Parteitag 1934, dem „Parteitag des Siegers“, lockerte er den wirtschaftlichen Druck auf die Kolchosen und die bereits 1933 an die Bauern gemachten Konzessionen wurden erweitert. Dadurch erholte sich die landwirtschaftliche Produktion erheblich, wobei mehr als die Hälfte davon in Privatanbau, den Stalin wieder erlaubte, erwirtschaftet wurde. Doch diese Lockerung zog eine Verschärfung des politischen Drucks mit sich. „Auf dem ‚Parteitag des Sie- gers‘, als ‚praktisch alle Überreste der Ausbeuterklasse liquidiert‘ worden waren, rief Stalin dazu auf, den Mechanismus der Gewalt und des Zwangs und den Verfol- gungsapparat zu verstärken.“ (62 )

In diesem Sinne wurde dann auch wieder die Industrialisierung härter voran getrieben. Um die Leistung der Arbeiter zu steigern, ging man in zwei verschiedenen Richtungen vor: Erstens die Exploitation der Euphorie der sozialistischen Arbeiter mit Hilfe der Propaganda und zweitens durch administrativen Zwang. Durch geschicktes Verbiegen der Lehre von Marx wurde wieder auf das Prinzip der Akkordarbeit zurückgegriffen. Dadurch konnte die Sowjetpropaganda den Arbeiter A.G. Stachanow, der seine Norm um 1300 Prozent übertroffen haben soll, zum Nationalhelden stilisieren. Aufgrund der vielen Nacheiferer und der Euphorie, den sozialistischen Traum zu erfüllen, stieg die Industrieleistung enorm und die Staatsführung konnte höhere verbindliche Durch- schnittsnormen für alle verhängen.

Doch, da wegen der Kollektivierung auf dem Land viele Bauern in die Städte flohen, wurde der Industrialisierungsprozess durch Beschädigungen der Maschinen, wegen mangelnder Kenntnisse, behindert. Daraufhin wurden Gesetze erlassen, die den Ar- beitsplatzwechsel verbaten oder Streiks unmöglich machten. Noch schärfer wurden diese Zwangsmaßnahmen, als das System der Pflichtarbeit eingeführt wurde. Die Strafen bei Arbeitszeitversäumnissen reichten von Lohnkürzungen bis zu Freiheitsentzug. „Bei Rückfälligkeit oder schweren Vergehen gegen die Arbeitsdisziplin setzte Zwangsarbeit verschiedenen Grades in der Verbannung oder Arbeitslagern ein.“ (63 )

3.2.2 Schauprozesse und Säuberungen

Diese unmenschlichen Maßnahmen wurden aber bald darauf durch die „Große Säube- rung“ von 1936-1938 in den Schatten gestellt. Ihre Vorgeschichte begann am 1. Dezem- ber 1934 mit der Ermordung eines führenden Parteimitglieds, des Leningrader Parteise- kretärs und Stalin-Vertrauten S.M. Kirow. Er galt als Vertreter einer milderen Politik. Ihm war es zu verdanken, dass die GPU 1934 aufgelöst und in das Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten (NKWD) eingegliedert wurde. Aber „bald stellte es sich (...) heraus, daß in der neuen Behörde durch Zusammenfassung von Ordnungs-, Kriminal- und Politischer Polizei zu einer Staatspolizei und durch ihre enge Verknüpfung mit der inneren Verwaltung eine noch viel machtvollere Institution mit noch viel weitgehende- ren Vollmachten geschaffen worden war.“ (64 ) Das NKWD sollte Stalins rechte Hand bei den Massenmorden werden.

Am selben Tag der Ermordung Kirows erklärte Stalin in einem Dekret, dass bei einer Anklage wegen „Terrorismus“ keine Verteidigungsmöglichkeiten bestehen würden und die einzige Strafe der Tod sei. Die ersten Betroffenen waren die angeblichen Kirow- Mörder. Vermutete Mitverschworene, wie die ehemalige „Linksoppsition“, Sinowjew und Kamenjew, und weitere Zehntausende, wurden nach Sibirien deportiert. Stalin sah selbst schon in Kindern potentielle Attentäter. 1935 wurde die Verhängung der Todesstrafe ab dem 12. Lebensjahr ermöglicht. Weitere Untersuchungen im Kirow- Mord gipfelten im ersten der drei großen „Moskauer Prozesse“. „Das Ritual war je- desmal das gleiche. Die Beschuldigten wurden verhaftet, gestanden in Voruntersu- chungen alles ein, selbst die abstrusesten Anwürfe, und wurden abgeurteilt.“ (65 ) Bei den Verhören, die oft Tage dauern konnten, brachten die Angehörigen des NKWD die Angeklagten dazu, weitere Parteimitglieder zu beschuldigen.

Bei dem „Prozess der 16“ im August 1936 wurden Sinowjew, Kamenjew und die ande- ren 14 zum Tode verurteilt und erschossen. Auf Kritik reagierte Stalin mit der Umbeset- zung der Leitung des NKWD von Jagoda zu Jeschow. Bald darauf stand der „Prozess der 17“ im Januar 1937 an. In ihm wurden 13 angebliche „trotzkistische und sino- wjewsche Verschwörer“ zum Tode verurteilt. Die anderen, welche weitere belastet hatten, wurden zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Im März 1938 wurden dann beim „Prozess der 21“ die alte „Rechtsopposition“, Bucharin und Rykow (Tomski hatte zuvor Selbstmord begangen), der ehemalige NKWD-Chef Jagoda und andere Diplomaten wegen Spionagetätigkeiten für das Ausland zum Tode verurteilt.

Der Terror blieb nicht nur auf unliebsame Spitzenpolitiker beschränkt. „Eine giganti- sche Welle von Verhaftungen ging durchs Land und hielt die gesamte Bevölkerung in Atem. Als belastet galten alle früheren Oppositionellen, die Anhänger Trockijs, Zi- nov’evs [Sinowjews], Bucharins, die früheren Menschewisten und Sozialrevolutionäre (...) [und] alle Parteimitglieder, die sich dem Säuberungsprogramm widersetzten.“ (66 ) Selbst vor der Armee wurde nicht halt gemacht, trotz der wachsenden Gefahr des natio- nalsozialistischen Deutschlands. Anlass für die Säuberungen war das wachsende Unbe- hagen in der Armee wegen der Prozesse und um der Gefahr eines Militärputsches zu entgehen, musste die Armeeführung durch stalintreue Ergebene ersetzt werden. Die Armee wurde nahezu „geköpft“. Mehr als 75 Prozent aller Kommandeure und Kommis- sare wurden „liquidiert“. Abschluss der „Großen Tschistka“ wurden die zynische Säu- berung des NKWD, die Hinrichtung Jeschows und die Ermordung Trotzkis 1940 in Mexiko.

„Die Säuberungen waren ein wirksames Mittel zur Sicherung der Machtposition Stalins. (...) Die ständige Furcht vor Verhaftung erstickte jede Eigeninitiative und machte aus den Funktionären willige Befehlsempfänger.“ (67 ) Ebenso ging es Stalin darum die Erinnerungen an die bolschewistische Revolution von 1917 und ihren Idealen und Zie- len auszulöschen. Denn Stalins Totalitarismus hatte nichts mehr mit dem Marxismus zu tun. Nach Georg von Rauch, S.290, frisst auch hier die Revolution ihre eigenen Kinder. „Im Zuge dieser Säuberungen sind in den Jahren 1936-1939 etwa 500.000 Menschen liquidiert und 4-5 Millionen in Zwangsarbeiterlager eingeliefert oder verbannt worden.“ (68 )

Die Prozedur der Schauprozesse mit den Geständnissen der Angeklagten diente vor al- lem dazu, das Ausland zu täuschen und den Schein der Rechtsstaatlichkeit zu wahren, wobei selbst Chruschtschow zu Beginn der Entstalinisierung die Verurteilungen, die nur auf einem Geständnis beruhen, als Rechtsbruch bezeichnete. Aber nicht nur durch „rechtsstaatliche“ Hochverratsprozesse, sondern auch durch die „demokratischste Ver- fassung der Welt“ von 1936 wurde das Ausland geblendet. In dieser Verfassung wurden grundlegende demokratische Rechte und Freiheiten für die sowjetischen Bürger garantiert. „Einen zynischeren Betrug des eigenen Volkes aber auch der Weltöffentlichkeit kann man sich kaum noch vorstellen.“ (69 ) Doch es zeigte Wirkung: Westliche Politiker hielten die Berichte über die Prozesse und Säuberungen für übertrieben und glaubten an die Demokratisierung der UdSSR.

3.2.3 Propaganda und Personenkult

Ebenso nutzte die Propaganda die Naivität des Volkes aus und erklärte jeden Angeklagten oder „Herausgesäuberten“ zum „Volksfeind“ des sozialistischen Vaterlands. Konsequenz war, dass viele Bürger, die von dem Terror nicht betroffen waren, hoch erfreut waren, dass Stalin die „Spione“ enttarnt und ausgeschaltet hatte, damit der sozialistische Traum erreicht werden konnte.

Stalin selbst wurde zu einer Kultfigur hochstilisiert. Der Marxismus verachtet Perso- nenkult. Deswegen wurde dieser zu Lenins Lebzeiten aufs heftigste bekämpft. Aber nach seinem Tod erhob Stalin ihn zu einer Ikone und machte aus dem Leninmausoleum eine Wallfahrtsstätte. Denn mit diesem Leninkult konnte Stalin, als angeblich legitimer Nachfolger, sich selbst zu einem „Gott“ machen. Sein fünfzigster sowie sein siebzigster Geburtstag glichen riesigen Huldigungszeremonien. Vergrößert wurde sein gottähnlicher Status durch die Manipulation der sowjetischen Geschichtsbücher, in denen Stalin jetzt die bedeutendste Stütze Lenins war und alle anderen an Geist und Größe übertraf. Zu den weiteren Erfolgen der Propagandamaschinerie zählen die schon erwähnte Stachanow-Bewegung und die gelungene Diffamierung von Stalins Rivalen. Viele von ihnen wurden erst unter Gorbatschow rehabilitiert.

Aber diese Politik der Repression und Exploitation über Jahre hinweg reduzierte die Moral und den Arbeitswillen der Bevölkerung, in den Führungsgremien saßen nicht die Fähigsten, sondern die Stalintreuesten und der totalitäre Staatsapparat ließ den Bürgern keinen privaten Handlungsspielraum.

3.3 „Großer Vaterländischer Krieg“ und Spätstalinismus

Dies änderte sich mit dem Überfall Deutschlands 1941. Stalin proklamierte den „Gro- ßen Vaterländischen Krieg“ und appellierte damit an den Patriotismus des russischen, nicht sowjetischen Volkes. Sogar der orthodoxen Kirche wurden die Ketten aus der Leninzeit genommen, damit die gläubigen Soldaten motivierter in die Schlacht zogen.

Auch die Rassensäuberungen der Nazis halfen dabei, den „Sowjetpatriotismus“ und ein Zusammengehörigkeitsgefühl herzustellen. Ebenfalls wurden Lockerungen des politi- schen Zwangs zwar nicht angeordnet, aber stillschweigend hingenommen. Doch mit dem Ende des Krieges und Beginn des Wiederaufbaus waren diese Freiheiten auch wieder dahin. Da der Westen, vor allem die USA, die erhofften Zahlungen ein- stellte und die Reparationen aus Ostdeutschland nicht für den Wiederaufbau reichten „mußte die Wirtschaftspolitik vor allem auf die eigenen Kräfte setzen, und sie knüpfte dort an wo sie in den 30er Jahren aufgehört hatte.“ (70 ) Das galt auch für die Landwirt- schaft. „Die (...) Reprivatisierung von Ackerland wurde umgehend rückgängig ge- macht.“ (71 ) Vielmehr entstanden Großkolchosen nach einer weiteren Kollektivierung. Obwohl sich Stalin Jahr für Jahr immer mehr aus der aktiven Politik zurückzog, war sein Terror und seine Unterdrückung noch überall zu spüren. „In einem Klima der Furcht und Unsicherheit waren Verhaftungen, Verurteilungen und Deportationen aus politischen Gründen an der Tagesordnung; in den Straf- und Zwangsarbeiterlagern be- fanden sich zeitweise bis zu 10 Millionen Menschen.“ (72 ) Selbst kurz vor seinem Tod ließ Stalin seine Brutalität unvermindert zeigen. In der sog. „Ärzteverschwörung“ ließ er eine Gruppe von Kremlärzten verhaften, weil sie angeblich für den Tod mehrerer Funktionäre verantwortlich gewesen seien. Doch Stalins Tod rettete die Ärzte vor der Hinrichtung.

4 Vergleich

4.1 Ausgangsposition

Um einen wirkungsvollen Vergleich der innenpolitischen Methoden von Hitler und Stalin anfertigen zu können, ist es vonnöten, zuerst einen Vergleich der Position der NSDAP bzw. der KPdSU in dem jeweiligen Staat, weiterhin einen Vergleich der Position Hitlers bzw. Stalin in der jeweiligen Partei und einen Vergleich der Stoßrichtung der jeweiligen Ideologie zu machen. Denn daraus lassen sich schon erste Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede in Bezug auf die Methoden herauslesen.

4.1.1 Position der Partei im Staat

Deutschland war 1933 noch eine parlamentarische Demokratie, an der die NSDAP par- tizipierte, und keineswegs ein Einparteienstaat. Im Gegensatz dazu die Sowjetunion. 1923, als Stalins Aufstieg begann, hatte sich die KPdSU bereits eine Monopolstellung gesichert und kontrollierte den Staat. Um eine ähnliche Stellung zu erreichen, musste die NSDAP noch die Demokratie und die Rechtsstaatlichkeit in Deutschland brechen.

4.1.2 Position Hitlers bzw. Stalins in der Partei

Hitler war, als Gründer der NSDAP, schon 1933 der unangefochtene Führer der Partei. Seine Anhängerschaft setzte Hitler mit der Partei gleich. Innerparteiliche Opposition war nicht zu befürchten und schon jetzt beherrschte das Führerprinzip die Organisation. Stalin war nicht der Führer, sondern nur ein Mitglied des Führungsgremium, des Politbüros. Im Marxismus-Leninismus gibt es keinen Führer, nur eine kollektive Herrschaft. Jedoch besaß Stalin das Instrument der Verwaltung und Organisation durch seine Position als Generalsekretär.

Die Kombination von Parteiposition und Position innerhalb der Partei ergibt folgendes Bild: Hitler musste die Monopolstellung seiner Partei, in der er die Monopolstellung innehatte, im Staat erkämpfen und Stalin musste die Monopolstellung in seiner Partei, die die Monopolstellung im Staate innehatte, erkämpfen.

4.1.3 Ideologie

Weiterhin werden durch die jeweiligen Ideologien gewisse Anforderungen an die In- nenpolitik gestellt. Hitler plante im Sinne seiner Lebensraumpolitik den Krieg und richtete deswegen die Innenpolitik nach der Außenpolitik. Er bereitete Deutschland und dessen Bevölkerung auf den Krieg vor. Stalin legte den Schwerpunkt auf die Innenpo- litik, gemäß der an Marx orientierten These vom „Sozialismus in einem Lande“. Sein Ziel bestand darin, die Sowjetunion von einem Agrarland zu einer Industrienation um- zuformen.

Beiden Staatsmännern war ein gewisses Sendungsbewusstsein zu eigen. Sie sahen sich als Messias einer Botschaft, die eine bessere Gesellschaftsordnung versprach. Und um diese neue Ordnung zu schaffen, verwarfen sie nie den Gedanken, dies mit Hilfe von Brutalität zu erreichen. Denn für sie zählte diese Aufgabe mehr, als das Leben einzelner. Diese Aspekte sind die Grundlagen für die jeweiligen Methoden der Innenpolitik mit ihren jeweiligen Zielen.

4.2 Erlangen der Monopolstellung

Das primäre Ziel, das beiden vorschwebte, war das Erlangen einer Monopolstellung. Hitler musste hierfür auf einer höhere Ebene agieren als Stalin. Stalin brauchte nur die Ordnung innerhalb der Partei zu verändern. Hitler musste einen ganzen Staat verändern.

Das, was Hitler bevorstand, hatte schon Lenin für Stalin erreicht. Doch Hitler war kein Revolutionär. Statt dessen benutzte er die Fehler der Weimarer Verfassung, um die Weimarer Republik zu zerstören. Seine Methoden waren formal legal, aber niemals le- gitim. Sein Ziel war es, einen ähnlichen Zustand wie in der Sowjetunion zu erreichen. Dabei war sein Vorgehen genauso intrigierend und brutal wie Stalins Handhabe, eine ähnliche Position in der KPdSU zu erlangen, die Hitler in der NSDAP besaß. Beide mussten mit anderen koalieren, um ihre Vorstellungen durchzusetzen. Hitler verwendete die konservativen Parteien und Stalin die anderen Mitglieder des Politbüros. Doch so- bald sie nicht mehr gebraucht wurden, wurden sie fallengelassen und ausgeschaltet.

4.2.1 Ausschaltung von Rivalen

Die Ausschaltung außer- oder innerparteilicher Rivalen war für beide Staatsmänner von enormer Wichtigkeit und liegt eigentlich in der Logik einer Diktatur begründet. Dabei sind beide vor allem mit Täuschung und mit wechselnden Koalitionen vorgegangen. Hitlers Zerschlagung der Parteien und Gewerkschaften ist vergleichbar mit Stalins Ausschaltung von Trotzki und den anderen. Der „Röhm-Putsch“ stellt in dieser Hinsicht eine Ausnahme dar. Röhms Pläne standen zwar im Widerspruch zu Hitlers Plänen, aber Röhm hat die Führerrolle Hitlers niemals angezweifelt. Seine Ausschaltung diente dazu, die Reichswehr zu beruhigen und sie näher an Hitler zu binden. Nicht Hitler musste in Röhm einen Rivalen sehen, sondern die Reichswehr.

Parallel zur Ausschaltung der Rivalen ging die Festigung der eigenen Machtposition einher. Bei Stalin basierte diese Macht auf die Unterbringung vieler eigener Anhänger in die Führungsgremien der Partei. Entsprechend verlief es bei Hitler, der immer mehr staatliche Ämter an seine Parteifunktionäre verteilen konnte.

4.2.2 Scheinlegalität und Scheinlegitimierung

Dies alles verlief in einer rigorosen Scheinlegalität. Hitler wie Stalin benutzten die Möglichkeiten des Systems, das sie zu vernichten suchten. Als legal ernannter Reichs- kanzler konnte Hitler mit legalen Gesetzen seine Diktatur errichten. Stalin erklärte sich zu Lenins Erben und versprach sein Vorhaben in seinem Sinne zu vollenden. Dadurch erhielt er eine gewisse marxistische Legalität, seine Konkurrenten um die Macht, die Lenins Erbe verraten hatten, zu bekämpfen. Stalins Macht wurde durch die Berufung auf Lenin nicht nur scheinbar legalisiert, sondern auch legitimiert, zumindest für die Bevölkerung. Dass Stalins Taten und Vorgehen gegen den Geist des Leninismus versto- ßen hatten und den Marxismus-Leninismus in der UdSSR begraben hatten, ist ebenso klar ersichtlich, wie der Verstoß Hitlers gegen den Geist der Weimarer Verfassung. Hitler versprach die Fortführung der deutschen Tradition der starken und autoritären Herrschaft, die Deutschland zu der Stellung führen sollte, welche es verdiene. Er ließ seine Diktatur durch die Geschichte legitimieren.

4.3 Totalitarismus

Nachdem beide nun durch alle Mittel des Machiavellismus ihre persönliche Monopolstellung und die der Partei erlangt haben, kann man nun typische Gemeinsamkeiten oder auch grundlegende Unterschiede von totalitären Systemen darstellen.

4.3.1 Herrschaft

Wie schon gesagt fundiert die Macht Hitlers und Stalins in der Kontrolle über die Partei, welche wiederum den Staat mehr oder weniger kontrolliert. Diese Kontrolle des Staates wird durch die Zusammenlegung von Staats- und Parteiamt erreicht und je mehr Staat und Partei übereinstimmen, desto totalitärer ist der Aufbau des Staates. Zumindest wenn in der Partei alle basisdemokratischen Elemente entfernt worden sind. Der Aufbau der KPdSU ist nach Stalins Aufstieg nahezu identisch mit dem der NSDAP. Also lässt sich daraus kein nennenswerter Unterschied herauslesen. Aber in der Intensität des Einpar- teienstaates gab es Unterschiede. Denn „das sowjetische System des Sozialismus war vollendeter und stabiler als der deutsche Nationalsozialismus oder der Faschismus in seinen verschiedenen Erscheinungsformen“. (73 )

Folglich muss sich die größere Stabilität des Sowjetkommunismus aus der stärkeren Verzahnung von Staat und Partei ergeben. Dafür lassen sich zwei Gründe angeben: Zum einen herrschte in Nazi-Deutschland eine „amorphe Herrschaftsstruktur“ (Hehl S.10) vor und die Sowjetunion wird als „Verwaltungsmacht“ (Nolte S.143) definiert. Zum anderen erklärt sich dieses Phänomen durch die Rolle der Führungspersonen, Hitler und Stalin. Hitler war Führer der Partei und zugleich Staatsoberhaupt, also Führer des Staa- tes. Stalin war der unausgesprochene „woschd“ [Führer] der Partei, aber hatte vorerst noch kein Staatsamt inne. Stalin kontrollierte als Generalsekretär die Organisation, die Verwaltung und die Ämterbesetzung der Partei. Er bestimmte die Politik der Partei, welche dann die Politik der Sowjetunion bestimmte. Hitler hingegen kontrollierte Staat und Partei gleichzeitig. Deshalb musste die Partei nicht zwangsläufig den Staat kontrol- lieren. Aber Hitler konnte, ebenso wie Stalin, loyale Vertrauensmänner mit Ämtern be- lohnen. Er verzichtete auf eine straffe Gliederung, weil er persönlich nichts mit Ver- waltung zu tun haben wollte. Durch das dadurch entstandene Kompetenzgerangel seiner Anhängerschaft konnte er seine Führerschaft vollends rechtfertigen, wenn er als Schiedsrichter auftrat. Dieses „organisierte Chaos“ hat Stalin niemals zugelassen. Er sah die Macht der Verwaltung und nutzte sie dementsprechend aus. Er ließ sich über alles informieren und setzte strikte Kompetenzbereiche. Wie stabilisierend die Zusammen- legung von Partei- und Staatsamt wirkt, lässt sich an Heinrich Himmler sehen. Sein SS- Imperium kontrollierte die gesamte „innere Sicherheit“ und wurde zur mächtigsten NS- Nebenorganisation.

Die Struktur der Herrschaft hat natürlich auch ihre Folgen für die Art der Herrschaftsausübung sowie die Struktur auch aus der Art resultiert.

„Hitler besaß außerordentliche charismatische Gaben, und vor allem dadurch vermochte er sich die Loyalität seiner Anhänger dauerhaft zu sichern: Er zog sie gleichsam in seinen Bann. Da Stalin über ein vergleichbares Talent nicht verfügte, begründete er seine Macht auf die Fähigkeit, Angst und Schrecken zu verbreiten.“ (74 ) Der Besitz des Charismas bzw. der Mangel zeigte sich vor allem in Hinblick auf das Vertrauen auf die eigenen Leute. Hitler vertraute seinen Paladinen sehr und ließ sie sogar kleine Machtimperien schaffen, solange sie nach seiner Pfeife tanzten. Stalin misstraute jedem und wenn er annahm, dass sein Gegenüber eine andere Meinung als die seine besaß, ließ er ihn entfernen. Aufgrund der sowjetischen Tradition, in der die Autokratie einer Person verpönt war, musste er dies geschickt und heimlich handhaben. Aber beide erreichten durch verschiedene Methoden dasselbe Ergebnis, das „Funktionieren“ des Parteiapparats. Um die Kontrolle der Bevölkerung sicherzustellen, musste ganz anders vorgegangen werden.

4.3.2 Unterdrückung

In dieser Hinsicht gleichen sich die Methoden der beiden Varianten in einem er- schrec??kenden Maße. In beiden Staaten waren die für die „Innere Sicherheit“ zustän- digen Institutionen die mächtigsten und am wenigsten kontrolliertesten des Systems. Obßoder NKWD, das Prinzip war das gleiche: „Ein Apparat, der nur einem Mann verantwortlich ist und dessen Funktionsprinzip nichts anderes besagt als die kritiklose Unterordnung unter den Willen dieses Mannes und die bedingungslose Ausführung seiner Befehle, ohne Rücksicht auf Recht und Gesetz und ohne irgendwelche Skrupel.“ (75 ) Die Zusammenführung von Polizei und Geheimdienst ermöglichte beiden Diktatoren die totale Kontrolle der Bevölkerung. Ebenso wie Stalin andersdenkende Parteifunktionäre verschwinden ließ, ließ er die andersdenkenden Teile der Bevölkerung verschwinden. Hitler stand dem in nichts nach. Auf beiden Seiten, ob KZ oder Gulag, es bestand ein System von Arbeitslagern, in denen die Arbeitskraft der Gefangenen unentgeltlich ausgebeutet werden konnte. Die Chance auf Rückkehr war minimal. Das Denunziantentum, in solchen Systemen eine tragende Säule, blühte und wurde in beiden Staaten sorgfältig gepflegt. Die Bevölkerung lebte in Angst und Schrecken vor den, außerhalb des Rechts agierenden, Agenten der Gestapo oder des NKWD.

Um die Verhaftungen vor dem Ausland und selbst vor der eigenen Bevölkerung zu rechtfertigen, wurde ein „innerer Feind“ erfunden und bekämpft. Ob „Volksschädling“ bei den Nazis oder „Volksfeind“ bei den Sowjets, ein abstrakter Begriff, der auf jeden nach Bedarf angewandt werden konnte. Im Grunde waren diese „Feinde“ nichts anderes als Kritiker oder Andersdenkende. Doch Kritik wurde brutal unterdrückt und um diese Willkürherrschaft zu verheimlichen oder sogar akzeptabel zu machen, wurde die, durch die Ideologie entstandene und durch die Propaganda verbreitete Lüge zu einem Straf- tatbestand vergleichbar mir Hochverrat hochgesteigert. Zunächst traf es die Andersden- kenden, die Systemgegner und die politischen Gegner. In der Sowjetunion vor allem die „Kulaken“ oder die „Saboteure“, sprich die „letzten Bastionen des Kapitalismus“. Bei den Nationalsozialisten waren es die Marxisten und alle anderen nicht konforme Organisationsangehörige. Doch bei ihnen wurde ein weiteres Kriterium des „inneren Feindes“ hinzugefügt, der rein ideologische Feind, die Juden und alles andere „unwerte Leben“. Ihre Bekämpfung und Vernichtung diente nicht dem Machterhalt oder der Machtsicherung, sondern war nur ideologisches Programm.

Schwerwiegend wurde es, wenn ein solcher „Feind“, ideologisch oder politisch, in den eigenen Reihen saß, d.h. ein Staatsamt innehatte oder sogar Parteimitglied war. Als In- strument des Machterhalts bekam hier die „Säuberung“ ihr Aufgabengebiet. Definiert wird Säuberung als solche: „Im politischen Sprachgebrauch die undemokratische mas- senhafte Entfernung (oft auch physische Vernichtung) politischer Gegner aus ihren Positionen in Staat, Partei, u.a., wodurch (neue) politische Machthaber ihre Macht und die alleinige Geltung ihrer Zielvorstellungen abzusichern suchen.“ (76 ) Beide Machtha- ber ließen Säuberungen durchführen, aber in unterschiedlichen Ausmaßen und zu ande- ren Zwecken. Hitler säuberte in der Zeit der „Machtergreifung“ vor allem Verwaltung, Exekutivorgane und Justiz von rassenideologischen Feinden und Nichtnationalsoziali- sten. Sobald aber die gesäuberten Institutionen regimetreu handelten, wurde auf Säube- rung verzichtet. Wie schon erwähnt, der „Röhm-Putsch“ war keine Säuberung wegen Illoyalität, sondern sollte eine mächtigere Organisation, die Reichswehr, beruhigen und somit Hitlers Pläne von dem Krieg sicherstellen. Stalin jedoch, der nicht mehr Nicht- kommunisten entfernen musste, säuberte zahlreich und in enormen Maße die KPdSU, Staat und Armee. Kritiker und Widersacher, wirkliche oder nur scheinbare, mussten aus Stalins Machtapparaten entfernt werden. Die Intensität der sowjetischen Säuberungen lässt sich auf Stalins Misstrauen gegenüber jedem und seiner Paranoia vor Attentaten zurückführen. Auch die unterschiedliche Struktur der Herrschaft wirkte sich auf die un- terschiedlichen Anwendungen der „Säuberungen“ aus. Stalin brauchte einen perfekt funktionierenden, auf ihn ausgerichteten Parteiapparat. Hitler hingegen überließ viele Angelegenheiten seinen Untergebenen und erwartete Erfolge, egal wie sie erreicht wurden.

Um diese „Feinde“ wirkungsvoller zu bekämpfen, also mundtot zu machen oder zu tö- ten, bedarf es einer instrumentalisierten und abhängigen Justiz. Hitler richtete dafür Sondergerichte ein und Stalin besetzte die Richterbank mit seinen Anhängern. Neben den außerrechtlichen Maßnahmen der Geheimpolizeien ergänzten pseudorechtliche Maßnahmen die Ausschaltung der Gegner. Vor allem Stalin setzte auf „Schauprozesse“:

„Bezeichnung für von einem meist diktatorisch herrschenden Regime gegen dessen po- litische Gegner inszenierte Gerichtsverfahren, die propagandistisch ausgewertet werden. Der Verlauf von Sch. ist meist zwischen Anklage und Gericht abgesprochen; die Öf- fentlichkeit im Gerichtssaal wird durch ein ausgesuchtes, regimetreues Publikum nur scheinbar hergestellt; die vom Regime abhängige Justiz verhängt zur Abschreckung unangemessen hohe Strafen. Im engeren Sinne ist von Sch. die Rede, wenn sich die An- geklagten selbst der Staatsverbrechen bezichtigen und diese in der Haft durch Drohung und Folter erzwungenen Geständnisse meist einziges Indiz für ihre Tat sind.“ (77 )

Hitler bedurfte so etwas nicht. Durch „Führerprinzip“ und „Führerwillen“ bestimmte er was Recht ist und wer sein Feind ist. Ebenfalls typisch für beide Systeme ist die Ausweitung der Todesstrafe auf eine Vielzahl weiterer Straftatbestände. Todesurteile und Verhängung von Zwangsarbeit dienten als stabilisierende Methoden der Diktaturen. Denn dadurch war es leichter, unliebsame Personen durch Tötung auszuschalten und das mit einem legalen Hintergrund.

4.3.3 Organisation

Nicht nur die Justiz wurde instrumentalisiert und der Regimelinie gleichgeschaltet. To- talitäre Systeme wollen im Gegensatz zu autoritären Systemen neben dem Staat noch zusätzlich die Bevölkerung absolut, oder total, unter Kontrolle haben. Um dies zu errei- chen muss der politisch-gesellschaftliche Pluralismus innerhalb des Staates aufgehoben und durch eine verpflichtende Staatsideologie ersetzt werden. Unter den Nationalsozia- listen wurde dieses Vorgehen als „Gleichschaltung“ bezeichnet. Stalin bekam schon, als er sich zum „woschd“ gekürt hatte, einen von Lenin vorgeformten und gleichgeschalte- ten Staat vererbt. Mit beiden Systemen und den jeweiligen Ideologien unvereinbar wa- ren die Gewerkschaften. Stalin wie Hitler bedurften Arbeiter, die nach ihren Richtlinien und Vorgaben arbeiteten und nicht Eigeninteressen hatten und sie sogar artikulierten. Die Gewerkschaften wurden zu willenlosen Marionettenorganisationen gemacht. Hitler schaffte sie ganz ab und organisierte sie in der DAF neu. Neben den Gewerkschaften, als Arbeitnehmerinteressenverbände, wurden auch die anderen gesellschaftlichen Grup- pen oder Verbände aufgelöst oder in regimetreue Organisationen eingegliedert. Es sollte keine Macht neben der offiziellen Ideologie geben. Weigerung wurde mit oben beschriebenen Terror beantwortet.

Da alle gesellschaftlichen Verbände, egal welcher Altersgruppe oder Interessenlage, gleichgeschaltet und regimetreu organisiert wurden, war es nun möglich jeden Men- schen der Bevölkerung zu erreichen und ihm die Vorstellungen der Führung einzu- bleuen. Beide Systeme erreichten dadurch eine unglaubliche Mobilisierung der Bevöl- kerung nach ihrem Sinne. Besonders die Erziehung von Kindern und Jugendlichen war von größter Bedeutung. Ob HJ oder das sowjetische Pendant, das Komsomol, ob „Wehrertüchtigung“ oder „Kaderschmiede“, eine geblendete und ideologisch verklärte Jugend war für beide Regime eine sichernde Stütze der Macht. Denn „man muß die Ar- beit der Jugendorganisationen in beiden Fällen vor dem Hintergrund der völligen Gleichschaltung des Erziehungs- und Schulwesens sehen - also der Reorganisation des Schulsystems und der Lehrerausbildung, der Revision der Lehrbücher, der Säuberung der Lehrpläne im Sinne der marxistisch-leninistischen bzw., in Deutschland, der rassi- stischen Interpretation der Geschichte“. (78 ) Ergänzt durch verpflichtenden Arbeitsdienst und allgemeiner Wehrpflicht sollte der „neue Mensch“ erschaffen werden.

Eine solche Organisation bringt eine weitere Überwachungsmöglichkeit der Bevölke- rung neben Polizei und Geheimdienst mit sich. Da jede Aktivität der Verbände durch Partei oder Staat genehmigt sein musste und die Vorsitzenden nach ihrer Parteitreue eingesetzt wurden, konnte durch heimliches oder offenes Denunziantentum eine nicht zu verachtende Kontrolle erreicht werden. Weiterhin manifestierte dieser Aufbau die Allgegenwart der Partei und die Unmöglichkeit Privatsphäre zu haben oder zu schaffen. Darüber hinaus konnte durch eine solche Organisation die „Überzeugung durch Zwang“ der Terrorinstrumente durch „Überzeugung durch Freude“ überdeckt werden. Auch die Motivation und Loyalität der Bevölkerung konnte erhöht werden, denn durch das weit verzweigte System von regimetreuen Verbänden konnten viele Posten vergeben und besondere Leistungen durch Orden u.ä. belohnt werden, was wiederum zu höheren Ansehen in der Bevölkerung für den einzelnen führte.

4.3.4 Manipulation

Den Anstoß gab hierfür die, in beiden Systemen gleichsam systematisierte Propaganda. Eine wirkungsvolle Manipulation durch einseitige und rein subjektive Berichterstattung ist nur möglich, wenn ein Monopol des Staates über die Informationen besteht. Darum hat Hitler ziemlich schnell Rundfunk und Presse gleichgeschaltet und in der UdSSR wurden schon 1917 alle nicht-bolschewistischen Zeitungen verboten. Der Unterschied hierzu war, dass in Deutschland eine Nachzensur und in der UdSSR eine Vorzensur an- gewandt wurde. Aber in beiden Staaten existierte eine Zensur und Verstöße gegen die Parteilinie wurden mit Hochverrat bestraft. Doch bevor Stalin wirkungsvoll Propaganda anhand von Zeitungen betreiben konnte, musste das Analphabetentum innerhalb der UdSSR bekämpft werden. Deshalb muss man die positiv scheinende Alphabetisierung der sowjetischen Bevölkerung unter Stalin in einem anderen Licht scheinen lassen.

Zu den großen Propagandaerfolgen zählen der „Tag von Potsdam“ und die Verbreitung des Antisemitismus auf der einen Seite und die „Stachanow-Bewegung“ und die Hetze gegen die Kulaken auf der anderen Seite. Hitler selbst definiert Propaganda wie folgt: „Die Aufgabe der Propaganda ist z.B. nicht ein Abwägen der verschiedenen Rechte, sondern das ausschließliche Betonen des einen durch sie zu vertretenden. Sie hat nicht objektiv auch die Wahrheit, soweit sie den anderen günstig ist, zu erforschen, um sie dann der Masse in doktrinärer Aufrichtigkeit vorzusetzen, sondern ununterbrochen der eigenen zu dienen.“ (79 ) Die Naivität der Bevölkerung musste ausgenutzt werden, um Motivation zu wecken oder bestimmte Emotionen in gewisse Richtungen zu lenken. Darunter gehören die Stilisierung der Ideologie, der Partei und selbst des Führers zu verehrungswürdigen, gottähnlichen Institutionen.

Der Personenkult um den Führer verdient hier gesonderter Beachtung. Denn beide Dik- tatoren ließen sich durch Propaganda, Kunst, Filme und Literatur zum Mythos, zum Retter der Nation, zum Messias ausrufen. Hitler berief sich auf die autoritäre Tradition Deutschlands und Stalin auf Lenin. „Gerade die starke Anlehnung an Lenin aber macht einen (...) Unterschied zwischen den beiden Diktatoren aus. Während Stalin sich zum alter ego Lenins stilisierte und damit gleichsam sein apostolisches Mandat als Nachfol- ger von Marx und Engels begründete, gibt es bei Hitler nichts Vergleichbares. Er hatte dergleichen nicht nötig.“ (80 ) Bereits vor der „Machtergreifung“ wurde der „Hitlermy- thos“ innerhalb der NSDAP aufgebaut und gepflegt. Hitler war von vornherein die strahlende Galionsfigur der NS-Bewegung und die Übertragung dieses parteiinternen Kultes auf Staatsebene zeigt von Konsequenz. Denn das Führerprinzip der NS-Ideologie impliziert in gewisser Weise die Unterwerfung und damit auch das Vertrauen in die Richtigkeit der Führerentscheidungen, das wiederum zur Mythifizierung desselben führt.

4.3.5 Ideologische Aspekte

Nicht nur der Personenkult war durch die Ideologie beeinflusst, sondern auch die Art der Wirtschaftspolitik. In diesem Punkt unterscheiden sich die beiden Diktatoren in ex- tremer Weise. Denn Stalin war, trotz seiner teilweisen Verfälschung der marxistischen Lehre, davon überzeugt den Sozialismus und auch den Kommunismus zu erreichen. Deswegen monopolisierte er die Wirtschaft zu einer staatlichen Planwirtschaft mit den obligatorischen Fünfjahresplänen. Die Marktwirtschaft wurde beseitigt und der Staat bzw. die Partei übernahm die Aufsicht über die Arbeiter und Bauern. Diese sollten durch Vorgaben der politischen Führung daran mitwirken, die kapitalistischen Länder einzuholen und zu überholen. Wegen der utopischen Zielsetzungen und der Engstirnig- keit Stalins, bezahlten dies viele Bürger mit ihrem Leben. Hitler hingegen ließ der In- dustrie viele Freiräume mit der Auflage, das Autarkiestreben zu fördern und die Aufrü- stung zu vollziehen. Solange die Industrie dies in einem für Hitler angemessenen Rah- men erfüllte, sah er sich nicht gezwungen in revolutionärer Art einzugreifen. Die Ar- beiterschaft wurde im Gegensatz zur Unternehmerschaft in beiden Systemen dem Staatswillen unterworfen. Da nun Stalin beide Pole der Wirtschaft seiner Herrschaft untergeordnet hatte, zeigt sich auch hier die stärkere Ausprägung des Totalitarismus als bei Hitler.

Zwei zwar unterschiedliche ideologische Zielsetzungen erfolgten dennoch nach der gleichen Methode der völligen Unmenschlichkeit. Die Vernichtung des europäischen Judentums auf der nationalsozialistischen Seite und Stalins These vom „Sozialismus in einem Lande“ beinhalten das bewusst in Kauf genommene bzw. gewollte Töten von Menschen. Die Erfüllung des ideologischen Programms war beiden Diktatoren wichti- ger als das Leben von mehreren Millionen Menschen. Nach den Schlagwörtern, dass der Zweck die Mittel heilige und die Geschichte von Siegern geschrieben werde, wurde die- ses Vorgehen zur Etablierung einer neuen Gesellschaftsordnung legitimiert. Begleitet durch propagandistische Euphemismen und Verharmlosungen wurden diese Maßnah- men der eigenen Bevölkerung verschwiegen, da der Genozid eines Volkes bzw. ein Massenmord am eigenen Volk wohl selbst durch perfekte Propaganda nicht vermittelt werden konnte. Der Wille Menschenleben in Millionenhöhe zu vernichten blieb auf die politische Führung des jeweiligen Systems und deren Handlanger beschränkt.

4.4 Der „totale Staat“ im „totalen Krieg“

Den Abschluss des Vergleiches bildet das Verhalten der totalitären Systeme im Hinblick auf die Innenpolitik während des Zweiten Weltkrieges. Grundsätzlich kann es auf zwei Punkte beschränkt werden: Erstens die Propaganda und Mobilisierung der Bevölkerung und zweitens der Umgang mit Widerstand.

Solange die Nationalsozialisten militärische Erfolge feiern durften, bedurfte es keiner so beharrlichen Propaganda. Doch sobald die Erfolge ausblieben und die Aussicht auf Sieg verblasste, behämmerte Goebbels‘ Propagandamaschinerie die Bevölkerung täglich mit Durchhalteparolen und Lügen. Die Rekrutierung von Jugendlichen und Senioren zum Volkssturm wurde ohne Meuterei und Streiks angenommen. Stalin musste eine andere Strategie anwenden. Er apellierte an den Patriotismus des Volkes, er erinnerte an die ruhmreiche Geschichte des russischen Volkes, um den Überfall der Nazis zu stoppen. Während des Krieges gaben einige Zugeständnisse, wie Reprivatisierung von Ackerland, weitere Motivation, die jedoch mit Ende des Krieges sofort rückgängig gemacht wurden. Ebenso bekam die unterdrückte orthodoxe Kirche wieder mehr Spielraum.

Je mehr Erfolge die Sowjets feierten, desto stärker wurden die Belastungen für das deut- sche Volk. Doch Proteste wurden brutal unterdrückt und Widerstandsaktionen endeten mit der Todesstrafe wegen Hochverrats. Die Terrormaßnahmen wurden verschärft und selbst die geringste Kritik wurde bestraft. Die Sowjets und vor allem Stalin eilten von Erfolg zu Erfolg. Es gab keinen Widerstand gegen das Regime, mögliche Abweichler wurden schon vor dem Krieg in den dreißiger Jahren hinausgesäubert. Stalin blieb vie- len sowjetischen Bürgern als der große Feldherr, als der Generalissimo, in Erinnerung.

4.5 Zusammenfassung

Zusammenfassend lässt sich nun über die Gemeinsamkeiten der Methoden der beiden Systeme folgendes sagen: Nach Alan Bullock dominieren hierbei die Anwendungen der vier Herrschaftsinstrumente: Partei, Terror, Propaganda, Organisation. Ebenso definiert der Schülerduden „Politik und Gesellschaft“ allgemeine Merkmale der Systeme so: „Das Einparteiensystem, die Ausschaltung jeglicher Opposition, die Indoktrination des Volkes mit einer bestimmten Ideologie, die Anwendung von Terror gegen Anders- denkende, vorzugsweise durch eine Geheimpolizei, der mangelnde Grundrechtsschutz, die Reglementierung des kulturellen und wirtschaftlichen Lebens und der Personenkult um einen praktisch unumschränkt herrschenden ‚Führer‘“. (81 ) Zur Indoktrination des Volkes muss noch die engstirnige Brutalität, die bei der Umsetzung dieser bestimmten Ideologie auf beiden Seiten angewandt wurde, hinzugezählt werden. Aber auch die rigorose Besetzung der Staats- bzw. Parteiämter mit treuen Anhängern, um Kritik bzw. Opposition von vornherein auszuschließen, ist beiden Systemen eigen.

Doch aus der jeweiligen Intensität der gemeinsamen Merkmale lassen sich unter- schiedliche Methoden herauslesen. Das Einparteiensystem, mit seiner Verzahnung von Staat und Partei, wurde in der UdSSR viel straffer organisiert als in Deutschland. Eine Erklärung hierfür bietet die unterschiedliche Ausgangssituation der beiden Diktatoren. Ebenso beeinflusst dies die Methoden zur Ausschaltung jeglicher Opposition. Hitler, auf der Staatsebene agierend, benutzte dazu die Schwächen der Weimarer Verfassung in Form von legalen Gesetzen, kombiniert mit dem Terror der SA. Stalin, in Parteikreisen agierend, setzte vor allem auf Täuschung und List. Aufgrund der nicht einheitlichen Verzahnung, gibt es auch kein einheitliches Vorgehen gegen Andersdenkende. Hitler bekämpft sie vor allem außerhalb der NSDAP, Stalin hingegen sowohl innerhalb wie außerhalb, aber primär innerhalb der KPdSU. Die Ausmaße des Terrors lassen sich schlecht vergleichen, da Stalin wesentlich mehr Zeit hatte, seinen Terror walten zu lassen. Der deutlichste Unterschied zwischen den beiden Diktatoren besteht in der Art und Weise Wirtschaftspolitik zu betreiben, bedingt durch eine andere Weltanschauung und ein unterschiedliches Industrialisierungsniveau der Länder.

5 Schlussbemerkung

Im Großen und Ganzen wird ein totalitäres System dadurch geprägt, welche Ausgangs- position es hatte und welche Ideologie ihm zugrunde liegt. Da ein solches System erst einmal aufgebaut werden muss, differenzieren schon die Methoden zur Errichtung der Totalität. Aber trotz aller Unterschiede, überwiegen die typischen Gemeinsamkeiten, so dass man eine für solche Systeme einheitliche Grundstruktur erstellen kann. Die Unterschiede in den Details stehen in Abhängigkeit zu der unterschiedlichen Geschichte und Tradition und dem andersartigem Gedankengut der verschiedenen Völker. Darüber hinaus prägt der Charakter des jeweiligen Diktators viele Gegebenheiten solcher Systeme, bedingt durch den starken personalen Bezug.

Literaturverzeichnis

- Bracher, Karl Dietrich: „Die Deutsche Diktatur“ Köln, Verlag Kiepenheuer & Witsch, 1993 7
- Hehl, Ulrich von: „Nationalsozialistische Herrschaft“
- Enzyklopädie Deutscher Geschichte Band 9; München, R. Oldenbourg Verlag, 1996
- Malettke, Klaus (Hrsg.): „Der Nationalsozialismus an der Macht“ Göttingen, Vandenhoeck & Ruprecht, 1984
- Wendt, Bernd Jürgen: „Deutschland 1933-1945 - Das Dritte Reich“ Hannover, Fackelträger-Verlag, 1995
- Herbst, Ludolf: „Das Nationalsozialistische Deutschland 1933-1945“ Frankfurt/Main, Suhrkamp Verlag, 1996
- Erdmann, Karl Dietrich: „Gebhardt Handbuch der deutschen Geschichte Band 20 Deutschland unter der Herrschaft der Nationalsozialisten 1933-1939“ München, Deutscher Taschenbuch Verlag, 1996 10
- Kleber/Musselmann: „Grundkurs Geschichte Band 3“ Freising, Verlag M. Stark, 1986
- Frei, Norbert: „Der Führerstaat - Nationalsozialistische Herrschaft 1933-1945“ München, Deutscher Taschenbuch Verlag, 1987
- Rauch, Georg von: „Geschichte der Sowjetunion“ Stuttgart, Kröner Verlag, 1987 7
- Altrichter, Helmut: „Kleine Geschichte der Sowjetunion 1917-1991“ München, Beck Verlag, 1993
- Wolkogonow, Dimitri: „Stalin - Triumph oder Tragödie“ Düsseldorf/Wien, ECON-Taschenbuch-Verlag, 1989
- Stadelmaier, Franz: „Die Sowjetunion 1917 bis 1991 - zwei Revolutionen verän- dern die Welt“; Bonn/Berlin, Bouvier, 1991
- Bullock, Alan: „Hitler und Stalin - Parallele Leben“ Berlin, Siedler Verlag, 1991
- Nolte, Hans-Heinrich: „Russland/UdSSR - Geschichte, Politik, Wirtschaft“ Hannover, Fackelträger-Verlag, 1991
- Informationen zur politischen Bildung: „Der Nationalsozialismus“ Nr. 123/126/127, 1991
- Informationen zur politischen Bildung: „Die Sowjetunion 1917-1953“ Nr. 235, 1992
- Winkler, Heinrich August: „ ‚Unseren Feinden zur Warnung‘ - Massenorganisatio- nen im Dritten Reich“, in: Der Spiegel, 1999, Nr. 35, S.128-129
- Courtois, Stéphane: „Terror gegen die Massen“, in: Der Spiegel, 1999, Nr. 30, S.116-128
- Schülerduden „Die Geschichte“ Mannheim/Wien/Zürich, Dudenverlag, 1988 2
- Schülerduden „Politik und Gesellschaft“ Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich, Dudenverlag, 1992 3

Ich erkläre hiermit, dass ich die Facharbeit ohne fremde Hilfe angefertigt und nur die im Literaturverzeichnis angeführten Quellen und Hilfsmittel benützt habe:

München, den 01.02.2000

Philipp Mikschl

[...]


1 Hehl S.1

2 Bracher S.222

3 Malettke S.30

4 Hehl S.5

5 Wendt S.83

6 Herbst S.67

7 Bracher S.223

8 Wendt S.107

9 Erdmann S.91

10 Hehl S.7

11 Kleber/Musselmann S.55

12 ebenda

13 Wendt S.82

14 Bracher S.233-234

15 Frei S.32

16 ebenda S.86-87

17 vgl. Wendt S.129

18 ebenda S.134

19 Hehl S.13

20 Bracher S.371

21 Hehl S.18

22 Wendt S.148

23 ebenda S.154

24 Bracher S.389

25 Hehl S.24

26 Bracher S.398

27 Hehl S.22

28 Frei S.106

29 Informationen zur politischen Bildung: Der Nationalsozialismus S.31

30 Erdmann S.110

31 Hehl S.35

32 Wendt S.202

33 Hehl S.34

34 Spiegel Nr.35/1999 S.128/129

35 Frei S.104

36 Erdmann S.165

37 Hehl. S.27

38 Wendt S.138

39 Hehl S.29

40 Bracher S.444

41 Informationen zur politischen Bildung: Der Nationalsozialismus S.68

42 ebenda S.69

43 Stadelmaier S.73-74

44 ebenda S.75

45 Rauch S.183

46 ebenda S.188

47 ebenda S.190

48 ebenda S.197

49 Stadelmaier S.75

50 Spiegel Nr.30/1999 S.119

51 Stadelmaier S.76-77

52 Altrichter S.68

53 vgl. Wolkogonow S.248

54 Wolkogonow S.248-249

55 Borys Lewytzkyi: Die rote Inquisition, Geschichte der sowjetischen Sicherheitsdienste, Societäts Verlag, Frankfurt/Main 1967, S.76 ff. in: Informationen zur politischen Bildung Die Sowjetunion 1917-1953 S.27

56 Rauch S.216

57 Stadelmaier S.79

58 Spiegel Nr. 30/1999 S.120

59 Informationen zur politischen Bildung Die Sowjetunion 1917-1953 S.29

60 Rauch S.255

61 Spiegel Nr. 30/1999 S.120

62 Wolkogonow S.292

63 Rauch S.267

64 ebenda S.275

65 Altrichter S.86

66 Rauch S.279

67 Informationen zur politischen Bildung Die Sowjetunion 1917-1953 S.30

68 Stadelmaier S.81

69 ebenda S.82

70 Altrichter S.113

71 Informationen zur politischen Bildung Die Sowjetunion 1917-1953 S.39

72 ebenda S.40

73 Michael Heller/ Alexander Nekrich: Geschichte der Sowjetunion, Erster Band: 1914-1929, Athenäum Verlag, Königstein/Ts., S.222 ff. in: Informationen zur politischen Bildung Die Sowjetunion 1917-1953 S.44

74 Bullock S.482

75 ebenda S.522

76 Schülerduden: Die Geschichte „Säuberung“ S.371

77 ebenda „Schauprozesse“ S.372

78 Bullock S.539/540

79 Hitler „Mein Kampf“ S.200 in Kleber/Musselmann Q95 S.187

80 Bullock S.492

81 Schülerduden: Politik und Gesellschaft „Totalitarismus“ S.390/391

Details

Seiten
39
Jahr
2000
Dateigröße
542 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v105810
Note
13 Punkte
Schlagworte
Methoden Innenpolitik Systems Vergleich Hitler Stalin

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Titel: Methoden der Innenpolitik eines totalitären Systems Vergleich Hitler - Stalin