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Der zensierte Krieg: Krisenkommunikation und Medienberichterstattung während des 2. Golfkrieges

Seminararbeit 2002 21 Seiten

Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Chronik des Golfkriegs

3. Krisenkommunikation und PR
3.1 Auslandsberichterstattung und staatliche PR
3.2 Informationsverweigerung und Desinformation
3.3 Psychologische Destabilisierung
3.4 Politische Euphemismen
3.5 Feindbilder Irak und Saddam Hussein
3.6 Die Brutkasten-Lüge

4. Medienberichterstattung in Deutschland
4.1 Die Haltung der Deutschen zum Golfkrieg
4.2 Mediengebrauch in der BRD während des Golfkriegs
4.3 Berichterstattung der deutschen Medien
4.4 Polarisierung der Bevölkerung

5. Eine andere Art der Berichterstattung: Friedensjournalismus

6. Schlussbemerkung

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Am 3. März 1992 gab der US-General Norman Schwarzkopf in einer Rede in Riad offen zu, dass die Presse während der Bombardements und vor der Bodenoffensive im Golfkrieg vom Militär gezielt manipuliert wurde um den Irak zu täuschen. Er dankte den Medien, dass sie zu Beginn des Krieges die alliierte Streitmacht und ihre militärischen Erfolge so eindrucksvoll beschrieben hätten, dass der Feind von Gegenangriffen abgesehen hätte. Schwarzkopf bestätigte auch, dass die Pool-Journalisten an der Nase herumgeführt wurden. Man brachte sie immer zu den selben Frontabschnitten, die saudisch-irakische Grenze haben sie nie gesehen (Lenk 1992: 36).

Mit diesen Aussagen wurde endgültig offensichtlich, dass die Medien als Waffe innerhalb der Kriegsführung eingesetzt wurden. Die Medien sind ein Mittel der politischen Meinungs- und Willensbildung und haben eine spezielle Bedeutung in Bezug auf die Herausbildung öffentlicher Meinung zu Kriegshandlungen (Oldhaver 2000: 55). Die öffentliche Meinung ist dabei eine von den Medien hergestellte Realität, die von medienspezifischen (z.B. Stereotypen) oder medienfremden (z.B. Interessen) Einflüssen getragen wird (Oldhaver 2000: 53).

Der große Einfluss der Medien auf Meinungen beruht auf ihrer Fähigkeit eine Vielzahl von Menschen gleichzeitig ansprechen zu können, außerdem schaffen sie die Voraussetzung für eine intensive Diskussion in einer breiten Öffentlichkeit (Oldhaver 2000: 53). Gerade Informationen über so abstrakte und entfernte Themen wie Sicherheitspolitik und Kriege können meistens nur den Medien entnommen werden.

In dieser Hausarbeit sollen verschiedene Strategien der Krisenkommunikation und militärischen Informationssteuerung während des 2. Golfkrieges betrachtet und ein Überblick über die deutsche Medienberichterstattung gegeben werden. Abschließend möchte ich mit dem Friedensjournalismus eine Alternative zur bisherigen Konfliktsberichterstattung vorstellen.

2. Chronik des Golfkriegs

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Krisenkommunikation und Public Relations

Das Internationale Tribunal für Kriegsverbrecher hat unter anderem den US-Präsidenten George Bush wegen 19 Kriegsverbrechen während des Golfkrieges für schuldig gesprochen. Ein Anklagepunkt war, dass Massenmedien systematisch manipuliert, kontrolliert, gelenkt, falsch informiert und eingeschränkt wurden um Unterstützung für politische und militärische Ziele zu erhalten.

Nach Wolf Dombrowsky sind unter dem Begriff Krisenkommunikation Diskursverfahren zu verstehen, die sich nicht auf zukünftige, sondern auf gegenwärtige, akut ausgelöste oder chronisch schwelende krisenhafte Ereignisse beziehen (1991: 1).

Abhängig vom jeweiligen Krisentyp lassen sich zwei Arten von Krisenkommunikation unterscheiden: 1. Bei sogenannten Bewältigungskrisen soll die Krisenkommunikation durch eine umfassende Informationspolitik zur Schadensbewältigung und zur Verhinderung von Folgeschäden beitragen ("Krisenbewältigungsauftrag").

2. Bei Akzeptanzkrisen soll die Krisenkommunikation die Loyalität der an einer Krise Beteiligten wiederherstellen ("Akzeptanz- und Legitimationsaufgabe").

(Dombrowsky 1991: 6ff)

Krisenkommunikation wird in diesem Fall auf Strategien reduziert, mit denen bestimmte Akteure bestimmte Kommunikationsziele erreichen wollen. Diese Definition könnte aber auch dem Begriff der Public Relations entsprechen (Löffelholz 1993 a: 13).

Bei Krisen in politischen Prozessen können politische Entscheidungsträger demnach also entweder auf einen in ihrer jeweiligen nationalen Öffentlichkeit bereits vorhandenen Konsens zurückgreifen oder versuchen die Unterstützung der Öffentlichkeit durch Argumente und Manipulation zu gewinnen (Beham 1996: 150). So können sie zum Beispiel Bilder von sich und den anderen Herstellen oder sich um das Interesse und Verständnis anderer Staaten bemühen. Eine Supermacht wie die USA mit einem internationalen Führungsanspruch im politisch-militärischen Selbstverständnis und einem wissenschaftlichen und technischen Fortschrittsvorsprung könnte somit ihre Interessen und Möglichkeiten zur Manipulation von Nationenbildern bündeln (Beham 1996: 151).

3.1 Staatliche PR und Auslandsberichterstattung

Die Hauptaufgabe politischer Öffentlichkeitsarbeit ist es zu informieren, für neue Problemstellungen zu sensibilisieren und durch das Anbieten politischer Handlungsmöglichkeiten die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Sie ist auf die Multiplikatorwirkung der Massenmedien angelegt und zielt darauf ab, Menschen zu beeinflussen, ohne dass diese es bemerken (Oldhaver 2000: 58). Die Strategie staatlicher PR zielt auf den Abbau politischer Isolationsfurcht und die Erweckung offener Bekenntnisbereitschaft (Oldhaver 2000: 62).

Es kann zwischen drei Arten von PR unterschieden werden: Unter schwarzer PR versteht man Täuschungsmanöver, die die wahre Identität des Propagandisten verheimlichen wollen. Graue PR hat einen zweifelhaften Inhalt und vermeidet gezielt die Herstellung einer Verbindung zur Informationsquelle. Bei weißer PR werden als wahr angesehene Informationen verbreitet (Oldhaver 2000: 59).

Ein Höhepunkt der propagandistischen Kampagne während des Golfkriegs war erreicht, als erste Raketen von irakischen Abschussrampen aus auf israelisches Gebiet gefeuert wurden, Israel aber auf Anraten der USA auf Gegenwehr verzichtete, da ein hilfloses und bedrohtes Israel die Weltmeinung positiv beeinflusst (Mahrad 1992:17f).

Eine wichtige Grundbedingung ist die Glaubwürdigkeit des Kommunikators, eine vom Rezipienten als Überredung verstandene PR kann daran zweifeln lassen und erreicht dann meist nur das Gegenteil.

Bei Rezipienten mit einem höherem Bildungsniveau, einer ursprünglich gegenteiligen Ansicht oder einer guten Kenntnis des Themas sollten zur Überzeugung Pro- und Contra-Argumente eingesetzt werden. Bei Rezipienten mit einem niedrigerem Bildungsniveau, der gleichen Ansicht oder wenig Kenntnissen im Themenbereich ist wiederum eine einseitige Argumentation erfolgreicher (Oldhaver 2000: 60).

Die Strategie, in der Werbung Textinformationen durch Bilder zu ersetzen ist beim Thema Sicherheitspolitik problematisch, da die Abbildung von Soldaten oder Waffen schnell martialisch wirken kann. Die wichtigste Aufgabe manipulativer PR, gerade bei der Sicherheitspolitik ist die Erfindung oder Besetzung von eingängigen Schlagworten. Gut geeignet sind dabei Worte, die zwar allgemein verbreitet sind, aber nur vage definiert sind und einen starken emotionalen Bezug signalisieren. Diese Definitionen sind besonders wichtig für die Neueinführung eines Themas, da einmal eingeführte Begriffe die Wahrnehmung eines Problemzusammenhanges strukturieren und präjudizieren. Beispiele hierfür finden sich beim Verharmlosen von Waffensystemen als "sauber" und "intelligent" oder bei der Verwendung von euphemistischen Begriffen wie "friedensschaffend" und "friedenswahrend" für Militäreinsätze (Oldhaver 2000: 59ff).

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Details

Seiten
21
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638169622
Dateigröße
546 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v10578
Institution / Hochschule
Universität Erfurt – Philosophische Fakultät
Note
1,0
Schlagworte
Krieg Krisenkommunikation Medienberichterstattung Golfkrieges Seminar Medien Friedensstifter

Autor

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Titel: Der zensierte Krieg: Krisenkommunikation und Medienberichterstattung während des 2. Golfkrieges