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Metaphern in der Kommunikationswissenschaft

Seminararbeit 2002 12 Seiten

Medien / Kommunikation - Theorien, Modelle, Begriffe

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Metaphern als Modelle
2.1 Definitionen
2.2 Funktionen

3 Kommunikationsmetaphern zur Verbildlichung eines neuen Mediums
3.1 Die Metapher vom Kanal - das Telefon
3.2 Metaphern des Internet
3.2.1 Struktur- und Funktionsmetaphern nach Bernhard Debatin
3.2.2 Die Studie von Katharina Kruse

4 Kommunikationsmetaphern zur Erklärung eines bestimmten Kommunikationsaspektes
4.1 Die Kontroll-Metapher
4.2 Die Metapher vom Argument als Krieg

5 Zu den Grenzen von Metaphern

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ist der Vater das „Haupt“ der Familie, steht man am „Fuß“ des Berges, „surft“ man durch das Internet oder lebt man im global village , Meta- phern findet man immer und überall, sobald kommuniziert wird. So wird die Bedeutsamkeit von Metaphern für das reibungslose Funktionieren von Kommunikation oft von Kommunikationswissenschaftlern herausge- stellt (Vgl.: Schmidt; Zurstiege 2000: 51). Manche gehen sogar soweit, die Metaphorizität als Grundlage, ja als Basis von Denken und Sprache zu bezeichnen (Vgl.: Debatin 1997b).

Die nähere Betrachtung vor allem alltagstheoretischer Metaphern über Kommunikation, die ja sehr unbewußt benutzt werden, kann nun dazu verhelfen, diese selbstverständlich gewordenen Ideen über Kommunikation, die wir mit den Metaphern täglich wiederholen, zu erkennen und dann kritisch zu beleuchten.

In dieser Hausarbeit sollen nun exemplarisch Funktionen und Grenzen von Metaphern als Modelle der Kommunikation erklärt und erläutert wer- den. Zunächst werden dabei Modelle und Metaphern kurz definiert und voneinander abgegrenzt, um dann auf die Funktionen von Metaphern eingehen zu können. Bei der Betrachtung der Metaphern werden zwei Gruppen mit je zwei Beispielen vorgestellt. Zuerst werden die Kommunikationsmetaphern über Telefon und Internet aufgezeigt, die verdeutlichen, wie Metaphern eine neue Kommunikationstechnologie verbildlichen und begreifbar machen. Danach wird anhand der Kontroll- Metapher und der Metapher vom Argument als Krieg beschrieben, in wie fern Metaphern auch zur Erklärung bestimmter Kommunikationsaspekte dienen. Diese Beispiele zeigen dabei nun aber auch die Grenzen von Metaphern, die gerade dann auch zum Problem der Wissenschaft werden, wenn sie mit all ihren Voraussetzungen unbewußt verwendet werden.

Natürlich kann diese Hausarbeit nicht alle Bereiche abdecken, in denen Metaphern Kommunikation erklären und veranschaulichen, jedoch sind die gewählten Beispiele dazu geeignet, aufzuzeigen, daß die Kommuni- kationswissenschaft sie durchaus auch als Modelle nutzen kann.

2. Metaphern als Modelle

2.1 Definitionen

Um eine Grundlage zu schaffen, müssen zunächst einmal die Begriffe definiert werden, um sie auch voneinander abgrenzen zu können.

Ein Modell ist eine

„...vereinfachte Darstellung der Funktion eines Gegenstands oder des Ablaufs eines Sachverhalts, die eine Untersuchung oder Er- forschung erleichtert oder erst möglich macht.“ (Duden ³1974: 470)

Dahingegen wird eine Metapher als

„...bildliche Übertragung, besonders eines konkreten Begriffs auf einen abstrakten, aufgrund eines Vergleichs“ (Duden ³1974: 460) definiert.

Das „Bildliche“ ist also die Besonderheit der Metapher, deren Wortstamm „pher“ auf das griechische Verb pherein („tragen“) zurückzuführen ist (Vgl.: Debatin, 1999), während die Vorsilbe „meta“ den Sinn der Um- wandlung, des Wechsels in sich trägt (Vgl.: Duden ³1974: 459). Somit wird die Metapher zum Träger einer Umwandlung, eben eines Bildes. Genau in diesem Bild besteht auch die Abgrenzung von einem Modell. Modelle können zwar auch mit Bildern arbeiten, wie etwa Analogie- und graphische Modelle, bezeichen aber im Grunde den Überbegriff für Me- taphern. Aufgrund der breiten Verwendung von Metaphern können sie nämlich auch als alltagstheoretische Modelle bezeichnet werden.

2.2 Funktionen

Metaphern sind unabdingbarer Teil unserer Kommunikation, sie werden nicht nur ausschmückend und rhetorisch benutzt. Metaphern können in pointierter Form die im Hintergrund liegende Auffassung über einen Sachverhalt zum Ausdruck bringen. (Vgl.: Kruse 2000: 23)

Im Gegensatz zu wissenschaftlichen Modellen, in denen oft versucht wird, die Komplexität an der Oberfläche graphisch darzustellen1, werden die zahlreichen Konnotationen und Voraussetzungen bei alltagstheoretischen Modellen wie Metaphern in den Hintergrund gestellt, geradezu ausgeblendet. Dabei reduzieren sie aber Komplexität und helfen so zu verstehen, wie etwas für den Betrachter funktioniert, wie er es erlebt. (Vgl.: Schmidt; Zurstiege 2000: 51)

3 Kommunikationsmetaphern zur Verbildlichung eines neuen Me- diums

Durch Metaphern werden Erscheinungen, die sonst unbegreiflich wären, durch bekannte Strukturen und Begriffe verständlich gemacht. Dabei vi- sualisieren Metaphern komplexe Vorstellungen durch Rückgriff auf all- tägliche Bilder und können so einem unvertrauten Erfahrungsbereich neue Klarheit und greifbare Gestalt geben. (Vgl.: Krippendorff 1994: 80). Genau dieses Phänomen soll nun anhand zweier Beispiele näher be- leuchtet und erläutert werden und so zeigen, wie alltagstheoretische Metaphern als Modelle der Kommunikation funktionieren können.

3.1 Die Metapher vom Kanal - das Telefon

Als das Telefon 1876 erfunden wurde2, stellte es einen solchen Fort- schritt dar, daß sein genaues Funktionieren nur wenigen Wissenschaft- lern genau verständlich war. Die Tatsache, daß Botschaften durch solch enge Drähte in einer derartigen Geschwindigkeit immens große Distan- zen überwinden konnten, stellte die Vorstellungskraft und somit auch die Sprache der Menschen vor große Probleme. So mußten Metaphern, eben Vergleiche, Analogien und Bilder das Telefon erklären und veran- schaulichen. Im Laufe der Zeit etablierten sich vor allem hydraulische Metaphern zur Erklärung dieser neuen Technologie. Die Kommunikation „fließt“ durch „Röhren“ und „Kanäle“, eben durch das Telefonnetz. Mit der Vorstellung des „Kommunikationskanals“3 wird diese Vorstellung auch zu einem regelrechten Konzept der Kommunikation insgesamt. Durch diverse Kanäle, die nicht nur Verbales und nicht-Verbales, sondern auch die menschlichen Sinne fließt demnach die Kommunikation. (Vgl.: Krippendorff 1994: 91-92)

3.2 Metaphern des Internet

Interessant ist es nun natürlich, ein so neues Medium wie das Internet im Hinblick auf die benutzen Metaphern zu untersuchen. Welche Metaphern etablieren sich, um das neue komplexe Internetkonzept für alle vorstell- bar, ja handhabbar zu machen? Hierzu werden nun in den folgenden Abschnitten zwei Arbeiten untersucht. Bernhard Debatin trennt allgemein Struktur- und Funktionsmetaphern (Vgl.: Debatin 1997a). Katharina Kruse beobachtet in ihrer ausführlichen Studie der Internet-Berichter- stattung drei Metaphernkomplexe, das Meer, die Straße und die Ge- meinschaft, die mit jeweiligen Nutzungsaspekten einhergehen.

3.2.1 Struktur- und Funktionsmetaphern nach Bernhard Debatin

Bernhard Debatin unterscheidet zwischen Struktur- und Funktionsmeta- phern des Internet, die er jeweils wieder in Felder beziehungsweise Be- reiche aufteilt.

Die Strukturmetaphern werden in drei Bereiche aufgeteilt, der erste Bereich bezeichnet das Metaphernfeld „Information Highway“ und „Verkehrsraum“, das auch Katharina Kruse aufzeigt (siehe unten). Zweitens wir das Metaphernfeld „Cyberspace“ und „Hyperraum angesprochen, daß auf die Netzstruktur und die Ähnlichkeit des Internets mit dem menschlichen Gehirn hinweist.

Schließlich bezieht sich auch das Feld „Cyberhood“ und „sozialer Raum“ auf die Struktur des Internet, in dem „Interaktionen, Emotionen, persönli- che Nähe und Distanz“ (Debatin 1997a) möglich sind. (Vgl.: Ebd.) Auch Katharina Kruse weist auf dieses Feld der „Gemeinschaft“ hin. (Vgl.: Kruse 2000)

Die Funktionsmetaphern des Internet sind eher normativ, das Internet fungiert als Projektionsfläche für allerlei Wünsche und Vorstellungen, wie für Wissen, Freiheit und Identität.

Der Funktionsbereich Wissen ist mit Metaphern, wie der des Internet als großes Gedächtnis der Gesellschaft, belegt. Hier werden die Wünsche deutlich, mit dem Internet die bestehenden Wissenskluften überwinden zu können.4

Der zweite Funktionsbereich, die Freiheit, zeugt von dem Demokratisie- rungsversprechen, das mit der Durchsetzung des Internet einhergeht. Hier verbildlichen Metaphern wie die „elektronische Agora5 “ (Al Gore) die Ideen.

Schließlich bezeichnet der dritte Funktionsbereich, die Identität, die neuen Erfahrungen und Wahrnehmungen, die Menschen mit dem Internet in Bezug auf ihr Selbstbild erleben. Dabei wird das Internet als eine „körper- und schwerelose elektronische Welt“ umschrieben.

3.2.2 Die Studie von Katharina Kruse

Katharina Kruse stellt in ihrer Studie die These auf, daß sich im Verlaufe der Anerkennung des Mediums Internet die Bandbreite der verwendeten Metaphern zwar reduziert, die etablierten Metaphern jedoch immer häufiger verwendet werden. (Vgl.: Kruse 2000: 86-87)

Somit ist die eingangs formulierte Funktion von Metaphern, neue Kom- munikationsmittel zu erklären auf interessante Weise bestätigt. Denn die Studie belegt, daß Metaphern nicht nur in der Anfangsphase verwendet werden, sondern gerade in unserem technisierten Zeitalter, für die Kommunikation über Technologie von entscheidener Bedeutung sind. Aber welche Metaphernkomplexe sind es nun, die sich laut Katharina Kruse für das Internet etabliert haben? Es werden drei Komplexe ge- nannt, das Meer, die Straße und die Gemeinschaft, die mit den entspre- chenden Konnotationen6 benutzt werden. (Vgl.: Ebd.: 69, 93)

Die Metapher vom Meer, die vor allem durch den Begriff des „surfens“ im Internet geprägt wird, suggeriert sicherlich Freiheit, Unbegrenztheit, aber auch Unübersichtlichkeit, mit der nur ein geübter „Surfer“ umzugehen weiß. (Vgl.: Ebd.: 73-74) Der hier gemeinte Nutzungsaspekt ist das ungerichtete Fortbewegungsverhalten von Link zu Link.

Der Komplex der Straße mit der bekannten Metapher „Datenautobahn“ legt im Gegensatz dazu den Schwerpunkt eher auf Zielgerichtetheit, Steuerung und natürlich die Geschwindigkeit, mit der nun große Daten- mengen in kürzester Zeit enorme Distanzen überwinden können. (Vgl.: Ebd.: 76) Gemeint ist hier natürlich besonders die Übertragung durch E- mails und Downloads, sei es in Wirtschaft, Wissenschaft oder im priva- ten Bereich.

Schließlich spricht der letzte Metaphernkomplex nicht nur den Nut- zungsaspekt des Kommunizierens in Foren, News-Groups und Chat- Rooms an, sondert liefert auch Aufschlüsse über die Auswirkungen des Internets, welches die Welt kleiner macht, näher zusammenbringt. Es ist die Metapher der Gemeinschaft, die in Begriffen wie „virtuellen Städten“ und dem „global village“ Anwendung findet. (Vgl.: Ebd.: 75) Der Hauptunterschied zu der Arbeit von Bernhard Debatin und die damit verbundenen Abweichungen bzw. Unvollständigkeiten der Studie von Katharina Kruse besteht sicherlich in der unterschiedlichen Arbeitsweise. Während Bernhard Debatin schon vorhandene Literatur nutzt, macht Katharina Kruse eine eigene empirische Untersuchung, die unter den Bedingungen einer Magisterarbeit natürlich nicht dem Anspruch der Voll- ständigkeit gerecht werden kann.

4 Kommunikationsmetaphern zur Erklärung eines bestimmten Kommunikationsaspektes

Die verschiedenen Metaphern des Internets deuten schon darauf hin, daß die verschiedenen Felder immer in Bezug auf verschiedene Nutzungsaspekte des Internets benutzt werden.

Genauso werden auch allgemein Kommunikationsmetaphern zur Erklärung bestimmter Kommunikationsaspekte herangezogen, was die folgenden zwei Beispiele belegen.

4.1 Die Kontroll-Metapher

Diese Metapher hat ihre Wurzeln noch in der griechischen Antike, in der die Lehre der Rhetorik das Überzeugen des Publikums über die Wahrheit stellte und die Kommunikation somit stark funktionalisierte. Die Kontroll-Metapher stellt Kommunikation als Macht, Beherrschung, Manipulation und Steuerung dar, was auch in der Alltagssprache durch Begriffe wie „Beeinflussung“, „Zwänge“, „Auswirkungen“, „Ursachen“, gebraucht in Hinblick auf Kommunikation belegbar ist.

Im Hintergrund steht dabei vor allem eine kausale Konzeption der Kommunikation, welche durch ihr inneliegende Kräfte etwas auszulösen, etwas zu bewirken vermag.

Kommunikation wird so zu einem asymmetrischen Prozeß und auch die Idee starker Medienwirkungen lebt von der Kontroll-Metapher, wie es vor allem in der Werbung deutlich wird.7 So wird ja auch die Werbung ganz eindeutig an ihrem Erfolg gemessen, sie kann gelingen und mißlingen. Und dieser Erfolg besteht natürlich im erfolgreichen Verkauf von Personen, Produkten und Meinungen, in der erfolgreichen Manipulation von Zielgruppen (Vgl.: Schmidt; Zurstiege 2000: 188).

Auch hier wird die Metapher durch ihre sprachliche Anwendung sichtbar, so kann Werbung „scheitern“, die Werbebotschaft nicht „durchdringen“. Doch nicht nur in der Kommunikationsindustrie lebt diese Metapher, sondern auch in der face-to-face-Kommunikation. Denn der Sprecher will ja oft auch überzeugen, wenn nicht gar überreden, seine Meinung ein- fach durchsetzen. Er definiert somit selbst den Erfolg der Kommunika- tion, die bei Mißlingen des Zieles als gescheitert erklärt wird. (Vgl.: Krip- pendorff 1994: 94-96)

4.2 Die Metapher vom Argument als Krieg

Diese Metapher betrachtet Kommunikation als konfliktuelles Geschehen. Auch sie hat ihre Wurzeln in der Redekunst, Rhetorik der Antike, bezieht sich demgemäß mehr auf die gesprochene als auf die geschriebene Sprache. Kommunikation wird einem Konflikt, ja einem Kampf gleichge- setzt, in dem es einen Gewinner und einen Verlierer gibt. Besonders im Mittelpunkt stehen dabei natürlich Verhandlungen, sei es in der Wirtschaft oder in der Politik, bei denen sich die „Kontrahenten“ durchzusetzen versuchen. Wenn es jedoch keinen „Preis“, also nichts zu gewinnen gibt, zeichnen sich Personen, die diese Metapher implizit auf Kommunikation anwenden, durch „Stolz, Dominanz [und] demonstrative Kompetenz“ (Krippendorff 2000: 91) aus. Dies kann Kommunikation natürlich unnütz behindern. (Vgl.: Krippendorff 2000: 90-91)

Sprachlich manifestiert sich dieses Metapher in Begriffen wie „Rededu- ellen“, „verbalen Attacken“ und „Unterlegenen in Diskussionen“. Eine neue Dimension erlangt diese Metapher jedoch im Zuge der Durch- setzung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien wie dem Internet. Deutlich wird dies in der Angst vor einem „Infowar“ durch Hac??ker und Sicherheitsorganisationen wie der NSA.8 Der Unterschied zwischen kommunikativen und bewaffneten Konflikten verschwimmt dabei, da Kommunikation nun auch als Waffe eingesetzt werden kann. (Vgl.: Schmidt; Zurstiege 2000: 56)

5 Zu den Grenzen von Metaphern

Natürlich ist nicht alle Kommunikation Manipulation, genauso wenig ist jede Kommunikation Krieg. Dieses zeigt nun aber deutlich die Grenzen von Metaphern auf. Metaphern werden besonders im Alltag oft unbewußt verwendet. Dies kann dazu führen, daß sie mit dem verwechselt werden, wofür sie jedoch nur stehen. Ihr „bildlicher“ Charakter wird einfach außer acht gelassen. (Vgl.: Krippendorff, 1994: 100)

Des Weiteren können Metaphern Kommunikationskonflikte verursachen, wenn sie nicht verstanden werden. So sind weitreichende soziokulturelle Vorkenntnisse nötig, um die entsprechenden Konnotationen, Vorausset- zungen im Hintergrund miteinzubeziehen. (Vgl.: Kruse 2000: 11)

In Kapitel drei wurden Metaphern vorgestellt, die ein neues Medium, eine neue Technik zu erklären versuchen. Da diese Metaphern und Bilder aber eben nur mit dem arbeiten können, was uns vorstellbar ist, führt dies auch zu Fehlschlüssen und Unverständnis in Bezug auf die Funkti- onszusammenhänge dieser neuen Technik.9 (Vgl.: Debatin, 1997a) Am Beispiel der Container-Metapher können noch zwei andere Pro- bleme erläutert werden. Die Container-Metapher geht davon aus, daß Botschaften in verschiedenste Container verpackt, so verschickt und un- verändert wieder ausgepackt werden können. Dies kann problematische Implikationen mit sich bringen, wenn nämlich Nachrichten nicht so emp- fangen werden, wie sie abgeschickt wurden. Denn nur ein Fehler beim Verpacken, Verschicken und Entpacken der Botschaft kann einen sol- chen Fehler ja verursachen. Wer die Container-Metapher also implizit im Hinterkopf hat, wird Kommunikationsprobleme auf Dummheit oder gar willentliche Täuschung zurückführen. Wird jedoch, durchaus realisti- scher, kognitive Geschlossenheit der Kommunikanten angenommen, ist die Trivialität dieser Metapher deutlich erkennbar. Trotz ihrer Problematik wird die Container-Metapher, als Vorstellung vom Funktionieren der Kommunikation, aber auch in der Wissenschaft implizit zu Grunde ge- legt. So versucht man ja zum Beispiel bei Anwendung der Inhaltsanalyse durch einen Text auf Intentionen, Gedanken und Meinungen des Autors zu schließen. Der Text wird somit als Container der Botschaft des Autors interpretiert. (Vgl.: Schmidt; Zurstiege 2000: 54 und Krippendorff 1994: 98-99)

6 Fazit

Abschließend muß allerdings gesagt werden, daß Metaphern trotz ihrer Grenzen durchaus wichtige Funktionen auch in Wissenschaft erfüllen können. Dazu ist es jedoch unabdingbar, daß man sich der Grenzen der Metaphern bewußt wird. Ein Wissenschaftler darf nicht außer acht las- sen, daß Metaphern zwar Modelle sind, jedoch bildhafte und verkürzte, dabei aber äußerst voraussetzungsreich. Es ist ja gerade Eigenschaft der Metapher, daß die zu Grunde liegenden Voraussetzungen ausge- blendet werden und das ist auch ihr Vorteil. Denn durch diese erhebliche Reduktion von Komplexität ist es möglich, pointiert und knapp komplexe Sachverhalte oder zumindest die Sichtweide von ihnen auszudrücken. Bedingung für diese Nutzung ist natürlich das Bewußtsein, daß Meta- phern nie genau das abbilden, wofür sie nur stehen. Des weiteren ist für die wissenschaftliche Nutzung eine genaue Definition der Voraussetzun- gen sehr wichtig, um die Wissenschaftlichkeit, die intersubjektive Nach- vollziehbarkeit überhaupt zu gewährleisten.

Leider konnte diese Arbeit nur exemplarisch sein, die Beobachtung an- derer Metaphern und vor allem auch ihrer Wirkungen, nicht nur im Alltag, sondern gerade auch in der Kommunikationswissenschaft, muß sehr in- teressant sein. Ist doch die Kommunikationswissenschaft auch hier wie- der dem Autologie-Problem10 ausgesetzt. Die Auswirkungen der Contai- ner-Metapher für die Methoden sind ja im letzten Kapitel schon betrach- tet worden. Denkbar sind vergleichende Studien, in denen die Auswir- kungen verschiedener Metaphern in der wissenschaftlichen Forschung untersucht werden.

7 Literaturverzeichnis

- Debatin, Bernhard (1997a): Metaphern und Mythen des Internet. In: www.uni-leipzig.de/~debatin/ (Stand: 21. Februar 2001, 17:00).
- Debatin, Bernhard (1997b): The Rationality of Metaphor. In: www.uni- leipzig.de/~debatin/ (Stand: 21. Februar 2001, 17:00).
- Debatin, Bernhard (1999): Phorisches und Aphorisches. In: www.uni- leipzig.de/~debatin/ (Stand: 21. Februar 2001, 17:00).
- Duden (³1974): Fremdwörterbuch. Mannheim.
- Krippendorf, Klaus (1994): Der verschwundene Bote. Metaphern und Modelle der Kommunikation. In: Merten, Klaus; Schmidt, Siegfried J.; Weischenberg, Siegfried (Hrsg.) (1994): Die Wirklichkeit der Medien. Eine Einführung in die Kommunikationswissenschaft. Obladen, 79- 113.
- Kruse, Katharina (2000): Metaphern in der Internet-Berichterstattung. Hausarbeit zur Erlangung des Magistergrades der philosophischen Fakultät zu Münster, Westfalen. Dortmund.
- Schmidt, Siegfried J.; Zurstiege, Guido (2000): Orientierung Kommu- nikationswissenschaft. Was sie kann, was sie will. Reinbeck bei Ham- burg.

[...]


1 Ein einleuchtendes Beispiel für diese Art von Modellen ist Maletzkes Feldschema der Massenkommunikation. (Vgl.: Schmidt; Zurstiege 2000: 65)

2 Die Verbreitung des Telefons war dann auch schon um die Jahrhundertwende weit fortgeschritten. (Vgl.: Krippendorff 1994: 91)

3 Auch in der Lasswell-Formel (In What Channel?) findet diese Vorstellung Ausdruck. (Vgl.: Schmidt; Zurstiege 2000: 58)

4 Daß diese Überwindung äußerst schwierig ist, zeigt die Knowledge-Gap-Hypothese. (Vgl.: Schmidt; Zurstiege 2000: 109-111)

5 Agora: „rechteckiger, von Säulen umschlossener Platz in griechischen Städten“ (Duden ³1974: 39)

6 Beispiel: im Metaphernkomplex „Straße“ kommen auch „Datenstaus“ vor.

7 Im Gegensatz dazu betont der Uses & Gratifications-Approach von Blumler und Katz den Nutzungsaspekt und der dynamisch-transaktionale Ansatz von Schönbach und Früh schafft später dann die Integration von Nutzung und Wirkung. Hier zeigt sich deut- lich die Diskrepanz von Theorie und Praxis. (Vgl.: Schmidt; Zurstiege 2000: 120-125)

8 Beispiele: Hacker, die politische Ziele zu erpressen versuchen; die Überwachungs- möglichkeiten der geheimen Sicherheitsorganisationen durch die allgemeine Elektronisierung (Vgl.: Schmidt; Zurstiege 2000: 56)

9 „Beispiel: die Desktop -Metapher moderner Computer Interfaces“ (Debatin, 1997a)

10 Auch die Wissenschaft kann über Kommunikation nur kommunizieren. Fehlt die nötige Distanz zum Untersuchungsgegenstand?

Details

Seiten
12
Jahr
2002
Dateigröße
418 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v105750
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,3
Schlagworte
Metaphern Kommunikationswissenschaft

Autor

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Titel: Metaphern in der Kommunikationswissenschaft