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Okkultismus unter Jugendlichen

Seminararbeit 1999 27 Seiten

Psychologie - Religionspsychologie

Leseprobe

Inhalt

1. Okkultismus - Von den Anfängen bis zur Gegenwart

2. Darstellung einiger okkulter Praktiken
2.1 Okkultismus
2.2 Okkulte Praktiken mit Hilfe „psychischer Automatismen“
2.3 Wissenschaftlich nicht anerkannte Deute- und Beratungspraktiken
2.4 Magische Praktiken
2.5 Spiritismus
2.6 Satanskulte / Schwarze Messen
2.7 Popgruppen mit okkult / satanischem Hintergrund

3. Definitionen von „Okkultismus“

4. Okkultismus und Politik

5. Gründe und Anlässe für die Ausbreitung okkulter Praktiken

6. Ursachen für Okkultismus

7. Okkultismus als Gefahr
7.1 Okkultismus als Gefahr für Betroffene
7.2 Okkultismus als Gefahr für die Gesellschaft

8. Handlungsmöglichkeiten im Unterricht

0. Prolog

Die folgenden Ausführungen über das Thema „Okkultismus“ sind meiner Meinung nach nur ein Einstieg in ein ziemlich komplexes und vielschichtiges Thema. Um die wirklich wichtigen Dinge zu bearbeiten braucht es wahrscheinlich mehr als 20-30 Seiten.

Im Rahmen dieses Referates wurde ich auf den eng mit dem Okkultismus verbundenen Satanismus aufmerksam. Eigentlich finde ich dieses Thema noch um einiges interessanter und vor allem sehr sehr erschreckend.

Nachdem ich ein paar Bücher über Personen gelesen habe, die aufgrund der schlimmen Qualen des Satanismus unter Persönlichkeitsspaltung leiden, war ich sehr entsetzt.

Ich muss sagen, dass mich dieses Thema „Okkultismus/Satanismus“ sowohl interessiert, fasziniert als auch zur gleichen Zeit natürlich abstößt. Ich bin sehr betroffen, zu was Menschen alles fähig sind und ich frage mich, warum ich es mir eigentlich „antue“, so etwas zu lesen. Auf der einen Seite habe ich ein schlechtes Gewissen, weil ich so neugierig und auch froh bin, dass ich davon verschont geblieben bin und andererseit bin ich angeekelt davon. Eine richtige Antwort habe ich nicht gefunden, aber ich denke, vielleicht weil es mich ziemlich bewegt und ich mit Wissen darüber eher Menschen erkennen, die davon betroffen sind und ihnen vielleicht doch helfen kann?!

1. Okkultismus - Von den Ursprüngen bis zur Gegenwart

Kulturgeschichtlich betrachtet, ist der Wunsch mit den Toten Kontakt aufzunehmen, die Zukunft vorherzusehen und auf magische Weise zu beeinflussen so alt wie die Menschheit selbst.

Schon in der Bibel sind Sätze zu finden, die darauf hindeuten, dass man sich schon vor langer Zeit damit beschäftigt hat:

1. Samuel 28,7: „Sucht mir eine Frau, die einen Totenbeschwörer-Geist hat, damit ich zu ihr gehe und sie befrage.“

Jesaja 8,19 lu: „Wenn sie aber zu euch sagen: Ihr müßt die Totengeister und Beschwörer befragen, die da flüstern und murmeln, so sprecht: Soll nicht ein Volk seinen Gott befragen? Oder soll man für lebendige die Toten befragen?“

Wahrscheinlich stand diese Kunst schon damals eher in zweifelhaftem Ruf. Dies würde auch das folgende Bibelzitat untestrichen:

2. Mose 22,17 lu: „Die Zauberinnen sollst du nicht am Leben lassen.“

Bei den Persern gab es Wahrsagetische und Tassen zur Totenbefragung, um die Zukunft zu erhellen, auf die Gegenwart Einfluss zu nehmen und Vergangenes wieder hervorzurufen.

In Indien und Tibet wurde folgende Prozedur angewandt: In der Mitte des Zimmers stand ein runder Tisch, dessen Platte mit Asche oder Sand bestreut war. An der Decke war ein Pfeil befestigt, der eben nur die Platte des Tisches berührte. Die Lamas setzten sich im Kreis um den Tisch, legten die Hände darauf. Nach wenigen Augenblicken fing der Zeiger an, sich zu bewegen, pendelte hin und her und malte in die Asche Buchstaben aus dem Alphabet der Bewohner Tibets. Diese Botschaft sollte Antwort auf Fragen geben.

In Assyrien kannte man Pendel, es waren Kugeln der Todesgöttin Hekate. Sie waren an Fäden aufgehängt und sollten auf Fragen antworten, wie es heute noch mit dem Pendel geschieht.

Tertullian berichtet in seiner „Apologie der Christen“ von zwei Formen, Tische zu befragen. Die Versuchsanordnung war ähnlich wie die in Tibet: Auf einem Tisch war ein Zeiger befestigt, der über Rollen an der Decke aufgehängt, weitergeleitet wurde auf einen feststehenden zweiten Tisch, auf dem ein Quadrant, mit Asche oder Sand bestreut, die Fläche so leicht berühren konnte, dass im Quadranten Buchstaben und Sätze geschrieben werden konnten. Auch die Planchette war bekannt: Ein kleines Tischchen mit Rollen an den Füßen, einem Stift vorne, die Hände des Mediums ruhten auf dem Tischchen, und durch die Bewegung entstanden auf der Unterlage Worte oder Sätze.

Dieser „Dreifuß“ ist auch aus Ninive überliefert.

Bereits aus diesem kurzen und keineswegs vollständigen Überblick wird deutlich, dass die wesentlichen Okkultpraktiken zur „Totenbefragung" bereits lange vor Beginn der spiritistischen Welle existierten und tradiert wurden. Der Spiritismus hat lediglich diese Praktiken revitalisiert und publik gemacht.

Jugendokkultismus hat Konjunktur. Seit spätestens 1986 gehört er zu den Jugendphänomenen, die die Medien beherrschen. Der ersten Welle der Berichterstattung folgte die Welle der Warnungen. Sektenbeauftragte versuchten, vor der Beschäftigung mit okkulten Praktiken zu warnen. Jugendokkultismus wurde als „neue Droge“ gehandelt, die im Begriff sei, sich auszubreiten. So wurde Jugendokkultismus auch zu einem Thema für die Politik.

Doch auch heute noch ist Okkultismus ein aktuelles Thema. Im Internet findet man unendlich viele Informationen darüber. Unter anderem auch Angebote, an einem Kurs darüber teilzunehmen (siehe unten) oder Seiten, an denen man Erfahrungen austauschen kann oder zum Fragen stellen motiviert wird. Meiner Meinung nach sind das wahrscheinlich noch harmlose Dinge, aber ich denke, wer psychisch eher labil veranlagt ist, kann allein durch diese harmlosen Seiten schon schnell abrutschen in die Welt „der Geisteswissenschaft von den übersinnlichen Kräften und Dingen“, um eine Überschrift aus dem Internet zu zitieren.

Im Folgenden sind die wichtigsten Informationen zu den häufigsten heutigen Praktiken zusammengestellt.

2. Darstellung einiger okkulter Praktiken

2.1 Okkultismus

Unter Okkultismus wird hier die praktische und theoretische Beschäftigung mit den geheimen, verborgenen, von der Wissenschaft noch nicht allgemein anerkannten Erscheinungen des Natur- und Seelenlebens verstanden, welche die gewohnten Gesetzmäßigkeiten zu durchbrechen scheinen und oft als „übernatürlich“ angesehen werden.

2.2 Okkulte Praktiken mit Hilfe ,,psychischer Automatismen“

Dies sind spezifische Verfahren, durch welche versucht wird, mit dem ,,Übersinnlichen“, mit Verstorbenen oder ,,Geistern“ in Verbindung zu treten. Es sollen Erkenntnisse vermittelt werden, die über das ,,normale“ Sinnesvermögen der Menschen hinausgehen. So wird z.B. versucht, verschwundene Personen und verborgene Dinge aufzufinden, die Zukunft zu entschleiern, Ratschläge von ,,Wesen einer höheren Welt“ zu empfangen oder einen Blick in das ,,Leben nach dem Tod“ zu werfen. Ferner wird anhand spezifischer Verfahren versucht, die „okkulten Kräfte“ zu beherrschen und für sich dienstbar zu machen (Magie).

Zu den okkulten Praktiken werden gezählt:

- Glasr ü cken bzw. automatisches Buchstabieren

Ein oder mehrere Teilnehmer legen leicht einen Finger auf ein umgestülptes Glas in der Mitte des Tisches. Darunter befindet sich — meist kreisförmig angebracht — das Alphabet, die Zahlen 0 — 9 sowie ,Ja“ und ,,Nein“. Diese Buchstaben-Ziffern- Anordnung wird auch als ,,Oui-Ja-Board“, ein dreisprachiges Kunstwort, bezeichnet. Es werden Fragen gestellt, und das Glas bewegt sich (durch unbewußte, aber ,,intelligent“ gesteuerte Muskelbewegungen der Teilnehmer) zu den einzelnen Buchstaben oder Zahlen hin, die, zusammengesetzt, oft sinnvolle ,,Botschaften“ ergeben und die Tendenz zur Personifizierung („Geister“) erkennen lassen. Wer mit dieser Praktik in Berührung kommt, wird oft durch die ,,Fremdheit“ und Autonomie solcher Botschaften überrascht, was nicht ausschließt, dass diese unter Umständen auch absichtlich hervorgebracht werden können.

- Automatisches Schreiben mit dem Tischchen (Planchette)

Dabei wird ein dreibeiniges Tischchen verwendet, von dem zwei Beine auf Kugeln laufen, das dritte bildet ein durch die Platte gesteckter Bleistift oder Kugelschreiber. Ein oder mehrere Teilnehmer legen die Finger (oder Hand) leicht auf das Tischchen. Dieses schreibt fortlaufend Worte oder Sätze auf die jeweilige Unterlage.

- Automatisches Schreiben ohne Tischchen

Ein automatisch sich einstellender Schreibakt bei herabgesetzter Bewußtseinstätigkeit oder in Trance. Der Automatist schreibt unwillkürlich, häufig zwanghaft. Der Sinngehalt des geschriebenen Textes erscheint ihm oft persönlichkeitsfremd. Zum besseren Verständnis ein Beispiel aus dem Alltag: Während längerer Telefonate kritzeln wir öfters auf bereitgelegte Notizzettel, obwohl wir voll auf das Gespräch konzentriert sind.

- Tischr ü cken

Beim Tischrücken sitzen die Teilnehmer um einen runden Tisch und bilden mit gespreizten Händen (dabei berühren sich Daumen und kleine Finger) eine ,,Kette“. Auf Fragen ,,antwortet mitunter der Tisch durch Klopfgeräusche, die durch Heben und Senken eines Tischbeines entstehen. Jedoch führten bereits Faraday (1853) und Chevreul (1854) die Bewegungen des Tisches auf unwillkürliche und unbemerkte Muskelbewegungen der Teilnehmer zurück. Daneben wird von Klopflauten berichtet, die direkt ,,im Tisch“ entstehen sowie vom Schweben des Tisches ohne direkte Berührungen (die Teilnehmer halten dabei die Hände in einem gewissen Abstand über der Tischplatte).

- Pendeln ü ber dem Alphabet

Die Versuchsanordnung wurde schon von Amianus Marcellinus (4. Jh.n.Chr.) beschrieben: Auf einem Tisch lag eine Plane mit kreisförmig angeordnetem Alphabet. Mit einem Ring an einem Faden wurde gependelt, die Buchstaben, zu denen der Ring hinschwang, ergaben aneinandergesetzt eine sinnvolle Antwort auf gestellte Fragen.

- Pendeln ü ber Gegenst ä nden

Das Pendeln über Objekten (Photos, persönlichen Gegenständen, zuweilen Medikamenten) erfolgt nach einem vorher festgelegten System und soll (zumeist mit ,Ja/Nein“) Fragen in Bezug auf Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft beantworten.

- W ü nschelrutengehen

Die Wünschelrute ist seit der Antike bekannt und besteht aus einem gegabelten Zweig (auch Metall- und Plastikruten sind auf dem Markt), den der Rutengänger mit beiden Händen so anfasst, dass zwischen den an beiden Gabelenden gehaltenen Teilen und der Spitze ein labiles Gleichgewicht entsteht. Der Ausschlag der Wünschelrute soll auf bestimmte ,,Reizzonen“ (z.B.: Wasser-, Erzadern, Ölvorkommen) reagieren und auf im einzelnen noch nicht geklärte, biophysikalische Mechanismen zurückgehen. Die Wünschelrute wird auch zu quasi-medizinischen Diagnosen (z.B. krebsverursachender ,,Erdstrahlen“) herangezogen.

- Kristallsehen

Alle Verfahren, die durch das Betrachten von spiegelnden, leuchtenden oder durchsichtigen Körpern (z.B. von Kristallkugeln) Visionen oder innere Bilder hervorrufen. Das Kristallsehen führt in seiner autosuggestiven Kraft zur Projektion, zur Herausbildung sensumotorischer Automatismen. Diese haben im Vergleich zu den motorischen Automatismen (Glasrücken, automatisches Schreiben, Pendeln und Wünschelrutengehen) einen geringeren Stellenwert.

2.3 Wissenschaftlich nicht anerkannte Deute- und Beratungspraktiken

Darunter fallen:

- Tarotkartenlegen

Beim Tarot handelt es sich um ein Kartenspiel, das über Arabien, Italien, Frankreich nach Deutschland gelangt ist. Als erste haben Zigeuner die Tarotkarten zum Wahrsagen benutzt. Dabei handelt es sich um eine Orakelpraktik, die aufgrund der Kartenkonstellation Aussagen über die Gegenwart oder Zukunft des Anfragers machen will. Die Deutepraktiken beruhen auf esoterischen Spekulationen, die weit in das Mittelalter zurückreichen und behaupten, dass es einen Zusammenhang zwischen Kosmos und Menschenschicksal gibt.

- I Ging und andere Orakelpraktiken

I Ging (auch I-Ching) ist ein chinesisches ,,Buch der Wandlungen“, auch eine Orakelbefragung. Dazu werden Schafgarbenstengel gezogen, Münzen geworfen oder das Mikadospiel eingesetzt. Die sich dabei ergebenden Zahlenkonstellationen notiert man als Hexagramm, ihnen sind im I Ging-Buch jeweils Texte zugeordnet, die auf das konkrete Anliegen des Fragestellers antworten sollen.

- Handlesen (Chirologie)

Eine Deute- und Beratungspraktik, die aus den Kennzeichen der Handinnenseite, der Finger- und Nagelbeschaffenheit Aussagen über dominierende oder gering vorhandene Charakterzüge macht. Oft werden chirologische Diagnosen (z.B. für ,,Schicksal“, Liebe, Beruf) aufgrund der Handinnenlinien auch für die Zukunft gestellt.

- Horoskopdeutungen

Das Horoskop ist die Abbildung des Standes der Gestirne zum Zeitpunkt der Geburt. Nach den Regeln der Astrologie werden aus den sich abzeichnenden Konstellationen Aussagen über Charakter und Schicksal des Eigners gemacht. Eine Astrologie des günstigen Augenblicks berechnet für ein bestimmtes Vorhaben den vorteilhaftesten Sternenstand und leitet daraus Vorhersagen ab.

2.4 Magische Praktiken

Man unterscheidet mehrere Formen der Magie:

- Nat ü rliche Magie

Es werden geheimnisvolle, nicht näher bekannte Beziehungen und Kräfte aller Dinge untereinander angenommen, die über das rein Materielle hinausgehen. Diese Kräfte werden in einigen Kulturen als ,,Mana“ bezeichnet. Die magische Wirkung soll durch Beeinflussung dieser Kräfte erzielt werden. Zwei weitere Formen der Magie haben einen direkten Bezug zum Religiösen.

- Schwarze Magie

Mittels bestimmter Formeln (Zaubersprüchen) und Praktiken wird versucht, Teufel und Dämonen zu ,,rufen“, damit sie einen anderen Menschen verfolgen, ihm Schaden zufügen oder z.B. seinen Besitz schädigen.

- Wei ß e Magie

Der Name der Dreifaltigkeit, Bibelsprüche oder religiöse Symbole sollen dazu dienen, als Gegenzauber vor angenommener schwarzmagischcr Verfolgung zu schützen oder z.B. Heilung von Krankheit zu bewirken.

2.5 Spiritismus

Der Spiritismus beruht auf der Hypothese, daß ein persönliches Überleben nach dem Tode möglich ist und experimentell demonstriert werden kann. Besonders begabten Menschen, die man ,,Medien“ nennt, soll es möglich sein, mit Verstorbenen (den sog. ,,Kommunikatoren“) in Kontakt zu treten und so Botschaften aus dem „Jenseits“ zu vermitteln. Diese können sich in Form von Trancereden, automatischem Schreiben, Klopfzeichen und anderen ,,physikalischen“ Phänomenen äußern.

Besonders verbreitet sind die sogenannten Tonbandbespielungen: Mittels verschiedener technischer Verfahren versucht man, auf Tonband „Einspielungen“ zu erhalten, meist eine Reihe geflüsterter Worte oder Sätze, die erst beim Abhören bemerkt werden und von den zumeist spiritistisch eingestellten Experimentatoren ,,Verstorbenen“ Zugeschrieben werden. Bei solchen Demonstrationen ist mit zahlreichen Fehlerquellen zu rechnen.

2.6 Satanskulte / Schwarze Messen

Die Anhänger des Satanskultes heutiger Prägung sind als Protestbewegung zu verstehen. In ihren Riten mischen sich pervertierte religiöse Zeremonien, sexuelle und okkulte Praktiken, die ,,im Namen Satans“ ausgeübt werden. Einer der Vorläufer war A. Crowley (1875-1947) mit der Maxime: ,,Tue was du willst, soll das ganze Gesetz sein.“

La Vey, der 1966 eine Satanskirche gründete, sagt: ,,Die Verehrung des Teufels ist nichts anderes als die Religion des Fleisches und der Materie.“

2.7 Popgruppen mit okkult / satanischem Hintergrund

Parallel zu der Jesus-Popmusik entwickelte sich eine ,,Satans-Popmusik“ (,,Sympathy for the Devil“, „Luzifer“) durch Gruppen, die sich satanisch gebärdeten, wie etwa Black Sabbath, Black Widow, Tyrannosaurus Rex. Heute hat sich eine besondere Richtung der Heavy Metal Musik, die Black Metal genannt wird, diesem „Satanspop“ verschrieben. Von Jimmy Page, von der Gruppe Led Zeppelin, wird behauptet, er sei ein Anhänger von Aleister Crowley, dessen Haus er besitzen soll. Es heißt, wenn man das Lied ,,Stairway to Heaven“ rückwärts abspiele, ergäben sich folgende Sätze: "Listen, I will sing, because I live with Satan, turn me up, serve me, there is no escaping it with Satan, if we go to live with Satan, Master Satan". Ob dies nun tatsächlich stimmt, oder ob durch derartige Verschüsselungen geheime Botschaften transportiert werden, ist zumindest in Frage zu stellen.

Diese Aufzählung ließe sich noch erweitern. Denn viele aussergewöhnliche oder als aussergewöhnlich angesehene Erscheinungen von Naturerscheinungen oder des Seelenlebens können und wurden als okkulte Phänomene betrachtet. Voraussetzung einer derartigen Deutung ist ein bestimmtes Weltbild, das die Grenzen des wissenschaftlichen Weltbildes der Moderne überschreiten will.

3. Definitionen von „Okkultismus“

Im Brockhaus1 wird Okkultismus wie folgt definiert: „Okkultismus (lat. Occultum, das Verborgene), die Lehre, dass es verborgene, in unsere wissenschaftliche Systematik nicht einzugliedernde Tatsachen der Natur und des Seelenlebens gebe, die mit unbekannten Kräften und Ursachen verknüpft und häufig an besonders begabte Personen gebunden seien. (...) Der Okkultismus wird vielfach auch als Sammelbegriff für alle „Geheimwissenschaften“ gebraucht wie z.B. Magie, Theosophie, Kabbalistik. Vom Okkultismus ist der Spiritismus zu unterscheiden, der einen Teil der behaupteten Phänomene auf Einwirken von Verstorbenen auf das Diesseits zurückführt. Die wissenschaftliche Erforschung der vom Okkultismus behaupteten Phänomene unternimmt die Parapsychologie, was dazu führte, dass das Wort Okkultismus einen zunehmend abwertenden Akzent erhielt.“

Der Theologe Ruppert2 schreibt: „Der Begriff Okkultismus (...) faßt weltanschauliche Richtungen und Praktiken zusammen, die beanspruchen, das Wissen und den Umgang mit den unsichtbaren und geheimnisvollen Seiten der Natur und des menschlichen Geistes besonders zu pflegen, Er bezieht sich einerseits auf bestimmte okkulte Praktiken, wie Magie, Pendeln, Wahrsagen oder die Vielzahl spiritistischer Praktiken der Geister- und Totenbefragung mit Hilfe des wandernden Gläschens, klopfender Tische oder anderer Indikatoren. Andererseits ist aber auch das sogenannte Geheimwissen gemeint, wie es von okkulten Weltanschauungsgemeinden (...) in sog. Geheimwissenschaften systematisiert wird, die den Horizont der herkömmlichen Natur- und Menschenkenntnis in okkulte Bereiche hinein erweitern. Da diese Bereich in ihrer Realität umstritten und nicht allgemein einsehbar sind, ist der Okkultismus seit jeher ein Tummelplatz von Täuschung und Verführung.

Der Theologe Haack3 definiert: „Okkultismus ist die Lehre von den verborgenen Dingen, Methoden und Begebenheiten. Der Okkultismus meint und behauptet, mit einer anderen Welt, der „geistigen Welt“, ja manchmal (wie beim Satanismus) mit dem „Reich der Toten“ in Verbindung zu stehen. Man kann es auch so sagen: Der Begriff Okkultismus umschließt alle jenseits der mit den jeweiligen allgemein anerkannten Möglichkeiten erfahrbaren Wirklichkeit liegende Erscheinungen, die vom Menschen durch Praktiken manipuliert werden können, die der normalen Erkenntnis und Erforschung nicht zugänglich sind.“

Bereits 1909 schrieb Kiesewetter4: „Ich verstehe unter okkulten Vorgängen alle jene, von der offiziellen Wissenschaft noch nicht anerkannte Erscheinungen des Naturund Seelenlebens, deren Ursache den Sinnen verborgene, okkulte sind und unter Okkultismus die theoretische und praktische Beschäftigung mit diesen Tatsachen bzw. deren allseitige Erforschung“

Eine ähnliche Bestimmung gibt der Parapsychologe Mischo5: „Unter Okkultismus wird hier die praktische und theoretische Beschäftigung mit den geheimen, verborgenen, von der Wissenschaft noch nicht allgemein anerkannten Erscheinungen des Natur- und Seelenlebens verstanden, die die gewohnten Gesetzmäßigkeiten zu durchbrechen scheinen und vielfach als „übernatürlich“ angesehen werden.“

4. Okkultismus und Politik

Wie Eingangs schon beschrieben, wurde Okkultismus sehr schnell auch zu einem Thema für die Politik.

Anfang der Achtziger Jahre ließen sich zwei gesellschaftliche Trends beobachten: Der Okkultismus-Boom und zunehmender Rechtsextremismus. Beide treffen in besonderem Maße auf die Jugend zu.

Der Okkultismus nahm immer dann zu, wenn es knirschte im politischen, wirtschaftlichen oder ideologischen Getriebe einer Epoche, in Zeiten der Kriege und Krisen, in Zeiten der Seuchen und Not.

Schon Nationalsozialisten machten sich die spirituellen, neuheidnischen und okkulten Bewegungen zu Nutze:

Germanische Symbole wurden wie das Hakenkreuz oder die SS-Runen zu Partei- oder Politabzeichen. Die Endzeitmystik und der Anbruch des dritten, tausendjährigen Reiches wurde von den Nazis ebenso vereinnahmt wie die Weltverschwörungstheorien der Gnostiker und die Wurzelrassenideologie, die dann zur Verfolgung von Juden, Minderwertigen Rassen und überhaupt allen Unliebsamen führte; heidnische Feste wie die Sonnenwendfeiern wurden zu polit-okkulten Inszenierungen.

Bis heute gibt es Verbindungen zwischen Rechtsextremismus und Okkultismus. Der im Umgang mit Mythen und Symbolen geübte Rechtsextremismus spricht offensichtlich Bedürfnisse von Jugendlichen an.

Die Sehnsucht von Jugendlichen, bevorzugt aus den Betonsiedlungen und sozialen Brennpunkte der Großstädte, nach Naturerlebnis und Lagerfeuerromantik ist ein Ansatzpunkt rechtsextremer Jugendorganisationen, Jugendliche anzusprechen. Was diese Gesellschaft funktionieren lässt, ist für viele Jugendliche längst zu einer Art okkultem Wissen im ursprünglichen Sinne des Wortes (zu einem geheimen Wissen) geworden. Rechtsextreme und Neonazis setzen auf diese Harmonie, die Sehnsucht nach einem einfachen, stimmigen Weltbild in einer komplexen Gesellschaft.

Auch heute bedienen sich Rechtsextreme wieder ausdrücklich okkulter Symbole, Sprache und Gedanken. Die „Wiking-Jugend“, eine rechtsextreme Jugendorganisation, verwendet die germanische Odalsrune als Vereinssymbol, Mitglieder der „Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei“ (FDA) veranstalten Sonnenwendfeiern. Sie reden vom Land, das dem Germanengott Wotan geweiht ist, für das zu sterben sich lohne und der Kampf gegen Drogen wird zu einem Kampf gegen die Weltverschwörer, die die Arier vernichten wollen.

Der Nationalsozialismus mit seinen Mythen, Symbolen, Massenritualen und einem Gemeinschaftsgefühl zog auch gerade Jugendliche in seinen Bann. Die Nazis waren eine junge Partei: 38% der Mitglieder waren 1931 jünger als 30 Jahre. Ähnliche Formen von Massenritualen und Gemeinschaftsgefühl treten auch heute in der Kombination Rechtsextremismus/Okkultismus auf.

Der Psychotherapeut Polednitschek stellte strukturelle Ähnlichkeiten zwischen jugendlichen Neonazis und Satanisten fest: „Beide Typen identifizieren sich mit einer machtvollen Führergestalt, dem Satan oder einem politischen Führer. Dies scheint der Kompensation eines epidemischen Ausmaßes an Selbstzerstörung, einem Mangel an Selbstbewußtsein, Selbstliebe und Selbstvertrauen zu dienen:“

Der Neofaschismus bietet nach Polednitschek eine politische Lösung, der Satanismus eine religiöse. Je nach Sozialisation und Erziehung neigen demnach Jugendliche aus ländlicher Umgebung eher zu Satanismus, Großstadtjugendliche eher zum Faschismus.

Die Moderne hat alte Strukturen zerstört und dafür nichts hinterlassen. Und auch der „liebe Gott“ ist verschlissen. Dies wirft die Frage auf, ob nicht viele Spielarten des heutigen Jugendokkultismus und auch des „New Age“ mit ähnlichen Bedürfnissen und Motiven zu tun haben. Nach Harmonie der Gruppe oder gar der gesamten Umwelt wird auch in anderen Ecken gesucht.

5. Gründe und Anlässe für die Ausbreitung okkulter Praktiken

Nach den großen, z.T. sogar beängstigenden Erfolgen vor allem der Naturwissenschaften in vielen Bereichen überrascht es - zumindest auf den ersten Blick - , wie viele Menschen in unserer Gesellschaft, sei es zu Unterhaltung, sei es aus Neugier, sei es zur Entscheidungshilfe, sich spaßhaft oder ernsthaft okkulten Praktiken zuwenden und sich aus okkulten Vorstellungen ihr Weltbild zusammensetzen.

Mögliche Gründe für diese Entwicklung:

- Besonders der Jugendokkultismus enthält Aspekte des Protestes gegen die Erwachsenenwelt.

„Neugier“ wird von den Jugendlichen am häufigsten als Grund für die Beteiligung an okkulten Praktiken genannt. Jugendliche wollen sich und die Welt ausprobieren, auch in Abgrenzung und Widerspruch gegen Familie und Schule. Des weiteren besteht ein Initiationsbedürfnis bei den Jugendlichen, denn die bestehenden „Übergangsriten“ (z.B.: Konfirmation, Schulabschluß,...) sprechen sie nicht mehr an. Teils weil sie entwertet sind, teils weil die verschiedenen Riten des Ausscheidens aus der Familie und des Beginnens eines selbständigen Lebens als Erwachsener mit der Konfrontation einer eigenen Wirklichkeit ihre Bedeutung für viele Individuen verloren haben, sie auch zeitlich weiter auseinander gerückt sind. Teils ist es auch, weil zwar altersbedingt ein Ausscheiden aus der Familie eintritt, aber nicht gleichzeitig ein Eintreten in die Erwachsenenwelt. Dem entspricht auch die große Beteiligung erwachsener Schüler oder Studenten an okkulten Praktiken, die sich ja gewissermaßen in eine „sekundäre Pubertät“ begeben.

Es ist davon auszugehen, dass sich für viele die Beteiligung erledigt, sobald sie in ein verbindliches Arbeit- und Lebensverhältnis eingehen. So scheinen okkulte Praktiken oft für Jugendliche an die Stelle der Institutionen getreten zu sein, die eine Verarbeitung der Konflikte, die beim Übergang von Kindheit zum Erwachsenwerden auftreten, ermöglicht haben.

- Viele Menschen erfahren unsere soziale und ihre individuelle Wirklichkeit als undurchschaubar, irrational und kaum nach den eigenen Wünschen zu gestalten.

Das alltägliche Funktionieren der Bürokratie, des industriellen Produktionsprozesses, sogar der eigene Lebensweg ist unverständlich. Wer kann schon im Einzelfall stichhaltige Gründe angeben, warum der eine den Arbeitsplatz oder die Wohnung bekommt, die seinen Wünschen entspricht, oder die eine Liebesbeziehung glücklich ist und die andere nicht, oder warum der eine erfolgreich ist und der andere nicht? Die Hinwendung zu okkulten Praktiken verweist auf Enttäuschungen durch die soziale Wirklichkeit und das moderne Weltbild, in dem das individuelle Leben sowie gesellschaftliche Prozesse gestaltet werden sollen. Unsere soziale und individuelle Wirklichkeit entspricht meist nicht dem Bild, das wir uns von unseren Lebenszusammenhänge machen.

- Zugleich muss berücksichtigt werden, dass durch die industrielle Entwicklung und andere soziale Prozesse die noch im vorigen Jahrhundert und z.T. bis nach dem 1. Weltkrieg gegebenen Vorgaben des individuellen Lebensweges aufgelöst sind. Dadurch werden viele Individuen ständig vor selbst zu verantwortende Entscheidungen gestellt, auf die sie nicht vorbereitet sind, denen sie nicht gewachsen sind. Früher waren viele Lebensentscheidungen vorgezeichnet, z.B. die Heirat durch Schicht- und Standeszugehörigkeit.

Heute geht mit einer größeren Freiheit auch eine größere Unsicherheit einher. Nun kann es bei jeder Kritik am Okkultismus nicht um eine Rückkehr zu vergangenen Ritualisierungen oder Bahnungen gehen. Diese bedeuteten Fremdbestimmung und eine Rückkehr wäre aus sozialen sowie wirtschaftlichen Gründen unmöglich, es sei denn man wolle einen Rückgang des Lebensstandards. Doch wird die Freiheit auch nicht durch Anwendung okkulter Praktiken oder Befragung der „Geister“ erreicht.

- Eine mittlerweile im Westen verbreitete Kritik und Entwertung der Wissenschaft und die auch unter Studenten auftretende Behauptung, dass sich magische Vorstellungssysteme, religiöse Glaubenslehren und wissenschaftliche Aussagen prinzipiell nicht qualitativ unterscheiden, sondern nur andere, grundsätzlich gleichwertige Arten seien, die Wirklichkeit zu beschreiben und sich in ihr zurechtzufinden, bereitet die kognitive Annahme okkulter Praktiken vor. Die berechtigte Kritik an der Wissenschaft wird in diesem Kulturrelativismus zu einer kritikunfähigen Standpunktlosigkeit gesteigert. Da nun durch Säkularisierungsprozesse die Antworten der überlieferten Religionen an Überzeugungskraft verloren haben, ihre Antworten auf viele Fragen auch auf Erfahrungen eines vorindustriellen Zeitalters basieren, zugleich die Wissenschaften durch ihren Beitrag zu Krieg und Umweltzerstörung an Glaubwürdigkeit verloren haben, und die Kunst, dadurch dass sie auf dem Markt gehandelt wird, ihren Wahrheitsanspruch verloren zu haben scheint, suchen viele Menschen nach anderen Formen der Lebensbewältigung. Okkulte Praktiken und Vorstellungen rücken an die Stelle von Religion, Wissenschaften und Kunst. Dies wird auch dadurch belegt, dass das „Interesse am Außergewöhnlichen“, das früher in der Religion befriedigt wurde, die „Unterhaltung“, die in der Kunst ihre Befriedigung fand und die „Neugier“, die zur Wissenschaft führt als wichtigste Gründe für die Hinwendung zu okkulten Praktiken angegeben werden.

- Schließlich spielt auch die sog. Sinnkrise eine wichtige Rolle. Die überlieferten Antworten der christlichen Religionen, der Philosophen haben an Überzeugungskraft verloren. Durch den Prozess der Säkularisierung mussten die überlieferten Religionen ihre Aufgabe, kollektive Verbindlichkeit zu vermitteln, z.T. aufgeben. Die Antworten der Religionen auf viele Fragen wurden zugleich zur Privatangelegenheit, und die Religion hat sich z.T. in eine Freizeitveranstaltung verwandelt, die mit anderen Angeboten konkurrieren muss. Viele Menschen suchen in der Hinwendung zu östlichen Heilslehren, archaischen Kulten und Vorstellungen oder in einem Synkretismus von aus aller Welt zusammengestellten Elementen eine Antwort, andere eben auch in der Beschwörung der Geister durch okkulte Praktiken. Voraussetzung der seit Jahrzehnten zu beobachtenden Verschärfung der „Sinnfrage“ war auch die gesellschaftliche Entwicklung in den westlichen Industrienationen, die jedem einzelnen das Überleben garantierte.

Damit war die Arbeit für die Selbsterhaltung als nicht hinterfragbare Sinnstiftung abgelöst, zumindest in ihrer Bedeutung herabgesetzt. Hinzu kommt, daß durch die industrielle und bürokratische Organisation der Arbeitsprozesse für viele eine Identifikation mit ihrer Arbeit kaum noch möglich ist. Selbsterhaltung aber ist sehr wichtig für alle westlichen Zivilisationen. Die Reduktion des Menschen auf Selbsterhaltung im industriellen Produktionsprozess und in den bürokratischen Verwaltungsstrukturen „merzt“ aber tendenziell alle natürlichen und geschichtlichen Qualitäten des Menschen als Körper und Seele, Trieb und Geist aus und erklärt sie für „irrational“, wenn diese nicht in den Dienst der Selbsterhaltung und eines ebenso rastlosen wie sinnlos gewordenen Produktions- und Verwertungsprozesses, also den Dienst eines anderen gestellt werden. Das grundlegende Prinzip der Selbsterhaltung überläßt jeden einzelnen dann der verwirrenden Frage, was als sinnvolles Leben nun jenseits der relativ sicheren Selbsterhaltung noch zu gelten habe. Die Moderne bürdet die Antwort auf diese Frage jedem einzelnen auf; darin besteht seine Freiheit. Um der Selbsterhaltung allein aber lohnt es sich für viele nicht zu leben, sie suchen nach einem Transzendieren, Überschreiten des Alltags, der Arbeitswelt und sogar der Familie in ekstatischen Veranstaltungen. Okkulte Praktiken scheinen dem Bedürfnis nach Außeralltäglichem, Höherem, Geistigem wie des Triebes, der Wünsche und der Ängste aus dem auf Selbsterhaltung reduzierten Arbeitsleben bereitet die Wiederkehr der „Geister“ vor.

6. Ursachen für Okkultismus

Es gibt viele Ursachen für die Hinwendung zum Okkultismus. Im Folgenden sind die wesentlichen kurz aufgelistet:

- Okkultismus kann eine Freizeitbesch ä ftigung sein.

Für ein paar Stunden, im Gespräch mit Geistern, sind schlechte Noten, Beziehungsstress usw. Nebensache.

- Okkultismus kann eine Lebenshilfe sein.

Wer heutzutage einen Hauptschulabschluß macht, wird gesellschaftlich propagierte Werte wie Macht, Erfolg, Erlebnis vielleicht nicht erreichen - jedenfalls nicht in der realen Welt. Als Okkultist hat man scheinbare Macht über Geister, ist somit nicht mehr hilflos, sondern erfährt einen Erfolg.

- Okkultismus kann eine Leidenschaft sein.

Getrieben von der Überzeugung, dass da noch mehr sein muss, sucht der Okkultist nach dem Übersinnlichen.

- Okkultismus kann Aufbegehren sein.

Vom Teufel zu singen heißt, Tabus zu brechen. Wenn man sich mit dem Teufel verbündet, bricht man Tabus und begehrt gegen die Gesellschaft auf.

- Okkultismus kann eine Verkehrung der Welt bedeuten.

Satanisten drehen das Wertegerüst der christlich geprägten Kulturen um 180 Grad und finden alles erstaunlich stimmig.

- Okkultismus kann Ersatz f ü r gesellschaftliches Engagement sein.

Wer glaubt, seine und die Probleme der Welt mit Beschwörungsformeln und Kräuterelixieren lösen zu können, braucht keine Wahlen, keine Mitbestimmungen und keine Demonstrationen. Okkultisten müssen sich somit nicht in der realen Welt zurechtfinden und engagieren, sondern lösen ihre Probleme auf einem für sie sehr viel leichterem Wege.

- Okkultismus kann zur Gefahr werden:

Für den einzelnen, der sich mit Okkultismus beschäftigt und bei dem diese Beschäftigung Angstzustände und psychische Störungen bis hin zur Psychose auslösen kann. Für eine Gesellschaft, in der die Demokratie in Gefahr gerät, weil Menschen sich lieber auf die Willkür des Pendels oder die Macht scheinbar fremder Autoritäten verlassen Für die beiden großen Kirchen, die, von Austritten gebeutelt, nach dem Angriff der sogenannten „Jugendreligionen“ erneut ihr spirituelles Monopol in Gefahr sehen.

Kapitel 7 geht näher auf die möglichen Gefahren des Okkultismus ein, wobei die Gefahren für den Betroffenen von ebendiesen für die Gesellschaft zu unterscheiden sind.

7. Okkultismus als Gefahr

7.1 Okkultismus als Gefahr für die Betroffenen

Die Hauptgefahr, der jugendliche Satanisten ausgesetzt sind, ist nicht - wie so oft angenommen - der drohende Ritualmord, denn die meisten Jugendlichen, die sich selber als Satanisten bezeichnen lehnen Ritualmorde und Menschenopfer ab. Viel gefährlicher, weil es weiter verbreitet ist, ist die Gefahr, dass Jugendliche einer imaginären Führerperson die Verantwortung übertragen. Jugendliche Satanisten bezeichnen sich als „Diener des Satans“. So hat die imaginäre Führerperson deren Leben in der Hand, was besonders gefährlich ist, da es sich ja nicht um einen tatsächlichen Führer handelt, der seinen Anhängern Anweisungen erteilt, sondern dass der Wille des Führers den Köpfen seiner Untertanen entspringt.

Eine Merkwürdige Mischung aus Bewusstsein und Unterbewusstem sowie einer Menge Gruppendynamik innerhalb eines satanischen Zirkels kontrolliert letztendlich das ganze Leben des Satanisten.

In einigen Satanisten-Zirkeln herrschen ausgesprochen autoritäre Umgangsformen. Der Zusammenhalt der Gruppe basiert darauf, dass alle Mitglieder im vermeintlichen Besitz von geheimem Wissen sind. Demnach wird es zwangsläufig problematisch, wenn ein Mitglied die Gruppe verlassen will. Vereinzelt sind Morddrohungen und Körperverletzungen gegen solche Verräter bekannt.

Gefahren ist auch der Pendelnde, Gläser oder Tischchen rückende Spiritist ausgeliefert. Wer die Existenz von Geistern für möglich hält, bringt ganz leicht alltägliche Ereignisse mit ihnen in Verbindung: Der herunterfallende Ast, die zuknallende Tür, eine flackernde Kerze,... all dies kann als „Zeichen“ der „Geister“ gedeutet werden. Beginnend mit der Haltung: „Eigentlich glaube ich nicht an das Ganze, aber es kann ja nichts schaden, wenn ich mich trotzdem daran halte“, kann es beim Verfolgungswahn enden.

Der Okkult-Forscher und Parapsychologe Johannes Mischo stellte vor allem beim Pendeln, Gläser- und Tischrücken folgende psychische Störungssyndrome fest:

- Angstsyndrome:

Nach Mischo zeigt sich dabei „der Versuch einer Weiterverarbeitung in der Phantasie, in Tagträumen, angstauslösenden Einschlafbildern oder nächtlichen Angstanfällen“.

- Abh ä ngigkeitssyndrom mit Angstimpulsen:

Das Abhängigkeitssyndrom sei zum einen individualspezifisch und zum anderen in der Gruppendynamik zu sehen. Individuelle Abhängigkeit entstehe, „je stärker man sich dem Faszinosum und zugleich Tremendum dieser Pseudotranszendenz“ hingebe.

- Unterschiedliche Grade von Dissoziationssyndromen:

Unter anderem bestehe die Gefahr, daß psychomotorische Automatismen „einen Spaltungsprozess induzieren können, der je nach dem individuellen Grad der Ausbreitungsbereitschaft zu einer Abspaltungstendenz und zu verselbständigten Komplexbildungen der menschlichen Psyche“ führe.

- Die narzisstische Ich-Aufbl ä hung mit Unterwerfungsanspruch:

Davon betroffene Spiritisten seien meist therapieresistent. Mischo beschreibt sie als „sich ihres eigenen Anspruchs und der daraus abgeleiteten Interpretationsvorgaben in einer völlig subjektivistischen Sicht (ihrem „System“) so sicher, dass sie bedingungslos Akzeptanz fordern und jede objektivierbare Überprüfung dieses Anspruches kategorisch ablehnen“.

- Die mediumistische Psychose:

Den Begriff prägte schon 1919 der Psychiater Henneberg. Mischo beschreibt das Krankheitsbild wie folgt: „Im Gefolge des exzessiven automatischen Schreibens und Buchstabierens, das im Glauben an die Verbindung mit verstorbenen „Jenseitigen“ ausgeübt wird und zur starken affektiven Erschütterung führt, stellt sich ein Stimmenhören ein, das sie schriftlichen Verlautbarungen antizipiert, sich schließlich zu akustischen Halluzinationen verselbständigt. Zu diesen akustischen Halluzinationen gesellen sich optische, oft im Verbund mit quälenden Zwangstrieben“.

Das Medium tritt also mit der Zeit nicht mehr per Glas, Tischchen oder Pendel mit den „Geistern“ in Verbindung, sondern glaubt, deren Stimmen direkt zu hören oder sie sogar zu sehen und wird sie dann buchstäblich nicht mehr los.

7.2 Okkultismus als Gefahr für die Gesellschaft

Weitaus gefährlicher als eventuelle psychische Schädigungen einzelner Okkultisten können die langfristigen gesellschaftlichen Folgen sein, die der Okkultismus-Boom haben kann, wenn immer mehr Jugendliche und Erwachsene wichtige Entscheidungen ins Transzendente verlagern.

Der Soziologe Ulrich Müller warnt vor der „Produktion isolierter, dissozialer Mitglieder einer kommenden Gesellschaft. Menschen, deren Planungshandeln sich auf die Überlassung von Willkür des Pendels, der Karten, der Gläser beschränkt, dürften ihre speziellen Rollen in einer hochkomplexen, arbeitsteiligen Gesellschaft nicht mehr einnehmen können.“

Tatsächlich muß sich Okkultismus als eine breite gesellschaftliche Bewegung zwangsläufig auch auf die Strukturen der Gesellschaft auswirken.

Wer Pendeln, rückenden Gläsern, Karten oder kosmischen Strahlen vertraut, braucht keine Mitbestimmung, keine Wahlen, keine Demonstrationen. Für die bewusste Einflussnahme auf gesellschaftliche Prozesse kennt unsere Gesellschaft das Fremdwort Politik. Der Begriff ist aber, wie fast alles, was damit zusammenhängt, für die meisten Jugendlichen entweder negativ besetzt, oder bedeutungslos. ,,Politik ist langweilig, Okkultismus ist spannend“, das ist die eine Seite. Die andere ist, daß sich Jugendliche mit der Politik immer weniger identifizieren können und auch nicht mehr an die Veränderbarkeit der Umstände glauben.

Wesentliche Bereiche des Lebens Jugendlicher werden von Instanzen bestimmt und geregelt, auf die sie selbst keinen Zugriff mehr haben. Die Politiker — dieses Wort meint für viele Jugendliche nicht mehr die Personen, sondern Institutionen — sind weit weg.

Sie sind es, die die Welt von morgen ausmachen, aber sie sind es nicht, die die Politiker heute wählen. Dies ist ein Dilemma, welches sich fortsetzt. Jugend ist eine stets übergangene politische Kraft. Jugendliche wollen selbst Einfluss nehmen auf ihr Leben — wenn nicht so, dann eben anders. Die Geister kommen da wie gerufen, mit ihrer Hilfe lässt sich scheinbar ein wenig Einfluß auf das eigene Leben gewinnen. Okkultismus kommt dem Bedürfnis der Jugendlichen nach Subjektivierung ihrer Lebensbereiche entgegen und ist ein Stück Widerstand gegen die lebensfernen Institutionen, die den Alltag bestimmen.

Es ist aber gleichzeitig die Flucht in eine andere, eine scheinbare Realität, eine Flucht aus der politischen Verantwortung. Wie soll Demokratie funktionieren, dieser Idealfall, der auf der ständigen Kontrolle der Regierenden durch die Regierten beruht, wenn ein Teil dieser Regierten längst über den Dingen schwebt, das Glas rückt oder „positiv denkt“.

Der Okkultismus ist keine Lösung, sondern eine Gefahr. Okkultistische Praktiken schieben die Verantwortung an eine höhere Instanz ab. Die Kontrolle über diese Mächte ist den Okkultisten wiederum entzogen. Und die Regierenden regieren weiter und immer weniger schauen ihnen dabei auf die Finger.

Eine wieder andere Auffassung von gesellschaftlicher Partizipation vertreten die Anhänger des ,,New Age“: Ändere dich selbst, dann ändert sich auch deine Umgebung.

Der alte Karl Marx kann diese Leute nicht mehr hinter dem Ofen hervorlocken mit seiner These ,,Das Sein bestimmt das Bewusstsein.“ Nein, umgekehrt ist es. Das Bewusstsein bestimmt das Sein.

Und wo bekommt man das Bewusstsein? In teuren Schamanen-, Tarot-, Selbsterfahrungskursen etc.? Dass dies eine recht elitäre Sache ist, merkt jeder spätestens dann, wenn er versucht, einem Arbeitslosen zu erklären, er müsse sein Bewusstsein ändern, dann würde die Arbeitslosenhilfe schon reichen. Ist es ein Wunder, daß vornehmlich die Bessergestellten von den ,,New-Age“-Lehren ergriffen und überzeugt werden? Ein Motor für Veränderung ist dies jedenfalls nicht, und bedenkenswert ist dabei, dass gerade viele ehemals Linke, vornehmlich Akademiker, sich ,,New Age“ mit allem Drum und Dran zu eigen machen, als eine Art legitimierende Ideologie für den Politfrust der Vergangenheit.

Bewusstsein ändern kann aber auch etwas anderes heißen. Wer es nicht mehr erträgt, dass die Umweltverschmutzung weitergeht, dass die Arbeitslosigkeit steigt, dass weiter aufgerüstet und der Frieden nicht sicherer wird — der ändert eben sein Bewusstsein. Er denkt positiv, schaut durch die rosa Brille und auf einmal ist alles nicht mehr so schlimm. So lässt es sich leben.

Aber das Leben wird dadurch nicht besser, es scheint nur besser und bietet deswegen weniger Motivation zur Veränderung.

8. Handlungsmöglichkeiten im Unterricht

All die im vorangegangenen Kapitel aufgezeichneten möglichen Gefahren, die Okkultismus mit sich bringen, machen deutlich, wie wichtig es ist, der Hinwendung zum Okkulten entgegenzuwirken. Dies sollte bestenfalls schon in der Schulzeit möglich sein. Eine Fächerübergreifende Unterrichtseinheit würde sich hierbei anbieten:

Das Thema Okkultismus kann in verschiedenen Fächern an den Unterricht angeknüpft werden. Im Physikunterricht kann man z.B. nach der Behandlung der Pendel- und Reibegesetze eine Unterrichtseinheit anschließen, in der diese mechanischen Vorgänge okkult gedeutet werden.

Chiromantie könnte im Biologieunterricht nach der Behandlung des menschlichen Körpers behandelt werden.

Im Geschichtsunterricht könnten okkulte Geistervorstellungen der Religionen thematisiert werden.

Im Sozialkundeunterricht könnte man darüber diskutieren, was passieren würde, wenn man zur Beweiserhebung im Gericht Hellseher einstellen würde. Dabei wäre eine vergleichende Behandlung mittelalterlicher Beweiserhebungsverfahren z.B. mit Hilfe von Hexenprobe und Gottesurteil sinnvoll.

- Vorschlag zur Behandlung des „ Pendelns “:

Im Physikunterricht wären die Gesetze des Pendelns klar darzulegen und experimentell vorzuführen. Besonders die Tatsache, dass ein Pendel, das an einem Stativ hängt, nach einer bestimmten Zeit zur Ruhe kommt, ist deutlich zu machen. Aus den Physikalischen Gesetzen ergibt sich dann, dass das Pendel keine eigenständige Bewegung zustande bringt, sondern von äusseren Anstößen abhängig ist.

Im Biologieunterricht wäre zu erklären, dass es aufgrund des Muskeltonus nicht möglich ist, die Hand selbst über einen kurzen Zeitpunkt lang ruhig zu halten.

- Vorschlag zur Behandlung des Gl ä serr ü ckens:

Die Karten mit den Buchstaben, zu denen das Glas rücken soll werden einfach verdeckt auf den Tisch gelegt, natürlich erst nachdem man einen regulären Versuch mit offen sichtbaren Karten gemacht hat. Die Begründung lautet, dass es für einen Geist doch nicht so schwer sein kann, verdeckte Karten zu erkennen. Nur ein beobachtender Protokollant sieht unter die angefahrenen Karten. Die Teilnehmer werden erkennen, dass jetzt nur noch unsinnige Wörter entstehen. Dadurch ist ihnen einsichtig, dass das Glas gar nichts weiß, sondern dass beim Gläserrücken entstandene Mitteilungen bewusst oder unbewusst gesteuert sind.

- Vorschlag zur Behandlung der Astrologie

Man fordert die Schüler auf, aktuelle Zeitschriften mit Horoskopen mitzubringen und ihre eigenen Horoskope zu vergleichen. Die Schüler werden feststellen, dass in jeder Zeitung andere Dinge für sie vorausgesagt werden und dass Horoskope unverbindliche und zweideutige Aussagen machen. Schließlich kann man den Lebensweg von unter gleichem Sternzeichen geborenen Menschen vergleichen.

Literaturverzeichnis

- Holtz, Gottfried, 1984, Die Faszination der Zwänge, Aberglaube und Okkultismus, Göttingen
- Hunfeld, Frauke / Dreger Thomas, 1990, Magische Zeiten, Jugendliche und Okkultismus, Weinheim und Basel
- Mischo, Johannes, 1991, Okkultismus bei Jugendlichen - Ergebnisse einer empirischen Untersuchung, Mainz
- Zinser, Hartmut, 1992, Okkultismus unter Jugendlichen - Für den pädagogischen Gebrauch von Marianne Knief, Berlin

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1 Vergl.: Brockhaus Enzyklopädie in zwanzig Bänden,1972, siebzehnte Auflage, vierzehnter Band

2 Vergl.: Ruppert, H.J.: Okkultismus - Geisterwelt oder neuer Weltgeist? Wiesbaden - Wuppertal 1990 (mit dokumentarischem Anhanf von Texten), S.11

3 Vergl.: Haack, F.W.: Geister, Hexen, Satanskult. Was geht wirklich vor? In: Jugend und Gesellschaft 4/88,S.1

4 Vergl.: Kiesewetter, C.: Geschichte des neueren Okkultismus, Leipzig 1909, S.9

5 Vergl.: Mischo, Johannes: Glossar.Okkultismus und okkulte Praktiken, in:Päd. extra und demokratische Erziehung, 7-8/ 1990, S.7

Details

Seiten
27
Jahr
1999
Dateigröße
478 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v105509
Note
gut
Schlagworte
Okkultismus Jugendlichen Psychologie

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Titel: Okkultismus unter Jugendlichen