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Intentionalität als Basis für Sprechakte

Seminararbeit 2001 25 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

EINLEITUNG

1 INTENTIONALITÄT - WAS IST DAS EIGENTLICH?

2 INTENTIONALITÄT UND INTENTIONALE ZUSTÄNDE

3 DIE NATUR INTENTIONALER ZUSTÄNDE
3.1 Intentionalität als Gerichtetheit
3.2 Intentionalität versus Bewusstsein
3.3 Die Absicht, etwas zu tun ist nur eine Form der Intentionalität
3.4 Intentionale Zustände versus geistige Akte

4 INTENTIONALITÄT UND SPRACHE
4.1 Intentionalität und Sprachhandlung

5 SPRECHAKT-THEORIE
5.1. Sprechakt
5.2 Die Sprechakt-Theorie

6 ÄHNLICHKEITEN UND VERBINDUNGEN ZWISCHEN INTENTIONALEN ZUSTÄNDEN UND SPRECH-AKTEN
6.1 Propositionaler Gehalt - illokutionäre Rolle / Repräsentationsgehalt - psychischer Modus
6.2 Ausrichtung
6.2.1 Warum Äußerungen in zwei Kategorien geteilt werden (können)
6.3 Aufrichtigkeitsbedingungen
6.4 Erfüllungsbedingungen
6.5 Zusammenfassung
6.5.1 Der Begriff der Repräsentation

7 BEDEUTUNG UND DAS PROBLEM, WIE MAN VON DER PHYSIK ZUR SEMANTIK KOMMT

8 INTENTIONALITÄT UND DIE INSTITUTION DER SPRACHE ODER „WAS BRAUCHT MAN, UM EINE SPRACHLICHE HANDLUNG ZU VOLLZIEHEN?“

8.1 Konventionen

8.2 Wie man vom Besitz intentionaler Zustände zum Vollzug konventional realisierter illokutionärer Akte gelangt

9 BEGRENZUNG VON SPRECHAKTEN

10 ZUSAMMENFASSUNG: INTENTIONALITÄT ALS BASIS FÜR SPRECHAKTE

LITERATURVERZEICHNIS

Einleitung

Die wenigsten Menschen werden sich unter dem Begriff „intentionale Zustände“ auf Anhieb etwas vorstellen können. Gerade deshalb würden sie wohl auch kaum auf die Idee kommen, dass diese Zustände unter anderem etwas mit ihrem tagtäglichen meist sehr regen Gebrauch von Sprache zu tun hat.

Jeder wird zugeben, dass es Situationen gibt, in denen man etwas ganz bestimmtes aus einem ganz bestimmten Grund in einer ganz bestimmten Art und Weise sagt/schreibt, wenn wir zum Beispiel jemanden zu etwas überreden oder jemanden durch eine Drohung oder eine Warnung von etwas abhalten wollen. In diesen Fällen oder Situationen sind wir uns unserer Sprache und den Möglichkeiten, mit ihr zu agieren, zu reagieren, beeinflussen, steuern, etc. bewusst. „Wenn ich möchte, dass xyz, dann sage ich abc.“

Kaum aber jemand kann sich vorstellen, dass nahezu jeder Sprachgebrauch auf einem Wunsch, einer Hoffnung, einer Erwartung, etc. basiert. Dafür verlaufen zu viele Sprechakte zu unbewusst und beinahe automatisiert ab.

Doch, um es einmal ganz profan auszudrücken: es muss ja irgendwie einen Grund geben, warum wir so eifrig Sprache nutzen. Oder soll man vielleicht besser sagen: niemand sagt etwas, nur, um irgendwelche Laute zu produzieren und niemand schreibt etwas, nur um ein paar Striche und Kreise auf ein Blatt Papier zu malen.

Wann immer wir kommunizieren, liegt unser Hauptaugenmerk darauf, mit Hilfe eines Sprechaktes, etwas mitzuteilen, wie der Begriff an sich schon ausdrückt, irgendetwas „in uns“ mit jemandem zu teilen, ihn oder sie davon in Kenntnis zu setzen.

Jeder Sprechakt, jeder Akt des Sprechens, hat also eine Basis und diese Basis, diese Grundlage, möglicherweise sogar der einzige Grund, warum wir Sprache so häufig exzessiv nutzen, sind für John R. Searle1intentionale Zustände.

Was aber genau sind intentionale Zustände denn nun eigentlich? Was kann man sich konkret unter einem Sprechakt vorstellen und was haben intentionale Zustände und Sprechakte miteinander zu tun?

Von diesen Fragen und möglichen Antworten handelt nun diese Hausarbeit, die hauptsächlich auf den Theorie zu Intentionalität und der Sprechakt-Theorie von John R. Searle, basiert.

1 Intentionalität - was ist das eigentlich?

Intentionalität [ lat. intentio, „Aufmerksamkeit“ , „Absicht“ ] beschrieb bei Brentano und Husserl die Gerichtetheit des Bewusstseins.

Bei H.P. Griece und John R. Searle war es dann die grundlegende Kategorie für jede Theorie der sprachlichen Bedeutung, wonach sprachliche Handlungen im wesentlichen intentionale, also von einer bestimmten, nämlich der kommunikativen, Handlungsabsicht geleitete Akte sind.

Dabei muss man unterscheiden zwischen Intentionalität, also Zielbewusstsein, und Intension, also Innigkeit, Heftigkeit oder Inhalt.

Intentionalität ist diejenige Eigenschaft vieler geistiger Zustände oder Ereignisse, durch die sie auf Gegenstände oder Sachverhalte der Welt gerichtet sind. Intentionalität trägt also immer Merkmale der Gerichtetheit oder des Von-etwas-Handeln.

Das Phänomen der Intentionalität erklärt Searle im Zusammenhang mit der Funktionsweise des menschlichen Bewusstseins.

Sprachliches Handeln ist nach Searle zwar durch das geistige Phänomen der Intentionalität bestimmt, doch Intentionalität an sich ist nicht unbedingt an sprachliche Kommunikation gebunden.

Er definiert Intentionalität als die Eigenschaft von geistigen Zuständen auf Objekte und Sachverhalte in der Welt ausgerichtet zu sein, wobei eine bestimmte Absicht bzw. Intention zu haben nureineArt von Intentionalität darstellt.

Jedem Sprechakt liegt ein intentionaler, d. h. kognitiver oder affektiver, Zustand des Sprechers zu Grunde, der durch den Vollzug des Sprechaktes ausgedrückt wird: eine Absicht, ein Wunsch, eine Befürchtung etc. Dementsprechend gilt eine sprachliche Handlung nur als gelungen, wenn der ausgedrückte psychische Zustand des Sprechers erfüllt wird: z. B. kann ein Befehl befolgt oder missachtet werden etc. Durch kommunikatives Handeln werden dieser Auffassung zufolge intentionale psychische Zustände des Sprechers veräußerlicht.

Dabei ist Searle der Auffassung, dass geistige Phänomene eine biologische Basis haben: sie sind von Hirnvorgängen verursacht und in der Hirnstruktur realisiert.2

Gemäß dieser Auffassung kann man intentionale Zustände sogar lokalisieren: sie haben ihren festen Sitz im Gehirn des Menschen.

2 Intentionalität und intentionale Zustände

Zugegeben, wahrscheinlich kann sich immer noch niemand so recht vorstellen, was denn nun ein intentionaler Zustand ist oder was man sich darunter vorzustellen hat. Also möchte ich hier eine kurze Liste von Zuständen anbringen, die intentional sind oder sein können.

Die meisten werden diese Begriffe im Alltagsgebrauch von Sprache weniger als Zustände, sondern eher als Gefühle oder Emotionen bezeichnen. Im Zusammenhang von Intentionalität allerdings werden sie als „geistige oder intentionale Zustände“ gesehen.

Zustände, die intentional sein können, sind also: Überzeugung, Befürchtung, Hoffnung, Wunsch, Liebe, Hass, Abneigung, Gefallen, Missfallen, Zweifel, das Sich-etwas-Fragen, Freude, Hochstimmung, Niedergeschlagenheit, Unruhe, Stolz, Reue, Kummer, Gram, Schuld, Jubel, Verärgerung, Verblüffung, Versöhnlichkeit, Feindseligkeit, Zuneigung, Erwartung, Wut, Bewunderung, Verachtung, Respekt, Entrüstung, Absicht, das Wollen, das Sich-etwas-vorstellen, Scham, Begierde, Ekel, Panik, Vergnügen, Abscheu, Belustigung und Enttäuschung.3

Dabei ist es bezeichnend für die Elemente in dieser Menge, dass ihnen entweder eine Richtung auf etwas wesentlich ist ( wie dies z.B. bei Liebe (wir lieben jemanden oder etwas), Hass (wir hassen jemanden oder etwas), Überzeugung (wir haben die Überzeugung, dass p) und Wunsch (wir wünschen uns etwas) der Fall ist) oder dass sie zumindest eine Richtung auf etwas haben können (wie Niedergeschlagenheit oder Hochstimmung).4

3 Die Natur intentionaler Zustände

Was ist nun ein intentionaler Zustand und was macht ihn aus? Wann ist ein Zustand intentional und wann ist er es nicht?

Intentionalität bzw. intentionale Zustände haben einige Merkmale, die sie von anderen geistigen Zuständen unterscheiden.

3.1 Intentionalität als Gerichtetheit

Nicht alle geistigen Zustände und Ereignisse haben allerdings Intentionalität.

Überzeugungen, Befürchtungen, Hoffnungen und Wünsche sind intentional. Es gibt aber auch Formen der Nervosität, der Hochstimmung oder der Unruhe, die nicht intentional sind.5

Wie bereits erwähnt trägt Intentionalität immer Merkmale von Gerichtetheit und Vonetwas-handeln.

Ist man sich nicht ganz sicher, ob es sich um einen intentionalen Zustand handelt, so kann man zunächst eine recht einfache Regel anwenden: „Ein Zustand Z ist dann intentional, wenn es eine Antwort auf folgende Fragen gibt: `Worum geht es in Z?`, `Wovon handelt Z?` oder durch welchen dass-Satz ist Z näher bestimmt?“

An einem kurzen Beispiel möchte ich auch noch mal praktisch aufzeigen, wie der Beweis durch die eben erwähnte Formel funktioniert: Angenommen, ich habe den Satz „Ich glaube, dass es regnet“. Wenn ich mir nicht sicher bin, ob GLAUBEN in diesem Beispiel ein intentionaler Zustand ist, kann ich folgende Frage stellen: „Worum geht es in GLAUBEN?“ Die Antwort wäre „es regnet“. Auf die Frage „Wovon handelt GLAUBEN oder durch welchen dass-Satz ist GLAUBEN näher bestimmt?“, wäre die Antwort: „dass es regnet“. Voilà ... ein intentionaler Zustand.

Wobei allerdings GLAUBEN nicht der intentionale Zustand, sondern die illokutionäre Rolle, der illokutionäre Akt ist, mit dem der intentionale Zustand, in diesem Fall [Überzeugung], ausgedrückt wird.

Um etwas vorauszugreifen: Weil wir der Überzeugung sind, dass es regnet, drücken wir das in einem Sprechakt aus. Die [Überzeugung], der intentionale Zustand, ist die Basis für diesen speziellen Sprechakt (und nicht umgekehrt).

3.2 Intentionalität versus Bewusstsein

Intentionalität ist nicht dasselbe wie Bewusstsein.6

Viele bewusste Zustände sind nicht intentional (z.B. ein plötzliches Gefühl der Hochstimmung) und viele intentionale Zustände sind nicht bewusst (z.B. habe ich viele Überzeugungen, an die ich jetzt nicht denke).7

Zur Verteidigung der Ansicht, Bewusstsein und Intentionalität seien doch ein und dasselbe, wird manchmal gesagt, dass alles Bewusstsein Bewusstsein von etwas sei, dass es immer etwas gebe, dessen man sich bewusst sei, wenn Bewusstsein vorliegt.8

Aber diese Auffassung verwischt einen entscheidenden Unterschied zwischen Intentionalität und Bewusstsein: Wenn man ein bewusstes Erlebnis der Unruhe hat, dann gibt es ja wirklich etwas, wovon mein Erlebnis eines ist, und zwar die Unruhe. Aber dieser Sinn von „von“ ist ein ganz anderer als der des „von“ der Intentionalität, der beispielweise in der Feststellung vorliegt, dass ich eine bewusste Erwartung von baldigem Missgeschick habe.9

Im Fall der Unruhe sind das Erlebnis von Unruhe und die Unruhe ein und dasselbe; aber dieErwartung von baldigem Missgeschick ist nicht dasselbe wiedas baldige Missgeschick.

Es ist charakteristisch für einen intentionalen Zustand, dass es einen Unterschied gibt zwischen dem Zustand einerseits und andererseits dem, worauf der Zustand gerichtet ist, wovon er handelt, worum es in ihm geht.10

3.3 Die Absicht, etwas zu tun ist nur eine Form der Intentionalität

Das Beabsichtigen und die Absicht - das Intendieren und die Intention - sind nur eine Form der Intentionalität unter anderen; sie haben keine Sonderstellung.11

Das naheliegende Wortspiel mit „Intentionalität“ und „Intention“ legt den Gedanken nah, dass Absichten in der Theorie der Intentionalität eine besondere Rolle spielen. Nach Searles Auffassung ist die Absicht, etwas zu tun, aber nur eine Form der Intentionalität und steht in einer Reihe mit Überzeugungen, Hoffnungen, Befürchtungen, Wunsch und vielen anderen.

Wenn man beispielsweise davon spricht, dass Überzeugungen intentional sind, dann möchte man damit nicht den Eindruck erwecken, dass in Überzeugungen irgendwie der Begriff der Absicht enthalten ist oder dass Überzeugungen etwas beabsichtigen oder dass jemand, der eine Überzeugung hat, deshalb auch beabsichtigen müsse, etwas Einschlägiges zu tun.

Intentionalität ist Gerichtetheit: die Absicht, etwas zu tun, ist nur einer Art der Intentionalität unter vielen anderen.

3.4 Intentionale Zustände versus geistige Akte

Es ist ein weiterer Irrtum, Überzeugungen, Wünsche, Befürchtungen und Hoffnungen wären geistige Akte, wie es hier und da von einigen Autoren beschrieben oder behauptet wird.

Im Kopf rechnen oder sich etwas bildlich vorstellen, das sind geistige Akte. Aber Glauben, Hoffen, Befürchten oder Wünschen sind überhaupt keine Akte, auch keine geistigen.12

Akte sind Dinge, die man tut, also Handlungen. Aber es gibt wohl auf die Frage „Was tust Du gerade?“, keine (sinnvolle) Antwort, die lautet: „Ich hoffe gerade“ oder „Ich wünsche gerade“.

Intentionale Zustände oder Ereignisse sind nichts anderes als Zustände und Ereignisse ... und keine geistigen Akte.

4 Intentionalität und Sprache

Sprache ist das primäre System von Zeichen.

Die Semiotik lehrt uns, dass sprachliche Zeichen Symbole sind und Symbole ihre Bedeutung aufgrund von Konventionen erhalten, also von sich aus keine Bedeutung haben oder „herstellen“ können.

Grob gesagt ist gesprochene Sprache also nichts anderes als eine physische Entität (Laute), die aufgrund von Abmachungen, die alle kennen, die diese Sprache sprechen und verstehen können, kennen und die aufgrund dieser Kenntnis einen Sinn bekommt. Das ist allerdings nur eine Betrachtungsweise von Sprache.

Fest steht jedoch: die natürliche Sprache ist eine typisch menschliche und zugleich gesellschaftliche Erscheinung, sie ist ein Werkzeug des Denken und Handelns und das wichtigste Kommunikationsmittel.13 Soziales Verhalten ist wesentlich zeichen- und sprachgebunden.

4.1 Intentionalität und Sprachhandlung

Intentionalität ist eine dem Grundgebrauch von Sprache inhärenter Grundzug. Sprache leitet sich von Intentionalität ab, und nicht umgekehrt.14

Kleine Kinder und viele Tiere, die keine Sprache haben und keine Sprechakte vollziehen, können dennoch intentionale Zustände haben. Nur, wer unter dem Bann einer philosophischen Theorie steht, würde behaupten, dass man von einem Säugling in vollem Wortsinn sagen kann, er wolle Milch, und von einem Hund, er wollte Gassi gehen oder er glaubt, dass sein Herr an der Tür ist.

Sprachhandeln, oder auch sprachliches Handeln, ist die Realisierung von Intentionen. Es sind sprachliche Äußerungen im Sinne von Äußerungsvollzug als Handlung des Sprechers, mit der er sich in der Regel an einem Hörer wendet. Man nennt es Sprachhandlung, da Wörter und Sätze gesprochen, gehört, gelesen und geschrieben werden, sie also primär Handlungen sind, denen gegenüber Wörter und Sätze als Objekte bzw. Resultate solcher Sprachhandlungen aufgefasst werden müssen. Allerdings besteht eine Sprachhandlung nicht nur im Produzieren von Lautfolgen oder graphischen Zeichen, sondern „im Ganzen“, das, was wir tun, wenn wir die entsprechenden Wörter oder Sätze äußern.15

5 Sprechakt-Theorie

Im Rahmen einer pragmatisch orientierten Sprachtheorie formulierten Austin und Searle Bedingungen und Regeln für das Zustandekommen von Sprechakten, die sie als Grundelemente sprachlicher Kommunikation bezeichnen.

5.1. Sprechakt

Ein Sprechakt ist ein Segment der „Rede“ (zu verstehen als ein Teil dessen, was der Sprecher sagt, also äußert), eine situativ-intentionale und bedeutungsvolle artikulatorischakustische Einheit, die Sprecher und Hörer in einer bestimmten Situation durch für beide gleiche Bedeutung verbindet.16

Kurz: ein Sprechakt liegt jedes Mal vor, wenn ein Mensch zu einem anderen etwas sagt.

5.2 Die Sprechakt-Theorie

Bei der Sprechakt-Theorie handelt es sich um eine von der Philosophie der Alltagssprache ausgehende Anregung, dass beim Sprechen bzw. mit dem Sprechen kommunikative Handlungen ausgeführt werden, d.h. dass nichtSätze gesprochen, sondernÄußerungen gemachtwerden.17

Die Theorie der Sprechakte ist zum Teil ein Versuch, die Frage zu beantworten: Wie kommen wir von der Physik der Äußerung zu sinnvollen Sprechakten, die von Sprechern und Autoren geäußert werden?18

Ein Sprechakt besteht nach Searle ausdreiwesentlichen Teilen:

a)Äußerungsakt:

b)Propositionaler Akt:

Man bewegt die Stimmwerkzeuge bzw. gibt Laute von sich. Man realisiert dabei abstrakte Muster im Sprachsystem: Phoneme, Morpheme, Sätze, Texte [der physikalische u. biologische Teil eines Sprechaktes]

Der propositionale Akt (Proposition) ist eine Aussage über die Welt, bzw. man bezieht sich mit der Sprache auf Dinge in der Welt. Man äußert eine Proposition, d.h. der propositionale Akt ist die Realisation einer Proposition. Eine solche Aussage über die Welt kann wahr oder falsch sein.

Wenn ich zum Beispiel sage (äußere): „Es regnet“, kann es tatsächlich regnen oder es regnet eben nicht.

Eine Proposition ist sozusagen der Satzinhalt, die realistische Bedeutung eines Satzes, eine intensionales Entität und ist das, was der Satz über die Welt und ihre Sachverhalte aussagt.19

Propositionen kann man in dass-Sätze fassen und sie semantisch bewerten.20

c)Illokutionärer Akt: Schließlich stellt der Sprecher eine Behauptung auf, fragt oder verspricht etwas, gibt einen Rat oder Befehl usw., d. h. er vollzieht einen illokutionären Akt.21

Der illokutionäre Akt ist die Redeabsicht oder die Intention eines Sprechers, eine kommunikative Wirkung auf den Hörer auszuüben.

Eine Illokution lässt sich auch beschreiben als

- was der Sprecher meint

- wie der Hörer die Äußerung verstehen soll

- worauf der Sprecher hinaus will22

Dieser illokutionäre Akt (Illokution) kann glücken oder nicht glücken. Das hängt davon ab, ob der Angesprochene die Intention des Sprechers, d.h. die intendierte Funktion des Sprechaktes erkennt oder nicht erkennt, also ob ihm klar wird, dass er gewarnt wird, dass etwas versprochen wird.

Die Perlokution allerdings ist ein Teil der „ursprünglichen Sprechakt-Theorie“, die Austin im Jahr 1962 von Austin begründet wurde, dann entwickelte dessen Schüler Searle unter Kritik an der Version seines Lehrers die Sprechhandlungstheorie weiter und nahm Abstand von der Perlokution. Dennoch sollte man die Perlokution, der Vollständigkeit halber, hier nicht außer acht lassen.

d)Perlokution: Die Illokution ist eng mit der Perlokution verknüpft, denn diese bezeichnet die vom Sprecher intendierte Reaktion des Hörers. Perlokution ist der Versuch, die angesprochene Person durch das, was ich sage, zu beeinflussen.

Bei Searle sind perlokutionärer Akt die Konsequenzen oder Wirkungen, die illokutive Akte auf die Handlungen, Gedanken oder Anschauungen der Zuhörer haben, zum Beispielüberreden,überzeugen, erschrecken, alarmierenusw.23

DieperformativeÄußerung wird nicht nur zum Vollzug einer Handlung gebraucht, sondern stellt die Handlung selbst dar. Als Beispiele fürperformativeÄußerungen nennt Austin eine Taufe, die Bitte um Entschuldigung oder jemandem einen Rat erteilen; Handlungen, deren Vollzug anders als verbal ausgeführt nicht möglich wären oder nicht denselben eindeutigen Effekt hätten.

Der Erfolg der Perlokution hängt davon ab, ob der Kommunikator die Illokution verständlich transportiert, sei es durch Gestik, Mimik oder Prosodie.

Aber zurück zur Illokution, dem für Searle wichtigsten Teil eines Sprechaktes: Intentionalität kann Bedeutung nicht ersetzen; der illokutionäre Akt muss als Funktion der Satzbedeutung verstanden werden, denn die Intentionalität kann Wort- und Satzbedeutung nicht erklären.24

Die Absicht eines Sprechers ist erreicht, wenn der Hörer den Satz versteht, d.h. wenn er dessen Bedeutung erkennt.25

Schon an dieser einfachen gehaltenen Definition des illokutionären Aktes ist abzulesen, dass Intentionalität bzw. intentionale Zustände die Basis für Sprechakte sind und nicht umgekehrt. Es muss ein intentionaler Zustand vorhanden sein, bevor man eine Illokution ausdrücken kann. An einem Beispiel ausgedrückt: man muss zunächst den intentionalen Zustand der Hoffnung haben, um diese Hoffnung (in irgendeiner Weise) in einem illokutionären Akt ausdrücken zu können.

6 Ähnlichkeiten und Verbindungen zwischen intentionalen Zuständen und Sprechakten

Bisher habe ich sowohl Intentionalität als auch Sprechakte allgemein und oberflächlich behandelt.

Da es, vor allem in vier Hinsichten, Ähnlichkeiten und Verbindungen zwischen intentionalen Zuständen und Sprechakten gibt, möchte ich sozusagen zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, und die Beschreibung dieser Ähnlichkeiten und Verbindungen nutzen, um ein wenig detaillierter auf intentionale Zustände und Sprechakte, bzw. deren Eigenschaften, einzugehen.

6.1 Propositionaler Gehalt - illokutionäre Rolle / Repräsentationsgehalt - psychischer Modus

Die Unterscheidung zwischen propositionalem Gehalt und illokutionärer Rolle (die kommunikative Funktion einer Äußerung) - eine in der Sprechakt-Theorie vertraute Unterscheidung - ist auf intentionale Zustände übertragbar.

Bei den Sprechakten gibt es die naheliegende Unterscheidung zwischen dem propositionalen Gehalt und der illokutionären Rolle, mit welcher dieser propositionale Gehalt im Sprechakt präsentiert wird. Genauso gibt es bei den intentionalen Zuständen eine Unterscheidung zwischen dem Repräsentationsgehalt und dem psychischen Modus (ob nun Überzeugung, Befürchtung, Hoffnung, etc), in dem man diesen Repräsentationsgehalt hat.

Bsp.: „Ich befehle Ihnen, diesen Raum zu verlassen.“

Intentionaler Zustand → psychischer Modus: WUNSCH

-Repräsentationsgehalt: diesen Raum zu verlassen

Sprechakt → illokutionäre Rolle: BEFEHL

- propositionaler Gehalt: diesen Raum zu verlassen

Es ist in der Sprechakt-Theorie üblich, diese Unterscheidung in folgender Weise darzustellen: R (p)

wobei „R“ für die illokutionäre Rolle und „(p)“ für den propositionalen Gehalt steht.26

Entsprechend kann man die Unterscheidung zwischen Repräsentationsgehalt und psychischem Modus in der Theorie der intentionalen Zustände symbolisch so wiedergeben:

Z (r)

wobei „Z“ für den psychischen Modus und „(r)“ für den Repräsentationsgehalt steht.

6.2 Ausrichtung

Die Unterscheidung zwischen verschiedenen Ausrichtungen, auch aus der SprechaktTheorie vertraut, kann ebenfalls auf intentionale Zustände übertragen werden.27

Bei den Sprechakten unterscheidet man, u.a. folgende Sprechakt-Typen:

-assertative Sprechaktesollen irgendwie zu einer unabhängig existierenden Welt passen. Je nachdem, wie weit sie das tut, nennt man sie wahr oder falsch.28Der illokutionäre Zweck vonAssertiva wie Behaupten, Feststellen und Beschreiben ist es, den Sprecher darauf festzulegen, dass etwas der Fall ist. Die Worte müssen mit der Welt in Übereinstimmung gebracht werden. Hier ist die [Überzeugung], dass etwas der Fall ist, ist der vom Sprecher ausgedrückte psychische Zustand.29

-Direktive Sprechakte

[Befehl, Anordnung, Bitte, usw] stellen einen Versuch des

Sprechers dar, einen Adressaten zu einer Handlung zu bringen. Die Welt muss demnach mit den Worten in Übereinstimmung gebracht werden und der hier ausgedrückte psychische Zustand ist ein [Wunsch].30

-Kommissive Sprechaktesind nach Searle Tätigkeiten wie Versprechen, Ankündigen und Drohen. Zweck ist, einen Sprecher auf einen zukünftigen Handlungsverlauf festzulegen.31Kommissiva sollen keiner unabhängig existierenden Welt entsprechen, sondern viel mehr Veränderungen in der Welt hervorrufen, so dass die Welt zu dem propositionalen Gehalt des Sprechaktes passt, und je nachdem, ob sie dies tut oder nicht, nennt man sie befolgt oder missachtet, erfüllt, eingehalten oder gebrochen.32

Man kann diese Sprechakt-Typen anhand ihrer Ausrichtung unterscheiden.

Assertative Sprechakte haben eine Wort-auf-Welt-Ausrichtung, während direktive und kommissive Sprechakte eine Welt-auf-Wort-Ausrichtung haben.

Kurz: wenn eine Feststellung meinerseits nicht wahr ist, dann ist das nicht die „Schuld“ der Welt, dass heißt, es ist nicht so, dass mit der Welt etwas nicht stimmt, sondern es stimmt etwas mit der Feststellung nicht. Wird allerdings mein Befehl missachtet oder nicht ausgeführt, liegt das nicht an meinem Befehl, sondern dann ist etwas mit der Welt im argen (oder besser gesagt: mit der Person, die meinen Befehl missachtet, bzw. nicht ausgeführt hat).

Intuitiv könnte man sagen: Die Idee der Ausrichtung ist die Idee von der Verantwortung fürs Passen.33

Etwas dieser Unterscheidung ähnliches überträgt sich auf intentionale Zustände.

Wenn meine Überzeugung sich als falsch herausstellt, dann ist etwas mit meinen Überzeugungen im argen und nicht mit der Welt - wie sich daran zeigt, dass ich die Situation einfach dadurch richtig stellen kann, dass ich meine Überzeugung abändere (die Überzeugung trägt sozusagen die Verantwortung dafür, zur Welt zu passen und nicht umgekehrt). Aber wenn meine Wünsche sich nicht erfüllen, kann ich die Situation nicht dadurch richtig stellen, dass ich meinen Wunsch ändere; in diesem Fall ist es sozusagen die Schuld der Welt, dass sie nicht zu meinem Wunsch passt.

Überzeugungen können wie Feststellungen wahr oder falsch genannt werden, man könnte also sagen, sie haben eine Geist-auf-Welt-Ausrichtung. Wünsche hingegen werden erfüllt oder ausgeführt, man könnte hier von einer Welt-auf-Geist-Ausrichtung sprechen.34

6.2.1 Warum Äußerungen in zwei Kategorien geteilt werden (können)

Dass Äußerungen mit diesen Ausrichtungen, also Wort-auf-Welt-Ausrichtung und Welt- auf-Wort-Ausrichtung, in zwei Sprechakt-Kategorien geteilt werden, hat seine Motivation darin, dass sowohl Sprecher als auch der Hörer im Rampenlicht des Sprechakt-Vollzuges stehen.

Bei den Kommissiven ist der Sprecher für die Erfüllung des propositionalen Gehalts verantwortlich; bei den Direktiven ist es der Hörer.

Weiterhin gibt es nicht-repräsentationale Sprechakte - die Kategorie der Expressive35-, wie es ja auch intentionale Zustände ohne Ausrichtung gibt. Tatsächlich haben diejenigen Sprechakte die einfachste Form, deren illokutionärer Witz einfach nur daraus besteht, einen intentionalen Zustand auszudrücken.

Es gibt einige Expressive, die Zustände mit einer Ausrichtung zum Ausdruck bringen (z.B. der Ausdruck des Wunsches von der Art „Wenn John doch bloß käme“), aber selbst in diesen Fällen besteht der illokutionäre Witz des Sprechaktes nicht darin, die Erfüllung des ausgedrückten Zustands herbei zu führen, sondern vielmehr einfach darin, den Zustand [Wunsch] auszudrücken.

6.3 Aufrichtigkeitsbedingungen

Eine dritte Verbindung zwischen intentionalen Zuständen und Sprechakten besteht darin, dass wir im Vollzug jedes illokutionären Aktes mit einem propositionalen Gehalt einen gewissen intentionalen Zustand mit diesem propositionalen Gehalt auszudrücken; dieser intentionale Zustand ist die Aufrichtigkeitsbedingung des betreffenden Sprechaktes. Wenn ich beispielsweise mich für eine Handlung entschuldige, dann drücke ich damit aus, dass mir diese Handlung leid tut. Wenn ich befehle (illokutionäre Rolle), H zu tun, dann drücke ich den Wunsch (psychischer Modus) aus, dass H getan wird.

Diese Verbindungen zwischen illokutionären Akten und ausgedrückten intentionalen Aufrichtigkeitsbedingungen sind intern. Das heißt: der ausgedrückte intentionale Zustand begleitet nicht einfach den Vollzug des Sprechaktes; der Vollzug des Sprechaktes ist vielmehr mit Notwendigkeit ein Ausdruck des entsprechenden intentionalen Zustandes.36

Ich kann nicht sagen: „Ich befehle Ihnen, mit dem Rauchen aufzuhören, aber ich will nicht, dass Sie mit dem Rauchen aufhören.“

Das hört sich aus folgendem Grund merkwürdig an: Der Vollzug des Sprechaktes ist eo ipso37ein Ausdruck des entsprechenden intentionalen Zustandes; und demnach ist es logisch eigenartig - wenn auch nicht selbstwidersprüchlich -, den Sprechakt zu vollziehen und zugleich des entsprechenden intentionalen Zustandes in Abrede zu stellen.38

Wenn nun gesagt wird, dass der intentionale Zustand, der die Aufrichtigkeitsbedingung ausmacht, mit dem Vollzug des Sprechaktes ausgedrückt wird, so heißt das nicht, dass man auch immer den intentionalen Zustand hat, den man ausdrückt. Eine Lüge oder andere Arten unaufrichtigen Sprechakt-Vollzuges sind immer möglich39. Doch auch eine Lüge ist immer noch ein Sprechakt, bei deren Vollzug ein intentionaler Zustand ausgedrückt wird, auch wenn der Sprecher den von ihm ausgedrückten intentionalen Zustand nicht hat.40Ich kann zwar sagen: „Dein Geschenk gefällt mir wirklich gut“ und drücke damit (scheinbar) einen intentionalen Zustand der Zufriedenheit oder Freude aus, in Wirklichkeit kann es aber sein, dass ich denke, dass das mit Abstand das hässlichste Geschenk ist, dass ich jemals bekommen habe, aber die Höflichkeit verbietet es mir, diesen intentionalen Zustand der Enttäuschung durch einen dementsprechenden Sprechakt nach außen zu bringen. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass der wahre intentionale Zustand die Enttäuschung ist. Welchen Zustand ich mit meinem Sprechakt ausdrücke, ob es aufrichtig ist oder nicht, bleibt meiner Entscheidung überlassen.

6.4 Erfüllungsbedingungen

Der Begriff der Erfüllungsbedingungen findet ganz allgemein ebenso bei Sprechakten Anwendung wie auch bei den intentionalen Zuständen, falls eine Ausrichtung gegeben ist.

Es geht darum, ob der illokutionäre Akt zur Wirklichkeit passt, und in Abhängigkeit von der speziellen Ausrichtung spricht man diesbezüglich von einem Erfolg oder einem Misserfolg.

Man wird also sagen, dass eine Feststellung genau dann erfüllt ist, wenn sie wahr ist; dass ein Befehl genau dann erfüllt ist, wenn er befolgt ist; dass ein Versprechen genau dann erfüllt ist, wenn es eingehalten wird; und so weiter.

Dieser Begriff der Erfüllung hat offenkundig auch bei intentionalen Zuständen Anwendung.

Meine Überzeugung ist genau dann erfüllt, wenn sich die Dinge so verhalten, wie ich glaube, dass sie sich verhalten; meine Wünsche sind genau dann erfüllt, wenn sie befriedigt werden; und so weiter.

Es ist von entscheidender Wichtigkeit, einzusehen, dass für jeden Sprechakt, der eine Ausrichtung hat, gilt: „Der Sprechakt ist genau dann erfüllt, wenn der entsprechende psychische Zustand erfüllt ist, unddie Erfüllungsbedingungen von Sprechakten und ausgedrücktem psychischem Zustand sind identisch“.41 So ist beispielsweise meine Feststellung genau dann wahr, wenn die entsprechende Überzeugung korrekt ist; mein Befehl genau dann befolgt, wenn der ausgedrückte Wunsch erfüllt wird; und mein Versprechen ist genau dann eingehalten, wenn die ausgedrückte Absicht ausgeführt ist.

6.5 Zusammenfassung

Diese vier Verbindungen zwischen intentionalen Zuständen und Sprechakten legen ganz von selbst ein gewisses Bild der Intentionalität nahe: Jeder intentionale Zustand besteht aus einem Repräsentationsgehalt und einem gewissen psychischen Modus.

Wo dieser Gehalt eine ganze Proposition ist und eine Ausrichtung gegeben ist, legt der intentionale Gehalt die Erfüllungsbedingungen fest. Erfüllungsbedingungen sind diejenigen (vom intentionalen Gehalt gegebenen) Bedingungen, die bestehen müssen, damit der Zustand erfüllt sein kann. Aus diesem Grund ist die Angabe des Gehalts bereits eine Angabe der Erfüllungsbedingungen.42

Der Ausdruck Erfüllungsbedingungen hat die geläufige Vorgang/Ergebnis-Mehrdeutigkeit: er kann die Forderung bedeuten, wie auch das, was gefordert wird.43

Intentionale Zustände repräsentieren Gegenstände und Sachverhalte in demselben Sinn, in dem Sprechakte Gegenstände und Sachverhalte repräsentieren. Wie meine Feststellung, dass es regnet, eine Repräsentation eines gewissen Sachverhaltes ist, genauso ist meine Überzeugung, dass es regnet, eine Repräsentation desselben Sachverhaltes.

6.5.1 Der Begriff der Repräsentation

Der Begriff der Repräsentation ist angenehm vage.44

Auf Sprache angewandt kann man mit ihm mehr abdecken als bloß sprachlichen Bezug: auch Prädikation, Wahrheitsbedingungen und Erfülltheitsbedingungen schlechthin.

Unter Ausbeutung dieser Vagheit lässt sich sagen: Intentionale Zustände mit einem propositionalen Gehalt und einer Ausrichtung repräsentieren ihre verschiedenen Erfüllungsbedingungen in demselben Sinn, in dem Sprechakte mit einem propositionalen Gehalt und einer Ausrichtung ihre Erfüllungsbedingungen repräsentieren.45

Eine Überzeugung ist eine Repräsentation - das heißt einfach: sie hat einen propositionalen Gehalt und einen psychischen Modus, ihr propositionaler Gehalt legt eine Menge von Erfüllungsbedingungen (unter gewissen Aspekten) fest, ihr psychischer Modus legt eine Ausrichtung ihres propositionalen Gehaltes fest, und all dies geschieht so, wie es sich aus der Erläuterung der Begriffe in der Sprechakt-Theorie ergibt.46

7 Bedeutung und das Problem, wie man von der Physik zur Semantik kommt

Geisteszustände sind Zustände und Sprechakte sind Akte, d.h. der absichtliche Vollzug von Handlungen.

Die tatsächliche Handlung, in der der Sprechakt vollzogen wird, wird die Erzeugung (bzw. die Verwendung bzw. die Präsentation) einer physischen Entität umfassen - etwa Geräusche, die man mit dem Mund macht oder Zeichen, die man zu Papier bringt.

Überzeugungen, Befürchtungen, Hoffnungen und Wünsche hingegen sind an sich intentional. Sie als Überzeugungen, Befürchtungen, Hoffnungen und Wünsche zu charakterisieren, heißt bereits, ihnen Intentionalität zuzuschreiben. Sprechakte haben jedoch, qua Sprechakte, eine physische Realisierungsebene, die nicht an sich intentional ist.

Das Bedeutungsproblem in seiner allgemeinen Form ist nun: Wie kommt man von der Physik zur Semantik? Oder wie gelangt man beispielsweise (beispielsweise) von den Klängen, die aus einem Mund kommen, zum illokutionären Akt?

Wie verleiht der Geist an sich nicht intentionalen Entitäten Intentionalität - Entitäten etwa wie Klängen und Zeichen, die (in einem gewissen Sinne) nichts als physische Phänomene in der Welt sind, wie alle andern auch?

Eine Äußerung kann genauso Intentionalität haben wie eine Überzeugung Intentionalität hat, doch während die Überzeugung an sich intentional ist, ist die Intentionalität der Äußerung abgeleitet. Die Frage ist nun, wie leitet sich ihre Intentionalität ab?

Beim Vollzug des Sprechaktes gibt es eine zweifache Intentionalitätsebene. Erstens einmal gibt es da den zum Ausdruck gebrachten intentionalen Zustand, dann aber gibt es auch noch die Absicht, mit der die Äußerung gemacht wird. Dieser zweite intentionale Zustand (d.h. die Absicht, mit der die Handlung vollzogen wird) verleiht dem physischen Phänomen die Intentionalität.

Wie funktioniert das?

Der Geist verleiht Entitäten, die nicht an sich intentional sind, dadurch Intentionalität, dass er absichtlich die Erfüllungsbedingungen des zum Ausdruck gebrachten intentionalen Zustands auf die äußere physische Entität überträgt.47

In dem ich absichtlich etwas mit gewissen Erfüllungsbedingungen äußere, mache ich die Äußerung zu etwas Intentionalem und bringe mithin notwendig den entsprechenden physischen Zustand zum Ausdruck. Ich könnte keine Feststellung machen, ohne eine Überzeugung zum Ausdruck zu bringen, und kein Versprechen geben, ohne eine Absicht zum Ausdruck zu bringen, denn die wesentliche Bedingung des Sprechaktes hat die selbe Erfüllungsbedingung wie der zum Ausdruck gebrachte intentionale Zustand. Ich verleihe meinen Äußerungen also dadurch Intentionalität, dass ich auf sie absichtlich gewisse Erfüllungsbedingungen übertrage, die die Erfüllungsbedingungen gewisser psychischer Zustände sind.

Der Schlüssel zur Lösung des Bedeutungsproblems ist einfach dies: Es kann zu den Erfüllungsbedingungen (im Sinne der Forderung) einer Absicht gehören, dass ihre Erfüllungsbedingungen (im Sinne von geforderten Sachen) selbst Erfüllungsbedingungen haben.

„Bedeutung“ ist ein Begriff, der sich im wörtlichen Sinne auf Sätze und Sprechakte, aber nicht auf intentionale Zustände erstreckt. Es ist beispielsweise völlig sinnvoll, nach der Bedeutung eines Satzes oder einer Äußerung zu fragen, aber nicht (im wörtlichen Sinne) nach der Bedeutung eines Wunsches oder einer Überzeugung.

Bedeutung gibt es nur da, wo es auch einen Unterscheidung zwischen intentionalem Gehalt und der Form seiner Verkörperlichung gibt, und wer nach der Bedeutung fragt, fragt nach dem intentionalen Gehalt, der zu der Verkörperlichung gehört.

Wie gewöhnlich geben die syntaktischen und semantischen Merkmale der entsprechenden Verben auch hier nützliche Hinweise darauf, was da vor sich geht.

Ein Satz in Form: „Ich glaube, dass p“ kann auf eigenen Beinen stehen. Ein Satz in Form: „John meint, dass p“ hingegen - `meinen` nicht im Sinne von glauben oder sagen - macht eine Vervollständigung nötig, oder wenigstens wünschenswert: „John meinte mit der-und-der Äußerung, dass p“. John könnte nicht einfach etwas (in diesem Sinne) meinen, wenn er nicht auch etwas sagt oder tut, womit er meint, dass p; hingegen kann John einfach glauben, dass p, ohne, irgendetwas zu tun. Meinen ist kein intentionaler Zustand, der auf eigenen Beinen stehen kann, wie Glauben das kann. Damit etwas gemeint wird, muss es eine Handlung geben.48

„Feststellen“ ist, im Gegensatz zu Glauben oder Meinen, ein illokutionärer Akt, der - auf einer anderen Beschreibungsebene - ein Äußerungsakt ist. Der Vollzug des Äußerungsakts mit gewissen Absichten macht aus dem Äußerungsakt einen illokutionären Akt und verleiht der Äußerung damit Intentionalität.49

8 Intentionalität und die Institution der Sprache oder „Was braucht man, um eine sprachliche Handlung zu vollziehen?“

Angenommen, es gäbe Lebewesen, die zwar intentionale Zustände wie Überzeugungen, Wünsche und Absichten haben könnten, die aber keine Sprache hätten; was brauchten sie noch, um sprachliche Anhandlungen zu vollziehen? Eine solche Annahme ist nicht einmal besonders abwegig, denn soweit man weiß, war der Mensch irgendwann einmal gerade in dieser Lage, als seine Fähigkeit, z.B. Unmut auszudrücken, darauf limitiert war, jemandem mit einer Keule einen Scheitel zu ziehen.

8.1 Konventionen

Bevor ich mich um die Beantwortung der Frage komme, was unser Lebewesen braucht, um sprachliche Akte zu vollziehen, möchte ich noch einen Begriff erklären, der in der Beantwortung der Frage wenigstens kurz geklärt werden sollte.

Konventionen sind, im Bereich der Linguistik, Systeme wechselseitiger Erwartungen.

Eine Konvention ist nach Lewis (1975) eine Regelmäßigkeit im Handeln oder im Handeln und in der Überzeugung, eine Verhaltensregularität R von Mitgliedern einer Gruppe G, die an einer wiederholt auftretenden Situation S beteiligt sind, genau dann, wenn es wahr ist und wenn es in G zum gemeinsamen Wissen gehört, dass bei jedem Auftreten von S

(1) fast jeder diesen Verhaltensregeln R folgt bzw. im Einklang mit R handelt;

(2) fast jeder von nahezu jedem anderen erwartet, dass er R folgt;

(3) fast jeder hinsichtlich aller möglichen Handlungskombinationen annähernd die gleiche Präferenzen hat;

(4) fast jeder es vorzieht, dass jeder weitere Beteiligte R folgt, sofern fast alle übrigen R folgen;

(5) fast jeder es vorziehen würde, dass jeder weitere Beteiligte R’ folgt, sofern fast

alle übrigen R’ folgen würden; dabei ist R’ eine mögliche alternative Verhaltensregularität der Mitglieder von S in G in der Weise, dass fast jeder in fast keinem Fall von S zugleich R’ und R folgen könnten50

Der Vollständigkeit halber ist diese Definition sehr ausführlich, doch für meine Zwecke ist es eigentlich nur notwendig zu wissen, dass Konventionen Systeme wechselseitiger Erwartungen sind.

8.2 Wie man vom Besitz intentionaler Zustände zum Vollzug konventional realisierter illokutionärer Akte gelangt

Indem wir unserem kleinen Lebewesen die Fähigkeit zugeschrieben haben, intentionale Zustände zu haben, haben wir ihm auch die Fähigkeit zugeschrieben, seine intentionalen Zustände zu Gegenständen und Sachverhalten in der Welt in Beziehung zu setzen. Der Grund dafür ist, dass ein Lebewesen, das intentionale Zustände haben kann, auch ein Bewusstsein von Bedingungen haben können muss, unter denen seine intentionalen Zustände erfüllt sind. Beispielsweise muss das Lebewesen, das Wünsche haben kann, ein Bewusstsein von der Erfüllung oder Enttäuschung seiner Wünsche haben kann, und ein Lebewesen, das Absichten haben kann, muss die Verwirklichung der oder das Scheitern seiner Absichten können muss. Was recht logisch ist, denn wenn ich kein Auto habe, mir aber ein Auto wünsche, um ein ganz profanes Beispiel zu Hilfe zu nehmen, muss ich mir zunächst bewusst darüber sein, dass ich kein Auto habe, aber gerne eines hätte. Dazu muss ich wissen, dass mein Wunsch genau dann erfüllt ist, wenn ich ein Auto habe, er aber so lange nicht erfüllt ist, wie ich eben kein Auto habe.

Allgemein kann man also sagen: Für jeden intentionalen Zustand mit einer Ausrichtung gilt, dass ein Lebewesen, das diesen Zustand hat, die Erfüllung von der Nicht- Erfüllung, dieses Zustands unterscheiden können muss.51

Dies folgt daraus, dass ein intentionaler Zustand eine Repräsentation seiner Erfüllungsbedingungen ist. Das heißt aber nicht, dass solche Lebewesen sich nie irren, dass sie keine Fehler machen; vielmehr heißt es, dass sie die Fähigkeit haben müssen, zu erkennen, worin Fehlerlosigkeit bestünde.

Aber zurück zu der Frage, was diesem Lebewesen fehlt, um vom Besitz intentionaler Zustände zum Vollzug illokutionärer Akte zu gelangen.

Um illokutionäre Akte zu vollziehen, bräuchte das Lebewesen erst mal irgendein Mittel zur Externalisierung ihrer intentionalen Zustände - etwas womit sie diese Zustände anderen öffentlich erkennbar machen (das ginge zwar zum Teil auch mit der Keule, aber doch sehr limitiert, mit Sprache ist es doch wesentlich differenzierter möglich).

Ein Lebewesen, dass seine intentionalen Zustände willentlich öffentlich erkennbar machen kann, - also ein Lebewesen, das nicht seine intentionale Zustände einfach nur ausdrückt, sondern Handlungen zu dem Zwecke vollzieht, andern von seinen intentionalen Zuständen Kenntnis zu geben-, hat bereits eine primitive Form des Sprechaktes. Aber es hat noch nichts, was den Reichtum unserer Feststellungen, Bitten oder Versprechen besitzt.

Wer eine Feststellung macht, lässt nicht bloß wissen, dass es etwas glaubt; wer eine Bitte vorbringt, lässt nicht bloß wissen, was er will; wer ein Versprechen gibt, lässt nicht bloß wissen, dass er etwas vorhat.52Man tut einfach noch etwas mehr - aber was?

Jede dieser Sprechakt-Kategorien dient sozialen Zwecken. Beispielsweise ist es der primäre außersprachliche Zweck von Direktiven, Menschen dazu zu bewegen, gewisse Dinge zu tun; ein primärer außersprachliche Zweck von Assertiven ist es, Informationen zu übermitteln. Ein primärer Zweck von Kommissiven ist es, feste Erwartungen über das Verhalten von Menschen zu erzeugen.

Solche Fakten geben einen Hinweis auf die Beziehungen zwischen den Sprechakten und den entsprechenden Typen intentionaler Zustände. Vorläufig könnte man sagen: Unser Lebewesen verfügt über eine primitive Form der Behauptung, wenn es Handlungen vollziehen könnte, mit denen es Überzeugungen zum Zwecke der Informationsübermittlung ausdrückte; ein Direktiv (in dieser primitiven Form) wäre der Ausdruck eines Wunsches zu dem Zwecke, Menschen zu gewissen Handlungen zu bewegen; ein (primitiver) Kommissiv wäre der Ausdruck einer Absicht zu dem Zweck, in anderen Menschen feste Erwartungen über das eigene Verhalten in der Zukunft zu erzeugen.

Der nächste Schritt bestünde darin, konventionelle Verfahren zum Vollzug dieser Sachen einzuführen.

Die perlokutionären Effekte unserer Äußerungen können nicht in den Konventionen für den Gebrauch der Äußerungen enthalten sein, denn eine Wirkung, die durch Konventionen erreicht wird, kann nicht die nachfolgenden Reaktionen und Verhaltensweisen unserer Zuhörerschaft enthalten. Was die konventionalen Verfahren erfassen können, ist - sozusagen - das illokutionäre Gegenstück zu diesen verschiedenen perlokutionären Zielen.

So wird z.B. jedes konventionale Mittel, mit dem angezeigt wird, dass die Äußerung die Rolle eines Direktives haben soll (also beispielsweise der Modus des Imperativ, der Befehlsform), wird kraft Konventionen als Versuch des Sprechers gelten, den Hörer dazu zu bewegen, die im propositionalen Gehalt spezifizierte Handlung zu vollziehen. Folglich gibt die Benutzung dieses Mittels in einer Äußerung dem Hörer einen Grund, die Handlung zu vollziehen, und die Äußerung drückt den Wunsch des Sprechers aus, dass der Hörer die Handlung vollziehe.

Folgende Schritte sind also mithin nötig, um vom Besitz intentionaler Zustände zum Vollzug konventional realisierter illokutionärer Akte zu gelangen:

1) der willentliche Ausdruck intentionaler Zustände zum dem Zwecke, andere wissen zu lassen, dass man sie hat

2) der Vollzug dieser Akte, um damit diejenigen außersprachlichen Ziele zu erreichen, denen illokutionäre Akte gewöhnlich dienen

3) die Einführung konventionaler Verfahren, mit denen der illokutionäre Witz konventionalisiert wird, der dem jeweiligen perlokutionären Ziel entspricht.

9 Begrenzung von Sprechakten

Im letzten Teil dieser Hausarbeit möchte ich noch einmal einige Punkte zusammen fassen, über die ich in den vorherigen Kapiteln gesprochen habe. Die Thematik Intentionalität konnte, ebenso wie die Theorie der Sprechakte, in dieser Arbeit nur oberflächlich behandelt werden, denn detaillierte Ausführungen hätten den Rahmen einer Seminararbeit um ein Vielfaches gesprengt. Auch behandelte ich hier Themen, die nicht statisch sind, denn noch heute werden diese Theorien immer weiterentwickelt, verfeinert oder mit neuen Gedankengängen bestückt.

Weil sprachliche Bedeutung eine Form abgeleiteter Intentionalität ist, sind ihre Möglichkeiten und Begrenzungen durch die Möglichkeiten und Begrenzungen der Intentionalität bestimmt.

Die Hauptfunktion, die sich Sprache von der Intentionalität ableitet, ist natürlich ihr Repräsentationsvermögen. Entitäten, die an sich nicht intentional sind, können dadurch intentional werden, dass sozusagen absichtlich verfügt wird, dass sie es sind.

Doch die Begrenzungen der Sprache sind exakt die Begrenzungen, die von der Intentionalität stammen. Wittgenstein spricht oft so, als könne man nach Laune neue Sprachspiele erfinden, doch wenn man es tatsächlich einmal versucht, wird man feststellen, dass unsere neuen Sprachspiele der Ausdruck bereits vorher existierender Formen der Intentionalität sind.

Die Taxonomie53der Sprechakte ist im Grunde die Wiederspiegelung der verschiedenen Möglichkeiten, wie Repräsentationen Ausrichtungen haben können.

Die Geist-der-Welt-Ausrichtung entspricht den Assertativen, und weil diese Ausrichtung in herausragender Weise als wahr bzw. falsch beurteilbar sind, ist es ein Definitionsmerkmal von Assertativen, einen Wahrheitswert haben zu können.

10 Zusammenfassung: Intentionalität als Basis für Sprechakte

Nach Searle, und rein naturalistisch gesehen, sind intentionale Zustände, wie andere geistigen Phänomene, im Gehirn eines Lebewesens lokalisiert, sie sind von Hirnvorgängen verursacht und in der Hirnstruktur realisiert und gehören zur Biologie eines Lebewesens wie dessen Blutkreislauf und Verdauung.

Dabei verwende ich bewusst den Ausdruck „Lebewesen“ und nicht „Mensch“, denn Intentionalität ist nicht auf den Mensch beschränkt. Auch Tiere beispielsweise, in im Sinne der Sprechakt-Theorie keine Sprechakte äußern können, haben trotzdem intentionale Zustände, wie zum Beispiel den Wunsch nach Futter oder eine gewisse Zuneigung zu ihrem Herrn. Sie haben andere Arten gefunden, diese intentionalen Zustände auszudrücken, doch allein die Tatsache, dass sie sie überhaupt haben oder entwickeln können, bedeutet schon, dass intentionale Zustände ohne Sprechakte existieren können, Sprechakte jedoch kaum ohne intentionale Zustände.

Es gibt, nebenbei bemerkt, zwei Gründe dafür, dass wir uns so unwiderstehlich dazu hingezogen fühlen, Tieren Intentionalität zuzusprechen, obwohl sie keine (menschliche) Sprache haben. Erstens können wir sehen, dass die kausale Basis des Tieres unserer eigenen sehr ähnlich ist; zum Beispiel sind dies die Augen des Hundes, das ist seine Haut, das da sind seine Ohren und so weiter. Zweitens könnten wir sonst mit dem Verhalten der Tiere keinen Sinn verbinden.54

Nicht alle geistigen Zustände und Ereignisse haben jedoch Intentionalität, vielmehr muss ein Zustand, den man als intentionalen Zustand bezeichnen kann, immer Merkmale von Gerichtetheit oder Von-etwas-Handeln tragen.

Intentionalität ist nicht das gleiche wie Bewusstsein. Es ist immer charakteristisch für einen intentionalen Zustand, dass er, im Gegensatz zu Bewusstsein, immer einen Unterschied gibt zwischen dem Zustand einerseits und andererseits dem, worauf der Zustand gerichtet ist, wovon er handelt, worum es in ihm geht.

Auch sind intentionale Zustände keine geistigen Akte, denn Akte sind Handlungen und Zustände sind nichts anderes, als das, was sie bezeichnen, nämlich Zustände.

Intentionalität ist eine dem Grundgebrauch der Sprache inhärenter Grundzug. Sprache leitet sich von Intentionalität ab und nicht umgekehrt; Sprachhandeln ist die Realisierung von Intentionen.

Mit Sprachhandeln beschäftigt sich die Sprechakt-Theorie von Austin und Searle, die davon ausgehen, dass man keine Sätze sagt, sondern Äußerungen macht.

Ein Sprechakt liegt jedes Mal vor, wenn jemand zu einem anderen etwas sagt.

Für Searle sind die elementaren Einheiten menschlicher Kommunikation illokutionäre Handlungen.

Illokution, der illokutionäre Akt, ist für ihn der wichtigste Teil des gesamten Sprechaktes. Dieser illokutionäre Akt ist die Redeabsicht oder die Intention eines Sprechers, eine kommunikative Wirkung auf den Hörer auszuüben.

Dennoch hat Sprache an sich jedoch keine Intentionalität.

Der Sprechakt an sich, die Handlung, die damit vollzogen wird, ist physikalisch, man macht Geräusche mit dem Mund oder bringt Zeichen auf ein Blatt Papier.

Erst die Absicht, mit der die Äußerung gemacht wird, verleiht dem physischen Phänomen Intentionalität.

Der ausgedrückte intentionale Zustand begleitet nicht einfach den Vollzug des Sprechaktes; der Vollzug des Sprechaktes ist vielmehr mit Notwendigkeit ein Ausdruck des entsprechenden intentionalen Zustands.

Der Geist verleiht Entitäten, die an sich nicht intentional sind, dadurch Intentionalität, dass er absichtlich die Erfüllungsbedingungen des zum Ausdruck gebrachten intentionalen Zustandes auf die äußere physische Entität überträgt.

Nun haben intentionale Zustände nicht nur das Merkmal der Erfüllungsbedingungen, sondern auch der Ausrichtung, die ebenfalls auf die Sprechakte übertragen wird.

Sprechakt-Typen können anhand ihrer Ausrichtung in zwei Kategorien eingeteilt werden, je nachdem, wer für die Erfüllung des propositionalen Aktes verantwortlich ist. Bei den Kommissiven [Versprechen, etc] ist der Sprecher verantwortlich, bei den Direktiven [Befehl, etc] ist es der Hörer.

Nach der Feststellung, dass Sprache an sich nur eine physische Entität ist, kann man sich wundern, woher Äußerungen eine Ausrichtung haben. Die Verwunderung dürfte aber jedoch rasch nachlassen, wenn man sich intentionale Zustände betrachtet, deren Hauptmerkmal ja Gerichtetheit ist. Natürlich findet man auch hier Ausrichtungen für deren Erfüllung ich oder jemand oder etwas anderes verantwortlich gemacht werden (können). Wenn meine Überzeugung sich als falsch herausstellt, dann ist etwas mit meinen Überzeugungen im argen und nicht mit der Welt - wie sich daran zeigt, dass ich die Situation einfach dadurch richtig stellen kann, dass ich meine Überzeugung abändere (die Überzeugung trägt sozusagen die Verantwortung dafür, zur Welt zu passen und nicht umgekehrt). Aber wenn meine Wünsche sich nicht erfüllen, kann ich die Situation nicht dadurch richtig stellen, dass ich meinen Wunsch ändere; in diesem Fall ist es sozusagen die Schuld der Welt, dass sie nicht zu meinem Wunsch passt.

An einer kommunikativen sprachlichen Äußerung wird man also kaum ein Merkmal finden, dass man nicht auch intentionalen Zuständen zuweisen kann, von Dingen, die nur diesen physischen Entitäten zu eigen sind mal abgesehen.

Die physische Entität ist nur eine Reihenfolge von Lauten, bis sie durch Intentionalität mit „Sinn“ gefüllt wird, was dadurch geschieht, dass die intentionalen Zustände, die physische Identität mit ihren Erfüllungsbedingungen, Ausrichtungen, etc. „auffüllen“ und dieser Entität damit einen ganz bestimmten „Sinn“ verleihen. Die physische Entität wandelt sich zu einem Teil des Sprechaktes, der Illokution und zu dem, was wir tagtäglich, ohne weiter darüber nachzudenken, benutzen, um zu kommunizieren.

Dennoch folgt daraus auch: die Begrenzungen der Sprache sind exakt die Begrenzungen der Intentionalität. Wo Intentionalität an eine Grenze stößt, wird auch die Sprache an eine Grenze stoßen.

Trotzdem ist die Beziehung zwischen sprachlichen Äußerungen und intentionalen Zuständen keinesfalls eine einseitige Beziehung.

Um intentionale zustände willentlich öffentlich erkennbar zu machen, also Handlungen zum Zwecke zu vollziehen, anderen von seinen intentionalen Zuständen Kenntnis zu geben, braucht man ein Medium, denn intentionale Zustände sind jedem Lebewesen intern.

Dieses Mittel zur Externalisierung ist die Sprache, jene physische Entität, die gemeinsam mit Mimik, Gestik und weiteren non-verbalen und para-verbalen Signalen, uns die Möglichkeit eröffnen, anderen Lebewesen unsere Überzeugungen, Wünsche und all die anderen intentionalen Zustände mitzuteilen, denn viele, wenn nicht alle SprechaktKategorien dienen sozialen Zwecken.

Trotzdem muss man festhalten: es gibt intentionale Zustände ohne Sprache, aber es gibt keine Sprache ohne intentionale Zustände.

Literaturverzeichnis

„Intentionalität“ John R. Searle, Suhrkamp Verlag Frankfurt/Main, 1. Auflage 1987

„Linguistisches Wörterbuch 1“ T. Lewandowski, UTB 1518, Quelle und Meyer Verlag, Heidelberg, Wiesbaden, 6. Auflage, 1994

„Linguistisches Wörterbuch 2“ T. Lewandowski, UTB 1518, Quelle und Meyer Verlag, Heidelberg, Wiesbaden, 6. Auflage, 1994

„Linguistisches Wörterbuch 3“ T. Lewandowski, UTB 1518, Quelle und Meyer Verlag, Heidelberg, Wiesbaden, 6. Auflage, 1994

„Lexikon der Sprachwissenschaft“ Hadumod Bußmann, Alfred Kröner Verlag Stuttgart,

2. Auflage 1990

[...]


1 John R. Searle, geboren 1932, Professor für Philosophie an der Universität von Berkeley, Kalifornien

2 John R. Searle “Intentionalität”, Suhrkamp Verlag Frankfurt/Main, 1987, S. 11

3John R. Searle “Intentionalität”, Suhrkamp Verlag Frankfurt/Main, 1987, S. 18

4John R. Searle “Intentionalität”, Suhrkamp Verlag Frankfurt/Main, 1987, S. 19

5 John R. Searle “Intentionalität”, Suhrkamp Verlag Frankfurt/Main, 1987, S. 15

6John R. Searle “Intentionalität”, Suhrkamp Verlag Frankfurt/Main, 1987, S. 16

7John R. Searle “Intentionalität”, Suhrkamp Verlag Frankfurt/Main, 1987, S. 16

8John R. Searle “Intentionalität”, Suhrkamp Verlag Frankfurt/Main, 1987, S. 16

9 John R. Searle “Intentionalität”, Suhrkamp Verlag Frankfurt/Main, 1987, S. 16-17

10John R. Searle “Intentionalität”, Suhrkamp Verlag Frankfurt/Main, 1987, S. 17

11John R. Searle “Intentionalität”, Suhrkamp Verlag Frankfurt/Main, 1987, S. 17

12 John R. Searle “Intentionalität”, Suhrkamp Verlag Frankfurt/Main, 1987, S. 18

13Th. Lewandowski „Linguistisches Wörterbuch 3“, Quelle & Meyer, Heidelberg, Wiesbaden,1994, S.996

14John R. Searle “Intentionalität”, Suhrkamp Verlag Frankfurt/Main, 1987, S. 21

15 Th. Lewandowski „Linguistisches Wörterbuch 3“, Quelle & Meyer, Heidelberg, Wiesbaden,1994, S.1023

16Th. Lewandowski „Linguistisches Wörterbuch 3“, Quelle & Meyer, Heidelberg, Wiesbaden,1994, S.1080

17Th. Lewandowski „Linguistisches Wörterbuch 3“, Quelle & Meyer, Heidelberg, Wiesbaden,1994, S.1082

18 http://www.kowi.uni-essen.de/koloss/themen/searle/010090007001.htm

19Th. Lewandowski „Linguistisches Wörterbuch 2“, Quelle & Meyer, Heidelberg, Wiesbaden,1994, S.883

20Th. Lewandowski „Linguistisches Wörterbuch 2“, Quelle & Meyer, Heidelberg, Wiesbaden,1994, S.884

21http://www.kowi.uni-essen.de/koloss/themen/searle/010090002009.htm

22 Th. Lewandowski „Linguistisches Wörterbuch 3“, Quelle & Meyer, Heidelberg, Wiesbaden,1994, S.425

23Th. Lewandowski „Linguistisches Wörterbuch 2“, Quelle & Meyer, Heidelberg, Wiesbaden,1994, S.788

24Th. Lewandowski „Linguistisches Wörterbuch 3“, Quelle & Meyer, Heidelberg, Wiesbaden,1994, S.1083

25 Th. Lewandowski „Linguistisches Wörterbuch 3“, Quelle & Meyer, Heidelberg, Wiesbaden,1994, S.1083

26John R. Searle “Intentionalität”, Suhrkamp Verlag Frankfurt/Main, 1987, S. 21

27John R. Searle “Intentionalität”, Suhrkamp Verlag Frankfurt/Main, 1987, S. 23

28 John R. Searle “Intentionalität”, Suhrkamp Verlag Frankfurt/Main, 1987, S. 23

29John R. Searle „Ausdruck und Bedeutung. Untersuchungen ...“, Suhrkamp Verlag, Frankfurt/Main S.18-22

30John R. Searle „Ausdruck und Bedeutung. Untersuchungen ...“, Suhrkamp Verlag, Frankfurt/Main S.18-22

31John R. Searle „Ausdruck und Bedeutung. Untersuchungen ...“, Suhrkamp Verlag, Frankfurt/Main S.18-22

32John R. Searle “Intentionalität”, Suhrkamp Verlag Frankfurt/Main, 1987, S. 23

33 John R. Searle “Intentionalität”, Suhrkamp Verlag Frankfurt/Main, 1987, S. 23

34John R. Searle “Intentionalität”, Suhrkamp Verlag Frankfurt/Main, 1987, S. 24

35Sprechakte, mit denen soziale Kontakte etabliert oder aufrecht erhalten werden [danken, grüßen, entschuldigen]

36John R. Searle “Intentionalität”, Suhrkamp Verlag Frankfurt/Main, 1987, S. 25

37 lat. von selbst, aus sich heraus; eben dadurch

38John R. Searle “Intentionalität”, Suhrkamp Verlag Frankfurt/Main, 1987, S. 25

39John R. Searle “Intentionalität”, Suhrkamp Verlag Frankfurt/Main, 1987, S. 26

40 John R. Searle “Intentionalität”, Suhrkamp Verlag Frankfurt/Main, 1987, S. 26

41John R. Searle “Intentionalität”, Suhrkamp Verlag Frankfurt/Main, 1987, S. 27

42John R. Searle “Intentionalität”, Suhrkamp Verlag Frankfurt/Main, 1987, S. 29

43John R. Searle “Intentionalität”, Suhrkamp Verlag Frankfurt/Main, 1987, S. 29

44John R. Searle “Intentionalität”, Suhrkamp Verlag Frankfurt/Main, 1987, S. 28

45John R. Searle “Intentionalität”, Suhrkamp Verlag Frankfurt/Main, 1987, S. 28

46 John R. Searle “Intentionalität”, Suhrkamp Verlag Frankfurt/Main, 1987, S. 28-29

47 John R. Searle “Intentionalität”, Suhrkamp Verlag Frankfurt/Main, 1987, S. 47

48John R. Searle “Intentionalität”, Suhrkamp Verlag Frankfurt/Main, 1987, S. 49

49 John R. Searle “Intentionalität”, Suhrkamp Verlag Frankfurt/Main, 1987, S. 49

50 Th. Lewandowski „Linguistisches Wörterbuch 2“, Quelle & Meyer, Heidelberg, Wiesbaden,1994, S.604

51John R. Searle “Intentionalität”, Suhrkamp Verlag Frankfurt/Main, 1987, S. 224

52 John R. Searle “Intentionalität”, Suhrkamp Verlag Frankfurt/Main, 1987, S. 225

53 Teilgebiet der Linguistik, das sich mit der Segmentierung und Klassifikation sprachlicher Einheiten befasst

54 John R. Searle “Intentionalität”, Suhrkamp Verlag Frankfurt/Main, 1987, S. 20

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Seiten
25
Jahr
2001
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v105454
Institution / Hochschule
Technische Universität Darmstadt
Note
1
Schlagworte
Intentionalität Basis Sprechakte

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Titel: Intentionalität als Basis für Sprechakte