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Brecht, Bertholt - Mutter Courage und ihre Kinder #

Referat / Aufsatz (Schule) 2001 7 Seiten

Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

1.Inhalt:

Als Marketenderin Courage zieht Anna Fierling durch den Dreißigjährigen Krieg, immer hinter den Heeren und Schlachten her. Sie verdient am Krieg und hofft ihre drei Kinder Eilif, Schweizerkas und die stumme Kattrin gut durch die schlimme Zeit zu bringen. Dieser Krieg aber, den sie für sich und ihre Geschäfte auszunutzen glaubte, richtete Courage zugrunde, nimmt ihr alle Kinder, wenngleich sie unbelehrbar bleibt: ,,Ich laß mir den Krieg von euch nicht madig machen. Es heißt, er vertilgt die Schwachen, aber die sind auch hin im Frieden. Nur, der Krieg nährt seine Leute besser."

1624 in Schweden verliert die Courage ihren ältesten Sohn, den kühnen Eilif, an die Soldatenwerber. Sie will den Feldwebel eine neue Gürtelschnalle aufschwatzen, doch er macht das Geschäft und listet ihr den Sohn ab: ,,Wer vom Krieg leben will, muß ihm auch etwas geben." 1626 in Polen erntet Eilif als Soldat Lob vom Feldhauptmann, da er den Bauern unbarmherzig das Vieh abjagt. Als kleine Darstellung singt er f ür den Koch und den Feldprediger dasLied vom Weib und den Soldatenund führt den Säbeltanz vor. Einige Jahre später wird er als Mordbrenner hingerichtet - wofür man ihn ausgezeichnet hat im Krieg, das wird im kurzen Zwischenspiel des Friedens als Verbrechen bestraft. Das konnte Eilif, der nur den Krieg kennt, nicht wissen. Auch den jüngeren Sohn Schweizerkas zwingt man den Soldatendienst auf. Wegen seiner Redlichkeit wird er erschossen, da er, von den Kaiserlichen gefangen, immer noch den Schweden und der ihm anvertrauten Regimentskasse die Treu h ält. Courage feilscht zu lange, um ihn die Freilassung zu erkaufen, und wird mitschuldig an seinem Tod.

Unverdrossen passt sie sich an, singt dasLied von der großen Kapitulationund verzichtet darauf, ihre Rechte bei der Obrigkeit einzuklagen. Koch und Feldprediger schließen sich der Marketenderin an und begleiten ihren Planwagen. Die stumme Kattrin verstößt mit ihrer Menschlichkeit immer wieder gegen den Gesch äftssinn ihrer Mutter. Das Mädchen schielt begehrlich nach den roten Stiefeln der Lagerhure Yvette, sie nimmt sich auch eines Säuglings an, der nach dem Tod seiner Mutter hilflos im zerst örten Haus wimmert. Der Koch macht der Courage einen Antrag. Da er in Utrecht eine kleine Kneipe geerbt hat, bietet er ihr ein Zuhause; allerdings ohne Kattrin. Courage lehnt ab und will die Tochter nicht im Stich lassen.Das Lied von König Salomobekräftigt, dass in dieser finsteren Zeit Menschlichkeit und Tugend gef ährlich und überflüssig sind. Jede Menschlichkeit richtet Kattrin zugrunde, als sie 1636 durch wildes Getrommel die Stadt Halle vor dem Überfall der Landsknechte warnt, wird sie mit einer Soldateska vom Dach heruntergeschossen. Doch in der Stadt hat man die Warnung mit dem letzten Trommelschlag gehört und die Gefahr erkannt. Zuletzt spannt Mutter Courage sich allein vor den Wagen und zieht ihn weiter mit den Worten: ,,Ich muß wieder in´n Handel kommen."

2. Ort und Zeit:

Feldlager in Dalarne(Schweden) und N-Deutschland; 1624 - 1636

Wir befinden uns in einer Welt, in der das, was wir als"normal" empfinden, nichts mehr gilt. Der Krieg hat alle Maßstäbe auf den Kopf gestellt, die überkommene Welt- und Wertordnung ist durcheinander geraten, die Grundregeln menschlichen Zusammenlebens sind sozusagen au ßer Betrieb gesetzt.

Die Leute, die sich an den Krieg gewöhnt haben, haben sich auch daran gewöhnt, den Unterschied zwischen Gut und Böse nicht mehr klar wahrnehmen zu können.

Auch positive Eigenschaften wie Mut, Klugheit, Treue, Einsatzfreude oder Mitleid bekommen im Krieg einen völlig neuen Stellenwert. Das, was einem im Frieden weiterhilft, versagt in Kriegszeiten völlig. Auf die Tugenden ist kein Verlass mehr. Die Tugenden der kleinen Leute sind nur dazu da, um die Vers äumnisse der Großen wieder wettzumachen.

3. Absicht des Autors:

,,Mutter Courage und ihre Kinder" ist eine Chronik des Dreißigjährigen Krieges in 12 Bildern,. Vor jeder Szene gibt Brecht immer eine Zusammenfassung, um die Spannung zu nehmen und den Leser zu nachdenken anzuregen.

Der Zuschauer soll zu der Frage nach demWarumveranlaßt werden: Er soll sich mit der Tatsache kritisch auseinandersetzen, warum eine Frau, die durch den Krieg ihre drei Kinder verliert, aus den Geschehnissen nicht lernt und weiter für den Krieg ist.

Bertolt Brechts "Mutter Courage und ihre Kinder" ist ein gesellschaft-politisch geprägtes Drama, welches, besonders zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges, die relativ schlechte Kombinationsmöglichkeit von politischen Forderungen und gesellschaftlichen Interessen verdeutlicht.

Der Mensch soll besonders das politische Geschehen nicht einfach nur hinnehmen, sondern er soll sich damit auseinandersetzen und er soll es auch mit beeinflussen.

Es ist die Sorge um den Frieden, mit der sich Brecht damals beschäftigt hat,und die Zwiespältigkeit des Menschen, der sich mit dem Konflikt des gesellschaftlichen Seins und des Bewusstseins auseinandersetzen muss.

Brecht versucht durch diese Inhalte die Ver änderlichkeit des Menschen und der Welt zu verdeutlichen.

Man könnte mit Mutter Courage auch zum Beispiel: die im Krieg Gewinn erzielenden R üstungsindustrien, die damit verdienenden Medien und überhaupt die Wirtschaft im allgemeinen vergleichen. Brecht wollte nichts unversucht lassen, einen erneuten Krieg zu verhindern, wollte die Menschen warnen, ,, daß die großen Geschäfte in den Kriegen nicht von den kleinen Leuten gemacht werden" Es ist das Schockierende, was Brecht mit der Handlungsweise der Mutter hervorzieht. Er möchte das sich die Leute den grausamen Kriegen nicht einfach so hingeben. Sie sollen anfangen mit dem Herzen und nicht, wie hier dargestellt, zu sehr mit dem Kopf denken.

Menschlichkeit steht gegen eine Profitgier, die jedes Mitgefühl abtötet. Das materielle Interesse hat Priorit ät vor Kinderliebe, vor Mutterinstinkt..

Das ständige Anliegen Brechts mit seinen Werken:

die Menschen sehend zu machen, ihnen Einsichten zu vermitteln, sie schließlich zu verändern.

4. Charaktere:

Mutter Courage:

Die Courage tritt als Vertreterin der kapitalistischen Gesellschaft auf, deren Grundlage das "Sich VorteilVerschaffen", der persönliche Erfolg ist. Damit werden dieökonomischen Interessen den Beziehungen zu anderen Menschen untergeordnet.

Mutter Courage ist geboren in Bamberg in Bayern, war verheiratet, aber ihr Mann ist im Krieg gefallen. Sie kommt viel herum und weiß sich deshalb immer zu helfen, ist sehr gerissen und profitorientiert aber dennoch immer freundlich. Durch ihre Redegewandtheit weiß sie sich immer zu helfen und ist außerdem wie der Name schon andeutet sehr mutig. Die Courage versucht, Konflikte diplomatisch zu lösen, ist aber bereit, zur Not Gewalt anzuwenden. Sie ist sehr egozentrisch und betrachtet nur ihre eigene Einstellung als richtig, ist sehr autorit är, und die Kinder gehorchen ihr. Ihr ist es wichtig, dass die Kinder für sie arbeiten.

Sie hat in ihrem Leben viel mitgemacht, deshalb wurde sie egoistisch und hart. Aber sie ist eine f ürsorgliche Mutter. In ihr spielt sich ein Konflikt ab, zwischen Mutter und Händlerin.

Die Courage hält jedoch das Händlertum für das Wichtigste, aber es zerst ört ihre Kinder, eins nach dem anderen. Somit wird die Rolle der sorgsamen Mutter verdrängt.

Sie will ihre Kinder aus dem Krieg heraushalten, aber von ihm profitieren.

Mutter Courage ist ein Kreatur des Krieges. Sie zieht ihm nach, genauso wie der Illusion, sie k önne durch ihn reich werden.

Dieses schockierende, widersprüchliche Verhalten zwischen Mutter und Händlerin soll dem Leser verdeutlichen, wie der Mensch durch die kapitalistische Gesellschaftsordnung zum unnat ürlichem Handeln getrieben wird, auch wenn er es eigentlich nicht will.

Es stellt sich heraus, dass Mutter Courage nichts aus den grauenhaften Kriegsereignissen gelernt hat. Sie hat alle ihre Kinder durch das Kriegsgeschehen verloren und sieht ihn dennoch als etwas Positives, etwas woraus sie profitieren kann und der ihr das Überleben ermöglicht. Sie erkennt wohl, daß die Ursache für den Krieg die Macht- und Profitinteressen der "Großen" sind, irrt sich aber in dem Glauben, selbst ein bißchen Gewinn machen zu können.

Die Händlerin Courage zieht ihren Weg durch den Krieg.

Doch die Mutter Courage läßt das, was ihr lieb ist, tot auf diesem Weg zur ück.

Mutter Courage und Kathrin bilden zwei Gegenpole, so hat die Courage es immer vers äumt, ihrem Reden auch das konsequente Handeln folgen zu lassen.

Wenn es um Hilfeleistung geht, bleibt sie passiv.

Eilif:

Er ist dertapfereSohn, der zugrunde geht, weil er sich mit den Lehren der Mutter identifiziert hat. Im Krieg ist er der Held, weil er brutal handelt, im Krieg wird er für dieselben Taten ausgezeichnet, für die er im Frieden mit dem Tod bestraft wird. Er hat nur gelernt, nach ökonomischen Gesichtspunkten zu handeln, nicht nach moralischen, deshalb muß er sterben.

Schweizerkas:

Ihn hat seine Mutter gelert immerredlichzu sein, da er nicht besonders gescheit ist. Also hat er sich dem Prinzip der Redlichkeit unterzuordnen. Er kann daher nicht abschätzen, ob Redlichkeit mitunter auch sinnlos werden kann, wenn sie nichts anderem dient als dem Prinzip. Er stirbt, weil er meint, unter allen Umst änden eine Kasse verteidigen zu müssen, mit deren Hilfe der Krieg ja nur weitergef ührt würde. Der Sinnlosigkeit dieses Prinzips opfert er sein Leben.

Kattrin:

Mit der Figur Kattrins verkündet Brecht seine These: "Das Proletariat kann den Krieg abschaffen, indem es den Kapitalismus abschafft."Über die Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse könne es zur Aufhebung des Krieges kommen.

Kattrin ist die stumme, hässliche Tochter, doch ihre Sprachlosigkeit hält Kattrin nicht vom Handeln ab. Die

Hoffnung ist im wahrsten Sinn des Wortes stumm, verkörpert durch Kattrin, die, wenn auch nur zu tierischem Lallen, so doch zu Mitleid fähig ist.

Sie ist die Wegweiserin für eine bessere Welt, denn ihr gelang es als einzigem, ihrer Vorstellung von Menschlichkeit gerecht zu werden. Die sprachliche Unbeholfenheit teilt sich wohl ihrem Körper mit, jedoch ist es der Krieg, der sie bricht, nicht ihr Gebrechen.

Sie ist die unschuldige stumme, gequälte Kreatur, die, obwohl vergewaltigt und verunstaltet, nicht zögert, mit den geringen Mitteln, die ihr noch zur Verfügung stehen, Widerstand zu leisten, indem sie sich dem Gesetz der Anpassung verweigert. Sie greift aktiv in das Geschehen des Krieges ein, indem sie uneigenn ützig ihr Leben dafür opfert, um das Leben vieler zu retten.

- So ist die Figur der Kattrin als "Anti-Courage" zu verstehen, als die andere Möglichkeit: Sie akzeptiert den Krieg nicht als schicksalhaft gegeben, sie liefert sich der gesellschaftlichen Ordnung nicht aus, sondern zeigt die Möglichkeit einer opferbereiten, aktiven, kritischen Haltung auf.

Sensibilität:

Mitgefühl Kinderliebe

aber auch voller geheimer Sehnsüchte

Kattrin als leidende Kreatur, als Opfer des Kriegs:

Stummsein; später im Gesicht verunstaltet

Gewissheit, dadurch nie eine eigene Familie zu haben

Der Koch:

Er ist die selbstsicherste Figur des St ücks. Er war ein Abenteurer und Frauenheld, der Yvette Pottier, die

Lagerhure, einst verführt und auf die schiefe Bahn gebracht hat. Er führt die schärfsten Reden und durchschaut die Situationen am klarsten. Der Koch zieht sich aus dem unmittelbaren Kriegsgeschehen zurück: Er übernimmt in seiner Heimatstadt Utrecht die Kneipe(primitive Gaststätte)seiner Mutter. Die lebenst üchtige Courage, seine Geliebte, will er mitnehmen, allerdings unter der Bedingung, daß sie sein Leben ohne die seinem Geschäft schädliche stumme und verunstaltete Kattrin teilen würde. Auch er verzichtet zugunsten wirtschaftlicher Interessen auf eine menschliche Beziehung, als Courage sich für ein Zusammenleben mit der Tochter entscheidet, was gleichbedeutend ist mit dem Beibehalten ihrer Geschäftsgewohnheiten.

Der protestantische Feldprediger:

Als er gemeinsam mit der Courage in Gefangenschaft ger ät, legt er sein geistliches Gewand ab und tritt als Knecht in die Dienste seiner Begleiterin. Als Berufs -Gläubiger in einem Krieg, der sich Glaubenskrieg nennt und es in Wahrheit nicht ist, wird er zur komischen Figur des St ückes. Der Koch zieht im Umgang mit anderen Personen oft den Kürzeren. Er ist nicht mutig. Kattrin jedoch hilft er bei der Versorgung verwundeter Bauern und befreit sich innerlich immer mehr vom Einfluß seiner Begleiterin, je länger er mit ihr beisammen ist. Allmählich zeigt sich auch bei ihm jener bittere Humor, der der Courage und dem Koch eigen ist. In seiner Werbung um die Courage wirkt er unfreiwillig komisch. Wenigstens, was seine realistische Weltsicht und den sprachlichen Umgang betrifft, hat er seinen Bewußtseinsstand erweitert und begleitet den zum Tode verurteilten Eilif, wenn auch weiterhin nicht frei von Eitelkeit und Schwäche, zur Exekution als einer, der von den Unteren, dem Proletariat, etwas gelernt hat, was dieses selbst (noch) nicht in die Tat umsetzen kann.

5. 12 Bilder des Dramas:

Bild 1:

Die Kauffrau Mutter Courage trifft auf der Stra ße einen Werber und einen Feldwebel die ihre Söhne als Soldaten abwerben wollen

Eilif nehmen sie trotz Widerstand mit, da sich Mutter Courage in einen Handel verwickeln lässt

Bild 2:

Mutter Courage trifft Eilif, der gerade für eine Heldentat ausgezeichnet wird, wieder. Man erfährt, dass Schweizerkas Zahlmeister geworden ist

Bild 3:

Überfall der katholische Feldprediger versteckt sich bei Mutter Courage, der Koch flieht. Das finnische Lager gerät in Gefangenschaft.

Schweizerkas wird beim Verstecken der Regimentskasse erwischt.

Mutter Courage unternimmt mit Yvettes Hilfe einen Bestechungsversuch, handelt aber zu lange, so dass Schweizerkas erschossen wird.

Bild 4:

Mutter Courage möchte sich beim Rittmeister darüber beschweren, dass ihre Waren mutwillig zerst ört wurden, ändert aber ihre Meinung, da es ihr Gesch äft schädigen könnte

Bild 5:

Feldprediger braucht Leinen, um Verletzte in einem zerschossenen Dorf zu verbinden Mutter Courage weigert sich (erfolglos) ihre Offiziershemden dafür herzugeben

Bild 6:

Begräbnis vom Feldhauptmann Tilly

Feldprediger rät Mutter Courage, neue Waren einzukaufen, da der Krieg weiterginge er will engere Beziehung zu Mutter Courage, diese lehnt jedoch ab Kattrin wird überfallen und verletzt, Mutter Courage verflucht den Krieg

Bild 7:

Mutter Courage auf dem Höhepunkt ihrer geschäftlichen Laufbahn, will sich den Krieg nicht schlecht machen lassen, hält den Krieg nur für Geschäfte

Bild 8:

Tod des Schwedenkönigs Gustav Adolf, der Frieden droht Mutter Courages Geschäfte zu ruinieren, Mutter Courage ist daher nicht froh über den Frieden

Eilif wird zum Tode verurteilt, weil er während des Waffenstillstandes eine Bauersfrau get ötet hat, Mutter Courage erfährt nichts davon

Krieg bricht wieder aus

Bild 9: Koch will mit Mutter Courage in ein Wirtshaus ziehen, Kattrin jedoch nicht mitnehmen, Mutter Courage lehnt ab

Bild10:

Mutter Courage und Kattrin hören Gesang zu, ziehen dann weiter

Bild11:

Soldaten wollen die Stadt Halle angreifen Kattrin versucht die Leute in der Stadt aufzuwecken, indem sie laut trommelt Kattrin schafft es, wird aber erschossen

Bild12:

Mutter Courage zieht alleine, alt und zerlumpt weiter

6. Gestaltung des Dramas :

sehr einfache Sprache (Umgangssprache der damaligen Zeit) von sprachlichen Verfremdungen durchzogen Sinnesverdrehungen, Paradoxien ,,Szenenfabeln" die am Anfang einer Szene schon deren Inhalt zusammenfassen ,,Songs", mehr oder weniger von der Handlung isoliert und über die Einsichten der Figuren hinausgehend. Brecht wollte die Zuschauer dazu anregen, aktiv und kritisch mitzudenken. Er verwendet den Verfremdungseffekt des epischen Theaters und beeinflußt damit ein unerwartetes Sprachmuster, was eine gewisseUndurchsichtigkeit und Unklarheit der Reden hervorruft. Es geht ihm nicht um eine Wortmagie, er will nicht verzaubern, sondern entzaubern.

Das Stück besteht aus zwei ineinanderfließende Hauptthemen:

Der Dreißigjährige Krieg

Das Verhalten der Mutter Courage welches sich allerdings auch noch in zwei Themenbereiche unterteilen lässt.

I. Verhalten der Mutter Courage als Händlerin, die von dem Krieg profitieren möchte

II. das Verhalten der Courage als Mutter, die sich um ihre Kinder sorgt und diese eigentlich auch vom Krieg fernhalten möchte.

7. Lieder

Die Aufgabe der Songs:

Im Stück gibt es insgesamt zwölf musikalische Einlagen, ungleichmäßig verteilt auf die zwölf Szenen.

Einerseits wird dadurch dem Schauspieler ermöglicht, sich von seiner Rolle zu distanzieren; andererseits ist der Song dazu da, um einer allzu gro ßen Einfühlung des Zuschauers ins Geschehen vorzubeugen. Dem Publikum soll an solchen Stellen klargemacht werden, dass es einer Handlung gegenübergesetzt und nicht in sie hineinversetzt wird.

a) Das Lied von der großen Kapitulation

In dem " Lied von der großen Kapitulation" wird die Grundhaltung der Mutter verdeutlicht.

Jugendliche Zuversicht, Hoffnung und Lebensfreude weichen dem täglichen Kampf ums Überleben.

1. Das junge, optimistische Mädchen hält sich für etwas Besonderes und will sein Leben aus eigener Kraft gestalten. THESE

2. Die Erfahrungen zeigen, daß die hohen Ziele nicht zu verwirklichen sind, die Lebensumst ände erlauben es nicht.

Anpassung ist angesagt ANTITHESE

3. Courage, die bereits kapituliert hat, beschwört noch einmal Optimismus und Selbstvertrauen herauf. Ihre

Erfahrung hat sie von der Unmöglichkeit überzeugt, gegen den Strom schwimmen zu können. In der "Kapelle" hat sich der Einzelne ins große Ganze zu fügen, er muß im Gleichschritt mitmarschieren. SYNTHESE

1. Man lehnt sich auf

2. Man versucht, die Verhältnisse zu ändern

3. Man paßt sich an

b) Das Lied vom Weib und den Soldaten

In den ersten von Eilif gesungenen Strophen herrscht der Optimismus eines jungen Soldaten vor, der die Warnung eines Weibes in den Wind schlägt und die Gefahren des Krieges nicht sehen will. Er ist selbstbewußt, gut bewaffnet und optimistisch. Dem setzt die Courage Warnungen entgegen.

Das Lied steht zwischen den beiden Extremen in Eilifs Leben, seinem höchsten Triumph und seinem schändlichen Ende. Die beiden Teile des Liedes entsprechen den beiden Lebensphasen.

c) Der Salomosong:

Die Grundidee des Songs ist es, dass sich Tugenden für den Menschen durchaus als nutzlos erweisen können, ja verderblich für ihn sind. Beispiele aus der Geschichte sollen das belegen.

Doch der Song über die Nutzlosigkeit der Tugend ist just in eine Szene eingeschoben, in der Mutter Courage die Tugend der Mutterliebe zeigt. In dieser Widersprüchlichkeit zeit sich

Also ist es offenbar nicht die Schuld der Tugenden, wenn Menschen keinen Nutzen daraus ziehen. Also müssen es besondere gesellschaftliche Verhältnisse sein, die bei den Großen, und ganz besonders bei den kleinen Leuten, das Unheil herbeiführen. Es gibt keine" an sich " schädlichen Tugenden.

8. die Mutterliebe der Courage:

Die tröstenden Worte der Courage an Kattrin: Stummheit sei ein Gottesgeschenk die Angst der Courage um ihre Tochter beim Angriff der Katholischen ihre Verzweiflung nach dem Überfall auf Kattrin ihre Entscheidung, bei ihrer Tochter zu bleiben und nicht mit dem Koch nach Utrecht zu gehen · ihre Trauer um die tote Tochter

9. Was lernt nun die Mutter Courage?

Die Antwort lautet kurz und bündig: nichts.

Denn Lernen bedeutet, dass man sein Verhalten ändert - und gerade das tut die Courage nicht. Sie glaubt zu Beginn des St ücks, dass ihr der Krieg Profit bringen wird, und sie glaubt es auch am Ende des St ücks, als ihre drei Kinder bereits tot sind.

Dass sie daran Mitschuld hat, kommt ihr nicht einmal ansatzweise zum Bewusstsein; ja, sie kennt nicht einmal das wahre Ausmaß der Katastrophe, da sie am Schluss noch immer auf ein Wiedersehen mit Eilif hofft, über dessen Tod sie nicht unterrichtet ist. Sie ist und bleibt eine Mitläuferin.

Oder, mit anderen Worten: Das Publikum soll aus der Tatsache lernen, dass die Courage aus dem Krieg nichts lernt.

Details

Seiten
7
Jahr
2001
Dateigröße
351 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v105446
Note
Schlagworte
Brecht Bertholt Mutter Courage Kinder

Autor

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Titel: Brecht, Bertholt  - Mutter Courage und ihre Kinder #