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Mann, Thomas - Tonio Kröger + Biographie

Referat / Aufsatz (Schule) 2001 3 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Thomas Mann

Als im Jahre 1884 der lyrische "Reichsherold" Emanuel Geibel in seiner Heimatstadt Lübeck starb, soll eine alte Frau auf der Straße gefragt haben: "Wer kriegt nu de Stell? Wer ward nu Dichter?". Die Anekdote wurde viel belacht, zumal es an der Trave derzeit absolut keinen Anwärter auf den verwaisten Poetensitz gab.

Biographie

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Buddenbrooks, Der Zauberberg, Der Tod in Venedig, Mario und der Zauberer, Doktor Faustus, Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull - Romane

Über die Ehe - Essay (Veröffentlichung nach Erscheinen „Der fromme Tanz“ von Sohn Klaus, Homoerotik = Widersinn + Fluch)

Meinung:

Johannes R. Becher, Akademiepräsident (dt. Akademie der Künste/Berlin) bezeichnet ihn als

„ den Meister dt. Sprache, den Sprecher f ü r die Unteilbarkeit deutscher Kultur, den Dichter der

‚ Buddenbrooks ‘ , des ‚ Zauberbergs ‘ , des ‚ Felix Krull ‘ und anderer von den Idealen der Humanit ä t erf ü llter gro ß er Werke unserer Nationalkultur. “

Ein Hauptthema:

der Bürger und der Künstler - Spannung zwischen dem bürgerlichen Leben und dem des Künstlers, der auf das Bürgerliche verzichtet hat, um sich der ästhetischen Existenz zu widmen.

Mann verurteilte die Welt der Kunst (da gefährlich), konnte aber auch nicht banales Bürgerleben ertragen Zerrissenheit zwischen diesen zwei Welten

Darstellung:

echte Bürger = körperliche Symbol des Reichtums: groß, gesund, blaue Augen + blonde Haare; Künstler (psychische + physische Dekadenz): schwarzhaarig, dt.-lat. Name, oft krank. Mann selbst beide Elemente

Gestaltungsmittel:

Erklärung am Schluss seines Chamisso-Aufsatzes von 1911: "Ironie heißt fast immer, aus einer Not eine Überlegenheit zu machen."

Schutz seines labilen Künstlertums, Ausdruck seiner Skepsis, seines Unglaubens an die Zukunft der Bürgerwelt + Möglichkeit der Sympathie nach schonungsloser Kritik

"Sprache selbst ist Kritik des Lebens: sie nennt, sie trifft, sie bezeichnet und richtet, indem sie lebendig macht" und schon Tonio Kröger wusste um diese "Erledigung des Gefühls durch die literarische Sprache"

„Tonio Kröger“ 1903

Personen: Tonio = Junge mit südländischer, musikalischer Mutter Vater = Konsul in Kleinstadt

Bester Freund = Hans Hansen (Vorbild, „Liebe“, totaler Gegensatz zu ihm) Heimliche Liebe = Ingeborg Holm

Spätere „Freundin“ = Lisaweta (Malerin)

Tonio liest gern, versucht seinen Freund Hans dafür zu begeistern, spielt Geige, schreibt Verse (Künstler) Wird in Tanzschule u.a. Inge ausgelacht

Jahre später Reise in Heimatstadt (Vaterhaus) + Aalsgaard (DK) Sieht Hans + Inge zusammen, hofft auf Freundschaft Enttäuschung, kein Erkennen

von allen Erzählungen am meisten geliebt, da autobiographische Züge musikalisches Elternhaus

Jugenderlebnisse

Auflösung väterlicher Firma

Aufenthalte in München und Italien Ferienreise nach Aalsgaard 1899

Identifizierung mit sich selbst, Übertragung der eigenen Problematik Verhältnis von Geist und Leben, Künstlertum und Bürgerlichkeit

Interpretation

Isolation Tonios durch nicht vorhandenes Literaturverständnis der anderen + ungeschickte Tanzschritte sehnt sich nach simpler bürgerlicher Lebenswirklichkeit

Künstler kommt aus Dekadenz, befreit sich jedoch von ihr von zwei "Welten" hin- und hergezerrt:

"Tonio"-Welt (Mutter) = südländisch, aus Bürgersicht verantwortungsloses, verdächtiges, hochstaplerisches Künstlertum

"Kröger"-Welt (Vater) = norddeutsch bürgerlich

will nur arbeiten, "weil er sich als lebendigen Menschen für nichts achtet, nur als Schaffender in Betracht zu kommen wünscht" = "Künstler-Sein" und "Mensch-Sein" ein unvereinbarer Gegensatz zu Malerin Lisaweta im 4. Kapitel: "Es ist aus mit dem Künstler, sobald er Mensch wird und zu empfinden beginnt"

schließlich Überwindung der lebensfeindlichen Artistik

in Brief an Lisaweta am Ende neues Künstlerideal (Vereinigung des Künstlertums)

große Bedeutung, da Wandlung vom "Literaten" (Betrachtung der Kunst als Endzweck) zum "Dichter" (Künstler + Bürger) =bürgerlichen Künstlertum

Zitate aus Thomas Mann: Tagebücher 1953-55.

23. Juli 1955

Überweisung in die Medizinische Klinik des Kantonsspitals Zürich. - Fortsetzung der Therapie mit

gerinnungshemmenden Medikamenten. - Untersuchungen ergeben nichts Beängstigendes. Thomas Mann freut sich auf die Heimkehr. - Die Besserung ist jedoch trügerisch.

"Oft grosse Niedergeschlagenheit. Immer wiederholtes Gurgeln. Rauche kaum, 3 Cigaretten. Das Wetter kühl und regnerisch. Füttern der Spatzen. Lese Einsteins «Mozart». Lasse mir‘s im Unklaren, wie lange dies Dasein währen wird. Langsam wird es sich lichten. Soll heute etwas im Stuhl sitzen. Verdauungssorgen und Plagen."

12. August 1955

Frühmorgens schwerer Kollaps mit nicht mehr messbarem Blutdruck. Eintritt des Todes um 20 Uhr. Todesursache: Riss der unteren Bauchschlagader

Quellen:

- Schriftsteller der Gegenwart Thomas Mann, Eberhard Hilscher, Volk und Wissen 1989
- Der Tod in Venedig - Erzählung, Thomas Mann, Aufbau-Verlag 1989
- Neue Sachlichkeit - Literatur im „Dritten Reich“ und im Exil, Hrsg. Henri R. Paucker, Philipp Reclam jun. Stuttgart 1999
- www.cwru.edu/artsci/modlang/german380/tonio.html
- www-x.nzz.ch/format/broadcasts/transcripts_124_37.html

Details

Seiten
3
Jahr
2001
Dateigröße
424 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v105349
Note
15 Punkte
Schlagworte
Mann Thomas Tonio Kröger Biographie

Autor

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