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Chancen und Risiken des Internets und anderer neuer Vertriebswege für Reiseveranstalter und Reisemittler

Hausarbeit 2001 15 Seiten

Tourismus - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

- Einführung

- Tourismuswirtschaft im Internet

- Der „typische“ Internet-Nutzer und was ihn kennzeichnet

- Was wird generell über das Internet verkauft?

- Wie groß ist das Potential?

- Wie wird das Internet die Reisebranche verändern?

- Was bringt das Internet für den Vertrieb bzw. welche Online Strategien haben die deutschen Veranstalter!

- Welche Veränderungen bringt das Internet für die Reisebüros?

- Der Vertriebskanalmix/ Multi-Channel

- Interactive TV

- Fazit

- Quellenverzeichnis

Einführung

Kaum eine andere Branche hat ihren Vertrieb in den letzten 20 Jahren derart auf elektronische Medien verlagert wie die Tourismusbranche.

Bis Mitte der siebziger Jahre war die manuelle direkte Reservierung über Telex, Telefon und Fax typisch für die gesamte Industrie. Nur Airlines arbeiteten schon länger mit intern verwendeten Systemen zur Buchungsbearbeitung.

Am Ende der siebziger wurden diese Systeme geöffnet und ausgebaut; weitere Leistungsanbieterkategorien kamen hinzu, so dass bald auch Pauschalangebote, Hotels und Mietwagen über diese CRS buchbar waren.

Es entwickelte sich eine Wertschöpfungskette vom Leistungsträger, Reiseveranstalter, Reisemittler (Reisebüro) zum Kunden. Gegenwärtig wird ein großer Anteil aller Buchungen über den Weg dieser elektronischen indirekten Reservierung durchgeführt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: bisherige Vertriebstruktur

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: zukünftige Vertriebstruktur

Die ursprüngliche Wertschöpfungskette und insbesondere die Position der Reisemittler/ Reisebüros steht wieder neu zur Diskussion, da der zunehmende Wettbewerbsdruck die Leistungsträger und Veranstalter zwingt, kostengünstige Alternativen zu den bisherigen Distributionswegen zu suchen. Das dezentral strukturierte Internet erlaubt hier den direkten Kontakt der Leistungsträger und Veranstalter zum Kunden, ohne Provisionszahlungen und Verwaltungsausgaben für die Mittler/ Reisebüros zahlen zu müssen.

Tourismuswirtschaft im Internet

Die reine Zielausrichtung auf die Buchungsfunktion alleine funktioniert nicht. Dem Nutzer muß auf der Internetpräsenz mehr geboten werden, als nur reine Vakanzabfrage.

Informationen über das Reiseziel oder der Erfahrungsaustausch mit anderen Reisenden sind wichtige Bestandteile, die nicht vernachlässigt werden dürfen. Das Produkt Reise muß dabei einfach sein („keep it simple and stupid“).

Je mehr Auswahlmöglichkeiten bei einzelnen Produktpaketen bestehen, um so mehr Informationsbedarf ist vorhanden. Dies bedeutet, dass gerade einfache Produkte Chancen für den Vertrieb im Netz haben. Bahnfahrkarten und Hotelübernachtungen sind einfache Produkte, bei denen wenig zusätzliche Information erforderlich ist.

Pauschalreisen dagegen sind online (noch) schlecht zu verkaufen, da den Internet-Nutzern das Vertrauen fehlt und der Urlaub einen stark emotionalen Charakter hat.

Die persönliche Beratung in den Reisebüros gibt den Konsumenten mehr Sicherheit.

Abzuwarten bleibt dabei, wie sich die Verbreitung des Internets in den Privathaushalten entwickelt und ob es den Reiseanbietern gelingt, passende Produktpakete für das Netz zu entwickeln.

Während die Chancen von aufwendigen Urlaubsprodukten im Internet ungewiß bleiben, wird dem virtuellen Vertrieb von Geschäftsreisen eine große Zukunft prophezeit. Das liegt daran, dass der Verkauf von Geschäftsreisen ein vorwiegend emotionsfreies Massengeschäft ist. Außerdem suchen Produzenten und Käufer nach preiswerten Vertriebsformen. Vor allem Fluggesellschaften und große Reiseanbieter treiben den Verkauf über das Netz voran. Fast alle Großen der Branche arbeiten an eigenen Netzprodukten. Die in den USA bereits beginnende Trennung der Angebote in Informationen für Urlauber und für Geschäftsreisende ist in Deutschland aber noch unüblich. Selbst Hotels, die zu internationalen Ketten gehören, bieten hier noch keine zielgruppenspezifischen Informationen an.

Der „typische“ Internet-Nutzer und was ihn kennzeichnet!

Der durchschnittliche „Surfer“ ist zwischen 20 und 50 Jahren alt und hat zumeist einen mittleren bis höheren Schulabschluß - häufig hat er ein abgeschlossenes Studium. Mittlerweile surfen fast so viele Frauen wie Männer im Netz.

Der Verdienst des durchschnittlichen „Surfers“ liegt bei 4000 DM aufwärts und zumeist ist er in mittleren bis gehobenen Positionen tätig.

Vor einigen Jahren stellten Studenten die klare Mehrheit im Netz, da diese meist umsonst über die Hochschule Zugang zum Internet erhielten; das hat sich jedoch in soweit geändert, als jetzt auch viele Arbeitnehmer am Arbeitsplatz surfen können.

Die Zahl der Internet-Nutzer wird also immer größer; nicht zuletzt auch durch die Tatsache, dass die Preise für PCs und die Onlinekosten immer weiter sinken und so auch für Private ein Internetzugang erschwinglicher wird.

In Jahre 2000 gab es in Deutschland ca. 14 Mio. private Computer, von denen gut 80% über einen Zugang zum Internet verfügten; die Tendenz ist eindeutig steigend.

Was wird generell über das Internet gekauft?

Diese Frage ist nicht leicht und eindeutig zu beantworten.

Sie sollte besser lauten: “Welche Produkte würden Sie über das Internet kaufen?“

Die Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit- dem geäußerten Wunsch der WWW- Nutzer, Produkte und Dienstleistungen online zu beziehen, und dem tatsächlichen Kauf im Internet (Look/Book Ratio)- ist noch deutlich sichtbar. Das gilt besonders für touristische Angebote.

So gaben nach einer W3B-Studie (Fittkau & Maaß) 41,1% der WWW-Nutzer an, dass sie sich vorstellen können, im Internet Reisen zu kaufen; tatsächlich getan haben das aber bisher nur 10,5%.

Bei einfacheren Produkten (wie z.B. Fähr- und Flugtickets) sieht die Look/Book Ratio etwas positiver aus; das Verhältnis liegt da bei 58,1% zu 21,7%.

Das macht deutlich, dass das Internet für die meisten Nutzer bisher nur als Informationsmedium gilt. Buchungen sind noch eher die Ausnahme.

Generell sind touristische Produkte im Internet jedoch sehr gefragt, was folgendes Schaubild zeigt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Kaufbereitschaft/ Welche Produkte würden Sie generell über das Internet kaufen?

Wenn man nur touristische Produkte betrachtet, ergibt sich folgende Look/Book Ratio.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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Abb. 4: Reisedienstleistungen im Internet / Basis ist eine repräsentative Gruppe von Internet-Usern (also nicht alle potentiellen Reisenden, sondern nur Besitzer eines Internet-Zuganges)- Angaben in Prozent!

Auffällig ist hier, dass im Geschäftsreisebereich geäußertes Interesse an touristischen Produkten fast dem tatsächlichen Buchungsanteil entspricht. Gründe liegen (s.o.) in der mangelnden Emotionalität des Produktes (es geht hierbei schließlich nicht um den eigenen Urlaub, sondern um dienstliche Reisen) und zweitens stehen Sicherheitsbedenken bzgl. Zahlung etc. nicht im Vordergrund, da im Auftrag und auf Rechnung des Arbeitgebers gebucht wird. Im Geschäftsreisebereich hat sich das Internet als Buchungsweg also schon durchgesetzt; das bestätigt auch eine W3B-Umfrage aus dem Frühjahr 2000 (FVW 22/2000).

Wie groß ist das Potential?

Der gesamte europäische Reisemarkt umfasst im Jahr 2000 ca. 370 Mrd. DM; davon werden ca. 4 Mrd. DM über das Internet erwirtschaftet, das entspricht in etwa einem Prozentsatz von 1,1 % (siehe Abb.5).

Im Jahr 2002 wird dieser Anteil schon bei 2% liegen; sollten der Reisemarkt bis dahin konstant bleiben, so entspräche das dann einem Volumen von ca. 7,5 Mrd. DM.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5 zeigt hier ganz eindeutig, dass es wieder die „einfachen“ Produkte wie z.B. die Flüge sind, die besonders stark über das Internet gebucht werden.

Zu beachten ist hier, dass die Basis nicht der alleinige Internet-Anteil der einzelnen

Reiseleistungen ist, sondern das gesamte Volumen der entsprechenden Reiseleistung bezogen auf den gesamten Reisemarkt. (Beispiel: 1,9% aller Flugbuchungen gehen über das Internet.)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Anteil der Internet-Reiseleistungen am Gesamtreisemarkt in Europa

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Abb. 6: Online-Reisemarkt in Europa (Stand 1999)

Der größte Online-Reisemarkt ist in Großbritannien zu finden; mit steigender Tendenz. In diesem Jahr wird dort mehr als 30% des europaweiten Online-Umsatzes realisiert. Zum Wachstum auf der britischen Insel hat vor allem die stürmische Entwicklung der Low Fare Airlines (Ryanair, buzz etc.) beigetragen, die ihre Flüge zu bis zu 30% nur über das Internet verkaufen. Bei diesen Gesellschaften handelt es sich um britische Unternehmen, so dass deren Online-Umsätze dem dortigen Online-Markt zufallen.

Auf Platz 2 der Online-Reisemärkte in Europa liegt Deutschland mit 27%. Allerdings wird sich diese Zahl in den kommenden Jahren leicht nach unten korrigieren (in 2000: 24%). Rund ein Viertel des europäischen Online-Reisevolumens wird danach in Deutschland erwirtschaftet.

Ausgehend von einem absoluten Volumen von 4 Mrd. DM in ganz Europa, entfallen auf den deutschen Internet-Reise-Markt also ca. 1 Mrd. DM.

Damit ist die Tourismusbranche das umsatzstärkste Segment im deutschen Online-Handel überhaupt.

Wie wird das Internet die Reisebranche verändern?

Das Internet war in der Vergangenheit in den meisten Fällen nur ein bloßes

Informationsmedium; sowohl auf Anbieter- als auch auf der Nutzer-Seite. In den folgenden Jahren kamen Transaktions- und Interaktionsfunktionen hinzu. Das Internet wurde vermehrt für den Direktvertrieb von Produkten und eine verbesserte Kundenbindung eingesetzt. Diese zweiseitigen Beziehungen zwischen Produzenten und Konsumenten werden in Zukunft über das Internet auf alle Beteiligten der touristischen Wertschöpfungskette ausgeweitet; das kann dann wie folgt aussehen (siehe Abb. 7 und 8).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 7: Ausweitung der Internetfunktionalität in den kommenden Jahren

Durch diese vollständige Integration des Internets in alle Bereiche der touristischen Wertschöpfung wird sich die Wertschöpfungskette zu einem interaktiven Netzwerk entwickeln. Vorteil ist hier, dass sich die Umsatzrendite steigern läßt (von jetzt kumuliert 3-4% auf dann 4-5% im gesamten Netzwerk). Die Wertschöpfungsgrenzen zwischen Vertrieb, Veranstalter und Produzenten verschwinden.

Begonnen hat diese Entwicklung mit der vertikalen Integrationspolitik der Veranstalter und deren Entwicklung zu Touristikkonzernen; dieser Prozess ist/ war zwingende Voraussetzung für die Verwirklichung eines interaktiven Wertschöpfungsnetzwerkes. Die fortlaufende vertikale Integration geht nun einher mit der Integration des Internets in alle betrieblichen Abläufe.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 8: Bisherige Wertschöpfungskette (vertikales Modell)

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Abb. 9: Wandel von der vertikalen zur interaktiven Wertschöpfungskette

Die Vorteile liegen auf der Hand:

- Schnellere Prozessabläufe innerhalb der Wertschöpfungskette

- bessere Steuerung am Markt, kürze Reaktionszeit auf Veränderungen

- Kostenersparnisse im Bereich von Organisation, Verwaltung und Personal

Was bringt das Internet für den Vertrieb bzw. welche Online Strategien haben die deutschen Veranstalter!

Jeder Veranstalter hat mittlerweile eine mehr oder minder ansprechende Website im Internet. Allen Veranstaltern gemein ist die Tatsache, dass die Webauftritte bisher noch reine Zusatzgeschäfte darstellen. Niemand verdient damit im Moment Geld. Bei der TUI gingen z.B. im August 1999 ca. 500 Buchungen über das Internet ein. 1,8 Mio. Besucher hatten sich im gleichen Monat auf die Site geklickt. TUI betont, dass diese Reisen nicht spezielle Schnäppchen sind, sondern dass es sich bei den online erworbenen Reisen um Produkte handelt, die in jedem Reisebüro erhältlich sind und nicht extra für das Netz aufgelegt wurden.

Einig sind sich alle Veranstalter darin, dass sie ihren Schwerpunkt auf den Flug-/ und Last Minuteverkauf legen, da dieses Produkt am wenigsten erklärungsbedürftig ist. Fast alle Veranstalter haben ihren Webauftritt inzwischen mehrfach überarbeiten lassen, um den Bedürfnissen der Kunden besser gerecht werden zu können. Jetzt wird viel mehr Zusatznutzen angeboten, die sich für den Kunden als nützlich erweisen, auch wenn er mal nicht verreisen will. Damit werden mehr Visits/ Besucher auf die Site gebracht. Insgesamt aber werden die Reiseangebote noch nicht so angenommen, wie man es erwarten könnte- und das obwohl die Seiten längst den Kinderschuhen entwachsen sind.

Vielen Sites fehlt es bislang an der persönlichen Ansprache des Kunden und der sog. USP (Unique Selling Proposition)- also dem, was eine Internetpräsenz unverwechselbar macht.

Dieser Anspruch ist bei einem Massenmedium wie dem Internet kein Widerspruch; der Nutzer möchte nämlich keinen vorkonfektionierten Einheitsbrei, sondern speziell auf seine Bedürfnisse abgestimmte Inhalte. Dieses sogenannte One-to-One Marketing läßt sich dadurch erreichen, dass der Kunde seine Profile (Vorlieben, Interessen, Wünsche) auf der Site hinterlassen kann. Er läßt sich so individueller behandeln und stärker an eine bestimmte Site binden (Kundenbindung).

Dieses individuelle Bedienen des Kunden erstreckt sich auch auf die Preisgestaltung. Der Preis wird in vielen Fällen schon vom Kunden vorgegeben; dies zeigt auch die zunehmende Zahl der Online-Auktionen.

So wird sich in Zukunft folgendes Bild ergeben (Abb. 10)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 10: Wandel von der hierarchischen zur integrierten Marktstruktur

Welche Veränderungen bringt das Internet für die Reisebüros?

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Abb. 11: Die Einbettung der Reisebüros in ein neues Vertriebsgefüge

Dem Reisebüro wurde schon oft das sichere Ende prognostiziert; insbesondere, wenn technische Neuerungen eingeführt wurden. Die Tatsache, dass es sie immer noch gibt, beweist das Gegenteil. Vieles spricht dafür, dass der klassische Reisebürovertrieb auch in Zukunft seine Berechtigung behalten wird. Abb. 11 zeigt ganz deutlich die Einbettung der Reisebüros in ein neues Vertriebsgefüge.

Das Internet wird dem Reisebüro zwar einige Buchungen gerade im Flug- und Last-Minute Bereich streitig machen, es beinhaltet aber auch ungeahnte Chancen.

Reisebüros sollten das Internet nicht als Konkurrenz, sondern als Chance für eine verbesserte Kundenkommunikation, aber auch für eine Stärkung des Selbstbewusstseins gegenüber den Handelsherren verstehen.

Angst vor internet-informierten Kunden ist vollkommen unbegründet. Ganz im Gegenteil

ergeben sich für Reisebüros neue Möglichkeiten im professionellen Verkauf. Das Reisebüro kann jetzt viel interaktiver auf die Wünsche des Kunden eingehen; es kann ihn individueller beraten und über das Internet stärker pflegen und binden.

Da Reisen ein sehr emotionales Produkt ist, wird es auch zukünftig überwiegend von Menschen verkauft werden und nicht von Internet-Maschinen (Websites).

Vergleich zwischen klassischem Reisebürovertrieb und Internetvertrieb:

- Im direkten Vergleich schneidet die Reisebüro-Beratung besser ab als die privat vorgenommene Urlaubsrecherche. Dies wird durch aktuelle Untersuchungen unterstützt.

- Die Bedeutsamkeit des reinen Preisvergleichs wird häufig überschätzt. Dies kann durch Umsatzzahlen aus dem Bereich der B2C-Computer-Preisvergleiche belegt werden.

- Die Vorteilsargumente für die (kostenfreie) Nutzung der menschlichen Beratungsdienstleistung sind zahlreich; warum sollte man dann mühsam selber im Internet suchen und Online-Gebühren zahlen.

- Das Reisebüro kann sich gegenüber dem Kunden als universaler Informationsbroker profilieren.

- Die Chance des Reisebüros liegt in der lokalen Präsenz und der emotionalen Kompetenz, die für den Verbraucher einen Geldwert hat.

Bei komplizierten Reisevorgängen kann der Kunde bisher und auch zukünftig nicht auf das Reisebüro verzichten. So gibt es z.B. bei Flugpreisen eine Vielzahl von Tarifklassen und Beschränkungen, die nicht jeder Kunde auf Anhieb durchschaut. Der Kunde wird niemals den gleichen Marktüberblick haben können, wie ihn ein Reisebüroexpedient hat.

Wichtig für die Reisebüros wird es aber auch sein, einige Kernstrategien zur Sicherung ihrer Existenz zu schaffen:

- Bündelung des Sortiments, um als Vertriebspartner Verhandlungsmacht zu erlangen · Realisation eigener Vertriebsmarken gegenüber dem Kunden, um sich (z.B. in einem speziellen Segment) ein eigenes Image und Profil zu schaffen

- Optimierung der technischen Ausstattung, um Beratungskompetenz zu gewährleisten

In Zukunft werden im Reisebüro verschiedene Informationsquellen (Internet und CRS) gleichberechtigt nebeneinander verwendet. Das Internet wird die gängigen Reservierungssysteme nicht ersetzten, denn die meisten Reisesites greifen bei Vakanzabfrage und Buchung auf die Daten der CRS-Großrechner zurück.

Aber der bisher übliche Zugang über ein eigenes Netzwerk aus Standleitungen wird mehr und mehr einem auf dem Internet basierenden Zugang weichen. Das spart dem Reisebüro monatliche Kosten in Höhe von ca. 160 DM für die Standleitung und die Gebühr pro Buchungsvorgang.

Wenn bald alle Funktionalitäten der klassischen CRS-Verbindung auch über das Internet verfügbar sind (Ausstellen von Bahn-Tickets und Backoffice Unterstützung), steht der internetbasierten CRS-Anbindung nichts mehr im Wege.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 12: Expedia.de als Beispiel für ein Reiseportal im Internet/ Internetreisebüro

Einige virtuelle Reisebüros wie z.B. www.Expedia.de versuchen die Funktionalitäten von Reisebüros in das Internet zu übertragen. Dies wird ihnen aber nur gelingen, wenn sie eine eigene Marke schaffen, die sich auf dem Markt etabliert.

Wieso werden einige Online Travel Sites wirtschaftlich nicht überleben können? (dazu einige Stichpunkte)

- Das Reisegeschäft ist ein Geschäft mit niedrigen Margen. Einstellige, allenfalls niedrige zweistellige Provisionssätze sind die Norm. Für Online-Reisebüros sind die Margen noch geringer.

- Fulfilment ist teuer. Die Kosten hierfür (Call Center, Ticketerstellung und Versand) fressen mehr als 50% der Provisionserlöse von Online-Reisebüros auf. · Viele Online Travel-Sites opfern ihre Profitabilität zu Gunsten der Gewinnung von Neukunden. Neukundengewinnung ist jedoch extrem teuer. Engere Bindung bereits bestehender Kunden wäre besser und billiger.

Der Vertriebs(kanal)mix

Es wird immer deutlicher, dass erfolgreiche neue Anbieter im Internet nie auf nur einen Vertriebskanal setzen, sondern immer einen Mix der Kanäle vorziehen; sie verfolgen damit eine sog. Multi-Channel-Strategie. Neben den Informations- bzw. Buchungsmöglichkeiten im Internet steht meist ein Call Center und/ oder mehrere stationäre Reisebüros zur Verfügung, die den Kunden am Telefon bzw. persönlich im Büro betreuen.

Vorteil dieser integrierten Strategie ist, dass auch Kunden erreicht werden, die gegenüber den neuen Medien noch eher skeptisch eingestellt sind und z.B. lieber zum Telefon greifen, als im Internet zu recherchieren . Auch schwierige Flugbuchungen bzw. komplexe und beratungsintensive Pauschalreisen lassen sich so abwickeln.

Interactive TV

Die Idee, Urlaub über den Fernseher zu buchen, ist in Europa nicht neu. In Großbritannien können Kunden schon länger über das TV buchen.

Mittlerweile ist Interactive TV auch in Deutschland Realität geworden; im März 2000 war Sendebeginn des ersten deutschen Reisefernsehsenders via1 aus Hamburg. Es wird jedoch einige Unterschiede zu den englischen Sendern geben. Im Gegensatz zum englischen Markt (wo nur der Preis zählt), zählen in Deutschland mehr die weichen Verkaufsargumente wie Sicherheit und Qualität.

Interactive TV ist kein Medium für die Buchung von Billigreisen. Der Durchschnittspreis pro Buchung lag z.B. beim britischen TV Travel Shop um ca. 140 Pfund (20 Prozent) höher als beim Rest der Branche.

Aus diesem Grund deckt der TV Travel Shop den mittleren und den oberen Bereich des Marktes ab. Nach Erfahrungen von TV Travel Shop scheinen Kunden, die über das Fernsehen einkaufen, über ein größeres Einkommen zu verfügen.

Der eigentliche Verkauf der Reisen erfolgt bei allen Sendern auch in Deutschland über ein Call Center, ganz nach britischem Vorbild.

Ein Problem in Deutschland wird jedoch die Verbreitung des Programms sein; im Moment sind die meisten Reisesender nur über das digitale Fernsehen (SAT/ Kabel) zu empfangen. Kunden, die keinen digitalen Decoder haben, können das Programm nicht empfangen. Aussagen über angestrebte Marktanteile und die technische Reichweite der Sender liegen bisher nicht vor.

TNS-Emnid Umfrage im Auftrag der fvw im Februar 2001

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ein großer Vorteil des interaktiven Reiseverkaufs über das TV liegt in der geringen Hemmschwelle, mit der potentielle Kunden diesem Medium begegnen. Das Fernsehen gehört zum Alltag einfach dazu und nur 1% der Deutschen sind TV-Muffel, die überhaupt kein TV haben oder nicht schauen.

Die oben dargestellte Grafik zeigt die Akzeptanz der Reise-Shopping-Kanäle bei der deutschen Bevölkerung:

- 17,4% interessieren Reisesendungen grundsätzlich nicht

- 27,9% betrachten Reisesendungen als reine Unterhaltung ohne Einfluss auf ihr

Reiseverhalten

- 44,8% schauen sich Reisesendungen an, um sich zu informieren; sie würden jedoch die dort angebotenen Reisen nicht buchen

- 9,9% informieren sich durch Reisesendungen und würden die Reise dann auch buchen

Dem Reiseverkauf über das TV steht also ein großes Potential gegenüber. Immerhin würden knapp 10% der Bundesbürger ihre Reise über das TV kaufen; das ist eine Zahl von der das Internet als Vertriebsmedium nur träumen kann.

Fazit

Eigentlich ist alles getan, um Reisen professionell über die neuen Medien zu vertreiben. Nur eines fehlt noch...der Kunde! Bisher ist es den Strategen noch nicht gelungen, die Gewohnheiten der Deutschen so zu verändern, dass dieser dem traditionellen Reisebüro den Rücken zuwendet und die „schönsten Wochen des Jahres“ über Internet oder TV bucht.

Den meisten Menschen sind die neuen Wege einfach noch zu suspekt. Den anderen, also denen, die z.B. das Internet schon gut kennen und regelmäßig nutzen, fehlen die wirklichen Vorteile, die auch sie zum Wechsel bewegen könnten!

Echte Enthusiasten, die auf das Internet schwören, bemängeln die fehlende Sicherheit bei der Abwicklung des Zahlungsverkehrs und die fehlende Aktualität der Daten/ Vakanzen.

Es wird noch einige Jahre dauern, bis sowohl die technischen Barrieren in den Netzwerken und die emotionalen Barrieren in den Köpfen der Kunden verschwunden sind. Aber selbst dann werden klassische Reisebüros immer noch ihre Berechtigung haben. Das Produkt „Reise“ ist für die meisten Menschen sehr stark emotional geprägt und mit vielen Ansprüchen verbunden, die nur in der Mensche-zu-Mensch Relation ermittelt werden können; Maschinen können da nur bedingt einen Ersatz bieten.

Es wird noch einige Jahre dauern, bis sowohl die technischen Barrieren in den Netzwerken und die emotionalen Barrieren in den Köpfen der Kunden verschwunden sind. Aber selbst dann werden klassische Reisebüros immer noch ihre Berechtigung haben. Das Produkt „Reise“ ist für die meisten Menschen sehr stark emotional geprägt und mit vielen Ansprüchen verbunden, die nur in der Mensche-zu-Mensch Relation ermittelt werden können; Maschinen können da nur bedingt einen Ersatz bieten.

Quellenverzeichnis:

FVW Spezial Technologie 24.09.1999

- Online-Strategien großer deutscher Veranstalter Die Startlöcher sind schon gegraben

Seite 32 bis 35

- Internet-Shopping wird für Web-nutzer immer attraktiver Immer mehr Surfer wollen auf Reisen gehen

Seite 38 bis 40

FVW Spezial Technologie 20.09.2000

- Das Feriennetz hat noch viele Löcher Online buchen? Reine Glückssache

Seite 62 bis 71

FVW Nr. 9 14.04.2000

- Flugbuchungstools im World Wide Web

Wie einfach sind Flüge im Internet zu buchen?

Seite 44 bis 45

FVW Nr. 12 12.05.2000

- In Kürze soll über Gesellschafterkreis der deutschen Tochter entschieden werden TV Travel Shop drängt auf deutsche Bildschirme

Seite 8 bis 9

FVW Nr. 29 03.12.1999

- Briten buchen bereits per Knopfdruck Seite 10

FVW Nr. 18 21.07.2000

- Digitales TV

Fernsehen und Internet verschmelzen

Seite 36 bis 37

FVW Nr. 18 21.07.2000

- Digitales TV

Fernsehen und Internet verschmelzen

Seite 36 bis 37

FVW Kongress Zukunft Wiesbaden, 20. September 2000

- E-Business in der Reisebranche

Chance oder Risiko?

Stefan Pichler Sprecher des Vorstandes C&N Touristic AG

FVW Kongress Zukunft Wiesbaden, 20. September 2000

- Angebotsvergleich in den Händen der Kunden- Bedrohung oder Chance für die Agenturen?

Prof. Dr. Wolfram Reulecke Geschäftsführender Gesellschafter IFF GmbH

FVW Kongress Zukunft Wiesbaden, 21. September 2000

- Strukturveränderungen durch den Online-Handel

Gehen Sonderpreise und Produkte am Reisebüro vorbei?

Michael Althoff Management Consulting, Bensheim

Research Centre of Bornholm, Denmark 09.-10.05.2000

- Quantifying Trends in European Internet Distribution Trends in Travel and Tourism Services

Carl H. Marcussen, PhD Senior Researcher

Tourismus Jahrbuch 1998, Heft 2

- E-Commerce: Fakten, Fakten, Fakten Dr. Christian Schleuning

Allensbacher Computer- und Telekommunikationsanalyse (ACTA 1998) · Online Nutzung nach Soziodemografie

Quelle: Focus-Online

FVW Nr. 4 16.02.2001

- Internetbasierte CRS-Anbindungen erobern den Counter Das Internet kappt die Standleitung

Seite 52 bis 53

FVW Nr. 3 28.01.2000

- Fittkau & Maaß nennen Defizite bei Reiseangeboten im Internet Großes Interesse, aber wenig Umsätze

Seite 45

FVW Nr. 2 19.01.2001

- Wohin geht die Reise im Internet? Der Goldrausch ist vorbei.

Seite 52

FVW Nr. 5 26.02.2001

- Veranstalter wollen die Wohnzimmer erobern

Konzerne und Mittelständler über ihre Pläne für den Reiseverkauf im Fernsehen

Seite 50 ff.

Details

Seiten
15
Jahr
2001
Dateigröße
619 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v104980
Note
bestanden
Schlagworte
Chancen Risiken Internets Vertriebswege Reiseveranstalter Reisemittler

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Titel: Chancen und Risiken des Internets und anderer neuer Vertriebswege für Reiseveranstalter und Reisemittler